Geoffrey Parker – Global Crisis. War, Climate Change and Catastrophe in the Seventeenth Century (Hörbuch)

Teil 1 hier.

Im siebten Teil, „The Ottoman Tragedy 1618-1683“, behandelt Parker in einem mittlerweile schon fast altbekannten Muster die Probleme eines Imperiums im 17. Jahrhundert. Es ist beinahe schon zum Mitaufsagen: das Osmanische Reich litt unter Misswirtschaft, weil seine Strukturen nicht mehr zu der veränderten Gesellschaft passten. Elitäre Schichten pressten parasitär die Bevölkerung aus, die durch die Kleine Eiszeit unter massiven Druck geriet. Steigende Steuerlast und fehlende staatliche Kapazitäten führten zu Revolten. Hungersnöte vor allem in den peripheren, für die Landwirtschaft nur eingeschränkt geeigneten Gebieten, die in der Warmzeit des 16. Jahrhunderts besiedelt worden waren, führten zur Entvölkerung ganzer Landstriche. Dies wurde als Strafe Gottes angesehen, so dass es zu religiösen Auslegungskonflikten kam.

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Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Die „Fundstücke“ werden mit einem Zitat aus dem Text angeteasert, das ich für meine folgenden Bemerkungen dazu für repräsentativ halte. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist meist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels erforderlich; ich fasse die Quelltexte nicht noch einmal zusammen. Für den Bezug in den Kommentaren sind die einzelnen Teile durchnummeriert; bitte zwecks der Übersichtlichkeit daran halten. Dazu gibt es die „Resterampe“, in der ich nur kurz auf etwas verweise, das ich zwar bemerkenswert fand, aber zu dem ich keinen größeren Kommentar abgeben kann oder will. Auch diese ist geordnet (mit Buchstaben), so dass man sie gegebenenfalls in den Kommentaren referieren kann. [continue reading…]

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Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem  Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Die „Fundstücke“ werden mit einem Zitat aus dem Text angeteasert, das ich für meine folgenden Bemerkungen dazu für repräsentativ halte. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist meist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels erforderlich; ich fasse die Quelltexte nicht noch einmal zusammen. Für den Bezug in den Kommentaren sind die einzelnen Teile durchnummeriert; bitte zwecks der Übersichtlichkeit daran halten. Dazu gibt es die „Resterampe“, in der ich nur kurz auf etwas verweise, das ich zwar bemerkenswert fand, aber zu dem ich keinen größeren Kommentar abgeben kann oder will. Auch diese ist geordnet (mit Buchstaben), so dass man sie gegebenenfalls in den Kommentaren referieren kann. [continue reading…]

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Nachdem bekannt wurde, dass es an Sylvester tätliche Angriffe auf Rettungskräfte gab, entbrannte in Deutschland eine Debatte über die Ursachen. Diese schaffte es knapp, etwas intelligenter als die Sommerlochdebatte um Winnetou zu sein, aber auch nur knapp. Der angerichtete Flurschaden dürfte dafür größer ausfallen, und sie ist auch ein Symptom und Anlass für Kaskadeneffekte. Grund genug für Stefan und Ariane, sich die Lage etwas genauer anzuschauen. [continue reading…]

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Geoffrey Parker – Global Crisis. War, Climate Change and Catastrophe in the Seventeenth Century (Hörbuch)

Der menschengemachte Klimawandel ist die große Herausforderung des 21. Jahrhunderts. Aber bereits vergangene Jahrhunderte litten unter den Folgen des Klimawandels. Die Umbruchszeit des 17. Jahrhunderts war von der so genannten „kleinen Eiszeit“ beherrscht, deren Auswirkungen in der jüngeren Zeit immer mehr in den Fokus der Wissenschaft geraten. Auch wenn es naturgemäß angesichts der Quellenlage schwierig ist, präzise meteorologische Daten zu erhalten, so ist die Beschäftigung mit der Frage, inwiefern klimatische Umstände die Geschichte der Menschheit bedingen, eine mehr als relevante (siehe dazu auch Kyle Harpers „Fate of Rome“). Das Klima ist, wie wir inzwischen leidvoll erfahren haben, eine globale Angelegenheit, so dass eine Geschichtsschreibung des Einflusses des Klimawandels im 17. Jahrhundert dessen globale Geschichte ins Auge fassen muss. Wie der Untertitel schon sagt, ist es ein Zeitalter der Krisen: Krieg und Katastrophen bestimmten den Alltag. China etwa versinkt in dieser Epoche in eine fast siebzigjährige Zeit der Kriegführung. Erdbeben erschüttern Europa. Dürre sucht Virginia heim. Es ist ein düsteres Bild, das Parker hier zeichnet. [continue reading…]

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Bücherliste Januar 2023

Anmerkung: Dies ist einer in einer monatlichen Serie von Posts, in denen ich die Bücher und Zeitschriften bespreche, die ich in diesem Monat gelesen habe. Darüber hinaus höre ich eine Menge Podcasts, die ich hier zentral bespreche, und lese viele Artikel, die ich ausschnittsweise im Vermischten kommentiere. Ich erhebe weder Anspruch auf vollständige Inhaltsangaben noch darauf, vollwertige Rezensionen zu schreiben, sondern lege Schwerpunkte nach eigenem Gutdünken. Wenn bei einem Titel sowohl die englische als auch die deutsche Version angegeben sind, habe ich die jeweils erstgenannte gelesen und beziehe mich darauf. In vielen Fällen wurden die Bücher als Hörbücher konsumiert; dies ist nicht extra vermerkt. Viele Rezensionen sind bereits als Einzel-Artikel erschienen und werden hier zusammengefasst.

Diesen Monat in Büchern: Maus, 1933

Außerdem diesen Monat in Zeitschriften: – [continue reading…]

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Hartmut Kaelble – Kalter Krieg und Wohlfahrtsstaat. Europa 1945-1989

Am Ende des Zweiten Weltkriegs teilte der Großteil Europas ein ähnliches Schicksal: vom Krieg verheert stand der Kontinent vor den Trümmern seiner Zivilisation. Seine Vorrangstellung war zerstört, und an ihrer statt beherrschten nun zwei Supermächte die internationale Politik. Wohl nur wenige Zeitgenoss*innen dürften sich damals erhofft haben, dass wenigstens im westlichen Europa binnen 20 Jahren eine neue, gemeinsame Zukunft erbaut werden würde, die allen früher gekannten Wohlstand in den Schatten stellen würde. Selbst im östlichen Europa lebte es sich besser und sicherer als vor dem Krieg, wenngleich die Knute der Sowjetherrschaft eine klare Obergrenze einzog. Hartmut Kaelble versucht in diesem Buch, die kulturelle und wirtschaftliche Geschichte der Nachkriegszeit (großzügig bis 1989 definiert) nachzuzeichnen, ohne dabei die politische Dimension komplett aus den Augen zu verlieren. Den Blick stets auf Gesamteuropa gerichtet hält er die beiden entscheidensten Faktoren dieser Epoche im Blick: einerseits die Teilung des Kontinents durch den Ost-West-Konflikt, andererseits den durch den Wohlfahrtsstaat erreichten neuen Lebensstandard breiter Bevölkerungsschichten. [continue reading…]

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Die Geschichtsbildungspläne sind notorisch voll gestopft mit „Stoff“. Die Vermittlung dieses „Stoffes“ ist ungemein bedeutsam in der täglichen Praxis, aber gleichzeitig sind die Anforderungen an die Methodenkompetenz der Schüler*innen, milde ausgedrückt, ambitioniert. Wie soll das alles unter einen Hut gebracht werden? Darüber spreche ich mit Stefan, Geschichte- und Deutschlehrer aus Nordrhein-Westfalen.

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Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Die „Fundstücke“ werden mit einem Zitat aus dem Text angeteasert, das ich für meine folgenden Bemerkungen dazu für repräsentativ halte. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist meist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels erforderlich; ich fasse die Quelltexte nicht noch einmal zusammen. Für den Bezug in den Kommentaren sind die einzelnen Teile durchnummeriert; bitte zwecks der Übersichtlichkeit daran halten. Dazu gibt es die „Resterampe“, in der ich nur kurz auf etwas verweise, das ich zwar bemerkenswert fand, aber zu dem ich keinen größeren Kommentar abgeben kann oder will. Auch diese ist geordnet (mit Buchstaben), so dass man sie gegebenenfalls in den Kommentaren referieren kann. [continue reading…]

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Leistungsbewertung einer Ampel

Die Wochen um den Jahreswechsel bieten traditionell Gelegenheit, zurück und nach vorne zu blicken. Stefan Sasse nutzt den Zeitpunkt, der Regierungskoalition eine Art Zwischenzeugnis auszustellen. Auch wenn das Timing ungünstig erscheint, schließlich steht die nächste reguläre Bundestagswahl erst im Herbst 2025 an, so ist das Spiel mit der Notenvergabe doch immer interessant. Das Urteil der Wähler ist bisher klar. Die Ampel, mit einem deutlichen Stimmenübergewicht in die Legislaturperiode gestartet, hat trotz Krieg und Krisen längst keine sichere Mehrheit mehr in der Bevölkerung. Nach dem wohlwollenden Urteil des linksliberal gerichteten Bloginhabers bedarf es einer neutraleren Bewertung der aktuellen Regierungskunst. [continue reading…]

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Die Ampel-Regierung – Halbjahreszeugnisse

Die Ampel-Regierung ist jetzt, wenn man großzügig noch den 100-Tage-Bonus teilweise anrechnet, ein Jahr im Amt. Da ist es an der Zeit, einmal eine Bestandsaufnahme zu machen und eine Halbjahresinformation rauszugeben, so wie das in der Schule auch passiert. Es ist zwar noch nicht die Hälfte der Amtszeit, aber wenigstens ist so langsam etwas erkennbar, was Fisch und was Fleisch ist in der Koalition – zumindest teilweise. Denn ich bin zwar schon ein Politikjunkie, aber so sehr, dass ich kompetent bewerten könnte, wie sich Svenja Schulze als Entwicklungsministerin so macht, dann doch nicht. Deswegen werde ich im Folgenden vor allem jene Minister*innen unter die Lupe nehmen, die auf meinem subjektiven Radar aufgetaucht sind – was üblicherweise deswegen passiert, weil ihre Ressorts mich interessieren und/oder sie in den Nachrichten oder einfach nur im Alltag präsent sind. Und das ist – sorry an der Stelle – im Entwicklungsministerium etwa nicht der Fall.  Ich werde das Ganze nicht mit Schulnoten machen (das ist außerhalb der Schule noch alberner als innerhalb der Schule), sondern in Stufen – eine Art grobe Sortierung. Eine letzte Vorbemerkung sei noch gestattet: die Ampel hat insgesamt eine ziemlich ordentliche Performance vorzuweisen. Zwar wirkt sie keine Wunder und löst nicht alle Probleme, aber sie ist schon ein deutlicher Kontrast zum Kabinett Merkel.  [continue reading…]

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Paul Jankowski – All against all. The Long Winter of 1933 and the Origins of the Second World War (Hörbuch) (Das Wanken der Welt – Wie 1933 der Weltfrieden verspielt wurde)

Angesichts des Kriegs in der Ukraine und der steigenden internationalen Spannungen in den frühen 2020er Jahren generell ist die Frage nach der Vermeidung von Kriegen angesichts der Herausforderung autokratischer oder diktatorischer Systeme aktuell wie lange nicht mehr. Zwischen Rufen von „Nie wieder Appeasement!“ und „Verhandlungen statt Waffen“ wird die Diskussion allzugerne auf die Vorgänge des Jahres 1938 verengt, die kaum in Betracht zieht, welche Chancen es vielleicht vorher bereits gegeben hätte. Paul Jankowski jedenfalls geht einige Jahre in der Geschichte zurück und betrachtet den Winter 1932/33, in dem in seinen Augen der Weltfrieden tatsächlich verspielt wurde. Dazu entführt er die Lesenden nach Genf, wo 1932 die große internationale Abrüstungskonferenz tagte – das größte Treffen hochrangiger Diplomanten und Staatschefs seit den Verhandlungen des Versailler Vertrags. [continue reading…]

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Paul Jankowski – All against all. The Long Winter of 1933 and the Origins of the Second World War (Hörbuch) (Das Wanken der Welt – Wie 1933 der Weltfrieden verspielt wurde)

Die Abrüstungskonferenz von Genf 1932 war, wie Kapitel 8, „Doors ajar“, aufzeigt, eine Feier der Widersprüchlichkeiten. Stets die Meinung der Weltöffentlichkeit im Blick gerierten sich die Teilnehmermächte allesamt als Friedensengel, während ihre eigene Politik zuhause teilweise diametral entgegengesetzt oder doch wenigstens in einem gewissen Spannungsverhältnis stattfand. Der Völkerbund, jenes ungeliebte Kind des Versailler Vertrags, unter dessen Ägide die Konferenz stattfand, war niemandem stark genug, um Sicherheit zu garantieren, aber doch so relevant, als dass man ihn nicht ignorieren konnte. Es waren vor allem die kleinen Mächte, die ihn als Arena nutzten, um in der großen Politik mehr mitspielen zu können, als dies vor 1914 möglich gewesen war – sehr zum Ärger der Großmächte selbst, muss man anmerken. Länder wie Polen oder die Tschechoslowakei, aber auch Belgien und die Niederlande formulierten ihre eigenen Ansprüche auf der Konferenz, und sie mussten in einem Ausmaß ernster genommen werden, das vor dem Völkerbund noch undenkbar gewesen war.  [continue reading…]

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Rezension: Hillary Chute – Maus Now

Hillary Chute – Maus Now (Hörbuch)

„Maus“ bleibt einer der entscheidenden Texte aus dem Genre des „Graphic Novel“, jener nebulös undefinierten Gruppierung, in die viel zu viele Comics sich gerne einsortieren, um ihre pubertären Gewaltfantasien zu adeln. Es gibt aber wohl niemanden, der widersprechen würde, dass es sich bei „Maus“ um ein sehr spezielles Werk handelt, das bis heute seine Nachwirkungen hat. Ich habe es bereits mehrmals rezensiert, und es werden sicherlich weitere Besprechungen dazukommen (siehe dazu am besten die Gesamtliste). Die Literaturwissenschaftlerin Hillary Chute hat ihre Promotion über „Maus“ geschrieben und legt nun einen von ihr editierten Essayband vor, in dem zahlreiche Autor*innen zu Wort kommen und über „Maus“ sprechen. Der Anspruch dabei ist, dass es den Platz des Graphic Novel in unserer Gegenwart bestimmt. [continue reading…]

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