Little Green Men im Sudetenland

In Bezug auf die Ukrainekrise und auch die russischen Drohgebärden in Richtung der baltischen Staaten taucht immer wieder die Beschwörung der Gefahr mindestens eines neuen Kalten Kriegs, möglicherweise aber auch eines zu einem echten, heißen Kriegs eskalierenden Zwischenfalls zwischen den EU/NATO-Staaten auf der einen und Russland auf der anderen Seite auf. In einem Zeitalter, das den dreißigsten Jahrestag des Mauerfalls zu begehen gedenkt und dessen Armee mittlerweile eher die Stabilisierung von failed states fern der Heimat denn die Verteidigung selbiger Heimat gegen einen Panzervorstoß durch die norddeutsche Tiefebene zu ihren Pflichten zählt, scheint diese Gefahr nicht wirklich vorstellbar zu sein. Wie ein solcher Konflikt aber tatsächlich zu einer dramatischen Krise werden kann, zeigt uns ein Blick in die Geschichte des Jahrs 1938 – und nein, wir reden nicht vom Appeasement im September. Wir reden von dem, was davor kam: die deutsche Version der „Little Green Men“. [continue reading…]

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Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Sie werden mit einem Zitat aus dem Text angeteasert, das ich für meine folgenden Bemerkungen dazu für repräsentativ halte. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist meist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels erforderlich; ich fasse die Quelltexte nicht noch einmal zusammen. Für den Bezug in den Kommentaren sind die einzelnen Teile durchnummeriert; bitte zwecks der Übersichtlichkeit daran halten. [continue reading…]

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Die Europawahl – europäisch betrachtet

In meinem ersten Artikel zur Europa-Wahl hatte ich mich auf die deutsche Perspektive beschränkt. Ich möchte nun einen etwas weiter gefassten Blick nachreichen. Ich möchte mich dazu im Folgenden mit der neuen Zusammensetzung des Parlaments und den sich daraus ergebenden Veränderungen für die EU-Politik, der Personaldebatte um die europäische Spitzenpositionen und einem Blick auf die innenpolitischen Verschiebungen einiger ausgewählter Staaten beschäftigen. Ich versuche, mich dabei auf jene Bereiche zu beschränken, von denen ich einigermaßen zuversichtlich bin fundierte Meinungen beitragen zu können; die Auswahl ist daher keine Reflektion von Wichtigkeit, sondern meiner persönlichen Grenzen. Damit genug der Vorrede, los geht’s. [continue reading…]

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Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Sie werden mit einem Zitat aus dem Text angeteasert, das ich für meine folgenden Bemerkungen dazu für repräsentativ halte. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist meist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels erforderlich; ich fasse die Quelltexte nicht noch einmal zusammen. Für den Bezug in den Kommentaren sind die einzelnen Teile durchnummeriert; bitte zwecks der Übersichtlichkeit daran halten. [continue reading…]

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Hintergrund: Seenothilfe in Distress

Das Bild der Seenotrettung ist äußerst positiv besetzt. Vor dem geistigen Auge erscheinen Gekenterte, die SOS funken und durchnässt an Bord des herbeieilenden Schiffs gezogen werden. Vielleicht leben viele auch noch in ihrer Robinson Crusoe-Welt, gestrandet auf einer unwirtlichen, einsamen Insel. Mit der heutigen Zeit, wo Seenotrettung als Geschäftsmodell für den Transport von Flüchtlingen aller Art eingesetzt wird, hat das alles nichts mehr zu tun. Die Logistik des Schlepperwesens ist global gut ausgebaut, freiwillige Helfer, inspiriert von abgehobenen, realitätsinkompatiblen Idealen, sind ein wesentlicher Teil der Maschinerie. Wenn es noch einen Zweifel gegeben hätte, welche Motive die aufgegriffenen Passagiere der Sea Watch getrieben haben, so lieferten sie diese gegenüber Journalisten. Es sind die üblichen Geschichten von schlechten Bedingungen in der Heimat und Hoffnung auf ein besseres Leben in Europa. Auf der letzten Station in Libyen als Geiseln für den Wegzoll genommen, bestiegen sie am Ende die Boote, die sie zu den Flüchtlingshelfern auf See bringen sollten. Ehrenwert, aber nicht mit den Regeln für Flüchtlinge kompatibel. Im Folgenden gebe ich Bericht und Einschätzung einer Person weiter, die mit den örtlichen Verhältnissen im Mittelmeer gut vertraut ist und häufig privat zur See fährt. Es untermauert, wie industrialisiert die Schlepper und Seenotretter in ihrer Handelskette arbeiten. [continue reading…]

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Der schmutzige Flüchtlingsdeal der Seenotretter

Als im Herbst 2015 an den deutschen Grenzen alle Dämme brachen, veränderte dies das Land für immer. Seit dem Ansturm von über einer Million Menschen aus ärmsten Regionen ist das Verhältnis des politischen Deutschland mit seinen europäischen Nachbarn aufs Tiefste gestört. Die überwiegende Mehrheit der EU-Mitbürger versteht bis heute nicht, was die Regierung Merkel geritten hat, ihr Land einem solchen Transformationsprozess auszusetzen. Seitdem Landesregierungen hinweggefegt und die einstmals große Koalition der beiden politischen Lager auf eine symbolische Mehrheitsgröße zusammengeschmolzen wurde, gilt der Schwur: der heiße Herbst der Flüchtlingskrise darf sich nicht wiederholen. Es ist ein Versprechen an die verunsicherte Mehrheitsgesellschaft, niemals wieder tollkühn den Wohlstand und die soziale Leistungsfähigkeit der Bevölkerung auszutesten. In den vergangenen vier Jahren wurden die Festungsmauern um die Insel der globalen Glückseligkeit hochgezogen. Brüssel schloss Abkommen mit diktatorischen Regimen in Ankara und Tripolis, um die Flüchtlingsrouten zu schließen und die Trecks verzweifelter Menschen zu einem Halt zu zwingen. Doch die europäischen Politiker haben die Rechnung ohne die heimliche Koalition von skrupellosen Schleppern und fanatisch gesinnten Seenotrettern gemacht. [continue reading…]

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Die erste Debatte der Demokraten

Ein Gastbeitrag von Ralf.

Nun ist sie also vorbei, die erste offizielle Debatte der Demokratischen Primaries. Wegen der Masse an Kandidaten, musste das Event auf zwei Nächte verteilt werden. „Eine Partei kann sich glücklich schätzen eine so große Auswahl zu haben“, mögen manche sagen, allerdings hat sich bestätigt, dass unter den 20 Wettbewerbern nur eine winzige Minderheit die Fähigkeit besitzt einen erfolgversprechenden Wahlkampf um das Weiße Haus zu führen. Stellenweise war es erschreckend wie unfähig Kandidaten waren ihre auswendig gelernten und hundertfach geprobten Statements flüssig und mit dem Anschein von Spontanität zu präsentieren. Weshalb die Liste der Teilnehmer der TV-Debatte zuvor nicht zumindest auf diejenigen Kandidaten zusammengeschrumpft worden war, die wenigstens mehr als 4-5% der Stimmen in den gegenwärtigen Umfragen bekommen, bleibt das Geheimnis des Democratic National Committee (DNC). Und wem dieses Format bei seiner Entscheidungsfindung hilft, mit seinem engen Korsett von 45 Sekunden-Antworten und gestelztem Tournier-Gehabe, bei dem die Antworten der Kandidaten fast grundsätzlich keinerlei Bezug zur entsprechenden Frage haben, sondern auswendig gelernte Soundbites sind, die beliebig eingeworfen werden, wann immer ein unangenehmes Thema zu umschiffen ist, ist ebenfalls eine interessante Frage. [continue reading…]

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Die gähnende Langeweile der Pflichtlektüren

Wie einige regelmäßige Leser dieses Blogs sicher wissen, bin ich unter anderem auch Deutschlehrer. Das ist etwas, das hier im Normalfall keine große Rolle spielt, aber ich will heute mal eine Ausnahme machen und über ein Thema schreiben, das mich schon seit längerer Zeit nervt: die gähnende Langeweile der Abitur-Pflichtlektüren. Um was geht es? Im gymnasialen Abitur Baden-Württemberg werden immer für ca. vier Jahre drei Lektüren verpflichtend behandelt (daher der Terminus „Pflichtlektüren“; in anderen Bundesländern wird der Kanon weiter gefasst, aber dafür in den Aufgabenstellungen natürlich auch nicht so tief gegangen wie in BaWü). Dabei wird üblicherweise auf eine Gattungsmischung geachtet; es ist also eigentlich immer ein Drama, ein Roman und häufig eine Novelle dabei. Unter den insgesamt fünf Themenbereichen des Deutsch-Abis nerven mich diese Pflichtlektüren am meisten – wegen ihrer gähnenden Langeweile. [continue reading…]

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Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Sie werden mit einem Zitat aus dem Text angeteasert, das ich für meine folgenden Bemerkungen dazu für repräsentativ halte. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist meist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels erforderlich; ich fasse die Quelltexte nicht noch einmal zusammen. Für den Bezug in den Kommentaren sind die einzelnen Teile durchnummeriert; bitte zwecks der Übersichtlichkeit daran halten. [continue reading…]

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