Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Die „Fundstücke“ erhalten ausführlichere und thematisch gegliederte Hinführungen zu verschiedenen Artikeln aus den Weiten des Netzes dar. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels empfohlen; ich übernehme keine Garantie für die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Zusammenfassungen. Für den Bezug in den Kommentaren sind nummerierte Zwischenüberschriften eingezogen, bitte auf die referieren. Dazu gibt es die „Resterampe“, in der ich nur kurz auf etwas verweise, das ich zwar bemerkenswert fand, aber zu dem ich keinen größeren Kommentar abgeben kann oder will. Auch diese ist geordnet (mit Buchstaben), so dass man sie gegebenenfalls in den Kommentaren referieren kann.
Fundstücke
1) Die CDU und der Konservatismus
Marc Felix Serrao ist so kurz davor, es zu verstehen. Er beklagt sich, dass in der politischen Mitte die SPD und die Grünen die Grenzen dessen markieren, was die CDU erreichen kann. No fucking shit. Das ist quasi die Definition der Mitte. Man kann natürlich seine eigene Position als „Mitte“ definieren und dann jammern, dass da keiner mehr ist, aber sonderlich hilfreich ist das nicht. Und Serrao ist ja schon innerhalb der Welt ein Rechtsausleger, und die Welt steht am rechten Rand der CDU. Diese Fehlwahrnehmung zeigt sich auch in der Demoskopie: In einer Umfrage des Stern sprach sich eine deutliche Mehrheit der Deutschen für einen Merkel-Kurs gegenüber einem Merz-Kurs aus. Nun ist das nur eingeschränkt relevant, weil natürlich Linke ersteren vor letzterem bevorzugen und die CDU ohnehin nicht wählen würden, aber die Zahlen sind tatsächlich nicht gut: für CDU-Anhänger*innen bevorzugen 60% den Merz-Kurs, aber diejenigen, die früher CDU wählten und jetzt nicht mehr, bevorzugen zu deutlich größeren Teilen das Merkel- vor dem Merzmodell. Die CDU verliert Wähler*innen an die Mitte, ganz egal, mit welchen Verrenkungen Ideologen wie Serrao das wegzudefinieren versuchen. Würde sie wenigstens Wählende von der AfD zurückgewinnen, wäre das eine andere Sache, aber nicht einmal hier hält eine Mehrheit den Merzkurs für besser als den Merkelkurs. Das zeigt natürlich nicht, dass die AfD-Leute sich Merkel zurückwünschen, sondern dass diese offensichtlich nicht für die CDU zurückzuholen sind, weil sie auch Merz nicht haben wollen. Die CDU kann diesen Leuten kein Angebot mehr machen. Die SPD gab sich ja gegenüber den an die LINKE verlorenen Wähler*innen lange der gleichen Illusion hin. – Eine historische Übersicht eines „gemäßigten Konservatismus“ gibt Claus Leggwie im Spiegel. Währenddessen beweist Ulf Poschardt, wie man mit immer weiterer Radikalisierung abstürzen kann.
2) Heizungsgesetz
CDU und SPD haben es geschafft: sie haben das Heizungsgesetz, das sie bereits in der letzten Legislaturperiode geschrieben haben und das Habeck entschärft hatte, ein weiteres Mal entschärft. Inzwischen ist es noch schrottiger als vorher. Sieht man einmal von der geradezu Orwell’schen (in der Wiederholung als Farce) Fähigkeit der CDU, das Ding als Habecks Heizungsgesetz zu framen, wo sie es selbst erfunden hat, ab, so fällt vor allem auf, wie handwerklich schlecht es gemacht ist. Wie Michael Bauchmüller in der SZ darlegt, führt das neue Gesetz dazu, dass die Mieter*innen deutlich stärker belastet werden; die Fossillobby hat einen weiteren Sieg errungen. Es ist leider ein typisches Resultat für CDU-SPD-Kompromisse: man nimmt das Schlechteste aus beiden Welten. Die CDU behält den Fokus auf den fossilen Energien, aber die SPD darf eine Verschärfung der CO2-Preise mit reinschreiben. Wir haben aber keinen Schutz für den Altbau von Oma, der den Ampel-Diskurs so vergiftete, noch haben wir einen Schutz für die Mieter*innen. Geschützt werden die Vermieter*innen und die Profite der Gasriesen. *slow clap* Die Verurteilung ist auch unisono: neben der verlinkten SZ wird es im Stern zerrissen, im Handelsblatt, im Spiegel, in der taz und in Capital. Eine solche breite Ablehnungsfront muss man erstmal hinbekommen.
3) Obama und Trump
In „The Week“ findet sich ein Artikel mit dem Titel „Why the White House didn’t see Trump coming„. Schon die Überschrift lässt sich leicht mit „because no one did“ beantworten. Im Artikel selbst wird eine Analyse von Interviews mit ehemaligen Obama-Staffern, die ergibt, dass sie Trump nicht als potenzielle politische Kraft betrachteten, als Beweis für deren Abgehobenheit betrachtet, was in dem Satz gipfelt „they refused to come to grips with the reality of the moment„. Ich kann solche Artikel auf den Tod nicht ausstehen, diese post-hoc-Besserwisserei. Niemand sah Trumps Kandidatur als eine ernsthafte Gefahr. Nicht bei den Democrats. Nicht in den Medien. Nicht in der Politikwissenschaft. Nicht bei den Republicans. Die schlechteste Art der Rückschau ist dieser teleologische Drang, einerseits alles als unvermeidlich zu sehen und dann Belege dafür zu finden, wo das bereits klar war (das Correspondent’s Dinner war 2011! Trumps Präsidentschaftskandidatur war 2015!) und andererseits so zu tun, als sei man selbst besser gewesen. Natürlich steht nirgends im Artikel, dass The Week das damals vorausgesehen hätte (und hatten sie nicht, sie gingen bis zuletzt mit weit über 80% Wahrscheinlichkeit in ihrem Tracker von einem Clintonsieg aus, ich hatte damals sogar deren Umfrageapp installiert!), aber die Art, wie dieser und andere Artikel des Genres geschrieben sind, lässt kaum einen anderen Schluss zu. Und da sind wir noch nicht mal bei der Frage, ob Trump Trump kommen sah! Denn dass der Mann von seinem Sieg überzeugt war, kann man wahrlich nicht behaupten. Es fehlt noch völlig eine Forschung zu der Frage, ab welchem Zeitpunkt eigentlich Trump einen ernsthaften Wahlkampf zu führen begann, aber es war sehr spät, und selbst dann nie richtig – was ja von zeitgenössischen Analyst*innen auch als Beleg Nummer 1 heran genommen wurde, ihn nicht ernstzunehmen.
4) Merz als Pinocchio
Ein Rentner wurde verurteilt, weil er Merz als Pinocchio dargestellt hat. In der Welt findet sich ein Plädoyer gegen das Beleidigungsgesetz, und ich denke, das Ding sollte echt entweder weg oder grundlegend reformiert werden, und besser heute als morgen. Ich denke, dass der Impetus dahinter nach wie vor relevant ist: die massiven Beleidigungen und Angriffe, die Politiker*innen teilweise zu erdulden hatten, hatten das akzeptable Maß einfach überschritten. Aber das Pendel ist viel zu stark in die andere Richtung geschwungen, da fehlt jegliches Maß. Und das ist sicherlich auch den Politiker*innen selbst zuzuschreiben, die arg liberal von ihrem Anzeigerecht Gebrauch machen – von LINKE bis AfD über alle Parteigrenzen hinweg. Pinocchio, seriously? Der Habeck’sche „Schwachkopf“ war schon hochgradig albern, aber „Pinocchio“? Was ist da los? – Beinahe noch schlimmer ist, dass die rechtliche Unsicherheit auch seitens der Gerichte nicht beseitigt wird.
5) Hagel und der Sexismusvorwurf
Aus dem Bereich „Bärendienste“ ist der Sexismus-Vorwurf an Manuel Hagel zu nennen. Der CDU-Spitzenkandidat in BaWü durfte sich angesichts eines aufgetauchten Videos aus seiner frühen Abgeordnetenzeit mit einem etwas unangemessenen Kommentar herumschlagen. Sein Konkurrent Cem Özdemir bewies in der Affäre genau den bürgerlichen Anstand, der der AfD offenkundig abgeht, und schoss das Thema gleich ab – völlig zurecht, im Übrigen. Hagel war 29, er hat sich glaubhaft entschuldigt und wie ein Leitartikel im Spiegel es so schön formulierte, darf man auch konservativen Politikern eine Lernkurve zugestehen. Solche „Skandale“ vergiften nur den Brunnen dafür, dass wir uns dann mit den richtigen beschäftigen können, wenn sie auftauchen. Die Ausrede der Grünenpolitikerin Zoe Mayer, sie habe nur eine Debatte anstoßen wollen, finde ich da auch wenig überzeugend. Nicht jede Debatte ist eine gute Debatte.
Resterampe
a) Die in Fundstück 3 besprochene Art medialer Arroganz gibt es natürlich auch im deutschsprachigen Raum. Ich bin beispielsweise über diese Überschrift gestoßen: Von Emmanuel Macron bleibt nichts als der Duft eines Einstecktuchs. Die Hybris, die aus solchen Zeilen spricht…Alter.
b) Ahmad Mansour fordert in der Welt, dass Trump den Iran angreift (Es braucht Ihre Intervention, Mr. President!). Diese Leute haben echt gar nichts gelernt. Völlig illusorische Vorstellungen davon, wie ein Regime Change funktionieren könnte und welches Chaos da hervorgerufen wird. Angesichts des US-Buildups in der Region darf man aber damit rechnen, dass Mansours Wunsch bald erfüllt wird…
c) Dorothea Siems hat in der Welt ein Plädoyer dafür, warum wir die FDP brauchen. Ich gehe mit, dass gerade eine Gruppe von Leuten politisch heimatlos ist, die eine liberale Partei brauchen könnten, aber ich bin skeptisch, dass die FDP noch in der Lage ist, diese Rolle zu füllen.
d) Manuel Hagel steht gerade viel in der Kritik, aber dieses Segment, in dem er eine Koalition mit der AfD emphatisch ausschließt, ist diversen Bürgerlichen echt ans Herz zu legen.
e) Guter Beitrag dazu, warum linker und rechter Antisemtismus im Endeffekt dasselbe in Grün und gleichermaßen zu verdammen sind.
f) Die Debatte um das Social-Media-Verbot kommt nicht zur Ruhe. Özge Inans Haltung im Spiegel, nach der das pauschale Verbot eher eine Kapitulationserklärung sei, weil man die zerstörerischen Mechanismen von Social Media nicht angehen wolle, hat durchaus etwas für sich. Nur ist es eine Maßnahme, die sich grundsätzlich umsetzen lässt, während ein Zwingen der Konzerne zum Umstrukturieren eher schwierig sein dürfte. Volker Boehme-Neßler legt in der Welt sogar einen drauf und sieht es „Gift für eine freiheitliche Demokratie„. Die CDU indessen hat auf ihrem Parteitag das Verbot ins Programm aufgenommen. Schauen wir mal, wie es weitergeht.
g) Der apokalyptische Ton der Welt ist echt krass; diese Radikalisierung wird kein gutes Ende nehmen. Da sieht etwa Leon de Winter die „Endzeit„, weil Transfrauen mehr Rechte bekommen; Fallina Kellani sieht „politische Ausweglosigkeit„; das KI-Skandälchen bei ZDF ist „brandgefährlich„; für Daniel Stelter geht es „jetzt“ darum, „den Absturz zu verhindern„; und so weiter. Das ist nur eine Auswahl von drei Tagen oder so. Es ist noch nicht lange her, da haben die Bürgerlichen den Grünen vorgeworfen, ständig hypermoralisch und hysterisch mit der Apokalypse zu argumentieren. Inzwischen liegt bei allen der „Untergang des Abendlandes“ auf dem Nachttisch.
h) Censorship Comes for Stephen Colbert. Und es herrscht Schweigen im meinungsfreiheitbewegten bürgerlichen Blätterwald. Stattdessen entblödet sich die Welt nicht, zu erklären, „Wie die USA die Meinungsfreiheit in Europa retten wollen„. Die haben doch den Schuss nicht gehört. Der Feind eures Feindes ist nicht euer Freund, Leute!
Fertiggestellt am 26.02.2026



Zu Hagel:
Nunja, so eine Gerede mit 29 Jahren abzugeben, wäre mir nie in den Sinn gekommen. Hätte ich es damals im Sinn gehabt, wäre ich ein wohl durchwegs anderer Mensch. Menschen ändern sich und ihre Verhaltensmuster nur selten, weil es auch einfach schwer ist. Es sagt insofern schon auch jetzt noch etwas über Hagel aus und die wohl bestehende Nähe zu eher evangelikal-konservativen Kirchenkreisen legt diese Einschätzung weiterhin Nahe.
Insofern Augen auf bei der Wahl!
Wie beschrieben, ich würde das freundlicher interpretieren.
Hat ihn das Ministerpräsidentenamt gekostet. Und damit wissen wir jetzt, was eine ganze Menge Grüne unter Wahlkampf verstehen. Bitte keine Beschwerden, wenn das zurückkommt.
Selbst wenn das so wäre, dann wären dafür nicht grüne Wahlkämpfer verantwortlich, sondern die Wähler (der „Souverän“). Weil sie das Video als relevant für ihre Wahlentscheidung eingestuft haben.
Okay, little difference. Damit wissen wir jetzt ja, a) was seriöse Medien im Wahlkampf als seriös betrachten und b) was man tun kann, um jemandem anderen nachhaltig zu schaden. Hoffe auf rechte Aktivisten – irgendwas, was man bewusst skandalieren kann, wird sich immer finden. Nur bei Linken muss das dann halt Tichy oder Reichelt machen, weil der ÖRR nicht mitspielen würde (aus „Anstand“).
„weil der ÖRR nicht mitspielen würde (aus „Anstand“)“
So wie der rbb u.a. im Fall Gelbhaar?
https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/gruene-gelbhaar-100.html
Und zum Thema „was eine ganze Menge Grüne unter Wahlkampf verstehen. Bitte keine Beschwerden, wenn das zurückkommt.“ mal im Artikel, und gerne anderen Quellen, nachlesen wie die Union das zum Wahlkampfthema gemacht hat und Habeck reingezogen hat.
Hat ihn das Ministerpräsidentenamt gekostet
Dafür kannst Du Dich bei den sensationsgeilen Medien bedanken, die ich immer kritisiere, während Du sie stets verteidigst. Ist Dir jetzt halt diesmal auf die eigenen Füße gefallen. Verantwortungsbewusste informationsorientierte Medien hätten aus dem Video keine solche tagelang währende Skandalnummer gemacht.
Aber mal abgesehen davon: Die Äußerung in dem Video war zwar ziemlich dämlich. Aber großartigen Sexismus kann ich da auch nicht erkennen. Der Mann hat halt versucht besonders enthusiastisch zu wirken und bei seiner farbenfrohen Beschreibung verbal danebengegriffen. Was soll’s? Passiert halt.
Was nicht hilfreich war, war, dass nur Tage später wohl ein zweites Video aufgetaucht ist. Das hab ich zwar nicht selbst gesehen, aber den Medien entnehme ich, dass er wohl – schon wieder in einer Schule – und vor einer Klasse – einer Lehrerin ins Wort gefallen ist, um dann den Treibhauseffekt falsch zu erklären. Dieses zweite Video dürfte den Eindruck des Kandidaten als “Loose Cannon” und politisches Leichtgewicht verstärkt haben.
Und all das kam mit dem fehlenden Rückenwind aus der Bundespolitik und dem faden, farblosen, inhaltsleeren Wahlkampf zu einem perfekten Sturm zusammen, von dem der – politisch garnicht so sehr andere – Gegner profitiert hat. Özdemir hatte halt mehr Erfahrung, war professioneller und hat wegen seiner langen Zeit in der Politik vermutlich keine unentdeckten Nachrichtenbomben bei YouTube.
Verantwortungsbewusste informationsorientierte Medien hätten aus dem Video keine solche tagelang währende Skandalnummer gemacht.
So wie der SWR, der das Video so montiert hat, dass der Eindruck entstanden ist, den Sie wiedergeben? Tatsächlich ist die Lehrerin zuvor mehrfach dem Politiker ins Wort gefallen und hat in in scharfem Ton angegangen.
Oder das ZDF heute journal, das KI-generierte Fake News verbreitet? Ich weiß nicht, welche Medien Sie eigentlich heranziehen möchten, auf den ÖRR liegt jedenfalls ziemlich viel Schlamm.
Dass ein Politiker, der Ministerpräsident werden will, im Jahre 2026 den Treibhauseffekt vor Schülern (!) falsch erklärt, spielt keine Rolle?
Wie kann man so voreingenommen sein.
Right or wrong, my side of the ideological divide.
Ich weiß nicht wo Sie sich informieren. Wahrscheinlich nicht in seriösen Medien.
Wie sehr der Riss durch die Gesellschaft geht und wie sich Radikalisierungen durchsetzen, dafür sind Sie eigentlich ein gutes Beispiel. Wir haben uns kennengelernt mit Ihnen als seriösen Sozialdemokraten, allem radikal Linken fremd. Heute stehen Sie sehr weit auf der linken Seite mit Faible für Klimathemen denn Aufstiegschancen und großem Verständnis für Klimakriminelle statt Recht und Ordnung.
Vorangestellt: Welche Kompetenzen schätzen Sie mehr an einem führenden Landespolitiker, wirtschafts- und industriepolitisches Verständnis oder tieferes Know-how über klimatische Wirkungen? Eigentlich kann ich die Frage zurückziehen, denn eindeutig zweitens. Baden-Württemberg ist unter Führung der Grünen von einer der wachstumsstärksten Regionen in die Abstiegszone gerutscht. Hessen und sogar NRW liegen drüber und noch viele andere. Aber sicher, wir sollten probieren, von Stuttgart aus das Weltklima zu retten. Seriös, CitizenK?
Was fällt uns, Verzeihung, mir, an dem Video auf? Während der ganzen Aufnahme nimmt die Lehrerin eine abwehrende, teils spöttische, teils feindliche Haltung gegenüber dem konservativen Politiker ein. Ein kleiner Schüler ergänzt unbewusst, wie die Frau tickt: Der Knirps gendert! Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass er das weder von seinen Eltern noch aus der Zeitung hat.
Sie fällt in den Aufnahmen dem Kandidaten mehrfach rüde ins Wort. Dann fordert sie ihn auf, den Grundschülern den Klimawandel zu erklären. Sie schubst ihn also in die Rolle, die eigentlich sie als Lehrerin hat. Das macht jemand nur, wenn er den anderen vorführen will. Das kann ich mit meinen Mitarbeitern machen, nur ist man sich in meinem Milieu zu fein für so etwas.
So, was er den Schülern gesagt hat, ist nicht grundsätzlich falsch. Und, sorry, für einen Grundschüler reicht das zu dem Thema.
Dürfen Zehnjährige inzwischen wählen? Gehört die Vermittlung physikalischen Wissens inzwischen zur Kernkompetenz von Spitzenpolitikern? Anders als Sie beantworten die meisten Wähler diese Fragen eindeutig mit Nein, was zeigt, wo Sie politisch positioniert sind.
Und bitte, bitte: Verteidigen Sie nie, wirklich nie wieder eine Ricarda Lang, wenn sie als angebliche Fachpolitikerin nicht annähernd die Höhe der gesetzlichen Eckrente kennt. Tun Sie das auch nicht bei der haushaltspolitischen Expertin Dröge, die die Eckdaten des Bundeshaushaltes nicht kennt oder die Mietaktivistin Reichinnek, die keine Ahnung hat, wieviele Mietwohnungen es gibt.
Ach so, wenn Sie so scharf über die Erklärungen vor einer Schulklasse urteilen, wie konnten Sie drei Jahre die Außenministerin Baerbock ertragen, die vom Völkerrecht kommt, aber keine Ahnung von den Verteidigungsrechten eines angegriffenen Landes hat, Russland den Krieg erklärt und die Bevölkerung der EU in den Milliarden sieht?
Dafür kannst Du Dich bei den sensationsgeilen Medien bedanken, die ich immer kritisiere, während Du sie stets verteidigst. Ist Dir jetzt halt diesmal auf die eigenen Füße gefallen.
Da unterscheiden wir uns schlicht in der Analyse: Nicht Sensationsgier, sondern der Drang, den GRÜNEN zu helfen, hat diese Kampagne motiviert. Und die Linkslastigkeit deutscher Medien beschreibe ich seit vielen Jahren 🙂 .
Dieselben Medien, die Baerbocks Kanzlerkandidatur – immerhin eine Grüne – absägten, wegen ungenauer Angaben in einem Lebenslauf? Nein, mein Lieber, da passt die These von Sensations- und Skandalgeilheit als Triebkraft der Medien wesentlich besser, als eine grundsätzliche Unterstützung grüner Kandidaten.
NAtürlich. So wie der Drang, den GRÜNEN zu helfen, während dem Skandal um Baerbocks Vita, dem Heizungsgesetz oder dem Veggieday. Gott, nehmt eure ideologischen Scheuklappen ab.
Die Idee, dass ausgerechnet die Grünen so ausgesprochen positiv behandelt werden würden ist wirklich absurd.
völlig.
Die CDU ist an der Sache dran 🙂
„Stuttgart, Berlin (dpo) – Nach der knappen Wahlniederlage in Baden-Württemberg zieht die Union Lehren aus dem turbulenten Wahlkampfendspurt: Zur Verhinderung von Schmutzkampagnen will sie künftig Medien und Privatpersonen die Verbreitung von echten Videoclips ihrer Kandidaten untersagen. „
rofl
Ich verweise zu der diskussion auf den Podcast 🙂
Willst du mich verarschen?
Zwei kurze Formalkorrekturen:
b) hier solltest du ergänzen, dass du das am 26.02. geschrieben hast, am 05.03. wirkt das etwas (hust) veraltet.
g) Eines der Beispiele (ZDF „brandgefährlich“) ist nicht aus WELT sondern aus dem Spiegel (der diesen Überschriftenton schon lange pflegt)
b) Ich hab es ja am Schluss dranstehen. Zur Zeit bin ich etwas im Vorlauf 🙂 Ich schau die danach nicht mehr an, das kann ich zeitlich nicht leisten.
g) Ups, danke.
1) Die CDU und der Konservatismus
Umfragen sind wichtig, aber man sollte versuchen, sie mit der Realität in Einklang zu bringen und dabei etwas Faktenwissen mitbringen. Zum Faktenwissen gehört, dass typischerweise nur die vorherige Wahlentscheidung für die Kategorisierung zählt. Also jemand ist Nichtwähler, wenn er 2021 seine Stimme behalten hat, auch wenn er zwanzig Jahre lang AfD gewählt hat. Ehemalige CDU-Wähler sind demnach solche, die 2021 Armin Laschet gewählt haben (muss man erstmal bringen).
Umfragen haben Toleranzbreiten, je kleiner die Grundgesamtheit, desto breiter. Manche Institute arbeiten inzwischen mit 2000 Befragten, bei der STERN-Umfrage sind es die klassischen 1000. D.h. die Ungenauigkeit ist statistisch größer.
So, das im Hinterstübchen:
I. Die Union erhielt von der SPD 1,8 Millionen Stimmen, von der FDP überproportional 1,3 Millionen, obwohl sie 2021 weit weniger als die Hälfte der Stimmen wie die Sozialdemokraten bekam. Gleichzeitig wanderten eine Million Stimmen von der Union zur AfD, was ausschlaggebend für das relativ schlechte Wahlergebnis war. Kann man davon ausgehen, dass diese heutigen AfD-Wähler unzufrieden mit einer vermutet deutlicheren konservativen Ausrichtung der Union sind?
II. Die SPD erhielt bei der letzten Wahl noch 16 Prozent und die Grünen 12 Prozent. Das sind insgesamt 28 Prozent, die noch auf das gemäßigte linke Lager entfallen und die, so die Autoren, für die Union ansprechbar sind. Dagegen stehen 21 Prozent bei der AfD, davon 10 Prozent, die drei Jahre zuvor nicht Die Partei gewählt haben, also nicht fest bei den Rechtspopulisten verankert sind. SPD und insbesondere die Grünen nähren sich aus dem postmateriellen und umwelt-ökologischen Milieu (insgesamt 20 Prozent), die der Union besonders fern stehen. Da liegt der Gedanke nicht unbedingt nahe, die Union könne vor allem wachsen, wenn sie sich stärker den Linken zuwenden würde. Eher besteht die Gefahr, noch weitere Wähler an die AfD zu verlieren.
III. Anschließend an das Vorgesagte geht es aus der Position der Union vorrangig darum, die Restwähler zufrieden zu stellen. Die Umfrage zeigt, dass die Gefahr größer ist, weitere Wähler an die AfD zu verlieren als dass die Linken daran knabbern könnten. Die Gruppe der ehemaligen CDU-Wähler ist bedeutend kleiner als die der verbliebenen. Und der statistische Umfrageunterschied zwischen 41 und 50 Prozent ist relativ klein.
IV. Die Umfrage fand Ende Februar statt, nur Tage nachdem Merz ein Treuebekenntnis zum Koalitionspartner SPD abgeben hatte. Welche „Merz-Union“ ist da gemeint? Konservative Beobachter sehen zwischen Merz und Merkel keinen nennenswerten Unterschied mehr, die WELT machte daraus die Wortschöpfung „Merzel“. Es darf gerätselt werden, wer das gut fand.
2) Heizungsgesetz
Wofür braucht es ein Heizungsgesetz? Die Grünen selbst haben doch behauptet, so etwas sei gar nicht nötig, da die Bürger ohnehin ab 2027 zu emissionsärmeren Heizen durch den europäischen Zertifikatehandel gezwungen würden. Mit anderen Worten: Das Heizungsgesetz ist ein Gesetz, das vollständig weg kann. Das brachte die SPD aber nicht übers Herz. Und tatsächlich hatte der Habecksche Entwurf einen Vorläufer, der von der Merkel-Regierung noch instandgesetzt wurde. Warum konnte Habeck das nicht stehen lassen? Weil der Grüne immer ein Wichtigtuer war.
Und wieso müssen Mieter vor steigenden Preisen geschützt werden? Sie sind doch diejenigen, die die Wohnungen heizen und die Emissionen erzeugen.
Die Grünen selbst haben doch behauptet, so etwas sei gar nicht nötig, da die Bürger ohnehin ab 2027 zu emissionsärmeren Heizen durch den europäischen Zertifikatehandel gezwungen würden.
Unter anderem weil man sich nicht auf den Zertifikatehandel verlassen kann. Zumindest nicht mit einer CDU in der Regierung: CDU-Fraktion fordert Aussetzung des EU-Emissionshandels – Wettbewerbsfähigkeit und Transformation sichern statt gefährden
Haben Sie mal den Film „Wallstreet“ von 1989 gesehen? Wenn nicht, unbedingt nachholen!
Michael Douglas sagt da als Börsenhai Gordon Gecko alles Nötige:
Den Film kenne ich. Interessanterweise legen gerade Finanzinvestoren ihre Geld breit an. Falls dann mal eine Investition nicht so funktioniert, wie man glaubt, u.a. weil die neue Regierung die Rahmenbedingungen änder, hat man noch ein Backup.
… aber anscheinend nicht den Sinn. Wenn man zur Erreichung eines Ziels (Halten der Hose) eine zweite Maßnahme (Gürtel) ergreifen muss, weil man der ersten (Hosenträger) nicht traut, dann ist es mit der Kompetenz nicht weit her.
Sag ich seit Jahren. Die Achillesferse des ganzen Systems.
Möglicherweise Absicht? So lässt sich das mit einem Hebel steuern.
Wenn ich Liberale dieses System verteidigen höre, wird immer damit argumentiert, dass dann der Markt und nur der Markt entscheidet. Aber genau das passiert ja nicht, weil das Gut zwangsläufig ein Politisches ist.
Dass der Hebel existiert ist ja fraglos richtig. Das ist ja genau der Punkt. Aber man muss das ja ehrlich als ein politisches Instrument begreifen.
Aber nicht von Verboten und Subventionen? Stefan, das ist schlichter Quatsch. Die Achilles-Ferse jedes politischen Eingriffs ist die Politik. Das ist ein Null-Argument, was Du aber völlig einseitig verwendest. Man spürt die Absicht.
Übrigens funktioniert das ganze auch in die Gegenrichtung: 2022/2023 verringerte die EU die geplanten Emissionsmengen praktisch über Nacht im Rahmen des sogenannten Green Deals, was den Preis treibt. Komisch, damals habe ich weder von Dir noch von CitizenK oder Detlef Schultze nur einen Satz gelesen.
Das Argument ist doch: Der Markt regelt, nicht die schlimme Politik. Und das stimmt halt nur, wenn man ihn lässt. Produziert er unerwünschte Ergebnisse, greift doch die Politik ein.
Politische Eingriffe wirken aber schneller und direkter. Das kann man als Vor- oder als Nachteil sehen. Als Steuerungselement ist es technisch gesehen funktionaler.
Sie bestätigen meine Ansicht: Die meisten Deutschen haben keine Ahnung von den Mechanismen des Wirtschaftssystems, das sie umgibt.
Den ersten grundsätzlichen Fehler können Sie bereits bei der Analyse Ihres Kommentars finden:
In einer ordentlichen Welt haben Institutionen, Organisationen und Personen von einander getrennte Aufgaben, die Schnittmengen sind so klein wie möglich. Heute hat mich meine Lieblingsverkäuferin nach meiner Frau gefragt, die würde man so selten sehen. Wir teilen uns eben die Einkäufe. Ich gehe zum REWE, kümmere mich um Wasser etc. und sie übernimmt andere Einkäufe. Sauber getrennt. Verstehen Sie?
Das Problem ist, dass der Staat sich als so etwas wie der Supervisor und nicht selten sogar als der bessere Unternehmer fühlt. Das wäre so als würde Stefan Quandt dem Bundeskanzler sagen, was Friedrich Merz bitte in Bezug auf Grönland und die Aufrüstung der Bundeswehr tun soll und Report verlangen. Ziemlich absurd, oder?
Die meisten wissen nicht einmal, was das zentrale Element des Marktes ist. Es ist der Preismechanismus. Wer in ihn nur eingreift, zerstört den Markt. Dann ist es Politik. So haben wir eben im Immobilienbereich und im Gesundheitswesen keinen Markt. Die Politik fungiert hier als Preissetzer, sie sagt, welche Mindest- und welche Höchstpreise zulässig sind, wie sie ermittelt werden, sie überprüft sie, etc. Für die Ergebnisse trägt die Politik die Verantwortung und niemand sonst.
Politische Eingriffe wirken aber schneller und direkter.
Bitte überprüfen Sie Ihre Position anhand von Fakten, nicht an dem, was Sie sich vorstellen. Die deutsche Klimapolitik reißt in allen Bereichen die von ihr selbst vorgegebenen Ziele: Im Verkehrssektor, im Wohnungsbereich, im industriellen Sektor. Nur in einem Sektor performt sie wie an einem Strich gezogen: dem Energiesektor. Seit fast zwanzig Jahren werden hier die 5-Jahres-Ziele nahezu punktgenau erfüllt. Und warum? Wegen dem EU-ETS.
Das Einzige, was die Politik hier sagt, ist, wieviele Emissionen jährlich zulässig sind und gibt hierfür Erlaubnisscheine (Zertifikate) heraus. Der Markt organisiert die Verteilung über den Preis. Ende der Geschichte.
Wollen Sie das? So wie ich Sie verstehe, wollen Sie das nicht. Sie wollen die Einzelsteuerung, in der Bürokraten den Bürgern sagen, was sie dürfen und was nicht und dies wird dann von anderen Bürokraten genau kontrolliert. Eine Buchempfehlung fürs Wochenende, um den Markt zu verstehen: „Der Weg zur Knechtschaft“ von Friedrich August von Hayek.
a) Macron. Weiss nicht, ob ich deinen Kommentar richtig verstehe, aber die Präsidentschaft dieses Mannes WAR und IST eine Katastrophe.
Ich bin da auch nur eher oberflächlich informiert, weil ich mich zwar viel mit Frankreich beschäftige, aber eben nicht mit der aktuellen Politik. [Passiv-inhaltlich flashen mich gerade Literaturgeschichte inklusive der Texte sowie politische Philosophie, aktiv das Schreiben kurzer Texte und immer wieder Aussprache. Alles strikt nach dem, „wo immer der Wind mich bläst“-Prinzip.]
Mein take: Nach den Schwüngen in die eher neoliberale/rechte (Sarkozy) und linke (Hollande) Richtung galt Macron als die pragmatische Mitte, vielleicht sogar sowas wie der gallische Merkel. Nur lieferte er nicht. Ihm fehlte eine funktionierende Partei und er agierte wirklich, wirklich gerne aus einer narzistischen es-kann-nur-einen-geben Haltung.
Seine Ideen, sich zumindest in Richtung einer Wiedergewinnung der ökonomischen Tragfähigkeit zu bewegen, ging in Massenprotesten und dysfunktionaler Kommunikation unter.
Das aktuelle Zwischenergebnis ist eine höhere Staatsquote als in der Sowjetunion zum Zeitpunkt ihres Untergangs, im Durchschnitt höhere Renten als Arbeitseinkommen und ein chronisches Haushaltsdefizit von 5%. Seine Wiederwahl gelang nur wegen der in Frankreich bislang sehr anschlussfähigen Brandmauer gegen Rechts.
Der Job eines französischen Präsidenten ist aber aktuell sehr schwierig. Der starke Zulauf zu beiden extremen Polen der politischen Perspektive betäubt die Handlungsfähigkeit der Regierung. Mir machen machen meine aktuell sehr flüchtigen Einblicke in die französische Politik echt Sorge um die Zukunft Deutschlands.
Die teilen wir, zum Rest kann ich mangels Sachkenntnis nichts sagen.
4) Merz als Pinocchio
Ich denke, dass der Impetus dahinter nach wie vor relevant ist: die massiven Beleidigungen und Angriffe, die Politiker*innen teilweise zu erdulden hatten, hatten das akzeptable Maß einfach überschritten.
Politikerbeleidigungen sind zurückgegangen? Interessante Feststellung. Gegen Beleidigungen konnten sich Politiker wie Normalos schon immer wehren – durch Anzeige. Aber nun müssen sich systematisch Staatsanwaltschaften und Polizei auf die Suche machen, ob irgendwo eine Beleidigung vorliegt, von der der Politiker gar keine Kenntnis besitzt. Nach herrschender politischer Lehre kann man nämlich beleidigt sein ohne es zu wissen. Genial.
a) Die in Fundstück 3 besprochene Art medialer Arroganz gibt es natürlich auch im deutschsprachigen Raum. Ich bin beispielsweise über diese Überschrift gestoßen: Von Emmanuel Macron bleibt nichts als der Duft eines Einstecktuchs. Die Hybris, die aus solchen Zeilen spricht…Alter.
Leider zutreffend. Von Macron wird nichts in den Geschichtsbüchern stehen außer, dass er die französische Mitte zerstört und das Feld den Populisten bereitet hat.
b) Ahmad Mansour fordert in der Welt, dass Trump den Iran angreift (Es braucht Ihre Intervention, Mr. President!).
Diese Leute haben echt gar nichts gelernt. Völlig illusorische Vorstellungen davon, wie ein Regime Change funktionieren könnte und welches Chaos da hervorgerufen wird. Angesichts des US-Buildups in der Region darf man aber damit rechnen, dass Mansours Wunsch bald erfüllt wird…
Man wird sehen. Die iranische Regierung hat das größte Verbrechen an der eigenen Zivilbevölkerung seit dem 2. Weltkrieg begangen. Und keiner kam und hat mit dem Völkerrecht gewedelt, das ja angeblich die Völker schützen soll.
Zur Erinnerung: In Afghanistan hat 2001 der Regime Change geklappt. Das scheint die Blaupause für den Iran zu sein.
c) Dorothea Siems hat in der Welt ein Plädoyer dafür, warum wir die FDP brauchen.
Ich gehe mit, dass gerade eine Gruppe von Leuten politisch heimatlos ist, die eine liberale Partei brauchen könnten, aber ich bin skeptisch, dass die FDP noch in der Lage ist, diese Rolle zu füllen.
Guten Morgen! Dafür dürfte es zu spät sein. Eine Partei braucht für den Erfolg ein Fundament. Das scheint bei der FDP verloren.
g) Der apokalyptische Ton der Welt ist echt krass; diese Radikalisierung wird kein gutes Ende nehmen.
Nach allen Umfragen blickt eine deutliche Mehrheit skeptisch auf die Entwicklung des Landes. Das sind nicht alles Leser der WELT.
b) Korinthenkackerei: das Völkerrecht schützt die Völker nicht. Was du meinst ist das Menschenrecht. Und das steht häufig im Gegensatz zum Völkerrecht. Das Problem haben wir ja dauerhaft.
noch tiefere Korinthenkackerei: Das Völkerstrafrecht schützt auch Menschen direkt, nämlich durch die Tatbestände „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ und „Kriegsverbrechen“.
Nur wird das durch die internationale Gemeinschaft und Vertragsorgane durchgesetzt – nicht durch ausländische Militärmaschinen, die auch diese Verbrechen begehen.
Nur wenn Du der Ansicht bist, Massenmörder vertreten wirklich ihre Völker. Ansonsten, lies bitte nach, was der ursprüngliche Sinn internationaler Regeln war.
Nur wird das durch die internationale Gemeinschaft und Vertragsorgane durchgesetzt …
Acg? Wie machen die das ohne Polizei und Militärmaschine, dieses „durchsetzen“?
Wie wäre es als Minimum, Kriegsverbrechern KEINE Waffen zu liefern, KEINE Luftwaffenstützpunkte zur Verfügung zu stellen, von denen aus sie ihre „völkerrechtlichen Angriffskriege“ (Erinnern Sie sich noch an die Phrase) führen ?
Meine Güte, Bevölkerungen ihren massenmörderischen Regierungen hilflos auszuliefern kann man auch direkter formulieren. Denn die einzige (!) Möglichkeit, die Regierungen ihre eigene Medizin schmecken zu lassen, ist nun einmal ein Angriff von aussen. Übrigens verstösst auch Massenmord an der eigenen Bevölkerung gegen Völkerrecht, haben sie dafür auch eine nichtmilitärische Lösung, die historisch mindestens schon einmal praktisch funktioniert hat? Nein? Dann bevorzugen Sie offenbar das Leben von Regierungen und Kommandeuren gegenüber dem der Zivilbevölkerung, nicht wahr?
Gute Idee. Der Iran wird seit sehr vielen Jahren von Russland und China munitioniert. Die Drohnen, die derzeit dem US-Militär Probleme bereiten, stammen aus russischer Produktion und werden auch im Ukraine-Krieg eingesetzt. Umkehrt ist es genauso. Die Achse des Bösen funktioniert zuverlässig.
Sicher ist, dass das iranische Regime nur mit extremer Waffengewalt gestürzt werden kann, nicht von innen. Wie es endet, wenn die Bevölkerung es ohne Unterstützung von Außen versucht, war vor Wochen zu beobachten: Ein innerer Völkermord mit über 30.000 Toten und unzähligen Verletzten.
Wer da behauptet, das gezielte Bombardement auf Systemträger und militärische Einrichtungen sei das zu verurteilende Kriegsverbrechen, ist bodenlos zynisch.
Die sehr gute Frage ist, in wie weit das Trump Regime bereit ist, mit einem Mullah Regime zusammenzuarbeiten, sofern die bestimmte Zugeständnisse machen bezüglich ihres Nuklearwaffenprogramms und der Unterhaltung von Proxy-Kriegen. Die gleiche Frage stellt sich auch bezüglich Delcy R in Venezuela. Die Frage ist schwerer zu beantworten, als dies viele sehr negative Stimmen in Deutschland vermuten. Zu dem Thema ist der youtube Kanal von Caracas Chronicles sehr interessant, aber die machen das entgegen Ankündigung seit Wochen ausschliesslich in Spanisch, vermutlich weil sich da nicht alle sicher genug im Englische fühlen.
Die Neoreaktionären wie Curtis Yarvin, Peter Thiel und Marc Andreessen sehen Demokratie nicht als eine zielführende Option im Politischen System. Diese Leute haben Einfluss auf Trump und noch stärker auf JD Vance. Ich bin kein Fan von Marco Rubio, aber der will wohl schon zumindest die Kapitel Castrismus und Chavismus abschliessen.
4)
Zitat Stefan Sasse:
„Ein Rentner wurde verurteilt, weil er Merz als Pinocchio dargestellt hat.“
Ähm…wie kommst du darauf? Zwischen einem Ermittlungsverfahren und einer Verurteilung, überhaupt einer Anklage nebst Verfahren vor Gericht, besteht ein himmelweiter Unterschied. Weiterhin: Im vorliegenden Fall wurde das Ermittlungsverfahren staatsanwaltlich eingestellt. Natürlich kann das öffentliche Trara der wahre Grund dafür sein und ferner ist es so: Der Merz muss dem Verfahren nicht widersprochen, als0 das Ermittlungsverfahren faktisch befürwortet haben, so ist das gesetzlich geregelt (relatives Antragsdelikt). Das sagt schon einiges. Offenbar sind Habeck und Merz in Sachen Beleidigtsein interessanterweise Brüder im Geiste. Wer hätte das gedacht.
https://www.tagesspiegel.de/politik/beleidigungen-sind-kein-aufgabenbereich-des-kanzleramts-wie-merz-aus-moglichen-pinocchio-ermittlungen-ein-geheimnis-macht–bisher-15285432.html
Auch der letzte Satz und die Verlinkung zu Herrn Musk nebst „reel“ ist nicht ganz koscher, IMHO.
Jedenfalls ist es so: Einstellung des Verfahrens in der Pimmelsache. Das ist nicht „unbefriedigend“ sondern im Ergebnis eine Art „Freispruch“ der Sonderklasse. Der Beschuldigte ist maximal entlastet – viel mehr als bei einem „echten“ Freispruch, für welchen es zuvor immerhin noch zu einer Anklage hätte gereicht haben müssen. Dass auch in diesem Fall das öffentliche Aufsehen der Staatsanwaltschaft – ich sach mal – geholfen hat, ist auch hier zu vermuten, obwohl die Staatsbüttel dergleichen natürlich entrüstet zurückweisen würden.
Die schwachsinnige Schwachsinnsache (Habeck) wurde ebenso eingestellt. Ein Verfahren gab es wegen einer ganz anderen Sache, unabhängig vom „Schwachsinn“, denselben Beschuldigten betreffend: „Verwendung von Kennzeichen terroristischer oder verfassungsfeindlicher Organisationen“. Da kam es zu keinem rechtskräftigen Abschluss. Der Beschuldigte ist unlängst verstorben. Jedenfalls diesbezüglich ist sterben keine schlechte Idee, denn das ist glücklicherweise immer ein zwingender Einstellungsgrund^. Ganz früher konnte ersatzweise die Leiche geschändet werden.
Und ja, Rechtspolitisch folgt der § 188 der Idee der Majestätsbeleidigung. Das giltet eigentlich nicht mehr als so richtig zeitgemäß^ und wohl keineswegs als „progressiv“, interessanterweise wollen aber offenbar auch nicht wenige eher linke Poitiker_innen auf dieses schöne Sonderinstrument nicht verzichten.
Richtig, mit zwei klitzekleinen Ergänzungen:
Die Einstellung des Verfahrens ist in einen wichtigen Punkt für den Beschuldigten schlechter als der Freispruch: Der Beschuldigte muss seine Anwaltskosten selbst zahlen, bei Freispruch übernimmt das die Staatskasse.
Für „echte“ Majestätsbeleidigung unseres Staatsoberhauptes (oder „Grüßaugust“, um eine bisher noch immer straffrei verwendete Despektierlichkeit zu verwenden) gibt es auch noch den § 90 StGB.
Nachbemerkung aus sprachlichem Feinsinn: Ist es nicht merkwürdig, dass mit der Bezeichnung „Pinocchio“ (für einen Lügner) ausgerechnet eine Figur gewählt wird, die sprichwörtlich schlecht im Lügen ist. Es gäbe ja mit „Münchhausen“ einen „richtigen“ Lügner mit vergleichbar hohem Wiedererkennungswert (von den vielen schillernden Hochstaplern und Scharlatanen, die die Geschichte liefert, ganz zu schweigen).
Ich glaube das ist ja die Idee: dass die Lüge offensichtlich ist.
Vorsicht: Die Ikonen des Liberalismus heißen Odysseus und Münchhausen. Der eine ließ sich fesseln um die Schönheit der Sirenenklänge genießen zu können, während Münchhausen sich am eigenen Schopf aus dem Schlamassel zog. So sind echte Helden.
Der Lügenbaron als Ikone 🙂
Münchhausen ist eine Metapher. Odysseus ist eine Figur der griechischen Mythologie. Beide sind keine realen Helden, sondern stehen für bestimmte menschliche Charakteristika, die der Liberalismus ansprechen will.
Wenn Sie daraus lesen wollen, dass Liberale häufiger lügen, dann ist das genau das, was Sie schon an anderer Stelle gemacht haben, nämlich Mitmenschen aufgrund von Merkmalen wie Einkommen, Bedürftigkeit oder in diesem Fall politische Verortung bessere oder schlechtere Charaktereigenschaften zuzuschreiben.
Korrektur: Hieronymus, Freiherr von Münchhausen ist eine historische Person. Sein Talent des Geschichtenerzählens hat er „nur“ zur Unterhaltung seines Freundeskreises verwandt, die Verwandlung zur Ikone ist erst durch die von anderen (Raspe, Bürger) verlegten Bücher gekommen. Ich weiß nicht, ob die offenkundige Zweckfreiheit der Geschichten ihn zu einem tauglichen Liberalen (deren „Lügen“ selten der Unterhaltung dienen) macht.
Oh, dann ist das also für den Betroffenen eine lustige Sache! So habe ich das noch nie gesehen. Ermittlungsverfahren bedeutet für viele Anwalt einschalten (und bezahlen) und Bluthochdruck. Dazu reagieren die meisten schon vorbeugend mit dem Unterlassen dessen, weswegen ermittelt wird. In diesem Fall war das auch so, der Post wurde gelöscht. Die Person ist, obwohl strafrechtlich aus Ihrer Sicht nichts passiert ist, bekannt(er) ohne es gewollt zu haben.
Was Sie vergessen: In einem Ermittlungsverfahren stellt sich der Staat über den Bürger. In diesem Fall, ob sich ein Bürger unangemessen gegenüber dem Staat verhalten hat. Und das wegen Pinocchio.
zu b) Krieg gegen den Iran
Bei all meiner Sympathie mal etwas gegen die verknöcherten Autokratien zu tun: Ein schlecht vorbereiteten Angriff während dem irgendwann zum Rückzug geblasen wird, ist die schlechteste aller Welten. Nichts stärkte Hugo Chavez mehr als seine kurzfristige Absetzung vom 11. bis 13. April 2002.
Hab mich letzten Sonntag mal über die Lage in Venezuela upgedated. Das hat 4 Stunden gedauert, ohne dass ich tief gegraben hätte. Im Iran erscheint das auch superkompliziert und mit ungewissen Ausgang. Die Verästelung der möglichen Szenarien in Venezuela geht jedenfalls sehr weit. Im Iran wird das nicht anders sein.
Hab grad auf twitter gelesen, dass US-Militärs die Ukrainer angehauen haben: „Ey, hasse mal ’ne Drohne gegen die Shahed Raketen“. Das hört sich gar nicht gut an.
Zu b)
Bei den US-Angriffen gingen bis jetzt im wesentlichen wahnsinnige Massenmörder (ihres eigenen Volkes) drauf. Ob das zu einem Regimewechsel führt, ist mir erst einmal egal, die richtigen trifft es nämlich zweifellos.
zu b)
Multiperspektivität, Ambivalenz, Dantes Göttliche Kommödie beginnt mit dem Satz
„Nel mezzo del cammin di nostra vita mi ritrovai per una selva oscura, ché la diritta via era smarrita.“
„In der Mitte unseres Lebensweges fand ich mich in einem dunklen Wald wieder, denn der gerade Pfad war verloren gegangen.“
Es gibt viele Dinge, die wir eben nicht wissen. Es wird zivile Opfer geben. Dies wird von der höchst effektiven Propaganda der Autokraten ausgeschlachtet werden. Mit dem Dauerverhandeln komm ich auch nicht klar. Manche Dinge aus dem Iran und Venezuela, das mir vertrauter ist, sind einfach zu abscheulich.
Der Mensch neigt irgendwie dazu, Dinge schärfer zu beurteilen, wenn er weniger Kontextwissen hat. Ich kriege die unglaublichsten Dinge über Deutschland via whatsup aus Chile.
Wir haben die technischen Möglichkeiten, uns dieses kulturelle Kontextwissen zu verschaffen. Es braucht „nur Geduld“ und das ist das schwierigste. Mit den KIs kann ich in die von Victor Hugos geschilderte Welt des Frankreichs des 19. Jahrhundert tief eintauchen. Auf komfortable Art. Die KIs erklären mir viele der Referenzen.
Im Iran sind die Moscheen so leer wie bei uns die Kirchen. Die Wahrscheinlichkeit, dass dieses Regime völlig absurd ist, ist sehr hoch.
Aber das teuerste, was wir uns in der Europäischen Kultur erarbeitet haben, ist dieser Zweifel. Zweifel hat natürlich auch eine zersetzende, betäubende Wirkung.
Fun Fact
„Nel mezzo del cammin di nostra vita mi ritrovai per una selva oscura, ché la diritta via era smarrita.“
Ich kannte die Bedeutung des Satzes, aber ich hätte es heute auch leicht aus Spanischen + Französisch ableiten können ausser dem Wort smaritta, obwohl es aus dem Vulgärlateinischen stammt. Vulgärlatein bezeichnet alles Latein, das vor den „Romanischen Sprachen“ benutzt wurde mit Ausnahme der Texte einer sehr abgehobenen Hochkultur (Redetexte aus dem Römischen Senat, gelehrte Schriften). Letzteres wird einfach als Latein bezeichnet, also ohne Vulgär.
In Rumänisch gibt es „rătăcită“, das mit smarrita verwandt ist. So offensichtlich finde ich das nicht, aber vielleicht folgt das einer im Rumänischen sehr verbreiteten Lautverschiebung. Ich kann kein Rumänisch.