Biden macht Werbung für unfreie VWL-Professoren, um mit Mike Pence die Ukraine zu retten – Vermischtes 02.04.2024

Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Die „Fundstücke“ werden mit einem Abschnitt des Textes, der paraphrasiert wurde, angeteasert. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels empfohlen; ich übernehme keine Garantie für die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Zusammenfassungen. Für den Bezug in den Kommentaren sind die einzelnen Teile durchnummeriert; bitte zwecks der Übersichtlichkeit daran halten. Dazu gibt es die „Resterampe“, in der ich nur kurz auf etwas verweise, das ich zwar bemerkenswert fand, aber zu dem ich keinen größeren Kommentar abgeben kann oder will. Auch diese ist geordnet (mit Buchstaben), so dass man sie gegebenenfalls in den Kommentaren referieren kann. Alle Beiträge sind üblicherweise in der Reihenfolge aufgenommen, in der ich auf sie aufmerksam wurde.

Fundstücke

1) Je unfreier Frauen sind, desto unfreier sind Männer

Julia Nawalnaja, die Frau des russischen Oppositionsführers Alexej Nawalny, zeigt durch ihren Mut und ihre Standhaftigkeit inmitten der Tragödie in Russland eine beispiellose Stärke und Hoffnung. Sie symbolisiert die Hoffnung der Opposition in einem Land, das von autoritären Regimen beherrscht wird. Die Unterdrückung von Frauenrechten in autokratischen Staaten wie Russland, China und Afghanistan spiegelt den Grad der Freiheit in der Gesellschaft wider. Trotz der Widerstände und der Verletzung ihrer Rechte haben Frauen weltweit gezeigt, dass sie eine Kraft für Veränderung sind. Solidarität und Unterstützung unter Frauen sind jedoch in Zeiten von Krisen oft Mangelware, was zu Verzweiflung führen kann. Dennoch bleibt Hoffnung eine treibende Kraft, die auf Handeln und Veränderung ausgerichtet ist, wie es Julia Nawalnaja durch ihren Kampf und ihre Entschlossenheit demonstriert. (Jennifer Wilton, Welt)

Das Patriarchat schadet allen, ich sag das immer wieder. In dem Fall ist der Zusammenhang natürlich ein mittelbarer, aber nichtsdestotrotz richtig. Eine Gesellschaft, die Frauen unterdrückt, wird für Männer üblicherweise nicht überragend frei sein. Das sind natürlich die Extremfälle; Wilton bezieht sich ja auf Gesellschaften wie Iran oder Russland. Aber der Effekt ist überall (natürlich deutlich abgeschwächt) spürbar, wo Geschlechterrollen forciert werden. Wenn Frauen in die Rolle der Hausfrau und Mutter gedrängt werden, betrifft das unmittelbar natürlich erst einmal deren freie Entfaltungsmöglichkeiten, aber mittelbar eben auch die der Männer: deren Spektrum möglicher Rollenbilder und Identitäten wird dadurch ja ebenfalls eingeschränkt. Wo bestimmte Rollenbilder für ein Geschlecht vorgeschrieben werden, reduzieren diese wie ein Pendeleffekt auch die des anderen Geschlechts. Das Patriarchat schadet allen, weswegen es ja so wichtig ist, einen Pluralismus der Rollenbilder zuzulassen und zu fördern (und ja, das schließt natürlich auch das bewusste Entscheiden für klassische Rollenbilder mit ein!).

2) Tweet

Ich finde es gut, dass Biden das macht (auch wenn der Umfang immer noch zu gering ist). Regierungen müssten viel offener für ihre Taten werben, und zwar nicht parteipolitisch motiviert, sondern weil das in meinen Augen eine wichtige Säule des Vertrauens in die Demokratie und den Staat ist, das aktuell auf einem Dauertiefpunkt liegt. Die EU müsste mandatieren, dass alles, was mit Fördergeldern gemacht wird, ein Riesenschild „Powered by EU“ kriegt. Und genau dasselbe müssten nationale Regierungen, Landesregierungen, Kommunalregierungen tun. „Ihre Steuergelder bei der Arbeit.“ Denn wir kriegen praktisch nur das Negative mit, wenn irgendetwas nicht klappt, wo Probleme sind, nie, wo etwas tut. Deswegen wäre das so dringend notwendig.

3) Mike Pence Should Be the Biggest Story of the 2024 Campaign

Der Autor lobt die Handlungen und die Integrität von Mike Pence während des Angriffs auf das Kapitol am 6. Januar 2021. Pence weigerte sich, das Gelände zu verlassen, um sicherzustellen, dass er seine verfassungsmäßigen Pflichten erfüllen konnte. Obwohl er nicht mehr mit Trump zusammenarbeitet, verdient sein Verhalten Anerkennung. Der Autor kritisiert die Medien dafür, dass sie Pences Ablehnung, Trump zu unterstützen, nicht angemessen würdigen. Diese Aktion sollte in jeder Berichterstattung über die Präsidentschaftswahl erwähnt werden. Darüber hinaus schlägt der Autor vor, dass Kamala Harris und Joe Biden Pence für seine Integrität danken und ihn zum Abendessen einladen sollten, um seinen Beitrag zu würdigen. Federers Interview mit GQ zeigt seine reflektierte Einstellung zum Tennis und seinem Leben nach der Karriere. Er betont, dass Tennis nie seine einzige Identität war und dass er nach dem Rückzug vom Tennis immer noch ein erfülltes Leben führt. (Jonathan Last, The Bulwark)

Siehe auch hier. Tatsächlich ist es ein Merkmal der Absurdität der ganzen Situation, dass das überhaupt keine Rolle spielt. Man stelle sich mal vor, Joe Biden hätte versucht, Kamala Harris umbringen zu lassen und die würde erklären, dass sie ihn nicht wählen würde. Das ist so abwegig, dass man nicht einmal darüber nachdenken kann. Oder Dick Cheney ruft dazu auf, bitte keinesfalls George W. Bush zu wählen. Unvorstellbar! Aber Trump ist dermaßen out of bounds, die Partei, der Diskurs, die politische Kultur so unglaublich kaputt, dass diese Hammernachricht überhaupt nicht registriert. Und ja, auch Lasts Kritik ist noch ein relevanter Punkt: der Widerstand gegen die Zerstörung der Demokratie müsste viel mehr gewürdigt werden. An allen Ecken und Enden gibt es immer nur Hiobsbotschaften (siehe auch Fundstück 2)). Da wäre es super, würde man mal positive Dinge herausstellen. Wir haben das in letzter Zeit mit den Demos gegen Rechtsextremismus ja auch erlebt.

4) The west can still save Ukraine

Der Autor des Artikels äußert Besorgnis über die Schwächung des Westens im Konflikt zwischen der Ukraine und Russland. Er argumentiert, dass der Westen, einst eine mächtige Kraft, nun uneins ist und sowohl an Verbündeten als auch an Entschlossenheit mangelt, die Ukraine wirksam zu unterstützen. Die zögerliche Haltung der USA, kombiniert mit inneren Spaltungen innerhalb europäischer Länder, verschärft die Situation weiter. Der Autor schlägt vor, dass der Westen die Möglichkeit einer Niederlage der Ukraine anerkennen und entschlossen handeln muss, um dies zu verhindern. Dies könnte die Bereitstellung militärischer Unterstützung für die Ukraine und die Vereinigung hinter einem gemeinsamen Zweck umfassen. Trotz der Herausforderungen glaubt der Autor, dass ein Sieg für die Ukraine erreichbar ist, wenn die westlichen Länder dem Anliegen Priorität einräumen und sich dazu verpflichten. (Simon Kuper, FT)

Ich hab das bereits im Vermischten angesprochen und auch mit Ariane im Podcast diskutiert. Selbstverständlich könnte der Westen die Ukraine jederzeit retten. Das ist überhaupt nicht die Frage. Wie Kuper das ja sagt, ist es eine Frage der Priorität. Ich glaube allerdings nicht, dass es an der Anerkennung der Möglichkeit einer ukrainischen Niederlage mangelt; der Diskurs ist davon ja geradezu geprägt. Wenn Mützenich vom Einfrieren spricht oder andere Leute ständig die Kapitulation des Landes fordern, tun sie dies ja überwiegend genau vor dem Hintergrund, dass sie nicht davon ausgehen, dass Land seine Ziele erreichen kann (worin auch immer diese bestehen mögen). Aber genau diese Priotität hat es nicht, weitgehend aus innenpolitischen Gründen: dazu müsste eine Umverteilung stattfinden, vom Konsum in die Verteidigung, deren Lasten überwiegend von der Unter- und Mittelschicht getragen werden müssten. Das ist ein politischer Non-Starter. Solange wir nicht wesentlich direkter bedroht sind, wird sich für ein solches commitment keine Mehrheit finden lassen, und Demokratien erfordern Mehrheiten. Umgekehrt kann man natürlich nicht ausschließen, dass Putin sich noch als Mehrheitsbeschaffer geriert. Solche Fehltritte macht er gerade öfter.

5) Warum das Gerede von fehlenden Fachkräften Quatsch ist

Der Artikel von VWL-Professor Joachim Voth befasst sich mit dem Thema Fachkräftemangel, das in den Medien oft diskutiert wird. Voth argumentiert jedoch, dass der Begriff selbst Unsinn ist und aus Diskussionen verbannt werden sollte. Er erklärt, dass Unternehmen, die über Fachkräftemangel klagen, eigentlich höhere Gehälter bieten sollten, um mehr Arbeitskräfte anzuziehen. Die offensichtliche Lösung, höhere Löhne zu zahlen, wird jedoch selten erwähnt. Voth argumentiert weiter, dass höhere Gehälter die Nachfrage nach Arbeitskräften senken würden, bis nur noch diejenigen, die wirklich eine Fachkraft benötigen, sie bezahlen können. Dies würde die vorhandenen Arbeitskräfte effizienter nutzen. Er warnt auch vor den negativen Auswirkungen von Masseneinwanderung als Lösung für den Fachkräftemangel, da dies den gesellschaftlichen Zusammenhalt gefährden und zu anderen Problemen führen könnte. Voth schließt mit dem Plädoyer, den Preismechanismus des Marktes zu nutzen, um die Allokation von Arbeitskräften effektiv zu steuern. (Joachim Voth, FuW)

Es ist spannend, diese Argumentation von einem Wirtschaftsprofessor zu hören. Ich sage ja schon länger, dass diese Seite der Gleichung vollkommen ignoriert wird. Die Unternehmen schreien effektiv nach staatlicher Subvention (Druck ausüben), damit ihre niedrigen Preise akzeptiert werden. Das Marktsignal ist aber offensichtlich ein anderes. Voth fügt diesem Punkt den von mir bisher überhaupt nicht durchgedachten Punkt hinzu, dass die Erhöhung von Löhnen natürlich nicht zu einem Wachstum des Fachkräftepools, sondern zu einer Eliminierung nicht wettbewerbsfähiger Unternehmen führt. Ich muss zugeben, dass ich dabei ein etwas flaues Gefühl im Magen habe. Voth hat sicher Recht damit, dass das der marktwirtschaftlichen Logik voll entspricht; allein, es regt sich bei mir eine gewisse Grundskepsis, ob das das volkswirtschaftlich beste Ergebnis produziert. Siehe auch hier zu GDL und 35-Stunden-Woche.

Resterampe

a) Zivilisationszusammenbrüche – Über Katastrophenfiktionen.

b) Europa kapituliert vor der Bauernrandale. Jepp. 

c) Zum Thema RAF-Nachwehen. Ich halte die These, die RAF sei für „junge Menschen“ ein popkulturelles Phänomen, für völlig irrig. „Junge Menschen“ wissen gar nicht, was die RAF war.

d) Alan Posener in der Welt zum Fleischverbot.

e) Überlasst die Klima-Kleber einfach dem Vergessen. Besser. War von Anfang an eine völlige Hysterie.

f) Guter Punkt zu Framing.

g) Zum Solarausbau.

h) lol

i) Jepp.

j) Toxische Gentleman-Idee.

k) Der Halbtagsblog hat ein Experiment gemacht, dass Schüler*innen für eine Woche die Handys abgeben.

l) Mobangst und Gewalt.

m) Rückblick auf Thomas Piketty.

n) Ausländische Interessen an der US-Wahl 2024 analysiert.

o) When the Experts Failed During COVID-19. Sehr lesenswert!

p) The Worst Argument for Youth Transition. Sehr lesenswerte Gegenrede zum im letzten Vermischten verlinkten Artikel zur youth transition.


Fertiggestellt am 24.03.2024

{ 136 comments… add one }
  • VD 2. April 2024, 07:55

    d) Alan Posener in der Welt zum Fleischverbot.
    Ein schöner Kommentar von Posener, und der Seitenhieb auf die AfD passt mal wieder in die Zeit: „Die Ampel ist an allem schuld“ … vorzugsweise an Dingen, die sie geerbt hat (Rente) oder die sie gar nicht verursacht (wie das Beispiel bei Posener).

    • Stefan Sasse 2. April 2024, 16:48

      Ist aber das Schicksal jeder Regierung. Du bist immer für den ganzen Laden verantwortlich.

  • VD 2. April 2024, 08:04

    5) Warum das Gerede von fehlenden Fachkräften Quatsch ist
    Vielleicht so als Anregung: „Wirtschaft“ ist nichts statisches, sondern eher etwas Organisches, damit meine ich, dass nichts einfach so bleibt. Firmen entstehen, „leben“ und vergehen.
    Ich war schon für einige Firmen tätig, die es nicht mehr gibt, z. B. weil sie mittlerweile „gefressen“ wurden von anderen Firmen.
    Entsprechend ist es mit dem Fachkräftemangel: Wenn Firmen es nicht hinbekommen, Arbeitskräfte zu bekommen (und zu halten!), werden es andere Firmen schaffen.
    Und das (vor Allem) große Firmen nach staatlichen Hilfen rufen ist leider normal, da gibt es oft wenig Unternehmerisches in diesen großen Konglomeraten.

  • Michael 2. April 2024, 08:46

    Wenn im nur noch 19,1 % aller Betriebe ausbilden (Stand 2021), darf man sich über einen «Fachkräftemangel» nicht wundern. Die Ausbildungsbeteiligung ist seit Jahren rückläufig, 2007 belief sie sich laut Bundesinstitut für Berufsbildung noch auf 24,1 %. Konsequenz: Weniger als die Hälfte der Bewerber für eine Ausbildung haben das Glück, einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Besonders benachteiligt sind dabei wie üblich die ohnehin schon Benachteiligten: Jugendliche mit Hauptschulabschluss und aus abgehängten Regionen sowie Jugendliche mit Migrationshintergrund bzw. ausländischer Staatsangehörigkeit. Und dann kommen die Rechten daher und erzählen uns, … ach es ist zum *otzen.

    • Erwin Gabriel 2. April 2024, 13:22

      @ Michael:

      Wenn im nur noch 19,1 % aller Betriebe ausbilden (Stand 2021), darf man sich über einen «Fachkräftemangel» nicht wundern. Die Ausbildungsbeteiligung ist seit Jahren rückläufig, 2007 belief sie sich laut Bundesinstitut für Berufsbildung noch auf 24,1 %.

      Ist halt nur die eine Seite der Medaille. Die andere ist, dass sich Ausbildung in vielen Fällen nicht lohnt, weil die Ausbildungskosten immer weiter nach oben gehen, die Ausgebildeten nach Abschluss das Unternehmen verlassen, und in vielen Fällen die potentiellen Azubis nicht die Qualifikation mitbringen, eine Ausbildung zu beginnen – halbwegs Rechtschreibung, vier Grundrechenarten plus Dreisatz- und Prozentrechnung sollte schon drinliegen.

      Konsequenz: Weniger als die Hälfte der Bewerber für eine Ausbildung haben das Glück, einen Ausbildungsplatz zu bekommen.

      Ich kenne so viele Betriebe in meiner Branche, die Auszubildende (m/w/d) suchen und nicht finden …

      Besonders benachteiligt sind dabei wie üblich die ohnehin schon Benachteiligten: Jugendliche mit Hauptschulabschluss und aus abgehängten Regionen sowie Jugendliche mit Migrationshintergrund bzw. ausländischer Staatsangehörigkeit.

      Zustimmung – die sind immer benachteiligt, aber das ist keine Frage der Ausbildungsbetriebe. Unser Bildungssystem verlässt sich sehr stark auf die Eltern, so dass nur die wirklich gut durch die Schule kommen, die (entweder viel Talent und Einsatz oder eben) wohlhabende Eltern haben, die sich engagieren und/oder Nachhilfe leisten können.

      Aber der Staat schreibt dieses System lieber fest und versorgt dann die, die hinten runterfallen, als von vornherein für mehr Chancengleichheit zu sorgen. Ist aus meiner Wahrnehmung der Hauptgrund dafür, dass sich Wohlstand vererbt, und nur selten aus eigener Kraft ausgebaut werden kann.

      Und dann kommen die Rechtsextremenen daher und erzählen uns, … ach es ist zum *otzen.

      Zustimmung.

      • CitizenK 2. April 2024, 18:12

        „aber das ist keine Frage der Ausbildungsbetriebe“

        Vielleicht doch. Früher wurde oft über Bedarf ausgebildet. Aus einer gesamtgesellschaftlichen Verantwortung heraus, die mit dem Shareholder-Ansatz verschwand? Auch damals verließen die Lehrlinge nach der Abschlussprüfung oft die Ausbildungsbetriebe.
        Die fundierte Ausbildung war oft der Grundstock für die Weiter-Qualifizierung – und den sozialen Aufstieg. Typisch in meinem Umfeld: Facharbeiterlehre, ein paar Jahre Berufspracis und dann Ingenieurschule/Höhere Fachschule. Abitur brauchte man damals noch nicht.

        • Erwin Gabriel 2. April 2024, 21:21

          @ CitizenK 2. April 2024, 18:12

          [„aber das ist keine Frage der Ausbildungsbetriebe“]

          Vielleicht doch.

          Definitiv nicht. Wenn der Ausbildungsleiter eines großen Baubetriebs im Fernsehen erklärt, dass die Bewerber um einen AUsbildungsplatz in der Regel drei Dinge mitbringen – „eine 5 in Deutsch, eine 5 in Englisch, und eine 5 in Mathe“ – liegt das Kind im Brunnen, bevor ein Ausbildungsbetrieb irgendetwas bewirken kann. Das, was an Grundeinstellungen und Basiswissen fehlt, kann ein Ausbildungsbetrieb nicht ausgleichen; ist auch nicht seine Aufgabe.

          Früher wurde oft über Bedarf ausgebildet. Aus einer gesamtgesellschaftlichen Verantwortung heraus, die mit dem Shareholder-Ansatz verschwand?

          Oh Citizen …
          Das Gros der Ausbildungsbetriebe ist Mittelstand, in der Regel im Familienbesitz. Da gibt es „Shareholder Value“ als bestimmende Kraft einfach nicht.

          Auch damals verließen die Lehrlinge nach der Abschlussprüfung oft die Ausbildungsbetriebe. Die fundierte Ausbildung war oft der Grundstock für die Weiter-Qualifizierung – und den sozialen Aufstieg. Typisch in meinem Umfeld: Facharbeiterlehre, ein paar Jahre Berufspracis und dann Ingenieurschule/Höhere Fachschule.

          Ja, wie bei mir.

          Abitur brauchte man damals noch nicht.

          Braucht man heute auch nicht zwingend, auch wenn sich jeder Betrieb das wünscht. Heute hast Du als 20-MitarbeiterInnen-starkes Bauunternehmen sorge, jemanden zu finden, der aus den beiden Seitenlängen eines Rechtecks Umfang und Flächeninhalt berechnen kann. Und früher einmal intellektuel anspruchslose Jobs sind inzwischen nicht mehr so anspruchslos wie früher.

          • CitizenK 3. April 2024, 09:30

            „Oh Citizen…“

            „ifo Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München, München:
            Zusammenfassung: Die Anzahl der von den Unternehmen angebotenen Ausbildungsstellen ist in den letzten beiden Jahren deutlich hinter die Nachfrage zurückgefallen. (…) In diesem Beitrag werden die möglichen zugrunde liegenden Ursachen für den Ausbildungsplatzmangel analysiert. Diese dürften wohl in konkreten Verschlechterungen des Kosten-Nutzen-Verhältnisses von Ausbildungsplätzen für die Betriebe und in den generell dürftigen Zukunftsaussichten der Wirtschaft liegen.“
            https://hdl.handle.net/10419/164032

            Die mangelnde Vorbildung der Bewerber kommt hier nicht vor.

            • Erwin Gabriel 3. April 2024, 19:24

              Oh Citizen 🙂

              Ich schrieb:
              Ist halt nur die eine Seite der Medaille. Die andere ist, dass sich Ausbildung in vielen Fällen nicht lohnt, weil die Ausbildungskosten immer weiter nach oben gehen, die Ausgebildeten nach Abschluss das Unternehmen verlassen, und in vielen Fällen die potentiellen Azubis nicht die Qualifikation mitbringen, eine Ausbildung zu beginnen – halbwegs Rechtschreibung, vier Grundrechenarten plus Dreisatz- und Prozentrechnung sollte schon drinliegen.

              Wie immer gibt es nicht nur einen Grund.

              Michael schrieb, dass bestimmte Gruppen benachteiligt sind. Ich antwortete, dass diese Benachteiligung schon durch unser schulisches Bildungssystem festgeschrieben wird, wofür die Ausbildungsbetriebe nichts können.

              Darauf lautete Deine Antwort: „Vielleicht doch …“

              Wenn Du Dich darauf beziehst, dass an der sinkenden Zahl der Ausbildungsplätze auch die Unternehmen einen Anteil haben, widerspreche ich ja nicht, hatte ich explizit geschrieben. Du hast Dich aber eindeutig auf meine Aussage zur schulischen Bildung bezogen; da sind die Ausbildungsbetriebe aus der Verantwortung.

              Haben wir hier nun eine gemeinsame Basis?

              es grüßt
              E.G.

              • Stefan Pietsch 3. April 2024, 19:55

                Erwin, CitizenK hat sich im Jahr vertan. Er dachte 2004 sei 2024.

                • Erwin Gabriel 4. April 2024, 14:07

                  @ Stefan Pietsch 3. April 2024, 19:55

                  Erwin, CitizenK hat sich im Jahr vertan. Er dachte 2004 sei 2024.

                  OK, hatte ich verpasst. Merci.

                  @ Citizen K:

                  Aber dann HABEN wir eine gemeinsame Basis, dann passt es.

                  • CitizenK 4. April 2024, 16:21

                    Ja. Bezog sich schon auf jene Zeit, als es noch einen Überhang an Ausbildungswilligen gab. Die Vermutung: Auch die damals nicht ausgebildeten Fachkräfte fehlen heute.

                    Eine Differenz haben wir noch: Unternehmen haben mMn durchaus auch eine gesellschaftliche Verantwortung. Die Duale Ausbildung (auf die die Deutschen – noch – stolz sind und um die sie – noch – andere Länder beneiden, als ein Beispiel. Ein anderes ist die Bedeutung für eine Region (Steueraufkommen, Infrastruktur usw.)

                    Noch ein Punkt: Es sind nicht nur die großen Unternehmen. Die mittleren und kleinen bekamen den Kostendruck ja knallhart ab, Beispiel Auto-Zulieferer.

        • Stefan Pietsch 3. April 2024, 11:21

          Vor 40 Jahren gab es 23 Millionen Deutsche im Alter von unter 20 Jahren. Heute sind es nicht einmal 16 Millionen, also über 7 Millionen weniger, die derzeit oder innerhalb der nächsten 16 Jahre ins Ausbildungsalter kommen. Aber während Anfang der Achtzigerjahre von diesen 23 Millionen 13 Prozent, also 2,9 Millionen ein Studium ergriffen (als Kohorte betrachtet) und damit 20 Millionen für Ausbildungsplätze in Frage kamen, sind es heute bei einer Studienquote von 27 Prozent nicht einmal 12 Millionen. Unternehmen in Deutschland können also aufgrund der gesellschaftlichen Verhältnisse in den kommenden Jahren 8 Millionen weniger ausbilden.

          Damit ist doch offensichtlich, wo das Problem ist, oder nicht? Bei einer rekordhohen Zahl an Erwerbstätigen muss die Zahl der Ausbildungsstellen zurückgeführt werden. Alles andere wäre eine katastrophale Fehlplanung.

          In den Nullerjahren wurde ja heftig die Erhebung einer Ausbildungsplatzabgabe diskutiert. Dabei war damals schon das beschriebene Problem am Horizont erkennbar – außer für die Sozialarchitekten nicht. Es wäre nur konsequent, wenn wir heute eine Abgabe diskutieren für diejenigen jungen Menschen, die eine Ausbildung verweigern. Seltsamerweise ist davon jedoch nicht die Rede. Warum nicht?

          • CitizenK 3. April 2024, 16:21

            Das geht an den ifo-Argumenten vorbei. Wussten die es nicht besser?

            Zitat: „Die Anzahl der von den Unternehmen angebotenen Ausbildungsstellen ist in den letzten beiden Jahren deutlich hinter die Nachfrage zurückgefallen.“

            Was haben die Jugendlichen gemacht, die leer ausgegangen sind? Studiert, wenn sie Abi hatten. Oder einen „ungelernten“ Job angenommen.

            • Stefan Pietsch 3. April 2024, 18:17

              Ihre Quelle ist von 2004!

              Das wirklich Nervige (und Unseriöse) an Ihnen ist, dass Sie mit danach googlen, was Ihrer Ansicht entspricht, statt sich erst über die Fakten schlau zu machen und darauf die Argumentation aufzubauen.

              Ich habe vor einigen Tagen einen Artikel dazu geschrieben, wie die „Wissenschaftler“ der Hans-Böckler-Stiftung vorgegangen sind. Sie passen da absolut rein. Eigentlich müssten Sie wissen, wie das Verhältnis von Ausbildungsplätzen zu Bewerbern ist, schließlich gilt die Situation seit anderthalb Jahrzehnten. Das kann nicht an Ihnen vorbei gegangen sein. Aber Sie sind glücklich wie ein kleines Kind, wenn Sie endlich einen Quelle finden, die das Gegenteil des Bekannten sagt. Nur leider kann man sich unheimlich blamieren, wenn man nicht die Aktualität seiner Quellen checkt.

              Zwei Klicks, und Sie haben einen Überblick – bei der Bundesagentur für Arbeit.
              https://statistik.arbeitsagentur.de/DE/Navigation/Statistiken/Interaktive-Statistiken/Ausbildungsmarkt/Ausbildungsmarkt-Nav.html;jsessionid=DA7B340E97E09A0CB0A69227DC4AE99B

              Da können Sie sehen, dass seit den Nullerjahren die Lücke zwischen Ausbildungsstellen und Bewerbern kontinuierlich größer wird. Unternehmen finden einfach keine Kandidaten mehr, egal wie qualifiziert oder gering qualifiziert sie für einen Ausbildungsplatz. Also eigentlich Allgemeinwissen – außer für Sozialdemokraten.

              Deswegen ist alles Quatsch, was Sie sich dann zusammengereimt haben. Absoluter Bullshit, der aus Ihren Vorurteilen erwächst.

              • CitizenK 7. April 2024, 15:11

                Statt – wieder mal – beleidigend zu werden, könnten Sie auch zur Kenntnis nehmen, dass mein Beitrag sich bewusst auf jene Zeit bezog.
                Es zeigt IHR Vorurteil, dass Sie das offenbar übersehen haben.

                • Stefan Pietsch 7. April 2024, 15:30

                  Generell muss man die Frage stellen, warum Sie die Situation von vor 20 Jahren debattieren wollen, die sich diametral anders als heute darstellt. Wo sollen Fingerzeige für das Heute sein? Bekanntlich bekommen Unternehmen heute immer weniger Auszubildende, egal wie viel sie ausbilden möchten.

                  Früher wurde oft über Bedarf ausgebildet. Aus einer gesamtgesellschaftlichen Verantwortung heraus, die mit dem Shareholder-Ansatz verschwand?

                  Und heute ist das nicht mehr so? Woher wissen Sie das?

                  Zusammenfassung: Die Anzahl der von den Unternehmen angebotenen Ausbildungsstellen ist in den letzten beiden Jahren deutlich hinter die Nachfrage zurückgefallen.

                  Woraus erkennt das geneigte Publikum, dass Sie auf das Jahr 2004 referenzieren?

                  Die Vermutung: Auch die damals nicht ausgebildeten Fachkräfte fehlen heute.

                  Wie das? Menschen haben die Angewohnheit zu altern. Wer damals im Ausbildungsalter war, ist heute vierzig Jahre alt. Aus den Statistiken können wir entnehmen, dass Deutschland kein Problem in den Alterskohorten 40+ hat, sondern in der U40 Fraktion.

  • Tim 2. April 2024, 08:59

    (5 – Fachkräftemangel)

    Voth argumentiert jedoch, dass der Begriff selbst Unsinn ist und aus Diskussionen verbannt werden sollte. Er erklärt, dass Unternehmen, die über Fachkräftemangel klagen, eigentlich höhere Gehälter bieten sollten, um mehr Arbeitskräfte anzuziehen.

    VWL-Professoren, die sich über „Unsinn“ auslassen … Immer wieder gut. 🙂

    Für den akademischen Bereich hat Voth natürlich vollkommen recht. Die miesen Arbeitsverträge im Mittelbau sind ein Skandal. Ich hoffe sehr, dass er sich engagiert gegen diesen Missstand einsetzt.

    Von der realen Situation in der Wirtschaft scheint er allerdings wenig zu verstehen. Nehmen wir als Beispiel meine eigene Branche, IT. Ich weiß nicht, was Voth mit „hohem Gehalt“ meint. 80.000 Euro sind bei uns keine untypische Gehaltsforderung von Berufseinsteigern. (Wieviele Personen der Professor zu diesem Gehalt wohl schon auf eigene Kosten eingestellt hat? …) Trotzdem ist es sehr schwierig, geeignete Leute zu bekommen, da es einfach viel zu wenige gibt. Und große Firmen und Konzerne können im Zweifelsfall immer noch eine Schippe drauflegen. Die Knappheit an IT-lern spielt eindeutig größeren Unternehmen in die Karten. Das findet ein VWL-Professor sinnvoll? Man müsste vielleicht mal recherchieren, mit und für welche Unternehmen er forscht. Ich habe einen Verdacht.

    Wie ich schon öfter sagte, braucht eine stark technisch ausgerichtete Export-Volkswirtschaft wie die deutsche bei seinen Hochschulabsolventen einen MINT-Anteil von min. 50 %, sonst werden wir unsere Spitzenstellung nicht halten können. Offenbar ist selbst VWL-Professoren nicht klar, welche Bedrohung seit einiger Zeit auf uns zurollt. Die strukturelle Krise Anfang der 90er ist *nichts* dagegen.

    Aber was ist mit den Branchen am unteren Ende der Lohnskala? Nehmen wir die Friseure. Dort ist das Gehaltsniveau durch den Mindestlohn künstlich erhöht worden und in der Folge auch die Friseurpreise. Das können oder möchten sich viele Menschen nicht mehr leisten. Teile des Umsatz gehen jetzt folglich verstärkt in Grau- und Schwarzbereiche, die Zahl der versicherungspflichtig Beschäftigen sinkt seit Jahren.

    Einem VWL-Professor offenbar alles unbekannt. Immerhin wieder mal ein Indiz, dass das Fach seinen schlechten Ruf zu recht hat.

    • schejtan 2. April 2024, 09:33

      MINT-Anteil von min. 50 %

      Gibt es irgendein Land, in dem das der Fall ist?

      Immerhin wieder mal ein Indiz, dass das Fach seinen schlechten Ruf zu recht hat.

      Da sind wir uns einig 🙂

      • Tim 2. April 2024, 09:51

        Gibt es irgendein Land, in dem das der Fall ist?

        Das ist nicht die relevante Frage. Es gibt keine MINT-Quoten-Weltmeisterschaft, wo man nur um der Platzierung willen auf #1 stehen muss. Der Punkt ist: Wir brauchen dringend Fachkräfte, wenn die Unternehmen auch hier investieren sollen. Den Unternehmen selbst ist relativ egal, wo sie investieren.

        Aber abgesehen davon würde ich aber einigen anderen europäischen Ländern ebenfalls raten, diese Quote anzustreben.

    • Michael 2. April 2024, 09:38

      Immer wider amüsant, wenn Klein-Timmy uns die Welt erklärt. Klar, so ein VWL-Professor hat exakt keine Ahnung von Makroökonomie, im Gegensatz zu unserem stabilen Genie, das mit der Erfahrung von exaktem einem Arbeitsplatz makroökonomische Theorien revolutioniert. Deutschland darf sich wirklich glücklich schätzen, neben dem Herren Peitsch über einen weiteren hidden Champion zu verfügen. Tu felix, Germania!

      • Erwin Gabriel 2. April 2024, 13:30

        @ Michael 2. April 2024, 09:38

        Mit solchen Kommentaren sagst Du deutlich mehr über Dich als über Tim.

        Klar, so ein VWL-Professor hat exakt keine Ahnung von Makroökonomie, …

        Hat zum einen niemand behauptet, und zum anderen gibt es Unterschiede zwischen Theorie und Praxis. Die Aussagen dieses Professors lassen darauf schließen, dass die Praxis nicht seine Stärke ist.

        Aber natürlich ist es vollkommen in Ordnung, wenn Du den Aussagen eines Professors Glauben schenkst, nur weil er Professor ist. Passiert mir auch, dass ich gelegentlich Fachleuten folge, wenn ich selbst keine Ahnung vom Thema habe. geht auch gelegentlich schief.

      • CitizenK 2. April 2024, 18:04

        Aber vom Schweinezyklus sollte man als VWL-Prof schon mal gehört haben? Solange noch nicht einmal die Institutionen für die Ausbildung da sind, führen Lohnerhöhungen vor allem zur Abwerbung von Unternehmen untereinander. Wie bei der 4-Tage-Woche.

    • Michael 2. April 2024, 13:37

      Als ich meinen Abteilungsleiter die Story von «80.000 € sind bei uns keine untypische Gehaltsforderung von Berufseinsteigern» erzählt habe, kamen wir beide ( übrigens in der IT-Anwendungsentwicklung tätig) aus dem Lachen nicht mehr heraus. Glaubst du den Quatsch eigentlich selbst? Warum erzählst du hier Märchen? Du glaubst einem «VWL-Professor» hier Ahnungslosigkeit vorwerfen zu können und erzählst den größten BS?

      • Erwin Gabriel 2. April 2024, 15:31

        @ Michael 2. April 2024, 13:37

        Als ich meinen Abteilungsleiter die Story von «80.000 € sind bei uns keine untypische Gehaltsforderung von Berufseinsteigern» erzählt habe, kamen wir beide ( übrigens in der IT-Anwendungsentwicklung tätig) aus dem Lachen nicht mehr heraus. Glaubst du den Quatsch eigentlich selbst? Warum erzählst du hier Märchen?

        80.000 Euro pro Jahr läuft bei vollem Urlaubs- und Weihnachtsgeld auf etwa 5.700 Euro monatlich hinaus. Ist nicht zu weit hergeholt. Programmierer halten bei uns in der Regel 12 bis 18 Monate, bevor sie für relevant mehr Geld abgeworben werden (3 neue Kollegen in 5 Jahren). Braucht etwa 6 Monate, bis sie unser System verstanden haben, und ein Jahr später sind sie dann weg. Gütersloh ist halt nicht der reizvollste Wohnort …

        Eine fähige Sachbearbeiterin (Mitarbeiterin von mir) kam trotz Bemühungen meiner- und ihrerseits nicht über 3.000 Euro / Monat hinaus (Gehaltsstop wg. Auftragsrückgang). Sie wurde für 4.850 Euro im Monat abgeworben. Wer was kann und bereit ist, umzuziehen, hat gerade gute Karten.

        Wenn Deine Lebenserfahrungen andere sind, ist ja gut. Hat aber nichts mit „Märchen“ zu tun.

        Du glaubst einem «VWL-Professor» hier Ahnungslosigkeit vorwerfen zu können …

        Dass der Professor hier mit Scheuklappen in die Welt schaut, ist auch für mich offensichtlich und auch mit Argumenten begründet worden.
        Wenn Du es besser weisst, lass hören. Wenn Du die Argumente nicht glaubst oder nicht verstehst – auch OK, aber sollte kein Grund sein, andere zu beleidigen.

        … und erzählst den größten BS?

        Noch einmal: Mit solchen Aussagen zeigst Du Dein intellektuelles Niveau, nicht das von Tim.

      • Michael 2. April 2024, 15:41

        Ich habe mir mal einen Nettotlohnrechner gesucht und 80.000 € Jahreseinkommen eingegeben: Bei Steuerklasse 1 (Berufsanfänger) kommt der auf ein Nettojahreseinkommen von 48.331,36 €, das sind 4.027,61 € Netto/Monat. Damit geht man rüber zur «Einkommensverteilung in Deutschland» des Instituts der deutschen Wirtschaft, gibt das ein und siehe da: Dein fantastischer Berufsanfänger gehört zu den oberen 8 % bei der Einkommensverteilung. Einfach grotesk.

      • Stefan Pietsch 2. April 2024, 16:00

        Möglicherweise haben Sie ein paar Informationen nicht mitbekommen, Sie wollen ja angabegemäß nicht mitdiskutieren.

        Tim arbeitet angabegemäß als Unternehmensgründer in der IT-Branche. In einer solchen Funktion dürfte er einen umfangreicheren Überblick über die Gehälter haben als ein kleiner Administrator in einer kleinen 5-Mann-Klitsche. Sie können auch gerne ein Forschungsprojekt auf Stepstone oder Xing starten, der werden Sie sich wundern, was in Ihrer Branche für weit kompetentere Fachleute gezahlt (und angeboten) wird.

        Ihre Statistik ist für die Tonne. Nicht nur gibt es keinen Branchenüberblick. Vor allem wirft es alles zusammen. Tim hat sein Unternehmen ist Westdeutschland, wo die Einkommen deutlich höher sind als in Mecklenburg-Vorpommern oder Sachsen-Anhalt. Vor allem geht es auschließlich um Fachkräfte, in Ihrer Statistik gehen aber Millionen Geringverdiener, Aufstocker, Bürgergeldempfänger und andere mit sehr geringem Auskommen ein.

        Könnte man alles wissen, da es Selbstverständlichkeiten sind. Aber, hey, Sie wollen ja nicht diskutieren und sich mit Argumenten beschäftigen. Schönen Gruß noch nach Frankfurt.

        • Lemmy Caution 2. April 2024, 16:46

          Ich halte Tims Zahlen nicht für realistisch.
          Du kriegst ein Einstiegsgehalt von 80.000 Euro mit Informatik-Abschluß nur, wenn Du gleichzeitig viel Praxis-Erfahrung hast und irgendwas spezielles wirklich echt gut beherrschst, etwa weil Du in einem openSource Projekt eine wichtige Rolle hattest. Der „normale“ Absolvent ist diese Summe nicht wert.
          Ich habe über die Jahre eine Menge Informatiker gesehen, für die sich der Einstieg ins Projektgeschäft als harte Lehrjahre herausstellten. Wenn Du da in einem menschlich oder/und technisch inkopetenten Team landest, wars das dann vielleicht schon. Solche Teams gibt es relativ häufig. Die normalen Absolventen brauchen aus meiner Sicht noch 3 Jahre einen Welpenschutz.
          Nicht wenige Informatiker mit Master versuchen sich auch als Manager. Programmieren war ja auch nicht wirklich Gegenstand des Studiums.
          Kompetenzmässig geschockt haben mich über die Jahre zwei Leute, die nach dem Studium 3 Jahre im embedded Bereich gearbeitet hatten. Drei Jahre Praxis-Vollkontakt merkst Du sofort. Manche Absolventen gehen in irgendeinen Betrieb und erledigen da irgendwelche sehr einfachen Programmier-Aufgaben. Das halte ich auch für keinen guten Karriere-Plan.

          • Stefan Pietsch 2. April 2024, 17:00

            Das kommt sehr auf den Bereich und die Region an. In Rhein-Main können Bauingenieur-Absolventen durchaus 80.000 Euro fordern. Die teuerste Region ist München. Mit 60.000 Euro bist Du allerdings im Frankfurter Raum im IT-Bereich oft auch nicht mehr wettbewerbsfähig. Wohlgemerkt, für Leute mit wenig Erfahrung auf der Uhr.

            • Stefan Sasse 2. April 2024, 17:03

              Das durchschnittliche Einstiegsgehalt für Informatiker*innen liegt bei 49.000€. https://www.get-in-it.de/magazin/gehalt/statistik

              • Tim 2. April 2024, 17:40

                a) Du glaubst Gehaltsumfragen?

                b) Der Durchschnitt sagt überhaupts nichts aus. Ich rede hier ausschließlich von guten, fähigen Leuten, die einen sehr hohen Anspruch an ihre Arbeit haben. Siemens kann vielleicht Durchschnittsentwickler einstellen, aber ich kann mir das nicht leisten.

                • Stefan Sasse 2. April 2024, 21:56

                  Jetzt kommen wir aber der Sache schon näher. Du redest nicht von Fachkräften, sondern von Spitzenkräften. Schon komisch – davon gibt’s nicht viele, und die sind teuer. Das sollte Marktwirtschaftler nun nicht eben überraschen.

                  • Erwin Gabriel 3. April 2024, 10:16

                    @ Stefan Sasse 2. April 2024, 21:56

                    Jetzt kommen wir aber der Sache schon näher.

                    Tim hat von Gehaltsforderungen gesprochen, nicht davon, was man jedem auf Anhieb in den Rachen schmeißt. Wenn die das nicht kriegen, ziehen sie weiter, bis sie raffen, dass sie vielleicht zu hoch gegriffen haben. Das Gros der Leute, die Du auf diese Weise einfängst, sind anfällig für Abwerbung, weil sie glauben, dass sie ein hohes Gehalt „wert“ sind, ohne zu verstehen, was „wert sein“ bedeutet.

                    Bin da eher bei TIM und Stefan Pietsch. Gerade im IT-Bereich habe ich schon viel gesehen und gehört. Ein Freund von mir hat ein Elektronik-Unternehmen und baut Maschinensteuerungen. Eine Fachkraft hat ihm mitten im Projekt 60 % mehr Gehalt abgepresst, weil ohne ihn ein Projekt gestorben wäre, was bei nicht pünktlicher Fertigstellung eine happige Vertragsstrafe nach sich gezogen hätte.

                    Ist ja schön, dass so viele hier immer wieder an das Gute im Menschen glauben (oder daran, dass man nur eine Firma gründen und sich Geschäftsführer nennen muss, um ohne weitere Anstrengungen reich zu werden); ich glaube bestenfalls an das Gute bei einzelnen Individuen, die ich kenne, und setze Egoismus grundsätzlich voraus.

              • Stefan Pietsch 3. April 2024, 11:24

                … und das ist ganz Deutschland, also auch die Einstiegsgehälter in Hintertupfingen. Keiner bestreitet übrigens, dass Aushilfsadministratoren wie ein Kommentator aus Frankfurt manchmal bei einem solchen Gehalt seine Einkommenskarriere beendet. Der Normalfall ist es nicht.

                • Stefan Sasse 4. April 2024, 09:40

                  Sorry, aber in Hintertupfingen arbeiten die wenigsten IT-Fachkräfte. Die sind tendenziell in den urbaneren Räumen.

                  • Stefan Pietsch 4. April 2024, 11:14

                    Da irrst Du Dich. Fast jedes Unternehmen braucht IT-Fachkräfte und sei es auch nur einen Administrator.

                    Die Gehälter von IT-Fachkräften sind in den vergangenen Jahrzehnt derart gestiegen, dass sie als Personalkosten oft nicht mehr zu stemmen sind. Deswegen greifen kleine und mittlere Unternehmen zunehmend auf externe Dienstleister zurück. Als ich in der zweiten Hälfte des letzten Jahrzehnts bei einem Pharmaunternehmen im Raum München gearbeitet habe, wurde die SAP-Unterstützung eingekauft. Das war ein Konzern mit 700 Millionen Euro Umsatz.

                    Danach bin ich übrigens zu dem Provider gewechselt. Allerdings drücken auch hier die hohen Gehälter und Vergütungen für Freelancer enorm auf die Margen. Noch etwas: Das Unternehmen versorgt auch staatliche Bereiche mit IT-Fachkräften, die sich ebenfalls den Support kaum leisten können.

                    • Stefan Sasse 4. April 2024, 15:03

                      Ob ich die In-House beschäftige oder von außen anheuere ist für die Zahl der Fachkräfte ja recht schnuppe.

                    • Stefan Pietsch 4. April 2024, 15:25

                      Das ist richtig, nur habe ich auf Deine Frage geantwortet, wie kleine Unternehmen das machen würden.

                    • Stefan Sasse 5. April 2024, 09:28

                      Danke!

          • Tim 2. April 2024, 17:36

            Praxiserfahrung haben viele Hochschulabsolventen, es sind aber dennoch Berufseinsteiger. Und ja, meine Stadt (Hamburg) ist nicht die billigste, aber da ohnehin immer mehr Leute lieber von Anfang an im Homeoffice arbeiten wollen, spielt der Arbeitsort immer seltener eine Rolle.

            Wer gut ist und bereit ist, ins Ausland zu gehen, kann auch weitaus mehr als 80.000 Euro verlangen. Ich spreche hier ausschließlich von guten Leuten. Dass es auch Informatik-Absolventen ohne Biss und Talent gibt, will ich gar nicht bestreiten. Aber die landen eher im öffentlichen Dienst.

            Allerdings gab es in den letzten Monaten deutschlandweit eine Reihe großer Entlassungsankündigungen im IT-Umfeld. Einerseits kann das den Gehaltsdruck vielleicht etwas lindern, andererseits ist es immer auch schlecht, wenn es großen Unternehmen schlecht geht. Schauen mer mal. 🙂

          • Erwin Gabriel 2. April 2024, 21:38

            @ Lemmy Caution 2. April 2024, 16:46

            Der „normale“ Absolvent ist diese Summe nicht wert.

            Da stimme ich Dir ja zu. Aber wer ihn braucht, muss das Geld locker machen. Es gibt Unterschiede nach Branche und nach Region, und nachdem, was ich mitbekomme, schauen die Leute auch aufs drumherum: Freizeitwert der Gegend, Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln (der Dienstwagen ist echt auf der Wunschliste einige Stellen nach unten gerutscht), oder eine enorme Flexibilität bei der Arbeitszeit. Gibt es das alles nicht, wird es teuer.

        • Lemmy Caution 2. April 2024, 17:17

          Es gibt auch viele Blender, die in der Organisation oder beim Kunden gut projezieren können, aber letztlich einen irgendwann nicht mehr wartbaren Blödsinn produzieren. Business Leute denken, sie hätten da jemand ganz speziellen an Bord geholt … bis dann Jahre später die Realität erst langsam aber dann immer härter zuschlägt. Ich habe in nicht wenigen solcher Teams gearbeitet. Hab schon Monate/wenige Jahre später via google über einige ex-Projekte/Organisationen mit Genuß Abriss-Birnen Nachrichten gelesen. Mit gutem Gefühl übrigens, weil sie zu den unangenehmsten Arbeitserfahrungen zählten. Gerade als Einsteiger bekommt man da schwer einen Durchblick.

          • Lemmy Caution 2. April 2024, 17:28

            Du kannst als technischer Spezialist Themen wie horrende technische Schulden nicht an dem für das Desaster Verantwortlichen vorbei-kommunizieren. Und der hat gute Gründe das zu ignorieren.
            Mich kann so eine Entdeckung wie sagen wir – das Datenbankschema ist deshalb mit einer sooo erstaunlichen Konsistenz für die Tonne, weil die vor 15 Jahren hibernate 1-n bidirectional mapping nicht verstanden haben – in einen Zustand der Extase versetzen. Aber Du kannst damit nicht beim Projekt-Manager aufschlagen. Der hält dich dann nicht für Einstein, sondern für einfach geistig verwirrt.

  • Tim 2. April 2024, 09:05

    (5 – noch mal Fachkräftemangel)

    Die Unternehmen schreien effektiv nach staatlicher Subvention (Druck ausüben), damit ihre niedrigen Preise akzeptiert werden.

    Real ist es doch genau umgekehrt: Der Staat subventioniert massiv die akademische Ausbildung, einfache Orchideenfächer sind ebenso kostenlos wie die schweren MINT-Fächer. In einer satten Wohlstandsgesellschaft wirkt das wie eine Förderung von Fächern, die vergleichsweise leicht und bequem sind. Folge: MINT-Mangel.

    Und „niedrige Preise“ sind wirklich eine alberne Bewertung der Löhne, die in den Wachstumsbranchen gezahlt werden.

    Oder von welchen Branchen redest Du?

    • schejtan 2. April 2024, 09:38

      Du meinst also, eine Reduzierung der Studienplaetze fuer „sinnlose“ Faecher wuerde zu absolut mehr MINTlersn fuehren? Bezweifle ich schon. Studienfaecher werden hauptsaechlich nach Interesse gewaehlt. Der Anteil an Menschen, die kein inhaerentes Interesse an MINT haben, es aber trotzdem studieren (und vor allem zu Ende bringen), weil sie nicht Russische Literatur des 18. Jh. studieren koennen, duerfte verschwindend gering sein.

      • Tim 2. April 2024, 09:56

        Studienfaecher werden hauptsaechlich nach Interesse gewaehlt.

        Halte ich für wenig wahrscheinlich, solange Studienfächer (fast) kein Preisschild haben. Sobald etwas stark subventioniert wird, hat das immer Auswirkungen auf die Nutzung. Beispiel Kultur: Wenn nicht 90 % der Kosten für Opernhäuser und Theater vom Steuerzahlen getragen würden, würde sicher ein Großteil von ihnen verschwinden. Und das, obwohl sicher die meisten Besucher die Aufführungen ebenfalls „aus Interesse“ besuchen.

        • schejtan 2. April 2024, 11:00

          Damit, dass dann weniger Menschen „sinnlose“ Faecher studieren gehe ich mit. Was ich bezweifle, ist dass diese dann (erfolgreich) MINT Faecher studieren. Du wuerdest dann halt den relativen Anteil an MINTlern erhoehen, nicht aber die absolute Anzahl. Und auf die kommt es ja letztendlich an.

          • Tim 2. April 2024, 13:14

            O.K., da hast Du einen Punkt. Ohne weitere Anstrengungen in den Schulen und ggf. Kitas wird es wohl nicht gehen.

            Ich würde es übrigens nicht „sinnlose“ Fächer nennen. Es sind einfach Fächer, die einer Wirtschaft wie der deutschen weniger Wettbewerbsvorteile bringen. Das ist eine rein wirtschaftliche Betrachtung.

      • Stefan Sasse 2. April 2024, 16:50

        Tim hat schon ein Problem, reale und relative Zahlen auseinanderzuhalten 😉

    • Stefan Sasse 2. April 2024, 16:49

      Dir wurde hier schon mal dargelegt, dass deine Thesen zu Studienfächern keine Grundlage in den Zahlen oder der Realität haben, wenn ich mich nicht irre.

      • Tim 2. April 2024, 18:01

        Kommt drauf an, was Du mit „dargelegt“ meinst. 🙂 Es gibt sicher Leute, die ernsthaft glauben, wir hätten genug MINT-Fachkräfte, ja. Aber die leben im Wolkenkuckucksheim.

        • Stefan Sasse 2. April 2024, 21:57

          Ich denke, wir brauchen mehr. Aber hier gibt es genug Leute, die vehement der Überzeugung sind, dass es zu viele Akademiker*innen gibt oder dass Studiengebühren das irgendwie verbessern würden, und die leben genau dort, im Penthouse.

          • CitizenK 3. April 2024, 09:51

            Aber, aber. Wer im Penthouse wohnt, hat sich das durch eigene Leistung verdient. Zum Beispiel über die Entscheidung für die richtigen Eltern.

            • Erwin Gabriel 3. April 2024, 19:31

              @ CitizenK 3. April 2024, 09:51

              Aber, aber. Wer im Penthouse wohnt, hat sich das durch eigene Leistung verdient. Zum Beispiel über die Entscheidung für die richtigen Eltern.

              Ächz …

              Wenn der Staat seit Jahrzehnten trotz besseren Wissens nicht in der Lage ist, allen Kindern gleich gute Berufschancen und Startmöglichkeiten zu geben, polemisiert man über die Eltern, die das ausgleichen (können).

              Das ist typisch links: Kaum hat mal jemand was, zieht man über ihn her.

  • schejtan 2. April 2024, 09:49

    3) Auf den wichtigsten Punkt, Roger Federers Ruecktritt, gehst du ja gar nicht ein.

    • cimourdain 2. April 2024, 16:05

      Es erstaunt mich, dass bei der Zusammenfassung ChatGPT nicht versucht hat, dieses Thema mit den anderen beiden in einen Topf zu rühren…

    • Stefan Sasse 2. April 2024, 16:51

      Was meinst du?

      • schejtan 2. April 2024, 17:38

        Lies nochmal die letzten beiden Saetze der Zusammenfassung

        • Stefan Sasse 2. April 2024, 21:55

          Und warum sollte ich das beesonders würdigen?

          • schejtan 2. April 2024, 23:00

            Worauf ich hinaus wollte: Warum stehen die da?

  • Thorsten Haupts 2. April 2024, 11:06

    Zu 5)
    Vom Ärger über den reichlich unreflektierten Beitrag eines VWL-Profs einen Schritt zurücktretend:

    1) Lösen höhere Löhne kurz- bis mittelfristig Fachkräftemangel? Natürlich nicht, weil erst der Aufbau von Ausbildungskapazitäten und dann deren Ausbildung viele Jahre brauchen. In der Zwischenzeit sind höhere Löhne nur ein Verdrängungswettbewerb um die unvermeidbar knappen Fachkräfte.

    2) Ist es marktwirtschaftlich sinnvoll, dass Unternehmen, die den Lohnwettbewerb nicht aushalten, aus dem Wettbewerb verschwinden? Weltweit betrachtet wahrscheinlich, national betrachtet – und das ist als Deutscher mein Horizont – ganz sicher nicht. Es nützt der deutschen Wirtschaft und damit uns allen wenig, wenn Unternehmen massenhaft pleite gehen oder ins Ausland abwandern.

    3) Kann Politik den Fachkräftemangel sinnvoll beeinflussen? Yup, sie könnte auf drei Wegen:
    – Für Akademiker eine klare Priorität auf MINT-Studienplätze, um Studienanfänger (mangels Studienplätzen woanders und wegen besserer Ausstattung) dahin umzulenken.
    – Für Nichtakademiker entsprechende Angebote zur Aus- und Weiterbildung insbesondere für Arbeitslose (für die man das verpflichtend machen könnte).
    – Und für besonders begehrte Fachkräfte ernsthafte (!) Programme zu unterstützter und begleiteter Einwanderung.

    Gruss,
    Thorsten Haupts

    • Tim 2. April 2024, 13:22

      Ist es marktwirtschaftlich sinnvoll, dass Unternehmen, die den Lohnwettbewerb nicht aushalten, aus dem Wettbewerb verschwinden?

      Dagegen habe ich überhaupt nichts. 🙂 Der Staat schaltet Preissignale schon an so vielen Stellen aus, diese Entwicklung sollten wir nicht auch noch födern. Wenn ein Unternehmen Preise nicht zahlen kann – Pech gehabt. Das Problem ist halt, dass die Hochschulen überhaupt keine Preissignale aussenden und dies meiner Meinung nach eben Auswirkungen auf die Studienwahl hat.

      • schejtan 2. April 2024, 14:56

        Preissignale fuer Studiengaenge gibt es ja implizit schon. Es ist ja schon bekannt, dass die Berufs- und Gehaltschancen sich je nach Studiengang stark unterscheiden.

      • Stefan Sasse 2. April 2024, 16:59

        Du kannst diese Preissignale da aber nicht nutzen! Denn die nicht-MINT-Fächer sind zugleich die schlechtbezahltesten. Erklär mir mal, wie genau du den Fachkräftemangel bei Sozialarbeiter*innen beseitigst, wenn deren völlig unterbezahlter Job auch noch Geld zum Studieren kostet!

        • Tim 2. April 2024, 18:06

          Was genau möchtest Du damit sagen? Weil Sozialarbeiter schlecht bezahlt sind, brauchen wir nicht mehr MINT-Absolventen? Verstehe den Gedanken gerade nicht.

          • Stefan Sasse 2. April 2024, 21:57

            Würde das Studium von nicht-MINT-Fächern teurer werden, hätten wir noch viel größeren Mangel bei Sozialarbeiter*innen, und die würden sicher nicht sagen „gut, dann studier ich halt Physik“.

            • Stefan Pietsch 3. April 2024, 11:07

              Gründet Deutschlands Wohlstand auf seinen hervorragenden Sozialarbeitern oder Ingenieuren?

    • Erwin Gabriel 2. April 2024, 13:44

      @ Thorsten Haupts 2. April 2024, 11:06

      Zu 5) Warum das Gerede von fehlenden Fachkräften Quatsch ist

      1) Lösen höhere Löhne kurz- bis mittelfristig Fachkräftemangel? Natürlich nicht, …

      Zustimmung.

      2) Ist es marktwirtschaftlich sinnvoll, dass Unternehmen, die den Lohnwettbewerb nicht aushalten, aus dem Wettbewerb verschwinden? … national betrachtet – und das ist als Deutscher mein Horizont – ganz sicher nicht.

      Zustimmung

      3) Kann Politik den Fachkräftemangel sinnvoll beeinflussen? Yup, sie könnte auf drei Wegen: …

      Zustimmung, mit einer Ergänzung: Schon unser Schulkonzept (unterhalb Gymnasium) entlässt zu viele junge Menschen mit nicht ausreichenden Fähigkeiten ins Leben; wessen Eltern nicht mitziehen, hat ein deutlich höheres Risiko zu scheitern. Schon / auch da müsste man ansetzen.

    • Stefan Sasse 2. April 2024, 16:52

      1) Den sieht er ja wegen schöpferischer Zerstörung positiv; was anderes behauptet er ja auch nicht. Wie gesagt, ich hab damit meine Probleme, aber du musst schon sein Argument kritisieren und nicht einen Strohmann.
      2) Genau, das ist auch mein Problem, grundsätzlich.
      3) – Was heißt das?
      – Jepp.
      – Sicher auch.

      • Erwin Gabriel 2. April 2024, 21:28

        @ Stefan Sasse 2. April 2024, 16:52

        Zu 5) Warum das Gerede von fehlenden Fachkräften Quatsch ist

        [Lösen höhere Löhne kurz- bis mittelfristig Fachkräftemangel? Natürlich nicht, …

        Den sieht er ja wegen schöpferischer Zerstörung positiv; was anderes behauptet er ja auch nicht.

        Doch. Er behaupt et, dass es keinen Facharbeitermangel gibt. Das ist einfach falsch.

        Wenn er der Meinung ist, dass der Facharbeitermangel bei Unternehmen die Spreu vom Weizen trennt, kann er diese Meinung haben. Aber sie zielt schon stark an der Realität vorbei, weil zum einen der Staat ständig in das Wirtschaftsgeschehen eingreift (wie viele Fachkräfte könnte die Deutsche Bahn ohne staatliche Subvenbtionen halten?), zum anderen, weil sich Unternehmensgröße und Finanzkraft zwangsläufig gegen Start-ups durchsetzen werden.

        Toller Wirtschaftsprofessor …

        • Stefan Sasse 2. April 2024, 22:01

          Wie sollte sich denn die Finanzkraft und Unternehmensgröße nicht durchsetzen? Also auch wenn es mehr Leute gäbe und ich Tims Argument aufgreife, lande ich doch immer beim selben Thema, oder?

          • Erwin Gabriel 3. April 2024, 10:27

            @ Stefan Sasse 2. April 2024, 22:01

            Wie sollte sich denn die Finanzkraft und Unternehmensgröße nicht durchsetzen?

            Hast Du vielleicht den Punkt nicht verstanden?

            Natürlich setzen sich in der Regel große und finanzstarke Unternehmen bei der Suche nach Fachkräften durch. Daraus zieht unser Professor aber den Schluss, dass die kleineren, nicht so finanzkräftigen Unternehmen keine Fachkräfte brauchen.

            Zitat:
            … bis nur noch diejenigen, die wirklich eine Fachkraft benötigen, sie bezahlen können.

            Das ist falsch und dumm. Zum Vergleich :

            … bis sich noch diejenigen, die wirklich eine Wohnung / einen Arzt / Bildung / Essen etc. benötigen, sie bezahlen können.

            Wenn Dir immer noch nicht klar ist, was der Prof da vom Stapel gelassen hat, kann ich Dir nicht helfen.

            • Stefan Sasse 4. April 2024, 09:38

              Ich verstehe was du meinst, meine Nachfrage war nur: ist das jetzt nicht auch schon so irgendwie? Also wie machen kleine Unternehmen das aktuell?

              • Erwin Gabriel 4. April 2024, 14:17

                @ Stefan Sasse 4. April 2024, 09:38

                Also wie machen kleine Unternehmen das aktuell?

                Da gibt es so viele Antworten wie Unternehmen. Man kämpft. Man versucht, neben dem Gehalt etwas zu bieten. Man nimmt sich die „schlechteren“ Absolventen. Man bietet duale Ausbildung, finanziert also Studium und Gehalt. Man versucht, eigene Mitarbeiter zu fördern. Man schickt Head Hunter los oder fragt im Freundes- und Angestelltenkreis, ob die einen Kandidaten kennen. Man bietet Vorteile für junge Familien. Man beauftragt Unternehmen für die benötigte Leistung. Man verkauft den Laden an ein größeres Unternehmen. Man verliert den Anschluss oder geht aus dem Geschäft.

                Was man nicht macht: Auf dem Sofa sitzen und Geld scheffeln, wie das manche hier immer glauben.

          • Stefan Pietsch 3. April 2024, 11:06

            Weil Innovationen und Fortschritt nicht in großen, sondern kleinen Unternehmen entsteht. Wer großen Unternehmen das Wort redet, will eine Erstarrung des Wirtschaftslebens.

            • Thorsten Haupts 3. April 2024, 15:57

              Sic!

            • Stefan Sasse 4. April 2024, 09:39

              Du missverstehst meine Frage; siehe Kommentar auf Erwin.

  • Thorsten Haupts 2. April 2024, 11:09

    Zu j)
    Manchmal schreibst Du auch, bevor Du denkst? Wer absolute Basis-Höflichkeit (hier: Gratulation für den höchsten Juristen-Job in den USA) für „toxisch“ hält, möchte offenbar unbedingt den verbalen Bürgerkrieg?

    • Stefan Sasse 2. April 2024, 16:53

      Es geht doch nicht um die Gratulation, sondern den Kontext. Hast du überhaupt das Ding gelesen?

  • Thorsten Haupts 2. April 2024, 11:15

    Zu l)

    LOL. Wenn Farbe ins Gesicht sprühen und Eier am eigenen Körper platzen sehen ein Muster von Gewalt etabliert, haben im weitesten Sinne rechte Politiker mindestens ebensoviel Grund zur Furcht, wie linke, auch in Grossbritannien. Denn die Medienaufmerksamkeit ist ähnlich – nahe bei Null, der Grundannahme folgend, dass man das als Politiker aushalten können muss.

    • cimourdain 3. April 2024, 13:59

      Gegenrede zum ersten Satz: Nein, da in Bezug auf diese Art Angriffe rechte Politiker sich nur um Linke sorgen müssen, linke Politiker hingegen nicht nur um Rechte sondern vor allem um andere Linke.

      • Thorsten Haupts 3. April 2024, 16:10

        Nein, da in Bezug auf diese Art Angriffe rechte Politiker sich nur um Linke sorgen müssen …

        Verständnisrückfrage: Sie glauben, es gebe diese Art von Angriffen auf rechte Politiker NICHT?

  • Thorsten Haupts 2. April 2024, 11:22

    Zu 4)
    Andere Blickweise zu Deinem Kommentar: Wir müssten aus wohlverstandenem Eigeninteresse längst die industriellen Kapazitäten zur Massenproduktion insbesondere von Munition aufbauen, die dann natürlich auch zur Hilfe für die Ukraine mobilisiert werden könnten. Wenn wir das unterlassen, KÖNNEN wir der Ukraine zwar nicht helfen, uns selbst aber auch nicht. Von daher ist Dein aufgebauter Gegensatz nüchtern betrachtet die vorauseilende Kapitulation des Westens vor einer jetzt glasklar erkennbaren Herausforderung durch aggressive autoritäre Staaten.

    Gruss,
    Thorsten Haupts

    • Lemmy Caution 2. April 2024, 11:54

      Absolut richtig.
      Vor ein paar Jahren wollten die Amis noch demokratische Rechtsstaaten mittels Aufständen im Nahen Osten einrichten und jetzt können wir nicht mal mehr eine europäische Gesellschaft unterstützen, die für einen demokratischen Rechtsstaat die besten Teile ihrer Leute opfert, nur weil die geringfügigen Wohlstandseinbußen demokratisch angeblich nicht durchsetzbar sind? Wenn dem so ist, haben demokratische Rechtsstaaten eben keine Zukunft. Manchmal muss so eine Regierung halt auch Richtlinien vorgeben.
      Finnland und Macron sind bereit, Soldaten in den Donbass zu entsenden und wir können nicht genug Granaten produzieren?

    • CitizenK 2. April 2024, 13:19

      Geht es nicht in erster Linie um Luftabwehr? Oder ist das mit „Munition“ gemeint?
      Frage eines militärischen Laien: In einem Krieg, der vor allem durch Raketen und Drohnen geprägt ist – warum spielen Artilleriegranaten noch so eine große Rolle?

      • Stefan Sasse 2. April 2024, 16:58

        Weil die Drohnen nur der diskutierte, „sexy“ Teil des Ganzen sind. Entschieden wird das Ding nicht durch Drohnen, sondern mit dem üblichen Kram, der seit 150 Jahren derselbe ist.

    • Stefan Sasse 2. April 2024, 16:54

      Ich bin völlig bei dir, dass wir diese Kapazitäten haben sollten. Aber das ändert ja nichts am politischen Problem.

      • Kning4711 2. April 2024, 23:33

        Ist in meinen Augen aber in erster Linie über Kommunikation zu lösen. Mit dem richtigen Narrativ bekämst du schon die Mehrheit der Bevölkerung überzeugt, mehr für die Rüstung zu tun und Wohlstandseinbußen temporär in Kauf zu nehmen. Keine Jubelstürme, aber immerhin die Köpfe könntest Du erreichen und Zustimmung erzeugen. Das Problem des Kanzlers sind aber Teile der eigenen Partei.

        • Stefan Sasse 3. April 2024, 10:23

          Ja, sicher. In einem gewissen Rahmen geht das, und ich bin völlig bei dir dass das Problem Scholz und die SPD sind. Alleine, ich verstehe deren Problem. Denn die Wohlstandseinbußen sind ja am unteren Ende der Skala. Schau dir die Debatte mal an: da wird Rente gegen Munition aufgestellt. Es ist nicht Dienstwagen gegen Munition. Und die SPD hat eh ein Trauma vom letzten Mal, als sie so ein Narrativ gepusht hat (Agenda 2010).

  • Thorsten Haupts 2. April 2024, 11:29

    Zu p)
    Yup, ich hatte beim Querlesen des ursprünglichen Artikels tatsächlich übersehen, dass deren Autorin ernsthaft dafür plädierte, Kinder(!)wünschen nach vorauseilender Selbstverstümmelung ohne Prüfung und Überlegung sofort nachzugeben. Befördert sie für mich zu einer Menschenfeindin par excellence.

  • sol1 2. April 2024, 13:02

    p) Die beiden Artikel beweisen lediglich, wie toxisch die Debatte im englischsprachigen Raum geführt wird.

    Ergänzend zum Artikel über die Leitlinie, den ich letztes mal verlinkt habe, empfehle ich dieses lange Interview mit Georg Romer, unter dessen Federführung sie erarbeitet wurde:

    https://www.sueddeutsche.de/projekte/artikel/wissen/transgender-transkids-transidentitaet-trans-kinder-trans-jugendliche-e071315/ (Paywallumgehung: https://archive.ph/LTu3n)

  • Erwin Gabriel 2. April 2024, 13:09

    5) Warum das Gerede von fehlenden Fachkräften Quatsch ist

    VWL-Professor Joachim Voth … erklärt, dass Unternehmen, die über Fachkräftemangel klagen, eigentlich höhere Gehälter bieten sollten, um mehr Arbeitskräfte anzuziehen.

    Was für ein Vollpfosten. Hat vermutlich nie in der freien Wirtschaft gearbeitet. Immerhin konnte er eine geschlossene Weltsicht entwickeln (so geschlossen, dass „unerwünschte“ Argumente und Fakten da nicht hineinkönnen).

    Fakten wie: Derzeit gehen die Boomer in Rente; für zwei erfahrene Kräfte rutscht mit Glück ein (hoffentlich) gut ausgebildeter, aber unerfahrener Kollege nach. Aber selbst wenn ich dem mehr Geld bezahle, erbringt der – angesichts des aktuellen Trends zu „besserer“ Work-Life-Balance (= weniger Work) – nicht unbedingt genug Arbeitsleistung, um seine zwei Vorgänger zu ersetzen.

    Dann muss man nur noch den Zusammenhang verstehen, dass unser Land „Entwicklungsland“ ist: Wir leben nicht von billiger Produktion, sondern von technisch anspruchsvollen, hoch entwickelten Produkten. Noch ein Blick darauf, dass angesichts der technischen Entwicklung und rapide zunehmenden Digitalisierung MINT-Absolventen ohne Ende gebraucht werden, die aber bei weitem nicht in benötigtem Maße aus den Universitäten strömen, und es könnte einem klugen, studierten Mann aufgehen, dass sich hier gerade eine ungute Entwicklung abzeichnet.

    Voth argumentiert weiter, dass höhere Gehälter die Nachfrage nach Arbeitskräften senken würden, bis nur noch diejenigen, die wirklich eine Fachkraft benötigen, sie bezahlen können.

    Au weia. Richtig müsste das heißen: „ … bis nur noch diejenigen, die sich wirklich eine Fachkraft leisten können, sie auch bekommen.“ Höhere Gehälter sind leichter gefordert als vom Arbeitgeber verdient, und wenn sich die Boomer in den Ruhestand zurückziehen, ziehen sich die von ihnen bewältigten Herausforderungen noch lange nicht in den Ruhestand zurück.

    Dies würde die vorhandenen Arbeitskräfte effizienter nutzen.

    Eines noch, was den Bedarf von Fachkräften angeht: Ich bin eine, und führe andere Fachkräfte. Die machen ihren Job, so wie er gerade anliegt, und ich dümple, von den vielen Kundengesprächen einmal abgesehen, nur mit intellektueller Teilauslastung vor mich hin. Für meine alltäglichen Aufgaben bräuchte man einen Spezialisten wie mich nicht – es sei denn, es geht irgendetwas schief. Dann schauen mich alle an und erwarten von mir innerhalb einer Minute eine Antwort, eine Lösung auf ein Problem, was vielleicht schon seit Wochen vor sich hinschlummert. DAFÜR werde ich gebraucht und bezahlt.

    „Benötigt“ mich mein Unternehmen also „wirklich“? Nicht rund um die Uhr, sondern nur gelegentlich. Aber wenn ich dann nicht funktioniere, ist der Schaden groß. Das läuft bei den meisten Spezialisten, die ich kenne, ähnlich: Die Routine im Alltagsjob ist auf eine gewisse Art fordernd und anstrengend, aber das Gehalt verdient man mit bestimmten Fähigkeiten, die man braucht, um in besonderen Krisen und Herausforderungen bestehen zu können.

    Um mich „effizienter“ einzusetzen, müsste man entweder ständig Krisen und Dramen haben, oder ich müsste meine Arbeitsleistung zwischen Krisenbewältigungsleistungen verschiedener Unternehmen aufteilen (was nicht besonders effizient ist, da ich ja mich von einem Unternehmen zum anderen bewegen und mich in die jeweiligen Krisen einarbeiten müsste).

    Er warnt auch vor den negativen Auswirkungen von Masseneinwanderung als Lösung für den Fachkräftemangel, da dies den gesellschaftlichen Zusammenhalt gefährden und zu anderen Problemen führen könnte.

    Masseneinwanderung gefährdet in der Tat den gesellschaftlichen Zusammenhalt, und ist in der Tat auch keine Lösung für Fachkräftemangel. So viele fachkundige Menschen, wie wir brauchen, kriegen wir nicht freiwillig her.

    Es ist spannend, diese Argumentation von einem Wirtschaftsprofessor zu hören. Ich sage ja schon länger, dass diese Seite der Gleichung vollkommen ignoriert wird.

    Nun ja, es ist immer spannend, von anderer Seite seine Meinung bestätigt zu bekommen, egal, wie falsch auch immer sie sein mag. Dieser Professor und auch Du scheinen davon auszugehen, das ein sich veränderndes Lohnniveau ein frei drehendes Zahnrad ist. Falsch gedacht; dieses Zahnrad steckt in einem Getriebe, und eine Bewegung dort hat Auswirkungen an anderer Stelle. Das scheint Dir nicht bewusst zu sein, geschweige denn, dass Du die Auswirkungen verstehst.

    Stell Dir einfach nur mal vor, dass jemand so den Wohnungsmangel kommentiert: Man sollte den Preismechanismus des Marktes nutzen und die Mieten so lange erhöhen, bis nur noch die Leute eine Wohnung mieten, die sie wirklich brauchen. Außerdem hätten wir ja auch keinen Wohnraummangel in Deutschland; jeder, der eine Wohnung oder ein Haus wirklich bräuchte, könnte Wohnraum zu bezahlbaren Konditionen finden (nur halt nicht dort, wo er es braucht, oder wo es Jobs gibt).

    Fändest Du das auch „spannend“?

    PS: Das soll kein Plädoyer für niedrige Löhne und eingefrorene Gehälter sein. Nur, wenn die Gehaltsentwicklung außerhalb der wirtschaftlichen Entwicklung verläuft und zu schnell erfolgt (was bei staatlicher Steuerung des Mindestlohns oder Brutalo-Streiks á la GDL der Fall ist), kann es wirklich schädliche Auswirkungen auf Unternehmen haben.

    • Tim 2. April 2024, 13:23

      Man sollte den Preismechanismus des Marktes nutzen und die Mieten so lange erhöhen, bis nur noch die Leute eine Wohnung mieten, die sie wirklich brauchen

      🙂

    • Kning4711 2. April 2024, 15:15

      Was für ein Vollpfosten. Hat vermutlich nie in der freien Wirtschaft gearbeitet. Immerhin konnte er eine geschlossene Weltsicht entwickeln (so geschlossen, dass „unerwünschte“ Argumente und Fakten da nicht hineinkönnen).

      Mensch, solche Beleidigungen hast Du doch gar nicht nötig! Ich finde schon, dass der Professor einen Punkt hat, wenngleich Deiner genau so treffend ist.

      Löhne und Gehälter fließen als Personalkosten in die Kalkulation für ein Produkt ein. Natürlich kann ich meine Kalkulation nicht nach belieben erhöhen (es sei denn ich bin Monpolist), da am Ende immer noch Marktakteure da sein müssen, die das Produkt auch kaufen können. Anders als noch vor 20 bis 30 Jahren hat Deutschland viele komperative Kostenvorteile eingebüßt und kämpft heute weitaus Stärker mit globaler Konkurrenz. Insofern steht jeder Unternehmer vor der Herausforderung bei steigenden Kosten und gestiegenen Renditeerwartungen, das unmögliche zu erfüllen. Sprich, wenn ich höhere Löhne zahlen muss, werde ich Produktivitätssteigerungen an anderer Stelle suchen.

      Den viel beschworenen Fachkröftemangel gibt es aber nicht nur im MINT Bereich, sondern auch in recht profanen Jobs, wie z.B. der Gastronomie oder aus der Branche wo ich tätig bin Lebensmitteleinzelhandel. Und hier werden die Forderungen des VWL Professors bereits umgesetzt. Die Leute lassen sich nicht mehr mit Mindestlohn „abspeisen“. sondern gehen eben da hin wo zumindest nach Tarif, wenn nicht sogar über Tarif bezahlt wird. Erst kürzlich haben die großen Lebensmitteleinzelhändler in Deutschland trotz schwieriger Tarifverhandlungen eine Vorweganhebung der Gehälter beschlossen. REWE, LIDL, ALDI, EDEKA, allesamt zahlen sie ihren Beschäftigten 10 % mehr – wenn sie es nicht täten, wären die Menschen in anderen Jobs, wo es mehr Geld zu holen gibt. Und wir sprechen über eine Branche mit sehr engen Margen, die nichts zu verschenken hat und das Geld über Masse reinholt.

      Das schwierige an der Situation ist, dass die KOnzentration in den Märkten noch verstärken wird, da unternehmerische Fehler mangels geschmolzener Margin of Error, viel schneller bestraft werden. Und hier haben große Unternehmen häufig mehr Luft als Kleine – wenngleich auch große Unternehmen nicht gefeilt sind, denn diese drohen durch ihre Größe zu unflexibel zu werden und verschwinden dann am Markt.

    • Michael 2. April 2024, 15:31

      Selten größeren Quatsch gelesen. Keine Ahnung, aber starke Meinung. Lass mich raten: Du bist Mitglied der FDP?

      • Erwin Gabriel 2. April 2024, 21:43

        @ Michael 2. April 2024, 15:31

        Selten größeren Quatsch gelesen.

        Liest Du nicht, was Du hier schreibst? 😉

    • Stefan Sasse 2. April 2024, 16:57

      Sehr guter Punkt mit der Effizienz, danke!

      Einwanderung: wäre auch ein Desaster für die Herkunftsländer, das uns dann auch wieder auf die Füße fällt.

      Fazit: ich habe ja schon geschrieben, dass ich mir seine Argumentation zueeigen mache.

  • cimourdain 2. April 2024, 13:31

    1) Frage an die Zitatchecker hier: Ich habe irgendwo früher das Bonmot gelesen: „Der Körper der Frau mag dem Mann gehören, aber der Körper des Mannes gehört in Friedenszeiten dem Kapital und im Kriege dem Staat.“ Denke, das stammt von einem Franzosen (vielleicht einer der Existenzialisten?), deshalb gibt es vielleicht Übersetzungsvarianten. Die erste Hälfte bezieht sich auf einen Paulusbrief.

    2) München hat in der Stadt einige Dauerbaustellen in der Doppelbedeutung finanziell wie wortwörtlich (Stammstrecke, Hauptbahnhof, Gasteig). Da Schilder mit „Ihre Steuergelder bei der Arbeit“ aufzustellen, wäre auf Trollniveau kontraproduktiv.

    4) Was willst du eigentlich bezwecken? Wofür wirbst du (stellvertretend für andere, die ähnlich argumentieren)? Geht es dir um die Entsendung von Schutztruppen? Steigerung des NATO Anteils der weltweiten Rüstungsausgaben von nur 60% auf 80,90,100%, um das unbedeutende Russland in die Schranken zu weisen? Oder vielleicht nur um Schaffung einer Nachkriegslegende „Wenn ‚wir‘ nur richtig gewollt hätten, hätte ‚die Ukraine‘ gewonnen“? Wer jedenfalls der Meinung ist, durch Verzicht könne der Ukraine geholfen werden, möge selbst anfangen und das durch Eintopf eingesparte Geld an die Ukraine (vorzugsweise Kriegsopferhilfe) spenden.

    5) Bezeichnend ist, welche Branchen am meisten über Fachkräftemangel klagen: Neben der IT sind das Gastro und Pflegeberufe. Umgekehrt habe ich mir die Berufe mit den meisten offenen Ausbildungsstellen 2023 gesucht: Das waren Verkäufer, und Bürokaufleute. Da wird viel am Bedarf vorbei „produziert“.

    f) Ernsthaft? Die Nachricht ist: „Das Wall Street Journal sieht die Welt aus der Sicht der Geldanleger.“

    k) Ich würde zu gern dieses Experiment mit Erwachsenen machen. Der Suchteffekt ist da wohl noch größer.

    l) Du hattest vor kurzem deinen Zweiteiler zur Novemberrevolution gemacht. Auch da hättest du gut darauf hinweisen können, um wie viel gravierender der weiße Terror gegenüber dem roten Terror war.

    q) Eigenes FS 1) Extra für die, die das neue DFB-Auswärtstrikot für progressives Design halten:
    https://www.fr.de/sport/fussball/stellungnahme-dfb-trikot-ss-rune-nummer-adidas-fanshop-personalisierung-zeit-92923094.html

    r) Eigenes FS2) Für diejenigen, die sich fragen, warum die Bundeswehr Jugendoffiziere hat. Get them while they’re young (and bend their minds):
    https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/bundeswehr-rekruten-102.html

    • sol1 2. April 2024, 16:07

      1) Das ist von Virginie Despentes:

      „Sie sehnen sich nach einem früheren Zustand zurück, als ihre Kraft in der Unterdrückung der Frauen wurzelte. Sie vergessen, dass dieser politische Vorteil einen Preis hatte: Die Körper der Frauen gehören den Männern nur dann, wenn die Körper der Männer in Friedenszeiten der Produktion und in Kriegszeiten dem Staat gehören.“

      https://taz.de/Maennlichkeit-Krieg-und-ganz-viel-Liebe/!5901636/

      • cimourdain 2. April 2024, 17:27

        Vielen Dank. In dem Kontext ist das sogar noch einen Schritt radikaler.

    • Stefan Sasse 2. April 2024, 17:00

      2) Dann stell es halt erst hin, wenn es fertig ist.

      l) In Deutschland ja.

      • cimourdain 2. April 2024, 17:31

        l) in Frankreich (1795) auch – daher kommen die Begriffe ursprünglich. Und wenn du nur den direkten Revolutionszeitraum vor Stalins Machtergreifung betrachtest, wahrscheinlich auch in Russland/den Sowjetrepubliken.

        • Stefan Sasse 2. April 2024, 21:55

          Weiß und rot? Weiß wegen der Royalisten, gerade in der Vendee? Welcher Gegenterror war denn ab 1795? Ist nicht mein Spezialgebiet.

          • cimourdain 3. April 2024, 09:05

            Zugegeben, ich fasse hier drei verschiedene Dinge zusammen, die miteinander im Zusammenhang stehen:
            1) Das gewaltsame Vorgehen der Thermidorreaktion nach Ende der Herrschaft der Jakobiner gegen alle, die im Verdacht standen, deren Parteigänger zu sein. Dies fand vielfach durch direkte prozesslose Lynchjustiz statt (aanders als der grand terreur der Schreckensherrschaft, der genau auf den Deckmantel scheinbarer Rechtmäßigkeit achtete.
            2) Der Straßenterror der Royalisten und Muscardins in der Zeit danach. Mehrere Massaker. Das war der weiße Terror im engeren Sinn, die Royalisten trugen als Erkennungszeichen eine weiße Kokarde, angelehnt an die Flagge der Monarchie (Weiß mit goldenen Bourbonenlilien)
            3) Die Niederschlagung des Hungeraufstands im Frühjahr 1795 (12. Germinal III)

            • Stefan Sasse 3. April 2024, 10:24

              Danke! Ich glaube, da muss ich mich echt mal informieren. Direktoratszeit ist so ein blinder Fleck bei mir.

              • cimourdain 4. April 2024, 08:58

                Das war ja noch gar nicht die Direktoratszeit (ab Oktober 1795), sondern der Übergang, als der Wohlfahrtsausschuss entmachtet war und die Nationalversammlung direkt regierte. Revolutionszeiten sind grauenhaft, wenn man ein bisschen unter die Oberfläche geht und bei den Details einen Überblick behalten will: x-viele Gruppen, die ständig Bündnisse und Machtverhältnisse wechseln. ständig passiert etwas neues. Ich bin selber reingefallen: Ersetze bitte in Punkt 3) den Germinalaufstand (reine Sozialrevolte) durch die Prairalaufstand (jakobinisch „unterwandert“) 2 Monate später.

            • Dennis 4. April 2024, 09:49

              Wie gut, dass man Kokarden – sowohl die konkreten als auch die im Geiste – schnell auswechseln kann. Das relativiert die Schlimmer-als-die-anderen-Theorie^. Und was die genauen Kriterien für solche Rankings sind weiß man auch nicht.

              Eigentlich geht es immer um die angeblich „höhere Sache“ , die leider gewisse Opfer erfordert. Materialisiert werden kann die „höhere Sache“ mit ideologischem Quatsch jeder Art, der sich im Übrigen in ständiger Wanderschaft befindet, z.B. von links nach rechts und umgekehrt. Das sind eh Abstrakta und Rankings helfen da nicht weiter.

              Der vorliegende Fall ist schon deswegen komplex, weil die Thermidorianer im Wesentlichen selbst Jakobiner waren. Wir reden da über Opportunitäts-Fragen und der Thermidor war eine typische Wendehals-Sache. Und der Wendehals soll ja bis zum heutigen Tag nicht ausgestorben sein^.

  • Stefan Pietsch 2. April 2024, 15:02

    1) Je unfreier Frauen sind, desto unfreier sind Männer

    Dass Männer und Frauen genetisch bedingt unterschiedliche Neigungen und Interessen haben könnten, kommt in den woken Milieus nicht vor. Ein Detail: in arabischen Ländern studieren mehr Frauen Ingenieurswissenschaften als in Westeuropa und Nordamerika. Also dort, wie die Geschlechter frei sind, sich nach Interessen und Neigungen für eine Ausbildung zu entscheiden, tun sie das freiwillig gegen typische Karrierefächer.

  • Stefan Pietsch 2. April 2024, 15:08

    2) Tweet

    Da gibt es nur ein paar Kleinigkeiten, die dagegen stehen. In einer liberalen Demokratie hat sich die Exekutive weitgehend neutral zu verhalten. D.h. auch, dass es Regierungsvertretern prinzipiell nicht zusteht, die eigene Politik mit Steuermitteln zu preisen. Die Beurteilung liegt im Ermessen des Wählers.

    Wie würden die Lobpreiser (alles nur ein Kommunikationsproblem!) der Ampel die Sache bewerten, würde demnächst die AfD in Thüringen herausstreichen, wie erfolgreich eine Regierung unter Führung von Höcke bei der Einschränkung von Bürgerrechten sei? Und die Begeisterung über Trumps Selbstlob als bester Präsident ever kommt mit der ganzen Macht des Weißen Hauses noch eindrucksvoller daher.

  • Stefan Pietsch 2. April 2024, 15:35

    5) Warum das Gerede von fehlenden Fachkräften Quatsch ist

    Das zentrale Problem ist und bleibt die fehlende Schnitzwerkstatt. Seit 30 Jahren weist die Bevölkerungsforschung darauf hin, dass Mitte der Zwanzigerjahre die Anzahl der erwerbsfähigen Menschen in Deutschland von einem Wert über 40 Millionen auf 27 Millionen um das Jahr 2040 herum fallen wird. Heute erwirtschaften diese – derzeit rund 44 Millionen Erwerbspersonen – ein Bruttoinlandsprodukt von 4 Billionen Euro. Aus volkswirtschaftlicher Sicht wird bei allen Institutionen – deutschen (Prognos), Weltbank, OECD, IWF usw. – dass Deutschland seine führende Position verlieren wird. Das wäre nicht so schlimm, hätte man nicht noch zwischen 25 und 28 Millionen Rentner (statt bisher 20-22 Millionen) aus diesem BIP zu unterhalten.

    Es ist tragbar, aus einem BIP von 4 Billionen Euro 20 Millionen Rentner mitzufinanzieren. Es wird jedoch ein veritables Problem, aus einem BIP von 2,8 Billionen Euro (bei jährlicher Produktivitätssteigerung von 0,6 Prozent) 28 Millionen Rentner zu finanzieren.

    Denn dass ist die volkswirtschaftliche Komponente des lange prognostizierten Fachkräftemangels. (hoch qualifizierte) Fachkräfte wachsen nicht auf den Bäumen, sondern werden vom Klapperstorch der werdenden Mutter gebracht. Ziehen die Klapperstörche weg, gibt es in 25 Jahren weniger Fachkräfte.

    Die Diskussion ist erstaunlich nationalökonomisch und vor allem betriebswirtschaftlich. Klar, linke Ökonomen wie Heiner Flassbeck waren schon immer Nationalökonomen ohne den Blick für das Internationale. Nur wird das oben skizzierte BIP zu einem wesentlichen Teil durch Exporte erwirtschaftet. So können in Deutschland ansässige Unternehmen eine Weile ihre Löhne erhöhen, um gute Mitarbeiter von kleineren Unternehmen abzuwerben. Doch wenn diese Löhne über das international gezahlte Niveau steigen, Produktivität und Erfindungsreichtum (technischer Fortschritt) aber nicht über den Wettbewerbern liegen, dann sinkt nach Ansicht der meisten Makroökonomen nicht nur die Wirtschaftsleistung, sondern führt meist zu höherer Arbeitslosigkeit. Denn hohe Löhne muss sich ein Land leisten können, sonst wäre die Sache ja einfach.

    Die höchsten Löhne werden in den größten Unternehmen, oft auch marktbeherrschenden gezahlt. Wir haben eigentlich in den letzten Jahren Erfahrung gesammelt, aber viele sind dagegen resistent. In der Pandemie verloren die schlechter zahlenden Branchen aufgrund geringer Renditen ihre Mitarbeiter. Deswegen gibt es heute abseits der Ballungsräume viel weniger Restaurants und die Post kommt inzwischen selten. Man kann der Ansicht sein, dass Restaurants und Museen unnütze Kulturgüter seien. Dann passt es aber nicht, dass die Bürgergelderhöher die Fremdverkostung als ein Teil der sozialen Grundsicherung betrachten. Bei Schnitzelpreisen von 22-26 wird das auch bei immer weiter steigendem Bürgergeld schwierig.

    Keine Frage, eine stark schrumpfende Volkswirtschaft wird sich auf Kernkompetenzen zurückziehen müssen. Einfache Tätigkeiten werden automatisiert werden, so wie wir es heute in Supermärkten erleben. Die Lohnhöhe ist für uns als Gellschaft da wahrlich ein nachgeordnetes Problem. Das löst der Markt. Das mit der fehlenden Schnitzwerkstatt aber nicht.

    • Kning4711 3. April 2024, 11:22

      Einfache Tätigkeiten werden automatisiert werden, so wie wir es heute in Supermärkten erleben.

      Lassen Sie es sich von einem Insider sagen: Die einfachste und wichtigste Tätigkeit: Ware einräumen / Regalpflege – lässt sich nicht automatisieren. Bei der Kasse ziehen zunehmend Self Scanning Prozesse ein, aber aufgrund Erfahrungen von hohen Inventurverlusten , ist man auch hier zurückhaltender.
      REWE und Amazon ziehen die komplett Kassenlosen Supermärkte wieder zurück. Die Technik ist teuer und noch nicht so weit wie erhofft.

      • Stefan Pietsch 3. April 2024, 12:10

        Ich bezweifle ja nicht, dass Sie Insider sind. Aber ich bezweifle, dass der Automatisierungsprozess im Einzelhandel bereits seinen Höhepunkt erreicht hat. Wir kennen schon seit vielen Jahren die vollautomatisierte Lagerhaltung im industriellen Bereich. Roboter bestücken und entnehmen aus Lagerorten, in ganzen Lagerhallen findet sich häufig kein Mensch mehr.

        Derzeit richtet ALDI digitale Preisschilder ein. Die kassenlosen Supermärkte gibt es schon sehr lange in Schweden und der Schweiz. Okay, die Deutschen sind halt geübtere Langfinger, das spricht gegen das Konzept hierzulande. In meinem Ort hat Tegut das Konzept „Teo“ eingeführt, wo Kunden jederzeit und vollautomatisiert einkaufen können. Leider ist die deutsche Bürokratie dagegen. Der „Teo“ muss sich streng an das Ladenschlussgesetz halten, obwohl kein einziger Mensch in den Läden arbeitet.

  • sol1 2. April 2024, 16:31

    d) Die Leserkommentare liefern mal wieder einen Einblick in die Wahnwelt des AfD-affinen Bürgertums.

  • cimourdain 3. April 2024, 10:48

    5) Bitte passt auf, worum es beim Thema „Fachkräfte“ im wesentlichen geht: Die Arbeitsagentur geht in Bezug auf das Tätigkeitsniveau von vier Stufen aus: Helfer (ungelernt), Fachkraft (Ausbildung), Experte (Meister, Techniker, „einfache“ akademische Ausbildung) und Spezialisten (der IT-Spezialist, über den ihr diskutiert, aber auch Ärzte etc..). Mehr als die Hälfte der Berufe mit Mangel an Arbeitskräften sind auf dem „Fachkräfte“-Niveau, der Rest auf den beiden höheren. Da hier die Ausbildungszeit im Verhältnis kurz ist, ließen sich diese Fachkräfte mit entsprechendem Willen und Vorausschau „nachproduzieren, wenn wir mit der Ressource Mensch nicht so verschwenderisch umgingen. Zehntausende Jugendliche/junge Erwachsene fallen jedes Jahr zwischen Schule und Ausbildung durch das Raster.

    • Lemmy Caution 3. April 2024, 21:24

      So einfach schön hierarchisiert wie Du dir das vielleicht vorstellst, läuft das nicht. Hab schon Leute mit Hauptschulabschluss gesehen, die gute komplexe Arbeit in einem Projekt leisteten, Leute mit Informatikmaster, die nichts auf die Kette kriegten oder hoch angesehen ein Projekt völlig vor die Wand fahren. Aus meiner Sicht brauchst Du vor allem menschlich integre und harmonische Teams mit einer offenen und respektvollen Partizipationskultur. Das wird leider oft völlig unterbewertet.

      Hab heute über einen „Informanten“ der Stand der Bemühungen eines strategisch sehr wichtigen Steuerkreises gehört: Völlige Ahnungslosigkeit zu dem Cloud-Thema, also eines für diese Organisation in den nächsten 5 Jahren wichtiges Thema.
      In einem anderen Bereich funktioniert der feedback Kanal zu einer gut an der Organisation verdienenden Consulting, die ein eigenes Framework vercheckt hat, nicht. Entwickler reden mit ner PR-Frau von denen und brauchen echte technologische Beratung zu derem Teil und zwar ziemlich zügig. Aber es gibt keinen, der da mal laut mit denen spricht.
      Wir haben in der IT eben auch viel Management-Versagen.
      Höre ich auch von einer anderen zuverlässigen Informantin aus einem deutschen Großkonzern. Nicht irgendwelche Details. Zentrale Dinge. Soll da ein Teilprojekt geben, dass die nicht völlig neu beauftragen, weil das gleiche Team da drangesetzt werden müßte und die damit rechnen, dass die wieder den gleichen Blödsinn abliefern würden.

      • cimourdain 4. April 2024, 09:20

        Die Faktoren, die du beschreibst sind absolut richtig und es ist gut, wenn Arbeitgeber das verstehen. Nur entzieht sich das (gottlob) den Einflussmöglichkeiten von Politik und Bürokratie. Worum es aber bei der politischen Fachkräftediskussion auch (und vielleicht sogar primär) geht, ist, genügend Leute zu haben, die „den Laden am Laufen halten“, damit eine Top-Informatikerin (egal mit welchem Abschluss) auch Top-Arbeit machen kann ohne sich zu sorgen, wer ihre Großeltern pflegt. (Verzeih mir bitte die Klischeephrasen, sollen nur der Verdeutlichung dienen.)

    • Stefan Sasse 4. April 2024, 09:39

      Ja, das halte ich auch für gewichtig.

Leave a Comment

I accept that my given data and my IP address is sent to a server in the USA only for the purpose of spam prevention through the Akismet program.More information on Akismet and GDPR.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.