Bohrleute 28: Trigger-happy von 9€-Ticket bis Winnetou

Von Winnetou zum 9€-Ticket wird eine Sau nach der nächsten durchs Dorf getrieben. Marcel und Stefan sprechen über Trigger, welche politischen Dynamiken den Diskursen unterliegen und welche Absichten dahinter verfolgt werden. Ganz am Ende gehen wir auch darauf ein, wie das besser gemacht werden kann.

Show Notes:
Tweet von Tobias Blanken zu Leserbriefen
Tweet von Christian Lindner zum Politikwechsel beim 9€-Ticket
Tweet von Christopher Lauer zu Lindner und dem 9€-Ticket
Artikel von Stefan zu Lindner und dem 9€-Ticket
Focus-Artikel zur Abschaffung des Dienstwagenprivilegs
FAZ-Artikel zur Abschaffung des Dienstwagenprivilegs

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{ 13 comments… add one }
  • derwaechter 5. September 2022, 21:42

    Der Podcast profitiert, wenn ihr euch nicht immer über alles einig seid. Allerdings könntet ihr die Uneinigkeiten ruhig Mal etwas mehr ausdiskutieren find ich.

    Ein inhaltlicher Kommentar. Eure beschwerde, die Linken oder progressiven würden nicht die richtigen Argumente bringen, erinnert ein wenig an den Vorwurf die Debatte XY sei so schlecht.

    Nur weil ihr es nicht mitnekommen habt, heißt es ja nicht, dass diese Argumente mich gemacht werden.
    Mehr Arbeitsplätze in den Erneuerbaren als im Bergbau (und der Rückgang ebendieser in der Krise der heimischen Solarindustrie), die Probleme von Atomkraftwerken mit der Kühlung im Sommer usw. sind in meiner Wahrnehmung Klassiker.

    Ich bleibe auch hier bei meinem Mantra. Wer sich aus Qualitätsmedien informiert, wird gut informiert und bekommt bei den allermeisten Debatten vernünftige Kommentare, und wenig Geschrei, sowie Fakten, und wenig Lügen.
    Das gilt im Prinzip auch bei Twitter, wenn man eher Fachleuten als Krawallnasen folgt.

    Das politische und gesellschaftliche Problem ist natürlich, hat man ja zuletzt bei Corona gemerkt, dass zu viele Leute dass eben nicht tun.

    • Stefan Sasse 5. September 2022, 22:52

      Der Podcast profitiert, wenn ihr euch nicht immer über alles einig seid. Allerdings könntet ihr die Uneinigkeiten ruhig Mal etwas mehr ausdiskutieren find ich.

      Finde ich grundsätzlich auch, es ist nur eine feine Balance nicht zu extrem zu werden. Aber ich merk es mir!

      Ich bleibe auch hier bei meinem Mantra. Wer sich aus Qualitätsmedien informiert, wird gut informiert und bekommt bei den allermeisten Debatten vernünftige Kommentare, und wenig Geschrei, sowie Fakten, und wenig Lügen.
      Das gilt im Prinzip auch bei Twitter, wenn man eher Fachleuten als Krawallnasen folgt.

      Bin ich völlig bei dir.

      Danke fürs Anhören und Feedbacken!

  • derwaechter 5. September 2022, 23:41

    Hat Marcel da ziemlich zum Schluss wirklich zwei verschiedene Kommentare aus zwei verschiedenen Zeitungen vergliechen und dann kritisch bemerkt, dass die Argumentation nicht stringent sei?

  • cimourdain 6. September 2022, 09:19

    Ein paar Punkte sind in meinen Augen wichtig:

    1) Es bedarf einer hohen Disziplin um das aufgeregte Diskutieren zu vermeiden, weil durchgängig alle mitmachen. Wo findest du mal rein sachbezogene Information ohne wertende ‚Einordnung‘? In der Tagesschau oder den von Wächter erwähnten Qualitätsmedien leider genauso wie in einer Boulevardzeitung. Immer wird im Beitrag klar, ‚auf welcher Seite er steht‘. Hier mal eine der ganz wenigen Ausnahmen zu einem Aufregerthema (Baerbock-Äußerung), wo wirklich nur das Geschehene dokumentiert wird:
    https://www.heise.de/tp/features/egal-was-meine-deutschen-Waehler-denken-7251576.html

    2) Fang nicht mit Spekulation an. Hier ist Marcels Ansatz, die Motive von ‚Kommunikationsakteuren‘ zu diskutieren, in meinen Augen ziemlich kontraproduktiv. Ich kann nicht in den Kopf Lindner sehen und habe keine Ahnung, warum er dies oder jenes sagt.

    3) Kümmere dich erst um Fakten, bevor du bewertest: Beispiel Kernkraftwerke: Da wird die Tatsache komplett ignoriert, dass man diese nicht für ein paar Monate zu- oder abschalten kann. Selbst wenn man über Fragen wie Fachpersonal oder Betriebsgenehmigungen hinwegsieht, hält ein Brennstab mehrere Jahre. In der Zeit heizt er, ob produktiv oder im Abklingbecken.

    4) Sieh dir an, wie Dinge funktionieren. Beispiel Pauschalbesteuerung der Privatnutzung von Firmenfahrzeugen vulgo ‚Dienstwagenprivileg‘ (Merkt ihr an den unterschiedlichen Begriffen, welcher unsachlich ist ?) . Bevor man von deren Abschaffung spricht, sollte klar sein, was abgeschafft werden soll: Firmenwagen, deren private Nutzung oder die Pauschalisierung. Dann kann man darüber diskutieren.

    5) Jetzt erst ist der Zeitpunkt gekommen, zu differenzieren, was angepriesen wird und was verkauft werden soll. Denn eines ist mir genauso klar wie euch: Politik ist Marketing, und natürlich muss der Käufer (Bürger) aufpassen, dass er nicht über den Tisch gezogen wird. Hier ist es nützlich, die Techniken zu kennen. ‚Foot-in-the-door‘ habt ihr am 9-Euro-Ticket gezeigt. Andere Techniken wie Schockwerbung (Krisennutzung), door-in-the-face (Diskursverschiebung), Salamitaktik, Imagewerbung (‚Wertediskussionen‘), Negativkampagne (Kontaktschuld) und so weiter wären genauso gut an Beispielen betrachtbar.

    6) Hier spekuliere ich genau auf diese Weise, von der ich in 2) abgeraten habe. Die aufgeregten Diskussionen erfüllen einen (systemstabilisierenden?) Zweck. Sie lenken ab von der ziemlich dreckigen Lobbyküche, die im Hintergrund tätig ist, während wir über Winnetou diskutieren.

    • Stefan Sasse 6. September 2022, 15:51

      1) Ja und nein. Ich mag Kommentare, ich mag Wertungen, ich mag Einordnungen. Solange wir Journalismus nicht darauf reduzieren nur zu berichten passt das für mich.

      2) Ich versuche Küchentischpsychologie wo möglich zu vermeiden.

      3) Ja unbedingt!

      4) Auch Zustimmung, danke!

      5) Good point. Das ist auch das, wo ich meine Kernkompetenz sehe.

      6) Solche Erklärungen überzeugen mich immer nicht so, weil sie eine klare Absicht und entsprechende Akteure voraussetzen. Ich bevorzuge systemische Erklärungen.

      • cimourdain 7. September 2022, 06:59

        6) Eben nicht. Das ist genau der Trugschluss hinter vielen Verschwörungstheorien, aus ‚Ist nützlich für X‘ auf ‚Wurde gemacht von X‘ zu schließen. Ein themenverwandtes Beispiel: Du kennst den Effekt der „Fußball-WM-Gesetzgebung“, dass unpopuläre Regulierungen gerne durchgesetzt werden, während die Öffentlichkeit auf eine Sportveranstaltung starrt. Es wäre aber vermessen zu glauben, dass es diese Veranstaltungen extra zu diesem Zweck gibt.

  • Hias 6. September 2022, 21:44

    War sehr interessant und ich schließe mich meinen Vorrednern an, dass der Podcast besser ist, wenn ihr euch uneinig seid.
    Die Analyse, warum welche Partei was nicht macht sehe ich auch so.
    Beim Thema Nachfolger für das 9-Euro-Ticket würde ich auf alle Fälle noch ergänzen, dass Lindner da tatsächlich richtig gutes (Politiker-)Tennis gespielt hat: er hat den schwarzen Peter den Länder zugeschoben. Prinzipiell Zustimmung zu der Idee (der Dreh mit „Wissing hat mich überzeugt“), die Summe ist ordentlich und das 49-69-€-Ticket wäre ein Riesenschritt nach vorn, ohne tatsächlich zu niedrig zu sein. Hinzu kommt, dass die Länder schon vorab Unterstützung angemeldet hatten, wegen der gestiegenen Kosten für den ÖPNV. Und auf einmal ist das auch alles Verhandlungsmasse und wenn es scheitert sind die Länder Schuld (die ja auch für den ÖPNV verantwortlich sind)

    Erwartbar ist die CSU als erstes über das Stöckchen gesprungen und wird sich so kurz vor der Wahl noch richtig ärgern. Denn so ein Ticket hilft weniger der Latte-Macchiato-Fraktion in den Städten, sondern vor allem den gut ausgebildeten, Einpendlern aus den Vorstädten und den Ballungsräumen von München, Nürnberg, etc, die sonst bis zu 200 Euro monatlich zahlen und um die CSU und FDP konkurrieren. Und das so kurz vor der bayerischen Landtagswahl.

    Aber schade, dass die Länder das wohl killen werden, so ein Ticket hätte ne richtig gute Sache werden können, den ÖPNV deutlich nach vorne gebracht und wahrscheinlich nicht nur die Käufer entlastet.

    • Stefan Sasse 6. September 2022, 22:26

      Danke. Am meisten gestritten haben wir tatsächlich in der USA-Folge letzthin.

      Ich glaube, das ist noch nicht durch und eher Teil der Verhandlungen. Und ja, guter Move von Lindner.

  • Lemmy Caution 11. September 2022, 21:22

    Wenn ich das richtig mitbekommen habe – und ich schaue vielleicht später nach Belegen – besteht das Problem einer Laufzeitverlängerung darin, dass die Kernbrennstäbe ausgetauscht werden müßten. Die sind relativ teuer und Du bekommst das natürlich nicht Sylvester mittags im Lidl, d.h. der Kauf hätte länger vorbereitet werden müssen. Aktuell plant man eine Art Streckbetrieb.
    Ich bin persönlich der Meinung, dass die das Zeug besser gekauft hättten und bin damit enttäuscht von den Grünen. Die Kernwählerschaft erreicht Habeck mit seinem Widerstand gegen die Verlängerung, bei potentiellen Wählern, die auch andere Parteien wählen könnten, verliert er.

    • Stefan Sasse 11. September 2022, 22:23

      Das ist auch mein Bauchgefühl aber mir fehlt die Sachkenntnis.

      • Thorsten Haupts 12. September 2022, 10:04

        Mir nicht. Lemmy hat das korrekt dargestellt.

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