Reformierende Väter fühlen den ohnmächtigen Rechtsstaat und wählen eine arme Kinski – Vermischtes 18.06.2026

Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Die „Fundstücke“ erhalten ausführlichere und thematisch gegliederte Hinführungen zu verschiedenen Artikeln aus den Weiten des Netzes dar. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels empfohlen; ich übernehme keine Garantie für die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Zusammenfassungen. Für den Bezug in den Kommentaren sind nummerierte Zwischenüberschriften eingezogen, bitte auf die referieren. Dazu gibt es die „Resterampe“, in der ich nur kurz auf etwas verweise, das ich zwar bemerkenswert fand, aber zu dem ich keinen größeren Kommentar abgeben kann oder will. Auch diese ist geordnet (mit Buchstaben), so dass man sie gegebenenfalls in den Kommentaren referieren kann.

Fundstücke

1) Rechtsstaat als Wettbewerbsvorteil?

Elizabeth Braw hat bei Politico einen Artikel veröffentlicht, in dem sie den Rechtsstaat als Wettbewerbsvorteil für Europa framed. Da Unternehmen langfristige Rechtssicherheit benötigten, sei Europa ein „sicherer Hafen“. That’s true, as far as it goes. Grundsätzlich sind Unternehmen, die rechtsstaatliche Garantien wollen, in Europa zunehmend besser aufgehoben als etwa in den USA. Nur: wollen die das? Rechtsstaatlichkeit hat zwei Seiten. Denn die Sicherheit ist ein bedenkenswerter Aspekt, ohne Frage. Aber was in Europa anders als etwa in den USA unmöglich ist, ist das Kaufen von Wettbewerbsvorteilen. Unternehmen hatten nie ein Problem mit Diktaturen und rechtsstaatlich nicht eben sauber fahrenden Staaten, weil diese eben auch einen gewaltigen Vorteil bieten: man kann sich das Recht kaufen. In einem Rechtsstaat werden nämlich die Schwachen beschützt. Nicht zufällig lieben Unternehmende autokratische Systeme, ermöglichen diese es ihnen doch häufig, arbeitsrechtlichen Schutz zu ignorieren – sofern man auf der guten Seite des Unternehmens ist. Eine Spende an Trump und schon hat man fette Gewinne für wenig Arbeit in staatlichen Aufträgen – das kriegt man hierzulande nicht mal bei Jens Spahn. Und so weiter. Ich fürchte deswegen, der Rechtsstaat ist eher Wettbewerbsnachteil als -vorteil. Im Zweifel werden die Unternehmen die ihnen gewogene Autokratie vorziehen. Oder zumindest ohne dem Rechtsstaat eine Träne nachzuweinen akzeptieren.

2) Reformdiskurs

Ein aktueller Rentenvorschlag sieht vor, dass Beitragsjahre statt Rentenalter künftig über den Eintritt entscheiden sollten. Das würde zwar die zentralen Probleme auch kaum besser machen, aber vor allem hat es die problematische Dimension, dass es vor allem diejenigen trifft, die jetzt schon eher am unteren Ende der Skala zu finden sind. Theoretisch könnten männliche Facharbeiter etwa mit 60 oder 61 zu vollen Bezügen in Rente gehen (was man ja eigentlich nicht haben will), während andererseits andere Bevölkerungsgruppen gar keine Chance haben, diese Beträge zu erreichen. Letztlich entspräche auch das einmal mehr einer massiven Rentenkürzung, was aber in vielen Fällen schon kaum eine Rolle mehr spielt, weil sie ohnehin in die Sozialhilfe fallen. Man verschiebt damit eigentlich nur noch die Kosten von der einen Kasse in die andere, mit dem zusätzlichen „Bonus“, dass sich die Betroffenen herabgewürdigt fühlen. Das sind Reformvorschläge aus der Hölle. – Leseempfehlung im Übrigen für den Tauchsieder zu diesem Thema.

3) Ohnmachtsgefühl

Der Soziologe Matthias Quent erklärt das Ohnmachtsgefühl zum zentralen Problem unserer Tage. Ich stimme ihm darin völlig zu und sehe es als die größte Ursache für die Unzufriedenheit mit der Demokratie und, ja, den Aufstieg der AfD. Diese Ohnmacht betrifft viele Bereiche. Am meisten diskutiert ist sie bezüglich der Migration, wo sie auch extrem toxisch ist, weil sei die Abwehr einer Bedrohung von außen betrifft – respektive die Wahrnehmung, aber Wahrnehmungen sind alles. Auch das Gefühl, kulturell ohnmächtig zu sein, so absurd es oft auch ist, fällt in diese Kategorie (das ist ja etwas, worunter etwa die Meinungsfreiheitskrieger*innen der Welt sehr leiden). Aber es gibt auch das Ohnmachtsgefühl gegen die wahrgenommene soziale Ungerechtigkeit, gegen Vermögensverteilung, etc. Diese Ohnmacht ist auf vielen Feldern, und auch ein direkter Ausfluss der Sprache der Politik und Medien.

Denn diese reproduzieren dieses Ohnmachtsgefühl ja permanent mit völlig übertriebenen Setzungen. So fragt Kristina Schröder etwa: „Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus – gilt das eigentlich noch?“ Natürlich gilt das noch. Oder man schaue auf Andreas Rosenfelder, der in dem Schutz der Verfassungsgerichte vor Extremisten eine „Entmachtung der Wähler“ sieht. Auch an anderen Orten ist die apokalyptische Rhetorik allgegenwärtig: die CDU behauptet eine gigantische Wirtschaftskrise, die unpopuläre Reformen notwendig mache, während Grüne gerne die Klimakrise dafür in Stellung bringen. In all diesen Fällen füttert das aber ein Ohnmachtsgefühl.

4) Väter

Eine Studie amerikanischer Verhältnisse zeigt, dass Väter an der Kindeserziehung beteiligter sind denn je. Das lässt sich als Trend grundsätzlich problemlos auch auf Deutschland übertragen. Während Väter immer noch wesentlich weniger Care- und Beziehungsarbeit leisten als Mütter, ist ihr Anteil in den vergangenen zwei Jahrzehnten kontinuierlich gewachsen – und mit diesem Wachstum der Doppelbelastung auch der Stress, unter dem sie stehen. Die Resultate sprechen für sich: Väter heute sind im Leben ihrer Kinder wesentlich präsenter als früher, haben eine bessere Verbindung zu ihren Kindern und sind glücklicher. Good news!

5) Armut

Julian Nida-Rümelin erklärt in der Welt „Das Märchen von der Armutsgefährdung„. Vermutlich können die meisten die Argumentation schon aus der Überschrift herleiten: In Deutschland herrscht kaum absolute Armut, wie sie etwa in Brasilien oder den USA vorkommt, und würde man die Einkommen alle um Faktor 10 erhöhen, wäre derselbe Teil Menschen arm wie vorher. Ich will zuerst Letzteres ansprechen: das ist ebenso richtig wie nutzlos. Denn die Einkommen der Bevölkerung werden nicht angehoben. Die Armutsquote von 60% des Medianeinkommens gehen von den real existierenden Einkommen aus und nicht von solchen akademischer Hütchenspiele auf dem Niveau eines „aaaaactually….„, das ungefähr dem Galaxy Brain eines Zehntklässlers entspricht. Dieses Argument ist einfach völlig irrelevant. Das andere ist wesentlich wichtiger, denn Deutschland sichert tatsächlich vor einem Abrutschen in die absolute Armut wesentlich besser als viele andere Staaten (wenngleich bei weitem nicht so gut, wie bei Sozialstaatsverächtern gerne getan wird, es fallen genug Leute durchs Netz). Aber: das ist letztlich auch keine super relevante Frage, weil das nicht unser Anspruch ist. Wenn ich etwa sagen würde, dass wir keinerlei Probleme mit Kriminalität haben, weil in Deutschland verglichen mit den Favelas relativ wenig los ist, werde ich in der Welt keine Freunde finden (und hoffentlich auch sonst nirgends), denn das ist ebenso richtig wie nutzlos. Wir messen uns nicht an den Favelas, was Gewalt angeht, und wir messen uns nicht an Slums in Arkansas, was Armut angeht. Wir haben Standards. Und an denen messen wir. Alles andere ist Quatsch. By the way, der Weg Nida-Rümelins von Rot-Grün zur Welt ist auch ein witziges Hufeisen.

6) Wahlrecht

Auch, wenn die Sau schon über eine Woche durchs Dorf getrieben ist: Die alarmistische Überschrift „Mit diesem Vorschlag gefährdet Reichinnek die Demokratie“ bezüglich der Forderung Reichinneks, auch seit 5 Jahren in Deutschland lebenden Ausländer*innen das Wahlrecht zu gewähren, entbehrt nicht einer gewissen Logik. Wir haben das ja bereits bei den Kommunalwahlen (ohne dass indes die Demokratie untergegangen wäre), aber hier geht es auch eher um philosophische denn praktische Fragen (wie viele seit fünf Jahren hier lebende Migrant*innen werden schon tatsächlich wählen gehen…?). Denn Dorothea Schupelius‘ Argumentation geht davon aus, dass der demos das Staatsvolk bildet. Demzufolge ist auch nur dieser demos wahlberechtigt. Und das hat eine Logik. Zwar bezahlen Ausländer*innen hierzulande auch Steuern und ggf. Sozialbeiträge und sind denselben Gesetzen unterworfen wie alle anderen auch. Dennoch besitzen sie nicht alle Rechte der Staatsbürgerschaft und sind, je nach Herkunftsland, mehr oder weniger starken Einschränkungen unterworfen. Auf der anderen Seite gelten aber auch Pflichten für sie nicht; schließlich würden im Kriegsfall keine seit fünf Jahren hier lebenden Ausländer eingezogen. Reichinneks Vorschlag ist schlüssig aus einer linken Sicht, die Grenzen und Nationalstaaten ablehnt. Aber für alle anderen sägt ein solches Recht tatsächlich an den Grundfesten unserer Gesellschaft.

7) Der Fall Kinski

Dennis Sand hat in der Welt einen sehr differenzierten und lesenswerten Artikel zum Umgang mit anstößiger Kunst aus der Vergangenheit geschrieben. Ich denke, die Überschrift und der Teaser stammen jemand aus der Redaktion, die sind viel krawalliger. Ich halte diese Prämisse auch für Quatsch: wir schreiben nicht die Vergangenheit um. Es spricht nichts dagegen, dass das Original weiter in Archiven bleibt. Wir schreiben ja die Vergangenheit auch nicht um, weil NS-Propagandafilme nicht frei zugänglich sind. Das ist keine Gleichsetzung, aber der Vergleich illustriert glaube ich gut den Irrweg, auf den die Kritiker*innen sich begeben, die sich in der letzten Zeit mit Verve dafür eingesetzt haben, dass Nacktszenen einer Minderjährigen gegen deren expliziten Wunsch unbedingt im Fernsehen zu sehen sein müssen (nicht Sand, wie gesagt, das waren andere, siehe etwa hier).

Resterampe

a) Philologenverband macht gegen Noteninflation im Abitur mobil – „Politisch gewollt, gute Noten für weniger Leistung zu geben“. Was ein Quatsch. Und jedes Jahr dieselbe Leier.

b) KI-Protest an US-Universitäten: Warum die Studierenden recht haben. Ich halte es für völlig überzogen, hier ein generationelles Ding auszumachen. Die allermeisten nutzen die KI einfach und fertig.

c) Dass Bürger*innen gegenüber einer Reform umso skeptischer werden, je besser und ausführlicher sie erklärt wird, glaube ich sofort. Generell leidet die Politik heute unter diesem Mangel an Politik und dem Unverständnis gegenüber dem eigenen Beruf.

d) Das Teilzeit-Problem, VW-Edition. Und genau da liegt der Hase im Pfeffer.

e) Ariane zum Heizungsgesetz. Volle Zustimmung.

f) Diese Diskussion um Bas‘ Schulabschluss ist echt nur absurd.

g) Es ist unglaublich, mit was für bekloppten Aussagen AfD-Leute durchkommen, weil sich keiner mit ihr beschäftigt.

h) White working class, lol.

i) Wenn diese Milliardäre wenigstens clever wären. Aber die sind so unendlich blöd. Die zerstören die Welt um sich herum aus völliger Hybris.

j) Toleranz-Paradox, NYT-Edition. Siehe dazu dieses Video. Ganzes Video hier. Es ist echt krass.

k) Wie ich diesen Politik-Verachtungs-Populismus hasse.

l) Deutsche Industriepolitik, echt zum Heulen.

m) Trump und Konsorten sind einfach Verbrecher an der Menschheit.


Fertiggestellt am 08.06.2026

{ 148 comments… add one }
  • Kirkd 18. Juni 2026, 11:34

    zu 1)
    Natuerlich ist der Rechtsstaat ein Standortfaktor. Die Sorge um stabile Bedingungen wird seit ca 10 Jahren durchgängig auf Unternehmensjuristenkongressen diskutiert.

    Aber:
    – es ist eben nicht der einzige Faktor
    – es ist nicht der demokratische Rechtsstaat, sondern der Rechtsstaat. Der Punkt sind stabile Bedingungen. Wenn China klare Vorgaben macht, dann wissen alle was zu tun ist, das hat lange Jahre funktioniert. Als plötzlich die chinesischen Techkonzerne angegangen wurden, war die Party allerdings erst einmal vorbei. Jetzt spielt sie bei Solar, EV und anderen Unternehmen.
    – Der moderne Rechtsstaat tendiert imer mehr dazu, sich selbst ein Bein zustellen, durch die Ausdifferenzierung der Regelungen und Bürokratie.

  • Thorsten Haupts 18. Juni 2026, 12:30

    Zu 1) Rechtsstaat

    Ich fürchte, da liegen gleich zwei Missverständnisse vor:
    a) Unternehmen wollen Klarheit und Konstanz, wie auch immer die hergestellt werden
    b) Unternehmen wollen (überwiegend) keine überbordende Bestechlichkeit, weil das Klarheit und Konstanz gefährdet. Sie können nur damit leben, wenn sie keine andere Wahl haben

    Und gegen a) kann man auf dieselbe Art und Weise verstossen:
    – Autokratien oder Diktaturen ändern Regeln über Nacht oder setzen sie ausser Kraft
    – Demokratische Rechtsstaaten ändern Regeln über Nacht oder setzen sie ausser Kraft. Plus Kirkd´s Beobachtung: „Der moderne Rechtsstaat tendiert imer mehr dazu, sich selbst ein Bein zustellen, durch die Ausdifferenzierung der Regelungen und Bürokratie.“

    Weshalb es für Unternehmen in der Praxis zwischen funktionierenden Autokratien und demokratischen Rechtsstaaten vermutlich nur geringe Unterschiede gibt. Anders sieht es in Staaten aus, in denen das Recht keine Rolle spielt, nicht durchgesetzt werden kann oder das Rechtswesen dysfunktional ist. Das ist auch keineswegs überraschend: Der Rechtsstaat ist da, wo er halbwegs funktioniert, in allererster Linie ein Mittel zum Schutz des Individuums vor Politik- und Behördenwillkür, nicht weniger, aber eben auch nicht mehr.

    Gruss,
    Thorsten Haupts

  • Stefan Pietsch 18. Juni 2026, 12:34

    1) Rechtsstaat als Wettbewerbsvorteil?

    Das ist eine sehr sozialistische, freiheitsfeindliche Einstellung. Wer sind eigentlich „die Unternehmen“? Was soll das sein? „Unternehmen sind schlicht Organisationsformen zum wirtschaftlichen Handeln. Sie sind Ansammlungen von Menschen. Was Du präsentierst, ist im weiteren Sinne eine menschenfeindliche Position. Bewusst? Sicher nicht. Vorurteilsbeladen, ideologisch tiefgerötet.

    Tatsächlich verhält es sich exakt umgekehrt. Je freiheitlicher eine Gesellschaft, desto mehr prosperieren Unternehmen. Sie brauchen dazu zwingend den Rechtsstaat, der das Eigentum und die Einhaltung von Verträgen sichert. Der ihnen den auf Verträgen basierenden Zugang zu Kapital ermöglicht. Deswegen flieht das Kapital sehr schnell aus unsicheren Verhältnissen. Trump, der doch wegen seiner Bestechlichkeit so unternehmerfreundlich sein müsste, sorgt für Kapitalflucht.

    Du bist der beste Beweis, dass sich an der Freiheits- und Wirtschaftsfeindlichkeit des deutschen Lehrerkollegiums in den Jahrzehnten nichts geändert hat.

    • Ariane 19. Juni 2026, 02:31

      Du bist der beste Beweis, dass sich an der Freiheits- und Wirtschaftsfeindlichkeit des deutschen Lehrerkollegiums in den Jahrzehnten nichts geändert hat.

      Aber sonst geht es dir noch gut?

      • Stefan Pietsch 19. Juni 2026, 09:43

        Ich bin in den Siebziger- und Achtzigerjahren zur Schule gegangen. Genau so wie Stefan das präsentiert, wurde damals über Wirtschaft und Unternehmen gelehrt. Mein Abitur habe ich an der Schule abgelegt, an der drei Jahre vorher der heutige Kultusstaatsminister Wolfram Weimer abgeschlossen hat. Es ist eine ziemlich bekannte und zumindest damals hoch angesehene Schule östlich von Frankfurt.

        Obwohl die Stadt damals streng konservativ-wirtschaftsliberale war mit deutlichen absoluten Mehrheiten für die CDU, war der Lehrerkorps ganz anders gepolt, kritisierte mehr oder weniger offen die damaligen Reformen der Kohl-Regierungen im Streikrecht und forderte von den Schülern „faire“ Systemvergleiche. Dass nur wenige Jahre später der so demokratische Sozialismus kollabieren sollte, ahnte keiner.

        Ich habe also in meinem Vergleich den Vorteil des höheren Alters auf meiner Seite. Diese Abneigung gegen Unternehmen ist bei Stefan so tief verankert wie das schon vor Jahrzehnten bei den Lehrern war. Was Stefan hier von sich gibt, hat mit Fakten nichts zu tun, ist einzig das Herabwürdigen von Menschen (Unternehmen sind Organisationen von Menschen!), die, wenn sie wirtschaftlich arbeiten, unsere Werte von Demokratie, Freiheit und Rechtsstaat verachten und nur noch durch die Meinungsfreiheit gedeckt. Die letzte Rückhaltelinie. Das ist bei ihm eine neue Stufe der eigenen Radikalisierung oberhalb von „Milliardäre gehen nicht zur Demokratie“.

        Wirklich verwunderlich, dass auch Du hier nicht Stefan in den Arm fällst.

        • Sören 24. Juni 2026, 19:33

          > Obwohl die Stadt damals streng konservativ-wirtschaftsliberale war mit deutlichen absoluten Mehrheiten für die CDU, war der Lehrerkorps ganz anders gepolt, kritisierte mehr oder weniger offen die damaligen Reformen der Kohl-Regierungen im Streikrecht und forderte von den Schülern „faire“ Systemvergleiche. Dass nur wenige Jahre später der so demokratische Sozialismus kollabieren sollte, ahnte keiner.

          Klar, wenn die DDR für eines bekannt war, dann das starke Streikrecht.

          • Stefan Pietsch 24. Juni 2026, 19:48

            Das haben Sie falsch verstanden. Das Heroische war nicht der Vergleich des Streikrechts. Das „und“ steht nicht für einen inhaltlichen Kontext. Doch während die wirtschaftliche Dynamik des Westens gering geachtet wurde, wurden die Staaten des Warschauer Pakts völlig unrealistisch gesehen. Der Zusammenbruch war dann eine faustdicke Überraschung.

    • CitizenK 19. Juni 2026, 11:44

      „Trump…sorgt für Kapitalflucht.“

      Es gab gerade den größten Börsengang der Geschichte?

      Es sei denn, Sie halten die Veranstaltung des Vorzeige-Unternehmers auch für einen „meme-stock“wie Paul Krugman und/oder ein „Ponzi Scheme“ wie Sandra Navidi. Das wäre dann eher eine Bestätigung für Stefan Sasses These.

      • Stefan Pietsch 19. Juni 2026, 22:55

        Sie sind kein Kapitalmarktexperte. Dann ist Spott aber das letzte Stilmittel, das man einsetzen sollte.

        U.S. investors are pulling money out of their own stock market at the fastest pace in at least 16 years as Big Tech returns fade and better-performing overseas markets look more attractive.
        In the last six months, U.S.-domiciled investors have pulled some $75 billion from U.S. equity products, with $52 billion flowing out since the start of 2026 alone, the most in the first eight weeks of the year since at least 2010, according to LSEG/Lipper data.

        Bank of America’s February fund manager survey showed investors switched from U.S. equities to emerging market equities at the fastest rate in five years.
        „I’ve had lots of conversations with our wealth business in the U.S. this year,“ said UBS’s head of European equity strategy and global derivatives strategy Gerry Fowler.

        https://www.reuters.com/business/buy-america-bye-america-wall-street-exodus-gathers-pace-2026-02-20/

        Natürlich ist der US Kapitalmarkt gigantisch groß, 60 Billionen Dollar im Vergleich zur gesamten EU mit 6 Billionen Dollar. Allein der Börsenwert eines der Big Seven übersteigt den deutschen DAX, den größten europäischen Börsenmarkt, deutlich. Und es ist auch so, dass die von Trump geschürte Unsicherheit Anleger eher den Dollar suchen lässt. Aber das ist eine Momentaufnahme, die den übergeordneten Trend nicht überlagern kann.

        • Lemmy Caution 22. Juni 2026, 20:34

          Grund für die Nervosität auf dem US-Aktienmarkt ist nicht Trump sondern die immensen Kosten der AI-Hyperscaler.
          Siehe meine Links weiter unten.

      • Lemmy Caution 22. Juni 2026, 20:32

        Tatsächlich gibt es reale Industrieansiedlungen und große Investitionsankündigungen in den USA, insbesondere in den Bereichen Halbleiter, Pharma, Automobil und Hightech. Ist aber umstritten, ob das zu vielen Industriearbeitsplätzen führt und ob das wirklich auf Trumps aggressive „beggar my neighbour“ Handelspolitik zurückgeführt werden kann.
        Inwieweit die riesigen Börsengänge dieses Jahres sich nicht als Blasen herausstellen werden, ist eine gute Frage. Die Analysten meines Vertrauen rechnen mit einer Wertberichtigung von SpaceX am Ende des Jahres. OpenAI ist ein Witz, Anthropic nicht. Aber selbst für Anthropic sind die Betriebskosten der Rechenzentren und des immer neu durchgeführten teuren Trainings sehr hoch.
        Ed Zitron ist schrill und hat ADHS, aber sein Leak der Kosten von OpenAI wurde inzwischen von Financial Times und anderen Institutionen bestätigt. Es gibt echt gute Business Kanäle, die Aufklärungsarbeit leisten. Das hier: https://www.youtube.com/watch?v=MNO8i68HWe4
        Für mich der beste Kanal in dieser Liga: https://www.youtube.com/@ProfGMarkets

    • DerDieDas 19. Juni 2026, 18:23

      Grotesk!

  • Thorsten Haupts 18. Juni 2026, 12:34

    Zu 7) Eingriffe in historische (Kunst)Werke

    Das hier könnte ich sofort unterschreiben:
    Der Fall Kinski mag eine begründete Ausnahme sein. Gerade deshalb ist er so wichtig. Ausnahmen definieren die Regeln und über die sollte man sich noch einmal verständigen. Gefährlich wird es nämlich, wenn aus diesen (begründeten) Ausnahmen neue Regeln werden. Nicht jede Korrektur ist verwerflich. Aber die wenigsten Korrekturen machen eine Kultur aufgeklärter. Manchmal sind sie einfach nur der Versuch, die Vergangenheit nachträglich auf die richtige Seite der Geschichte zu zwingen.

    Durchsetzen werden sich, machen wir uns da nichts vor, nach den Regeln des modernen Medien- und Politikbetriebes allerdings die Moralwächter (heute andere als morgen), zum Schaden von Geschichte und Kunst.

    Gruss,
    Thorsten Haupts

  • Stefan Pietsch 18. Juni 2026, 12:40

    2) Reformdiskurs

    Wieder völliges Missverständnis des Anliegens. Gerade Linke plädieren für die Orientierung an dem Kriterium Beitragsjahre, weil dadurch die Beschäftigten begünstigt werden, die kein Studium absolviert, sondern mit 16 in die Lehre gegangen sind. Und es geht zu Lasten gebildeter Schichten, die es sich als einzige häufig leisten können, bereits mit 60 aus dem Erwerbsleben auszuscheiden. Genau so sehen auch die Erfahrungen mit der Rente mit 63 aus.

    Also ein weiterer Abschnitt vollgeladen mit ideologischen Vorbehalten.

  • Thorsten Haupts 18. Juni 2026, 12:42

    Zu 3) Ohnmachtsgefühl

    Sollte die Diagnose richtig sein, ist jede Demokratie sicher zum Untergang verurteilt. Denn ohnmächtig sind und waren selbst die mächtigsten Menschen auf dieser Erde – gegen das Universum und die Zeit sind wir alle immer ohnmächtige kleine Lichter, die für einen Sekundenbruchteil aufflackern und dann verlöschen. Sich damit abzufinden, gegen Dinge (kurzfristig) nichts machen zu können, die einem missfallen, gehört übrigens auch zum Wesenskern von Demokratien – die Mehrheit entscheidet und man unterwirft sich dieser Entscheidung und versucht bestenfalls, Mehrheiten zu verschieben, was praktisch immer ein Projekt für viele Jahre ist. Mit ungewissem Ausgang.

    Wenn das bereits als nicht hinnehmbare Kränkung des eigenen Egos empfunden und entsprechend gehandelt wird, kann jede menschliche Gesellschaft nur noch durch nackte Repression funktionsfähig gehalten werden. Denn es gibt am Ende des Tages kein Mittel gegen die Ohnmacht. Sollte eigentlich jeder erwachsene Mensch wissen.

    Gruss,
    Thorsten Haupts

  • Stefan Pietsch 18. Juni 2026, 12:44

    4) Väter

    Während Väter immer noch wesentlich weniger Care- und Beziehungsarbeit leisten als Mütter, ist ihr Anteil in den vergangenen zwei Jahrzehnten kontinuierlich gewachsen

    Kann das wirklich ein staatliches Ziel sein (Stichwort: Ideologie)? Ansonsten verbringen Eltern heute in Summe deutlich weniger Zeit mit ihren (Klein-) Kindern, die viel früher und viel länger in den staatlichen Kitas geparkt werden. Das sind Good News? Einmal in die Augen eines 1 1/2jährigen geblickt, der abends um 18:30 Uhr noch nicht von Mama oder Papa abgeholt worden ist und der Knirps alleine mit seiner Erzieherin zwischen den Spielsachen hockt. Good News? Nur für Ideologen.

    • Ariane 19. Juni 2026, 02:16

      Nein ganz schlimm, wenn Väter Zeit mit ihren Kindern verbringen. Sowas wünschen sich nur verblendete Ideologen!
      Übrigens steht weder im Beitrag noch im Link irgendetwas von staatlichem Ziel. Es ist eine Studie des aktuellen Verhaltens. Es hat überhaupt gar kein Ziel.

      Im Übrigen verbringen Eltern heute deutlich mehr Zeit mit ihren Kindern. Vielleicht mal selbst die eigene Ideologie hintenanstellen:
      https://www.spiegel.de/lebenundlernen/job/studie-eltern-verbringen-mehr-zeit-mit-ihren-kindern-a-1129864.html

      • Stefan Pietsch 19. Juni 2026, 13:16

        Nein, das ist nicht schlimm. Ist nur nicht Sache des Staates, das zu beurteilen, zu fördern oder zu verhindern. Fällt übrigens unter Artikel 6 Grundgesetz, Schutz von Ehe und Familie. Zusammengefasst steht da: Politiker und Beamte, haltet Euch aus unserem Privatleben raus!

        • Ariane 21. Juni 2026, 23:31

          Nochmal: der Link weist auf eine Studie des IST-Zustandes. Der Staat und schon gar nicht Art. 6 GG spielen da gar nicht mit.

          die Idee, es gab eine Art staatliche Anordnung, die hier zu einem Wechsel geführt hat, ist auch ziemlich weit hergeholt. Menschen, Prioritäten und Dinge ändern sich auch ohne Eingriff des Staates und zwar gar nicht so selten.

  • Thorsten Haupts 18. Juni 2026, 12:45

    Zu 2)

    Welches System ist zumindest theoretisch fairer, als die Zahl der Beitragsjahre? Das jetzige System begünstigt akademische Eliten gegen Hauptschul- und Ausbildungsabgänger, wegen eines arbiträr gewählten Kriteriums (Lebensalter). Das mit den Beitragsjahren kann ich jedem widerspruchsfrei erklären, das mit dem Lebensalter eher weniger.

    • Detlef Schulze 20. Juni 2026, 19:15

      Das jetzige System begünstigt akademische Eliten gegen Hauptschul- und Ausbildungsabgänger, wegen eines arbiträr gewählten Kriteriums (Lebensalter).

      Genauso!
      Außerdem kommt noch hinzu, dass körperlich schwere Berufe in aller Regel nicht von Akademikern ausgeuebt werden. Der 60 jaehrige Dachdecker ist koerperlich wahrscheinlich schon kaputt, nachdem er 42 Jahr gearbeitet hat. Der 60 jaehrige Architekt, der 7 Jahre weniger gearbeitet hat kann locker noch 10 Jahre weitermachen.

  • Stefan Pietsch 18. Juni 2026, 12:48

    5) Armut

    So lange Armut im Abstand zu anderen Mitmenschen gemessen wird, gilt die „Armutsgefährdung“ als Märchen. Sie sagt nichts über die Lebensverhältnisse aus, sondern nur, dass jemand nicht im statistisch definierten Maß mitgekommen ist. So lange Menschen jahrzehntelang ohne jede ernsthafte Bemühung um einen eigenen Verdienst ihr Geld vom Amt abholen, gibt es keine wirkliche Armut in diesem Land, aber ein millionenfaches Ausnutzen derer, die das Land tragen.

    • Soeren Schmitz 18. Juni 2026, 13:12

      Das fatale ist, dass für das Fehlverhalten Weniger, diejenigen die eben keine Möglichkeit haben am Arbeitsmarkt zu partizipieren, in einen Topf geworfen und sanktioniert werden.

      Es ist Deutsche Tradition: Statt die Ursachen von Armut wirksam zu bekämpfen, also bei der Bildung anzusetzen, speist man die Menschen mit Transferleistungen ab, kauft sie sich sozusagen und macht es jedem, der aus dem System ausbrechen will, sehr schwer.

      Ich vermisse eine politische Agenda die „Du bist deines Glückes Schmied und wir helfen dir dabei“ ins Zentrum stellt statt „Wir wissen was gut für dich ist und du brauchst dich nicht zu kümmern“.

      • Stefan Pietsch 18. Juni 2026, 14:30

        Die Geschichte kaufe ich schon lange nicht mehr. Es geht nicht um das „Fehlverhalten“ weniger. Es geht um Systematik.

        1. Die Anzahl der Singlehaushalte ist bei Beziehern der Grundsicherung doppelt so hoch wie in der Grundgesamtheit. Die Vorteile der Konstruktion als Single haben Fachleute hinlänglich beschrieben. Oberhalb der Klippe von zwei Personen in einer Bedarfsgemeinschaft kippen die Verhältnisse um. Wir hatten das Thema vor kurzem: Transferempfänger sind überdurchschnittlich häufig Singles und haben mehr Kinder. Beides statistische Anomalien, die sich finanziell jedoch für die Betroffenen günstig auswirken.

        2. Ein sehr hoher Anteil der Transferempfänger war in den letzten zehn Jahren nicht erwerbstätig oder gar nicht.

        3. Der Anteil der Langzeitarbeitslosen bewegt sich an der Spitze der OECD. Und das seit Jahrzehnten. Die Arbeitsmarktreformen haben diese Anomalie etwas eingehegt, was wiederum ein klares Indiz für strukturelle Fehlentwicklungen ist.

        Bildung ist in Deutschland so günstig wie in kaum einem anderen OECD-Land. Das ist nicht das Problem. Das Problem ist die sogenannte „Bildungsrendite“. Sie ist mit 50-60 Prozent relativ niedrig und wird sehr stark durch das Steuersystem gedrückt.

      • Erwin Gabriel 24. Juni 2026, 09:57

        @ Soeren Schmitz 18. Juni 2026, 13:12

        Ich vermisse eine politische Agenda die „Du bist deines Glückes Schmied und wir helfen dir dabei“ ins Zentrum stellt statt „Wir wissen was gut für dich ist und du brauchst dich nicht zu kümmern“.

        Ich auch. Hatte ansatzweise die FDP, sonst niemand. Mein Reden seid Jahren, dass die stets und von allen angestrebte Umverteilung als einzige Maßnahme für Gerechtigkeit Menschen nur in Abhängigkeiten bringt (man verteilt Fische statt Angeln).

        Bildung ausbauen, Bildung fördern und fordern wäre ein besserer Weg. (Weiter-)Bildungsgutscheine – warum nicht? Wer die nicht nutzt, trifft eine Entscheidung, auf die der Staat reagieren kann.

        Nur meine Meinung: Wer sich um sich selbst kümmern könnte, aber es nicht tut, sollte nicht erwarten, dass der Staat ihm diese Arbeit abnimmt.

  • Thorsten Haupts 18. Juni 2026, 12:58

    Zu k)

    Warum ist es Verächtlichmachung, darauf hinzuweisen, dass Bundestagsabgeordnete und Regierungsmitglieder ausserordentlich günstige Altersgeldregelungen haben? Ich plädiere seit vielen Jahren dafür, ihre Bezüge deutlich zu erhöhen und dafür die Sonderregeln für die Rente aufzuheben. Die sind inzwischen nämlich einfach absurd und niemandem zu vermitteln. Stefan S. versucht es hier ja auch nicht 🙂 .

    Gruss,
    Thorsten Haupts

  • Thorsten Haupts 18. Juni 2026, 13:01

    Zu m)

    Man wird also zum „Verbrecher an der Menschheit“, wenn man als Regierung ein politisches Projekt (aus welchen Gründen auch immer) stoppt, das Daten sammelt? Geht es – bitte! – auch einige Nummern kleiner?

    • CitizenK 18. Juni 2026, 14:14

      Das ist ja auch nur ein Mosaikstein der Behauptung, die Klimakrise sei ein Hoax. Der rationalen Beurteilung einer Politik wird – mit dieser erklärten Absicht – die Datenbasis entzogen.
      Wenn die Möglichkeit über den Abbruch der Nordatlantik-Strömung („Golfstrom“) zutrifft, haben wir in Nord- und Mitteleuropa keine Grundlage mehr, uns rechtzeitig darauf einzustellen.

      • Johnson 18. Juni 2026, 15:36

        @ CitizenK

        If North and Central Europe are that concerned about/interested in oceanographic data on the North Atlantic currents you might consider settting up/financing your own sensors, no? Instead it seems you were happy to have the US do it for the pst 10 years and now are perplexed that they decided to no longer accommodate you by collecting this data (a decison I disagree with btw).

        • Detlef Schulze 18. Juni 2026, 18:03

          Also European research institutions conduct large scale ocean monitoring. Since data are shared, the monitoring systems are complementary and if the US stops monitoring, there will be gaps in the data.

        • CitizenK 18. Juni 2026, 21:46

          Europäische Institute wie dieses in Kiel
          https://www.geomar.de/
          erforschen auch Strömungen in Bereichen, die für Amerika relevant sind wie z. B. El Nino.
          Nationale Egoismen im Stil von Trump bringen uns als Menschheit nicht weiter.

          • Thorsten Haupts 19. Juni 2026, 12:37

            Überhaupt mein Zweifel, nur macht das noch immer kein „Verbrechen gegen die Menschheit“.

            • Thorsten Haupts 19. Juni 2026, 12:38

              Mein = Kein

              • CitizenK 19. Juni 2026, 20:23

                Mein Beitrag war an Mr. Johnson gerichtet.

                Zum Begriff: Wenn wir „Verbrechen“ ersetzen durch „eine für Millionen von Menschen (Gesundheit/Leben) schädliche Maßnahme“ ersetzen, haben wir etwas gewonnen? Eine Tat gegen Gesundheit/Leben nennen wir schon in einem einzigen Fall ein Verbrechen.
                Das hat auch Heiner Geißler (CDU) seinerzeit zur Verwendung in dem bekannten Brecht-Zitat „Wer die Wahrheit kennt ….“) motiviert.
                Lohnt also ein Streit um den Begriff?

                • Thorsten Haupts 19. Juni 2026, 23:38

                  Wenn man ernsthaft glaubt, Verächtlichmachung von Politik sei ein Thema, ja, dann lohnt der Streit. Sonst natzürlich nicht. Was ist es bei Ihnen?

        • Lemmy Caution 22. Juni 2026, 20:55

          Les pays d’Europe du Nord, l’Allemagne et les Pays-Bas consacrent des sommes considérables à ce type de projets de recherche internationaux. La France est actuellement un peu à la traîne en raison de sa situation budgétaire.
          En plus, on ne vive plus dans le monde du président Eisenhower, dont je suis d’ailleurs un grand admirateur.

          [pays = country]
          [les Pays-Bas = the Netherlands]
          [consacrer = to spend]
          [ un peu à la traîne = lagging behind somewhat]
          [on ne vive plus dans le monde = we no longer live in the world of ]

          The rest should be easy to understand, even for an American who doesn’t understand any Spanish. A lot of you learn that in school.

          At the end of the day, English is just a type of French spoken with a weird accent.

          • Ariane 22. Juni 2026, 23:17

            At the end of the day, English is just a type of French spoken with a weird accent.
            Ey^^ in fact, english has a germanic origin. Especially british english is some sort of „Plattdeutsch“ with a weird accent 😉 (Plattdeutsch is older than the modern german)

            • Lemmy Caution 23. Juni 2026, 13:06

              Das ist nur ein Teil der Geschichte.
              Die Normannen waren Nachfahren von Wikingern, die sich ab dem 9. Jahrhundert in Nordfrankreich niederließen. Sie übernahmen recht schnell die Sprache der dort lebenden Nordfranzosen.
              Der normannische Herzog Wilhelm der Eroberer eroberte 1066 England und brachte das Altfranzösische als Sprache der Elite mit.
              Bis ins 16. Jahrhundert gabs in England eine 2-Sprachigkeit. Die Oberschicht nutzte Französisch und die Bauern sprachen die altenglische Volkssprache. Das Französische sickerte stark in die Volkssprache ein.

              Zweisprachigkeit: Die Oberschicht sprach Französisch, das einfache Volk Altenglisch.
              30% des aktuellen Englischen Lehnwortschatzes haben einen Französischen Ursprung, 30% einen Lateinischen und nur 25% einen Germanischen.

              Als ich begann Französisch zu lernen, wunderte ich mich über die im Vergleich zum Spanischen vielen „Anglizismen“… bis ich rausfand, dass es sich meist umgekehrt um Gallizismen im Englischen handelte, d.h. Worte, die aus dem Alt-Französischen ins Englische geflossen sind. Es gibt unzählige Beispiele:
              cour -> court, Deutsch: Gericht
              traité -> treaty, Deutsch: Vertrag
              evidence -> evidence, Deutsch: Beweis
              prison -> prison, Deutsch: Gefängnis
              crime -> crime, Deutsch: Verbrechen
              commerce -> commerce, Deutsch: Handel
              participer -> participate, Deutsch: teilnehmen
              célébrer -> celebrate, Deutsch: feiern

              Oft gibt es auch 2 Lehnwörter je eins Germanisch und Französisch, wie z.b. start/commence oder end/finish

              • Lemmy Caution 23. Juni 2026, 13:28

                40 – 50% des Deutschen hat germanische Wurzeln, 20 – 30% lateinische und 10 – 15% Französisch. Bei den im Alltag häufig benutzten Wörtern ist der Anteil viel höher: 80 bis 90%.
                Bei den im Alltag häufig benutzten Wörtern überwiegen im Englischen auch die Wörter germanischen Ursprungs:
                ~70–80 % germanischen Ursprungs
                ~20–30 % romanisch (Französisch / Latein)

                Die englische Grammatik und der Alltagswortschatz ist überwiegend Germanisch, aber der Gesamt-Wortschatz überwiegend Romanisch (Latein + Altfranzösisch)

              • Ariane 23. Juni 2026, 14:40

                Jep. Freedom und Peace auch. Sieht man oft auch in den Unterschieden britisches Englisch und Amerikanisches Englisch. Als Amerika erobert wurde, war die Umwandlung schon abgeschlossen^^

                Aber zumindest passiv fließend Plattdeutsch zu können, war aber schon ein kleiner Vorteil für Mittelhochdeutsch und Englisch. Lustiger Funfact: durch meinen Umzug von Schleswig-Holstein nach Niedersachsen hab ich gemerkt, dass hier alte Leute einen anderen Plattdeutsch-Dialekt sprechen, das fühlt sich ganz merkwürdig im Gehirn an mit einer Sprache, die man nur passiv kann. Würden die alle 200 Jahre alt werden, hätte man auch irgendwann wieder zwei einzelne neue Sprachen. Insofern auch schwierig für die Bemühungen, die Sprache vor dem Aussterben zu bewahren, dann muss man das ja eigentlich institutionalisieren und hat am Ende dann eben nicht mehr das Original, sondern nur was Ähnliches.

                • Lemmy Caution 23. Juni 2026, 20:17

                  Meine Großeltern aus Wilhelmshaven sprachen Plattdeutsch, haben es aber untereinander nicht wirklich benutzt. Zumindest habe ich es nicht bemerkt. Mein Opa war Schlosser auf einem Hafenkran und meine Oma entstammt einer kleinbäuerlichen Familie. Vielleicht wurde im Hafen noch viel Plattdeutsch gesprochen, aber mein Opa ist in jungen Jahren auch viel in Deutschland rumgekommen.
                  Ein Jugendfreund im Kölner Umland aus einer Kölsch-sprechenden Familie hat in den Niederlanden immer Kölsch gesprochen, weil er darauf schwor, dass die ihn so besser verstehen würden. 😉
                  Chilenisches Spanisch fand ich am Anfang ein Ärgernis, aber irgendwann mochte ich es immer mehr, außer die gefühlt 300 Sprüche mit irgendwelchen Nutztieren, die sich alle um das Thema Untreue drehen. Ich selbst nutze es ausser bei bestimmten Worten und einer sehr leichten Spur in der Aussprache nicht aktiv. Chilenische Teleseries lassen sich nicht im Rest des Spanischen Sprachraums verkaufen, weil es da echt Verständnisprobleme gibt.

          • Johnson 25. Juni 2026, 15:50

            @ Lemmy Caution:

            Umm…thank you, I guess, for the language lesson including the effort to translate about 50% of your post. BTW, my Spanish is just fine, given that my extended family is from Latin America and the fact that I spent a few years in Latin America during my career.

            FYI – I’m old enough to have had French in high school rather than Spanish. At the time the America Express Check-In at the Rio Grande hadn’t been established yet, so Spanish was less of a going concern; in high school and beyond.

    • Detlef Schulze 18. Juni 2026, 18:14

      „Verbrecher“ ist sicher übertrieben, aber wieso glauben Sie, das sei ein politisches Projekt? Trumps Entscheidung ist so, als hätten die Grünen entschieden Wendelstein 7-x abzuschalten, weil sie gegen Atomenergie sind.

      • Thorsten Haupts 18. Juni 2026, 20:53

        Was genau bitte ist KEIN politisches Projekt einer demokratisch legitimierten Regierung? Alles, was sie tut, die Begehung von in den Gesetzbüchern ihres Landes definierte Verbrechen ausgenommen, ist automatisch ein politisches Projekt. Ob sinnvoll oder weniger werden die Parlamente in der nächsten Sitzung oder die Wahlbürger in der nächsten Wahl entscheiden können, aber egal, was diese Regierung sonst tut, es ist niemals ein Verbrechen gegen die Menschheit.

        Wenn wir anfangen, Dummheit, Kleinkariertheit oder ideologische Verbohrtheit als „Verbrechen“ zu labeln, können wir den Laden auch gleich dichtmachen.

    • sol1 18. Juni 2026, 23:21

      Hexenverbrennungen waren auch einst ein „politisches Projekt“. Ich bezweifele, daß die Nachwelt deinen milden Blick teilen wird.

      • Thorsten Haupts 18. Juni 2026, 23:26

        Sie vergleichen Hexenverbrennungen – also die grausame Tötung von Menschen – mit einem … Sensorenabbau? Alles klar …

        • sol1 19. Juni 2026, 10:05

          „…also die grausame Tötung von Menschen…“

          Die kam vielen Zeitgenossen gar nicht grausam vor.

          Und der *Zweck* des Sensorenabbaus ist es, die Bekämpfung des Klimawandels zu sabotieren. Wie also wird die Nachwelt, die dessen Folgen zu bewältigen haben wird, über die Verantwortlichen denken? Sie wird ihnen wohl nicht bescheinigen, ein legitimes politisches Projekt verfolgt zu haben.

          • Thorsten Haupts 19. Juni 2026, 11:46

            Wollen Sie den Unterschied absichtlich nicht verstehen? Ich kann eine – 100% legale – Politik strunzdumm und kurzsichtig finden, das macht sie aber immer noch nicht zum Verbrechen. Die Hexenverbrennungen dagegen waren selbst nach den Regeln der katholischen Kirche damals schlicht ein Verbrechen.

            • sol1 19. Juni 2026, 22:51

              „…selbst nach den Regeln der katholischen Kirche…“

              *citation needed*

  • Stefan Pietsch 18. Juni 2026, 13:03

    c) Dass Bürger*innen gegenüber einer Reform umso skeptischer werden, je besser und ausführlicher sie erklärt wird, glaube ich sofort. Generell leidet die Politik heute unter diesem Mangel an Politik und dem Unverständnis gegenüber dem eigenen Beruf.

    Wohl kaum. Eine gewisse Verachtung für manche Politiker ist durchaus gerechtfertigt, wenn Studienabbrecher Menschen mit Karriere erklären wollen, in welche Richtungen sie denn zu investieren hätten.

    Die Menschen hätten auch mehr Respekt vor Politikern, wenn die sich etwas trauen würden. Vor Feiglingen hat niemand Respekt. Weder Kohls Steuerreform 1989 noch Schröders Arbeitsmarktreformen waren populär. Sie wurden es, als sie umgesetzt wurden. Dazu gehört natürlich, dass jemand sein Handwerk versteht und die Gesetze Konsistenz besitzen.

    d) Das Teilzeit-Problem, VW-Edition. Und genau da liegt der Hase im Pfeffer.

    Offensichtlich ist es bei Wirtschaftsverächtern noch nicht angekommen, aber VW hat nicht nur Profitabilitätsprobleme, der Konzern besitzt zu viele Werke, die zu teuer produzieren und weit unterausgelastet sind. Da bleibt gar keine andere Wahl als ein kräftiger Personalabbau. Und da IG Metall und VW-Konzern eine großzügige Altersteilzeit-Regelung haben, ist es naheliegend, diese für den Personalabbau zu nutzen.

    Übrigens: Es existiert kein Verbot, dass entlassene Beschäftigte in einem anderen Unternehmen einen Job antreten können.

    f) Diese Diskussion um Bas‘ Schulabschluss ist echt nur absurd.

    Es ist die Arbeitsministerin selbst, die ihren Abschluss und ihr Scheitern in der freien Wirtschaft thematisiert, politisch auflädt und mit ganz offenen Falschdarstellungen auch nutzt.

    i) Wenn diese Milliardäre wenigstens clever wären. Aber die sind so unendlich blöd. Die zerstören die Welt um sich herum aus völliger Hybris.

    Was genau ist an Bezos Aussagen „blöd“? Man wird nicht Milliardär, wenn es an Cleverness mangelt und man blöd ist. Mit solchen Einschränkungen kann man höchstens zum Staat gehen.

    l) Deutsche Industriepolitik, echt zum Heulen.

    Wir können natürlich alles subventionieren. Ist nur die Frage, wer dann überhaupt zahlt.

  • Thorsten Haupts 18. Juni 2026, 13:04

    Ich verknüpfe mal k und m:

    Man macht Politik verächtlich, wenn man die Rentenansprüche von Bundestagsabgeordneten in Frage stellt. Man mach Politik NICHT verächtlich, wenn man Leute pauschal als „Verbrecher an der Menschheit“ bezeichnet, die ein Sensorennetzwerk demontieren. Habe ich das so richtig verstanden?

  • Soeren Schmitz 18. Juni 2026, 13:06

    zu k)
    Und ich hasse Politiker die mir pauschal sagen ich sei zu faul, ich zahle noch nicht genügend Steuern und als Vermieter sei ich ein Ausbeuter.

    Es geht um Symbolik und Vorbild – ich verlange vom Volk Reformen, Einschnitte und Zahlbereitschaft, aber bei den eigenen Diäten und Tantiemen soll es dann doch anders sein.

    Sind Politiker gemessen an Ihrer Tätigkeit und Verantwortung unterbezahlt: Ja, das sind sie. Aber rechtfertigt das eine Überversorgung die völlig entkoppelt ist von der Lebensrealität von Angestellten? Nach 4 JAhren Bundestag hast du einen Pensionsanspruch wie jemand der 38 JAhre in die Rentenkasse eingezahlt hat. Sorry, dass passt nicht.

  • Thorsten Haupts 18. Juni 2026, 13:10

    Zu i) Aber die sind so unendlich blöd.

    ??????? Ein Kompromiss ist manchmal, den Machtverhältnissen geschuldet, die einzige Möglichkeit, aus zwei Positionen eine durchsetzungs- oder mehrheitsfähige zu machen. Ein Kompromiss ist – niemals – eine Möglichkeit, zu der besten, sinnvollsten, ethischsten oder wirkungsvollsten Lösung zu kommen. Aber Stefan S. kann sicherlich erklären, was an Bezos Ausführungen „blöde“ ist, oder? Ich warte mal gespannt.

    Gruss,
    Thorsten Haupts

    • sol1 18. Juni 2026, 23:35

      „Ein Kompromiss ist – niemals – eine Möglichkeit, zu der besten, sinnvollsten, ethischsten oder wirkungsvollsten Lösung zu kommen.“

      Ein Kompromiß ist definitionsgemäß nicht das, was einer der Beteiligten für die „beste, sinnvollste, ethischste oder wirkungsvollste Lösung“ hält, denn sonst bräuchte man keinen. Die Entscheidung einem allein zu überlassen, würde aber nur dann zu einer solchen Lösung führen, wenn derjenige im Alleinbesitz der Wahrheit wäre.

      Aber Bezos & Co. geht es ja nicht um die Wahrheit, sondern um Geld und Macht.

      • Thorsten Haupts 19. Juni 2026, 11:48

        Völlig wurscht, worum es ihm geht – sein Beitrag ist nicht „unendlich blöd“ und nur darum ging es.

  • Thorsten Haupts 18. Juni 2026, 13:14

    Zu 5) By the way, der Weg Nida-Rümelins von Rot-Grün zur Welt ist auch ein witziges Hufeisen.

    Pruuust. Ich habe den Mann immer als begabten Trickbetrüger wahrgenommen, der keine eigenen Überzeugungen hat und schon gar keine, für die er irgendwas riskieren würde.

  • Erwin Gabriel 18. Juni 2026, 14:02

    2) Reformdiskurs

    Mir kommt es so vor, als kursieren gerade ein Haufen Vorschläge, die vielleicht funktionieren würden, hätte man sie vor 20 Jahren umgesetzt. Eine funktionierende Lösung für jetzt (also für die Übergangszeit, bis die Baby Boomer durch sind) sehe ich nicht.

  • Erwin Gabriel 18. Juni 2026, 14:11

    3) Ohnmachtsgefühl

    … und sehe es als die größte Ursache für die Unzufriedenheit mit der Demokratie und, ja, den Aufstieg der AfD.

    Wurde auch Zeit 🙂

    Es gibt die letzten 20, 25 Jahre keinen Bereich, in dem die seitdem regierenden Parteien gute, überzeugende Lösungen haben auf die Beinse stellen können. Bildung, Bundeswehr, Digitalisierung, Energie, Gesundheit, Infrastruktur, Migration, Pflege, Soziales, Wohnungsbau – alles ist immer teurer geworden, aber entweder nicht besser, oder nur halbherzig umgesetzt.

    Und ja, ich fühle mich ohnmächtig, und bin da nicht der Einzige. Die meisten Leute, die ich kenne (so vielle sind das nun auch nicht) und die AfD wählen wollen, tun das, weil sie nicht wissen, wen sonst. Mir reicht ein Blick ins Wahlprogramm, eine Rede von Höcke, und ich bin mit dem Thema durch. Aber war macht das schon?

    • Ariane 19. Juni 2026, 02:37

      Die meisten Leute, die ich kenne (so vielle sind das nun auch nicht) und die AfD wählen wollen, tun das, weil sie nicht wissen, wen sonst.
      Ganz ernsthafte Frage: warum werden die dann nicht Nichtwähler? Oder nehmen eine Kleinstpartei wie die Tierschutzpartei?

      • Erwin Gabriel 19. Juni 2026, 03:21

        @ Ariane

        Ganz ernsthafte Frage: warum werden die dann nicht Nichtwähler? Oder nehmen eine Kleinstpartei wie die Tierschutzpartei?

        Die liegen nicht auf Deiner politischen Wellenlänge, eher auf meiner. Warum sollten sie also?

        • Ariane 19. Juni 2026, 14:04

          Die liegen nicht auf Deiner politischen Wellenlänge, eher auf meiner. Warum sollten sie also?

          Sie sollen ja gar nichts. Mir geht es darum, dass es ja eigentlich gedanklich zwei Schritte sind.
          1. Sie wissen nicht, wen sie wählen sollen. Verständlich, aber das ist ja eine Entscheidung GEGEN etwas.
          2. sie wählen dann die AfD. Das ist die Entscheidung FÜR etwas.

          Ist gar nicht wertend, sondern Neugierde, wie man von 1 auf 2 kommt. Eben auch weil du gesagt hast, du guckst dir Höcke an und landest dann nicht bei 2.
          Andere wie deine Bekannten schon, es muss für sie also etwas geben, dass ein Trotzdem hervorruft. Zumindest wenn sie nicht Höcke ansehen und ihm zustimmen.

          • Erwin Gabriel 20. Juni 2026, 11:39

            @ Ariane 19. Juni 2026, 14:04

            Sie sollen ja gar nichts. Mir geht es darum, dass es ja eigentlich gedanklich zwei Schritte sind.
            1. Sie wissen nicht, wen sie wählen sollen. Verständlich, aber das ist ja eine Entscheidung GEGEN etwas.
            2. sie wählen dann die AfD. Das ist die Entscheidung FÜR etwas.

            Ist gar nicht wertend, sondern Neugierde, wie man von 1 auf 2 kommt. Eben auch weil du gesagt hast, du guckst dir Höcke an und landest dann nicht bei 2.

            Ich vermute (= sehr ! subjektive Einschätzung) mehrere Gründe:
            • Zuwanderung von Menschen, von denen viele (nicht alle) definitiv mit unserer Gesellschaft überfordert sind.
            • Natürlich das Thema sexuelle Übergriffe; ist eigentlich ein grundsätzlich „männliches“ Thema, aber es scheint, dass viele aus dem Nahen Osten und aus Afrika zugewanderte junge Männer bei ihrer restriktiven Sozialisierung mit der „Reizüberflutung“ hier nicht umgehen können. Und dann greift „unsere Frauen, unsere Töchter“.
            • Klan-Kriminalität (= „Ausländer“) rückt stärker in den Fokus.
            • Sozialleistungen; jeder sieht, dass das Geld ausgeht, und dann schiebt man Unsummen den „Fremden“ in die Taschen.
            • Die Ohnmacht, wenig bis nichts gegen die ungewollte Einreise unternehmen zu können.
            • Die praktische Unmöglichkeit, Straftäter abschieben zu können.
            Auslöser war also Migration: Nicht unbedingt die Anzahl der Menschen, sondern die Unfähigkeit der Regierungen (in erster Linie Merkels), die Arroganz, mit der man versucht hat, Migrationskritiker mundtot zu machen und zu diskreditieren, verbunden mit einem Rechtsstaat bzw. einer Justiz, die nicht annähernd in der Lage ist, diese Probleme zu bewältigen. Zu viele Straftäter sind zu schnell wieder auf freiem Fuß, und selbst die sonst so zurückhaltende Polizei schimpft inzwischen laut und deutlich.
            Jeder hat erkannt, dass die Regierung an dieser Stelle „versagt“ hat.

            Das hat die AfD nach vorne gespült, die sich nun nicht nur in der Migration, sondern inzwischen am „Staatsversagen“ verbeißt. Da gehört natürlich der extrem ungeschickte kommunikative Umgang mit Corona dazu, Merkels erkennbare Angst vor einer Krankheit, die viele nicht als so schlimm erlebt haben, die Bereicherung von Abgeordneten, die (versprochene, aber nicht eingehaltene) Aufklärung der damaligen Situation. Die kaputten Staatsfinanzen, die Lügerei über Schuldenaufnahme (das nächste wird der missbräuchliche Einsatz der Gelder aus den Sondervermögen sein).

            Was ich nicht beurteilen kann, ist, wie sehr der Ukraine-Krieg da rein spielt. Ich könnte mir vorstellen, dass der „Respekt“ vor dem Russen in Ostdeutschland größer ist als im Westen, so dass man lieber auf Putin zugeht, als ihn zu verprellen (im Westen Deutschlands buckelt man offensichtlich lieber vor Trump, um den nicht zu verärgern). Aber wie gesagt, da kann ich als Wessi nur raten.

            Nun sind all die groben Fouls – Migration, Corona, Sondervermögen – von der CDU (mit kräftiger Unterstützung der CSU und der SPD) begangen worden. Merkel, Scholz, Merz – wo liegt der Unterschied für jemanden, der sich mit den Feinheiten der Politik nicht beschäftigt?

            Nun ist das Gros der Bevölkerung in den Städten eher links-grün; die, die bereits im Grünen wohnen, sind eher konservativ; die meisten Älteren sowieso. Und wo gehe ich dann hin, wenn mich die rechts- und links-konservativen Parteien wie CDU, CSU und SPD enttäuschen? In Bayern hat man die freien Wähler, aber außerhalb ist es eigentlich nur doch die AfD.

            Und die steigt, steigt, steigt – man ist also nicht allein, so viele können sich nicht irren, irgendwann geht man halt mit, und macht sein Kreuzchen dort mit der gleichen Gedankenlosigkeit, mit der man vorher die Partei seiner Eltern gewählt hat.
            Und den über Jahrzehnte gewachsenen Eindruck, dass eine Krähe der anderen kein Auge aushackt (Migration, Corona-Aufklärung, Sondervermögen-Intransparenz), kriegst Du so schnell nicht mehr weg; da hatte die AfD immer Recht.

            Da reicht es nicht, die Migration (erst) jetzt ein Stück weit einzugrenzen, denn dieses Kind liegt im Brunnen. Eine Corona-Aufklärung, die diesen Namen verdient, kommt nicht mehr. Es gibt keine glaubhaften Lösungen zu den Problemen, die die Allgemeinheit erst jetzt erkennt. Dann kommen die erforderlichen Reformen nicht voran (= scheiße) oder tun weh (= scheiße). Und hier lügt die AfD besser als alle anderen Parteien zusammen. Aber wer von den „normalen Wählern“ kriegt das mit?

            Die etablierten Parteien sind meiner Einschätzung nach durch, und neue Alternativen wie die „Freien Wähler“ oder „Volt“ müssen sich erst bundesweit beweisen.

            • CitizenK 21. Juni 2026, 09:37

              Das gilt auch für die Liberalen Demokraten.
              https://liberale-demokraten.de/positionen/rente/

              Wäre auch meine Partei, wenn die Stimme nicht verloren wäre.

            • Ariane 21. Juni 2026, 23:19

              Danke für die ausführliche Antwort!

            • Lemmy Caution 22. Juni 2026, 22:00

              Das mit der starken Rechtspartei und der schwindenden Mitte sehen wir in praktisch allen EU Staaten. In Frankreich haben wir zusätzlich mit Jean-Luc Mélenchon eine starke radikale links-islamistische Alternative. In Frankreich kann Bardella zum Präsidenten gewählt werden, wenn er in die Stichwahl mit Mélenchon geht. Sonst bleibt das sehr fraglich.
              Ich hoffe nicht, dass die etablierten Parteien „durch“ sind. Letztlich ist die AfD hoffentlich dann halt doch zu ostdeutsch. Putins einzigen Stärken bestehen aus Atombomben und dieser sehr russischen, für einen zivilisierten Menschen (inklusive zivilisierter Russen) einfach nicht nachvollziehbaren Grausamkeit. Das angebliche Putin-Verstehen werde ich den Ostdeutschen nie verzeihen. Ansonsten wird es für Putin nun wirklich enger:
              https://www.youtube.com/watch?v=_Yc9EqVlwaQ
              Genau was Konstantin vom yt Kanal „Inside Russia“ seit 2023 prognostiziert. „ab 2026 wird es enger und enger“.
              Wir sind in einigen Bereichen noch von den USA militärisch abhängig. Diese Lücke können wir irgendwann schließen.

      • Stefan Pietsch 19. Juni 2026, 09:19

        Warum behandelst Du manche Wähler – allerdings nur die, die nicht auf Deiner Linie liegen – als Kinder und nicht Erwachsene? Die Bürger sollen die Partei wählen, die sie für geeignet halten, ihre Anliegen zu vertreten. Und genau so sollte man das Votum dann auch nehmen: SPD und Grüne vertreten nur die Anliegen einer immer weiter schrumpfenden Minderheit.

        Warum liest man bei Dir und Stefan nie Kritik daran? Das gebietet doch der demokratische Respekt einzugestehen, immer mehr in eine Minderheitenposition mit seinen Ansichten zu kommen. Und nicht andere aufzufordern, Parteien zu wählen, die garantiert nicht der eigenen Minderheitenposition gefährlich werden können.

        • Erwin Gabriel 19. Juni 2026, 09:38

          @ Stefan Pietsch

          Warum behandelst Du manche Wähler – allerdings nur die, die nicht auf Deiner Linie liegen – als Kinder und nicht Erwachsene?

          Von welchem Kommentator, lieber Stefan, habe ich so etwas wohl schon mal gelesen? Ariane ist nicht gemeint… 🙂

          Die Bürger sollen die Partei wählen, die sie für geeignet halten, ihre Anliegen zu vertreten.

          Ja, gilt aber in jede Richtung.

          Und nicht andere aufzufordern, Parteien zu wählen, die garantiert nicht der eigenen Minderheitenposition gefährlich werden können.

          Das hat sie nicht getan. Sie hat gefragt, warum Leute, die sich in ihrer alten Partei nicht mehr heimisch fühlen, ausgerechnet auf die AfD gehen. Versteht sie genauso wenig, wie ich verstehe, dass man die LINKEn wählen kann. Tut meine jüngste Tochter trotzdem.

          Und was die Minderheiten-Positionen angeht: Eir beide kommen von der FDP – say no more.

          • Stefan Pietsch 19. Juni 2026, 09:55

            Falscher Trip, Erwin. Ich habe immer die Existenz der Linkspartei gerechtfertigt und verteidigt. Ich verstehe die Wähler von LINKEN, Grünen wie AfD, ohne dass ich mich mit ihren Ansichten gemein mache. Schließlich habe ich nicht grundlos Sozialwissenschaften (die wirtschaftswissenschaftlichen Bereiche gehören hierzu) studiert, also das Beschäftigen mit dem Verhalten von Menschen. Also steck‘ ein.

            Ariane fragte rhetorisch, warum die AfD-Wähler nicht einfach zur Tierschutzpartei gehen. Dabei ist die Antwort doch klar: Weil sie dort ihr Anliegen nicht gut aufgehoben fühlen und meinen, nichts bewirken zu können.

            Generell gehört es sich aus meiner Sicht in einer Demokratie nicht, anderen zu empfehlen, was sie wählen sollen. Und falls Du jetzt mit etwas weiterem Unhaltbaren kommt: Genau das tue ich nie, selbst im familiären Kreis gebe ich niemals Wahlempfehlungen ab.

            Die FDP erzielte seit 2005 (damals 9,8 Prozent) bis 2021 immer zweistellige Wahlergebnisse, im Schnitt war sie populärer als die Grünen. Ausnahme: 2013. Und nun 2025. Das ist der endgültige Bruch des Trends, das habe ich nie bestritten. Aber so viele Wähler mit relativ gleichgerichteten Ansichten verschwinden nicht einfach. Vor allem sind sie nicht zur SPD und den Grünen geschwenkt.

            Wie die SPD müssen sich die Liberalen fragen, wie sie jene wieder erreichen, die sie schon mal überzeugt haben. Die Sozialdemokraten versuchen es auf die sattsam seit Jahrzehnten von Linken eingeübte Methode: Sie beschimpfen ihre ehemaligen Wähler.

          • CitizenK 20. Juni 2026, 07:52

            Sie sollte sich einen Bericht über den Parteitag dieser Partei ansehen, wäre heilsam. Hab da gestern zufällig reingeschaltet. Gruselig.

            • Stefan Pietsch 20. Juni 2026, 14:56

              Ich habe mir den Parteitag in Teilen angesehen (Primärquelle). Was da gruselig gewesen sein soll, wüsste ich nicht. Die Delegierten haben sich jedenfalls weit besser benommen als man das von SPD-, Grünen- oder gar LINKEN-Parteitagen kennt.

              Apropos: Wenn Sie mal etwas Gruseliges sehen wollen, schalten Sie doch zum Parteitag der LINKEN, der „neuen“ Partei der Mitte.
              https://www.focus.de/politik/deutschland/mit-radikalen-israel-antraegen-demonstrieren-neu-linke-auf-dem-parteitag-in-potsdam-ihre-macht_a63a8212-0ec7-40b0-8abb-36c8bb6766fa.html

              • CitizenK 21. Juni 2026, 09:30

                Gemeint hatte ich auch (in bezug auf die Präferenz von Erwins Tochter) der Parteitag der LINKEn in Potsdam.
                Gruselig: Die Chefin „hat sich entschlossen, es Genozid zu nennen“ – JUBEL. Offenbar ist Gaza das dringendste Problem, über das sie monatelang über einen Kompromiss „gerungen“ haben. Völlig durchgedreht, der Haufen.

                Zur Attraktivität der LINKEn bei jungen Leuten kommt daher: Sie ist die einzige Partei, die gegen die krasse Ungleichheit ist, die als krasse Ungerechtigkeit wahrgenommen wird.

                • Stefan Pietsch 21. Juni 2026, 11:00

                  Das stimmt eben nicht. Das ist die rein ideologische Interpretation. Tatsächlich sagen viele der arrivierten Linken (das steht so auch mit Zitaten im Artikel), dass die jungen Neumitglieder nur am Gaza-Thema interessiert seien, nicht an den Kernthemen der LINKEN und sonst keine Lust auf Mitarbeit hätten.

                  Sehr viele seien akademisch vorgebildet (Uni-Klientel), worauf die LINKE ja seit Jahren bewusst zielt und den Grünen Konkurrenz macht. Wie diese Leute ticken, zeigt Stefan ja oben an seinem eigenen Beispiel:

                  Ein aktueller Rentenvorschlag sieht vor, dass Beitragsjahre statt Rentenalter künftig über den Eintritt entscheiden sollten. Das würde zwar die zentralen Probleme auch kaum besser machen, aber vor allem hat es die problematische Dimension, dass es vor allem diejenigen trifft, die jetzt schon eher am unteren Ende der Skala zu finden sind.

                  Er macht daraus, dass durch die angedachte Reform Akademiker strukturell benachteiligt würden ein Thema krasser sozialer Ungerechtigkeit. So falsch denken auch heute viele an den Universitäten. Sie kleiden ihr ICH-Denken in soziales Engagement. Junge Leute denken heute viel mehr in ICH-Kategorien und Selbstverwirklichung, als meine (und Ihre) Generation das getan haben. Und dann meinen sie noch es hübsch verpackt zu haben.

                  • CitizenK 21. Juni 2026, 16:57

                    „Viele der neuen Mitglieder sind jung und besonders interessiert an den Themen Antifaschismus (78 Prozent), Soziales (rund 70 Prozent) sowie Bildung und Wohnen. Zuerst hatte über die Auswertung die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtet.“
                    https://www.stern.de/news/linke–neumitglieder-sind-jung–urban-und-an-sozialen-themen-interessiert-36172316.html
                    Spricht eher für meine These.

                    • Stefan Pietsch 21. Juni 2026, 18:08

                      Nö. Sie nehmen eine Umfrage und meinen, so sei die Welt. So ticken Menschen nicht.

                      Menschen haben eine Reihe Motive für ihr Handeln. Aber Motive und Werte verhalten sich nicht gleichberechtigt zueinander. Sie bilden eine Hierarchie.

                      Warum bin ich in der FDP? Weil sie für die Abschaffung des Solis oder für Steuersenkungen ist? Wer das meint, ist sehr einfältig. Es gibt ein sehr allgemeines Motiv für mich. Warum sind Sie Sozialdemokrat? Weil die SPD antifaschistisch ist?

                      Wenn eine Partei binnen weniger Monate ihre Mitgliederzahl mehr als verdoppelt, deutet das nicht auf tiefe Parteibindung hin. Denken Sie wirklich, neoliberale Pali-Freunde (falls es so etwas tatsächlich gäbe)würden in die LINKE eintreten?

                      Was das vorherrschende Motiv der Neumitglieder ist, zeigte sich auf dem Parteitag und der Dominanz des Themas wie der Wahrnehmung der Altdelegierten.

                    • Thorsten Haupts 22. Juni 2026, 12:36

                      Entspricht nur nicht dem Ablauf des Parteitages und zeigt eher, wieviel man auf „Ich glaube …“ Umfragen geben darf.

                    • CitizenK 22. Juni 2026, 14:05

                      Die Eintrittswelle begann nach der Rede von Reichinek im Bundestag („Auf die Barrikaden“), deren Stoßrichtung eindeutig war. Und bei Sehr-Linken schließt sich Kapitalismuskritik und Israel“kritik“ nicht nur nicht aus, sondern bedingt sich teilweise durch eine Art „Rothschild“-Reflex. Das allerdings stützt Ihr Argument nur bedingt.
                      Mamdani hat in New York, einer Stadt mit Millionen Juden, mit eindeutig „linken“ Argumenten gewonnen. Das könnte uns auch blühen: Islamisierung im Schlepptau von Reichen-Kritik. Ein weiterer Grund, über die Verringerung der extremen Ungleichheit nachzudenken.

                    • Thorsten Haupts 22. Juni 2026, 15:01

                      Das könnte uns auch blühen: Islamisierung im Schlepptau von Reichen-Kritik.

                      🙂 . Völlig ausgeschlossen, haben mir alle deutschen Leitmedien unisono noch vor wenigen Jahren schriftlich bestätigt, wissenschaftlich erwiesen. Kann also gar nicht passieren!

      • Martin 22. Juni 2026, 16:31

        Vielleicht weil die AfD von den anderen Parteien (und von den ungeliebten Medien) als Chance zur „Vergeltung“ markiert wurde?
        Vielleicht würden diese Wähler die Tierschutzpartei wählen, wenn alle Parteien seit Jahren kommunizieren würden, dass sie diese Partei auf keinen Fall gewählt sehen wollen.

        Ich glaube, dass der überwiegende Drang die AfD zu wählen, aus der „Werbung“ der anderen Parteien besteht, statt der Werbung der AfD selbst.

        Vielleicht verdeutlicht ein Gleichnis meine Gedanken besser:
        Sellen wir uns so einen typische Teeny-Film vor, wo unsere Protagonistin täglich von Bullys schickaniert wird. Sie zerstören oder stehlen ihre Sachen, setzen Gerüchte (oder heute Fake-Bilder) über sie in Umlauf und all die schrecklichen Sachen, die ich, Gott sei Dank, nur aus fiktionalen Werken kenne. Und gehen wir außerdem davon aus, dass Lehrer und Schuladministration nichts daran ändern (können).

        Da kann man wohl annehmen, dass in unserer Protagonistin Gefühle wie Angst,Wut, Frustration, Depression und – eben – Ohnmacht aufkommen.

        Und jetzt stellen wir uns folgende Szene vor: Unsere Protagonistin bekommt irgendwo verborgen ein Gespräch ihrer Peiniger mit, und zu ihrer (freudigen) Überraschung hört sie Angst in deren Stimmen. Voller Panik erzählen diese sich, das eine neue Lehrerin auf die Schule kommen soll: Frau Blau. Und die sei schrecklich. Die würde ihnen das Leben zur Hölle machen.

        Unsere Protagonistin muss gar nichts weiter über diese Frau Blau wissen. Alleine, dass Ihre Mobber diese Frau so sehr fürchten, macht diese Frau Blau für unsere Protagonistin sofort sympathisch.

        Möglich, dass diese Frau Blau auch zu unserer Protagonistin grausam sein wird. Aber das ist erst einmal zweitrangig. Denn zum ersten mal seit – was weiß ich wie lange, ich kenne das Drehbuch nicht komplett – hat unsere Protagonistin ein Gefühl von Genugtuung, Rache, Vergeltung, also endlich mal ein anderes Gefühl als Ohnmacht.

        Und Gefühle sind nicht unwichtig.

        Ich denke also, zusammengefasst, dass die AfD sehr stark von der Aussage als jener Personen und Organisationen profitiert, die von vielen Wählern als Mobber und übermächtig betracht werden, die nun aber bestängig sage, wie schlimm sie es fänden, wenn die AfD immer stärker werden würde. Tscha und genau so machen sie die AfD immer stärker.

  • Erwin Gabriel 18. Juni 2026, 14:16

    5) Armut

    Wir haben Standards. Und an denen messen wir.

    Ich habe noch keinen „Standard“ gesehen, der sagt, dass wir vielleicht bei dem einen oder anderen Aspekt übertreiben. Ich kenne nur „Standards“, die sagen, dass wir für die „Armen“ zu wenig tun, gerne verbunden mit Rosinenpickerei ausschließlich aus anderen Ländern, wo ein Detail besser noch teurer ist als bei uns.

    Aber die EU ist schon mal als „Standard“ nicht gut genug für uns.

  • Erwin Gabriel 18. Juni 2026, 14:18

    6) Wahlrecht

    Reichinneks Vorschlag ist schlüssig aus einer linken Sicht, die Grenzen und Nationalstaaten ablehnt. Aber für alle anderen sägt ein solches Recht tatsächlich an den Grundfesten unserer Gesellschaft.

    Zustimmung. Bestätigt meine Meinung über die LINKE als in weiten teilen extremistische Partei.

  • Erwin Gabriel 18. Juni 2026, 14:28

    d) Das Teilzeit-Problem, VW-Edition.

    Und genau da liegt der Hase im Pfeffer.

    Ich habe kein Problem damit, dass Unternehmen ältere Mitarbeiter in den vorzeitigen oder Teil-Ruhestand schicken, solange ALLE Kosten vom Unternehmen erbracht werden.

  • Erwin Gabriel 18. Juni 2026, 14:30

    e) Ariane zum Heizungsgesetz.

    Nur zum Provozieren gefragt: Was waren die auswirkungen des „alten“ Heizungsgesetzes auf den Klimaschutz?

    • Ariane 19. Juni 2026, 02:46

      Die realen Auswirkungen sind nicht vorhanden, denn es existierte ja nicht einmal zwei Jahre.

      Es gehörte zu einem Paket, den Emissionsausstoß im Gebäudesektor zu reduzieren. (so ist auch das GEG vor Habeck entstanden) Ich glaub Gebäude hat den zweithöchsten Anteil.
      Und insgesamt sollte der Sektor bis 2045 klimaneutral sein. Wer ausgiebig googlet findet dazu auch sicherlich Prognosen und Hochrechnungen.

      Ich finde das Thema ehrlich gesagt zu langweilig, um es groß zu diskutieren. Es war erkennbar das einzige Ziel der CDU sagen zu können, man habe das Habecksche Gesetz rückabgewickelt. Glückwunsch, haben sie erreicht.
      Es ist aber schlechte Politik, denn wenn man ein Gebäudeenergiegesetz neu aufsetzt, sollte man sich Gedanken über Gebäudeenergie machen. Das Gesetz ist Klump, weil man das sehr offensichtlich nicht getan hat.

      • Stefan Pietsch 19. Juni 2026, 10:10

        Die Kritik daran ist die völlig unrealistischen Ziele. 2045 sind keine zwanzig Jahre mehr. Die Gebäude in Deutschland sind im Schnitt 36 Jahre alt, in den Innenstädten manchmal mehrere hundert Jahre. Noch dazu stehen viele Bauwerke unter Denkmalschutz. Dort einfach mal eine Wärmepumpe einbauen, würde auch auf Sicht von anderthalb Jahrzehnten Kosten nahe der Billionengrenze verursachen. Wer soll das bezahlen? Das muss jemand bezahlen, Ariane.

        Unsere internationalen Verträge sagen frühestens 2050, die UN-Mitgliedsländer nehmen sich im Schnitt bis 2070 Zeit. Wir haben stagnierende Staatseinnahmen, eine schrumpfende Erwerbsbevölkerung (=Zahler) und eine sehr alte Bevölkerung. Aber wir wollen aus welchen Gründen auch immer schon in ein paar Jahren völlig klimaneutral sein. Bei Asterix stände an dieser Stelle: Die spinnen, die Deutschen!

        • Ariane 19. Juni 2026, 13:51

          Ja, aber das ist ja gerade nicht passiert. Man hat eben kein anderes Gesetz mit anderen Zielen oder Prognosen hingestellt. Man hat sich nicht ausgiebig mit Gebäudeenergie auseinandergesetzt und die beste Lösung gesucht.

          Man wollte sehr erkennbar, Habecks Gesetz rückabwickeln und hat das getan. Aber wir haben jetzt ein Gesetz, von dem die Regierung selbst sagt, sie weiß nicht, welche Auswirkungen es hat. Ob Habeck doof ist, interessiert heute schon nur noch wenige, in drei Jahren vermutlich niemanden mehr. Da heißt es Robert..wer? Aber man hat da immer noch ein Gesetz und man will wissen, was man damit anfangen soll. Wäre ja cool, wenn Reiche & co bis dahin eine Antwort hätten, die über „Habeck ist doof“ hinausgeht.

          • Stefan Pietsch 19. Juni 2026, 14:26

            Die beste Lösung existiert doch längst. Es ist der EU-ETS, der genau zu dem Ziel führen soll, das Habeck erst mit seinem Gesetz ansteuern wollte. Gordon Gekko würde sagen, der braucht Gürtel und Hosenträger. Ich sage, der Robert wollte sich ein Denkmal setzen. Zu der Denkmal-Debatte, siehe oben.

          • CitizenK 19. Juni 2026, 20:33

            Niemand unter den Habeck-Hassern regt sich über Reiches „Bio-Treppe“ auf. Unrealistisch und nur mit massiver Bürokratie umsetzbar. Zeigt: Es geht gegen Habeck und die Grünen, nicht um die Sache.

            • Stefan Pietsch 19. Juni 2026, 21:40

              Warum nur? Wahrscheinlich, weil alle außerhalb der Grünen Partei böse Menschen sind. *Augenroll* So einfältig argumentieren nicht einmal mehr Teile der grünen Führungsriege.

        • Sören 19. Juni 2026, 20:33

          > 2045 sind keine zwanzig Jahre mehr.

          Mit anderen Worten: die Gasheizungen, die du _heute_ einbaust, sind dann schon hinter ihrer durchschnittlichen Haltbarkeit. Die meisten bereits verbauten schon lange dahinter.

          Aber, hey, wenn die Kritik der CDU einfach gewesen wäre: das ist unrealistisch; es sollte 2055 sein? Dann hätten sie ja genau so einen Vorschlag vor drei Jahren im Parlament einbringen können, und dann hätte man einen Kompromiss gesucht. Darum ging es der CDU aber ja nicht, sondern sie wollten Argumente, um die Koalition zu diskreditieren, und den Eindruck bei Bürger:innen zu entwickeln, ein GEG _per se_ sei eigentlich unnötig.

          >Unsere internationalen Verträge sagen frühestens 2050, die UN-Mitgliedsländer nehmen sich im Schnitt bis 2070 Zeit.

          Das ist schön für die UN-Mitgliedsländer, nur sollte Deutschland sich daran kein Beispiel nehmen, sondern überdurchschnittlich fortschrittlich sein. Ansonsten kann unsere Technologiebranche mit solch eine Mentalität in der Tat einpacken.

          >Wir haben stagnierende Staatseinnahmen, eine schrumpfende Erwerbsbevölkerung (=Zahler) und eine sehr alte Bevölkerung.

          Und deshalb soll das Land mit jener Bevölkerung gleich mit sterben, oder was ist hier die Relevanz? Natürlich muss ein Land in seinen Fortbestand investieren.

          • Stefan Pietsch 19. Juni 2026, 21:24

            Es gibt über 42 Millionen Wohnungen in Deutschland, 20 Millionen Gebäude sind es. Im Schnitt können die Hersteller 300.000 Wärmepumpen in den Markt drücken, womit Deutschland eine Spitzenposition einnimmt. Sagen wir, ungefähr 16 Prozent aller Gebäude verfügen bereits über eine Wärmepumpe und es entstehen keine Ersatzinvestitionen in den nächsten 20 Jahren. Um die 17 Millionen Gebäude zu versorgen, bräuchten wir bei den derzeitigen Kapazitäten weit über fünfzig Jahre. Da wären wir in der Gegend von 2080. Und bevor der Einwand kommt: Ganz Europa tut sich generell mit dem Aufbau von Kapazitäten schwer, da die Erwerbsbevölkerungen schrumpfen und die Produktivitätszuwächse gegen Null gehen.

            Hören wir endlich auf mit dem Wunschdenken. Wir Deutschen träumen inzwischen seit Jahrzehnten und bauen Luftschlösser.

            Wieso sollte sich Deutschland nicht an den großen Emittenten orientieren? Was genau bringt es dem Klima, wenn wir 2045 kein CO2 mehr emittieren? Vorbildfunktion? Die Welt lacht inzwischen über diesen deutschen Anspruch.

            Sie scheinen keine Ahnung zu haben, vor welche Herausforderungen die Alterung der Gesellschaft das Land stellt. Wir können ja heute am Beginn der Umwerfungen schon unsere Sozialausgaben nicht mehr bezahlen. Warten Sie ab, wie das erst in zehn Jahren aussieht.

            • Sören 20. Juni 2026, 11:46

              >Wieso sollte sich Deutschland nicht an den großen Emittenten orientieren?

              Die meisten großen Emittenten investieren massiv in den Klimaschutz. Natürlich kann Deutschland auch die Finger in die Ohren stecken, aber das tut zum Glück selbst die CDU weitgehend nicht.

              > Sie scheinen keine Ahnung zu haben, vor welche Herausforderungen die Alterung der Gesellschaft das Land stellt.

              Nö, es ist einfach nur egal. Je länger wir warten, desto exponentiell _größer_ werden die Herausforderungen durch den Klimawandel.

              >Wir können ja heute am Beginn der Umwerfungen schon unsere Sozialausgaben nicht mehr bezahlen. Warten Sie ab, wie das erst in zehn Jahren aussieht.

              Ist das jetzt mehr Spahns „wir verwalten den Niedergang“ oder Hubertz‘ „bitter, aber nicht anders machbar“?

              Wo bleibt denn der unternehmerische Geist, wenn es darum geht, Problem auch einfach mal anzupacken?

              • Stefan Pietsch 20. Juni 2026, 12:42

                Auch Deutschland investiert massiv. Das ist ein Null-Argument. Allein für die Energiewende hat Deutschland in den letzten zwanzig Jahren 0,7 Billionen Euro aufgewendet, bezogen auf das BIP ist das ein Spitzenwert. Die Emissionen sind seit Anfang des Jahrtausends von über 1 Milliarde Tonnen auf 0,6 Milliarden Tonnen gesunken. Der Anteil Deutschlands verringerte sich im Zeitablauf von über 2 Prozent auf heute 1,4 Prozent.

                Ganz klar: obwohl eines Länder mit dem höchsten BIP pro Kopf sind die Emissionen kaum höher als es dem Anteil an der Weltbevölkerung entspricht. Also aus den relativen Entwicklungen lässt sich kein Vorwurf konstruieren.

                Die Welt steht vor großen Herausforderungen beim Klimawandel. Nicht Deutschland. Also, eigentlich nicht, würden wir nicht so unfassbar viel Unfug treiben. Keine Kernkraft, kein CCS, kein Fracking, keine Anrechnung von Emissionseinsparungen in Drittländern. Welches Land ist derart dumm, naiv, arrogant, unfähig?

                Sie sagen, es käme nicht auf die Herausforderungen durch die Demographie an. Aber Sie wissen doch, dass man jeden Euro nur einmal ausgeben kann. Der Euro, den das 65jährige Paar ohne Not in den Austausch seiner Gasheizung gegen eine Wärmepumpe ausgibt, fehlt ihnen für den Rest ihres Lebens. Bei alten Häusern ist das gerne mal ein hohes fünfstelliges Vermögen. Oder gar sechsstellig. Das ist nicht wenig und ein Großteil des Medianvermögens in dieser Altersklasse.

                Das mag Ihnen egal sein, aber ganz sicher nicht diesen Menschen als Wähler. Und notfalls geben die der AfD die absolute Mehrheit, wenn sich solche Ignoranz vor realen Problemen nicht anders abräumen lässt.

                Ich bin knapp 60. Warum sollte ich noch unternehmerisch tätig werden (bin ich). Das geht doch wohl eher an diejenigen, die laut „Klimaschutz!“ krähen und dann in den Staatsdienst wechseln. Der unternehmerische Geist bei der U40-Fraktion ist auf einem historischen Tief. Und wenn Linke mal das Wort „Unternehmer“ in den Mund nehmen, meinen sie entweder Uralt-Großkonzerne oder den Staat als Alles-Investor (und Alles-Verschwender).

  • Erwin Gabriel 18. Juni 2026, 14:35

    f) Diese Diskussion um Bas‘ Schulabschluss ist echt nur absurd.

    Wie sag ich das höflich: Wenn ich ihren Schulabschluß und ihre beruflichen Abschlüsse und Erfahren mal außen vorlasse und nur danach urteile, was sie sagt, wird mein Urteil nicht besser.

    E.G. (Mittlere Reife)

  • Gabriel 18. Juni 2026, 16:02

    k) Wie ich diesen Politik-Verachtungs-Populismus hasse.

    Du lieferst immer wieder Beiträge und Kommentare gegen Besserverdiener und ungerechte Boomer-Renten, und dann so etwas? 🙂

    Wobei Du die zitierte Aussage im Kontext betrachten musst. Im Moment In den letzten 20 Jahren kriegt die Politik nicht viel bewegt. Es wird viel geredet, noch mehr gezankt, aber wenig erreicht. Dann hat ein hoher Versorgungsanspruch nach nur vier Jahren Abgeordnetentätigkeit einen anderen Stellenwert.

  • Erwin Gabriel 18. Juni 2026, 16:02

    k) Wie ich diesen Politik-Verachtungs-Populismus hasse.

    Du lieferst immer wieder Beiträge und Kommentare gegen Besserverdiener und ungerechte Boomer-Renten, und dann so etwas? 🙂

    Wobei Du die zitierte Aussage im Kontext betrachten musst. Im Moment In den letzten 20 Jahren kriegt die Politik nicht viel bewegt. Es wird viel geredet, noch mehr gezankt, aber wenig erreicht. Dann hat ein hoher Versorgungsanspruch nach nur vier Jahren Abgeordnetentätigkeit einen anderen Stellenwert.

    • Dennis 19. Juni 2026, 08:52

      Der verlinkte Typ auf X vertritt einen FDP-nahen Vermögensverwalter und hat es sich angelegen sein lassen aus n-tv bzw. aus dem SPIEGEL abzuschreiben; kann man ja machen. Einer schreibt vom andern ab führt im Idealfall zum beliebten „viral“.

      Der Ausgangsakt des Abschreibens ist wiederum eine Regierungsanfrage der Linkspartei im Bundestag. Da hätten die gar nicht „fragen“ müssen, das hätten die sich selbst ausrechnen können, so isses aber besser für die angesagte Kampagne der Linkspartei, was wiederum nichts Verbotenes ist.

      https://www.spiegel.de/politik/deutschland/altersbezuege-vier-jahre-bundestag-entsprechen-28-jahren-von-durchschnittsverdienern-a-b4282680-735a-4e07-a7f5-81e3100f1e96

      Interessant jedenfalls, was die Stille Post alles so leisten kann. Hier Anschlußfähigkeit von FDP-Fritzen an die Linkspartei.

  • Ralf 18. Juni 2026, 21:26

    zu 1) “Vorteil Rechtsstaat”

    Grundsätzlich sind Unternehmen, die rechtsstaatliche Garantien wollen, in Europa zunehmend besser aufgehoben als etwa in den USA.

    Unternehmen denken langfristig und es ist völlig unklar, wie lange Europa noch rechtsstaatlicher sein wird als die USA. In Großbritannien führen die Rechtsextremen in den Umfragen. In Frankreich führen die Rechtsextremen in den Umfragen. In Österreich und in Deutschland führen jene Nationalsozialisten in den Umfragen, die sogar die französischen Rechtsextremen als zu eklig ablehnen. Da Europa beschlossen hat seine Demokratie nicht zu verteidigen und vor den Verbrechern zu kapitulieren, wird der Vorteil der Rechtsstaatlichkeit absehbar bald dahin sein. Von Standortvorteil kann folglich keine Rede sein.

  • Ralf 18. Juni 2026, 23:51

    6) “Wahlrecht”

    Die praktischen Folgen, wenn man Ausländer mit fünfjähriger Verankerung im Gastland wählen lässt, wären kaum messbar. Schon die hiesige Bevölkerung geht ja viel zu selten wählen. Dafür wäre es gut für das Gerechtigkeitsempfinden, wenn man diejenigen wählen lassen würde, die wählen wollen.

    Gerade in der EU, wo sich Menschen zunehmend durchmischen, wird das mittlerweile zu einem signifikanten Problem. Ich darf beispielsweise nur noch einmal mitwählen – dann bin ich mehr als 25 Jahre aus Deutschland weg und darf in Deutschland nicht mehr wählen. Im Gastland darf ich aber auch nicht wählen, mangels Staatsbürgerschaft. De facto verliere ich also jedwede demokratische Partizipation. Steuern soll ich aber trotzdem zahlen.

    Das Argument, dass ich schließlich auch nicht zum Kriegsdienst eingezogen würde, ist wenig schlagkräftig, alldieweil in den vergangenen 75 Jahren auch sonst niemand zum Kriegsdienst eingezogen wurde …

  • Ariane 19. Juni 2026, 04:18

    2)
    Man verschiebt damit eigentlich nur noch die Kosten von der einen Kasse in die andere, mit dem zusätzlichen „Bonus“, dass sich die Betroffenen herabgewürdigt fühlen.
    Nichts kann diese Regierung besser als eben das.^^ Nur echte Kürzungsidee, wenn man die jeweils betroffene Gruppe auch noch möglichst kreativ beleidigt.

    Die Idee an sich ist imo eher in der Theorie charmant, in der Praxis aber kaum standardisiert für eine ganze Bevölkerung umzusetzen. Ich muss da noch mehr drauf rumdenken, aber ich bin tatsächlich nicht der große Freund von diesen Prozentual-Lösungen, die dann wieder 20 Zusatzregeln, Deckelungen, Sockelbeiträge, etc. haben.

    Ich hab mal recherchiert, wieso es überhaupt eine Beitragsbemessungsgrenze bei GKVs gibt. Neben der Idee, dass man Gutverdiener nicht entsprechend belasten wolle, war der Grund wohl, dass dann die Kosten für das Krankengeld deutlich höher wären. Also ist jetzt einfach beides gedeckelt. Spontan sinnig finde ich das nicht.

    3) Ohnmachtsgefühl
    Ja, aber ich finde es fast etwas kurz gesprungen, ich denke das Ohnmachtsgefühl ist eher das Endergebnis. Und ich weiß nicht, ob es neu ist oder schon immer. Aber die Einschätzung von Möglichkeiten und Grenzen der Möglichkeiten sind ja völlig verschwommen.
    Und zwar in allen Ebenen, politisch, medial, gesellschaftlich.

    siehe hier Beispiel Klimawandel.
    Die einen sagen Apokalypse, morgen tot – die anderen „ach Deutschland allein kann eh nix tun“
    Die Konsequenz: man verharrt zwischen diesen Extremen, stellt sich lieber tot und verspürt ein Ohnmachtsgefühl. Beide Aussagen sind aber völliger Quatsch und verhindern nur das zu tun, was realistisch möglich ist.

    Merz ist da auch Spezialist. (er muss einfach eine Wette laufen haben, der unbeliebteste Kanzer auch noch in die Zukunft hinein zu werden, weil so unfähig in Kommunikation kann man gar nicht sein):
    Alles sehr schlimm, morgen Apokalypse – das einzige, was uns (nicht mal) retten kann ist Jahrhundertreform in allen Sozialbereichen in Rekordzeit natürlich.
    Das wird nicht passieren. Das einzige, was hängenbleibt, ist der erstklassige Revolutionstenor, der da mitschwingt. Wenn die Jahrhundertreform nicht geht, muss man noch einen draufsetzen.

    Und das liegt m.E. daran, dass selten bis nie über reale Einflussmöglichkeiten und auch deren Begrenzungen geredet wird.

    6) Wahlrecht
    Reichinneks Vorschlag ist schlüssig aus einer linken Sicht, die Grenzen und Nationalstaaten ablehnt.

    Imo ist das der gegenteilige Fehler, der auf der rechten Seite passiert. Man überhöht den Kram massiv. Eine Staatsangehörigkeit – genau wie ein Staat und seine Grenzen – sind hauptsächlich legale Statusse. Kann man auch ganz nüchtern sehen und muss nicht von links und rechts ständig ein Drama draus machen. Wer hier wählen will, soll sich einbürgern lassen – die Voraussetzungen sind ähnlich wie die Vorschläge der Linken.
    Und die andere Seite könnte dann aufhören davon zu fantasieren, die Staatsangehörigkeit wäre dadurch irgendwie entwertet.

    Ernsthaft: übertragt das mal auf den Führerschein, um von dieser Überhöhung wegzukommen. Mein Führerschein ist nicht weniger wert, wenn den 1 Million anderer machen. Und wer hier auf Deutschlands Straßen autofahren will, braucht einen in Deutschland anerkannten Führerschein. simple as that.

    7)die sich in der letzten Zeit mit Verve dafür eingesetzt haben, dass Nacktszenen einer Minderjährigen gegen deren expliziten Wunsch unbedingt im Fernsehen zu sehen sein müssen
    Lass sie einfach reden. Sie erzählen dir dann, dass es ihnen ja nicht um die nackte 15jährige geht, sondern ums Prinzip. Sie tun das für den Freiheitskampf! (außer der Freiheit der damals 15jährigen natürlich)

    Ich würde hier einen anderen Vergleich setzen, der vielleicht auch zwischen Historie und Alltagshandeln mehr unterscheidet – nämlich Statuen und Straßennamen. Es ist vollkommen sinnfrei, den Alltag zuzupflastern und Werte von damals zu feiern, die wir heute nicht mehr haben, die sich häufig sogar ins Gegenteil verkehrt haben.
    Warum brauchen wir eine Bismarck-Statue mit Pickelhaube in Kriegspose, der auf den von ihm besiegten Kriegsgegner Dänemark hinabschaut bzw auf das damals eroberte Gebiet. Dänemark ist heute unser Freund und Partner, das sind unsere heutigen Werte.
    Macht ein Foto, reißt das Denkmal ab, stellt ein Völkerfreundschaftsdenkmal auf und das Foto daneben. Das war gestern, das ist heute. Das heute feiern wir mit einer Statue. Man kann zu seiner Vergangenheit stehen und trotzdem klarstellen, dass man heute andere Werte hat.

    Straßennamen noch bescheuerter. Die haben jetzt oft kleine Erklärschildchen. Bei Kontroversen wird das manchmal ergänzt. Hermann-XYZ (kleines Schild: Ortsbürgermeister 1939 oh und übrigens Nazi)
    Das machts ja eher schlimmer als besesr. Dann lieber umbenennen und in kleinem Schildchen schreiben, diese Straße hieß früher nach Hermann-XYZ – heute finden wir Nazis doof und wollen keine Straßen mehr nach ihnen benennen.

    Der ganze Kram präsentiert die Werte und Vorstellungen der damaligen Zeit. Das war damals ok. Aber heute haben wir andere Werte und Vorstellungen und diese sollten – wie damals – selbstbewusst vertreten und im Alltag eingebettet sein. Wenn die Werte nicht mehr gelten, haben sie im Alltagsgeschehen nichts mehr zu suchen, sondern gehören in ihren jeweiligen Kontext.

    • Thorsten Haupts 19. Juni 2026, 11:56

      Wenn die Werte nicht mehr gelten, haben sie im Alltagsgeschehen nichts mehr zu suchen, sondern gehören in ihren jeweiligen Kontext.

      Ich treib das mal ein bisschen auf die Spitze:
      Also reissen wir alle 30? 50? Jahre Monumente und Denkmäler ab, hängen Fotographien ab, benennen Strassen und Plätze um, beseitigen Bauten etc., weil sich unsere Werte geändert haben? Echt jetzt?

      • Ariane 19. Juni 2026, 13:29

        Ist die Frage nicht legitim, warum wir Sachen im öffentlichen Raum behalten sollten, von denen ganz klar ist, dass wir (als Deutschland) heute das Gegenteil vertreten? Wir hängen ein Schild daneben „heute empfinden wir übrigens gegenteilig“ Bitte beachtet das, denn uns fehlt der Mut, den öffentlichen Raum anzupassen. Wir sind den Allierten sehr dankbar, dass sie das Problem der 10.000 Adolf-Hitler-irgendwas gelöst haben, sonst ständen die auch noch hier überall herum. Mit Plakette „wir feiern Hitler übrigens NICHT mehr“

        Ich fordere keine konzertiere Aufräumaktion, aber die Auseinandersetzung. Hin und wieder nachzusehen, ob das, was wir im öffentlichen Raum haben noch gilt und vertretbar ist, halte ich für klug. Und anzupassen, wenn es nicht mehr vertretbar ist. Die Gestaltung des öffentlichen Raumes ist ein Prozess, ihn irgendwo einzufrieren ist nicht Sinn der Sache.

        • Thorsten Haupts 19. Juni 2026, 13:33

          Und anzupassen, wenn es nicht mehr vertretbar ist.

          Und da kann man erstens mit guten Gründen anderer Auffassung dazu sein, was „nicht mehr vertretbar“ ist. Bismarck gehört für mich ganz sicher nicht dazu.
          Und zweitens hat unser Land nun mal eine Geschichte. Wie jedes andere auch ist es mit einem Wertegerüst entstanden, das ganz sicher nicht mehr zum heutigen passt. Ich muss diese Geschichte nicht ausradieren, nur weil wir – heute und zu den heutigen Rahmenbedingungen – eher Beyonce als Bismarck huldigen würden.

          Gruss,
          Thorsten Haupts

          • Ariane 19. Juni 2026, 14:18

            Das fände ich ok, aber ich will die Auseinandersetzung. Nicht jede der drölfzig Bismarck-Statuen weist symbolisch auf die Demütigung Dänemarks hin. Sie da stehenzulassen, weil man die Auseinandersetzung scheut, finde ich aber eben nicht gut.

            Ich muss diese Geschichte nicht ausradieren, nur weil wir – heute und zu den heutigen Rahmenbedingungen – eher Beyonce als Bismarck huldigen würden.
            Niemand will hier was ausradieren. Etwas im alltäglichen, öffentlichen Raum zu haben ist nun mal ein Statement. Wenn darüber diskutiert wird und man kommt zum Schluss, man möchte eine Statue Bismarcks behalten, um an die Staatsgründung Deutschlands zu erinnern, ist das ok.
            Aber wir wollen ja keine Hakenkreuze mehr im öffentlichen Raum, um an die Nazizeit zu erinnern. Und sie dann abzunehmen ist auch ok. Sie sind ja nicht weg, sie sind nur im historischen Kontext eingebettet, man findet sie in jedem Gedenk/Erinnerungsort, den wir an diese Zeit errichtet haben. Im Öffentlichen Raum. Weil die Botschaft heute eine andere ist.

        • Stefan Pietsch 19. Juni 2026, 13:46

          Du forderst eine politische Bewertung. Je nach dem, wer regiert, bestimmt, woran sich noch erinnert wird und woran nicht.

          So haben Linke viele Jahre darauf getränkt, dass die Mohrenstraße in Berlin (beim Gendarmenmarkt – auch problematisch!) umbenannt wurde. Geschichtsvergessen meinten solche Protagonisten, der Begriff sei rassistisch.

          Wie es antirassistisch geht, belegten dann ebenfalls Linke bei der Umbenennung. Inzwischen trägt sie den Namen „Anton-Wilhelm-Amo-Straße“. Dabei stammte Anton Wilhelm Amo wahrscheinlich aus einer wohlhabenden Familie im heutigen Ghana und war in den Sklavenhandel verstrickt. Was reiche Afrikaner halt im 17. bis 19. Jahrhundert so gemacht haben. Aber es ist für Linke nur problematisch, wenn Weiße Sklavenhandel betrieben haben… Alles andere ist kein Rassismus.

          Das Beispiel lehrt jedenfalls, dass die von Dir geforderte Bewertung keine gute Idee ist.

          • Ariane 19. Juni 2026, 14:28

            Du forderst eine politische Bewertung. Je nach dem, wer regiert, bestimmt, woran sich noch erinnert wird und woran nicht.
            Genau das tue ich nicht und ich wehre mich explizit gegen diese Deutung. Deutschland erinnert sich auch an die Hitlerzeit oder an Hexenverbrennungen. Das geschieht vollkommen unabhängig davon, ob etwas im öffentlichen Alltagsraum herumsteht oder nicht.
            Etwas im öffentlichen Alltagsraum zu haben hat eine andere Bedeutung als eine historische Erinnerung.

            Diesen Unterschied sollte man anerkennen und ihn sich bewusst machen und dann darüber debattieren. Ergebnisoffen.
            Böse Linke wollen unsere Vergangenheit ausradieren ist nicht mein Thema und das diskutiere ich auch nicht.

        • Ralf 19. Juni 2026, 13:55

          dass wir (als Deutschland) heute das Gegenteil vertreten

          In der erdrückenden Mehrheit der relevanten Fälle – von Winnetou bis Bismarck – gibt es den landesweiten Konsens, dessen Existenz Du behauptest, nicht. Und in den verbleibenden Fällen, in denen Konsens besteht, dass Deutschland heute für etwas anderes steht, ist das Land trotzdem tief gespalten über den Umgang mit der Vergangenheit. Für ein Canceln gibt es auch dort meist keine Mehrheit.

      • Detlef Schulze 19. Juni 2026, 14:17

        Also reissen wir alle 30? 50? Jahre Monumente und Denkmäler ab, hängen Fotographien ab, benennen Strassen und Plätze um, beseitigen Bauten etc., weil sich unsere Werte geändert haben? Echt jetzt?

        Als im Osten die ganzen Ernst-Thälmann-Strassen, Wilhelm-Piek-Plätze und Karl-Marx-Städte umbenannt wurden, hat es niemanden gestört. Aber wenn der ehemalige Bürgermeister Nazi war, ist eine Umbenennung gleich ein großes Problem.

        • Dennis 19. Juni 2026, 15:34

          Doch, doch, hat schon gestört. Es gab zwar eine Umbenennungspanik durch Übereifrige ganz zu Anfang, natürlich inspiriert aus dem Westen, aber zahlreiche Pieck- und ähnliche „eigentlich“ (das „eigentlich“ interessiert aber niemanden) kommunistische Sachen sind landauf landab erhalten. Auf Google-Street wird man fündig, und zwar reichlich. In diversen Ortschaften kann man auch auf einer „Straße der deutsch-sowjetischen Freundschaft“ lustwandeln. Wird allerdings mit „DSF“ abgekürzt und auch amtlich nicht ausgeschrieben; vermutlich ist das als eine Art Entschärfung gedacht^.

          Heute wagt sich an diese „Erinnerungskultur“ offenbar keiner mehr ran, auch die drüben besonders beliebte AfD wird nicht so blöd sein, da was anzurühren.

          • Detlef Schulze 19. Juni 2026, 15:56

            Ja, es gibt sie noch die Plätze und Strassen. Aber ich schätze das die Mehrheit dieser Namen verschwunden sind. In meiner Stadt weit über 80%. Allerdings hängt es auch mit der Person zusammen. Karl Marx ist offensichtlich weniger problematisch als Lenin. Nach Ernst Thälmann war in der DDR gefühlt alles benannt, den findet man heute allerdings sehr selten als Namensgeber. Wilhelm Piek oder Otto Grotewohl kommen eigentlich gar nicht mehr vor.

          • Ariane 21. Juni 2026, 23:52

            In diversen Ortschaften kann man auch auf einer „Straße der deutsch-sowjetischen Freundschaft“ lustwandeln. Wird allerdings mit „DSF“ abgekürzt und auch amtlich nicht ausgeschrieben; vermutlich ist das als eine Art Entschärfung gedacht^.
            Hahaha, ist das im Osten noch nicht so verbreitet mit den kleinen Plaketten als Disclaimer? „btw die Sowjetunion gibt es gar nicht mehr. Leider ist uns der Spirit des Umbenennens verloren gegangen“

            Es ist eigentlich dieselbe Geschichte wie mit den Nazis im Westen. Die Alliierten waren da auch nicht übergründlich und die Erkenntnis, dass es mehr Nazis als Hitler, Göring und Himmler gab, ist ja quasi „brandneu“
            Ich denke, eine Gesellschaft tut gut daran, nicht irgendwo einzufrieren. Und den Wandel zu verdeutlichen mit nem kleinen Schildchen „heute finden wir Nazis nicht mehr gut und hätten die Straße anders genannt“ ist ja eher peinlich.

            • cimourdain 23. Juni 2026, 15:04

              Die ehrliche Plakette wäre allerdings „Freundschaft mit Ländern, die nicht zum (überlegenen weißen) Westen gehören, ist für uns nicht mehr erstrebenswert. Umbenennung in Revanchismusstraße wird in Kürze erfolgen“

              • Thorsten Haupts 24. Juni 2026, 07:20

                Freundschaft mit Ländern, die nicht zum (überlegenen weißen) Westen gehören, ist für uns nicht mehr erstrebenswert.

                Sehr schön, bin ganz dafür!

        • Ralf 19. Juni 2026, 15:38

          Also ich habe kein Problem mit Ernst Thälmann-Straßen. Die Umbenennung von Karl Marx-Stadt in Chemnitz war eine Rückbesinnung auf den alten Namen, keine Neuschöpfung. Die ursprüngliche Umbenennung nach dem Zweiten Weltkrieg war meines Wissens nach aufgezwungen und folgte keinem demokratischen Prozess. Die Rückbenennung hingegen wurde in Angriff genommen aufgrund eines demokratischen Votums in 1990. Mit Wilhelm Piek-Plätzen hab ich im Prinzip kein fundamentales Problem. Grundsätzlich meine ich, dass je länger ein Name etabliert ist, desto höher sollte die Hürde zur Umbenennung sein. Gleichzeitig – je organischer ein Name in der Vergangenheit entstanden ist, desto höher sollte die Hürde zur Umbenennung sein. Namen wie “Wilhelm Piek-Platz”, die von einem undemokratischen Regime aufoktroyiert wurden und noch nicht lange bestehen, kann man legitimer entfernen als Jahrhunderte bestehende Bezeichnungen, die sich irgendwann aus der Historie ergeben haben. Dasselbe würde für einen “Hermann Göring-Platz” gelten, den es 1945 sicher auch irgendwo in Deutschland gegeben hat.

    • Stefan Pietsch 19. Juni 2026, 13:30

      Ich hab mal recherchiert, wieso es überhaupt eine Beitragsbemessungsgrenze bei GKVs gibt. Neben der Idee, dass man Gutverdiener nicht entsprechend belasten wolle, war der Grund wohl, dass dann die Kosten für das Krankengeld deutlich höher wären.

      Das war Deine Recherche nicht gut. Und Du bist noch ziemlich jung für unsere Sozialsysteme. Die soziale Sicherheit wurde ganz bewusst durch eine Beitragsfinanzierung organisiert. Beiträge kommen in der juristischen Ausgestaltung „Preisen“ im Privaten am nächsten. Anders als Steuern und im Unterschied zu Gebühren gilt das sogenannte „Äquivalenzprinzip“, die Beitragszahler haben nicht nur Anspruch auf eine adäquate Gegenleistung. Der Staat kann die Beiträge auch nicht wie bei Gebühren relativ willkürlich festsetzen.

      Deswegen bekommen Arbeitslose und Rentner in Abhängigkeit zu ihren Zahlungen Leistungen. Bei einer Steuerfinanzierung bekämen alle das Gleiche. Bis Anfang des Jahrtausends sah man das als sozial gerecht an (den Begriff liebst Du sicher! :-)). Die Rente sollte eine Anerkennung der Lebensleistung sein.

      Mit der Begründung hat man aufgehört, seit immer klarer wurde, wie schwer es dem Staat fällt, noch Renten zu zahlen, die über dem Sozialhilfeniveau liegen. Deswegen haben auch hier Leute wie CitizenK aufgehört davon zu reden, dass Kapitalbildung ja gar nicht möglich sei, weil die Renten immer aus dem gegenwärtigen Einkommen bezahlt werden müssen.

      Hintergrund der beitragsfinanzierten Sozialversicherung war auch, dass der Staat einfachen Bürgern nicht genügend Vorsorge zutraute, besser Gestellten allerdings schon. Jedenfalls, hätte man unter den Bedingungen keine Beitragsbemessungsgrenze eingeführt, hätten Arbeitnehmer mit sechs- und siebenstelligen Gehältern exorbitante Ansprüche an die Sozialkassen. Das wäre politischer und sozialer Sprengstoff. Umgekehrt wäre es aus den angeführten Gründen verfassungswidrig, die Beiträge open-end zu gestalten, die Leistungen aber zu deckeln.

      Ich sage es immer wieder: Einen Tod müssen wir sterben.

      • Ariane 19. Juni 2026, 14:20

        Und Du bist noch ziemlich jung für unsere Sozialsysteme.
        Keine Sorge, ich fahre die nächsten Tage weg. Dann können hier die Leute mit passendem Alter unter sich diskutieren.

        • Stefan Pietsch 19. Juni 2026, 14:23

          Witze über Alte werden hier ja auch gerissen. 😉

          Du hast viele Vorteile – oder Nachteile, je nachdem… Du senkst hier den Altersdurchschnitt, Du bist eine der wenigen Bikini-Trägerinnen (meine habe ich eingemottet) und Du bist richtig links.

          Ich gönne Dir Deinen Urlaub! Wo geht’s hin?

    • Dennis 19. Juni 2026, 14:56

      Zitat Ariane:
      „Es ist vollkommen sinnfrei, den Alltag zuzupflastern und Werte von damals zu feiern, die wir heute nicht mehr haben“

      Tja, die genannten Beispiele sind halt Kulturkampfwaffen, die es an sich haben, im Zeitablauf Staub anzusetzen. Michelangelos Sixtinische Kapelle zum Beispiel ist pure Propaganda für den Papismus. Gut, an der Stelle kann man einen Kunstvorbehalt anmelden, bevor mal das Ding in die Luft sprengt.

      Aber Straßen und Plätze sind halt leicht zu bedienende Kulturkampfwaffen, weswegen die Umbenneritis, also Anpassung an je aktuelle Machtverhältnisse oder sonstige Zeitgeistbeweise, ja durchaus beliebt ist. Mitunter auch Rückbenennungen oder multiples Hin und Her.

      Zahlreiche Straßen und Plätze könnten ein Lied davon singen (okay, keine so gute Metapher^). „Unsere“ Kaiserstraße*) in Frankfurt zum Beispiel hieß ab 1947 umbenannt Friedrich-Ebert-Straße. Im Laufe der 50er gab es indes signifikantes Gemosere darob in der Bevölkerung und die SPD (damals der unangefochtene Platzhirsch in town mit krasser absoluter Mehrheit) hat sich für eine Rückbenennung entschieden. Der eine oder andere Schelm könnte an dieser Stelle auf die Idee kommen: Damals hat die SPD klugerweise noch auf das Volk gehört^. Für Ebert gab’s dann eine Benennung 2. Klasse an anderer Stelle.

      *) so was Allgemeines, wo nicht direkt dazu geschrieben wird, welcher Kaiser gemeint ist, ist eigentlich ganz praktisch. Würde, wenn ich was zu sagen hätte, z.B. auch „Bundeskanzlerplatz“ (gibt es tatsächlich in Bonn) allgemein vorschlagen und das leidige Gezeter nach jedem Todesfall (zuletzt Helmut Kohl) in Berlin und evtl. anderswo ist ein für allemal vom Tisch. Straßen, die was hermachen, sind ja auch nicht unendlich vorhanden und irgend was Popliges im Neubaugebiet draußen ist auch problematisch. Ein Joker: Plätze erfinden, die bisher nicht als solche wahrgenommen wurden auch auch nicht „Platz“ hießen.

      Ales ganz schwierig, beweist aber: Kulturkampf war schon immer.

      • Ariane 21. Juni 2026, 23:56

        so was Allgemeines, wo nicht direkt dazu geschrieben wird, welcher Kaiser gemeint ist, ist eigentlich ganz praktisch. Würde, wenn ich was zu sagen hätte, z.B. auch „Bundeskanzlerplatz“ (gibt es tatsächlich in Bonn) allgemein vorschlagen
        Das ist total genial! man kann ja auch mal etwas Mitleid mit Leuten haben, die beruflich ständig auf korrekte Adressen achten müssen und Eigennamen sind da eh die Pest und ähnliche Endgegner wie friesische oder französische Straßennamen. Einfach durchnummerieren und gut ist.

        • cimourdain 22. Juni 2026, 12:58

          Nicht ganz so technisch wie durchnummerieren, aber etwas unumstrittenes gibt es bei uns auch: Die Praxis, Straßen (v.a. in Vorortsiedlungen) nach Blumen, Vögeln o.ä. zu benennen: Amselweg, Rosenstraße, Kastanienallee etc.
          Komplettes Vermeiden jeglicher Konfliktzone – zumindest solange, bis wir erklären müssen, warum die realen Wiedehopfe ausgestorben sind, während wir leidenschaftlich dafür gestritten haben, die Konrad-von-Marburg-Straße in Wiedehopfstraße umzubenennen.

          • Ariane 22. Juni 2026, 14:26

            Nun, das ist zumindest orthografisch einfacher als hier immer mit Eigennamen anzukommen. Und ich bin ja nicht für das Vermeiden von Konfliktzonen.
            Grundsätzlich stehe ich zudem dem Personenkult skeptisch gegenüber – man könnte ja auch Ereignisse ehren. Staatsgründung Deutschlands statt Bismarck mit all seinen menschlichen Fehlern. Das Entstehen der protestantischen Religion statt Luther, der ja auch etliche Plaketten zur Relativierung benötigt. Hat natürlich seine eigene Problematik wie Dennis Beispiel mit der Straße der Deutsch-sowjetischen Freundschaft aufgezeigt hat.

            Manchmal passierts ja auch, wenn keiner mehr daran denkt. Der Hindenburgdamm wird auch noch umbenannt, bevor er im Meer versinkt und wird schlicht zum Syltdamm (Anlass übrigens 100jähriges Jubiläum)
            Beim Kanal haben uns die Briten den Kulturkampf übrigens erspart.

      • cimourdain 22. Juni 2026, 11:00

        Rumgenerde: Das Bild in der Sistina, das in Reinform „pure Propaganda für den Papismus“ darstellt, ist nicht von Michelangelo sondern von Perugino:
        https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Entrega_de_las_llaves_a_San_Pedro_(Perugino).jpg

  • cimourdain 19. Juni 2026, 09:26

    7) Gerade unter der Maßgabe, dass es hier nicht um öffentliche Moral, sondern um die Würde einer lebenden realen Person geht, ergibt die „krawallige“ Überschrift Sinn: Kinski will ihre eigene Vergangenheit „umschreiben“, zu der die Filmdarstellungen gehörten. Das erinnert mich ein wenig an das „Recht auf Vergessenwerden“ im Internet. Und ebenso wie dabei ist ihre Bemühung kaum erfolgreich. Es geht ja nicht nur um den Wenders-Film und den Tatort „Reifezeugnis“ (der auch nicht mehr von den ARD-Sendeanstalten ausgestrahlt werden darf). Es gibt auch die Filme „Braut des Satans“ und „Leidenschaftliche Blümchen“ in denen sie als Minderjährige auch halbnackt und erotisierend gezeigt wird (In dieser Hinsicht war Klaus Kinski kein verantwortungsbewusster Vater). Diese aus der Verwertung durch (auch internationale) Filmhändler zu nehmen, ist kaum möglich. Aber auf jeden Fall ist es fair, diesen Aspekt anders als die Kulturkämpferei zu bewerten.

    Aber weil es hier so gut passt: Erklär mal bitte jemand den Touristen in der Münchner Innenstadt, dass sie regelmäßig die Statue einer 13-jährigen begrabbeln :
    https://www.marienplatz-muenchen.de/bezaubernde-julia-statue/

    • Thorsten Haupts 19. Juni 2026, 11:58

      Kinski will ihre eigene Vergangenheit „umschreiben“, zu der die Filmdarstellungen gehörten …

      Das wäre ein nettes Argument, wenn sie als Erwachsene über ihre eigene Vergangenheit selbst entschieden hätte, dann hätte ich dafür auch null Verständnis. Aber es geht um ihre Vergangenheit, als sie noch Kind (!) war und andere diese für sie entschieden haben.

    • Dennis 20. Juni 2026, 11:07

      Zitat cimo:
      „Aber auf jeden Fall ist es fair, diesen Aspekt anders als die Kulturkämpferei zu bewerten. “

      Warum nicht? Kulturkämpfe sind nicht etwas an sich Böses. Ebenso wenig wie „Ideologie“, obwohl überwiegend als Schimpfwort gedacht, kann niemand eine Ideologie, also einen (im Idealfall^) einigermaßen kohärenten weltanschaulichen Bestand von Vorstellungen, vermeiden.

      Kulturell stammen die hier besprochenen uralten filmischen Geschichten aus der maskulin-chauvinistischen Libertin-Phase zweite Hälfte 60er/frühe 70er ff. (dann zäh und zögerlich nachlassend), die seinerzeit als modern und fortschrittlich geframt war, gerne auch als links. Hatte natürlich auch was legitim Kulturkämpferisches gegen den damals so oder ähnlich bezeichneten Adenauer-Volkswartbund-Aktion saubere Leinwand-Mief.

      Dann kam die neue (nicht die erste) Frauenbewegung mit einem kritischen Blick auf dieses wohl doch nicht soooo „freiheitliche“ Treiben; durchaus kulturkämpferisch, warum auch nicht. Anscheinend gibt’s auch heute noch den einen oder anderen, der das als Spielverderberei verübelt. Das war schon bei einem publikumswirksamen Prozess vor fast 50 Jahren erkennbar („zensurgierige Emanzen“).

      https://www.spiegel.de/geschichte/sexismus-klage-emma-vs-stern-angriff-auf-die-maennerpresse-a-951193.html

      • Ariane 22. Juni 2026, 00:09

        Warum nicht? Kulturkämpfe sind nicht etwas an sich Böses. Ebenso wenig wie „Ideologie“, obwohl überwiegend als Schimpfwort gedacht, kann niemand eine Ideologie, also einen (im Idealfall^) einigermaßen kohärenten weltanschaulichen Bestand von Vorstellungen, vermeiden.

        Ja absolut. Alles im Ist-zustand einzufrieren ist auch nicht weniger kulturkämpferisch. Fair fight. Die Idee, dass irgendwas die objektive Vernunft ist und alle anderen sind Kulturkämpfer ist hanebüchen (und gehört als allererstes bekämpft)

      • cimourdain 22. Juni 2026, 10:53

        Warum nicht? Weil Kulturkämpfe immer wieder (auch hier) in die gleiche Moralfrage „Darf/Soll man oder nicht“ hineinkommen. Festgefahrene Langeweile, bei der man nur hoffen kann, dass die Frage mittels eines Religionskrieges aufgelöst wird. Bei einer Verantwortungsethischen Herangehensweise „Welcher Schaden entsteht“ (hier an der Würde einer damals Minderjährigen) ist ein Abwägen durch Diskussion denkbar – das sehen Sie daran, dass selbst der Kulturkampfallergiker Thorsten Haupts direkt über Ihrem Post dieser Sichtweise etwas abgewinnen kann.

        Aber von einer „maskulin-chauvinistischen Libertin-Phase“ zu reden ist, ist mir zu einfach.
        Auf der einen Seite ist in dies auch die Hochphase einer Filmkultur, die scheinbare Moralüberschreitungen zeigt, aber tatsächlich hochgradig system- und moralstabilisierend waren -Stichworte Paukerfilme oder Lederhosenpornos.
        Und umgekehrt gehören in den Bereich „Neuer Deutscher Film“ auch Filmschaffende wie Margarethe von Trotta oder Rosa von Praunheim, die ich jetzt nicht gerade als “ maskulin-chauvinistisch“ bezeichnen würde.

        Zum Schluss noch eine kleine Relativierung mit einem internationalen Vergleich: In „Taxi Driver“ spielte Jodie Foster mit 14 eine Prostituierte, die Travis Bickles Beschützerinstinkt weckt. Das darzustellen ist (wenn ich mich hineinversetze) sicher auch für ein junges Mädchen extrem unangenehm.

      • Thorsten Haupts 23. Juni 2026, 10:18

        Kulturkämpfe sind nicht etwas an sich Böses.

        Wenn man bereit ist, sie auch zu verlieren bzw. die unvermeidbar unangenehmen gesellschaftlichen Begleiterscheinungen als Preis in Kauf nimmt, haben Sie Recht. Mein persönlicher Eindruck nach 45 Jahren traditionelle und 30 Jahren soziale Medien ist allerdings eher, dass da viel Energie UND Empathie verbrannt wird für – sehr – kleine Gewinne. Immer mit dem Risiko von Rückschlägen, die einen über den ursprünglichen Startpunkt hinaus zurücktreiben können.

        Damit sind Kulturkämpfe nichts „Böses“ im eigentlichen Sinn. Sie verbrennen nur gesellschaftlichen Kitt, ohne ihn an anderer Stelle zu erneuern – ein gesellschaftlicher Nettoverlust. Weshalb ich sie nicht wirklich begrüsse.

  • cimourdain 19. Juni 2026, 09:38

    6) Reichinnek demonstriert hier, wie schnell man Forderungen stellen kann, wenn die grundsätzliche Funktionsweise einer Sache falsch verstanden wird. Zwar gehören die dauerhaft ansässigen Ausländer zum Staatsvolk im Sinne der Stakeholder der Gesellschaft, aber entscheidend ist (Art 116 GG) die Staatsangehörigkeit. Also ist ein Wahlrecht für Ausländer reines Symptomkurieren. Richtig ist ein Weg zur Staatsbürgerschaft bei hinreichend permanent Ansässigen. Doch genau das ist ja schon geschehen mit der Einbürgerungsreform 2024. Denn darum geht es, Staatsbürgerschaft mit allen Rechten und Pflichten (du hast ja die Wehrpflicht erwähnt) als Gesamtpaket zu sehen anstelle einzelne Aspekte herauszupicken

  • cimourdain 19. Juni 2026, 09:57

    1) Diese „Rechtsstaatlichkeit“ wäre eigentlich eine gute Idee, warum macht das denn keiner. Aber Polemik beiseite – die Verlässlichkeit für Unternehmen ist tatsächlich eine Grauzone in der die Grenzen zwischen den „sauberen“ und den „nicht ganz sauberen“ (deine Wortwahl) verschwimmen. So unterhält etwa die EU derzeit politische Sanktionen gegen Unternehmen aus 30 Ländern. Und umgekehrt mag es sein, dass der direkte Kauf von Vorteilen anderswo dreister ist, aber bei uns ist die Gewährung erleichterter Genehmigungsverfahren ein gewohnter Teil der Industrie- und Standortpolitik – wie ist wohl Tesla nach Grünheide, DET nach Wilhelmshaven oder Northvolt nach Heide gekommen. Man könnte sogar sagen, demokratische Politiker sind billiger, da braucht es gar keine „ Spende an Trump“ sondern nur geeignetes Lobbying und Stimmungsmache, „und schon hat man fette Gewinne für wenig Arbeit in staatlichen Aufträgen“ etwa von Volker Pistorius.

  • cimourdain 19. Juni 2026, 10:29

    a) Natürlich ist es eine „politische“ Entscheidung, wie einfach oder schwer Prüfungen sind -mit der Steuerungsfunktion, wie breit der Zugang zur akademischen Weiterbildung ist. Ich möchte nur die These aufstellen, dass das Ziel einer „Demokratisierung“ des akademischen Zugangs durch leichtere Prüfungen unterlaufen wird, da bei Wegfall des Filterkriteriums „schulische Leistungen“ andere (statusorientiertere) Filterkriterien in den Vordergrund rücken: materielle Ressourcen, Habitus, Selbstbewusstsein, Konformität.

    g) In diesem Schwachsinn sehe ich ein nur leicht verzerrtes Spiegelbild zum Ausklammern und Problematisieren der Ostdeutschen durch den Westen des Landes. Ein Kommentator hier möchte sogar den Landesteil wieder abspalten (und zwar wegen mangelhafter Amerikanisierung).

    k) Wie schon mehrere andere hier, sehe ich das ganz und gar nicht als Populismus. Der verlinkte NTV-Beitrag ist für einen 3,5 Minuten Infotainment Schnipsel sehr unpopulistisch. Er spricht Funktionsweise, Rechtsgrundlage und „entlastende Faktoren“ an.
    Problem ist vielmehr die Denkverkürzung durch Twitter – sowohl bei Sender (Schnabel zieht die Aussage auf zwei knackige Sätze zusammen) als auch Empfänger (Sasse wirft es in eine Schublade) .

    • Ariane 22. Juni 2026, 00:16

      da bei Wegfall des Filterkriteriums „schulische Leistungen“ andere (statusorientiertere) Filterkriterien in den Vordergrund rücken: materielle Ressourcen, Habitus, Selbstbewusstsein, Konformität.
      Jep, eine größere Egalisierung ist eh schwer erreichbar, aber messbare Kriterien sind schon hilfreich – auch gerne mit anderen Standards als 1915. Breiteren Schichten Zugang zur höheren Bildung ermöglichen ist schon nicht verkehrt, aber vermutlich ist der Philologenverband Vorreiter darin Werbung für Karriere auf dem Bau zu machen (das gilt immer gerne für die anderen^^)

      • Thorsten Haupts 22. Juni 2026, 20:19

        Breiteren Schichten Zugang zur höheren Bildung ermöglichen ist schon nicht verkehrt …

        Daran zweifle ich schon sehr lange. Ich muss als Fallbeispiel nur mich selbst nehmen – ich habe das, was ich für meinen Job Projektmanagement brauche, in der Bundeswehr gelernt. Und mein BWL-Studium war – weitgehend – sinnlos. Wenn ich sehe, was Leute aus ihrem Studium für ihren Job oder ihr Privatleben mitnehmen, geschweige denn, brauchen, bin ich nicht davon überzeugt, dass Kosten und Nutzen hier noch in einem sinnvollen Verhältnis stehen.

        • Ariane 22. Juni 2026, 23:13

          Ja, aber ich finde, das ist nicht zwingend das Gleiche. Ich hab auch nur kurz studiert und es passte irgendwie nicht und ich bin auch zufrieden mit meinem Job. Der – so sind die Zeiten – vermutlich mittlerweile deutlich sicherer und stabiler ist als wenn ich „etwas mit Medien“ studiert hätte^^ ich finde auch nicht, dass jeder Abitur und/oder Studium braucht und ich wäre sogar dafür, andere Ausbildungswege mehr wertzuschätzen. Und es wäre hilfreich, wenn Unternehmen da auch mal ihre Einstellungskriterien überdenken, ist für viele Jobs nicht zwingend nötig, ein (irgendein) Studium vorzuweisen.

          Aber ich bin auch dafür, das volle Potenzial zu nutzen und dass jeder, der den Weg mit Abitur und Studium gehen will, die Möglichkeit zu haben, ohne es quasi mit einem Bein zu machen. Und die gesellschaftliche Durchlässigkeit ist brutal schlecht in Deutschland und ich bin ziemlich sicher, dass es nicht daran liegt, dass die alle dumm wie Brot sind. Und Cimo hat ja recht, die soft skills spielen da mit rein. Ich denke auch, das Problem fängt weit früher an als bei den „messbaren Kriterien“ wenn es um die Abschlüsse geht. Die kann man senken oder nicht (altgriechisch heute nicht mehr zwingend notwendig und notwendige Fähigkeiten ändern sich auch), aber das Problem beginnt früher.

          • Thorsten Haupts 23. Juni 2026, 08:20

            … aber das Problem beginnt früher.

            Bezweifle ich, wie Du vielleicht weisst, überhaupt nicht. Aber wer wirklich helfen will, muss im Kindergarten anfangen – sonst starten Unterschichtkinder schon mit einem gewaltigen und schwerst aufholbarebn Sprachnachteil in die Grundschule. Das Studium steht ganz am Ende einer Entwicklung …

          • Stefan Pietsch 23. Juni 2026, 09:41

            Wenn die Hälfte eines Jahrgangs mit dem Abitur abschließt und ein Viertel studiert, ist das Problem sich nicht der Zugang zu Ausbildungsstätten und die soziale Selektion. Wie internationale Vergleichsstudien zeigen, haben wir ein deutliches Qualitätsproblem über alle Ausbildungsstufen hinweg und dem Ausnutzen der weitgehend kostenlosen Ausbildung (irgendjemand muss das immer bezahlen!).

            In einer komplexen Arbeitswelt ist es logisch, dass für qualifizierte Arbeiten ein immer breiteres theoretisches Wissen erforderlich ist. Das können nur Universitäten vermitteln. Top-Führungskräfte und Experten benötigen heute ein abgeschlossenes Hochschulstudium. Ohne das kann man nicht einmal mehr den Finanzbereich mittelständischer Unternehmen führen. Denn selbst Bilanzbuchhaltern fehlt das theoretische Gerüst, die komplexen Reporting-Anforderungen zu gestalten und erfüllen zu können. Ihnen fehlt die Kompetenz zur substanzierten Bewertung komplexer Geschäftsvorfälle. Und so kann man die Bereiche durchgehen.

            • Thorsten Haupts 23. Juni 2026, 10:10

              Das ist für Ihren Bereich nach meiner Beobachtung vermutlich richtig, aber nicht verallgemeinerbar. Natürlich braucht man für die Anlagen- oder Infrastrukturauslegung in meinem Bereich ein Fach- oder Hochschulstudium Ingenieur. Für die Aufgaben Dokumentenmanagement, Einkauf von standardisierten Dienstleistungen, Reporterstellung, IT-Administration etc. dagegen braucht man es nicht, es wird aber trotzdem verlangt.

              • Stefan Pietsch 23. Juni 2026, 11:05

                Das linke Argument ist immer noch, wir müssen möglichst vielen ein Studium ermöglichen. Das ist von den Rahmendaten höchst zweifelhaft. Nur weil etwas 1990 richtig war, muss es nicht 2026 richtig sein. Wir haben inzwischen zu viele Akademiker, die der Markt so nicht mehr aufnehmen kann. Deswegen wir Unsinn studiert, deswegen wird immer mehr sinnfreie Studiengänge geschaffen.

                Sie übersehen in ihrer Kritik einen wichtigen Punkt, den vor zehn Jahren schon mein damaliger CEO anführte, den der Bezahlbarkeit. Unternehmen bezahlen das, was sie brauchen. Doch warum soll man einen Prof dafür bezahlen, dass er Post austrägt? Dafür bezahlt niemand ein Professorengehalt.

              • Ariane 23. Juni 2026, 12:31

                Für die Aufgaben Dokumentenmanagement, Einkauf von standardisierten Dienstleistungen, Reporterstellung, IT-Administration etc. dagegen braucht man es nicht, es wird aber trotzdem verlangt.

                Jap total. Und sowas wäre meist auch besser in Ausbildungen oder spezialisierten IHK-Lehrgängen aufgehoben. Im Immobilienbereich ist das ganz extrem, da sind in den letzten 10 Jahren oder so massig spezialisierte Ausbildungszweige und Studienzweige dazugekommen. Gab es früher gar nicht, die meisten Leute (Boomer^^) die in dem Bereich tätig sind, haben fachfremde Ausbildungen.

          • CitizenK 23. Juni 2026, 10:23

            Die Akademisierung, die Gleichsetzung von Bildung und Studium infolge der Bildungsinitiativen seit den 70ern ist in der Tat problematisch. Dann gibt es aber immer wieder Meldungen wie diese:
            https://www.iwkoeln.de/presse/pressemitteilungen/christiane-konegen-grenier-bessere-berufschancen-als-gedacht.html

            Selbst „Philosophen“ seien keineswegs alle brotlos oder fahren Taxi. Lernt man doch auch in exotischen Studiengängen etwas, was universal verwendbar ist?
            Aber was bedeutet das nun aktuell im Hinblick auf die Entwertung vieler Studiengänge durch KI? Berufsberater verzeichnn verstärktes Interesse für Handwerksberufe.

            • Ariane 23. Juni 2026, 13:56

              Ja ich bin da ziemlich unideologisch. Ich hab einige Reportagen über die Bildungsinitiative der SPD gelesen (Dennis kann da sicherlich mehr zu erzähhlen^^). Die saßen teils in Arbeiterhaushalten am Wohnzimmertisch und haben die Eltern überredet, ihre Kinder aufs Gymnasium zu schicken. Weil so selbstverständlich es in Bürgertumshaushalten war und ist, dass die Kinder aufs Gymnasium gehen und ein Studium abschließen, war es eben, dass in den Arbeiterhaushalten die Kinder mit 15 die Schule verlassen und arbeiten bzw. ne Lehre beginnen. Diese Selbstverständlichkeiten aufzubrechen, war und ist eine riesige Leistung.
              Und immer noch nötig, wenn man auf die beschämende Datenlage zur sozialen Durchlässigkeit sieht. Sich hinzustellen und das damit zu erklären, dass die bestimmt alle dumm und/oder faul sind, ist peinliche Denkfaulheit.

              Aber Thorsten hat auch recht, das hat in einigen Bereichen zu einer Überkompensation geführt. Jobs, die man früher mit Hauptschulabschluss gemacht hat, verlangen heute gerne Abitur oder gar ein Studium. Was wiederum die Leute, die keine Neigung/Talent haben, zurücklässt mit der Frage, was für sie noch möglich ist. Eine gewisse Flexibilisierung tut da schon not.^^

              Aber was bedeutet das nun aktuell im Hinblick auf die Entwertung vieler Studiengänge durch KI? Berufsberater verzeichnn verstärktes Interesse für Handwerksberufe.
              Ich glaube man braucht da wirklich Timingglück. Was soll jemand, der eigentlich gerne Anwalt werden will denn auf dem Bau und umgekehrt. Das kann sich auch in 10 Jahren wieder komplett gedreht haben, irgendwann fällt den Anwaltskanzleien selbst auf, dass ihnen jetzt die Seniorkräfte fehlen. Genau die Situation haben wir jetzt zb in Handwerksberufen, das Problem ist auch gerne mal hausgemacht und den Staat anweinen, dass man nicht genug 20jährige mit Vorerfahrung findet, die direkt loslegen können, ist ein bisschen wohlfeil.

          • CitizenK 23. Juni 2026, 10:46
            • Ariane 23. Juni 2026, 14:21

              Ja, das ist schon gut. Aber Kinder sind ja Sprachgenies, das Problem ist da häufig, dass die Kinder sehr viel besser Deutsch können als die Eltern, da kann dann in der Grundschule schon niemand mehr bei den Hausaufgaben helfen. Das ist in einem bildungsbürgerlichen biodeutschem Haushalt was ganz anderes. Um auf deren Bildungszweig zu kommen, sind verdammt viele Extrameilen nötig (und meist irgendein Lehrer, Nachbar, sprich Glück der einem unter die Arme greift). Nicht selten muss man zu diesen Extrameilen noch Übersetzer für die Eltern sein, wenn mehr als Alltagsdeutsch erforderlich ist.

              Und diese Extrameilen zu kürzen und weniger vom Glück abhängig zu machen, sollte das Ziel sein und das braucht vor allem Manpower.

              • Thorsten Haupts 23. Juni 2026, 15:05

                Und diese Extrameilen zu kürzen und weniger vom Glück abhängig zu machen, sollte das Ziel sein und das braucht vor allem Manpower.

                Sorry, für mich falsche Zielvorstellung. Ich möchte einen Staat, in dem man diese spezifische Extrameile gar nicht gehen muss, weil seine Bürger weit überwiegend die Landessprache sprechen.

              • CitizenK 28. Juni 2026, 07:48

                Wie hat das eigentlich in den klassischen Einwanderer-Ländern funktioniert, also z. B. in den USA mit den italienischen, deutschen, irisch/schottischen Parallelgesellschaften?

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