Ich bin müde

Es ist mit Sicherheit aufgefallen, dass meine Frequenz an neuen Posts in der letzten Zeit deutlich abgenommen hat und ich die Kommentarspalte praktisch gar nicht mehr besucht habe. Das hat seine Gründe, und der wichtigste davon ist, dass ich eine Blog- und Politikmüdigkeit spüre, die, so hoffe ich, nur temporär ist.

Ich habe diverse Umbrüche in meinem Leben außerhalb des Blogs erlebt, die viel Kraft und Aufmerksamkeit in Beschlag nehmen – und leider auch Netto-Einkommen, und das Blog wirft leider nicht groß Geld ab (es gibt aber eine freiwillige Spendenfunktion oben rechts…). Ich habe bemerken müssen, dass ich nicht mehr die Kraft hatte, die Debatten in den Kommentaren zu führen, und mich deswegen aus diesen weitgehend zurückgezogen. „Don’t read the comments“ wurde ein bisschen persönliche Hygiene, und für ein Blog, das sich seiner Debattenkultur rühmt und davon lebt, dass es eine lebendige Kommentarszene hat, ist das gar kein so gutes Zeichen.

Aber das wäre verkraftbar gewesen; ihr habt ja alle fleißig dafür gesorgt, dass das Licht an bleibt (danke dafür!). Mir ist parallel auch immer mehr bewusst geworden, dass ich auch immer weniger in der Lage bin, die eigentlichen Artikel zu verfassen. Ich konnte die dazu notwendige Muße und Energie nicht mehr aufbringen; das gilt übrigens auch für diesen Artikel, den ich seit Wochen mit mir herumschleppe. Dieser Teil hängt sicherlich auch mit den erwähnten Umbrüchen zusammen.

Aber nicht nur. Denn es ist nicht nur eine Frage des Blogs und des Artikelschreibens selbst, sondern vor allem der vorhergehenden Lektüre und Recherche. Ich kann die Überschriften der meisten Artikel gerade nicht mehr ertragen, von den Inhalten völlig abgesehen. Auch Twitter und Bluesky wurden zunehmend zu einer Belastung.

Ich bin nicht sicher, was die Ursache ist. Aber ich habe gerade bis Oberkante Unterkiefer genug davon, gefühlt immer dasselbe zu lesen und zu sagen, ständig Hiobsbotschaften zu konsumieren und sie selbst zu reproduzieren. Die ständige Negativität zerrt an den Nerven, und zumindest subjektiv ist es in den letzten Monaten immer schlimmer geworden (und die Meinungsumfragen spiegeln das zumindest in groben Pinselstrichen wider). Es fühlt sich an, als würden schlimme Dinge geschehen, die Lage immer mieser werden, und ich habe keinen Nerv mehr, zum drölfzigsten Mal darauf hinzuweisen, dass die AfD eine Bedrohung ist.

Das ist angesichts der aktuellen Lage sicherlich ein Zeitpunkt, der sensibel ist. Gerade als historisch einschlägig gebildete Person ist mir durchaus klar, wie sehr dieser Politikburnout zur Unzeit kommt. Aber ich bin trotz allem nur der Betreiber eines Nischenblogs, und viel wichtiger: ich kann gerade einfach nicht mehr. Es ist ein Blog- und Politikburnout, der hier gerade zusammenkommt, den ich überwinden muss. Ich hoffe, dass das einigermaßen schnell geht und werde weiter posten, wann auch immer ich kann.

Aber ich habe Schritte unternommen. Twitter und Bluesky sind vom Handybildschirm verschwunden. Ich habe auch meinen Feedreader entfernt. Das ist vor allem ein Experiment, das parallel zu „weniger Handyzeit“ läuft (Umbrüche, ihr wisst schon…). Ich habe keine Ahnung, ob das ein neues Gleichgewicht ergibt oder nur eine Pause. Ich werde es sehen. Ich hoffe, dass ihr alle in der Zwischenzeit den Blog am Leben haltet; Stefan schreibt ja bereits munter seine eigenen Artikel. Wenn irgendjemand anderes auch selbst etwas schreiben möchte, das dann diskutiert wird – ich veröffentliche euch jederzeit gerne, schreibt mir einfach eine Mail.

Ich wünsche euch bis dahin viel Spaß und alles Gute. Wir sehen uns bestimmt bald wieder.

{ 2 comments… add one }
  • Erwin Gabriel 17. August 2026, 11:36

    Hallo Stefan,

    ist eine Situation, die ich selbst kenne. Man informiert sich, man informiert sich mehr, man steigert die Informationen, und irgendwann ist’s einfach zuviel. Ich habe hier auch schon meine Phasen gehabt, in denen ich mich aus Deinem Blog zurückgezogen habe, weil es mich einfach zu sehr erschöpft hat, immer wieder die gleichen Kommentare zu lesen, die gleichen Kommentare zu schreiben.

    Pass auf Dich auf. Ich habe selbst eine beruflich bedingte Burnout-Phase gehabt, von der ich mich nie ganz erholen konnte.

    Mit den besten Wünschen
    Eugen

  • Stefan Pietsch 17. August 2026, 12:20

    Alles gut, Stefan. Ich sehe zu, dass ich in ertragbaren Abständen zumindest Kurzartikel poste, worüber diskutiert werden kann – in meiner bekannt konfrontativen Art. 🙂 Veränderungen sind wichtig, um uns neu zu sortieren. Du bist ein zu politischer Mensch als dass Dein „Burnout“ von Dauer sein könnte.

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