John Dolan – They should have been hanged

John Dolan, bekannter unter seinem Alias „Gary Brecher, the War Nerd“, hat schon mehrere Essaysammlungen veröffentlicht, genauso wie eine brillante Ilias-Übertragung (beide hier besprochen). Nun liegt neu eine Essaysammlung zum Thema „Amerikanischer Bürgerkrieg“ vor, die der selbst erklärte „Hardcore Unionist“ unter den provokativen Titel „They should have been hanged“ stellt. Dolan alias Brecher alias War Nerd ist für seine politische Lager überschneidende, scharfe Rhetorik bekannt. Entsprechend kann man auch hier mit sehr klaren Meinungen rechnen, wenngleich in sehr unterhaltsamer Rhetorik und einem eigenen, sehr lesenswerten Stil, der sich natürlich auch an andere Nerds richtet. Wer nicht weiß, wer George McClellan oder was Shermans „March to the Sea“ war, wird vermutlich das eine oder andere Mal kopfkratzend zurückbleiben.

In Kapitel 1, „Monitor and Merrimack, my ironclad gods„, teilt Dolan seine Begeisterung für den Schlagabtausch zwischen den ersten beiden Panzerschiffen der Welt. Er sieht in ihren Designphilosophien ebenso wie in der Natur ihres Kampfs eine Metapher für die beiden Seiten des Bürgerkriegs. Während der Süden ein existierendes Schiff provisorisch umbaute und hoffte, dadurch den Krieg auf dem Mississippi mit einem Schlag entscheiden zu können, baute die Union ein komplett neues Design, effektiv das erste U-Boot. Der Kampf endete unentschieden, wie auch der Krieg selbst lange unentschieden war, unter anderem, weil beide Seiten nicht entschlossen genug und verwirrt waren.

Keine Verwirrung herrscht in Kapitel 2, „The Confederates who should’ve been hanged„, aus dem das Buch auch seinen Titel bezieht. Dolan lässt keinen Zweifel daran, dass die Reconstruction und ihr Ende eine Tragödie waren, eine Tragödie, weil sie es erlaubten, das südliche Terrorregime weitgehend unverändert wieder aufzubauen. Sein Argument ist, dass das durch einige gezielte Exekutionen hätte vermieden werden können und gibt auch gleich eine Kategorie der Leute vor, die er baumeln sehen wollte: nicht die Elite wie Jefferson Davis und Robert E. Lee; die hätten ohnehin abgewirtschaftet und seien keine Gefahr mehr gewesen. Eine Hinrichtung hätte sie vielmehr zu Märtyrern gemacht. Als traurige, abgedankte Gestalten ohne Einfluss seien sie mehr wert gewesen. Nein, Dolan argumentiert dafür, das „mittlere Managment“ heranzuziehen. Sein Kriterium: Leute ohne vorherige militärische Erfahrung, die im Krieg kometenhafte Aufstiege hingelegt hatten. Sie seien die reale Gefahr, und Nathan Bedfort Forrest, William Quandrill oder William T. Anderson seien Paradebeispiele dafür. Sie seien es schließlich gewesen, die nach dem Krieg für Jahrzehnte massiven Schaden angerichtet hatten.

Das dritte Kapitel, „The diary of Adam Gurowski„, räumt mit dem Mythos auf, die Leute damals hätten es nicht besser gewusst. Gar nicht so sehr übrigens mit der Sklavereifrage; deren moralischen Unvertretbarkeit nimmt Dolan quasi als gegeben an, und es gab damals ja genügend Abolitionist*innen. Vielmehr konzentriert sich Dolan hier auf die erste Phase des Krieges, in der die Union quasi mit einem auf den Rücken gebundenen Arm kämpfte, da sie das Eigentum der Südstaaten schützte und von einer beherzten Kampagne gegen den Süden absah. Diese Kritik zieht sich wie ein Roter Faden durch das Buch: hätte die Union 1861/62 entschlossen reagiert, hätte viel Leid verhindert werden können. Anhand des Tagebuchs von Adam Gurowski, einem polnischen Immigranten mit Erfahrung aus der niedergeschlagenen polnischen Rebellion von 1830, zeigt er, wie vor allem Immigranten einen wesentlich klareren Blick auf die Umstände gehabt hätten als die Leute vor Ort.

Kapitel 4, „Yes, they were traitors: John Logan’s Great Conspiracy„, belegt anhand einer im 19. Jahrhundert von John Logan erstellten Quellensammlung, dass vor allem South Carolina von Beginn an auf eine Sezession hinarbeitete, um die Sklaverei zu erhalten und dass alle anderen Argumente Nebelkerzen waren. Diese Sezessionsabsichten bestanden in dem Staat bereits seit dem frühem 19. Jahrhundert und wurden in Dolans Erzählung in der Nullifikationskrise vor allem durch die glaubhafte Drohung Andrew Jacksons, Gewalt anzuwenden, verhindert, eine Glaubwürdigkeit, die Buchanan und auch Lincoln nicht besaßen. Auch hier findet sich ein Roter Faden in Dolans Buch: South Carolina war das Herz der Konföderation, der radikalste Staat (was er unter anderem daran festmacht, dass er als einziger keine Einheit auf der Unionistenseite besaß) und hätte entsprechend harsch behandelt werden müssen.

Das fünfte Kapitel, „McClellan: Top of his class„, befasst sich sowohl mit dem unionistischen Oberkommandanten als auch mit West Point. Dolan postuliert eine generelle Inkompetenz McClellans, die er auf die Ausbildung von Offizieren in West Point zurückführt: nicht nur hätte diese Ingenieure vor relevanten militärischen Kompetenzen bevorzugt, sondern auch einen Esprit de Corps in den Idealen des Südens geschaffen, der sich verheerend ausgewirkt habe. Ebenfalls um West Point geht es in Kapitel 6, „Poe at West Point„. Edgar Allan Poe hatte die Akademie ebenfalls besucht, war aber aus gesundheitlichen Gründen ausgeschieden. Seine Erfahrungen nimmt Dolan weitgehend als Beleg für seine Thesen aus dem vorherigen Kapitel.

Kapitel 7, „A traitor writes home: McClellan’s Harrison Landing letter„, kehrt wieder zu McClellan zurück. In seiner typisch polarisierenden Zuschreibung sieht er auch in ihm einen Verräter an der Sache der Union: McClellan habe mehr Sympathien für den Süden gehabt als für den Norden. Nachdem er durch militärische Inkompetenz die Peninsula Campaign verhagelt hatte, schrieb McClellan den „Harrison Landing Letter“ an Lincoln, in dem er diesem Bedingungen für die Politik gegenüber dem Süden zu diktieren versuchte. Das war im besten Fall Subordination; angesichts des Inhalts des Briefes, in dem McClellan versuchte, Lincoln von einem Fortsetzen des Kampfs abzubringen, geht Dolan aber einen Schritt weiter und spricht von Verrat. Er unterstellt McClellan (wohl nicht zu Unrecht), dass dieser sich allzugerne als Diktator inszeniert hätte, aber die Inkompetenz des Generals verhinderte dies glücklicherweise.

Einen harmloseren Fall von Inkompetenz behandelt Kapitel 8, „Worst battle speech ever„. Ein Bataillonskommandeur erklärte seiner Einheit, dass die Mission, die man ihnen gegeben habe, völliger Selbstmord sei und sie keine Chance hätten. Dass der Kommandeur seinen Befehl falsch verstanden hatte war nur noch die Kirsche auf diesem Scheißhaufen. Dolan nutzt das für einen Blick auf das Personal des Nordens und wie es ausgewählt wurde: viele der Kommandeure hatten keine relevanten Kompetenzen und wurden auch relativ schnell (bis Ende 1862) durch solche ausgetauscht, die sie hatten. In meinen Augen verpasst Dolan hier die Chance, diesen Faktor des US-Militärs – seine Fähigkeit zur Beförderung kompetenten Personals, auch Außenseitern, und das Feuern von Nieten – lobend hervorzuheben, bedenkt man, wie viele Armeen sich schwer damit tun.

Im neunten Kapitel, „Arm the slaves? The Confederacy would rather die„, belegt John Dolan, dass die rassistische Ideologie der Sklaverei den Südstaaten so zentral, so wichtig war, dass das Projekt der Konföderation lieber untergehen sollte als dass sie ihren Staat verteidigten, indem sie die Sklaven bewaffneten. Wäre das Argument, dass es um „states‘ rights“ gegangen wäre oder irgendetwas anderes als einen mörderischen Krieg zur Aufrechterhaltung eines rassistischen Systems, stichhaltig, so hätte das nicht passieren dürfen.

Das Thema aus den McClellan-Artikeln, dass die Union den Krieg anfangs nicht entschlossen führte, spielt auch in Kapitel 10, „Turchin’s trial: The shift to hard war„, die zentrale Rolle. Der Unionskommandeur Turchin wurde vor ein Kriegsgericht gestellt, weil er die Anweisung nicht befolgt hatte, die Sklaven an ihre Besitzer zurückzugeben, sondern sie befreite. Der Prozess fiel genau in die Zeit, als sich in der Union die Einsicht durchzusetzen begann, dass der zivilisierte Krieg gegen die Südstaaten nur Tote und Leid brachte und dass es notwendig war, Krieg gegen das ganze Unrechtssystem zu führen; die Vorwürfe gegen Turchin wurden deswegen auch still und leise fallengelassen und Turchin befördert.

Die wesentlich bekanntere Folge dieses Strategiewechsels war die in Kapitel 11, „Why Sherman was right to burn Atlanta„, thematisierte Zerstörung Atlantas durch Sherman. Für die Apologet*innen des Südens ist es DAS Verbrechen des Nordens (man denke an „Vom Winde verweht“), für Dolan einfach nur militärischer Realismus: Atlanta war ein Widerstandszentrum des Feindes, und hätte Sherman es nicht niedergebrannt, hätte in seinem Rücken eine riesige Gefahr dargestellt. Auch das Niederbrennen der Plantagenvillen sieht Dolan als völlig korrekte Maßnahme, die, drei Jahre vorher konsequent angewandt, den Krieg signifikant hätte verkürzen können.

Kapitel 12, „Keep the home fires burning: Civil War arson„, befasst sich mit einem eher farcischen Aspekt des Bürgerkriegs: der gezielten Brandstiftung zum Schädigen des Feindes. In Städten des Südens wie des Nordens versuchten Brandstifter, den Krieg dadurch zu beeinflussen, dass sie Feuer legten, was angesichts der Holzstrukturen recht Erfolg versprechend war. Umso erstaunlicher ist das Scheitern einer Gruppe Konföderierter in Manhattan, denen es trotz mehrerer Versuche nicht gelang. Dolan kommt außerdem zu dem Schluss, dass im Süden vor allem Sklaven für die Brandlegungen verantwortlich waren, was zeigt, dass diese durchaus eine aktive Hand in ihrer eigenen Befreiung hatten.

Wie Edgar Allan Poe hat auch Mark Twain biografische Bezüge zum Bürgerkrieg, die in Kapitel 13, „Twain at war„, dargestellt werden. Twain entzog sich durch Auswanderung dem Kriegsdienst, was er später, auf dem Höhepunkt seiner literarischen Berühmtheit, rechtfertigen musste. Dies tat er in einem bemerkenswerten Aufsatz, in dem versuchte, allen Seiten gerecht zu werden. Dieses Bedürfnis des trieb vermutlich auch Ron Chernow an, der eine Biografie von Ulysses S. Grant schrieb, die Dolan in Kapitel 14, „Chernow’s Grant: The big plithed plinth„, fachgerecht in der Luft zerreißt, weil sie in seinen Augen die völlig falschen Schwerpunkte setzt. Für Dolan ist das vor allem ein Zeichen dafür, wie oft aktuelle Wertemodelle auf das 19. Jahrhundert übertragen werden, weil es unmöglich sei, mit diesen die Personen von damals zu verstehen.

Aus den Tagebüchern von Frauen handelt Kapitel 15, „The home front„, anhand derer Dolan aufzeigen möchte, wie manche Frauen den Krieg erlebt haben. Die Auswahl von drei Tagebüchern, von denen aber nur zwei einigermaßen detailliert besprochen werden und nur eines einigermaßen repräsentativ ist, lässt dieses Ziel aber schnell über den Horizont wegrutschen; die interessantesten Hinweise kommen bezeichnenderweise über den Umgang mit den Bushwackern in Kentucky, die mit der Situation der Frauen kaum zu tun haben. Dolans eingeschränkter militärischer Blick wirkt hier sehr limitierend.

Viel aussagekräftiger ist Kapitel 16, „Checking in on the Lost Cause, 156 years later„. Anhand einer Kolumne von Helen Andrews aus dem American Conservative, einem Magazin, für das Dolan oft genug selbst geschrieben hat, zeigt er, dass selbst heute krasse Unkenntnis über den Krieg und Lost-Cause-Romantik verbreitet sind, was seinem Anliegen, einen klaren Gegenpunkt zu schaffen, eine eigene Dringlichkeit gibt. Ähnlich ist auch Kapitel 17, „Speaking of monuments that need sledgehammers…„, angelegt, in dem Dolan den moralischen Bankrott der Lost-Cause-Anhänger*innen an der Stele für den Kommandanten für Andersonville Prison aufzeigt, das er offen als „Death Camp“ bezeichnet, weil es der Ermordung unionistischer Gefangener gedient habe.

Ich mag es, dass Dolan eine klare moralische Haltung vertritt und Geschichte durch diese Linse beobachtet. Allzu oft verstecken sich Analysierende viel zu sehr hinter der scheinbaren Neutralität ihrer Haltung. Aber die nur leicht hyperbolische Haltung Ulysses S. Grants, dass die Sache des Südens „one of the worst… causes for which a people ever fought, and one for which there was the least excuse“ gewesen sei, ist eine, die leider in der Zeit nach dem Bürgerkrieg verloren ging – und Dolans Vorwurf, dass dies an der Weichheit des Nordens um Umgang mit dem Süden gelegen hätte, dem schier endlosen Verständnis, das man einer verkommenen Pflanzer-Elite entgegengebracht habe, entbehrt nicht einer gewissen Grundlage. Die USA wären auch heute ein besseres Land, hätte ein vernünftiges Reckoning mit dieser Vergangenheit stattgefunden (siehe auch hier). Ich wäre gespannt, was Dolan zur deutschen Vergangenheitspolitik zu sagen hätte.

Man darf sich dabei aber nicht einbilden, Dolan sei Historiker. Dass er gelegentlich eine Fußnote bringt und aus Quellen zitiert, sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass seine Quellenbasis dafür viel zu schmal ist (er belegt sehr weitreichende Schlüsse aus einem sehr selektiven Lesen der Quellen). Mich erinnert er an Dan Carlin und seinen Podcast „Hardcore History„, der ein ähnliches Anliegen hat und ähnlich meinungsstark ist, der aber auch offen erklärt, kein Historiker zu sein. Dolan bietet hier ein Bewertungsraster, keine Analyse und schon gar nicht eine umfassende Erklärung. Dafür ist die Wissenschaft erforderlich, auch wenn man ihre berühmtesten Werke (looking at you, McPherson) durchaus kritisieren kann.

Was Dolan in jedem Fall mit Carlin gemeinsam hat ist die Wortgewalt. Zwar ist Dolans eigener Podcast bei weitem nicht so gut anzuhören wie Carlins, aber dafür ist seine Prosa über jeden Zweifel erhaben. Der Mann kann schreiben, jede Seite zieht einen in den Bann, sein Stil strahlt vor Energie. Alleine das vergnügliche Leseerlebnis ist es wert, sich das Buch zu besorgen, und besonders lang ist es auch nicht. Die etwas über 200 Seiten erreichen vor allem EXTREM großzügige Seitenränder und Seitenabstände, das Ding hätte gut auch bei Reclam erscheinen können.

Daher: Kaufempfehlung für alle einschlägig Interessierten. Bei Dolan kann sich irgendeine politische Richtung immer bestätigt und angepinkelt fühlen, der Mann ist sui generis und macht keine Gefangenen.

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Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Die „Fundstücke“ erhalten ausführlichere und thematisch gegliederte Hinführungen zu verschiedenen Artikeln aus den Weiten des Netzes dar. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels empfohlen; ich übernehme keine Garantie für die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Zusammenfassungen. Für den Bezug in den Kommentaren sind nummerierte Zwischenüberschriften eingezogen, bitte auf die referieren. Dazu gibt es die „Resterampe“, in der ich nur kurz auf etwas verweise, das ich zwar bemerkenswert fand, aber zu dem ich keinen größeren Kommentar abgeben kann oder will. Auch diese ist geordnet (mit Buchstaben), so dass man sie gegebenenfalls in den Kommentaren referieren kann. [continue reading…]

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Generationenwechsel in The Länd

Mein Eintrittsbändchen.

Die baden-württembergischen Landtagswahlen am 8. März präsentieren eine epochale Entscheidung: wird die aktuelle Koalition unter einem Ministerpräsidenten der CDU oder der Schwesterpartei der Grünen weitergeführt? Aber ohne die Lästereien über die Kontinuität im Land der Autobauer: selbst wenn es dem Herausforderer Manuel Hagel nicht gelingen sollte, den Topposten von Kretschmanns designiertem Nachfolger Cem Özdemir zu erobern, so ist der Wahlkampf doch unter dem Blick darauf, in welche Richtung sich die Seele der CDU entwickelt, von Relevanz. Manuel Hagel wäre, sollte er die Wahl gewinnen, der jüngste Ministerpräsident Deutschlands. Er wäre der erste Ministerpräsident, der jünger ist als ich, was allein schon Grund dafür ist, auf seine Niederlage zu hoffen und meine Illusionen über die eigene Jugendlichkeit noch eine Legislatur zu retten. Spaß beiseite: die Selbstinszenierung Hagels und seiner CDU geben Aufschlüsse über den Stand des Konservatismus in Deutschland, und natürlich interessiert mich das. Deswegen habe ich vergangenen Freitag die Chance genutzt, eine Wahlkampfveranstaltung Hagels in meinem Wahlkreis in Waiblingen zu besuchen und diese hier zu analysieren. [continue reading…]

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Christina Dongowski hat einen Bluesky-Thread voller Meinungen zu Kunst- und Literaturgeschichte geschrieben. Ich fand die spannend und wollte mir ihr darüber reden. Und wir haben da so viel zu reden, dass das hier nur Teil 2 sein kann. [continue reading…]

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Heinrich August Winkler – Deutungskämpfe. Der Streit um die deutsche Geschichte

Für die Geschichtswissenschaft mag Leopold von Ranke einmal das Ideal ausgegeben haben, sie solle Dinge darstellen, wie sie gewesen sind. Doch von dieser Idee hat sie sich schon lange emanzipiert, die Vorstellung einer objektiv zutreffenden Geschichtsdarstellung als naiven Mythos entlarvt. Geschichtswissenschaft ist immer auch ein Deutungskampf, Geschichtspolitik sowieso. Es ist deswegen lobenswert, wenn Heinrich August Winkler seinen Sammelband mit Essays aus sechs Jahrzehnten geschichtswissenschaftlicher Tätigkeit mit dem Titel „Deutungskämpfe“ versieht und so mit offenem Visier kämpft: er stellt sich der wissenschaftlichen Auseinandersetzung, streitlustig sicher, aber stets der wissenschaftlichen Methode verpflichtet und mit dem analytischen Blick des Historikers. Bekannt ist Winkler vor allem für sein Mammutwerk zur deutschen Geschichte, dem er den Übertitel des „langen Weg nach Westen“ gegeben hatte; eine klare Missionsansage. Die lange Zeitspanne der veröffentlichten Essays bringt notwendigerweise mit sich, dass ein guter Teil der Meinungskämpfe, in deren Verlauf diese Texte gehören, abgeschlossen ist. Das ist gar nicht so selbstverständlich, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Manche Debatten sind wahre Evergreens, während andere so sehr zum Konsens geworden sind, dass es aus heutiger Perspektive beinahe ulkig ist, dass sie einmal kontrovers waren. Winklers Sammelband ist somit auch eine historiografische Quelle, wenngleich kein Versuch einer entsprechenden Einordnung unternommen wird: diese müssen die Lesenden selbst leisten, und diese Rezension ist auch ein Experiment darin, das zu wagen. [continue reading…]

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Heinrich August Winkler – Deutungskämpfe. Der Streit um die deutsche Geschichte

Nazi-Soziologie

Zu den entscheidendsten Fragen jüngerer deutscher Geschichtsschreibung gehört die nach dem „Warum“. Warum kam Hitler an die Macht, und wie? Die konservativen Apologeten favorisierten lange eine Erklärung von der Wahl radikaler Spinner, die quasi allein verantwortlich waren, durch verelendete Massen. Doch bereits in den 1960er Jahren begann eine vor allem soziologisch unterfütterte Analyse Raum einzunehmen.

Den Anfang macht eine in Kapitel 10, „Warum die Bauern Hitler wählten„, erst 1963 auf Deutsch erschienen, aber bereits in den 1930er Jahren abgefasste Studie aus Schleswig-Holstein. Darin wurde herausgearbeitet, dass die Bauernschaft Schleswig-Holsteins viel entschiedener und umfänglicher dem Nationalsozialismus verfiel als andere Gruppierungen. Den Grund dafür sieht Winkler vor allem in den vormodernen patriarchalischen Strukturen, die auf dem Land auch zu dieser Zeit noch weitgehend herrschten. Diese Argumentation wird dann in seinen Betrachtungen der Sonderwegsthese später immer wieder aufgegriffen: für ihn ist der entscheidende Unterschied zwischen Deutschland und den westlichen Ländern der starke Agrarsektor mit seiner Adelselite und ihrer Beharrung auf vormodernen Strukturen, weswegen er auch wesentlich bereitwilliger einen Sonderweg zu erkennen bereit ist und von all seinen Kritikern einfordert, diesen Strukturunterschied anders zu erklären (was niemand zu seiner Zufriedenheit tun kann). Ich sehe an dieser Stelle eine leichte Schwäche in Winklers Argumentation, weil er in seiner Betonung des Industrialisierungsgrades Deutschlands – die ja wegen der Vergleichbarkeit zum Westen, von dem sich Deutschland sonderweglerisch entfernt – wirtschaftshistorische Erkenntnisse, etwa in Adam Toozes „Ökonomie der Zerstörung“ (hier besprochen) nicht vorkommen: Deutschland war eben wirtschaftlich nicht auf demselben Entwicklungsstand wie Großbritannien und sowieso nicht wie die USA. Dies modifiziert Winklers Argumentation aber eher, als dass es sie untergräbt.

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Die Bundestagswahl ist ein Jahr her, und Merz seit etwa einem Jahr Kanzler (nunja, fast). Grund genug, eine erste Bilanz zu ziehen vom Kabinett Merz I. Wir sprechen über enttäusche oder erfüllte Erwartungen und sprechen auch darüber, welchen realen Hintergrund die aktuellen Arbeitsweltdebatten haben. [continue reading…]

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Die neidische Erbengesellschaft

Wenn das Wachstum ausbleibt, sinken die Verteilungsspielräume und der Neid wächst. In dieser Phase der Missgunst befindet sich ein Deutschland, dessen Gesellschaft rapide altert und die Menschen nicht einsehen wollen, dass sie sich ändern müssen, wollen sie wohlhabend bleiben. Die Auswirkungen sind überall zu spüren: Der Finanzminister kommt weder mit Rekordeinnahmen noch mit Billionen Schuldenprogrammen aus, die Beamten kosten die Hälfte der Steuereinnahmen, die Krankenkassen verlangen einstmals als irrsinnig angesehene Beiträge und die Arbeitslosenzahlen bewegen sich trotz Rückgang der Erwerbstätigen Richtung Norden. Ein Staat, der mit dem Geld der Bürger nicht auskommt, hat zwei Optionen. Seltsamerweise scheidet die Kürzung von Leistungen für die Politikerkaste immer aus. So bleibt nur die Suche nach immer neuen Einnahmequellen. Und da gibt es keine Gefangenen. [continue reading…]

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Heinrich August Winkler – Deutungskämpfe. Der Streit um die deutsche Geschichte

Ostpreußische Adelige und andere Rechte

Mit dem von mir postulierten Wandel der Geschichtswissenschaft beschäftigt sich Winkler auch auf der Metaebene. In Kapitel 19, „Historiker in ihrer Gegenwart„, ist eine Reflexion Winklers über den Historikerkongress in Berlin von 1964 abgedruckt. Für den jungen Winkler war offenkundig, wie sehr sich die Geschichtswissenschaft einerseits methodisch weiterentwickelt hatte, entschieden weg von der früheren Personen- und Diplomatiegeschichte hin zu Wirtschafts- und Sozialgeschichte, wie sie aber auch ebenso entschieden von den typischen apologetischen Positionen etwa eines Gerhard Ritter abgekommen war. Die Deutungskämpfe der 1950er Jahre waren entschieden. Eine neue Generation von Historiker*innen habe eine klar wahrnehmbare „Linksschwenkung“ der Geschichtswissenschaft weg von konservativer Apologetik bewirkt, die Debatte sei von den Konservativen klar verloren worden. Genauso wie dies später beim Historikerstreit der Fall sein würde war diese Niederlage vor allem dadurch relevant und deswegen für eine neue Generation von Historiker*innen prägend, weil sie wissenschaftlich geschehen sei: ad fontes, auf Basis der Quellen, ließen sich die alten Deutungen nicht mehr halten. [continue reading…]

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