Die LINKE begibt sich mit Forderungen nach AfD-Verbot, Klimaschutz, Neutralität und Rentenreformen ins Abseits – Vermischtes 30.06.2026

Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Die „Fundstücke“ erhalten ausführlichere und thematisch gegliederte Hinführungen zu verschiedenen Artikeln aus den Weiten des Netzes dar. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels empfohlen; ich übernehme keine Garantie für die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Zusammenfassungen. Für den Bezug in den Kommentaren sind nummerierte Zwischenüberschriften eingezogen, bitte auf die referieren. Dazu gibt es die „Resterampe“, in der ich nur kurz auf etwas verweise, das ich zwar bemerkenswert fand, aber zu dem ich keinen größeren Kommentar abgeben kann oder will. Auch diese ist geordnet (mit Buchstaben), so dass man sie gegebenenfalls in den Kommentaren referieren kann.

Fundstücke

1) Falsches Neutralitätsverständnis

Die AfD macht außer mit „normal“ mit kaum einem Begriff so viel Stimmung wie mit „Neutralität“. Sie reklamiert für sich, dass Institutionen ihr gegenüber nicht neutral seien und versucht, mit Druck und Einschüchterung Kritiker*innen mundtot zu machen, etwa durch die Errichtung von Meldeportalen. Dabei ist das Verständnis der AfD von Neutralität eines, das mit der Gesetzeslage wenig zu tun hat, was allerdings sehr vielen Menschen nicht bewusst ist – auch solchen, die es besser wissen sollten. In einem Spiegel-Artikel etwa ist zu lesen, dass jede fünfte Lehrkraft sich im Unterricht gehemmt fühlt und jede vierte der Überzeugung ist, die eigenen politischen Überzeugungen nicht nennen zu dürfen – was beides falsch ist. Wer nicht weiß, warum: der Politikwissenschaftler Hubert Buchstein hat einen Vortrag gehalten, der bei DLF Nova in der Reihe Hörsaal zur Verfügung steht, den ich gerne empfehlen möchte. In aller Kürze: der Beutelsbacher Konsens, der alle Lehrpersonen in Deutschland verpflichtet, sieht keine Wertneutralität vor. Dass Lehrkräfte im Unterricht demokratiefeindlichen Ansichten freien Raum geben müssten, ist ebenso falsch wie gefährlich. Das sieht das Neutralitätsgebot nämlich eben gerade nicht vor. Stattdessen sind diese Personen – wie auch Polizei- oder Bundeswehrangehörige, Justizpersonal oder die ÖRR – dazu verpflichtet, für die Demokratie einzustehen. Daran darf gerne erinnert werden, vor allem in diesen Zeiten.

2) Die LINKE im Abseits

Ich habe im letzten Vermischten und im Podcast mit Ariane bereits angeteasert, wie unendlich bescheuert die LINKE sich auf ihrem letzten Parteitag aufgestellt hat. Der neue Vorsitzende, Luigi Pantisano, hatte gesagt: „Letztlich gibt es auch gerade gar keinen Unterschied zwischen der CDU, die faschistische Politik macht, der AfD oder den Faschisten selbst.“ Das ist auf so vielen Ebenen Quatsch, man weiß gar nicht, wo anfangen. Erstens haben wir dieselbe ahistorische Begriffsverwendung, die ich auch im Podcast mit Ralf diskutiert habe. Nicht einmal die AfD ist faschistisch, und die CDU gleich dreimal nicht. Das ist ist derselbe dumme ideologische Sprech, wie wenn die CDU alles „sozialistisch“ nennt. Zweitens ist die Aussage auch ohne den Faschismusbegriff dumm. Denn wenn kein Unterschied zwischen CDU und AfD besteht, dann gibt es auch für eine Trennung keinen Grund, aber genau die fordert Pantisano ja ein. Drittens ist es strategisch dämlich, weil man die CDU ja von der Zusammenarbeit mit der AfD abhalten möchte, wozu es ein Bündnis von Demokraten braucht, aus dem sich die LINKE selbst herausnimmt; man sehe nur das aktuelle Interview mit MeckPomm-CDU-Spitzenkandidat Peters an, der eine Zusammenarbeit klar ablehnt (was in MeckPomm zugegebenermaßen auch nicht ansteht, aber in Sachsen-Anhalt ein aktives Thema ist). Die LINKE arbeitet massiv daran, die CDU zu einer Koalition mit der AfD zu bewegen. Zwar hat Pantisano sich mittlerweile entschuldigt, aber ich kann Linnemann verstehen, wenn er sagt, dass er die halbgare Entschuldigung nicht annimmt. Was für ein Idiotenverein. Und das, wo man dem entsprechenden Spiegel-Artikel nur zustimmen kann: die CDU braucht die LINKE, jedenfalls in Sachsen-Anhalt. Und genauso, wie die CDU hier problemlos Rote Linien definieren kann, erwarte ich das auch bei der AfD.

3) Reformdiskurs

Mehr als die Hälfte der Überstunden in Deutschland ist unbezahlt. Man möge mir (und den meisten abhängig Beschäftigten) verzeihen, wenn wir bei Schlagworten wie „Flexibilisierung und Ermöglichen von mehr Überstunden“ nicht zuerst an tolle Möglichkeiten denken, das eigene Einkommen aufzubessern.

Was die Rente angeht, scheint man sich dem Warcken-Modell anzunähern und endlich einen etwas umfassenderen Katalog aufzustellen (Tobias Blancken sieht „viele kleine Verlierer„; im Spiegel wird es als „Befreiungsschlag“ gefeiert). Erwartungsgemäß stößt der auf starke Kritik. Das Makroskop-Magazin stellt sein eigenes Rentenkonzept dagegen: keine Aktiendeckung (was mir weitgehend ideologisch motiviert scheint) und eine Betonung einer höheren, an die Produktivität angepassten Lohnentwicklung. Letzterer Aspekt wird in der Debatte allzu oft vernachlässigt: die Renten hängen an den Löhnen. Hier hat die CDU einen blinden Fleck und die SPD einen Blackout. Die ist im Übrigen wesentlich opferbereiter als CDU/CSU: während sie ihre Heilige Kuh der Rente mit 63 zu schlachten bereit ist, zieht die CSU bei der Mütterrente eine rote Linie. Dieses Ungleichgewicht haben wir ja schon öfter beobachtet. Das wird auch nicht besser, wenn man eine Art skandinavisches System à la carte zusammenstellen will, denn Sozialsysteme sind idiosynkratisch: sich einzelne Elemente herauszunehmen, ob Schweiz oder Österreich oder Niederlande oder Schweden, und die Gesamtumstände zu ignorieren, wird nie funktionieren.

Obwohl „uns“ das Geld „ausgeht“, gibt es weiterhin Bereiche, die merkwürdig aus dem Reformdiskurs ausgeklammert werden. Die Erbschaftssteuer gehört da massiv dazu. Aktuell ist die Verschonung von Großvermögen in Bayern in den Schlagzeilen, wo der Fiskus einfach mal auf 2,4 Milliarden Euro verzichtet (BR berichtet ausführlich über den Clusterfuck). Natürlich können die Behörden da wenig machen, weil das geltende Rechtslage ist, aber genau die könnte man ja wie in allen anderen Fällen von den Beamtenpensionen (bei Springer wird weitergehetzt) bis zu den Minijobs auch anpacken. Es spricht für die Schieflage im Reformdiskurs, dass das nicht passiert: bluten müssen alle außer den Reichen. Die sind bisher von gar nichts betroffen: gesetzliche Rente und Pensionen interessieren sie so wenig wie Bürgergeld (wogegen die Welt, stramm voran beim Abschied demokratischer Diskurs, ein „Störgefühl“ ausmacht, während sie die „Rentenapokalypse“ ausruft) oder gesetzliche Krankenversicherung.

Stattdessen wird das Geld teilweise an den unsinnigsten Stellen eingespart. Die Kürzung von Integrationskursen gehört für mich zu den absolut hanebüchensten Ideen. Wie kann man angesichts der wahrlich totdiskutierten Integrationsprobleme und der Bedeutung von Sprachkenntnissen ausgerechnet hier kürzen? Es ist zum Haare raufen.

Ausgerechnet der Mercedes-Chef, einer der größten Versager und Chinahörigen in der deutschen Volkswirtschaft, zentral mit verantwortlich für die Zerstörung der deutschen wirtschaftlichen Substanz, fordert von seinen Beschäftigten (also denen, denen er nicht die Stellen streicht und sie in den üppig ausgestatteten Vorruhestand schickt, obwohl „wir“ ja alle mehr arbeiten müssen) fünf Stunden unbezahlte Mehrarbeit pro Woche. Für ihn und seine zehn Millionen im Jahr gilt das natürlich nicht.

4) Klimakrise

Die KI-Industrie fordert zum kollektiven Selbstmord auf. Wie man sich ernsthaft hinstellen kann und sagen, entweder können wir überleben oder eine KI-Industrie haben, ist mir völlig unklar. Nirgendwo wäre ein CO2-Preis angebrachter als hier. Das würde, wie Matt Yglesias jüngt vorgeschlagen hat, zwei unpopuläre Ideen verbinden: keiner mag den CO2-Preis, und keiner mag die KI-Industrie. Match made in heaven.

Solche „Klimaabgaben“ werden in den kommenden Jahren mit Sicherheit mehr und die Debatte bestimmen, auch in Deutschland, sobald das mal die ideologischen Scheuklappen abgelegt hat. Spanien und Frankreich etwa sprechen sich in der Eu für Abgaben auf Luxusreisen aus. Immerhin leise Unterstützung finden solche Ideen etwa bei Lea Hampel in der SZ: „Die Reichen zerstören überproportional stark den Planeten. Es ist Zeit, dass sie entsprechend zur Kasse gebeten werden.“ Man muss denen ja gar nichts wegnehmen. Aber die Allgemeinheit muss echt nicht Privatjets, Yachten und sonstigen Unfug mitfinanzieren.

Und wer sich gerne der Illusion hingibt, die Lage wäre nicht schlimmer als einst: Der SZ-Liveblog liest sich als eine einzige Horrorshow, wenngleich tonal oftmals eine Guiness-Buch-der-Rekorde-Heiterkeit vorherrscht. Auch der Atlantic fragt etwas ironisch: „Is It Warm Out There?

5) AfD-Verbot

Angesichts eines Rechtsgutachtens einer NGO, die (wenig überraschend) zu dem Schluss kommt, dass die AfD verfassungswidrig ist, hat die Debatte um das Verbot einmal mehr etwas Rückenwind bekommen. Ich glaube weiterhin nicht, dass in die Richtung irgendetwas Signifikantes passieren wird; es gibt kaum politischen Willen dazu – wenngleich mehr, als ich erwartet hätte, denn die Landesregierung BaWü fordert angesichts des neuen Gutachtens die anderen Länder zu einer Initiative im Bundesrat auf. Das Gutachten selbst scheint, wenn man den Worten des Hauptautors Bijan Moni im Spiegelinterview folgt, tatsächlich durch seine neue Herangehensweise einige Schwächen des VfS-Gutachtens auszubügeln. Ob das ausreicht kann ich als politischer Laie nicht sagen, aber faszinierend ist in jedem Fall, dass er endlich einmal die konkreten Absichten der AfD in die Debatte einbringt, vor allem in ihrer erklärten Absicht, den Rechtsstaat abzuschaffen und ihre politischen Gegner zu verfolgen. Erst letzthin hat Maximilian Krah wieder verkündet, dass Lehrer, die etwas gegen die AfD sagen, unter ihrer Regierung ihre Pensionen verlieren sollen. Ich sage es immer wieder: wie soll die CDU mit so etwas koalieren und eine demokratische Partei bleiben? Das ist ausgeschlossen.

Eine Sache jedenfalls ist bezüglich des Verbots sicher: die bisherigen Strategien funktionieren nicht. Die FAZ hat einen guten Artikel darüber, wie die Rechtsradikalen ihre Normenbrüche als gezielte und sehr erfolgreiche Strategie verwenden. Entweder zerstören sie die Demokratie, weil die Demokraten sie gewähren lassen (win), oder sie erhalten neues Material für ihre Opfererzählung, weil die Demokraten sich (konsequenzlos, weil nur rhetorisch) wehren (win). Dieses Schema muss irgendwie durchbrochen werden. Das Verbot ist sicher das Durchschlagen des Gordischen Knotens, und ich bleibe überzeugt, dass es Alternativen gibt. Aber angesichts der immer lauter werdenden Stimmen aus dem radikalisierten ehemals bürgerlichen Spektrum (Ulf Poschardt empfindet Kritik an einem Hitlergruß etwa als „hysterisch„), die Rechtsradikalen an die Regierung zu bringen, wird das immer schwieriger und dringlicher.

Resterampe

a) Nachtrag zur Diskussion um neue Väter.

b) Zum Thema Radikalisierung und Pogromstimmung hier Elon Musk.

c) Taser für die Polizei sind scheinbar keine sonderlich gute Idee.

d) Lesenswerte Einschätzung zum Labourführungswechsel in der FT.

e) Dieter Nuhr echt unterirdisch.

f) NZZ-Rezension zu einem Buch über Polen im 19. Jahrhundert. Lesenswert.

g) Nachdem wir es letzte Woche vom UK-Bashing hatten, kommt jetzt in der Times die etwas schnoddrige Gegenrede.

h) Keine Prinzipien, nie.

i) Zur Klimakrise.

j) Oldie but Goodie zur Deutschen Bahn.

k) Schönes Paper zu den Römern und Grand Strategy, vor allem was für Thorsten.


Fertiggestellt am 27.06.2026

{ 147 comments… add one }
  • Thorsten Haupts 27. Juni 2026, 16:33

    Zu k) … vor allem was für Thorsten …

    Yup, danke. Bin nur wieder einmal überrascht, dass in der historischen Disziplin etwas als umstritten gilt, was für mich relativ klar war – dass die Römer keine Strategie im Sinne moderner Nationalstaaten hatten. Aber natürlich trotzdem eine Strategie, nur folgte die ihren spezifischen historischen, kulturellen und Umweltbedingungen. Auf die Idee einer Rückwärtsprojektion post Clausewitz´scher Strategievorstellungen wäre ich im Leben nicht gekommen, Rom war erkennbar etwas völlig anderes als moderne National- oder mittelalterliche Feudalstaaten. Und ich bin wirklich reiner Amateur.

  • Lemmy Caution 27. Juni 2026, 17:16

    4) Die AI Industrie trifft auf immer mehr Widerstand. Diese sind nicht nur politisch (https://www.youtube.com/watch?v=mnlRajnrxa0 . etwas über 20 Minuten) sondern auch ökonomisch. Open AI wird seinen Börsengang wohl erstmal verschieben. Wie gesagt, verstehe ich nicht wie die ihre Investitionen einspielen wollen. (https://www.youtube.com/watch?v=_pSivPlRx5o )
    Falls es dafür in diesem Ausmass überhaupt keinen Markt gibt, erübrigen sich alle Diskussionen um neue Gaskraftwerke für AI. Wir hätten dann just another Finanzmarktkrise.

  • Stefan Pietsch 27. Juni 2026, 17:46

    1) Falsches Neutralitätsverständnis

    Das ist schon ein ziemlich übler Witz. Die Idee der Meldeportale war eine linke, genauer eine der Grünen. Zahlreiche solcher Stellen, wo Bürger denunziert werden können, laufen mit Steuergeld, betrieben von den NGOs, die den Grünen nahestehen. Sie stecken hinter vielen der heutigen Anzeigen bis hin zu Prominenten wie Jan Fleischhauer. Dachte man im links-grün-versifften (hier passt es) Lager ernsthaft, solche Stasi-Methoden wären nur Linken vorbehalten?

    Dass Lehrkräfte im Unterricht demokratiefeindlichen Ansichten freien Raum geben müssten, ist ebenso falsch wie gefährlich.

    Wie ist das zu werten, wenn die niedersächsische Kultusministerin ein „Projekt“ genehmigt, in dem die Oppositionsführerin im Deutschen Bundestag hinter Gittern ausgestellt wird? Nein, diese Moral der linken Tugendwächter ist echt zum Kotzen.
    https://rundblick-niedersachsen.de/wirbel-um-anti-afd-aktion-an-schulen

  • Stefan Pietsch 27. Juni 2026, 17:50

    2) Die LINKE im Abseits

    Linke im Abseits? Das ist wohl eher ein Euphemismus. Nach den gleichen Kriterien, nach der die AfD von Linken als verfassungsfeindlich eingestuft wird (siehe 5)) ist die LINKE eine verfassungsfeindliche Partei. Die LINKE will die Marktwirtschaft (inklusive Privateigentum) abschaffen, sie will Andersdenkende und Reiche hinter Gitter oder gar umbringen, sie will die Demokratie aushebeln.

    • schejtan 28. Juni 2026, 00:44

      Alta. Die linke will andersdenkende umbringen? War die hitzewelle zu viel?

      • Stefan Pietsch 28. Juni 2026, 07:36

        Wenn Sie aus Deutschland nichts mehr mitbekommen, kann ich es auch nicht ändern:
        https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/linke-verhaeltnis-zur-linksjugend-nach-parteitag-ungeklaert,VNMMIcR

        auch wenn wir das eine Prozent der Reichen erschossen haben, ist es immer noch so, dass wir heizen wollen…“ hatte Riexinger entgegnet: „Wir erschießen sie nicht, wir setzen sie schon für nützliche Arbeit ein.“
        https://www.bundestag.de/webarchiv/textarchiv/2020/kw10-de-aktuelle-stunde-linke-685526

        • Thorsten Haupts 28. Juni 2026, 11:49

          Tschuldigung Sir, aber wenn Sie nicht deutlich mehr Beispiele haben, als genau dieses eine – ich selbst kenne nicht mehr – ist Ihre Pauschalverdammung „sie will Andersdenkende und Reiche hinter Gitter oder gar umbringen“ schlicht Propaganda. Denn ein paar durchgeknallte Idioten gibt es überall.

          • Stefan Pietsch 28. Juni 2026, 12:12

            Das ist so überspitzt wie der AfD vorzuwerfen, sie wolle Deutsche ausweisen, nur gibt es ja bei der LINKEN Tötungsfantasien. Gerade trug die LINKE-Abgeordnete Merendino bei der Befragung eines Verfassungsorgans (dem Bundeskanzler) in einer Verfassungsinstitution (Deutscher Bundestag) ein Shirt mit dem Slogan „Eat the Rich“. Das ist nicht lustig.

            Die LINKE will von der Union ernstgenommen werden im Unterschied zur AfD. Sich dann noch schlechter im Benehmen und der extremistischen Positionierung zu zeigen, unterstützt das sicher nicht.

            Ich bin nicht für ein Parteiverbot der LINKEN. Nur wer ein Verbot der AfD will, sollte nicht mit zweierlei Maß messen.

            • Thorsten Haupts 28. Juni 2026, 15:02

              … nur gibt es ja bei der LINKEN Tötungsfantasien. … Gefolgt von einem Beispiel, das genau das nicht hergibt.

              Nur wer ein Verbot der AfD will, sollte nicht mit zweierlei Maß messen … Ich will auch kein Verbot der AfD. Nur bietet die Partei um Grössenordnungen mehr Beispiele als die Linke, in denen sich Funktionsträger klar verfassungswidrig geäussert haben. Der Vergleich ist zumindest bisher nicht stimmig.

              • Stefan Pietsch 28. Juni 2026, 15:18

                Woran machen Sie das fest? Die hervorgehobenen Punkte des publizierten Gutachtens würden die Grünen zu einer verfassungsfeindlichen Partei machen. Die LINKE ohnehin.

                • Thorsten Haupts 29. Juni 2026, 09:51

                  An der Zahl von dokumentierten Rechtsradikalen und -extremisten in der AfD, an deren flächendeckende Weigerung, auf gemeinsame Veranstaltungen mit Rechtsextremisten zu verzichten und ihre Funktionsträger entsprechend zu reglementieren. Trifft in diesem Ausmass bisher auf keine andere Partei zu, auch wenn die LINKE gerade Anstalten unternimmt, das zu ändern.

                • Lemmy Caution 29. Juni 2026, 13:15

                  Ein Vergleich der AfD mit der Fratelli d’Italia (Meloni) und dem Rassemblement National. Beide ordnen sich inzwischen glaubwürdig in west-europäische Traditionen an. Ich würde die nicht unbedingt wählen, aber seitdem ich mir Marine Le Pen Interviews anschaue, verstehe ich ihre französischen Anhänger besser. Für ein vor kurzem stattgefundenes Interview von France Culture mit Le Pen kann man sich englisches Audio einstellen: https://www.youtube.com/watch?v=UoY6-dLJmCo
                  Das Zahnrädchen Einstellungen und dann Audiotrack.
                  Die RN wollen ja mit den DDR-Schmuddelkindern von der AfD bekanntlich auch nicht zusammenarbeiten.
                  Ich bin gegen ein AfD Verbot, aber für ein Sezession der BRD aus dem „Gemeinsamen Deutschland“. Das tut unserem Land einfach nicht gut.

  • Stefan Pietsch 27. Juni 2026, 18:13

    3) Reformdiskurs

    Mehr als die Hälfte der Überstunden in Deutschland ist unbezahlt. Man möge mir (und den meisten abhängig Beschäftigten) verzeihen, wenn wir bei Schlagworten wie „Flexibilisierung und Ermöglichen von mehr Überstunden“ nicht zuerst an tolle Möglichkeiten denken, das eigene Einkommen aufzubessern.

    Schon erstaunlich, wie man mit einem kleinen Post auf X total viel Blödsinn verbreiten kann. Wer sich näher mit der Studie des IAB beschäftigt (was Twitterer anscheinend nicht können), wird dann bemerken, dass diese nicht bezahlten Überstunden nicht von ohnehin überbezahlten Beamten geleistet werden, sondern z.B. von Führungskräften mit hohen und sehr hohen Gehältern. Oder sie werden auf Überstundenkonten geparkt (wir hatten das Thema mit Ariane). Das ist aber mit der Erfassung eine Form der Vergütung, sie verschwinden nicht, wie der Tweet suggeriert, im Nirwana.

    Das Makroskop-Magazin stellt sein eigenes Rentenkonzept dagegen: (..) Betonung einer höheren, an die Produktivität angepassten Lohnentwicklung.

    Tolle Idee: Die Produktivitätsentwicklung liegt seit Jahren nahe der Nulllinie. Also Null-Rentenzuwachs?

    Letzterer Aspekt wird in der Debatte allzu oft vernachlässigt: die Renten hängen an den Löhnen.

    Das ist seit Jahrzehnten bekannt und wurde von Linken über verteidigt. Allerdings auch zunehmend aufgehoben.

    Die ist im Übrigen wesentlich opferbereiter als CDU/CSU: während sie ihre Heilige Kuh der Rente mit 63 zu schlachten bereit ist, zieht die CSU bei der Mütterrente eine rote Linie.

    Noch so ein Unsinn: Die Rente mit 63 kann verfassungsrechtlich problemlos gestrichen werden (bei zukünftigen Vorruheständlern). Abe die einmal gewährten Ansprüche aus der Mütterrente – und nur um die geht es – können nicht wieder entzogen werden. Ob man doch alle Linke mal vorsorglich als verfassungsfeindlich verbieten sollte? 😉

    Obwohl „uns“ das Geld „ausgeht“, gibt es weiterhin Bereiche, die merkwürdig aus dem Reformdiskurs ausgeklammert werden. Die Erbschaftssteuer gehört da massiv dazu.

    Wieso sollte sich die Debatte nur um Milliardenvermögen drehen? Die bringen dem Fiskus kaum Mehreinnahmen. Wenn, dann alle Erbschaften. Ich wäre für eine pauschale Erbschaftsteuer von 10 oder 20 Prozent (alle Linken, bitte jubeln an dieser Stelle!) und gleichzeitig wird die Einkommensteuer linear abgesenkt.

    (..) bluten müssen alle außer den Reichen.

    Das hat doch ein Beamter sich selbst vergessen… Wie genau sollten „Reiche“ zusätzlich bluten, die ohnehin die ganze Party schmeißen? In dem sie noch mehr Steuern zahlen, weshalb dann derzeit nicht gedeckte Schecks doch gedeckt werden können? Wenn man in den letzten Jahrzehnten bei jeder zusätzlichen staatlichen Leistung die „Reichen“ mitbedacht hätte, könnte man ja heute mit etwas Glaubwürdigkeit klagen. So ist es übelster Populismus.

    Stattdessen wird das Geld teilweise an den unsinnigsten Stellen eingespart. Die Kürzung von Integrationskursen gehört für mich zu den absolut hanebüchensten Ideen.

    Maßnahmen, wo man das Geld zum Fenster rausschmeißt, zu streichen ist nie eine schlechte Idee. Solche „Integrationskurse“ nähren vor allem eine Industrie im sozial-industriellen Komplex. Sie werden zu über der Hälfte nicht zu Ende gebracht und nur widerwillig von Zuwanderern belegt. Okay, mit einer Verpflichtung und finanziellen Beteiligung der Teilnehmer könnte man darüber reden. So aber nicht.

    Und falls es weltfremde und wirtschaftsfeindliche Beamten nicht wissen: Der CEO eines DAX-Konzerns arbeitet praktisch rund um die Uhr. Vielleicht sollte man ja den Antrag stellen, dass für sie der Tag nicht 24, sondern 36 Stunden hat?

    • Erwin Gabriel 2. Juli 2026, 17:58

      @ Stefan P.

      Ich stimme grundsätzlich zu (soll heißen: für den Bereich, in dem ich mich auskenne). Grundsätzlich definieren sich die meisten Jobs nicht über Anwesenheit, sondern über die Bewältigung von Ausgaben und das Lösen von Problemen. Da ist (meiner Ansicht nach) immer arbeitszeitlicher Spielraum nach oben und nach unten.

      Seitens der Arbeitnehmer grundsätzlich rein auf die Arbeitszeit zu beharren wäre, als würde der Arbeitgeber nur auf das Ergebnis schauen und danach bezahlen. Ich bin mir sicher, dass kein mit Verstand gesegneter Arbeitnehmer diese Lösung akzeptieren würde. Ist also ein relativ normales Ringen im permanenten Arbeitskampf.

      Wie Du zurecht schreibst, sind Führungskräfte oft betroffen, weil es sich irgendwie karrieremäßig doch auszuzahlen scheint, die Extra-Meile zu gehen. Aber ich persönlich gehörte immer zu der Fraktion, Aufgaben möglichst gut zu erledigen und Kunden so zufriedenzustellen, dass die gerne wiederkommen; ich bin also parteiisch.

      PS: Wo ich mich nicht so gut auskenne, sind prekäre Arbeitsverhältnisse (Zimmerservice in Hotels, Putzen, Kochen in Restaurants etc)

      • Stefan Pietsch 2. Juli 2026, 18:44

        Arbeitnehmer werden nicht nach Zeit bezahlt. Das ist die Illusion. Bei Gehaltserhöhungen ist der Aspekt der Leistung übergeordnet. Leistung nicht in Zeiteinheiten gemessen (die ist formaljuristisch für alle Beschäftigten gleich), sondern und Qualität und Produktivität. Bei Kündigungen gilt das erst recht, vielleicht nicht in Großkonzernen. Aber ich habe Kündigungen immer nur nach dem Leistungskriterium durchgesetzt, dann wird die Sache im Arbeitsgerichtsverfahren mit Abfindung gelöst. Das ist übrigens eine weitere Illusion: Der Kündigungsschutz spielt in der Anonymität von Großkonzernen eine Rolle, gehört zur Identität von Gewerkschaften und ist das Instrument, das Abfindungen sichert. Auf all das könnten wir leicht verzichten.

        Nein, Überstunden zahlen sich nicht für Führungskräfte aus. Wer sie in solchen Funktionen leistet, tut dies aus so altdeutschen Gründen wie Verantwortungsgefühl, das manche selbst dann haben, wenn sie nicht dafür bezahlt werden.

        Bei den Prekären habe ich Dir etwas voraus, auch wenn Stefan das nicht meint.

  • Stefan Pietsch 27. Juni 2026, 18:19

    4) Klimakrise

    Haben wir nun einen Klimawandel, eine Klimakrise oder eine Klimakatastrophe? Das mal beiseite:

    Deutschland ist zwar bei der KI-Revolution als Entwickler nicht dabei, aber Besteuern können wir. Da macht uns niemand etwas vor.

    Werden teure Luxuswaren nicht weit höher besteuert als der Knatterflug nach Mallorca? Und worin unterscheidet sich klimatechnisch eigentlich ein Billigflug in der Economy nach Bali von einem Flug in der Business Class nach Kapstadt?

    • Sören 28. Juni 2026, 17:08

      >Haben wir nun einen Klimawandel, eine Klimakrise oder eine Klimakatastrophe?

      Ja.

  • Stefan Pietsch 27. Juni 2026, 18:22

    5) AfD-Verbot

    Wann legen die Verbotsfetischisten mal etwas auf den Tisch? Verbotsverfahren gegen Normalisierung des Verhältnisses zur AfD im Falle des Scheiterns, das wäre ein fairer Deal.

    Irgendwie hat es natürlich Logik, dass eine NGO mit allein Zugang zu öffentlichen Quellen für ihr „Gutachten“ mehr und überzeugende (!) Gründe für ein Verbotsverfahren findet als die mit Geheimdienstmethoden ausgestattete Behörde. Die Leute müssen genial sein.

    • Ariane 28. Juni 2026, 13:23

      Vielleicht liest du einfach mal die Links, die Stefan freundlicherweise dazugepackt hat. Im Interview wird sehr ausführlich erklärt, dass die Fragestellung eine andere war als im Gutachten des Verfassungsschutzes.
      Es wird auch ausführlich auf die Unterschiede eingegangen – ebenfalls auf die Unterschiede zu den NPD-Untersuchungen.

      Nur mal so als Idee, weil man dann vielleicht zu einer gehaltvolleren Diskussion kommen könnte. Das ist hier ja bewusst etwas anderes als Twitter.

      • Stefan Pietsch 28. Juni 2026, 14:04

        Es gibt nach Artikel 20 Grundgesetz nur eine Fragestellung. Alle anderen sind irrelevant.

        • Ariane 28. Juni 2026, 15:09

          Es wird auch solange irrelevant bleiben, solange niemand den Mut hat, die Frage den Leuten zu stellen, die darüber entscheiden.

          • Stefan Pietsch 28. Juni 2026, 17:58

            Was wäre Dein Einsatz?

            In einer Demokratie entscheidet der Wähler, wer welche Macht und Zuständigkeit bekommt. Und überhaupt. Das ist das Grundprinzip. Völlig undemokratisch ist, wenn konkurrierende Parteien entscheiden wollen, wer überhaupt zum Kampf um Wählerstimmen zugelassen wird.

            Diesen harten Eingriff gibt es so nur in Staaten, die überhaupt keine Demokratie haben oder wenn, dann eine „gelenkte“. Mir fällt auf Anhieb keine westliche Demokratie ein, in der Parteien die Möglichkeit haben, den Ausschluss einer anderen Partei zu betreiben. Über dieses Grundprinzip sollten alle nochmal nachdenken, die sich als Demokratie-Retter aufspielen.

            Nun hat Deutschland eine Geschichte, weshalb die Väter des Grundgesetzes Artikel 21 aufgenommen haben. Sie wussten allerdings auch, welch Schindluder mit der Möglichkeit eines Parteiverbots getrieben wird, zu verführerisch ist das Instrument, sich ungeliebter Wettbewerber zu entledigen.

            Eine Zweidrittelmehrheit lehnt ein Verbot der AfD ab. Niemand kann also im Sinne der Wähler sprechen, wenn er gegen den eindeutigen Mehrheitswillen für das Verbot der AfD kämpft. Parteien und Politiker halten sich hier für kompetenter als jene, von denen sie ihre Macht beziehen. Ziemliche Hybris.

            Nun hat auch das Oberverwaltungsgericht Köln klar gemacht, dass über tausend Seiten Beweise über die Umtriebe von AfD-Mitgliedern nicht ein Verbot rechtfertigen, zu dürftig sind die Belege. Aber wieder glauben einige mit weniger Mitteln schlauer zu sein. Ziemliche Hybris.

            Ich wäre für ein Geschäft, das habe ich deutlich gemacht. Ich halte nichts von der Feigheit der Verbotsbefürworter. Wenn sie der Ansicht sind, die AfD sei verfassungsfeindlich, brauchen wir ein schnelles Verfahren. Hier geht es um das Elementarste unserer Demokratie und für eine Partei um alles. Wenn die Ansicht aber falsch ist – und jede Ansicht muss in einer freien Gesellschaft falsifiziert werden können – und Karlsruhe ein Verbot ablehnt, dann ist von allen klagenden Parteien unverzüglich das Verhältnis zur AfD zu normalisieren, weil sie dann den amtlichen Stempel einer normalen Partei trägt. Und Demokraten respektieren untereinander, nicht wahr?

            • Ariane 28. Juni 2026, 18:16

              Völlig undemokratisch ist, wenn konkurrierende Parteien entscheiden wollen, wer überhaupt zum Kampf um Wählerstimmen zugelassen wird.

              Wenn du tatsächlich ernsthaft debattieren willst, anstatt jegliche Äußerung für einen Monolog gegen irgendwas zu nutzen. dann wäre es wirklich hilfreich, würdest du dich mit den Grundlagen dazu auseinander setzen.

              Ein kurzes Googlen reicht aus, um deinen obig zitierten Absatz gegenstandslos zu machen. Diese Entscheidung obliegt nämlich nicht den Parteien. Sie obliegt dem Bundesverfassungsgericht und niemandem sonst.

              Das wiederum kann nicht von selbst tätig werden (man nennt das Gewaltenteilung), sondern es bedarf eines Antrags. Dieser muss von Bundestag, Bundesrat oder der Bundesregierung kommen.

              Mein „Einsatz“ bzw Meinung ist, dass es Zeit für das Prüfverfahren ist – mit dem vollen Risiko, dass der Ausgang dabei nicht vorherzusehen ist. Ich halte den Prozess für deutlich wichtiger als das Ergebnis.
              Aber ein Schwebezustand, in dem ich ständig höre, dass hier Gefahr droht, aber alle zu ängstlich sind, entsprechend zu handeln, halte ich in sich für besorgniserregend.

              Und Demokraten respektieren untereinander, nicht wahr?
              Wir können auch gerne auf diesem Niveau weiterdiskutieren. Aber ich bin mir ziemich sicher, du weißt das schon, was ich geschrieben habe. Genauso, dass das Oberverwaltungsgericht Köln nicht über ein Verbot entschieden hat oder dass etwaige Wählerstimmen hier eben keine Rolle spielen.

              Wie gesagt. ich debattiere hier gerne gehaltvoll, aber auf Gegenseitigkeit. Wenn du hier nur rumtrollen willst, hab ich kein Problem damit, da auch mitzumachen.

              • Stefan Pietsch 28. Juni 2026, 19:09

                Die verfassungsrechtliche Lage ist in meiner Antwort ausgeführt. Du musst es nur lesen.

                Aber wir haben einen Parteienstaat. Es sind Parteien, die das Parteiverbot fordern. Das ist keine gesellschaftliche Bewegung. Es sind Parteien, die den Antrag letztendlich stellen und den Fall nach Karlsruhe tragen.

                Ein einziges Verfassungsorgan kann das. Doch der Bundespräsident hat es nie im Ansatz versucht. Der Bundeskanzler, egal ob Merkel, Scholz oder Merz, haben es nicht versucht. Der Bundestag hat nicht im Ansatz eine Mehrheit, sogar nach Ansicht grüner und sozialdemokratischer Experten zu Recht. Der Bundesrat hält sich auch raus.

                Was ist das für eine Position zu meinen, alle Verfassungsorgane würden unverantwortlich handeln?

                Du sagst, es sei aus demokratischer Sicht nicht relevant, wie die Wähler denken? Nun gut, auch eine Ansicht. Verfassungsrechtlich hast Du Recht, aber sonst wird doch „zur Rettung der Demokratie“ argumentiert. Die Idee, die Demokratie vor der Demokratie retten zu wollen, ist im Ansatz originell. Wie soll das aussehen: Man nimmt die Partei, die von 30 Prozent der Wähler gewählt wird raus und sagt, wählt doch die Grünen? Und ansonsten nimmt man weitere 13 Prozent raus und sagt denen, ihr habt leider die falsche Partei gewählt. Über die Prinzipien der Demokratie habe ich mal etwas anderes gelernt.

                Noch einmal: Wenn im von Dir gewünschten Falle das Verfahren scheitert, welchen Preis zahlst Du? Das kann nur sein, das Verhältnis zur AfD zu normalisieren. Was ist das für eine Position: Wenn ich gewinne, bekomme ich den Jackpot, wenn ich unterliege bleibt halt alles wie es ist?

              • Stefan Pietsch 28. Juni 2026, 19:46

                Und weil Du immer wieder mit der Rassismuskeule kommst: Die meisten Frauen wissen sehr wohl, dass ihnen nur von bestimmten Typen Mann Gefahr droht, allerdings genau jene, über die Du permanent nicht reden willst.

                Im professionellen Gewerbe gibt es eine klare Hierarchie von Männer, die von Frauen abgelehnt oder bevorzugt werden. Ganz unten stehen Schwarze. Sie gelten als besonders brutal gegenüber professionellen Sexarbeiterinnen. Dann kommen Araber und Muslime, ganz oben stehen brave Familienväter. In Laufhäusern haben die Frauen meist keine Wahl, bei Escort-Agenturen werden die unteren Kategorien häufig schlicht als Kunden abgelehnt. Aber man weiß ja, dass Prostituierte Rassistinnen sind.

                In den Frauenhäusern ist der Ausländeranteil krass. 64 Prozent der in Angst lebenden Frauen sind nicht-deutsch, fast fünfmal höher als ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung. Ganz vorne liegen Frauen aus Syrien, Afghanistan und der Türkei, sie machen schon allein fast 20 Prozent aus. Gehen wir weiter, kommen wir auf einen Ausländer-muslimischen Anteil jenseits der 50 Prozent.

                Auch klar: Es sind vor allem Frauen im Alter bis 40, meist verheiratet, die bedroht sind. Der 59jährige Finanzchef ist statistisch betrachtet keine Bedrohung.
                https://www.frauenhauskoordinierung.de/fileadmin/redakteure/Publikationen/Statistik/2024-10-08_Langfassung_Frauenhausstatistik_2023_final.pdf

                Nein Ariane, die Fakten sind nicht rassistisch. Deine Interpretation der Fakten ist rassistisch, diskriminierend und einfach männerfeindlich.

                • Ariane 28. Juni 2026, 21:31

                  Diskutier das doch mit den Dudes hier und nicht mit mir, an irgendwelchen faktischen Diskussionen bist du doch erkennbar eh nicht interessiert.
                  Ansonsten können wir gerne dahin zurück, uns hier komplett zu ignorieren. Aber ich werde AUF KEINEN FALL auf solche Beiträge höflich und rücksichtsvoll reagieren.

                • Erwin Gabriel 2. Juli 2026, 17:49

                  Hallo Stefan,

                  Du solltest Dich echt aus bestimmten Diskussionen heraushalten. Selbst wenn Deine Fakten stimmen, ist Deine Interpretation bestenfalls diskussionswürdig. Meine Töchter würden Dir so etwas von an den Hals gehen …

                  Es gibt eine grundsätzlich problematische Situation zwischen Männern und Frauen; die Männer sind in der Regel auf der Tätereseite zu finden, die Frauen in der Regel auf der Opferseite. Für beide Regeln gibt es Ausnahmen, die allerdings eher die Regel bestätigen, als sie aufzuheben.

                  Es gilt nicht alles für jeden Mann, nicht alles für jede Frau, und Dein gelegentlich aufblitzender Chauvinismus ist gleichermaßen legal und legitim. Aber brech nicht jedes Mal eine Rechthab-Diskussion vom Zaun, nur weil Du wieder einen Dreh gefunden hast, Dich angesprochen zu fühlen, obwohl Du erkennbar nicht gemeint bist.

                  Bei diesem Punkt bin ich (losgelöst von einzelnen Details und einzelnen Fakten) inhaltlich bei Ariane.

                  • Stefan Pietsch 2. Juli 2026, 18:33

                    Das wird leider immer wieder als Identitätsthema inszeniert. Das lässt sich ja nicht abstreiten, Erwin. Vor der Migrationskrise hatten wir – übrigens auch mal hier im Blog – ähnliche Debatten über Vergewaltigungen. Tenor: Der Täter ist (statistisch richtig) meist in der Familie, vulgo diese ach so ehrenwerten Familienväter.

                    Nicht nur sind die Taten seit 2015 enorm in die Höhe geschossen, auch das Täterprofil hat sich gewandelt. Migranten haben ein Übergewicht, obwohl sie in der Gesellschaft in der klaren Minderheit sind. Genau diejenigen – und hier geht der Fingerzeig auf viele politisch aktive Frauen – wollen das Thema weiterhin so allgemein halten wie man das in früheren Jahren geführt hat: Als moralische Anklage gegen alle Männer.

                    Wir konnten das vor wenigen Wochen am Fall Ulmen / Fernandes beobachten: Die öffentliche Empörung drehte enorm hoch, weil Fernandes (nach ihren Worten) von ihrem damaligen Mann digital vergewaltigt worden sei. Termin bei Miosga, Demos und Ministerin am Thema inklusive. Zur gleichen Zeit wurden zahllose Fälle bekannt, wo junge Flüchtlinge unter staatlicher Aufsicht (!) tatsächlich junge Frauen vergewaltigt haben. Keine öffentliche Empörung, keine bundesweiten Demonstrationen und natürlich keine Talkrunde bei Miosga.

                    Was ist der Unterschied, das würde ich die Berufsempörten gerne fragen? Die digitale Vergewaltigung erhält ein Vielfaches der öffentlichen Aufmerksamkeit wie die tatsächliche. Eine normale Frau wird Dir das auch nicht beantworten können. Die auf der Hand liegende Antwort: Das Täterprofil.

                    Männer wie ich sind es, über die man sich empören will.

                    Disclaimer: Jede Tat gegen die körperliche Unversehrtheit ist schlimm und verurteilenswert. Keine zwei Meinungen. Aber: Es geht immer eine Stufe schlimmer. Was ist mit Kindesmisshandlungen und Kindestötungen? Schlimmer oder auf einer Stufe mit der Vergewaltigung erwachsener Frauen? Ich habe nicht mit den moralischen Abstufungen angefangen.

                    Du kannst mir eins glauben: Mit Gewalt, Gewalterfahrungen und Gewaltopfern kenne ich mich aus.

                    • Erwin Gabriel 4. Juli 2026, 10:27

                      Hallo Stefan,

                      ich hoffe, bei Dir ist alles gut.

                      Das wird leider immer wieder als Identitätsthema inszeniert. Das lässt sich ja nicht abstreiten, Erwin.

                      Das streite ich auch nicht ab. Es ist ja auch teilweise ein Identitätsthema – wie man sieht, von beiden Seiten.

                      Fakt bleibt: Wenn ich höre, dass jemand eine andere Person ermordet, getötet, oder vergewaltigt hat, liege ich mit meiner Einschätzung „der Täter ist männlich“ in der Regel richtig. Bei Beziehungsmorden sind etwa 85–90 % der Täter Männer, etwa 70–80 % der Getöteten sind Frauen.

                      Das macht bei weitem nicht jeden Mann zum Täter, das macht auch nicht jede Frau zum Opfer, aber über die Rollenverteilung in Beziehungsmorden braucht man nicht diskutieren.

                      Als Vater von vier Töchtern kann ich Dir aber eines versichern: Meine Töchter sind noch nie von einer Frau mit sexistischen Sprüchen behelligt oder an Busen oder Po angegrabbelt worden. Noch keine Frau hat sich vor ihnen in der U-Bahn die Hose heruntergezogen und ihre Scham gezeigt. Noch keine Frau hat einer meiner Töchter nach einer ersten (oder beliebigen weiteren) Kontaktaufnahme Vagina-Bilder geschickt. Keine Chefin, keine Kollegin hat sich je so hingestellt, dass sie einen besseren Blick in einen Ausschnitt einer meiner Töchter hat werfen können, oder hat deren Oberweite „lobend“ kommentiert.

                      Von Männern allerdings … da reicht für eine Aufzählung der Platz hier nicht aus.

                      Männer wie ich sind es, über die man sich empören will.

                      Wenn ich schaue, wie weit Du läufst, um einen Schuh zu finden, den Du Dir anziehen kannst, obwohl er nicht für Dich bestimmt ist, dann willst Du vielleicht, dass man sich an dieser Stelle empört, damit Du Dich zurückempören kannst. 🙂

                      Ich bin in der Sache bei Ariane, und diesmal verstehe ich auch ihren Ton. Du bist an dieser Stelle weder betroffen noch gemeint oder gar angegriffen.

                    • Stefan Pietsch 4. Juli 2026, 12:16

                      Hi Erwin, mir geht es gut, wir müssen mal wieder zusammenkommen!

                      Ich bin nicht gemeint?
                      Banaszak: Männer haben Probleme, und Männer machen Probleme. Ich will, dass Männer sich nicht gezwungen sehen, Teil des Problems zu bleiben, sondern Teil der Lösung werden können. (..)

                      Es ist Frauen wahrlich nicht zu verübeln, wenn sie gerade mit Misstrauen und Sorge auf ihre Partner, Freunde und in die Familie schauen. Ich kann von Frauen nicht erwarten, dass sie die Männer verständnisvoll an die Hand nehmen. Es gibt kein Anrecht auf einen Wohlfühlfeminismus, der niemanden fordert. Aber vielleicht können Männer, die sich als Verbündete verstehen, eine Brücke bauen?
                      https://www.welt.de/politik/deutschland/plus69dce08a0695c741e3c2be4e/gruene-statistisch-ist-es-fuer-frauen-nachteilig-in-einer-heterosexuellen-beziehung-zu-sein.html

                      So spricht einer der führenden Politiker des Landes. So haben Stefan und Ariane vor wenigen Wochen gesprochen.

                      Über 180.000 Gewaltopfer sind männlich und damit 70 Prozent. Wieso sprechen wir die ganzen Jahrzehnte nur über die 30 Prozent? Auch hier die Frage: Wo ist das Problembewusstsein???

                      Ich kenne mich ganz gut damit aus, was Gewalt bedeutet, was es mit Menschen macht, wie sie entsteht und wo sie anzutreffen ist. Mehr als wahrscheinlich die meisten. Diese Arroganz, diese Überheblichkeit, dieser Moralismus kotzt mich nur noch an. Meine Frau und meine Tochter haben nie diese Übergriffe erfahren, die Du aufzählst. Käme ich deswegen auf die Idee, es gäbe sie nicht oder es gäbe nicht diese Gefährdung?

                      Und dieses total einseitige Image wird instrumentalisiert. Weil es dieses Image gibt. Und die, die es instrumentalisieren, sind hauptsächlich Frauen. Wäre es da gerechtfertigt, alle Frauen in einen Topf zu werfen? Mit Sicherheit nicht. In den letzten zwei Jahrzehnten hatten wir enorm zahlreiche, öffentlich gewordene Fälle von Frauen, die Männer mit haltlosen Anschuldigungen sozial zerstört haben. Sie haben genau das getan, was Fernandez in Bezug auf sich selbst beklagt. Der Unterschied: Solche Frauen bekommen die geballte Unterstützung der Öffentlichkeit. Die Kachelmänner, Mockridges, die Opfer der Gina Lisa-Lohfinks erfahren in der Öffentlichkeit selbst nach Beweis ihrer Unschuld keinen Respekt.

                      Man muss keine Frau sein um zu wissen, was Gewalt, auch sexualisierte, für das Opfer bedeutet. Richtig ist, die meisten Täter sexualisierter Gewalt sind Männer. Die meisten Falschbezichtiger sind allerdings Frauen.

                    • Erwin Gabriel 4. Juli 2026, 14:31

                      @ Stefan Pietsch 4. Juli 2026, 12:16

                      Ich bin nicht gemeint?

                      Wenn Du Dich angesprochen fühlst – warum?

                      Banaszak: Männer haben Probleme, und Männer machen Probleme.

                      So weit, so richtig.

                      Wenn ich ehrlich in mich hineinlausche, bin ich Chauvinist. Ein 68 Jahre alter weißer Mann, der in den 1960er- und 1970er-Jahren sozialisiert wurde.

                      Natürlich stecke ich grundsätzlich Frauen genauso in die gleiche Schublade, wie diese von Dir zitierte Tante Männer in eine Schublade steckt. Hab ich Vorurteile? Massenweise. Und meine Frau, meine vier Töchter? Natürlich auch.

                      Aber die von mir beschriebenen Handlungen, die meinen Töchtern ständig passieren – nicht von einem Mann, sondern von vielen; nicht nur ihnen, sondern auch ihren Kolleginnen, Mitkomilitoninnen, Freundinnen – sind mit nie zugestoßen. Das, was meinen Töchtern passiert (und die laufen schon lange nicht mehr aufreizend herum), ist für viele Frauen Standard, betrifft aber fast keinen Mann.

                      Wir beide reden hier über etwas, dass wir genauso wenig persönlich erleben werden wie das Kinderkriegen. Ich kann mich zwar philosophisch darüber austauschen, bin aber nicht betroffen, und maße mir daher kein Urteil an. Solltest Du auch nicht tun.

                      Und wenn die eine oder andere Frau für Deinen Geschmack zu stark verallgemeinert oder zu heftig formuliert, hat sie vielleicht das eine oder andere erlebt, das ihre Meinung geschärft hat. Du musst Dir diesen Schuh nicht anziehen, also schluck’s runter und bleib gelassen und versuche, gelassen zu bleiben.

                      PS, zu unserem anderen Thema: Kann sein, dass ich in zwei, drei Wochen im Raum Frankfurt unterwegs bin. Wenn ich es einrichten kann, melde ich mich bei Dir.

                    • Stefan Pietsch 4. Juli 2026, 18:35

                      Ich kenne mich mit Gewalt aus. Die meisten nicht, sonst würden sie nicht reden und schreiben, wie sie reden und schreiben.

                      Männer, die gewalttätig gegenüber Frauen sind, üben meist auch Gewalt gegen Männer und häufig auch Kinder aus. Gewalttätigkeit ist ein Profil, das in Bezug auf die Opfer meist profillos ist. Die meisten machen aus unerfindlichen Gründen einen Unterschied zwischen den Opfern. Wie können die gleichen Frauen, die sich wortreich gegen Männergewalt erheben, gleichzeitig mit Hamasanhängern demonstrieren und die Massenvergewaltigungen der Hamas leugnen? Wie kann eine Greta Thunberg sich solidarisch der Hamas erklären und die Verbrechen gegen Frauen am 7. Oktober 2023 und deren Folgen bestreiten?

                      Im Kindergarten und der Grundschule wurde ich mit der Rauflust der anderen Jungs konfrontiert. Ich habe mich nicht gewehrt. Es war dann in der fünften oder sechsten Klasse, als ich mich gegen den Angriff eines Mitschülers verteidigen musste. Ich behielt die Oberhand und hatte damit den Respekt. Das war lange Gewalt gegen mich, bevor Mädchen für uns Jungs überhaupt interessant wurden. Diese Form von Gewalt ist egal.

                      Was soll dieses „Männer sind immer die Täter“? Glaubt irgendjemand ernsthaft, dadurch würde ein gewaltbereiter Mensch von seinem Tun abgehalten? Echt, macht euch nicht lächerlich. Taten werden nur verhindert, wenn Männer wie ich Frauen verteidigen, notfalls mit ganzem körperlichen Einsatz. Der Respekt vor Männern wie mir schützt Frauen (und mich selbst). Sie in nichtsnutzige Diskussionen zu zerren wie „Nicht jeder Mann ist ein Täter, aber immer ist der Täter ein Mann“ macht jemanden unnötig zu Gegnern und beleidigt die Solidarität und den Beschützerinstinkt.

                      Wenn Du in Frankfurt bist, gehen wir den Abstecher ins Bahnhofsviertel. Da gibt es sehr viele nette Menschen, der Migrationshintergrund ist ihnen ins Gesicht geschrieben (ist das Rassismus?). Sie betätigen sich dort in ehrenwerten Berufen wie Drogendealer, Türsteher und Zuhälter (ohne Namensschild). In den Häusern gegen junge Frauen nicht-deutscher Herkunft ihrem Job in heruntergekommenen Absteigen nach. Warum arbeiten sie wohl unter solchen Bedingungen, was meinst Du? Und vor welchen Männern haben sie besonders Angst, meinst Du da gibt es rassistische Tendenzen?

                      Nein, als Mann kann ich mir bestimmte Gefühle bei bestimmter Gewalt nicht vorstellen. Das gilt umkehrt für Frauen auch. Die Gewalt, die Jungs früh erfahren, bleibt ihnen in der Regel erspart. Dass es weit mehr Mut erfordert, sich zur Verteidigung einer Frau einem bedrohlichen Typen entgegenzustellen als einfach sich mal im geschützten Raum zu empören, ebenfalls.

                      Maulhelden gibt es wahrlich genug. Und Frauen sind da nicht in der Minderheit.

                    • Stefan Pietsch 4. Juli 2026, 18:44

                      1988 kam der Film „Angeklagt“ mit Jodie Foster in die Kinos. Es war ein Meilenstein im Bewusstseinwerden der Gewalt, die Frauen erfahren. Ich habe selbst erlebt, wie Frauen im Kino geweint haben, so schwer sind manche Szenen noch heute zu ertragen. Ich selbst habe den Film zweimal im Kino gesehen und noch einige Male danach.

                      Ähnlich aufwühlend ist nach meinem Empfinden allerdings auch „Sleepers“ mit Brad Pitt, Kevin Bacon und Robert de Niro, trotzdem weniger beachtet als „Angeklagt“.

                    • Erwin Gabriel 5. Juli 2026, 00:29

                      @ Stefan Pietsch

                      Nicht jeder Mann ist ein Täter, aber immer ist der Täter ein Mann.

                      Nicht immer, aber zu 90%.

                      Du siehst, dass ich nicht vielem widerspreche. Aber trotz der von Dir genannten (Einzel-)Fälle in die andere Richtung gibt es keine Diskussion darüber, dass unter den „gröbsten“ 10% (5%? 15%?) der Männer Frauen mehr zu leiden haben als andersrum.

                      Du führst die Diskussion so, als wäre es ein Unentschieden. Das ist es nicht.

                    • Stefan Pietsch 5. Juli 2026, 10:07

                      Ich verstehe Deinen Satz mit den gröbsten 10 Prozent nicht. Wen meinst Du damit? Zehn Prozent der schlimmsten Gewalttäter? Auch hier legen die Opferzahlen anderes nahe. Die schlimmsten Taten erleben Frauen wesentlich seltener. Ist es möglich, dass wir längst absurde Umbewertungen vornehmen? Eine Vergewaltigung ist schlimmer als ein Mord, ein sexuelles Bedrängen schlimmer als eine Verstümmelung?

                    • Stefan Pietsch 5. Juli 2026, 10:08

                      Die Anzahl der Gewalttäter in Deutschland liegt bei knapp unter 200.000, die Opferzahl bei rund 260.000. Schon die statistische Korrelation legt nahe, dass die meisten Gewalttaten nicht speziell wegen des Geschlechts erfolgen und wenn, dass Männer weit gefährdeter sind.

                      Das legen auch andere Zahlen und Ereignisse nahe. Männer werden weit häufiger ermordet (Vorsatz) als Frauen. Weltweit sind es 80 Prozent Männer, nur 20 Prozent Frauen. Am 7. Oktober 2023 wurden 182 Männer und 59 Frauen von der Hamas entführt (wieder ein 3:1-Verhältnis). Die Entführer „bedienten“ sich dabei aus dem Pool von Festen und Wohnorten. Es ist nicht bekannt, dass in Israel vorrangig Männer leben und auf Festivals gehen.

                      Woher dieses völlige Ungleichgewicht, obwohl Frauen die leichter zu handhabenden Geiseln sind und für sexuelle Übergriffe zur Verfügung stehen?

                      Der soziale Hintergrund hinter all diesen Daten, Fakten und Ereignissen: Männer schützen Frauen und riskieren für ihren Schutz sogar weit öfter ihr Leben. Dieses zutiefst soziale Verhalten von Männern ist das, was Softie-Typen wie Banazcak mit Füßen treten. Nicht Frauen schützen Frauen – wir erleben immer wieder, wie Frauen sich mit Gewalttätern gemein machen – es sind Männer, die Frauen schützen.

                      Wann wird das gesellschaftlich respektiert und geehrt?

                    • Stefan Pietsch 5. Juli 2026, 16:49

                      Gerade läuft ja die Kampagne „Mein Mann, mein Vater, mein Onkel, mein Nachbar, mein Freund – der Täter“ mit freundlicher Unterstützung der Grünen Partei. Der Vorsitzende der Nachwuchsorganisation pestete gegen alle Männer:

                      „Wie viele Männer haben heute Nacht um halb 2 wohl rotzevoll die Wut auf Paraguay an ihren Frauen rausgelassen?“

                      Seine Vorgängerin war da bekanntlich auch nicht zimperlich. Sie fand, es sei sogar von Vorteil, wenn sich Männer mit Silvesterböllern ihre Hände wegsprengen, dann könnten sie keine Frauen mehr schlagen.

                      Wenn Stefan sich mal wieder fragt, warum die Grünen in Teilen der Gesellschaft inzwischen regelrecht verhasst sind, dann deswegen, weil sie die Hälfte der Menschheit zum Feind erklären.

                    • Erwin Gabriel 6. Juli 2026, 10:15

                      @ Stefan Pietsch

                      Ich verstehe Deinen Satz mit den gröbsten 10 Prozent nicht.

                      Natürlich verstehst Du den.

                      Die schlimmsten Taten erleben Frauen wesentlich seltener.

                      Hier die Zahlen von 2024, basierend auf Zahlen des BKA
                      • über 135.000 Frauen wurden Opfer von Partnerschaftsgewalt (alle knapp 4 Minuten ein Fall)
                      • 132 Tötungen von Frauen durch Partner oder Ex-Partner
                      • über 4.600 Frauen wurden Opfer von sexueller gewwalt durch Partner oder Ex-Partner

                      Die wahren Zahlen lassen sich nicht genau ermitteln, weil
                      • die Dunkelziffer sehr hoch ist – man vermutet, dass etwa 95% der Fälle von (sexueller) Gewalt nicht zur Anzeige kommen
                      • Frauen auch mehrfach betroffen sein können
                      etc.

                      Das ist zu wenig, um ALLEN Männern einen Strick daraus zu drehen, aber genug, um festzustellen, dass es da ein Problem gibt.

                      Die Anzahl der Gewalttäter in Deutschland liegt bei knapp unter 200.000, die Opferzahl bei rund 260.000. Schon die statistische Korrelation legt nahe, dass die meisten Gewalttaten nicht speziell wegen des Geschlechts erfolgen und wenn, dass Männer weit gefährdeter sind.

                      Alle Statistiken, die Du zitierst, mögen richtig sein, sind aber für das vorliegende Thema irrelevant.

                      Männer schützen Frauen und riskieren für ihren Schutz sogar weit öfter ihr Leben …

                      Bestreite ich nicht, ist aber für das vorliegende Thema irrelevant, bzw. ist ein anderes Thema. Da gibt es nichts aufzurechnen. Und eine vom Partner erschlagene Frau wird kaum trösten, dass irgend wo auf der Welt ein anderer Mann seiner Frau das Leben gerettet hat.

                      PS: Respekt, wie Du es wieder geschafft hast, auch hier Dein „ceterum censeo“ unterzubringen. Darf ich dann auch: „Im übrigen lasse ich mich lieber von den Grünen als von der AfD regieren“ 😉

                    • Stefan Pietsch 6. Juli 2026, 11:34

                      Du gehst völlig durcheinander. Anfangs erklärst Du, ich zitiere kompakt:

                      Meine Töchter (..) mit sexistischen Sprüchen behelligt oder an Busen oder Po angegrabbelt (..). (..) vor ihnen in der U-Bahn die Hose heruntergezogen und ihre Scham gezeigt. (..) nach einer ersten (oder beliebigen weiteren) Kontaktaufnahme Vagina-Bilder geschickt.

                      Kurz: Männer sind Schweine. Gut, das weiß ich spätestens, als die Ärzte das besungen haben. Du erklärst ein Problem, nur was? Dann kommst Du, dass Frauen angeblich die übelsten Gewalttaten widerfahren würden. Mein Einwand: Ist eine Vergewaltigung wirklich schlimmer als ein Mord?

                      [Die schlimmsten Taten erleben Frauen wesentlich seltener.]
                      Hier die Zahlen von 2024, basierend auf Zahlen des BKA

                      Nochmal: Das ist wesentlich schlimmer als das, was Männern widerfährt? Das wolltest Du schließlich beweisen.

                      über 135.000 Frauen wurden Opfer von Partnerschaftsgewalt

                      Es gibt knapp 21 Millionen Paare in Deutschland. Selbst unter der nicht zutreffenden Annahme, dass in jeder betroffenen Beziehung eine Tat nur einmal erfolgt, macht das Fälle im Promille-Bereich aus (0,6%). Das Leben im Haushalt ist gefährlicher.

                      Wie viele angezeigte Vergewaltigungen vorgetäuscht sind, darüber gehen die Erhebungen weit auseinander. Offizielle Zahlen gehen von bis zu 10 Prozent aus, andere von mehr als der Hälfte:

                      „Alle Sachbearbeiter von Sexualdelikten sind sich einig, dass deutlich mehr als die Hälfte der angezeigten Sexualstraftaten vorgetäuscht werden. Viele angezeigte Fälle lassen zwar die Vermutung einer Vortäuschung bzw. falschen Verdächtigung zu, berechtigen jedoch nicht zu einer entsprechenden Anzeige.“
                      https://www.strafakte.de/sexualstrafrecht/studie-zu-vergewaltigung-wer-taeter-opfer/

                      Bis hoch zu 80 Prozent über alle Sexualdelikte. Einigkeit besteht jedoch, dass der Anteil von Falschbezichtigungen seit Jahren steigt.

                      Du sagst, wir hätten zweifellos ein Problem, bleibst aber Genauigkeit schuldig. Was genau soll das Problem sein? Dass Männer Schweine sind?

                      Die schweren Gewalttaten in einer Beziehung bauen sich auf und passieren konzentriert in Trennungsphasen. Hier sind weit überwiegend Frauen die Opfer. Allerdings sind 21 Prozent der Opfer Männer.

                      Jetzt schauen wir mal auf etwas anderes: 70 Prozent aller Beziehungen werden von Frauen beendet. Hm. Das zusammengesetzt legt die These nahe, dass die Ursache partnerschaftlicher Gewalt nicht bestimmter Frauenhass ist, sondern die Schwierigkeit von Menschen beiderlei Geschlechts, mit Trennung und Ablehnung umzugehen. Das trifft sich mit meinen Erfahrungen. Frauen können sehr aggressiv reagieren, wenn sie die Verlassenen sind.

                      Also was ist das Problem? Im Amerikanischen gibt es für die Definition eines Problems die schöne Formel: „If you cannot fit it, skip it.“ oder auch: „If you cannot solve a problem, step back. Break it into smaller pieces or change the problem entirely.“

                      Genau letzteres will hier anscheinend niemand tun. Der gravierende Anstieg von Gewalt gegen Frauen geht von Migranten aus, das zeigen alle Statistiken. Nicht vom biodeutschen Mann. Genau darüber wollen diejenigen mit „Houston, wir haben ein Problem“ nicht diskutieren. Stattdessen machen diese Leute so dämliche Kampagnen „Dein Mann, dein Vater, dein Onkel, dein Freund – der Täter“.

                    • Erwin Gabriel 6. Juli 2026, 18:19

                      @ Stefan Pietsch 6. Juli 2026, 11:34

                      Dann kommst Du, dass Frauen angeblich die übelsten Gewalttaten widerfahren würden.

                      Verdammt, Stefan, gib Dir mehr Mühe, wenn Du mir antwortest. ☹
                      Ich habe nichts von „angeblich“ gesagt, ich habe ein Kriminalstatistik angeführt:

                      Ich drehe den Spieß mal um, nur auf Dein Niveau zu kommen:
                      Du behauptest also, dass Frauen keine Gewalt erleiden müssen, nicht vergewaltigt oder ermordet werden, aber ständig ihre Männer entsprechend anzeigen?

                      Den Stil kannst Du Dir an den Hut stecken.

                      Mein Einwand: Ist eine Vergewaltigung wirklich schlimmer als ein Mord?

                      Spreche ich hier mit Donald Pietsch oder Stefan Trump? Das und alles, was Du da schreibst, ist kein Einwand. Es ein Beweis dafür, dass Du weder imstande noch Willens bist, Dich auf eine vorhandene Situation einzulassen, wenn sie Dir nicht passt.

                      Sorry für die harten Worte: Du verstehst gar nichts. Ich glaube, wir brauchen hier nicht weitermachen.

                    • Stefan Pietsch 6. Juli 2026, 22:54

                      Doch, bin ich.

                      Was keiner von jenen kann, die Gewalt gegen Frauen zu einem gesellschaftlichen (!) Problem erklären, ist:

                      a) Problem umreißen und fokussieren.
                      b) Lösungswege skizzieren.

                      Auch Du nicht. Gibt es Gewalt, die sich spezifisch gegen Frauen richtet? Völlig unbestritten. Gibt es Gewalt, die Frauen typisch erleiden (wie z.B. eine Vergewaltigung)? Völlig unbestritten.

                      Hätte ich einen Zauberspruch, würde ich das aus der Welt zaubern. Wir sind hier aber nicht im Märchen.

                      Wir haben in der alten Grundgesamtheit (ohne Migration nach 2015) keine Zunahme von Gewalt gegen Frauen, sondern eine Abnahme. Dennoch ist die Öffentlichkeit heute für Frauen unsicherer als sie in den früheren Jahrzehnten war. Ich denke, so lässt sich das Problem beschreiben. Warum tut das niemand?

                      Es gibt doch keine zwei Meinungen darüber, dass ich jede, auch nur die geringste Form der Belästigung einer Frau indiskutabel finde. Wenn das extra erwähnt werden muss, bitte. So streitbar wie ich hier als Maulheld bin, so streitbar bin ich bei solchen Angriffen gegen Frauen im realen Leben, von verbalen Auseinandersetzungen bis körperlichem Dagegenhalten. Aber geht es darum?

                      Spanien ist bei der Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen in vielerlei Hinsicht Vorbild. Ich habe auch kein Problem, den Strafrahmen zu erweitern. Ich will im Gegenzug nur eins: Frauen, die Männer absichtlich falsch bezichtigen, müssen auch härter bestraft werden. Die Anzeigenerstatterinnen gegen Kachelmann wie Mockridge gehören nach meiner Ansicht in den Knast.

                  • Stefan Pietsch 5. Juli 2026, 10:01

                    Die Anzahl der Gewalttäter in Deutschland liegt bei knapp unter 200.000, die Opferzahl bei rund 260.000. Schon die statistische Korrelation legt nahe, dass die meisten Gewalttaten nicht speziell wegen des Geschlechts erfolgen und wenn, dass Männer weit gefährdeter sind.

                    Das legen auch andere Zahlen und Ereignisse nahe. Männer werden weit häufiger ermordet (Vorsatz) als Frauen. Weltweit sind es 80 Prozent Männer, nur 20 Prozent Frauen. Am 7. Oktober 2023 wurden 182 Männer und 59 Frauen von der Hamas entführt (wieder ein 3:1-Verhältnis). Die Entführer „bedienten“ sich dabei aus dem Pool von Festen und Wohnorten. Es ist nicht bekannt, dass in Israel vorrangig Männer leben und auf Festivals gehen.

                    Woher dieses völlige Ungleichgewicht, obwohl Frauen die leichter zu handhabenden Geiseln sind und für sexuelle Übergriffe zur Verfügung stehen?

                    Der soziale Hintergrund hinter all diesen Daten, Fakten und Ereignissen: Männer schützen Frauen und riskieren für ihren Schutz sogar weit öfter ihr Leben. Dieses zutiefst soziale Verhalten von Männern ist das, was Softie-Typen wie Banazcak mit Füßen treten. Nicht Frauen schützen Frauen – wir erleben immer wieder, wie Frauen sich mit Gewalttätern gemein machen – es sind Männer, die Frauen schützen.

                    Wann wird das gesellschaftlich respektiert und geehrt?

            • Lemmy Caution 29. Juni 2026, 13:21

              In West-Deutschland lehnen nur 41% der Befragten ein Verbotsverfahren ab, 50% befürworten es.
              https://www.ipsos.com/de-de/afd-verbot-umfrage
              In Ost-Deutschland sieht es sehr anders auch, aber für mich ist der Osten feindliches Ausland wie für die der Westen Deutschlands.

              • Stefan Pietsch 29. Juni 2026, 15:20

                Stimmt, anscheinend haben wir einen neuen Stand. Vor einem Jahr hatte ich eine entsprechende Umfrage.

      • Erwin Gabriel 2. Juli 2026, 17:59

        @ Ariane 28. Juni 2026, 13:23

        Vielleicht liest du einfach mal die Links, die Stefan freundlicherweise dazugepackt hat.

        Ich brauche die Links nicht lesen. Die AfD ist einfach scheiße!

  • Stefan Pietsch 27. Juni 2026, 18:30

    i) Zur Klimakrise.

    Was vor allem auffällt, ist die übliche gewordene Bildmanipulation. Gleiche Temperaturen werden heute viel stärker rot eingefärbt, um Dramatik zu suggerieren.

    j) Oldie but Goodie zur Deutschen Bahn.

    Ein Skandal, dass eine Leistung sich selbst finanzieren soll. Unerhört! Wo sind eigentlich die sozialdemokratischen Verkehrsminister, die 15 Jahre ununterbrochen das Ministerium führten?

    • Sebastian 29. Juni 2026, 08:50

      i)
      https://correctiv.org/faktencheck/2023/06/16/nein-die-tagesschau-manipuliert-keine-wetterkarten/

      Dagegen zeigt das Beispiel Frankreich hier zwar formell identische Temperaturkarten, die allerdings laut meiner schnellen Recherche aus unterschiedlichen Nachrichtensendungen bei verschiedenen Sendern stammen.

      Für mich macht das untere Bild mit tiefrot sogar mehr Sinn: Selbst bei moderater Luftfeuchtigkeit bringt eine Außententemperatur von 40 Grad ernste Gefahren für Gesundheit und Infrastruktur mit sich. Oder wie viel „Headroom“ sollte so eine Temperaturkarte denn sonst noch haben?

      • Stefan Pietsch 29. Juni 2026, 08:57

        Erstens: correctiv ist definitiv keine Quelle.

        Zweitens: Die Idee, dass wir immer klüger sind als vor 10 oder 15 Jahren ist an sich sehr überheblich. In jedem Fall würde man Unternehmen, die von ihrer Glaubwürdigkeit leben, zwingen transparent zu sein.

        • CitizenK 29. Juni 2026, 09:51

          Zur Transparenz (aus dem verlinkten SZ-Artikel):
          „Staatliche Investitionen in die Schieneninfrastruktur: 2012 (Dienstzeit Ramsauer) gab Spitzenreiter Schweiz 349 Euro pro Bürger aus, Österreich 258 Euro, Deutschland 51 Euro. 2016 (Dienstzeit Tunnelgott Dobrindt): Schweiz 378 Euro, Österreich 198 Euro, Deutschland 64 Euro. 2021 schließlich (Dienstzeit Scheuer): Luxemburg 607 Euro, Schweiz 413 Euro, Deutschland (…) 124 Euro.“

      • derwaechter 29. Juni 2026, 10:20

        Das ist so peinlich wie alt.

        Neues Design statt Manipulation (Sommer 2022!)
        https://www.tagesschau.de/faktenfinder/wetterkarte-tagesthemen-101.html

  • Thorsten Haupts 27. Juni 2026, 18:46

    Zu j)

    Ah. Drei einsame Verkehrsminister haben gegen den Willen der sie tragenden Bundestagskoalitionen und gegen den Willen der Regierungen, für die sie die Staatsaufgabe „Verkehr“ regelten, die Bahn vor die Wand gefahren. Hmmm, man verzeihe mir bitte, dass ich das ganz simpel für Bullshit halte.

    Gruss,
    Thorsten Haupts

    • Erwin Gabriel 2. Juli 2026, 18:03

      @ Thorsten Haupts 27. Juni 2026, 18:46

      Zu j) Oldie but Goodie zur Deutschen Bahn.

      Ah. Drei einsame Verkehrsminister haben gegen den Willen der sie tragenden Bundestagskoalitionen und gegen den Willen der Regierungen, für die sie die Staatsaufgabe „Verkehr“ regelten, die Bahn vor die Wand gefahren. Hmmm, man verzeihe mir bitte, dass ich das ganz simpel für Bullshit halte.

      🙂
      Hab das Icon für Daumen hoch nicht gefunden. Ich stimme verbal zu.

  • Stefan Pietsch 27. Juni 2026, 18:58

    e) Dieter Nuhr echt unterirdisch.

    Auch wieder: Da will sich jemand empören. Nuhr steigt in seiner Sendung auf die öffentliche Debatte ein „Männer sind das Problem“. Ariane ist ja seit vielen Jahren Verfechterin der These, aber immer nicht vorhanden, wenn es um den Aspekt der frauenfeindlicher Migration geht.

    Nuhr selbst übertreibt auch die Zahl. Insgesamt werden in Deutschland 300-350 Frauen ermordet, also mehr als es überhaupt (vollendete) Morde gibt, nämlich 200-250. Möglicherweise importieren wir ja ein paar Morde aus ausländischen Statistiken. Oder es sind ein paar versehentliche Totschläge dabei.

    Der Anteil nicht-deutscher Tatverdächtiger liegt bei 43 Prozent. Während die Anzahl der Morde über Jahrzehnte immer weiter gesunken ist, stieg der Anteil der Mörder mit Migrationshintergrund dramatisch. Der Anteil nicht-deutscher Mörder ist dreimal höher als der der Einheimischen. Das gibt dem satirischen Argument von Nuhr die faktische Berechtigung, dass man sich schon genau anschauen sollte, mit wem man eigentlich schnell mal ins Bett steigt.

    • schejtan 28. Juni 2026, 00:47

      Alta. Tut mir den anderen leuten hier leid, aber nachn paar pints faellt mir zum letzten satz nur ein ganz grosses fuck you ein.

      • Stefan Pietsch 28. Juni 2026, 07:41

        Würden Sie akzeptieren, wenn Amerikaner fragen, ob man noch mit Schwarzen leben kann, weil diese verhältnismäßig oft Mörder sind? Sicher nicht, das wäre inakzeptabel. Warum machen wir das aber in Bezug auf Männer??

        Anmerkung: so doll waren die Tommys nun auch nicht.

    • Ariane 28. Juni 2026, 13:25

      Das gibt dem satirischen Argument von Nuhr die faktische Berechtigung, dass man sich schon genau anschauen sollte, mit wem man eigentlich schnell mal ins Bett steigt.
      Fick dich einfach ins Knie.

      • Stefan Pietsch 28. Juni 2026, 14:02

        Immer niveauvoll.

        • Ariane 28. Juni 2026, 15:07

          Der Beitrag hat absolut nichts anderes verdient.

          • Stefan Pietsch 28. Juni 2026, 18:03

            Das ist wieder einer der Bereiche, wo es für Dich nur eine Meinung gibt und die drastisch. „unterirdisch“ sagt der eine, „Fick Dich“ die andere gegenüber jeden noch so nüchtern vorgetragenen Einwand.

            Sorry, da ist jemand nicht satisfaktionsfähig.

            • Ariane 28. Juni 2026, 18:18

              Wozu, du hast klargestellt, dass dir nicht an einer debatte liegt, sondern nur darum, Frauen als Schlampen zu betiteln und dazu noch Ausländerfeindlichkeit mit reinzubringen.

              Ich werde darauf sicherlich nicht mit einem ernsthaften Beitrag antworten. Ein „Fick dich“ ist genau die Antwort, die man auf so einen Beitrag verdient.
              Und ich bin hier und gebe mir mehr Mühe, wenn du tatsächlich ernsthaft schreiben willst.

              • Stefan Pietsch 28. Juni 2026, 18:57

                Tja, anscheinend willst Du lieber Deine Vorurteile bestätigen als seriös debattieren. Und sorry, beleidigen lassen muss ich mich nicht, egal wie berechtigt Du das aus Deiner Warte ansiehst.

                • Ariane 28. Juni 2026, 21:24

                  Ich bin immer gerne bereit, mit dir ernsthaft zu diskutieren, auf Augenhöhe. Aber ich setze mich hier nicht hin und werde dir auf solche Beiträge höflich und rücksichtsvoll und mit Fakten und vielleicht noch Links antworten.
                  Ist nicht so, dass dein Beitrag weniger beleidigend war, nur weil einen längeren Monolog draus gemacht hast.
                  Hättest du meinen Namen nicht erwähnt, hätte ich btw auf die Beleidigung verzichtet und es freundlich wegignoriert.

    • Sören 28. Juni 2026, 17:20

      >Nuhr steigt in seiner Sendung auf die öffentliche Debatte ein „Männer sind das Problem“. Ariane ist ja seit vielen Jahren Verfechterin der These, aber immer nicht vorhanden, wenn es um den Aspekt der frauenfeindlicher Migration geht.

      Das Thema — laut Nuhr selbst — ist der Mord durch Männer an Frauen. Dass Männer an der Stelle ein Problem sind, scheint nicht weit hergeholt.

      Dennoch

      • dreht sich Nuhrs Rant ausschließlich darum, was _Frauen_ an ihrem Verhalten ändern könnten; dass eventuell auch _Männer_, also die _Täter_, etwas ändern könnten, scheint er für ausgeschlossen zu halten
      • blendet er gekonnt aus, dass es beim Thema Gewalt an Frauen nicht nur um Morde geht.
      • verdreht er die Tatsachen: es ist statistisch keineswegs so, dass vorwiegend promuskuitive Frauen Opfer von Femiziden sind. Im Gegenteil; sie finden hauptsächlich in Beziehungen statt, die monate- oder jahrelang hielten.

      Warum? Weil der Mann nicht über einen Streit hinweg kommt, oder über eine Trennung, oder warum auch immer. Kurz: weil (manche) Männer in solchen Situationen aus emotionaler Reaktion Gewalt produzieren.

      Aber schön, dass Sie es geschafft haben, bei diesem Thema, was nichts mit Migration zu tun hat, sondern mit dem Fehlverhalten von Männern, noch mal einen komplett neuen Aspekt einzufügen. Das ist eigentlich fast noch unangenehmer als Nuhrs Täter-Opfer-Umkehr.

      Es muss an der Länge des Rocks gelegen haben.

      • Stefan Pietsch 28. Juni 2026, 17:43

        Haben Sie den ganzen Abschnitt gesehen?

        Nein, Männer sind nicht das Problem. Was soll der Quatsch? Wie oft erzählen Linke, wie unwahrscheinlich es sei, Opfer eines islamistischen Attentäters zu werden? Die Wahrscheinlichkeit, Opfer eines mordenden Partners zu werden, ist statistisch nicht höher. Erklären Sie mir den Unterschied, bitte.

        Wenn Gewalt gegen Frauen in Partnerschaften ein Problem ist – und ich widerspreche kein bisschen – dann muss man das aber auch systematisch angehen. Doch daran haben die Lautsprecher „Männer sind das Problem“ null Interesse. Nuhr sagt einleitend, jeder Mord sei einer zuviel. Genau. Jeder Verkehrsunfall ist einer zuviel. Jede Vergewaltigung ist eine zuviel. Jeder Betrug ist einer zuviel.

        Soll das ernsthaft die Herangehensweise sein? Ich habe nie in meinem Leben eine Frau geschlagen, nur überhaupt heftig attackiert. Ich habe allerdings oft Frauen ge- und beschützt, verteidigt, ihnen geholfen. Warum sollte ich das Problem sein oder mich überhaupt nur als Teil eines Problems empfinden? Mit solchen sinnlosen Anklageerhebungen säht man Hass.

        Haben Sie sich ernsthaft mal mit professionellen Problemlösungen beschäftigt? Ich schätze nach Ihren Aussagen: Nein. Genauso wenig wie Ariane. Sie machen nämlich das genaue Gegenteil, was Profis tun: Man analysiert, grenzt den Problembereich ein und ab. Zerlegt das Problem in Scheiben und selektiert den Kernbereich. Sie und Ariane machen das genaue Gegenteil: Das Problem kann gar nicht groß und allgemein genug sein, so allgemein und groß, dass am Ende nur Pauschalanklagen bleiben.

        Überlegen Sie, ob Sie Teil eines Problems sein wollen oder ernsthaftes Interesse haben, ein Problem zumindest anzugehen. Solange sie an Vorurteile mit Rocklängen denken, hat jedes weitere Wort keinen Sinn.

        • Sören 28. Juni 2026, 18:20

          >Haben Sie den ganzen Abschnitt gesehen?

          Ich habe 4 Minuten gesehen, weil jemand meinte, das sei „mehr Kontext“. Es wurde damit leider nicht weniger unlustig und falsch.

          > Was soll der Quatsch? Wie oft erzählen Linke

          Was hat das eigentlich mit „links“ zu tun? Sind wir wieder in den 1970ern, und das Eintreten für Frauenrechte ist automatisch „links“?

          >wie unwahrscheinlich es sei, Opfer eines islamistischen Attentäters zu werden? Die Wahrscheinlichkeit, Opfer eines mordenden Partners zu werden, ist statistisch nicht höher.

          OK, jetzt sind wir also von Migration zu „islamistischen Attentätern“ übergegangen.

          An der Stelle sei darauf verwiesen, dass Herr Nuhr selbst betont, es seien _zu viele_ Morde.

          >Erklären Sie mir den Unterschied, bitte.

          Das ist tatsächlich ganz einfach: das eine ist das Thema, und das andere hat nichts mit dem Thema zu tun.

          >Wenn Gewalt gegen Frauen in Partnerschaften ein Problem ist – und ich widerspreche kein bisschen – dann muss man das aber auch systematisch angehen. Doch daran haben die Lautsprecher „Männer sind das Problem“ null Interesse.

          Tatsächlich ist es Herr Nuhr selbst, der an einer systematischen Lösung nicht interessiert ist, sondern sich lieber antiintellektuell über den Begriff „strukturell“ echauffiert.

          >Ich habe nie in meinem Leben eine Frau geschlagen, nur überhaupt heftig attackiert. Ich habe allerdings oft Frauen ge- und beschützt, verteidigt, ihnen geholfen.

          Wollen Sie jetzt ein Gummibärchen?

          > Warum sollte ich das Problem sein

          Tatsächlich ging es überhaupt nicht um Sie, aber gleichwohl ist es in der Tat ein Problem, wenn Sie bei dem Thema direkt zu „vielleicht liegt es daran, dass Frauen Schlampen sind“ als Schlusssatz kommen.

          >Haben Sie sich ernsthaft mal mit professionellen Problemlösungen beschäftigt? Ich schätze nach Ihren Aussagen: Nein. Genauso wenig wie Ariane. Sie machen nämlich das genaue Gegenteil, was Profis tun: Man analysiert, grenzt den Problembereich ein und ab. Zerlegt das Problem in Scheiben und selektiert den Kernbereich. Sie und Ariane machen das genaue Gegenteil: Das Problem kann gar nicht groß und allgemein genug sein, so allgemein und groß, dass am Ende nur Pauschalanklagen bleiben.

          Das ist ob meiner Karriere sehr lustig, aber unabhängig davon auch falsch. Hier geht es eben gerade nicht darum, eine konkrete Problemstellung (z.B. eines Kunden) zu lösen, sondern es geht in der Tat um ein großes, allgemeines Problem. Deshalb befassen sich damit auch nicht Consultants mit Tagessatz 2.000, sondern Soziolog:innen.

          • Stefan Pietsch 28. Juni 2026, 18:55

            Was das mit links zu tun hat? Weil exakt an den Linien immer wieder die Unterschiede der Werteinstellungen sichtbar werden.

            Es gibt keine Frauenrechte. Zeigen Sie mir den Artikel des Grundgesetzes, woraus Sie spezielle Frauenrechte ableiten. Es gibt Menschenrechte, so z.B. vor dem Gesetz sind alle Menschen gleich. Wir machen keine Unterschiede ob Mann oder Frau. Wer das tut, ist längst wieder in dunklen unfreien Zeiten angekommen.

            Sie können den Unterschied in der argumentativen Struktur nicht erklären. Das verwundert mich nicht.

            Ich bin oft in meinem Leben in Gegenden gelaufen, wo es nicht so sicher war. Wäre mir etwas passiert, hätte es dann gehießen, die Gegenden müssten unbedingt sicher gemacht werden? Ich fahre auf der Autobahn auch manchmal sehr schnell, bis 200 km/h, also weit über der Richtgeschwindigkeit. Warum nennen mich manche Raser, es ist doch erlaubt! Ich hatte in meinem Leben vier Totalschäden, nur an einem war ich Verursacher. Irgendwie hieß es nie, die anderen hätten besser aufpassen müssen.

            Die taz-Chefredakteurin Ulrike Winkelmann hat vor einigen Monaten bei Markus Lanz gesagt:
            Man lernt, sich so zu verhalten, dass man keinen Anlass hat, sich gefährdet zu fühlen – unabhängig von einer objektiven, möglichen Bedrohung.

            Sie wurde dafür von konservativer Seite kritisiert und von Linken verteidigt. Das ist die Argumentationsstruktur, die bei Nuhr angegriffen wird: Es ist nunmal gefährlicher, sich einfach mit Unbekannten einzulassen als langsam Menschen kennenzulernen. Das gilt unabhängig von Alter, Geschlecht, Ethnie, Bildung. Es ist gefährlicher, nach ein paar Drinks in die Wohnung eines / einer Fremden zu gehen als nach einigen Monaten des Kennenlernens. Und Vorsicht: Vor vierzig Jahren sagte auch niemand, anonymer Sex sei ungefährlich. Im Gegenteil: Der Staat forderte ausdrücklich dazu auf, zumindest bei erstmaligen Kontakt Vorkehrungen zur eigenen Sicherheit zu treffen, nämlich Kondome zu benutzen. Denn, stellen Sie sich vor, damals ging man nicht davon aus, dass anonyme Geschlechtspartner einen vor einer HIV-Infektion warnen!

            Wie gesagt, ich sehe weder das große, allgemeine Problem. Was Sie im Sinn haben, ist in der Form unlösbar. Und genau darum geht es Ihnen doch. Wenn etwas unlösbar ist, kann man sich umso intensiver der moralischen Anklage widmen.

          • Thorsten Haupts 28. Juni 2026, 19:16

            Tatsächlich ist es Herr Nuhr selbst, der an einer systematischen Lösung nicht interessiert ist, sondern sich lieber antiintellektuell über den Begriff „strukturell“ echauffiert.

            Welche „systematische“ Lösung soll es dafür geben, dass es jährlich eine niedrig dreistellige Anzahl von A*löchern gibt, die furchtbare Verbrechen begehen? Und was genau soll an diesem Problem „strukturell“ sein, wenn es jährlich Millionen von Menschen gibt, die diese furchtbaren Verbrechen nicht begehen?

            Kein Problem KANN jemals „strukturell“ (also systemimmanent unumgänglich) sein, wenn es sich auf hunderte beschränkt, während sich Millionen daran nicht beteiligen. Das „strukturell“ wird deshalb von vielen – auch von mir – völlig zu Recht als böswillige Vereinnahmung gewertet, um mir persönlich einen Anteil an den Verbrechen einer kleinen Zahl von Männern zuzurechnen, mit denen ich nichts zu tun habe und hatte.

            Gruss,
            Thorsten Haupts

            • Ralf 28. Juni 2026, 20:08

              Wenn das Problem eine niedrige dreistellige Zahl von Arschlöchern wäre, die furchtbare Verbrechen begehen, dann würde tatsächlich kein systemisches Problem vorliegen. Aber diese Morde sind leider nur die Spitze des Eisbergs eines viel häufigeren Verhaltensmusters, das nur im Extremfall zur Tötung einer Frau führt. Die niederschwelligere Stufe sind Männer, die ihre Frauen grün und blau schlagen; Männer, die eine Trennung nicht akzeptieren können und ihre Ex-Partnerinnen manchmal noch jahrelang stalken, verfolgen, bedrohen; Männer, die ihre Frauen zuhause einschließen, ihnen Kontakte mit Freunden und Familie verbieten, ihnen ihr Telefon wegnehmen. Diese Männer sind jetzt auch nicht die Hälfte der Gesellschaft, aber es sind sehr viel mehr als eine geringe dreistellige Zahl. Und ihr Verhalten reflektiert systemische Ursachen. Offensichtlich bringen manche Milieus Männertypen hervor, die narzisstisch, egoistisch und gewaltaffin sind, die Frauen als ihr Eigentum und ihre Verfügungsmasse betrachten und die unfähig sind mit Zurückweisung umzugehen. Letzteres hat soziale systemische Ursachen, z.B. welches Männerbild Väter ihren Kindern zuhause vorleben und welche Werte dem jungen Kind vermittelt werden.

              • Thorsten Haupts 28. Juni 2026, 21:01

                Schön. Nach Ihrer Darstellung ist also Mord an der (Ex-)Partnerin nur die extremste Ausdrucksform von Gewalt gegen (Ex-)Partnerinnen, untrennbar verbunden (=strukturell) mit der Gewalt unterhalb der Mordschwelle?

                Existierte diese untrennbare Verbindung, müsste also weibliche Gewalt gegen Männer (AFAIR ca. 20% der erfassten physischen Gewalttaten in Partnerschaften) proportional in gleicher Grössenordnung in Mord enden? Diese Morde existieren aber (fast) nicht, also ist die Verbindung offensichtlich nicht untrennbar bzw. zwangsläufig?

                Abgesehen davon wäre der Begriff „strukturell“ in Verbindung mit (allen) Männern selbst nach Ihrer Darestellung noch immer ein politischer Kampfbegriff. Denn er bezieht sich nicht auf den (viel zu hohen) Anteil von Männern, deren Erziehung offensichtlich vollkommen versagt hat, sondern auf alle Männer, mich eingeschlossen. Und das werde ich noch immer zurückweisen bzw. als bnewusst beleidigenden Angriff verstehen.

                Gruss,
                Thorsten Haupts

                • Sören 29. Juni 2026, 08:45

                  >Denn er bezieht sich nicht auf den (viel zu hohen) Anteil von Männern, deren Erziehung offensichtlich vollkommen versagt hat, sondern auf alle Männer, mich eingeschlossen. Und das werde ich noch immer zurückweisen bzw. als bnewusst beleidigenden Angriff verstehen.

                  Und genau dort liegt das Problem: statt zu hinterfragen „scheiße, gab und gibt es vielleicht zu viele Jungen und Männer um mich herum, denen Gewalt an Frauen anerzogen wurde?“, weisen Sie es direkt von sich, weil Sie sich persönlich angegriffen fühlen. So löst man nichts.

                  So etwas wie Gisèle Pelicot passiert nicht in einem Vakuum. Es passiert in einer Gesellschaft, die Gewalt an Frauen wieder und wieder verharmlost und unter den Tisch kehrt.

                  • Thorsten Haupts 29. Juni 2026, 09:55

                    … weil Sie sich persönlich angegriffen fühlen.

                    Ich fühle mich nicht persönlich angegriffen, wenn diese Taten unter (alle) Männer subsumiert werden, werde ich persönlich angegriffen.

                    So löst man nichts.

                    Völlig korrekt. Das passiert, wenn man sich mit 50% der Bevölkerung (miinus ein paar extrem Wohlwollende) verfeindet. Vielleicht lässt man diese Feindschaft, um genau diese Reaktion nicht zu bekommen, hmmm?

                    Gruss,
                    Thorsten Haupts

          • derwaechter 29. Juni 2026, 20:19

            „Ich habe 4 Minuten gesehen, weil jemand meinte, das sei „mehr Kontext“. Es wurde damit leider nicht weniger unlustig und falsch.“

            Es wird zumindest deutlich, dass er das nicht ernst meint. Er sagt direkt danach sinngemäß, man solle einfach Fragen, on der Mann im Nebenberuf Frauenmörder sei.

            Der „Witz“ wird dadurch nicht unbedingt gut, aber der Vorwurf Nuhr meine ernsthaft, die Frauen sollen halt besser aufpassen, ist danach schon arg schwach.

            • Sören 30. Juni 2026, 15:48

              >Es wird zumindest deutlich, dass er das nicht ernst meint.

              Doch, er scheint das ernsthaft zu glauben, nur natürlich nicht so plakativ. Aus seiner Klarstellung:

              „Wenn man dann beim Kennenlernen ein bisschen wählerisch ist, sollte man sich in der Regel nicht in Lebensgefahr fühlen. Das ist alles, was ich sagen wollte.“

              Natürlich ist man „in der Regel“ nicht in Lebensgefahr. Man ist „in der Regel“ nicht mal in Gefahr häuslicher Gewalt. Dass man diese jedoch effektiv filtern kann, indem man die Kennenlernphase hinreichend akribisch und lang gestaltet, scheint zunächst plausibel, es gibt jedoch hinreichend Gegenbeispiele, die einen anderen Eindruck hinterlassen. Die Gewalt geht nicht von Hookups aus, sondern häufig von lange anhaltenden Beziehungen.

              • Thorsten Haupts 30. Juni 2026, 16:35

                Dass man diese jedoch effektiv filtern kann, indem man die Kennenlernphase hinreichend akribisch und lang gestaltet, scheint zunächst plausibel …

                Was völlig ausreicht, um aus einem „Skandal“ einen Nichtskandal zu machen.

              • derwaechter 30. Juni 2026, 22:52

                Damit, dass man sich nicht in Lebensgefahr fühlen sollte, hat er doch auch Recht. Die Fälle von Partnermord sind (Gott sei Dank) sehr selten, wenn auch nicht selten genug.
                Männer werden sogar häufiger Mordopfer und sollten auch nicht in ständiger Angst vorm ermordet werden durchs Leben gehen.

                „Dass man diese jedoch effektiv filtern kann, indem man die Kennenlernphase hinreichend akribisch und lang gestaltet, scheint zunächst plausibel, es gibt jedoch hinreichend Gegenbeispiele, die einen anderen Eindruck hinterlassen. Die Gewalt geht nicht von Hookups aus, sondern häufig von lange anhaltenden Beziehungen.“

                Lang anhaltende Beziehungen sind kein hinreichendes Merkmal guter Vorauswahl. Viele furchtbare Beziehungen halten viel zu lange.
                Partnermorde Geschehen in der Regel nicht ohne Warnsignale wie Kontrolle, Gewalt, Drohungen, Stalking usw.

                Frauen deren Partner keine dieser Warnsignale zeigt, müssen sich wirklich nicht sorgen von ihrem Mann umgebracht zu werden.

                • Ariane 1. Juli 2026, 18:05

                  Also es tut mir leid, aber das ist ein bisschen naiv und es würde dann eventuell wirklich lohnen, sich etwas in die Studienlage einzulesen. Gerade weil das sehr spezifisch ist. (falls echtes Interesse besteht)
                  Viele Kritiker haben ja recht, Femizid ist insofern ein schlechter Begriff, weil es bedeutet, dass Frauen umgebracht werden, weil sie Frauen sind. Das ist ja aber in diesem Fall nicht der Fall. Es werden ja nicht wahllos Frauen umgebracht, sondern es handelt sich um tödliche Gewalt gegen die eigene Partnerin oder Ex-Partnerin. Grundsätzlich gilt es teils auch als Femizid, wenn nicht die Frau selbst, sondern Menschen aus ihrem Umfeld getötet werden oder mehrere. Das ist gar nicht so selten.

                  Deswegen gibts da sehr unterschiedliche Studien zu. Mit teils überraschenden Ergebnissen, bis in die 50er/60er war das Geschlecherverhältnis bei Partnerschaftstötungen z.B. ziemlich ausgeglichen.
                  Bei kleineren Dingen, die du aufzählst (Stalking, starke Eifersucht, Kontrollwahn) ist das Geschlechterverhältnis übrigens auch fast 50:50 – der Geschlechtergap ist bei physischer Gewalt bis hin zu Tötungen dann bei 90% Männern, die die Gewalt verüben und zwar zu einem überragenden Anteil, wenn eine Trennung befürchtet wird, gerade vollzogen wird oder schon passiert.

                  Sprich wenn man in einer ungesunden Beziehung steckt, weil der Partner vielleicht übermäßig eifersüchtig oder aggressiv ist und zu Kontrollwahn neigt und dann anfängt zu überlegen, ob eine Trennung nicht sinnvoller ist.
                  Genau dann steckt man als Frau in echter Lebensgefahr. Und die 350/Jahr sind ja nur vollendete Tötungen, versuchte Tötungen sind schon doppelt soviel und man kann sich vorstellen, dass „normale, physische Gewalt“ dann nochmal um ein Vielfaches mehr ist.

                  Da ist es vielleicht ein bisschen billig zu sagen, dass Frauen halt mal aufpassen sollen. Und bloß nicht schlampenartig mit dem Erstbesten ins Bett springen bittesehr.
                  Wie du richtig sagst, werden insgesamt mehr Männer Mordopfer – ist das nicht eher tragisch? Oder passt ihr einfach nicht genug auf? Begebt euch doch einfach nicht in gefährliche Situationen!
                  Gilt übrigens auch für Selbstmord. Hey voll gute Idee liebe Männer: bringt euch doch einfach nicht selbst um! Problem gelöst! Höhöhö.

                  Also sorry, aber so einfach ist die Welt eben nicht. Und natürlich sind die Ursachen dafür strukturell. Männer haben kein Selbstmordgen und Frauen kein „vom Partner getötet-werden“-Gen.
                  Das sind Ideen und darüber macht man Späße, weil es einfache Erklärungen sind für eine Welt und Individuen, die komplex, tragisch und voller Grauschattierungen ist.

                  • derwaechter 1. Juli 2026, 19:57

                    Du mißverstehst mich bzw. legst mir Einstellungen oder Aussagen in den Mund die ich weder getan noch verteidigt habe. Und auch nie tun würde. Ich finde das ehrlich gesagt befremdlich und auch unverständlich.

                    Nuhr hat das was du paraphrasierst übrigens auch nicht gesagt. Und ich sage das als jemand der für seine Art Humor gar nicht viel übrig hat und sein Segment auch alles andere als gelungen findet.

                    • Ariane 1. Juli 2026, 20:57

                      Sorry, wenn ich das missverstanden habe. Es ist ja nicht so, dass Frauen oder Menschen allgemein in ständiger Sorge um Lebensgefahr sind/fühlen. Trotzdem passieren diese Dinge. In Häufigkeit und Regelmäßigkeit.
                      Gilt zb auch für Verkehrsunfälle – Angst vor Lebensgefahr und „Chance ums Leben zu kommen“ sind oft eher gegensätzlich als parallel. Vermutlich aus Gründen.

                      Nuhr hat das was du paraphrasierst übrigens auch nicht gesagt
                      „Zur Sicherheit wäre es nicht schlecht, wenn man den Partner vor dem Geschlechtsverkehr vielleicht einfach erstmal kennenlernt“

                      Das ist nicht paraphrasiert, sondern exakt wörtlich.
                      Gibt es hier alternative Interpretationen?

                    • Stefan Pietsch 1. Juli 2026, 21:38

                      Das fällt mir auf. Du liest aus dem einen Satz eines mehrminütigen Standups, Nuhr habe Frauen damit als Schlampen klassifiziert. Warum? Denn der Punkt ist, dass alle „Verteidiger“ von Nuhr das nicht darin erkennen. Das scheint die völlig gegensätzliche Interpretation, deswegen interessiert mich, wie Du zu Deiner Auslegung kommst.

                    • derwaechter 1. Juli 2026, 23:43

                      Der Satz mit dem GV usw. ist unnötig, unlustig und missverständlich. Wobei wie gesagt das Ende, das in deinem Ausschnitt fehlt, das ganze etwas relativiert. Es führt die Idee das Opfer sei schuld ja eher ad absurdum. „Vielleicht einfach mal fragen, ob er nebenberuflich als Frauenmörder tätig ist“ ist ja offenbar keine ernsthafte Option.

                      Es geht doch aber in dem ganzen Segment gar nicht um Schuld, sondern um Angst; um die Frage, ob Frauen sich aus Angst umgebracht zu werden generell von Männern als Partner fernhalten sollten. Du schreibst „Es ist ja nicht so, dass Frauen oder Menschen allgemein in ständiger Sorge um Lebensgefahr sind/fühlen»

                      Nuhr bezieht sich jedoch auf so eine Aussage: Nele Sophie Karsten die hier https://www.sueddeutsche.de/magazin/leben-und-gesellschaft/heterofatalismus-beziehung-leben-ohne-mann-single-frauen-li.3483291?reduced=true unter anderem schreibt «Warum sollte ich mein freies, glückliches Leben langfristig mit jemandem teilen wollen, der mich statistisch betrachtet gut möglich erniedrigt, schlägt oder sogar tötet?» und von der „real existierenden Lebensgefahr, in die Frauen sich begeben, sobald sie eine Paarbeziehung mit einem Mann eingehen» spricht.

                      Der Artikel ist insgesamt ein wenig differenzierter, aber man kann schon sehr gut verstehen warum Nuhr darauf anspringt. Er argumentiert (im Ton jetzt nicht so meins, aber das ist Geschmacksache) Frauenmorde seien so selten, dass die Wahrscheinlichkeit „praktisch null“ sei in einer Beziehung auf einen Mörder zu treffen.

                      Er überzieht da etwas, aber im Prinzip hat er recht. Partnermorde. (Die überwiegend Frauen betreffen) sind schlicht und ergreifend so selten, dass Otto normal Frau nicht Angst erfüllt durchs Leben gehen muss. Die Wahrscheinlichkeit durch einen Unfall im Haushalt zu sterben ist um einiges höher.

                      Partnermord spielt statistisch gesehen als Todesursache in keiner Lebensphase eine ernsthafte Rolle.

                      Dass diese Art von Mord so gut wie nie ohne vorherige Anzeichen passiert, habe ich mir übrigens auch nicht ausgedacht, siehe z.b hier: https://www.nordschleswiger.dk/daenemark/jeder-vierte-mord-ist-ein-partnermord/383754

                      „Bei so gut wie allen Partnermorden gibt es eine Vorgeschichte von psychischer Gewalt und immer stärkere Kontrolle der Frau, zeigt die Forschung von Moncton Smith. Und genau an diesem Punkt versagt das System immer noch allzu oft»

                      Ganz wichtig. Das bedeutet nicht, dass die Frauen als Opfer schuld seien. Nicht schuld sein, bedeutet aber nicht, dass viele Fälle nicht hätten verhindert werden können. Zum einen, indem man die Gefahr ernster nimmt. Damit meine ich, Behörden, Gesellschaft, Umfeld etc. Zum anderen aber eben auch von den betroffenen Frauen selbst. Und diesen Punkt macht Dieter Nuhr ungelenk aber eben nicht ganz zu Unrecht, denn das eine Frau von einem Mann, der vorher überhaupt nicht auffällig geworden ist, plötzlich umgebracht wird ist nahezu ausgeschlossen.

                      Und noch mal das bedeutet in keiner Weise, dass das kein ernstes Problem sei, an dem gearbeitet werden muss und sollte und an dem in nahezu allen Fällen Männer schuld sind. Aber wenn man das Phänomen und die Gründe nicht richtig erkennt und benennt, ist es auch schwierig etwas daran zu ändern. Und da muss man eben schauen, was macht die Männer aus, die zu Mördern werden. Mannsein allein ist da ein zu schwacher Indikator.

                    • Thorsten Haupts 2. Juli 2026, 10:01

                      … denn das eine Frau von einem Mann, der vorher überhaupt nicht auffällig geworden ist, plötzlich umgebracht wird ist nahezu ausgeschlossen.

                      Und genau deshalb nehme ich es übel, wenn das zu einem „strukturellen Männerproblem“ erklärt wird. Ich kenne keine derartigen Männer, habe keinen Einfluss auf die, bin für deren fehlgeschlagene Erziehung weder zuständig noch daran beteiligt und soll trotzdem irgendwie mitverantwortlich sein? Nope!

                      Gruss,
                      Thorstren Haupts

                    • derwaechter 2. Juli 2026, 10:32

                      Ja, das geht mir auch so. Ich fühle mich da nur ehrlich gesagt nicht so angegriffen, bzw. habe kein Bedürfnis mich da persönlich betroffen zu fühlen.

                      Partnermorde und Femizide sind furchtbare Verbrechen und menschliche Tragödien und auch wenn sie relativ selten sind, kann und muss die Gesellschaft mehr dagegen tun. So gesehen ist das schon strukturell.

                      Und eben deshalb ist es ein Problem, wenn man angebliche (oder tatsächliche) Strukturen bei Männern nimmt und meint dort Lösungsansätze zu finden. Der Artikel in der SZ hat ja auch diese seltsame Mischung von Männer kochen zu selten und Männer hassen uns und Männer bringen uns um. Wer da beim Kochen ansetzt und meint er würde am anderen Ende Partnermorde verhindern ist glaube ich auf dem Holzweg.

                      Abgesehen davon würde ich mich selbst dann nicht mitgemeint fühlen, da ich nicht zu denen gehöre die den Platz der Frau am Herd verorten.

                    • Thorsten Haupts 2. Juli 2026, 11:03

                      … bzw. habe kein Bedürfnis mich da persönlich betroffen zu fühlen.

                      Habe ich auch nicht, aber der von Ihnen paraphrasierte Artikel zielt auf „alle Männer“ und von denen bin ich nun mal einer. Kann auch nicht erkennen, wie uns solche Verallgemeinerungen irgendwo weiterbringen und halte eher das Gegenteil für richtig.

                      Gruss,
                      Thorsten Haupts

                    • Erwin Gabriel 2. Juli 2026, 18:21

                      @ derwaechter 2. Juli 2026, 10:32

                      Ich fühle mich da nur ehrlich gesagt nicht so angegriffen, bzw. habe kein Bedürfnis mich da persönlich betroffen zu fühlen.

                      Ich weiß, dass ich nicht persönlich gemeint bin. Deswegen geht es mir auch so.

    • cimourdain 29. Juni 2026, 13:05

      Ihr zweiter Abschnitt „Nuhr selbst übertreibt auch die Zahl.“ demonstriert, wie schlampige Ausdrucksweise zu Trugschlüssen führen kann: In Deutschland werden über 300 Frauen getötet. Das sind die Tötungsdelikte Mord, Totschlag und Tötung auf Verlangen zusammen. Daraus ergibt sich der scheinbare Widerspruch, dass diese Zahl höher ist als die reinen Morddelikte.

      • Stefan Pietsch 29. Juni 2026, 15:22

        Ja, das habe ich ja so angeteasert. In der Zahl ist alles drin, nicht nur Femizide. Männer werden übrigens häufiger Opfer von Tötungsdelikten, aber das scheint nicht zu zählen.

  • schejtan 28. Juni 2026, 00:54

    2) die linke ist einfach nur eine frustierende partei. Viele ideen, die ich gut finde, ideologisch auf meiner linie, und ab und zu hat man die hoffnung, dass sie seriös werden könnten. Und dann kommt so ein scheiss.

  • schejtan 28. Juni 2026, 01:08

    b) können wir vielleicht auch endlich mal aufhören so zu tun, als ob Elon musk nicht einfach nur ein hochstapler ist?

  • Ralf 28. Juni 2026, 11:37

    zu 5) “Verbot der Nationalsozialisten”

    Ob das ausreicht kann ich als politischer Laie nicht sagen, aber faszinierend ist in jedem Fall, dass er endlich einmal die konkreten Absichten der AfD in die Debatte einbringt, vor allem in ihrer erklärten Absicht, den Rechtsstaat abzuschaffen und ihre politischen Gegner zu verfolgen. Erst letzthin hat Maximilian Krah wieder verkündet, dass Lehrer, die etwas gegen die AfD sagen, unter ihrer Regierung ihre Pensionen verlieren sollen. Ich sage es immer wieder: wie soll die CDU mit so etwas koalieren und eine demokratische Partei bleiben? Das ist ausgeschlossen.

    Ui, dass ist ja total unerwartet, dass die Nationalsozialisten Verfassungsfeinde sind und den Rechtsstaat abschaffen wollen. Wer hätte das gedacht?

    Ulf Poschardt empfindet Kritik an einem Hitlergruß etwa als „hysterisch„

    Das gilt nicht nur für Ulf Poschardt, sondern für fast die gesamte Medien- und Politikelite Deutschlands sowie für das Verfassungsgericht. Würde man hingegen die naheliegende Vermutung anstellen, dass die, die den Hitlergruß zeigen, einen Hitlerstaat wollen, wären die Nationalsozialisten längst verboten.

  • Ralf 28. Juni 2026, 11:50

    zu 2) “LINKE”

    Die LINKE im Abseits

    Der Satz von Luigi Pantisano ist unverschämt, sachlich falsch und toxisch. Mir wäre am liebsten, der Mann wäre von seiner Wahl zum Vorsitzenden zurückgetreten. Aussagen von Politikern auf dieser hohen Ebene muss man auch ernst nehmen. Das sind keine Anfänger. Das sind keine Amateure. Es ist deren Job zu wissen, dass ihre Statements gelesen und eingeordnet werden. Und in diesem Fall ist der gesamten Partei schwerer Schaden zugefügt worden.

    Aber der Vollständigkeit halber sollte erwähnt werden, dass Pantisano in voller Breite Kritik aus der eigenen Partei bekommen hat. Diese Aussagen sind von zahlreichen führenden Politikern der LINKEn scharf zurückgewiesen worden. Luigi Pantisano selbst hat sich meines Wissens nach für den Satz entschuldigt und ist zurückgerudert. Das macht diese furchtbare Aussage nicht ungeschehen, aber es ist eben wichtiger Kontext. Da wo Du Deinen Artikel mit dem Titel “Die LINKE im Abseits” versiehst, hättest Du möglicherweise zutreffender “Luigi Pantisano im Abseits” geschrieben.

    • Stefan Pietsch 28. Juni 2026, 12:21

      Das ist absolut beschönigt. Pantisano hat sich nicht sofort distanziert, sondern am Abend im Öffentlichen Fernsehen seine Position bestätigt. Seine spätere Entschuldigung erfolgte aufgrund des öffentlichen Drucks aus der eigenen Partei (vor allem im Osten) und war die übliche Relativierung, wenn sich jemand entschuldigen muss, aber nicht entschuldigen will – er sei verkürzt dargestellt worden usw.

      Pantisano wusste durchaus, was er sagt. Die LINKE hat binnen weniger Monate ihre Mitgliederzahl von 50.000 auf 125.000 erhöht, hauptsächlich junge Menschen wegen Heidi Reichinneks Aufruf „Auf die Barrikaden!“ gegen den heraufziehenden Faschismus und der Emotionalisierung des Gaza-Konflikts. Dem Druck dieser Basis konnte ja auch die Co-Vorsitzende Ines Schwerdtner nicht mehr widerstehen und wich von der bisherigen Parteilinie ab: Israel verübe einen Genozid. Von einer deutschen Partei ist der Vorwurf eine Unverschämtheit, aber die Partei tickt in der Mehrheit längst so.

    • Ariane 28. Juni 2026, 15:12

      Aber der Vollständigkeit halber sollte erwähnt werden, dass Pantisano in voller Breite Kritik aus der eigenen Partei bekommen hat.

      Ja, die Aussage an sich halte ich für fatal, aber gar nicht für das grundsätzliche Problem. Es ist eher ein Zeichen für die (erneute) innerparteiliche Spaltung innerhalb der Partei – das zeigt ja auch die Kritik und sein schlechtes Ergebnis.
      Und ich bin ziemlich skeptisch, ob und wie da eine Entscheidung fallen wird. Vermutlich spalten sie sich vor der nächsten Wahl einfach nochmal^^

      • Ralf 28. Juni 2026, 15:18

        Ich weiß nicht, ob da eine tatsächliche Spaltung bevorsteht. Die Notwendigkeit zunehmend zumindest informell Bündnisse mit der CDU zu bilden, überfordert viele in der Partei. Bei der Union, die offiziell immer noch am Unvereinbarkeitbeschluss festhält, sieht das ja auch nicht anders aus.

        • Ariane 28. Juni 2026, 15:51

          Ach ich seh das gar nicht so dramatisch. Den Konflikt schleppt die LINKE schon seit Gründung mit sich herum und es ist insofern ganz spannend, weil sich keine Partei im Bundestag in den letzten zwei Jahren so stark verändert hat wie die LINKE. Die waren ja fast tot nach Gründung des BSW. Jetzt haben sie halt so einen Phönix aus der Asche hingelegt, dass sie durch diese Umorientierung wieder in einem ähnlichen Konflikt gelandet sind. (sie haben ja nicht nur weit mehr Mandate bekommen als gedacht, sondern insgesamt einen extremen Zulauf gehabt) Gar nicht davon zu reden, dass sie ihren „wir sind hauptsächlich dagegen“-Status vor einer ganzen Weile schon an die AfD verloren haben.
          Dass da innerparteiliche Konflikte aufbrechen, scheint mir ziemlich normal. Ist ja auch nicht so als wären Linke da ungeübt drin^^

          Aber es ist ja ein generelles Problem. Die FDP hat das auch ausgefochten. Vermutlich gar nicht zu Unrecht. Klamauk und steile Thesen bringen sowohl mehr Spaß und sind auch erfolgversprechender als langweilige, seriöse Parlamentsarbeit. Das sorgt aber nur dafür, dass man im Parlament dann nichts mehr geschissen bekommt und falls man wirklich in Regierungsverantwortung kommt, dann fällt wie ein Stein. Solange dem so ist, wird es immer verführerisch bleiben, lieber nicht den steinigen Weg zu gehen.

          • Ralf 28. Juni 2026, 19:02

            Welche Politik würdest Du der LINKEn denn empfehlen? Mit einer SPD, die in den Umfragen kollabiert ist und Grünen, die sich zunehmend konservativ definieren, gibt es für die Partei keine Regierungsoption. Regieren könnte man im Osten eventuell mit der CDU, aber das wäre für beide Seiten ein Notfallkatastrophenszenario – sicher keine Liebesehe. Und was – außer der Verhinderung der Nationalsozialisten – soll bitte das politische Programm einer solchen Koalition sein? Wenig überraschend wird eine Zusammenarbeit dann auch von beiden Seiten – LINKE und Union – recht fundamental abgelehnt. Ich finde es in diesem Kontext nicht erstaunlich, dass sich zunehmend Stimmen bei der LINKEn finden, die sich von der CDU abgrenzen und den Graben vertiefen wollen. Und möglicherweise wollen diese Stimmen auch an diesen einen Fall anknüpfen, in dem die LINKE plötzlich dramatisch Stimmen gewann: Vor den Bundestagswahlen, als die CDU völlig unnötig gemeinsame Sache mit den Nationalsozialisten machte. Ich denke, in diese Kerbe wollte auch Luigi Pantisano schlagen und das hat er dann auf die dümmstmögliche Art und Weise getan.

            • Ariane 28. Juni 2026, 22:14

              Welche Politik würdest Du der LINKEn denn empfehlen?
              Natürlich führt nur der Weg, den ich empfehle, zum Erfolg. 😉

              Nee, das ist auch keine leichte Diskussion, für beide Parteien nicht. Ich bin da aber auf der Linie von zb. Reichinnek (heute muss man ja betonen: ich fand sie schon gut, bevor es cool wurde^^) oder auch Ramelow. Wenn die Alternative eine AfD-Regierung oder gar keine Regierung ist, sollten sich Demokraten immer noch zusammentun.
              Deswegen müssen sie sich nicht lieben.

              Es ist ja tatsächlich auch etwas, das bei den Wählenden passiert. Wenn es zu Stichwahlen kam, einerseits AfD und ein anderer Demokrat, dann hat fast immer der Demokrat gewonnen, gerade weil die Wähler quer durch über alle Lager zum Nicht-AfDler sind. Das war auch der hauptsächliche Grund, warum die AfD selbst im tiefsten Osten so wenige Kommunalwahlen gewonnen hat.

              Ich denke, in diese Kerbe wollte auch Luigi Pantisano schlagen und das hat er dann auf die dümmstmögliche Art und Weise getan
              ja, deswegen hats mich so geärgert. Ich weiß auch, was er gemeint hat, aber dann soll er es doch bitte auch so formulieren und nicht den Elefant im Porzellanladen spielen.
              Das ist imo für die Linke auch viel problematischer, das Problem hat die Union nämlich nicht. Die LINKE und auch die Linken heften sich den Antifaschismus ans Revers, dann sollte man den auch gefälligst vernünftig definieren und nicht mit der Planierraupe über alles drüber, was einem missfällt.

              • Ariane 28. Juni 2026, 22:29

                Die Zeit hatte hier ein ganz spannendes Portrait über Reichinnek, da geht es im letzten Drittel auch um den Konflikt Gestaltungsanspruch vs Fundamentalopposition:
                https://www.zeit.de/2026/26/heidi-reichinnek-die-linke-sachsen-anhalt-afd/komplettansicht

                Ich hab nur einen kurzen Clip gesehen, aber auf dem Parteitag hat sie auch nochmal die Entscheidung verteidigt, den weiteren Wahlgang für Friedrich Merz zu ermöglichen.
                Da rennt sie bei mir natürlich offene Türen ein, ich hasse nichts mehr als eine Fundamentalopposition und werde auch keine Partei wählen, die nur deswegen ins Parlament will.

                Aber das ist eben schon schwierig, ich bin ja auch kein großer Befürworter des aktuellen Wegs von SPD oder den Grünen. Die sind ja komplett den Weg des Wegverwaltens gegangen. Die Linken an sich müssen schon gangbarere Lösungen finden, möglichst bevor sie sich hauptsächlich gegenseitig an die Gurgel gehen^^ Nur mit positiven Geschichten tut sich auch die LINKE schwer, imo gibt es da woanders deutlich bessere Ansätze. Zumindest die mehr meinem Geschmack entsprechen, ich mag zb die Attitüde von Mamdani wirklich sehr, weil er das positiv und bejahend macht. Bei Labour gab es auch gute Ideen, was mir in der Art einfach gefallen hat. Andere Emotion statt gar keine fände ich schon nett. Obs erfolgreicher ist, sei mal dahingestellt, aber sagt ja keiner, dass das immer schwer bedrückend und deprimierend sein muss.

                • Dennis 29. Juni 2026, 11:20

                  Zitat Ariane:
                  „aber auf dem Parteitag hat sie auch nochmal die Entscheidung verteidigt, den weiteren Wahlgang für Friedrich Merz zu ermöglichen.“

                  Es ging dabei ja nur um den zweiten Wahlgang noch am selben Tag.

                  https://www.gesetze-im-internet.de/btgo_2025/__126.html

                  Den hätte es eh gegeben, nur aus Geschäftsordnungsgründen (die wurde ad hoc, s.oben, für den Einzelfall aufgehoben)
                  mit zwei Tagen Verzögerung. Und Reichinnek + Co könnten sich ja auch hintersinnig gedacht haben, bei einem zweiten Wahlgang sofort ist die Wahrscheinlichkeit, dass es dann „klappt“, geringer als nach längerer Wartezeit mit größeren Fahnenappellen bei den Koalitionären^. Aber die Denkzettelverteiler waren wohl selbst überrascht darüber wie groß diese heimliche Fraktion im 1. Wahlgang war und die „Fraktion“ fiel auseinander.

                  Ansonsten würd ich mal so sagen, was Linkspartei oder andere angeht: It’s the Kümmerer-Praxis (mindestens das Image), stupid, was bei Polit-Intellektuellen aber als eher anrüchig gilt. Zum Beispiel Kurt Beck. Der galt mit seinem „nah bei de Leut“ in der Berliner Szene als nicht satisfaktionsfähige Provinznummer und wurde weggemobbt.

                  • cimourdain 29. Juni 2026, 13:54

                    Kümmerer-Praxis habe ich auch schon beobachten können. Die Linke München plakatiert schon länger mit Sozialberatung:
                    https://strapi.die-linke-muc.de/uploads/Sozialsprechstunde_Die_Linke_hilft_Termin_neu_1zu1_916bf6cd67.jpeg

                    • CitizenK 29. Juni 2026, 14:41

                      Bieten z.B. an, die Nebenkosten-Abrechnung zu prüfen – für Geringverdiener ein wichtiger Punkt.

                  • Ariane 30. Juni 2026, 01:03

                    Und Reichinnek + Co könnten sich ja auch hintersinnig gedacht haben, bei einem zweiten Wahlgang sofort ist die Wahrscheinlichkeit, dass es dann „klappt“, geringer als nach längerer Wartezeit mit größeren Fahnenappellen bei den Koalitionären

                    lol. ja gut, aber sie hätten auch sagen können, in der CDU sind sie alle Faschisten und sie sollen selbst sehen, wie sie klarkommen. Das Getrolle muss ja nicht sein.

                    It’s the Kümmerer-Praxis (mindestens das Image), stupid
                    Absolut. Bei boots on the ground sind sie richtig gut. Sehe auch die Beispiele von Cimo und Citizen. Nicht nur Kümmerer, machen auch viel Haustürwahlkampf und setzen generell auf Präsenz.
                    Hatte das auch bei vielen zufällig entdeckt. Irgendein Artikel über Landarbeiter, die LINKE turnt da mit Dolmetscher und ner Kleingewerkschaft rum. Ein Jugendlicher wird im ostdeutschen Raum bedroht. Ist jetzt bei den LINKEn, weil die geholfen haben.

                    Bei ihrem Thema Wohnen sind sie auch richtig umtriebig. Zudem haben wir in Bremen auch so eine richtige Skandalimmobilie (Balkone dürfen wegen Einsturzgefahr nicht betreten werden und zusätzlich Bürgersteig abgesperrt, weil einem Betonbrocken auf den Kopf fallen könnten) und da beraten sie auch zig Bewohner.
                    Und prüfen Enteignung (regieren da ja mit), aber ich glaub das kriegen sie nicht, obwohls massiv verdient wäre.

  • Ariane 28. Juni 2026, 13:59

    2) die LINKE
    Es ist ja eigentlich nichts Neues. Spannend ist, dass sie jetzt ziemlich an dem Punkt angekommen sind, an dem die LINKE vor der Abspaltung des BSW waren. Den Parteitag hab ich nur mit einem Auge verfolgt (es gab auch eine gute Gegenrede von Reichinnek, da ging es um die Ermöglichung der weiteren Kanzlerwahl).
    Es gab aber vorher schon etliche Berichte und Interviews, die das angedeutet haben. Siehe die Palästina-Debatte, da gab es ein gutes Gysi-Interview. Zudem gab es einen Gastartikel in der taz (sorry finde ihn spontan nicht), der sich um den Nachfolger von van Aken drehte und in die Richtung ging, man will mehr Aktivismus anstatt ernsthafte Parteipolitik.

    Witzigerweise ist die LINKE mit diesem Konflikt ja nicht allein und Aktivismus klickt besser und macht mehr Spaß (die FDP ist mit Kubicki auch diesen Weg gegangen). Nur im Parlament hat man dann eben nichts zu suchen. Ziemlich tragisch, denn das Überleben der Partei hat die LINKE vornehmlich der „ernsthaften“ Fraktion zu verdanken, die sich jetzt einer „Revolution frisst ihre Kinder“ – Situation gegenübersehen. Was ein systemisches Problem der Linken ist (auch wenn das anscheinend Schule gemacht hat).
    Und wenn sie den nicht lösen, dann werden sie wieder absinken auf die heutigen BSW-Zahlen und völlig zurecht. Parteien in den Parlamenten, die an ernsthafter Politik nicht interessiert sind, haben wir wahrlich genug.

  • Ariane 28. Juni 2026, 14:38

    5) AfD-Verbot
    Ich glaube weiterhin nicht, dass in die Richtung irgendetwas Signifikantes passieren wird; es gibt kaum politischen Willen dazu

    Nein ich glaube auch, der Zug ist abgefahren. Es gab ein Fenster dazu vor 1,5 Jahren. Man hätte gerade in der Phase zwischen den Regierungen einen sehr breiten Konsens mit überragender Unterstützung der Öffentlichkeit nutzen können (es gab sogar einen entsprechenden Antrag aller Parteien(!)) und die CDU hat die Zeit lieber für eine gemeinsame Abstimmung mit der AfD genutzt, die ihr hinterher selbst nicht mehr gefallen hat und über die sie auch nicht mehr reden will.

    Also verharren wir jetzt für immer in dem Dilemma, dass es deutliche Anzeichen gibt, dass wir eine verfassungswidrige und für die Demokratie gefährliche Partei im Parlament haben, was die Mehrheit der Entscheidungsträger exakt so widergibt(!) und alle ringen die Hände und sagen: „Tja, das ist aber echt ein Problem“ Leider haben wir nicht den Mut, auch danach zu handeln. Was btw durchaus als Verstoß gegen deren Eid gelesen werden kann, denn das ist eine nicht ganz unwichtige Aufgabe von Parlamentariern.

    Da brauchen wir den Vorwurf gar nicht nach unten an Lehrer, Justizangestellte oder Polizisten weiterreichen, die Parlamentarier halten es schließlich genauso.

    Soviel auch zum Ohnmachtsgefühl, das niemanden interessiert, wenn sich Leute außerhalb des bürgerlich-konservativen Spektrums ohnmächtig fühlen. Aber es heißt sehr deutlich „wenn ihr Angst vor einer AfD-Regierung habt, dann steht ihr damit alleine und seht bitte selbst zu, wie ihr damit klarkommt“

    Entweder zerstören sie die Demokratie, weil die Demokraten sie gewähren lassen (win), oder sie erhalten neues Material für ihre Opfererzählung, weil die Demokraten sich (konsequenzlos, weil nur rhetorisch) wehren (win).
    Ja natürlich wirkt das nicht. Die AfD spielt nicht auf dem Spielfeld der parlamentarischen Demokratie, natürlich nutzt sie Gegenmaßnahmen, die darauf beruhen (und nötig sind!) als weitere Munition. Man muss sich mal davon verabschieden, dass sie „dazugehören“ will und so zu argumentieren.
    Gilt auch für andere Radikalisierte. Da brauchst du nicht mehr mit Vernunft kommen, die sind weg davon. Frisst nur Energie.
    Kann man nur ignorieren und Leute suchen, mit denen ein Diskurs noch möglich ist oder selbst mit eigener – anderer – Emotion gegenhalten.

    • Ralf 28. Juni 2026, 14:55

      Was btw durchaus als Verstoß gegen deren Eid gelesen werden kann

      Ja, das trifft es auf den Punkt.

    • Thorsten Haupts 28. Juni 2026, 21:06

      Was btw durchaus als Verstoß gegen deren Eid gelesen werden kann …

      Ach tatsächlich? Ich verweise auf meinen Beitrag zu 5). Die Verbotsbefürworter gehen nämlich allzu leichtfertig von etwas aus, was erst zu beweisen wäre – dass die AfD in Mehrheit verfassungsfeindlich ist. Was ich bisher in Überblicksartikeln bzw. Gutachten gesehen und gehört habe, hatte bisher den gegenteiligen Effekt (auf mich) – ich wurde davon überzeugt, dass es nach den vorliegenden Belegen eben keine Mehrheit ist.

      • Ariane 28. Juni 2026, 21:21

        Ich bin keine Verbotsbefürworterin btw und ich denke, es gibt sogar gute Argumente gegen den Prüfantrag. Aber die finden sich nicht zwingend in diesem Gutachten, das Gericht selbst könnte ja auch komplett anders argumentieren. Die letzten Rechtsprechungen als es noch um die NPD (und Nachfolger) ging, waren auch ziemlich zweideutig. Es weiß sowieso keiner, solange die Entscheider nicht gefragt werden.

        Aber es gibt eben deutliche Anzeichen dafür, dass es sich bei der AfD um eine verfassungswidrige, sogar gefährliche Partei handeln könnte. Und das sagen eben sehr viele Parlamentarier, die die letztendliche Entscheidung über den Antrag stellen. Und wenn diese Leute sich hinstellen und öffentlich sagen, sie sehen hier eine Gefahr für den Rechtsstaat, die Demokratie, das Parlament. Dann ist die Frage imo sehr berechtigt, ob sich hier nicht sogar eine Pflicht zum Handeln ergibt. Mag ja überraschend sein, aber die Parlamentarier sitzen da ja nicht zum Spaß.
        Aber genau so läuft das gerade ab, fast jeder Parlamentarier stellt sich hin und erzählt, dass die nicht einfach nur eine andere politische Auffassung haben, sondern tatsächlich eine Gefahr für die Demokratie sind (man siehe die hilflosen Bemühungen in Sachsen-Anhalt). Wenn ihnen dann der Mut fehlt, entsprechend zu handeln, dann habe ich tatsächlich den Anspruch, dass hier die Argumentation ebenfalls angepasst wird. Aber der Unterschied wird gleichzeitig betont und verwischt und das halte ich für bedenklich.

        • Thorsten Haupts 28. Juni 2026, 22:03

          … fast jeder Parlamentarier stellt sich hin und erzählt, dass die nicht einfach nur eine andere politische Auffassung haben, sondern tatsächlich eine Gefahr für die Demokratie sind … Wenn ihnen dann der Mut fehlt, entsprechend zu handeln, dann habe ich tatsächlich den Anspruch, dass hier die Argumentation ebenfalls angepasst wird.

          Okay, darauf können wir uns jederzeit einigen. Politiker, die ständig und lautstark „Feuer“ schreien und trotzdem nicht zum Feuerlöscher greifen, gehen mir schon sehr lange auf den Zeiger.

  • Ariane 28. Juni 2026, 14:51

    4) Klima-Krise/Co2-Preis
    Solche „Klimaabgaben“ werden in den kommenden Jahren mit Sicherheit mehr und die Debatte bestimmen, auch in Deutschland, sobald das mal die ideologischen Scheuklappen abgelegt hat.

    Also nie^^
    Ich halte es in der aktuellen Lage fast für wahrscheinlicher, dass die ganze Co2-Abgabe gekippt wird (müsste man im EU-Recht mal nachschlagen, vieles davon ist EU-Recht) als dass man die soziale Schieflage angeht.
    Btw auch ein Versäumnis der Grünen, das Klimageld liegt auf demselben Abfallhaufen wie die Kindergrundsicherung, was gute Ideen waren, für deren Umsetzung und politischen Kampf man sich dann nicht mehr interessiert hat. Ich weiß nicht mal, ob man in der Theorie diese Ansätze noch verfolgt.

    Es gab schon erste Forderungen aus der CDU/CSU die Abgabe ganz wegfallen zu lassen und ich hab eigentlich bei der Debatte über das Heizungsgesetz damit gerechnet (dessen Lösung nicht gerade für große Zustimmung gesorgt hat, was im Zuge der Unprofessionalität des Gesetzes etwas untergegangen ist)
    Soweit ich weiß, entfällt die jetzige Deckelung in zwei oder drei Jahren und dann wird das Thema wieder auf dem Tisch landen.

    • Lemmy Caution 30. Juni 2026, 22:53

      Ich bin dafür die Klimaabgabe wegen aktuter Deindustrialisierung fallenzulassen und eine Zucman Steuer einzuführen.
      Gleichzeitig kann man die regenerativen weiter fördern und gleichzeitig alle Atomreaktoren ans Netz zu bringen, für die das noch geht.
      Mit 15% Dauerwumms-Strom aus Atom ständen wir CO2 mässig auch viel besser da. Wir bräuchten auch weniger LNG Gas, dessen Preis vermutlich ab 2030 steigen wird.
      Wir leben in einer vollkommen anderen Welt.

      • CitizenK 1. Juli 2026, 07:19
        • Stefan Pietsch 1. Juli 2026, 07:42

          Warum muss man das Linken immer wieder sagen: Es gibt kein Free Lunch.

        • Thorsten Haupts 1. Juli 2026, 09:46

          Umsonst ist der Tod. 3 Stunden scheinbar kostenlosen Strom für die Verbraucher, bezahlt von … ihren Steuern.

          • CitizenK 3. Juli 2026, 19:58

            Also besser im Mittags-Peak herunterregeln oder zu Negativ-Preisen exportieren wie hierzulande?

            • Stefan Pietsch 3. Juli 2026, 20:49

              Hierzulande werden die privaten Erzeuger (vulgo relativ vermögende Eigenheimbesitzer) finanziell entschädigt. Denken Sie nicht, dass wenn der Strom hier zu negativen Preisen angeboten wird, dieser auch abgenommen wird? Es ist nur viel zu viel.

            • Thorsten Haupts 3. Juli 2026, 21:13

              Wenn die Erzeuger selbst die negativen Preise tragen würden (also für ihren erzeugten Strom zahlen müssten), wäre das sogar eine gute Frage. Das aber ist in Deutschland nicht der Fall – sie werden mit dem gesetzlich geregelten Preis vergütet, die Kosten der Überschussproduktion trägt die Allgemeinheit über die Netzentgelte.

        • Lemmy Caution 1. Juli 2026, 12:08

          In Australien gibt es sehr viel Küste für Windenergie.
          Deutschlands südlichster Punkt liegt weiter entfernt vom Äquator als Australiens südlicher Punkt. Entfernung vom Äquator bestimmt den kürzesten Wintertag. Australien ist in der Hinsicht wie Spanien, d.h. vom Äquator am weitesten entfernter Breitengrad ist 43. Das „Dunkelflaute“ Problem ist deutlich geringer. Ausserdem scheint da einfach mehr die Sonne.
          Chiles rechts-konservative Regierung hat nun einen detaillierten Plan vorgelegt, um bis 2030 Strom 100% regenerativ zu erzeugen. Die haben uns inzwischen überholt: 66% zu 59%. In Chile ist das aufgrund von viel Sonne, Wind und schnell fliessende Flüsse sowie geringe Besiedlungsdichte halt deutlich weniger teuer als in Deutschland. Dabei setzen die beim Ausbau jetzt kaum auf neue Wasserkraft.
          https://www.iwr.de/news/chile-legt-fahrplan-fuer-stromsystem-mit-100-prozent-erneuerbaren-energien-bis-2030-vor-news39733
          Ab 2030 reden wir dann ernsthaft über Meerwasserentsalzung für die Landwirtschaft dank Solarenergie. Wird aktuell stark für die Minen im wasserarmen Norden ausgebaut. Und Wärmepumpen als Ersatz für die aktuell nicht so dollen Heizsysteme, inklusive Heizen mit Holz, Gas und Kerosin oder halt gar nicht.

      • Ariane 1. Juli 2026, 18:48

        Ich bin dafür die Klimaabgabe wegen aktuter Deindustrialisierung fallenzulassen und eine Zucman Steuer einzuführen.

        Tja, das gute an meinem Jobwechsel weg vom Verwaltungsgedöns ist, dass es erstmal nur für meinen eigenen kleinen Haushalt relevant ist und ich mich beruflich rausreden kann mit „Trocknungs-Strom wird von der Versicherung ersetzt und bitte schön gegenheizen“ 😉

        Es geht bei Weitem nicht nur um Strom – der ist zumindest theoretisch ja easy deutlich emissionsärmer zu haben. Heizen, Mobilität, Maschinen bedienen kommt on top noch drauf.
        Das mit dem Grüngas war unter Habeck bereits ein Gag, wär nach dem Heizungsgesetz in der Theorie nämlich auch möglich gewesen, da stand nicht drin „sie müssen eine Wärmepumpe haben, sondern es muss nur 60% erneuerbar sein“. Nur können vor Lachen, das Grüngas wird unter Reiche auch nicht einfacher zu finden sein.

        Strom aus der Steckdose ist das kleinste Problem, gibt genug Möglichkeiten. Aber Heizen und mobil sein ist was anderes, ich kann meinen Fiesta nicht einfach an meine Steckdose im Wohnzimmer anschließen, sondern brauche ein anderes Auto.
        Kurz gegoogelt: Es gibt 30 Millionen Autos (PKWs) mit Benzinantrieb in Deutschland. Auch ohne Ideologie und dem Finanz-Gap wird das nicht bis 2028 ausgetauscht sein.

        Und 2028 entfällt die Deckelung der Co2-Abgabe. Theoretisch sind da deutlich krassere Preissprünge als aktuell zu erwarten, wo dann 2 Prozent mehr im Januar irgendwo draufkamen.

        Und imo wird die ganze Idee dann in sich zusammenfallen, weil sie nicht gut ist und sozial furchtbar unausgewogen. (siehe eben die jetzige Heizungsgesetzregelung, das ist ein Notbehelf)

        Während Linke hier immer gerne was umsonst haben, ist es für die Nichtlinken am wichtigsten, dass die Vermögenden auf keinen Fall mit Zumutungen belästigt werden oder den Gürtel enger schnallen müssen.
        Deswegen rechne ich entweder mit einer weiteren Deckelung oder der ersatzlosen Streichung, statt einem Umbau, bei dem Vermögende (die btw deutlich mehr Emissionen verursachen) stärker belastet werden.

        Wenn man an der Co2-Abgabe festhalten will, müsste man hier Ausgleichsmechanismen schaffen, aber Deckelung oder Streichung halte ich für deutlich wahrscheinlicher. Früher war ja auch schon heiß und Unwetter/Überschwemmungen gabs schon immer.

        • Lemmy Caution 2. Juli 2026, 12:05

          Die Idee der CO2 Abgabe klingt sehr logisch. Die Erzeugung von CO2 hat negative externe Effekte, die die Erzeuger bezahlen soll. Sie wurden zuerst Anfang der 90er in skandinavischen Staaten eingeführt. Der CDU Politiker und Ökonomie-Professor Klaus Töpfer hat sich lange für eine solche Abgabe stark gemacht. Später ist er aber davon auch wieder abgewichen. Er hielt strengere technische Vorgaben für effektiver.
          Sind solche Ideen erstmal in Gesetze gegossen, werden sie zum Kampfmittel der Parteien und ONGs. Angesichts ernsthafter De-Industrialisierung ist diese Abgabe vielleicht nicht mehr so eine gute Idee, v.a. wenn der auf allen Feldern angreifende Wettbewerber China ganz anders spielt. Solche gutgemeinten Pläne machen es verdammt schwierig, dieses Land agil und flexibel durch Krisen zu führen.

  • Thorsten Haupts 28. Juni 2026, 15:16

    Zu 5)

    Das ist ja noch dünner, als das Verfassungsschutzgutachten. Ich folge mal ausschliesslich dem PIEGEL-Interview:

    Die Verfassungsfeindlichkeit der Partei soll sich auf zwei Säulen stützen – a) die verfolgte Ungleichbehandlung von arischstämmigen und eingebürgerten Deutschen und b) auf die angestrebte Verfolgung politischer Gegner. Dafür hat man angeblich mehr oder weniger alles ausgewertet, was über die AfD auf Kreis-, Landes- und Bundesebene öffentlich bekannt wurde.

    Nun zu b): (Zitat) Wir haben dafür mehr als 220 Belege gefunden, die sich auf rund 20 namentlich benannte Personen beziehen.
    Also 20 Personen des gesamten Funktionspersonals der Partei haben sich so geäussert. Aha. Das Funktionspersonal von Kreis-, Landes- und Bundesebene zusammen umfasst viele hundert Leute. Vor Gericht dürfte dieser dünne Beleg sogar als Entlastung (!) durchgehen, weil man nur für eine niedrige einstellige Prozentzahl der Funktionsträger diese Einstellung nachweisen kann.

    Das eliminiert bereits eine der beiden Säulen (siehe oben), auf denen die Verfassungsfeindlichkeit fussen soll. Wenn ich mit dieser Sosse und dem Verfassungsschutz“gutachten“ ernsthaft in ein Verbotsverfahren gehe, wette ich auf die Niederlage auch gerne bei Chancen von 10:1 gegen mich.

    Gruss,
    Thorsten Haupts

  • cimourdain 29. Juni 2026, 13:44

    1) Du schreibst es richtig, wenn auch zu freundlich. Schule ist nicht neutral und soll nicht neutral sein. Sie dient (in marxistischer Terminologie) der Perpetuierung des bestehenden Herrschaftssystems – also das was du etwas verkürzt als „die (liberale) Demokratie“ bezeichnest. Natürlich würde die AfD in einer rechtsverschobenen Demokratie genauso auf die gleiche Nichtneutralität bestehen, die Schüler auf die dann geänderte politische Mitte hin ausrichtet. Ich empfehle mal dieses Buch als Anstoßgeber: https://www.amazon.de/Erziehung-Kapitalismus-unbestreitbaren-b%C3%BCrgerlichen-Lehranstalten/dp/3899656911

    2) Nochmal, anstatt dich aufzuregen, mach es besser. Bilde eine „Brandmauer“ nach policies statt nach Parteilinien und überlege, welches politische Handeln als „faschistisch“ gelten kann. Bei der Ermächtigung des US-Präsidenten, dass ICE im faktisch rechtsfreien Raum operieren kann, warst du ziemlich sicher, dass dies als „faschistische Politik“ gilt. Aber die gleiche Frage kannst du dir bei den geplanten extraterritorialen Flüchtlingslagern der EU stellen. Bei der Nutzung von Palantir durch die Polizei. Bei der EU-Sanktionierung kritischer Journalisten. Bei Nullsanktionen gegen Arbeitslose. [persönliches ceterum censeo: Beim grassierenden Militiarismus]. Und so weiter und so fort. Wer da politisch redlich ist, wird dabei seine persönliche „Brandmauer“ quer zu Parteilinien ziehen.

    4) Egal ob bei CO2 oder Zucker: Chemie kennt keine Moral und schert sich nicht um Popularität. Wer Klimaschutz selektiv bei AI ansetzt aber die Streamingserver aus „Unpopularitätsgründen“ übersieht (oder umgekehrt AI wegen Wirtschaft privilegiert), interessiert sich nicht für Klimaschutz sondern betreibt Placebopolitik.

    5) Du hast recht, der Status der AfD als Schrödinger-Partei ist so politisch von den zentristischen Parteien (CDU SPD Grüne) gewollt. Immer wieder: Schau auf die Timeline. Seit 2015 wird es diskutiert. 2021 Beobachtung durch Verfassungsschutz aber noch nicht einmal die Anforderung einer Rechtsprognose über den Erfolg (deshalb hat da die GFF das Crowdfunding für ihr Gutachten begonnen), 2024 Verfassungsschutz Gutachten, Stellungnahme mehrerer Verfassungsjuristen. Weder Bundestag, noch Bundesrat oder Bundesregierung (diese Institutionen können ein solches Verfahren beantragen) haben Aktivitäten in die Richtung gezeigt – auch nicht das „kleine“ Verbotsverfahren „Stopp der staatlichen Parteienfinanzierung“ (das einzige war ein Rumgetrickse bei den parteinahem Stiftungen).
    Warum also „Feuer“ schreien und den Feuerlöscher ignorieren (danke an Torsten Haupts für dieses eingängige Bild) ? Der Verschwörungstheoretiker in mir sagt, dass es furchtbar bequem ist, eine Opposition zu haben, die faktisch keine Kontrollmöglichkeiten hat, weil sie überall heraus gehalten werden kann.

    • Ralf 29. Juni 2026, 14:36

      zu 2)

      Bin völlig auf Deiner Seite, dass man konsistent nach Werten und nicht nach Parteilinie urteilen sollte.

      Deshalb stellt sich die Frage, weshalb die ICE-Aktivitäten eigentlich “faschistisch” sind. Meine Antwort darauf ist, weil sie mit Absicht willkürlich und im rechtsfreien Raum stattfinden. Schließlich ist ja genau das der Faschismus: Dass an der Spitze des Staates nicht das Gesetz, nicht die Verfassung, nicht das Recht steht, sondern der Führer, dem der Rest des Landes unbedingten Gehorsam schuldet. Unter dem Führer stehen in der Hierarchie wiederum niederrangige Führer und unter denen stehen noch niederrangigere Führer. In der Praxis wird Handeln willkürlich angeordnet. Und genauso funktioniert ICE. Die Trump-Administration hat immer wieder betont, dass sie die Exzesse der Truppe decken und die Täter schützen wird. Auch die Terroristen des 6. Januar hat man begnadigt. Wer im Sinne der Regierung das Gesetz bricht, der wird belohnt, nicht verfolgt. Deshalb ist ICE faschistisch. Nicht weil es nicht legitim wäre, Gesetze zu erlassen, die die Abschiebung illegaler Migranten regeln und diese Gesetze dann im Rahmen des Rechts durchzusetzen.

      Für die Einbeziehung extraterritorialer Flüchtlingslager in das Migrationskonzept (oder Anti-Migrationskonzept) der EU gilt das gleiche. Das kann nach Gesetz und definierten Standards im Rahmen des Rechts und internationalen Verträgen, insbesondere unter Wahrung der Menschenrechte, erfolgen. Dann ist das eine legitime politische Entscheidung. Oder das kann willkürlich und unkontrolliert erfolgen. Dann ist es offensichtlich nicht in Ordnung.

      • cimourdain 30. Juni 2026, 09:24

        kleiner Dissens im Detail: In meinem Faschismusbegriff ist das Kernelement nicht die Existenz eines Autokraten (dafür gab es zu viele Faschismen, die auf der Basis von Parteioligarchie oder Juntas beruhten) sondern – und da stimmen wir wieder überein – darin dass sich (staatliche oder private) Gewalt selbst rechtfertigt wobei das Recht nur ein Deckmäntelchen darstellt.

        • Thorsten Haupts 30. Juni 2026, 10:54

          Oder noch einfacher: Faschismus = Macht hat immer Recht.

    • Thorsten Haupts 29. Juni 2026, 15:30

      Du hast recht, der Status der AfD als Schrödinger-Partei ist so politisch von den zentristischen Parteien (CDU SPD Grüne) gewollt.

      Yep. Nur sehe ich die Ursache anders als Sie: Es ist furchtbar bequem – man spart sich die politische Auseinandersetzung (eh alles Faschisten, muss aber auch nicht ins Risiko gehen (Verbotsantrag). Und solange alle brav mitspielen und die Opposition nicht weiter wächst kann das ja auch (auf Kosten des eigenen Ansehens) gut gehen. Nur brechen halt gerade die genannten Voraussetzungen dieses „Spiels“ weg …

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • Lemmy Caution 2. Juli 2026, 12:36

      3) Wenn es faschistisch ist, darauf zu bestehen, dass so ein Staat den Zuzug von Personen von aussen zu kontrollieren kann, das Empfänger von Unterstützung bei Regelverstoss sanktioniert werden und ein effektives Militär aufgebaut werden darf, um sich zu verteidigen, bin ich halt Faschist.

      4) Klimapolitik findet im Rahmen unserer internationalen Wettbewerbsstärke statt. Wenn eine Massnahme der Klimapolitik unsere Wettbewerbsstärke zu stark behindert, lehne ich die Massnahme ab.

      5) Vergleiche ich unsere AfD mit Meloni oder Marie Le Pen, bin ich inzwischen fassungslos. Wir haben nicht nur eine suboptimale Informatik, sinkende Wettbewerbsfähigkeit auf vielen Märkten, sondern auch eine viel schlechtere „extreme“ Rechte als andere Länder.
      Hier kann man sehen, wie Krah sich bei Al Jazeera vom arabischen Journalisten am Nasenring durchs Fernsehstudio ziehen lässt. https://www.youtube.com/watch?v=nT1N5lO7Wxg
      Solche Auftritte schaden dem Ansehen unseres Landes. Wie sollen wir angesichts eines solchen strunzdummen Repräsentanten unseres Landes dort noch respektiert werden?
      Marie Le Pen hat sich in der letzten Woche 2 guten linksliberalen/zentristischen Journalisten in 1-stündigen Interview gestellt.
      https://www.youtube.com/watch?v=hErXRs9wvro (kein übersetzter englischer Audiotrack, übersetzbare Untertitel)
      https://www.youtube.com/watch?v=UoY6-dLJmCo (übersetzter englischer Audiotrack, übersetzbare Untertitel)
      Ich würde die nicht wählen, aber das ist inzwischen im Rahmen westeuropäischer Traditionen und sehr durchdacht.

  • Thorsten Haupts 29. Juni 2026, 15:53

    Zu 1) Du schreibst es richtig, wenn auch zu freundlich. Schule ist nicht neutral und soll nicht neutral sein.

    Ich korrigiere nur ganz leicht: Schule KANN wie Erziehung nicht neutral sein.

    • cimourdain 30. Juni 2026, 09:15

      Haben Sie natürlich recht: Jeder macht Propaganda.

      • Thorsten Haupts 30. Juni 2026, 10:52

        Nein, trifft es nicht. Es ist unmöglich, Schule oder Erziehung mit den real existierenden Menschen „neutral“ zu machen. Sie sind intelligent und gebildet genug – leiten Sie sich das warum dieser These bitte selbst her.

  • DerDieDas 30. Juni 2026, 11:24

    Zur „Rentenreform“: Ideologisch ist die „kapitalgedeckte“ Rente, die Ablehnung nicht nur bei Makroskop wohl begründet, auch hier Argumente dagegen: https://www.relevante-oekonomik.com/2026/06/30/schein-kapitaldeckung-im-gesamtkunstwerk-zur-rente-diese-regierung-hat-jeden-massstab-verloren/
    Wenn eine Geschichte seit Jahrzehnten immer wieder erzählt wird, wird sie zur gefühlten Wahrheit. Das zeigt sich auch bei der Rente.
    – Viele Menschen glauben, dass der Rentenbeitrag in den letzten 25 Jahren gestiegen ist. Falsch: Er ist von 20,3 % im Jahr 1999 auf heute 18,6 % gesunken.
    – Wir haben seit der Jahrtausendwende sieben Millionen Beitragszahler mehr. Das Verhältnis zwischen Beitragszahler und Rentner liegt bei 2:1 und ist seit 30 Jahren weitgehend stabil. Denn es arbeiten mehr Migranten (!), aber auch mehr Frauen und Ältere.
    – Deutschland gibt für die Rente – gemessen am BIP – weniger aus als der EU-Durchschnitt.
    – Die private Vorsorge wird massiv überschätzt, während die gesetzliche Rente systematisch unterschätzt wird. Wir hatten seit der Jahrtausendwende drei große Reformen: Riester- und Rürup-Rente sowie den „Pflege-Bahr“. Alle drei waren Flops.
    – Wem die Flops nicht reichen, schaue nach Berlin: Die Zahnärzten dort haben mit ihrer betrieblichen Altersvorsorge eine Milliarde € in den Sand gesetzt. Jetzt bitten sie die Gesundheitsministerin um Steuerhilfen. Das heißt: Die Kassiererin im Supermarkt soll jetzt mit ihren Steuern die gescheiterten Kapitalmarkt-Experimente der Zahnärzte bezahlen.
    Warum wollen das viele Menschen nicht wahrhaben? Fakten, die unser Weltbild, unsere Selbstgewissheit oder unser ökonomisches Auskommen erschüttern, blenden wir aus. Unsere Psyche kann sie nicht verarbeiten, wir müssten uns sonst zu sehr in Frage stellen.
    Fogerung: Wir brauchen weniger Panikmache. Viele Horrorprognosen der Vergangenheit sind nicht eingetreten, da ist mehr Gelassenheit gegenüber diesem Zahlenzauber nötig.

    • Stefan Pietsch 30. Juni 2026, 14:35

      – Viele Menschen glauben, dass der Rentenbeitrag in den letzten 25 Jahren gestiegen ist. Falsch: Er ist von 20,3 % im Jahr 1999 auf heute 18,6 % gesunken.

      Schönes Beispiel, das die Schulsprecher in Deutschland nicht nur Bundeskanzler und Bundestrainer sind. Wer historisch nicht völlig verpeilt ist, weiß, dass die rot-grüne Bundesregierung 1998 als einer ihrer ersten Amtshandlungen den Rentenbeitrag durch die Erhöhung des Steuerzuschusses („Rasen für die Rente“) um 1 Prozentpunkt absenkte.

      Seit 1998 ist der Bundeszuschuss zur Rentenversicherung von 40 Milliarden Euro auf 126 Milliarden Euro angestiegen. Obwohl im gleichen Zeitraum die Einnahmen aus der Einkommensteuer von 220 auf 470 Milliarden Euro zulegten, wandern damit fast 9 Prozentpunkte mehr von der Einkommensteuer in die Rentenkasse. Umgerechnet auf den Beitragssatz bedeutet dies, dass dieser nach den Maßstäben von 1998 nicht bei 18,6 Prozent sondern bei 20,3 Prozent liegen müsste, also exakt auf dem gleichen Niveau.

      Richtig ist, dass bisher der Ausgabenanstieg bisher durch Mehrarbeit der erwerbsfähigen Bevölkerung aufgefangen wurde. Das steht so ja auch in den Berichten der Bundesregierung. Positiv wirkte auch die Ausweitung des Arbeitskräftepotentials durch Migration. Die Schattenseiten dieser Ausweitung finden sich jedoch in anderen Kostenpositionen, den Mehraufwendungen für Bürgergeld, dem gravierenden Kostenanstieg im Gesundheitssystem und den Posten für Integrationsmaßnahmen. Nicht finanzieller Art finden sie sich in der Kriminalstatistik. Wenn von 100 Ukrainern nur 20 arbeiten, 80 aber Bürgergeld beziehen, dann ist es eine Milchmädchenrechnung, das wäre günstig für die eine Sozialkasse.

      Und das Argument gilt auch umgekehrt. Die Erhöhung der Erwerbstätigkeit der einheimischen Bevölkerung ist an ihrem Ende. Die Fähigkeit, echte Fachkräfte zu attrahieren, ist auch am Ende. Gleichzeitig sinkt schon in den nächsten 4 Jahren die Erwerbsbevölkerung dramatisch um fast 3 Millionen. Wie von Bevölkerungsforschern und Finanzwissenschaftlern seit Jahrzehnten erwartet, kippt am jetzt das Verhältnis von Beitragszahlern zu Rentenempfängern rasant ab.

      – Deutschland gibt für die Rente – gemessen am BIP – weniger aus als der EU-Durchschnitt.

      Die Wahrheit ist: Nur wenige Länder geben mehr aus, dafür aber deutlich. Italien, Frankreich, Österreich, Griechenland, Spanien. Die meisten EU-Mitglieder liegen unter dem deutschen Niveau von 11,5 Prozent. Luxemburg z.B. liegt gerade etwas über 10 Prozent. Italien hat eine ebenfalls alte Bevölkerung, zahlt aber höhere Renten und ermöglicht einen früheren Ruhestand. Wie Frankreich. Österreich zahlt bedeutend höhere Renten, aber hat keine Pflegeversicherung. In Griechenland und Spanien hängt das Sozialsystem wegen dem Fehlen einer Absicherung für Langzeitarbeitslose wesentlich an der staatlichen Rente. Die Deutschen bezahlen umgekehrt mit einem späteren Renteneintritt und einer kürzeren Bezugsdauer. Nicht ist kostenlos in diesem Leben.

      In der OECD wie in Europa liegen die Renten im unteren Drittel. Das heißt nichts anderes als dass die staatliche Rendite im Vergleich zu den kapitalgedeckten Systemen der anderen Länder schlecht ist.

      Sie glauben, was Sie glauben wollen. Sie hinterfragen nicht einmal Ihre eigenen „Informationen“.

      • Lemmy Caution 30. Juni 2026, 23:00

        Unter den Ukrainischen Flüchtlinge sind viele Frauen, Kinder und Alte. Nicht selten die Familien von Kämpfern in der Ukraine, die unseren wahren Feind aktuell in den Wahnsinn treiben und den stabilsten Pfeiler unserer sicherheitspolitischen Zukunft darstellen.

        • Lemmy Caution 30. Juni 2026, 23:05

          und die völlig überbewerteten US-Tech Milliardäre haben sich vermutlich verzockt. Die Clouds waren ihre letzte gute Idee. Ihre AI Strategie scheint in einer finanziellen Katastrophe zu enden. Bei lokalen Modellen haben sie keinen grossartigen Vorteil.
          https://www.youtube.com/watch?v=UYobECzM2ho

          • Stefan Pietsch 1. Juli 2026, 06:57

            Man wird sehen. Das wäre auch nicht völlig unbekannt bei industriellen Revolutionen. Nur, selbst wenn die Investoren scheitern, haben sie Substanz geschaffen, auf der neue Unternehmen aufbauen. Bei uns gibt es keine Substanz und keine Unternehmer. Im Gegenteil, jede Industrieumfrage berichtet aufs Neue, dass Unternehmen deinvestieren und Arbeitsplätze abbauen wollen.

            • Lemmy Caution 1. Juli 2026, 10:28

              In Deutschland wird in Sachen KI sicher zu wenig getan und das französische Mirage Projekt hat auch seine Lücken. Allerdings gerät die Strategie der US Konzerne immer stärker in die Kritik. Anthropic agiert bei weitem am kompetetivsten. OpenAI ist dagegen ein sehr, sehr schlechter Witz. Microsofts Strategie ist gescheitert. Die Chinesen agieren wie immer sehr geschickt.
              Ich empfehle, sich die von mir verlinkten Ding mal anzuhören. In dem Bereich passieren die unglaublichsten Dinge. In Deutschland neigen bestimmte Kreise dazu, ehrfürchtig zu den US Techkonzernen aufzuschauen. Das ist halt komfortabler als sich ernsthaft mit neuen Technologien zu beschäftigen. USA/UK haben zu dem Thema einen viel besseren, in den letzten Monaten zunehmend kritischen Wirtschaftsjournalismus, der einen ernsthaften Einblick in die technologischen Grundlagen hat.
              Auf der Anwenderseiten – d.h. den in IT-Projekten arbeitenden Personen – gibt es in Deutschland bemerkenswerte Köpfe, die international ernst genommen werden. Auf der IT-Business Seite höre ich in Deutschland viel verwirrtes Zeug, auch innerhalb meines aktuellen Auftraggebers.

              • Stefan Pietsch 1. Juli 2026, 11:48

                Nochmal: Niemand von uns weiß wie es ausgeht. Deswegen gibt es ja im Kapitalismus diese Risikoinvestoren. Wenn sie scheitern, schön. Dann ist zwar deren Geld weg, nicht jedoch die Werte, die sie geschaffen haben. Wenn aber in Deutschland niemand investiert, gibt es auch nichts, worauf aufgebaut werden und was ein anderer übernehmen könnte.

                • Lemmy Caution 1. Juli 2026, 12:21

                  Risikoinvestoren, die vielleicht wie einige Banken in der Finanzkrise 2008 staatliche Unterstützung einfordern werden.
                  Wenn sich die mit superteuren Envidia GPUs vollgestopften Rechenzentren nicht für AI rechnen, nimmt dir der Wertverlust deinen Atem. Die Modelle können chinesische Mitbewerber nutzen, um Konkurrenzmodelle zu trainieren. Die erstellten Modelle müssen eh ständig nachtrainiert werden, weil die ja nur mit den neuesten Daten Sinn machen.
                  Aus einer Finance Perspektive ist diese AI völlig anders als die IT Wirtschaft, die wir kennen. Der Charme von Software besteht ja darin, dass du das Ergebnis praktisch ohne Kosten unendlich kopieren kannst. AI ist da etwas total anderes.

                  • Stefan Pietsch 1. Juli 2026, 15:09

                    Es gibt elementare Unterschiede zwischen Risikoinvestoren und Banken.

                    Die Rechenzentren sind ja nicht weg. Wenn ein Unternehmen / Investor insolvent geht, saust der Wert von Kauf- / Buchwert auf Zerschlagungswert. Du erlebst das jeden Tag beim Ausverkauf in der Innenstadt: 50, 70, 80 Prozent Rabatt auf alles. Das Rechenzentrum ist wie das Buch noch das Gleiche, nur der Wertansatz hat sich geändert. Den Wertverlust trägt der Investor, in diesem Fall ohnehin verhasste Milliardäre.

                    • Lemmy Caution 1. Juli 2026, 16:18

                      Ich hasse keine Milliardäre. Die sollen ja die Zucman Steuer zahlen.

                      Für 2026 werden die Investitionen der großen Hyperscaler (z. B. Amazon, Microsoft, Alphabet, Meta und Oracle) auf rund 850 Milliarden US-Dollar geschätzt.
                      Davon werden etwa 160 Milliarden US-Dollar durch neue Schulden finanziert. Das entspricht rund 19 % der gesamten Investitionen. Der Rest wird überwiegend aus dem operativen Cashflow und teilweise über Eigenkapital oder Projektgesellschaften finanziert. Eigenkapital heisst Aktien, d.h. das hat einen nicht geringen Einfluss der Renten der US-Amerikaner.
                      Die Zeichen sind aber nicht eindeutig. Das ist hier der US-Amerikanischer Techwirtschaft Kanal meines Vertrauens: https://www.youtube.com/@ProfGMarkets/videos
                      Es gibt aber definitiv gute Gründe für starke Bedenken und die werden in Deutschland leider oft nicht genug ernst genommen.

                      2 Bücher von Paul Krugman haben mich in den 90ern von der Marktwirtschaft überzeugt: „The Age of Diminished Expectations: U.S. Economic Policy in the 1990s“ und „International Economics: Theory and Policy, with Maurice Obstfeld.“. Ich folge seit den 90ern viel was Krugman im Internet schreibt und sagt. Er empfiehlt nun Europa trumpartige Zölle gegen China. https://www.youtube.com/watch?v=pvEymKUcM_Q

                      Willkommen in einer sehr anderen Welt.

        • Stefan Pietsch 1. Juli 2026, 06:53

          Viel mehr als in anderen Fluchtländern? Sorry Lemmy, aber bei aller Empathie, das ist nicht seriös.

  • DerDieDas 30. Juni 2026, 11:27
  • cimourdain 30. Juni 2026, 13:38

    1) Und e) Mir ist beim Nach-nachlesen hier aufgefallen, wie sich beide Fälle darin ähneln, dass es sich um verletzende „Arschlochkommunikation“ handelt. Wie viel da ein Brokkolieffekt ist und wie viel Provokation, kann jeder selber deuten, aber dass es von außen echt nicht anständig gegenüber Betroffenen ist, ist eigentlich offensichtlich. Niemand lässt sich gerne als Faschist bezeichnen und über Mordopfer zu sagen „selber schuld“ verbietet sich auch.

    Trotzdem ist es leicht (gerade bei ideologischer Nachbarschaft) da in einen Verteidigungsmodus „in der Sache nicht falsch“ zu geraten – das musste ich bei mir selber beobachten. Das bringt nur wenig, weil die vorausgegangene Provokation argumentativ eher abstößt.

    Deswegen eine Klarstellung in eigener Sache: Ich halte Pantisanos Aussage für unangemessen, die CDU ist keine Partei, bei der der Begriff Faschismus angemessen wäre (und noch weniger gilt das für CDU- Anhänger). Das ist eigentlich der wichtige Punkt, da hat Stefan Sasse recht und die Frage, welche Policies zu weit ‚rechts‘ sind, passt gar nicht.

    • Thorsten Haupts 30. Juni 2026, 16:32

      Danke, das bekommt sonst kaum jemand hin.

  • Lemmy Caution 30. Juni 2026, 16:53

    l) Raúl Stolk von Caracas Chronicles macht diese Woche jede Nacht gegen 00:30 Uhr Live-Streams zu Venezuela. Anlass ist das schreckliche Erdbeben, das Tausende von Menschen getötet hat. Ich finds super-interessant.
    Manch einer wird sich fragen: Venezuela, ist das nicht seit 1,5 Jahren eine US-Kolonie?
    Kind of. Aber im 18. Jhdt war das Generalkapitanat Venezuela auch eine Art Kolonie des Spanischen Weltreichs. Schon damals konnten die lokalen Eliten ihre Macht-Claims abstecken… und die Chavisten sind da noch besser drin… nicht unbedingt zum Nutzen der lokalen Bevölkerung.
    https://www.youtube.com/@caracaschroniclesTV/streams
    Raúl Stolk ist ein kluger Mensch. Man muss das jetzt auch nicht live verfolgen. Vielleicht mal reinhören.

    • Lemmy Caution 30. Juni 2026, 17:00

      Oh. Vergessen. Die Live-Streams sind in Englisch.

    • cimourdain 1. Juli 2026, 10:44

      Wenn wir schon so tief in die Geschichte zurückgehen: Findet sich bei uns kein Welser, der die Ansprüche auf Klein-Venedig (Venezia mit Verkleinerungsendung -uela), die die Familie seit Karl V hat, erneuert?

      • Lemmy Caution 1. Juli 2026, 22:20

        out of scope.
        Sehr schwierig sich in die Frühphase Spanisch-Amerikas reinzudenken.
        Es gibt:
        – diesen noch heute recht viel gelesenen und übersetzten Bericht von Bernal Díaz del Castillo, einen Soldaten unter Cortéz
        – den großartigen Film „Aguirre, der Zorn Gottes“, von Werner Herzog mit Kinsky. Aguirre suchte ähnlich wie die Welser das Goldland Eldorado. Für mich eine Super-Darstellung der Überwältigung eines Wahnsinnigen durch eine widrige Natur plus die Gruppen-Dynamik. Das Scheitern der Welser stelle ich mir ähnlich vor.
        – Isabel Allende hat eine Art feministischen Roman zur frühen Kolonialzeit geschrieben, den ich immer lesen wollte. „Inés meines Herzens“ / „Inés del alma mía“. Gute Idee, das mal zu lesen.

        Die Referenz der aktuellen Beziehung USA – Venezuela auf die Beziehung Spanien zum Generalkapitanat Venezuela bringt Caracas Chronicles selber oft. Das liegt sehr nahe. Die Zeit der Unabhängigkeit nimmt breiten Raum in dem Geschichtsunterricht ein und es wird heute – zumindest in Chile – nicht mehr als Heldengeschichte gelehrt. Die starke faktische Unabhängigkeit der lokalen Eliten im Kolonialreich ist dabei ein entscheidendes Element.

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