Die CDU spaltet sich über das Bauen erneuerbarer Sandburgen und Habecks Migration zu Friedrich Merz – Vermischtes 27.06.2024

Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Die „Fundstücke“ werden mit einem Abschnitt des Textes, der paraphrasiert wurde, angeteasert. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels empfohlen; ich übernehme keine Garantie für die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Zusammenfassungen. Für den Bezug in den Kommentaren sind die einzelnen Teile durchnummeriert; bitte zwecks der Übersichtlichkeit daran halten. Dazu gibt es die „Resterampe“, in der ich nur kurz auf etwas verweise, das ich zwar bemerkenswert fand, aber zu dem ich keinen größeren Kommentar abgeben kann oder will. Auch diese ist geordnet (mit Buchstaben), so dass man sie gegebenenfalls in den Kommentaren referieren kann. Alle Beiträge sind üblicherweise in der Reihenfolge aufgenommen, in der ich auf sie aufmerksam wurde.

Fundstücke

1) Das Schisma der CDU

Der Artikel kritisiert die populistischen Töne innerhalb der CDU, besonders durch Aussagen von Michael Stübgen und Steffen Bilger zur Unterstützung der Ukraine und der Behandlung ukrainischer Flüchtlinge in Deutschland. Der Autor bemängelt den Abstieg der CDU in populistische Rhetorik und die Verlagerung der Partei nach rechts, um Wähler in den östlichen Bundesländern zu gewinnen. Diese Entwicklung spiegelt eine Erosion des staatsräsonalen Selbstverständnisses der CDU wider. Der Artikel betont, dass die CDU ihre ursprünglichen Werte und politischen Ziele opfert, um dem Zeitgeist und den Forderungen nach einer schärferen Migrations- und Sozialpolitik gerecht zu werden. Diese Strategie könnte die Partei langfristig schädigen und ihre Identität gefährden. (Dieter Schnaas, Wirtschaftswoche)

Was ich an der Analyse scharfsinnig finde (zugegeben etwas eigennützig, weil ich denselben Punkt auch schon eine Weile mache) ist der Fokus auf der Bedeutung des Kulturkampfs für die CDU. Das ist auch wenig überraschend, Identitätspolitik und Kulturkampf wird von jeder Partei betrieben. Ich finde diese bürgerliche Schutzbehauptung, man selbst tue das nicht und es seien nur die bösen anderen, wahnsinnig ermüdend. Natürlich ist das Ausmaß mal mehr, mal weniger umfassend und Gegenstand von Wechseln. Wie Ariane und ich ja auch im Podcast bemerkt haben, gab es bei dieser Mentalität in den letzten Jahren eine Drehung zwischem progressivem und bürgerlichem Lager: letzteres erlebte eine scharfe Bedeutungszunahme von Kulturkämpfen, während diese in ersterem eher abnahmen. Lange Zeit war die Lage eher umgekehrt. Scheint auch so eine Art politischer Mode zu sein.

2) Absurd teure Scheinlösungen

Viele deutsche Politiker fordern, dass Deutschland seine Asylverfahren in Drittstaaten verlegt, um die Belastung der Kommunen zu reduzieren. Trotz des Widerstands von Experten, die diese Modelle als ineffektiv und neokolonialistisch kritisieren, drängen die Länderchefs, mit Ausnahme von Bremen und Thüringen, auf konkrete Vorschläge bis Dezember. Diese Idee ist jedoch nicht neu: Seit 20 Jahren wird darüber diskutiert, ohne dass sie umgesetzt wurde. Viele afrikanische Länder sind nicht bereit, weitere Flüchtlinge aufzunehmen und betrachten die europäischen Auslagerungswünsche als kolonialistisch. Großbritannien zahlte bereits enorme Summen an Ruanda, ohne dass bisher ein Flüchtling umgesiedelt wurde. Die Aussichten, dass solche Maßnahmen die deutsche Kommunen langfristig entlasten, sind gering. Vielmehr benötigen die Kommunen finanzielle Unterstützung und Ressourcen für Bildung, Integration und Sozialleistungen. (Christian Jakob, taz)

Ich habe darüber bereits in meinem Grundsatzartikel „Sackgasse in der Migrationspolitik“ geschrieben: sowohl Links als auch Rechts haben sich in eine totale Sackgasse manövriert, was das Thema angeht. Fantasien und irgendwelche Schlagworte bestimmen die Debatte, und beide Seiten sind völlig unrealistisch. Die rechtliche Lage ist wahnsinnig kompliziert und erlaubt die populistischen Forderungen von Scholz bis Dobrindt einfach nicht. Gleichzeitig kann es ja auch keine Lösung sein, die ganze Zeit einfach nur die Hände in die Luft zu werfen und zu sagen „kann man halt nichts machen“, denn das Migration ein Problem ist – vor allem ein politisches Problem, da aber ein drängendes – steht doch außer Frage. Aber wie auf so vielen Feldern geschieht da nichts Substanzielles; man versichert sich nur stets gegenseitig, dass es sich um ein drängendes Problem handelt, haut irgendwelche Sprüche raus und schraubt an winzigen Schräubchen rum.

3) Der Kampf für saubere Energie ist erfolgreicher, als viele denken

Trotz pessimistischer Stimmen, die meinen, es geschehe „zu wenig zu spät“ im Kampf gegen die Erderwärmung, wird weltweit intensiv an Lösungen gearbeitet. Die erneuerbaren Energien sind auf dem Vormarsch und sollen laut der Internationalen Energie-Agentur (IEA) bereits im nächsten Jahr die Kohle als größte Stromquelle ablösen. Insbesondere China und die USA machen große Fortschritte: China plant bis 2027 die Hälfte des globalen Zuwachses an erneuerbaren Energien zu installieren, und die USA verdoppeln ihre Kapazitäten. Solaranlagen und Windkraft werden dominieren, unterstützt durch Fortschritte in der Speichertechnologie und künstlicher Intelligenz. Diese Entwicklungen zeigen, dass eine nachhaltige, emissionsfreie Energieversorgung keine ferne Utopie mehr ist, sondern bald Realität sein könnte. Es ist daher wichtig, optimistisch zu bleiben und kontinuierlich an diesen Veränderungen zu arbeiten. (Ullrich Fichtner, Spiegel)

Ich hoffe einfach mal, dass Fichtner Recht hat. Vermutlich gibt es bei dem Thema auch einfach eine Spaltung der Wahrnehmung über längere und kürzere Zeitrahmen: kurzfristig sieht die Lage für die Erneuerbaren gerade nicht sonderlich gut aus, langfristig mag die Entwicklung besser sein. Ich finde das besonders am Beispiel Chinas, das wir ja im letzten Vermischten diskutiert hatten, augenfällig. Während Tooze in seiner Analyse betonte, wie viel da kurzfristig getan werden muss, spricht Fichtner von einer tollen langfristigen Aussicht. Was davon korrekt ist? Keine Ahnung. Ich hoffe einfach mal, dass sich Fichtners Optimismus bewahrheitet.

4) Merz entdeckt seinen inneren Habeck

Friedrich Merz von der CDU hat sich jüngst zum Befürworter der Wärmepumpentechnologie gewandelt, obwohl er zuvor die Technologie und andere erneuerbare Energien kritisch betrachtet hatte. Ursprünglich stellte er die Kompetenz von Wirtschaftsminister Robert Habeck in Frage, da dieser keine technische Ausbildung habe. Merz und andere CDU-Politiker äußerten wiederholt Skepsis gegenüber Wärmepumpen und setzten sich für fossile Brennstoffe ein, unterstützt von Lobbyisten der Gasindustrie. Diese Haltung führte zu einer verstärkten Installation von Gasheizungen in Deutschland, obwohl Wärmepumpen erwiesenermaßen effizienter und umweltfreundlicher sind. Nun hat Merz seine Position geändert und unterstützt die Wärmewende. Bei der Eröffnung einer Wärmepumpen-Akademie sprach er von der Technologie als „faszinierend“ und einem „wesentlichen Träger für die Transformation“. Diese Kehrtwende kommt jedoch für viele zu spät, da die Preise für fossile Brennstoffe voraussichtlich steigen werden, sobald der Gebäudesektor in den europäischen Emissionshandel einbezogen wird. Merz‘ Sinneswandel könnte ein positives Zeichen für die Zukunft Deutschlands sein, doch er zeigt auch, wie stark die fossile Lobby bisher den Diskurs beeinflusst hat. (Christian Stöcker, Spiegel)

Das ist das tolle an der CDU: seit Adenauer interessiert die ihr „dummes Geschwätz von gestern“ grunsätzlich nicht. Ein Jahr lang führt Merz mit seiner CDU zusammen mit Springer einen Kulturkampf um die Gasheizung, bringt zehntausende zu einer wirtschaftlich nachteiligen Entscheidung (auffällig, wie viele gegen Wärmepumpen agitierende CDU-Politiker*innen die Dinger selbst zuhause haben…) und drehen sich dann einfach um und erklären, schon immer für Wärmepumpen gewesen zu sein. Das ist dieser politische Pragmatismus, der praktisch allen anderen Parteien abgeht, in dem ich aber den größten Unterschied zur FDP sehe. Die sind viel mehr true believer als die CDU, und ich glaube, da kommt auch viel von den internen Konflikten in bürgerlichen Koalitionen. Die FDP ist jedes Mal aufs Neue überrascht, dass die CDU zwar rhetorisch ihre Prinzipien teilt, aber niemals, wenn es konkret wird. Deswegen habe ich auch so wenig Vertrauen in CO2-Preise und Co: die CDU wird jederzeit und ohne zu zögern die Schuldenbremse abschaffen und riesige Subventionen raushauen, um die eigene Klientel davor zu beschützen. Die kennen da gar nichts.

5) Labour’s winning coalition may be another political sandcastle

Die aktuelle politische Lage in Großbritannien zeichnet sich durch schnelle und tiefgreifende Veränderungen aus. Beispiele hierfür sind die Wahlerfolge der UKIP im Jahr 2014, der SNP im Jahr 2015, der Brexit-Entscheid 2016 und die raschen Auf- und Abstiege von Jeremy Corbyn und Boris Johnson. Diese Dynamik zeigt, dass politische Koalitionen heutzutage oft instabil und kurzlebig sind. Ein Hauptgrund für diese Instabilität ist die abnehmende Parteibindung der Wähler. In den 1960er Jahren hatten fast die Hälfte der Briten eine starke Parteibindung, heute sind es nur noch etwa 10%. Dies führt zu einer erhöhten Wechselbereitschaft, wobei viele Wähler von Wahl zu Wahl die Partei wechseln. Die Konservativen haben in den letzten Jahren unterschiedliche Wählergruppen angesprochen, was zu einer heterogenen und instabilen Wählerbasis geführt hat. Diese Spannungen werden deutlich, wenn man versucht, unterschiedliche Wählergruppen wie die in Kensington und Clacton zu vereinen. Die Unfähigkeit, nachhaltige wirtschaftliche Verbesserungen zu liefern, hat diese Koalition weiter geschwächt. Labour steht vor einer ähnlichen Herausforderung. Trotz einer möglichen breiten Wahlbasis ist die Partei mit vielfältigen und oft widersprüchlichen Erwartungen konfrontiert. Die Breite und Heterogenität ihrer Unterstützerbasis könnten zukünftige Probleme verursachen, insbesondere wenn der anfängliche Wahlerfolg nicht in langfristige Stabilität umgewandelt werden kann. Letztlich zeigt sich, dass politische Parteien zunehmend darauf abzielen, kurzfristige Wahlerfolge zu erzielen, anstatt langfristige Reformen und Regierungsstabilität anzustreben. Dies könnte dazu führen, dass politische „Sandburgen“, die auf wackeligen Koalitionen basieren, ebenso schnell zusammenbrechen, wie sie aufgebaut wurden. (James Kanagasooriam, Focal Data)

Die Analyse ist in meinen Augen völlig korrekt, was die gewaltigen Schwünge der vergangenen zwei Dekaden angeht; diese Erosion von Stammwählendenschaften ist ja breit untersucht und auch kein britisches Phänomen, wir haben dasselbe in Deutschland ja auch. Allerdings sollte man vorsichtig sein, das zu pauschalisieren; manchmal bilden sich eben doch deutlich festere elektorale Burgen (nicht, dass das bei Labour hier der Fall sein muss!). Auch die Analyse, dass die Kurzfristigkeit der Politik nicht eben hilfreich ist teile ich, wenngleich mir nicht ganz klar ist, inwiefern sich tiefe Reformpolitik in dauerhafte Koalitionen ummünzen lässt. Das funktioniert eigentlich sehr selten.

Resterampe

a) Der Scholzomat ist wieder auf Hochtouren, und dieses Mal gilt die Ausrede mit dem Nachhaltigkeitstag nicht.

b) Mal ÖRR-Kritik von links. Auch nicht überzeugender.

c) Gutes Beispiel zu Statistikmissbrauch.

d) Noch ein Beispiel für Kulturkämpferei.

e) Interessante Rezension.

f) So ein langer Artikel nur um zu sagen „wenn es eine Meinung ist, die ich doof finde, ist die selbstverständlich nicht geschützt“. Davon abgesehen ist das auch völlig bizarr. Diese Leute leben in einer Fantasiewelt.

g) Woher die absurde Vorstellung kommt, Biden sei ein Diktator.

h) Zu unserer Bahndebatte. Und noch was: Deutsche Bahn: Plan zur Streichung von Fernverkehrsverbindungen – besonders im Osten. Völlig absurd.


Fertiggestellt am 26.06.2024

{ 120 comments… add one }
  • Michael 26. Juni 2024, 09:34
    • derwaechter 26. Juni 2024, 22:38

      „This week marks the summer solstice in the northern hemisphere. The Sun rising to its highest point in the sky will in decades to come shine down on a world where nobody need go without the blessings of electricity and where the access to energy invigorates all those it touches“

      Wenn das mal kein fantastischer letzter Absatz ist.

  • Tim 26. Juni 2024, 09:59

    (4 – biegsame CDU)

    Deswegen habe ich auch so wenig Vertrauen in CO2-Preise und Co: die CDU wird jederzeit und ohne zu zögern die Schuldenbremse abschaffen und riesige Subventionen raushauen, um die eigene Klientel davor zu beschützen. Die kennen da gar nichts.

    Da stimme ich Dir voll zu. Die CDU wird tun, was sie an die Macht bringt, Punkt. Aber beim Thema Cap & Trade achtest Du zu sehr auf Preise und zu wenig auf Cap. Das EU-ETS ist in erster Linie ein Kappungsinstrument, das die CO2-Emissionen limitiert. Daraus ergeben sich die Preise – nicht mehr und nicht weniger. Wenn die CO2 ihre Klientel künftig mit Heizkostenzuschüssen oder was auch immer durchfüttert, ändert das nichts an der CO2-Kappung. Die Subventionen würden die Energiewende „lediglich“ (noch) ineffizienter machen, wie auch das EEG.

    Not great, not terrible.

    • Stefan Sasse 26. Juni 2024, 11:57

      Schon, aber ich stelle da auch immer dieselbe Frage: diese Kappung ist ja eine reine Idee. Emissionen sind real. Was, wenn die CDU an der Regierung einfach sagt, sie setzt das Cap aus? Oder ignoriert das Cap einfach?

      • Tim 26. Juni 2024, 14:02

        Das wird auf EU-Ebene festgelegt, es wäre also ein massiver Verstoß gegen die europäische Rechtsordnung.

  • Tim 26. Juni 2024, 10:03

    (5 – ÖRR-Kritik von links)

    ÖRR-Kritik ist immer wenig zielführend, wenn sie sich lediglich auf die Inhalte bezieht. Kritikwürdig und reformbedürftig sind die grundsätzlichen Strukturen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Man würde sich wünschen, dass die Sender diese Debatte offensiv führen, aber leider tun sie das natürlich nicht. Das werfe ich ihnen inhaltlich vor. Ihnen ist völlig egal, dass eine moderne Gesellschaft auch ein modernes öffentlich-rechtliches Medienmodell benötigt.

    • Stefan Sasse 26. Juni 2024, 11:57

      Ja, das ist fair.

    • Erwin Gabriel 26. Juni 2024, 12:19

      @ Tim 26. Juni 2024, 10:03

      ÖRR-Kritik ist immer wenig zielführend, wenn sie sich lediglich auf die Inhalte bezieht. Kritikwürdig und reformbedürftig sind die grundsätzlichen Strukturen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.

      Schließe mich vollumfänglich an.

      • Tim 26. Juni 2024, 14:04

        1a. Jetzt müssen wir also bloß noch die Leute im Bundesverfassungsgericht überzeugen. Und die Ministerpräsidenten. Und die Landtage. 🙂

  • Erwin Gabriel 26. Juni 2024, 12:03

    @ Stefan Sasse

    2) Absurd teure Scheinlösungen

    Die rechtliche Lage ist wahnsinnig kompliziert …

    Rechtliche Lagen lassen sich ändern.

    … vor allem ein politisches Problem …

    Wie kann man nur so brutal weltfremd sein? Bei diesem Thema geht es um die Existenz unserer Gesellschaft. Weder können wir uns leisten, auf Massenzuwanderung zu verzichten, noch können wir uns leisten, weiter diese Massenzuwanderung in unser Sozialsystem samt absurd hoher Versorgung zu akzeptieren. Und unser Staat ist an KEINER Stelle (Integration, Bildung, Versorgung, Wohnraum etc.) in der Lage, auch nur annähernd zu leisten, was geleistet werden muss, um unsere Gesellschaft am Laufen zu halten.

    PS: Stefan Pietsch war mit seiner Meldung der aktuellen Bürgergeld-Kostenentwicklung schneller als ich. Hier rauschen allein in diesem Jahr zwischen 25 und 30 Mrd. Euro mehr durch den Kanal als geplant / erwartet / erhofft. Diese Gelder wird weder diese noch die nächste Regierung an Einsparungen zusammenkriegen. Rechne die im Sozialbereich üblichen Steigerungsraten hoch, rechne die Zeit hoch, die es braucht, um das entfesselte Bürgergeld wieder einzufangen (falls man das überhaupt schafft), und schon hat man mindestens den Wert zweier weiterer 100-Mrd.-Euro-Sondervermögen für nur Konsum, nicht für Investitionen verbrannt.

    Einmal mehr haben sich konservative Befürchtungen bewahrheitet, haben sich linke soziale Tagträumereien als gefährlich für den Staat erwiesen. Aber klar, ist ja alles nur ein „politisches“ Problem, dass man mit dem Lockern der Schuldenbremse wegbügeln könnte.

    • Tim 26. Juni 2024, 14:06

      Hasardeure eben. Sie verstehen nicht nur nichts von strategischer Planung, sie wäre ihnen überdies auch vollkommen egal, wenn sie ihre Bedeutung begriffen hätten. Aber es geht ja bloß um das Geld anderer Leute, damit darf man ruhig lax umgehen.

      • Erwin Gabriel 27. Juni 2024, 00:26

        @ Tim 26. Juni 2024, 14:06

        In Sachen Flüchtlingspolitik ist (trotz der enormen Summen, die da verbraten werden) Geld nicht meine größte Sorge. Der Bedarf von 400.000 Fachkräften pro Jahr sorgt mich. Die Unfähigkeit unseres Staates, mit Zuwanderung umzugehen, sorgt mich. Der soziale Kampf zwischen Zugewanderten und deutschen Abgehängten um Kita- oder Schulplätze, um Wohnraum, um behördliche Ressourcen sorgt mich. Ansteigende Kriminalität in Verbindung mit permanenter Überlastung der Polizei sorgt mich. Mangelnde Integration und Ghetto-Bildung in Großstädten sorgen mich.

        Dann erst kommt das Geld (20 bis 30 Mrd. Euro fehlen allein alleine fürs Bürgergeld).

        • Tim 27. Juni 2024, 07:34

          Vollkommen d’accord. In der realen Welt ist Geld allerdings ein hervorragender disziplinierender Faktor. Mit ihrem eigenen Geld gehen die Bürger und erst recht die Unternehmen sorgsam um. Das Geld anderer Leute ist der Politik hingegen relativ egal – Hauptsache ist, dass es in Strömen hereinkommt. In der Folge haut unser verfetteter Staat es besinnungslos raus und wird darum in vielen Bereichen immer dysfunktionaler. Es fehlt die Fokussierung auf Wesentliche.

        • Sören Schmitz 27. Juni 2024, 15:39

          Die Unfähigkeit unseres Staates, mit Zuwanderung umzugehen, sorgt mich. Der soziale Kampf zwischen Zugewanderten und deutschen Abgehängten um Kita- oder Schulplätze, um Wohnraum, um behördliche Ressourcen sorgt mich. Ansteigende Kriminalität in Verbindung mit permanenter Überlastung der Polizei sorgt mich.
          Das geht mir ähnlich. Es ist ja nicht nur eine Auseinandersetzung zwischen unten und unten – es geht ja inzwischen auch bis in die obere Mittelschicht. Die ungesteuerte Migration ist ein Brandbeschleuniger auf die ungelösten infrastrukturellen Probleme in unserem Land, die bereits schwelen: Kitas, Schulen, Pflegeplätze ärztliche Versorgung bezahlbarer Wohnraum, etc.
          Hier braucht es dringend strukturelle Veränderungen, und ja auch mehr Geld. Aber es sollte nur dann Geld geben, wenn strukturelle Änderungen in Gang gesetzt werden, denn nur Geld deckt eher die Probleme zu.
          Ich sehe aber weder in der Ampel noch in der Union echten Aufbruch und KOnzepte: zu groß ist immer die Versuchung nach dem billigen Applaus. Zwei Tage reden die Innenminister über Ruanda Modelle und Abschiebeverschärfungen. Wie man Migranten viel schneller in bezahlte Arbeit bringt, dafür gibt es vom Stammtisch keinen Applaus und deshalb gibt es keinen Fokus. Dabei würde uns das schon mal Zeit und mehr Geld geben, um uns um die Folgeprobleme besser kümmern zu können.

          • Skythe 29. Juni 2024, 11:44

            „Ungesteuerte Migration“, „verfetteter Staat“, „ansteigende Kriminalität“, „Massenzuwanderung in unser Sozialsystem“, „entfesselte Bürgergeld“…

            Wenn das die gefühlte Realität des deutschen Biedermannes ist, kann uns wirklich nichts mehr vor der Machtergreifung der Nazis retten.

            • CitizenK 3. Juli 2024, 11:20

              Das sind Gutsituierte, die den „verfetten“ Sozialstaat nicht brauchen. Die vermutlich nicht mal jemand kennen, der ihn braucht.

              Das „entfesselte“ Bürgergeld (582 Euro) liegt immer noch unter der Grenze für gerichtliche Beratungshilfe für Menschen mit niederigem Einkommen (619 Euro). Mit BaföG ist man allerdings zu „reich“ dafür und muss ggf. eine Zwangsvollstreckung hinnehmen. Die zwar fruchtlos sein wird, aber Kosten und damit Schulden und Schufa-Einträge generiert. (War grade beim Amtsgericht)

              Dafür wurde die Einkommensgrenze für die Förderung des Erwerbs von Wohneigentum auf 90ooo Euro erhöht – das Doppelte eines Lehrergehalts. Wer hat, dem wird gegeben.

              • Erwin Gabriel 19. Juli 2024, 00:59

                @ CitizenK 3. Juli 2024, 11:20

                Das sind Gutsituierte, die den „verfetten“ Sozialstaat nicht brauchen.

                Soll das ein Argument sein? Schon oft gesagt: Keine EInwände gegen die Unterstützung von Bedürftigen. Aber bedeutet das wirklich zwangsläufig, dass wir über die Hälfte unserer üppigen Steuereinnahmen für „Soziales“ ausgeben müssen?

                Du siehst jemanden, den Du in aller Subjektivität für bedürftig einschätzt, und leitest daraus eine Versorgungspflicht für den Staat ab – losgelöst von Geldern, die zur Verfügung stehen, losgelöst von europa- oder weltweit üblichen Standards, losgelöst von damit einhergehender Verschwendung, losgelöst von anderen Aufgaben des Staates.

                Dafür wurde die Einkommensgrenze für die Förderung des Erwerbs von Wohneigentum auf 90ooo Euro erhöht – das Doppelte eines Lehrergehalts. Wer hat, dem wird gegeben.

                Das, mein lieber Freund, hat unterschiedliche Aspekte – etwa den, dassa es EIN Lehrergehalt nicht gibt, und das Lehrergehälter für nichts der Maßstab sind. Auch lasse ich mal die Diskussion vor, in welchem Grenzbereich von Einkommen der Erwerb von Immobilien überhaupt sinnvoll ist; bei zu niedrigen Einkommen macht nichts einen Sinn, weil es selbst mit Förderung nicht reicht.

                Folgen wir also Deinem Argumentationsstrang, dass einer, der doppelt so viel wie ein Lehrer verdient, keine Förderung verdient hat. Das wäre dann ein prima Beispiel für mein behauptetes überbordendes Sozialsystem.

            • Erwin Gabriel 19. Juli 2024, 00:44

              @ Skythe 29. Juni 2024, 11:44

              [„Ungesteuerte Migration“, „verfetteter Staat“, „ansteigende Kriminalität“, „Massenzuwanderung in unser Sozialsystem“, „entfesselte Bürgergeld“…]

              Wenn das die gefühlte Realität des deutschen Biedermannes ist, kann uns wirklich nichts mehr vor der Machtergreifung der Nazis retten.

              Wie sieht es denn mit Deiner Wahrnehmung zu diesen Themen aus? Wir haben das Migrationsthema im Griff? Keine überbordende Bürokratie? Kriminalstatistiken gefälscht? Kein überproportional großer Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund in unserem Sozialsystem / Bürgergeld? Alle ausgaben dort im geplanten Rahmen?

              Kein Fakt, kein Argument, nur eine absurde Behauptung.

  • Erwin Gabriel 26. Juni 2024, 12:14

    4) Merz entdeckt seinen inneren Habeck

    Ein Jahr lang führt Merz mit seiner CDU zusammen mit Springer einen Kulturkampf um die Gasheizung, …
    Ist immer wieder praktisch, wenn man das herauszulesen vermag, was man herauslesen möchte.
    Jede Form der Heizung hat Vor- und Nachteile, auch Gasheizungen und Wärmepumpen. Bei letzteren gab es, verursacht durch Regierungsaktivität, eine sehr kundenunfreundliche Preisentwicklung. Aber es gibt keine besonderen technischen Einwände gegen Wärmepumpen, die wurden deshalb auch nicht bekämpft. Bekämpft wurde der ursprüngliche Versuch, Wärmepumpen zwingend vorzuschreiben.

    Ich habe hier schon öfter geschrieben, dass ich die Zielrichtung des „Heizungsgesetzes“ grundsätzlich richtig finde, und das größte Problem hier die Kommunikation war. Diese Kommunikation, die unterschwelligen Drohungen und der implizierte Zwang, die damit einhergingen, waren der Punkt für Widerstände, nicht die grundsätzliche Technologie.

    • Stefan Sasse 26. Juni 2024, 12:33

      Ich bin inhaltlich doch völlig bei dir. Aber beides kann wahr sein: die Kommunikation WAR scheiße, und die CDU führte einen Kulturkampf. Das schließt sich ja nicht aus.

      • Erwin Gabriel 27. Juni 2024, 00:29

        @ Stefan Sasse 26. Juni 2024, 12:33

        Aber beides kann wahr sein: die Kommunikation WAR scheiße, und die CDU führte einen Kulturkampf. Das schließt sich ja nicht aus.

        Oh Mann; weil sich das nicht automatisch ausschließt, ist doch der Kulturkampf nicht wahr. Ich habe nie einen Kampf gegen die Technologie gesehen, sondern nur einen Kampf gegen ein nicht gerade brilliantes Gesetzesvorhaben.

        • Stefan Sasse 27. Juni 2024, 07:38

          Sorry, aber das stimmt doch einfach nicht. Es war ein Kampf gegen die Technologie per se.

          • Tim 27. Juni 2024, 08:13

            Du hast Dich ziemlich verrannt. Wir haben in den vergangenen zwei Jahrzehnten zwei Kämpfe gegen Technologie per se gesehen: gegen Atomkraft und gegen Gentechnik. In beiden Fällen wollten Ideologen die Anwendung von Technologien verbieten (und waren in Deutschland ja leider auch recht erfolgreich damit).

            Niemand wollte hingegen jemals den Einbau von Wärmepumpen verbieten. Wie kommst Du bitte darauf, dass das jemand angestrebt hat? Das ist doch hanebüchen.

          • Thorsten Haupts 27. Juni 2024, 08:48

            Ah, jemand wollte die Technologie weghaben, wie die Kernkraftgegner die Kern kraft? Diese bizarre Behauptung kannst Du bestimmt mit Belegen untermauern, hmmm?

          • Stefan Pietsch 27. Juni 2024, 12:13

            Auch das: Falsch. Habeck wollte nur eine Technologie. Gegen die Technologiegeschränkung kämpfen Konservative und Liberale. Der Staat kann nicht gleichzeitig das Ziel und den Weg mit Maßnahmen vorgeben. Das ist Planwirtschaft.

            • moinz 28. Juni 2024, 11:53

              alle zusammen jetzt:

              T E C H N O L O G I E O F F E N H E I T

              wasserstoffgeschwafel ist genauso hirnrissig, wie das ablenkungsmanöver „technologieoffenheit“ ist genauso hirnrissig wie zertifikatehandel.
              alles fauler budenzauber, wie immer eben.

              • Skythe 29. Juni 2024, 11:49

                Stimme zu.

                Wo kommen denn auf einmal die ganzen rechten Trolle her, die hier in den Kommentaren ihren Geschichtsrevisionismus ausleben?

                Nein, ihr hattet Unrecht bei der Wärmepumpe. Und bei der Kernenergie. Und den Solarzellen. Und der Windkraft.

                Jetzt seid zumindest so anständig und gesteht es ein. Viele Linke haben dafür Putin falsch eingeschätzt.

                • Stefan Pietsch 29. Juni 2024, 12:07

                  Es ist ein Kreuz: Die Wahrheit ist links und die meisten wählen rechts. Deswegen lehnen viele Linke zu recht die Demokratie ab.

                  • moinz 29. Juni 2024, 16:36

                    weißt du wer ganz groß ist im demokratieablehnen?

                    libertäre.

                    libertarismus als begriff allein wurde schon von den linken geklaut. und er hat sich bis heute eigentlich nur in den USA eine wirkliche base. warum? ist eben eine typisch amerikanische hinterhältigkeit, deren eigentliche MO ist, rassismus über die ökonomie wieder stärker zu installieren.

                    warst du nicht so einer, der dieser ideologie zugewandt ist?

                    • Stefan Pietsch 29. Juni 2024, 18:50

                      Ich habe eine These – Linke haben (fast) immer Recht (der Sie wahrscheinlich auch zustimmen) – mit einem Fakt (meistens regieren Konservative und Liberale) verknüpft, woraus eine logische Konsequenz folgt.

                      Sie brauchen nicht abzulenken, wer aus Ihrer Sicht angeblich undemokratisch ist (Votum der Mehrheit ablehnen), wir bleiben ausschließlich bei der These und der Konsequenz daraus. Das übrigens nennt sich Debatte.

                    • moinz 30. Juni 2024, 02:30

                      logische konsequenz eines gedankenspielchens, vs realität der libertären positionen.
                      interessant in bezug zu dir, weil du den vorwurf der demokratieablehnung gebracht hast, solltest du der ideologie selbst nahe stehen, weil man das glaube ich ‚heuchelei‘ nennt?

                      ist gar nicht so schwer, oder?

                      apropos, lass mal diktaturen zählen,

                    • Stefan Pietsch 30. Juni 2024, 07:29

                      Sie wollen nicht debattieren, nur dafür bin ich aber hier. Also Ende.

                    • Stefan Sasse 30. Juni 2024, 18:37

                      Leute, meint ihr wirklich, der Blödsinn führt zu irgendwas Konstruktivem?

                  • Stefan Sasse 30. Juni 2024, 18:37

                    Gott ist das ein dummes Geschwätz.

                • Thorsten Haupts 29. Juni 2024, 16:38

                  Nein, ihr hattet Unrecht bei der Wärmepumpe. Und bei der Kernenergie.

                  Die im Westen verbreitete Ablehnung der Kernenergie hat mehr zum Klimawandel beigetragen, als alle anderen Entwicklungen zusammen. F.J. Strauss hat das in den achtzigern hellsichtig vorhergesagt.

                  Gruss,
                  Thorsten Haupts

      • Tim 27. Juni 2024, 08:08

        die Kommunikation WAR scheiße

        Warum wird immer so getan, als müsse man nur „die Kommunikation“ ändern und schon würde alles gut? Das ganze Vorhaben war Mist. Vor allem, da ab 2027 Heizemissionen ohnehin unter das EU-ETS fallen. Man braucht keine zusätzlichen nationalen Vorgaben, vor allem keine mit Pflichten.

        Ich weiß, wir haben über 20 Jahren maximal ineffiziente Energiewende hinter uns, aber wir sollten nicht so tun, als sei das eine Tugend. Es ist Verschwendung und es gibt keinen Grund, die Verschwendung jetzt noch immer weiter auszubauen.

        • Stefan Sasse 27. Juni 2024, 08:59

          Ich tue überhaupt nicht so. Aber die Kommunikation WAR scheiße, selbst wenn man für das Unterfangen ist!

  • cimourdain 26. Juni 2024, 14:23

    1) Kulturkämpfe gehen weniger allgemein zwischen Lagern sondern vor allem zwischen „radikalen“ der einen Seite und „gemäßigten“ der anderen. In der Praxis hat so die AfD ihren Beef mit den Grünen und die CDU den ihren mit der Linken.

    3) Vorsicht: Hier redet Fichtner von etwas anderem als Tooze: Er spricht nur von der wachsenden produzierten Menge an regenerativer Energie. Was aber nötig ist, ist eine Reduzierung der produzierten fossilen Energie. China ist ein gutes Beispiel: Die regenerativen Energien sind da in den letzten Jahren rasend schnell gestiegen, aber die Kohlekraftwerke laufen ja immer noch weiter.

    4) Was soll Merz anderes sagen bei der Eröffnung einer Wärmepumpen-Akademie der Firma Enpal? Zyniker könnten auch noch fragen wie viel Geld Blackrock wohl in diese Firma gesteckt hat. Merz in persona hat jedenfalls nicht diesen massiven Kulturkampf betrieben wie ein gewisser bayerischer Ministerpräsident. Und natürlich wird er jetzt aktuell, wo von der Leyen grüne Stimmen für die Wiederwahl möchte, nicht zu laut querschießen.

    c) Apropos Statistikmissbrauch: Herr Pietsch hat im letzten Vermischten die Kostenexplosion Bürgergeld mit folgenden Zahlen belegt: „Belief sich der ursprüngliche Haushaltsansatz für das laufende Jahr auf 27 Milliarden Euro, so werden derzeit 46 Milliarden Euro veranschlagt.“ Ich habe mir die Zahlen angesehen. Der Haushaltsansatz für die BA in 2024 beläuft sich auf 37 Milliarden (einfacher Schreib/Lesefehler). Und die Prognose 46,8 Milliarden beruht auf einfachem Fortschreiben der Werte für die Monate Januar und Februar (gesamt 7,8 Milliarden). Dass die Ausgaben diesen beiden Wintermonaten strukturell höher sind (Heizkostenabrechnung) wurd nicht berücksichtigt. Der Haushaltsansatz war zwar zu optimistisch (Die Vorjahreswerte waren bei über 40 Milliarden), aber die Kostenexplosion ist Alarmismus.

    • Stefan Sasse 26. Juni 2024, 18:57

      1) Wie meinen=

      3) Ah, das erklärt das, danke!

      4) Schon, aber das akzeptiert man bei der CDU halt viel mehr als in anderen Parteien.

      c) Danke. War das dann quasi Absicht Lindners, um den Haushalt politisch angreifen zu können?

      • cimourdain 27. Juni 2024, 09:11

        1. CDU, SPD, Grüne, FDP müssen sich untereinander koalitionsfähig halten. Deshalb keine so intensive Kulturkämpfe.

        4. Merz wäre mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn er nicht seinen Wahlkampf voll auf „Wirtschaft“ ausrichtet. Das heißt, er wird überall auftreten, wo Geld verdient wird – auch wenn dort queere Flüchtlinge vegane Windkraftanlagen herstellen.

        c) Nein, Lindner war da Getriebener, siehe meine Antwort an Herrn Pietsch (Nummer 1) unten.

        • Stefan Sasse 27. Juni 2024, 09:55

          1) Das wäre wünschenswert, aber die intensivsten finden ja gerade unter denen statt.

          4) Aktuell machen sie volle Kanone auf Kulturkampf.

          c) thx

          • Thorsten Haupts 29. Juni 2024, 16:41

            Die Bundes-CDU macht voll auf Kulturkampf? Jetzt mal Butter bei die Fische – welche Entwicklungen, die in Deutschland heute kultureller oder gesetzlicher Standard sind, will die CDU auf Bundesebene zurückdrehen? Gespannt (und vermutlich wieder vergeblich) wartend,

            Gruss,
            Thorsten Haupts

    • Stefan Pietsch 26. Juni 2024, 19:20

      Das ist richtig. Ich hatte die Zahlen von der Focus-Seite (Ulrich Reitz). Gestern Abend habe ich nachgelesen. Im Internet auf der Seite Des BMF wird der Haushaltsansatz mit 27 Milliarden Euro angegeben. Die publizierten GesamtAusgaben werden auf 46 Milliarden aus den ersten beiden Monaten hochgerechnet. Das kommt von Haushältern der Union. Der Unterschiedsbetrag setzt sich aus 9 Milliarden Euro Mehrkosten und Verwaltungskosten zusammen, was mir nicht klar war, als ich den Kommentar schrieb. Sorry dafür

      Nur muss mehrere erwähnt werden:

      1. Bereits im letzten Jahr musste der ursprüngliche Haushaltsansatz im Nachtragshaushalt um 4 Milliarden Euro nach oben korrigiert werden. Das wäre zu berücksichtigen, um die ungeplanten Mehrkosten zu verstehen.

      2. Die Anzahl der Bürgergeldempfänger bleibt über die Jahre mit 5,5 Millionen sehr konstant, verändert sich aber deutlich in der ethnischen Zusammensetzung und reduziert sich trotz stark gestiegener Erwerbstätigkeit nicht.

      3. Die Ausgabensteigerungen sind höher als die Wachstumsraten der Pro-Kopf-Einkommen.

      • cimourdain 27. Juni 2024, 08:56

        Ihre Zahlen sind in allen drei Punkten korrekt, ich sehe da aber ein anderes Erklärungsmuster:

        1. Der Haushalt 2023 wurde in allen Ressorts mit einer gewissen „Zwecknaivität“ schöngerechnet, damit er als schuldenbremsenkonform durchgehen konnte. Sie erinnern sich, wieviel Hin und Her es da gab.

        2. Das ist eine gute Nachricht, weil das indiziert, dass „verfestigte“ Langzeitarbeitslosigkeit nicht mehr so ein Problem ist wie in den 00ern. Sie können das Bürgergeld als „Durchlauf“ betrachten , wo Flüchtlinge landen, wenn sie aus dem Rechtskreis Asylbewerberleistungsgesetz mit Beschäftigungsverbot herauskommen, und nach einer Zeit mit Berufsqualifizierung o.ä. in ein Arbeitsverhältnis kommen.

        3. Die Leistung Bürgergeld richtet sich wie davor das ALG II nach den Pro-Kopf-Ausgaben des unteren Quintils der „Restbevölkerung“. Durch die Mindestlohnentwicklung sind diese überproportional gestiegen.

        • Detlef Schulze 27. Juni 2024, 11:11

          2. Das ist eine gute Nachricht, weil das indiziert, dass „verfestigte“ Langzeitarbeitslosigkeit nicht mehr so ein Problem ist wie in den 00ern.

          Schönes Beispiel dafür, dass man solche Statistiken so interpretieren, wie es ideologisch passt. Wenn verhältnismäßig viele Migranten (oder Bürger mit Migrationshintergrund) Bürgergeld bekommen, dann belasten sie die Sozialkassen. Wenn Migranten hingegen besonders leicht Arbeit finden würden, dann würde es wieder heissen, die nehmen den Deutschen die Arbeit weg (top Argument aus den 90ern).

          • Detlef Schulze 27. Juni 2024, 11:40

            @cimourdain
            Nachtrag: Mein Beitrag sollte nicht als Kritik verstanden werden. In der Tat, man kann die Zahl genauso interpretieren, wie Sie das tun. Ich finde es nur immer wieder interessant, wie unterschiedlich man Statistiken einordnen und welche unterschiedlichen Schlüsse man daraus ziehen kann.

          • Stefan Pietsch 27. Juni 2024, 11:56

            Ich war im Frühjahr in Kapstadt, Südafrika. Der Taxifahrer, der uns zum Flughafen berichtete, wie die Zuwanderer aus den Nachbarländern die sozialen Spannungen verschärfen würden, da sie den Inländern die Arbeitsplätze wegnehmen. Es müsste eine Priorisierung von Südafrikanern geben. Schwarze sind auch Rassisten. 🙂

            Der Fakt ist, dass die Migration der vergangenen zehn Jahre die Sozialkassen enorm belastet. Das lässt sich nicht wegdiskutieren. Außerdem sollte man den Namen ändern, er ist Etikettenschwindel.

        • Stefan Pietsch 27. Juni 2024, 11:52

          ad 1.: Benötigt die Exekutive bei der Ausführung ihrer Aufgaben mehr Mittel als im Haushalt vom Parlament bereitgestellt wurden, so muss die Regierung einen Nachtragshaushalt stellen. Auch dieser muss den verfassungsrechtlichen Erfordernissen genügen.

          Tricksen beim Entwurf bringt also nichts. Deswegen machen Haushälter das auch nicht. Anders war dies bei der alten Regelung, wo von den Finanzministern „globale Minderausgaben“ eingestellt wurden.

          ad 2.: Die stabile Zahl von 5,5 Millionen Bürgergeldempfängern gibt über die Zusammensetzung keine Auskunft. Diese Zahl setzt sich aus Erwerbsfähigen sowie Kindern und anderen nicht-erwerbsfähigen Personen zusammen. Und ein 50jähriger, der 2005 in Hartz-IV-Bezug rutschte, erhält heute Rente, ohne wieder eine Erwerbsarbeit aufgenommen zu haben. Sein „Platz“ in der Statistik wird von einem 25jährigen Syer mit Familie übernommen, der noch nie gearbeitet hat.

          Auskunftsfreudiger sind die OECD-Statistiken und die Bundesagentur für Arbeit. In der zweiten Hälfte der Nullerjahre sank aufgrund der Arbeitsmarktreformen die Langzeitarbeitslosigkeit (>1 Jahr) spürbar, doch seitdem sind kaum noch Erfolge zu verzeichnen. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland weiterhin im Spitzenbereich der Langzeitarbeitslosigkeit, obwohl in den letzten 20 Jahren kaum ein anderes Land einen solchen Zuwachs an Erwerbstätigkeit erlebte. Das heißt, wir haben Langzeitarbeitslosigkeit importiert.

          Auch die Segmente – länger als 5, als 10 Jahre, noch nie gearbeitet -sind besonders hoch. Spitz formuliert: Die Deutschen arbeiten, die Zuwanderer kassieren das Geld.

          Hier zeigt sich übrigens, wie weit sich die SPD und die gesamte Linke in den 20 Jahren von ihren Grundsätzen entfernt hat. Kritisierte man einstmals an den Arbeitsmarktreformen, dass Bürger, die lange gearbeitet haben mit solchen gleichgesetzt wurden, die noch nie in die Sozialsysteme eingezahlt haben, ist die Gleichsetzung heute kein Problem mehr. Für die Bevölkerung macht es aber sehr wohl einen Unterschied.

          ad 3.: Dann dürfte sich der Abstand zu den unteren Einkommensgruppen aber nicht verringert haben. Hat er aber.

          • cimourdain 27. Juni 2024, 13:28

            1) Stichwort Zeit gewinnen. Das Thema war zu dem Zeitpunkt „Heiss“, die Öffentlichkeit hat darauf geschaut. Wenn ein Nachtraghaushalt gekippt und dann irgendwie während eines Sportereignisses hingedeichselt wird, wenn niemand hinsieht, ist das ein politischer Gewinn.

            2)Danke für die Info, muss ich mir im Detail ansehen. Wir sind uns auf jeden Fall schon mal einig, dass verfestigte Langzeitarbeitslosigkeit (ungeachtet der Herkunft des Betroffenen) das ernsthafteste Teilproblem in diesem Komplex ist.

            3) Der Unterschied zwischen „Richtet sich nach“ und „geht 1:1 mit“. Da ist viel Zahlenmelkerei in dem Berechnungsverfahren.

            • Stefan Pietsch 27. Juni 2024, 13:37

              ad 1.: Ihre These funktioniert aus zwei Gründen nicht. Zum einen wäre es der politische Tod der Liberalen, zum anderen würde die Union, die das ja im Parlament mitbekommt, dagegen vor dem Bundesverfassungsgericht klagen. Das haben ihre Haushälter Ende 2023 klargemacht. Damals verzichtete man auf eine aussichtsreiche Klage gegen den Haushalt 2023 um den Staat nicht noch mehr in die Bredoillie zu bringen. Ansonsten sind die Unterschiede in der Position zwischen Union und FDP nur in Nuancen messbar.

              ad 2.: Wir sind uns einig. Das Problem ist nicht, wenn jemand statt 9 Monaten 23 Monate arbeitslos ist (obwohl dies seine Chancen und Gehaltsmöglichkeiten beschädigt), aber so ist es leider nicht.

  • Thorsten Haupts 26. Juni 2024, 16:01

    Zu 1)

    Ich finde Deine Position hier regelrecht albern. Kulturkämpfe können nur von denen angezettelt werden, die Kultur verändern wollen. Was Du der CDU übel nimmst, ist deren aufgrund der Erfolge von Rechtspopulisten und Rechtsradikalen sowie deutlicher Bevölkerungsmehrheiten härterer Widerstand gegen weitere Kulturveränderungen.

    Du hast dich halt, wie die meisten Linken und Linksliberalen, daran gewöhnt, dass die Union weitgehend widerstandslos einknickt. Jetzt tut sie das auf einmal nicht mehr – und Du rufst „Kulturkampf“? Nope, die Union hat exakt keinen angezettelt (anders als die Rechten der USA mit z.B. dem Abtreibungsthema), aber sie wehrt sich sichtbarer und härter als seit den achtzigern gewohnt gegen Gendersternchen, Trans-Ideologie und andere linke Kulturangriffe.

    Die Kulturkämpfe werden in Deutschland noch immer weitgehend von links angezettelt. Sie werden nur nicht mehr automatisch gewonnen. Und das ist die Default-Erwartung der gesammelten Linken.

    Gruss,
    Thorsten Haupts

    • Stefan Sasse 26. Juni 2024, 18:55

      Überhaupt nicht. Der titelgebende Kulturkampf wurde von Bismarck angezettelt. Was wollte der genau verändern? Oder das Zentrum? Du definierst den BEgriff einfach nur so, dass er ausschließlich auf deine politischen Gegner passt. Das ist natürlich wohlfeil.

      • Thorsten Haupts 26. Juni 2024, 22:19

        Der Nachweis wäre ja super einfach zu führen (ich akzeptiere Bismarck): Welche politischen Vorstösse hat die CDU/CSU in den vergangenen 2 Jahrzehnten unternommen, um bestehendes deutlich zu verändern? Also, wo hat sie einen Kulturkampf angezettelt (Bismarck, da sind wir uns wohl einig, liegt doch schon a weng zurück)?

        • Stefan Sasse 27. Juni 2024, 07:36

          Das ist doch mein Punkt: ich muss nichts Bestehendes deutlich verändern wollen, um einen Kulturkampf anzuzetteln!

          • Stefan Pietsch 27. Juni 2024, 07:49

            Du verstehst den Begriff tautologisch und das ist nicht zulässig. Wenn eine akademische Minderheit versucht, die Sprache ohne jeden Rückhalt in ihrem Sinne zu ändern und gleichzeitig Tabubegriffe durchzusetzen, ohne für beides eine Mehrheit gewinnen zu können, ist das ein Kulturkampf. Wenn sich die Mehrheit dagegen wehrt und die bisherige Sprache beibehalten will, führt sie deswegen doch keinen Kulturkampf! Sie verweigert diese Auseinandersetzung, weil es ist entschieden.

          • Tim 27. Juni 2024, 08:17

            @ Stefan Sasse

            Also ist alles Kulturkampf?

          • Thorsten Haupts 27. Juni 2024, 08:46

            Aha. Wie zettelst Du ihn sonst an, bitte?

  • Thorsten Haupts 26. Juni 2024, 16:04

    Zu 2)

    Wenn gemässigt Linke wie gemässigt Rechte nicht in nächster Zeit wirkungsvolle Schritte übernehmen, tut das eben irgendwann z.B. ein Zweckbündnis von AfD und BSW. Ich bin eher erstaunt, wie lange und mit welcher Geduld die Bevölkerung bisher eine Politik hingenommen hat, die sie mit grosser Mehrheit ablehnt – aber der Krug geht eben nur solange zum Brunnen, bis er bricht. Bei Beschwerden über Kosten und Nebenwirkungen an die eigene Nase fassen, bitte.

    Gruss,
    Thorsten Haupts

  • Thorsten Haupts 26. Juni 2024, 16:10

    Zu c)

    Überzeugt mich nicht, sorry. Langzeitkranke, frühzeitige Rentner und Familienfürsorger sind Gruppen, bei denen man politisch durchaus dafür sorgen könnte, dass sie in grösserer Zahl bezahlte Arbeit annehmen.

    Abgesehen davon – wo genau ist hier der statistische Missbrauch, bitte? Nur weil jemanden die zusammengefassten, verlautbarten, Gründe für keine bezahlte Arbeit für überzeugend hält, betreibt jemand anderer Auffassung deshalb noch lange keinen Statistikmissbrauch.

    Gruss,
    Thorsten Haupts

  • Thorsten Haupts 26. Juni 2024, 16:16

    Zu d)

    Der beliebig häufige, jährlich widerholbare und in beide Richtungen gehende Geschlechtswechsel per einfacher Erklärung ist an keinen medizinischen oder psychologischen Befund und keine anderen Voraussetzungen gebunden. Hat aber ziemlich heftige Rechtsfolgen. Und das muss man weder gut finden noch unterstützen, das hat mit Kulturkämpfen null, null etwas zu tun.

    Hinzu kommt – Voigt kündigt ja nicht mal an, das zurückzudrehen. Er sieht nur andere Schwerpunkte. Was Stefan S. so für Kulturkampf hält. Zeit für einige US-amerikanische Importe …

    Gruss,
    Thorsten Haupts

    • Stefan Sasse 26. Juni 2024, 18:54

      Das zu „Lifestyle“ zu degradieren ist, was ich kritisiere. Und zwar zurecht.

      • Thorsten Haupts 26. Juni 2024, 22:20

        Nö, in der verabschiedeten Form ist es genau das.

  • Stefan Pietsch 26. Juni 2024, 18:25

    1) Das Schisma der CDU

    Thorsten Haupts hat es schon ausgeführt: Es waren die Linken und die Grünen, die beim Gendern, bei Queer- und Transrechten, beim Staatsbürgerschaftsrecht den Kulturkampf ausgerufen haben – gegen eine große Mehrheit der Bevölkerung und ohne dass es ein erkennbares Problem gegeben hätte.

    • Stefan Sasse 26. Juni 2024, 18:52

      Schuld sind immer die anderen.

      • Stefan Pietsch 26. Juni 2024, 18:57

        Dann führe das doch bitte irgendwann irgendwo aus. Dies Pauschalität bringt gar nichts.

      • Dennis 26. Juni 2024, 20:51

        Bei der Gelegenheit stellt sich mir die Frage: Was spricht eigentlich gegen Kulturkämpfe ?

        In einer Demokratie wäre es doch ziemlich komisch, wenn es das nicht gäbe. Und vordemokratisch gab es das selbstverständlich auch, man denke nur an den, der im späten 19. auch offiziell so hieß. Ähm….warum gibt’s eigentlich überhaupt Katholen und Evangelen ? Letztere könnte man ja unter Wokies des 16. Jahrhunderts abbuchen^.

        Interessiert heut nitt mehr so richtig, auch nicht, dass in den 50ern/60ern noch heftigste Kulturkämpfe um Konfessionsschulen inkl. Koalitionskräche in den Bundesländern gab, in dieser Sache gerne mit der kulturellen Schlachtordnung FDP versus Union.

        Nach Jahr und Tag werden frühere Kulturkämpfe, auch die blutigen, nur noch belächelt bzw. nicht verstanden. Das wird heutigen Kämpfen auch mal so gehen. Aber gekämpft wird halt immer. Historisch bilanzierend kann man wahrscheinlich sagen, dass das Festhalten am altertümlich Hergebrachten zumeist nicht das Ergebnis ist, aber das ist ein weites Feld und ob das „gut“ ist wäre auch noch ’ne andere Frage.

        • Thorsten Haupts 26. Juni 2024, 22:27

          Bei der Gelegenheit stellt sich mir die Frage: Was spricht eigentlich gegen Kulturkämpfe ?

          Bin ganz Ihrer Auffassung. Nur die Linken greinen darüber, weil sie diese neuerdings zu verlieren befürchten 🙂 . Menschlich normal.

          Gruss,
          Thorsten Haupts

        • Stefan Sasse 27. Juni 2024, 07:36

          Gar nichts. Ich finde nur die Behauptung lächerlich, dass nur eine Seite sie machte.

        • cimourdain 27. Juni 2024, 09:19

          „Evangelen […] könnte man ja unter Wokies des 16. Jahrhunderts abbuchen^.“ au contraire: Der Protestantismus war eine hochreaktionäre Gegenbewegung zu einer Anpassung der katholischen Kirche an die Lebenswirklichkeit, die zu mehr Toleranz (wenn der Sünder sie sich leisten konnte) geführt hatte.

          • Stefan Sasse 27. Juni 2024, 09:56

            Belegt eigentlich auch nur meine These: man kann das bei jedem beliebigen Thema unterschiedlich drehen. Sind es die Protestanten, die eine radikale Veränderung wollen? Oder bewahren die nur den Status Quo gegen den Zeitgeist der Katholiken?

            • Tim 27. Juni 2024, 10:06

              Bin ich der einzige, der es störend findend, wenn Begriffe dauernd entkernt werden, so dass sie alles und nichts aussagen?

              Ich bin wahrlich kein Theologe, aber Luther war nun mal ein erzreaktionärer Radikaler, der zurück zur urchristlichen Gemeinde wollte. Er würde uns heute eher an iranische Mullahs erinnern als an unsere Wokies.

              • Stefan Sasse 27. Juni 2024, 12:21

                Auf was beziehst du dich genau? Ich würde Luther nie Woke nennen.

                • Tim 27. Juni 2024, 12:58

                  Cimourdain schrieb:
                  „Der Protestantismus war eine hochreaktionäre Gegenbewegung“

                  Deine Reaktion:
                  „man kann das bei jedem beliebigen Thema unterschiedlich drehen“

                  Nein. Kann man nicht.

                • Dennis 27. Juni 2024, 14:11

                  Der Luther steht ja auch nicht für die ganze Reformation. Was mich betrifft, hab ich ja oben von den „Evangelen“ gesprochen; okay, den „evangelischen Christen“ muss es natürlich heißen .

                  Ich sach mal so: Der Müntzer war woke^. Sprich: „Innerreformatorisch“ kann von Einheitlichkeit keine Rede sein. Man pflegte sich – wie das immer so ist – die Köppe einzuschlagen, mindestens rhetorisch. Die Täufer kann man sich auch noch angucken. Die hießen (Fremdbezeichnung!) Wiedertäufer, was pejorativ gedacht war.

                  Aber der Luther hat immerhin das ganze Durcheinander wesentlich angeregt (gleichwohl natürlich nicht der einzige) und das Woke hochgezogen, obwohl selber wohl eher unwoke.

                  Allerdings geht Luthers „Priestertum aller Gläubigen“ („Jeder Christ wird durch die Taufe zum Priester geweiht.“) dann doch schon signifikant in Richtung Wokismus^. Eine grundlegend neue Sicht auf wesentliche Dinge; „Erweckung“ trifft das ja ganz gut, deswegen ist „woke avant la lettre“ vielleicht gar nicht mal sooooo albern wie auf dem ersten Blick. Natürlich interessiert das Priestertum aller Gläubigen heut keine Sau mehr, indes damals eine erschütternde Ungeheuerlichkeit.

                  Janusköpfig passt vielleicht ganz gut zu Luther, IMHO.

                  Charly Marx hat sich ja auch mit Luther beschäftigt, in der Essenz ungefähr so: In gewisser Weise reaktionär, aber – eher ungewollt – doch deutlich emanzipatorisch für den „Fortschritt“ im weiteren geschichtlichen Verlauf.

                  Führt natürlich am Ende des Tages zu der Frage: Wer oder was ist jetzt eigentlich der die das Gute oder der die das Fortschrittliche ? Weiß ich auch nicht 🙁

                  Und @ cimo/Tim : Klar kann man das unterschiedlich drehen. Wir reden hier nicht über empirische Befunde.

                  • cimourdain 27. Juni 2024, 14:43

                    Dann möchte ich dir eine ganz andere Denkrichtung liefern: Die Reformation ist eigentlich nur ein Gelehrtenstreit zwischen zwei wissenschaftlichen (Theologie war damals Leitwissenschaft) Denkschulen. Erst durch die politische (Fürstenaufstand gegen Karl V) Aufladung kam der „Identitätsaspekt“ dazu, sonst hätte sich kein Schwein für den „Laienkelch“ interessiert.

                    Zurück in die jüngste Vergangenheit: Die Coronadiskussion hätte auch eigentlich ein Gelehrtenstreit bleiben können. Auch da ist nicht offensichtlich welches die „Woke“ und welches die „reaktionäre“ Seite ist. Erst durch das (identitäts)politisch aufgeladene „Bist du für oder gegen uns“ wurde daraus ein komplett irrationaler Mist.

                  • cimourdain 27. Juni 2024, 15:56

                    Nachtrag zum ‚woken‘ Müntzer:
                    Der Mann war mystischer Esoteriker und politisch Hardcore-Sozialist (bestes modernes Matching wäre vielleicht Juan Posadas 😉 ). Die „Woken“ wären mit ihm unglücklich.
                    Und schau dir die modernen Täufergemeinden an: Mennoniten und Amish. Wenn du es schaffst, diese ohne lachen zu müssen als „Woke“ zu bezeichnen, zieh ich meinen Hut.

                    • Dennis 28. Juni 2024, 07:44

                      Zitat:
                      „Wenn du es schaffst, diese ohne lachen zu müssen als „Woke“ zu bezeichnen, zieh ich meinen Hut.“

                      Klar schaff ich das^^. Einfach nicht die Epochen vermischen. Im Gestern hängen gebliebene nostalgische Erben bezüglich der heutigen Umgebung ist nicht das Thema, sondern die Vorfahren der Erben im damals aktuellem Gestern bezüglich deren damals aktueller Umgebung. „Avant-la-lettre“ heißt ja immer: „Sinngemäß und unter Bezugnahme auf die früheren Umstände der früheren Beteiligten“. Leute, die sich heutzutage in der Erbfolge wähnen, sind was anderes.

                      Zitat:
                      „Erst durch die politische (Fürstenaufstand gegen Karl V) Aufladung kam der „Identitätsaspekt“ dazu, “

                      Oh, de Sache mit der „Identität“ wird bereits mit den Religions- und Kultusfragen selbst getriggert, und zwar IMHO heftig und namentlich auch bei breiten Schichten, damals wesentlich die Bauern. Ist heute natürlich anders. Der Laienkelch und dgl. eher ne Lachnummer. Bibelinterpretation lediglich ein komisches Hobby von Stubenhockern, das draußen keiner ernst nimmt ? Das ist die heutige Sicht, aber das war mal anders.

                    • cimourdain 28. Juni 2024, 10:37

                      Das „Im Gestern hängengeblieben sein der heutigen Erben“ ist doch bereits in einem der Kerngedanken der lutheranischen Reformation angelegt, dem „Sola scriptura“. Dieser Originalismus bremst (konsequent gedacht) Entwicklungen jenseits der biblischen Vorstellungswelt wie Traktoren, Coladosen oder Evolutionslehre aus.

                      Die Bauernbewegung ging der Reformation voraus (Bundschuh). Aber auch für sie war das „sola scriptura“ der perfekte rhetorische Hebel: „Zeigt uns doch, wo unsere Forderungen der Bibel widersprechen“ steht immer wieder in den Forderungskatalogen.

                  • Stefan Sasse 28. Juni 2024, 13:54

                    Gar nicht meine Expertise, ich beuge mich eurem Urteil.

              • cimourdain 27. Juni 2024, 12:30

                offensichtlich nicht der einzige, siehe oben.

            • Thorsten Haupts 27. Juni 2024, 14:37

              Sorry Stefan, aber das stimmt einfach nicht. Egal, was die Evangelen zu der Zeit wollten (und wohin), sie haben durch ihre öffentliche Position die damals bestehende Ordnung in Frage gestellt und den Kulturkampf AUSGELÖST.

              Daran ändert auch Deine Sophisterei … man kann das bei jedem beliebigen Thema unterschiedlich drehen … absolut nichts. Kulturkämpfe auslösen kann nur, wer eine bestehende Ordnung in Frage stellt, sonst niemand. Weshalb die CDU/CSU niemals Kulturkämpfe losgetreten hat. Auf den Gegenbeleg warte ich noch immer sehr gespannt, hast Du da irgendein Argument?

              Gruss,
              Thorsten Haupts

  • Stefan Pietsch 26. Juni 2024, 18:32

    2) Absurd teure Scheinlösungen

    Das Grundrecht auf Asyl ist von schlichter Schönheit: Politisch Verfolgte genießen Asyl. Das versteht jeder und jeder hat ein festes Verständnis von politischer Verfolgung.

    Und dann der Satz, der alles zerstört:
    Die rechtliche Lage ist wahnsinnig kompliziert

    Wer gezwungen ist, so einen Satz zu schreiben, muss anfügen: Die Schönheit der Einfachheit des Rechts wurde völlig zerstört. Er wurde durch millionenfache Versuche Unberechtigter angegriffen. Aber zerstört wurde es von den Linken, die jahrzehntelang versucht haben, das Recht zu unterhöhlen um Menschen ein Aufenthaltsrecht zu verschaffen, die im eigentlichen Sinne des Rechts keines haben.

    Das ist einfach traurig.

    • Stefan Sasse 26. Juni 2024, 18:52

      Ja, denn nichts ist so eindeutig wie „politisch verfolgt“. Quasi eine wasserdichte Kategorie…

      • Stefan Pietsch 26. Juni 2024, 19:01

        Es gibt juristisch wenig Abgrenzungsprobleme. Das zeigt sich darin, dass seit Jahrzehnten das Gros der Anträge abgelehnt wird. Es gibt eben in der Realität ziemlich selten politische Verfolgung. Und dennoch haben wir Millionen Armutsmigranten hier.

  • Stefan Pietsch 26. Juni 2024, 18:34

    3) Der Kampf für saubere Energie ist erfolgreicher, als viele denken

    Die Botschaft ist auch umkehrt lesbar: Die Kohleverstromung wächst. Tatsächlich nützt es dem Klima gar nichts, wenn sich Anteile verschieben. Es zählt allein die absolute Menge an Emissionen, die in die Atmosphäre gelangen. Aber das werden Aktivisten in diesem Leben nicht mehr verstehen.

    • CitizenK 27. Juni 2024, 07:42

      Aber ohne die Steigerung der Erneuerbaren – bei steigendem Energieverbrauch – würde auch die absolute Menge an Emissionen zunehmen. Weil dieser Teil dann fossil erzeugt.

      • Stefan Pietsch 27. Juni 2024, 08:02

        Der Satz ist auch richtig bei „ohne Atomstrom“. Oder „ohne moderne Kohlekraftwerke“.

        Vor allem wird mit zweierlei Maß gemessen. Das führt weder zum Ziel noch schafft es Fairness. Der eigentliche Vertrag, das Pariser Klimaabkommen, sieht erst Ende des Jahrhunderts den Weg in die emissionsfreie Welt. Die EU wollte das für Ihre Mitgliedsländer bereits 2050 erreichen. Deutschland bietet mit 2045 nochmal mehr. Wem dient diese einseitige Unterbietung, wenn allein Chinas Zuwachs binnen einen halben Jahres so viel ausmacht wie Deutschland gesamt emittiert?

        Es kostet Deutschland einen mehrfachen Billionenbetrag, dieses Ziel zu erreichen ohne damit irgendetwas zu gewinnen.

        Sie freuen sich, wenn bei China und Indien die Zuwächse durch Ausbau der Erneuerbaren geringer ausfallen. Für Deutschland fordern Sie einen rabiaten Rückgang auf Null. Das sind unterschiedliche Maßstäbe.

        • CitizenK 29. Juni 2024, 11:13

          Fordere ich nicht.

          • Stefan Pietsch 29. Juni 2024, 11:16

            Sie fordern nicht, dass Deutschland in den nächsten 15 Jahren klimaneutral werden soll? Dann habe ich Sie lange missverstanden.

            • CitizenK 30. Juni 2024, 07:58

              Ich akzeptiere die Tatsache, dass CO2-Reduktion eine globale Aufgabe ist. Dass sehr teuer erkaufte Winz-Beiträge in Deutschland nicht DIE Lösung sind.
              Ich sehe aber auch, dass Steuergeld in den globalen Süden zu schicken politisch nicht vermittelbar ist. Stichwort: Radwege in Peru und deren politische Instrumentalisierung . (Keine Ahnung, was es damit wirklich auf sich hat.)
              Trotzdem: Der Ausbau der Erneuerbaren ist der wichtigste Hebel. Sie haben das mMn kleingeredet. Dagegen habe ich argumentiert.
              Apropos CCS, Ihr Lieblingsthema ist ja derzeit en vogue. Bis hin zur Diskussion, dass aus der Limonade ja wieder in die Atmosphäre gelangt. Sind Sie als Ökonom wirklich für diese teuere Variante? Müllbeseitigung statt Müllvermeidung?

              • Stefan Pietsch 30. Juni 2024, 10:45

                Deutschland betreibt eine Entwicklungspolitik wie vor fünfzig Jahren. Doch das Konzept, Schenkungen an meist Diktaturen und Autokratien zu überbringen, ist längst an ihr Ende gekommen. Im Gefälle zwischen wohlhabenden Nationen, Schwellenländern und Staaten der früher so genannten dritten Welt hat sich ein Austauschverhältnis etabliert. Und Peru ist übrigens kein Entwicklungsland, das aus Hilfsgelder von Big Spendern angewiesen wäre.

                Die Bürger wissen das, während die Politik sich weigert, es zur Kenntnis zu nehmen.

                Der Ausbau der Erneuerbaren ist der wichtigste Hebel. Sie haben das mMn kleingeredet.

                Schauen Sie sich die Fakten an: Der Energiesektor trägt im Schnitt 40-45 Prozent zu den Emissionen eines Landes bei. 60 Prozent der Emissionen kommen also anderswo her. Länder wie Deutschland importieren einen Großteil ihres Energiebedarfs. Politische Parteien wie die Grünen haben zusammen mit Lobbyverbänden die (optimistischen) Obergrenzen gezogen: 2 Prozent der Landesfläche sollen in Summe 80 Prozent des Strombedarfs aus regenerativen Energieträgern sicherstellen.

                Das ist das interessengeleitete, optimistische Szenario, nachdem wir es schaffen könnten, 80 Prozent der 42 Prozent der Stromerzeugung emissionsfrei zu bekommen. Da bleiben Lücken so groß wie Krater.

                Fazit: Erneuerbare Energieträger sind ein wichtiger Baustein einer emissionsfreien Zukunft, aber nur eine von einer Reihe wichtiger Strategien. In Deutschland nehmen wir diese Fakten leider nicht zur Kenntnis.

                Es ist ein historischer Fakt der Ökonomie, dass bei Veränderung von (Produktions-) Prozessen erst der Output verändert wird. Das führt ggf. zu höheren Ausschussquoten. In der Folge werden die Produktionsprozesse angepasst. Aber Sie werden aufgrund von Lernkurven angepasst. Sie wollen das Lernen umgehen. Haben Sie tatsächlich im Leben mal etwas aus dem Stand professionell erledigen können, ohne zuvor gelernt zu haben? Ich halte das für unmöglich. Ich habe gerade ein paar neue private Projekte für mich angestoßen. Es ist unmöglich, professionell zu werden, ohne zuvor zahlreiche Fehler gemacht und aus diesen gelernt zu haben. Unsere Großeltern haben das in Lebensweisheiten gepackt: Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.

                Ausschuss und Fehler sind notwendige Bedingungen auf dem Weg zum Erfolg. Die Marktwirtschaft ist hier ein ständiger Trial & Error-Prozess.

                Prognoseinstitute sowie das IPCC kommen zu dem einhelligen Schluss, dass es auf absehbare Zeit nicht möglich sein wird, sämtliche Produktionsprozesse klimaneutral zu gestalten. Emissionen sind weiterhin unvermeidlich. Die Schätzungen gehen auf 5-7 Prozent des heutigen CO2-Ausstosses, mithin 2-3 Milliarden Tonnen und damit ein Mehrfaches der Größenordnung Deutschlands.

                Was ist Ihre Antwort darauf? Bisher keine.

                Klimalobbyisten haben das sogenannte CO2-Budget entwickelt, das besagt, wie viel die Menschheit noch emittieren dürfe, bevor Kipppunkte erreicht seien. Lassen wir mal die Strittigkeit solcher Annahmen beiseite. Gehen wir davon aus, dass wir solche Berechnungen und Thesen ernst nehmen.

                Aus den Budgets ergibt sich, dass in 7-8 Jahren die globale Nulllinie erreicht ist. Kein noch so optimistisches Szenario geht davon aus, dass es den Ländern dieser Welt möglich sein wird, bis Anfang der Dreißigerjahre vollständig klimaneutral zu werden. Deswegen sagen die Anhänger der Letzten Generation, wir haben die Klimakatastrophe und wir müssen sofort alles auf Null bringen.

                Das ist völlig illusorisch und nirgends, weder in Demokratien noch Diktaturen nur annähernd durchsetzbar. Wer die Budgets ernstnimmt – und sie waren Grundlage für ein wegweisendes Verfassungsgerichtsurteil – der kommt nicht umhin, den Zu-viel-Ausstoß irgendwie wieder aus der Atmosphäre zu nehmen. Alles andere besitzt keine Logik.

                So, genau in diese Richtung wird immer breiter geforscht und investiert. Die Natur bildet ebenfalls einen wichtigen Baustein, das industrielle CO2 wieder aufzuspalten (Photosynthese). Und: wir brauchen Entnahme- und Abschneidetechniken, eben CCS.

  • Stefan Pietsch 26. Juni 2024, 18:41

    4) Merz entdeckt seinen inneren Habeck

    Gesetzesreformen lassen sich in diesem Land nur unter großen Schwierigkeiten und auf der langen Zeitschiene zurückdrehen. Die SPD brauchte dafür mehrere Regierungsanläufe und knapp 20 Jahre, um die von ihr selbst entwickelte Agenda-Politik rückabzuwickeln. Die Kritik am Heizungsgesetz war nie das Ziel, die Emissionen des Gebäudesektors zu senken.

    Die Kritik war immer, dass dies mit verfassungsrechtlich fragwürdigen, umweltökonomisch völlig ineffizienten und daher unfassbar teuren Mittel und dazu viel zu schnell erreicht werden sollte. Nur weil ein Gesetz vorgibt, ein bestimmtes Ziel erreichen zu wollen, ist es noch längst nicht gut.

    Dazu wird einer der die Ampel tragenden Parteien auch an der nächsten Bundesregierung beteiligt sein. Je nach Zusammensetzung wird man versuchen, das bestehende Gesetz besser zu machen. Dass sich jedoch Mehrheiten für eine Abschaffung finden werden ohne die AfD an einer Regierung zu beteiligen, ist sehr unwahrscheinlich. Das sind nunmal die politischen Realitäten. Leider wirfst Du Merz vor, kein politischer Phantast zu sein.

    • Stefan Sasse 26. Juni 2024, 18:51

      Ich werfe ihm das gar nicht vor, ich rechne es ihm. Nur war das natürlich schon vorher absehbar, weswegen die Hetze vorher riesige Schäden angerichtet hat. Aber er ist in der Opposition, und im Gegensatz zu SPD und Grünen ist er nicht zu doof für Oppositionspolitik. War die CDU auch noch nie. Hat schon seinen Grund, dass die die meiste Zeit regieren…

      • Stefan Pietsch 26. Juni 2024, 19:03

        Die Opposition hat nicht die Aufgabe Gesetze der Regierung zu unterstützen, sondern Alternativen aufzuzeigen und Schwachstellen herauszuarbeiten daran ist nichts „Hetze“.

  • cimourdain 27. Juni 2024, 12:44

    1) Zum Thema Kulturkämpfe: Ich glaube, zum Verständnis der Problematik hilft die Kindergartenfrage „Wer hat angefangen“ gar nichts.

    a) Wichtiger ist „Worum geht es“. Da ist Stefans Rückführung auf Bismarck eher irreführend. Bei den „modernen“ (USA seit den 80ern) ‚culture wars‘ ist im Zentrum kein Konflikt zwischen unterschiedlichen Institutionen, sondern die Tatsache, dass unterschiedliche Milieus einer Gesellschaft soweit auseinanderdriften, dass sie sich in manchen Punkten auf keinen gemeinsamen Nenner kommen. Dass das verschiedene politische Akteure ausnutzen um ihr Süppchen zu kochen ist erstmal(!) danach.

    b) Deshalb – soweit hat Thorsten Haupts recht – können bei der Kindergartenfrage Konservative sich damit entschuldigen, dass sie einfach alles belassen wollen, die „Bewegung“ kommt von den anderen.

    c) Und dadurch ist auch die Frage von Dennis geklärt. Kulturkämpfe sind ein normaler Teil (pluralistisch-)gesellschaftlicher Aushandlungsprozesse und unvermeidlich, wenn die Gesellschaft nicht erstarren soll.

    d) Dennis liefert aber mit der Reformation auch das Gegenbeispiel. Dass er 200 Jahren Kriege quer durch Europa mit Millionen Toten zu Tagesordnung weiter gehen will, ist etwas seltsam. Wie verhindern wir, dass sich Leute wegen Kulturkämpfen an die Kehle gehen? Das ist nicht so übertrieben, erinnert ihr euch, wie ein Tankwart 2021 wegen des (in letzter Konsequenz) Kulturkampfthemas „Coronamaske“ ermordet wurde?

    e) Deswegen wäre aktives Runterdimmen der derzeitigen Idiotien angebracht zugunsten von Toleranz, Kompromiss, Vernunft und Minimalanstand.

    • Thorsten Haupts 27. Juni 2024, 17:32

      Zu e)

      Dafür gibt es genau eine (!) realistische Möglichkeit: Das Wahlvolk bestraft Idiotie. Solange es Idiotie toleriert oder belohnt, gibt es für Ihren verständlichen Wunsch nur sehr geringe Chancen.

      • cimourdain 28. Juni 2024, 11:00

        Da kann ich aus zwei Gründen nicht mitgehen:

        – Die Idee, per Wahl eine Gruppe zu „bestrafen“ ist Teil der Fehlentwicklung. Die Leute wählen ja AfD, um die „linksgrünen“ zu bestrafen. Auf der anderen Seite empfiehlt „Volksverpetzer“ so zu wählen, dass die AfD maximal „geärgert wird“. Sinnvoll ist beides nicht.

        – Der Fokus auf „Idiotie“ läuft auf eine reine Selbstbestätigung heraus. Da ich das, was „meine Seite“ sagt und denkt für grundsätzlich vernünftiger halte, ist das, was „die anderen“ produzieren, „idiotisch“. Der Wähler soll also die nicht wählen, die er nicht wählen würde.

        – Entscheidender halte ich in diesem Zusammenhang die Kategorie „Anstand“. Für mich ist immer mehr „Arschlochkommunikation“ bei Wahlen ein red flag Kriterium, auch wenn ich mit Programmen sympathisiere.

        • Lemmy Caution 29. Juni 2024, 09:24

          Das impliziert aber, dass ich jede Haltung für irgendwie respektabel halte und keine ausgrenze. Ich will aber bestimmte Ideen ausgrenzen.

          Ein paar Beispiele:
          Letzte Woche gabs auf twitter einen thread, dass nun plötzlich ein bestimmter chilenischer Kaktus vom Aussterben bedroht ist, weil der in Japan und Europa als sehr dekorativ wahrgenommen wird und für ihn hohe Preise bezahlt werden.
          Ein Typ meine in der Diskussion so etwas wie: „und wieder berauben sie uns“. Das ist eine Art von sehr lateinamerikanischem Selbstmitleid und Fatalismus. Tatsächlich sagte vorher jemand aus einer chilenischen Halbwüsten-Region, dass der Handel mit diesen Kaktussen in seinem Ort sehr schwunghaft, offen und unsanktioniert läuft.
          Wer ist für das Problem verantwortlich: Die europäischen und japanischen Konsumenten oder die chilenische Gesellschaft, die es nicht schafft, entsprechende Schutzmaßnahmen zu ergreifen?

          Ich habe auch null Toleranz für bestimmte Formen des Anti-Amerikanismus in Ost-Deutschland.

          Ich habe auch kein Verständnis für die hier im Blog von einer Gruppe von Mit-Diskutanten vertretenen Auffassung, dass Marktmechanismen immer und überall zu besseren Ergebnissen führen. Sie führen sehr oft zu guten Ergebnissen, aber eben nicht immer. Hier ist ein interessantes Interview mit einem Autor, der den „capitalism“ Teil von „green capitalism“ sehr in Frage stellt: https://www.youtube.com/watch?v=fMzFCcv1d3Q

          Wagenknecht fordert Höchstpreise für bestimmte Produkte des Grundbedarfs. Die Ökonomie kommt nicht oft zu klaren Ergebnissen, hier aber schon: Das führt nachgewiesen immer zu suboptimalen und oft zu katastrophalen Ergebnissen.

          Auch beruflich begegnet mir das. Ich finde Überzeugungen, die von bestimmten Leuten vertreten werden, für völlig falsch im Kontext unseres Projekts.

          • cimourdain 1. Juli 2024, 08:31

            Der chilenische Kaktus ist ein schönes Beispiel, wie die „Idiotie“ zustande kommt:
            Da ist ein begrenztes reales Problem, das eigentlich peripher wäre (Bevor das hochgekocht ist, wussten wahrscheinlich die wenigsten Diskutanten auch nur wie die Staude aussieht.) und das sich mit Geld und gutem Willem (Schutzzonen) gut in den Griff kriegen ließe. Aber stattdessen schreibt jemand (ein interessierter Politiker?) „Die Ausländer nehmen uns unsere Kakteen weg.“ und alle schauen in Richtung Sündenbock anstatt das Problem anzugehen. Und „die Ausländer“ sind, wie Sie schreiben, nur eine Chiffre für ein (gefühlten?) Fehlen an Eigenständigkeit. Aber dieses tiefersitzende „Mentalitätsproblem“ wirst du – da sind wir uns einig – kurzfristig weder durch Vernunftargumente noch durch „Gegenpöbeln“ los.

        • Thorsten Haupts 29. Juni 2024, 10:44

          Glaube schon, dass sie da mitgehen können. Das „bestrafen“ bezog sich nur auf die Nichwahl an der Wahlurne und das „idiotisch“ nur auf das Fehlen von „Toleranz, Kompromiss, Vernunft und Minimalanstand“. War wohl nicht klar genug.

          Ich komme nicht auf die kindische Idee, andere für ihre Auffassungen zu strafen. Sie sollten halt nur nicht gewählt werden.

          Gruss,
          Thorsten Haupts

        • CitizenK 30. Juni 2024, 15:21

          „Die Leute wählen ja AfD, um die „linksgrünen“ zu bestrafen.“

          Da hab ich Zweifel. Eher, weil sie sich abgehängt, nicht wahrgenommen. Das ist in hier in HD, einer Uni-Stadt (mit insgesamt sehr niedrigen AfD-Zahlen), fast wie in Ostdeutschland. In einem einstmal bürgerlich-durchschnittlichen Stadtteil hat die AfD 4mal soviele Stimmen wie im Stadt-Durchschnitt. Warum? Buslinien ausgedünnt, Versorger weg usw. Den Gemeinderäten (keiner aus dem Stadtteil) sei das egal. Nun erhoffen sie sich von der AfD eine Verbesserung.
          Übrigens: In diesem Stadtteil (HD-Boxberg, falls jemand googeln will) ist es gelungen, eine ehemalige Brennpunktschule zu einer Vorzeigeschule (Waldparkschule, Deutscher Schulpreis) zu machen. Es geht, wenn man will – und die Mittel dafür zur Verfügung stellt.

          • cimourdain 1. Juli 2024, 08:43

            Danke, genau das ist auch ein wichtiger Punkt. Es geht nicht um „die Grünen“ oder „die Ausländer“ (das sind nur die Sündenböcke) sondern um eine Verschlechterung (Buslinie) und vor allem den (vermeintlichen) Verlust des „Beachtetwerdens“ (kein Stadtrat aus dem Viertel).

            • CitizenK 1. Juli 2024, 12:32

              Nun könnte man sagen (und einige hier tun es hier auch, wenn auch mit anderer Perspektive): Das System reagiert/funktioniert. Die Wähler reagieren auf Defizite. Wenn die AfD eine normale, demokratische Partei wäre. Wenn.

              • Stefan Pietsch 1. Juli 2024, 17:23

                Ich mach‘ mal etwas, was ich sonst nie tue – ich verlinke einen Kommentar:

                Besonders spannend ist es, wenn deutsche Linke in Frankreich eine Projektionsfläche entdecken – und aus einer falschen Analyse heraus zielstrebig falsche Antworten für die nächsten deutschen Wahlen und den Kampf gegen die AfD ableiten. So griff die Grünen-Politikerin Franziska Brantner am Montag im Deutschlandfunk zur alten Erzählung von den „Abgehängten“ in der Provinz. So zu tun, als ob rechtsnationale Parteien nur deshalb erfolgreich sind, zeugt von einer erstaunlichen Geringschätzung von Fakten und Realitäten. (..)

                Es gebe überall die Herausforderung „besser zuzuhören, zu schauen, wo sind vor Ort die Bedürfnisse, die wir noch nicht so gut adressiert haben“. Sprich: Rechtsnationale Parteien sind stark, weil es auf dem Dorf keinen Bäcker, Arzt oder keine Grundschule gibt.

                Das ist nur grotesk. Den Rechtsaußen-Parteien wird oft zu Recht vorgeworfen, Fakten zu verdrehen, um populistisch auf Stimmenfang zu gehen. Aber Grünen-Politikerin Brantner verweigert sich selbst den Fakten. Würde sie diese kennen, sähe sie, dass nur im Zentrum von Metropolen der RN schwächer abgeschnitten hat. Aber der RN kommt auch im Speckgürtel einer wohlhabenden Stadt wie Toulouse, wo gut verdienende Mitarbeiter der Luft- und Raumfahrtindustrie wohnen, die weder finanziell noch kulturell abgehängt sind, auf 30 Prozent der Stimmen.
                https://www.welt.de/debatte/plus252284974/Wahl-in-Frankreich-Die-groteske-deutsch-franzoesische-Harmonie-beim-Leugnen-der-Realitaet.html

                • Thorsten Haupts 1. Juli 2024, 18:34

                  Ich hielt diese ganze Story „Abgehängte wählen rechtspopulistisch, weil sie abgehängt sind“ nach mehreren grossen Analysen der Trump- oder AfD-Wählerschaft für widerlegt, aber offenbar hat sich das noch nicht in die Politik rumgesprochen. Kenne diese „Analyse“ allerdings schon aus den achtzigern, damals etwas vereinfacht „Jemand macht oder tut, weil Kapitalismus“. Oder Imperialismus.

                  Mich machen Schlichheit und Paternalismus dieser „Analysen“ immer wieder fassungslos :-). Ganz nüchtern betrachtet (und den Wähler ernstgenommen) formulieren rechtspopulistische und rechtsradikale Parteien schlicht einige Politikpositionen, die im politischen Spektrum sonst nicht (mehr) vertreten sind – vielleicht sollte man eher da nach den Gründen für Wahlerfolge suchen?

                  Gruss,
                  Thorsten Haupts

                  • Stefan Sasse 2. Juli 2024, 12:26

                    Das sag ich doch auch immer. Die wählen das im vollen Bewusstsein dessen, was sie wählen. Dieses ständige „die Wählenden zurückgewinnen“ ist deswegen auch so ein Irrweg. Und es waren nie die sozial Abgehängten.

                    • Stefan Pietsch 2. Juli 2024, 12:52

                      Ja, da können wir in Ruhe abwarten, bis „die Anderen“ die Mehrheit haben und dürfen uns darüber aufregen.

                      Um Wählerstimmen werben wird auch so etwas von überschätzt in der Demokratie.

    • Stefan Sasse 28. Juni 2024, 13:53

      Sicher, aber wenn beide Seiten sagen, dass nur der Gegner das muss, was dann?

      • cimourdain 28. Juni 2024, 17:39

        Dann kannst du dir die Mühe machen und versuchen unvoreingenommen zu prüfen, wer der größere Heuchler ist … oder beide mit Verachtung strafen.

  • Lemmy Caution 28. Juni 2024, 20:26

    Ich habe heute mit einem aus Syrien stammenden Christen zu Mittag gegessen, der jetzt neu in unser Projekt als React Frontend Programmierer dazugekommen ist. Wie so oft läßt er sich von einer Software Bude verleihen, bis er die deutsche Staatsangehörigkeit erhält. Danach wird wesentlich mehr Geld bei ihm bleiben und er muß nicht mehr diese Schmarotzer von der Software-Bude durchfüttern. Er hat alle Papiere abgegeben, aber er weiß nicht wie lange das dauert. Mein Kumpel aus Kazasthan berichtete, dass seine ukrainische Frau, die sehr bald ein Baby erwartet, seit EINEM Jahr auf eine Rückmeldung von der Ausländerbehörde zwecks dieser Einbürgerung wartet.

    Ich finde das echt peinlich für den Amtsschimmel und mich nerven die Generalisierungen von bestimmten Diskutanten hier wirklich sehr.

    Eine Menge Immigranten leben hier einfach ganz normal, arbeiten, qualifizieren sich weiter und sprechen gut Deutsch. Ich weiß nicht, wie dieses Land ohne die aussehen würde.

    Sooo viele Leute kommen aktuell auch gar nicht aus den Top 3 der letzten Jahre: Afghanistan, Irak und Syrien.
    https://www.bamf.de/SharedDocs/Meldungen/DE/2024/240607-am-asylzahlen-mai-2024.html

    • Lemmy Caution 29. Juni 2024, 06:15

      Der Text ist unverständlich, weil ich vergessen habe zu erwähnen, das er plant mit dem Erhalt der Deutschen Staatsangehörigkeit, direkt Freelancer (= wesentlich mehr Geld) zu werden. Das ist übrigens sehr typisch. Höre ich nicht zum ersten Mal.

    • Stefan Pietsch 29. Juni 2024, 11:11

      Du berichtest aus einem sehr privilegierten Bereich. Schon in den Nullerjahren, weit vor der Migrationskrise, waren IT-Experten aus Osteuropa und Drittländern begehrt und geschätzt. Dazu bedurfte es weder einer Turbostaatsbürgerschaft noch offener Grenzen.

      Was aber in jeder Gesellschaft für böses Blut sorgt: Ein Leistungs- und Beitragsgefälle zwischen angestammten Einwohnern und Migranten und hohe Kriminalität. Messerattacken und Gruppenvergewaltigungen, gerne mit minderjährigen Opfern, haben expotentiell zugenommen. Das Bürgergeld, schon vom Namen bestimmt für Menschen, die dauerhaft hier leben, wird zu einem wesentlichen Teil von solchen in Anspruch genommen, die nicht unter dieses Kriterium fallen.

      Gerade wird bekannt, dass ukrainische Flüchtlinge vermehrt die Bundesrepublik ansteuern, oft aus unseren Nachbarländern. In Polen und selbst in den Niederlanden gehen die Zahlen zurück, während sie in Deutschland steigen. Wesentlicher Grund sind die besseren sozialen Bedingungen (Bürgergeldbezug, Gesundheitsleistungen).

      • Lemmy Caution 29. Juni 2024, 20:08

        Der hat nie Informatik studiert und sich als Flüchtling alles selber beigebracht. Wegen mir kann man ja bei Schmarotzern stärker die Daumenschrauben anlegen, aber gleichzeitig diejenigen fördern, die sich Mühe geben.

        Wir müssen auch selber schauen, wie wir das Leben für sich in dieser Wirtschaft in Wert setzende Immigranten attraktiver werden.
        Ich arbeite viel mit Immigranten und passe mein Verhalten da auch an.
        Einmal bin ich einen Afrikaner übel angegangen, weil er zu nett zu einem wirklich unmöglichen Projektmanager war. Ich habe dann aber verstanden, dass ich meine Zynismus-Mauer unter Risiko von Bord geworfen zu werden hochziehen kann, die aber nicht, selbst wenn sie wollen, weil man dafür die Sprache und Feinheiten der Kultur brauchst.
        Ein anderes mal habe ich einen Venezolaner genervt, weil ich wiederholt mit Vorschlägen zum Verbesserungen seines Deutsches ankam. Wir haben auch Spanisch gesprochen und ich finde Sprache halt ein interessantes Gesprächsthema. Das gilt aber eben nicht für alle Menschen. Insbesondere in Großkonzernen wird der ihr Deutsch oft verbessert und viele nervt das.

        Zwischen Hundert und Zweihundert-Tausend Ukrainer haben ihr Leben in einem Krieg verloren, an dem auch die deutsche Moskowien-Politik der letzten 30 Jahre eine Verantwortung mitträgt. Die letzten 50 Jahre waren für Deutschland ein sehr günstiges Umfeld. Ich habe den Eindruck, dass viele Leute immer noch nicht verstanden haben, dass wir nicht mehr in dieser Wünsch-dir-was Welt leben.

        • Stefan Pietsch 30. Juni 2024, 12:24

          Das Problem ist, dass wir an der Stelle alles in einen Topf werfen. Wir brauchen Fachkräfte, die keine lange Anlaufphase brauchen um Aufgaben erfüllen und Einkommen erwirtschaften zu können. Doch über 90 Prozent kommen als Flüchtlinge aus Ländern, deren Bildungsniveau 5-7 Schulklassen hinter dem ohnehin nicht guten deutschen Schulsystem abhängen. Da ist es wie ein Sechser im Lotto, gute Leute zu finden. Ich hatte z.B. vor einiger Zeit ein Bewerbergespräch mit einem „Flüchtling“ aus dem Iran. Sein Wissen in Buchhaltung und Bilanzierung reichte gerade für eine Pommes Bude.

          Wir könnten wie typische Einwanderungsländer sagen, jemand bekommt 6 oder 12 Monate, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Schafft er das nicht, muss er gehen. Doch dann wird bei uns der Joker gezückt und es läuft darauf hinaus, dass niemand ausgewiesen wird. Dazu gibt es irrwitzige Sozialleistungen, die es für Zuwanderer völlig unattraktiv machen, erwerbstätig zu werden.

          Das hält kein Land aus. Keines.

          • Lemmy Caution 30. Juni 2024, 14:43

            Wir können es uns aber nicht unbedingt aussuchen.
            Aus demographischen Gründen werden wir in den nächsten Jahren Einwanderer benötigen. Natürlich bin ich dafür, deutliche Grenzen gegen kriminelle, wirklich IQ mässig benachteiligte und faule Menschen zu ziehen.
            Ich habe aber schon mit sehr aufgeweckten Leuten aus dem Mittleren Osten zusammengearbeitet. Viele. Das kann übrigens auch jemand sein, der morgens häufiger die Küche blockiert, weil er seine zahlreichen Gebete knallhart durchzieht.
            Der deutsche Arbeitsmarkt hat aus Sicht der Immigranten ernsthafte Nachteile. Darüber informiert man sich am besten bei ihnen selbst. Hier ist das Beispiel eines Peruaners, der 7 Jahre in Deutschland lebt -> https://www.youtube.com/watch?v=_xmU2PR3zuw
            – Absicherungsirrsinn, bloss keinen Fehler zu machen
            – Polizei-Mentalität
            – sehr hohe formelle Anforderungen, die vielleicht in der Praxis dann doch nicht so wichtig sind.
            – Deutsch ist zwingend notwendig. In vielen unserer kleineren Nachbarländer ist das übrigens anders, selbst in der Tschechischen Republik.

            In der IT kommt aus meiner Sicht noch oft hinzu:
            – viele Leute, mit denen Kommunikation einfach schwierig ist. Darunter werden Ausländer sicher mehr leiden als ich.
            – zu viele mächtige Platzhirsche, die ihr Wissen nicht auffrischen
            – von den Realitäten völlig abgehobene Manager

            • Stefan Pietsch 30. Juni 2024, 15:56

              Jetzt betest Du alles runter, Lemmy.

              Jedes westliche Land braucht Zuwanderung. Die Frage ist nur: welche? Polen, Frankreich, die Niederlande, Dänemark haben von der ukrainischen Zuwanderung weit mehr als wir. Bei einer Beschäftigungsquote von 80 : 20 (Dänemark vs. Deutschland) sind die Flüchtlinge aus dem Kriegsgebiet für uns ein reines Zuschussgeschäft. Lemmy, das muss irgendjemand bezahlen!

              Genauso verhält es sich bei Syrern, Afghanen und fast allen anderen Flüchtlingsgruppen. Viel Arbeitslosigkeit, viel Geringbeschäftigung und das nach fast einem Jahrzehnt. Das ist ein riesiges Verlustgeschäft und kein gesellschaftlicher Gewinn. Da hilft kein Schönreden. So sind die Zahlen – und die sind leider stabil.

              In den Nullerjahren habe ich in Unternehmen gearbeitet, da lag die Quote der Nicht-Deutschen bei 40-60 Prozent. Da wird kein Deutsch gesprochen. In Berlin, München und Frankfurt ist Deutsch in der Start-up-Szene keine Voraussetzung. Fakt ist aber: wir werden seit anderthalb Jahrzehnten immer deutscher. Und das hat nichts damit zu tun, dass wir uns verschließen, sondern mit ausbleibenden Auslandsinvestitionen. Weder Amerikaner noch Briten noch Asiaten investieren in Deutschland. Chinesen, so meine Erfahrung der vergangenen Jahre, nutzen unser Land zum Aufkauf von Wissen.

              Wir hätten diese Diskussion längst führen müssen: Deutschland ist für Investitionen völlig unattraktiv geworden. Wenn hier keiner investiert, kommen auch keine qualifizierten Arbeitskräfte und für andere ist es mehr als eine Überlegung wert, wegzuziehen. Die Linke will hier immer Beruhigungspillen verpassen, dass Sprache und Ausländerfeindlichkeit die Hindernisse seien. Das ist Selbsttäuschung.

              Na, und über Manager lässt sich immer gut schimpfen. Fakt ist auch hier, dass deutsche Manager in internationalen Vergleichen durchaus gut abschneiden. Und auch mit den Anforderungen ist eine Schutzbehauptung: Selbst in meinem Bereich ist das zwingende Erfordernis, sich im internationalen Recht auszukennen. Dass ein Syrer hier Probleme hat, hat seine Ursache darin, dass in Syrien wenige international arbeitende Konzerne beheimatet sind und nicht, dass in Deutschland besonders hohe Anforderungen bestehen.

              Vor ein paar Jahren hatte ich ein Team übernommen, in dem auch ein Montenegriner arbeitete. Bei seiner Einstellung hatte er behauptet, sich auf den Bilanzbuchhalter vorzubereiten, allerdings die Ausbildung mehrmals verschoben. Als er dann „im Homeoffice“ mal eben zu Familienfeierlichkeiten auf den Balkan geflogen war, weil er keinen Urlaub bekommen hatte, war Schluss. Für über 60.000 Euro Jahresgehalt kann man schon besseres erwarten.

              • Lemmy Caution 30. Juni 2024, 22:13

                Stefan Pietsch der väterliche Realist.
                Die Franzosen sind so genervt von diesen Weisheiten, dass nun eben bald die hardcore Nationalisten ans Steuerrad wählen… und das wird Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft haben. Ich denke, dass wir in einer sehr neuen Zeit leben. Die alten Gewißheiten tragen nicht mehr. Heute hat die stärkste Partei Tschechiens bekanntgegeben, dass die im EU Parlament mit FPÖ und Orban eine neue Koalition aufmachen. https://www.spiegel.de/politik/europarlament-fpoe-schmiedet-neues-rechtsbuendnis-mit-viktor-orban-und-andrej-babis-a-2bc35311-e75b-46de-a1c2-208d6ad0ada4

                Von meinen üppigen Steuern dürfen ruhig ukrainische Kriegs-Witwen und Waisen finanziert werden. Schließlich spende ich ja auch die ganze Zeit für Waffen und Humanitäres in der Ukraine.
                Ich würde übrigens in Staaten mit einer Räuberbande an der Regierung wie Südafrika nie Urlaub machen. Ich hätte das ungute Gefühl, diesen Wahnsinn zu unterstützen. Mich ein wenig auf Kuba umzusehen, hätte mich in den letzten 30 Jahren selbstverständlich interessiert, aber Verbrecher-an-der-Regierung müssen auf meine Euros verzichten.

                Die geringen Investitionen haben wir seit den 90ern. Die Löhne in unseren östlichen Nachbarländern steigen nun relativ zügig, sind aber immer noch deutlich unter dem deutschen Lohnniveau. Solange dies so bleibt, brauchen wir uns über diese Zahlen nicht wundern. Deutsche Konzerne lagern ja viele Tätigkeiten nach wie vor massiv in den Osten aus. Was bringen den USA die besseren Investitionszahlen, wenn die Leute dann vielleicht Trump wählen? Hier wählen zumindest nur die Ossis Trump.

                Die Linke will …
                Das ist ein Strohmann-Argument. Ich bin kein wirklicher Linker und werde in der nächsten Wahl vermutlich einmal wieder CDU wählen. Mein größter deutsche Politiker heißt Konrad Adenauer.

                Es gibt überall schlechte und gute Manager. Komplexe Tätigkeiten lassen sich nur schwer benchmarken.
                Aktuelles Beispiel: Wenn ich durchsetze, was ich aktuell will, wäre mein Line of codes output für die nächsten zwei Monate negativ, frei nach dem Motto: Der Junior schreibt code, der Senior löscht code (um den Blödsinn übersichtlicher für die Zukunft zu machen). Es wäre dringend notwendig.
                Da meine Rest-Lebens-Arbeitszeit beschränkt ist, schädigt mich im Herbst meiner Freiberufler-Existenz ein schlechtes Management nicht mehr so stark. Früher war ich die abhängiger.

                Montegriner fährt zu Familien-Events auf Balkan:
                Ich erlebe ein super-egoistische Verhalten deutlich stärker unter Deutschen Kollegen als unter den Immigranten. Ich kann das auch nicht ausstehen. Es sind immer nur bestimmte Leute.

                Keiner von uns beiden hätte aktuell Interesse bei einem startup zu arbeiten: zu geringer Lohn und zu lange Arbeitszeiten. Bis 35 vielleicht schon, aber heute?
                In dem oben von mir verlinkten Interview sagt der Spanier, dass er in Tschechien arbeitet, weil das in seinem Finance Job halt in Englisch geht. Er sagt, dass es solche Jobs in Deutschland nicht gibt, weil die halt hohe formale Zugangsbeschränkungen haben und Deutsch-Kenntnisse immer zwingend erforderlich sind.

                • Stefan Pietsch 2. Juli 2024, 19:18

                  Du unterstützt mit Deinen Steuern nur keine ukrainischen Witwen, sondern Kriegsdienstverweigerer, die dafür sorgen, dass das Land von innen austrocknet.

                  Ich war übrigens auf Kreuzfahrt. Das meiste Geld ging an Norwegian und ein paar Schwarze in Kapstadt und Niederländer in Namibia. Ich glaube, das ist in Ordnung. 🙂 Hast Du eigentlich mitbekommen, dass wenige Wochen nach meinem Urlaub der ANC seine absolute Mehrheit verloren hat, erstmals seit 30 Jahren?

                  Die geringen Investitionen haben wir seit den 90ern.

                  Als ich Mitte der Achtzigerjahre anfing zu studieren, wurde ich bereits mit der geringen Investitionsquote konfrontiert. Das ist im deutschen Staatswesen immanent, was sich 40jährige Jungsprösslinge nicht vorstellen können.

                  Mein Punkt war: Internationale Investoren, das mit nicht explizit deutsche, machen einen großen Bogen um Deutschland. Und das spüre ich sehr wohl. Was ich im Gegensatz zu anderen wahrnehme: Längst hat ein Hasenrennen begonnen. Die Frage ist, was schneller sinkt: Die Zahl der Erwerbsfähigen oder die Anzahl der benötigten Arbeitskräfte? Das ist ein Race to the Bottom.

                  Du hast das mit den angeblich schlechten Managern gebracht. Das sind normale Menschen. Ich klage ja auch nicht, die deutschen Krankenschwestern wären besonders schlecht. Das ist albern.

                  Montegriner fährt zu Familien-Events auf Balkan:

                  Du hast das anscheinend falsch verstanden. Er ist während seiner Arbeitszeit ohne Genehmigung ins Ausland gefahren und hat dort nicht gearbeitet. Das ist eine gravierende Verletzung seiner arbeitsvertraglichen Pflichten. Und als Topping hat er über sein Verhalten gelogen.

                  Ich habe mit Anfang 40 ein Start-up in Lettland (mit-) aufgebaut. Ich gehe schon gerne ins Risiko. Aber auch sonst lehne ich Deine Bewertung ab. Deutschland wird in den Unternehmen wieder deutscher, weil die Auslandsinvestitionen ausbleiben. Warum sollten Management und Belegschaft Englisch sprechen, wenn der internationale Bezug fehlt? Genau umgekehrt verhalten sich doch Migranten: viele verweigern das Erlernen der deutschen Sprache, weil sie sie in ihrem täglichen Leben nicht brauchen. Frauen schon gar nicht. Das gewohnte Fernsehen kommt vom Satelliten, der nette Türke um die Ecke hat alles für den täglichen Bedarf und freut sich über seine zurückhaltende, kopftuchtragende Kundschaft, der Freundes- und Bekanntenkreis ist ohnehin reinrassig. Das Geld kommt vom Amt und ansonsten helfen der Mann und die Jungs bei der Schwarzarbeit bei arabisch stämmigen Unternehmern. Passt.

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