Gemischtwarenladen SPD

Kollege Pietsch war ja schon so freundlich und hat das reichlich unterambitionierte Sondierungspapier der GroKo 3.0 allgemein zusammengefasst. Ich möchte die gute Vorarbeit nutzen und einen spezielleren Blick auf die Positionen der SPD werfen.

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Die Vergangenheitskoalition

Nach einer gefühlten Ewigkeit haben sich nun vorerst drei Parteien gefunden, die bereit sind, eines der wohlhabendsten und prosperierenden Länder auf dem Globus zu regieren. Auch wenn mancher Bürger meint, es gäbe anspruchsvollere Aufgaben in dieser Zeit – Donald Trump für unzurechnungsfähig erklären, Bunga-Berlusconi verhindern – so gestaltet sich die Koalitionsbildung doch weiterhin zäh. Es war ein 24-Stunden-Marathon erforderlich, wo Angela Merkel mit Perlwasser den Sozi Schulz unter den Tisch soff, um der SPD die ärgsten Flausen auszutreiben. Bis zuletzt wollten die Roten partout die Steuern erhöhen, während die Haushälter ob der jahrelangen Konjunktur nicht mehr wissen, wie sie das Geld noch ausgeben sollen, um ja einen ausgeglichenen Haushalt zu erreichen. Immerhin fand sich kein Linker bereit, sich für die unausgegorenen Ideen einer Bürgerversicherung die nächsten Jahre durch den Kakao ziehen zu lassen. Was der Berg da heute Nacht gebar, lässt sich bestenfalls mit einer guten Portion Humor ertragen, die abgehalfterten Parteiführer Merkel, Seehofer und Schulz klammern sich nicht nur an die alten Gewissheiten ihrer verblassenden politischen Karriere, sie verordnen der Republik wider mathematische Logik und technischer Revolution ein alten Schwarzweißfilm einer untergegangenen deutschen Epoche. Es muss viel passieren, dass ein überzeugter Neoliberaler dem Juso-Vorsitzenden Kevin Kühnert bei seinem Feldzug gegen die GroKo viel Erfolg wünscht. [click to continue…]

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Die Knackpunkte der Bürgerversicherung

Seit dem die Sondierungsverhandlungen auf Balkonien für eine Bündnis in Jamaika gescheitert sind, geht ein Zombie um, der auf den Namen Bürgerversicherung hört. Im Bundestagswahlkampf 2005 warb die SPD erstmals für eine allgemeine Krankenversicherung, in die alle Bürger gleichermaßen nach ihren Einkommensverhältnissen einzahlen sollten. Das duale System mit dem Nebeneinander von gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen sollte dafür aufgelöst und sämtliche Einkünfte der Versicherten einer Beitragsbelastung unterworfen werden. Dieses Konzept hat es nunmehr über vier Bundestagswahlen auch in das letzte Wahlkampfprogramm der Sozialdemokraten geschafft, allerdings fand sich kein prominenter Parteivertreter bereit für die Einheitsversicherung zu werben. Martin Schulz, Andrea Nahles und andere Genossen traten nur noch mit Forderungen nach der Wiederherstellung der paritätischen Finanzierung auf. Die Zurückhaltung der 20%-Partei hat einen guten Grund: 2005 kämpfte die Gesundheitsministerin Renate Schmidt in der ersten Großen Koalition unter Angela Merkel vehement für die Bürgerversicherung und wurde dabei von dem damals noch weitgehend unbekannten Karl Lauterbach assistiert. Der Versuch der Systemumstellung endete mit einer Bruchlandung und einem Gesundheitsfonds, der einen schönen Beitrag zur Bürokratieausweitung lieferte. Eine Unzahl von Rechtsfragen stehen daneben dem Aufbau einer Bürgerversicherung im Weg. Auch den sozialdemokratischen Gesundheitsexperten ist klar, dass zwischen dem Beschluss eines Parteitags und einem radikalen Systembruch in der Krankenversicherung Galaxien liegen. [click to continue…]

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Das Evolutionäre an der Meinung

Meine Internetgeschichte begann vor über zehn Jahren mit dem ersten Kommentar im sogenannten Metzger-Blog auf Focus Online. Oswald Metzger, damals noch Grüner, schrieb dort wöchentlich eine Kolumne, die regelmäßig ein hörbares Echo hervorrief. Meine ersten Kommentare unter dem Pseudonym StefanP waren stocknüchtern, halbwissenschaftlich auf ökonomische Themen geschrieben. Es war für so manchen nicht erträglich, der Vorwurf neoliberal und kaltherzig zu sein, begleitet mich seit den ersten digitalen Schritten, trotzdem ich den Stil über die Jahre variiert habe. Nun bin ich nicht sadomasochistisch veranlagt und wie die meisten habe ich ein Gefühl für die eigenen Verletzungen. Genau davon war hier zuletzt viel die Rede, wer wie sehr persönlich angefeindet und verletzt wurde. Ein Pseudonym schützt, weshalb ich lange gezögert habe, mit Full Name live zu gehen. Mir war immer unverständlich, wie ein Pseudonym persönlich angegriffen werden kann, denn es ist nur eine Hülle, die jederzeit abgestreift werden kann. Eine echte Persönlichkeit kann das nicht, Authentizität entsteht durch die Person, die wir sind. Wegen dieser Überzeugung gebe ich immer wieder Umstände von mir preis. [click to continue…]

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In eigener Sache: Kommentare

Kurze Durchsage an alle Nutzer dieses Blogs. Ich habe die Schnauze voll von Kommentarsträngen, in denen über nichts anderes debattiert wird als wer der doofste/verlogenste/unfreundlichste Autor/Kommentator ist oder wer ganz fies zensiert. Das müllt die Diskussionen völlig zu. Ich lösche daher zumindest in meinen Posts und denen von Gastautoren diese Kommentare radikal raus. Wenn Stefan Pietsch in seinen Posts solche Diskussionen führen will darf er das, in denen moderiere ich die Kommentare nicht. Es nützt auch nichts, die Kommentare wortgleich mit einer in GROSSBUCHSTABEN versehenen Anklage an den „Zensor“ wieder einzustellen. Ich lösch die dann wieder. Ich hoffe das ist nachvollziehbar.

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Ein schwarzes Loch wie ein Sieb

Seit fast einem Jahr läuft nun bereits die Untersuchung des special prosecutor Robert Mueller wegen des Verdachts auf russische Einflussnahme auf den US-Wahlkampf. Zahllose spekulative Artikel sind seitdem erschienen, sagen Reaktionen der Republicans und Trumps auf angenommene Ergebnisse voraus. Ich habe hier auf Deliberation Daily bisher praktisch nichts zu dieser Untersuchung geschrieben und habe das auch in Zukunft nicht vor. Der Grund dafür ist recht simpel: es ist für Außenstehende unmöglich, irgendetwas Belastbares zu der Thematik zu finden. Ich lese auch praktisch keine Artikel darüber, denn das gilt nicht nur für mich. Kaum ein Thema ist so voller parteiischer Nebelkerzen wie diese Untersuchung. Sie steht stellvertretend für eine Problematik, vor die die uns in dieser Zeit das Weiße Haus stellt: es ist ein schwarzes Loch, das leakt wie ein Sieb. [click to continue…]

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Die Jugend von heute

Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten soll. Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, verschlingen bei Tisch die Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.

– Sokrates zugeschriebenes Zitat, um 420 v. Chr.

Mein letzter Artikel hat starke Reaktionen hervorgerufen. Besonders häufig wart dabei eine: die Jugend von heute lerne nicht mehr richtig, beherrsche Rechtschreibung und Formales nicht mehr, kenne nicht den Wert der Disziplin und so weiter und so fort. Diese Argumentationslinie ist uralt. Wenn mich nicht alles täuscht beklagen sich schon auf den ersten sumerischen Keilschriften Schreiberlinge mittleren Alters über die Jugend von heute; zumindest Klagen über die verlotterte Sexualmoral der Frauen und den verderblichen Einfluss von Einwanderern auf dieselbe sind aus Babylon überliefert. Ich möchte an der Stelle in offizieller Funktion Entwarnung geben: The Kids Are Alright, wie es so schön heißt. [click to continue…]

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Wann kommen endlich Games und Serien in den Bildungsplan?

Es gibt zahllose Felder aus denen ersichtlich wird, dass in den Kultusministerien „Neue Medien“ eher als eine kleine methodische Auflockerung, vielleicht gar als ein zweistündiger Methodenschwerpunkt zu Anfang oder Ende des Schuljahrs gesehen werden. Doch diese Passivität gegenüber der Wandlung des kompletten Bildungsbegriffs, der uns ins Haus steht, erstreckt sich nicht nur auf den Methodenteil, wo immer noch viel zu sehr davon ausgegangen wird, dass die OHP-Folie das höchste an medialer Unterstützung ist, was ein Lehrer so gebrauchen kann. Auch in den Bildungsplänen ist eine erschreckende Ignoranz gegenüber medialen Formen zu erkennen. Ich will dies an zwei Beispielen konkret machen: Videospiele und TV-Serien. [click to continue…]

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Bücherliste 2015/17

Bücher sind der Schlüssel zur Welt, und es gibt praktisch unendlich viele davon auf der Welt, und jedes Jahr kommen neue hinzu. Da das Leben kurz ist, möchte man nicht unbedingt mehrere Bücher anfangen und irgendwann feststellen, dass sie Mist sind und man bisher seine Zeit verschwendet hat. Andererseits ist es oft schwer, an gute Ideen für neue Bücher heranzukommen, wenn man sie nicht gerade durch Zufall findet. Ich stelle daher hier meine Bücherliste 2015/17 (letztes Jahr vergessen eine zu schreiben wie es aussieht) vor, die zwar nicht alle Bücher enthält, die ich in diesem Zeitraum gelesen habe, aber alle, die ich guten Gewissens weiterempfehlen kann. Vielleicht findet ja jemand etwas Interessantes darin. Die meisten Bücher habe ich auf Englisch gelesen; wo vorhanden, habe ich Links auf die deutschen Versionen beigefügt. Alle Links führen direkt zu Amazon, und wer die Bücher über diese Links bestellt sorgt dafür, dass ein kleiner Teil des Preises von Amazon an mich geht. Kapitalismus! [click to continue…]

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Toxische Femininität – Eine Begriffsklärung

Von Stefan Sasse und Ariane

Da vor einer Weile der Begriff der toxischen Maskulinität Thema im Blog war, haben wir uns auch einmal bestimmtes, erlerntes Verhalten bei Frauen angesehen, das wir dementsprechend als toxische Feminität bezeichnen. Auch hier soll es keinesfalls darum gehen, dass Frauen generell bösartiger oder Männer die besseren Menschen wären, sondern wir beziehen uns auf bestimmte Verhaltensweisen, die sowohl gegenüber Frauen als auch Männern toxisch wirken können. Da der Begriff toxische Feminität bisher in Wissenschaft und/oder Literatur noch nicht eindeutig definiert ist, haben wir versucht, uns dem anzunähern. [click to continue…]

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