by Stefan Sasse
on 9. Februar 2026
Heinrich August Winkler – Deutungskämpfe. Der Streit um die deutsche Geschichte
Für die Geschichtswissenschaft mag Leopold von Ranke einmal das Ideal ausgegeben haben, sie solle Dinge darstellen, wie sie gewesen sind. Doch von dieser Idee hat sie sich schon lange emanzipiert, die Vorstellung einer objektiv zutreffenden Geschichtsdarstellung als naiven Mythos entlarvt. Geschichtswissenschaft ist immer auch ein Deutungskampf, Geschichtspolitik sowieso. Es ist deswegen lobenswert, wenn Heinrich August Winkler seinen Sammelband mit Essays aus sechs Jahrzehnten geschichtswissenschaftlicher Tätigkeit mit dem Titel „Deutungskämpfe“ versieht und so mit offenem Visier kämpft: er stellt sich der wissenschaftlichen Auseinandersetzung, streitlustig sicher, aber stets der wissenschaftlichen Methode verpflichtet und mit dem analytischen Blick des Historikers. Bekannt ist Winkler vor allem für sein Mammutwerk zur deutschen Geschichte, dem er den Übertitel des „langen Weg nach Westen“ gegeben hatte; eine klare Missionsansage. Die lange Zeitspanne der veröffentlichten Essays bringt notwendigerweise mit sich, dass ein guter Teil der Meinungskämpfe, in deren Verlauf diese Texte gehören, abgeschlossen ist. Das ist gar nicht so selbstverständlich, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Manche Debatten sind wahre Evergreens, während andere so sehr zum Konsens geworden sind, dass es aus heutiger Perspektive beinahe ulkig ist, dass sie einmal kontrovers waren. Winklers Sammelband ist somit auch eine historiografische Quelle, wenngleich kein Versuch einer entsprechenden Einordnung unternommen wird: diese müssen die Lesenden selbst leisten, und diese Rezension ist auch ein Experiment darin, das zu wagen. [continue reading…]
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by Stefan Sasse
on 5. Februar 2026
Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Die „Fundstücke“ erhalten ausführlichere und thematisch gegliederte Hinführungen zu verschiedenen Artikeln aus den Weiten des Netzes dar. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels empfohlen; ich übernehme keine Garantie für die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Zusammenfassungen. Für den Bezug in den Kommentaren sind nummerierte Zwischenüberschriften eingezogen, bitte auf die referieren. Dazu gibt es die „Resterampe“, in der ich nur kurz auf etwas verweise, das ich zwar bemerkenswert fand, aber zu dem ich keinen größeren Kommentar abgeben kann oder will. Auch diese ist geordnet (mit Buchstaben), so dass man sie gegebenenfalls in den Kommentaren referieren kann. [continue reading…]
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by Stefan Sasse
on 3. Februar 2026
Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Die „Fundstücke“ erhalten ausführlichere und thematisch gegliederte Hinführungen zu verschiedenen Artikeln aus den Weiten des Netzes dar. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels empfohlen; ich übernehme keine Garantie für die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Zusammenfassungen. Für den Bezug in den Kommentaren sind nummerierte Zwischenüberschriften eingezogen, bitte auf die referieren. Dazu gibt es die „Resterampe“, in der ich nur kurz auf etwas verweise, das ich zwar bemerkenswert fand, aber zu dem ich keinen größeren Kommentar abgeben kann oder will. Auch diese ist geordnet (mit Buchstaben), so dass man sie gegebenenfalls in den Kommentaren referieren kann. [continue reading…]
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by Stefan Sasse
on 2. Februar 2026
So wie es aussieht, ist die Belagerung von Minneapolis weitgehend vorüber. Sie war der erste Lackmustest für Trumps neue Privatarmee, die massiv ausgeweitete Immigrations and Customs Enforcement (ICE). Das Ziel war eminent politisch: Minnesota, das vom demokratischen Gouverneur Tim Walz regiert wird, weigerte sich weitgehend, mit ICE zusammenzuarbeiten, wenngleich Walz immer betonte, dass der Staat kein sanctuary state sei, genauso wie Minneapolis nicht den Status einer sanctuary city besitzt; beides würde entsprechende Gesetzgebung voraussetzen, die undokumentierten Einwander*innen explizite Rechte einräumt. Die Nicht-Kooperation mit Bundesbehörden besitzt in den USA eine Tradition, die älter ist als die Verfassung, vor allem aber aus der Sklavereizeit bekannt ist: hier weigerten sich die Nordstaaten häufig, mit den Sklavenfängern des Südens zu kooperieren; nicht umsonst war der Fugitive Slave Act, der sie dazu zwang, einer der zentralen Auslöser des Bürgerkriegs. Umgekehrt hatten die Südstaaten jahrzehntelang alle Gesetze und Maßnahmen zur Gleichstellung der Schwarzen verhindert; erst 100 Jahre nach dem Dreizehnten Verfassungszusatz errangen sie dank der Bürgerrechtsbewegung die (rechtliche) Gleichstellung, die freilich in republikanisch regierten Bundesstaaten bis heute hintertrieben wird. [continue reading…]
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by Stefan Sasse
on 29. Januar 2026
Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Die „Fundstücke“ erhalten ausführlichere und thematisch gegliederte Hinführungen zu verschiedenen Artikeln aus den Weiten des Netzes dar. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels empfohlen; ich übernehme keine Garantie für die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Zusammenfassungen. Für den Bezug in den Kommentaren sind nummerierte Zwischenüberschriften eingezogen, bitte auf die referieren. Dazu gibt es die „Resterampe“, in der ich nur kurz auf etwas verweise, das ich zwar bemerkenswert fand, aber zu dem ich keinen größeren Kommentar abgeben kann oder will. Auch diese ist geordnet (mit Buchstaben), so dass man sie gegebenenfalls in den Kommentaren referieren kann. [continue reading…]
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by Stefan Sasse
on 28. Januar 2026
Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Die „Fundstücke“ erhalten ausführlichere und thematisch gegliederte Hinführungen zu verschiedenen Artikeln aus den Weiten des Netzes dar. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels empfohlen; ich übernehme keine Garantie für die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Zusammenfassungen. Für den Bezug in den Kommentaren sind Zwischenüberschriften eingezogen, bitte auf die referieren. Dazu gibt es die „Resterampe“, in der ich nur kurz auf etwas verweise, das ich zwar bemerkenswert fand, aber zu dem ich keinen größeren Kommentar abgeben kann oder will. Auch diese ist geordnet (mit Buchstaben), so dass man sie gegebenenfalls in den Kommentaren referieren kann. Alle Beiträge sind üblicherweise in der Reihenfolge aufgenommen, in der ich auf sie aufmerksam wurde. [continue reading…]
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by Stefan Sasse
on 23. Januar 2026
Ich komme gerade aus vielerlei Gründen nicht dazu, für alle Dinge, die ich lese, eigene Rezensionen zu erstellen. Deswegen lasse ich eine alte Tradition wieder aufleben und erstelle hier eine Übersicht über einige Titel, die ich in der letzten Zeit gelesen habe, mit einigen Anmerkungen. Die Titel dieser Liste wurden von September 2025 bis Januar 2026 gelesen. Alle Links führen zu Amazon; wenn ihr darüber bestellt, erhalte ich einen kleinen Anteil. Damit genug der Vorrede, los geht’s. [continue reading…]
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by Stefan Sasse
on 21. Januar 2026
Bob Blume – Lesen. Schreiben. Ein Plädoyer für ein besseres Miteinander
Ein Mensch lebt nur ein Leben, aber durch Bücher kann er tausende leben. So oder ähnlich geht jedenfalls das Sprichwort. Umso mehr gilt das natürlich für diejenigen, die schreiben. Sei es Belletristik, Lyrik oder Sachtext, wer schreibt, lebt weitere Leben, entwickelt sich weiter. Manche Menschen verspüren einen regelrechten Drang zu schreiben. Einer dieser Menschen ist Bob Blume. Man kann ihm nicht eben vorwerfen, damit hinterm Berg gehalten zu haben; bereits in seinen frühesten Blogeinträgen sprach er darüber, dass er stets das Bedürfnis zu schreiben und Geschriebenes zu veröffentlichen gespürt hat. Ich kann das nachempfinden; mir ging und geht es genauso. Dieser Blog ist nur ein sichtbarer Ausdruck davon, auch wenn ich den Aufkleber des Spiegel-Bestsellerautors eher als ferne Vision am Horizont habe. Für Bob lag es daher nur nahe, eine Metareflexion über das Lesen und Schreiben zu schreiben – und was es für das Verhältnis von uns Menschen bedeutend, den Schreibenden wie den Lesenden. [continue reading…]
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by Stefan Sasse
on 15. Januar 2026

Ich habe ein neues Format ausprobiert, bitte teilt mir mit, was ihr davon haltet.
Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Die „Fundstücke“ erhalten ausführlichere und thematisch gegliederte Hinführungen zu verschiedenen Artikeln aus den Weiten des Netzes dar. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels empfohlen; ich übernehme keine Garantie für die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Zusammenfassungen. Für den Bezug in den Kommentaren sind Zwischenüberschriften eingezogen, bitte auf die referieren. Dazu gibt es die „Resterampe“, in der ich nur kurz auf etwas verweise, das ich zwar bemerkenswert fand, aber zu dem ich keinen größeren Kommentar abgeben kann oder will. Auch diese ist geordnet (mit Buchstaben), so dass man sie gegebenenfalls in den Kommentaren referieren kann. Alle Beiträge sind üblicherweise in der Reihenfolge aufgenommen, in der ich auf sie aufmerksam wurde. [continue reading…]
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by Stefan Sasse
on 14. Januar 2026

Die USA rufen den regime change in Europa aus, wollen Grönland besetzen, entführen den venezuelanischen Präsidenten, erheben Anspruch auf absolute Dominanz „der westlichen Hemisphäre“ und mischen sich in Wahlen ein. Gleichzeitig besetzt eine schnell aufgebaute paramilitärische Faschotruppe Minneapolis und ermordet Zivilisten. Was ist da los? Ich diskutiere die Frage mit dem stets brillanten Alexander Clarkson vom King’s College London. [continue reading…]
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by Stefan Sasse
on 12. Januar 2026
Thomas E. Ricks – Waging a good war. A Military History of the Civil Rights Movement, 1954-1968 (Hörbuch)
Die Geschichte der Bürgerrechtsbewegung wird vor allem als eine bereinigte Feel-Good-Geschichte erzählt, in die sich die weiße Mehrheit mit hineinimaginieren kann. Ähnlich wie in Deutschland quasi alle im Widerstand waren und nur extrem böse Menschen Nazis waren, waren Segregationisten in den USA eine winzige, bösartige Minderheit, die merkwürdigerweise dennoch im ganzen Land die Gleichstellung der Schwarzen ein Jahrhundert lang nicht nur verhindert, sondern vor allem (aber bei weitem nicht nur) im Süden in mörderischer Gewalt gesichert hatte. In dieser Fantasieerzählung steht Rosa Parks im Bus nicht auf, hält Martin Luther King eine Rede in Washington, eventuell gibt es noch den Marsch über die Brücke in Selma, weil jemand den Film gesehen hat, und dann erkennen die Weißen die moralische Überlegenheit der Bürgerrechtsaktivisten an und der Rassismus wurde besiegt. Ähnlich wie 1945 die braunen Aliens wieder in die Raumschiffe stiegen, aus denen sie 1933 kamen, und auf Nimmerwiedersehen verschwanden. [continue reading…]
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by Stefan Sasse
on 8. Januar 2026
Evke Rulffes – Die Erfindung der Hausfrau. Geschichte einer Entwertung
Es dürfte inzwischen allgemein bekannt sein, dass die Hausfrau als Ideal der bürgerlichen Gesellschaft eine soziale Konstruktion ist, die in früheren Epochen kein Äquivalent besitzt (und mangels einer bürgerlichen Gesellschaft auch nicht haben kann). Die Ubiquität der Hausfrau als Bezugspunkt weiblichen Rollenverständnisses vor allem im 19. und 20. Jahrhundert macht eine Beschäftigung mit ihren Ursprüngen umso interessanter. Wie so oft in der Geschichte ist die Annahme, dass etwas, das in einem Jahrhundert seine Blüte erlebte, seine Ursprünge im Jahrhundert davor besitzt, eine durchaus stabile. Evke Rulffes Werk über die „Erfindung der Hausfrau“ ist deswegen im 18. Jahrhundert verortet und betrachtet die Entwicklung einer spezifischen geschlechtlichen Arbeitsteilung, wie sie für unsere Gesellschaften fundamental werden sollte und im 21. Jahrhundert mehr und mehr in die Kritik gerät. Da man immer wissen sollte, woher man kommt, wenn man irgendwo hin geht, macht diese Beschäftigung auch großen Sinn. [continue reading…]
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by Stefan Pietsch
on 7. Januar 2026
Im letzten Teil dieser Serie über die Grundlagen unseres Wohlstandes, welche viele Deutsche nicht verstehen, geht es um die immer noch zu wenig beachteten Aspekte Energieversorgung und Mobilität. Sicher, sie sind in Politik und Medien präsent, aber hauptsächlich unter der Betrachtung eines Wolkenkuckucksheims. Nicht einmal die einfachsten Grundrechenarten legen Politiker, Journalisten und Bürger an. Wie sonst hätte es passieren können, dass sich das Land innerhalb einer Generation die höchsten Strompreise bei gleichzeitig steigender Abhängigkeit vom Ausland zulegt und der Selbstzerstörung seiner Bahn- sowie seiner Verkehrsinfrastruktur zu Lande und in der Luft mit beherzter Naivität widmet? [continue reading…]
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by Stefan Sasse
on 5. Januar 2026
Christoph Nonn – Zwölf Tage und ein halbes Jahrhundert
Es gibt zahlreiche Geschichten des Kaiserreichs, so dass es durchaus Sinn macht, über eine grundlegende Strukturierung nachzudenken, vor allem, wenn man nicht den Anspruch hat, diese Geschichte in allen Facetten umfassend, sondern etwas leichter verdaulich zu gestalten. Christoph Nonns strukturierendes Element ist es, sich zwölf Tage in dem halben Jahrhundert Existenz des Kaiserreichs herauszugreifen und an ihnen exemplarisch Elemente dieses widersprüchlichen Staates aufzugreifen. Dieses griffige und etwas populäre Konzept heißt aber nicht, dass der Band deswegen auf wissenschaftlichen Anspruch verzichten würde und müsste. Nonn ist ein Experte für sein Fachgebiet, der die Lesenden in einer leichter verdaulichen Weise an seinem Kenntnisreichtum teilhaben lässt. [continue reading…]
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by Stefan Pietsch
on 29. Dezember 2025
Die Essenzen jeder dynamischen Wirtschaft sind innovative Unternehmer und freies Kapital. Das ist nicht einfach ein alt-kapitalistischer Ansatz, vor allem reiben sich viele heute an dem Wort „Kapital“. Aber jeder Fußballfan weiß, das Kapital seines Herzensclubs läuft auf zwei Beinen, schießt Tore und bringt beim Verkauf viel Geld. Oder zumindest einen Top-Marktwert bei Transfermarkt.de. Gerade Start-ups mit viel Potential haben kaum Sachanlagen und außer Forderungen kein Vermögen und die Kapitalseite sieht ohnehin aus, dass es jedem ambitionierten Buchhalter die Tränen in die Augen treibt. Aber sie beschäftigen kluge (und teure) Köpfe, ihre Mitarbeiter sind hochmotiviert. Es ist Kapital, das nicht bilanziert und dennoch entscheidend ist. Die deutsche Politik verhält sich zum wichtigsten Aktivposten wie der dümmste Bauerntölpel. Es verachtet, was wichtig ist und verschleudert das wenige, das da ist. Mit seinen hohen Steuern raubt der Staat Bürgern und Unternehmen Lebenschancen. [continue reading…]
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