Rezension: Aus Politik und Zeitgeschichte – Fleisch

Aus Politik und Zeitgeschichte – Fleisch

Zu den wohl triggerndsten Themen des Dauerkulturkampfs unserer Tage gehört die Frage des Fleischkonsums. An wenigen Orten sind solch vorhersagbare Reflexe am Werk wie in der Frage, ob das Steak zur (deutschen) Leitkultur gehört. In der kürzlich erschienenen (und wie üblich kostenlos beziehbaren) „Aus Politik und Zeitgeschichte“ wird der Versuch unternommen, den ganzen Themenkomplex „Fleisch“ von mehreren Seiten und so sachlich wie möglich anzugehen. Schauen wir, ob das den Autor*innen der insgesamt sechs hier versammelten Essays gelungen ist.

Den Aufschlag macht Gunther Hirschfelder, der „eine Kulturgeschichte des Nahrungsmittels Fleisch“ vorlegt. Von den Jagenden und Sammelnden der grauen Vorzeit bis zur heutigen Dienstleistungsgesellschaft zieht sich sein Bogen. Die Entwicklung, die er „vom Wohlstands- zum Krisensymbol“ nachzeichnet, ist dabei nicht sonderlich überraschend: war Fleisch über weite Teile menschlicher (Siedlungs-)Geschichte ein Luxusgut, so ist es seit dem 20. Jahrhundert zu einem massenkonsumierten Lebensmittel geworden, das nun, an der Schwelle des 21. Jahrhunderts, langsam seine Strahlkraft zu verlieren beginnt.

Weniger überzeugend an dieser Aufstellung ist die Frühzeit des Menschen, wo Hirschfelder mit sehr grobem Pinsel weitreichende Behauptungen aufstellt, die so in der Wissenschaft zumindest umstritten sind und die auch gar nicht zu seinem eigenen Fachgebiet gehören, so etwa, dass die Umstellung von ausschließlich pflanzlicher auf zumindest teilweise tierische Nahrung für den Wachstums des Gehirns der Frühmenschen um immerhin 200% verantwortlich war. Wie fast immer sind Versuche, irgendwelche Vergleiche oder Lehren aus und mit der Frühgeschichte zu machen, so problematisch, dass man es am besten sein lässt. Interessant für uns ist ohnehin erst die menschliche Siedlungsgeschichte, denn hier können wir wenigstens halbwegs gesicherte Aussagen machen – auch wenn etwa der Speiseplan mittelalterlicher Bauerfamilien ebenfalls wesentlich unklarer bleibt, als Hirschfelder das hier suggeriert.

Auffällig fand ich die Menge des Fleischkonsums, die Hirschfelder schön herausarbeitet. Die Deutschen essen durchschnittlich 60 Kilogramm Fleisch pro Jahr, eine Verdreifachung gegenüber dem Stand vor 100 Jahren, und eine Menge, die in den letzten zwanzig Jahren nur unwesentlich sank. Diese Menge hängt dabei ziemlich deutlich mit der Verfügbarkeit billigen Massenfleisches zusammen.

Die Debatte darüber, ob der heute unverändert extrem hohe Fleischkonsum neben dem unbestreitbaren Problem für Umwelt-, Klima- und Tierschutz auch ein moralisches Problem darstellt, ob wir Menschen des frühen 21. Jahrhunderts uns also moralisch schuldig machen, wenn wir Fleisch konsumieren, ist das Herzstück des eingangs angesprochenen Kulturkampfs ums Fleisch. Besonders von überzeugten Vegetarier*innen und Veganer*innen wird er bereits seit Langem geführt, aber diese waren stets eine kleine Minderheit. Mittlerweile aber ist die Debatte im Mainstream angekommen, wo sie allzu oft im Lärm des Kulturkampfs versandet. Es ist daher willkommen, dass Bernd Ladwig im Essay „Kritik am Fleischkonsum“ eine relevante Dichotomie aufmacht und die Frage stellt: „moralisch oder moralistisch?“

Beide Begriffe werden nämlich in der öffentlichen Debatte gerne synonym verwendet, sind es aber nicht. Ladwig unterscheidet beides anhand einer nützlichen Definition, die weit über die Fleisch-Frage hinausgeht. Moralistisch – und damit verwerflich – ist es, anderen ein unmoralisches Verhalten vorzuwerfen, für das sie nichts können. Er definiert vier Schritte: a) Liegt das Verhalten in meinem Verantwortungsbereich? b) Betrifft das Verhalten jemand, der moralisch um seiner Selbst willen zählt? c) Habe ich eine Möglichkeit, anders zu halten? d) Konnte ich wissen, dass mein Verhalten falsch war? Nur, wenn alle diese Schritte gegeben sind, ist moralische Kritik angebracht, ist ein Verhalten moralisch falsch. Ansonsten liegt Moralismus vor.

Nach dieser Definition wendet Ladwig das Prinzip auf Fleischkonsum an. Schnell beantwortet er die Frage, ob etwas moralisch schlechtes geschieht, mit „ja“. Angesichts von Massentierhaltung und Folgen des Fleischkonsums kann man kaum zu einem anderen Ergebnis kommen. Wesentlich problematischer aber sind die anderen Fragen: Kann ich etwas dagegen tun (eher nicht, wobei die Wirkung von Boykott im Graubereich belassen wird) und brauchen wir Fleisch vielleicht, so dass der Erhalt der Spezies oder wenigstens unserer Gesellschaft den Fleischkonsum erfordert und so das Leiden der Tiere quasi moralisch überstimmt? Diese Fragen sind wesentlich schwerer zu beantworten.

Ladwig argumentiert dabei mehrere Sichtweisen durch, offeriert Pro- und Contra-Argumente. Auch wenn er selbst am Ende zu dem Schluss kommt, dass Fleischkonsum tatsächlich unmoralisch ist, so warnt er doch vor zu harschen Forderungen, denn nicht nur ist es aktuell noch eine starke Klassenfrage (angesichts der Preise von Ersatzprodukten), sondern ein Wandel erfordert geradezu eine Revolution, die auf starke demokratische Vereinbareitsfragen stößt. Alles in allem war dieser Aufsatz der für mich aufschlussreichste und Augen öffnendste des Hefts.

Eine klarere kulturwissenschaftliche Fragerichtung stellt Martin Winter in seinem Aufsatz zu „Fleischkonsum und Männlichkeit„, in dem er genau diesen Zusammenhang untersucht. Er arbeitet dabei schön heraus, wie Fleisch mit zunehmender Verfügbarkeit ab dem 19. Jahrhundert zu einem Symbol für Männlichkeit wurde. Solange es noch gleichzeitig als Wohlstandssymbol fungierte, war die Menge des Fleischkonsums ein Zeichen patriarchalischer Herrschaft; seit der allgemeinen Verfügbarkeit im 20. Jahrhundert dagegen gilt es vor allem als allgemeines Männlichkeitssymbol. Wenig überraschend, dass Männer im Schnitt dreimal (!) so viel Fleisch essen wie Frauen. Eine lange Kulturgeschichte hat Geschlechteridentitäten und Fleischkonsum eng miteinander verknüpft.

Achim Spiller und Gesa Busch gehen von hier in den technischeren Bereich. Sie fragen, „wie Tiere zu Fleisch werden“ und stellen die Struktur der deutschen Fleischwirtschaft da. Bemerkenswert ist hier die große Rolle des Exports; so werden etwa rund 50% des deutschen Schweinefleischs exportiert, weil dieser Teil der Tiere auf dem deutschen Markt nicht nachgefragt wird (Ohren, Nasen, Füße, etc.). Diese große Bedeutung es Exports überrascht immer wieder, weil man sich Deutschland nicht als Exportland für landwirtschaftliche Produkte vorstellt, ist aber mengenmäßig ziemlich bedeutsam. Ebenfalls auffällig ist die starke Konzentration des Marktes auf einige wenige große Betreiber.

Von hier ausgehend skizzieren Spiller und Busch vier große Herausforderungen für die Transformation der Fleischwirtschaft: Gesundheit, Umwelt- und Klimaschutz, Tierschutz, Soziale Gerechtigkeit. Der hohe Fleischkonsum der Deutschen, vor allem an Rotfleisch, ist unstrittig gesundheitlich schädlich. Die Auswirkungen der Massentierhaltung auf Klima und Umwelt sind ebenso unstrittig, und dass sie für die Tiere nicht eben angenehm ist auch. Spätestens mit Corona sind zudem die Arbeitsbedingungen der Branche wieder verstärkt in den Blick geraten.

Schwieriger ist, daraus Konsequenzen zu ziehen. Deutsche Vorschriftsverschärfungen etwa führen wohl vor allem dazu, die Produktion ins Ausland zu verlagern, von wo aus das Billigfleisch dann importiert würde, so dass die einzige Konsequenz der Verlust der Fleischindustrie für die deutsche Volkswirtschaft wäre. Das heißt allerdings nicht, dass die deutsche Politik bereits alles Mögliche tun würde; bei Weitem nicht. Von besseren Labels über besseren Umweltschutz gibt es eine Reihe von umsetzbaren Maßnahmen.

Thorsten Schulten und Johannes Specht befassen sich dazu passend mit den Arbeitsbedingungen der Branche unter dem Schlagwort „Ein Jahr Arbeitsschutzkontrollgesetz„. Die miserablen Arbeitsbedingungen in der Fleischbranche hatten wahrlich genug Anlass zur Kritik gegeben. Allein, das Ergebnis der Untersuchung fällt eher bedrückend aus. Ein Jahr nach Verabschiedung hat das Gesetz bisher wenig Auswirkung auf die Praxis der Betriebe gehabt. Die Arbeitsbedingungen haben sich in einigen wenigen Bereichen leicht verbessert, aber insgesamt sind es vor allem mangelnde Kontrolle und Konsequenzen, die Verbesserungen blockieren.

Zum Abschluss befasst sich Deborah Williger mit dem Nischenthema des Schächtens, dem „Verbotenen Standard„. Sie zeigt die Wirtschaftsgeschichte der jüdischen Fleischindustrie auf, die in der wenig überraschenden Zerstörung durch die Nationalsozialisten endet. Deutlich überraschender ist, dass die rechtlichen Hürden, die im Nationalsozialismus gegen das Schächten errichtet wurden, danach nie wieder abgeschafft wurden. Bis heute ist Schächten in Deutschland schwer möglich, weswegen koscheres Fleisch – ebenso wie halal Fleisch – importiert werden muss. Dabei, so Williger, sei ordentlich durchgeführtes Schächten für die Tiere nicht quälender als andere Schlachtmethoden; die Ablehnung gehe eher auf alte Zerrbilder von blutrünstigen Juden zurück.

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  • R.A. 27. Januar 2022, 11:14

    Mir ist Ladwigs Ansatz zu undifferenziert. Es gibt sehr verschiedene Arten von Fleischkonsum (bzw. Fleischproduktion), und die sind auch sehr unterschiedlich moralisch zu bewerten.
    Die Kritik an der Massentierhaltung unterschreibe ich durchaus, mit allen Aspekten wie Tierwohl, Umweltbelastung oder Arbeitsbedingungen. Man kann es unmoralisch finden diese Produkte zu kaufen.

    Aber beim Wildschwein aus dem Odenwald, dem Schaf aus der Freilandherde, dem Rind von der südamerikanischen Pampa oder dem Schwein aus spanischen Eichenwäldern sehe ich absolut keine moralischen Probleme. Keiner der Kritikpunkte gegen die Massentierhaltung trifft hier zu.

    Und da alle diese Fleischprodukte auch noch die wirklich leckersten aus dem ganzen Angebot sind, müssen wir gar keine größeren Abstriche bei der Lebensqualität machen. Weniger Fleisch essen, aber dafür gutes. Da paßt alles.

    Den Winter sortiere ich mal unter „typischer Gender-Quatsch“ ein. Auch in der Antike oder im Mittelalter haben Männer lieber Fleisch gegessen als Frauen. Die Gründe muß man wohl eher in der Evolution suchen als bei angeblicher Prägung durch Rollenbilder.

    • Kning4711 27. Januar 2022, 14:10

      Für mich ist der schwierigste Aspekt der Soziale. Gutes, unweltverträgliches Fleisch ist teuer. So teuer, dass es zum Luxusgut würde und viele vom Regelkonsum ausschließen würde.
      Wie lange wäre eine Verteuerung zu Gunsten besserer Haltungsbedingungen politisch auszuhalten?

      • Stefan Sasse 27. Januar 2022, 15:16

        Das gilt halt auch für Trüffel.

        • cimourdain 28. Januar 2022, 11:41

          Bis darauf, dass Heinrich IV nie den Wunsch geäußert hat, dass jeder Bauer sonntags einen Trüffel auf den Nudeln hat.

      • R.A. 27. Januar 2022, 15:25

        „Immer fordern, dass man das über den Preis machen muss, und dann schreien, wenn die Preise steigen.“
        Meine übliche Erinnerung: Das Problem ist nicht, daß die Preise steigen. Das Problem ist daß der Staat zusätzlich abkassiert OHNE die Betroffenen zu entlasten. Nur diese Kombination schafft die Härten.

        Man hätte ja die CO2-Steuer an die Umsatzsteuer koppeln können: Die Einnahmen für die Senkung der Umsatzsteuer um das gleiche Gesamtvolumen zu nutzen.
        Dann müßten die Leute mehr für Energie bezahlen, aber weniger für andere Sachen. Also gleicher Wohlstand, aber ein Anreiz zum Energiesparen.

        Bisher sind aber alle mit irgendeinem Lenkungseffekt begründete Steuern im allgemeinen Haushalt versackt und auf die schon bestehende Belastung draufgesattelt worden.
        Das würde mit einer Fleischsteuer genauso passieren.

        • Stefan Sasse 28. Januar 2022, 11:34

          Korrekt. Ich war aber noch nie gegen einen Ausgleich. Gerade bei der CO2-Steuer finde ich die Idee, dass in einen Topf zu schmeißen und am Jahresende einfach pro Kopf an alle auszahlen, ziemlich charmant.

      • Lemmy Caution 27. Januar 2022, 16:07

        Fleisch war laut meiner Mutter in den 50er Jahren verhältnismässig viel teurer. Die haben dann halt nicht an jedem Tag Fleisch gegessen. Im Chile der unteren Mittelschicht ist es heute auch so. Den Hauptstadt-Döner für 3,50 Euro gehört für mich nicht zum Fortschritt der begeistert. Ich hab meinen Fleischkonsum in den letzten 10 Jahren deutlich eingeschränkt. Allerdings esse ich relativ viel Fisch.

      • Thorsten Haupts 29. Januar 2022, 19:48

        Bin in einer Mittelschichtfamilie gross geworden und habe meine Kindheit fleischarm verbracht. Vermisst man nicht, wenn man sich nicht an anderes gewöhnt bzw. in seiner Umgebung permanent anderes beobachtet hat. Will damit sagen – die Umstellung wird massenpsychologisch und damit politisch ungewöhnlich schwierig, ist aber keine Menschenrechtsverletzung.

        Gruss,
        Thorsten Haupts

        • Stefan Sasse 30. Januar 2022, 09:42

          Da bin ich 100% bei dir. Ich bin sehr fleischreich aufgewachsen, ich hab den Wechsel mit meiner Diät hingelegt, weil ich da zum ersten Mal Gemüse für mich entdeckt habe.

    • Stefan Sasse 27. Januar 2022, 15:15

      Ladwig ist auf jeden Fall mehrere Größenordnungen differenzierter als die Debatte üblicherweise 🙁

      Lies den Winter halt, das Ding ist kostenlos auch digital verfügbar, und äußere dich dann.

  • Thorsten Haupts 27. Januar 2022, 14:50

    … seit der allgemeinen Verfügbarkeit im 20. Jahrhundert dagegen gilt es vor allem als allgemeines Männlichkeitssymbol. Wenig überraschend, dass Männer im Schnitt dreimal (!) so viel Fleisch essen wie Frauen.

    Oder wie man aus Koinzidenz Konsequenz macht.

    Nach meiner Beobachtung gibt es auch eine Minderheit von stark fleischlastigen Frauen. Der Mehrheit der Männer wie diesen Frauen ist eines gemeinsam – sie scheinen einen höheren Eiweissbedarf zu haben, als die wenig Fleischessenden. Denn beide Gruppen ersetzen nach meiner Lebenserfahrung Fleisch, sofern nicht verfügbar, durch Eier und Milchprodukte.

    Aber man kann natürlich auch daraus ein Kulturkampfthema machen. Viel Vergnügen damit :-).

    Gruss,
    Thorsten Haupts

    • Stefan Sasse 27. Januar 2022, 15:17

      Wer natürlich mit religiöser Inbrunst daran glauben muss, dass es keinen gesellschaftlichen/kulturellen Einfluss auf Genderidentitäten gibt, der wird immer blind durch die Gegend laufen 😉 Viel Spaß damit.

      • Thorsten Haupts 27. Januar 2022, 16:58

        Sagt der Unterstützer der mit religiöser Inbrunst daran Glaubenden, alles sei eine Gender- oder Rassen-Frage, war ja klar :-).

        Gruss,
        Thorsten Haupts

        • Stefan Sasse 28. Januar 2022, 11:38

          Sorry, aber das zu leugnen ist hier einfach abwegig.

          • Thorsten Haupts 28. Januar 2022, 13:55

            Und dafür hätte ich gerne einen Beleg :-). Alles andere ist – wie sagt man bei Ihnen pseudowissenschaftlich – confirmation bias.

            Gruss,
            Thorsten Haupts

            • Stefan Sasse 28. Januar 2022, 19:10

              Der Artikel wäre selbiger verlinkter Beleg.

              • Thorsten Haupts 28. Januar 2022, 19:24

                Ah. Beweis durch Behauptung.

    • cimourdain 28. Januar 2022, 11:41

      „Nach meiner Beobachtung gibt es auch eine Minderheit von stark fleischlastigen Frauen.“ Diese Frauen sind – wie vegetarische Männer – transkulinarisch veranlagt. Dafür verwende bitte das &-Symbol (das ein wenig wie eine essende Person aussieht): Fleischesser&innen.
      :-P.

  • Thorsten Haupts 27. Januar 2022, 14:54

    So teuer, dass es zum Luxusgut würde und viele vom Regelkonsum ausschließen würde.

    Tja. Willkommen im Reich der unangenehmen Wahrheiten. Es gibt nur genau 2 zuverlässige Treiber menschlichen Verhaltens – Sanktionen (in demokratischen Rechtsstaaten Gesetze) und den Preis. Alles andere gehört in den Bereich von Märchen.

    Gruss,
    Thorsten Haupts

    • Stefan Sasse 27. Januar 2022, 15:17

      Erinnert mich an die CO2-Steuer-Debatte. Immer fordern, dass man das über den Preis machen muss, und dann schreien, wenn die Preise steigen.

      • Thorsten Haupts 27. Januar 2022, 16:56

        Von mir nicht. Ich kann mir auch höhere Fleischpreise leisten.

        • Stefan Sasse 28. Januar 2022, 11:38

          Viele Leute, die sie sich leisten können, entdecken bei dem thema (und nur da) plötzlich ihr Herz für Geringverdienende….

          • schejtan 28. Januar 2022, 19:34

            Du musst das so sehen: Hoehere Nahrungsmittel-/Energiepreise -> Hoeheres Existenzminimum -> Hoehere Hartz IV Saetze. Und das geht halt nicht.

      • Stefan Pietsch 27. Januar 2022, 17:07

        Das ist Dein grundsätzliches Missverständnis. Linke begeisterten sich erst für Umweltsteuern, als sie erkannten, dass man damit alles Unliebsame beliebig teuer machen kann. Cap & Trade steuert smooth über den Preis und die Erwartungen. Das Ziel ist, den Preis so auszutarieren, dass genau die zulässige Menge an Emissionen herauskommt. Langsame Reduktionen führen zu geringen Preiseffekten, Substitution fällt den Akteuren leicht. Schnelle Reduktionen, wie dies Klimaschützer fordern, führen zu hastigen Preissteigerungen, Substitutionen sind praktisch nicht möglich, Verzicht muss geübt werden.

        Im vergangenen Jahr hat der Staat damit 12,5 Milliarden Euro eingenommen. Anders als von den Versprechungen der Grünen wurde davon kein Cent zurückgegeben und offensichtlich denkt der Bundeswirtschaftsminister Habeck auch nicht daran, dies zu tun. Geld ist einfach zu verführerisch.

        • Stefan Sasse 28. Januar 2022, 11:41

          Natürlich, das ist eine Frage gut geschriebener Gesetze. Das ist, wie wenn man Unternehmenssteuern in der Hoffnung senkt dass das dann investiert wird und stattdessen geht es in Dividenden und Bonuszahlungen. Geld ist verführerisch, egal, wo es sich befindet. Geld ist auch Macht und korrumpiert deswegen alle, die es in die Finger kriegen.

          • Stefan Pietsch 28. Januar 2022, 12:40

            Nein. Das System funktioniert. Der Systemadministrator entscheidet, ob der Preis (schnell) steigt, oder Zeit zu Anpassungsreaktionen bleibt. Jede Anpassung benötigt Zeit, deswegen ist Zuverlässigkeit mit das wichtigste Kriterium für einen Rechtsstaat. Und hier ist der deutsche Staat nicht gut.

  • R.A. 27. Januar 2022, 15:30

    Technische Zwischenfrage:
    Ich bekomme Mails mit neuen Beiträgen (u.a. von mir selber), aber auf der Website sind nur die beiden ersten Kommentar (von mir und von Kning4711) sichtbar.
    Neu laden oder Nutzung anderer Browser helfen nicht.
    Geht es jemandem auch so?

    • Stefan Sasse 28. Januar 2022, 11:34

      Seit dem Domainumzug macht der Blog leider die einen oder anderen Probleme. Üblicherweise ist das aber nur eine Verzögerung.

  • cimourdain 28. Januar 2022, 11:42

    Habe mir den Band heruntergeladen und sehe darin ein Symptom, in welche Richtung derzeit Debatten allzu leicht abdriften: Zwei Artikel (Spiller/Busch und Hirschfelder) sind inhaltlich nahrhaft (wobei letzterer sich so liest, als hätte jemand ein 300-Seiten Welterklärerbuch genommen und die Kapitelzusammenfassungen abgeschrieben). Einer (Schulten/Specht) wäre in einem (eigentlich überfälligen) Band zum Dienstleistungsproletariat besser aufgehoben. Ladwigs Ethikessay ist so allgemein gefasst, dass es ebenso ein Kopfnickartikel wäre, wenn statt Fleischkonsum Kartenspiel dastünde. Und zwei volle Artikel sind zu Identitätsthemen (drei, wenn man Ladwig dazurechnet). Natürlich ist Ernährung identitätsstiftend (Ich verweise mal auf den Krieg zwischen Liliput und Blefuscu oder jede einzelne „Gehören Rosinen in Kaiserschmarrn?“ Debatte). Aber auch hier verdrängt die Debatte darüber andere, wichtigere Fragen: Diese Aspekte kommen im Heft nur am Rande zur Sprache: Physiologie/Gesundheit, ökologischer Fußabdruck (hatten wir im letzten Vermischten) sowie Fleischersatztechnologien. (Außerdem fehlen Gulaschrezepte)

    Dennoch noch eine Überlegung zu Winter : Warum genau bespricht er den Zusammenhang zwischen Fleischkonsum und Männerbild, interessiert sich aber nicht für die Frage, wie der Fleisch-nicht-konsum Teil des Frauenbilds wurde. Hierbei spielen Körperbilder und Pinkmarketing für gesunde Ernährung eine Rolle. Ein anderes interessantes Beispiel hierzu: Früher gab es die Empfehlung, dass schwangere Frauen viel Innereien essen, um die Nährstoffe für das Kind zu liefern. Heute wird genau davon abgeraten, wegen den möglicherweise enthaltenen Schadstoffen .

  • cimourdain 28. Januar 2022, 12:09

    Interessantes Stück Trivia zum Thema passend: Der Film ‚Soylent Green‘ spielt 2022 (sogar im deutschen Titel enthalten)

    • Stefan Sasse 28. Januar 2022, 19:05

      lol

    • Thorsten Haupts 28. Januar 2022, 20:04

      Yup. Fand den mit 15 ziemlich bedrückend, mit 20 wusste ich dann, dass es sich um einer der periodischen Zuckungen des Malthusianismus handelte, der die westliche Welt immer mal wieder heimsucht.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

      • Stefan Sasse 29. Januar 2022, 09:48

        Treffende Beschreibung. Ich finde das echt merkwürdig, wie diese Idee immer wieder kommt. Das letzte Mal hatten wir es ja mit Avengers Endgame…

        • Thorsten Haupts 29. Januar 2022, 12:50

          Oh das warum ist mir schon klar: Statische Betrachtung. Wenn man unter ceteribus paribus Bedingungen ein Bevölkerungswachstum annimmt, das die Weltvevölkerung vermehrfacht, landet man bei Soylent Green.

          Viele, sehr viele, auch intelligente Leute sind ausserstande, technische Innovation und die damit verbundenen Produktivitätsschübe zu antizipieren. Genau deshalb ist ja die Idee eine planwirtschaftlichen Sozialismus nach wie vor latent attraktiv im Westen – damit verteilt man einen bestehenden Kuchen komplett um.

          Dass man gleichzeitig damit diesen Kuchen einfriert und Wachstum wie Innovation abwürgt, ist offenbar nicht so einfach vermittelbar.

          Gruss,
          Thorsten Haupts

          • Stefan Sasse 29. Januar 2022, 13:19

            Wer ist denn heute noch für Planwirtschaft? Sonst Zustimmung. Ich glaube es gibt nur wenige Irrwege der jüngeren Vergangenheit, die so offensichtlich sind wie Kommunismus-style Planwirtschaft.

            • Thorsten Haupts 29. Januar 2022, 14:43

              Direkt gibt es fast keine Verfechter von Planwirtschaft mehr. Indirekt – als Summe anders praktisch nicht erfülbarer Forderungen an Politik – gibt es ne ganze Menge. „Gerechte Verteilung“ knapper Resourcen von oben ist immer noch reichlich verführerisch für Leute, die ernsthaft glauben, davon zu profitieren. Und das beginnt tief in der Mittelschicht.

              Gruss,
              Thorsten Haupts

              • Stefan Sasse 29. Januar 2022, 19:21

                Da dehnst du den Begriff aber bis zur Unkenntlichkeit. In Summe sind alle Forderungen an die Politik natürlich unerfüllbar. Politik musste schon immer priorisieren und Entscheidungen treffen.

                • Thorsten Haupts 29. Januar 2022, 19:49

                  Ist mir für einen Samastagabend jetzt nicht interessant genug für eine Diskussion und ich muss ausserdem noch ein paar Dark Elves verhauen :-).

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