Gestern Nacht starb die Verfassungsrichterin Ruth Bader Ginsburg im Alter von 87 Jahren. Ginsburg war eine Ikone der Progressiven in den USA, ein Urgestein der Frauenrechtsbewegung und mit gewaltigem Einfluss auf die Rechtsprechung in den USA und darüber hinaus. Doch aktuell steht weniger ihr Lebenswerk im Fokus der Aufmerksamkeit als die Folgen ihres Todes. Man mag das makaber finden, aber Ginsburg selbst hatte wenige Wochen vor ihrem Tod ihrer Enkelin ein Statement gewidmet, indem sie als letzten Wunsch formulierte, nicht von Trump in dessen erster Amtszeit ersetzt zu werden. Man kann also sagen, dass der Gedanke selbst ihr der Wichtigste war. Wir wollen uns daher genau dieser Frage widmen, denn Ginsburgs Tod ist der Kulminationspunkt einer seit mittlerweile sechs Jahren schwelenden Verfassungskrise in den USA, der das Zeug dazu hat, diese zum vollen Ausbruch zu bringen. [continue reading…]

{ 14 comments }


Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Sie werden mit einem Zitat aus dem Text angeteasert, das ich für meine folgenden Bemerkungen dazu für repräsentativ halte. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist meist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels erforderlich; ich fasse die Quelltexte nicht noch einmal zusammen. Für den Bezug in den Kommentaren sind die einzelnen Teile durchnummeriert; bitte zwecks der Übersichtlichkeit daran halten. [continue reading…]

{ 126 comments }


Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Sie werden mit einem Zitat aus dem Text angeteasert, das ich für meine folgenden Bemerkungen dazu für repräsentativ halte. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist meist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels erforderlich; ich fasse die Quelltexte nicht noch einmal zusammen. Für den Bezug in den Kommentaren sind die einzelnen Teile durchnummeriert; bitte zwecks der Übersichtlichkeit daran halten. [continue reading…]

{ 459 comments }

Bericht von der Demo am 29.08.2020 in Berlin

Vorneweg

Ich distanziere mich, sowie die Redner an der Siegessäule, von jedem rechts- oder linksradikalen Gedankengut. Ich lehne jegliche Gewalt gegen Menschen oder Dinge ab. Sowie dies auch diverse Redner auf der Demo und im Vorfeld der Demo getan haben.

Außerdem möchte ich daraufhinweisen, dass Attila Hildman, weder mein Führer noch Koch ist. Als er am Reichstag den Sturm auf die Bastille nachspielte, war ich drei Kilometer weit weg an der Siegessäule. Die drei Polizisten die dort ausgehalten haben, haben meinen höchsten Respekt. Ich hoffe es geht ihnen gut! [continue reading…]

{ 238 comments }


Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Sie werden mit einem Zitat aus dem Text angeteasert, das ich für meine folgenden Bemerkungen dazu für repräsentativ halte. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist meist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels erforderlich; ich fasse die Quelltexte nicht noch einmal zusammen. Für den Bezug in den Kommentaren sind die einzelnen Teile durchnummeriert; bitte zwecks der Übersichtlichkeit daran halten. [continue reading…]

{ 32 comments }

Ein Herz für Kontrolleure

In einer in Unordnung geratenen Welt gilt Deutschland als Hort der Gelassenheit. Nicht zuletzt der Umgang mit der Corona-Pandemie scheint für viele das Bild zu bestätigen: Deutschland does it better. Während in einigen Ländern Populisten an der Macht ihre Bürger ob Ignoranz vor der gesundheitlichen Gefahr regelrecht umbringen oder andernorts angesichts chaotischer Staatskunst die Systeme gleich kollabierten, wird bestaunt, mit welcher Ruhe die Deutschen die Einschränkungen in ihrem Leben meistern. Da fallen auch ein paar Demonstranten nicht ins Gewicht, die sich ohnehin jederzeit selbst diskreditieren, wenn sie sich hinter Reichsflaggen versammeln. Den Rest besorgt das gerade hierzulande ausgeprägte Gemeinschafts- und Verantwortungsgefühl, nicht nur für sich, sondern auch für die Ordnung in Nachbars Garten verantwortlich zu sein. Verstöße gegen den Common Sense des Landes werden mit kurzen Verweisen korrigiert, der Fremde auf der Straße diskret auf die nicht korrekt sitzende Maske hingewiesen. Viele Deutsche empfinden Verantwortung für das große Ganze, sie glauben nicht an Fortschritt durch Wettbewerb und Konkurrenz, sondern an den Erfolg durch das Ziehen an einem Strang. Diese Überzeugung erlebt nun im Kampf gegen ein erstaunlich unsichtbares Virus eine Hochzeit, aber es gilt als Blaupause für die elementaren politischen Probleme, insbesondere für die Bekämpfung des Klimawandels. [continue reading…]

{ 48 comments }

Bücherliste August 2020


Anmerkung: Dies ist einer in einer monatlichen Serie von Posts, in denen ich die Bücher und Zeitschriften bespreche, die ich in diesem Monat gelesen habe. Darüber hinaus höre ich eine Menge Podcasts, die ich hier zentral bespreche, und lese viele Artikel, die ich ausschnittsweise im Vermischten kommentiere. Ich erhebe weder Anspruch auf vollständige Inhaltsangaben noch darauf, vollwertige Rezensionen zu schreiben, sondern lege Schwerpunkte nach eigenem Gutdünken. Wenn bei einem Titel sowohl die englische als auch die deutsche Version angegeben sind, habe ich die jeweils erstgenannte gelesen und beziehe mich darauf. In vielen Fällen wurden die Bücher als Hörbücher konsumiert; dies ist nicht extra vermerkt.

Diesen Monat in Büchern: Deutsche Gesellschaftsgeschichte, Winterkrieg, Teenager-Hirn, Mythen.

Außerdem diesen Monat in Zeitschriften: Wir schaffen das, Deutsche Einheit, Die Karibik [continue reading…]

{ 0 comments }

Eine überbewertete Demo


Am gestrigen Samstag demonstrierten rund 30.000 Menschen in Berlin gegen eine Reihe verschiedener echter oder eingebildeter Zustände. Die Demo hatte bereits im Vorfeld für reichlich Wirbel gesorgt; die Stadt Berlin hatte sie in einer fragwürdigen Entscheidung mit einer noch viel fragwürdigeren Begründung zu verbieten versucht. Wenig überraschend hob das Gericht diese Entscheidung wieder auf und erlaubte die Demonstration – unter Auflagen, wie die Einhaltung von Sicherheitsabständen und das Tragen von Masken. Dass eine Demonstration gegen das Einhalten von Sicherheitsabständen und das Tragen von Masken den Sicherheitsabstand nicht einhalten und die Maske nicht tragen würde, dürfte ebenso wenig überraschend gewesen sein. Folgerichtig löste die Polizei die Veranstaltung auf, worauf die Demonstration, begleitet von sporadischen Festnahmen, noch einige Stunden weiterging, ehe sie ihren Höhepunkt in dem „Sturm“ einiger DemonstrantInnen auf den Reichstag fand, wo sie von drei Polizisten abgehalten wurden das Gebäude zu betreten, bis Verstärkung eintraf und dem Spuk ein Ende bereitet. Diese Ereignisse halten Bundesdeutschland mittlerweile seit drei Tagen in Atem. [continue reading…]

{ 511 comments }

Die Mär vom Wirtschaftswunder

Jeder Staat hat seinen Gründungsmythos. Das Deutsche Reich hatte Sedan, die Weimarer Republik den Versailler Vertrag und die Revolution von 1918/19, Frankreich die Französische Revolution, England die Glorious Revolution, die USA den Unabhängigkeitskrieg. Die UdSSR hatte die Oktoberrevolution, China hat den Langen Marsch, Vietnam den Krieg gegen Frankreich und Israel den Krieg von 1948, den es mit Palästina als Gründungsmythos teilt. Die obige Aufzählung zeigt, dass Gründungsmythen nicht immer, aber doch meist positiv sind. Was die obige Darstellung noch nicht zeigt, was aber kurz skizziert werden soll, ist, dass diese Gründungsmythen historisch nie haltbar sind und stark eine bestimmte Deutung forcieren, die wichtige Tatsachen unter den Tisch fallen lässt. Sedan ist hier noch am Ehrlichsten; die gewonnene Schlacht gegen die Franzosen und anschließend die Ausrufung des Reiches im Spiegelsaal von Versailles sind faktisch belegte Ereignisse; freilich unterscheidet sich ihre Interpretation.

[continue reading…]

{ 127 comments }


Geschichten über das Leben in der Diktatur erfreuen sich einer ungebrochenen Beliebtheit, was angesichts unserer Erfahrungen mit solchen – die zwölf Jahre des Dritten Reiches und, für diejenigen, die das Pech hatten auf der östlichen Seite der Zonengrenze zu leben, weitere vierzig Jahre „realsozialistische“ Diktatur – wenig verwundern dürfte. Oftmals drehen sich solche Geschichten entweder zentral um Widerstand gegen diese Diktaturen oder sie haben widerständlerische Elemente in einigen oder allen Charakteren. Mir ist dabei ein Trend aufgefallen: Deutsche Geschichten dieser Art, ob in Roman oder Film, neigen zu einer entpolitisierten, existenziellen Art des Widerstands. Und ich halte das für ein Problem. [continue reading…]

{ 63 comments }