Innovative Ideen fördern die Ungerechtigkeit von Reformen, vor allem bei Bafög empfangenden Autokraten – Vermischtes 09.06.2026

Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Die „Fundstücke“ erhalten ausführlichere und thematisch gegliederte Hinführungen zu verschiedenen Artikeln aus den Weiten des Netzes dar. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels empfohlen; ich übernehme keine Garantie für die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Zusammenfassungen. Für den Bezug in den Kommentaren sind nummerierte Zwischenüberschriften eingezogen, bitte auf die referieren. Dazu gibt es die „Resterampe“, in der ich nur kurz auf etwas verweise, das ich zwar bemerkenswert fand, aber zu dem ich keinen größeren Kommentar abgeben kann oder will. Auch diese ist geordnet (mit Buchstaben), so dass man sie gegebenenfalls in den Kommentaren referieren kann.

Fundstücke

1) Innovationen

Die ständige Forderung nach Innovationen führt zu bemerkenswert wenig politischen Taten. In einem sehr lesenwerten Kommentar argumentiert Christian Stöcker, Deutschland habe den eigentlichen Sinn von Innovation aus dem Blick verloren. Politiker wie Friedrich Merz oder Markus Söder würden Innovation vor allem mit technischen Erfindungen oder Zukunftsvisionen wie Kernfusion verbinden. Tatsächlich gehe es jedoch – in Anlehnung an den Ökonomen Joseph Schumpeter – darum, neue Ideen erfolgreich am Markt durchzusetzen und bestehende Strukturen durch „kreative Zerstörung“ zu ersetzen. Als Beispiel nennt der Autor die Energiewende und die Elektromobilität. Erneuerbare Energien, Batterietechnologien und Elektroautos seien längst marktfähige Innovationen, während Verbrennungsmotoren oder Wasserstoffautos eher Versuche seien, überholte Technologien zu bewahren. Deutschland investiere dennoch vergleichsweise wenig in Zukunftsfelder wie Batterieforschung und halte zu lange an alten Industrien fest. Besonders hervorgehoben wird die Entwicklung in China. Dort würden die Prinzipien disruptiver Innovation konsequent umgesetzt. Chinesische Hersteller dominierten inzwischen große Teile des weltweiten Elektroautomarktes und profitierten davon, dass sie günstigere, einfachere und besser skalierbare Produkte entwickelten. Die eigentliche Herausforderung für Deutschland liege daher weniger in Bürokratie oder Energiepreisen als in der Unfähigkeit, technologische Umbrüche rechtzeitig zu erkennen und aktiv zu gestalten. Der Artikel kommt zu dem Schluss, dass Deutschlands wirtschaftliche Probleme Ausdruck eines „Innovationsdilemmas“ seien: Während andere Länder neue Technologien vorantrieben, versuche Deutschland häufig, bestehende Geschäftsmodelle und Industrien zu bewahren. Dadurch drohe das Land bei zentralen Zukunftsmärkten den Anschluss zu verlieren.

Ich fasse den Artikel so ausführlich zusammen, weil ich Stöckers Argumentation für grundsätzlich sehr zutreffend halte. Die Automobilbranche wird mehr und mehr zu einem Mühlstein um den Hals der deutschen Volkswirtschaft, weil sie statt Innovationen zu befördern vor allem versucht, durch Lobbying und Abschottung möglichst lange ein erkennbar auf dem Abstieg befindliches Geschäftsmodell zu erhalten. Dabei blockt sie zahlreiche Möglichkeiten.

Dazu kommt die Zerstörung eines innovativen und einst führenden Wirtschaftszweigs aus ideologischen Gründen, die die einstige Marktführerschaft Deutschlands bei der Solarenergie völlig verspielt haben. Auch hier ist bemerkenswert, wie wenig in die Zukunft investiert wird: periodisch wird festgestellt, dass die Kapazitäten im Netz unzureichend sind, doch anstatt das vernünftig anzugehen, akzeptiert man einfach das Schneckentempo auf dem Gebiet.

Zuletzt hat Marcel Weiss in der FAZ einen Artikel, der postuliert, dass eine innovative Entwicklung wie in der Raumfahrt in Europa unmöglich wäre. Nicht nur, weil das entsprechende Risikobewusstsein fehlt (das wird ja hier im Blog gerade etwa von Stefan auch ständig angeprangert), sondern auch, weil der notwendige Sinn für den Maßstab fehlt. Es ist alles viel zu klein angelegt, viel zu langfristig, viel zu sicher. Ich denke, da hat Marcel einen Punkt, und das hängt auch wieder direkt mit dem Verlust der einstigen Marktführerschaft zusammen: man hat eben auch die Energiewende immer viel zu klein und sicher gedacht.

2) Bafög

Forschungsministerin Dorothee Bär hat die im Koalitionsvertrag noch vereinbarte Bafög-Erhöhung einseitig für tot erklärt. Es überrascht nicht wirklich; die CDU hasst dieses Instrument schon immer und hat es in den vergangenen Jahrzehnten Stück für Stück abgebaut; aktuell erhalten kaum 13% der Studierenden überhaupt irgendeine Unterstützung. Auch ist der Betrag viel zu gering („Für Studierende nicht einmal das Allernötigste„), weswegen eine Erhöhung eigentlich überfällig war. Dazu ist es ja auch nur ein (wenngleich sehr günstiges) Darlehen, also nicht einmal eine Sozialleistung im engeren Sinne. Dass Dorothee Bär „nicht für das Bafög kämpfen“ will, ist ja eine Sache. Aber die Beleidigungen dazu sind mittlerweile auch der Standardton dieser Koalition. Nicht nur wirft sie den Studierenden Faulheit vor, könnten diese doch einfach nebenher arbeiten (also anders als sie selbst in ihrem Studium; dieses Leiter-Wegtreten ist leider auch ein häufiges Phänomen), sondern redet auch noch davon, dass es kein „Vollkasko-Studium“ geben könne (nebenbei, diese Vollkasko-Metapher scheint in der Koalition sehr beliebt zu sein). Angesichts der Zahlen ist das eine völlig lächerliche Idee, denn das Geld reicht ohnehin nicht und es bekommt auch kaum jemand. Warum ist das aber ein Problem? Weil Bärs Behauptung, dass das deutsche Studium mangels Studiengebühren quasi schon geschenkt sei, einfach nicht zutrifft. Weder verdienen am Ende alle Studierenden überdurchschnittlich (im Schnitt ja, aber eben nur im Schnitt der Jurist*innen und Betriebswirtschaftler*innen mit den Pädagog*innen und Kunsthistoriker*innen), noch ist das Studium eine kostengünstige Angelegenheit. Was hier passiert ist eine weitere Verschiebung hin zu Privilegierten, deren Eltern das bezahlen können, und mehr soziale Ungleichheit.

3) Democracy dies in HR

Die New York Times hat einen großartigen Artikel zu der Frage, wer sich eigentlich warum in den Dienst von Autokratien und Diktaturen stellt. Die Antwort: die Schlechten bis Mittelmäßigen. Die Gründe dafür sind spannend: Organisationen wie geheime Staatspolizeien oder auch ICE bieten für Leute, die in den regulären Behörden keine Chance auf Aufstieg haben, eine Abkürzung. Wenn sie illegale, moralisch verwerfliche Taten mit großer Gewalt begehen, überspringen sie ganze Karrierestufen und werden materiell reich belohnt. Wer also kein Gewissen hat, kann mit ein paar Jahren Gewalt im Dienst der Autokratie sehr gut Karriere machen, besser als es die eigenen Fähigkeiten erlauben würden. Deswegen ist das Personal dieser Dienste auch nicht eben das Beste, das man sich so vorstellen kann. Diese Dynamik sieht man bei ICE besonders gut, das in seinen Rekrutierungsaufrufen ja auch bewusst auf solche Leute abzielt. Aber auch die Stasi war jetzt nicht eben die Heimat der Besten und Klügsten, und der Sicherheitsdienst der Nazis kein sonderlich kompetenter Geheimdienst. Und so weiter.

4) Reformen und ihre Beliebtheit

Ich habe im Blog und vor allem im Podcast mit Ariane schon öfter thematisiert, wo in meinen Augen die Grundprobleme des aktuellen Reformdiskurses liegen. Erstens ist er zu einseitig, weil nicht alle Teile der Bevölkerung betroffen sind. Zweitens stößt jeder Reformvorschlag auf das übliche Problem, dass es gute Gründe gibt, genau diese eine Sache nicht zu kürzen oder zu streichen. Drittens sind die Reformen als abstrakte Idee beliebt, als konkrete Idee aber so populär wie Fußpilz1. Dazu habe ich einige Fundstücke dabei.

Das erste ist die Unseriosität des Reformdiskurses. Nicht nur finden Leute nämlich gute Gründe, warum ihr Lieblingsbereich nicht gekürzt werden darf, sie finden sogar Gründe, warum an manchen Stellen mehr Geld ausgegeben werden muss (hab ich in Fundstück 2 ja auch gemacht). Die CSU hat ein besonders absurdes Beispiel dafür geliefert, denn sie setzt sich dafür ein, Fliegen billiger machen. Angesichts des „alle müssen den Gürtel enger schnallen“ ist ein „aber in Urlaub Fliegen muss billiger werden“ schon reichlich absurd, aber angesichts der Klimakrise auf so vielen Ebenen hirnverbrannt, dass man es gerne einfach nur auf die übliche bajuvarische Nonsens-Populismus-Schiene stellen zu können hofft, auf der auch Söders Bratwurst-Fresserei rangiert.

Das zweite ist aus der Welt, wo erklärt wird: Kürzungen ausgerechnet beim Elterngeld? Das wird sich rächen. Und klar, es gibt gute Gründe, das Elterngeld nicht zu kürzen. Genauso wie es gute Gründe gegen alle anderen Kürzungen gibt. Wenn aber selbst das wohl Kürzungs-affinste Blatt da draußen an solchen Stellen bremst, zeigt sich die Schwierigkeit, vor der die Koalition an der Stelle steht.

Drittens habe ich etwas zu der Pflegeversicherungs- und Eigenheimdebatte, denn die ist auf so vielen Ebenen bescheuert. Wie man als CDU auf die Idee kommen kann, sein politisches Kapital dafür auszugeben, dass Leute, die mehr als 150 Wohneinheiten erben, keine Steuern zahlen müssen, aber Leute, die ein Eigenheim besitzen, dieses für die Pflege aufbrauchen sollen, erschließt sich mir keine Sekunde. Wollen die nicht gewählt werden? Nichts hat die Akzeptanz von Hartz-IV so sehr vergiftet wie die Regeln, das eigene Vermögen aufzubrauchen. Der gleiche Fehler kommt jetzt bei der Pflege wieder. Selbst Don Alphonso ist mobilisiert und schreit gegen den Vorschlag an. Auch in der CDU selbst regt sich Widerstand. Wie kann man so unnötig Leute gegen sich aufbringen! Das ist derart mieses politisches Handwerk. Und dazu kommt noch, dass es wie unter dem Brennglas das ganze Problem der Reformdebatte aufzeigt. Wer wird beteiligt? Wer muss leiden? Sobald es konkret wird, wird der Widerstand massiv.

Viertens ist beachtenswert, die groß umgekehrt die Popularität von Maßnahmen gegen Ungleichheit ist. Und wie diese immer weiter ansteigt, egal wie sehr bestimmte Kreise das abstreiten. Diese Seite wird vom Reformdiskurs komplett ausgenommen, und das ist ein Riesenfehler. In diese Kerbe schlägt übrigens völlig zu Recht auch die Forderungsliste des DGB. Hier liegt so viel Potenzial brach, das ist Wahnsinn. Ich möchte dafür auch Aufmerksamkeit auf den Vorschlag von Stefan Bach und Marcel Fratzscher lenken. Man kann die einzelnen Punkte alle diskutieren, aber ihr Reformpaket ist allein deswegen den meisten anderen um Lichtjahre voraus, weil es tatsächlich alle betrifft und nicht nur die Gruppen, denen man selbst nicht angehört und wo man keine Wählenden vermutet (wobei letzteres bei diesen Dilettant*innen nicht mal garantiert ist).

Resterampe

a) Harsche Kritik an der Personalauswahl der demokratischen Primaries-Wählenden, und nein, nicht weil sie zu woke sind. Für mich klingt das richtig.

b) Faszinierende Umfrageergebnisse bezüglich der Haltung linker und rechter Wählender. Ist für die USA, aber das ist überall so. Die Rechtsradikalen sind einfach permanent schlecht drauf und negativ.

c) Dickes lol für die Namensgebung von Syphilis.

d) Ich halte die Exxon-Execs (pars pro toto) für Schwerverbrecher.

e) Aufruf zu mehr sozialem Ostrakismus.

f) Die Disse zur neuen Kubicki-FDP schreiben sich auch von selbst.

g) Und mal wieder ein Beispiel in der Reihe: wie soll die CDU mit so was koalieren können?  

h) Sehr richtiger Punkt zum Links-Rechts-Bias von Institutionen.

i) Die gute René-Pfister-Kolumne muss auch noch erfunden werden. Wie Ariane sagt, Journalismus am Limit. Primitives Gemeckere.

j) Die ÖRR sind halt doch diverser als ihr Ruf.

k) Sehr guter Punkt zu den KI-Datencentern.

l) Es gibt keinen Linksrutsch der FDP.

m) Maschmeyer bleibt stabil, dieses Mal zu Teilzeit.

n) Ole Nymoen und Co sind echt nicht zu retten. Das hat schon echt „War an Hitler alles schlecht?“-Niveau.

o) Spannend, dass Merz in der (saudummen) Kanzlertauschdebatte so direkt „einzelne Medienhäuser“ angreift. Die lange Liebesaffäre zwischen Springer und der CDU kriegt immer mehr Risse.

p) Kein Mitleid mit Glenn Greenwald.

q) Ich sag es immer wieder, der Begriff der Meinungsfreiheit ist mittlerweile komplett sinnentleert.

r) Cem Özdemir gibt sein erstes Interview der FAZ und fordert Bürokratieabbau. Mal gespannt, ob dieses aggressive Werben um konservative Liebe erfolgreich sein wird.

s) Neue Forderung aus der CDU: Bürgergeldempfänger*innen die Mobilitätspauschale streichen und verpflichtendes Deutschlandticket geben. Von der gleichen Partei, die gebetsmühlenartig erklärt, dass man ohne Auto nicht überleben kann. Aber klar, auf die Schwachen draufhauen geht immer.

t) Früher war nicht alles besser, Ertrunkene-Kinder-Edition.

u) Die NYT hat schöne Schaubilder, was Milliardäre in den USA an Steuern zahlen. Wer jetzt denkt „sicher weniger als ich“ liegt üblicherweise richtig, anteilsmäßig.

v) Gute Nachrichten, wenigstens etwas wächst in Deutschland zuverlässig.

w) Papst Leo auch weiterhin stabil.

x) Völlig korrekte Analyse zu den Notwendigkeiten für die Democrats.

y) Völlig korrekt zur Abgehobenheit von Politik und Bürger*innenferne.

z) Die positive Kehrseite deutscher Bürokratie. Sprechen auch für sich, die Zahlen.


Fertiggestellt am 05.06.2026

1 Weiß irgendjemand, warum wir unbeliebte Sachen ausgerechnet mit Fußpilz vergleichen? Und warum gibt es in öffentlichen Schwimmbädern nicht mehr diesen Sprühhahn, an dem man vor dem Schwimmen die Füße gegen Fußpilz immunisiert? In meiner Kindheit hat man das nach dem Duschen immer gemacht. Ich schweife ab.

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  • Thorsten Haupts 9. Juni 2026, 07:35

    Zu b) Die Rechtsradikalen sind einfach permanent schlecht drauf und negativ.

    Die Umfrage richtete sich nicht exklusiv oder überwiegend an Rechtsradikale. Und wenn man „Honesty and Ethics“ ernst nimmt, ist die Einschätzung der republikanischen Wähler wahrscheinlich einfach realistischer.

  • Thorsten Haupts 9. Juni 2026, 07:36

    Zu d)

    In einem Rechtsstaat ist niemand ein Schwerverbrecher, der etwas nicht explizit Illegales tut oder unterlässt. Also sollte man ihn auch nicht so nennen.

  • Thorsten Haupts 9. Juni 2026, 07:48

    Zu 4) Viertens ist beachtenswert, die groß umgekehrt die Popularität von Maßnahmen gegen Ungleichheit ist. Und wie diese immer weiter ansteigt, egal wie sehr bestimmte Kreise das abstreiten. Diese Seite wird vom Reformdiskurs komplett ausgenommen, und das ist ein Riesenfehler.

    Schön. Nehmen wir mal an, das stimmt ganz konkret und Leute würden mehrheitlich nicht Medien“reiche“ (Leute mit einem Jahreseinkommen von mehr als 70.000 Euro), sondern echte Millionäre und Milliardäre wegbesteuern wollen. Dann ist diese Einstellung den Politstrategen aller deutschen Parteien bekannt. Warum reagieren sie darauf nicht entsprechend?
    Dafür gibt es IMHO im wesentlichen zwei Gründe:

    1) Der Aufstieg der AfD zeigt, wie wenig wichtig das Thema den Leuten ist. Nach Ihrem Programm ist das die letzte Partei, die irgendetwas gegen „Ungleichheit“ tun wird. Und sie steigt trotzdem in der Wählergunst.

    2) Die politischen Erfahrungen lehrten die Verantwortlichen, dass der wirtschaftliche Schaden den Nutzen von Vermögenswegbesteuerung überwiegt. Weshalb sie diesen angeblich so populären Punkt nicht anfassen.

    Übrigens haben alle Vorschläge zur Reduzierung von Ungleichheit die gleiche Stossrichtung – denen an der Spitze etwas wegnehmen. Niemand kommt mehr auf die Idee, das Gesamtniveau anzuheben (womit Ungleichheit unwichtiger wird) oder gar, den Boden deutlich anzuheben (was Ungleichheit tatsächlich ebenso vermindern würde). Und diese Beobachtung spricht eher für Neid denn für Ethik als Grund für den angeblichen Wunsch nach Verkleinerung von Ungleichheit.

    In diese Kerbe schlägt übrigens völlig zu Recht auch die Forderungsliste des DGB.

    Ich hoffe für ALLE Deutschen, sie wird nie umgesetzt. Hmmm, nein, ich nehme bei diesem Wunsch die Degrowth-Fanatiker aus. Die bekämen noch deutlich schneller, was sie sich wünschen.

    Gruss,
    Thorsten Haupts

    • derwaechter 9. Juni 2026, 10:49

      „Der Aufstieg der AfD zeigt, wie wenig wichtig das Thema den Leuten ist. Nach Ihrem Programm ist das die letzte Partei, die irgendetwas gegen „Ungleichheit“ tun wird. Und sie steigt trotzdem in der Wählergunst.“

      Ich vermute, dass das vielen Wählern gar nicht klar ist. Sehen wir ja z.B. in den USA auch. Das sie de facto eine Umverteilung nach oben wählen wissen die nicht oder verdrängen es aktiv.

      Ökonomisch wählen AfD Wähler massiv gegen ihre eigenen Interessen. Ich glaube aber nicht, dass das bewusst passiert sondern aus Unwissenheit oder weil andere Faktoren die Wahl mehr beinflussen.

      • Thorsten Haupts 9. Juni 2026, 17:52

        Auch gut, aber dann greift eben „weniger wichtig“. Wehklagen darüber, wer – naürlich ungerechtfertigt – zu viel Geld verdient oder zu gering besteuert wird kenne ich schon von den Stammtischen der achtziger.

        • derwaechter 9. Juni 2026, 18:27

          Was ja darauf hindeutet, dass es sie Leute (zumindest an den Stammtischen) durchaus interessiert 🙂

          • Thorsten Haupts 9. Juni 2026, 18:45

            Natürlich. Zusammen mit einem Dutzend weiterer Themen, von denen vielleicht ein Viertel die Wahlentscheidung beeinflussen.

  • Thorsten Haupts 9. Juni 2026, 07:56

    Zu h)

    Bangel argumentiert mit der Naivität eines 15jährigen, die ich ihm nicht abnehme. Erstens bilden die Institutionen mit dem Links-Bias (Schulen und Universitäten) unsere Kinder aus, die anderen bekommen sie als Erwachsene aus diesen Institutionen. Und zweitens gehört eine „rechte“ Grundeinstellung zu den unabdingbaren Funktionsbedingungen von Militär und Polizei, eine „linke“ dagegen nicht zu den unabdingbaren Funktionsbedingungen von Ausbildung und Erziehung.

    Gruss,
    Thorsten Haupts

  • Thorsten Haupts 9. Juni 2026, 07:59

    Zu j) Bangel: Ich sehe solche Kommentare nicht selten.

    Das hat er dann exklusiv. Viele andere sehen die wenigen Alibi-Kommentare, nach denen die ÖRR dann behaupten können, sie seien ausgewogen. Nicht umsonst musste vor 2 Jahren ein ÖRR-Intendant auf twitter, der ähnliches behauptete, auf die Nachfrage nach konkreten Beispelen aus dem letzten Jahr den Schwanz einziehen und flüchten.

  • Detlef Schulze 9. Juni 2026, 08:05

    zu c) Dickes lol für die Namensgebung von Syphilis.

    Die meisten Pfeile zeigen nach Frankreich und nur einen nach Deutschland. Paris heisst nicht umsonst die Stadt der Liebe!

  • Thorsten Haupts 9. Juni 2026, 08:55

    Zu e)

    Dass es mehr soziale Ausgrenzung von grenzdebilen A*löchern geben sollte, ist unstreitig. Zeigt aber auch nur, wie weit Erziehung in Deutschland seit meinen Jugendjahren degeneriert ist …

  • Stefan Pietsch 9. Juni 2026, 09:33

    1) Innovationen

    Wieder ein Beispiel, wie Linke es schaffen, alles Gute in sein Gegenteil zu verkehren. Mit dem Verständnis von Innovation, das Stöcker an den Tag legt, haben die Thesen von Schumpeter nicht das Geringste zu tun.

    Innovation, wie Schumpeter sie verstand, entsteht durch Unternehmer (!) und Marktentwicklungen. Innovative Unternehmer verdrängen mit echten (!) Innovationen konservative Unternehmer. Damit ist nicht gemeint, dass der Staat versucht, die ihm missliebigen Technologien auszubremsen. Und darunter ist auch nicht zu verstehen, dass Unternehmen ihre eigenen Cash Cows für ein höheres Wohl zerstören.

    Der Markt entscheidet. Die Elektromobilität kommt wegen den Bedürfnissen der Kunden nicht voran. Disruptive Zerstörung meint die evolutionäre wie revolutionäre Weiterentwicklung von Technologien. Es ist kein schlechter Witz, BEVs als die neue Spitze der Automobilität begreifen zu wollen. Oder auch, dass die Hochtechnologie Kernkraft, die nur von den führenden Wirtschaftsnationen beherrscht wird, durch die mediumanspruchsvolle Technologie der Windkraft zu ersetzen, die bereits von Schwellenländern perfekt beherrscht wird.

    Disruptive Zerstörung erfolgt durch veränderte Marktbedürfnisse, nicht durch Bedürfnisse des Staates. Sie entsteht durch Kaufbereitschaft von Kunden und nicht durch Subventionsbereitschaft des Staates.

    • Lemmy Caution 9. Juni 2026, 14:57

      Laut Claude Code stammen wettbewerbsfähige Windkrafträder aus 4 Ländern:
      1. China (gilt als technologisch domniant, seit 2024 top 3 Unternehmen in dem Windkraftsektor chinesisch)
      2. Dänemark -> Vestas
      3. Deutschland -> Siemens Gamesa (deutsch-spanische Wurzeln) und Nordex.
      4. USA -> GE Vernova

      Lauscht man nius, könnte man den Eindruck gewinnen, das Windkraft nur was für links-versifft ideologisierte Europäer ist.
      Chinas Anteil an neuen Windturbinen stieg 2022 bis 2025 von 58% auf 77%. Europas Anteil sank von 2022 bis 2024 von 22% auf 13%.
      In Afrika und dem Nahen Osten steigt der Ausbau von niedrigen Ausgangsniveaus rasant.
      Zwischen 2020 und 2024 wurde mit dem Bau von 45 Atomkraftwerken begonnen, für die der Auftrag von einer ausländischen Firma umgesetzt wurde. Für 44 von 45 Aufträge waren das russische und chinesische Staatsunternehmen. Frankreichs EDF/Framatome baut 1 Reaktor in UK.
      Als weiterer kompetitiver Anbieter auf dem Markt gilt Südkorea, das 4 Atomkraftwerke in den VAE gebaut hat. Aktuell bauen die nix im Ausland.
      Russland baut in Ägypten, Bangladesch und die Türkei. China hat Nukleartechnik aus Frankreich, Kanada und Russland übernommen. Die exportieren in Schwellenländer. Aktuell deutlich weniger als Russland.

      • Stefan Pietsch 9. Juni 2026, 15:34

        Willst Du sagen, Windkraft sei eine anspruchsvollere und ergiebigere Technologie als Atomkraft? Denn das ist das Argument, das es mit Berufung auf Schumpeter zu schlagen gilt. China baut ziemlich viel, auch Kohlekraftwerke und auch da kommst Du wohl nicht auf die Idee, das als technologisch besonders anspruchsvoll zu framen.

        • Lemmy Caution 9. Juni 2026, 22:23

          Effektive Windräder zu bauen ist nicht einfach. Sonst gäbe es ja mehr Immitatoren.
          In Schumpeters Konzept spielten Immitatoren eine fundamentale Rolle. Das ist ein ewiger Kreislauf.

          Die Rolle der Imitatoren
          Die Imitatoren kommen danach. Sobald eine Innovation erfolgreich ist, kopieren Konkurrenten die Idee.
          Neue Unternehmen treten in den Markt ein und die Innovation verbreitet sich in der Wirtschaft.

          Die Imitatoren:
          verbreiten die Innovation,
          erhöhen die Produktion,
          senken die Preise,
          machen neue Technologien zum Standard.

          Gewinnschmelze durch Nachahmung
          Die hohen Gewinne des Innovators sind meist nur vorübergehend.
          Durch Imitation:
          verschwindet die Monopolstellung,
          sinken die Gewinne,
          wird die Innovation normaler Bestandteil der Wirtschaft.

          Das erzeugt den Anreiz für die nächste Innovation.

          [teilweise KI-gestützt. Sagt mir bitte, wenn ich damit zu weit gehe]

          • Stefan Pietsch 10. Juni 2026, 11:10

            Ich sprach von mittlerem technischen Niveau.

            Wir haben eine Hochtechnologie durch eine Medium-Size-Technologie ersetzt. Das ist nicht Schumpeter, das ist nur Schrott.

            Der imitierende Unternehmer ist nach Schumpeter Unternehmer zweiter Ordnung. Wäre vorteilhaft, wir hätten mal wieder innovative Unternehmer.

            • sol1 10. Juni 2026, 14:52

              „…eine Hochtechnologie…“

              …in der der Schrottstaat Rußland führend ist.

              „…eine Medium-Size-Technologie…“

              …die ergiebiger und billiger ist – eben als Resultat einer Disruption, die die von die bewunderten Tauchsieder alt aussehen läßt.

              • Lemmy Caution 10. Juni 2026, 15:57

                Es gibt Ruzzland und es gibt da so cluster-von-Leuten in der russischen Gesellschaft, die für mich immer super-inspirierend waren und sind. Sehr unterschiedliche Leute, aber alle brilliant: Tagir Valeev, Pepel Klaasa auf twitter. Der seit Jahren auf youtube demonetized Konstantin Samoilov. Warum? What the fudge?

            • Lemmy Caution 10. Juni 2026, 15:48

              Wie definierst du bitte technisches Niveau?
              Wenn es für auf dem Weltmarkt wenig Anbieter für Windräder gibt, folgt daraus, dass die Herstellung des Produkts so leicht nicht sein kann. Sonst gäbe es MEHR Imitatoren.
              Schumpeter beschreibt einen ewigen Kreislauf. Das war mir bekannt, bevor ich die KI befragt habe. Imitatoren haben in dem Modell eine ebenso wichtige Rolle wie Innovatoren. Gäbe es keine Imitatoren, wären die Gewinne des Innovators nicht vorrübergehend sondern ewig. Ohne Imitatoren gäbe es nur eine Inovationsrunde. Erst die Imitatoren machen das Modell zu einem Kreislauf und das ist der fundamentale Punkt.
              Deine besondere Wertschätzung innovativer Unternehmer erscheint mir im Hinblick auf Schumpeters Modell rein subjektiv.

    • CitizenK 9. Juni 2026, 15:21

      Deshalb ist China ja so erfolglos.

      • Stefan Pietsch 9. Juni 2026, 15:36

        Es geht um die Berufung auf Schumpeter und da kamn man schon eine Halskrause bekommen.

        • Thorsten Haupts 9. Juni 2026, 17:51

          Alte bewährte Faustregel: Berufen sich im weitesten Sinne Linke auf Smith oder Schumpeter, haben sie die entweder nicht verstanden oder benutzen sie gegen deren Schriften für eher sozialistische Anliegen 🙂 . Galt schon in den achtzigern.

          • schejtan 9. Juni 2026, 20:48

            Alte bewaehrte hausregel: wenn sich im weitesten sinne „liberale“ auf diese menschen berufen, vergessen die gerne, wie sehr sie gegen mono-/oligole/grosse konzerne und vor allem rent extraction waren 😉

            • Thorsten Haupts 9. Juni 2026, 22:23

              Von mir aus, betrifft mich nicht.

          • Lemmy Caution 9. Juni 2026, 22:43

            Rechte werden von Wachstumstheorien magisch angezogen. Neoliberalismus kam mit viel davon und auch diese Neoreaktionäre wie Curtis Yarvin, Nick Land, Peter Thiel, etc.
            Wachstum, das zu extrem ungleichen Gesellschaften führt, ist aber auch problematisch.
            Das kann in einer Destabilisierung des Systems abgleiten. Nehmen wir an, die KIs traden an der Börse. Keiner blickt dann mehr in diesen Finanzmärkten durch. Vielleicht haben wir dann alle 2 Jahre niederländische Tulpenkrise.

          • Lemmy Caution 9. Juni 2026, 22:49

            Schumpeter hielt den Kapitalismus für langfristig nicht überlebensfähig, d.h. langfristig nicht stabilisierbar. Vereinfacht gesprochen, aber ich will nix von Claude Code copy-pasten. Vielleicht lernen wir in den nächsten Jahren, dass dieser Aspekt seines Denkens zutreffender war als wir das lange Jahre angenommen haben.

          • CitizenK 10. Juni 2026, 07:22

            Bei Adam Smith braucht es keine Faustregel: Nicht-Linke WOLLEN den Moralphilosophen nicht verstehen.

          • cimourdain 10. Juni 2026, 10:31

            persönliches Vorurteil: Wenn sich jemand auf Smith, Marx, Hayek, Gramsci etc.. ( hier Schumpeter ) als Autorität beruft, steht er der Theologie näher als der Wissenschaft.
            Und wie schon Marx sagte „Religion ist Opium für das Internet“

            • Lemmy Caution 10. Juni 2026, 16:03

              Für welchen Theoretiker gilt das letztlich nicht? Wenn die Leute Smith oder Schumpeter sagen, meinen sie ja auch nie das gesamte Leben und Werk dieser Denker, sondern nur einen kleinen Teil, der sich im populärengr Diskurs festgesetzt hat.

  • CitizenK 9. Juni 2026, 09:34

    Korrektur: BaföG ist zur Hälfte zunächst Sozialleistung (Zuschuss), das Darlehen ist zinslos, immerhin, und die Rückzahlung ist gedeckelt.
    Außerdem betrifft es nicht nur Studierende, sondern zu einem erheblichen Anteil auch Auszubildende und Schüler. Aber ein Studium ist heute ja auch eher eine Berufsausbildung.

  • Stefan Pietsch 9. Juni 2026, 09:40

    2) Bafög

    Die Niedertracht zu Beginn: Du hast Dich nie mit keinem Wort über Annalena Baerbock echauffiert, die das System bis zum Exzess ausnutzte und fünf Jahre ihres Lebens nur mit Steuergeld finanzieren ließ für eine Promotion, die nie jemand gesehen hat. Dazu benutzt Bär die Begründung, die das Bundesverfassungsgericht vor kurzem erst verwendete. Gegen die Politiker hetzen ohne den Zusammenhang zu erkennen, das ist Ideologie.

    Die immerwährende Frage ist, warum der Handwerksmeister der Tochter aus gutem Haus das Studium finanzieren soll, wenn sie später nicht mehr volkswirtschaftlichen Nutzen erbringt als er ohne Studium. Was aus Steuermitteln bezahlt wird, sollte nicht der Selbstverwirklichung dienen.

    Es wäre ein Vorschlag zur Güte, wenn das Bafög meinetwegen deutlich erhöht wird, wenn dafür im Gegenzug wie in den Achtzigerjahren die Förderung auf ein Komplettdarlehen umgestellt wird. Das würde eine gewisse Wirtschaftlichkeit in die Überlegungen von Studenten bringen, die meinen, mit Gender Studies und Post Colonialism die Welt im Auftrag des Staates retten zu können.

    Wer nicht fähig ist, mit einem sehr teuren Studium mehr als ein Handwerksmeister zu verdienen, hat die Förderung durch die Allgemeinheit nicht verdient.

    • CitizenK 9. Juni 2026, 16:24

      Baerbock hat doch erfolgreich studiert: Außenministerin und jetzt der Top-Job bei den UN. Ihr Gehalt: 13000 € im Monat. Da kann nicht jeder Handwerksmeister mithalten.

      • Stefan Pietsch 9. Juni 2026, 16:43

        Nein, hat sie nicht. Sie hat fünf Jahre ohne Abschluss studiert, dann in London ein teures einjähriges Schnellstudium absolviert, mit dem sie dann von der Heinrich-Böll-Stiftung als besonders förderungswürdig angesehen wurde. Die grünnahe Organisation finanzierte ihr für weitere fünf Jahre eine Promotion, die sie nach eigenen Worten „in den letzten Zügen“ abbrach.

        • CitizenK 10. Juni 2026, 07:29

          Ihr Kriterium: „mehr als ein Handwerksmeister zu verdienen“. Hat sie geschafft.
          Steve Jobs hatte auch keinen Abschluss, hat aber nach dem Abbruch noch Kurse belegt – in Kalligraphie. Zur Selbstverwirklichung!

          • Stefan Pietsch 10. Juni 2026, 11:37

            Was ist denn das erste Kriterium, wenn man eine Ausbildung beginnt, erst recht, wenn man sie bezahlt bekommt? Doch wohl, dass man sie mit einem Abschluss zu Ende bringt. Baerbock hat in zehn Lebensjahren zwei vom Steuerzahler finanzierte Ausbildungen nicht abgeschlossen. Sie hat nicht einmal, sondern gleich zweimal das Geld von uns allen verschwendet. Nur als Papi ihr ein Schnellstudium in London bezahlte, wo sie ganz sicher durchkam, damit die kleine Annalena eine Ausbildung hat, da funktionierte es.

            Solche Menschen sind entweder faul oder prüfungsuntauglich. Bei Baerbock trifft wahrscheinlich beides zu. Sie wird immer nur von anderen bezahlt, zuerst von Papi und dann ohne Zwischenstopp vom Staat. Alles, was die Selbstdarstellerin bis heute verdient hat, hat sie von Leuten wie mir gegen meinen Willen bekommen. Die Frau hat nie echt gearbeitet.

            Sagen Sie mal, müssen Sie sich so versteigen? Steve Jobs war nicht nur ein Genie, sondern als Unternehmer so erfolgreich, dass Menschen für seine Produkte und Ideen Milliarden und am Ende Billionen zahlten. Ihm wurde nichts geschenkt.

            • CitizenK 10. Juni 2026, 14:08

              Eben – ohne Abschluss. Das Denken in Abschluss-Zertifikaten ist eher etatistisch als unternehmerisch.
              Um das abzuschließen: Ich kann die Frau ja auch nicht leiden, aber Ihre Voreingenommenheit geht mir halt auch gegen den Strich.

              • Stefan Pietsch 10. Juni 2026, 15:19

                ’schuldigung: Haben Sie mal ein Examen gemacht?

                Es geht im Examen nicht um Formalien. Im Examen wird auch nicht einfach Wissen abgefragt. Der Prüfling muss unter hohem Zeit- und psychischem Druck produktiv arbeiten.

                Zwei Beispiele aus meinem Examen: In Wirtschaftsprüfung musste ich zur Frage Stellung nehmen, ob eine Konzernrechnungslegung notwendig ist. Keine Ahnung, kann sich doch jeder selbst aussuchen. Natürlich ist Voraussetzung, dass man Ahnung von Konzernrechnungslegung hat. Das beantwortet aber nicht die Frage. Ordnen Sie Ihre Gedanken!

                In Allgemeine BWL lautete eine Aufgabe „Stellen Sie wirtschaftliche Kriterien für die Beurteilung von Hardware-Software-Systemen dar! Zur Erklärung: Das war 1994. Keine Ahnung was Hardware-Software-Systeme sind. Ich war blockiert. Also musste ich bei Adam-&-Eva anfangen: Wirtschaftliche Kriterien sind immer wichtig blablabla. Bis mir irgendwann dämmerte, dass es sich bei Hardware-Software-Systemen um Computer handelt.

                Wer anspruchsvolle Aufgaben ausfüllen will, muss das meist unter großem Druck und Stress tun. Prüfungen trainieren genau dafür. Ohne das Erlernen, damit umzugehen, fehlt einem gebildeten Menschen eine wichtige, ja zentrale Eigenschaft.

                Baerbock ist eine Schummlerin. Wenn es drauf ankam, hat sie immer versagt. Sie duckte sich in frühen Jahren weg, als ihr als Vorsitzenden ihr Landesverband wegen eines Betrugsfalls um die Ohren flog. Und sie versemmelte ordentlich einen sicheren Wahlsieg. Genau da zeigte sie auch das Versagen, wenn man nicht mit Druck umgehen kann: Als sie unter Druck geriet, zog sie sich in die Milieus ihrer Partei zurück, ging nur noch zu befreundeten Medien, reduzierte ihre Positionen auf Grün-like. Und jammerte darüber, wie unfair man mit ihr umgehe.

                Sie sind alt genug: Nehmen Sie dagegen Bill Clinton, dessen Kampagne im Frühjahr 1992 wegen Untreuevorwürfen zu kollabieren drohte. Da ging er offensiv vor und rettete seine Kandidatur.

    • Erwin Gabriel 10. Juni 2026, 19:30

      @ Stefan Pietsch 9. Juni 2026, 09:40

      2) Bafög

      Die Niedertracht zu Beginn: Du hast Dich nie mit keinem Wort über Annalena Baerbock echauffiert, die das System bis zum Exzess ausnutzte …

      Das ist keine „Niedertracht“ (oder Du legst die Latte für Niedertracht so tief, dass Du vorher einen Graben buddeln musstest.)

      Dann kann man auf jede Sache aus verschiedenen Richtungen schauen; Du hast die einzig richtige nicht gepachtet.

      Jedes System kann ausgenutzt werden – das macht es nicht schlecht. Du kannst auch nicht ein Urteil über einen Steuerhinterzieher als allggemeingültig annehmen.

      Wer nicht fähig ist, mit einem sehr teuren Studium mehr als ein Handwerksmeister zu verdienen, hat die Förderung durch die Allgemeinheit nicht verdient.

      Sehe ich anders. So sehr ich mir wünsche, dass möglichst viele Studierende nach ihrem Abschluss viel Geld verdienen, um Steuern und Sozialabgaben zu zahlen (und sich dann als „Reiche“ beschimpfen lassen zu müssen, die zu wenig tun 😉 ), erkenne ich, dass auch Aufgaben geleistet werden müssen, die nicht so gut bezahlt werden wir unsere.

      und fünf Jahre ihres Lebens nur mit Steuergeld finanzieren ließ für eine Promotion, die nie jemand gesehen hat. Dazu benutzt Bär die Begründung, die das Bundesverfassungsgericht vor kurzem erst verwendete. Gegen die Politiker hetzen ohne den Zusammenhang zu erkennen, das ist Ideologie.

  • cimourdain 9. Juni 2026, 10:34

    c) Hier irrt sich Detlef Schulze: Treibende Kraft war nicht die Liebe sondern der Krieg. 1493 landet Kolumbus in Palos, die Syphilis verbreitet sich in spanischen Häfen. Kastilische Söldner bringen sie in das Heer Karls des Siebten von Frankreich (weswegen der Name spanische/kastilische Seuche sinnvoll ist). Mit dessen Italienfeldzug 1495 und der Belagerung von Neapel verbreitet sich die Krankheit in Italien. (weswegen italienische Ärzte, die sie zuerst untersuchen von französischer Krankheit sprechen und dieser Begriff in vielen Ländern übernommen wird.) Mit dem Krieg der Heiligen Liga kommt eine Epidemiewelle von Italien in den mitteleuropäischen Teil des Habsburgerreichs. (weshalb in alten deutschen Quellen italienische oder neapolitanische Krankheit vorkommt – was in England übernommen wurde) Und das Osmanische Reich bekommt das ganze über die Piraterie im Mittelmeer ab. (weswegen aus dessen Perspektive der Name christlich/fränkische (ferengi) Krankheit gerechtfertigt ist).

    Bemerkenswert ist aber, dass niemand den Namen „Seuche aus der neuen Welt“ oder ähnliches verwendet, obwohl diese Herkunft schon im 16. Jahrhundert vermutet wurde. [Ebenso wie man nach den Erfahrungen des 20. Jahrhunderts (Tuskegee, Guatemala) die Syphilis eigentlich „Krankheit des US-Gesundheitsministeriums“ nennen könnte]

    • Detlef Schulze 9. Juni 2026, 14:41

      c) Hier irrt sich Detlef Schulze: Treibende Kraft war nicht die Liebe sondern der Krieg.

      Dann sieht die Sache in der Tat ganz anders aus. Danke für die Aufklärung!

    • cimourdain 9. Juni 2026, 15:02

      Korrektur : Es war Karl der Achte von Frankreich (der Siebte war der mit dem hundertjährigen Krieg, Jeanne d’Arc etc…)

    • Lemmy Caution 9. Juni 2026, 23:48

      Das lange 16. Jahrhundert, dh 1450 bis 1640. Absolut faszinierend.
      Neapel gehörte zur via Aragonesischer Herrscherfamilie zur Spanischen Einflusssphäre. Da ist der Link zu Amerika. Die Franzosen mussten sich schnell zurückziehen.
      Apropos Amerika. Ich bin kein Musikwissenschaftler, aber für mich der beste „Deutsche Schlager“, der je komponiert wurde.
      https://www.youtube.com/watch?v=5KKkcNIr_Eg

  • derwaechter 9. Juni 2026, 10:59

    Fuß(pilz)note:

    Das habe ich ich auch mal gefragt und die Antwort ist einfach. Die bringen nichts (oder sind sogar kontraproduktiv) und sind nicht mehr Pflicht.

    „Desinfektionsfalle Fußdusche

    Spender mit Desinfektionssprays schaden mehr als sie nutzen. Um überhaupt eine Wirkung zu erzielen, müsste man den Fuß mehrere Minuten unter den Strahl halten und nicht nur wenige Sekunden, wie dies die meisten tun. Kritiker halten die Anlagen für unhygienisch, da sich hier Hautschuppen ansammeln. In öffentlichen Schwimmbädern sind die Desinfektionsspender zudem längst nicht mehr Pflicht. „Vor über zehn Jahren hat das Bundesgesundheitsamt diese Vorschrift aufgehoben“, sagt Michael Weiland von der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen. Damals habe man erkannt, das die Spender nichts bringen, weil man gleich nach dem Aufsprühen baden oder duschen geht. Außerdem enthalten Desinfektionsmittel Stoffe, die Allergien auslösen können und die Haut angreifen. Das macht sie wiederum anfällig für Infektionen. Ein besserer Schutz im Schwimmbad sind Badeschuhe.“

    https://www.t-online.de/gesundheit/krankheiten-symptome/id_46676346/fusspilz-gefahr-im-schwimmbad.html

    • cimourdain 10. Juni 2026, 11:35

      Interessant und eine schöne Warnung vor allzu viel Innovationsoptimismus im Sinne von FS1 : Die Steinzeittechnologie Badeschlappen erweist sich als effizienter als die technologisch modernere Desinfektionsdusche.

      • derwaechter 10. Juni 2026, 11:39

        Hehe

      • Ariane 10. Juni 2026, 16:54

        Haha. Wäre eigentlich mal ganz spannend, ob es ne ähnliche Problematik an Stränden gibt, da gibt es ja oft einfach so Fußduschen, aber mehr um den Sand abzuwaschen.

  • Lemmy Caution 9. Juni 2026, 11:19

    u) Der in der Debatte zu den Superreichen zentrale französische Ökonom Gabriel Zucman ist in seinen Studien zu dem Ergebnis gekommen, dass Europäische Superreiche einer noch niedrigeren Besteuerung unterliegen als US-Milliardäre.
    Die US-Milliardäre können sich eigentlich auch nicht von der Besteuerung im Herkunftsland (USA) durch einen Umzug in ein Niedrigsteuerland entziehen. Die USA sind eines von nur zwei Ländern weltweit (neben Eritrea), das nach Staatsbürgerschaft statt nach Wohnsitz besteuert. Kanada, Australien, Norwegen und der Großteil Europas arbeiten mit dem Wohnsitzmodell; nur die USA knüpfen die Steuerpflicht an die Staatsbürgerschaft selbst. Selbst wenn ein US-Milliardär seinen ständigen Wohnsitz in die Schweiz verlegt, zahlt er weiter in den USA Einkommenssteuern.
    Der einzige Ausweg ist die Aufgabe der Staatsbürgerschaft, und die ist teuer gemacht. Wenn ein US-Bürger renunziert, wendet die IRS eine Mark-to-Market-Wegzugssteuer (exit tax) auf das weltweite Vermögen an: Sämtliches Eigentum wird so behandelt, als wäre es am Tag vor der Expatriation zum Marktwert verkauft worden.

    Ich empfehle echt ernsthaft, sich dieses längere Interview mit Zucman einmal anzuhören: https://www.youtube.com/watch?v=F7TZSj-fWyI
    Das Interview ist 4 Monate alt.

    • Stefan Pietsch 10. Juni 2026, 11:29

      Das schlägt in die Kerbe, Linke sind so national(istisch) eingestellt, so weit würde die AfD niemals gehen.

      Die Zuordnung des Vermögens nach dem Wohnsitzlandprinzip folgt dem UN-Musterbesteusteuerungabkommen. Wie fast alle Staaten hält sich die Bundesrepublik daran und hat hunderte Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) in der Form geschlossen. Das zu ändern, bedeutet für Diplomaten Arbeit für Jahrzehnte und die Bereitschaft, sich quer zu UN-Regeln zu legen. Als Nationalist kann man das machen.

      Was vergessen wird: Wenn genauso viele Vermögende zu- wie abwandern, gibt es keine Gewinner und Verlierer auf Steuerseite. Doch die Abwanderung von Kapital seit Jahren zeigt, dass Deutschland mit seiner hohen Besteuerung abschreckend wirkt und wir nur Zuwanderung von armen Menschen haben. Das würden Linke aber nie zugeben.

      Die Idee, ein Staat müsse Bürger „seiner“ Nationalität in jedem Erdenwinkel steuerlich verfolgen, ist eine zutiefst nationalistische. Sie folgt der Idee, der Mensch mitsamt seinem Eigentum „gehöre“ einem Staat. Sorry, Lemmy, dieses nationalistische Gedankengut lehne ich total ab!

      • Lemmy Caution 10. Juni 2026, 18:37

        1. Ich bin kein Linker
        2. Die USA folgt der Besteuerung nach dem Herkunftsland-Prinzip seit vor WK II. Die haben das nie geändert, obwohl man einige der Präsidenten in dem langen Zeitraum wohl kaum als Sozialisten bezeichnen kann. Eisenhower? Reagan?

  • cimourdain 9. Juni 2026, 14:00

    h) vor lauter confirmation bias übersiehst du, dass Bangel hier verschiedene Dinge miteinander vergleicht. „Die Sozialwissenschaften“ sind keine Institution sondern ein Fachbereich. Gutes Vergleichsobjekt wären zum Beispiel „die Wirtschaftswissenschaften“, die – so wie sie bei uns gelehrt werden – auch eine ideologische Schlagseite haben. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass „die Rechtswissenschaft“ , obwohl ihre Träger eher aus dem konservativen Spektrum kommen, häufig zu sehr ‚liberal‘ Ergebnissen kommen.

    k) und ein Gegenbeispiel zu 1) : Datencenter kriegt man selbst in einer sehr regulierungsfreudigen Stadt genehmigt:
    https://www.sueddeutsche.de/muenchen/ki-muenchen-rechenzentrum-nvidia-telekom-sap-tucherpark-li.3331309

    o) Nein, Springer will nur die CDU in eine bestimmte Richtung drängen (Schwarz – Blau). Merz ist da im Weg.

    t) Klingt zynisch, aber ist „An einer Kennzahl erkennt man, dass Kinder weniger Zeit im Freien verbringen“ immer noch eine gute Nachricht? Ich wusste in den 80ern jedenfalls, wo in Radreichweite ein unbeaufsichtigter Badeweiher war (in dem auch mal jemand ertrunken ist).

    w) und m) Es ist eher peinlich, dass du Leo und Maschmeyer mit den gleichen Worten beschreibst, weil beide mal Dinge geschrieben haben, die dir gefallen. Die Enzyklika „Magnifica Humanitas“ ist sehr lesenswert
    https://www.vatican.va/content/leo-xiv/de/encyclicals/documents/20260515-magnifica-humanitas.html
    und in genügend Punkten quer zum Zeitgeist (auch dem deutschen), dass ich mich da über eine tiefere Diskussion freuen würde.

    • Thorsten Haupts 9. Juni 2026, 17:56

      „An einer Kennzahl erkennt man, dass Kinder weniger Zeit im Freien verbringen“

      Yup. Genau das dachte ich auch, war mir nur keinen Kommentar wert.

    • Ariane 9. Juni 2026, 19:47

      t) Klingt zynisch, aber ist „An einer Kennzahl erkennt man, dass Kinder weniger Zeit im Freien verbringen“ immer noch eine gute Nachricht? Ich wusste in den 80ern jedenfalls, wo in Radreichweite ein unbeaufsichtigter Badeweiher war (in dem auch mal jemand ertrunken ist).

      Ich denke, es ist nicht nur das. Ich hatte wahrlich keine Helikoptereltern und es waren die 90er, aber nicht ohne erwachsene Aufsichtsperson schwimmen gehen, solange du nicht Gold-Abzeichen hast, war schon eine DER Hauptregeln meiner Ma (und ja, völlig witzlos, wenn man in Eckernförde aufwächst)

      Also größeres Gefahrenbewusstsein wird (hoffentlich) auch eine Rolle spielen. Und 100 ertrunkene Kinder pro Jahr sind für mich wahrlich kein Grund für Nostalgie was die glorreichen 80er angeht. Dann lieber Couchpotatoes.

  • schejtan 9. Juni 2026, 14:26

    m) Anderer Punkt, der in dieser Diskussion gerne uebersehen wird: Die Alternative ist nicht unbedingt „Leute, die in DE Teilzeit arbeiten, wuerden in anderen Laendern Vollzeit arbeiten“, sondern kann auch „Die Leute wuerden in anderen Laendern gar nicht arbeiten“ sein. In dem Fall waer dann der Anteil der Teilzeitarbeit geringer, es gaebe aber auch mehr Leute die gar nicht arbeiten.

    • Thorsten Haupts 9. Juni 2026, 17:48

      Ja. Und ich habe allen Grund zu der Vermutung, dass genau das die Reaktion des grössten Teilzeitblocks sein könnte: Frauen, insbesondere und vorrangig solche mit Kindern. Weshalb die Gesamtbilanz einer Abschaffung oder deutlichen Reduzierung von Teilzeitarbeit sogar negativ sein kann. Kurzsichtig rausgehauener Bullshit von Leuten mit wenig Gehirnzellen halt.

      • Ariane 9. Juni 2026, 19:56

        Jep, das Arbeitsvolumen gesamt ist auf Rekordniveau, was hauptsächlich daran liegt, dass Leute/Frauen, die früher nicht gearbeitet haben, jetzt eher Teilzeit machen:

        https://de.statista.com/infografik/34695/entwicklung-der-tatsaechlich-geleisteten-arbeitszeit-in-deutschland/

        • Stefan Pietsch 9. Juni 2026, 20:36

          Deutschland liegt mit 1339 Stunden pro Nase ganz am Ende der OECD-Ländern. Niemand hinter uns. Deine Analyse muss falsch sein.
          https://www.oecd.org/en/data/indicators/hours-worked.html

          • derwaechter 9. Juni 2026, 21:39

            Summe aller Arbeitsstunden vs. Stunden pro Erwerbstätigen.

            • Ariane 9. Juni 2026, 21:59

              Jep, hier für Unwissende die Definition von Arbeitsvolumen:
              https://www.destatis.de/DE/Themen/Arbeit/Arbeitsmarkt/Erwerbstaetigkeit/Methoden/Erlaeuterungen/erlaueterungen-arbeitszeit-arbeitsvolumen.html

              Das bezieht eben solche Fälle mit ein wie im Ausgangspost erwähnt. Viele (oft Frauen), die früher gar nicht erwerbstätig waren, arbeiten heute Teilzeit oder mit Nebenjob. Dadurch höheres Arbeitsvolumen, aber auch weniger Arbeitsstunden pro Erwerbstätigem.

              • schejtan 9. Juni 2026, 22:47

                An dieser stelle niemals vergessen, dass Stefan pietsch das finanzgenie ist, der gesagt hat, dass jemand, der vor 30 jahren mal eben 30k investiert haette, was natuerlich jeder kann, jez millionwaer waere, weil sich das finanzvolumen am finanznmarkt verdreissigtfacht hat

                • Ariane 10. Juni 2026, 00:31

                  Ja, das mag in der Rückschau aufs Gesamtvolumen sogar stimmen, aber vermutlich kein großer Trost für Leute, die vor 30 Jahren in Lehman Brothers investiert haben oder das Geld mitten im Coronaschock brauchten.

                  • schejtan 10. Juni 2026, 01:24

                    Deshalb ja „finanzgenie“ 😉

                    • Thorsten Haupts 14. Juni 2026, 20:41

                      Na ja. Für ein einzelnes Individuum ist der Einwand berechtigt, für Volumeninvestoren (Versicherungen etc.) eher nicht – da greifen Ps Zahlen.

                • Stefan Pietsch 10. Juni 2026, 11:06

                  Heute gilt man ja schon als Finanzgenie, wenn man das Ergebnis von 2+2 zwischen 3 und 5 ohne Dezimalstelle verorten kann. Oder Statistik A und Statistik B plausibel zusammenführen.

              • Stefan Pietsch 10. Juni 2026, 11:05

                Die Zahl der Erwerbstätigen stagniert seit der Pandemie (2022). Was heißt in Deiner Definition „früher“? Früher zu Zeiten meiner Oma? Seit 2010 steigt die Zahl der Erwerbstätigen, was – huhu! – Statistiker seit Jahrzehnten so erwartet haben, weil – noch ein Wunder – in den Nuller- und Zehnerjahren die Zahl der erwerbsfähigen Personen auf einem All-Time-High erwartet wurden. Seltsamerweise vor der Migrationskrise. Oder glaubst Du, man hat 1990 schon das geahnt, was Du hier zur Argumentation nimmst?
                https://de.statista.com/statistik/daten/studie/3267/umfrage/anzahl-der-erwerbstaetigen-in-deutschland-seit-dem-jahr-1991/
                https://www.demografie-portal.de/DE/Fakten/erwerbsfaehige-bevoelkerung.html

                Die schlechte Nachricht: Ab jetzt geht es nur noch abwärts. Wenn Deine Argumentation richtig wäre (Konjunktiv), müsste also jetzt praktisch automatisch die Stundenzahl steigen und wir rollen in der OECD das Feld von unten auf.

                • Ariane 10. Juni 2026, 16:48

                  Was heißt in Deiner Definition „früher“? Früher zu Zeiten meiner Oma?
                  Öffne doch den Link: da sind 4 Balken ab 1994.

                  Ab jetzt geht es nur noch abwärts. Wenn Deine Argumentation richtig wäre (Konjunktiv), müsste also jetzt praktisch automatisch die Stundenzahl steigen und wir rollen in der OECD das Feld von unten auf.
                  Ja der Abgrund ist nah. Aber dann können wir die Diskussion hier ja einstellen.

                  Wie im unteren Kommentar erwähnt, lohnt es unterschiedliche Statistiken zu betrachten. Deutschland hat eine sehr hohe Erwerbsquote bei Jugendlichen, Frauen (mit Kindern) und/oder Älteren. (siehe auch diese ewig lange verlinkte Studie). Das drückt aber auf die Arbeitszeit pro Beschäftigtem, weil da nicht alle 45 Std/Woche arbeiten. Dafür sorgt es eben für eine geringe Jugendarbeitslosigkeit.

                  Es ist also vielleicht gar nicht alles schlecht, obwohl es beim Betrachten einer Studie so aussieht, als wäre Spanien oder Griechenland uns meilenweit voraus.

                  • Stefan Pietsch 10. Juni 2026, 17:55

                    Vier Balken. Welchen Vergleich soll ich mir da aussuchen?

                    Zum Grundsätzlichen: Deutschland belegt eine Extremposition, nämlich die wenigsten Stunden pro Kopf in der OECD. Sonderfälle begründen die Abweichung vom Mittelwert, aber nie die Extrempunkte. Auch Deine Erklärungen sind statistisch nur dünn.

                    1. Deutschland hat bekanntlich wenig Jugendliche, etwas über 20 Prozent sind unter 25 Jahren.

                    2. Von 1994 bis 2004 ist die Anzahl der Gesamtstunden deutlich gesunken. Hier ist die Erklärung die zwischen den Punkten gestiegene Arbeitslosigkeit.

                    3. Deutschland hat die dritthöchste Frauenerwerbsquote, so um die 75 Prozent. Das war aber schon 2014 so. Damit fehlt eine Erklärung, warum in den letzten zehn Jahren die Menge an Teilzeit nochmals gestiegen ist. Übrigens zeigt die Frauenerwerbsquote, dass die Behauptung, das Ehegattensplitting würde Frauen von der Erwerbsarbeit abhalten, Unsinn ist.
                    https://www.destatis.de/Europa/DE/Thema/Bevoelkerung-Arbeit-Soziales/Arbeitsmarkt/ArbeitsmarktFrauen.html

                    4. Tatsächlich ist das Übel, dass immer mehr Menschen in Deutschland nur Teilzeit arbeiten. Nur die Niederländer arbeiten noch mehr im Halbzeitmodus – und liegen deswegen bei Deiner Kennziffer ebenfalls am unteren Ende.
                    https://www.destatis.de/Europa/DE/Thema/Bevoelkerung-Arbeit-Soziales/Arbeitsmarkt/Qualitaet-der-Arbeit/_dimension-3/01_woechentliche-arbeitszeitl.html

                    Das ist politisch gewollt: Das Steuersystem mit seiner steilen Progression, arbeitsrechtliche Begünstigungen und das lange politische Werben seit den Neunzigern, mehr Teilzeit zu arbeiten haben diese Entwicklung maßgeblich vorangetrieben.

                    5. Du hast auf die Gesamtzahl der Stunden abgestellt, also was sämtliche Erwerbstätige an Stunden erbringen. Du hast nicht den Bezug auf die durchschnittliche Stundenzahl pro Kopf akzeptierst. Dann wirst Du auch die Nachteile Deiner Argumentation akzeptieren müssen: Wenn die Zahl der Erwerbstätigen drastisch abnimmt wie es von 2025-2050 zwangsläufig der Fall sein wird, wird immer weniger gearbeitet. Und damit wird auch an dieser Stelle das Problem, das Ihr wegargumentieren wollt, glasklar: Weniger Stunden führen zu weniger Leistung und zu dem Druck, die Stundenzahl pro Kopf erhöhen zu müssen. Eine andere logische Folge gibt es nicht.

                    Das Problem: Weder Frauen noch Männer haben in diesem Land Lust mehr zu arbeiten. Frauen wollen im Schnitt nicht mehr als die heute geleisteten 33 Stunden pro Kopf arbeiten und Männer wünschen sich 35 Stunden zu arbeiten, leisten heute aber 38 Stunden.
                    https://www.destatis.de/DE/Methoden/WISTA-Wirtschaft-und-Statistik/2026/01/arbeitszeitwuensche-maenner-frauen-gleichstellung-012026.pdf?__blob=publicationFile&v=5

                    Auch hier ist die politische Behauptung, böse Arbeitgeber hinderten Arbeitnehmer an der Ausweitung ihrer Arbeitszeit, schlicht „Bullshit“ (Bärbel Bas)

                    Dein Spott hilft nicht, besser wird es tatsächlich nicht.

                    • Ariane 10. Juni 2026, 18:25

                      Ich habe diesmal gar nicht gespottet. Ich habe aber tatsächlich aktuell wenig Zeit und Muße für Diskussionen, dass weder Frauen noch Männer in diesem Land noch Lust haben zu arbeiten.
                      Dafür such dir bitte andere Diskutanten. Wenn du mein Einbringen anderer Deutungen ablehnst, ist das ok.

                    • Stefan Pietsch 10. Juni 2026, 18:35

                      Ariane, das sind harte Fakten, belegt durch Erhebungen des Statistischen Bundesamtes und wissenschaftliche Tiefenstudien. Ich diskutiere nur auf solcher Basis. Ich kann mit solcher Gefühlsdusseligkeit „die Leute wollen ja arbeiten / arbeiten ja“ nichts anfangen.

                    • Ariane 10. Juni 2026, 18:49

                      Achso das ist Gefühlsduseligkeit und „keiner hat in diesem Land mehr Lust zu arbeiten“ ist harter Fakt.
                      Ist nicht bös gemeint, aber ich hab gerade wirklich weder Lust noch Zeit auf dieser Basis zu diskutieren.

                    • Stefan Pietsch 10. Juni 2026, 20:17

                      Gefühlsdusseligkeit ist das Kaprizieren auf moralische Kategorien mit entsprechender Empfindlichkeit.

                      Fakt ist: Die Deutschen arbeiten pro Kopf am wenigsten. Weder Männer (die schon gar nicht) noch Frauen haben Interesse, mehr zu arbeiten. Die Politik plant allerdings genau mit dieser nicht vorhandenen Bereitschaft. Die geringe Arbeitszeit kommt maßgeblich durch den sehr hohen Anteil an Teilzeit-Beschäftigten zustande. In den nächsten Jahrzehnten werden damit nicht nur Arbeitskräfte, sondern auch Arbeitsstunden fehlen, um die Einnahmen des Staates an Steuern und Sozialabgaben nur konstant zu halten.

                      Das ist alles als Fakt unbestreitbar. Wir können darüber streiten, was daraus folgt oder warum das so ist. Wir können die nicht vorhandene Neigung, mehr zu arbeiten, moralisch bewerten oder eine solche Bewertung ablehnen. Aber über die Existenz dieser Fakten können wir nicht streiten.

                      Wenn Du dazu keine Lust und Muße hast, okay, das muss ich akzeptieren.

        • Thorsten Haupts 9. Juni 2026, 22:28

          Auf Rekordniveau für Deutschland oder für vergleichbare entwickelte Staaten? Das ist in der Diskussion nicht unwichtig, weil auf Rekordniveau für Deutschland erst einmal gar nichts heisst – Frauen stiegen erstmals in den siebzigern (?) in grosser Zahl in den formalen Arbeitsmarkt ein, von daher ist ein deutscher Rekord der Regel- und nicht ein Ausnahmefall.

          • derwaechter 9. Juni 2026, 23:32

            Hier kann man zum internationalen Vergleich etwas mehr lesen.

            Highlights: die Vergleichbarkeit zwischen Ländern ist schwierig, weil Statistiken nicht vergleichbar erhoben werden.

            Unter dem Vorbehalt ist aber auch die Arbeitszeit pro Einwohner in D relativ niedrig, wenn auch etwas besser als bei der pro Erwerbstätigen.

            https://www.iwkoeln.de/studien/holger-schaefer-sind-die-deutschen-arbeitsscheu.html

          • Ariane 9. Juni 2026, 23:54

            Auf Rekordniveau für Deutschland oder für vergleichbare entwickelte Staaten?

            Ist tatsächlich historischer Rekord in Deutschland und nach Zeit gemessen. Mit dem Problem, dass Deutschland alle paar Jahrzehnte einfach seine Grenzen ändert 😛

            hier ist für Leute mit sehr viel Zeit und Wissensdrang eine Studie mit verschiedenen Aufschlüsselungen:
            https://www.bzkj.de/resource/blob/79300/b07015d1795aca8fe047f33946659c4a/schief-beschaeftigungsquoten-arbeitszeiten-in-der-eu-data.pdf

            Wie Wächter schon sagt, sind internationale Vergleiche schwierig und beim Arbeitsvolumen fließen noch mehr Daten ein (zb auch Urlaubstage).
            Ein Beispiel: in Stefans Statistik sieht es so aus, als wären die Spanier und erst recht die Griechen VIEL VIEL fleißiger. das umfasst aber keine Leute, die nicht erwerbstätig sind. Spanien hat eine Jugendarbeitslosigkeit von über 20%, Griechenland auch 13%, Schweden über 26%!

            Deutschland ist da mit 7% extrem niedrig. Auch Erwerbsquoten bei älteren Arbeitnehmern und Frauen sieht es plötzlich wieder ganz gut aus.
            da müsste man sich vermutlich mehr in Einzelstatistiken einlesen, die Tendenz scheint zu sein, dass in Deutschland eher mehr Menschen irgendwie erwerbstätig sind und woanders dafür weniger Menschen sehr viel arbeiten.

  • Stefan Pietsch 9. Juni 2026, 20:21

    4) Reformen und ihre Beliebtheit

    Erstens ist er zu einseitig, weil nicht alle Teile der Bevölkerung betroffen sind.

    Wieso sollte das relevant sein? Ich bin wieder an dem Punkt, dass hier das Problembewusstsein fehlt. Wir stehen doch nicht vor einem Schwäbischen-Hausmann-Problem. Es fehlt etwas Geld in der Kasse, oh, da muss halt jeder etwas reintun.

    Die Staatsausgaben – und damit ist nicht nur der vom Bundesfinanzminister verwaltete Bundeshaushalt gemeint – laufen bis 2030 völlig aus dem Ruder. Das Land hat sich nicht nur mit zehn Jahren ungesteuerter Migration von Armutsflüchtlingen völlig übernommen und überall finanzielle und soziale Bomben deponiert. Die Zusagen der staatlichen Altersvorsorge sind schon bald nicht annähernd erfüllbar. Krankenkassen und Pflegeversicherung explodieren schon bald unter der Kostenwucht. Die Kosten der Arbeitslosigkeit sprengen das Budget der Bundesanstalt. Der Anteil derjenigen, die noch nie in diesem Land gearbeitet haben, ist international betrachtet viel zu hoch. Die Hälfte der Empfänger der Grundsicherung sind Ausländer, die hier schlicht in die Sozialsysteme eingewandert sind. Der Bund selbst wird schon 2029 nur noch Geld für die verpflichtenden Sozialausgaben wie den Zuschuss zur GRV, für Verteidigung und Zinsen haben.

    Dazu ist die Gemengelage katastrophal: Jedes Jahr verschwinden 100.000 Arbeitsplätze. Die Insolvenzen gehen durch die Decke. Immer mehr Deutsche setzen sich auf Nimmerwiedersehen ins Ausland ab. 41 Prozent der Jungen erwägen den Schritt. Kurz: Die Abwanderung von Steuer- und Beitragszahlern ist massiv und hat sich enorm beschleunigt. Gleichzeitig hat sich das Land im Grundgesetz verpflichtet, zusätzlich fast eine Billion Euro für die Klimaneutralität 2045 statt 2050 auszugeben.

    Und dann kommen die Linken und erklären das Übliche: Wir müssen die Steuern für diejenigen erhöhen, die noch relevant zahlungsfähig sind, wir müssen die Unternehmen weiter belasten und ansonsten hoffen, dass alles gut wird. Irgendwie scheinen diese Leute zu glauben, ein Land käme ohne leistungsfähige und leistungswillige Erwerbstätige aus. Sonst kann man in einer Situation, wo Unternehmen die höchsten Energiepreise, rekordhohe Lohnnebenkosten und hohe Gewinnsteuern schultern müssen, wo die Abgabenlast in praktisch jedem Land der OECD unter dem Niveau Deutschlands liegt, einfach noch mehr holen. Der Schuss kann gar nicht so laut sein, dass diese Leute ihn noch wahrnehmen.

    Zwei Beispiele, wie dieses Land das Geld zum Fenster rausschmeißt: Erstens Elterngeld. Die Grüne Ricarda Lang erklärte vor ein paar Tagen, warum auch junge Leute mit sechsstelligem Jahreseinkommen das Elterngeld bekommen müssen, weil, der Staat will ja Männer mit der Geldpeitsche dazu bringen, mehr Care-Arbeit zu übernehmen. Das gilt natürlich auch für die obersten Einkommenstufen. Hat sie wirklich gesagt. Früher hat man da gesagt: Ein paar Schläge auf den Hinterkopf erleichtern das Denkvermögen. Geht heute nicht mehr, weil Gewalt.

    In meinem familiären Umfeld erhalten drei alte Menschen Zuzahlungen der Pflegeversicherung Stufe eins. Alle sind noch einigermaßen rüstig, alle verfügen über ein hohes sechsstelliges Vermögen, womit sie zehn und mehr Jahre eine Rundumversorgung in einem Pflegeheim, Stufe XX bezahlen könnten. Was man schon 1996 bei Einführung der Pflegeversicherung wusste, hat sich längst bewahrheitet: Sie ist eine Versicherung des Erbes von Vermögenden. Und die Linken spinnen auch hier wieder: Mit der Pflegeversicherung das Vermögen von Alten schonen und dann nach dem Tod mit der Erbschaftsteuer abkassieren wollen. Aber bitte, nur bei Mehrfachmillionären. Früher hätte man gesagt: Ein paar Schläge auf den Hinterkopf erleichtern das Denkvermögen. Leider ist Gewalt als Mittel der politischen Lösung aus der Mode gekommen.

    • Ariane 9. Juni 2026, 22:01

      Ein paar Schläge auf den Hinterkopf erleichtern das Denkvermögen. Leider ist Gewalt als Mittel der politischen Lösung aus der Mode gekommen.

      Ich schätze das findest du nicht mehr so bedauerlich, wenn jemand „eat the Rich“ sagt.

      • Stefan Pietsch 10. Juni 2026, 11:14

        Abgesehen davon, dass ich mit einem solchen Slogan inhaltlich gar nichts anfangen kann, begegnet der einem ja inzwischen zigmal am Tag.

        Hier zeigt sich wieder der Unterschied: Linke können nicht anders als Finger Pointing. Die Reichen. Meine Formulierung geht nicht gegen eine bestimmte Klasse oder Einkommensgruppe. Nur gegen Menschen, die beim Schach nach drei Zügen Matt wären, weil sie nicht einen einzigen Zug vorausdenken können.

    • CitizenK 10. Juni 2026, 08:07

      Die Wohnbau-Förderung hört bei 35k/70k € auf, Kindergeld aber nicht. Wieviel könnte man da sparen? Brauchen Millionäre (von denen es ja immer mehr gibt) das Kindergeld?

      TaxTheRich könnte man ja noch als Neiddebatte abtun, TaxMeNow aber wohl nicht.

      • Stefan Pietsch 10. Juni 2026, 11:50

        Zwei einfache Fragen vorweg:

        1. Befürworten Sie das Prinzip, dass das Existenzminimum, das der Bürger verdient, steuerfrei sein sollte?

        2. Befürworten Sie das Prinzip, dass der Staat nicht das für Kinder existenziell Notwendige besteuern darf?

        Wenn Sie wie weit über neunzig Prozent der Bevölkerung diese Prinzipien bejahen, ist Ihre Frage unverständlich. Es war mal so, dass der Staat Kindergeld als Prämie gezahlt hat. Das ist sehr lange her. Mit dem Kinderfreibetrag, der jedem Steuerpflichtigen mit unterhaltspflichtigen Kindern zusteht, wird das Existenzminimum des Nachwuchses steuerfrei gestellt. In zwei wegweisenden Urteilen in den Neunzigerjahren verpflichtete Karlsruhe die Politik, das Existenzminimum des Bürger (Grundfreibetrag) und das Existenzminimum seiner Kinder (Kinderfreibetrag) angelehnt an die Sozialsätze steuerfrei zu stellen.

        Linke fanden das aus unerfindlichen Gründen nicht gerecht. Sie meinten, dass dies Besserverdiener gegenüber Wenigverdienern bevorteile. Dabei gilt das Prinzip für alle: Was Eltern von ihrem Einkommen für den Kindesunterhalt benötigen, wird nicht besteuert und ist steuerfrei. Längst wird dieses Prinzip auf den Kopf gestellt und Ihre Frage induziert das ja: Warum können Besserverdiener nicht den Unterhalt ihrer Kinder aus ihrem versteuerten Einkommen bezahlen?

        Und wieder sind wir beim Robin-Hood-Staat: Nehme so viel wie möglich von den Reichen und gib es den (vermeintlich) Armen. Dass sich die Linken wie so oft damit im verfassungswidrigen Bereich bewegen, scheint sie nicht zu kümmern. Ich habe vor ein paar Tagen auf meinen letzten Steuerbescheid geschaut: Trotz einer höheren Rückzahlung habe ich tatsächlich trotzdem per Saldo Steuern zahlen müssen! Ich bin dabei: Tax me!

        • CitizenK 10. Juni 2026, 14:27

          Beides hängt ja zusammen.
          Zu 1: Ja, natürlich
          Zu 2: Kann man so sehen, ist ja auch Realität.
          Trotzdem finde ich es irritierend. Wenn das „für die Kinder existenziell Notwendige“ ohnehin vorhanden ist, warum muss dann der Staat noch was dazu geben? Jedenfalls widerspricht das dem Prinzip, dass der Sozialstaat nur die wirklich Bedürftigen unterstützen sollte. Wer sich schon an den Subsidien für die Mitte stört, der kann dies eignentlich nicht richtig finden.

          • Stefan Pietsch 10. Juni 2026, 15:04

            ad 2.: Das stimmt ja nicht. Der Staat stellt mit dem Freibetrag das Existenzminimum frei. D.h. der Bürger braucht darauf keine Steuern zu zahlen.

            Beispiel: Jemand hat ein z.v.E. 50.000 Euro und hat ein Kind. Dann kommen die knapp 10.000 Euro Kinderfreibetrag zur Anrechnung, d.h. die Steuer wird nur auf 40.000 Euro zvE angerechnet.

            Wer 200.000 Euro zvE hat und normalerweise ja höhere Aufwendungen für sein Kind, muss nach Anrechnung 190.000 Euro versteuern. Bei beiden wird exakt der gleiche existenzielle Betrag angerechnet. Was ist daran unsozial?

            Steuerstaat und Sozialstaat sind zwei verschiedene Dinge.

  • Stefan Pietsch 9. Juni 2026, 20:34

    f) Die Disse zur neuen Kubicki-FDP schreiben sich auch von selbst.

    Klar, AfD ist besser. *Augenroll*

    h) Sehr richtiger Punkt zum Links-Rechts-Bias von Institutionen.

    Yey! Es gab mal wieder einen nicht-linken Kommentar in den Tagesthemen! Super!!! Dabei stellen immer mehr sogar Gerichte fest, dass die ÖRR einen starken Linkseinschlag haben.

    l) Es gibt keinen Linksrutsch der FDP.

    Von der FDP hast Du nun wirklich keine Ahnung.

    z) Die positive Kehrseite deutscher Bürokratie. Sprechen auch für sich, die Zahlen.

    Leider überhaupt nix verstanden: Selbst in Griechenland ist die Arbeitsplatzsicherheit extrem hoch. Wirkt da auch die deutsche Bürokratie?

    • schejtan 9. Juni 2026, 21:06

      l) niemand hat von der fdp, auf bundesebene, ne ahnung, weil die partei, auf bundesebene, von sich selber keine ahnung hat

      • Stefan Pietsch 10. Juni 2026, 11:15

        Zumindest nicht die Herren Konstantin Kuhle und Johannes Vogel. Kubicki da schon weit eher.

  • schejtan 9. Juni 2026, 21:33

    l) niemand hat von der fdp, auf bundesebene, ne ahnung, weil die partei, auf bundesebene, von sich selber keine ahnung hat

  • Ariane 10. Juni 2026, 01:11

    Oliver Weber hat sich im Faz-Feuilleton auch noch Gedanken über den Reformdiskurs gemacht:
    https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/reformen-des-sozialstaats-warum-widerstand-berechtigt-ist-200871888.html?share=Twitter&gift&premium=0xeaf9ac2d7ee73386a41a3d5bcbcf54f52e71f1701d0e082355b5e8a9f0293bd3

    Markus Söder brachte es vor Kurzem fertig, eine ganze Talkshow mit Dringlichkeitsbeteuerungen zu absolvieren, ohne auch nur ein einziges Vorhaben auszubuchstabieren.

    Er stellt dann den Reformdiskurs der 70er (Demokratisierung) mit Lambsdorff-Papier/Agenda2010/heute gegenüber:

    In der Öffentlichkeit wird jedoch bisweilen der Eindruck erzeugt, der Unterschied zwischen diesen beiden Reformtypen spiele keine Rolle. Als gebe es beim Umbau des Sozialstaats keine Interessengegensätze auszutragen, sondern nur politische Kräfte, die auf der Bremse stehen, und solche, die Fortschritte fordern.
    […]
    Ob Pflegeversicherung, Rente, Steuern oder Arbeitsschutz: Reformvorschläge, die in den solidarischen Zusammenhang der deutschen Gesellschaft eingreifen, werden als reine Standort- und Kostenfrage abgehandelt. Wer widerspricht, gehört zu den angeblichen Besitzstandswahrern, die den Ernst der Lage nicht verstanden haben.

    • CitizenK 10. Juni 2026, 20:08

      Guter Artikel. Danke für den Link.

  • cimourdain 10. Juni 2026, 10:18

    e) Sehr kurzsichtig, Ostrakismos führt zu einsamen Rechtschaffenen. „Arschlochkommentare“ habe ich von praktisch jedem hier auch schon gelesen. „Don’t feed the troll“ muss reichen, auch wenn es schwerfällt.

    l) Die Grafik im Tweet ist seltsam. Quelle ist keine erkennbar, aber die auf glatte Zahlwerte getrimmten Kurven ohne große Bewegung deutet auf eine subjektive Inneneinschätzung aus dem politischen Betrieb heraus hin.
    Eine bessere Außenansicht zeigt, dass seit 2013
    https://www.politicalcompass.org/germany2013
    alle Parteien (auch die FDP) nach ökonomisch rechts gewandert sind
    https://www.politicalcompass.org/germany2025
    aber die FDP (anders als die anderen gesellschaftlich liberaler geworden ist.

    n) hier blockierst du dir durch moralische Entrüstungsmechanismen gedankliche Offenheit. Ich habe mir das Video angesehen. Schmitt und Nymoen diskutieren ein 20 Jahre altes Buch eines US -Wirtschaftshistorikers, der diese These aufgestellt hat. Sie arbeiten mit maximal objektiver Distanz, jeder zweite Satz beginnt mit „Hier stellt der Autor fest, dass …“ oder ähnlichem und beschreiben ohne Wertung die Argumente. Methodisch ein gutes Gegengift zu dem Dauerfeuer an propagandistisch ausgelegten Meinungsartikeln.

    y) Das ist ein interessanter Einwand. Derzeit wird in staatskritischen Medien dieses Buch
    https://www.amazon.de/Inside-Bundestag-Zentrum-Vertrauen-Demokratie/dp/3987913657
    stark beworben, das da vielleicht ein wenig Einsichten liefern kann – allerdings eher aus einer „Die Exfrau plaudert aus dem Nähkästchen“ Richtung.

    • Ariane 10. Juni 2026, 21:51

      allerdings eher aus einer „Die Exfrau plaudert aus dem Nähkästchen“ Richtung.
      lol, tolle Antiwerbung. Also das Buch brauch ich tatsächlich vermutlich auch nicht. Grundsätzlich finde ich aber schon, dass das Wissen über parlamentarische Arbeit rar gesät ist (nehme mich da auch nicht aus).
      Ist leider auch eine Lücke, die die Presse oder Veröffentlichungen selten abdecken. Meist sind das ja Schlagworte und dann Zitate, was Partei X davon hält. Und selbst ganze Bundestagsdebatten bilden das ja nicht ab.

      • cimourdain 11. Juni 2026, 08:19

        Natürlich, nur wenn du argumentierst, dass Ottonormalverbraucher zu wenig über meinetwegen Scientology weiß, um sich ein Urteil zu bilden, dann ist es kurzsichtig du das Enthüllungsbuch in dem ein Scientology-Aussteigerin „auspackt“, zu ignorieren.

        • Thorsten Haupts 11. Juni 2026, 16:01

          Ich will gar nicht meckern, aber nach der Beschreibung des Buches sind der guten Frau plötzlich Dinge aufgefallen, die jede/r kennt, der in etwas grösseren Organisationen unterwegs war – und das fängt bei Vereinen oder der Freiwilligen Feuerwehr an. Sie beschreibt, so mein Eindruck (der auch durch früher gelesene „Enthüllungsbücher“ geprägt ist), Menschen, letztlich sich selbst. Was die meisten „Enthüller“ wie die meisten Menschen sich nicht eingestehen wollen, ist, wie kurzsichtig, emotional, eigensüchtig, verwandten- und freundeszentriert, rachsüchtig und kleingeistig sich 99,9% aller Menschen in allen Organisationen verhalten, die grösser sind, als eine Familie. Das ist eine Menschheitskonstante und keine Enthüllung.

  • derwaechter 10. Juni 2026, 10:45

    „Everyone using X – including the UK government – is facilitating this neo-Nazi’s calls for violence in the UK. This is morally indefensible. Just stop already.“
    https://bsky.app/profile/stevepeers.bsky.social/post/3mnwbqmbwos2m

    Ich finde es extrem merkwürdig in diesen Zeiten nicht nur X zu nutzen sondern hier mit rund 20 Einträgen aktiv zu promoten.

    Warum machst Du das immer noch?

    • Thorsten Haupts 10. Juni 2026, 12:50

      Wie sähe die Alternative aus? Auf Bluesky sammen sich zwar Linke und Linksliberale, sind dort aber unter sich.

      • derwaechter 10. Juni 2026, 13:13

        Die Frage nach Alternativen ist m.E. bestenfalls zweitrangig.

    • Ariane 10. Juni 2026, 17:10

      Ich hatte meinen Twitter-Account auch einige Monate brachliegen, nicht aus ideologischen Gründen, sondern einfach so. Und bin aktuell da wieder recht aktiv.

      Und meiner Meinung nach gibt es da eben kein Tool, das soviel Spaß und Nutzen vereint. Vielleicht auch, weil ich über die Jahre immer mal wieder echt Zeit und Mühe in meine Timeline gesteckt habe. Es ist wahnsinnig vielseitig, es sind echt viele Experten in vielen Themengebieten (auch komplett nischige) dabei, es gibt zig interessante Sachen, die ich sonst nie entdeckt habe. Und zur Auflockerung immer absolut bescheuerte Witzchen und/oder Tiervideos. (die fehlen hier definitiv!)

      Und es ist eine gute Disziplinübung, Kram der einen nervt oder nicht interessiert wegzuignorieren. Sassestefan folgt mir immer noch, obwohl ich oft Fußball/Katzenwitzchen poste^^

      • derwaechter 10. Juni 2026, 17:39

        Das ist alles schön und gut. Es geht aber konkret um Ideologie bzw. besser gesagt Moral. Da sind das m.E. schwache Argumente.

        • Ariane 10. Juni 2026, 18:07

          Ich mache niemandem einen Vorwurf, der aus ideologischen Gründen die Plattform verlässt. War nur meine persönliche Erklärung, warum ich das nicht tue.

          • derwaechter 10. Juni 2026, 19:23

            Ich mache jedoch denjenigen einen Vorwurf, die es nicht tun. Darum geht es ja gerade. Noch mehr, wenn sie die Seite, so wie Stefan hier, aktiv promoten.

            Und deine Argumente, zusammengefasst: macht Spaß und ist nützlich, finde ich in der Hinsicht sehr schwach. Geht ja nicht einmal auf die moralischen Problemstellungen ein.

            • Ariane 10. Juni 2026, 21:54

              Ich nehme den Vorwurf der Heuchelei auch unwidersprochen hin. Ich hab auch ein Iphone, kaufe Nestleprodukte und verbrenne echt viel unnötiges Benzin, was moralisch eigentlich genauso fragwürdig ist und nur Sachen sind, die mir spontan einfallen.

              Meine einzige Entschuldigung ist, dass ich dem Konzept der Individualisierung und Privatisierung von globalen Problemen extrem skeptisch gegenüberstehe. Ich trete jederzeit gerne für stärkere Gesetze auf deutscher oder Eu-Ebene ein.

              • derwaechter 10. Juni 2026, 22:51

                Fair enough.

                Für mich hat die aktive Teilnahme bei einem politischen Produkt, das und dessen Eigner dabei sind eben deine Politik aktiv zu bekämpfen, noch eine andere Dimension als der Kauf einer unpolitischen Ware. Gerade hier im politischen Diskussionsraum.

                Zum besser Begründen fehlt mir jetzt allerdings auch die Muße 🙂

                • Ariane 10. Juni 2026, 23:04

                  Es wird ja noch widersprüchlicher, da ich auf diesem Produkt, dessen Eigner meine Politik aktiv bekämpft, natürlich zwischendurch auch alles mit linkswokegrünversifftem moralisierendem Gutmenschentum flute.

                  Es ist kompliziert 😉

                  • derwaechter 10. Juni 2026, 23:40

                    Dazu empfehle ich den Artikel den shejtan verlinkt hat.

    • schejtan 10. Juni 2026, 17:42
  • sol1 10. Juni 2026, 14:33

    2) Ein Blick auf die Biografie ist erhellend:

    https://taz.de/Studium-und-Bafoeg/!6178492/

  • sol1 10. Juni 2026, 14:40
    • cimourdain 11. Juni 2026, 08:30

      Danke für die Fundstücke, ich bin ja sonst mit der „Nazi“-Zuschreibung sehr skeptisch, aber hier haben wir eine Partei, die doch immer wieder „nazimäßig“ handelt.

      • Erwin Gabriel 14. Juni 2026, 12:34

        @ cimourdain

        … aber hier haben wir eine Partei, die doch immer wieder „nazimäßig“ handelt.

        Reicht „faschistisch“ wirklich nicht aus? Muss wirklich jede Einzelaktion verdrehter rechtsextremer Hohlköpfe als offizielle Parteiaktion deklariert werden?

  • cimourdain 10. Juni 2026, 15:12

    4) Was du hier beschreibst:
    – Unseriöse Vorschläge,
    – die in hoher Schlagzahl vorgebracht werden
    – so dass man nicht nachkommt, sie genauer zu beleuchten
    – und die Missgunst zwischen verschiedenen Gruppen ausnutzen.
    klingt sehr nahe nach der rhetorischen Strategie „Flooding the Zone“. Durch ständiges Bombardement mit möglichen Benachteiligungen werden die Leute abgelenkt und mürbe gemacht, wenn die Politik ihnen dann die nächsten „Hartz-Reformen“ (Symbolbegriff) aufzwingt.

    • Ariane 10. Juni 2026, 18:20

      Ja absolut, man kommt gar nicht dazu, sich mal etwas näher mit einem einzelnen Punkt oder ganzem Reformvorhaben auseinanderzusetzen und man verliert ja auch völlig den Überblick.
      Die SPD ist ohne jede Diskussion dabei, wenn es um die Familienmitversicherung geht – so wie ich es verstanden habe, ist es zumindest beschlossene Sache. Ehegattensplitting scheint vom Tisch zu sein (da wurde einfach was rausgehauen) und wurde nie ernsthaft außerhalb dieses Blogs diskutiert.
      Bafög hatte man sich irrsinnigerweise bereits geeinigt und das dann öffentlich verbrannt.
      Bei den Pflegeideen hab ich mit einigen Leuten diskutiert, was genau da denn eigentlich diskutiert wird, Haus weg, während Oma noch drin wohnt, weil Opa gepflegt werden muss. Wird das ernsthaft diskutiert oder populistisch einfach wieder was reingeworfen und geguckt, wen man jetzt beleidigen kann (Erben von Ommas Häuschen verrückterweise)

      Ja, ist ein Trommelfeuer und flooding the zone passt da ganz gut.
      Und Stefan hat ja auch recht, ich sehe auch keine Versuche, das irgendwie auch nur annähernd unfallfrei mal zu kommunizieren. Hauptsache jede Kürzung wird mit Weltuntergangsapokalyptik und Beleidigen irgendwelcher Betroffenen verkündet.

      Zwischendurch ja durchaus faszinierend aber auch ermüdend im Wahnwitz. Es wirkt halt wirklich wie eine Wette, wie tief Beliebtheitswerte runtergehen können und dass Akzeptanz von politischen Vorschlägen nützlich sein könnte, ist jetzt nicht gerade Geheimwissen. Die verbrennen das gesamte politische Kapital ja bevor auch nur ernsthaft ein Gesetz debattiert werden kann.

      • Ralf 10. Juni 2026, 21:36

        Haus weg, während Oma noch drin wohnt, weil Opa gepflegt werden muss

        Klingt in der Tat nicht sozial. Keine Ahnung, ob das wirklich so diskutiert wird. Allerdings fände ich es völlig richtig, wenn im Falle, dass öffentliche Pflege in Anspruch genommen wurde, das Haus verkauft werden muss, wenn sowohl Oma als auch Opa verstorben sind oder das Haus nicht mehr nutzen und dass der Gesellschaft die entstandenen Pflegekosten so rückerstattet werden. Kann ja schließlich nicht sein, dass wir alle für die Pflege zahlen müssen, obwohl die zu Pflegenden eigentlich Kapital haben, wobei das Kapital in einer Art Erbenschutzprogramm steckt …

        • Ariane 10. Juni 2026, 22:24

          Keine Ahnung, ob das wirklich so diskutiert wird. Allerdings fände ich es völlig richtig, wenn im Falle, dass öffentliche Pflege in Anspruch genommen wurde, das Haus verkauft werden muss

          Ja deswegen hatten wir das diskutiert und imo wurde es nicht konkretisiert. Das gibt es ja bereits. Wenn man die horrenden Eigenzahlungen (Durchschnitt sind ca. 3.000€ monatlich) nicht mehr aus eigener Kraft stemmen kann, fällt man in die Sozialhilfe.

          Hier ist eine Auflistung, was dann gilt:
          https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/gesundheit-pflege/pflege-im-heim/sozialhilfe-wann-sich-das-sozialamt-an-pflegekosten-beteiligt-55159

          Und da gilt eben, dass alles Vermögen bis auf ein Schonvermögen aufgebraucht werden muss und das gilt auch für ein Haus – aber eben mit Ausnahmen, wie dass da noch Familienmitglieder drin wohnen.

          Also fragt sich, ob die jetzt raus müssen und die Regeln härter werden. Oder früher gelten oder ob hier einfach wieder irgendwas rausgehauen wurde.
          Mal ganz davon ab, dass die CDU (!!) , die sonst für jedes Milliardenvermögen Oma ihr klein Häuschen mit Tränen in den Augen anführt plötzlich was gegen Erbenschutzprogramme hat. (gilt jetzt tatsächlich nur für die 300 Wohnungen und nicht mehr für Oma Inge)

          Kann ja schließlich nicht sein, dass wir alle für die Pflege zahlen müssen, obwohl die zu Pflegenden eigentlich Kapital haben, wobei das Kapital in einer Art Erbenschutzprogramm steckt …

          Das nennt man Versicherungsprinzip. Es wird auch jedem die Blinddarmoperation bezahlt, ohne nach Kapital zu fragen.
          Genau so zahlt die Wohngebäudeversicherung den Brandschaden ohne nach deinem Vermögen zu fragen.

          Die Pflegeversicherung krankt enorm daran, dass sie nur eine halbe Versicherung ist und „Hotelkosten“ nicht drin sind. Aber bei den Summen braucht man nicht jahrelang Pflichtbeiträge zahlen, wenn ziemlich klar ist, dass man quasi sofort Sozialhilfe mit allen Regeln beantragen muss. Dann kann man sie auch offiziell beerdigen.

          • Ralf 10. Juni 2026, 23:56

            Das nennt man Versicherungsprinzip

            Faires Argument. Aber in einer Gesellschaft unter Stress, in der Leistungen knapp werden, ist es schwer zu vermitteln, wenn jemand jahrelang sehr hohe Pflege- und Gesundheitskosten verursacht hat – und diese Kosten der Allgemeinheit aufgebürdet hat, obwohl Kapital (z.B. ein Haus) vorhanden war und dieses Kapital dann nicht in irgendeiner Form an die Gesellschaft zurückfließt. Dass man das Haus trotzdem behalten darf, solange man selbst oder der Ehepartner darin wohnt, finde ich – wie gesagt – total in Ordnung. Aber wenn die Gesellschaft hunderttausende Euro für die Oma oder den Opa ausgegeben hat und am Ende gibt es ein Haus, das hunderttausende Euro wert ist und das kriegen dann die Erben, dann erklär das mal denen, die in den Sozialstaat einzahlen und denen immer mehr Leistungen weggestrichen werden, weil kein Geld mehr da ist.

          • Stefan Pietsch 11. Juni 2026, 10:37

            Das nennt man Versicherungsprinzip. Es wird auch jedem die Blinddarmoperation bezahlt, ohne nach Kapital zu fragen.
            Genau so zahlt die Wohngebäudeversicherung den Brandschaden ohne nach deinem Vermögen zu fragen.

            Das ist so nicht ganz richtig. Wie die Kunden der Sparkasse Gelsenkirchen gerade leidvoll erfahren, ist nur das versichert, was sie angegeben haben. Deswegen sind die Leute ja so sauer, weil sie offensichtlich in ihren Schließfächern höhere Werte hatten als versichert waren.

            Die Pflegeversicherung war immer als Teilkaskoversicherung mit Selbstbeteiligung gedacht. Die FDP hatte sogar darauf gedrängt, dass die Versicherung generell nur einspringt, wenn das eigene Vermögen nicht ausreicht. Da Menschen am Ende ihres Lebens nicht nur die höchste Wahrscheinlichkeit haben, pflegebedürftig zu werden, sondern auch das meiste Vermögen zu besitzen, war das ökonomisch immer vernünftig.

            Der Staat hat dann die Leistungen nach Einführung der Pflegeversicherung mehrmals ausgeweitet, die ehemals großen Parteien wollten ja Wähler glücklich machen. Nun haben aber haben von den über 65jährigen in diesem Land in der Hälfte der Fälle ein Vermögen von über 200.000 Euro, 40 Prozent besitzen sogar über 315.000 Euro. Das ist in diesem Land dann doch viel Geld.
            https://www.iwkoeln.de/studien/judith-niehues-maximilian-stockhausen-ein-vermoegensvergleich-nach-altersgruppen.html

            In meiner Region kostet ein Pflegeplatz leicht zwischen vier und fünftausend Euro im Monat. Bisher liegt die durchschnittliche Plfegedauer bei knapp vier Jahren. Das ergibt Gesamtkosten von 216.000 Euro. Erstaunlich, das ist ziemlich genau das, was mindestens die Hälfte der Pflegebedürftigen am Ende tatsächlich besitzen bzw. weit mehr.

            Die Frage ist doch wohl berechtigt: Warum sollen 25jährige ohne Vermögen, aber mit großen Lebens- und Familienwünschen einen Teil ihres Einkommens dafür abgeben, dass der 80jährige seine halbe Million weitgehend ungeschmälert an seine Kinder weitergeben kann? Mir fällt keine ordentliche Begründung ein.

            • Ariane 11. Juni 2026, 17:38

              Das ist so nicht ganz richtig. Wie die Kunden der Sparkasse Gelsenkirchen gerade leidvoll erfahren, ist nur das versichert, was sie angegeben haben. Deswegen sind die Leute ja so sauer, weil sie offensichtlich in ihren Schließfächern höhere Werte hatten als versichert waren.

              Nein, das ist auch nicht die Versicherung der Kunden, sondern die der Bank. Das funktioniert wie die Einlagensicherung nur bis zu einer gewissen Höhe. Wenn man höhere Werte in den Schließfächern hat, hätte man das privat extra versichern und nachweisen müssen. Eine normale Hausratversicherung hat auch eine Höchstdeckung und muss ansonsten individuell angepasst werden (was ich tätsächlich sinnvoller fände als die jetzige Regelung bei der Pflegeversicherung)

              dass der 80jährige seine halbe Million weitgehend ungeschmälert an seine Kinder weitergeben kann? Mir fällt keine ordentliche Begründung ein.
              Das erstaunt mich jetzt wirklich zutiefst. Ansonsten bist du großer Verfechter davon, dass sämtliche Vermögenswerte ungeschmälert an die nächste Generation gehen sollen.

              • Stefan Pietsch 11. Juni 2026, 17:59

                Das missverstehst Du total. Wie jeder Liberale glaube ich an die Eigenverantwortung. Die Allgemeinheit, egal wie man sie nennt (Familie, Kirche, Staat) springt erst ein, wenn gar nichts mehr geht. Ansonsten hat man dafür zu sorgen, selbst die Dinge auf die Kette zu bekommen. Dazu gehört auch die Organisation und Finanzierung des eigenen Lebensabends inklusive des statistisch möglichen Falles der Pflege. Dafür sparen ja schließlich Menschen.

                Mir fehlt umgekehrt das Verständnis für die linke Position: Die Pflegeversicherung ist nichts anderes als ein Erbensicherungsprogramm. Das wusste man schon 1996 bei der Einführung und daran hat sich nichts geändert. Auch vor der Einführung der Pflegeversicherung durch die unsäglichen Norbert Blüm und Rudolf Dressler gab es Pflegefälle. Die Sozialversicherung entlastete die Kommunen und die Älteren. Die meisten Länder kommen ohne diese Umverteilungskasse aus, auch z.B. Österreich, das ja sonst bei deutschen Linken wegen seiner Rente so hervorgehoben wird.

                Das Vermögen von Rentnern schonen um nach dem Tod ordentlich zuzugreifen – verstehe ich nicht. Obwohl, eigentlich ist es ja noch schräger: Linke wollen ja nur bei den „Superreichen“ mit 60 Millionen Vermögen (die wissenschaftliche Definition von Superreichen) zugreifen. Das Warum ist auch nicht zu verstehen.

                Ich habe eine Vermutung: Auch einige Linke wissen, dass Erbschaften für Menschen mit kleinem und mittlerem Portemonnaie einen wichtigen Teil der Vermögensbildung ausmachen. Da will man die Leute vielleicht nicht auch noch verärgern, wenn man ihnen schon ihr Einkommen nimmt.

                Kannst Du mit Erklärungen helfen? 🙂

                • Ariane 11. Juni 2026, 18:31

                  Ich habe eine Vermutung: Auch einige Linke wissen, dass Erbschaften für Menschen mit kleinem und mittlerem Portemonnaie einen wichtigen Teil der Vermögensbildung ausmachen. Da will man die Leute vielleicht nicht auch noch verärgern, wenn man ihnen schon ihr Einkommen nimmt.

                  Üblicherweise waren Linke und Rechte und alle dazwischen immer einig, dass es ein Schonvermögen geben sollte und zwar insbesondere für weitergenutzte Familienwohnsitze. Genau dafür gibt es ja diese Ausnahmen sowohl bei der Hilfe zur Pflege als auch im Erbrecht und vermutlich in weitaus mehr Rechtsgebieten. Diesen überragenden Konsens aufzubrechen halte ich tatsächlich für erklärungsbedürftig. Vor allem für die Union, das ist ja deren Kernklientel.

                  Ich bin da gar nicht so ideologisch, mich nervt es vorrangig, dass da eine halbe Versicherung rumliegt. Wenn wir die Pflegeversicherung komplett rauswerfen und sagen, das muss man privat versichern oder direkt Sozialhilfe beantragen – ok. Oder wir erhöhen die Beiträge und die Unterbringung ist dann mit drin.
                  Aber ein Leben lang Pflichtbeiträge bezahlen und als Normalverdiener dann doch in der Sozialhilfe zu landen, ist ja nicht der Sinn der Sache. Die Quote ist jetzt schon bei 32% und würde mit den jetzt diskutiereten Ideen prognostiziert auf 50% steigen.
                  Die Zahlen scheinen mir auch zu hoch, um sie einfach auf Faulheit, mangelnde Eigenverantwortung oder andere charakterliche Defizite zu schieben. Und wir reden hier ja eben nicht von der jungen Generation, mit der nach gängiger Meinung eh nichts mehr anzufangen ist. Dachte, das sind die Menschen, die nichts lieber getan haben als arbeiten und sparen.

                  Nenn mich ja gerne eine doofe Linke, aber ich finde schon, dass das durchaus nach anderen Lösungen verlangt.

                  • Stefan Pietsch 11. Juni 2026, 19:03

                    Gerne, Du bist eine doofe Linke. 🙂 Okay so?

                    Natürlich, das ist das grundsätzliche Dilemma der deutschen Sozialversicherungen. Die Deutschen zahlen viel und bekommen wenig. Das Wenig wird nicht dadurch mehr, dass Mehr gezahlt wird. Nominal schon, aber das „Preis/Leistungsverhältnis“ verbessert sich damit keinen Deut.

                    Die Pflegeversicherung war unnötig wie ein Kropf. Das wurde von Ökonomen und Liberalen damals schon so bewertet, nur wollten sich Blüm und Dressler ein sozialpolitisches Denkmal setzen vergleichbar höchstens der dynamischen Rente von Adenauer. So wurde Mitte der Neunzigerjahre durchaus geredet.

                    Die nüchternen Zeitgenossen haben immer gesehen, auf welche Kostendynamik die Pflege zulaufen wird. Das war ja immer jahrzehntelang klar. Dennoch legten die Merkel-Regierung noch einiges drauf. Wenn man sich das vor Augen hält, könnte man diese Kanzlerin echt wegen ihrer großen wirtschaftlichen Rücksichtslosigkeit … Abschaffen lässt sich die Sozialversicherung nicht mehr. Wie soll das gehen? Ich habe mein gesamtes Erwerbsleben Beiträge gezahlt. Beiträge begründen eine Gegenleistung, d.h. der Staat muss mich entschädigen.

                    Ich kann mit dem Begriff des Schonvermögens nichts anfangen. Was soll das sein? Es ist eine rein politische Definition, was man dem Bürger „zuerkennt“. Das gilt bei der Pflege wie dem SGB II. Man gewährt dem Untertan großzügig.

                    Was Du auch noch an mir missverstehst: Aus sozialwissenschaftlicher Sicht (Ökonomen sind Sozialwissenschaftler) geht es mir nicht um charakterliche Zuschreibungen. Menschen verhalten sich in Summe rational. Wenn wenig gearbeitet wird, hat das ökonomische Gründe. Es ist rational und nicht eine Frage des Charakters. Einzelne Menschen sind faul und fleißig, kriminell und gesetzestreu. Eine Gemeinschaft lässt sich nicht so klassifizieren.

                    • Ariane 13. Juni 2026, 07:40

                      Abschaffen lässt sich die Sozialversicherung nicht mehr. Wie soll das gehen? Ich habe mein gesamtes Erwerbsleben Beiträge gezahlt. Beiträge begründen eine Gegenleistung, d.h. der Staat muss mich entschädigen.
                      Nach dem selben Mechanismus, wie es bei einer Art Bürgerversicherung laufen würde, man kann es ab einem Zeitpunkt zusammenführen oder ausschleichen. Bei Kranken- und Pflegekasse wäre es sogar einfacher, weil nur gefragt wird, OB du Mitglied bist – die Blinddarm-Operation wird immer voll bezahlt, solange du Mitglied einer Krankenversicherung bist. Rente wäre schwieriger, weil dein Anspruch eben aus Beitragsjahren und Mitgliedbeiträgen errechnet wird.

                      Das Dilemma an sich wird man sowieso nicht los. Menschen werden pflegebedürftig. Neben persönlicher Tragik ist das kosten- und zeitintensiv. Es gibt ja nur die Möglichkeiten diesen Bedarf mehr zu vergemeinschaften oder mehr zu personalisieren. Und da wir seit einem Jahr von nichts anderem reden, als dass bitte wirklich alle 42 Stunden/Woche arbeiten sollen, kannst du es nur weiter vergemeinschaften. Ist dasselbe wie mit Kindern, die sind auch kosten- und zeitintensiv. Wenn man das zu einem persönlichen Problem erklärt, dann wird jemand – und zwar zu 85% jemand weibliches – eben nicht 42 Std/Woche oder auch nur 20 Std/Woche arbeiten können.
                      Und dann hast du das Dilemma, dass du statt Kinder und Pflegebedürftigen die Care-Leute irgendwie mitfinanzieren musst, die dann eben keine Lohnarbeit mehr verrichten. Alles gleichzeitig geht eben nicht.

                      Ich kann mit dem Begriff des Schonvermögens nichts anfangen. Was soll das sein? Es ist eine rein politische Definition, was man dem Bürger „zuerkennt“. Das gilt bei der Pflege wie dem SGB II. Man gewährt dem Untertan großzügig.
                      ? Die Alternative ist, dass jeder Anspruch auf volle Sozialleistungen hat, ohne dass eigene Anteile angerechnet werden. Wie eben mit der Blinddarmoperation. Natürlich könnte man das auch machen, ich bin nur erstaunt, dass du plötzlich so plädierst. Das ist ja näher am Sozialismus denn am Liberalismus mit Eigenverantwortung.
                      Aber Sozialhilfe (und nach denselben Regeln funktioniert Hilfe zur Pflege und die neue GruSi) ist die letzte Rettungslinie, bei der man erst sein eigenes Vermögen einsetzen muss. Und da niemand eine Insel ist, braucht man da Regelungen, weil in Omas Häuschen auch noch andere Menschen wohnen. Oder man hat in der Mitte des Arbeitslebens eine größere Krankheit/Krise/whatever (oder man pflegt einen Angehörigen^^) und das Vermögen ist eigentlich die Altersvorsorge, die man ja immer noch braucht, wenn man nach 3 Jahren dann ein normales Erwerbsleben wieder aufnimmt.

                      Ernsthaft, die Diskussion schafft mich. Plädierst du jetzt für ein bedingungsloses Grundeinkommen? Oder soll das Schonvermögen weg und wir spielen Eigenverantwortung mit aller Konsequenz durch?

                    • Stefan Pietsch 13. Juni 2026, 14:56

                      Die Abschaffung einer Sozialversicherung dauert Jahrzehnte, in Summe zwei Generationen, also 40-50 Jahre. Hohe, oft doppelte Kosten fallen zumindest für eine Generation an. Wir haben jetzt aber das Problem mit stark steigenden Pflegekosten, nicht im Jahr 2070. Die Abschaffung löst heute kein Problem.

                      Ich will Dir das mal anhand der gesetzlichen Rentenversicherung darstellen. Die gesamten Ansprüche in der GRV belaufen sich auf so 14 Billionen Euro. Müsste der Staat sie heute direkt auszahlen, wäre der Barwert so 8 Billionen Euro, also fast das Doppelte des BIPs. Da ist der Staat pleite. Um diese gigantischen Ansprüche bedienen zu können, muss bis auf Weiteres das Beitragssystem erhalten bleiben.

                      Es gibt ja nur die Möglichkeiten diesen Bedarf mehr zu vergemeinschaften oder mehr zu personalisieren.

                      Wo kommen denn die „vergemeinschafteten“ Pfleger her? Die wachsen ja weder auf Bäumen noch werden sie in der Schnitzwerkstatt gefertigt. Überraschung, das sind die Menschen, die sonst individualisiert zu Hause pflegen. Und, noch eine Überraschung, das sind in Pflegeheimen zu 80 Prozent wieder Frauen, die den Job – meist teilzeitbeschäftigt – erledigen. Nur halt jetzt sozialversichert. Das bedeutet aber nichts anderes als das auch diese Kosten „vergemeinschaftet“ werden und die Beschäftigten und ihre Arbeitgeber noch mehr Kosten und Abzüge haben. Ist das besser?

                      Und da wir seit einem Jahr von nichts anderem reden, als dass bitte wirklich alle 42 Stunden/Woche arbeiten sollen

                      Sorry, Ariane, aber das ist ein Popanz, den Du da seit einiger Zeit aufbläst. Niemand redet von der 42-Stundenwoche. Die 40-, 38- bzw. 35-Stundenwoche ist in Tarifverträgen und Arbeitsverträgen festgeschrieben. Da kommt kein Gesetzgeber dran. Ich denke, das weißt Du auch, von daher verstehe ich Deine Pseudo-Entrüstung hier nicht.

                      Bist Du ernsthaft der Ansicht, der schwer schuftende Bauarbeiter solle von seinem ohnehin geringen Lohn von 3.000 Euro noch 20 Euro dafür abgeben, dass der Rentner Willy mit einem Vermögen von 300.000 Euro im wahrsten Sinne „verschont“ wird? Was ist daran denn sozial??

                      Ich weiß, dass meine Position nicht mehrheitsfähig ist. Sie ist aber die finanzwirtschaftlich und ökonomisch rationalste. Kein Schonvermögen – exakt 0 Euro Verschonung. Ich habe in meinen 59 Jahren nie verstanden, warum völlig Fremde für jemanden zahlen (=Lebenszeit opfern) sollen, der selbst Mittel hat und sich Mittel verschaffen kann (vulgo: Arbeiten). So lange jemand das kann, ist er sozial nicht bedürftig. Punkt, Ende. Nicht mehrheitsfähig, ich weiß, aber vernünftig.

                      Zur Eigenverantwortung: Wir können gerne eine verpflichtende Pflegeversicherung machen. Da schließt aber jeder einen eigenen Vertrag ab, in dem auch der Umfang festgelegt wird. Butter und Brot oder Luxuslimousine. Und wenn alles weg ist, springt die Allgemeinheit ein, so ist das in einem Sozialstaat. Was wir haben, ist ein Wohlfahrtsstaat – jeder zahlt für jeden. Und das ist Etikettenschwindel.

                    • Ariane 13. Juni 2026, 18:33

                      Sorry, Ariane, aber das ist ein Popanz, den Du da seit einiger Zeit aufbläst. Niemand redet von der 42-Stundenwoche. Die 40-, 38- bzw. 35-Stundenwoche ist in Tarifverträgen und Arbeitsverträgen festgeschrieben. Da kommt kein Gesetzgeber dran. Ich denke, das weißt Du auch, von daher verstehe ich Deine Pseudo-Entrüstung hier nicht.
                      Darum geht es mir hier gar nicht. Sondern dass die Regierung (und unser ganzes Sozialsystem) hier insbesondere das Arbeitskräftepotenzial vor allem von Frauen im Blick haben, das Sozialsystem ist darauf ausgelegt, dass möglichst alle Vollzeit arbeiten. Aus frauenrechtlicher Perspektive unterstütze ich das, weil es Abhängigkeiten verringert.
                      Es löst aber nicht das praktische Problem, dass Care-Arbeit – egal ob bei Kindern oder Alten – zeitintensiv ist. Niemand ist in der Lage, den Leuten mehr Stunden am Tag zu verschaffen. Das Problem bleibt, entweder mehr Vergemeinschaftung in dem „alle“ für Kinder- und Altenbetreuung bezahlen. Und wenn du das zum individuellen privaten Problem erklärst, dann braucht es Lösungen, die Care-Menschen – die nicht Vollzeit arbeiten – irgendwie mitzufinanzieren.

                      Auch der schwer schuftende Bauerabeiter Willy mit seinen 3.000€ hat vielleicht Angehörige, die pflegebedürftig sind. Und das große Risiko, selbst einmal pflegebedürftig zu werden.
                      Ich schätze, die 20€ mehr Beitrag wären für Willy gar kein schlechter Deal, wenn er dadurch seine Angehörigen und später sich selbst gut versorgt wüsste und sein selbst gezimmertes Häuschen bis zum Ende seines Lebens behalten kann – vielleicht damit seine Kinder dann darin wohnen.
                      Es gab vor einer Weile eine Umfrage – bezog sich allerdings auf Rente – die ich ziemlich überraschend fand und da haben sich 63% für höhere Beiträge ausgesprochen, nur damit die Rente auf jezigem Niveau bleibt. Die Frage ob man noch einen höheren Anstieg für Verbesserungen in Kauf nehmen würde, wurde nicht mal gestellt. Zusätzlich: Eine deutliche Mehrheit erwartet eine stärkere Übernahme der Pflegekosten durch die Pflegeversicherung sowie die Ausweitung des Versichertenkreises in der Rentenversicherung.
                      https://www.vdk.de/aktuelles/aktuelle-meldungen/artikel/umfrage-mehrheit-ist-bereit-fuer-hoehere-beitraege/

                    • Stefan Pietsch 13. Juni 2026, 19:47

                      Sondern dass die Regierung (..) hier insbesondere das Arbeitskräftepotenzial vor allem von Frauen im Blick haben [müssen], (..)

                      Bitte beachte die Einfügung. Richtig ist, dass der Staat damit kalkulieren muss, da sonst die Rechnung nicht aufgeht. So steht es im Bericht zur Tragfähigkeit der Staatsfinanzen. Und das hat schon Olaf Scholz als Finanzminister geschrieben. Die Alternative wäre, dass die Regierung eine Erklärung abgibt: Wir sind bankrott und können die Ansprüche aus der Rentenversicherung nicht mehr grundgesetzkonform bedienen.

                      (..) das Sozialsystem ist darauf ausgelegt, dass möglichst alle Vollzeit arbeiten.

                      Jein. Der Staat hat nicht nur die Arbeitnehmerrechte gestärkt, die Arbeitszeit zu reduzieren, sondern er macht es durch das Steuersystem auch unattraktiv, viel zu arbeiten. Weiteres unten.

                      Und wenn du das zum individuellen privaten Problem erklärst, dann braucht es Lösungen, die Care-Menschen – die nicht Vollzeit arbeiten – irgendwie mitzufinanzieren.

                      Nun, generell ist ja das Problem, dass die Menschen überhaupt keine Lust mehr auf irgendwelche Form von Care-Arbeit haben. Die Deutschen bekommen extrem wenig Kinder und die geben sie noch besonders früh in die Krippe. Und bei der Pflege sieht es genauso aus. Ich habe ja davon geschrieben, dass in meinem Umfeld drei relativ vermögende Personen Pflege zumindest der untersten Stufe benötigen. Das machen aber nicht mehr die Kinder und Enkelkinder. Die haben ganz deutlich gesagt, dass sie das nicht tun werden (Frauen). Diese Personen sind jedoch vermögend genug, um sich die Pflege der einfachen Form (Pflegestufe I) finanziell problemlos leisten zu können. Ich verstehe nicht, warum es eine soziale Untat sein soll, diese komplett zu streichen. Die wenigsten brauchen das Geld.

                      Auch der schwer schuftende Bauerabeiter Willy mit seinen 3.000€ hat vielleicht Angehörige, die pflegebedürftig sind.

                      Wie gesagt, ich wehre mich nicht gegen eine Pflichtversicherung. Nur die Herren Blüm und Dressler sind heute im Grabe noch zu verprügeln, dies im Umlageverfahren organisiert zu haben. Jeder, der sich mit Finanzen beschäftigt, wusste bereits 1996, dass das in einer finanzwirtschaftlichen Katastrophe enden musste.

                      Ich habe den Betrag auch bewusst sehr niedrig gewählt. Würde man dem Willy die vermögende, aber pflegebedürftige Rentnerin zeigen, wäre seine Bereitschaft, einen Kneipenbesuch dafür zu opfern, dass die Alte ihren Sparstrumpf behält, mit Sicherheit gering.

                      Es gab vor einer Weile eine Umfrage (..) da haben sich 63% für höhere Beiträge ausgesprochen, nur damit die Rente auf jetzigem Niveau bleibt.

                      Also ich war nicht dabei. 😉 Außerdem musst die knapp die Hälfte abziehen, Bürger, die entweder kurz vor der Rente stehen oder bereits sich im Rentenbezug befinden. Klar erklären solche Leute, dass sich höhere Beiträge im Prinzip gut finden. Dann sind es schon nicht mehr so viele.

                      Heute veröffentlichte das IW eine Neuberechnung, dass in den kommenden zehn Jahren 4,3 statt der gedachten 3 Millionen Erwerbstätigen fehlen werden. Da kannst Du die Idee mit mehr professionellen Pflegern ohnehin in die Tonne kloppen.

                      Die Forscher schreiben:
                      Die Politik müsse daher mehr tun, um das Arbeitskräftepotenzial zu erhöhen, heißt es laut dem Blatt in der IW-Studie. Die Anwerbung ausländischer Fachkräfte sei noch „ausbaufähig“. Im Inland gebe es ungenutztes Potenzial vor allem bei ausländischen Frauen.

                      Zudem müsse die Pro-Kopf-Arbeitszeit gesteigert werden. „Von zentraler Bedeutung ist dabei die Frage, inwieweit arbeiten sich lohnt“, wird das Institut zitiert. „Selbst die meisten Vollzeitbeschäftigten könnten sich eine Ausweitung ihrer Arbeitszeit vorstellen, wenn die Belastung mit Steuern und Sozialbeiträgen geringer wäre.“

                      Jetzt fordere ich Dein links-sozialdemokratisches Gewissen heraus: Du sagst, Du würdest Deinem Chef nicht einfach Mehrstunden schenken. Aber wäre es für Dich nicht interessant, in der Woche vier Stunden mehr zu arbeiten, diese voll vergütet zu bekommen und den Großteil des Verdienstes behalten zu können – statt heutiger Abzüge von rund 70 Prozent?

                      Das Gemeine: Wenn Du das bejahst, kannst Du Dir jedes Argument, wir bräuchten irgendwo höhere Spitzensteuersätze, elegant in Deine schönen Haare schmieren. 🙂

                    • Ariane 13. Juni 2026, 21:18

                      Die haben ganz deutlich gesagt, dass sie das nicht tun werden (Frauen). Diese Personen sind jedoch vermögend genug, um sich die Pflege der einfachen Form (Pflegestufe I) finanziell problemlos leisten zu können. Ich verstehe nicht, warum es eine soziale Untat sein soll, diese komplett zu streichen
                      Aber das Problem, dass es IRGENDJEMAND tun muss, besteht doch weiterhin. Sich zu beschweren, dass Frauen das nicht mehr selbstverständlich und unentgeltlich machen, ist doch keine Lösung.

                      Ich habe den Betrag auch bewusst sehr niedrig gewählt. Würde man dem Willy die vermögende, aber pflegebedürftige Rentnerin zeigen, wäre seine Bereitschaft, einen Kneipenbesuch dafür zu opfern, dass die Alte ihren Sparstrumpf behält, mit Sicherheit gering.
                      Ich speicher das alles mal ab für die nächste Erbschaftsdikussion, die ja nicht ein Mü höher sein darf.
                      Aber das Beispiel war gut, weil es um Schonvermögen ging. und das ist ziemlich immer genau das eigene, selbstgenutzte Häuschen. Nicht Malocher Willy vs Millionärin. Und es ist eben nicht unwahrscheinlich, dass Malocher Willy selbst oder seine Eltern/Großeltern ein eigenes kleines Häuschen haben, das sie nicht verlieren sollen. Ich bleibe dabei, der Konsens hier ist eigentlich von links, rechts und gegenüber absolut überragend. Auch ich als bekennende Linke sage, das eigene selbstgenutzte Häuschen sollte immer und überall die Ausnahme sein.

                      Jetzt fordere ich Dein links-sozialdemokratisches Gewissen heraus: Du sagst, Du würdest Deinem Chef nicht einfach Mehrstunden schenken. Aber wäre es für Dich nicht interessant, in der Woche vier Stunden mehr zu arbeiten, diese voll vergütet zu bekommen und den Großteil des Verdienstes behalten zu können – statt heutiger Abzüge von rund 70 Prozent?
                      Du brauchst dazu mein Gewissen nicht herausfordern und btw schlägst du ja Alternativen vor, die nicht existieren. Unbezahlte Überstd vs Bezahlte Überstunden ohne Abschläge. Natürlich hätte ich am liebsten mein Bruttogehalt direkt auf dem Konto, aber eben nicht, wenn ich dafür Krankheit, Rente, Arbeitslosigkeit und Pflegebedürftigkeit komplett selbst finanzieren müsste.

                      Ich hab mir letztes Jahr auch meine Überstunden auszahlen lassen und habe mich jetzt für ein höheres Bruttogehalt statt Firmenwagen entschieden und nur die Schultern gezuckt, dass der Staat bei beidem einen Anteil bekommt.
                      Ich würde auch jetzt meine Stundenzahl erhöhen, wenn das Gehalt genau in dem Maße mitsteigt. Aber nein, verschenken tue ich es nicht, meine Arbeitskraft hat einen Wert.

                    • Stefan Pietsch 13. Juni 2026, 19:48
                    • Ariane 13. Juni 2026, 21:33

                      Ich weiß jetzt nicht genau, wofür das ein Beleg sein soll? Für Arbeitnehmer und Pflegekräfte sind das gute Nachrichten. Wettbewerb regelt, in den Pflegeberufen gab es in den letzten Jahren massive Lohnerhöhungen und Anwerbeprogramme aus dem Ausland. Ist immer noch ein Scheiß-Job, aber mittlerweile wird er immerhin gut bezahlt. Und du hast eben das Problem, dass es IRGENDJEMAND tun muss.
                      Dafür hast du bisher noch keine Lösung vorgeschlagen, außer der Mitteilung, dass Frauen das nicht mehr umsonst machen wollen.

            • CitizenK 11. Juni 2026, 17:48

              Ist sie, ja.
              Diese aber auch: Wieso soll man sparen, wenn man im Pflegefall genau so dran ist? Die ZEIT hat in der aktuellen Ausgabe etwas dazu: („Wär ich doch mit meiner Frau öfter in Urlaub gefahren“). Dann zahlt das Sozialamt, also letztlich der Steuerzahler. Hat jemand einen Lösungsvorschlag?

              • Stefan Pietsch 11. Juni 2026, 18:07

                Der objektive Fakt ist: Die Deutschen haben wenig Vermögen. Ich habe das schon oft ausgeführt. Warum das so ist, dafür gibt es viele Gründe, sicher auch, dass der Staat den Bürgern das Sparen abnimmt. Denn Sparen ist für Menschen kein Selbstzweck, sie tun das seit Jahrtausenden vor allem für die Zeit, in der sie nicht mehr arbeiten können.

                Die Generation meiner Eltern war noch anders gestrickt. Nicht jeder, aber viele. Die größte Angst meiner Mutter ist, dass sie mal pflegebedürftig werden könnte. Sie will uns Kindern nicht zur Last fallen. Dabei animieren meine Schwester und ich sie immer, sie endlich noch einige Reisen zu gönnen. Sie hat ein ordentliches Vermögen im sechsstelligen Bereich, sie ist die fitteste Mittachtzigjährige, die ich je kennengelernt habe. Ich rechne ihr gerade vor, wie lange ihre Einnahmen und ihr Vermögen im Falle der Pflege reichen würde.

                Eine andere, Mutter eines Schulfreundes von mir, verprasst alles und sagt offen, wenn nichts mehr da ist, kann ihr ja auch nichts passieren. Eigentlich eine wirtschaftlich vernünftige Einstellung.

              • Ralf 11. Juni 2026, 23:30

                Hat jemand einen Lösungsvorschlag?

                Ich denke, die fairste Lösung wäre die Pflegeversicherung tatsächlich so zu führen, wie es das Vericherungsprinzip, das Ariane oben ansprach, nahelegt. Wer sich einen gewissen Wohlstand erarbeitet hat – ein Haus, Wertgegenstände oder solide finanzielle Rücklagen – kann die behalten und muss sie nicht für die Pflege aufbrauchen. Es wird also niemand im Alter zum Sozialfall. Aber wer absehbar langfristig zum Kostenverursacher im Sozialsystem wird, sollte diese Werte dann auch nicht auf Kinder, Familienangehörige oder Freunde übertragen dürfen. Und nach dem eigenen Tod oder dem Tod der Ehefrau – was immer das spätere Ereignis ist – sollten die der Gesellschaft entstandenen Kosten aus dem Erbe beglichen werden.

                So wäre der, der sich etwas aufgebaut und erarbeitet hat, am Ende nicht schlechter gestellt als der, der sein ganzes Vermögen verprasst hat. Und nach dem Tod braucht der Verstorbene weder Haus noch Geld.

                • Ariane 12. Juni 2026, 18:05

                  Ja etwas in der Art fände ich auch sinnvoll. Rechtlich vermutlich unmöglich, weil das zwei verschiedene Bereiche sind und ressortübergreifend einfach wahnsinnig schlecht funktioniert.

                  sollte diese Werte dann auch nicht auf Kinder, Familienangehörige oder Freunde übertragen dürfen.
                  Ich bin da tatsächlich kein Freund von – also klar sollte man Dinge übertragen dürfen, aber dann zum Steuersatz, der bei einer Erbschaft fällig wäre. Oder ähnlich wie im SPD-Vorschlag, es wird zusammengelegt und es gibt einen einmaligen Freibetrag, der sowohl für Übertragungen als auch für Erbschaften gilt. Imo sorgt das nur für noch weitere schiefe Ebenen. Am Ende profitieren die, die überhaupt schützenswertes Vermögen haben und dann zusätzlich die mit Ressourcen da ausgeklügelte Steuervermeidungstricks eine Generation vor akuter Problematik anzuwenden (was logischerweise mit größerem Vermögen einhergeht) und zwar lange bevor wir Bereiche von 200 Wohnungen oder 26 Mio erreichen.

  • Erwin Gabriel 10. Juni 2026, 18:33

    @ Stefan Sasse

    1) Innovationen

    Die Automobilbranche wird mehr und mehr zu einem Mühlstein um den Hals der deutschen Volkswirtschaft, …

    Ich bewundere immer wieder Deinen Mut, mit dem Du Dich – bei Deinem selbsterklärten Kenntnis-Niveau – zu solchen Aussagen traust. Wenn die Autoindustrie so ein „Mühlstein“ ist, der uns am Hals hängt, schneiden wir sie einfach ab. Machen wir doch alles dicht, dann haben wir eine Belastung weniger an der Backe, und uns allen wird es sofort besser gehen. Bestimt …

    Dabei blockt sie zahlreiche Möglichkeiten.

    … die Dir sicherlich alle bekannt sind? Lass hören.

  • Erwin Gabriel 10. Juni 2026, 18:47

    Nachtrag zu 1) Innovationen

    Dazu kommt die Zerstörung eines innovativen und einst führenden Wirtschaftszweigs aus ideologischen Gründen, die die einstige Marktführerschaft Deutschlands bei der Solarenergie völlig verspielt haben.

    Die „ideologischen Gründe“ waren Geld. Die Chinesen haben hemmungslos kopiert und bei deutlich weniger Umwelt- und anderen Reglements so wie bei niedrigeren Löhnen billiger produziert.

    Manchmal hast Du Entwicklungen, gegen die Du nicht ankommst. KI wird viele Journalisten, Fotografen und Layouter arbeitslos machen, um nur mal ein Beispiel zu nennen. Dann sind die Verlage nicht alle blöd, sondern nur machtlos. Und werden ausgeschimpft, wenn sie Leute entlassen, weil sie Pleite gehen, oder wenn sie Leute entlassen, wil sie selbst mit KI arbeiten, um überlebensfähig zu bleiben. Immerhin beeindruckt die Absolutheit Deiner Aussage.

    Auch hier ist bemerkenswert, wie wenig in die Zukunft investiert wird: periodisch wird festgestellt, dass die Kapazitäten im Netz unzureichend sind, doch anstatt das vernünftig anzugehen, akzeptiert man einfach das Schneckentempo auf dem Gebiet.

    Wenn die Aufstellung eines Windrades von der ersten Entscheidung bis zum Betrieb teilweise 8 Jahre gedauert hat, ist das keine „Ideologie“ oder „mangelnde Investition in die Zukunft“, sondern einfach eine Scheiß-Bürokratie im Verbund mit einem Rechtsstaat, der jedem Deppen aus welchen Gründen auch immer Einspruchsrechte gewährt.

    Die Deppen findest Du dabei rechts („wir wollen unsere schöne Heimat nicht verschandeln“) bis links („wir wollen unsere schöne Natur nicht verschandeln“).

    Bezahlbaren Strom wollen dennoch alle, wenn auch nicht aus AKW, Kohlkraft, Gaskraftwerken, sondern aus Windrädern („aber nicht bei uns aufstellen“) und Photovoltaik-Flächen („aber nicht bei uns aufstellen“)

  • Erwin Gabriel 10. Juni 2026, 19:00

    2) Bafög

    Dieser Kommentar ist nur ein Kommentar zum Kommantar; zu BAFöG selbst habe ich keine ausgeprägte Meinung.

    Nicht nur wirft sie den Studierenden Faulheit vor, könnten diese doch einfach nebenher arbeiten …

    Hat sie gesagt : Die sind alle faul“ oder hat sie gesagt „die können ja arbeiten“? Ist definitiv nicht das Gleiche. Ich habe nebenbei gearbeitet, meine Kinder, die studiert haben, auch.

    <i<… sondern redet auch noch davon, dass es kein „Vollkasko-Studium“ geben könne …

    … eine Meinung, die ich teile.

    … (nebenbei, diese Vollkasko-Metapher scheint in der Koalition sehr beliebt zu sein).

    Und im Anspruchsdenken vieler Mitbürger: Kita darf nichts kosten, Studium darf nichts kosten, Krankenversorgung auf dem aktuellen Stand der Technik für alle (also auch für die, die sich selbst in eine gesundheitlich nicht-optimale Situation begeben haben), der Jobverlust darf nichts kosten etc.

    PS: Steuern, erst recht mehr Steuern, will auch keiner zahlen

    • CitizenK 10. Juni 2026, 20:42

      Die meisten BaföG-Bezieher arbeiten doch auch jetzt schon, gezwungenermaßen (und brauchen deshalb länger).
      Ausgerechnet eine „Forschungs-„Ministerin, die von ihrer Partei und der Politik gepampert privilegiert studiert hat, äußert sich derart kaltschnäuzig. Hat offenbar keine Ahnung von einem Bologna-Studium.

      • Stefan Pietsch 10. Juni 2026, 20:54

        Das ist Unsinn. Im Vergleich mit anderen Ländern sind deutsche Studenten gut ausgestattet.

        Ich habe in den Semesterferien das Geld für mein Studium verdient. Keine Reichtümer. Dennoch konnte ich mir noch dazu ein Auto leisten. Wie gesagt, es wäre sicher sinnvoll, die gesamte Unterstützung auf Darlehen umzustellen. Wir brauchen wirklich nicht mehr Absolventen von Gender Studies als Ingenieure.

      • Erwin Gabriel 11. Juni 2026, 09:23

        @ CitizenK 10. Juni 2026, 20:42

        Die meisten BaföG-Bezieher arbeiten doch auch jetzt schon, gezwungenermaßen (und brauchen deshalb länger).

        Wie geesagt, zum Thema BAFöG kenne ich mich nicht ausreichend aus, um eine auch nur halbwegs kompetente Meinung zu entwickeln.

        Du hast aber bei Deinen Kommentaren oft die Angewohnheit, so zu tun, als gäbe es nur eine Persona, und die ist gut. Meine Lebenserfahrung spricht dagegen.
        Ich war selbst Student, und kannte fleißige und faule Mitkomilitonen (ich ordne mich da mal nicht ein; ich bin nicht verpflichtet, mich selbst zu belasten). Ich kannte welche mit Geld von den Eltern und welche ohne. Die mit Geld gingen (wie sag ich das höflich) entspannter zu Werke. Die ohne Geld waren entweder fleißiger und schneller, oder sie brachen ab (auch das ist stark verallgemeinert).

        Man kann über die Ministerin jede Meinung haben, die man will. Aber solange es allein bei den BA-Studiengängen eine Abbrecherquote von fast 30% gibt, kann man doch annehmen, dass nicht jeder Student sein Studium mit der gebotenen Ernsthaftigkeit verfolgt.

        In diesem Zusammenhang kann man zu BAFöG doch durchaus geteilter Meinung sein.

        • CitizenK 11. Juni 2026, 10:01

          Unsere Kinder mussten/ müssen während des Studiums arbeiten – geht gar nicht anders. BaföG reicht einfach nicht. Ich selbst hatte BaföG auf Darlehensbasis (2. Bildungsweg) und musste deshalb schnell fertig werden. Examen mit guten Noten (hallo, Herr Pietsch), aber meiner (Aus-)Bildung hätte mehr Zeit gutgetan. Was fehlt, zeigt sich nicht in Prüfungsnoten. Und das war vor Bologna.
          Ich kann mir, denke ich, eine Meinung zu BaföG erlauben. Auch zur der Bürokratie. Bis das Geld kommt, vergeht oft ein halbes Jahr nach dem Antrag. Der ist so kompliziert, dass immer irgend ein Nachweis fehlt. Miete (Kaution!), Krankenversicherung usw. warten aber nicht und auch Studenten müssen von etwas leben. Die Kaltzschnäuzigkeit dieser Ministerin macht mich echt sauer. Wenigstens hier ist es gut, dass es die SPD noch gibt. Nach Wirkung sieht es allerdings nicht aus.

          • Stefan Pietsch 11. Juni 2026, 11:12

            Und? Die Semesterferien betragen fünf Monate. In der vorlesungsfreien Zeit passiert meist wenig bis gar nichts. Man schreibt vielleicht innerhalb von 2-4 Wochen eine Seminararbeit oder einmal eine Diplom-/Bachelor-Arbeit. No big deal.

            Ich habe in der Zeit ordentlich gejobbt, dazu noch auf die Zahlung von Sozialabgaben verzichtet und damit nicht schlecht als Student gelebt. Und dazu bekam ich noch BAföG. Besser geht’s eigentlich nicht.

            Und nein, da fehlt am Ende nichts. Das European Credit Transfer System geht von einem wöchentlichen Zeitaufwand von 25-30 Stunden aus, praxisnahe Studien haben 18-22 Stunden gemessen, die junge Leute ihrer Ausbildung widmen. Für den ersten Anlauf zum Examen habe ich ein halbes Jahr Vorbereitung eingeplant. Den habe ich geschmissen, denn nach sechs Monaten fühlte ich mich weniger denn je vorbereitet weil alles vergessen.

            Sie vergessen, dass das, was Sie an Zeit für sich fordern, von jemanden bezahlt werden muss. Gehen Sie arbeiten, dann wissen Sie, ob Sie sich so etwas überhaupt leisten können und damit auch, ob es sich lohnt. So haben wir rund 4.000 für das Fach Gender Studies. Was wollen die später damit machen?!? Ich sag’s Ihnen: In unserem Freundeskreis gibt es so einen Vogel. Die erklärt ihrer nichtstudierten Mutter permanent, wie sie richtig zu sprechen habe. Vor einigen Wochen war sie backpacking in Südostasien. Das Töchterchen bekam allerdings Panik und musste unbedingt sofort zurückfliegen. Wer den Flug bezahlen musste? Ach so, ihre nichtstudierten, nicht-gendernden Eltern. Wer da keinen Hals bekommt, hat wahrscheinlich keinen.

          • Erwin Gabriel 13. Juni 2026, 19:31

            @ CitizenK 11. Juni 2026, 10:01

            Meine Erfahrung ist, dass Geld allein keine Probleme löst. Wenn ich eine Uni-Zulassung habe, aber keine Wohnung, habe ich Pech. Habe ich eine Wohnung und kann sie nicht bezahlen, habe ich Pech. Habe ich allerdings alles und bin nicht schlau oder fleißig genug, geht das Studium auch schief.

            Ich bin mit Realschulabschluss in eine Elektriker-Ausbildung gestartet; zu diesem Zeitpunkt waren meine Eltern mit sich und ihrer Scheidung beschäftigt und hatten anschließend so wenig, dass ich den Rest allein wuppen musste. Diese Erfahrung hat mir gezeigt, was geht, wenn man will.

            Natürlich leben wir inzwischen in anderen Zeiten, die ich (gerne zugegeben) nicht mehr beurteilen kann. Studiengänge haben sich verändert, der Wohnungsmarkt hat sich verändert, und in den Unis stehen sich die vielen Studenten oft im Weg, ist nicht für jeden in jeder Vorlesung ein Sitzplatz frei. Willkommen im Leben.

            Ich sehe BAFöG (gerade, weil ich nichts bekam, weil meine Kinder nichts bekamen) mit durchaus gemischten Gefühlen. Sich anekdotisch und emotional eine Meinung zu bilden gibt nicht die kompetentesten Urteile, deswegen nehme ich bis auf Weiteres alles, was Du mir technisch / informell zu BAFöG sagst, gerne als Faktum an.

            Was ich mir nicht aneignen mag, ist Dein Blick, auf die Dinge zu schauen. Dein Maßstab scheint zu sein: „Was brauchen die Menschen? Das sollen sie haben“. Meiner ist eher: „Was können wir uns leisten? Mehr wird nicht ausgegeben“.

            Wie schon mal an anderer Stelle gesagt, beneide ich Dich um Deinen Idealismus, aber teilen kann ich ihn nicht. Vielleicht hat mich die Realität einmal mehr gebeutelt als Dich …

  • Ralf 10. Juni 2026, 21:26

    zu 4) “Reformen”

    Deine Feststellung, dass Reformen unbeliebt sind, ist eine Binsenweisheit. In der Politik wird grundsätzlich nichts angerührt, wo nicht bereits die Hütte brennt. Wo nicht bereits eine schwere Krise besteht, die man nicht länger ignorieren kann. Wenn aber eine schwere Krise besteht, die man nicht länger ignorieren kann, dann kann die Lösung immer nur das Hinnehmen von heftigen, schmerzhaften Einschnitten sein. Das kennt man doch aus der eigenen Welt. Wenn man pleite ist, dann muss man sich einschränken. Angenehm ist das nie.

    Allerdings kann man die Bürger zur Einsicht bewegen und Unterstützung und Buy-in bekommen. Jedoch nur, wenn Politik und Medien klar und unisono kommunizieren. Ein hervorragendes Beispiel sind die ersten Wochen der Covid-Pandemie gewesen, als alle Parteien und großen Medien mit einer Stimme sprachen. Selbst heftige Einschränkungen ohne Präzedenz in unserer Lebenszeit wurden positiv angenommen, weil alle begriffen, um was es ging. Als kurz nach dem ersten Lockdown der Konsensus dann zerbrach, die Politik sich zerstritt, Politiker ihre Karriere vor das Landeswohl stellten und Medien – back to usual – mit Reizthemen und Streit Kohle machen wollten, war auch die breite Bereitschaft der Bevölkerung Erschwernisse mitzutragen am Ende.

    Und deshalb ist Deutschland mit den gegenwärtigen Medien unreformierbar.

    • Lemmy Caution 10. Juni 2026, 21:44

      Du bist mit deinem top down Staatsglauben wirklich konsequent.
      Viele empfanden die Pandemie als grosse staatliche Gängelung. Ich hab mal per Zufall auf einem Hotelbalkon die Klagen einer Hotelpächterin in der niedersächsischen Provinz zugehört. Das war echt erschütternd. Wenn den Leuten als Alternative nur die leeren Versprechen der AfD einfallen, ist das natürlich nur das Gegenteil einer Lösung.
      Wie ich ja schon mehrfach angemerkt habe, halte ich die technologische Aufstieg Chinas für den stärksten Grund unserer Verunsicherung gegenüber unserer positiven Narrative. Auch Diktaturen können Innovation. Das ist der Schock.

      • Ralf 10. Juni 2026, 22:05

        Viele empfanden die Pandemie als grosse staatliche Gängelung

        Während des ersten Lockdowns entspricht das überhaupt nicht meiner Erinnerung. Im ersten Lockdown haben die allermeisten aus Überzeugung mitgemacht. Erst als anschließend der Konsens unter den gesellschaftlichen Eliten – Medien und Politik – in das übliche Gerangel um Profilierung und Schlagzeilen auseinanderfiel, stieg der Unmut, weil wachsende Teile der Gesellschaft den Lügen glaubten, die gemeinsame Anstrengung sei garnicht nötig.

      • Ariane 10. Juni 2026, 22:29

        Ich hab mal per Zufall auf einem Hotelbalkon die Klagen einer Hotelpächterin in der niedersächsischen Provinz zugehört
        Hu. Beim nächsten Besuch in der niedersächsischen Provinz aber Bescheid sagen und zum Kaffee verabreden bitte! 😀

  • sol1 10. Juni 2026, 22:23

    a) Das hast du aber in allen Lagern. Die Wähler wollen Politiker, mit denen sie sich identifizieren können (und da ist es auf einmal kein Makel mehr, wenn der Kandidat Scheiße auf Reddit geschrieben hat, weil wir alle schon mal im Internet über die Stränge geschlagen haben). Da hast ja auch oft genug geschriebnen, daß Politik immer auch *Identitäts*politik ist.

    Deswegen feiert Herr Pietsch auch Wolfgang Kubicki – nicht wegen seiner tollen politischen Ideen (die er nicht hat), sondern weil er sich viel besser mit ihm identifizieren kann als mit MASZ.

  • Ariane 10. Juni 2026, 23:36

    Gerade diesen ganz spannenden Artikel gelesen, der sich um Subventionen für Unternehmen und Rasenmähermethode dreht:

    https://www.spiegel.de/wirtschaft/subventionen-abbauen-und-spielraum-fuer-steuer-reformen-schaffen-her-mit-dem-rasenmaeher-a-e8199c08-7ce2-427a-8e39-8085a6cfb41b?giftToken=f48f9541-530c-4a05-b5bd-6e8a4fe52503

    Er ist mir besonders ans Herz gewachsen, weil zwei Dinge erwähnt werden, mit denen ich schon öfter zu tun hatte.

    1. der Handwerkerbonus
    Null Plan, ob es auch nur einen Handwerksbetrieb gibt, dem das irgendwie nutzt (Bundesrechnungshof sagt nein). Dem Betrieb, in dem ich tätig bin, auf jeden Fall nicht, wir haben nur den Bürokratie-Irrsinn. Regelmäßig brechen Diskussionen um die Kriterien aus, gerade wochenlang, ob eine Leckortung eine reine Dienstleistung oder eine Handwerksleistung ist oder ob alles was wir abrechnen eine Handwerksleistung ist, weil wir ja ein Handwerksbetrieb sind.
    Eh man es sich versieht, stellt man sich die philosophische Frage, was eine Handwerksleistung zu einer Handwerksleistung macht und der Arbeitstag ist vorbei (Sowas hat Friedrich Merz noch nie bemängelt!)

    2. Und für die Unterstützung der energetischen Gebäudesanierung halten staatliche Stellen derart viele Programme, Kredithilfen und Steuervorteile bereit, dass die zuständigen Behörden die Suche nach verbotener Mehrfachförderung weitgehend eingestellt haben. Eine »gerechte und gleichmäßige Besteuerung«, heißt es in Berichten an die Ämter, sei »nicht mehr gewährleistet«.
    Nichts gegen das Ziel an sich, aber das ist tatsächlich völlig aus dem Ruder gelaufen und vermutlich ein eigenes Dienstleistungsfeld für Förderungsberater oder so geworden.
    Es gibt unterschiedliche Förderungen für unterschiedliche Dinge (dazu noch Bund, Land, Kommune, Deutsche Bahn (kein Scherz!)) jedes mit eigenem Büchlein mit Kriterien und was das für Mieter, Vermieter, Eigennutzer und Schwippschwager Paul bedeutet.

    Mein Dad hat das mal in größerem Stil für eins seiner Objekte durchgezogen und er hat den Vorteil, dass er amtsdeutsch kann und einen Haufen „Wohnungsleute“ kennt. Und bis zum Antrag sind zwei Jahre ins Land gegangen, so richtig mit Sanierungsfahrplan über Jahrzehnte und Angebote von unterschiedlichen Gewerken (die alle NULL Bock auf sowas haben) und ob die 10 Jahre später nicht weg, bocklos oder ausgebucht sind, weiß man ja eh nicht.

    Also eine Pfadentscheidung, einfach und schnelle Einzelförderungen oder nur noch Großprojekte wäre eigentlich dringend nötig.

    • cimourdain 11. Juni 2026, 08:11

      Der „Handwerkerbonus“ ist nichts, was dem Betrieb nutzt, sondern dem Privatkunden, der die Rechnung (Arbeitsanteil) als ‚haushaltsnahe Handwerkerleistung oder Dienstleistung‘ steuermindernd geltend machen kann. Das gilt auch wenn das gar nicht an ihn direkt geht, sondern über die Hausgeldabrechnung ausgewiesen wurde. Praktisches einfaches ‚Steuerprivileg‘ , das auch für die breite Masse funktioniert.

      • Erwin Gabriel 11. Juni 2026, 11:08

        @ cimourdain 11. Juni 2026, 08:11

        Der „Handwerkerbonus“ ist nichts, was dem Betrieb nutzt, sondern dem Privatkunden, der die Rechnung (Arbeitsanteil) als ‚haushaltsnahe Handwerkerleistung oder Dienstleistung‘ steuermindernd geltend machen kann.

        Es sollte grundsätzlich so sein, dass auch Privatleute Dienstleistungen (bzw. den Arbeitsanteil) von der Steuer absetzen können, solange die Leistung gegen Rechnung abgegolten wird. Würde die Schwarzarbeitsquote erheblich mindern..

        • cimourdain 11. Juni 2026, 14:02

          Das war genau das Argument für den Steuerbonus „haushaltsnahe Dienstleistungen“ . Die Idee auf andere Leistungen zu verallgemeinern – zum Beispiel auf Reparaturen – ist jetzt auf den ersten Blick keine dumme Idee, aber ich wüsste jetzt keinen Politiker, der so etwas vorgeschlagen hat.

          • Ariane 11. Juni 2026, 18:00

            Offiziell heißt es Handwerksleistungen und haushaltsnahe Dienstleistungen und die Regelung gibt es seit 2006.
            Und ja Reparaturen und Sanierungen gehören da rein. Die Diskussionen drehen sich eher um Handwerksleistungen, die genau das nicht sind. Wie eben Leckortungen oder Wartungen und es muss auch im Haus sein und darf keine Außenleitung oder ähnliches betreffen.

            Zudem gab es noch vor recht kurzem die Neuerung, dass der Bonus nur gilt, wenn direkt an den Handwerker überwiesen wird und nicht an Vermittler. Was schon ein Hinweis darauf ist, dass es nicht nur um die kleine Privatperson in seinem Häuschen geht.

      • Ariane 11. Juni 2026, 17:25

        Richtig und ich weiß das, ich kenne auch Hausgeldabrechnungen. Aber er ist ein Projekt der Handwerkslobby damals – und teils heute auch noch – weil man die Schwelle niedriger halten wollte, eben Handwerksunternehmen zu beauftragen statt selbst zu malen oder es schwarz zu machen. Sicherlich guter Gedanke, mehr Aufträge für Handwerksbetriebe und eben Steuerprivileg für Eigentümer. Heute vermutlich schon deshalb witzlos, weil die Handwerksbetriebe mit Auftragsmangel extrem rar gesät bis nichtexistent sind.

        • Dennis 12. Juni 2026, 11:06

          Zitat Ariane:
          „und eben Steuerprivileg für Eigentümer.“

          Wenn Mieter qua zulässiger Umlage (Wartungen u.ä.) letztlich belastet werden, muss ich den Steuervorteil aber – bin leidgeprüfter Kleinvermieter einer Eigentumswohnung – abgeben und ich krieg nix 🙁

          • Ariane 12. Juni 2026, 16:29

            Nicht so hastig mit den Privilegien! Eigentlich darf es sogar nur der Mieter als Steuerprivileg anwenden, weil es ein Privileg im eigenen Haushalt ist
            Vermieter müssen das als Werbungskosten absetzen. Kann man sich dann 1. streiten, ob etwas eine begünstigte Handwerksleistung ist und 2. ob es umlagefähig ist und 3. in unseren Fällen auch gerne noch, ob das denn ein Versicherungsfall ist (falls wer denkt, das ist ein staatliches Problem^^)
            Am Ende betrifft das noch eine WEG mit 100 Wohneinheiten und dann hat man da schnell etliche Instanzen zwischengeschaltet.

            SO ungewöhnlich ist das nicht mehr und daher finde ich die Frage, ob man da nicht hauptsächlich eine ABM für Steuerberater und Anwälte ins Leben gerufen hat, nicht unberechtigt. Der Bundesrechnungshof hat selbst schon mind. einmal bemängelt, dass der Sinn und Zweck nicht feststellbar ist.

  • cimourdain 11. Juni 2026, 13:55

    Nachtrag zu 4) Wir sollten jedoch bei alldem nicht vergessen, warum der Sparbedarf bei Alten, Kranken, Pflegebedürftigen, Eltern und Arbeitnehmern da ist – Sie leben einfach über ‚unsere‘ Verhältnisse:
    https://www.welt.de/politik/deutschland/article6a297b24ea999df7b414a4e9/neue-strategie-35-milliarden-euro-fuer-verteidigung-im-all-merz-kuendigt-deutsche-raumfahrt-offensive-an.html

  • Thorsten Haupts 12. Juni 2026, 23:16

    Zu 1)

    Die Zerstörung eines innovativen Sektors in Deutschland (Solarzellen) ist ein nicht totzukriegender Mythos in der „progressiven“ Linken. Faktisch war es einfach so, dass sich das Wissen um die Produktion von Solarzellen soweit verbreitet hatte, dass jede/r sie produzieren konnte. Weltweit. Und da waren deutsche Preise schlicht nicht mehr wettbewerbsfähig, Ende des Märchens. Zum Zeitpunkt dieses marktwirtschaftlich völlig normalen Endes gab es nach meiner Erinnerung in Deutschland nur noch genau ein produzierendes Unternehmen. Und Solar war zu diesem Zeitpunkt schon lange nicht mehr „HighTech“.

    Gruss,
    Thorsten Haupts

  • CitizenK 13. Juni 2026, 07:00

    „marktwirtschaftlich völlig normal….“ ist es nicht, wenn der ausländische Wettbewerber massenhaft staatlich subventioniert wird. War (ist?) wohl auch bei den E-Autos so.

    Davon abgesehen finde ich immer noch völlig unverständlich: Die Sonne liefert uns viel zu viel Energie (Erderwärmung), aber statt alles Wissen und jede Anstrengung zu deren Nutzung einzusetzen, wird dagegen argumentiert und agitiert. Dabei ist das weder links noch woke, sondern schlicht sinnvoll, auch ökonomisch, vor allem langfristig und geopolitisch. Der Standard-Einwand Dunkelflaute wird gerade durch die Speichertechnologie weg, das Kosten-Argument durch Fraunhofer widerlegt.

    • Stefan Pietsch 13. Juni 2026, 14:35

      Ich welchem OECD-Land kann man nochmal Solarzellen zu wettbewerbsfähigen Preisen produzieren?

      Eines sonnigen Abends blickt der CEO der „Kann-&-Soll-GmbH“ in seine Abschlusszahlen. Im fällt nicht nur das tiefe Rot am Ende der Zahlenreihen auf, sondern auch, dass diese sehr stark durch die extrem gestiegenen Kosten eines Lieferanten verursacht wurden. Am nächsten Tag stellt er seinen Einkaufsleiter C.K. zur Rede. Der erklärt ihm, dass er eigentlich kostengünstig bei dem neuen Lieferanten große Abnahmemengen vereinbart hat. Wie viele das den seien, fragt ihn der CEO (ein harter Hund). Das könne C.K. nicht genau sagen, aber im Zweifel weit mehr als die „Kann-&-Soll-GmbH“ benötige, weshalb man auf alle anderen Lieferanten verzichten könne.

      Es stellten sich dann bei der Ursachenforschung noch weitere Probleme heraus. Die Lager sind in den Sommermonaten übervoll, die Lieferungen können eigentlich nicht mehr abgenommen werden. Doch der Liefervertrag sieht im Falle der Annahmeverweigerung hohe Konventionalstrafen vor. Der Lieferant empfiehlt als Lösung (C.K. stimmt begeistert zu), doch das Lager um den Faktor 5 zu vergrößern. Der Hinweis des CEOs, dass damit doch auch erhöhte Lagerkosten verbunden werden, kontert C.K. mit den angeblich niedrigeren Einkaufskosten.

      Wobei das bei genauer Betrachtung nicht ganz richtig ist. Der Lieferant selbst hat die Nutzungsfläche seines Betriebs um den Faktor 100 erhöht. Der Ärger mit den Anwohnern und Naturschutzwächtern wurde vom befreundeten Politiker glattgebügelt. Die Investitionskosten muss allerdings die „Kann-&-Soll-GmbH“ tragen. Sie belaufen sich auf den zweifachen Jahresumsatz.

      Um die Wogen der Erregung zu glätten, schlägt der Unternehmensstratege D.S. vor, die Firma doch direkt zum Lieferanten zu verlagern, um Lagerkosten zu sparen. Alternativ könne die „Kann-&-Soll-GmbH“ ihre Produktion doch den zugegeben umkoordiniert laufenden Lieferungen anpassen.

      An dieser Stelle droht der hochrote Kopf des CEOs zu platzen. Als erste Notmaßnahme entlässt er sofort den Einkaufsmanager C.K. und den Strategen D.S. Anschließend beauftragt er die Unternehmensberatung S.P. mit dem Verkauf der im Wert ordentlich gesunkenen „Kann-&-Soll-GmbH“.

      Jeder erkennt in der Parabel den ökonomischen Wahnsinn, weil kein vernünftiger Mensch so handeln würde. Übrigens auch kein vernünftiges Land, weshalb es auf dieser Erde nur ein einziges Beispiel für diesen Wahnsinn gibt.

      • CitizenK 13. Juni 2026, 17:21

        Sorry, ich verstehe die Parabel nicht. Es geht doch nicht nur um die Herstellung der Panels.

        • Stefan Pietsch 13. Juni 2026, 17:30

          Es geht nicht um Panels, sondern die Gewinnung von regenerativer Energie.

          • CitizenK 16. Juni 2026, 15:40

            Wie machen die das in Südostasien?
            „In Vietnam waren vergangenes Jahr fast 40 Prozent der neu verkauften Autos elektrisch. Mit Vinfast hat Vietnam auch einen eigenen E-Auto-Hersteller. Thailand steht bei 25 Prozent und damit nahe am europäischen Niveau. E-Mobilität wächst in vielen asiatischen Ländern rasant.“
            https://www.n-tv.de/wirtschaft/Deutschland-zoegert-Vietnam-und-Thailand-ziehen-vorbei-id30949293.html?utm_source=firefox-newtab-de-de
            Wer dort auf einen Markt für „hocheffiziente Verbrenner“ gehofft hatte, lag wohl falsch.

            • Stefan Pietsch 16. Juni 2026, 17:47

              Vinfast wurde 2017 gegründet. Ich habe absolut nichts dagegen, wenn junge Leute im Konzert mit Risikokapitalgebern hier ein neues Unternehmen gründen. Ach so, junge Leute werden lieber Beamte. Ach, mit Risikokapital ist es in Deutschland auch nicht so weit her. Na dann.

  • Thorsten Haupts 13. Juni 2026, 08:49

    Hat nur alles mit dem Argument, die Politik habe einen innovativen Sektor abgewürgt, überhaupt nichts zu tun. Der Solarausbau ging ausweislich der Zahlen ungebremst weiter. Und ich bin kein Gegner regenerativer Energien.

    • CitizenK 13. Juni 2026, 17:19

      Bei dem Argument geht es um das Ende der Einspeisevergütung unter Altmaier? Also um eine indirekte Subvention. Nach den mir zugänglichen Informationen wurde auch die Panel-Fertigung in China subventioniert, die Überkapazitäten aber auch aus geopolitischen Erwägungen geschaffen. Soweit richtig? Ob die deutsche Solarindustrie in diesem Wettbewerb bestanden hätte, kann ich nicht beurteilen. Auch Montage und Wartung schaffen Jobs. Und da ginge noch viel: Parkplätze wie in Frankreich, Straßen und Radwege in in NL usw.

  • Erwin Gabriel 13. Juni 2026, 19:58

    @ CitizenK 13. Juni 2026, 17:19

    Nach den mir zugänglichen Informationen wurde auch die Panel-Fertigung in China subventioniert, …

    Du hast, vermute ich, nur wenig Einblicke in das, was in China abgeht?
    Nimm den Bau des Flughafens Berlin-Brandenburg als Beispiel (mit Blick auf die Elbphilharmonie, Stuttgart 21 oder die Kölner Oper ein typisches Beispiel):
    – Bauzeit: etwas über 14 Jahre
    – Passagieraufkommen geplant: 43 Mio. Passagiere
    – Passagieraufkommen real: 26 Mio. Passagiere (2025)
    Im gleichen Zeitraum hat China 94 Flughäfen gebaut.

    Ein anderes Beispiel:
    Der Anteil der Sozialkosten am Bundeshaushalt liegt in Deutschland bei über 50%, in China unter 15%. Der Chinesische Staatsaushalt ist etwa doppelt so groß wie der deutsche, China hat aber ca. 17x so viele Einwohner wie Deutschland.

    Ich will nicht darauf abzielen, dass wir hier chinesische Verhältnisse brauchen. Aber jedem sollte klar sein, welche Möglichkeiten China hat, in welch irrwitzigem Tempo, mit welcher Rücksichtslosigkeit sie ihre Industrie seit Jahrzehnten ausbauen. Wer unter solchen Bedingungen sagt, man hätte hier eine Technologie freiwillig aufgegeben, liegt – das ist der freundlichste, höflichste Kommentar, zu dem ich unter diesen Umständen fähig bin – einfach falsch. Und die Aussage wird nicht dadurch richtiger, dass man sie Jahr für Jahr wiederholt. Was Altmeier gesponsert hat oder nicht, ist im Vergleich zu dem, was uns da gegenübersteht, belanglos.

  • Stefan Pietsch 14. Juni 2026, 10:04

    @Ariane

    Ich mach mal hier weiter.

    Aber das Problem, dass es IRGENDJEMAND tun muss, besteht doch weiterhin. Sich zu beschweren, dass Frauen das nicht mehr selbstverständlich und unentgeltlich machen, ist doch keine Lösung.

    Nein, das ist nicht das Problem. Damit machen wir uns über etwas Gedanken, wo man sich in der Welt weitgehend keine zentralen Gedanken macht. Es folgt der aus den linken Milieus entstandenen Ideenkorb, generell Care-Arbeit zu monetarisieren. Schon in den Achtzigerjahren tauchte die Idee auf, den Hausfrauen ein Gehalt zuzuerkennen.

    Freiheitlich-marktwirtschaftlich gedacht ist es so: Wo ein Bedarf, da auch ein Markt. Die Pflege ist kein Markt, sie ist ein staatlich organisiertes Versorgungssystem mit allen Mängeln, die solche Systeme in staatlicher Hand haben: Zu teuer, zu wenig, zu schlecht die Qualität. Ich habe ja schon meine Nahschau angeführt: In zwei Fällen sagen Frauen, sie machen es nicht. Aber die pflegebedürftigen Personen haben genügend Geld, sich Leute dafür zu kaufen. Wozu braucht es da den Staat und staatlichen Zuschuss der Pflegeversicherung? Völlig unnötig! In dem dritten Fall übernimmt die (leichte) Pflege ein Freund der Familie. Möglicherweise bekommt er dafür einen finanziellen Ausgleich. Möglicherweise wird er beim Erblassen bedacht. Das geht nur niemanden etwas an.

    Ich speichere das alles mal ab für die nächste Erbschaftsdiskussion, die ja nicht ein Mü höher sein darf.

    Du kannst mit mir jederzeit über die Erbschaftsteuer diskutieren und auch deren Erhöhung. Mein Problem an der Stelle ist immer zweigeteilt, weshalb ich sie beende, bevor sie angefangen hat: Meine Grundbedingung wird nicht akzeptiert und die Unehrlichkeit der Argumentation.

    Linke und Ökonomen begründen die Erbschaftsteuer mit der Vermögensungleichheit der Gesellschaften. Erbschaften würden die Ungleichheit zementieren. Ungeachtet ob das Argument tatsächlich gilt, folgt daraus, dass mit den Einnahmen die Vermögensbildung für die Lebenden nach Möglichkeit erleichtert werden muss. Da Vermögen aus Einkommen entsteht, ist die zwingende Konsequenz, mit den Einnahmen die Steuern auf Einkommen zu senken – und zwar gerade für die oberen fünfzig Prozent, da nur sie in den entwickelten Gesellschaften zur Bildung von nennenswerten Vermögen in der Lage sind.

    Wenn die Diskussion sich aber nur darum drehen soll, dem Staat weiter mehr Einnahmen zu verschaffen, mache ich nicht mit. Das ist eine eigene Diskussion, ob der Staat genügend, zu viel oder zu wenig Einnahmen hat. Die Befürworter von zu wenig finden immer Argumente, warum diese oder jene Zusatzeinnahme jetzt ganz sinnvoll sei.

    Du wirst die Werbung mitbekommen haben, wo Finanzinstitute damit werben, dass ältere Menschen bei ihnen ihr Wohneigentum belasten können, um sich mit dem Geld noch einiges leisten zu können. Das ist moralisch kaum verwerflich. Pervers wird es, wenn wir sagen, das Verjuckeln des Klein-Häuschens für die Weltreise geht in Ordnung, aber im Pflegefall muss das Eigentum geschont werden und die Allgemeinheit zahlen. Wie gesagt, das ist in meinen Augen das Gegenteil von sozial.

    [Du] schlägst (..) ja Alternativen vor, die nicht existieren. Unbezahlte Überstd vs Bezahlte Überstunden ohne Abschläge.

    Liebe Ariane, das ist geltendes Recht. Okay, nicht in diesem speziellen Fall, aber in anderen. Wir lassen die Zuschläge auf Überstunden teilweise steuerfrei, wir ermöglichen Älteren steuer- und sozialabgabenfrei Einkommen zu beziehen oder diskutieren es zumindest. Dass ich das alles aus systematischen Gründen ablehne, spielt hier keine Rolle. Es ist vom Gesetzgeber her möglich. Und ich zeige das Problem am Beispiel meiner Frau auf: Sie hat ihre Arbeitszeit um zwanzig Prozent reduziert, hat aber nur 12 Prozent weniger Einkommen. Genau umgekehrt: Wer fünfundzwanzig Prozent mehr arbeitet, hat am Ende nur 14 Prozent mehr. Dann ist doch logisch, dass die Menschen nicht mehr arbeiten wollen. Die Kosten des Staates wie der Sozialkassen sind ja schon vorher gedeckt, durch die Mehrarbeit entstehen dem Staat keine zusätzlichen Aufwendungen. Warum soll er mehr Einnahmen bekommen? Okay, das ist philosophisch, eigentlich argumentiere ich dynamisch: Wenn der Staat Steuern und Abgaben niedriger halten würde, würden die Leute mehr arbeiten, weil es sich für sie persönlich mehr lohnt. Die Studie des IW unterstreicht die Richtigkeit der Annahme.

    Aber nein, verschenken tue ich es nicht, meine Arbeitskraft hat einen Wert.

    Können wir das sein lassen, bis Du ein relevantes Regierungs- oder Parteimitglied bringst, dass genau dies fordert? Unbezahlte Mehrarbeit ist nichts anderes als eine Lohnsenkung und die fordert heute keiner. Aus über dreißig Jahren Erfahrung in leitenden Positionen im Finanzbereich kann ich Dir sagen, dass die Auszahlung von Überstunden in Deutschland die absolute Ausnahme darstellt. Fast überall wird das mit Freizeit verrechnet, auch auf Wunsch der Mitarbeiter. Die wenigsten möchten es sich leisten, 70 Prozent ihres Einkommens an den Staat zu verschenken.

    • Ariane 15. Juni 2026, 00:15

      Aber das Problem, dass es IRGENDJEMAND tun muss, besteht doch weiterhin. Sich zu beschweren, dass Frauen das nicht mehr selbstverständlich und unentgeltlich machen, ist doch keine Lösung.

      Nein, das ist nicht das Problem. Damit machen wir uns über etwas Gedanken, wo man sich in der Welt weitgehend keine zentralen Gedanken macht.

      Ok, das ist erstaunlich und es stellt sich die Frage, warum wir denn debattieren?
      Ich erlaube mir auf den Ausgangspunkt zu verweisen. Wir leben in einer alternden Gesellschaften und Menschen werden pflegebedürftig. Das Risiko tragen wir alle für uns selbst und unsere Angehörigen. Es kann passieren, ob jemand arm ist oder reich, ob jemand immer gesund gelebt hat oder nicht. Es betrifft auch nicht nur 90jährige. Ein Onkel von mir hatte MS, der war jahrelang pflegebedürftig und ist dann mit 50 gestorben.

      Zusätzlich dreht sich die Diskussion um die Kosten einer Heimunterbringung. Nun weiß ich nicht, wie groß deine Erfahrungen sind, welche Leute in Pflegeheimen untergebracht sind. Aber wir reden hier eben nicht von ein bisschen Einkaufshilfe oder Haushaltshilfe. Wir reden hier von Leuten, die nicht mehr alleine aufs Klo gehen können. Die nicht mehr in der Lage sind, sich zu waschen oder selbständig Mahlzeiten zu sich zu nehmen. Die häufig nicht mehr klar genug im Kopf sind, alleine zu bleiben, weil die Gefahr besteht, dass sie im Winter falschgekleidet verloren gehen oder versehentlich das Haus in Brand setzen.

      Und du meinst wirklich, die Frage, dass diese Versorgung IRGENDJEMAND leisten muss, spielt keine Rolle? Du kannst ja gerne sagen, ein staatlich organisiertes Pflegeheim ist nicht die richtige Lösung. Aber dann braucht es ja eine andere, weil diese pflegebedürftigen Menschen, die eine 24/7-Vollversorgung benötigen, immer noch existieren.
      Wenn Pflegebedürftigkeit kein Problem darstellt, brauchen wir auch nicht darüber diskutieren, wer das leistet und wie wir das bezahlen.

      Du wirst die Werbung mitbekommen haben, wo Finanzinstitute damit werben, dass ältere Menschen bei ihnen ihr Wohneigentum belasten können, um sich mit dem Geld noch einiges leisten zu können. Das ist moralisch kaum verwerflich. Pervers wird es, wenn wir sagen, das Verjuckeln des Klein-Häuschens für die Weltreise geht in Ordnung, aber im Pflegefall muss das Eigentum geschont werden und die Allgemeinheit zahlen
      Siehe dazu Ralfs Beitrag. Es gibt noch 10 Kniffe mehr und ich finde das moralisch verwerflich, ich bin da wirklich keine Freundin von. Wer ein Häuschen hat, soll es verkaufen oder vererben und that’s it. Im Gegenzug ist das weitergenutzte Eigenheim (bis zu einem normalen Preis) vor allen Zugriffen geschützt, egal ob es um Pflegekosten oder Erbe geht und eben nicht mehr, wenn es nicht mehr der Familienwohnsitz ist.
      Dann hat auch niemand einen Wissensvorsprung, weil er sich damit auskennt, wie er seine Immobilien so überträgt und/oder belastet, damit das nicht passiert. Das schafft nur zwei Ungerechtigkeiten statt einer.

      Aus über dreißig Jahren Erfahrung in leitenden Positionen im Finanzbereich kann ich Dir sagen, dass die Auszahlung von Überstunden in Deutschland die absolute Ausnahme darstellt. Fast überall wird das mit Freizeit verrechnet, auch auf Wunsch der Mitarbeiter. Die wenigsten möchten es sich leisten, 70 Prozent ihres Einkommens an den Staat zu verschenken.
      Ich gratuliere dir zu deinen privilegierten Einsichten ins Arbeitsleben. Häufig – und das war bei mir auch der Fall – existiert die Option einer Auszahlung überhaupt nicht. Das ging bei mir nur, weil ich den Job gewechselt habe und die Zeit zu knapp war, die wie sonst mit Freizeit auszugleichen. Bevor man meint, die Mitarbeiter wollen hier lieber den Freizeitausgleich, wäre es gut, wenn erstmal überall diese Wahlmöglichkeit existieren würde.

      • Stefan Pietsch 15. Juni 2026, 20:04

        Ich erlaube mir auf den Ausgangspunkt zu verweisen. Wir leben in einer alternden Gesellschaften und Menschen werden pflegebedürftig.

        Siehe unten. Ist Pflege wirklich ein Problem, das wir nur gemeinschaftlich lösen können. Ich sage klar nein, wie die Zeit von 1996 und andere Länder zeigen.

        16 Prozent der 5,7 Millionen Pflegebedürftigen befinden sich in stationärer Behandlung. Das sind nicht einmal eine Million Menschen. Die meisten sind noch dazu vermögend, können sich problemlos eine gute Versorgung leisten, zumal ja alle sonstigen Ausgaben des täglichen Lebens (Miete, Ernährung) wegfallen.

        Und du meinst wirklich, die Frage, dass diese Versorgung IRGENDJEMAND leisten muss, spielt keine Rolle?

        Nein. Tut es nicht. Weil entweder übernimmt die Pflege eine nahestehende Person aus moralischen Gründen (z.B. Ehepartner) oder die Leistung wird gekauft. Warum sollte also das „Wer übernimmt“ ein Problem sein? Über 80 Prozent der Menschen wollen zu Hause sterben. Über 80 Prozent der Menschen sterben in Krankenhäusern und Pflegeheimen. Wer kann wollen, dass dieser Anteil des „Fremdsterbens“ noch weiter steigt? Das ist auch eine moralische Frage.

        Im Gegenzug ist das weitergenutzte Eigenheim (..) vor allen Zugriffen geschützt, egal ob es um Pflegekosten oder Erbe geht und eben nicht mehr, wenn es nicht mehr der Familienwohnsitz ist.

        Da haben wir unseren Dissens und da kommen wir nicht zusammen. In meinem Umfeld haben viele alte Menschen ihr Heim verkauft. Es gibt dafür absolut rationale Gründe. Alte Menschen haben nicht nur einen immer kleineren Radius, in dem sie sich vertraut bewegen können. Ein Haus verursacht auch einen ganz anderen Aufwand als eine Zwei-/Drei-Zimmer-Wohnung. Mit dem Verkauf erhalten alte Menschen wieder finanzielle Flexibilität. So hat meine Mutter vor einigen Jahren das Haus meiner Eltern verkauft, für das sie ein ganzes Leben gearbeitet hat. Meiner Frau ist es wichtig, dass wir in Uruguay kein Wohneigentum erwerben, sondern uns eine betreute Einrichtung suchen.

        Häufig – und das war bei mir auch der Fall – existiert die Option einer Auszahlung überhaupt nicht.

        Sag‘ ich doch. In anderen Ländern gibt es diese Interessenidentität von Arbeitgebern und Arbeitnehmern nicht und wenn, dann höchstens in umgekehrter Richtung. Die Auszahlung von Überstunden bedeutet immer Cash-Abfluss und da die meisten Unternehmen Cash-sensibel sind oder generell über wenig Liquidität verfügen, sehen sie im Abfeiern der Überstunden das geringere Übel.

        Aber warum sollten Arbeitnehmer ein Interesse daran haben, Überstunden nur gegen Freizeit zu tauschen? Sie haben doch schon einmal die Entscheidung getroffen, dass sie bevorzugt arbeiten. Dann will man normalerweise auch den Lohn, damit man sich mehr leisten kann. Der Tausch Wochenendarbeit gegen freien Dienstag ist nicht wirklich attraktiv. Wenn jemand sich so entscheidet, dann, weil man immerhin Tag gegen Tag tauscht. Wer Überstunden ausbezahlt bekommt, erhält nicht einmal die Hälfte des Gegenwerts für den Freizeitverlust.

    • Thorsten Haupts 15. Juni 2026, 21:36

      Freiheitlich-marktwirtschaftlich gedacht ist es so: Wo ein Bedarf, da auch ein Markt. Die Pflege ist kein Markt, sie ist ein staatlich organisiertes Versorgungssystem mit allen Mängeln, die solche Systeme in staatlicher Hand haben:

      Dazu nur 3 Randbemerkungen:
      1) Marktpreise könnten sich nur die oberen 50% Einkommensbezieher leisten
      2) Privatisierungen haben bsher sehr gemischte Ergebnisse gehabt, die Ihre Pauschalbehauptung „… mit allen Mängeln, die solche Systeme in staatlicher Hand haben …“ fragwürdig werden lässt. Ich habe z.B. die Ergebnisse der Privatisierung von Wasser und Bahn in GB in den neunzigern mit eigenen Augen gesehen und war wenig begeistert!
      3) Die breite Akzeptanz staatlich organisierter nzw. gesetzlich vorgeschriebener Pflegeversicherung beruht auf der Erkenntnis der Leute, dass eine grosse Mehrheit von Kindern zu Pflegearbeit nicht mehr bereit sein wird. Und bevor Sie mir ein Land zeigen können, in dem die Nicht-Verwandten-Pflege besser privat organisiert wird, sehe ich keine Alternative zum staatlich organisierten Versorgungssystem.

      Manchmal gibt es auch zu schlechten Lösungen keine Alternative. Die Pflegeversicherung rückabzuwickeln – daruf laufen Ihre Beiträge hinaus – lassen dann plus/minus 50% der Bevölkerung sicher im Regen stehen. Kann man machen, aber ehrlich sollte man da schon sein.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

      • Stefan Pietsch 15. Juni 2026, 22:06

        ad 1): Wieso Einkommensbezieher? Alte Menschen beziehen unisono geringe regelmäßige Einkommen, besitzen aber überdurchschnittlich viel Vermögen.

        Mit der Hälfte können also schon 2,9 der 5,7 Millionen Pflegebedürftigen aus der Rechnung genommen werden. Und es sind noch weit mehr. 70 Prozent bekommen bei niedrigen Pflegegraden nur wenig Leistungen bei ein paar hundert Euro pro Monat. Auch das ist individual meist leitbar. D.h. wir müssen uns als Gesellschaft tatsächlich nur um 760.000 Pflegebedürftigen tatsächlich kümmern, von 5,7 Millionen! Warum ziehen wir alle in die Gemeinschaftsbewirtschaftung??

        ad 2): Es geht nicht um Privatisierung! Die Pflege ist eine private Veranstaltung. Wenn ein Ehemann über viele Jahre seine an Alzheimer leidende Frau pflegt, ist das privat. Und das bleibt es, selbst wenn eine staatliche Kasse ein paar hundert Euro überweist.

        Wasser ist eine begrenzte Ressource, manchmal monopolartig verfügbar und für Menschen existenziell notwendig. Selbst ein Neoliberaler wie ich will dies in staatlicher Hand sehen. Aber wo ist das die Gemeinsamkeit zur Pflege?

        ad 3): Gegen Geld finden sich genügend Hilfen. Wo ist also das Problem, wenn genügend Geld vorhanden ist? Diese Frage gilt es doch zu beantworten. Ich habe es doch beschrieben: Wenn die Tochter nicht bereit ist, für die alte Mutter einkaufen zu gehen, ruft sie einen Bringservice. Wenn der alte Vater die Wohnung nicht mehr selbst sauber machen kann, muss halt eine Putzhilfe beschäftigt werden. Wenn einmal täglich eine Infusion gelegt werden muss, wird es medizinische Kräfte geben, die hier helfen. Bitte, es ist doch ein Popanz so zu tun als wären die 5,7 Millionen Pflegebedürftigen alle in dementen Zustand.

        Ich habe oben gegenüber Ariane erklärt, dass eine Rückabwicklung kaum möglich sei. Das heißt aber nicht, dass wir den staatlichen Anteil an der Pflege alter Menschen immer mehr ausweiten müssten. Irgendjemand muss das nämlich dann auch bezahlen.

  • Stefan Pietsch 14. Juni 2026, 10:09

    Für Arbeitnehmer und Pflegekräfte sind das gute Nachrichten.

    Da der Staat zu 80-90 Prozent die Pflege über Sozialbeiträge finanziert, ist das für Arbeitnehmer keine gute Nachricht. Nur sind die Deutschen derart narkotisiert, dass sie den Zusammenhang nicht merken. Sie verstehen nicht, dass sie praktisch überall auf der Welt mehr von ihrem Lohn übrig behalten, selbst in so sozialen Ländern wie Dänemark und den Niederlanden. Bescheiden.

    Deutschland hat massive Probleme, qualifizierte Arbeitskräfte zu gewinnen. Ich weiß nicht, ob es da herauszustreichen ist, dass wir noch Ausländer finden, die uns im Alter den Arsch abwischen. 🙂

    Dafür hast du bisher noch keine Lösung vorgeschlagen, außer der Mitteilung, dass Frauen das nicht mehr umsonst machen wollen.

    Noch einmal: Ist das tatsächlich ein gesellschaftliches Problem, wo der Staat eingreifen muss?

    • Erwin Gabriel 14. Juni 2026, 13:02

      @ Ariane, Stefan Pietsch

      Spannende Diskussion, die ich aufmerksam verfolge. Danke Euch beiden dafür.

      Mein Kopf geht mit Stefan, dessen Argumente mir rationeller erscheinen und mich mehr überzeugen. Meine Frau ist eher bei Ariane; sie will das, was wir uns im Laufe unseres 47- bzw. 48-jährigen Arbeitslebens aufgebaut bzw. angespart haben, möglichst unverdünnt und ungeschmälert an unsere Kinder weitergeben.

      Schwieriges Thema.

      • CitizenK 14. Juni 2026, 15:26

        Kommt auch auf den Grad der „Verdünnung“ an. Vielleicht könnte man die Idee von Ralf und Ariane kombinieren: Eine niedrige zweckgebundene Abgabe auf jede Erbschaft. Das Pflegerisiko wäre dann ähnlich verteilt wie bei einer Versicherung, aber die großen Härten wären vermieden?

        • Stefan Pietsch 14. Juni 2026, 16:46

          Wieso wehren Sie sich so dagegen, den Menschen Eigenverantwortung zu übertragen? Wofür ist Sparvermögen gut, wenn nicht dazu, im Alter abgesichert zu sein?

          Zudem konterkarieren Sie Ihr eigentliches Ziel, weswegen Sie ja für eine konsequentere Besteuerung von Erbschaften werben. Man kann mit einer Maßnahme nicht mehrere, teilweise sogar widersprechende Ziele verfolgen.

        • Erwin Gabriel 15. Juni 2026, 00:02

          @ CitizenK

          Ich verstehe ja das Dilemma. Es ist kein einfaches Thema. Nimm Zwillinge, die im gleichen Elternhaus aufwachsen, das gleiche Fach studieren und abschließen, die den gleichen Job bekommen, das gleiche Gehalt verdienen.

          Beide sind mit einer gut ausgebildeten Frau verheiratet. Das eine Paar hat drei Kinder, um die sich (mit Grüßen an Ariane) typischerweise die Frau kümmert, der Mann verdient. Beim anderen Paar verdienen beide. Wenn beide in Rente gehen, sind die Unterschiede erheblich.

          Oder beide haben daheim die gleiche Situation; der eine spart, der andere haut raus. Mit 80 müssen beide ins Heim. Der eine muss sein Erspartes aufbrauchen, beim anderen zahlt die Gemeinschaft.

          Ich kann mir keine Regelung vorstellen, die all diese Fälle so abdeckt, so dass jeder sagt „ok so“. Mir widerstrebt, für Kinder oder fürs Sparen finanziell „bestraft“ zu werden. Mir widerstrebt, mir selber einen schlanken Fuß zu Lasten der Gemeinschaft zu machen.

          Keine Ahnung, was der beste Weg ist.

          • CitizenK 15. Juni 2026, 06:37

            So geht es mir auch, mir widerstrebt auch beides. In solchen Fällen wäre es wohl der Mittelweg, kein Entweder-Oder.
            Wie machen das andere Länder? So viel ich weiß über die Krankenversicherung oder es gibt gar keine Regelung.

    • Ariane 15. Juni 2026, 00:17

      Dafür hast du bisher noch keine Lösung vorgeschlagen, außer der Mitteilung, dass Frauen das nicht mehr umsonst machen wollen.

      Noch einmal: Ist das tatsächlich ein gesellschaftliches Problem, wo der Staat eingreifen muss?

      Du kannst es auch zu einem rein persönlichen Problem machen. Aber auch dann stellt sich die Frage, wer diese Versorgung leistet.
      Oder meinst du, es ist überhaupt kein Problem? Sollen die Leute unversorgt bleiben? Um den Fakt, dass pflegebedürftige Menschen in nicht geringer Zahl existieren, kommen wir ja irgendwie nicht herum.

      • Stefan Pietsch 15. Juni 2026, 19:45

        Jedes Lebensrisiko ist erstmal individuell. Es trifft nicht jeden gleichermaßen. Aus gesellschaftlicher Sicht stellt sich somit die Frage, welche Risiken zumindest zum Teil vergemeinschaften werden – und vor allem: Welche nicht? Deutschland hat in besonderer Weise schon die Risiken Alter, Gesundheit und Arbeitslosigkeit in staatliche Hand zur Absicherung gegeben. 1994 haben wir mit der Pflege nochmal nachgelegt und das auf die gleiche fatale Art, wie wir die anderen Risiken bereits abgesichert haben, nämlich an den Faktor Arbeit gekoppelt und nur den Erwerbstätigen aufgebürdet. Nur sind lediglich etwas mehr als die Hälfte der Bevölkerung erwerbstätig. In Deutschland arbeitet ein verhältnismäßig hoher Anteil der Erwerbsfähigen nicht – sind also eine zusätzliche Belastung für die übrigen. Der Rest der nicht zur Finanzierung herangezogenen sind je zur Hälfte Kinder und Jugendliche sowie ältere Menschen. Jeder ökonomisch versierte Sozialforscher kann Dir ausrechnen, dass ein Gemeinwesen schwer zu finanzieren ist, wenn nur die Hälfte der Bevölkerung zahlt.

        Was bedeutet das für die Pflege? Das Problem beginnt mit der Pauschalierung. Doch Pflege ist nicht gleich Pflege. Nur 16 Prozent befinden sich vollständig in stationärer Pflege. Diese und ihre Finanzierung wären doch das eigentliche gesellschaftliche Problem, oder?

        Die Personen aus meinem familiären Umfeld haben Pflegegrad I. D.h. sie brauchen Hilfe bei einigen haushaltsnahen Dienstleistungen. Einkaufen gehört dazu. Inzwischen bieten Supermärkte die Lieferung nach Hause an. Ähnlich verhält es sich mit anderen Leistungen des täglichen Bedarfs wie Essen. Sorry, das ist nun wirklich keine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Und die meisten Alten können sich das ohne jede Unterstützung aus der Sozialkasse leisten.

        Auf diese Art lässt sich viel Geld in der öffentlichen Pflege sparen. Warum schmeißen wir das Geld derart raus?

    • CitizenK 15. Juni 2026, 06:47

      „mehr von ihrem Lohn übrig behalten“

      In der Schweiz, in DK und NL sind Zahnarztleistungen sind fast vollständig aus der gesetzlichen Grundversicherung ausgeschlossen. Erwachsene müssen Füllungen, Reinigungen und Zahnersatz komplett selbst bezahlen.

      Rund 70% der Niederländer schließen daher eine private Zusatzversicherung ab. Die bleibt dann auch nicht „vom Lohn übrig“. Lt. Google-KI würde das den GKV-Beitrag bei uns um ein halbes Prozent senken.

      • Stefan Pietsch 15. Juni 2026, 10:03

        Ehrlich gesagt, Ihre Realitätsverweigerung und Ihr Schönreden macht mich immer wieder wütend. Sie leiden unter kognitiven Dissonanzen, wie man das im Marketing nennt. Sie müssen sich immer einreden, wie schön es hier doch ist, dass der Staat nur das Beste will und das Beste tut, weshalb er auch den höchsten Anspruch auf unser Einkommen hat.

        Deutschland liegt bei den Ausgaben für die staatliche Altersvorsorge im oberen Drittel der OECD. Die Alten bekommen aber nur relativ wenig, da liegen wir im unteren Drittel. Bei der Gesundheitsvorsorge liegen wir bei den Ausgaben auf Platz drei, bei den Gesundheitskennziffern jedoch im Mittelfeld und unteren Bereich. Bei der Belastung der Einkommen mit Steuern liegen wir an der Spitze, nicht jedoch bei den staatlichen Leistungen Infrastruktur, Sicherheit, Bildung.

        Ich habe vor knapp drei Jahren aufgezeichnet, was einem Deutschen mit mittlerem Einkommen von seinem Lohn verbleibt in Relation zu anderen Ländern. Hier noch einmal die Rahmendaten bei 4.000 Euro Bruttoverdienst:

        Deutschland: 2.508 Euro
        Niederlande: 3.015 Euro
        Dänemark: 2.694 Euro
        Schweiz: 3.191 Euro
        https://www.deliberationdaily.de/2023/11/warum-gehaltserhoehungen-nicht-zu-mehr-verkauften-autos-fuehren/

        Ich habe eine private Zahnarzt-Zusatzversicherung. Aufgrund des späten Abschlusses und meines Alters zahle ich 45 Euro im Monat. Meine Frau kommt glaube ich mit der Hälfte hin. Für die 500 Euro, die ich in Amsterdam gegenüber Frankfurt mehr behalte, kann sich ein Mittelverdiener verdammt viele Zusatzversicherungen leisten. Eine Zahnreinigung kostet übrigens 60-70 Euro. Einmal im Jahr ist das ein sehr überschaubarer Betrag. Sie ist in meiner Zusatzversicherung inkludiert, so kann ich mir die zweimal im Jahr leisten. 🙂

        In der Endabrechnung sind die Deutschen relativ arm, obwohl sie in Europa relativ verdienen. Das hat Gründe, CitizenK, und die teure Variable ist der Staat. Wegen dem Staat sind die Deutschen ärmer. Das sind die Fakten, die Sie total ignorieren.

        Sie wissen wahrscheinlich, dass Zahnleistungen nicht der größte Kostenblock im Gesundheitswesen ist. Meine Schwiegermutter (86) musste vor kurzem ins örtliche Krankenhaus. Sie war wegen ihrer Herzschwäche kollabiert. Insgesamt drei Wochen behielt man sie da. Sie wurde von netten, aber kaum Deutsch sprechenden ausländischen Arzt:innen behandelt, denen man noch die Freude über das bestandene Examen ansah. Erst behandelte man sie mit Antibiotika, um eine Infektion zu bekämpfen. Währenddessen verfiel sie körperlich und geistig sehr stark. Nach zwei Wochen meinte man, mit einem Stent dem Problem Herr zu werden. Auf den letzten Metern wurde die OP abgesagt und die Frau entlassen – nach 21 Tagen des de facto Nichtstuns.

        Das Krankenhaus liegt im direkten Einzugsbereich von 70.000 Einwohnern, dazu Umland. Es ist kein kleines, aber auch kein großes Versorgungssystem. In der sogenannten Notaufnahme kann man mit einem akuten Herzproblem schon mal ein paar Stunden ohne Brot und Wasser liegen. Das Personal erscheint oft hilflos, die Kommunikation – ein Wesenselement der Beziehung zwischen Arzt und Patient – ist oft katastrophal.

        Ganz anders in der Spezialklinik 80 km und 40 Autominuten entfernt. Da wäre meine Schwiegermutter sicher innerhalb von wenigen Tagen kompetent behandelt und dann entlassen worden. Wir haben sehr viele Krankenhäuser, aber in billiger Qualität. Wir setzen auf Quantität statt Qualität. Aber auch billig tötet und kostet. Am Ende ist teuer oft günstiger. Die meisten (linken) Deutschen meinen, wenn nur ein Zertifikat da ist, ist alles gut. Der Sinn für Qualität ist nicht vorhanden. Weder beim Staat noch bei der Mehrheit der Bürger. Und deswegen bezahlen wir viel zu viel für viel zu wenig ordentliche staatliche Leistung.

  • CitizenK 15. Juni 2026, 20:25

    Der Vorschlag der Kostensenkung durch Herausnahme der Zahnarztleistungen kam, glaube ich, von der CSU. Dem bin ich nachgegangen und habe den Effekt tatsächlich auch überschätzt – im letzten Satz meines Beitrags allerdings korrigiert (Ein halbes Prozent AN-Anteil wären in Ihrem Beispiel wären das nur rund 20 Euro im Monat netto).

    Vom Schönreden bin ich weit entfernt. Wenn wir schon bei anekdotischer Evidenz sind: Eine Verwandte ist Krankenschwester in DK. Das deutsche Examen wurde nicht anerkannt, sie brauchte das dänische. Deutsche Ärzte finden die Arbeit in DK wesentlich enstspannter: keine Hierarchien, kaum Überstunden. Digitales Rezept längst Standard. Übergang von stationär (deutlich kürzer) zu ambulant geregelt, bei uns werden Frisch-Operierte manchmal vom Taxifahrer vor der Wohnung abgesetzt.

    Ein Hörsturz gilt in D als medizinischer Notfall mit Klinikeinweisung und langer Nachbehandlung (selbst erlebt) – in DK wird der gar nicht behandelt – die Diagnose existiert gar nicht. „Kuren“ sind unbekannt, in D trotz Einschränkungen immer noch weit verbreitet (Verwandter: Ein Arztbesuch – 4 Wochen Kur).

    Hat viel mit deutscher Tradition (Ordinarien-Uni) und Mentalität (Halbgötter in Weiß) zu tun. Dass Assistenz-Ärzte gnadenlos ausgenutzt werden, ist nicht die Schuld von „Linken“. Der erste Gesundheitsminister, der das dänische Vorbild der spezialisierten Zentren einführen wollte (gegen starke Widerstände), war Sozialdemokrat. Auch die Digitalisierung haben nicht Linke verpennt/verhindert. Sehr komplex das Ganze, deshalb hör ich jetzt auf.

    • Stefan Pietsch 15. Juni 2026, 21:47

      Ich sehe solche Sachen nie parteipolitisch. Das führt ja an dem Eigentlichen vorbei. Die staatlichen Systeme, so wie wir sie haben und wie sie arbeiten, entstanden ja nicht gegen den Mehrheitswillen.

      Und dann haben Sie wieder einen Bärbel-Bas-Moment: Lohnnebenkosten sind Teil des Lohns, sie müssen vom Arbeitnehmer verdient werden. Im Jahresbudget einer Gesellschaft steht bei der Planung der Personalkosten jeder Beschäftigte. Mit seinem Bruttoentgelt, mit seinen Zusatzleistungen wie Boni, Weihnachtsgeld und Firmenwagen. Und mit seinen geplanten Lohnnebenkosten. Dazu kommt eine geplante Gehaltserhöhung. Und wenn über Gehaltserhöhungen, Einstellungen und Entlassungen diskutiert wird, wird in den Runden über das gesamte Entgelt gesprochen, nicht nur bis zum Brutto-Fixum.

      In nicht-tarifgebundenen Unternehmen wird in der Top-Down-Planung ein Gesamt-Personalbudget vorgegeben oder in der Bottom-up-Planung vom Budget-Verantwortlichen ein Personalkostenvorschlag gemacht. In jedem Das bedeutet auch, dass steigende Lohnnebenkosten den Spielraum für Gehaltserhöhungen einengen. Schließlich geht es immer um die Gesamtsumme.

      Wenn Sie also rechnen, die Versicherung würde wegen des Arbeitgeberanteils nur zur Hälfte dem Arbeitnehmer angerechnet, so ist das nicht einfach Milchmädchen. Es ist falsch.

      Wir brauchen sehr viel Personal für sehr viele Krankenhäuser. Doch wie in jedem Job gibt es nicht unendlich viele gute Leute. Weder gibt es unbegrenzt viele gute Finanzer, noch Lehrer, noch Erzieherinnen. Und auch nicht unbegrenzt viele gute Ärzte. Ressourcen sind begrenzt. Das ist tatsächlich das, was Linke nicht verstehen, weil sie immer im Kollektiv und nicht vom Individuum aus denken.

      In der Spezialklinik ist das Personal top. Im allgemeinen Krankenhaus ist es schlecht. Gleiches Bundesland, gleiche Tarife, anderes Niveau. Daraus könnte man lernen und Schlüsse ziehen. Oder es ignorieren.

      Ich bin in einer traditionellen Kurstadt im Spessart aufgewachsen. Deren Geschäftsmodell war bis weit in die Neunzigerjahre die Kuren. Dann kürzte Norbert Blüm die Bedingungen für Kuren (leider strich er sie nicht ganz aus dem Leistungskatalog) und die Stadt versank im Dornröschenschlaf. Aus diesem wurde sie nun vor einigen Jahren dem Unternehmer Henning Strauss erweckt. Dort zeigt sich, was sehr reiche Menschen auch für die Gemeinschaft leisten können. Kleiner Hinweis an den Bloginhaber, der meint, Milliardäre würden nicht zur Demokratie gehören.

      • CitizenK 17. Juni 2026, 16:24

        Das ist wie mit dem „Guten König“ oder dem „Wohlwollenden Hegemon“. Auch hier in Heidelberg haben wir Milliardäre, die ihr Geld nicht in Yachten stecken, sondern in Museen, Theater, Bildungseinrichtungen.
        Aber wenn nicht? Wenn sie handeln wie Musk & Co.? Mehr Macht haben als eine Regierung? Musk könnte durch Abschalten von Starlink den Ukraine-Krieg entscheiden. Oder durch Trumps Vulgarität die sozialen Normen einer Gesellschaft ruinieren. Oder wie Peter Thiel („Freiheit und Demokratie sind nicht kompatibel) durch Überwachung jede Form von Demokratie unmöglich machen?
        Demokratische Kontrolle – Fehlanzeige. Als guter Demokrat (der zu sein Sie doch immer wieder betonen), kann Ihnen das doch nicht gleichgültig sein. Sehr gespannt auf Ihre Antwort.

        • Stefan Pietsch 17. Juni 2026, 16:59

          Also, das Letzte ist eine Unverschämtheit. Manchmal rutscht auch Ihnen so etwas anscheinend raus.

          Was haben Sie gegen Musk? Musk schafft mehr Werte als die gesamte Grüne Partei zusammen. Da ist das ZDF als Teil des gebührenfinanzierten Fernsehens, das mit 9 Milliarden Euro Zwangsgelder im Rücken (nicht „verdient“, per Gesetz erpresst) regelmäßig Falschbezichtigungen und Verleumdungen in den Äther jagt. Auch das ist nicht wirklich demokratisch legitimierte Macht. Die Macht, Menschen wie Schönbohm sozial zu vernichten.

          Ich schweife ab. Welche Macht hat Elon Musk denn tatsächlich? Er könnte es noch nicht einmal verhindern, dass sie einen Tesla kaufen. Die Bundesregierung könnte das schon. Musk hat gerade in diesen Tagen sehr viele reich gemacht, die in den letzten Jahren für ihn gearbeitet, an ihn geglaubt und ihm vertraut haben. Das ist mehr als eine Angela Merkel, ein Olaf Scholz und ein Friedrich Merz zusammen behaupten können. Im Gegenteil, letztgenannte haben die Deutschen statistisch eher ärmer gemacht.

          Sie scheinen sich gute Reiche nur als Mäzene und alte Altruisten vorstellen zu können. Reiche sind gut, wenn sie Werte schaffen, innovativ sind, gute Jobs bringen. All das trifft aus Musk im Übermaß zu. Trotzdem ist er verhasst. Vielleicht gerade deswegen? Vielleicht, weil er mit seiner Genialität viel mehr bewirkt als all die Habecks, Baerbocks und Bas?

          Demokratische Kontrolle? Demokratie ist die Ordnung eines Staates, nicht seiner Bürger. Seine Bürger sind an die Gesetze, die ihre Vertreter nach demokratischen Regeln beschlossen haben, einzuhalten. Musk ist nach allem was man weiß ein gesetzestreuer Bürger. Seine Unternehmen muss er nicht demokratisch organisieren.

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