Psychotherapeut*innen verlangen eine Ruckrede von der AfD und lernen im Geschichtsunterricht von den Heterodoxien der kleinen Leute – Vermischtes 26.05.2026

Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Die „Fundstücke“ erhalten ausführlichere und thematisch gegliederte Hinführungen zu verschiedenen Artikeln aus den Weiten des Netzes dar. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels empfohlen; ich übernehme keine Garantie für die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Zusammenfassungen. Für den Bezug in den Kommentaren sind nummerierte Zwischenüberschriften eingezogen, bitte auf die referieren. Dazu gibt es die „Resterampe“, in der ich nur kurz auf etwas verweise, das ich zwar bemerkenswert fand, aber zu dem ich keinen größeren Kommentar abgeben kann oder will. Auch diese ist geordnet (mit Buchstaben), so dass man sie gegebenenfalls in den Kommentaren referieren kann.

Fundstücke

1) Die Wissenschaften in Bedrängnis

Bei der ZEIT wird ausführlich untersucht, wie die AfD den Wissenschaftsbetrieb an die Kandare nehmen will. Die Zitate aus dem offiziellen Wahlprogramm alleine sind absolut zum Gruseln und stellen mal wieder dringlich die Frage, wie genau eine demokratische Partei mit so was koalieren will.

Die deutsche Universität soll wieder eine deutsche Universität sein. Wo es »deutsche Studiengänge und Studienabschlüsse« gibt und »die deutsche Wissenschaft zu ihrer alten Größe« geführt wird. Ohne »Genderismus, Postkolonialismus und sonstige poststrukturalistische Phrasendrescherei«. Ohne ein »Quotenunwesen«, das die Botschaft vermittle, »Geschlecht sei wichtiger für den Erfolg als akademische Leistung«. Dafür wird es »kritische Klimaforschung« geben, ein »Landesinstitut für kritische Islamforschung« sowie einen »Lehrstuhl für Bevölkerungswissenschaft«, um das »Absterben unseres Volkes« zu erforschen.

Dieses Zitat ist aus mehreren Gründen bemerkenswert. Zum einen dieses völkische Benutzen von „deutsch“, das auch mal eben den Bolognaprozess komplett umdrehen will. Dann haben wir die Phrasendrescherei von „Genderismus“ (was auch immer das sein soll außer einem Sammelbegriff für missliebige Dinge), „Postkolonialismus“ (auch hier eine reine Phrase ohne jeden Inhalt) und „poststrukturalistische Phrasendrescherei“ (Phrasendrescherei direkt aus dem 68er-Diskurs). Es geht ausschließlich darum, mittels Gummibegriffen missliebige Meinungen auszuschließen.

Und zuletzt haben wir dann das positive Gummiwort, „kritisch“. Ich kenne das noch aus meiner linksradikalen Zeit, die NachDenkSeiten waren auch ständig „kritisch“. Ich weiß, was das heißt. Die hier geforderten Lehrstühle sind zehnmal so politisch und ideologisch, wie das die Gender Studies je sein konnten. Und das „Absterben des Volkes“ zu erforschen, meine Güte. Wie um alles in der Welt sollte eine demokratische CDU je so was mitmachen? Da erzählen mir Leute im selben Atemzug, die könnten niemals mit den Grünen, aber DAS sollen sie mitmachen können?

Nebenbei bemerkt sagt designierter AfD-Kultusminister Tillschneider: „Ich weiß, wie Landesregierungen Druck auf Hochschulen ausüben. Genauso werden auch wir unsere Vorstellungen durchsetzen.“ Also nur falls jemand meint, hier handle es sich um Leute, die irgendwie demokratisch seien. Weil hier ja irgendwie angezweifelt wird, was das für Typen sind. Woher weiß ich, dass sie keine Demokraten sind? Weil. Sie. Es. Uns. Sagen. Offen. Unverschämt.

Indessen droht den Universitäten auch aus anderer Richtung Gefahr: die Bausubstanz ist, wie die Morgenpost berichtet, völlig verrottet. Das ist ein seit mittlerweile Jahrzehnten bekanntes Problem, für das alleine man mittlerweile ein dreistelliges Milliarden-Sondervermögen bräuchte. Wie man in dieser maroden Substanz vernünftig arbeiten will, ist mir völlig schleierhaft. Auch das zeigt den niedrigen Stellenwert, den Bildung und Wissenschaft in dieser Gesellschaft haben.

2) Kürzungen an den falschen Stellen

Natürlich gibt es im Reformdiskurs nur „falsche“ Kürzungen, weil entgegen so mancher Polemik (fast) jede Ausgabe eben doch ihren Sinn und deswegen ihre Verteidiger*innen hat. Aber das psychotherapeutische Angebot um rund 25% zusammenzustreichen, wo bereits  jetzt die Plätze vorne und hinten nicht ausreichen, ist ganz besonders kurzsichtig. Menschen mit psychischen Krankheiten stehen dem Arbeitsmarkt für Monate und Jahre nicht zur Verfügung (wenn überhaupt je wieder) und kosten wahnsinnig viel. Stattdessen könnte man mit Diagnostik und rechtzeitiger Therapie in vielen Fällen vorbeugen. Aber nein, lieber „sparen“ und später viele Milliarden verlieren.

3) Blut, Schweiß, Tränen und ein Ruck

Samira El Ouassil hat im Spiegel einen großartigen Kommentar zur omnipräsenten Forderung nach einer großen Merz-Rede. Ich könnte den hier quasi Wort für Wort zitieren, aber lest ihn am besten selbst. Mein eigener Kommentar dazu: ich glaube, dieses Bedürfnis nach einer großen Rede ist auch so ein Hollywood-Ding. In jedem Gerichts- oder Politikdrama ist eine Rede immer der entscheidende Wendepunkt, dreht die Stimmung des ganzen Landes. Dabei hat Merz völlig Recht: keine Rede hat je etwas bewirkt. Wenn er sagt, dass nach Herzogs Ruck-Rede nichts folgte, hat er unzweifelhaft recht. Diese Reden – auch Churchills – werden immer erst im Nachgang so hochgejazzt. Kommunikation ist ein elementarer Bestandteil von Politik, aber sie ist nicht losgelöst davon und funktioniert vor allem durch Wiederholung. Dazu kommt noch, dass eine Rede umso effektiver ist, je weniger Adressaten sie hat. In unseren liberalen und hierarchisch flachen Gesellschaften müssen Reden sich aber an ein wesentlich breiteres Publikum wenden, als es ein Cicero früher tun musste. Entsprechend wenig können sie auch für sich genommen bewirken.

4) Heterodoxie

Im letzten Vermischten haben wir schon über die „Vier Reiter der Heterodoxie“ gesprochen; im Economist wird die Frage gestellt, wie der „windfall of AI“ am besten zu verteilen sei. Auffällig ist auch hier wieder die Heterodoxie: da es unmöglich ist, mit den bisherigen Instrumenten einem (möglichen) massiven Stellenabbau beizukommen und dessen Profite einigermaßen fair zu verteilen, brauche es entweder wesentlich höhere Steuern auf Kapital oder bestimmte Technologien (eine Art „Robotersteuer“) statt auf Einkommen und Verbrauch (weil letzteres ja dem Umverteilungsziel zuwiderläuft) oder eine Möglichkeit, die Menschen zu Stakeholdern zu machen, was aber massive Umsetzungsprobleme mit sich bringt, unter anderem, dass der Staat im Vornherein prognostizieren müsste, WELCHE Unternehmen die relevanten sein werden, was er schlicht nicht kann. Eine Lösung dafür ist natürlich nicht in Sicht, aber wer nicht sucht, kann auch nicht finden.

5) Die „kleinen Leute“

Einer der ermüdensten Topoi ist der von den „kleinen“ oder „normalen“ Leuten. Gerne wird bemüht, dass Politiker*innen unbedingt „wieder“ die Sprache derselben sprechen müssten, idealerweise auch aus diesen Verhältnissen stammen. Zuverlässig aber werden alle, die aus diesen Verhältnissen kommen, für eben diese kritisiert. Robert Pausch hat einen super Artikel zu diesem Phänomen geschrieben, die Beispiele sind Legion. Besonders lustig finde ich, dass praktisch zeitgleich mit Pauschs Darstellung, wie seinerzeit alle auf Kurt Becks mangelnder Hauptstadt-Raffinesse herumgekackt haben, René Pfister im Spiegel ausgerechnet den Vergleich mit Kurt Beck zieht und unironisch erklärt, dass die heutige SPD nicht mehr so reden würde. Was damals massiv kritisiert wurde. Aber es ist immer dasselbe: da haben wir Merkel und ihren konsensualen Stil, und alle wünschen sich Basta, und dann kommt Merz und alle stellen fest, dass dieses trampelhafte Basta ja nicht so cool ist und dass Merkel das ja viel besser gemacht hat. Oder es braucht dringend Politiker, die öffentlich nachdenken, dann macht Robert Habeck das und es ist nur ein Zeichen für seine intellektuelle Abgehobenheit. Und so weiter. Die einzige Konstante in der Kritik ist, dass immer kritisiert wird, was gerade da ist. Es ist so ermüdend.

6) Geschichtsunterricht

Christine Brink beklagt in einem Gastartikel den Stand des Geschichtsunterrichts über die DDR. Zu wenig erführen die heutigen Schüler*innen über die Schlechtigkeit des Regimes. Ich kann natürlich nicht beurteilen, wie das in Ostdeutschland aussieht, aber zumindest hierzulande treffen ihre Kritikpunkte schon aus biografischen Gründen nicht zu (und selbige zumindest für den Osten auch kaum mehr). Was mich aber besonders nervt ist folgender Abschnitt: „Lebendige Geschichte der DDR kann genauso unterrichtet werden. Wer mit den Schülern die Serie „Weissensee“ anschaut und diskutiert, hat den ganzen Kosmos der DDR vor Augen. Man kann Erich Loest lesen oder Wolf Biermann. Zeitzeugen und Opfer der DDR-Justiz gibt es genug.“ Da merkt man wieder, dass Leute reden, die vom Unterricht keine Ahnung haben. Das wurde schon in ihrer Kritik offenkundig, dass ein guter Teil der Schüler*innen nur Stichworte wie „17. Juni, Mauerbau, Reiseverboten, Überwachung, Stasi und Montagsdemos“ kenne. Ich wäre oft ja schon froh, wenn die bekannt wären. Brink begeht hier den klassischen Fehler, den wir Lehrkräfte aus Betriebsblindheit auch gerne machen, das eigene Interesse zu verabsolutieren. Natürlich, wer sich für Geschichte interessiert, für den gibt es natürlich eine reiche Welt der Entdeckungen und Erkenntnisse. Nur, wer sich nicht dafür interessiert, wird beim Vortrag des Zeitzeugen abschalten, wird bei Weissensee den Kopf auf den Tisch legen, wird Erich Loest und Wolf Biermann nicht lesen (der wohl realitätsfernste der Vorschläge). Schule ist nicht wie im Film, wo die Lehrkraft irgendeinen coolen Move abzieht und dann lauter wilde Gedanken rauskommen. Die meisten Schüler*innen wissen wenig von DDR und Holocaust, weil es sie schlicht nicht interessiert, genauso wie ich wenig von Biologie und Chemie weiß. Darüber kann man die Systemfrage stellen, aber es wird nicht damit getan sein, gemeinsam eine Serie zu schauen (in welcher Zeit, um Gottes Willen?) und dann darüber zu diskutieren (mit welcher Fragestellung? über was?). Was für ein ahnungsloser Unsinn.

Resterampe

a) Spannende Ergebnisse einer gerade erst entdeckten Großstudie von Adorno Anfang der 1950er Jahre. Grundsätzlich nicht überraschend, aber doch immer wieder lesens- und bedenkenswert.

b) Sehr gutes Video zum Thema, warum alle immer glauben, dass „1984“ ihren Punkt beweisen würde. Ist auf Nebula, aber der Service lohnt die geringe Gebühr sehr.

c) Nettes Video zur Kritik an den ÖRR.

d) Jemand hat mal Fellanis Behauptungen nachgerechnet. Wenig überraschend sind sie Unsinn.

e) Jana Hensel zu Schwarz-Grün.

f) Elon Musk Gets a Reality Check. Alle in einen Sack und draufhauen, triffst du nur die Richtigen, pflegte mein Vater früher immer zu sagen.

g) Andreas Fulda hat einen Thread zur Selbstvasallierungsthese geschrieben, die er im Podcast ausgerollt hatte.

h) Schön, dass es Leute bei der CDU zu merken scheinen.

i) Sehr guter Punkt von Christina Dongowski zum Verschwinden der SPD-Kernwählendenschaft.

j) Diverse polnische Städte brauchen für ihre Wasserstoffbusse massive staatliche Subventionen (also, zusätzlich zu den bereits erhaltenen), weil die Dinger nicht wirtschaftlich sind.

k) Vernichtender Artikel über Keir Starmer, Labour und eigentlich die ganze britische Politik.

l) Der mehrheitsfähige Liberalismus.

m) Mal wieder was zur Schweiz. Deswegen warne ich vor diesen Ländervergleichen. Man sieht immer nur, was man halt sehen will. Auch bei Dänemark übrigens.

n) Sehr knapp und präzise von Alan Posener.


Fertiggestellt am 19.05.2026

{ 89 comments… add one }
  • sol1 26. Mai 2026, 08:41

    k) „Unlike a minister of state, the prime minister and leader sets their party’s culture — and the culture set by Starmer was a dangerously anti-intellectual one. (…)

    Starmer’s shallow mode of leadership led to shallow preparation for government, and an administration that has, at times, seemed surprised that the mere fact of putting a Labour government in office has not led to a return to pre-crisis rates of economic growth. Trade-offs have been ignored or deferred, and the country’s biggest challenges — its ageing population, the darkening geopolitical backdrop and the technological changes reshaping both culture and the economy — are largely absent from any conversation about what the government might choose, or indeed be forced, to do. (…)

    As a result, the party needs to do the kind of thorough, intellectually rigorous updating of its policy programme that successful governments usually do before they take office.“

    Das erinnert an die Lage, in die sich Merz und die Union manövriert haben.

    • schejtan 26. Mai 2026, 09:49

      Ich glaub, aus Sicht der Waehler ist hier eine andere Aehnlichkeit zu Merz entscheidend: Dass die Diskrepanz zwischen Wahlkampfaussagen und tatsaechlicher Regierungsarbeit vielleicht doch schon ein bisschen zu gross ist. Bei Labour kommt halt noch dazu, dass die nicht die Rechtfertigung „Koalitionszwang“ haben. Bei denen liegt es meiner Meinung nach an einem typischen Problem linker Parteien in Regierungspositionen: Dass sie sich viel zu sehr darum sorgen, Leute, die sie eh nicht waehlen, nicht zu veraergern.

    • Thorsten Haupts 26. Mai 2026, 10:08

      Starmer wurde – vor der Wahl – in deutschen Medien und im economist ausdrücklich für seine zurückhaltende Seriosität als Gegenstück zu den ganzen Populisten der Tories oder zu Farage gelobt. Ist das derselbe Mann?

  • Stefan Pietsch 26. Mai 2026, 09:19

    2) Kürzungen an den falschen Stellen

    Das Witzige in diesem Fall ist, dass das Eigentliche im Absatz und Kommentar zuvor steht. Die Infrastruktur ist verfallen, weil Staat und Gesellschaft dem Sozialen eine wesentlich höhere Bedeutung zugemessen haben. Die Sozialausgaben liegen mit 28 Prozent im oberen Bereich der OECD, davor liegen hoch verschuldete Staaten wie Italien und Frankreich oder sehr hoch besteuernde Länder. Deutschland hat sich mit dem XXXL-Schuldenpaket mit einem gesunden Mix aus beiden toxischen Strategien entschieden.

    Der Rasenmäher ist wahrscheinlich die einzig sinnvolle Strategie angesichts der Unfähigkeit von Politik und Gesellschaft, für den Staat Prioritäten zu setzen. Wer alles machen will, macht am Ende alles schlecht. Braucht eine entwickelte Volkswirtschaft Industriesubventionen? NEIN! Entweder eine Technik / Unternehmen gewinnt Kunden um seine Kosten zu tragen oder es taugt nichts. Die Marktwirtschaft ist da unbarmherzig. Anders als das Herz aller Lobbyisten. Brauchen wir „Demokratieförderung“? NEIN! Die Demokratie funktioniert, auch wenn aus Sicht linker Leute die Falschen gewählt werden. Das ist kein Beweis, dass die Demokratie nicht funktionieren würde.

  • Stefan Pietsch 26. Mai 2026, 09:50

    5) Die „kleinen Leute“

    Friedrich Merz ist anders als das öffentlich gezeichnete Bild ein besonders harmoniesüchtiger Mensch. Da ist kein Basta. Im Gegenteil, er ähnelt in seinem Stil, insbesondere im politischen Umgang mit seinem kleineren Koalitionspartner weit eher Merkel als Schröder. Habeck hat sich ins Wählergedächtnis als jemand eingegraben, der sich nicht um rationale Politik und schon gar nicht um die Belange der „kleinen Leute“ schert. Sein Aussehen ist ihm wichtiger.

    • Thorsten Haupts 26. Mai 2026, 10:17

      Friedrich Merz ist anders als das öffentlich gezeichnete Bild ein besonders harmoniesüchtiger Mensch.

      Yup, den Eindruck habe ich auch. Passt auch am ehesten zu seiner Sozialisation in der späten Kohl- und frühen Merkel-CDU.

    • Erwin Gabriel 26. Mai 2026, 11:47

      @ Stefan Pietsch 26. Mai 2026, 09:50

      5) Die „kleinen Leute“

      Friedrich Merz ist anders als das öffentlich gezeichnete Bild ein besonders harmoniesüchtiger Mensch. Da ist kein Basta. Im Gegenteil, er ähnelt in seinem Stil, insbesondere im politischen Umgang mit seinem kleineren Koalitionspartner weit eher Merkel als Schröder.

      Kann man auch anders wahrnehmen

      Habeck hat sich ins Wählergedächtnis als jemand eingegraben, der sich nicht um rationale Politik und schon gar nicht um die Belange der „kleinen Leute“ schert. Sein Aussehen ist ihm wichtiger.

      Hör doch bitte mal auf damit, Robert Habeck als „Gottseibeiuns“ darzustellen. Du weißt, dass ich mit großen Teilen grüner Politik nichts anfangen kann, aber Habeck hat ein paar sehr interessante Gedanken und Ansätze gehabt. Das eine oder andere, was Dir missfällt, ist dem Kompromisszwang in der Ampel-Regierung geschuldet. Beim Gas hat er (finde ich) das meiste richtig gemacht (im Nachhinein schlau zu sein und zu behaupten, man habe es früher gewusst gilt nicht, der Rest ist Regierungskompromiss), mit dem Heizungsgesetz hat er die richtige Richtung eingeschlagen, nur die falsche Umsetzung in Richtung Verbot hat nicht gepassst.
      Habeck ist nur ein normaler Mensch, als Politiker mit Stärken und Schwächen behaftet wie jeder andere auch, und durch seine Partei gelegentlich in eine Richtung gedrängt, die er selber nicht gut fand.
      Was immer Dir nicht passt (dass er besser aussieht als wir zwei zusammen lassen wir mal außen vor) ist kein Qualitätskriterium, in welche Richtung auch immer. Das, was Dich stört, liefert jede andere Partei, jeder andere Politiker mehr oder weniger ausgeprägt ebenfalls.
      Habeck ist nur ein normaler Mensch, als Politiker mit Stärken und Schwächen behaftet wie jeder andere auch, und durch seine Partei gelegentlich in eine Richtung gedrängt, die er selber nicht gut fand.

      • Stefan Pietsch 26. Mai 2026, 12:31

        Mein Problem mit Habeck ist, dass er so in seinen politischen als auch menschlichen Charakterzügen sehr seinem Landsmann Björn Engholm ähnelt. Beide Politiker spielten unverhohlen mit ihrem guten Äußeren, inszenierten sich als Denker und bürgerlich erscheinende Typen. Am Ende haben beide an entscheidenden Stellen ihrer politischen Karriere mit gezinkten Karten gespielt und die Öffentlichkeit belogen. Und beide endeten deswegen als gescheiterte Kanzlerkandidaten.

        Als in Folge des 7. Oktobers 2023 in Deutschland antisemitische Anschläge Überhand nahmen, verfasste er im November 2023 ein Video, staatstragend in Anzug und Krawatte. Dort nahm er sehr klar zu Ausländerkriminalität Stellung und drohte Straftätern mit Abschiebung.
        https://www.youtube.com/watch?v=PTGySz1UOcw

        Nach Veröffentlichung wurde sein Sprecher auf einer Pressekonferenz gefragt, welche politischen Konsequenzen der Vize-Kanzler denn in Bezug auf die Migrationspolitik ziehen werde. Antwort: Keine. In der Causa Gas hat er eine konzertierte Aktion der frisch installierten Regierung Scholz, die auf Initiative des Bundeskanzlers ins Leben gerufen wurde, als seinen alleinigen Erfolg verkauft. Tatsächlich, so hat des der Podcaster Robin Alexander nachgezeichnet, hatte Olaf Scholz im abhörsicheren Kanzlerbunker bereits im Januar 2022 mit seinen Regierungsspitzen Maßnahmen gegen die sich abzeichnende Gaskrise beschlossen. Es galt absolute Geheimhaltung, wo jeder etwas einbringen musste. Lindner beschaffte das Geld und Scholz machte aus Staatsräson nicht das öffentlich, was sein größter politischer Erfolg war. Den kassierte der Selbstdarsteller Habeck.

        Und manchmal lässt er die Maske fallen. Wie er, der gewesene Vizekanzler der Bundesrepublik Deutschland, die Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, ein Verfassungsorgan, öffentlich beschimpfte, weil sie grundgesetzkonform die Regenbogenfahne der queeren Community nicht mehr als einmal im Jahr auf dem Reichstag hissen wollte, ist in ihrer Schäbigkeit besonders.

        Heizungsgesetz: Wieso die „richtige Richtung“? Schon die letzte Merkel-Regierung hatte ein Heizungsgesetz verfasst mit dem Ziel, das Habeck mit seinem Graichen-Clan angeblich auf verfolgte. Anders als Merkel trat er dabei aber Regeln des Anstands wie des parlamentarischen Umgangs mit Füßen. Es ist auch bemerkenswert, dass die beiden großen Niederlagen der Ampel in Karlsruhe eng mit dem Namen Habeck verbunden sind.

        Er hat Milliarden mit seiner sogenannten „Industriepolitik“ verpulvert und den Bürgern ebenso Milliarden durch den EU-ETS vorenthalten. Gegen jede ökonomische Vernunft setzte er die Abschaltung der letzten Atommeiler durch und wollte 50 neue Gaskraftwerke bauen lassen. Wenn seine Nachfolgerin Reiche 20 Gaskraftwerke bauen lassen will, wird sie von den Grünen als „Gas-Kati“ verfemt. Was war denn dann der Robert?

        Also in Punkto Aussehen kann ich es durchaus mit dem Schönling aufnehmen, findest Du nicht? 😉

      • Thorsten Haupts 26. Mai 2026, 20:13

        Nach meiner Wahrnehmung stört Stefan P. bei Habeck weniger seine tatsächliche Politik, als sein Habitus. Der ist geradezu prototypisch akademisch-linksliberal und reizt deshalb unter anderem nicht nur mich manchmal wahnsinnig 🙂 .

        • Erwin Gabriel 26. Mai 2026, 20:34

          @ Thorsten Haupts 26. Mai 2026, 20:13

          … sein Habitus … ist geradezu prototypisch akademisch-linksliberal und reizt deshalb unter anderem nicht nur mich manchmal wahnsinnig 🙂

          Das ging mir gelegentlich auch so – zu prototypenhaft der aufrechte „gute“ Politiker.

          Aber das ist eine Sache, seine Politik eine andere. Man kann ja nun trefflich darüber streiten, ob angesichts des Klimawandels JEDER (= auch wir) das Maximale tun müssen, um den CO2-Ausstoß zu verringern, oder ob man an dem Punkt angesichts der Realitäten (Trump, China) dann doch lieber die Wirtschaft stärkt und mit der Klimaneutralität fünf Minuten später fertig wird.

          Aber das Heizungsgesetz zielt in die richtige Richtung (wenngleich ich mir Empfehlungen und Förderungen statt Verbote gewünscht hätte), und das Verbrenner-Aus war aus meiner Wahrnehmung auch die richtige Richtung, wenn auch genauso schlecht verkauft (Empfehlungen, Förderungen, bla bla). Und fürs Gas: Chapeau.

          Habeck als Wirtschaftsminister war vielleicht keine Top-Besetzung, aber bei weitem nicht so schlimm bzw. mir deutlich lieber als Peter Altmeier.

          • Stefan Pietsch 26. Mai 2026, 21:48

            Aber das Heizungsgesetz zielt in die richtige Richtung

            Warum meinst Du das? 30-40 Prozent der Gebäude in Deutschland sind für den Einbau einer Wärmepumpe nicht geeignet. Das ist der einzige Heizungstyp, der nach dem Habeck-Gesetz noch möglich war. Parallel hatte er massiven politischen Druck auf die Anbieter ausgeübt. Mit Marktwirtschaft hatte das nichts zu tun. Zum damaligen Zeitpunkt war auf EU-Ebene beschlossen, ab 2027 das europäische Handelssystem ETS auf den Wohnungsbereich auszurollen, womit emissionserzeugende Heizungen immer kostenintensiver und damit teurer geworden wären. Ein ökonomischer Sinn, mit einem Vorschriften- und Verbotsgesetz „Feintuning“ zu betreiben, bestand nicht, schon gar nicht für einen Wirtschaftsminister.

            • Erwin Gabriel 27. Mai 2026, 01:31

              @ Stefan Pietsch 26. Mai 2026, 21:48

              Warum meinst Du das?

              Ich denke, dass wir weg müssen von fossilen Kraftstoffen. Deshalb betrachte ich das Gesetz als „die richtige Richtung“. Aber es hätte kein Gebot sein dürfen, da bin ich bei Dir, sondern eine Empfehlung, die gefördert wird.

            • CitizenK 27. Mai 2026, 09:33

              „ab 2027 das europäische Handelssystem ETS auf den Wohnungsbereich auszurollen“

              Deshalb wurde ja auch von den Habeck-Leuten die Kritik am Heizungsgesetz als Verbaucher-Täuschung kritisiert. Die vermeintlich günstige Gasheizung wird sich als Kostentreiber herausstellen. Es sei denn, die ETS-Preise würden aus politischen Gründen (zu teuer!) runter- oder ausgesetzt.
              Das (gewiss nicht perfekte) Gesetz als Hammer zur Zerschlagung nutzen war jedenfalls ein großer Fehler, wie sich jetzt zeigt.

              • Stefan Pietsch 27. Mai 2026, 09:52

                Die Kritik ist und war aus ökonomischer Sicht vielfältig: zwei Maßnahmen zur Erreichung eines Ziels, wobei die Maßnahme mit Richtlinien und Verboten das eigentliche marktwirtschaftliche Instrument konterkariert. Viel zu teuer, zu ambitioniert, nicht angepasst an die nationalen Verhältnisse.

                Kurz: Schrott.

          • CitizenK 27. Mai 2026, 09:36

            Respekt für die Trennung von Habitus und Politik. Auch die Bezeichnung als „Kinderbuchautor“ (StefanP) entspricht nicht dem Standard, den der Blog im Namen trägt.

        • Stefan Pietsch 26. Mai 2026, 21:37

          Es ist das Gesamtpaket. Anfang der Neunziger war ich auch großer Fan von Engholm. Es war ein bisschen schmerzlich zu lernen, dass er ein Schaumschläger war. Als er in den Medien überführt wurde, duckte er sich weitgehend weg. Ich hatte in meinem Leben häufiger sehr unangenehme Situationen zu bestehen. Ich bin immer durch den Vordereingang raus.

          Auch Habeck hatte anfangs meine Sympathien. Die ersten Irritationen hatte ich bei einem Interview in einer Markus Lanz-Sendung um 2018/2019. Habeck war damals zusammen mit Baerbock eingeladen, das erste und bis heute einzige Mal, dass die Vorsitzenden einer Partei im Duo bei dem Journalisten auftraten. Das Interview war für Lanz-Maßstäbe harmlos und nett. Doch schon nach kurzer Zeit waren beide, insbesondere aber die junge Annalena, erkennbar angefasst. Und das erste und einzige Mal, seitdem ich die Sendung sehe, beschwichtigte der harte Interviewer seinem Gesprächspartner: „Ich will Ihnen ja nichts. Ich mag Sie ja.“

          Mir wäre das peinlich gewesen. Meines Wissens nach war Baerbock danach nie wieder bei Lanz. Als Politiker habe ich bei ihm nicht viel Substanz gesehen. Die Sache, wofür ihm Erwin noch die Stange hält, war nicht seine. Er hat nur den öffentlichen Bonus eingestrichen. Nehmen wir das Beispiel Atomausstieg: Ich habe Habeck nicht als ideologischen Kernkraftgegner eingeschätzt. Hätte er ein Moratorium gewollt, hätte er das sicher auf einem Parteitag durchsetzen können. Doch da waren die Alten, die Trittins und Künasts, für die das Ende der Atomkraft die Erfüllung ihres Lebenstraums war. Habeck scheute nach Einschätzung politischer Beobachter die Konfrontation. Das wäre Schröder nie passiert, was zeigt, dass Habeck kein Asphaltier ist, sondern sich nur so aufführt.

          Wie schwach er als Fachpolitiker war, zeigte sich, wenn er Sachkenntnis mit seinem Redetalent kombinieren musste. Wie z.B. in der berühmten Sendung bei Maischberger, in der er Unsinn über Insolvenzen erzählte. Es gab auch einen Unterschied der führenden Ampelpolitiker in der Vorbereitung: Olaf Scholz war bis ins kleinste Detail für den Job vorbereitet. Christian Lindner zog sich für Wochen aus der Öffentlichkeit, um sich in sein neues Amt einzuarbeiten. Er war auch so klug, nicht die halbe Führungsspitze seines Ministeriums auszutauschen. Die Klugheit besaß Habeck nicht und er beließ es nicht bei der Hälfte. Und von Tag eins war er in den Medien präsent um zu zeigen, dass er der mächtige Mann der Koalition war. Er investierte nicht in Bildung, sondern vertraute auf sein Schaumschlägertalent.

          Ohne Substanz ist ein Politiker den Einflüsterern ausgeliefert. Das wusste schon Helmut Schmidt. Und so ließ er zum eigenen Schaden den Graichen-Clan schalten und walten und vertraute in wirtschaftlichen Fragen Mariana Mazzucato.

          • sol1 27. Mai 2026, 15:52

            „…und vertraute in wirtschaftlichen Fragen Mariana Mazzucato…“

            Daß du das als Vorwurf vorbringst, beweist deine Ahnungslosigkeit.

  • schejtan 26. Mai 2026, 09:52

    j) Da musst du aber auch schon fair sein und sagen, dass es bei weitem nicht die einzige neue Technologie ist, die in ihren Anfangstagen irgendeine Form von staatlicher Unterstuetzgung benoetigt.

    • cimourdain 26. Mai 2026, 11:16

      Grundsätzlich richtig, aber Wasserstofffahrzeuge gibt es seit 20 Jahren. Solche Busse sind schon Mitte der 2000er gefahren.

  • Thorsten Haupts 26. Mai 2026, 10:15

    Zu 1)

    Ich bemerkte den Verfall der deutschen Infrastruktur 2007 im Zuge politischer Diskussionen auf XING, als ich bei Recherche feststellte, dass Deutschland im OECD-Vergleich die geringsten Ausgaben für Infrastruktur hatte und das damals schon seit mindestens Anfang der 2000er.

    Mir wird immer wieder gesagt, ich sollte Politik doch bitte nicht verachten, die armen Männer und Frauen könnten halt nicht anders. Mit freundlichem Verlaub: Ich verachte auch im Berufs- und Privatleben Leute, die ihren Job nicht machen. Und in diesem Fall lagen alle Fakten datentechnisch (Ausgaben für Wartung und Investitionen) ebenso auf dem Tisch, wie die visuellen Eindrücke aus deutschen Institutionen und von deutschen Strassen, die manche halt brauchen. Hat irgendwer irgendetwas getan? Nein. Und das ist ganz schlicht Politikversagen. Dass die Wähler das nicht oder zu spät interessiert, macht es nicht besser.

    Gruss,
    Thorsten Haupts.

    • Erwin Gabriel 26. Mai 2026, 11:54

      @ Thorsten Haupts 26. Mai 2026, 10:15

      Ich bemerkte den Verfall der deutschen Infrastruktur 2007 im Zuge politischer Diskussionen auf XING, als ich bei Recherche feststellte, dass Deutschland im OECD-Vergleich die geringsten Ausgaben für Infrastruktur hatte und das damals schon seit mindestens Anfang der 2000er.

      In den letzten Regierungsjahren Kohls gab es eine Summe (entsprechend etwa 5,35 Mrd. Euro), die für Fernstraßenbau zur Verfügung gestellt wurde. Diese Summe blieb bis in die Regierung Merkel konstant, obwohl die Inflation über ein Drittel der Kaufkraft weggefressen hat. Erst verkehrsminister Alexander Dobrindt hat (2014, 2015?) nennenswert draufgepackt (über 13 Mrd.), um dem Verfall von Autobahnen, Brücken etc. entgegenzuwirken, und gleichzeitig für den Bund die Digitalisierung eingeleitet.

  • Thorsten Haupts 26. Mai 2026, 10:24

    Zu m)

    Muss ich ghar nicht kommentieren, lest bitte nur die Kommentare drunter. Die lassen die Luft aus diesem hübschen Heissluftballon. Staatsquote bei 31%, Durchschnittliche Steuern- und Abgabenlast Singles: Deutschland 48 %, Schweiz 23 %.

    Ich nehme also mit Kusshand das Schweizer System. Als Gesamtpaket, ohne Rosinenpicken. Bin sicher, alle Linken sind jetzt auch dafür, oder (bisher an dieser Stelle im Blog: Betretenes Schweigen)? Oder?

    Gruss,
    Thorsten Haupts

  • CitizenK 26. Mai 2026, 10:29

    „Dass die Wähler das nicht oder zu spät interessiert….“ setzt aber ein großes Fragezeichen hinter das Mantra vom „Souverän“. Das von den gleichen Leuten ständig beschworen wird, die diese Folgen heftig kritisieren. Wir werden das in größerem Maßstab erleben, wenn die regieren, deren Wählerstimmen man doch nicht ignorieren kann.

    • Thorsten Haupts 26. Mai 2026, 18:56

      … setzt aber ein großes Fragezeichen hinter das Mantra vom „Souverän“.

      Für mich nicht mehr, ich neige seit vielen Jahren zunehmend zu der Überzeugung, die Demokratie sei eine nicht nachhaltige Regierungsform. Das ist übrigens mehr als bedauerlich – sie ist der absolut einzige Garant für die halbwegs dauerhafte Etablierung eines Rechtsstaates, der auf anderem Wege nicht zu erhalten ist.

  • Stefan Pietsch 26. Mai 2026, 10:44

    d) Jemand hat mal Fellanis Behauptungen nachgerechnet. Wenig überraschend sind sie Unsinn.

    Erstmal heißt die Dame Fatina Keilani. Der Tweet beweist kurioserweise, dass ihre Kalkulation richtig ist. Der Bedarf ihrer Familie berechnet sich tatsächlich mit 4.500 Euro plus/minus. Das ist nichts Unsinn dran. Die Sache ist die, dass das ihr zustehende Kindergeld ihr getrennt ausgezahlt und dieses als „Einkommen“ auf den Bürgergeldbedarf angerechnet wird.

    Technisch und finanzwirtschaftlich wird es an dieser Stelle kompliziert. Das Kindergeld ist nämlich in seinem Ursprung keine Sozialleistung, sondern berücksichtigt das Existenzminimum von Kindern im steuerpflichtigen Einkommen. Diesen eigentlichen Sinn erkennt man noch im Kinderfreibetrag, der bei der Steuererklärung in Ansatz kommt (bei bestimmten Einkommenshöhen). Ökonomisch heißt das, der Steuerpflichtige muss den Mindestbedarf für seine Kinder schon selber erwirtschaften, damit er überhaupt steuerwirksam wird. Bürgergeldempfänger brauchen das nicht, sondern bekommen als Sozialleistung den „Regelbedarf“.

    h) Schön, dass es Leute bei der CDU zu merken scheinen.

    Humanisierung der Arbeitswelt primär unter gewerkschaftlicher Regie
    das Recht der Arbeitslosen auf Ablehnung sozialversicherungsfreier und nicht tariflich gebundener Arbeitsverhältnisse;
    gerechte Verteilung der vorhandenen Erwerbsarbeit durch Arbeitszeitverkürzung auf 7 Stunden pro Tag;
    Bekämpfung von Berufsverboten und politischer Strafverfolgung;
    gerechte Verteilung von Grund und Boden;
    Nichtdeutsche, die fünf
    Jahre oder länger ihren ständigen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt in der Bundesrepublik Deutschland haben, erhalten das aktive und passive Wahlrecht.

    Und mit so einer Partei sollte die Union koalieren?

    m) Mal wieder was zur Schweiz. Deswegen warne ich vor diesen Ländervergleichen. Man sieht immer nur, was man halt sehen will. Auch bei Dänemark übrigens.

    Es gibt wohl weniger als 10 Prozent Steuerpflichtige oberhalb des Medianeinkommens, die in der Steuerlast nicht mit Schweizer Verhältnissen tauschen würden. Und klar, Milliardäre werden in unserem Nachbarland maßgenommen, weshalb so viele sich in den Alpen eingerichtet haben.

  • Erwin Gabriel 26. Mai 2026, 11:09

    1) Die Wissenschaften in Bedrängnis

    Die AfD ist für mich unwählbar. Worüber ich immer wieder staune, ist, wie viele Gründe es gibt, dort sein Kreuzchen nicht zu machen.

  • Erwin Gabriel 26. Mai 2026, 11:13

    1) Die Wissenschaften in Bedrängnis

    Aber das psychotherapeutische Angebot um rund 25% zusammenzustreichen, wo bereits jetzt die Plätze vorne und hinten nicht ausreichen, ist ganz besonders kurzsichtig.

    Ja, ja. Losgelöst vom Inhaltl des Themas, zu der mir Kompetenz fehlt, um mich fachkundig zu äußern, findet (wenn ich Dich mal sinngemäß zitieren darf) jede Seite eben nur ihre Themen wichtig.

    • Erwin Gabriel 26. Mai 2026, 11:20

      Sorry- -falsche Zuordnung. Sollte zu
      2) Kürzungen an den falschen Stellen
      stehen

  • Erwin Gabriel 26. Mai 2026, 11:18

    4) Heterodoxie

    … brauche es entweder wesentlich höhere Steuern auf Kapital oder bestimmte Technologien (eine Art „Robotersteuer“) statt auf Einkommen und Verbrauch (weil letzteres ja dem Umverteilungsziel zuwiderläuft) oder eine Möglichkeit, die Menschen zu Stakeholdern zu machen …

    Gibt es irgendein Problem, dessen Lösung nicht darin besteht, u.a. Steuern und Abgaben zu erhöhen?

    • Soeren Schmitz 26. Mai 2026, 12:59

      Als Staat hast du ja sonst nicht viele Möglichkeiten: Entweder du erlässt Gesetze: also erlaubst / verbietest Dinge, oder setzt Anreize / machst Dinge unattraktiv (=teuer) – im Hinblick auf die KI ist das schon ein Thema. Europa ist kein Player bei dieser Entwicklung: Wenn Firmen mit KI erfolgreich sind dann landet ein Teil ihrer Gewinne außerhalb des europäischen Wirtschaftsraums (USA / China) aufgrund der Gebühren für deren KI. Also braucht der Staat Mechanismen, diese Abzuschöpfen, damit dieses Geld ggf. genutzt werden kann, den notwendigen Strukturwandel, der durch die KI verursacht wird zu finanzieren.

      • Stefan Pietsch 26. Mai 2026, 14:18

        Das liest sich leider wie das sattsam bekannte „Wir säen nichts, aber ernten tun wir doch!“ des deutschen Raubritterstaates.

        Sie sagen es ja: Die großen KI Player sind nicht in Deutschland, nicht einmal in Europa. US-Konzerne und Start-ups basteln an der wirtschaftlichen Zukunft, für die wir uns ja zu fein sind. Sie investieren Billionen Dollar, gewonnen von amerikanischen und globalen Investoren, eigene Mittel und ohne Sicherheit, je das Geld wiederzusehen.

        Währenddessen legt der deutsche Staat die Hände in den Schoß. Attraktive Investitionsbedingungen? Brauchen wir nicht, wir haben Windmühlen. Günstigen Strom aus Atomkraft? Zu gefährlich. High Tech-Arbeitskräfte? Wir haben doch unsere unqualifizierten Migranten im Bürgergeld. Niedrige Steuern? Der Staat braucht das Geld und es wäre auch sozial ungerecht.

        Nichts tun, aber gerne abschöpfen zu etwas, wo man nichts beitragen hat, ja, oft behindert hat. Menschlich ist das nur verabscheuungswürdig. Warum sollte ein US-Unternehmen den Deutschen KI zur Verfügung stellen, wenn der Großteil der Gewinne abgeschöpft werden soll? Es geht auch ohne. Wir halten uns leider immer noch für wichtiger als wir sind.

        • Erwin Gabriel 27. Mai 2026, 10:15

          @ Stefan Pietsch 26. Mai 2026, 14:18

          Währenddessen legt der deutsche Staat die Hände in den Schoß.

          Die Wähler haben Angela Merkel 4 Legislaturperioden an der Macht gehalten. Die Deutschen brauchen zwar Veränderungen, wollen sie in der Mehrheit aber nicht, und strafen jeden an der Wahlurne ab, der etwas probiert.

          Attraktive Investitionsbedingungen? Brauchen wir nicht, wir haben Windmühlen.

          Die Windmühlen lassen wir mal weg, die haben hier nichts zu suchen. Aber der Rest stimmt. „Attraktive Investitionsbedingungen“ bedeuten, dass sich jemand mit tollen Ideen eine goldene Nase verdienen kann. Da in unserem „sozial“ geprägten Staat das mit der goldenen Nase nicht erwünscht ist, verzichtet man auch auf die Ideen.

          Günstigen Strom aus Atomkraft? Zu gefährlich.

          Das solltest Du Dir inzwischen abschminken. Wir schaffen ja nicht mal einen Bahnhof. Bis ein Atomkraftwerk als Projekt geplant und genehmigt ist, werden Jahrzehnte vergehen, und die dann erfolgende Ablehnung wird mit dem durchaus packenden Argument begründet werden, dass wir kein Endlager haben. Die große Mehrheit will keine Atomkraft, und die, die sie wollen, wollen es weder in ihrem Garten noch da Endlager unnter ihrem Hintern.

          High Tech-Arbeitskräfte? Wir haben doch unsere unqualifizierten Migranten im Bürgergeld.

          Die große Flüchtlingswelle hat Barack Obama mit seiner Syrien-Politik ausgelöst, seine Nachfolger haben uns mit Freuden das Problem selbst überlassen. Den Rest hat die EU (inkl. Deutschland) gemacht, die Einwanderung in die qualifizierten Jobs wollte, aber die Einwanderung in die Sozialsysteme erreicht hat.

          Niedrige Steuern? Der Staat braucht das Geld und es wäre auch sozial ungerecht.

          Das ist eine der großen Fragen, die ich mir nicht beantworten kann. In den USA ist das Ziel, dass es einem besser geht. In Deutschland ist das Ziel, andere aufs eigene Niveau herunter zu holen. Das ist jetzt sicherlich sehr verallgemeinert, aber diesen Ansatz, sich besser zu fühlen, wenn ein anderer mehr abgeben muss – ohne Garantie oder auch nur Interesse daran, was der Staat mit den Mehreinnahmen macht – irritiert mich schon sehr.

          Wir halten uns leider immer noch für wichtiger als wir sind.

          Leider wahr. Es soll halt immer noch am Deutschen Wesen die Welt genesen. Manifestierter Wählerwille.

          • Stefan Pietsch 27. Mai 2026, 10:52

            Endlich kann ich Dir mal widersprechen!

            Die Windmühlen ist ein Synonym für unsere Konzentration auf mittleres technisches Anspruchsniveau. Darunter fallen auch Elektromotoren. High Tech überlassen wir lieber anderen. Klar, bei dem, was unser Bildungssystem seit vielen Jahren fabriziert.

            Inzwischen wird daran gearbeitet, dass Atommüll nicht nur zu recyceln, sondern es als eigenen Rohstoff zur Energieerzeugung nutzbar zu machen. Deutschland hat sich aus diesem – ach so – High Tech Bereich verabschiedet. Das kannst Du aber auch dem lieben Robert anhängen.

            Ich muss Dir sagen, ich habe lieber in 40 km Entfernung einen Atommeiler als in 3 km Entfernung einen Windpark. Übrigens errichten die Schweizer ein Endlager, lustigerweise nicht in Zürich oder am Genfer See, sondern an der deutschen Grenze. 🙂

            Dieses „wir wollen Vorbild sein“ hat sich in manche Milieus (und ich spreche hier im Blog niemanden Bestimmtes an…) regelrecht reingefressen.

      • Erwin GGabriel 27. Mai 2026, 01:45

        @ Soeren Schmitz 26. Mai 2026, 12:59

        Wenn der Staat für irgendetwas Geld ausgeben will, hat er mehrere Möglichkeiten:

        – Steuern zu erhöhen (also den Bürgern mehr abverlangen)
        – Schulden zu machen (den zukünftigen Bürgern mehr abverlangen)
        – effizienter mit dem Geld zu wirtschaften
        – andere Sachen streichen

        Die letzten beiden Punbkte werden nie wirklich diskutiert.

        Also braucht der Staat Mechanismen, diese Abzuschöpfen, damit dieses Geld ggf. genutzt werden kann, den notwendigen Strukturwandel, der durch die KI verursacht wird zu finanzieren.

        Wie beim Kohleabbau wird das nicht funktionieren. Wie stets werden die Mehreinnahmen einfach irgendwie weg sein.

  • Erwin Gabriel 26. Mai 2026, 11:21

    3) Blut, Schweiß, Tränen und ein Ruck

    5) Die „kleinen Leute“

    Zustimmung!

  • Erwin Gabriel 26. Mai 2026, 11:26

    c) Nettes Video zur Kritik an den ÖRR

    Da hast Du Dir ja genau den Richtigen herausgesucht. ^^

  • Erwin Gabriel 26. Mai 2026, 11:29

    d) Jemand hat mal Fellanis Behauptungen nachgerechnet.

    Wenig überraschend sind sie Unsinn.

    Als Vater von vier Kindern mit einem gut bezahlten, aber ziemlich stressigen Job muss ich sagen, dass ich viele Jahre lang mit weniger klarkommen musste.

  • cimourdain 26. Mai 2026, 12:00

    3) Du hast recht, da ist viel Rückschau-Bias drin. Die Ruck-Rede ist 30 Jahre her. Deswegen finde ich es interessant, die Wirkung der ’schlagworttauglichen‘ Reden der letzten Jahren anzusehen. Mir sind da spontan diese Reden eingefallen, die eine starke Öffentlichkeitswirkung hatten (weitere Beispiele willkommen):
    – Greta Thunbergs „How dare you“ UN 2019
    – Angela Merkel zu COVID „Die Lage ist ernst“ 2020
    – Olaf Scholz‘ „Zeitenwende“ 2022
    – JD Vance „Welche Demokratie sollen wir verteidigen“ München 2025

    Unabhängig davon, welche Ideen daraus für wie stichhaltig betrachtet werden, gibt es doch zwei deutliche Gemeinsamkeiten von allen:
    – Sie sind nicht isolierte Auftritte gewesen sondern Teil eines klaren Agenda-Settings, das sowohl externen Dringlichkeiten als auch medialen Kampagnen geschuldet war.
    – Sie haben polarisiert und wirken als Stichwortgeber nicht nur der Befürworter der propagierten policy sondern fast noch stärker für die Gegner, die dieses Stichwort als Feindbild nutzen.

    Würde also ein rhetorisch starkes Politiky jetzt eine „Tal der Tränen“ Rede halten, wäre die Hauptreaktion 100 Kommentare mit dem Tenor, dass jemand vom kuscheligen Elfenbeinturm „Bundestag“ aus andere in dieses Tal schicken will.

    • Ariane 26. Mai 2026, 18:15

      Lustig, mein Argument wäre auch gewesen, dass heute niemand mehr lange Reden anhört, sondern es mehr um twitterfähige Poesiealbumsätze geht, die haften bleiben (im Guten wie im Schlechten)
      Merkel – Covid „Die Lage ist ernst, bitte nehmen sie es ernst“ hätte ich ebenso genannt wie Scholzens Zeitenwende. Zusätzlich auch Merkels „wir schaffen das“ genauso wie die „Bazooka“ (Finanz/Eurokrise – lustigerweise weiß ich den genauen Anlass nicht mehr)

      Und die Idee, dass irgendwas davon das ganze Land vereint und alle jubeln, sollte man sich abschminken. 50% drehen dir einen Strick draus. Das haben kontroverse Sachen nun mal so an sich.

      die letzte große Änderung mit der höchsten Zustimmungsrate war vermutlich die Ehe für alle und da gab es dann halt weder eine Rede noch eine große Diskussion, weil die gesellschaftliche Stimmung die Politik schon dreimal überholt hatte.

      Würde also ein rhetorisch starkes Politiky jetzt eine „Tal der Tränen“ Rede halten
      Das würde ja sowieso jemanden voraussetzen, der mehr als zwei Sätze öffentlich sagen kann, ohne dass es ein schlimm anzusehender Kommunikationsunfall ist.

    • Thorsten Haupts 26. Mai 2026, 19:59

      Mit vielleicht einer einzigen Ausnahme (Weizsäcker 1989) habe ich niemals eine gesellschaftlich wirkungsvolle Rede gesehen oder gehört und neige daher sehr zu der Annahme, dass die „grossen“ Reden massiv überschätzt werden. Wichtiger ist IMHO der Gesamteindruck – macht sich eine Regierung erkennbar zielstrebig daran, von ihr selbst angesprochene oder gesellschaftlich mehrheitlich so empfundene Probleme zu reduzieren bzw. Chancen zu nutzen? DA haben wir unsere grossen Schwächen und das schon seit jetzt zwei Jahrzehnten.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

  • cimourdain 26. Mai 2026, 13:31

    4) Ein wichtiger Faktor gerade beim konkreten Fall KI ist, dass diese bisher ein massives Draufzahlgeschäft darstellt. Keiner der großen LLM-Anbieter arbeitet im Betrieb auch nur annähernd kostendeckend, vom einer Amortisierung der Investitionen ganz zu schweigen. Vielleicht sollten wir erst die Frage stellen, wie wohl die Verluste sozialisiert werden, wenn die Blase platzt.

    • CitizenK 26. Mai 2026, 15:18

      Und es gibt auch in den USA massive Proteste gegen die neuen Giga-Rechenzentren, wegen Flächen- , Wasser- und Stromverbrauch.
      Auch häufen sich die Berichte wegen Fehlleistungen: Ein Anwalt zitiert halluzinierte Gerichtsurteile und muss Strafe zahlen. Ein Bot zerstört Software. Auch die KI-Bäume wachsen nicht in den Himmel.

    • Thorsten Haupts 26. Mai 2026, 19:54

      Mit dem Problem habe ich mich wegen meiner Altersfürsorge-Anlagen vor sehr kurzem ganz real beschäftigt. Im Moment neige ich zu „keine Blase“. Und werfe eine Münze, um das abzusichern 🙁

    • Lemmy Caution 27. Mai 2026, 15:15

      Heutige Softwaresysteme sind komplex.
      Es gibt zu dem Ertrag von KI in der Softwareentwicklung sehr unterschiedliche Aussagen.
      Etwa heute morgen diese Aussage von eine Autorität in meinem Bereich:
      https://x.com/vlad_mihalcea/status/2059152915416138035
      Die Einschränkung “ once you know exactly what you need to build and how to assess implementation quality.“ werden viele überlesen. Es sind aber in der Realität sehr steile Anforderungen.
      Es gibt vielleicht auch negative Folgeeffekte, wie eine sinkende Bereitschaft wichtiger openSource Entwickler, weiter unterbezahlt an ihren wichtigen Bibliotheken zu werkeln, von denen so viel abhängt.
      https://www.youtube.com/watch?v=yi1QiqlB1Q4 . Ich empfehle, da vielleicht mal reinzuhören.
      Viele Wissensvermittler auf youtube, die sich oft komplexen neuen Entwicklungen aussetzen, äussern sich genervt. Unsere bayrische Legende äussert sich sehr kritisch. https://www.youtube.com/watch?v=SaHHgzoXceU
      Auch in anderen videos seines guten Kanals.

  • cimourdain 26. Mai 2026, 15:58

    a) Was mir allerdings noch mehr bedenkenswert erscheint, sind die Kriterien, die Adorno und seine Kollegen als Merkmale (Subskalen) einer autoritären Persönlichkeit für die F-Skala gesehen haben :

    – Konventionalismus. Starre Bindung an die konventionellen Werte des Mittelstandes.

    – Autoritäre Unterwürfigkeit. Unkritische Unterwerfung unter idealisierte Autoritäten der Eigengruppe.

    – Autoritäre Aggression. Tendenz, nach Menschen Ausschau zu halten, die konventionelle Werte missachten, um sie verurteilen, ablehnen und bestrafen zu können.

    – Anti-Intrazeption. Abwehr des Subjektiven, des Phantasievollen, Sensiblen.

    – Aberglaube und Stereotypie. Glaube an die mystische Bestimmung des eigenen Schicksals, die Disposition in rigiden Kategorien zu denken.

    – Machtdenken und „Kraftmeierei“. Denken in Dimensionen wie Herrschaft – Unterwerfung, stark – schwach, Führer-Gefolgschaft; Identifizierung mit Machtgestalten; Überbetonung der konventionalisierten Attribute des Ich; übertriebene Zurschaustellung von Stärke und Robustheit.

    – Destruktivität und Zynismus. Allgemeine Feindseligkeit, Diffamierung des Menschlichen.

    – Projektivität. Disposition, an wüste und gefährliche Vorgänge in der Welt zu glauben; die Projektion unbewusster Triebimpulse auf die Außenwelt.

    – Sexualität. Übertriebene Beschäftigung mit sexuellen „Vorgängen“.

    Zumindest ein Standpunkt, der direkt in die Überlegungen „Was ist nun eigentlich Faschismus“, die wir hier geführt hatten, einfliessen sollte.

    • Thorsten Haupts 26. Mai 2026, 19:04

      Na, dann sind wir vor Faschismus ja jetzt so ziemlich sicher. Auf allen genannten Gebieten mit Ausnahme der letzten 2, also 7 von 9, haben wir uns im freien Westen in den letzten 50 Jahren vom Faschismus wegbewegt.

      • cimourdain 27. Mai 2026, 11:02

        Wahrscheinlich haben Sie im Durchschnitt recht, aber ein kleines Caveat gibt es. Die Fragen maßen nicht ein gesellschaftliches Overton-Fenster sondern individuelle Ansichten. Wenn es Sie interessiert, an mehreren Stellen findet man den Original-Fragebogen (mehr oder weniger Oroginal, häufig werden die Fragen mit Bezug auf historische Gegebenheiten angepasst). Ein Beispiel
        https://psytests.org/classic/fscaleen.html

        • Thorsten Haupts 27. Mai 2026, 13:39

          Ich nehme das ganze nicht so bierernst und finde es ziemlich befremdlich, eine Studie von Anfang der 50er, als es in Deutschland zwangsläufig noch ziemlich viele echte Nazis gab, als Beleg für oder gegen was auch immer heranzuziehen. Die Studie sagt uns heute gar nichts mehr und ihre Kriterien scheinen mir – wie in den Sozialwissenschaften häufig – doch ziemlich willkürlich zu sein. Deshalb meine schnippische Replik.

  • Thorsten Haupts 26. Mai 2026, 17:16

    Zu 6)

    Die Autorin hat in einem Punkt Recht: Verglichen mit dem Faschismus und Nationalsozialismus nahm der Sozialismus und seine Verbrechen zumindest in der Zeit bis etwa 1996 viel zu wenig Raum ein (danach verlor ich Interesse und Kontakte). Erklärt vielleicht, warum unter Studenten in Europa der Sozialismus noch immer eine positive Ideologie ist.

  • Thorsten Haupts 26. Mai 2026, 19:52

    Zu l) (Liberalismus)

    Sehr gemischte Gedanken beim Lesen des Artikels. Zwei unsortierte Gedanken:

    1) Der Autor fokussiert auf die ökonomischen/materiellen Aspekte. Haben die sich (soweit messbar) seit sagen wir 1985 tatsächlich verchlechtert oder stagnieren mindestens seit längerer Zeit? Nun, seit Corona sicher. Aber vorher, um eine langfristige Entwicklung zu untermauern? Und was ist mit anderen Bereichen? Zwei unsortierte und nicht abschliessende Gedanken dazu:

    1) Zwischen 1992 und 2018 sind die Reallöhne in Deutschland zwar schwach, aber weiterhin gestiegen (+25%). Aus bekannt arbeitnehmerfreundlicher Quelle: https://www.boeckler.de/de/boeckler-impuls-besser-als-gedacht-4224.htm

    Ist eine schwach positive Entwicklung ein Rückgang? Oder haben wir es nicht eher mit einer Anspruchsinflation zu tun – die Ansprüche sind schneller gewachsen, als die Möglichkeiten, sie zu befriedigen?

    2) Insbesondere für Minderheiten sind die gesellschaftlichen Freiheitsräume seit den achtzigern ganz sicher weiter gestiegen, zum Teil sehr deutlich (Schwule/Lesben, Türkischstämmige etc.). Das gleiche gilt – mehr aus Bildungs- als aus gesetzlichen/regulatorischen Gründen – nach meiner Beobachtung für Menschen aus der Einkommensunterschicht, denen heute bewusster ist, als zu meiner Jugendzeit, welche Möglichkeiten sie haben, ihre Lebensvorstellungen umzusetzen. Ich erfahre die Ergebnisse beider Entwicklungen beruflich täglich, durch den Zugang neuer, junger, Mitarbeiter in meinem Berufsfeld (Grossprojekte mit mehreren tausend Beteiligten).

    Haben wir hier vielleicht eine Grenze des gesellschaftlich möglichen erreicht, innerhalb derer Zuwächse nur noch für immer kleinere Gruppen möglich werden, während eine grosse Mehrheit seit Jahrzehnten eine (unvermeidbare) Stagnation erlebt? Und Stagnation ist psychologisch – ich meine wissenschaftlich erwiesen – für eine Mehrheit von Menschen gefühlt ein Abstieg?

    Mich überzeugt jedenfalls die Kernthese des Artikels nicht, obwohl sie in eine Richtung zielt, die ich stark befürworte (Deregulierung, Rückzug des Staates und stärkere Eigenverantwortung).

    Gruss,
    Thorsten Haupts

  • Thorsten Haupts 26. Mai 2026, 20:11

    Zu n)

    Ja. Posener ist Popperianer (wie ich auch), für die ist das keine neue Erkenntnis. Freiheit muss langfristig immer gegen die Mehrheit verteidigt werden. Und dass sich liberale Gesellschaften als Organisationsform überhaupt durchgesetzt haben, verdankt sich im Kern dem überproportionalen Einfluss, den eine zahlenmässig sehr kleine Gruppe von Menschen vor langer Zeit einmal hatte. Plus den erkennbar desaströsen bis massenmörderischen Ergebnissen aller anderen gesellschaftlichen Organisationsformen.

  • sol1 26. Mai 2026, 20:42

    6) Sicher wird man kaum einen Schüler dazu bewegen können, Erich Loest oder Wolf Biermann zu lesen, aber daß die DDR die Beatmusik bekämpfte, könnte durchaus auf Interesse stoßen:

    https://www.mdr.de/nachrichten/deutschland/gesellschaft/ddr-sed-kahlschlagplenum-geschichte-kunstfreiheit-kultur-news-100.html

    • Ariane 27. Mai 2026, 20:00

      Glaub das Phänomen Biermann checken nur Boomer oder ältere Generationen und alle anderen so: Hä? (ging mir jedenfalls immer noch so und ich bin schon eine Generation älter als heutige Schüler)

  • Ralf 27. Mai 2026, 09:54

    zu 1) “Nationalsozialisten”

    Woher weiß ich, dass sie keine Demokraten sind? Weil. Sie. Es. Uns. Sagen.

    Richtig! Schleierhaft ist, weshalb Du kein Verbot forderst.

  • cimourdain 27. Mai 2026, 10:42

    b) Das, was bei den „1984“-Deutern unterschätzt wird, ist, wie sehr es unabhängig von „System“ und Ideologie wirkt, weil dort nur Techniken beschrieben werden, die in jeder oligarchisierten Gesellschaft (auch Demokratien) funktionieren. Gerade die Arbeitsweise des „Wahrheitsministerium“ wurde laut Orwell („Why I write“) stark von der Einflussnahme des britischen MoI auf die BBC beeinflusst (Fun Fact: Dessen Gebäude (Senate House, London) kommt auch in der Romanverfilmung vor).

  • Ralf 27. Mai 2026, 13:33

    zu 4) “KI-Gewinne”

    wie der „windfall of AI“ am besten zu verteilen sei. Auffällig ist auch hier wieder die Heterodoxie: da es unmöglich ist, mit den bisherigen Instrumenten einem (möglichen) massiven Stellenabbau beizukommen und dessen Profite einigermaßen fair zu verteilen, brauche es entweder wesentlich höhere Steuern auf Kapital oder bestimmte Technologien (eine Art „Robotersteuer“) statt auf Einkommen und Verbrauch (weil letzteres ja dem Umverteilungsziel zuwiderläuft) oder eine Möglichkeit, die Menschen zu Stakeholdern zu machen

    Hattest Du nicht gerade vor zwei Wochen geschrieben, dass Systeme in Deutschland unveränderbar seien wegen Pfadabhängigkeit? Also nix mit Robotersteuern. Nix mit Menschen als Stakeholdern. Nix mit Steuererhöhungen. Den Windfall werden die Milliardäre machen. Für den Rest wird die Welt zusammenbrechen.

  • Thorsten Haupts 27. Mai 2026, 13:36

    Ich nehme also mit Kusshand das Schweizer System. Als Gesamtpaket, ohne Rosinenpicken. Bin sicher, alle Linken sind jetzt auch dafür, oder (bisher an dieser Stelle im Blog: Betretenes Schweigen)? Oder?

    Wir sind immer noch bei „Oder“ 🙂

    • cimourdain 27. Mai 2026, 16:35

      Einer muss es Ihnen ja sagen: Da Sie nur das komplette Gesamtpaket – inklusive hohen Löhnen und Preisen, Neutralität, Volksabstimmungen, Rivella und Honussen – anbieten, ist die Antwort offenkundig negativ, da die Kommentatoren hier leben und nicht dort. Aussagekraft hat das … begrenzt.

      • Stefan Pietsch 27. Mai 2026, 16:52

        Pauschal gesagt, würden die meisten das eidgenössische Gesamtpaket nehmen. Sie nicht?

        • Lemmy Caution 27. Mai 2026, 23:38

          Wohlstand wächst historisch und in Ländern wie der Schweiz, Liechtenstein und dem ultra-polyglotten Luxemburg ist der auch durch ein diskreter Umgang mit Bankkonten entstanden. Das ist a) nicht sehr nett und b) nicht für jedes Land nachahmbar. Ein weiteres Beispiel ist das Unternehmenssteuerparadies Irland oder auch Norwegen mit dem Nordsee-Gas und Öl.
          Hab letztens ein sehr negatives Video einer Französin über Norwegen geschaut: https://www.youtube.com/watch?v=NNNwa52Rc1g
          gibt inzwischen einen 2. Teil. Sollte man das nicht verstehen, kann man sich die Untertitel übersetzen lassen. Ist halt anstrengend 😉
          Geld ist nicht alles. Es gibt eine Peruanerin, die aus der Schweiz nach Deutschland gegangen ist, weil sie zusätzlich zu Deutsch kein Schweizerdeutsch lernen wollte. Sie meinte das in der Schweiz zu benötigen, um dort wirklich integriert zu sein.

          • derwaechter 28. Mai 2026, 10:48

            Ich habe mir eine Zusammenfassung übersetzen lassen, und die meisten „Fakten“ sind Blödsinn. Wirklich hanebüchend zum Teil. Oder die Übersetzung spinnt.

            Und verstehe ich richtig, dass sie sich darüber beschwert, dass ihr Mann 1800 EUR Steuern auf 5000 EUR Einkommen zahlt? Das sind rund 35% und beinhaltet Krankenverischerung. Der arme…

            Über Gefühle lässt sich natürlich weniger sagen, und ich kann mir schon gut vorstellen, dass die Kultur in Norwegen für uns (Nord)Deutsche einfacher ist als für Südeuopäer. Dass Skandinavier eher reserviert sind sollte aber für einen einigermaßen informierten Einwanderer nicht überraschend sein.

            • Lemmy Caution 28. Mai 2026, 20:26

              Die Aussagen haben natürlich das Problem des Anekdotischen. Ich selbst habe recht kurze, aber extrem gute Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Schweden und Finnen gemacht.
              Sie beschwert sich stark über die Qualität des Gesundheitssystems, was mich überrascht hat.
              Sie hat 1.900 Euro als Lehrerin an der Französischen Schule in Oslo verdient. Die meisten der Bekannten ihres norwegischen Ehemanns verdienten unter 3.000 Euro. Im zweiten Video erwähnt sie das Gehalt des Ehemannes, der sie btw nach Frankreich begleitet hat. Mit 3 Kindern sind 6.700 Euro bruto bei dem norvegischen Preisniveau vermutlich echt nicht viel. Wieviel wird der Mann in Frankreich verdienen, wo die Löhne echt niedrig sind? Sie erwähnt auch nicht den in Norvegen sicher günstigere Rentenversicherung im Vergleich zu Franzosen ihrer Generation.
              Sie spricht viele kulturelle Punkte an, die sie gestört hatten. Meist kein Alkohol, aber wenn dann in Übermass, Übergriffe und eine Kultur des Verschweigens am Tag danach.
              Ich sehe Frankreich ausserhalb von der Provence und der Côte d’Azur als Mittelding zwischen Mittel- und Südeuropa.

              • derwaechter 28. Mai 2026, 21:40

                Die Aussagen die Claude für mich übersetzt hat sind nicht nur anekdotisch sondern oftmals faktisch falsch, wenig glaubhaft oder sehr verkürzt.
                Ich habe beide Videos und dazu noch Insta-Artikel genommen in denen sie viele konkrete Zahlen auflistet.

                Und mal im Ernst, wenn die französische Schule wirklich so schlecht bezahlt soll sie sich einen anderen Job suchen. Jeder Aushilfsjob im Supermarkt ist besser bezahlt.

                • Thorsten Haupts 28. Mai 2026, 22:43

                  Das dachte ich nach meinen Erfahrungen in Schweden vor 9 Jahren auch gerade 🙂 .

                  • derwaechter 28. Mai 2026, 23:39

                    Eben!

                    Wenn ich das richtig verstehe kommt sie mit 25 ohne Plan und ohne vernünftigen Job nach Norwegen, bekommt in 7 Jahren drei Kinder, kauft ein Haus und beschwert sich, dass das Leben teuer sei?
                    Ich lehne mich da mal aus dem Fenster: in jeder anderen europäischen Hauptstadt würde das noch schlechter funktionieren.

                • Lemmy Caution 29. Mai 2026, 07:02

                  Ich habe ja gesagt, dass ich solche annekdotischen Beiträge nicht für die absolute Wahrheit halte.
                  Ihr Art zu sprechen ist perfekt als comprehensible input. Sie spricht deutlich, normal schnell und einigen umgangssprachlichen Redewendungen aber nicht zu viel.
                  Ich denke auch, dass es skandinavische Arbeitsmärkte sehr honorieren, wenn man da gut reinpasst. Sie betont auch stark das Thema der staatlichen Gängelung durch zu viele Kontrollen.
                  Vielleicht sieht man, wie deren Odyssee in Frankreich weitergeht.

                  • derwaechter 29. Mai 2026, 07:33

                    Verstehe ich schon. Aber Du hast sie als Quelle zu einer allgemeinen Aussage verlinkt, nicht als Video zum Französisch lernen.

                    Man sollte irgendwelchen zufälligen Influencern inhaltlich nichts abnehmen. Das zeigt sich hier schön.

                    Ich zweifle auch gar nicht so sehr, dass sie es schwer hatte. Aber „Ich hatte eine schwere Zeit in Land X“ und „Land X ist ein schwieriger Ort zum Leben“ sind zwei sehr unterschiedliche Aussagen.

                    • Lemmy Caution 30. Mai 2026, 12:29

                      Ich rege mich zwar oft darüber auf, was Leute im Internet so erzählen, aber Influencer ist mir dann zu negativ. Ich mag Multi-Perspektivität und sie hat es halt aus ihrer Perspektive so wahrgenommen. Ich muss nicht zwangsläufig mit allem übereinstimmen. Ich schätze sie auf Abitur und 3 Jahre Studium. Sie arbeitet als Lehrerin. Der Verdienst dafür ist die Hälfte von Deutschland, aber ich urteile Leute nicht wegen ihres Einkommens ab.
                      Was mich aufregt ist Leute, die von etwas sehr starke Meinungen verbreiten, von denen sie absolut keine Ahnung haben. Das ist im ihren Falle aus meiner Sicht nicht unbedingt gegeben.

                    • derwaechter 30. Mai 2026, 13:15

                      Sie ist laut eigenen Angaben Influencer. https://www.skool.com/@elodie-gusterud-6988

                      Es geht mir nicht um das Wahrnehmen. Das ist fair und wie gesagt nehme ich ihr das auch ab.

                      Es sind die Behauptungen und Zahlen die entweder unglaubwürdig und verkürzt sind oder sogar objektiv falsch. Als Insider, so wie ich, oder jemand der stutzig wird und etwas recherchiert merkt man das und ärgert sich.

          • Stefan Pietsch 28. Mai 2026, 10:49

            Kommt darauf an, was Du mit Wohlstand meinst. Vermögen wächst in einer langen Linie, weshalb in den bundesrepublikanischen Statistiken das DDR-Erbe wie ein Mühlstein um den Hals hängt. Einkommen jedoch kann sich explosionsartig vollziehen. Menschen, Unternehmen und Nationen erleben immer wieder regelrechte Boomphasen.

            Du nimmst sehr, teilweise extrem kleine Länder. Lichtenstein ist auf der Weltkarte nicht zu finden, Luxemburg hat 700.000 Einwohner, nicht größer als Frankfurt. Die Beispiele sind dennoch nicht so falsch. Das Wesen des Kapitalismus ist die wirtschaftliche Entwicklung mit Kapital (Akkumulation). Was unterscheidet Darwin im Norden Australiens von Adelaide im Süden? Der Financial District. Darwin strahlt Reichtum aus, Adelaide eher nicht. München, Frankfurt, Hamburg, Düsseldorf hatten alle ihre eigene Börse.

            Kapital ist in unserem Wirtschaftssystem der wesentliche Treiber des Wachstums. Das kannst Du auch in der Analyse des Potentialwachstums des Sachverständigenrates sehen. Aber die Menschen müssen mit dem Kapital vernünftig umgehen. Das ist dem Staat und gerade dem deutschen nicht gegeben. Die kleine Schweiz hat mehr global Player als das wesentlich größere Italien. Vor allem hoch profitable Konzerne. Dänemark. Niederlande. Das Gleiche. Nur zu meinen, die hätten halt das Geld der Welt genommen, greift viel zu kurz.

            Deutschland besteuert Kapital traditionell hoch, sogar höher als hoch besteuernde Länder wie Schweden. Warum sollen internationale Investoren dann ausgerechnet in Deutschland Kapital aufbauen, zumal die Deutschen eine enorme Risikoaversität haben? Wenn sich ein Land entschließt, die Produktionsfaktoren Kapital und (qualifizierte) Arbeit hoch zu besteuern, zahlt es dafür einen Preis. Nämlich geringeres Wachstum.

            Es ist hoffnungslos, das Linken zu erklären.

            • Lemmy Caution 28. Mai 2026, 23:35

              Für Entwicklungen von Gesellschaften ist Kapital ein Mittel, kein Ziel. Entwicklung ist die Entwicklung von capabilities. Aufsteigen in eine höhere Wertschöpfung durch die Entwicklung von Humankapital.
              Schweizer beklagen oft die zu starke Konzentration auf den Finanzsektor. Der Schweizer Finanzsektor hat auch ein moralisches Problem. Diktatoren legen dort gerne ihr Geld an. Ansonsten mag ich einige Sendungen im Schweizer Öffentlich-Rechtlichen Fernsehen. Sternstunde im SR und Dokumentationen in der Radio Télévision Suisse.
              Wenn es nur Kapitalakkumulation, warum leisten wir uns noch diesen Demokratie-„Blödsinn“. Einfach ein CEO an der Spitze, kurze Entscheidungswege und irgendwann können wir dann unsere Badarmaturen durch goldene ersetzen. Natürlich nicht alle. Ein paar von uns.

              • Stefan Pietsch 29. Mai 2026, 00:05

                Kapitalismus ist die Kombination der Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital. Wohlstand entsteht durch Kapitalakkumulation. Früher verstand man unter Kapital einfach Maschinen und etwas Finanzkapital. Finanzkapital hat enorm an Bedeutung gewonnen, Sachkapital total verloren. Gewonnen hat aber auch der menschliche Kapitalanteil, denn als „Arbeit“ verstehen Ökonomen nur die einfache Arbeit. Also von daher meinen wir das Gleiche, anders ausgedrückt.

                Finanzkapital ist zentral. Ohne Finanzkapital keine Investoren, kein Entstehen von Unternehmertum. Wenn Du Dir die größten Unternehmen der Schweiz ansiehst, dann findest Du da eine Mischung aus verschiedenen Branchen. Die größte Schweizer Bank, die UBS, würde sich auf Platz 10 einfinden. Also von einer totalen Dominanz des Finanzdienstleistungssektors kann keine Rede sein.

                Für Diktatoren wie generell für vermögende Menschen gibt es auf dieser Welt viele Finanzplätze, nicht nur die Schweiz.
                https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_grössten_Unternehmen_in_der_Schweiz

        • cimourdain 28. Mai 2026, 08:54

          zum deutschen Gesamtpaket gehören auch einige Menschen, die mir wichtig sind, deshalb stellt sich mir die Frage kaum.

          • Stefan Pietsch 28. Mai 2026, 10:50

            Klar. Aber es gibt auch andernorts nette Menschen.

          • Ariane 28. Mai 2026, 19:42

            zum deutschen Gesamtpaket gehören auch einige Menschen, die mir wichtig sind, deshalb stellt sich mir die Frage kaum.

            Same. People over money oder Schokolade^^
            für mich stellt sich die Frage auch nicht.

            • Stefan Pietsch 28. Mai 2026, 20:05

              Schön. 🙂

              Das sehen allein knapp 300.000 Deutsche jährlich anders. Viele Unternehmen auch, aber die essen in der Regel keine Schokolade. Nur mal so, nicht nur in der Schweiz, auch in Peru und Ecuador gibt es exquisite Schokolade.

          • Thorsten Haupts 28. Mai 2026, 22:02

            Nein. Aber die Frage nach dem Gesamtpaket verhindert Rosinenpicken, auch wenn Sie dort Elemente hineingepackt haben, die rein steuer- und abgabentechnisch dort nicht hineingehören. Und das steuer- und abgabentechnische Gesamtpaket der Schweiz nähme ich für Deutschland mit Kusshand, weshalb Stefan S. Link zu den Rosinenpicks etwas nervte. Denn diese Rosinenpicks tauchen regelmässig bei Leuten auf, die vom Schweizer Gesamtpaket so weit entfernt sind, wie die Kuh vom Klavierspielen.

  • Stefan Pietsch 27. Mai 2026, 15:21

    Nebenbei bemerkt sagt designierter AfD-Kultusminister Tillschneider: „Ich weiß, wie Landesregierungen Druck auf Hochschulen ausüben. Genauso werden auch wir unsere Vorstellungen durchsetzen.“ Also nur falls jemand meint, hier handle es sich um Leute, die irgendwie demokratisch seien. Weil hier ja irgendwie angezweifelt wird, was das für Typen sind. Woher weiß ich, dass sie keine Demokraten sind? Weil. Sie. Es. Uns. Sagen. Offen. Unverschämt.

    Also handeln CDU-, SPD- und Grüne Kultusminister undemokratisch? Das steht, man wird es so machen wie bisher.

    • cimourdain 27. Mai 2026, 16:49

      Nein, er will es so machen, wie er glaubt (nicht „weiß“) dass es die anderen Landesregierungen machen – und was er selbst für schlecht hält, weil es die anderen machen. Doublethink (siehe Fundstück b) in reinster Form.

      Allerdings ist die Frage, ob die Hochschulautonomie immer noch so hoch gehalten wird, wenn sie von anderen Parteien angegriffen wird, berechtigt.
      https://www.br.de/nachrichten/bayern/masterplan-csu-will-unis-bundesweit-zivilklauseln-verbieten,UcVy6Su

      • Stefan Pietsch 27. Mai 2026, 17:17

        Entscheidend ist, dass die konkurrierenden Parteien so oft „Feuer“ gerufen haben und selbst das Streichholz in der Hand hatten um für sehr viele Wähler noch glaubwürdig zu sein. In den letzten Wochen artete es schon immer mehr in Hysterie aus, im Grunde nervt das nur noch.

  • cimourdain 28. Mai 2026, 08:14

    6) Das Problem ist, dass dahinter eine politische Intention steckt: “ Zu wenig erführen die heutigen Schüler*innen über die Schlechtigkeit des Regimes.“ Was aber, wenn diese Schlechtigkeit in Relation verblasst?

    259 Mauertote – entspricht einem Monat an den EU-Außengrenzen

    111 Kilometer Stasiakten – die NSA hat umgerechnet einen Kilometer für jeden Menschen auf der Erde.

    Am deutlichsten wird es aber, wenn man ein sehr charakteristisches Merkmal des Regimes betrachtet: Die DDR war ein Gängelungsstaat, der sich in die Alltagsfreiheiten der Bürger eingemischt hat. Sol1 hat mit der Beatmusik ein gutes Beispiel geliefert. Jetzt ist es aber so, dass genau die Generation, die die DDR noch mitbekommen hat, diese als Referenzrahmen nimmt, um Gängelung zu beschreiben: „Das ist ja wie in der DDR“ [ Hier ein Beispiel aus einem absolut überflüssigen (als gäbe es andere) Kulturkampf: https://www.nordkurier.de/panorama/verbot-auf-grossem-volksfest-das-gab-es-selbst-bei-auftritten-in-der-ddr-nicht-beklagt-der-band-manager-4593651 ]

    • Lemmy Caution 28. Mai 2026, 12:41

      Da läuft insgesamt etwas auseinander. Die verstehen uns nicht und wir verstehen die nicht. Radikale Lösung wäre Deutsche Teilung, aber das ist nicht mehrheitsfähig. Es sind nicht nur die Alten, denke ich. Das ist alles sehr emotional.
      In Ungarn (Wahlen) sowie USA, Argentinien und Chile scheint die Begeisterung zu den Neu-Rechten Lösungen ernsthaft abzuflauen, wenn sie einmal in der Verantwortung sind.
      Ich mag ben ungeskriptet nicht, aber da bekommt man schon Informationen wie die es sehen. Hier Interview mit Holger Friedrichs von der Berliner Zeitung. Da sehe ich vieles auch anders, aber er hat seine Punkte. Ich habe seit 1998 immer wieder mit Ostdeutschen gearbeitet. Der ihr Pragmatismus fand ich oft auch bewundernswert.
      „10 nackte Friseusen“, „Geh mal Bier holen“, „Olé, wir fahr’n in Puff nach Barcelona“ oder Skandal im Sperrbezirk“ zu verbieten, finde ich definitiv too much, auch wenn mich das musikalisch und textlich bestimmt auf die Nerven gehen würde.

      • cimourdain 29. Mai 2026, 08:46

        Mir ging es gar nicht um die geographischen Mentalitätsunterschiede die sind wohl ähnlich festgefahren wie bei den roten und blauen US-Staaten. Zufällig war mein Beispiel ja von einem „Westler“, und nicht wenige davon haben die DDR zumindest mal ansehen können und dort auch die Gängelung erlebt [Ich war als Schüler auch einmal in Ostberlin inklusive Kontrollen und Zwangsumtausch]. Und da schließt sich der Kreis zur „Ostmentalität“, zu der nach meinen Erfahrungen und Gesprächen ein sehr tief verwurzeltes Misstrauen gegen alle „offiziellen“ Stellen gehört.

    • sol1 29. Mai 2026, 10:29

      Das ist aber auch reiner Clickbait. Es gab kein Verbot, sondern nur eine Empfehlung, und von DDR ist vor Ort nichts zu sehen:

      https://www.sueddeutsche.de/bayern/erlanger-bergkirchweih-lieder-liste-debatte-ortsbesuch-reaktionen-wirte-musiker-li.3489410

  • Lemmy Caution 28. Mai 2026, 09:08

    o) Trumps Beliebtheit ist nun weiter abgestürzt. Ich schaue mir jede Woche die Seite über das Thema im Economist an. Insgesamt sehen wir nun 34% Zustimmung und 58% Ablehnung. Ein Delta von 24 ist sehr hoch. Die aggregieren mehrere Poll. Vor allem haben die eine Graphik der US Bundesstaaten. Die Ablehnung wuchs kontinuierlich „across the bord“.
    In einem Staat nach dem anderen wechselte die Wertung von Trumps auf Ablehnung. Letzte Woche verlor Trump die letzten Reste im Süden. Mehrheiten gibt es nur noch in West Virginia und in der dünn besiedelten nordwestlichen Prärie bis zu den Rocky Mountains, d.h. Idaho, Wyoming und North Dakota, wobei es in North Dakota auch eng wird. Ich nenne diesen Bereich „Yellowstone Corner“. North Dakota liegt etwas westlich vom grossen Park.
    Die Summe der Einwohnerzahl dieser Staaten (5,1 Mio) ist niedriger als die von Alabama oder Wisconsin alleine. 24 US Bundesstaaten haben mehr oder gleichviel Einwohner wie diese 4 Trump States.
    https://www.economist.com/interactive/trump-approval-tracker

    • sol1 28. Mai 2026, 19:55

      Auch im Aggregator von G. Elliott Morris (Ex-FiveThirtyEight) liegt Trump bei -24 Prozentpunkten:

      https://fiftyplusone.news/polls/approval/president

      „24 US Bundesstaaten haben mehr oder gleichviel Einwohner wie diese 4 Trump States.“

      Um es in Wahlleute umzurechnen – das wären 15 Stimmen im Electoral College.

      • Lemmy Caution 28. Mai 2026, 20:44

        Ist natürlich die Frage, wieviel Trump-Ablehner bei den midterm elections dann doch ihren republikanischen Kandidaten wählen.

        Trump brachte wie Milei, Kast in Chile, Meloni und Sanae Takaichi in Japan einen neuen Diskurs, der erstmal gut beim Wähler ankam. Wie dauerhaft dieser Umschwung ist, wird sich zeigen.

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