Die helle Seite der frühkindlichen Betreuung

In seinem Artikel „Die dunkle Seite der frühkindlichen Betreuung“ fährt Stefan Pietsch eine ganze Batterie rhetorischer Geschütze auf, um ein Bewusstsein für eine apokalyptische Zukunft zu schaffen, in der ein inkompetenter, anmaßender Staat eine ganze Generation in miesen Kindertagesstätten psychologisch zerstört. Er verweist auf die ungeheure Bedeutung der Eltern im Lebensabschnitt von 0-3 Jahren unter Rückgriff auf die Umfrage unter amerikanischen Vorschullehrerinnen, die eine leichte Zunahme von kognitiven und lingualen Leistungen sowie von auffälligen Verhaltensweisen für Kinder diagnostizieren. Garniert mit einem kräftigen Schuss Vorurteilen und konservativer Ideologie kommt er zu dem bestechenden Schluss, dass Babys und Kleinkinder bei Müttern am besten aufgehoben sind und Eltern im Sinne der Eigenverantwortung mehr aktiv werden sollten. Das lädt zu Widerspruch ein, den ich hier bereitstellen will.  [click to continue…]

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Die dunkle Seite der frühkindlichen Betreuung

Spätestens seit den Zeiten Ursula von der Leyens gibt es für die Betreuung selbst von Babys und Kleinstkindern nur ein Ideal. Möglichst früh sollen nach dem Willen von Bildungs- und Familienpolitikern Kinder in allgemeine Betreuungseinrichtungen verbracht werden. Wie selten in der Politik sind sich auf dem Feld der Familienförderung alle Parteien und gesellschaftlich relevanten Gruppen einig. Frauen soll nicht nur Erwerbsarbeit ermöglicht, sie in ihrem Karrierestreben zielgerichtet unterstützt werden. Zusammen trommeln Arbeitgeberverbände wie Gewerkschaften für den breiten Ausbau staatlicher Krippen und Kindergärten. Doch der Fokus ist falsch, das Wohl von Kindern fällt mehr und mehr unter den Tisch. [click to continue…]

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Das Grundeinkommen – Chancen & Risiken

In den letzten Diskussionen entstand der Eindruck, dass das Thema „Grundeinkommen“ ein hochemotionales sein könnte. Damit würde es in das Konzept dieses Blogs passen. Daher möchte ich an dieser Stelle eine kleine Umfrage starten:

a) Interesse an einer Debatte über das Grundeinkommen ja / nein

b) Dafür / Dagegen

Je nach Ergebnis würde ich die Debatte mit einem Artikel starten. Hierfür möchte ich Sie bitte, ansonsten kommentarlos die beiden Fragen zu beantworten. Kommentare bitte für den eigentlichen Diskus aufheben! Da meine html-Kenntnisse beschränkt sind, kann ich dazu kein Button-Menü einfügen.

Vielen Dank im Voraus für die Beteiligung!

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Die Linke und ihre weltfremden Träume

Am vergangenen Wochenende nominierten die französischen Sozialisten der Parti Socialiste (PS) den politischen Romantiker Benoît Hamon zu ihrem Kandidaten für die Präsidentenwahlen im Frühjahr. Sympathisch, nett – chancenlos. Die wichtigste linke Partei Frankreichs, welche in der Nachkriegsgeschichte nur zweimal den Élysée-Palast erobern konnte, gibt das Rennen um die Nachfolge des Sozialisten Francois Hollande verloren. Alle Umfragen signalisieren, dass die PS mit einem solchen Kandidaten keine Chancen auf die Stichwahl am 7. Mai 2017 hat. Die Partei Mitterands reiht sich damit jedoch nur ein in eine lange Liste von politischen Idealen und Politikern, welche die Mitte der Gesellschaften nur noch neudeutsch „abgespaced“ bezeichnen kann. Interesse an der Übernahme von Regierungsverantwortung sieht anders aus. [click to continue…]

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Was Anhänger der FDP bewegt – und was nicht

Die Parteien befinden sich in den Arbeiten zur Vorbereitung der Bundestagswahl 2017. Wahllisten werden den Parteitagen zur Abstimmung vorgelegt, Wahlprogramme erstellt. Trotz sichtbarem Bemühen der Parteien, ihre Mitglieder und Anhänger enger einzubinden, bleibt die Resonanz verhalten. So hat die FDP gerade ihre Mitgliederbefragung zu den wichtigsten Themen abgeschlossen, doch selbst die herausragenden Ziele konnten nur in wenigen Fällen mehr als 100 Beteiligte erwärmen. Immerhin, pragmatische Politik und Rechtsstaatlichkeit stehen bei den Liberalen hoch im Kurs, reine Klientelpolitik dagegen hat keine Chance. [click to continue…]

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Die Mär vom Recht auf Arbeit

Die Angst um die eigene Arbeit ist kein neues Phänomen. Wir gehen Veränderungen selten mutig und entschlossen entgegen, sondern sehen verzagt der Ungewissheit des Neuen entgegen. So halten wir gerne an längst Überkommenen fest bis der Leidensdruck unendlich geworden ist. Arbeitsplatzsicherheit nimmt regelmäßig einen der oberen Plätze im Wertekanon von Arbeitnehmern ein und lieber erträgt man die Launen eines überforderten Chefs und die Eintönigkeit des täglichen Arbeitens als den Ausbruch aus der Frustration zu wagen. Linke und rechte Populisten bedienen diese Furcht regelmäßig mit Verboten der Veränderung. Die Möchte-gern-Revoluzzer warnen vor den ökonomischen Revolutionen. [click to continue…]

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1 A Trump is a Trump is a Trump is a Trump
2 Er lügt. Ohne Unterlass
3 I won – you lost: das manichäische Weltbild
4 Loyalität nur für Loyale (solange sie loyal sind)
5 Öffentliche Kommunikation: immer aggressiv
6 Twitter-Diplomatie
7 Trump entzieht sich der Kontrolle: die demokratische Todsünde
8 Narzissmus
9 Interessenkonflikte und Transition
10 Das Positive: Trump ist nicht Hitler
11 Die Rückkehr der Machtpolitik
12 Ursachen für den Wahlerfolg: vor allem weiße Identität und Fremdenfeindlichkeit
13 Prognosen
13 Persönliches: Es zehrt aus

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In zwei Wochen wird Donald Trump als US-Präsident vereidigt werden. Seit fast zwei Monaten ist er gewählt – und Dutzende Tweets und einige künftige Minister_innen später ist es Zeit für einen weiteren Überblick:

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1 A Trump is a Trump is a Trump is a Trump

Manche hofften, Trump werde sich mäßigen, verändern, präsidentieller und staatstragender werden. Das war immer schon arg optimistisch, denn Trump hat, wie gesagt, aus seinem Herzen nie eine Mördergrube gemacht.

Doch wir wissen jetzt: Trump hat sich nicht verändert. Und er sieht keinen Grund, es zu tun. Er macht genauso weiter wie vorher. Nicht ein bisschen konzilianter, nicht selbstkritischer, nicht transparenter, nicht vorsichtiger, nicht bescheidener.

Warum auch? Sein Trump-Sein hat ihn zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gemacht.

Alle Hoffnung auf einen normalen Präsidenten waren vergebens. Um jetzt noch Optimismus zu rechtfertigen, muss man die Wirklichkeit als pessimistisches Zerrbild missbilligen. [click to continue…]

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Terror zu Weihnachten in Berlin

Es ist die Woche vor Weihnachten. Menschen strömen in die Geschäfte, weil in ihren Online-Kalendern der 24. Dezember nicht als wichtiges Ereignis hochgepoppt ist. In den Kindergärten und Schulen werden Weihnachtslieder eingeübt, die Städte erstrahlen seit Wochen im goldenen Schmuck. Die Weihnachtsmärkte, eine deutsche Besonderheit, laden ein zum Innehalten. Auch wenn viele mit dem Ursprung von Weihnachten nur noch wenig anzufangen wissen – diese Mischung aus Hektik und Besinnlichkeit ist jedes Jahr eine Zeit, auf die sich Millionen Menschen freuen. [click to continue…]

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Was die Demokratie wirklich gefährdet

Die Demokratie beruht auf Normen. Dieser Satz erscheint ebenso harmlos wie banal. Tatsächlich aber sind die Normen das absolute Fundament auf dem sie ruht, nicht, wie so oft angenommen, die Verfassung. Es ist eine dieser über-lernten Lektionen aus Weimar, dass die Demokratie durch eine ungeschickte Verfassungskonstruktion stolperte. Der Artikel 48 war aber genauso wenig schuld am Fall Weimars wie das Electoral College an Trump. Stattdessen geht es um Normen – und ihre Missachtung. [click to continue…]

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Was this the Democrat’s biggest mistake in 2016?

logo_general_fin_webAnmerkung: Dieser Artikel ist ein Experiment mit englischsprachigen Artikeln und konstitutiert noch keinen Trend auf Deliberation Daily.

Many observers of the 2016 race have postulated that Hillary should’ve listened more to her husband, Bill, in setting terms of strategy against Trump. Reportedly, he adviced her to campaign more in the Rustbelt and to connect more with working class voters. I do indeed think that Clinton should have taken a page from Bill’s playbook, but not this one. Rather, she should have looked at the lessons from 1988.

In 1988, Republican strategist Lee Atwater devised the strategy for George H. W. Bush to defeat his Democratic challenger Michael Dukakis. Bush had a lot of things going against him. It would be a third term for Republicans, which conventional wisdom had as a major disadvantage. He was a pure-blooded establishment politician, without much connection to the Christian-Right coalition that Reagan had built, and he didn’t enjoy the highest favorability or even celebrity ratings. However, in the event, he won decisevely, with Atwater’s strategy to thank for it. His opponent Dukakis certainly didn’t help his cause, either. It was Bill Clinton who took up the thread and defeated Bush in 1992. So what did Atwater propose, how did Clinton counter it, and how may the other Clinton have taken this up in 2016? [click to continue…]

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