Arbeiter und Mafiosi spielen Videospiele während Kinder im Hochhaus PISA-Tests schreiben – Vermischtes 26.08.2016

Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Sie werden mit einem Zitat aus dem Text angeteasert, das ich für meine folgenden Bemerkungen dazu für repräsentativ halte. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist meist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels erforderlich; ich fasse die Quelltexte nicht noch einmal zusammen. Für den Bezug in den Kommentaren sind die einzelnen Teile durchnummeriert; bitte zwecks der Übersichtlichkeit daran halten.

1) What Democrats still don’t get about winning back the white working class

Democrats are aware of this perception, of course, and routinely complain about the conservative “information bubble” that is created by Fox News and other media. But many continue to base their campaigns on the hope that if they can only somehow figure out how to craft exactly the right package of proposals and programs—either progressive or moderate—they will somehow break through and convince these voters to support Democrats once again. But it is now necessary to seriously consider the opposite possibility: that class resentment is so powerful and deeply entrenched that Democratic plans and proposals never get seriously considered by white working-class and small-town/red-state voters in the first place. They are, instead, dismissed at the outset because they come from a party that is perceived to represent groups and interests that are deeply alien and antagonistic. The Affordable Care Act, for example, was never seriously examined by white working-class Republican voters. Its provisions were wildly caricatured (“Death Panels”) and the measure described as quite literally a sinister socialist conspiracy simply because Obama and the Democrats had proposed it. It is, therefore, now necessary to accept that Democrats have to develop a completely different mental model of how these voters actually do make their political choices—a model that will suggest alternate strategies for how Democrats can break through the wall that now separates them from many white working-class and small-town/red-state Americans. […] Given the reality that simply proposing programs and policies that are objectively in white workers’ interests is insufficient to win their support, Democratic candidates must instead visualize the method of appealing to these voters as a two-stage process. First, they must develop a specific communication and persuasion strategy designed to break through the conservative “bubble” and become accepted as a legitimate part of the political discussion that goes on between the different sectors of the white working-class community. Second, once this is accomplished, they can begin to debate and challenge their Republican opponents regarding specific social and economic policies and programs. (Washington Monthly)

Das ist ein extrem langer Artikel, von dem hier nur ein Ausschnitt zitiert ist. Jeder ordentliche Linke fragt sich stets, warum die eigenen Positionen, die ja objektiv im Interesse der breiten Mehrheit sein müssten, eben diese Mehrheit nicht finden. Die Antwort der NachDenkSeiten und vieler anderer „klassischer“ Linker ist da dann meistens „Meinungsmache“, eine gewaltige konzertierte Aktion aller Medien, Prominenter etc. zur bewussten Manipulation der Bürger. Das hilft zwar dem eigenen Selbstbewusstsein als diejenigen, die das grandiose Spiel durchschauen, ist aber nicht eben eine Gewinnerbotschaft.

Und ja, das Leben der Abgehängten in West Virginia wäre mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit besser, wenn Medicare ausgeweitet und der Zugang zu Obamacare erleichtert wäre; die Ablehnung, das sagt der Washington Monthly schon richtig, liegt sicherlich nicht in den Policy-Details. Es geht um kulturelle Faktoren, und es geht um die Kontrolle von Narrativen. Und bei letzteren haben die Democrats, in einer bemerkenswerten Parallele zu anderen sozialdemokratischen Parteien weltweit, ein Problem.

Und dieser Punkt scheint mir ein spannender zu sein: Dass das Problem weniger die FOX-News-Medienblase oder das Missverständnis der Funktionsweise und Art der von Sozialdemokraten vertretenen Policies ist – obwohl diese natürlich eine große Rolle spielen – sondern das mangelnde Grundvertrauen. Diese Wähler hören die Botschaft wohl, allein ihnen fehlt der Glaube. Geht mir ja auch so: Wenn die FDP verkündet, dass ihre radikalen Sparprogramme ganz sicher gewaltiges Wachstum auslösen und meinen Wohlstand mehren wollen, so ist das ostentativ natürlich auch Politik „für mich“, aber ich glaub denen kein Wort. Und mit den meisten ihrer Policies kenne ich mich auch nicht genug aus um das Bild der FDP als raffgieriger Partei der 1% in meinem Kopf zu ersetzen.

Was die Sozialdemokraten daher schaffen müssen ist, eine neue Stammwählerschaft zu erschließen, die ihnen vertraut. Und ich bin skeptisch, dass diese Leute in nennenswerten Zahlen zurückzugewinnen sind. Jeder FDP-Stratege wäre wohl auch skeptisch, ob er meine Stimme gewinnen könnte. Es wäre sicher möglich, dass die Partei solche Positionen übernimmt und sich so gibt, dass sie für mich attraktiv wird – nur gewinnt sie dabei zwar möglicherweise meine Stimme, verliert aber auf der anderen Seite, bei ihrer bisherigen Wählerschaft. Und das ist das Dilemma, das die meisten Linken irgendwie nicht sehen wollen.

2) Trump wants to ban flipping because he’s almost literally a mob boss

In an interview with Fox News, President Trump offers his view that flipping is dishonorable, and is so unfair it “almost ought to be outlawed.” However, Trump has also made clear, in tweets over the weekend, that he is not only opposed to false testimony. He opposes flipping on the boss as a matter of principle. Here he is over the weekend denouncing President Nixon’s lawyer John Dean as a “rat.” Dean famously testified about Nixon’s obstruction of justice. Nobody claims Dean lied about Nixon. The sin in Trump’s eyes is that he flipped, violating the omerta. Trump even uses Mafia lingo, “rat,” to describe Dean’s cooperation with law enforcement. To gangsters, a rat is considered the worst kind of person because they pose the greatest danger to their ability to escape prosecution. It is obviously quite rare to hear a high-ranking elected official openly embrace the terminology and moral logic of La Cosa Nostra. But Trump is not just a guy who has seen a lot of mob movies. He has worked closely with Mafia figures throughout his business career. […] Like a mobster, Trump takes an extremely cynical view of almost every moral principle in public life, assuming that everybody in politics is corrupt and hypocritical. […] He also follows mafia practice of surrounding himself with associates chosen on the basis of loyalty rather than traditional qualifications.  […] Trump has internalized the mob ethos so deeply that he sees this as an indictment of Sessions. He gave the guy a job only because he assumed he was loyal, and here Sessions betrays the loyalty by recusing himself from the Russia investigation (because of a blatant conflict of interest). Trump cannot imagine that admitting he picked an attorney general solely out of the expectation of personal loyalty is a confession of an intent to corrupt law enforcement. (New York Magazine)

Man ist an die Verehrung von Putin, Erdogan und Co ja schon so gewöhnt, dass positive Vergleiche mit Al Capone aus dem Kreis der Republicans eigentlich nicht mehr allzu verwunderlich sein sollten. Und Trump ist wahrlich kein Fremder in der Welt der Cosa Nostra; seine extensiven Mafia-Kontakte aus der Casino-Zeit (die dann später durch die Russland-Connections abgelöst wurden, die ihm aktuell solche Probleme bereiten) sind hinreichend bekannt. Selbstverständlich verhält sich Trump wie ein Mafia-Boss; er wäre doch so gerne einer.

Das ist auch die Quelle der Bewunderung von Al Capone und Konsorten: Die Stimmung in der republikanischen Partei ist gerade so, dass sie „Der Pate“ oder „Goodfellas“ anschauen und in den Mafiosi ohne jede Ironie oder Distanz ihre Rollenvorbilder erkennen. Das hängt mit der unreflektierten Verehrung von „Stärke“ zusammen, wie sie auf der Rechten gang und gäbe ist. Jeder, der (Machismo-)Stärke demonstriert, ist in deren Augen bewundernswert, daher ja auch die freundschaftliche Wärme gegenüber Putin und Erdogan.

Das ist übrigens auch in der Reaktion auf die Einflüsse der Wall Street sichtbar: Sowohl Obama als auch Trump haben im Wahlkampf exzessiv die Wall Street kritisiert, nur um danach Wall-Street-Banker in Machtpositionen zu hieven. Aber die Anhänger Obamas empfanden das immer als schmutzig, als eine Art Verrat an den eigenen Idealen. Für die Anhänger Trumps ist es ein Beweis der Stärke ihres Idols: er kann die Banker kritisieren UND sie danach zu seinen Untergebenen machen. Dass sie nicht öffentlich seinen Ring küssen müssen ist alles, was in der Inszenierung noch fehlt.

3) Die Unwucht in unserer Wahrnehmung

Es ist einigermaßen schwierig, nicht zynisch zu werden, wenn man sich den Unterschied vor Augen führt: Deutschland diskutiert offenbar ernsthaft darüber, ob Seenotrettung sinnvoll sei – bei schwarzen Flüchtlingen. Die aufwendige Rettung einer Britin dagegen wird medial geradezu gefeiert. Es ist nicht so, dass über Flüchtlingsrettung wenig geschrieben wird – aber es wird in verstörend anderem Ton darüber berichtet. Aus meiner Sicht gibt es für diese Unwucht mehrere Gründe, zwei davon möchte ich herauspicken: Einer ist die Übermedialisierung der Welt. […] Diese Übermedialisierung verändert nicht nur die Nachrichten, weil oft in schnellerem Takt Neues berichtet werden muss, als sinnvolle Neuigkeiten zu einer großen Nachrichtenlage überhaupt entstehen. Die Übermedialisierung verändert auch die Wahrnehmung des Weltgeschehens durch die Menschen. […] Aber durch den Katastrophendauerhagel wird eine gewisse Abstumpfung vorangetrieben. Und zwar eine sehr spezifische: Ich unterstelle freundlich, dass sich eigentlich fast jede Person ihre Menschlichkeit bewahren möchte – aber durch die Nachrichtenflut ist es nicht möglich, auf jedes Katastrophenopfer gleich zu reagieren. Man ist gezwungen zu filtern, also: Opfer nach Relevanz zu sortieren. […] Was direkt zu einem zweiten Grund für die nachrichtliche Unwucht zwischen der Rettung einer blonden Britin und der Rettung schwarzer Migranten führt (in Redaktionen wie beim Publikum): Rassismus. Rassismus ist nicht denen vorbehalten, die hauptberuflich Vollzeit für die Versklavung oder Ermordung von nicht weißen Menschen eintreten. Rassismus hat keinen An-Aus-Schalter, es gibt ihn in vielen, auch subtilen Formen. Eine sehr wesentliche ist der unterschwellige, sogar unbewusste Rassismus. Selbstverständlich wirkende Denkmuster, die man nur schwer entlarven kann, die aber im Kern Rassismen enthalten. Die Bewertung von Menschen nach Herkunft und Hautfarbe. (SpiegelOnline)

Sascha Lobo schreibt hier seine eigene Version meines Brokkoli-Artikels (ich behaupte mit gewissem Stolz hier die bessere Metapher als er mit seiner britischen Kreuzfahrtpassagierin zu haben). Selbstverständlich handelt es sich bei der Selbstselektion um eine Art von Rassismus; wir fühlen uns immer näher mit denen, zu denen wir eine Verbindung spüren. Das Schicksal einer britischen Kreuzfahrtpassagierin geht uns deswegen automatisch näher als das syrischer Flüchtlinge. Eine von beiden könnten auch wir sein, das andere nicht. Empathie kommt da natürlich einfacher. Das muss man als Mechanismus für sich selbst erkennen und reflektieren. Derselbe Mechanismus gilt ja auch auf anderen Feldern: Warum etwa fühlen wir eine automatische Verbundenheit mit den Opfern einer Naturkatastrophe in den USA, nicht aber in Thailand? Warum ist das Terroropfer in Tel Aviv leichter zu bedauern als das in Bagdad? Gleicher Mechanismus.

Auch die Fragestellung nach der Nachrichtenflut ist nicht ohne. Ich weiß aber nicht, ob das früher anders war. Noch immer schließlich sind die Menschen in der entwickelten Welt zu gewaltigen kollektiven Akten der Nächstenliebe fähig, wenn ein Katastrophenarrativ durchdringt. Man muss nicht weiter als bis zur Willkommenskultur 2015 zu schauen um das zu sehen; wer es gerne etwas historischer hat denke an die Benefizkonzerte für das hungernde Afrika. Ich denke daher, Lobo liegt hier falsch: Die Abstumpfung ist ein völlig normaler Prozess, und es braucht mit zunehmender (emotionaler und kultureller) Distanz zum Unglücksort eine besondere Kombination von Faktoren, um einen Empathieprozess auszulösen, den wir Menschen, die uns (emotional und kulturell) näher sind diese Empathie quasi kostenlos geben. Diese Mechanismen sind übrigens auch ein gutes Argument für den Vorrang staatlicher Entwicklungspolitik vor privaten Spenden, aber das ist eine andere Geschichte.

4) Cohen and Manafort down by the courtyard

Ezekiel: Yesterday was very dramatic — but what actually changed?

Jon: 1) Manafort is guilty, and so he can’t hold out for a chance to walk. Has to either be hoping for a pardon, or make a deal. 2) Cohen directly implicated Trump in a federal crime.

Ed: Yeah, on Cohen’s plea, Trump’s enablers kept yelling “what did it have to do with Russia?” It’s a felony we are talking about.

Eric: Yeah. If Trump were not president of the United States, he would be indicted for a campaign finance violation by now. Which means that – by refusing to investigate a crime for which there is clearly probable cause (and consider impeachment if an investigation confirms the available evidence) – congressional Republicans are now, officially, helping the president put himself above the law. […]

Ezekiel: I saw a chart a few months ago that showed that the investigation hasn’t been going on that long compared to other investigations by special counsel, so we could be in for the long haul.

Eric: Generally speaking, I’m pretty impressed with the way this scandal has unfolded. Didn’t think it could live up to the expectations it set in the early going. But (while there have been some lulls and dispensable tangents) they’ve found ways to keep things fresh and surprising, and I’m excited to see where it goes next.

Ich habe bereits früher einmal erwähnt, dass der ganze Dauerskandal rund um Mueller, die „Russia-Collusion“ und anderen Geschichten um Trump für mich eine Art soziales Experiment darstellt: ich folge den ganzen Nachrichten zu dem Thema ja bewusst nicht. Ich habe daher keine Ahnung, was der aktuelle Stand der Ermittlungen ist oder welche neuen Erkenntnisse es gerade wieder einmal gab, die – nun aber endgültig – Trumps Ende bedeuten. Das ermöglicht einen frischen Blick auf meine bevorzugten Nachrichtenquellen.

Der obige Chat ist ein gutes Beispiel für das, was besonders im Wahlkampf 2016 als „Blase“ der Medien diskutiert wurde. Ezekiels Frage „What actually changed“ kann ich sehr schnell beantworten: Nichts. Möglicherweise sind die Entwicklungen für einen späteren Prozess relevant. Aber politisch ist der Kram bedeutungslos. Ich nehme ihn als eine endlose Enthüllung von Skandalen und Verbrechen von Trump wahr, die ich nicht verstehe und durchschaue, die aber alle irgendwie ominös klingen. Das ist ein Spiegel meiner eigenen parteilichen Haltung. Jeder Trump-Fan wird es als weiteren Baustein einer riesigen Deep-State-Verschwörung gegen ihr Idol wahrnehmen.

Die unangenehme Wahrheit ist schlicht die, dass die überwältigende Mehrheit der Menschen nicht besonders intensiv die Nachrichtenlage verfolgt. Geschichten wie die Mueller-Ermittlungen sind Geschichten für Nachrichtenjunkies, so wie es die ständig wechselnden Wahlkampfstrategien und Umfragen 2016 auch waren (denen ich ja auch mit Begeisterung gefolgt bin). Daran ist nichts Schlimmes, aber man neigt dazu, die Bedeutung von Ereignissen zu überschätzen. Ich stolpere immer wieder über solche Artikel wie den oben, in denen atemlos die neuesten Ereignisse diskutiert werden – die zwei Wochen später immer noch keine Relevanz haben. Ganz spannend das mal von außen zu beobachten, aber es fördert leider einen gewissen Zynismus. Hilfreich ist das also auch nicht.

5) (Almost) Everyone hates urbanization

In theory, everyone is in favor of building more housing in big cities. Conservatives are in favor because they oppose regulatory regimes that prevent the free market from building whatever it wants. Liberals are in favor because they believe a bigger supply of housing will bring down prices and help establish more low-income housing. […] In fact, practically no one who lives in a big city wants more housing. They may or may not be willing to admit why, but they don’t. Liberals will accuse conservatives of racism and conservatives will accuse liberals of hypocrisy, but before long they’ll all sing Kumbaya and loudly agree that the problem is too much traffic. Maybe you don’t believe them, but an atomic crowbar will fail to pry the real story out of them. […] So who is in favor of urbanization? As near as I can tell, the answer is young, college-educated people who would like to live in a big city but can’t afford it. They have reams of white papers about why urbanization is a great thing, but really, they’re motivated by their own selfish desires, just like the folks who already live in the cities. This is why I think it would be insane for the Democratic Party to adopt urbanization as any kind of party platform. Centrist conservatives would hate it. Most liberals would hate it. People who live in cities and suburbs would mostly hate it. Rush Limbaugh would say that it proves Democrats are just a bunch of socialists who want to force everyone to live in high-rise beehives. And even with a massive effort, it would never produce enough affordable housing to make New York City 20-somethings just out of college satisfied. It would almost literally be pareto-catastrophic. No one would be happy. (Mother Jones)

Ich denke Kevin Drum hat grundsätzlich Recht. Zwar stimme ich ihm nicht darin zu, dass nur einige arme Millenials in die Städte ziehen wollen – dafür ist die Urbanisierung ein wesentlich zu pervasiver Trend, der die Leute zur Konzentration zwingt – aber die Leute, die in den Städten wohnen, haben definitiv nicht das geringste Interesse an einer dichteren Bebauung. Ich denke aber auch, dass die Debatte ohnehin in bescheuerten Grundlinien verläuft.

Viele Menschen wollen nämlich auch gar nicht in den Städten wohnen, sondern vielmehr im Speckgürtel drumherum. Und da sind Wohnraumknappheit und Preise ja auch Dauerprobleme. Ich habe zu dem Thema bereits meine eigene Lösung geschrieben: Dereguliert die Äcker! Das ist zwar auch keine super-beliebte Politik, aber es gibt bei weitem mehr Leute die sie gut fänden als bei der Abschaffung von Regulierungen für Neubauten und bei einer Erhöhung der Wohnraumdichte, so viel ist mal sicher.

6) Which country suffers most from sernioritis?

Tyler Cowen points today to a new study that examines the PISA test of problem-solving and cognitive skills. PISA is conducted every three years in 60+ countries around the world, and as near as I can tell, its only real purpose is to provide an excuse for op-ed columnists to wail about how stupid US students are. But not at this blog! No country whose “adults” elect Donald Trump president has any business complaining about its teenagers any longer. Anyway, it turns out that this new study tries to assess how seriously students take the test. After all, PISA doesn’t count toward their GPA or toward graduation and it doesn’t help get them into college. Given the vast number of standardized tests high school students take these days, it’s fair to wonder how much energy they put into one that doesn’t matter to them personally. (Mother Jones)

Ich will gar nicht weiter groß auf Kevin Drums Unfug mit Statistiken eingehen (der Mann hat zuviel Zeit zum Bloggen) sondern kurz über meine eigene Erfahrung mit PISA berichten. Ich habe seinerzeit im Jahr 2000 bei der ersten PISA-Studie als Schüler teilgenommen, ich war damals gerade in der richtigen Demographie (neunte Klasse). Seinerzeit wurde der Test als eine zweitägige Veranstaltung angekündigt, die den Regelunterricht ersetzt (und bedeutend kürzer war), versetzt mit dem Zusatz dass wer fertig ist heimgehen darf. Man kann raten was bei Neuntklässlern dann passiert. Die Testfragen selbst erschlossen sich auch nicht; viele Inhalte waren im Unterricht nie behandelt worden (vor allem in Naturwissenschaften), was am ersten Tag abgefragt wurde und dann später zu viel Händeringen über die miesen Ergebnisse führte. Am zweiten Tag kam die Sozialstudie, die in endlosen Bögen voll gleichförmiger tödlich langweiliger Aufgaben verlief, bei denen die meisten Leute damals nach eigenem Bekunden völlig zufällig Dinge ankreuzten ohne überhaupt die Aufgaben zu lesen, um schnell fertig zu sein. Meine Begeisterung für PISA-Ergebnisse hält sich seit diesen Erlebnissen in Grenzen.

7) Putin und Merkel in Meseberg

Doch neben der Energiepolitik gibt es noch andere Gründe, warum Merkels Russlandpolitik in der Krise steckt. Da sie es während ihrer gesamten Regierungszeit versäumt hat, in Deutschlands Streitkräfte zu investieren und sie sich ab 2016 deutlich als Gegenspielerin zu Donald Trump positionierte, befindet sich Berlin sicherheitspolitisch in einer zunehmend prekären Lage. Moskaus Geostrategen verstehen genau: die Schwächung der NATO durch Trump trifft Deutschland ins Mark und doch fehlt Merkel der politische Wille (und nicht das Geld), das zu ändern. Konkreter formuliert: Deutschland ist ein Land, das seine eigene Sicherheit nicht garantieren kann. Dieses sicherheitspolitische Vakuum ist ein Erbe der Ära Merkel. Selbst in Jahren des wirtschaftlichen Booms hat sich die Verteidigungs- und Bündnisfähigkeit des Landes beständig verschlechtert. Diese Versäumnisse begrenzen unser Gewicht und unsere Handlungsmöglichkeiten. Ist nicht längst eine Situation denkbar, in der Berlin sich für den Ausgleich mit Moskau entscheiden muss, da uns die amerikanische Sicherheitsgarantie fehlt? Dass diese strukturelle Aufweichung der Westbindung sich unter einer christdemokratischen Kanzlerin vollzieht, ist ebenfalls erstaunlich. Denn eins ist sicher: Putin und die russische Elite respektieren Stärke, erkennen Schwäche und nutzen sie. […] Sie ist auch daran gescheitert, Deutschlands Rolle im Zeitalter von Trump und Putin zu definieren und das obwohl sie mit Emmanuel Macron in Paris über einen Partner verfügt. (Salonkolumnisten)

Die deutsche Außenpolitik ist ein echt merkwürdiges Ding. Die alten Instinkte (und, wer es klassisch macht, die geopolitischen Gegebenheiten) führen zu einer unschönen Renaissance von Rapallo. 1922 hatte Deutschland auf einer Konferenz seinerzeit ein Überraschungsbündnis mit der Sowjetunion geschlossen, um seine eigene Handlungsfähigkeit zu demonstrieren. Mit denen war es nicht weit her; der Pakt mit der UdSSR brachte abgesehen von Trainingsgelände für die Schwarze Reichswehr wenig und vereinte Frankreich und Großbritannien in Opposition, wo vorher eine geschickte Spaltung der ehemaligen Alliierten möglich gewesen wäre; die Folge war dann die Ruhrbesetzung und das ganze Galama, das sich daraus ergab.

Der Instinkt, sich mit Russland Verhandlungsspielräume schaffen zu wollen und völlig überzogene Hoffnungen in irgendwelche Manöver mit dem östlichen Nachbarn statt mit den weit verlässlicheren Partnern im Westen zu legen steckt tief. Die Ostpolitik der sozialliberalen Koalition war auch teilweise von diesen Ideen geleitet. Dabei baut praktisch immer auf Sand, wer zu viel Hoffnung auf Verträge mit Russland türmt. Denn zwar decken sich die deutschen und westeuropäischen und/oder amerikanischen Interessen wahrlich nicht immer; mit Russland allerdings gilt das in noch größerem Maße. Und wie man glaubt, „verhandeln“ zu können, ohne auch nur das geringste Gewicht dagegen in die Waagschale werfen zu können, bleibt weiterhin ungeklärt.

8) Am Dienstag die Männer, am Donnerstag die Frauen

Galton betrachtete die Eugenik als Naturwissenschaft, aber auch als spirituelle Bewegung: Sie sei eine Form der Nächstenliebe der heutigen Welt gegenüber den künftigen Generationen. Die Idee der Menschenzüchtung setzte schnell zum Sprung über den Ozean an und wurde in Amerika zu einer Massenbewegung. Die Vereinigten Staaten wurden damals gerade von verschiedenen Einwandererwellen überflutet: Italiener, osteuropäische Juden, Iren suchten Zuflucht in der Neuen Welt. Zugleich organisierten sich die weißen, protestantischen Amerikaner der Mittelklasse, die im Lande geboren worden waren, in verschiedenen Reformbewegungen: Sie kämpften gegen Kinderarbeit, gegen korrupte Politiker, für ein öffentliches Bildungswesen und für Frauenrechte. Die Eugenik passte hervorragend in dieses Reformprogramm. Beinahe alle fortschrittlichen Amerikaner vertraten um die Jahrhundertwende eugenisches Gedankengut: Die Feministin Margaret Sanger, die für Geburtenkontrolle kämpfte, war ebenso Eugenikerin wie der progressive Präsident Theodore Roosevelt. […] Für uns Amerikaner ist diese Geschichte ein milder Schock. Wir sind es gewohnt, im Supreme Court – zumindest seit dem 20. Jahrhundert – eine Bastion der Bürgerrechte zu sehen. […] Die Nazis, das zeigt dieses Buch, haben nichts erfunden. Sie haben mit dem Programm der Eugenik nur tödlichen Ernst gemacht. Die Anregung von Oliver Wendell Holmes, Kleinkinder umzubringen, die „den Test nicht bestehen“, wurde in Hadamar in die Tat umgesetzt. Und diese schmutzige, kalte Geschichte ging mit dem Zweiten Weltkrieg keineswegs zu Ende: So wurde im linksliberalen Schweden noch in den Siebzigerjahren munter zwangssterilisisiert. […] Aber wer weiß, was die Zukunft bringt. Ich hätte nie gedacht, dass offener Rassismus im politischen Leben meines Landes jemals wieder eine Rolle spielen würde. Vielleicht kommt am Ende auch die Eugenik zurück. Und vielleicht nicht nur in Amerika. (Salonkolumnisten)

Die Eugenik ist tatsächlich eines der schmutzigsten Kapitel der progressiven Bewegung. Die Warnung, die bei den Salonkolumnisten hier anklingt, sollte man daher nicht auf die leichte Schulter nehmen. In einem Land, in dem wir gerade offen die Pros und Contras der Rettung ertrinkender Menschen diskutieren sind wir vom nächsten Tabubruch nicht mehr weit entfernt. Die Sarrazins dieses Landes würden sofort Geburtenkontrollen für Einwanderer aus bestimmten Ländern einführen wollen, und sind diese erst einmal geschaffen ist die Idee, sie mit invasiven Eingriffen nachhaltig zu kontrollieren auch nicht mehr fern. Wehret den Anfängen.

9) Lasst eure Kinder frei!

Im Rückblick betrachtet, waren meine Eltern verantwortungslose Leute, jedenfalls, wenn man den heutigen Zeitgeist als Maßstab anlegt. Warum? Weil sie meine Geschwister und mich allein zur Schule und nach Hause gehen ließen. […] Das alles durften wir, obwohl die Welt für Kinder damals viel gefährlicher war als heute. In den Siebzigern gab es noch 16 bis 18 Sexualmorde an Kindern pro Jahr, heute sind es zwei bis vier. 1980, als ich zu Fuß zur Schule und nach Hause ging, starben 1159 Kinder unter 15 im Straßenverkehr. 2016 waren es 66. […] Nicht allein journalistische Berichterstattung ist der Grund für die gefühlten Risiken. Meine Vermutung ist, dass es zwischen fiktionalen und realen Kindsmorden und -entführungen kaum Unterschiede gibt, was die Wirkung der Verfügbarkeitsheuristik angeht. […] Zum einen finde ich die darin vertretene Ökonomisierung von Kindheit und Jugend sehr unerfreulich. Zum anderen behaupte ich: Wenn Jugendliche nichts mit sich anzufangen wissen, dann hat das nicht zuletzt damit zu tun, dass man ihnen ihre gesamte Kindheit über verwehrt hat, sich frei zu bewegen. Sich selbst eine Beschäftigung zu suchen, allein Freunde zu besuchen und so weiter. […] Diese Angstmachmaschine trägt offenbar dazu bei, dass Eltern heute bereit sind, ihren Kindern Freiheit und Unabhängigkeit zu nehmen, um vermeintliche Sicherheit herzustellen. Im „Economist“ waren gerade ein Artikel und ein Meinungsstück mit der These zu lesen, man solle die Sommerferien kürzen, weil die Kinder in all der freien Zeit sich doch ohnehin nur langweilen und zudem noch ein Drittel dessen vergessen würden, was sie im vorangegangenen Schuljahr gelernt haben. (SpiegelOnline)

Ich neige wahrlich nicht zum Kulturpessimismus, aber in dem Punkt muss ich Christian Stöcker überwiegend zustimmen. Die Überbewachung der Kinder und die ständigen Eingriffe der Eltern für die lieben Kleinen sind ein ernsthaftes Problem. Ich bekomme es für die weiterführenden Schulen im Berufsalltag selbst mit, und als Elternteil im Kindergarten: Bei jedem Elterngespräch bin ich bass erstaunt, wie übervorsichtig die Erzieher*innen um die jeweiligen Themen, die sie eigentlich mit einem besprechen wollen, herumtrippeln, mit wie vielen Relativierungen und Respektsbezeugungen sie ihre Sprache vollladen, als könnte man ihnen jederzeit, leicht provoziert, an die Gurgel wollen. Das steht dem Erziehungsauftrag dieser Institutionen mehr als im Weg.

Ich muss mich auch ständig an die eigene Nase fassen, was das angeht, denn ich bin selbst zu übervorsichtig und muss meinen Kids mehr zutrauen, sie zu mehr Aktivismus bringen. Gleichzeitig ist es absolut notwendig, dass man den entsprechenden Institutionen ein gewisses Grundvertrauen entgegenbringt, das heutzutage wegen der zahllosen Schreckensnachrichten kaum mehr gegeben ist. Hier kommen die Punkte mit den ständigen Katastrophennachrichten, von denen Sascha Lobo in Fundstück 3 und der Vertrauensverlust, den der Washington Monthly in Fundstück 1 für die Sozialdemokratie konstatierte, voll zum Tragen. Denn der Vertrauensverlust ist ja ein Problem für ALLE Institutionen, ob in Staat oder Wirtschaft. Und ohne Grundvertrauen funktionieren sie nicht, was dann wieder – da schließt sich der Kreis – Wasser auf den Mühlen der Radikalen von rechts und links ist.

10) Die Aufmerksamkeitsvampire

Es gibt gute Hinweise darauf, dass allein die Anwesenheit von Smartphones die Fähigkeit zur Konzentration und zur Rezeption längerer Texte reduziert, weil sie eben als Aufmerksamkeitsvampire konzipiert und optimiert sind. Untersuchungen zeigen, dass das Phänomen sogar zu einer sozialen Spaltung führt. […] Es kommt nicht primär darauf an, ob Geräte im Unterricht zugelassen sind oder verwendet werden, sondern was auf den Tablets und Telefonen passiert. Solange man die Effekte der Konkurrenz um Aufmerksamkeit ignoriert, wird man gegen Facebook & Co. verlieren. Ein zentraler Teil des schulischen Bildungsauftrags im Digitalzeitalter muss also das Erlernen von persönlicher Aufmerksamkeitsökonomie sein. Es bringt nichts, Technologie an sich zu verteufeln. Vielmehr müssen wir herausfinden, wie wir sie kontrolliert und zielgerichtet nutzen können. Leider ist das bisherige Bild der Digitalisierung an deutschen Schulen ein Trauerspiel, bei dessen Betrachtung man durchaus Verständnis für Notbrems-Reaktionen wie das generelle Smartphone-Verbot entwickeln kann. […] Die wichtigste Lehre ist jedoch: Digitalisierungsstrategie bedeutet auch immer Aufmerksamkeits-Management-Strategie. (FAZ)

Frank Riegers Artikel zum Thema ist ungeheur unstrukturiert. Man könnte fast meinen, er habe während dem Schreiben am Smartphone herumgespielt. Aber genug der Albernheiten, denn die oben zitierten Probleme, die er anspricht, sind durchaus real. Selbstverständlich verändern Smartphones den Alltag. Die Reaktion, die leider vielerorts (in Frankreich in gewohnt etatistischer Manier gleich als Gesetz verankert) Einzug gehalten hat, die Dinger einfach komplett zu verbannen, ist völliger Quatsch.

Schule ist Lebensraum. Schüler verbringen rund die Hälfte ihrer unterwöchigen Lebenszeit, teils sogar mehr, in dieser Institution. Die Schule sollte sich nicht als einen vom restlichen Leben komplett abgeschotteten Raum begreifen. Ein Instrument wie das Smartphone einfach zu ignorieren, indem man es verbietet, ist aus mehreren Gründen Quatsch. Einerseits schließt man ein Stück schülerischer Lebensrealität aus und zementiert einmal mehr, dass „Leben“ und „Schule“ getrennte Sphären sind (sind sie nicht), andererseits lässt man sich zahllose Möglichkeiten entgehen, die Dinger sinnvoll in den Unterricht einzubauen, und drittens hat die Schule einen dezidierten Bildungsauftrag, der sich auch auf die digitale Bildung verstehen muss.

Da haben wir solche reaktionären Hansel wie Manfred Spitzer, die ein Vermögen damit machen händeringend und in düstersten Tönen zu erklären, wie wenig die Kinder doch mit den Versuchungen der jeweiligen Hard- und Software umgehen können und deren Lösungsansatz darin besteht, sie bis zum 18. Lebensjahr zu verbieten. Wie in diversen anderen Lebensbereichen auch gut zu erkennen ist fördert ja nichts mehr den verantwortungsvollen Umgang, als etwas „bis 18“ wegsperren zu wollen. Das war übrigens Ironie.

11) Die Games-Branche hat immer noch ein Problem mit Sexismus

Ninja mag nicht mit Mädchen spielen. Ninja heißt eigentlich Tyler Blevins. Er ist der erfolgreichste Streamer der Internetplattform Twitch, die zu Amazon gehört. Zehntausende schauen zu, wenn er dort live Fortnite spielt und kommentiert. Ninja hat nun öffentlich erklärt, er spiele nicht mehr mit Frauen zusammen. Kein Filmemacher, kein Theaterintendant, kein Verleger käme mit einer solchen Ansage durch. In der Computerspielszene, die sich gerade auf der weltgrößten Messe Gamescom in Köln trifft, geht das immer noch – obwohl inzwischen, wenn man Handyspiele dazuzählt, mehr als die Hälfte der Computerspieler Frauen sind. […] Bis heute gelten diese Gamergate genannten Pöbler als der radikale, reaktionäre und sexistische Arm der Gamerszene. […] Felix Falk, Geschäftsführer von Game, dem Verband der deutschen Games-Branche, verkündete dagegen bei der Messeeröffnung in Köln, in Computerspielen „spielen alle friedlich gemeinsam und bilden eine großartige Gemeinschaft“. Das Mobbing- und Sexismusproblem an den Bildschirmen wird oft kleingeredet oder ignoriert. Es gibt keine grundsätzliche Ablehnung von Frauen, aber einen zähen strukturellen Sexismus. […] Eines der beliebtesten Spiele auf der Gamescom ist beispielsweise Battlefield 5, ein Ballerspiel im Zweiten Weltkrieg, das anmutet wie eine spielbare Version von Ernst Jüngers „Stahlgewittern“. Auf der Messe dürfen sich Dutzende Besucher in einem wunderschönen, virtuell nachgebauten Rotterdam gegenseitig erschießen. Der Zweite Weltkrieg ist in den meisten Computerspielen ein harmloser Abenteuerspielplatz, besonders beliebt bei jungen Männern. In der langen Schlange vor dem Stand kommt auf 20 Männer eine Frau.Gegen das Spiel rührte sich sofort Widerstand aus der Szene, denn im ersten Trailer stand eine Soldatin im Vordergrund. „Es gibt inzwischen mehr weibliche Figuren, auch in den großen Franchises“, berichtet Nina Kiel. „Es gibt aber auch eine lautstarke Minderheit, die sich gegen solche Darstellungen grundsätzlich wehrt.“ (SZ)

Wie wenig sich in der Branche seit dem #Gamergate-Skandal von 2014 geändert hat, ist absolut beschämend. Das ist nicht nur für das Hobby selbst problematisch, das es konstant verpasst, seinen Stand als Schmuddelkind der Unterhaltungsindustrie loszuwerden und in künsterlisch bedeutsamere Dimensionen vorzurücken (und stattdessen die x-te Auflage „historisch korrekter“ Zweiter-Weltkriegs-Ballereien auflegt), sondern auch soziologisch.

Die #Gamergate-Crowd ist eine der unteranalysiertesten Anhängergruppen der Rechtspopulisten. Zornige weiße Jungs und Mann-Babys sind eine der am schnellsten wachsenden Unterstützergruppen von Trump, AfD, PiS, Fidesz, FN und Co. Trotzdem wird ständig nur über die eigentlich untypischen abgehängten ehemaligen Stahlarbeiter berichtet statt über diese wesentlich virulentere und repräsentativere Gruppe, die mit ihrem aggressiven Hass und in den extremsten Ausprägungen terroristischen Attacken eine echte Gefahr darstellt.

Man sollte das nicht leichtfertig als „sind ja nur Videospiele“ abtun oder in den Kontext der bescheuerten Debatten um „Killerspiele“ aus den späten 1990er und frühen 2000er Jahren einordnen. Es handelt sich um einen harten Kern psychisch labiler Leute, für die die Ideologien der „Alt-Right“ und die Soziotope ihrer Online-Communities den perfekten Rahmen für ihre Persönlichkeitsstörungen bieten, nicht umgekehrt. Oder weniger geschwollen: Nicht die Spiele machen diese Leute zu dem was sie sind, sondern solche Leute finden in Spielen ihre bevorzugte soziale Ausdrucksform. Es ist der gleiche Mechanismus, aus dem heraus etwa Brandstifter häufig zur Feuerwehr gehen. Aber anders als die Games-Industrie fördert die Feuerwehr die Brandstifter nicht auch noch als ihre Kernkundschaft.

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  • Wolf-Dieter Busch 26. August 2018, 05:17

    Zu 10) – Link defekt – möglicherweise bei FAZ: Aufmerksamkeitsvampire

  • Wolf-Dieter Busch 26. August 2018, 05:29

    Zu 3) – „Unwucht der Wahrnehmung“ – was will der Artikel von der Welt? Wenn auf der anderen Seite der Welt ein Unglück geschieht, soll ich mich aufregen? Wenn das grassieren würde, täten die Krankenkassen sich bedanken, das ist sicher!

    Dann gehts weiter mit den Seenotopfern im Mittelmeer. Die Frage vom Anfang – „was will …?“ – nähert sich der Antwort: Werbemaßnahme, die Burschen an Land zu nehmen – und en passant zu alimentieren. Bis zum Ende aller Zeiten oder bis zur Pleite.

    Yup. Das ist die Dramaturgie. Ich würde sagen, das ist ein lohnendes Thema für einen Schulaufsatz.

  • Wolf-Dieter Busch 26. August 2018, 05:46

    Zu 10) – Aufmerksamkeitsvampire – Zitat:

    „Die DDR fand damals eine durchaus kluge Lösung: Man entwickelte einen speziellen Schul-Taschenrechner, den SR-1, der auf die für den Unterricht nötigen Funktionen abgespeckt war und zusammen mit einem darauf abgestimmten Lehrplan eingeführt wurde – wenn auch nach Meinung der betroffenen Schüler viel zu spät.“

    Da hat die vielgeschmähte DDR eine pfiffige Lösung entwickelt, so ganz ohne „befreiten Markt“. – Ein Beispiel unter vielen!

  • CitizenK 26. August 2018, 06:56

    Die Unwucht der Wahrnehmung ist auch ein Schutzmechanismus. Wir werden ja von Katastrophenmeldungen aus der ganzen Welt überflutet: Erdbeben, Anschläge in Afghanistan und Irak, Brückeneisturz in Italien usw.

    Ich stelle mir seit einiger Zeit die Frage nach dem Sinn all dieser Meldungen in den Nachrichten. Verstörend der bodycount „Die Zahl der Todesopfer ist auf…. gestiegen“. Pervers, oder? Die Verstümmelten und Traumatisierten werden gar nicht mehr gezählt. Wie auch.

    Und da sind Umweltkatastrophen und politische Skandale noch nicht genannt. Viele der Blogs, die ich einst als „verantwortungsvoller Bürger“ abonniert hatte, klicke ich heute weg. Der Tag hat 24 Stunden, und persönliche Dinge beanspruchen auch Zeit.

    Hat jemand eine Lösung?

    • Stefan Sasse 26. August 2018, 08:06

      Nein, deswegen finde ich den Artikel ja so relevant. Denn diese Abstumpfung sorgt ja dafür, dass man bei menschengemachten Katastrophen, auf die man direkten Einfluss hätte, auch kalt bleibt und die Schultern zuckt und „Schicksal“ murmelt. Oder gleich à la Wolf-Dieter bestimmt, dass das eh nur eine Verschwörung ist um an unser Geld zu kommen und dass das Absaufen da schon die bessere Lösuing wäre.

      • Wolf-Dieter Busch 26. August 2018, 08:54

        Stefan, pardon, du moralisierst, wo menschliche Natur am Werk ist. Der Mensch – wie praktisch alle höheren Säuger – trauert um verlorene Angehörige, aber nicht um Artgenossen. Dein unausgesprochener Appell an die Solidarität geht darum fehl.

        Um das friedliche und möglichst unfallfreie Zusammenleben größerer Gemeinschaften zu ermöglichen, brauchts – pardon – konkrete Staatsgewalt. Die uns sowohl beschränkt als auch schützt. National klappt das so la la, international hängts am Völkerrecht.

        Meine Sicht.

      • Erwin Gabriel 27. August 2018, 19:13

        @ Stefan Sasse 26. August 2018, 08:06

        Oder gleich à la Wolf-Dieter bestimmt, dass das eh nur eine Verschwörung ist um an unser Geld zu kommen und dass das Absaufen da schon die bessere Lösung wäre.

        Es hat keiner das behauptet, was Du mal wieder unterstellst.

        Du hast wirklich Ahnung, wie Populismus funktioniert – das demonstrierst Du hier immer wieder aufs Feinste.

  • Stefan Sasse 26. August 2018, 12:23

    Ich lass das mal für Fundstück 11 noch da: https://pbs.twimg.com/media/DlZq0scX4AAgN4f.jpg:large

  • Blechmann 26. August 2018, 23:24

    zu 7) „Putin und Merkel in Meseberg“

    Der Artikel ist ein Haufen Unsinn. „Deutschland ist ein Land, das seine eigene Sicherheit nicht garantieren kann,“ weil es keine Atomwaffen besitzt, konventionelle Truppen sind gegen Atommächte nutzlos. Prinzipiell wäre Deutschland in der Lage Streitkräfte zu unterhalten die denen Russlands gleichwertig sind, so wie es 1914 und 1940 dazu in der Lage war. Es war eine ganz bewusste politische Entscheidung das nicht zu tun, und zwar aus Rücksicht auf die andern europäischen Staaten, die lieber von der USA als von Deutschland verteidigt werden wollen. Deswegen hat Deutschland nur eine Hilfstruppe für die US-Armee, aber keine eigene Armee mit der es sich selbst verteidigen könnte.

    Der Vergleich mit Rapallo vor 100 Jahren ist unzutreffend, weil damals Deutschland ein imperialer Staat war, der mit anderen imperialen Staaten konkurriert hat. Das ist heute nicht mehr so. Russland und USA sind imperiale Staaten, Deutschland aber nicht. Deswegen haben GB und Frankreich sich damals gegen Deutschland zusammengetan, aus Angst vor Deutschland, das ist heute aber nicht mehr so, weil Deutschland keine imperialen Ambitionen mehr hat.

    Insofern braucht Deutschland auch keine vollwertige Armee wie Russland oder USA, da es mangels Reibung imperialer Interessen keine Angriffe befürchten muss. Ob die Krim zu Russland oder Ukraine gehört, ist für Russland und die USA wichtig, für Deutschland ist es belanglos.

    Ärgerlich ist, dass so getan wird, als ob die US-Truppen zur Verteidigung Deutschlands hier stationiert sind. Das sind sie nicht. Deutschland hat keine gemeinsame Grenze mit Russland, eine Stationierung von Truppen hier würde nur Sinn machen, wenn man schon davon ausgeht Polen zu opfern und nur die BRD zu verteidigen. Die US-Truppen hier sind Eingreiftruppen, um die Interessen der USA zu verteidigen. Die werden sie nicht abziehen.

    • Stefan Sasse 27. August 2018, 08:31

      Ich will mit dem Rapallo-Vergleich auch keine imperialen Ambitionen attestieren. Die hatte Weimar so übrigens auch nicht, die hatten revisionistische Ambitionen (die die BRD auch nicht hat).

      Deiner These zu der Frage, ob Deutschland nun eine Armee braucht, stehe ich zweifelnd gegenüber. Wir sind in kollektive Sicherheitssysteme eingebunden, und innerhalb derer brauchen wir natürlich eine funktionierende Armee.

      Und die US-Truppen sind auch zu unserer Verteidigung her, keine Frage. Deutschland ist ein logistischer Dreh- und Angelpunkt der US Army, auch und gerade für Länder wie Polen.

      • Blechmann 27. August 2018, 15:53

        „Kollektive Sicherheitssysteme“, ist das Neusprech für Verteidigungsbündnis, was ja schon Neusprech für Militärbündnis ist? 😀

        • Stefan Sasse 27. August 2018, 16:30

          Nein, das sind alles andere Sachen.
          – Militärbündnisse sind etwa die vor dem Ersten Weltkrieg und gelten auch für Angriffe.
          – Verteidigungsbündnisse wie die NATO dienen wie der Name sagt ausschließlich der Verteidigung.
          – Kollektive Sicherheitssysteme sind niedrigschwelliger und gleichzeitig umfassender. Die OSZE ist etwa ein kollektives Sicherheitssystem.

          • Blechmann 31. August 2018, 17:46

            „– Verteidigungsbündnisse wie die NATO dienen wie der Name sagt ausschließlich der Verteidigung.“

            Sorry, aber das ist doch fern jeder Realität. Wie oft wurden NATO-Staaten denn militärisch angegriffen seit der Gründung? Und wie oft hat die NATO Angriffskriege geführt? Und was meinst du mit „wie der Name sagt“?

            „Die OSZE ist etwa ein kollektives Sicherheitssystem.“

            Gut, in der OSZE ist Russland mit drin. Um in der OSZE zu sein braucht man aber keine funktionierende Armee.

  • R.A. 27. August 2018, 12:03

    3)
    Es ist erstaunlich, daß ein intelligenter Mensch wie Lobo den entscheidenden Punkt nicht versteht oder davon ausgeht, daß er seine Leser davon ablenkend in die Irre führen kann.

    Daß uns Briten etwas mehr interessieren als Ghanaer ist ja hier nicht der entscheidende Punkt.
    Sondern daß die Leute zu Recht unterscheiden zwischen dem echten Unglücksfall der Passagierin und der inszenierten Seenot als Teil einer Schleuser-Planung. Was man schon daran sieht, daß die gerettete Britin hinterher gerne wieder nach Hause fährt, während die „geretteten“ Migranten genau dort nicht hinwollen.

    Bekanntlich kann man ja über Migration sehr lange Diskussionen führen. Aber nicht mit so oberflächlichen Vergleichen wie bei Lobo.

    • Blechmann 27. August 2018, 16:55

      Das ist natürlich der Hauptunterschied, dass die „Flüchtlinge“ sich mit voller Absicht in Seenot begeben, um nach Europa zu kommen. Deswegen stellt sich die Frage, ob die Seenotrettung Sinn macht.

      • Stefan Sasse 27. August 2018, 18:22

        Leute, hört ihr euch eigentlich reden? Keiner von denen begibt sich absichtlich in Seenot. Seenot ist fucking lebensgefährlich. Jeder von denen will am liebsten eine ereignislose Reise nach Europa bei ruhiger See und leichter Bewölkung. Die hoffen darauf, dass falls sie in Seenot geraten gerettet werden. Aber die Idee, das sei ihr Ziel, ist völlig irre. Dass die Schlepper mit dieser Annahme operieren steht noch einmal auf einem anderen Blatt, aber kein Flüchtling würde, wenn er die Wahl zwischen einem hochseetüchtigen Gefährt und einem Seelenverkäufer hätte auf letzteren steigen.

        • Wolf-Dieter Busch 27. August 2018, 18:24

          Nicht absichtlich? Aber hallo! Wach auf!

        • R.A. 27. August 2018, 19:11

          > Keiner von denen begibt sich absichtlich in Seenot.
          Aber selbstverständlich!
          Die libyschen Schlepper fahren ein paar Kilometer hinaus, dann steigen die „Flüchtlinge“ in die Schlauchboote um, dann wird der Notruf abgesetzt und die libyschen Schlepper fahren zurück.
          Dann kommen die europäischen Schlepper und „retten“ die Leute aus den Schlauchbooten, in die sie zur Herstellung von „Seenot“ freiwillig gestiegen sind.

          > Seenot ist fucking lebensgefährlich.
          Ja. Es kann passieren, daß das Wetter schlecht wird oder die Boote absaufen, bevor die europäischen Schlepper kommen. Das ist einkalkuliertes Risiko.

          > Jeder von denen will am liebsten
          > eine ereignislose Reise nach Europa
          > bei ruhiger See und leichter Bewölkung.
          Dafür sind die Boote nicht gedacht.
          Das mit der Überfahrt war vor einigen Jahren, bis dann die europäischen Schlepper auftraten um den größeren Teil der Überfahrt zu organisieren.

          > aber kein Flüchtling würde, wenn er die Wahl
          > zwischen einem hochseetüchtigen Gefährt und
          > einem Seelenverkäufer hätte auf letzteren steigen.
          Doch genau diese Wahl hat er und trifft er.
          Es verkehren ja ganz normale seetüchtige Schiffe zwischen Afrika und Europa. Regulärer Fährverkehr. Sogar billiger als die Schlepper.
          Aber wer mit diesen Fähren kommt, darf ohne Einreiseerlaubnis nicht an Land und fährt dann nach Afrika zurück.

          • Erwin Gabriel 27. August 2018, 19:16

            Zustimmung!

          • Stefan Sasse 27. August 2018, 20:22

            Mein Argument ist: die Schlepper machen das. Ob die Flüchtlinge das so bewusst machen? Anderes Thema.

            • Wolf-Dieter Busch 28. August 2018, 05:41

              Auf den Seenotfotos zu sehen: die Leute tragen nahezu militärisch-einheitliche Rettungswesten. Das deutet auf professionelle Vorbereitung der Schlepper-GmbHs in industriellem Maßstab. So was kann vor der Öffentlichkeit nicht geheim gehalten werden. In Zeiten des Handys also sind die Burschen über den organisatorischen Ablauf bestens informiert.

              Das sind übrigens Strapazen, die überwiegend junge, kräftige Kerls sehenden Auges auf sich nehmen.

              Die Annahme, die wären nicht vorher bestens im Bilde, ist naiv.

            • Erwin Gabriel 28. August 2018, 09:32

              @ Stefan Sasse 27. August 2018, 20:22

              Mein Argument ist: die Schlepper machen das. Ob die Flüchtlinge das so bewusst machen? Anderes Thema.

              Ich denke, dass kein „Flüchtling“ (nicht jeder flieht vor etwas; die einen oder anderen wollen auch zu einem bestimmten Ziel) zufällig in einem Boot landet.

              Um das auch noch mal zu wiederholen: Ich habe viel Verständnis (soweit ich aus meiner Wohlstandssituation deren Situation überhaupt verstehen kann) für jeden, der sich auf die Reise macht; vielleicht, in deren Situation und Alter, wäre ich wohl auch hoffnungsvoll losgelaufen.

            • R.A. 28. August 2018, 10:46

              > Ob die Flüchtlinge das so bewusst machen?
              Davon kann man wohl sicher ausgehen.
              Schon bevor sie zu Hause aufbrechen informieren die sich doch, wie das funktioniert, welche Route man nimmt, wieviel Geld man mitbringen muß und wie man sich sonst vorbereitet.
              Und das Erste was Migranten machen, wenn sie in Europa angekommen sind, ist doch die Heimat zu informieren. Mit selbstverständlich allen nötigen Details für die, die als Nächste die Reise machen wollen.

              Das sind doch aus Afrika alles keine spontanen Fluchten wie in Syrien, wenn Dorfbewohner fliehen, wenn die Armee näher kommt. Sondern das ist jeweils über lange Zeit geplant, die Familie muß dafür sparen und die Migranten sind vorbereitet.

              • Stefan Sasse 28. August 2018, 11:11

                Nur ein winziger Bruchteil der Flüchtlinge kommt per Seenotrettung an. Die meisten erreichen ihre jeweiligen Ziele regulär. Daher nehmen die die Seenot zwar in Kauf, stellen sie aber nicht bewusst her.

                • R.A. 28. August 2018, 11:38

                  Selbstverständlich gibt es andere Wege. Wie stark die jeweils benutzt werden ändert sich wohl ständig und es gibt keine verläßlichen Zahlen dazu.
                  Wir reden hier aber konkret über die Leute, die die „Seenotrettungs“-Strategie wählen. Und die gibt es, WEIL die europäischen Schlepper präsent sind und bis vor die libysche Küste fahren, um dort die ausgesetzten „Flüchtlinge“ aufzunehmen. Deren Schlauchboote für eine reguläre Überfahrt völlig ungeeignet wären.

                  Wenn es um echte Schiffsunglücke ginge (die gab es natürlich auch), müßten ja auch die libyschen Besatzungen betroffen sein. Die sind aber bei den „Rettungsschiffen“ gar nicht mit dabei, weil sie mit ihrem völlig seetüchtigen Schiff wieder nach Hause gefahren sind.

                  So mal als Realitätscheck: Es sind auf den Weltmeeren zehntausende von Schiffen unterwegs – viele davon in eher schlechtem Zustand. Trotzdem sind Schiffsunglücke eher selten, insbesondere auf einem vergleichsweise harmlosen Meer wie dem Mittelmeer.

                  Und plötzlich gibt es in einem kleinen Seebereich und seit einigen Jahren eine Vielzahl von „Schiffsunglücken“, mehr als im Rest der Welt zusammen.

                  • Stefan Sasse 28. August 2018, 18:18

                    Das bezweifle ich gar nicht. Aber der Tenor war dass „die Flüchtlinge“ (lies: alle) sich absichtlich in Seenot bringen, und das ist halt Quatsch. Dass das passiert und erklärte Strategie der Schlepper ist bezweifle ich nicht.

                    • Wolf-Dieter Busch 28. August 2018, 18:23

                      Ja genau: absichtlich herbeigeführte Seenot. Das ist der Tenor.

                      Definition: in Seenot bist du, wenn du manövrierunfähig auf hoher See bist. Die Bedingung ist erfüllt, und die Bedingung ist absichtsvoll herbeigeführt.

        • Blechmann 31. August 2018, 18:01

          Ich gehe davon aus, dass die nicht wirklich in Seenot sind, sondern ein paar Kilometer vor der Küste den Motor abstellen (oder rauspaddeln) und um Hilfe funken. Wo die Rettungsschiffe sind kann man schließlich jederzeit im Internet sehen. Ein hochseetüchtiges Gefährt wäre ihnen natürlich lieber, aber das können sie sich nicht leisten, für ein kleines Schlauchboot reicht es aber. Ich sehe nicht, was daran Irre sein soll. Da war doch das Video, wo die Rettungsschiffe ständig zwischen Sizilien und der afrikanischen Küste hin- und herpendeln. Komisch, dass die alle ein paar Kilometer vor der Küste und keiner auf hoher See in Seenot gerät.

          Wie die Prozentzahlen sind liegt vermutlich einfach an der Transportkapazität der privaten Rettungsschiffe ist. Wenn es da genug von gäbe würde das jeder so machen, denn erstens ist es billiger und zweitens sicherer als selber übers Mittelmeer zu schippern.

  • Erwin Gabriel 27. August 2018, 19:00

    Jeder ordentliche Linke fragt sich stets, warum die eigenen Positionen, die ja objektiv im Interesse der breiten Mehrheit sein müssten, eben diese Mehrheit nicht finden.

    Wenn ein Individuum (ob „links“ oder „rechts“ kann man hier mal außen vor lassen) glaubt, dass seine Positionen „objektiv“ im Interesse der breiten Mehrheit seien, hat er die Bedeutung des Begriffs „objektiv“ nicht verstanden.

  • Erwin Gabriel 27. August 2018, 19:01

    Zu 2)
    Die Stimmung in der republikanischen Partei ist gerade so, dass sie „Der Pate“ oder „Goodfellas“ anschauen und in den Mafiosi ohne jede Ironie oder Distanz ihre Rollenvorbilder erkennen.

    Zu 11)
    Die #Gamergate-Crowd ist eine der unteranalysiertesten Anhängergruppen der Rechtspopulisten. Zornige weiße Jungs und Mann-Babys sind eine der am schnellsten wachsenden Unterstützergruppen von Trump, AfD, PiS, Fidesz, FN und Co.

    Gibt es dazu belastbares Material, Untersuchungen o.ä.?

    • Stefan Sasse 27. August 2018, 20:21

      Zu 2) Da gab es letzthin einige Kommentare auf FOX News und von Abgeordneten, in denen sie Trump positiv mit Al Capone verglichen.

      Zu 11) gibt es einige im Zusammenhang mit der Wahl von 2016; in Deutschland untersucht die Medienbiene das ständig. Für die anderen Länder habe ich extrapoliert, zugegebenermaßen.

      • Erwin Gabriel 28. August 2018, 09:36

        @ Stefan Sasse 27. August 2018, 20:21

        Zu 2) Da gab es letzthin einige Kommentare auf FOX News und von Abgeordneten, in denen sie Trump positiv mit Al Capone verglichen.

        Für Trump sehe ich das inzwischen genauso. Ich bin mir nur nicht sicher, ob alle Republikaner sich ebenso verhalten. Einige sind eher still (Jeb Bush, zum Beispiel).

        Zu 11) gibt es einige im Zusammenhang mit der Wahl von 2016; in Deutschland untersucht die Medienbiene das ständig. Für die anderen Länder habe ich extrapoliert, zugegebenermaßen.

        Danke

  • Erwin Gabriel 27. August 2018, 19:03

    Zu 3)
    Deutschland diskutiert offenbar ernsthaft darüber, ob Seenotrettung sinnvoll sei – bei schwarzen Flüchtlingen.

    Typisch SPon: Deutschland diskutiert mitnichten darüber, ob Seenotrettung bei schwarzen Flüchtlingen sinnvoll ist. Die Diskussion geht zum einen darüber, dass das ständige Retten von Flüchtlingen offenbar dazu führt, dass immer sich auf den Weg machen, und zum anderen (aber nur am Rande), dass die besagten Flüchtlinge sich dadurch selbst in Seenot bringen.

    • Floor Acita 31. August 2018, 03:43

      „dass das ständige Retten von Flüchtlingen offenbar dazu führt, dass immer sich auf den Weg machen“
      Ich sitz so mit meinem Enkelchen im Arm, meine Frau und Sohn in der Küche glücklich auf der Veranda, denk an nichts Böses oder Gutes, definitiv nicht Deutschland, geniesse die Schönheit meiner Heimat, doch dann passiert es „Hast Du gesehen, Menschen auf hoher See in Not?!“, „Menschen auf hoher See in Not, das ist ja schrecklich!“, „Nein, es ist wundervoll – die wurden alle von der europäischen Küstenwache gerettet“, „Gerettet?!?! Gerettet… unglaublich, ah da mache ich mich natürlich gleich auf den Weg – Los, auf nach Deutschland!“

      So oder so ähnlich wirds gewesen sein… Von Rassismus ist hier im Blog weit und breit keine Spur, doch Afrikaner und/oder aber Araber und Perser sind Menschen die zu allerlei Schandtaten bereit, sogar ihr eigenes Leben riskierend anlasslos in Scharen nach Europa ziehen, es sei denn der Anlass ist die europäische Kultur und Gesellschaft zu zerstören. Ist einfach so, Menschen müssen ja auch akzeptieren Zigeuner, Neger, Schwuchtel genannt zu werden, ist entweder nicht so schlimm oder war nie so gemeint – Rassist oder gar Nazi (ohne Konsequenz da keine system-immanente Macht/Einschüchterung dahinter) hey, hey, hier hört der Spass auf!!!

      OK, OK *Zyniker aus*

      Aber so kommt es bei mir rüber wenn ich das Blog hier lese, so kommen die Argumente an. Wer den Eindruck zerschlagen will er sei kein Rassist (oder sie natürlich, es scheint nur trotz angeblich durch Migration höherer Vergewaltigungsgefahr prozentual weit weniger Frauen zu geben die sich in einer Weise äussern die Ihnen einen Rassismusvorwurf einhandeln würde), sollte vielleicht mal gleiche Massstäbe an Leute unabhängig ihrer Herkunft anlegen und nicht ständig eine Beurteilung anhand des „Kulturkreises“ verteidigen, befürworten, bestärken oder gar fordern…

      • Erwin Gabriel 3. September 2018, 14:30

        @ Floor Acita 31. August 2018, 03:43

        Aber so kommt es bei mir rüber wenn ich das Blog hier lese, so kommen die Argumente an.

        Wie meine Argumente bei Ihnen ankommen, ist weitgehend Ihrer Einstellung zur Situation zuzuschreiben.

        Es gehört zu den Fakten, dass die Zuwanderung einen spürbaren Einfluss auf unsere Kriminalitätsstatistik hat (keinen guten). Dazu gehört auch sexuelle Belästigung (ist auch zweien meiner Töchter wiederfahren, wenngleich es deutlich wüstere Beispiele gibt) und Schlimmeres. Es gehört auch zu den Fakten, dass gelungene Zuwanderung andere ermutigt, den Beispielen zu folgen.

        Wer den Eindruck zerschlagen will er sei kein Rassist (oder sie natürlich, es scheint nur trotz angeblich durch Migration höherer Vergewaltigungsgefahr prozentual weit weniger Frauen zu geben die sich in einer Weise äussern die Ihnen einen Rassismusvorwurf einhandeln würde), sollte vielleicht mal gleiche Massstäbe an Leute unabhängig ihrer Herkunft anlegen und nicht ständig eine Beurteilung anhand des „Kulturkreises“ verteidigen, befürworten, bestärken oder gar fordern…

        Lese ich da eine unterschwellige Unterstellung, dass ich „Rassist“ sei, wenn Sie der Meinung sind, dass ich diesen Eindruck zerschlagen / vermeiden / verhindern will?

        Ich bin der Überzeugung, dass Deutschland dringen auf Zuwanderung angewiesen ist, und ich freue mich über jeden, der kommt und etwas leisten will. Habe ich hier schon mehrfach erklärt. Ich unterstütze deshalb die auch Spurwechsel-Politik von Frau Nahles.

        Ich bin auch der Meinung, dass es maßgebliche Aufgabe der Zuwanderer ist, sich hier zu integrieren und nach unseren Regeln zu leben (in erster Linie deutsche Sprache lernen, Gesetze einhalten, finanziell auf eigenen Füßen stehen).

        Ich bin der Meinung, dass man Zuwanderer ohne Pass grundsätzlich nur dann aufnehmen darf, wenn man genauso grundsätzlich unberechtigte Zuwanderer ohne Pass wieder abschieben kann.

        Mit einem Kind im Arm auf ein Meer hinausfahren, um sich retten zu lassen, damit man bis ans Ende seiner Tage versorgt wird (darauf läuft es meiner Meinung nach hinaus), ist Erpressung; denn es kommt nicht auf die Rettung aus zufälliger Seenot an, sondern auf das Ziel Europa. Ansonsten kann man solche Schiffbrüchigen auch an das Ufer fahren, von dem aus sie losgefahren sind.

        Und ich mag keine Gewalttäter; wer gegen andere Menschen Gewalt ausübt, ist meiner Meinung NICHT in unsere Gesellschaft integriert (auch dann nicht, wenn er ein Deutscher ist; schließt links- und rechtsextreme Schlägertrupps ausdrücklich ein). Habe ich hier auch schon mehrfach gepostet.

        Also: Wenn Sie mich für einen Rassisten halten, sagen Sie das und begründen es vernünftig (dann reden wir darüber), oder lassen Sie das bleiben. Von so halbgaren Unterstellungen, wie Sie die hier angebracht haben, halte ich genauso wenig wie von den Leuten, die mit solchen Unterstellungen arbeiten.

  • CitizenK 30. August 2018, 17:41

    Haben sich die deutschen Auswanderer nach Amerika im 19. Jh. nicht auch sehenden Auges in Gefahr begeben? Die meisten davon Armuts- oder Arbeitsmigranten.

    Der Vergleich hinkt, ich weiß, aber es gibt auch Parallelen.

    • Blechmann 31. August 2018, 18:08

      Die Überfahrt nach Amerika vor Erfindung der Dampfschifffahrt auf überfüllten Segelschiffen war wahrscheinlich gefährlicher als das Überqueren des Mittelmeeres heute, wie es die Flüchtlinge machen.

      • R.A. 31. August 2018, 18:14

        Das ist nicht vergleichbar.
        Grundsätzlich waren die Segelschiffe damals gut seetüchtig und ohne außergewöhnliches Pech (z. B. mit Stürmen) sind die Auswanderer auch sicher angekommen.
        Es sind auch viele Leute regelmäßig über den Atlantik und zurück gereist, das Gesamtrisiko war überschaubar.

        Bei den „Flüchtlingen“ ist es dagegen ziemlich unmöglich, mit den Schlauchbooten überhaupt das Mittelmeer zu überqueren. Das kann überhaupt nur funktionieren, wenn die „Retter“ zum Treffpunkt kommen und die Leute übernehmen.

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