Ein Versagen der Umfrageinstitute?

logo_general_fin_webDie Umfrageinstitute haben sich eine ganze Menge Häme anhören müssen. Sie alle sagten unisono einen Sieg Clintons voraus; in den Wahrscheinlichkeitsrechnungen lag die Chance eines Clinton-Sieges zwischen 70% (beim hier recht konservativen 538) bis 99,8% (bei der Huffington Post). Im popular vote führte Clinton in Umfragen rund drei bis vier Prozent, im electoral college mit im Schnitt 300-310 Stimmen. Offensichtlich ist es so nicht gekommen. Zeigt dies aber wirklich ein komplettes Versagen der Demoskopie, wie allenthalben zu lesen war und ist? Oder lässt sich der Unterschied zwischen Vorhersage und Realität erklären, ohne gleich eine völlige Bedeutungslosigkeit der Institute zu postulieren? Tatsächlich scheint mir letzteres der Fall zu sein, und ich will im Folgenden erklären weshalb.  [click to continue…]

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In eigener Sache: Artikel-Sprache

Es wurde an mich herangetragen, Artikel über die US-Politik direkt auf Englisch zu schreiben. Der Vorteil wäre, dass auch Native Speaker sich an der Diskussion beteiligen könnte, während der Nachteil der Einstiegshürde eher gering sei, da die Leute die das hier lesen ohnehin interessiertes Fachpublikum sind. Meinungen?

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Kommt erst mal aus eurer eigenen Blase raus!

 logo_general_fin_webOb in Deutschland oder in den USA, die Zeitungen sind voll von Selbstkasteiungen: warum man Trump unterschätzt hat, wieso man es nicht hat kommen sehen, wieso man sich seiner selbst so sicher war. Verbunden ist es immer mit der Aufforderung, nun – unter dem Schock der Niederlage nach dem sicher geglauten Clinton-Sieg – die Blase der liberalen Küstenelite zu verlassen und einen Blick in die ländlichen Regionen zu werfen, die Trump zum Sieg verholfen haben, vom Rustbelt des Mittleren Westen über den Panhandle Floridas hin zu den Counties der Appalachen. Was Clinton das Genick schließlich brach waren Trumps knappe Siege in ihrer „Firewall“, von Wisconsin über Michigan zu Pennsylvania. War es also liberale Arroganz, den Aufstand des real America nicht zu sehen? Waren wir in unseren culture wars verheddert und sahen nicht, dass sich Amerika von uns abwandte? Haben wir zu sehr „identity politics“ betrieben und darüber vergessen, was wirklich zählt? Es ist ein schönes und gut greifbares Narrativ, und es ist kein Wunder, dass es gerade überall zu lesen ist. Es erhöht auch immer gleich den Schreiberling, der es entweder immer schon gewusst hat oder nun Bescheidenheit demonstrieren und sich auf die Siegerseite stellen kann. Es ist aber leider auch ungeheuer heuchlerisch.

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Trump. Sehr viele erste Gedanken

logo_general_fin_webTrump also.

Es folgen weitgehend unsortierte Gedanken, lose verknüpft. Was folgt, ist lang, roh und unbehauen. Und auch nicht erschöpfend. Aber ich musste das alles einmal aufschreiben, um mich zu sortieren.

1 Historisch ohne Beispiel

So oft habe ich gelesen und gesagt bekommen, jetzt solle man nicht überreagieren. Vielleicht werde alles halb so schlimm. Ja, möglich.

Doch diese Wahl ist einzigartig. Es gibt in der Geschichte kein Beispiel, nichts Vergleichbares, um daraus irgendetwas abzuleiten für die kommenden vier Jahre.

Ein bisschen mehr als 200 Jahre hat die moderne Demokratie jetzt hinter sich. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs wirkt sie sehr stabil, getragen von den USA und Europa. Seitdem wurde keine der großen Demokratien jemals von einem autoritären (also: anti-demokratischen) offen minderheitenfeindlichen Mann regiert und keine von einem Narzissten.

Reagan war nicht Trump. George W. Bush war schon gar nicht Trump. Nicht einmal Nixon war Trump.

Und die USA sind nicht irgendein Staat dieser Welt. Sie sind politisch, wirtschaftlich und militärisch so weit vor allen anderen Staaten der Erde, dass ein Flügelschlag dort weltweit Chaos auslösen kann.

Kein Staat und keine Allianz dieser Welt, kann ernsthaft Einfluss nehmen. (Die einzigen, die etwas tun können, sind die Menschen in den USA – aber nur organisiert. Nur in Massen. Nur als, ja: das Volk. Aber Organisation ist schwierig und kann durch Gegenorganisation gekontert werden.)

Natürlich können die kommenden vier Jahre weitgehend ereignislos verstreichen. Vielleicht geht alles gut. Das muss nicht das Ende des demokratischen Zeitalters sein, an das wir uns gewöhnt hatten.

Aber niemand sollte sich etwas vormachen: Das kann das Ende des demokratischen Zeitalters sein, an das wir uns gewöhnt hatten. [click to continue…]

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Update aus dem Maschinenraum

Falls sich jemand wundert, warum bisher keine Artikel von mir zum Ausgang der US-Wahl kamen: das liegt nicht daran, dass ich verzweifelt und niedergeschlagen bin (obwohl das der Fall ist) oder dass ich bescheiden geworden das Klugescheißern an den Haken gehängt habe (träumt weiter), sondern dass die Zahlen des Wahlergebnisses noch so im Fluss sind, dass keine Analyse möglich ist, und eine Abschätzung der Konturen der Trump-Präsidentschaft noch etwas Zeit braucht. Alles andere ist Spekulation, und davon ist das Netz gerade voll, da brauche ich nicht meine auch noch dazuzustopfen.

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Die Abgehängten schlagen zurück

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Vor einem Jahr ging ein Running Gag so: Donald Trump ist Präsident der USA. Das Unvorstellbare ist wahr geworden. Wir leben in postfaktischen Zeiten. Kaum noch jemand interessiert sich für das, was ist, sondern nur, wie die Welt wahrgenommen wird. Die US-Präsidentenwahl wie das Votum zum BREXIT gewannen die besseren Lügner. Nicht mal nach Optik wird mehr gewählt, mit Donald Trump wie Boris Johnson gewannen jeweils fettbeleibte, äußerlich völlig unattraktive alte Männer. [click to continue…]

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Heute

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Heute

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Der Mythos von der Wechselstimmung

logo_general_fin_webEin nicht totzukriegender Mythos der US-Wahlen 2016 ist die Idee, dass der grundsätzliche Trend den Republicans in die Hände spielen muss. Die grundsätzliche Geschichte lautet in etwa so: Nach acht Jahren Obama und einer weiterhin miesen Wirtschaftslage verlangt die Wählerschaft nach einem Wechsel. Eine solche Stimmung befördert stets die Oppositionspartei und innerparteiliche Konkurrenz. Bernie Sanders große Erfolge und Trumps Nominierung sind der Ausdruck davon, ebenso die hohen unfavorables für Hillary Clinton. Würde Clinton nicht gegen einen politischen Amateur wie Trump und seine zahllosen Fehler antreten, sondern gegen [hier Lieblings-Republican einsetzen], dann würde sie klar verlieren. Das klingt vernünftig und logisch. Leider ist es weder das eine noch das andere, sondern vor allem eine Kombination aus einer tollen Geschichte und zu simpel gedachten Mechanismen. In Wirklichkeit ist 2016 kein Wechseljahr, und die Republicans haben nicht irgendeinen eingebauten Vorteil mit der Aufstellung Trumps verspielt. Ich werde im Folgenden versuchen, diese These zu begründen. [click to continue…]

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Klassenbewusstes Reisen

Schon als Kind liebte ich das Reisen. Zwar bin ich während meiner Kindheit nur ein einziges Mal mit meinen Eltern in den Urlaub geflogen, aber jeden Sommer ging es mit Auto und Boot in südliche Gefilde. Was ich dagegen nie verstand: warum so viele Menschen das Gleiche tun. Nie wieder bin ich als Erwachsener an die Stätten des Massentourismus der 70er Jahre gereist. Gerade unterwegs möchte ich mit meinen Mitmenschen eigentlich wenig zu tun haben. [click to continue…]

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