Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Die „Fundstücke“ werden mit einem Zitat aus dem Text angeteasert, das ich für meine folgenden Bemerkungen dazu für repräsentativ halte. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist meist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels erforderlich; ich fasse die Quelltexte nicht noch einmal zusammen. Für den Bezug in den Kommentaren sind die einzelnen Teile durchnummeriert; bitte zwecks der Übersichtlichkeit daran halten. Dazu gibt es die „Resterampe“, in der ich nur kurz auf etwas verweise, das ich zwar bemerkenswert fand, aber zu dem ich keinen größeren Kommentar abgeben kann oder will. Auch diese ist geordnet (mit Buchstaben), so dass man sie gegebenenfalls in den Kommentaren referieren kann. [continue reading…]

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Michael Seemann – Die Macht der Plattformen. Politik im Zeitalter der Internetgiganten

Wer erinnert sich noch an Napster? Ich bin ehrlich gesagt zu jung dafür. Ich hatte damals noch keinen eigenen Internetanschluss; meine ersten illegalen MP3-Downloads liefen bereits über eMule (Gratulation, wem das noch was sagt). Aber für einen kurzen Zeitraum von knapp zwei Jahren sah es so aus, als würde die MP3-Tauschbörse Napster die Musikindustrie revolutionieren oder gar völlig zerstören. Es war eine Plattform, die wie aus dem Nichts eine Milliardenindustrie anging und eine ungemeine Marktmacht erlangte. Dann schlug die Musikindustrie zurück, klagte Napster in Grund und Boden und beseitigte sie. Für Michael Seemann ist die Geschichte von Napster gewissermaßen prototypisch für die Entwicklung von Plattformen. Da diese heute unser Leben zu guten Teilen mitbestimmten, macht es absolut Sinn, sich mit diesen zu beschäftigen. Und Seemanns Buch ist dafür ein sehr guter Startpunkt. [continue reading…]

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Rotes Teflon, grüner Schwamm, gelbes Sieb

Olaf Scholz ist kein großer Kommunikator. Das nicht eben eine rasend neuartige Feststellung; wir wussten das schon, ehe er Kanzlerkandidat der SPD wurde. Christine Lambrecht hat kein besonders Interesse an der Bundeswehr gehabt, bevor sie Verteidigungsministerin wurde, und wäre lieber Justizministerin geblieben, was wegen Koalitionsarithmetik nicht ging. Die Partei hatte schon lange Zeit ein eher problematisches Verhältnis zu Russland, Putin und Gasprom. Gerhard Schröder betrieb schamlosen Lobbyismus spätestens, als er die Schlüssel zum Kanzleramt abgab, und wahrscheinlich schon davor. Ein stabiler Wahlkampf und ein sehr unstabiler Wahlkampf seiner beiden Gegner*innen verhalfen Scholz dann überraschend nach 16 Jahren Merkelregierung zum Einzug in eben jenes Kanzleramt. Abgesehen von Wirecard ist bislang alles an bekannten Schwächen der SPD aufs Tablett gekommen – und in den Umfragen ist davon praktisch nichts zu spüren. Was ist da los? [continue reading…]

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Bob Blume – Deutschunterricht digital

Disclaimer: Der Autor ist mir persönlich bekannt und hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Wenn irgendetwas dran ist, dass Niccolo Machiavelli jemals dazu geraten hat, Grausamkeiten am Anfang zu begehen (zumindest behauptete das Oskar Lafontaine, und wer bin ich, am Wort eines so integren Ehrenmannes zu zweifeln?), dann ist Bob Blume ein gelehriger Schüler des Ahnherren der Politkberatung. Bevor er zu den Schmankerln kommt, müssen sich geneigte Lesende durch anspruchsvolle Theorie beißen – eine Effekt, den der Autor so beabsichtigt hat, wie er mir gegenüber freimütig bekannte. Per aspera ad astra! Das mag sich wie Kritik anhören, aber es ist nicht so gemeint. Blume hat durchaus Recht: manchmal ist es einfach notwendig, sich auch mit komplexeren Sachverhalten zu beschäftigen. Und es ist auch nicht seine Schuld, dass ich mich mit Fachdidaktik seit dem Referendariat kaum mehr beschäftigt habe, ein peinliches Versäumnis, das aufzuholen ich hiermit feierlich gelobe. Möge mit diesem Buch der Anfang gemacht sein. Was aber verbirgt sich zwischen den Pappdeckeln? Jedenfalls keine Explosion quadratischen Konfettis, auch wenn der Einschlag dies suggeriert. Es wäre allerdings ein Knalleffekt gewesen; vielleicht ein bedenkenswertes Feedback für die zweite Auflage. [continue reading…]

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John Green – Das Schicksal ist ein mieser Verräter

Ich hatte John Greens preisgekrönten Roman schon ewig und drei Tage auf meiner Leseliste. Ich erinnere mich, ihn anno 2015 in der neunten Klasse lesen zu wollen, aber damals fiel die Entscheidung dann doch auf „Die Tribute von Panem“ (hier besprochen). Seither hatte ich keine neunte Klasse mehr, und dieses Jahr bleibt mir nicht mehr genug Zeit, so dass ich mich aus einer Laune heraus entschloss, das Buch einfach für mich persönlich zu lesen und abends im Bett zu lesen begann. Als ich endlich das Licht ausschaltete, war ich halb durch, und am nächsten Morgen habe ich es vollends beendet. Nun bereue ich erst recht, so wenig Zeit übrig zu haben, und plane schon, wie ich das Ding nächstes Jahr in den Stoffverteilungsplan unterbringen kann. Aber ich schweife ab. Das Buch ist absolut großartig und lohnt die Lektüre unbedingt. [continue reading…]

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Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Die „Fundstücke“ werden mit einem Zitat aus dem Text angeteasert, das ich für meine folgenden Bemerkungen dazu für repräsentativ halte. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist meist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels erforderlich; ich fasse die Quelltexte nicht noch einmal zusammen. Für den Bezug in den Kommentaren sind die einzelnen Teile durchnummeriert; bitte zwecks der Übersichtlichkeit daran halten. Dazu gibt es die „Resterampe“, in der ich nur kurz auf etwas verweise, das ich zwar bemerkenswert fand, aber zu dem ich keinen größeren Kommentar abgeben kann oder will. Auch diese ist geordnet (mit Buchstaben), so dass man sie gegebenenfalls in den Kommentaren referieren kann. [continue reading…]

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Rezension: Bob Blume – Zehn Dinge, die ich an der Schule hasse: Und wie wir sie ändern können

Disclaimer: Ich bin mit dem Autor bekannt und habe ein Rezensionsexemplar erhalten.

Vor rund 20 Jahren machte ein Buch über die Schule Furore, das den Titel „Das Lehrer-Hasser-Buch“ trug. Der Name war Programm; das Pamphlet enthielt vor allem anekdotische Klagen einer Mutter über das, was sie alles ganz schrecklich fand. Die Autorin tingelte damals durch Talkshows, und für einen Nachrichtenzyklus gab sich die Republik genussvoll dem Lehrkräfte-Bashing hin. Man könnte denken, dass Bob Blumes Buch durch die Ähnlichkeit im Titel auch so ein Pamphlet wäre. Aber da wäre man weit gefehlt. Blume ist einerseits wesentlich interessierter an einer konstruktiveren Auseinandersetzung. Und er bringt dafür den Blick von innen mit. Denn Bob Blume ist nicht nur selbst Lehrer, sondern auch ein didaktischer Vordenker im Bereich der Modernisierung und Digitalisierung von Schulen. [continue reading…]

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Seit Jahrzehnten gilt es als en vogue, die angeblichen Benachteiligungen von Frauen im öffentlichen, beruflichen wie privaten Leben zu ins Zentrum gesellschaftlicher Diskussionen zu rücken. In der Folge wurden zahlreiche gesetzliche Regulierungen geschaffen mit dem einzigen Ziel, den gesetzlichen Salomon zu Lasten der Männer zu beeinflussen, geschlechtsspezifischer Lobbyismus camoufliert sich als Frauenförderung. Die Schlagseite des Diskurses geht längst weiblichen Kombattanten so gegen den Strich, dass sie in ihrer Parteinahme die Sachlage ein Stück geraderücken. Und aus der privaten Perspektive wirken die Argumente der Vorkämpfer für die weibliche Sache stark verfälschend. [continue reading…]

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Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Die „Fundstücke“ werden mit einem Zitat aus dem Text angeteasert, das ich für meine folgenden Bemerkungen dazu für repräsentativ halte. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist meist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels erforderlich; ich fasse die Quelltexte nicht noch einmal zusammen. Für den Bezug in den Kommentaren sind die einzelnen Teile durchnummeriert; bitte zwecks der Übersichtlichkeit daran halten. Dazu gibt es die „Resterampe“, in der ich nur kurz auf etwas verweise, das ich zwar bemerkenswert fand, aber zu dem ich keinen größeren Kommentar abgeben kann oder will. Auch diese ist geordnet (mit Buchstaben), so dass man sie gegebenenfalls in den Kommentaren referieren kann. [continue reading…]

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Franziska Schutzbach – Die Erschöpfung der Frauen: Wider die weibliche Verfügbarkeit

Der Titel dieses Buches mag für die eine oder ander gerunzelte Stirn sorgen. „Wider die weibliche Verfügbarkeit“? Was ist damit gemeint? Franziska Schutzbach bietet in ihrem bemerkenswerten Buch die These an, dass die Frauen unter einer kollektiven Erschöpfung leiden, die Folge der von ihnen erwarteten, eingeforderten und auch bereitgestellten ständigen Verfügbarkeit sei. Sie wendet sich gegen diese Verfügbarkeit, sowohl in dem Sinne, dass Frauen aufhören müssten, sich selbst ständig verfügbar zu machen, als auch von den Männern im Speziellen und der Gesellschaft im Allgemeinen, dass sie aufhören möge, diese ständig einzufordern. Das Buch ist lose in sieben große Kapitel gegliedert, die von der Autorin aus problemlos getrennt voneinander gelesen werden können; sie spricht von einer „essayistischen Struktur“. Es enthebt sie auch der lästigen Pflicht, dem Ganzen einen übergeordneten Roten Faden zu verpassen, aber das tut der Qualität der in den Kapiteln enthaltenen Gedanken glücklicherweise keinen Abbruch. [continue reading…]

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Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Die „Fundstücke“ werden mit einem Zitat aus dem Text angeteasert, das ich für meine folgenden Bemerkungen dazu für repräsentativ halte. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist meist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels erforderlich; ich fasse die Quelltexte nicht noch einmal zusammen. Für den Bezug in den Kommentaren sind die einzelnen Teile durchnummeriert; bitte zwecks der Übersichtlichkeit daran halten. Dazu gibt es die „Resterampe“, in der ich nur kurz auf etwas verweise, das ich zwar bemerkenswert fand, aber zu dem ich keinen größeren Kommentar abgeben kann oder will. Auch diese ist geordnet (mit Buchstaben), so dass man sie gegebenenfalls in den Kommentaren referieren kann. [continue reading…]

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Bücherliste April 2022

Anmerkung: Dies ist einer in einer monatlichen Serie von Posts, in denen ich die Bücher und Zeitschriften bespreche, die ich in diesem Monat gelesen habe. Darüber hinaus höre ich eine Menge Podcasts, die ich hier zentral bespreche, und lese viele Artikel, die ich ausschnittsweise im Vermischten kommentiere. Ich erhebe weder Anspruch auf vollständige Inhaltsangaben noch darauf, vollwertige Rezensionen zu schreiben, sondern lege Schwerpunkte nach eigenem Gutdünken. Wenn bei einem Titel sowohl die englische als auch die deutsche Version angegeben sind, habe ich die jeweils erstgenannte gelesen und beziehe mich darauf. In vielen Fällen wurden die Bücher als Hörbücher konsumiert; dies ist nicht extra vermerkt. Viele Rezensionen sind bereits als Einzel-Artikel erschienen und werden hier zusammengefasst.

Diesen Monat in Büchern: Experiment, Wilson, Gorbatschow, Potsdam, Spartacus, Kaiser, Wehrdienstverweigerung, Kiesow, Faust, GIs, Alltagsgeschichte

Außerdem diesen Monat in Zeitschriften: Geschlechtergerechte Sprache [continue reading…]

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Rezension: Kai Frerich – Als das Rad zerbrach

Kai Frerich – Als das Rad zerbrach

Vor 25 Jahren starb Ulrich Kiesow, viel zu früh im Alter von nur 48 Jahren an den Spätfolgen seines zwei Jahre zuvor erlittenen Herzinfarkts. Einige geneigte Lesende dieses Blogs mögen sich jetzt fragen, wer Ulrich Kiesow war und warum sie noch nie von diesem wichtigen Menschen gehört haben, dem hier ein ganzer Erinnerungsband gewidmet wurde. Das liegt vermutlich daran, dass einer der kulturellen Meilensteine der jüngeren deutschen Geschichte verpasst wurde: das Fantasy-Rollenspiel „Das Schwarze Auge“, kurz DSA. Ulrich Kiesow erschuf es in meinem Geburtsjahr 1984, was es mir leicht macht, das Alter des Spiels nachzuverfolgen. Ich selbst spiele es seit dem 25. Dezember 2000. Den 1997 verstorbenen Kiesow habe ich offensichtlich nie kennengelernt. Aber er hat mich zutiefst mitgeprägt, denn angefangen habe ich mit der dritten Edition von 1993. [continue reading…]

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Bohrleute 20: Männer, Frauen, kennste kennste?

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Rezension: Hannah Brinkmann – Gegen mein Gewissen

Hannah Brinkmann – Gegen mein Gewissen

Die Wiedereinführung der Wehrpflicht führte in den 1950er Jahren, zusammen mit der Debatte um die atomare Bewaffnung der Bundeswehr, zu den ersten großen Protesten der Bundesrepublik („Ohnemich-Bewegung“). Begründet wurde die Einführung unter andem absurderweise mit dem Argument, dass das Recht auf Wehrdienstverweigerung, das im Grundgesetz festgeschrieben war, die Einführung der Wehrpflicht quasi bedinge. Ungeachtet solcher juristischen Spitzfindigkeiten sprachen handfeste außenpolitische Gründe dafür, und so kam die Wehrpflicht 1956. Das Recht auf Verweigerung dagegen blieb ein weitgehend theoretisches. Wie die Entscheidung gegen den Wehrdienst selbst in den 1970er Jahren zu massiven Repressionsmaßnahmen und Tragödien führte, zeigt Hannah Brinkmann in dieser als Comic illustrierten Familiengeschichte ihres Onkels Herrmann auf. [continue reading…]

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