Wenn Tourismus die Kultur zerstört

Der diesjährige Sommerurlaub steht für manchen unter dem Eindruck der aktuellen Klimadebatte. Zumindest könnte man das vermuten nach dem Aufruhr der letzten Wochen und dem Versprechen vieler Jungaktivisten, diesmal ganz in der Nähe der deutschen Sonne (und dem Regen) zu frönen. Die Reisegesellschaften können von einem Klimatrend jedenfalls noch nicht wirklich etwas erkennen. Im Sommer 2019 boomen die Urlaubsgebiete Zypern, Griechenland und Marokko und man fragt sich unwillkürlich, wie von Frankfurt, Hamburg, Düsseldorf oder Stuttgart aus die Orte in der Ägäis und in Nordafrika erreicht werden könnten. Auch bei den Städtereisen sind eher Zielorte weit jenseits der Landesgrenzen anvisiert und spätestens bei den Buchungsanfragen für Beirut (+54%) und Baku (+51%) sollte jedem Klimaschützer klar sein: Reden und Umfragen sind das eine, doch ihren Urlaub buchen die meisten nach anderen Kriterien. Gegenläufig zu solchen Debatten um das bessere Gewissen laufen die Trends der Tourismusindustrie, längst gilt Overtourism als Steigerung des Massentourismus. [continue reading…]

{ 37 comments }

Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Sie werden mit einem Zitat aus dem Text angeteasert, das ich für meine folgenden Bemerkungen dazu für repräsentativ halte. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist meist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels erforderlich; ich fasse die Quelltexte nicht noch einmal zusammen. Für den Bezug in den Kommentaren sind die einzelnen Teile durchnummeriert; bitte zwecks der Übersichtlichkeit daran halten. [continue reading…]

{ 150 comments }

Wie bei jedem großen Projekt ist nicht die Formulierung eines ambitionierten Ziels die eigentliche Aufgabe, sondern die Umsetzung geeigneter Maßnahmen und den Pfad zur Erreichung des Gewollten zu finden. Nüchtern betrachtet scheint vielen der Streit um die Instrumente als Ersatzkriegsschauplatz für die immer währende Frage marktwirtschaftliche versus sozialistisch-planwirtschaftliche Konzepte. Nicht zuletzt der New Green Deal, für den viele junge Amerikaner sich heute begeistern, macht dies deutlich. Im Kanon der gesetzgeberischen Handlungsmöglichkeiten haben in der Umweltpolitik im Allgemeinen und in der Klimapolitik im Besonderen Regelungen des Ordnungsrechts und der Subventionspolitik den Vorrang vor allen anderen. Vielleicht ist das der Grund, warum Deutschlands Umweltpolitik nicht den besten Ruf hat. Die Politik traut den Menschen wenig zu, obwohl doch die Bürger für die Reinheit der Natur sorgen sollen. [continue reading…]

{ 127 comments }

Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Sie werden mit einem Zitat aus dem Text angeteasert, das ich für meine folgenden Bemerkungen dazu für repräsentativ halte. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist meist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels erforderlich; ich fasse die Quelltexte nicht noch einmal zusammen. Für den Bezug in den Kommentaren sind die einzelnen Teile durchnummeriert; bitte zwecks der Übersichtlichkeit daran halten. [continue reading…]

{ 102 comments }

Umweltdebatten nehmen nicht selten den Charakter des Religiösen an mit all den dazu notwendigen Komponenten. Am Anfang steht der nahende Weltuntergang, den nur noch eine völlige Umkehr aufhalten kann. Absoluter Glaube an die Erkenntnis wird von den Jüngern eingefordert, aus Behauptung wird Wissen. Skeptiker werden verfemt, Verzicht und das einfache Leben gepredigt. Die fast zwangsläufigen Abweichungen vom Pfad der Tugend werden scharf sanktioniert, Reue eingefordert und Vergebung gewährt. Nach einem Leben in Einfachheit und Schlichtheit wartet die Erlösung im Jenseits. Gläubige werden für ihren lebenslangen Verzicht mit der Hoffnung belohnt, ohne ihre Askese wäre die Welt ein schlechterer Ort. [continue reading…]

{ 106 comments }

Impressionen aus der Europa-Wahl

Die Europawahl ist natürlich keine Deutschland-Wahl. Das gleich vorweg. Aber die Implikationen der Wahl für Europa als Ganzes müssen noch einige Tage warten; ich will heute erst einmal eine Nabelschau betreiben und sehen, was für Trends hier offenkundig wurden, die vor allem für die Innenpolitik relevant sind. Ich hatte eigentlich nicht gerade vor, die EU und das EP dadurch zu entwerten, ihre Wahl direkt auf Deutschland zu beziehen, als wäre ich in der CSU und würde das Bundestagsergebnis anschauen. Aber ich hatte auch vor Sonntag abend nicht erwartet, dass es da viel Nennenswertes zu sagen geben würde. Das war, gelinde gesagt, ein Irrtum. Denn wenn die Momentaufnahme der gestrigen Wahl nicht eine Ausnahmeerscheinung war, dann ist die Lageänderung gravierend. [continue reading…]

{ 109 comments }

Wenn am kommenden Wochenende Europawahl ist, werden die wenigsten wissen, was sie wählen sollen, und schon gar nicht aus welchen Gründen. Das in den Medien gehypte Megathema scheint für die Mehrheit doch keins zu sein oder wird mit Europa eher weniger in Verbindung gebracht. Während eine 16jährige, noch schulpflichtige Schwedin, mathematische NOx-Formeln und der klimatische Weltuntergang in den nicht-grünen Parteien Panik verbreiten und die grünen Ökofundamentalisten Ikarus gleich in den Umfragen fliegen lassen, weiß der geneigte EU-Bürger meist nicht, welche umfangreichen Kompetenzen die demnächst zu bildende Kommission Brüsseler Bauart eigentlich in der Umweltpolitik hat, noch scheint es übermäßig zu interessieren – nicht einmal die Hauptdarsteller selbst. Wer derzeit in diesem verregneten Spätfrühjahr eine wirksame Einschlafhilfe benötigt, der braucht nur eine der panikartig vermehrten Wahlwerbesendungen zu schauen. Wer von dem vielen Zusammen und Populisten-Gerede nicht schläfrig wird, muss auf kurzem Speed sein. Ein Ideenwettbewerb, wie eine wirksame Klimapolitik aussehen könnte, findet abseits stalinistisch-planwirtschaftlicher Verzichtskonzepte und feuchten Steuerträumereien nicht statt. Möglicherweise folgt das Theater auch dem einfachen Prinzip: Es muss etwas passieren, aber es darf nichts passieren. [continue reading…]

{ 74 comments }

Fragen, die man besser ignoriert

Es gibt nur wenig, was so viele schlechte Analysen, Schlagzeilen und Vorhersagen provoziert wie missverstandene Umfrageergebnisse. 2016 war da ja ein Musterbeispiel, aber die aktuellen Wahlen in Australien zeigen dasselbe in Grün: nur weil ein Ergebnis wahrscheinlicher ist als das andere, ist es nicht garantiert. Aber Probleme, Wahrscheinlichkeiten richtig zu verstehen, sind nichts Neues. Davon können die Mathelehrer der Republik ein ähnliches Lied singen wie von mangelnden Prozentrechen-Fähigkeiten. Wesentlich problematischer bei Umfragen sind Fragen, mit denen zwar gerne Politik gemacht wird, die aber für die eine Analyse völlig wertlos sind. Anthony J. Wells vom YouGov-Institut hat in seinem Artikel „Questions that should be ignored“ einige dieser Fragen aufgelistet und erklärt, warum sie ignoriert werden sollten. Ich halte den Artikel für so wichtig, dass ich ihn hier mit freundlicher Genehmigung des Autors übersetze. [continue reading…]

{ 9 comments }

Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Sie werden mit einem Zitat aus dem Text angeteasert, das ich für meine folgenden Bemerkungen dazu für repräsentativ halte. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist meist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels erforderlich; ich fasse die Quelltexte nicht noch einmal zusammen. Für den Bezug in den Kommentaren sind die einzelnen Teile durchnummeriert; bitte zwecks der Übersichtlichkeit daran halten. [continue reading…]

{ 78 comments }

Kevin Kühnert, Fensterbauer

Es gibt in der politischen Debatte eines jeden Landes einen bestimmten Bereich, der tabu ist. In Deutschland zum Beispiel ist es tabu, das Existenzrecht Israels zu kritisieren. Oder die rechtliche Gleichberechtigung von Mann und Frau. Allein das Diskutieren dieser Themen stellt den jeweiligen Diskutanten außerhalb des gesellschaftlichen Konsens‘, markiert ihn oder sie als „extrem“ (egal, welche Richtungsangabe noch vor das Adjektiv kommt), als in feiner Gesellschaft effektiv nicht satisfaktionsfähig. Dieser Tabu-Bereich wird durch einen permenanten Diskussionsprozess in der Gesellschaft, durch Provokation und Zurückrudern, durch Austesten von Grenzen und ostentative Ablehnung permanent definiert, geschärft, verwässert und gestestet. Alles, was innerhalb dieses Tabu-Grenzbereichs liegt, nennt man das Overton-Fenster. [continue reading…]

{ 58 comments }