Wollen die Grünen eigentlich verlieren?

Der Absturz der Grünen zurück auf ihr Umfrageniveau von 2019/2020 nach einem durch die Schwäche der CDU induzierten, teils auch miragenhaft nur in einigen Umfragen vorhandenen Hoch hat für starke Reaktionen gesorgt. Auf der Seite ihrer Gegner für erwartbare Häme (die hätte ich auch, träfe es die CDU), auf der eigenen Seite eine Mischung aus blanker Panik und wilden Anschuldigungen. Die Häme ist dabei angebrachter als die Anschuldigungen, denn für den Löwenanteil ihrer aktuellen Probleme haben die Grünen wenig Probleme, den Schuldigen zu finden. Sie müssen nur in den metaphorischen Spiegel schauen. [continue reading…]

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Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Sie werden mit einem Zitat aus dem Text angeteasert, das ich für meine folgenden Bemerkungen dazu für repräsentativ halte. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist meist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels erforderlich; ich fasse die Quelltexte nicht noch einmal zusammen. Für den Bezug in den Kommentaren sind die einzelnen Teile durchnummeriert; bitte zwecks der Übersichtlichkeit daran halten. [continue reading…]

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Ein oft gehörter Vorwurf aus liberal-konservativen Kreisen ist, dass „die Medien“ oder doch wenigstens die Öffentlich-Rechtlichen quasi die ausgelagerte Öffentlichkeitsabteilung der Grünen seien.  Ich halte diesen Eindruck, um es kurz zu machen, für falsch. Es ist aber durchaus interessant einmal näher hinzusehen, woher er kommt und was wirklich dahintersteckt. Denn das Gefühl dieser Leute, dass ihre Positionen in der Berichterstattung nicht so prominent vertreten werden wie andere, ist nicht von der Hand zu weisen. Alleine, es hat andere Gründe als ein linksgrünes Meinungskartell, oder was auch immer die Verschwörungstheorie und das Schlagwort der Stunde ist. [continue reading…]

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Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Sie werden mit einem Zitat aus dem Text angeteasert, das ich für meine folgenden Bemerkungen dazu für repräsentativ halte. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist meist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels erforderlich; ich fasse die Quelltexte nicht noch einmal zusammen. Für den Bezug in den Kommentaren sind die einzelnen Teile durchnummeriert; bitte zwecks der Übersichtlichkeit daran halten. [continue reading…]

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Unfreiwillig hat Armin Laschet im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie das ganze Dilemma der Politik aufgezeigt: „aus einer reinen Prognose heraus“ könne man nicht handeln, was es brauche  sei „eine konkrete Gefahr“. Was in der Pandemie den Tod von Tausenden zur Folge hatte, wird im Zusammenhang mit dem Klimawandel den Tod und das Elend von Millionen bewirken. Mit dem Klimawandel steht die Menschheit vor einer der größten Herausforderungen, wenn nicht der allergrößten, der sie je gegenüberstand – aber in der Politik wird er behandelt, als ginge es um eine Reform des Rentenbeitrags oder die Reperatur eines Teilstücks der A8. [continue reading…]

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Wir erwarten zu wenig

In seinem berühmten Buch „Wie man Freunde gewinnt„, das im englischen Original den wesentlich zutreffenderen Titel „How to win friends and influence people“ trägt, formuliert Dale Carnegie neben Ratschlägen für ein einnehmendes Wesen auch solche für das Ausfüllen von Führungsverantwortung. Darunter findet sich dieser Punkt:

Give the other person a fine reputation to live up to. If we give people a great reputation to live up to, they will desire to embody the characteristics with which we have described them. People will work with vigor and confidence if they believe they can be better.

Abgesehen davon, dass ich den natürlich in meinen eigenen Führungsaufgaben auch wesentlich konsequenter anwenden sollte, als ich das tue, halte ich es auch in wesentlich größerem Maßstab für einen wertvollen Ratschlag. Konkret erwarten wir zu wenig. Wir erwarten zu wenig von unserem Staat, wir erwarten zu wenig von unseren Institutionen, wir erwarten zu wenig von unserer Wirtschaft. Damit meine ich nicht eine Erwartung in dem Sinne, als dass sie irgendwelche Aufgabenbereiche übernehmen, à la „ich erwarte, dass der Staat alle meine Lebensrisiken abdeckt“ oder so was. Was ich meine ist, dass wir uns damit abgefunden haben, dass die Aufgaben, die diese Bereiche haben, mangelhaft erfüllt werden. Und das muss aufhören. [continue reading…]

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Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Sie werden mit einem Zitat aus dem Text angeteasert, das ich für meine folgenden Bemerkungen dazu für repräsentativ halte. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist meist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels erforderlich; ich fasse die Quelltexte nicht noch einmal zusammen. Für den Bezug in den Kommentaren sind die einzelnen Teile durchnummeriert; bitte zwecks der Übersichtlichkeit daran halten. [continue reading…]

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Teil 0 mit einleitenden Bemerkungen, Teil 1 mit einer Betrachtung der außenpolitischen Rolle der USA, Teil 2 mit einer Analyse der Finanzkrise 2007/2008, Teil 3 mit einer Beschreibung der Rückkehr der Realpolitik und Teil 4 mit der Analyse der europäischen Politik gingen diesem Artikel voraus.

Im Sommer 2009 war die deutsche Position, wonach die Krise ein angelsächsisches Phänomen wäre und Deutschland im Speziellen und Europa im Allgemeinen nichts anginge, endgültig unhaltbar geworden. Es ist unklar, ob Merkel und Steinbrück das je wirklich geglaubt haben oder ob sie nur der Überzeugung war, es sei etwas, das sich politisch gut verkaufen lassen. Grundsätzlich spielt das auch keine Rolle. Die Wirkung der deutschen Ignoranz war dieselbe: Während das Ausland die Deutschen bestürmte, sie mögen doch ihre Verweigerungshaltung aufgeben, die Realitäten anerkennen und etwas gegen die drohende Implosion des europäischen Teils des transatlantischen Finanzsystems unternehmen, steckte sich Berlin die Finger in die Ohren und tat nichts. [continue reading…]

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Bücherliste Mai 2021

Anmerkung: Dies ist einer in einer monatlichen Serie von Posts, in denen ich die Bücher und Zeitschriften bespreche, die ich in diesem Monat gelesen habe. Darüber hinaus höre ich eine Menge Podcasts, die ich hier zentral bespreche, und lese viele Artikel, die ich ausschnittsweise im Vermischten kommentiere. Ich erhebe weder Anspruch auf vollständige Inhaltsangaben noch darauf, vollwertige Rezensionen zu schreiben, sondern lege Schwerpunkte nach eigenem Gutdünken. Wenn bei einem Titel sowohl die englische als auch die deutsche Version angegeben sind, habe ich die jeweils erstgenannte gelesen und beziehe mich darauf. In vielen Fällen wurden die Bücher als Hörbücher konsumiert; dies ist nicht extra vermerkt.

Diesen Monat in Büchern: Globalisten, Feuersteins, Helden, Modernisierung, Vorahnungen, Frauenwahlrecht

Außerdem diesen Monat in Zeitschriften: USA, Sowjetunion [continue reading…]

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Die grüne Ikara

Vielleicht wird es im Herbst als der größte Fehler der Grünen gelten, erstmals in ihrer Geschichte eine/n Kanzlerkandidat:in aufgestellt zu haben. Das grelle Scheinwerferlicht bekommt einer Partei nicht, die seit Jahrzehnten ihre große Popularität daraus zieht, dass bei ihnen nicht so genau hingesehen wird. Nur wer sich nicht vorstellen kann, von Moralisten regiert zu werden, erträgt deren Doppelmoral mit Umkleide ins Büßerhemd, wenn die Verstöße zu offensichtlich werden. Die Grünen sind seit den Neunzigerjahren zur Projektionsfläche für all das Gute geworden. Aber Projektionsflächen, die Flecken haben, werden schnell ausgemustert. Als Mitte April Annalena Baerbock von ihrem Rivalen Robert Habeck für das höchste Regierungsamt im Staate nominiert wurde, brach ein Hype in den Medien aus. Jung, Mutter zweier kleiner Kinder, mal etwas ganz anderes. Sich als Journalisten verkleidete Aktivisten brachen ob der Interviewantworten in stehende Ovationen aus, die Tagesthemen hätten die 40jährige höchst selbst ins Kanzleramt getragen. Und wen interessieren schon Programme? Oder Erfahrung? [continue reading…]

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#DiviGate oder die falsche Spur der Zahlen

Was hat diese mysteriöse 3. Welle der Pandemie verursacht? Es gibt eine weitere heiße Spur. Ein aktuelles Thesenpapier raunt:

„Im Jahr 2020 wurden zur Behandlung von CoViD-19-Patienten durchschnittlich 2% der stationären und 4% der intensivmedizinischen Kapazitäten – bei deutlichen Differenzen in zeitlicher und räumlicher Hinsicht – genutzt. Es wurden als Ausgleichszahlungen an die Krankenhäuser 10,2 Mrd. € und als Prämien für knapp 11.000 zusätzliche Intensiv-Betten 530 Mio. € ausgezahlt.“

Professor Schrappe, die treibende Kraft hinter dem Thesenpapier, umschreibt die angedeutete Motivation deutlicher: „Es gab in den Krankenhäusern offensichtlich die Tendenz, Patienten ohne Not auf die Intensivstation zu verlegen.“ Oder in provokanteren Worten: Ist die 3. Welle nur ein künstlicher Subventionsberg?

Dieses brisante Papier hat in traditionellen Medien und vor allem den sozialen Netzen heftige Wogen geschlagen.
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Ein klimapolitisches Erdbeben

Innerhalb weniger Monate hat sich in der Bundesrepublik ein politisches Erdbeben vollzogen, das bisher noch wenig geschätzt und mit der nötigen Schwerpunktsetzung in der Debatte gewürdigt wird: Klimaschutz hat sich von dem Anliegen einer spezialisierten Themenpartei und einiger Aktivisten, als der es 2019, auf dem Höhepunkt der #FridaysForFuture-Proteste noch stand, zu einer mit Ausnahme der AfD überparteilich anerkannten Priorität der Politik entwickelt. Dieser Wandel, vergleichbar wohl nur mit dem Schwung von SPD und Grünen hinter die Reformpolitik Ende der 1990er Jahre, hat nachhaltige Wirkung. [continue reading…]

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Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Sie werden mit einem Zitat aus dem Text angeteasert, das ich für meine folgenden Bemerkungen dazu für repräsentativ halte. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist meist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels erforderlich; ich fasse die Quelltexte nicht noch einmal zusammen. Für den Bezug in den Kommentaren sind die einzelnen Teile durchnummeriert; bitte zwecks der Übersichtlichkeit daran halten. [continue reading…]

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Teil 0 mit einleitenden Bemerkungen, Teil 1 mit einer Betrachtung der außenpolitischen Rolle der USA, Teil 2 mit einer Analyse der Finanzkrise 2007/2008 und Teil 3 mit einer Beschreibung der Rückkehr der Realpolitik gingen diesem Artikel voraus.

In den Jahren 2004/2005 war die Europäische Union auf einem Höhepunkt ihrer Euphorie auf einem rapiden Weg zur „immer engeren Union“. 2002 war erfolgreich die Umstellung auf den Euro als gemeinsame Währung von (mittlerweile) 19 Mitgliedsstaaten vollzogen worden. 2004 erfolgte dann, parallel zur NATO-Osterweitung, auch die EU-Osterweiterung. Zehn neue Mitgliedsstaaten vergrößerten die Union von 15 auf 25 Mitglieder, mit zwei weiteren mit vorgesehenem Beitrittsdatum 2007. Es war offensichtlich, dass die Strukturen, die einmal für eine EWG von sechs Ländern geschaffen und seither mehrfach grundreformiert worden waren, einer weiteren Änderung bedurften. [continue reading…]

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