Martin Clauss – Ritter und Raufbolde. Vom Krieg im Mittelalter (Hörbuch)

Der Krieg im Mittelalter fasziniert ungemein. Eine lebendige Reenactment-Szene legt davon genauso beredtes Zeugnis ab wie die Mittelaltermärkte und allerlei LARP-Veranstaltungen. Der Autor dieser Zeilen ist kein Fremder des Nachstellens mittelalterlichen Waffengebrauchs. Umso umstrittener ist der tatsächliche historische Hintergrund. Über Kriegführung im Mittelalter gibt es zahlreiche verschiedene Sichtweisen und widerstreitende Positionen. Das liegt neben dem zeitlichen Abstand auch an der Art der Quellen. Die geringe Zahl von Schriftkundigen, die Schreibanlässe (üblicherweise zur Verherrlichung der Herrschenden) und die Kosten von Schreibunternehmungen wirkten alle daraufhin, dass der eigentliche Alltag praktisch nicht beschrieben wurde. Die mittelalterlichen Autoren setzten die Kenntnis über das Geschäft des Krieges üblicherweise voraus, was aus ihrer Perspektive verständlich, für die Geschichtswissenschaftler*innen heute aber ein entsprechendes Problem ist. Martin Clauss unternimmt es in diesem Band nun, einen Überblick über „Krieg im Mittelalter“ zu geben, was neben den angesprochenen Problemen auch wegen der geografischen Breite und natürlich der temporalen Ausdehnung über fast ein Jahrtausend ein sportliches Unterfangen ist. Wir müssen uns daher ein idealisiertes mitteleuropäische Hoch-Mittelalter denken. [continue reading…]

{ 6 comments }

Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Die „Fundstücke“ werden mit einem Zitat aus dem Text angeteasert, das ich für meine folgenden Bemerkungen dazu für repräsentativ halte. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist meist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels erforderlich; ich fasse die Quelltexte nicht noch einmal zusammen. Für den Bezug in den Kommentaren sind die einzelnen Teile durchnummeriert; bitte zwecks der Übersichtlichkeit daran halten. Dazu gibt es die „Resterampe“, in der ich nur kurz auf etwas verweise, das ich zwar bemerkenswert fand, aber zu dem ich keinen größeren Kommentar abgeben kann oder will. Auch diese ist geordnet (mit Buchstaben), so dass man sie gegebenenfalls in den Kommentaren referieren kann. [continue reading…]

{ 53 comments }

In den USA droht eine radikale Mehrheit der Republicans im Abgeordnetenhaus mit der Zahlungsunfähigkeit der USA, wenn ihre Forderungen nicht erfüllt werden. Eine Mehrheit der Democrats im Senat und ein demokratischer Präsident versuchen zu verhandeln und mahnen zur Vernunft. Für viele republikanische Politiker*innen ist der Konflikt auch Teil der Arena um die Bewerbung um die Präsidentschaftskandidatur der Partei, die bereits am Horizont wetterleuchtet und eine weitere Radikalisierung verspricht. Ist es 2013 oder ist es 2023? Täglich grüßt das Murmeltier, und wir sind so furchtbar müde. [continue reading…]

{ 12 comments }

Karl J. Mayer – Napoleons Soldaten. Alltag in der Grande Armée (Hörbuch)

Die napoleonischen Kriege wirken bis heute nach. Waterloo ist geradezu sprichwörtlich für eine entscheidende Niederlage, den Ort, an dem sich letzte Hoffnungen verlieren und man durch und durch geschlagen wird. Napoleon selbst ist eine Ikone; ob auf einem Pferd in Feldherrenpose bei Überquerung der Alpen oder die Hand in die Weste gesteckt, der Korse – der im Übrigen gar nicht so klein war, wie das gerne behauptet wird – thront über einer ganzen Epoche, der er mit seiner „Grande Armée“ den Stempel aufdrückte. Wesentlich weniger als über den Kaiser der Franzosen weiß man häufig über diejenigen, die in dieser Armee marschierten. Sie war ein multinationaler Haufen, zusammengesetzt nicht nur aus Franzosen, sondern aus Mitgliedern all jener Staaten, die mehr oder minder freiwillig mit dem französischen Imperium verbündet waren. Karl J. Mayer schöpft aus den Aufzeichnungen dreier Veteranen der Grande Armée aus Deutschland, die er im ersten Kapitel kurz vorstellt: einem pfälzischen Barbier, einem Lehrer aus dem Hunsrück und einem schwäbischen Maurer, die alle an den Feldzügen teilnahmen.  [continue reading…]

{ 11 comments }

Die selbsternannte Fortschrittskoalition ist in diesen Monaten dabei, ihr wichtigstes Regierungsprojekt aus Hybris, ideologischer Verblendung und Machtrausch an die Wand zu fahren. Die Umsetzung der Zielsetzungen aus dem Pariser Klimaabkommen wird als nationales Projekt der Wirtschafts- und Gesellschaftssteuerung begriffen, wo der UN-Vertrag doch internationale Kooperation und ein Höchstmaß an Freiheit der Partnerstaaten gesetzt hat. Die deutsche Politik wird nicht aus Erfahrung klug. Bereits das Vorgängerabkommen scheiterte an zu engen Vorgaben. Eine besonders unrühmliche Rolle On The Road to Nowhere spielen die Grünen, die ihren Glaubwürdigkeitsvorsprung beim Klimaschutz in einen Glaubenskrieg gegen die Gesellschaft und den Geist internationaler Verträge eintauschen. [continue reading…]

{ 32 comments }

Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Die „Fundstücke“ werden mit einem Zitat aus dem Text angeteasert, das ich für meine folgenden Bemerkungen dazu für repräsentativ halte. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist meist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels erforderlich; ich fasse die Quelltexte nicht noch einmal zusammen. Für den Bezug in den Kommentaren sind die einzelnen Teile durchnummeriert; bitte zwecks der Übersichtlichkeit daran halten. Dazu gibt es die „Resterampe“, in der ich nur kurz auf etwas verweise, das ich zwar bemerkenswert fand, aber zu dem ich keinen größeren Kommentar abgeben kann oder will. Auch diese ist geordnet (mit Buchstaben), so dass man sie gegebenenfalls in den Kommentaren referieren kann. [continue reading…]

{ 33 comments }

Teil 1 hier.

Jürgen Osterhammel – Die Verwandlung der Welt: Eine Geschichte des 19. Jahrhunderts

Damit geht Osterhammel in seinen nächsten großen Teil in Kapitel 4 über und schaut von den Räumen und Zeiten auf die Menschen. Als erstes beschäftigt er sich mit der Frage der Demografie. Das 19. Jahrhundert war in dieser Hinsicht eine ungewöhnliche Epoche. Auf der einen Seite erreichte die Bevölkerung Asiens mit 55% einen historischen Tiefstand am Anteil der Weltbevölkerung (normalerweise waren und sind es 60-65%; der mörderische chinesische Bürgerkrieg trug seinen Teil dazu bei), auf der anderen Seite erreichte Europa ein vorher und nachher nie gekanntes Bevölkerungswachstum.

Die Gründe dieses Bevölkerungswachstums liegen in den Verwerfungen der Industriellen Revolution; ihr Ablauf hat sich für die Entwicklung von Ländern anhand ihrer Linien seither als exemplarisch erweisen: die Sterberate fällt rapide, und die Geburtenrate folgt mit einer Verzögerung. Dadurch entstand in Europa ein demografischer Überschuss, den die Reiche des Kontinents nutzen konnten, um ihre ebenfalls einmalige Eroberungs- und Expansionszüge zu fundieren. Eine Ausnahme stellte in Europa allein Irland dar, dessen Bevölkerung (auch dank einer genozidalen britischen Politik) um die Hälfte abnahm. [continue reading…]

{ 0 comments }

Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Die „Fundstücke“ werden mit einem Zitat aus dem Text angeteasert, das ich für meine folgenden Bemerkungen dazu für repräsentativ halte. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist meist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels erforderlich; ich fasse die Quelltexte nicht noch einmal zusammen. Für den Bezug in den Kommentaren sind die einzelnen Teile durchnummeriert; bitte zwecks der Übersichtlichkeit daran halten. Dazu gibt es die „Resterampe“, in der ich nur kurz auf etwas verweise, das ich zwar bemerkenswert fand, aber zu dem ich keinen größeren Kommentar abgeben kann oder will. Auch diese ist geordnet (mit Buchstaben), so dass man sie gegebenenfalls in den Kommentaren referieren kann. [continue reading…]

{ 25 comments }

Der zahnlose Rechtsstaat

Der moderne Staat beansprucht das Gewaltmonopol für sich um eine friedliche Gesellschaft zu ermöglichen. Über Recht und Unrecht, über Strafe oder Unschuld entscheiden Richter nach fairen Regeln der Anklage und Verteidigung auf Basis von demokratisch beschlossenen Gesetzen. Der Souverän, Parlamente als Vertretung der Bürger, geben den Organen des Rechts einen umfangreichen Instrumentenkasten zur Hand, angemessen auf Regel- und Rechtsverletzungen zu reagieren. Was dabei nie übersehen werden darf: das Strafrecht ist dafür da, den Rechtsfrieden zu sichern, in dem Opfern Genugtuung widerfährt und Straftäter von weiteren Taten gegen friedliebende Bürger abgehalten werden. Es ist die entscheidende Pflicht des Staates. Scheitert er an dieser Aufgabe, zerbricht die zivile Gesellschaft. [continue reading…]

{ 25 comments }

Christopher Clark – Revolutionary Spring: Fighting for a New World 1848-1849 (Hörbuch) (Frühling der Revolution: Europa 1848/49 und der Kampf für eine neue Welt (Hörbuch))

Die Revolutionen von 1848 sind zwar seit Jahr und Tag Stoff in den Bildungsplänen der Republik, Favoriten der Schüler*innen waren sie aber noch nie. Christopher Clark, der ein neues Mammutwerk zu dieser Periode vorgelegt hat, kann das vollkommen nachvollziehen: „failure and complexity are an unappealing mix„, und Recht hat er. Als Schüler hat mich die Periode auch nicht interessiert, heute ist das anders. Umso besser, dass Clark sich des Themas annimmt und die nationalstaatliche Geschichtsschreibung der Vergangenheit – die er als Reaktion auf das Scheitern deutet – durchbricht und stattdessen eine Globalgeschichte der Revolutionen von 1848 vorlegt. Sein Anspruch ist das vollständige Durchdringen der Ursachen und Abläufe – sowohl der titelgebenden Frühjahrseuphorie als auch des furchtbaren Rückschlags der Reaktion. [continue reading…]

{ 19 comments }

Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Die „Fundstücke“ werden mit einem Zitat aus dem Text angeteasert, das ich für meine folgenden Bemerkungen dazu für repräsentativ halte. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist meist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels erforderlich; ich fasse die Quelltexte nicht noch einmal zusammen. Für den Bezug in den Kommentaren sind die einzelnen Teile durchnummeriert; bitte zwecks der Übersichtlichkeit daran halten. Dazu gibt es die „Resterampe“, in der ich nur kurz auf etwas verweise, das ich zwar bemerkenswert fand, aber zu dem ich keinen größeren Kommentar abgeben kann oder will. Auch diese ist geordnet (mit Buchstaben), so dass man sie gegebenenfalls in den Kommentaren referieren kann. [continue reading…]

{ 104 comments }

Bücherliste April 2023

Anmerkung: Dies ist einer in einer monatlichen Serie von Posts, in denen ich die Bücher und Zeitschriften bespreche, die ich in diesem Monat gelesen habe. Darüber hinaus höre ich eine Menge Podcasts, die ich hier zentral bespreche, und lese viele Artikel, die ich ausschnittsweise im Vermischten kommentiere. Ich erhebe weder Anspruch auf vollständige Inhaltsangaben noch darauf, vollwertige Rezensionen zu schreiben, sondern lege Schwerpunkte nach eigenem Gutdünken. Wenn bei einem Titel sowohl die englische als auch die deutsche Version angegeben sind, habe ich die jeweils erstgenannte gelesen und beziehe mich darauf. In vielen Fällen wurden die Bücher als Hörbücher konsumiert; dies ist nicht extra vermerkt. Viele Rezensionen sind bereits als Einzel-Artikel erschienen und werden hier zusammengefasst.

Diesen Monat in Büchern: Cancel Culture, Klimakrise, Kolonialismus

Außerdem diesen Monat in Zeitschriften: – [continue reading…]

{ 0 comments }

Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Die „Fundstücke“ werden mit einem Zitat aus dem Text angeteasert, das ich für meine folgenden Bemerkungen dazu für repräsentativ halte. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist meist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels erforderlich; ich fasse die Quelltexte nicht noch einmal zusammen. Für den Bezug in den Kommentaren sind die einzelnen Teile durchnummeriert; bitte zwecks der Übersichtlichkeit daran halten. Dazu gibt es die „Resterampe“, in der ich nur kurz auf etwas verweise, das ich zwar bemerkenswert fand, aber zu dem ich keinen größeren Kommentar abgeben kann oder will. Auch diese ist geordnet (mit Buchstaben), so dass man sie gegebenenfalls in den Kommentaren referieren kann. [continue reading…]

{ 203 comments }

Roland D. Gerste – Die Heilung der Welt: Das Goldene Zeitalter der Medizin 1840 – 1914 (Hörbuch)

Für einen Großteil der Menschheitsgeschichte waren Krankheiten und Verletzungen persönliche Katastrophen. Zwar gab es eine Zunft von Heilenden aller Couleur, aber über den Quacksalberstatus kamen die wenigsten dieser Leute hinaus, egal wie gut sie es tatsächlich meinten. Diejenigen, die tatsächlich in der Lage waren, Operationen oder Behandlungen durchzuführen, verursachten bei ihren Patient*innen unsagbare Qualen. Die meisten Krankheiten, die heute durch Routineeingriffe beseitigt werden können, kamen einem Todesurteil gleich. Das alles änderte sich im 19. Jahrhundert, als die titelgebende „Heilung der Welt“ durch eine ganze Serie von Innovationen einsetzten, die die Medizin in ihr ebenso titelgegendes „Goldenes Zeitalter“ beförderten und eine neue Zeit für die Menschheit einläuteten, deren Bedeutung kaum überschätzt werden kann. Dieser Aufbruchszeit der Medizin wendet sich Roland D. Gerste in diesem neuen Werk zu. [continue reading…]

{ 0 comments }

Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Die „Fundstücke“ werden mit einem Zitat aus dem Text angeteasert, das ich für meine folgenden Bemerkungen dazu für repräsentativ halte. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist meist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels erforderlich; ich fasse die Quelltexte nicht noch einmal zusammen. Für den Bezug in den Kommentaren sind die einzelnen Teile durchnummeriert; bitte zwecks der Übersichtlichkeit daran halten. Dazu gibt es die „Resterampe“, in der ich nur kurz auf etwas verweise, das ich zwar bemerkenswert fand, aber zu dem ich keinen größeren Kommentar abgeben kann oder will. Auch diese ist geordnet (mit Buchstaben), so dass man sie gegebenenfalls in den Kommentaren referieren kann. [continue reading…]

{ 94 comments }