Ariane und ich widmen uns den großen innenpolitischen Aufregertheme: das „Bückbürgertum“ und die damit einhergehende Radikalisierung des Bürgertums und den Reformdiskurs.
Bückbürgertum und anderer rechter Unsinn
In diesem Auszug aus seinem Buch „Bückbürgertum“ entwickelt Ulf Poschardt die These, dass die Regierungszeit von Angela Merkel maßgeblich zum Aufstieg der AfD beigetragen habe. Merkel habe die CDU systematisch entideologisiert und sich programmatisch bei SPD und Grünen bedient. Ziel sei weniger die Durchsetzung eigener Überzeugungen als die Sicherung politischer Macht gewesen.
Zentral ist dabei das Konzept der „asymmetrischen Wählerdemobilisierung“, das Poschardt als bewusste Strategie beschreibt, kontroverse Themen zu vermeiden und potenzielle Gegner zu entmutigen, statt sie politisch zu überzeugen. Politik sei unter Merkel zunehmend zu einem „permanenten Stimmungsmanagement“ geworden. Inhaltliche Debatten hätten an Bedeutung verloren, während Demoskopie und gesellschaftliches „Nudging“ an ihre Stelle getreten seien.
Als Gegenfigur erscheint Alexander Gauland. Dessen Entfremdung von der CDU wird als Folge eines langfristigen Prozesses dargestellt, in dem konservative Positionen innerhalb der Union marginalisiert worden seien. Die von Merkel bewusst offen gelassene „Repräsentationslücke rechts der Mitte“ habe der AfD schließlich Raum zur Entfaltung gegeben.
Poschardt argumentiert weiter, dass Teile der CDU-Führung die Existenz der AfD zunächst sogar als strategischen Vorteil betrachtet hätten. Die Union habe gehofft, durch eine Konzentration auf die politische Mitte und die Ausgrenzung rechter Positionen langfristig zu profitieren. Diese Annahme bewertet der Autor rückblickend als folgenschweren Irrtum. Vor allem nach der Flüchtlingskrise 2015 habe sich gezeigt, dass das „Rechts-Liegenlassen“ konservativer Kritik den Erfolg der AfD eher begünstigt als verhindert habe.
Der Text endet mit der Schlussfolgerung, dass Merkels Politik der Entideologisierung und Demobilisierung kurzfristig zwar außerordentlich erfolgreich gewesen sei, langfristig jedoch die politische Polarisierung verstärkt und den Aufstieg der AfD ermöglicht habe.
Der Artikel beschreibt den Erfolg einer neuen Generation konservativer und rechtsliberaler Bestsellerautoren wie Ulf Poschardt, Julian Reichelt, Joachim Steinhöfel oder Daniel Stelter. Ihre Bücher dominierten derzeit die Sachbuch-Bestsellerlisten und würden eine breite Leserschaft ansprechen, die mit gesellschaftlichen Entwicklungen unzufrieden sei und nach Erklärungen für ihr Unbehagen suche.
Anhand von Poschardts Buch „Bückbürgertum“ wird gezeigt, wie die Geschichte der Bundesrepublik neu interpretiert werde. Während die Nachkriegsgesellschaft lange als Erfolgsgeschichte von Ausgleich und Kompromiss gegolten habe, sehe Poschardt darin vor allem Anpassung, Konfliktvermeidung und einen Verlust bürgerlicher Freiheit. Der Artikel erkennt zwar an, dass viele dieser Autoren scharfsinnige Beobachtungen lieferten, kritisiert aber ihre Tendenz, gesellschaftliche Entwicklungen überwiegend als Niedergangsgeschichte zu deuten.
Als entscheidender Faktor für ihren Erfolg wird die Rolle sozialer Medien hervorgehoben. Plattformen wie X ermöglichten es den Autoren, große Reichweiten aufzubauen und diese in Buchverkäufe umzuwandeln. Zudem hätten sich enge Netzwerke gebildet, in denen Autoren, Podcasts und Medienangebote gegenseitig aufeinander verwiesen und ihre Resonanz verstärkten.
Der Autor zieht Parallelen zur Flugblattkultur der Weimarer Republik. Wie damals würden zugespitzte Botschaften Aufmerksamkeit erzeugen und zur politischen Polarisierung beitragen. Die meisten dieser Bestseller böten jedoch vor allem Kritik und Alarmismus, während konkrete Zukunftsentwürfe selten seien. Lediglich Daniel Stelter wird zugestanden, mit seinen wirtschaftsliberalen Reformvorschlägen eine konsistente Alternative zu formulieren. Insgesamt wird argumentiert, dass der Erfolg dieser Bücher auch Ausdruck einer Schwäche progressiver und liberaler Gegenentwürfe sei.
Wie superreiche Rechte die Linke in die Falle treiben
Der Kolumnist setzt sich mit der verbreiteten These auseinander, die politische Linke habe durch „Wokeness“ ihre traditionelle Wählerschaft verloren und müsse sich wieder stärker sozialen und wirtschaftlichen Fragen zuwenden. Anhand eines Gesprächs zwischen dem Tech-Milliardär Marc Andreessen und dem Podcaster Joe Rogan argumentiert er, dass diese Erklärung zu kurz greife. Selbst dort, wo sich linke Politik wieder auf Umverteilung, bezahlbares Wohnen und wirtschaftliche Ungleichheit konzentriere, stoße sie auf heftigen Widerstand.
Im Mittelpunkt steht die Beobachtung, dass Andreessen und Rogan bereits vergleichsweise moderate Vorschläge zur stärkeren Besteuerung von Milliardären als Bedrohung von Freiheit und Wohlstand darstellen würden. Aus Sicht des Autors werde so gezielt eine Erzählung geschaffen, nach der linke Politik nicht nur Superreiche, sondern letztlich alle Menschen mit Eigentum treffen wolle. Dadurch werde eine Allianz zwischen Wohlhabenden und Mittelschicht hergestellt.
Der Artikel argumentiert, dass konservative Kritiker die Linke sowohl für Identitätspolitik als auch für klassische Umverteilung angreifen. Die eigentliche Herausforderung für linke Parteien liege deshalb nicht allein in ihrer Programmatik, sondern im schwindenden Vertrauen in staatliche Institutionen. Solange viele Bürger nicht mehr glaubten, dass der Staat zusätzliche Einnahmen sinnvoll verwende, hätten antistaatliche Botschaften größere Überzeugungskraft. Der Erfolg rechter Akteure beruhe deshalb nicht nur auf ideologischen Argumenten, sondern auch auf einem tiefen Misstrauen gegenüber dem Staat und seinen Handlungsmöglichkeiten.
Der aufhaltsame Aufstieg der AfD
Im Kommentar wird die verbreitete Hoffnung zurückgewiesen, die AfD lasse sich durch eine veränderte Migrationspolitik oder bessere Regierungsarbeit wieder zurückdrängen. Die bisherigen Verschärfungen in der Migrationspolitik hätten den Aufstieg der Partei jedenfalls nicht gestoppt. Daraus folge aber nicht, dass die Politik auf notwendige Veränderungen verzichten dürfe.
Der Autor argumentiert, die Stärke der AfD beruhe nur teilweise auf konkreten Sachfragen. Entscheidend sei vielmehr, dass die Partei nahezu alle politischen Themen durch die Brille einer „deutschen Identität“ betrachte. Ob Migration, Rente, Wohnungsbau oder Außenpolitik – für die AfD sei ausschlaggebend, ob eine Maßnahme den Interessen und dem Selbstverständnis der Deutschen diene. Deshalb könne selbst eine deutlich restriktivere Migrationspolitik die Partei nicht automatisch schwächen.
Zugleich sieht der Autor eine Parallele zur politischen Linken, die ebenfalls stark identitätspolitisch argumentiere, allerdings mit Fokus auf Diversität, Herkunft, Geschlecht oder Klimaschutz. Beide Lager verwandelten soziale und wirtschaftliche Fragen in kulturelle Grundsatzkonflikte.
Die eigentliche Herausforderung für die etablierten Parteien bestehe daher nicht darin, einzelne Forderungen der AfD zu übernehmen, sondern ein eigenes überzeugendes gesellschaftliches Angebot zu entwickeln. Besonders die Union habe sich von vielen Wählern entfremdet, weil sie lange eine Politik mitgetragen habe, in der nationale Identität an Bedeutung verloren habe. Früher hätten CDU und CSU diesen Menschen vermittelt, dass sie sich um ihre Interessen als Deutsche kümmerten. Der Autor legt nahe, dass die Union nur dann erfolgreich sein könne, wenn sie an diese Rolle wieder anknüpfe.t
Güner Balci argumentiert, dass die öffentliche Debatte über Gewalt gegen Frauen einen „blinden Fleck“ habe. Während seit der #MeToo-Bewegung sexuelle Übergriffe in Medien, Kultur und Unterhaltungsindustrie intensiv diskutiert würden, bleibe eine andere Form systematischer Unterdrückung weitgehend unbeachtet: Gewalt gegen Frauen und Mädchen in bestimmten familiären, kulturellen und religiös geprägten Milieus.
Ausgehend von den feministischen Überlegungen des Philosophen John Stuart Mill erinnert Balci daran, dass Frauen in Europa grundlegende Freiheiten erkämpft hätten. Gleichzeitig existierten jedoch auch heute Lebenswelten, in denen Frauen nicht selbst über Partnerschaft, Kleidung oder Lebensführung entscheiden könnten. Dort würden Familienverbünde und soziale Gemeinschaften Kontrolle ausüben, Verstöße gegen traditionelle Normen sanktionieren und Gewalt als private Angelegenheit behandeln.
Die Autorin sieht die Ursachen in einem Zusammenspiel aus kulturellen Traditionen, religiösen Vorstellungen und gesellschaftlichen Strukturen. Besonders kritisch bewertet sie, dass diese Formen der Unterdrückung selten dieselbe öffentliche Aufmerksamkeit erhielten wie andere frauenpolitische Themen.
Zur Untermauerung verweist Balci auf die Dunkelfeldstudie „LeSuBiA“, die gezeigt habe, dass weniger als fünf Prozent der Partnerschaftsgewalt angezeigt würden. Zudem seien Frauen mit Migrationshintergrund häufiger von Gewalt betroffen als Frauen ohne Migrationshintergrund. Die Autorin fordert deshalb eine offenere Debatte über kulturelle und religiöse Rollenmuster sowie eine konsequentere Auseinandersetzung mit Gewalt gegen Frauen im gesellschaftlichen „Dunkelfeld“.
Sind die Täter Migranten, dann sind die Opfer egal
Im Kommentar kritisiert Ulf Poschardt, dass feministische und linke Gruppen bei Sexualverbrechen durch Täter mit Migrationshintergrund angeblich schweigen oder nur verhalten reagierten. Ausgangspunkt sind die sogenannten Grooming-Gangs in Großbritannien sowie ein Fall in Nürnberg, bei dem junge Mädchen laut den Vorwürfen systematisch verführt, abhängig gemacht, misshandelt und sexuell ausgebeutet worden seien.
Poschardt argumentiert, Empathie werde von Teilen der politischen Linken selektiv eingesetzt. Während das Leid von Migranten stark beachtet werde, würden Opfer sexueller Gewalt weniger Aufmerksamkeit erhalten, wenn die Täter aus migrantischen Milieus stammten. Dies wertet er als Widerspruch zu den eigentlichen Zielen des Feminismus.
Besonders scharf greift der Autor moderne feministische Strömungen an. Er behauptet, sie vermieden die Auseinandersetzung mit religiös oder kulturell geprägter Unterdrückung von Frauen, etwa im Iran, in Afghanistan oder durch islamistische Gruppen wie die Hamas. Dadurch verrate der Feminismus seine eigenen Grundsätze und verliere an Glaubwürdigkeit.
Als Gegenbild nennt Poschardt ältere Vertreterinnen der Frauenbewegung wie Alice Schwarzer. Der heutige Feminismus sei seiner Ansicht nach vielfach oberflächlich geworden und konzentriere sich stärker auf symbolische Debatten als auf den Schutz von Frauen vor Gewalt. Insgesamt zeichnet der Kommentar das Bild eines Feminismus, der aus ideologischen Gründen bestimmte Opfergruppen vernachlässige und deshalb seine gesellschaftliche Aufgabe nicht mehr erfülle.
Die Gerichte sind Teil des Problems
In seinem Kommentar argumentiert Andreas Rosenfelder, dass die deutsche Justiz zunehmend die Begrenzung illegaler Migration behindere, anstatt staatliche Maßnahmen zur Durchsetzung geltenden Rechts zu unterstützen. Ausgangspunkt ist ein Urteil des Berliner Verwaltungsgerichts, das die Zurückweisung eines eritreischen Migranten an der deutsch-polnischen Grenze für rechtswidrig erklärte. Der Mann war bereits zuvor über die sogenannte Belarus-Route eingereist und trotz eines Einreiseverbots erneut nach Deutschland gelangt.
Rosenfelder kritisiert insbesondere die Berufung auf europäisches Recht und die Dublin-Regeln. Aus seiner Sicht ermöglichen solche Entscheidungen Personen die Einreise, obwohl sie bereits in sicheren Drittstaaten Schutz gefunden hätten. Er beschreibt die Unterstützung durch Asylanwälte und Nichtregierungsorganisationen als Teil einer „Migrationslobby“, die entsprechende Prozesse aktiv fördere.
Im Kern richtet sich der Beitrag jedoch gegen eine aus seiner Sicht „aktivistische Justiz“. Unter Verweis auf den Politikwissenschaftler Philip Manow wird argumentiert, dass Gerichte demokratisch legitimierte politische Entscheidungen zunehmend blockierten. Wenn gewählte Regierungen Maßnahmen nicht umsetzen dürften, weil Richter sie verhinderten, könne dies das Vertrauen der Bevölkerung in den Rechtsstaat untergraben.
Der Autor begrüßt deshalb die Haltung von Innenminister Alexander Dobrindt, der die Urteile als Einzelfallentscheidungen behandelt und an seiner Migrationspolitik festhält. Rosenfelder schließt mit der These, dass die Justiz selbst zum politischen Problem werde, wenn sie die Begrenzung illegaler Migration verhindere und dabei die gesellschaftlichen Realitäten ausblende.
Antwort auf „Die Gerichte sind Teil des Problems“ von LTO
Der Text analysiert Rosenfelders Kritik daran, dass Richter Aktivismus betreiben, indem sie geltendes Recht anwenden, um der Bundesregierung in der Migrationspolitik zu „helfen“. Am Beispiel einer Berliner Verwaltungsgerichts‑Kammer, die Grenzrückweisungen für rechtswidrig hielt, zeigt der Autor Rosenfelders Deutung:
Statt lediglich Rechtsfehler zu kritisieren, wirft Rosenfelder den Gerichten vor, sich gegen den politischen Willen der Regierung zu stellen und das Unionsrecht durchzusetzen. Der Beitrag erklärt, dass Rosenfelder damit keinen Kritik am Rechtsstaat übt, sondern einen politiknahen Aktivismus fordert, der die Exekutive stützen würde – ein „Law and Order“-Modell, das die unabhängige Justiz gefährden könnte.
Dem wird entgegengehalten, dass der Rechtsstaat kein bloßes Lippenbekenntnis sei und dass Rosenfelders Position eine missverstandene Balance zwischen Politik und Recht vermittle; Philosophische und rechtsdogmatische Argumente (mit Bezug auf Manow) würden zeigen, dass Gerichte politischen Spielraum einschränken können, hier aber lediglich vorhandenes Recht angewendet hätten.
Dublin-III sei nicht von Gerichten erfunden worden, Deutschland habe sie mitverhandelt; politische Reformen seien sinnvoll, aber die Justiz sei nicht der richtige Adressat. Der Text warnt vor einer zunehmenden Diskreditierung der Justiz, wenn Kritik an der Rechtsordnung zu einer Abwertung des Rechtsstaats führt, und ruft dazu auf, statt Richtern zu unterstellen, sie würden der Bundesregierung nicht blind folgen, Politik zu europäischen Regeln zu bewegen.
Resterampe
Reformdiskurs
“Selbst wenn es der Koalition gelänge, die wichtigsten Reformen in die Tat umzusetzen, sprechen viele Zeichen dafür, dass sich der Aufwärtstrend der AfD fortsetzt. Woran liegt es?”
„Ich halte die Debatte um den Acht-Stunden-Tag für völlig unsinnig“
Der Vorsitzende der IG BCE, Michael Vassiliadis, kritisiert im Interview die Reformagenda der Bundesregierung und hält insbesondere die Debatte über den Acht-Stunden-Tag für „völlig unsinnig“. Die Tarifverträge hätten diese Frage längst geregelt und ermöglichten bereits ausreichend Flexibilität. Das eigentliche Problem vieler Branchen sei derzeit nicht Mehrarbeit, sondern Kurzarbeit.
Vassiliadis argumentiert, die Politik konzentriere sich zu stark auf Sozialreformen, während die drängenden Probleme der Industrie – hohe Energiepreise, Rohstoffversorgung und gestörte Lieferketten – vernachlässigt würden. Gerade in der Chemieindustrie gingen jede Woche tarifgebundene Arbeitsplätze verloren. Wachstum müsse deshalb Vorrang haben.
Bei Gesundheit, Pflege und Rente erkennt er Reformbedarf an, fordert jedoch zunächst Effizienzsteigerungen statt Leistungskürzungen. Zudem sollten Krankenkassenbeiträge für Bürgergeldempfänger aus Steuermitteln finanziert werden. Für die Rentenversicherung spricht er sich für eine stärkere Kapitaldeckung aus und unterstützt Anreize für längeres Arbeiten, sofern Menschen geschützt werden, die dazu gesundheitlich nicht in der Lage sind.
Steuerpolitisch plädiert Vassiliadis für eine Entlastung der Mittelschicht, höhere Belastungen für sehr hohe Einkommen sowie eine stärkere Besteuerung großer Vermögen und Erbschaften. Es könne nicht sein, dass die Zahl der Milliardäre wachse, während Investitionen am Standort Deutschland stagnierten.
Insgesamt betont er, die Gewerkschaften seien keine Reformverweigerer. Sie wollten Veränderungen mitgestalten, würden aber nicht jede Maßnahme akzeptieren, nur weil die Regierung sie wünsche. Ihr Auftrag bleibe die Vertretung der Interessen der Beschäftigten.
Warum Widerstand gegen diese Reformen berechtigt ist
Der Kommentar verteidigt den Widerstand gegen die geplanten Sozialstaatsreformen und kritisiert die verbreitete Vorstellung, Reformen seien automatisch Fortschritt. Während Reformen früher mit besseren Bildungs- und Aufstiegschancen verbunden gewesen seien, stünden sie heute meist für Kürzungen, Einsparungen und Belastungen bestimmter Bevölkerungsgruppen.
Besonders kritisch bewertet der Autor die geplante Flexibilisierung der Arbeitszeit. Von einer Abkehr vom Acht-Stunden-Tag würden vor allem Beschäftigte in Bürojobs profitieren, während Arbeitnehmer in Industrie, Pflege oder Logistik längere und belastendere Arbeitstage tragen müssten. Die Vorteile und Lasten seien daher ungleich verteilt.
Auch bei der Rentenpolitik widerspricht der Autor der Darstellung, demografische Entwicklungen ließen nur Rentenkürzungen oder längere Lebensarbeitszeiten zu. Denkbar seien ebenso stärkere Umverteilungselemente oder die Einbeziehung weiterer Einkommensarten in die Finanzierung.
Darüber hinaus wird kritisiert, dass steigende Verteidigungs- und Zinsausgaben kaum hinterfragt würden, während Sozialleistungen unter Kürzungsdruck gerieten. Stattdessen könne auch eine stärkere Beteiligung hoher Vermögen diskutiert werden.
Abschließend warnt der Beitrag vor einer Politik der angeblichen Alternativlosigkeit. Die Erfahrungen mit der Agenda 2010 hätten gezeigt, dass tiefgreifende Sozialreformen zwar ökonomische Probleme lindern könnten, zugleich aber langfristige politische Vertrauensverluste verursachten. Reformen seien deshalb nicht nur eine wirtschaftliche, sondern vor allem eine gesellschaftliche und demokratische Frage.
Deutschland kann sich diese Koalition nicht leisten
Im Kommentar wird die schwarz-rote Koalition als grundsätzlich reformunfähig dargestellt. Nikolaus Doll argumentiert, CDU und SPD verfolgten gegensätzliche politische Konzepte und seien nicht in der Lage, die notwendigen Modernisierungen des Landes umzusetzen. Selbst wenn die Regierung die gesamte Legislaturperiode überstehe, drohten weitere Jahre des Stillstands.
Als Beispiele nennt der Autor die Reformen der Kranken- und Pflegeversicherung sowie die geplante Neuregelung der Arbeitszeiten. Bei allen drei Projekten blockiere die SPD aus seiner Sicht notwendige Veränderungen oder verwässere sie so stark, dass vom ursprünglichen Reformanspruch kaum etwas übrig bleibe. Besonders scharf kritisiert er Arbeitsministerin Bärbel Bas, der er vorwirft, den Koalitionsvertrag zu ignorieren und sozialstaatliche Ausgaben grundsätzlich gegen Einsparungen abzuschirmen.
Die Debatte um die Arbeitszeitreform wird dabei als Beispiel für unterschiedliche wirtschaftspolitische Vorstellungen angeführt. Während die Union mehr Flexibilität anstrebe, stelle die SPD dies laut Autor fälschlicherweise als Angriff auf Arbeitnehmerrechte dar. Dadurch würden Bürokratie, Arbeitskosten und wirtschaftliche Belastungen weiter steigen.
Doll sieht die Hauptverantwortung jedoch nicht allein bei der SPD. Er wirft Friedrich Merz und der Union vor, die Blockaden hinzunehmen und trotz gegenteiliger Versprechen keine Konsequenzen zu ziehen. Sollte bis Juli kein umfassendes Reformpaket beschlossen werden, drohe Merz als Kanzler der „leeren Versprechungen“ in Erinnerung zu bleiben. Als möglichen Ausweg nennt der Autor die Vertrauensfrage, mit der der Kanzler die SPD zu Zugeständnissen zwingen könne. Neuwahlen lehnt er hingegen ab, da davon vor allem politische Randparteien profitieren würden.
Das Versagen der Sozialdemokraten
Peter Tauber argumentiert, dass die wichtigste Lehre aus dem Scheitern der Weimarer Republik nicht im Ermächtigungsgesetz von 1933 liege, sondern bereits im Jahr 1930. Die häufige Erinnerung an den mutigen Widerstand der SPD gegen Hitler verdecke seiner Ansicht nach, dass die Demokratie zu diesem Zeitpunkt bereits entscheidend geschwächt gewesen sei.
Im Mittelpunkt steht der Zusammenbruch der Großen Koalition unter Reichskanzler Hermann Müller im März 1930. Anlass war ein Streit über die Finanzierung der Arbeitslosenversicherung während der Weltwirtschaftskrise. Tauber schildert, dass die SPD höhere Beiträge gefordert, Leistungskürzungen oder strukturelle Reformen jedoch abgelehnt habe. Auch Kompromissvorschläge anderer Koalitionspartner seien zurückgewiesen worden. Dadurch sei die letzte parlamentarisch gestützte Regierung der Weimarer Republik zerbrochen.
Der Autor stützt sich auf Historiker wie Heinrich August Winkler und Karl Dietrich Bracher, die das Ende der Großen Koalition als entscheidenden Wendepunkt betrachten. Nicht der fehlende Widerstand gegen die Nationalsozialisten habe die Republik zuerst geschwächt, sondern die Unfähigkeit demokratischer Parteien, zentrale Probleme gemeinsam zu lösen.
Aus dieser historischen Interpretation zieht Tauber eine direkte Parallele zur Gegenwart. Demokratien scheiterten selten durch einen einzelnen dramatischen Akt, sondern durch den Eindruck politischer Handlungsunfähigkeit. Wenn notwendige Reformen immer wieder vertagt würden und Parteien ihre jeweiligen Interessen über die Stabilität des Gemeinwesens stellten, wachse das Vertrauen in radikale Kräfte. Die eigentliche Warnung der Weimarer Republik liege deshalb im März 1930 und nicht erst im März 1933.
So droht Deutschland der Staatsbankrott
In ihrem Kommentar zeichnet Dorothea Siems ein düsteres Bild der deutschen Staatsfinanzen. Sie argumentiert, Deutschland bewege sich aufgrund steigender Defizite und wachsender Sozialausgaben auf eine Überschuldung zu. Die von der Regierung eingeschlagene Schuldenpolitik lasse die Bundesrepublik finanziell immer stärker Ländern wie Frankreich oder Italien ähneln.
Als Hauptursache nennt sie den demografischen Wandel. Die geburtenstarken Jahrgänge gingen in den Ruhestand, während deutlich weniger Erwerbstätige nachrückten. Dadurch gerieten Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung unter enormen Druck. Besonders problematisch seien die sogenannten „impliziten Schulden“, also zukünftige Leistungsversprechen der Sozialversicherungen, die laut einer Generationenbilanz ein Vielfaches der offiziellen Staatsverschuldung ausmachten.
Siems kritisiert zugleich die mangelnde Reformbereitschaft der Bevölkerung. Maßnahmen wie höhere Eigenbeteiligungen, ein späteres Renteneintrittsalter oder Leistungskürzungen würden in Umfragen überwiegend abgelehnt. Forderungen nach höheren Steuerzuschüssen hält sie für unrealistisch, da die Sozialversicherungen bereits Ausgaben von rund 830 Milliarden Euro verursachten und der Bund diese Last dauerhaft nicht tragen könne.
Der Artikel kommt zu dem Schluss, dass umfassende Reformen insbesondere bei Rente, Gesundheit und Pflege unvermeidlich seien. Ohne schmerzhafte Einschnitte würden Sozialausgaben und Schuldendienst den Staatshaushalt zunehmend erdrücken und Investitionen in Bildung und Zukunftsprojekte verdrängen. Andernfalls drohe langfristig sogar ein Staatsbankrott.
Resterampe
- Dummes Geschwätz von de Mazière 2020 bis 2026
- Ein Hoch auf Bärbel Bas!
- “Alle Probleme lösen”
- Der Fehler von SPD und Grünen in der Debatte
Transkript
00:00:00.59
Stefan Sasse
Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von den Bohrleuten.
00:00:04.69
Stefan Sasse
Es ist einmal wieder so weit, dass wir eine Folge Vermischtes machen.
00:00:07.48
Stefan Sasse
Das ist unsere unregelmäßige Serie, in der wir einfach kein einheitliches Oberthema haben, sondern stattdessen eine ganze Sammlung von verschiedenen Dingen.
00:00:15.62
Stefan Sasse
Wir versuchen das so ein bisschen thematisch zu sortieren, aber insgesamt ist das gar nicht so strukturiert, also noch unstrukturierter als sonst, wenn wir beide zusammenkommen.
00:00:24.25
Stefan Sasse
Hier ein herzliches Entschuldigung an alle, aber ich glaube, ihr hört den Podcast ja auch um unsere
00:00:29.49
Stefan Sasse
Live-Ergüsse sozusagen zu hören.
00:00:31.21
Stefan Sasse
Und wenn ich sage, wir und uns, dann meine ich natürlich die Ariane, die Trash-Kolumnistin der Herzen, die umstrittenste Person in diesem Podcast.
00:00:38.60
Stefan Sasse
Hallo Ariane.
00:00:39.74
Ariane
Hallo Stefan, hallo liebe HörerInnen.
00:00:43.17
Stefan Sasse
Wir haben uns heute unsere ganzen Fundstücke so ein bisschen einsortiert in vor allem zwei große Themenbereiche.
00:00:49.99
Stefan Sasse
Der eine beschäftigt uns jetzt schon seit ein paar Podcasts, das ist der Reformdiskurs.
00:00:54.34
Stefan Sasse
Da sind wir natürlich wieder sehr tagesaktuell unterwegs, denn das ändert sich natürlich dauernd mit den entsprechenden Vorschlägen und Gegenvorschlägen und den Sachen, die dann ziemlich schnell gekippt werden, weil sich keine politischen Mehrheiten finden.
00:01:06.18
Stefan Sasse
Und auf der anderen Seite haben wir etwas, ich habe es mal unter die Überschrift gepackt, des Book-Book-
00:01:13.32
Stefan Sasse
Boah, dieses Wort alleine, Bückbürgertum, das ist ein Begriff, den Ulf Poschert jetzt aufgestellt hat.
00:01:20.37
Stefan Sasse
Der hat ja vor einem Jahr oder wann das war, hat er seinen Semibestseller geschrieben über die, wie hat er das genannt, Gerwig?
00:01:28.56
Ariane
Fitbürgertum.
00:01:30.08
Stefan Sasse
Genau, das Shit-Bürgertum.
00:01:32.10
Stefan Sasse
Und jetzt haben wir das Bücke-Bürgertum quasi als Teil 2 aus dieser Serie.
00:01:38.05
Stefan Sasse
Ich bin mir nicht ganz sicher, was die Bücher an sich betrifft.
00:01:40.97
Stefan Sasse
Ob das eines ist, über das mehr geredet als gelesen und verkauft wird.
00:01:43.99
Stefan Sasse
Das könnte ich mir gut vorstellen.
00:01:45.53
Stefan Sasse
Das würde in das Portfolio von Springer passen.
00:01:49.29
Stefan Sasse
Aber in jedem Fall hat er dieses Buch rausgeholt und beschreibt in diesem…
00:01:55.25
Stefan Sasse
quasi wo das Problem des Bürgertums aus seiner Sicht hängt und er identifiziert die als die sogenannten Bückbürger, also Bürger, die sich bücken.
00:02:05.72
Stefan Sasse
Und die Thesen, die er da drin verteilt, sind Ulf Poschert mäßig natürlich sehr stark zugespitzt, um es höflich auszudrücken.
00:02:15.41
Stefan Sasse
Der Mann ist ein Provokateur, der ist schon stolz darauf, der würde mit Sicherheit sagen, jawohl bin ich, vielen Dank für das Kompliment.
00:02:23.97
Stefan Sasse
der steht da ja drauf, an der Stelle so ein bisschen zu provozieren und deswegen seine Thesen natürlich auch regelmäßig zu übersteigern.
00:02:32.56
Stefan Sasse
Man kann darüber streiten, ob es deswegen überhaupt Sinn macht, sich damit zu beschäftigen, aber es beschäftigen sich viele Leute damit und von daher wollen auch wir das tun, unter anderem, weil es einen Blick erlaubt in einen Prozess, den ich immer bezeichne als die Selbstradikalisierung des Bürgertums,
00:02:47.61
Stefan Sasse
Ich bin gespannt, ob du da mitgehst, Ariane, aber das ist so eine These, die vertrete ich ja mittlerweile schon seit ein paar Jährchen.
00:02:53.85
Stefan Sasse
Nicht allzu lange, also wir reden so von zwei oder drei Jahren max, dass wir gerade live eine Selbstradikalisierung sehen können, zumindest bei Teilen des Bürgertums.
00:03:03.18
Stefan Sasse
Und wenn man sich den Porsche-Arts so anguckt und wie der quasi diese Freund-Feind-Bilder aufbaut, dann kann man schwer dagegen ansprechen.
00:03:11.66
Stefan Sasse
Die Frage ist dann, glaube ich, hauptsächlich noch, ob das gerechtfertigt ist oder nicht.
00:03:15.42
Stefan Sasse
Und aus Sicht derer, die ihn unterstützen, da kennen wir ja auch ein paar Leute aus dem Blog entsprechend, ist es natürlich eine gerechtfertigte Reaktion auf die Merkel-Ära und die Enttäuschungen, die seither kommen, also Kramp-Karrenbauer und Laschet und jetzt natürlich auch Merz, während ich das, glaube ich, etwas negativer bewerten würde, aber das überrascht vermutlich niemanden.
00:03:36.42
Stefan Sasse
Was ist denn deine Einschätzung von dem Diskurs, den du mitbekommen hast?
00:03:37.88
Ariane
Das Buch noch nicht.
00:03:39.18
Stefan Sasse
Ich nehme an, du hast es genauso wenig gelesen wie ich.
00:03:43.18
Ariane
Ich habe ein paar Rezensionen.
00:03:44.68
Ariane
Er hatte ja selber einen Ausschnitt davon bei Welt, den habe ich auch gelesen.
00:03:50.86
Stefan Sasse
Vielen Dank.
00:03:51.40
Ariane
Er ist jetzt auch wieder auf Twitter.
00:03:52.58
Ariane
Es verlangt mir sehr viel Selbstdisziplin ab, das meiste davon zu ignorieren, weil er hat da Bock drauf, auf dieses Provokative.
00:03:59.39
Ariane
Also die Thesen sind teilweise so steil.
00:04:02.42
Ariane
dass gar nicht mehr so viel Sinn erkennbar ist und um ihn zu suchen muss man bis nach China, weil so steil ist die These, dass die in China glaube ich wieder rauskommen.
00:04:11.01
Ariane
Also es ist schon, er ist schon die Speerspitze dieser Radikalisierung.
00:04:16.47
Ariane
Ich finde es spannend, weil es, und das hat Trump erfunden, glaube ich, falls nicht wer es davor hat, weil er macht so auf Rebell, er ist der Revolutionär, ist der große Punk.
00:04:29.92
Ariane
Aber gehört ja selber zum Assassement dazu.
00:04:32.42
Ariane
Also es gab ja einen Artikel von Zeit, wo das mit Flugblatt irgendwie zusammen gemacht wurde, wo die als Twitter-Influencer geframed wurden.
00:04:41.25
Ariane
Ich weiß gar nicht, wen es da noch gab.
00:04:42.75
Ariane
Ich glaube, noch ein paar andere Leute, Peter Hane auch, ich glaube, der ist gar nicht auf Twitter.
00:04:46.75
Ariane
Aber irgendwie wurden die plötzlich so als Twitter-Influencer gemacht.
00:04:50.01
Ariane
Und das sind sie nicht.
00:04:51.46
Ariane
Ich glaube, Fleischhauer kamen auch zu.
00:04:52.88
Ariane
Und es würden nicht so viele über diese Menschen reden, wenn die einfach nur auf Twitter rumhängen.
00:04:59.60
Ariane
Wir beide werden ja auch nicht irgendwie von der Zeit interviewt, weil wir nur auf Twitter rumhängen und in so einem kleinen Blog schreiben.
00:05:07.97
Ariane
Die profitieren enorm davon, dass sie aus den großen Verlagshäusern kommen.
00:05:12.13
Ariane
Das sind jetzt nicht irgendwelche Revolutionäre, die von unten kommen, einen auf Punk machen und nicht dazugehören.
00:05:24.98
Ariane
Und es ist…
00:05:27.86
Ariane
Ich weiß nicht genau, wie ich es netter sagen soll, aber es ist ein alter weißer Mann, hat eine Mitlauf-Crisis und wir müssen jetzt alle zugucken.
00:05:36.30
Ariane
Und er ist nicht der Einzige, wie sie ihr Trauma aus der Merkel- und Ampelzeit aufarbeiten.
00:05:40.67
Ariane
So kommt es mir gelegentlich vor.
00:05:43.47
Stefan Sasse
Vielen Dank.
00:05:44.01
Ariane
Und da sind sie halt nicht die Einzigen.
00:05:48.25
Ariane
Also ich finde es schwer, ich habe mir das durchgelesen, aber ich weiß selber immer nicht, soll ich mir darüber überhaupt Gedanken machen oder nicht, weil es ist…
00:05:57.38
Ariane
Es sind ja keine ernsthaften Vorschläge, es sind auch keine ernsthaften originalen Gedanken dabei.
00:06:03.96
Ariane
Es ist das Shitbürgertum, schreibt für sich selbst so ein bisschen.
00:06:06.88
Ariane
Und ich finde aber, wie gesagt, die Thesen sind so steil.
00:06:09.72
Ariane
Ich hatte auch einmal drüber getwittert, weil er ja gesagt hat, das Bürgertum gibt es seit 1945.
00:06:15.16
Ariane
Umkehrschluss, es steht nicht so, das ist der Überschrift von dem Ausschnitt, den er selber geschrieben hat.
00:06:16.95
Stefan Sasse
Ja.
00:06:24.52
Ariane
Es steht nicht so drin, aber in den Rezensionen, die ich gelesen habe, steht es genauso drin, was heißt,
00:06:30.48
Ariane
Davor war noch alles in Ordnung, was das Bürgertum getrieben hat von 1933 bis 1945, war genau richtig.
00:06:36.70
Ariane
1945 war der Nullpunkt, als es mit dem Bürgertum bergab ging und sie einfach nur noch das Bürgertum waren.
00:06:44.52
Stefan Sasse
Ja, ich würde es ihm mal quasi zugute halten, dass er vermutlich nicht von 1933 bis 1945 spricht, aber dass er quasi in dem Bürgertum der Weimarer Republik das Elementar für den Untergang der ersten Demokratie verantwortlich war, dass er darin quasi keinerlei Fehler und Vorbilder sieht, vermutlich im Kaiserreich auch noch oder so.
00:07:03.34
Ariane
Genau.
00:07:07.32
Stefan Sasse
Allerdings glaube ich, das tut ihm auch schon wieder zu viel der Ehre ein.
00:07:10.58
Stefan Sasse
Ich glaube, das ist so ungefähr auf dem Level dieser Kommentar, wie wenn Trump sagt, make America great again und dann alle fragen, ja, wann war denn dieses davor, was wir jetzt gern machen?
00:07:19.94
Stefan Sasse
Das ist ja nicht so, als ob das eine reale Periode wäre.
00:07:22.32
Stefan Sasse
Das ist einfach nur eine Sehnsucht, die in die Vergangenheit transportiert wird.
00:07:25.87
Stefan Sasse
Und da ist auch niemand frei davon.
00:07:27.41
Stefan Sasse
Ich meine, auch die Linken treiben das.
00:07:30.05
Stefan Sasse
Wenn sie da dann immer kommen, wir haben ja früher, da war das Wirtschaftssystem noch so viel gerechter.
00:07:34.64
Stefan Sasse
Und dann ist das, wenn man da genauer hinguckt, ist das ja dann auch immer so diese maloche Zeit, wo die Leute…
00:07:39.63
Ariane
Die beste Zeit war immer, als man selbst 14 war oder 16.
00:07:41.39
Ariane
Das war es auch nicht.
00:07:41.94
Stefan Sasse
Ja, ja, das sowieso, aber nee, da wird ja dann auch so sehnsüchtig rekurriert auf irgendwelche Zeiten, wo die Leute eigentlich hauptsächlich am Fließband richtige harte, körperlich harte Jobs hatten, dann sind sie mit 60 mit völlig kaputten Körpern in Rente und waren mit 65 tot.
00:07:57.57
Stefan Sasse
Und das wird dann quasi so als diese große Zeit sozialer Gerechtigkeit verkauft oder so ein Blödsinn.
00:08:02.74
Stefan Sasse
Das ist ja genau der gleiche nostalgische Unfug, der hier einen Ulf Poscher treibt.
00:08:07.97
Ariane
Vielen Dank.
00:08:08.24
Stefan Sasse
Ich glaube, der könnte, wenn man den quasi wirklich befragen würde und er ausnahmsweise darauf antworten würde, der müsste, glaube ich, auch relativ schnell zugeben, dass das quasi irgendeine Stilfigur ist.
00:08:18.06
Stefan Sasse
Das bezieht sich nicht auf eine reale historische Epoche.
00:08:20.95
Stefan Sasse
Also dieses Seit 1945, das zeigt für mich vor allem,
00:08:25.85
Stefan Sasse
dieses unglaublich weitreichende, dieses, das ist auch jedem Diskurs enthoben letzten Endes, weil wenn ich sage, seit es die Bundesrepublik gibt, sozusagen, ist das Bürgertum verseucht von Linken und die echten Bürger sozusagen befinden sich da in einem permanenten Abwehrkampf, dann reden wir letzten Endes mittlerweile seit fast 80 Jahre Abwehrkampf gegen Bogue und Links.
00:08:50.12
Stefan Sasse
Und das ist halt so ein Quatsch.
00:08:52.26
Stefan Sasse
Also wenn das wahr wäre, und wie gesagt, ich brauche da überhaupt nicht auf historische Fakten gehen, sondern einfach nur auf die Länge des Zeitraums sozusagen.
00:09:00.73
Stefan Sasse
Wenn das wahr wäre, das wäre ja quasi die erfolgreichste politisch-ideologische Kampagne ever.
00:09:08.69
Stefan Sasse
80 Jahre lang werden die politisch unterdrückt, obwohl sie die Mehrheit sind.
00:09:12.91
Ariane
Okay.
00:09:13.02
Stefan Sasse
Das ist eine so absurde Vorstellung.
00:09:15.60
Stefan Sasse
Und wie gesagt, das lässt sich überhaupt nur intellektuell fassen als eine rhetorische Stilfigur.
00:09:21.44
Stefan Sasse
Das nennt sich übrigens eine Hyperbel, ist da eine Fachbegriff, das kommt der Deutschlehrer wieder raus.
00:09:25.56
Stefan Sasse
Das ist eine Übertreibung.
00:09:26.70
Stefan Sasse
Das kann man machen rhetorisch, aber es ist halt echt nicht mehr als das.
00:09:30.82
Stefan Sasse
Es ist einfach quatschig.
00:09:33.32
Stefan Sasse
Um zu zeigen hier, es geht schon länger im Endeffekt.
00:09:38.49
Stefan Sasse
Aber ich finde schon, wenn du zu Kohl zurückgehst oder so, wird es albern.
00:09:41.97
Stefan Sasse
Und wenn wir dann von Adenauer oder sowas sprechen, als von den Linken.
00:09:46.90
Stefan Sasse
Das ist einfach so jenseits von allem.
00:09:47.08
Ariane
Das ist Quatsch.
00:09:51.04
Stefan Sasse
Aber erneut darum geht es ihm ja gar nicht.
00:09:52.44
Stefan Sasse
Ich meine, das Konkreteste, was er nennt, ist ja Merkel.
00:09:55.72
Stefan Sasse
Und das ist ja quasi der Gott sei bei uns der heutigen bürgerlichen Rechten.
00:10:00.87
Stefan Sasse
Die sind vereint in ihrer Antimerkelei.
00:10:04.29
Stefan Sasse
Das ist ja passiert irgendwann zwischen der Bundestagswahl 17 und der 21.
00:10:08.19
Stefan Sasse
Ist ja Merkel plötzlich zu dieser unglaublich umstrittenen Figur geworden, die da dann plötzlich ganz anders gesehen wurde, als das davor der Wahl war.
00:10:20.12
Ariane
zum Feindbild.
00:10:21.50
Stefan Sasse
Ja, die wurde ganz massiv zum Feindbild und ich würde ehrlich gesagt argumentieren, ohne dass sie großartig was geändert hat an ihrer Politik.
00:10:28.77
Stefan Sasse
Ich denke halt, da ist einerseits der Auslöser durch die Flüchtlingskrise, aber vor allem ist es auch so eine Ermüdungserscheinung letzten Endes gewesen, weil sie hat sich politisch jetzt nicht dermaßen gewandelt.
00:10:41.32
Stefan Sasse
Das war jetzt auch nie meine Kanzlerin.
00:10:42.96
Stefan Sasse
Also als links- oder progressiv kann man die beim besten Willen nicht sehen.
00:10:48.12
Stefan Sasse
Und deswegen finde ich das so krass.
00:10:52.26
Stefan Sasse
Das heißt aber nicht, dass Porscharts Analysen und der ganze Kram nicht einer gewissen Grundlogik entbehren würden.
00:10:59.48
Stefan Sasse
Also wenn ich zum Beispiel den Auszug, von dem du es vorher hattest, das ist auch der erste Beitrag, den ich hier in den Shownotes verlinkt habe, die würde ich entsprechend empfehlen.
00:11:08.10
Stefan Sasse
Ich habe da von jedem Artikel auch Zusammenfassungen mit rein.
00:11:11.68
Stefan Sasse
Da hat er es ja davon, von dieser sogenannten asymmetrischen Demobilisierung.
00:11:17.66
Stefan Sasse
Und das war ja die erklärte Strategie der Merkel-CDU ab 2009.
00:11:22.91
Stefan Sasse
Und das haben sie ja auf die Spitze getrieben bei der Bundestagswahl 2013 und da hat sie dann noch fast für die absolute Mehrheit gereicht.
00:11:31.17
Stefan Sasse
Und Purschert hat natürlich recht damit.
00:11:34.15
Stefan Sasse
Also wenn er jetzt feststellt, dass diese Strategie ja dafür gesorgt hat, dass man quasi kontroverse Themen vermeidet.
00:11:42.96
Stefan Sasse
Ja, no shit.
00:11:44.74
Stefan Sasse
Das ist ja quasi das, was in den 2000er Jahren, das ist die Wand, gegen die da die Linken permanent gerannt sind, letzten Endes.
00:11:50.84
Ariane
Ja.
00:11:51.98
Stefan Sasse
Das ist kaum eine Strategie, war so erfolgreich da drin, die SPD an die 20-Prozent-Marke heranzudrücken, wie diese Merkel-Strategie.
00:12:00.25
Stefan Sasse
Und auch die Grünen auch unten zu halten und die Partei die Linke.
00:12:04.09
Stefan Sasse
Die waren alle scheiße unter Merkel.
00:12:05.91
Stefan Sasse
Und warum?
00:12:06.51
Stefan Sasse
Weil die ganzen Kontroversen tot waren.
00:12:08.21
Stefan Sasse
Also das ging ja quasi in alle Richtungen.
00:12:10.98
Stefan Sasse
Und Prostock hat
00:12:11.20
Ariane
Das war tierisch erfolgreich.
00:12:12.69
Ariane
Sie hat es einmal gemacht mit dem Mindestlohn und sie hat es einmal gemacht mit der Ehe für alle.
00:12:16.49
Ariane
Das wären super Wahlkampfthemen gewesen, die richtig mobilisiert hätten und sie hatte jedes Mal kurz vor dem Wahlkampf abgeräumt.
00:12:22.86
Stefan Sasse
Ich darf noch kurz den Atomausstieg erwähnen.
00:12:25.11
Ariane
Genau.
00:12:26.38
Stefan Sasse
Es gibt diverse Themen, bei denen sie das gemacht hat.
00:12:28.40
Stefan Sasse
Ich würde behaupten, dass sie das auch bei der Flüchtlingskrise versucht und eine Weile sogar geschafft hat, das Thema zu demobilisieren.
00:12:36.29
Stefan Sasse
Das Ding ist, wenn Poschardt dann quasi sagt, dass das quasi kurzfristig ein Erfolg war, aber langfristig der AfD in die Karten gespielt hat, dann hat er damit natürlich erst mal recht.
00:12:45.75
Stefan Sasse
Nur gilt es halt de facto für jede politische Strategie.
00:12:50.13
Stefan Sasse
Also keine Partei wird sich mit derselben Strategie ewig an der Macht halten.
00:12:54.84
Stefan Sasse
Du hast immer eine Art von Ermüdung, die da irgendwo kommt.
00:12:56.16
Ariane
Okay.
00:12:59.62
Stefan Sasse
Wir werden das auch diesen November, das garantiere ich jetzt schon sehen, dass ein Backlash gegen Trump kommen wird, weil die Leute keinen Bock mehr auf diesen Magerblödsinn haben und mal gerne wieder ihre Ruhe hätten.
00:13:09.40
Stefan Sasse
Also es ist ja nicht so, als ob es eine Secret Source gäbe in der Politik.
00:13:14.41
Stefan Sasse
Wenn du quasi X machst, dann bist du immer erfolgreich.
00:13:17.43
Stefan Sasse
Sondern das sind immer Aktionen gegen Reaktion, aktuelle Stimmungen und so weiter und so fort, die da aufgegriffen werden.
00:13:24.69
Stefan Sasse
Keine Strategie ist ewig erfolgreich.
00:13:26.99
Stefan Sasse
Und Merkels Strategie war länger erfolgreich als die meisten Strategien da draußen.
00:13:31.74
Stefan Sasse
Das muss man schon ganz klar sagen.
00:13:33.36
Stefan Sasse
Also rein politisch von dem Thema Machterhalt her gehört sie definitiv zu den erfolgreichsten Kanzlern und Kanzlerinnen.
00:13:39.84
Stefan Sasse
Die erfolgreichste Kanzlerin ist ja eh, ja, die die Bundesrepublik je gehabt hat.
00:13:43.77
Ariane
Sie wäre auch wahrscheinlich von den Beliebtheitswerten damals, wäre sie wahrscheinlich auch wiedergewählt worden.
00:13:47.35
Ariane
Also die ist nicht abgewählt worden.
00:13:48.87
Ariane
Also hätte sie einfach gesagt, ich mach nochmal.
00:13:49.34
Stefan Sasse
Das sehe ich als absolut garantiert.
00:13:52.01
Ariane
Sie war ja auch keine großartige Wahlkämpferin, deswegen hat sie es ja vorab geräumt.
00:13:56.57
Ariane
Aber die wäre wahrscheinlich wiedergewählt worden.
00:13:58.25
Ariane
Also die ist mit wahnsinnigen Beliebtheitswerten in der gesamten Bevölkerung, ist sie in Rente gegangen.
00:14:04.10
Stefan Sasse
Also Merkel 2021 wäre ein Sieg für die CDU gewesen.
00:14:07.40
Stefan Sasse
Ich denke, da müssen wir uns überhaupt nicht fragen.
00:14:10.12
Ariane
Genau.
00:14:11.26
Stefan Sasse
Das ist das, was passiert wäre.
00:14:13.06
Stefan Sasse
Und vermutlich hätte sie sogar 2024 nochmal gewonnen.
00:14:15.86
Stefan Sasse
Einfach deswegen, weil die…
00:14:16.06
Ariane
Die könnten heute antreten und würden wahrscheinlich gewinnen.
00:14:18.31
Stefan Sasse
Ja, einfach weil die, natürlich auch weil die Opposition so unglaublich schwach ist, ja, aber die CDU würde sie nicht mehr aufstellen, aber die Bevölkerung würde sie nochmal haben wollen, das ist ja so ein Helmut-Schmidt-Phänomen an der Stelle, ja, die SPD hatte auch keinen Bock mehr auf den, die Bevölkerung an sich hatte kein Problem, die hätten den weitergegeben.
00:14:21.69
Ariane
Genau.
00:14:22.28
Ariane
Aber jetzt kommt noch ein bisschen Nostalgie dazu.
00:14:24.25
Ariane
Also die wäre sofort.
00:14:25.85
Ariane
Alle anderen bräuchten gar nicht mehr antreten.
00:14:27.21
Ariane
Genau.
00:14:30.11
Ariane
Ja.
00:14:30.43
Ariane
Ja.
00:14:41.29
Ariane
Das wäre mit Schröder.
00:14:42.37
Ariane
Im Moment kommt ständig jeder, oh, bei Schröder war das noch gut und alle SPDler rennen weg und sagen, nee, bloß nicht.
00:14:47.37
Ariane
Ja.
00:14:47.89
Stefan Sasse
Ja, vor allem war es unter Schröder auch nicht gut.
00:14:49.36
Stefan Sasse
Ja, den mochte ja eigentlich auch keiner mehr am Schluss.
00:14:50.100
Stefan Sasse
Aber das ist halt der Nostalgiefaktor.
00:14:52.75
Stefan Sasse
Also von daher finde ich, hat Protschab natürlich schon einen wahren Kern.
00:14:55.82
Stefan Sasse
Nur finde ich den sehr, sehr banal.
00:14:58.72
Stefan Sasse
Also keine Strategie funktioniert ewig.
00:15:00.86
Stefan Sasse
Und wenn du mit Demobilisierung arbeitest, dann öffnest du natürlich ein wählendes Potenzial.
00:15:05.76
Stefan Sasse
Das ist genauso, wenn du mit dem Gegenteil arbeitest, mit Zuspitzung, wie es Merz versucht hat, was öffnest du dann?
00:15:11.02
Stefan Sasse
Das fällt auf der Linken.
00:15:11.98
Stefan Sasse
Und guck mal, was bei der Bundestagswahl 2025 passiert ist.
00:15:15.94
Stefan Sasse
Auch das ist keine große Überraschung.
00:15:17.66
Stefan Sasse
Das ist eine Aktion-Reaktion und es gibt keine eierlegende Wollmilchsau in der Politik.
00:15:22.41
Stefan Sasse
Also von daher, das ist erst einmal ziemlich basic.
00:15:24.87
Stefan Sasse
Nur, das Buch ist ja kein Versuch, die Merkel-Ära politisch zu analysieren, sondern diese Argumentation steht ja quasi in einem größeren Kontext, würde ich mal sagen.
00:15:35.21
Ariane
Ja, also ich würde auch sagen, dass das Buch, die Buchstaben sozusagen ergeben, wenig Sinn, aber insofern ist das ganz spannend, weil es die Gefühlslage, glaube ich, gut wieder gibt.
00:15:46.72
Ariane
Also ich habe eine ziemlich lange Rezension, eigentlich einen Verriss auch von
00:15:51.49
Ariane
ich weiß nicht, wie er mit Vornamen heißt, von Fischer bei LTO über Fleischhauers Buch, was geht ja in eine ähnliche Richtung.
00:15:58.31
Ariane
Nicht ganz so extrem, Fleischhauer ist ja sozusagen wie der kleine Ulf Poscher.
00:16:02.59
Ariane
Und er hat wirklich, also die ist ewig lang, er hat das wirklich Seite für Seite, das ist gut, dass man braucht es danach nicht mehr lesen.
00:16:08.96
Ariane
Es ist auch sehr vorhersehbar, aber ich finde, deswegen passt es so gut, weil die Gefühlslage ist ja real, das hat man im Moment überall.
00:16:15.60
Ariane
Es ist auch immer dieses…
00:16:18.98
Ariane
Man darf nichts mehr sagen.
00:16:21.70
Ariane
Er hat nicht das Merkel-Trauma, er hat noch das Ampeltrauma.
00:16:26.26
Ariane
Und das ist eben auch genauso.
00:16:31.04
Ariane
Er gehört selber mit zum Bürgertum, aber kämpft auch am meisten gegen das Bürgertum.
00:16:35.86
Ariane
Aus so einer freiheitlichen Revoluzza-Ebene.
00:16:39.36
Ariane
Ich glaube, dieses Gefühl, das da transportiert wird, das ist halt total real.
00:16:45.77
Ariane
Die Worte machen vielleicht weniger Sinn, aber das Gefühl ist ja da.
00:16:51.54
Ariane
Das ist für mich auch ein Grund, warum die AfD da im Moment so erfolgreich ist.
00:16:57.22
Ariane
Keiner interessiert, was für Sachfragen da diskutiert werden, aber sie transportiert dieses Gefühl gut.
00:17:05.80
Stefan Sasse
Genau dieses Gefühl ist, denke ich, der viel relevantere Punkt an der Stelle.
00:17:12.77
Stefan Sasse
Das führt mich auch zu dem zweiten Artikel, den ich hier im Vermischten verlinkt habe.
00:17:16.17
Stefan Sasse
Der heißt Das neue Spitzenpersonal.
00:17:18.79
Stefan Sasse
Der ist von der ZEIT.
00:17:21.09
Stefan Sasse
Den hat ein Götz Hamann geschrieben.
00:17:23.79
Stefan Sasse
Und der analysiert quasi diese ganze Riege.
00:17:28.84
Stefan Sasse
Ulf Poschak natürlich, Julian Reichelt, er nennt noch Joachim Steinhöfel und Daniel Stelter.
00:17:33.100
Stefan Sasse
Aber ich denke, man kann den von dir erwähnten Fleischhauer definitiv auch mit da in das Team werfen.
00:17:39.12
Stefan Sasse
Da hast du ja auf der Restrampe noch eine Rezension verlinkt von dem Fischer, also von diesem ehemaligen Bundesrichter, der da immer Kolumnen schreibt.
00:17:47.36
Stefan Sasse
Und wenn man an den vielleicht gerade auch mal anknüpft, ich finde es ja super auffällig, dass eine Figur wie dieser Fischer, ich habe seinen Vornamen gerade nicht zur Hand, dass der im Endeffekt hier quasi einer der großen Kritiker ist von dem, was diese Leute sagen, der war noch vor nicht allzu langer Zeit einer ihrer Kronzeugen.
00:18:08.34
Stefan Sasse
Das war im Endeffekt, der hat Kolumnen geschrieben, die total gegen den Strich waren, beim Spiegel oder sowas.
00:18:13.73
Stefan Sasse
Mit diesem eher die volle Härte des Rechtsstaats und das funktioniert alles nicht und jada jada.
00:18:19.88
Stefan Sasse
Und inzwischen ist der aus Sicht der Porschearts und Reichels und so weiter, steht der ja quasi hart links.
00:18:25.04
Ariane
Linksgrün verseucht.
00:18:26.49
Stefan Sasse
Ja, und auch der hat sich nicht bewegt.
00:18:30.38
Stefan Sasse
Und das ist mein wichtiger Punkt an der Stelle, es sind diese Leute, die sich bewegt haben.
00:18:34.52
Stefan Sasse
Und zwar deutlich nach rechts verschoben haben.
00:18:37.56
Stefan Sasse
Und jetzt der Hermann in seinem Essay bei der Zeit, der sagt quasi, dass die generell mit ihren Büchern, die ja in den Sachbuchlisten ja gerade wirklich bestseilermäßig gut unterwegs sind, dass die eine breite Lesendenschaft ansprechen, die mit gesellschaftlichen Entwicklungen unzufrieden ist und nach Erklärungen viel Unbehagen sucht.
00:18:56.56
Stefan Sasse
Und ich denke, das trifft den Nagel auf den Kopf soweit.
00:18:59.00
Stefan Sasse
Der weitere Essay, an der Stelle lohnt es sich, glaube ich, zu lesen, aufzuhören, weil im weiteren Essay versteigt es sich dann auf Vergleiche mit der Weimarer Republik, die bei mir als Historiker dann wieder alle Alarmglocken schrillen lassen.
00:19:09.72
Stefan Sasse
Aber diese Analyse, dass das eine Gefühlssache ist, die finde ich super wichtig und super zutreffend.
00:19:16.68
Stefan Sasse
Weil das ist definitiv etwas, das real ist.
00:19:20.86
Stefan Sasse
Ein großes Unbehagen.
00:19:23.42
Stefan Sasse
Und eine Unzufriedenheit mit gesellschaftlichen Entwicklungen.
00:19:27.81
Stefan Sasse
Man weiß nicht so wirklich, was die Alternative sein soll letztlich, deswegen ist das ja auch so eine sachbefreite Debatte irgendwo, aber man ist auf jeden Fall irgendwie unzufrieden.
00:19:40.18
Ariane
Weil alle Linksen.
00:19:41.30
Ariane
Aber deswegen fand ich die Rezension eben auch so spannend, weil das ist ja auch nach ganz streng bürgerlichen, krass bildungsbürgerlichen Perspektive geschrieben.
00:19:49.09
Ariane
Also deswegen, das ist keine Rezension, die ich schreiben würde.
00:19:51.65
Ariane
Ich würde den ja von links kritisieren.
00:19:53.03
Ariane
Die wäre ganz anders.
00:19:53.91
Ariane
Und seine ist halt aus einer ganz anderen Position.
00:19:56.43
Ariane
Und gerade deswegen so spannend fand ich.
00:20:00.94
Ariane
Und das haben wir ja ein paar Mal.
00:20:02.62
Ariane
Ein paar Leute haben sich da wirklich wenig bewegt.
00:20:05.12
Ariane
Und die werden selbst Merz gilt ja jetzt manchmal als linksgrün.
00:20:09.84
Ariane
Weil er nicht mit der AfD zusammenarbeiten will.
00:20:12.86
Ariane
Oder weil er die Schulden bremst.
00:20:14.21
Ariane
Oder weil er die Flüchtlinge nicht einfach ins Ausland gekarrt hat.
00:20:18.21
Ariane
Aber das radikalisiert sich halt extrem.
00:20:23.11
Ariane
Das sind ja die normalen Bürgerlichen, die da angegriffen werden.
00:20:27.91
Ariane
Die Linksgrünen funktionieren ja auch normal, aber die funktionieren ja nur noch als Pappschablone.
00:20:34.76
Ariane
Deswegen finde ich es ganz spannend zu gucken, aber man kann so als Unbeteiligter auch gucken, weil es ist ein Kampf untereinander.
00:20:41.99
Ariane
Vielen Dank.
00:20:42.88
Stefan Sasse
Ja, und ich finde es auch schön, dass du gerade dieses Abziehbild bzw.
00:20:47.42
Stefan Sasse
diese Schablone erwähnst, weil das führt mich direkt zum nächsten Artikel.
00:20:51.22
Stefan Sasse
Der ist von Robert Pausch geschrieben.
00:20:52.80
Stefan Sasse
Das ist ein Name, den man im Blick behalten sollte.
00:20:55.70
Stefan Sasse
Der arbeitet bei der Zeit.
00:20:57.38
Stefan Sasse
Der ist berühmt geworden mit dieser, der hat dieses investigative Ding geschrieben, wo er die FDP-Strategie zum D-Day aufgedeckt hat.
00:21:05.29
Stefan Sasse
Also als investigativer Journalist, der schreibt aber auch sehr kluge Essays und so.
00:21:09.29
Stefan Sasse
Und eines davon habe ich jetzt hier verlinkt.
00:21:11.49
Stefan Sasse
Ich finde, der ist so ein bisschen wie Jonas Scheible in seiner Anfangszeit.
00:21:13.76
Ariane
Okay.
00:21:15.41
Stefan Sasse
Ich muss ja sagen, Jonas, von dem hört man leider etwas weniger.
00:21:18.17
Stefan Sasse
Ich glaube, der ist so ein bisschen out of juice.
00:21:20.59
Stefan Sasse
Aber der Robert Pausch, der hat gerade einen Lauf.
00:21:22.83
Stefan Sasse
Und der hat jetzt hier einen Artikel geschrieben.
00:21:26.21
Stefan Sasse
wie superreiche Rechte die Linke in die Falle treiben.
00:21:31.49
Stefan Sasse
Und das finde ich auch einen sehr lesenswerten und sehr bedenkenswerten Punkt, weil der sagt, dass diese übliche Kritik, dass die Linke quasi zu viel auf Wokeness gesetzt hat, sie hat ihre Wurzeln vergessen und so weiter und so fort.
00:21:44.34
Stefan Sasse
Er sagt, das ist eine Falle letzten Endes.
00:21:46.20
Stefan Sasse
Der darf man nicht auf den Leim gehen.
00:21:47.54
Stefan Sasse
Und warum ist das eine Falle?
00:21:49.18
Stefan Sasse
Nicht, weil es grundsätzlich falsch wäre, weil ich würde die Analyse sofort unterschreiben.
00:21:53.63
Stefan Sasse
Die sind…
00:21:54.95
Stefan Sasse
Also gerade diese ganze Vogue-Themenkram mit LGBTQ-Rechten und Pronomina und hast du nicht gesehen, das sind jetzt keine Mehrheitsprobleme und jetzt in der Wirtschaftskrise sowieso nicht.
00:22:05.05
Stefan Sasse
Also keine Partei, die kann sich damit gerade beschäftigen.
00:22:08.76
Stefan Sasse
Klammer auf, es macht auch keine, Klammer zu.
00:22:11.42
Stefan Sasse
Aber er sagt, und das finde ich den ganz, ganz zentralen Punkt, auf den wir nachher im Reformdiskurs auch nochmal kommen, dass in dem Moment, wo Linke ihre traditionellen Themen und wählenden Gruppen bespielen,
00:22:22.74
Stefan Sasse
werden sie auch hart kritisiert.
00:22:26.44
Stefan Sasse
Nämlich sobald die Linke sagt, wir brauchen bezahlbares Wohnen, wir haben ein Problem mit Ungleichheit usw., dann heißt es sofort wieder, die scheiß Sozialisten wieder.
00:22:35.24
Stefan Sasse
Das heißt, das ist ja auch nicht recht.
00:22:37.08
Ariane
Ja.
00:22:37.66
Stefan Sasse
Generell, und das überrascht ja auch nicht.
00:22:40.56
Stefan Sasse
Also ich kritisiere ja die Rechten auch für ihre entsprechenden Sachen, aber wenn die dann andere Dinge tun, dann werde ich sie immer noch nicht toll finden.
00:22:47.18
Stefan Sasse
Und genauso ist es hier auch.
00:22:48.52
Stefan Sasse
Deswegen ist es auch mühsig, auf der Basis der Kritik von Rechten als linke oder progressive Parteien Politik machen zu wollen.
00:22:55.96
Stefan Sasse
Das ist Quatsch, die werden dich eh nicht wählen.
00:22:57.88
Stefan Sasse
Genauso kann der FDP egal sein, was meine Meinung ist zu dem ganzen Kram.
00:23:02.32
Stefan Sasse
Ich bin nicht die Zielgruppe, ich wähle die nicht.
00:23:03.98
Stefan Sasse
CDU genauso.
00:23:05.42
Stefan Sasse
Ich kann natürlich manche Entwicklungen gut oder schlecht finden.
00:23:08.34
Stefan Sasse
Das ist überhaupt keine Frage.
00:23:09.62
Stefan Sasse
Aber ich bin nicht die Wählendengruppe.
00:23:12.42
Ariane
No.
00:23:12.47
Stefan Sasse
Die Wählendengruppe sind andere Leute, die da nicht so klar einem Lager zugehören, wie ich das tue.
00:23:19.56
Stefan Sasse
Und deswegen finde ich das eine super wichtige Botschaft, aber wir kommen da dann nachher beim Reformthema auch nochmal drauf.
00:23:25.06
Ariane
Ja, es ist dieses Typische.
00:23:26.14
Ariane
Also das war ja gerade die bürgerlichen Medien, die gerne die Tipps für die SPD hatten.
00:23:31.50
Ariane
Sie müssen sich wieder an ihre Kernklientel an und den Arbeiter nicht vergessen.
00:23:35.93
Ariane
Und wenn sie tun, ich habe von der SPD gesagt, das machen die gerade seit sechs Monaten, glaube ich, dauerhaft.
00:23:41.41
Ariane
Und jetzt ist auch wieder nicht recht.
00:23:42.73
Ariane
Die ganze Republik steht vor dem Untergang, weil sie sich an ihre Arbeiterschaft, Kernklientel erinnert hat.
00:23:50.56
Ariane
Also das ist jetzt, in den USA ist das ja noch krasser, aber ich finde, im Kleinen spielt sich das hier genauso ab.
00:23:58.07
Stefan Sasse
Ja.
00:23:58.13
Stefan Sasse
Und auch hier diese erneutigen… Ja.
00:24:01.20
Ariane
Was sehr unüberraschend ist, natürlich finden die Rechten das nicht gut, wenn man für linke Themen eintritt, egal welche.
00:24:09.08
Stefan Sasse
Und die haben ja mit ihrer Kritik gar nicht immer Unrecht.
00:24:11.28
Stefan Sasse
Wie gesagt, da ist oft dieser wahre Kern sozusagen, den man da finden kann.
00:24:15.54
Stefan Sasse
Mein nächstes Beispiel ist da auch noch ein guter Punkt dafür.
00:24:20.14
Stefan Sasse
Da haben wir einen Artikel, der heißt Der blinde Fleck der Empörung.
00:24:23.98
Stefan Sasse
Der ist von einer Autorin bei der Welt, die heißt Günah Balci, nehm ich mal an, spricht man das aus.
00:24:29.10
Stefan Sasse
Und das ist auch wieder so eine Auffälligkeit bei der Welt übrigens.
00:24:31.04
Stefan Sasse
Diese antimigrantischen Artikel, die werden eigentlich praktisch immer von Menschen mit Migrationshintergrund geschrieben.
00:24:36.90
Stefan Sasse
Aber
00:24:38.22
Stefan Sasse
Die argumentierte, es gibt quasi einen blinden Fleck in der Debatte um Gewalt gegen Frauen, weil, wenig überraschend, quasi ignoriert wird, dass in migrantischen Milieus ja auch ganz viel Gewalt gegen Frauen herrscht.
00:24:51.86
Stefan Sasse
Ich finde es jetzt nicht zwingend einen blinden Fleck, jetzt aber.
00:24:55.88
Stefan Sasse
Es ist aber definitiv einer auf der Seite der Progressiven.
00:24:59.54
Stefan Sasse
Also nicht in der Debatte generell, weil das wird ja wahrlich oft genug und viel genug argumentiert und diskutiert, aber innerhalb der Linken ist da tatsächlich so eine gewisse Ohmärter darüber.
00:25:10.47
Stefan Sasse
Das ist ein Thema, das spricht man nicht an und ich verstehe auch warum, weil du willst ja nicht das Geschäft des Gegners für den betreiben, die…
00:25:16.25
Ariane
Das ist ja auf der rechten genauso.
00:25:17.93
Stefan Sasse
Genau, das ist ganz normal an der Stelle.
00:25:20.91
Stefan Sasse
Nur bei beiden Seiten kann es zu Problemen führen.
00:25:24.05
Stefan Sasse
Nämlich wenn quasi dein, wir sprechen nicht drüber, ein, wir denken nicht drüber nach und ignorieren das oder fördern es sogar wird.
00:25:33.01
Stefan Sasse
Weil es gibt ja einen Unterschied zwischen, ich betreibe nicht das Geschäft des politischen Gegners und trete über den Scheiß.
00:25:38.32
Stefan Sasse
Das ist sinnvoll.
00:25:39.96
Stefan Sasse
Zu dem Zeitpunkt, wo ich aber sage, ja nee, nee, das existiert quasi gar nicht.
00:25:44.22
Stefan Sasse
Also wenn ich anfange, das Tod zu schweigen, wenn ich Sprechverbote dann darüber lege, wenn ich vielleicht sogar aktiv Politiken ergreife, die da dagegen sind.
00:25:54.46
Stefan Sasse
Also angenommen, ich hätte jetzt ganz krass einen linken Innenminister oder sowas und der würde dann die Polizei anweisen, in den migrantischen Milieus nicht mehr zu ermitteln oder sowas.
00:26:05.07
Stefan Sasse
Zu dem Zeitpunkt wird es halt krass bullshittig.
00:26:07.55
Stefan Sasse
Da haben wir dann das Gegenstück dazu, wenn dann die Rechten quasi aufhören, bei Rechtsextremen zu ermitteln oder so.
00:26:15.49
Stefan Sasse
Das ist diese ideologische Nachbarschaft, die ich hier schon öfter angesprochen habe.
00:26:18.80
Stefan Sasse
Und da hat die Güna Valschi völlig recht.
00:26:22.04
Stefan Sasse
Und
00:26:23.18
Stefan Sasse
Auf der gleichen Seite haben wir dann wieder diese Selbstradikalisierungsthema.
00:26:28.08
Stefan Sasse
Das ist jetzt quasi die Sache, darüber kann ich diskutieren.
00:26:30.54
Stefan Sasse
Da kann ich sagen, ja, da ist ein wahre Kern, da können wir gerne drüber reden und so weiter.
00:26:34.04
Stefan Sasse
Und dann haben wir den Ulf Poschert-Artikel zum gleichen Thema und ich lese einfach nur die Überschrift.
00:26:37.84
Stefan Sasse
Sind die Täter Migranten, dann sind die Opfer egal.
00:26:41.27
Stefan Sasse
Und das ist einmal mehr, das ist einfach diese Radikalität, in der das vorgetragen wird, die das Problem an der Stelle ist.
00:26:49.05
Stefan Sasse
Das ist keine Möglichkeit zum Diskurs mehr oder sonst irgendwas, das ist 100% Attacke, der Feind steht links quasi und das sind Feinde, mit denen kann man auch nicht reden, die sind alle grotesk unvernünftig, die müssen besiegt, restlos besiegt werden.
00:27:05.97
Stefan Sasse
Und diese Rhetorik, die ist für mich das große Problem an dieser Selbstradikalisierungsgeschichte.
00:27:13.83
Stefan Sasse
Und wir haben noch ein weiteres Beispiel da drin.
00:27:15.52
Stefan Sasse
Oh ja, bitte.
00:27:15.56
Ariane
Halt, ich muss einmal was sagen.
00:27:18.80
Ariane
Den Ulf-Porscher habe ich schon übersprungen.
00:27:21.20
Ariane
Nur damit ihr wisst, was das heißt.
00:27:23.34
Ariane
Wir sind gar nicht so unstrukturiert.
00:27:25.72
Ariane
Stefan hat 20 Weltartikel ausgesucht für mich, die ich alle brav gelesen habe, aber den zweiten Ulf-Porscher habe ich dann noch übersprungen.
00:27:33.02
Ariane
Was mich so geärgert hat, was du auch sagst, es verhindert eine ernsthafte Debatte, weil sie hat auf diese Dunkelfeldstudie hingewiesen, also die Guna Balci, und ich habe die wirklich komplett gelesen.
00:27:44.98
Ariane
Sie hat absolut recht, migrantische Frauen sind besonders bedroht.
00:27:50.34
Ariane
Und es gab da einen Punkt, den fand ich total spannend, weil es ist ja heutzutage so, erst mal übrigens, vielleicht konzentriert man sich auch mal auf die Opfer statt auf die Täter, das kann nie schaden.
00:28:00.57
Ariane
Und das Spannendste war, das größte Problem ist ja, die meisten Taten werden nicht angezeigt, es werden ungefähr 50% Taten angezeigt, es werden davon 10% kommen überhaupt zur Verhandlung und eine Verurteilungsquote landet man dann bei 2%.
00:28:16.61
Ariane
Und was ich dabei am spannendsten fand, war die Tatsache,
00:28:20.65
Ariane
Die größte Wahrscheinlichkeit ist, wenn zum Beispiel eine Vergewaltigung, ich glaube es ging um sexuelle Gewalt, wenn das absolut dem Klischee entspricht.
00:28:29.77
Ariane
Sprich eine bio-deutsche Frau wie ich wird von Unbekannten getestet.
00:28:34.95
Ariane
öffentlich überfallen und vergewaltigt, dann sind die Chancen am höchsten, dass ich es anzeige.
00:28:39.83
Ariane
Dann sind die Chancen am höchsten, dass es eine Verhandlung gibt.
00:28:42.75
Ariane
Und auch, dass es zu einer Verurteilung kommt.
00:28:45.35
Ariane
Am besten ja noch, wenn die Kamera läuft.
00:28:47.11
Ariane
Weil das generell schwierig ist.
00:28:48.35
Ariane
Aber sobald eine Sache, wenn es eine migrantische Frau ist, sinkt die Wahrscheinlichkeit schon dramatisch.
00:28:53.19
Ariane
Wenn das jemand ist, den sie kennt, sinkt es nochmal.
00:28:55.85
Ariane
Jedes Problem, das nicht diesem Klischee, jedes Mal verliert man 20% Wahrscheinlichkeit, dass es irgendwelche Folgen hat.
00:29:02.89
Ariane
Und das betrifft vor allem als Opfer migrantische Frauen und vor allem übrigens auch Männer.
00:29:07.94
Ariane
Weil jedes Mal kommt das in diese Leute, die sagen, ach Leute, stellt euch doch nicht so an.
00:29:12.36
Ariane
Und sobald man nicht mehr diesem Klischee entspricht und es betrifft Männer extrem, da ist die Anzeigequote bei 5% oder so.
00:29:21.21
Ariane
Also deswegen hat es mich wirklich, also ich finde diese Überspitzung und zwar völlig egal von links und rechts, behindert halt den Diskurs.
00:29:28.37
Ariane
Jetzt diskutieren wir, ob es wichtiger ist, ob der Täter deutsch ist oder ein Migrant.
00:29:33.67
Ariane
Aber für die Problematik an sich ist es vollkommen egal.
00:29:37.88
Stefan Sasse
Ja, da bin ich völlig bei dir.
00:29:39.70
Stefan Sasse
Also das ist ein echt wichtiger Punkt, weil wir eben, und das verhindert ja letzten Endes auch Akzeptanz, weil wenn du deine Gegner dermaßen in die Ecke trinkst, wie das jetzt der Poshart hier quasi macht, dann kann ich ja gar nicht anders, als wenn ich zu der anderen Gruppe gehöre, als meine Füße in den Sand zu stellen quasi und auch in absolute Verteidigungshaltung zu gehen.
00:30:02.46
Stefan Sasse
Da habe ich gar keine Möglichkeit mehr, dass ich sagen kann, oh ja, da haben wir tatsächlich hier einen blinden Fleck.
00:30:08.06
Stefan Sasse
Das ist ja spannend.
00:30:08.62
Stefan Sasse
Lass uns das mal diskutieren und Probleme dagegen finden.
00:30:13.66
Stefan Sasse
All das passiert effektiv nicht mehr.
00:30:16.69
Stefan Sasse
Und das ist halt schon ein echtes Problem an der Stelle.
00:30:23.27
Ariane
Ja, jetzt da nächste Posche, dapte.
00:30:27.61
Stefan Sasse
Genau.
00:30:28.89
Stefan Sasse
Mein nächster Artikel läuft ebenfalls in diese Richtung von der Radikalisierung.
00:30:36.27
Stefan Sasse
Der ist tatsächlich allerdings nicht von Poschert dieses Mal, sondern, aber wie der Welt, das hat sich wirklich gehäuft, das finde ich auch so auffällig, weil ich habe da den Feed abonniert, deswegen, ich kriege ja quasi diese Artikel dann alle untereinander gelistet in dem Feed.
00:30:49.40
Stefan Sasse
Und dann siehst du auch immer diese Häufung bei Themen.
00:30:52.30
Stefan Sasse
Das ist auch nicht nur bei der Welt so.
00:30:53.96
Stefan Sasse
Also das hast du überall.
00:30:55.54
Stefan Sasse
Aber da kannst du dann quasi sehen, wie diese Wellen durchlaufen.
00:30:59.92
Stefan Sasse
Und die Welt hatte innerhalb von zwei oder drei Tagen massenhaft von diesen Artikeln.
00:31:04.36
Stefan Sasse
rausgehauen.
00:31:04.88
Stefan Sasse
Das Gleiche wird man nachher beim Reformdiskurs auch sehen.
00:31:07.26
Stefan Sasse
Die kommen auch alle in Wellen.
00:31:09.06
Stefan Sasse
Dann kommen wieder diese Bärbel-Bars-Hassartikel und dann kommen da gleich zwei, drei, vier, fünf Stück an ein paar Tagen hintereinander.
00:31:15.44
Stefan Sasse
Und so ist das quasi überall, dass das da abläuft.
00:31:20.14
Stefan Sasse
Erneut ist bei allen Medien, bei allen Themen so, aber es ist auffällig.
00:31:24.06
Stefan Sasse
Deswegen habe ich hier gerade auch so viele von der Welt, weil du dich da immer so ein bisschen drüber wunderst.
00:31:28.58
Stefan Sasse
Die fallen mir quasi sozusagen in den Feed im Endeffekt.
00:31:32.50
Stefan Sasse
Und das
00:31:32.86
Ariane
Ist ja auch okay, kann man besser darüber diskutieren als über Spiegel.
00:31:36.75
Stefan Sasse
Bitte?
00:31:37.92
Ariane
Kann man besser darüber diskutieren als über den Spiegel, dass der Sucht und Konsensmedium ist.
00:31:42.39
Stefan Sasse
Ja, ich meine, die Welt spitzt halt auch wesentlich mehr zu.
00:31:45.75
Stefan Sasse
Die stehen von der Meinung her etwas abseitiger und deren Artikel sind deutlich meinungsstärker, was das anbelangt.
00:31:52.51
Stefan Sasse
Das sollte halt dafür, dass es zum einen für den Diskurs spannender ist.
00:31:56.02
Stefan Sasse
Also da fühlst du viel mehr beim Lesen und du wirst gegebenenfalls zum Widerspruch oder zur Zustimmung gereizt, je nachdem.
00:32:02.44
Stefan Sasse
Und es befriedigt emotionale Bedürfnisse mehr, aber es hat halt auch Nachteile, das muss man ganz klar sagen.
00:32:07.28
Stefan Sasse
Während die Konsensose beim Spiegel ist teilweise einfach völlig unlesbar.
00:32:10.14
Stefan Sasse
Also wenn ich über einem Artikel nur lese René Pfister, dann klicke ich gleich weg.
00:32:14.54
Stefan Sasse
Oder wie heißt der, der Alexander, der die Schuldstory auch geschrieben hat.
00:32:21.73
Stefan Sasse
Die haben so ein paar oder der Sauger oder so.
00:32:22.09
Ariane
Feldkirchen, Feldenkirchen, irgendwie so.
00:32:24.19
Ariane
Ja.
00:32:25.40
Stefan Sasse
Ja, in der Felsenkirchen, Markus Felsenkirchen, ja.
00:32:30.04
Stefan Sasse
Da kommt gar nichts dabei rum.
00:32:31.14
Stefan Sasse
Also da habe ich dann doch lieber einen von der Welt, da kann ich mich wenigstens drüber aufregen.
00:32:35.32
Stefan Sasse
Da steht wenigstens was.
00:32:36.74
Stefan Sasse
Aber gut, kommen wir zu dem Rosenfelder.
00:32:39.11
Stefan Sasse
Der hat einen Artikel geschrieben, die Gerichte sind Teil des Problems.
00:32:42.37
Stefan Sasse
Und ich habe mir da bei einem ganz spezifisch ein Zitat rausgeschrieben.
00:32:46.31
Stefan Sasse
Das ist direkt aus dem Teaser von dem Artikel.
00:32:48.11
Stefan Sasse
Also das ist gewollt, dass man das als allererstes liest nach der Überschrift.
00:32:51.97
Stefan Sasse
Es wird quasi im Feed noch angezeigt, bevor man den Artikel anklickt.
00:32:54.88
Stefan Sasse
Und das heißt, statt eine Rückkehr zu Recht und Ordnung zu ermöglichen, verhindern Gerichte im Zusammenspiel mit dem Migrationslobby eine Begrenzung der illegalen Einwanderung.
00:33:02.78
Stefan Sasse
Sie setzen so ihre eigene Akzeptanz aufs Spiel.
00:33:05.46
Stefan Sasse
Und ich dachte so, Junge, Junge, Junge.
00:33:07.88
Stefan Sasse
Also das ist ein Artikel, der sich wirklich komplett entfernt hat von dem Bürgerlichen, was die immer behaupten, dass sie sind.
00:33:18.24
Stefan Sasse
Weil zum Bürgertum gehört ganz klar Rechtsstaatlichkeit.
00:33:22.54
Stefan Sasse
Und das hier ist ein massiver Angriff auf die Rechtsstaatlichkeit.
00:33:26.98
Stefan Sasse
Also diese Behauptung, die Gerichte ermöglichen im Zusammenspiel mit der Migrationslobby eine Begrenzung der illegalen Einwanderung.
00:33:35.88
Stefan Sasse
Was der meint ist im Endeffekt, die fällen Urteile nach geltender Gesetzlage.
00:33:39.34
Stefan Sasse
Das ist das, was sie tun sollen.
00:33:41.32
Stefan Sasse
Das ist, wie wenn ich sage, statt eine Rückkehr zu Wohlstand und Prosperität zu ermöglichen, verhindern Gerichte im Zusammenspiel mit der Wirtschaftslobby eine Aufweichung der Schuldenbremse.
00:33:55.21
Stefan Sasse
Sie setzen so ihre Akzeptanz aufs Spiel.
00:33:57.36
Stefan Sasse
Alter Schwede, habt ihr eigentlich den Schuss noch gehört?
00:33:59.78
Stefan Sasse
Also das ist wirklich so krass abseitig.
00:34:04.20
Stefan Sasse
Ein Angriff wirklich auf die Fundamentalprinzipien des Rechtsstaates.
00:34:08.72
Stefan Sasse
Gerichte brauchen keine Akzeptanz für ihre Urteile.
00:34:13.42
Stefan Sasse
Das ist genau die ganze Idee an der Judikative, dass die sich nicht am gesunden Volksempfinden ausrichten, dass die nicht gewählt werden müssen oder irgend so ein Bullshit.
00:34:23.07
Stefan Sasse
Also das ist ein katastrophaler Artikel, wirklich, das ist so weit schon weg von unserem Verständnis von liberaler Demokratie und liberaler Rechtsstaatlichkeit.
00:34:33.71
Stefan Sasse
Das passt problemlos in eine zukünftige illiberale Demokratie oder in eine Autokratie rein.
00:34:39.88
Stefan Sasse
Und das finde ich schon hart.
00:34:41.98
Stefan Sasse
Vor allem, dass das denen gar nicht mehr auffällt.
00:34:43.48
Stefan Sasse
Und das ist das, warum ich von Selbstradikalisierung des Bürgertums spreche.
00:34:49.88
Stefan Sasse
Das ist schon absolut, du hast eine Gegenrede dazu gefunden.
00:34:54.46
Ariane
Genau, LTE-U hat das nämlich, ich habe es mir schon, ich habe ihn gelesen und habe gedacht, meine Gute, wenn irgendein Linker so was schreiben würde, wäre hier ein Aufschrei, morgen Revolution, weil es wirklich absurd ist in dem, was er schreibt, weil er wirklich das einzige Prinzip, weil das heißt ja, wie gesagt,
00:35:13.66
Ariane
Eigentlich sagt er, Deutschland und seine Gerichte sollen sich nicht mehr nach dem Gesetz orientieren.
00:35:19.66
Ariane
Und das ist halt fundamental gegen jede bürgerliche, vor allem…
00:35:27.71
Ariane
Gegen jeden Grundsatz überhaupt.
00:35:29.25
Ariane
Also eigentlich sagt der Deutschland darf kein Rechtsstaat mehr sein.
00:35:32.83
Ariane
Wenn die Volksmeinung dagegen ist, sollen wir das wegschmeißen.
00:35:36.17
Ariane
Und die LTO hat auch einen langen Artikel, wo sie das auch nochmal aufdröselt.
00:35:41.07
Ariane
Weil das Problem ist ja, wie gesagt, das Gericht hat das ja auch nicht erfunden.
00:35:47.30
Ariane
Also das Problem ist, und das kritisiert er eben nicht, ist ja das Gesetz.
00:35:54.12
Ariane
Eigentlich sagt er das Gesetz und das hat die Deutschland ja auch.
00:35:56.98
Ariane
Es wird ja dann immer so getan, die EU hat das alles erfunden, aber Deutschland hat es mitverhandelt.
00:36:00.79
Ariane
Das kann man ja gerne kritisieren, war scheiße, ich glaube keiner findet diese Dublin-Gesetzordnung irgendwie gut, aber sie gilt.
00:36:07.83
Ariane
Kann ja jeder sagen, dann sollen sie hingehen und sich was anderes ausdenken.
00:36:11.01
Ariane
Aber es ist ja nicht, dass Deutschland da irgendwie ein wehrloses Opfer ist und seine Bevölkerung auch nicht, sondern das ist das geltende Gesetz.
00:36:18.29
Ariane
Und…
00:36:20.65
Ariane
Auch Staaten und Gerichte müssen sich daran halten.
00:36:23.23
Ariane
Das ist der Grundsatz des Rechtsstaats.
00:36:25.35
Ariane
Und das aufzuweichen ist schon gefährlich.
00:36:31.89
Stefan Sasse
Ich glaube, das würde das dann als Thema weitgehend beschließen, sodass wir gleich zum Reformdiskurs rüberbringen.
00:36:37.03
Stefan Sasse
Da ich das jetzt alles unter das Oberthema gepackt habe, um da eine gewisse Kohärenz beizubehalten mit diesem Bückbürgertum und dieser Selbstradikalisierung der Rechten, habe ich etwas hier nicht drin, was ich aber der Vollständigkeit halber erwähnen möchte, nämlich diesen absolut bekloppten Kommentar von dem linken Vorsitzenden Typen da.
00:36:54.16
Stefan Sasse
Ich habe das schon wieder vergessen, dass die CDU unter Merz faschistische Politik macht und von Faschisten nicht unterscheidbar sei.
00:37:00.10
Stefan Sasse
Das ist geniht
00:37:01.74
Stefan Sasse
Alter, da geht mir der Hut hoch.
00:37:03.20
Stefan Sasse
Ein Glück wähle ich diesen Verein schon seit über 15 Jahren nicht mehr.
00:37:03.92
Ariane
Dann machen Sie einen Parteitag.
00:37:06.79
Stefan Sasse
Also das ist wirklich jedes Mal, wenn man denkt, ja, vielleicht könnte die Linke tatsächlich mal noch eine konstruktive Kraft in Deutschland werden, dann hauen die wieder so einen Klopper raus.
00:37:15.53
Stefan Sasse
Ja genau, also das ist wirklich, mit dieser Partei ist kein Staat zu machen auf die Art, die sind einfach doof.
00:37:23.05
Stefan Sasse
Und so lange habe ich auch absolut keinen Bock, dass die in der Nähe von der Koalition kommen.
00:37:27.58
Stefan Sasse
Also jederzeit mit irgendeinem vernünftigen Landesverband, der so einen Scheiß nicht macht.
00:37:31.98
Stefan Sasse
Also ich sage nur Bodo Ramelow oder sowas, mit denen kann man ja jederzeit zusammenarbeiten, aber mit solchen Sparwurz niemals.
00:37:37.76
Stefan Sasse
So, damit kommen wir zum Reformdiskurs.
00:37:42.06
Stefan Sasse
Da haben wir ebenfalls eine ganze Reihe von Thematiken, das ist jetzt quasi Teil, mittlerweile drei, weil wir uns ja schon öfter drüber hier im Podcast unterhalten haben.
00:37:52.68
Stefan Sasse
Und der erste Artikel, den ich da habe, den habe ich tatsächlich nicht zusammengefasst, weil ich fand, der hat überhaupt keinen Inhalt.
00:37:59.14
Stefan Sasse
Aber was ich spannend fand, war eigentlich nur der Teaser.
00:38:03.55
Stefan Sasse
Nämlich, selbst wenn es in der Koalition gelänge, die wichtigsten Reformen in die Tat umzusetzen, sprechen viele Zeichen dafür, dass sich der Aufwärtstrend der AfD fortsetzt.
00:38:12.22
Stefan Sasse
Wohan liegt das?
00:38:14.25
Stefan Sasse
Der Artikel gibt keine Antwort auf die Frage.
00:38:17.21
Stefan Sasse
Wie gesagt, der ist faszinierend in seiner inhaltlichen Lehre.
00:38:19.72
Stefan Sasse
Der ist doch super kurz, das sind nur drei Absätze oder sowas.
00:38:21.78
Stefan Sasse
Ich frage mich immer wieder, wie kann man so einen Job kriegen?
00:38:24.96
Ariane
Und vor allen Dingen, das ist doch gar nicht das Ziel.
00:38:27.01
Stefan Sasse
Total geil.
00:38:29.74
Stefan Sasse
Aber diese Frage allein ist so wirr.
00:38:34.26
Stefan Sasse
Glauben die ernsthaft, dass eine Kürzung von Rente, Grundsicherung, Krankenversicherung und Pflegeversicherung den Aufwärtstrend der AfD stocken wird?
00:38:45.60
Stefan Sasse
Also wie verstrahlt kannst du sein, wie sehr in deiner eigenen Blase stecken, um zu glauben, dass das ein elektoraler Gewinner ist?
00:38:52.83
Stefan Sasse
Das mag ja sein, dass du sagst, wie die SPD damals 2004, so sorry, wir sind jetzt an dem Punkt, da müssen wir das einfach machen.
00:38:59.29
Stefan Sasse
Die staatsbürgerliche Verantwortung gebietet es, so nach dem Motto, wir begehen jetzt quasi hier politischen Selbstmord.
00:39:04.54
Stefan Sasse
Fein, das kann man machen.
00:39:06.08
Stefan Sasse
Man kann wirklich viel argumentieren, dass das notwendig ist, da führt kein Weg dran vorbei, das wird schmerzhaft, jada, jada, jada.
00:39:12.41
Stefan Sasse
Aber zu denken, dass das den Aufstieg der AfD stoppen würde, da gehört schon eine unglaubliche ideologische Scheuklappe da dazu.
00:39:21.78
Stefan Sasse
Das ist, wie wenn ich sagen würde als Grüner, wir führen hier echt überall Genderregeln ein.
00:39:29.26
Stefan Sasse
Wir schaffen den Verbrenner ab und am besten noch den Privatbesitz an Autos.
00:39:34.68
Stefan Sasse
Wir checken das überhaupt nicht.
00:39:35.93
Stefan Sasse
Die AfD steigt auf.
00:39:37.41
Stefan Sasse
Das ist ja völlig unklar, warum.
00:39:40.09
Stefan Sasse
Und
00:39:42.30
Stefan Sasse
Und weil wir gerade dabei sind, schaffen wir Weihnachten und Silvester ab.
00:39:46.46
Stefan Sasse
Das wäre quasi die Logik hier an der Stelle.
00:39:50.12
Ariane
Ja, aber ich finde, das passt irgendwie so.
00:39:53.12
Ariane
Man schmeißt irgendwie alles da rein, jeder sagt, was er davon hält.
00:39:57.10
Ariane
Das hat ja oft seinen Sinn und Zweck so ein bisschen verloren.
00:39:59.88
Ariane
Der eine meint, die Reformen sind jetzt wichtig, um die AfD zu halbieren.
00:40:03.10
Ariane
Der andere meint, Mensch, wir sind jetzt gerade so unbelebt.
00:40:06.46
Ariane
Das ist ja auch so, wir sind so unbelebt, weil diese Reformen einfach nicht kommen.
00:40:10.64
Ariane
Die Menschen erwarten sie dringend.
00:40:13.68
Ariane
Also wie gesagt, du kannst das ja machen, aber ich habe, wie gesagt, ich glaube, diesen eigentlichen Sinn,
00:40:20.53
Ariane
der fehlt dann manchmal schon so.
00:40:22.85
Ariane
Du kannst das ja erklären, es ist wichtig, wir müssen das jetzt machen, einige tun das tatsächlich auch, die kommen nicht so richtig durch, weil die anderen wollen irgendwie die AfD dabei halbieren.
00:40:33.08
Ariane
Aber ich finde, das ist zu diesem ganzen Diskurs, über den wir jetzt zum dritten Mal eben reden, der ja auch einfach so, es passt zu dieser Unkoordiniertheit auch.
00:40:47.68
Stefan Sasse
Ich habe dann als nächstes eine generelle Beobachtung, die ich an zwei Artikeln festmachen würde, nämlich dass so langsam aber sicher ein bisschen gegen Narrative kommen.
00:40:56.26
Stefan Sasse
Bezeichnenderweise kommen die nicht aus der SPD oder von den Grünen, selbst von der Linken eigentlich nicht wirklich, sondern eher bei so Lose mit dem progressiven Lager affiliierten Leuten.
00:41:07.25
Stefan Sasse
Das erste, okay, das ist nicht so Lose, das ist der Chef von der IG BCE, ich glaube, das ist die Chemikergewerkschaft.
00:41:14.93
Stefan Sasse
Das ist ein Michael Vassiliadis, der hat ein Interview gegeben, das ich hier verlinkt hatte, ein längeres für RP online, in dem er gesagt hat, er hält die Debatte um den 8-Stunden-Tag für völlig unsinnig.
00:41:20.98
Ariane
Vielen Dank.
00:41:27.16
Stefan Sasse
Wenig überraschend an der Stelle, ein Gewerkschafter findet diese Reform nicht gut.
00:41:31.22
Stefan Sasse
Aber ich finde seine Argumente grundsätzlich einfach zutreffen.
00:41:35.12
Stefan Sasse
Die Tarifverträge erlauben eigentlich Flexibilität.
00:41:38.46
Stefan Sasse
Das eigentliche Problem in vielen Branchen ist aktuell einfach nicht Mehrarbeit, sondern Kurzarbeit.
00:41:43.33
Stefan Sasse
Wir diskutieren über diese Fragen inmitten einer Rezession, als ob das gerade das Thema wäre.
00:41:49.33
Stefan Sasse
Also eigentlich auch völlig absurd.
00:41:51.57
Stefan Sasse
Und…
00:41:51.70
Ariane
Wir sollen alle mehr arbeiten, aber morgen sind wir alle arbeitslos.
00:41:55.06
Ariane
Aber das passt auch dazu.
00:41:57.22
Ariane
Es widerspricht sich alles untereinander.
00:42:00.98
Ariane
Es passt irgendwie.
00:42:02.83
Stefan Sasse
Ja, und er weist dann auch völlig zu Recht darauf hin, was wir ja auch schon öfter gesagt haben, was im aktuellen Reformdiskurs vollkommen fehlt, ist also diese Konzentration auf Sozialreform.
00:42:12.99
Stefan Sasse
Ja, wie gesagt, das kannst du ja alles machen.
00:42:14.28
Stefan Sasse
Du kannst ja quasi sagen, das ist alles sachlich geboten.
00:42:16.70
Stefan Sasse
Aber das löst doch das Problem nicht.
00:42:19.14
Stefan Sasse
Er sagt, die drängenden Probleme der Industrie, also hohe Energiepreise, Rohstoffversorgung, gestörte Energieketten, das debattieren wir überhaupt nicht.
00:42:26.50
Stefan Sasse
Lieferketten, nicht Energieketten.
00:42:28.56
Stefan Sasse
Das sind die Themen, die gar nicht kommen.
00:42:31.32
Stefan Sasse
Ja, deswegen, das ist doch das, was wir eigentlich diskutieren müssten.
00:42:35.84
Stefan Sasse
Aber das passiert überhaupt nicht.
00:42:37.22
Stefan Sasse
Stattdessen versteigern wir uns in diese Renten- und Gesundheits- und sonstigen Reformen, die an der Stelle ja gar nicht so das zentrale Thema für den Wegfall von Arbeitsplätzen und so weiter sind.
00:42:49.53
Ariane
Und wo es auch, wenn wir jetzt alle Reformen, die Jahrhundertreformen machen, wo es auch keine kurzfristige Lösung gibt.
00:42:56.33
Ariane
Also das sind ja alles langfristige Überlegungen.
00:42:59.31
Ariane
Wenn wir jetzt die große Jahrhundertreform machen, dann ist das Thema endlich mal durch.
00:43:04.05
Ariane
Hoffentlich können wir mal über was anderes sprechen.
00:43:05.53
Ariane
Aber es sind alles Lösungen, die werden sich langsam zeigen.
00:43:08.49
Ariane
Das hat Schröder doch selber gemerkt.
00:43:10.16
Ariane
Da wird ja heute noch diskutiert, hatte das überhaupt mit den Reformen zu tun oder hat er einfach sechs Jahre später hat sich die Wirtschaft von selber erholt.
00:43:16.44
Ariane
Aber es war nicht so, dass nächsten Tag alles gut war.
00:43:20.82
Stefan Sasse
Ja, absolut.
00:43:21.20
Ariane
Also im Feuilleton.
00:43:23.58
Stefan Sasse
Und der, ich glaube, bemerkenswerteste Artikel bisher aus dieser eher Gegenrichtung sozusagen, der kommt von dem Oliver Weber.
00:43:36.55
Stefan Sasse
Der ist ein FAZ-Kolumnist.
00:43:39.08
Stefan Sasse
Der ist, glaube ich, Soziologin.
00:43:41.29
Stefan Sasse
Föthorn, genau, Föthorn-Kolumnist.
00:43:43.82
Stefan Sasse
Und ich glaube, der ist hauptsächlich Soziologe, wenn mich nicht alles täuscht, oder Politologe, irgendwas aus diesen Sozialwissenschaften ist der.
00:43:50.84
Stefan Sasse
Und der sagt, warum Widerstand gegen diese Reformen berechtigt ist.
00:43:56.30
Stefan Sasse
Und auch er argumentiert nicht grundsätzlich, dass es falsch wäre, dass man da was tun müsste oder sowas.
00:44:02.18
Stefan Sasse
sondern was er sagt ist, dass quasi die CDU uns die ganze Zeit in den Ohren liegt und generell die politische Rechte sozusagen, liegt uns die ganze Zeit in den Ohren, wie schlimm diese Alternativlosigkeitsgeschichte war.
00:44:14.68
Stefan Sasse
Und dass die ja den Aufstehen der AfD befördern.
00:44:16.34
Stefan Sasse
Was machen sie, jetzt erklären sie ihre eigenen Reformen für alternativlos.
00:44:20.14
Stefan Sasse
Also das ist ja quasi das nächste Ding.
00:44:22.46
Stefan Sasse
Und das macht man einfach immer gerne.
00:44:26.48
Stefan Sasse
Und er sagt,
00:44:27.53
Ariane
Vielen Dank.
00:44:28.50
Stefan Sasse
dass es völlig in Ordnung ist, sich dagegen wehren zu wollen, weil hier eben, was wir auch schon öfter kritisiert haben, eine massive Einseitigkeit ist und die bestenfalls ein mittelfristiger Zusammenhang besteht oder ein mittlerer Zusammenhang besteht zwischen den Sozialstaatsreformen einerseits und der wirtschaftlichen Lage andererseits.
00:44:50.59
Stefan Sasse
Das haben wir letztes Mal auch schon diskutiert.
00:44:52.19
Stefan Sasse
Das ist ja mehr eine fiskalpolitische Geschichte, als dass es irgendwas mit der Wirtschaft zu tun hat.
00:44:57.68
Ariane
Genau, eigentlich geht es nur darum, dass der Staatshaushalt wieder passt.
00:45:00.53
Ariane
Ich aus der Politik.
00:45:01.38
Stefan Sasse
Genau.
00:45:02.03
Stefan Sasse
Aber wie gesagt, das ist ja eine Kritik, die haben wir schon öfter gemacht und ich finde es eben super auffällig, dass von woher sozusagen diese Kritik kommt.
00:45:12.27
Stefan Sasse
Nämlich nicht von denen, von denen man es erwarten würde.
00:45:16.53
Stefan Sasse
Nicht aus der Politik und das ist, da habe ich auf der Resterampe das entsprechend verlinkt, da gibt es einen Tweet, den hat er auch gemacht, der steht nicht in seinem Artikel drin, das ist quasi so ein bisschen eine Zusammenfassung davon.
00:45:28.16
Stefan Sasse
Und da hat ja Oliver Weber einen Tweet abgeschickt und hat gesagt, SPD und Grüne haben es mal wieder verpasst, eine eigene Deutung jener Wachstums- und Sozialstaatsproblematik anzubieten, die jetzt konsequent als Standort- und Wettbewerbsfrage verhandelt wird.
00:45:30.74
Ariane
Vielen Dank.
00:45:40.24
Stefan Sasse
Jetzt kann man nur noch defensiv agieren.
00:45:42.56
Stefan Sasse
Und das ist sowas von der Punkt an der Geschichte.
00:45:45.18
Stefan Sasse
Die haben überhaupt keine eigene Analyse.
00:45:47.82
Stefan Sasse
Das Einzige, was die immer sagen können, ist, bitte nicht ganz so hart kürzen.
00:45:51.32
Stefan Sasse
Aber die haben keine Alternative da dazu.
00:45:54.49
Stefan Sasse
Dass man sagt, ja, nee, statt der Kürzungen müssten wir XYZ machen.
00:45:59.31
Stefan Sasse
Und es ist die absolut mangelnde, ich habe das auch schon so oft gesagt, aber das ist der Mangel an Wirtschaftskompetenz, der in der SPD und in den Grünen und auch bei den Linken vorherrscht.
00:46:09.86
Stefan Sasse
Die kriegen das nicht hin, in diesen Termini überhaupt zu denken.
00:46:15.12
Stefan Sasse
Also die sind quasi in dem gleichen Framing, in dem ihre rechten Gegner unterwegs sind.
00:46:20.14
Stefan Sasse
Und das ist grotesk dumm, weil das passiert auf der anderen Seite ja eben nicht.
00:46:24.52
Stefan Sasse
Also diese Kritik zum Beispiel an der political correctness oder an wokeness oder sowas, die geht ja nicht in die Richtung von, können wir nicht ein bisschen weniger gendern oder so, sondern die ist ja wirklich eine Fundamentalkritik an dem Ganzen.
00:46:34.77
Stefan Sasse
Nein, das muss komplett weg.
00:46:38.19
Stefan Sasse
Und hier, da gibt es überhaupt diese Alternativlosigkeit, die der Weber ja hier auch kritisiert.
00:46:44.29
Stefan Sasse
Die herrscht ja auch, weil die Gegenseite keine Alternative bietet.
00:46:48.09
Stefan Sasse
Wir haben hier die gleiche Allparteiensoße, die wir auf anderen Themen, Stichwort Flüchtlingspolitik und so weiter, auch haben.
00:46:55.02
Stefan Sasse
Und das ist ein Problem.
00:46:57.84
Ariane
Ja, also ich habe auch das Gefühl, es ist wie ein Güterzug, der auf seinen Schienen sitzt und alle sind mit aufgesprungen und fahren da mit.
00:47:06.44
Ariane
Und immer wieder gegen dieselbe Wand auch gerne.
00:47:08.72
Ariane
Und das finde ich tatsächlich, also die SPD ist jetzt natürlich mit in der Regierung, aber
00:47:14.95
Ariane
Die sitzt ja da und sagt, es ist genauso nötig, die Zumutung und die Einseitigkeit.
00:47:19.80
Ariane
Das Einzige, was sie nicht wollen, ist, dass ein Feiertag wegkommt.
00:47:23.98
Ariane
Aber in der Analyse, in der Lösung dieser Krise sind sie genau gleich.
00:47:29.26
Ariane
Und das geht bis zur Linken.
00:47:30.90
Ariane
Die Grünen sind da auch mit bei.
00:47:32.74
Ariane
Das unterscheidet sich alles nur in Details.
00:47:36.13
Ariane
Das ist ja selbst bei der Linken, die sind halt noch radikaler von der anderen Seite.
00:47:40.05
Ariane
Aber deren Dings ist, also die haben ja auch kein ganz neues Konzept oder so.
00:47:43.95
Ariane
Das ist einfach, wir gehen los und dann machen die zehn reichsten Leute.
00:47:49.68
Ariane
Das ist ungefähr das Gegenteil zu Söder.
00:47:52.22
Ariane
Lass mal Bürgergeld nochmal kürzen.
00:47:54.98
Ariane
Also, aber…
00:47:56.85
Ariane
Es kommt ja keine alternative Erzählung, es kommt nichts anderes.
00:48:00.73
Ariane
Es bleibt immer, wie du sagst, das ist eine reine Standortdebatte, wirklich mal eine andere Idee.
00:48:05.17
Ariane
Wie kriegen wir das hin?
00:48:06.45
Ariane
Weil es widerspricht sich auch alles.
00:48:08.49
Ariane
Du kannst ja sagen, Mensch,
00:48:10.97
Ariane
Frauen müssen mehr arbeiten.
00:48:12.59
Ariane
Dann musst du aber in verschiedenen Gesetzen dafür die Grundlagen schaffen.
00:48:16.35
Ariane
Du kannst ja nicht sagen, die Kinderkrankentage werden noch gestrichen und gleichzeitig und alles andere auch.
00:48:22.20
Ariane
Die sollen einfach mehr arbeiten, aber die Voraussetzungen dafür können wir leider auch nicht hinstellen.
00:48:27.08
Ariane
Also das ist, glaube ich, echt ein großes Problem.
00:48:30.89
Stefan Sasse
Das ist ja auch wieder diese Unkonkretheit bei dem ganzen Zeug, weil die sagen ja gar nicht, die Frauen sollen mehr arbeiten, sondern wir müssen mehr arbeiten.
00:48:36.67
Ariane
Alle.
00:48:37.77
Stefan Sasse
Ja, wer auch immer das genau ist, das ist ja alles wieder super, super, duper unspezifisch und so.
00:48:43.51
Stefan Sasse
Aber das haben wir alles schon diskutiert.
00:48:46.51
Stefan Sasse
Und wenn ich jetzt auf der Gegenseite gucke, die SPD profitiert ja auch gar nicht davon.
00:48:51.47
Stefan Sasse
Das wird ja gar nicht anerkannt, dass sie da so mit dem Strom schwimmt und das im Endeffekt alles mitmacht.
00:48:55.15
Ariane
Ich glaube, das ist viel gefährlicher für die SPD als für die CDU.
00:48:58.67
Stefan Sasse
Ja, genau.
00:48:59.53
Stefan Sasse
Und ich habe da jetzt auch hier gleich zwei Artikel verlinkt.
00:49:03.72
Stefan Sasse
Auch wieder wenig überraschend, beide aus der Welt.
00:49:06.40
Stefan Sasse
Der erste ist von Nikolaus Doll.
00:49:07.74
Stefan Sasse
Er hat die Überschrift, Deutschland kann sich diese Koalition nicht leisten.
00:49:11.92
Stefan Sasse
Also einmal mehr bitte Minderheitsregierung, mehr zwei, dann sind alle unsere Probleme gelöst.
00:49:15.61
Stefan Sasse
Also das ist natürlich erst mal Quatsch, aber auch schon die Analyse als solche ist so ein Riesenproblem.
00:49:22.85
Stefan Sasse
Er sagt, die SPD blockiert bei allen wichtigen Reformen, also Krankenpflegeversicherung und Neuregelung der Arbeitszeiten.
00:49:30.05
Stefan Sasse
Und die böse SPD blockiert quasi alles, blockiert unsere Rettung.
00:49:33.36
Stefan Sasse
Das sind Vaterlandsverräter sozusagen.
00:49:35.70
Stefan Sasse
Deswegen muss man sie rauswerfen.
00:49:38.10
Stefan Sasse
Und er wäre jetzt natürlich kein waschechter Rechter, wenn er nicht sagen würde, aber die SPD hat nicht alleine Schuld, weil Friedrich Merz ist auch böse.
00:49:46.84
Stefan Sasse
Und warum ist Friedrich Merz böse?
00:49:48.72
Stefan Sasse
Weil er mit der SPD koaliert und tatsächlich nicht einfach machen kann, was er will.
00:49:53.55
Stefan Sasse
Da sind wir wieder bei diesem super unrealistischen.
00:49:55.57
Stefan Sasse
Wie kann Merz es wagen, die SPD nicht zu zwingen, seinen Sachen zuzustimmen?
00:50:01.08
Stefan Sasse
Also das ist dieses grundsätzliche Unverständnis dafür, wie eine liberale Demokratie funktioniert.
00:50:01.13
Ariane
Ja.
00:50:05.42
Stefan Sasse
Das sind wir wieder bei unserem vorherigen Thema mit der Radikalisierung.
00:50:09.64
Stefan Sasse
Und auf der anderen Seite habe ich den Peter Tauber.
00:50:12.36
Stefan Sasse
Der hat in einem Artikel geschrieben, das versagt Sozialdemokraten.
00:50:16.28
Stefan Sasse
Und den fand ich, muss ich sagen, einfach nur frech, weil der argumentiert, der macht einen historischen Vergleich mit Weimar einmal mehr.
00:50:23.83
Stefan Sasse
Wenn die Weimar-Vergleiche anfangen, dann weißt du, lauf so schnell du kannst.
00:50:27.05
Stefan Sasse
Ich muss bald meinen eigenen schreiben, by the way.
00:50:30.23
Stefan Sasse
Und der argumentiert jetzt, dass quasi die große Lehre aus Weimar ist ja eigentlich, dass die Republik nicht gescheitert ist, 1933 im Ermächtigungsgesetz, soweit keine Neuigkeit, sondern bereits 1930, am Ende der damaligen Großen Koalition.
00:50:33.31
Ariane
Vielen Dank.
00:50:44.84
Stefan Sasse
Auch das ist, glaube ich, weitgehend unumstritten, weil danach fangen die Präsidialkabinette an.
00:50:49.66
Stefan Sasse
Und er gibt dem Ganzen jetzt den Spin, dass die SPD Schuld am Ende der Weimarer Republik ist, weil die ja damals den Sozialstaat nicht gekürzt haben.
00:50:57.40
Stefan Sasse
Also hätten einfach die Sozialdemokraten 1930 alle ihre Überzeugungen über Bord geworfen und in Sozialstaat gekürzt, dann hätten wir keinen Hitler gehabt.
00:51:05.63
Stefan Sasse
Ja, weil das Bürgertum, das hast du ja vorher auch schon etabliert, vor 1945, ist ja komplett schuldfrei.
00:51:10.40
Stefan Sasse
Das heißt…
00:51:11.33
Ariane
Es ist echt genial.
00:51:12.71
Ariane
Es gibt ja echt viele Artikel mit die Linken sind an die Nase schuld.
00:51:16.36
Ariane
Jetzt hat man das nochmal präzisiert.
00:51:17.90
Ariane
Die SPD ist an die Nase schuld und komplett auf die Spitze getrieben.
00:51:21.61
Stefan Sasse
Also ich finde es schon, also diese Argumentation, das ist schon echt krass.
00:51:21.74
Ariane
Und das ist faszinierend.
00:51:26.29
Stefan Sasse
Und alle guten Dinge sind drei.
00:51:27.83
Stefan Sasse
Wir haben dann auch noch die Dorothea Siemens, auch von der Welt.
00:51:31.39
Stefan Sasse
So droht Deutschland der Staatsbankrott.
00:51:33.95
Stefan Sasse
Und da haben wir dann auch noch diese Apokalypse-Stimmung mit drin, die die auch so auszeichnet und die auch eigentlich eine total unbürgerliche Sache ist.
00:51:43.06
Stefan Sasse
Weil das ja eigentlich, bürgerlich ist eigentlich dieses Nüchterne.
00:51:46.48
Stefan Sasse
Dieses Unaufgeregte, Unideologische.
00:51:48.80
Stefan Sasse
Also Merkel ist wesentlich bürgerlicher, als diese Leute es je sein werden.
00:51:52.97
Stefan Sasse
Das muss man mal ganz klar sagen.
00:51:55.05
Ariane
Das ist Revolutionsdiktus, aber richtig.
00:51:56.63
Stefan Sasse
Ja genau, dieses Alles geht den Bach runter, alles ist ein Desaster.
00:52:00.49
Stefan Sasse
Staatsbankrott, so ein Quatsch.
00:52:04.09
Stefan Sasse
Wie gesagt, man kann diese fiskalische Lage gerne kritisieren und man kann das problematisch finden und keine Ahnung was.
00:52:10.48
Stefan Sasse
Aber Staatsbankrott, meine Güte.
00:52:14.70
Stefan Sasse
Also die deutschen Staatsfinanzen sind so mit die besten in der gesamten westlichen Welt.
00:52:19.06
Stefan Sasse
Und das ist mit Sondervermögen.
00:52:21.78
Stefan Sasse
Also von daher, da ist echt noch viel Luft nach oben.
00:52:24.38
Stefan Sasse
Das ist dermaßen übertrieben, also so wirklich völlig abgedreht.
00:52:27.93
Stefan Sasse
Das ist wie der Typ von der Linken, der keinen Unterschied mehr zwischen Faschismus und Friedrich Merz erkennen will.
00:52:32.43
Stefan Sasse
So sieht die Dorothea Siemens keinen Unterschied in, wir machen mehr Schulden zu Staatsbankrott.
00:52:39.31
Stefan Sasse
Also das ist so, so abgedreht.
00:52:42.86
Ariane
Es ist ja auch mit diesem, so geht es nicht weiter, aber das kann auch eine Regierung, wie gesagt, deswegen sage ich, es ist Revolutionsdiktus, weil die eigentliche Frage ist ja, ja und nun?
00:52:53.22
Ariane
Weißt du, das klingt ja, als wenn der Staat macht morgen dicht, wer jetzt haut ab und sagt, sorry, kein Bock mehr, hier alles K.O.
00:53:00.06
Ariane
gegangen und haut ab.
00:53:02.56
Ariane
Und das geht ja nicht.
00:53:03.40
Ariane
Und deswegen sage ich, es ist so ein Revolutionsdiskurs, weil es helfen ja nur noch krasse Maßnahmen, nämlich
00:53:11.31
Ariane
Die AfD morgen Minderheitsregierung.
00:53:13.57
Ariane
Und ich glaube deswegen, dass darauf läuft das ja hinaus.
00:53:17.73
Ariane
Es wird ja sogar schon vorbereitet, die SPD ist dann wieder schuld, die Linken.
00:53:20.66
Stefan Sasse
Ja.
00:53:21.21
Ariane
Weil die Bürgerlichen sind, das sind immer die Umstände.
00:53:23.39
Ariane
Sie finden die doof, aber es hilft ja nichts, Notlage, die Linken sind zu doof.
00:53:29.84
Stefan Sasse
Ja, also wirklich, das ist ziemlich offensichtlich, was da läuft.
00:53:32.22
Stefan Sasse
Und wie gesagt, ich finde es auch einfach intellektuell entweder flach oder einfach nur frech.
00:53:38.42
Stefan Sasse
Der Thomas de Maizière, der hat auch so einen Spruch rausgehauen, wo er gesagt hat, und das hast du auch quasi getweetet auf Twitter, also ich habe es über dich gefunden, von daher eigentlich dein Fundstück.
00:53:51.12
Stefan Sasse
Er hat gesagt, nehmen wir mal an, wir würden auf das Wohlstandsniveau von 2020 gehen.
00:53:55.69
Stefan Sasse
Dann sind fast alle unsere ökonomischen Probleme gelöst und so bittere Armut war da nicht.
00:53:59.77
Stefan Sasse
Und da hast du ja drüber getweetet, irgendwas ist doch zwischen 2020 und 2026 passiert.
00:54:00.84
Ariane
Vielen Dank.
00:54:07.07
Stefan Sasse
Könnte es möglich sein, dass hier vielleicht externe Faktoren eine Rolle gespielt haben?
00:54:12.84
Stefan Sasse
Das ist genau das, was wir da vorher schon hatten, dass das komplett ausgeblendet wird, was ja der Gewerkschaftschef auch gemeint hat, der Vassil Aydis, dass das nicht drin ist.
00:54:24.08
Stefan Sasse
Und ich habe jetzt noch einen letzten Kommentar zu der ganzen Thematik, nämlich diese Idee von Bärbel Baas als der Oberbösewicht in der ganzen Geschichte, weil ja lustigerweise die Bärbel Baas genau das macht, was die Rechten ständig der SPD sagen, was sie tun muss, nämlich sich auf ihre Kernwählenschaft, also auf ihre Wurzeln besinnen,
00:54:47.04
Stefan Sasse
und quasi echte sozialdemokratische Politik machen, weil die Bas steht da und sagt, das machen wir alles nett und die Reichen sind schon irgendwie schuld und so weiter.
00:54:52.93
Stefan Sasse
Und das ist genau der Beweis für das, was wir vorher hatten in dem anderen Segment, dass nämlich, wenn die Linken dann tatsächlich links sind, dann ist auch nicht recht.
00:54:59.68
Ariane
Im Echten ist sie übrigens ein bisschen gestiegen.
00:55:00.73
Stefan Sasse
Also die Bärbel Bas ist sowas von unvoke.
00:55:03.11
Stefan Sasse
Da hast du diese Frau mit dem Hauptschulabschluss, die da quasi ihre proletarischen Credentials ständig rausholt, irgendwas immer so sagt, so Malochen und keine Ahnung was,
00:55:13.04
Stefan Sasse
Und die kriegt in den Rankings, die gerade zum Beispiel die Welt veranstaltet, da wird sie immer mit einer 6,0 bewertet, wird als die schlimmste Ministerin gehandelt und so weiter und so fort.
00:55:22.84
Stefan Sasse
Ja, okay.
00:55:25.100
Ariane
nicht gestern irgendwo gelesen.
00:55:27.10
Ariane
Also 0,4 oder so, aber in diesem normalen Politiker-Ranking.
00:55:30.54
Ariane
Aber die ist schon jetzt das größte Feind bin.
00:55:33.21
Ariane
Und eigentlich ist sie, obwohl sie halt wirklich, eigentlich ist sie so eine SPDlerin aus den 60ern, wie ich mir die vorstelle.
00:55:33.23
Stefan Sasse
Genau.
00:55:33.92
Stefan Sasse
Und
00:55:38.46
Stefan Sasse
Genau, die macht eigentlich, das Problem bei der ist, ihre Politik ist gar nicht so blöd, da ist bloß wieder die Kommunikation SPD typisch total katastrophal, aber ich möchte diesen aktuellen Kompromiss, den die gemacht haben, da hat zum Beispiel Nikolaus Blomherd getweetet, Ministerin Baas soll den 8-Stunden-Tag als Obergrenze durch ein Wochenmaximum ersetzen, sie tut es aber für weniger als die Hälfte der Beschäftigten, nämlich für die, die tarifgebunden sind.
00:56:00.43
Stefan Sasse
Was soll das?
00:56:01.83
Stefan Sasse
Und sowohl du als auch ich haben es ihm erklärt.
00:56:03.49
Stefan Sasse
Ich glaube, er hat es nicht gelesen.
00:56:04.41
Stefan Sasse
Aber der Punkt ist, du hast dazu geschrieben, dass die Tarifverträge ermöglichen diese Flexibilisierung ja eh schon.
00:56:13.01
Stefan Sasse
Die brauchen das nicht vom Staat.
00:56:14.61
Stefan Sasse
Und für alle anderen ist es eine Verteidigungslinie.
00:56:17.24
Stefan Sasse
Und ich habe da noch zusätzlich dazu, das ist eigentlich clever von der Bärbel Bars,
00:56:20.74
Ariane
Das ist total gut.
00:56:21.04
Stefan Sasse
Weil das es attraktiver macht, tarifgebunden zu sein.
00:56:24.82
Stefan Sasse
Das heißt, wenn du als Betrieb möchtest, dass solche Arbeitszeitflexibilisierungen aushandeln, die vom Gesetz abweichen, kein Problem, musst nur den Tarifvertrag beitreten oder den eigenen machen.
00:56:35.90
Ariane
Das hat überhaupt kein Problem, sondern alle Arbeitnehmer wünschen sich nichts mehr als diese Flexibilisierung.
00:56:40.63
Ariane
Das ist
00:56:41.05
Stefan Sasse
Genau, das ist ja gar kein Thema.
00:56:42.75
Stefan Sasse
Also brauchst du nur in den Tarifvertrag rein, ja.
00:56:45.77
Stefan Sasse
Also von daher, das ist eigentlich entsprechend clever.
00:56:50.27
Stefan Sasse
Und ich habe gerade gelogen, ich habe nämlich noch einen anderen letzten Punkt, der auf der Rest der Rampe rumliegt.
00:56:54.17
Stefan Sasse
Es gibt auf Twitter so einen Account, da bin ich mir immer nicht sicher, ob der das ernst meint oder nicht, aber ich fürchte, der tut es.
00:56:58.81
Stefan Sasse
Der heißt Sparbuchfeinde.
00:57:00.97
Stefan Sasse
Und der tweetet auch ständig so Reformpropaganda raus.
00:57:03.35
Stefan Sasse
Also der Typ, der ist wirklich völlig verstrahlt.
00:57:05.66
Stefan Sasse
Und der hat zum Beispiel einen Tweet abgesetzt, den finde ich auch wieder so paradigmatisch, für diese Blase, in der diese Leute sich bewegen.
00:57:12.48
Stefan Sasse
Und zwar sagt der, es wird unfassbar unterschätzt, wie viele Probleme sich in Deutschland automatisch lösen, wenn diese zwei Punkte umgesetzt werden.
00:57:19.34
Stefan Sasse
A, Bürgergeld auf Sachdienstleistungen und Sammelunterkünfte umstellen.
00:57:23.58
Stefan Sasse
Und B, Sozialhilfe für abgelehnte Asylbewerber auf Sachdienstleistungen umstellen.
00:57:28.73
Stefan Sasse
Das löst alle unsere Probleme, dann sind nämlich die Energiepreise kein Thema mehr und die Lieferketten und die Rohstoffmärkte und die technologische Abhängigkeit von China und den USA.
00:57:29.87
Ariane
Ja, also das ist sogar dreiteilig.
00:57:39.37
Stefan Sasse
All das löst sich auf, wenn wir Bürgergeldempfänger in Sammelunterkünfte stecken, was im Übrigen grundgesetzwidrig ist, aber mit solchen Details halten wir uns ja nicht auf in diesem Reformdiskurs.
00:57:50.83
Stefan Sasse
Also das ist unglaublich, wie diese Leute teilweise abgedreht sind und es nicht mal merken, wie weit die sich entfernt haben von dieser Mitte, zu der sie ständig behaupten, dass sie gehören.
00:58:01.74
Stefan Sasse
So, jetzt bin ich fertig, sorry.
00:58:02.81
Ariane
Genau, also das ist sogar, ich hatte das gestern irgendwie noch gefunden, das ist sogar dreiteilig, er hat da so drei Tweets untereinander, welche Vorteile er das hätte, weil wir sofort, wenn wir alle Probleme lösen, aber wie gesagt, das ist das intellektuelle Niveau, wenn ich von links sage, wir gehen los.
00:58:17.01
Ariane
nehmen die zehn reichsten Deutschen, enteignen die im Pakt G in der Sammelkunft.
00:58:20.02
Ariane
Das ist auch alle Probleme erledigt.
00:58:22.06
Ariane
Und im dritten sagte noch, das wäre einfach und zügig umzusetzen.
00:58:26.00
Ariane
Das Einzige, was fehlt, ist der politische Wille.
00:58:28.50
Ariane
Und ich hatte da, glaube ich, dann auch geantwortet.
00:58:30.42
Ariane
Da habe ich auch gesagt, das deutsche Gesetz, das Grundgesetz, ist jetzt nur noch ein unverbindlicher Hinweis.
00:58:37.89
Ariane
Also deswegen fand ich, es passte so sehr zum Artikel von Rosenfelder, wo einfach…
00:58:43.59
Ariane
und zwar Grundgesetze, komplett aus den Angeln gehoben werden.
00:58:47.87
Ariane
Und es fehlt einfach nur der politische Wille.
00:58:50.37
Ariane
Wenn man da mal kurz rangeht, dann ist das schon fertig.
00:58:54.06
Stefan Sasse
Wir können auch die Klimakrise total easy lösen.
00:58:56.20
Stefan Sasse
Da fehlt es auch nur am politischen Willen.
00:58:58.10
Stefan Sasse
Das sind zwei relativ einfache Maßnahmen.
00:59:00.00
Stefan Sasse
Wir müssen eigentlich nur alles verbieten, was irgendwie CO2 ausstößt und geschafft.
00:59:03.47
Ariane
Ein paar Bäumchenpflanzen noch.
00:59:04.14
Stefan Sasse
Gar kein Problem.
00:59:05.77
Stefan Sasse
Also ich habe da auch eine einfache Lösung.
00:59:05.97
Ariane
Fertig.
00:59:07.37
Stefan Sasse
Und die Ungleichheit in Deutschland können wir auch ganz einfach abschaffen.
00:59:10.57
Stefan Sasse
Da fehlt es auch am politischen Willen, dass man quasi einfach alle einmal enteignet und dann kriegt jeder das Gleiche.
00:59:14.82
Stefan Sasse
Bäm, soziale Ungleichheit gelöst.
00:59:16.30
Stefan Sasse
Guck mal, was ich für ein Genie bin.
00:59:18.20
Stefan Sasse
Also das ist das Niveau, auf dem das abläuft.
00:59:21.14
Stefan Sasse
Unglaublich, unglaublich, unglaublich.
00:59:22.50
Stefan Sasse
Aber heute war mal wieder eine kleine Ranting-Stunde.
00:59:26.31
Stefan Sasse
Hast du noch einen Schlusswort?
00:59:26.87
Ariane
Oh, ich muss mal kurz, weil ich das ja langsam sammle, das Wohngeld soll ja gekürzt werden.
00:59:34.81
Ariane
Und was jetzt schon wieder fast untergeht, weil alles soll ja gekürzt werden, aber ich habe ja eine kleine Liste und das ist nur konsequent.
00:59:42.32
Ariane
Es wurde vor zwei Jahren eingeführt und die aus Gründen, dass der Kreis erweitert wurde, weil es ist gerade für die Geringverdiener ist das eine wichtige Sozialleistung.
00:59:51.50
Ariane
Und wie gesagt, deswegen hat man den Kreis vor zwei Jahren erweitert.
00:59:54.48
Ariane
Und damit wirklich alles, was in den letzten drei Jahren passiert, das rückabgewickelt wird, soll es jetzt auch wieder rückabgewickelt werden.
01:00:02.60
Ariane
Das ist nur damit klar wird, ich zähle mit.
01:00:06.52
Stefan Sasse
Hervorragend.
01:00:07.64
Stefan Sasse
Wir werden auch weiterhin mitzählen.
01:00:09.02
Stefan Sasse
Wir bauen auf eure Kommentare erneut.
01:00:11.02
Stefan Sasse
Die Shownotes werde ich in den eigenen Post bei uns auf dem Blog packen, weil das übersteigt die Kapazitäten eines jeden Podcast-Players.
01:00:19.21
Stefan Sasse
Da könnt ihr das gerne alles nachlesen und in diesem Post dann die aktuelle Folge auch dokumentieren.
01:00:24.53
Stefan Sasse
dokumentieren, kommentieren ist das Wort, das ich suche.
01:00:27.45
Stefan Sasse
Vielen Dank fürs Zuhören, wie üblich.
01:00:29.25
Stefan Sasse
Wir sehen uns an dieser Stelle relativ bald wieder.
01:00:31.86
Stefan Sasse
Ich habe bald einen Interview-Termin mit dem Alexander Clarkson.
01:00:36.12
Stefan Sasse
Da werden wir über den Iran sprechen und was da der aktuelle Kompromiss und maybe Friedensvertrag mit den USA hat.
01:00:44.18
Stefan Sasse
Freut euch vielleicht auch schon auf diese Folge.
01:00:45.70
Stefan Sasse
Da wird es dann wieder ein ganz klein bisschen ernsthafter, seriöser und vielleicht auch ein bisschen substanzieller.
01:00:52.83
Stefan Sasse
No Shade,
01:00:53.79
Stefan Sasse
wir sind schon so einigermaßen rantig hier unterwegs.
01:00:53.92
Ariane
Bis dann.
01:00:54.42
Ariane
Tschüss.
01:00:57.40
Stefan Sasse
Also, vielen Dank allerseits und bis zum nächsten Mal.


