Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Die „Fundstücke“ erhalten ausführlichere und thematisch gegliederte Hinführungen zu verschiedenen Artikeln aus den Weiten des Netzes dar. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels empfohlen; ich übernehme keine Garantie für die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Zusammenfassungen. Für den Bezug in den Kommentaren sind nummerierte Zwischenüberschriften eingezogen, bitte auf die referieren. Dazu gibt es die „Resterampe“, in der ich nur kurz auf etwas verweise, das ich zwar bemerkenswert fand, aber zu dem ich keinen größeren Kommentar abgeben kann oder will. Auch diese ist geordnet (mit Buchstaben), so dass man sie gegebenenfalls in den Kommentaren referieren kann.
Fundstücke
1) Lust am Untergang?
Dorothea Siems zeichnet die Lage in schwärzesten Formen: „Der letzte Ausweg“ seien die von ihr und ihren Gesinnungsgenoss*innen geforderten Reformen natürlich, es ist quasi 5 vor 12. Diesen apokalyptischen Ton kennen wir aus der Standortdebatte Ende der 1990er, Anfang der 2000er Jahre bereits zur Genüge. Entsprechend gibt es auch nichts, was je befriedigen kann; jede Maßnahme wird stets zu wenig sein (siehe „Der Sozialstaatskommission fehlt der Mut“ oder „Unser Sozialstaat wird auf den Stand der 1970er-Jahre schrumpfen müssen„, „Erleben wir heute Krisen wie in der Spätantike?„). Ich habe über dieses Phänomen als „politisches Stühlrücken“ gesprochen. Es ist unabhängig vom politischen Standpunkt. Apokalypsestimmung ist deswegen wahrlich kein rechtes Alleinstellungsmerkmal. Im Spiegel schreibt etwa Ullrich Fitchner über „Alarmismus: Was eine Schlagzeile von 2018 über Klimaprognosen verrät“ über völlig danebenliegende Prognosen zum Untergang der Weltlandwirtschaft; ältere Semester mögen sich an das für die 1980er Jahre angesagte Ende der Ölförderung erinnern.
Der Tonfall, der sich etwa in „Was sich links der Mitte gerade verändert“ bezüglich einer „immer größeren Nähe zu Extremisten“ in SPD und Linkspartei zeige, ist auch in etwa in derselben schrillen Tonlage übersteigert, wie es linke Gleichsetzungen von Friedrich Merz und Björn Höcke im Bundestagswahlkampf 2025 waren, als ob es keinen Unterschied machte, ob CDU oder AfD gewählt werden. Auch deswegen sind rationalere Zwischenrufe wie der von Jacques Schuster, die Bundesrepublik sei der „beste Staat, den es auf deutschem Boden gab“ auch so wichtig. Dass solche Rufe viel zu wenig kommen, ist auch ein Problem politischer Kommunikation; nicht ohne Grund beklagt der Spiegel, dass angesichts der Landtagswahlen 2026 die AfD vorn und CDU und SPD ohne klare Botschaft seien. Das ist ein Dauerthema mit diesen Parteien, zu denen sich inzwischen auch die Grünen gesellt haben: Nur nicht anecken, nur keine Vorstellungen entwickeln, alles wegverwalten. Das schafft aber keine Zustimmung, keine Begeisterung. Demokratie aber braucht, wie in zentraler Artikel in der FR bemerkt, positive Emotionen. Die „Deutschland-Hasser“ finden sich dabei natürlich auch links wie rechts, wie Franziska Zimmerer korrekt bemerkt und dabei ein blindes Auge gegenüber der eigenen Redaktion behält. Eine Spiegelkolumne bringt diese Verdrießlichkeit auf den Punkt: „Demokratie: Vertrauen ist gut, Misstrauen fühlt sich besser an„.
Im Ausland indessen sieht man manche Sachen positiver. So findet man etwa bei Washington Monthly eine erstaunte Einschätzung der Zeitenwende (Germany’s Rearmament Is Stunning), die so gar nicht zu den ständigen Meckereien hierzulande passt, alles sei unzureichend.
2) Bildungspläne
Im Schulwesen geben aktuelle Bildungsplanreformen in Norddeutschland mal wieder Anlass, dieselben Kommentare wie immer wiederzukäuen. Anlass bietet der neue niedersächsische Grundschullehrplan, der das schriftliche Dividieren zugunsten vereinfachter Verfahren streicht. Dabei weiß er Mathematiker*innen durchaus hinter sich („Um die schriftliche Division zu lehren, ist die Zeit zu schade. Es gibt wichtigere Inhalte“). Dafür gibt es gute Gründe. Über diese Gründe aber reden die üblichen Verdächtigen mit dem Schaum vor dem Mund natürlich nicht; anerkannte Bildungsexpertin Anna Schneider etwa spricht von einer „hauptstädtischen Loser-Mentalität„, während Christine Brink (natürlich) „Bildungsbürokraten über einfache Mathematik reden“ sieht und die Begründung des Kultusministeriums in Hannover „wie Satire klingen“ hört. Natürlich, wenn man sich nicht mit dem Thema beschäftigt oder gar auskennt, dann klingt das so. Das ständige elistische Herabsehen auf alles, was irgendwie beim Staat arbeitet (siehe auch Fundstück Nummer 3) verblendet da sicherlich.
Natürlich spielt auch eine Rolle, dass beim Sumpftrockenlegen die Frösche immer am lautesten Quaken. Den Versuch in Berlin, die Lehrpläne zu entschlacken und ohne verbindliche DDR-Historie zum Abitur zu kommen, haben Geschichtslehrkräfte verhindert. Ich möchte an dieser Stelle nur zwei Bemerkungen dalassen. Die eine habe ich schon öfter getätigt: nur, weil etwas im Bildungsplan steht, können die Leute das nicht automatisch, weder im Test noch zehn Jahre später. Deswegen ist ja auch die schriftliche Division sinnlos; bereits in der Mittelstufe beherrscht die praktisch kein*e Schüler*in, und die allermeisten Erwachsenen können sie auch nicht. Wozu auch, man benutzt sie nie. Dasselbe gilt für geschichtliche Inhalte. Nun will ich sicher nicht sagen, dass man DDR-Geschichte nicht unterrichten sollte. Aber hier wird Bemerkung zwei wichtig: Nur, weil etwas nicht verbindlich im Bildungsplan steht, heißt das noch nicht, dass es nicht unterrichtet wird. Ich habe meinen Dreizehner letzthin auch eine Stunde zu 9/11 und dem Umbruch der Weltordnung in den 1990er Jahren gehalten, und das steht auch nicht im Bildungsplan. Ich fand es aber wichtig. Manchmal wäre es besser, den Leuten zuzutrauen, didaktische Entscheidungen zu treffen. Man mag es kaum glauben, aber wir wurden dafür ausgebildet.
3) Beamte
Ein richtig schönes Beispiel für die Konstruktion einer Kampagne in Verzahnung mit der Politik kann man dieser Tage bei der Springerpresse beobachten. Den Aufschlag machte Fatina Keilani mit „Wir müssen über die Beamten reden„, in der sie die übliche Ladung Ressentiments und Neid auskippte. Vier Tage später erkannte Dorothea Siemens eine „wachsende Wut auf die Beamten„, die das Blatt selbst gestartet hatte. Über die selbst losgetretene Kampagne in neutralem Ton zu berichten, ist sicherlich die Hohe Kunst im Bau eines agitatorischen Perpetuum Mobile. Im Anschluss entlarvt Jochen Zimmermann den „Mythos von der Neutralität der Beamten„, das ein „Herrschaftsinstrument“ sei. Die Feststellung, dass Beamte der Exekutive dienen, ist natürlich rasend originell; die Vorstellung, der freie Markt würde es schon regeln, beinahe rührend naiv. Dass diese Artikel zeitgleich mit einem Vorstoß des rechten sächsischen CDU-Landesverbands, den Beamtenstatus für Lehrkräfte abzuschaffen erschienen, ist sicher Zufall und der Geschichte Springers noch nie vorgekommen.
Wer an der Stelle gerne die Argumentation der Gegenseite hören möchte, wird in diesem Gastbeitrag „Warum der Beamtenstatus für Lehrkräfte kein Luxus ist“ fündig (denn natürlich richten sich die Ressentiments immer gegen die als linksgrün wahrgenommenen Lehrkräfte, während die treu konservativ tickende Polizei immer explizit ausgenommen wird). Ich finde die Argumentation aus dem Artikel im Übrigen bestenfalls teilweise überzeugend, weil natürlich auch Angestellte Dienstanweisungen bekommen können. Letztlich ist die Unabhängigkeit der Beamten einerseits (und damit ihre Immunität gegen politischen Druck) das beste Argument für den Beamtenstatus, und sie ist es ja auch, die seinen Feinden so ein Dorn im Auge ist. Auf der anderen Seite ist der Beamtenstatus aber schlichtweg ökonomisch die sinnvollere Alternative, wenn man nicht massive Einschnitte vornehmen will. Das wollen diese Leute natürlich, aber sie sind zu feige, das zu sagen.
4) Teilzeit
Nachdem wir letztes Mal eine Phantomdebatte um die Krankschreibungen führen durften, ist dieses Mal eine um die Teilzeit dran. Die Zahlenlage ist auch hier grob verfälscht, der Vergleich passt also. Der CDU-Wirtschaftsflügel hat es auch sich genommen, ein klares elektorales Gewinnerthema auszumachen und Teilzeitregeln abschaffen zu wollen (ernsthaft, wollen die eigentlich Wahlen verlieren? Das ist wie eine sich auf die Grundsicherung konzentrierende SPD), was gleich einen parteiinternen (aber umso öffentlicheren) Streit ausgelöst hat, weil bei der CDU offensichtlich gerade alle der Überzeugung sind, dass von der SPD lernen siegen lernen heißt. Kaum überraschend nennt Andreas Niesmann das beim Spiegel „Politischen Krawall ohne Verstand„, denn genau das ist es. Florian Gontek erklärt, ebenfalls beim Spiegel, dass das Problem des Arbeitsmarkt sicher nicht die telefonische Krankschreibung sei und dass die Deutschen nicht zu faul seien; vielmehr deute die Teilzeitquote (die er als einen der zentralen Gründe für die unterdurchschnittliche deutsche Wochenarbeitszeit ausmacht) auf strukturelle Probleme hin.
Es sind diese strukturellen Ursachen, die den wilden Aktionismus der CDU so sinnlos erscheinen lassen, denn schließlich basiert die weite Verbreitung von Teilzeit vor allem auf der weiterhin deutlich unterdurchschnittlichen weiblichen Erwerbstätigkeit, und die wiederum auf verkrusteten Geschlechterstrukturen und schlechten Betreuungsinfrastrukturen. Es ist hier auch wenig hilfreich, wie hier beim Spiegel ein „Ein Hoch auf die Viertagewoche“ auszurufen, weil die natürlich auch wieder so eine Privilegiertenveranstaltung ist. Für die allermeisten Leute sind Fragen von Vollzeit oder Teilzeit nicht solche der freien Wahl eines Lifestyles, sondern von äußeren Faktoren geprägt: Geld muss her (also männliche Vollzeit) und Kinder müssen versorgt werden (also weibliche Teilzeit).
Resterampe
a) The Week hat einen guten Überblick zur Debatte um die Milliardärssteuer, die Kalifornien diskutiert („The billionaires’ wealth tax: a catastrophe for California?„). Es wird auch Zeit, dass diese Debatte endlich mal konkret wird. Auch hier in Deutschland.
b) Will Google Ever Have to Pay for Its Sins? Nein.
c) Leider wird gerade kaum noch die Rolle des BVerfG im Hinblick auf die europäische Einigung analysiert, weswegen der Verfassungsblog-Artikel „No Elegy for Ultra Vires“ auch gelegen kommt und einen differenzierten Blick darauf wagt, dessen Hauptthese sich mit „die Abwesenheit von Konflikt ist nicht gleichbedeutend mit Akzeptanz“ umschreiben ließe.
d) Einen Ruf für weitere eAuto-Subventionen findet sich im Spiegel („E-Auto-Prämie: Laden muss sich lohnen„). Ich bin da etwas skeptisch; der Ausbau der Ladeinfrastruktur würde, glaube ich, für sich genommen reichen. Da braucht es keine großen Subventionen.
e) Eine der wilderen Debatten dieser Tage ist die nach dem Homeschooling. In der Welt macht sich Christoph Lemmer die AfD-Forderung zu eigen, die Schulpflicht abzuschaffen. Angesichts dessen, dass die Ergebnisse nicht eben brillant sind (He Was Homeschooled for Years, and Fell So Far Behind), ist das ein sicherer Weg ins Desaster, quasi die bildungspolitische Aufweichung der Impfpflicht.
f) Le Pen back in the dock: the trial that’s shaking France. Falls jemand hier up to date bleiben will. Ich muss ehrlich sagen, ich weiß gar nicht mehr, was ich davon halten soll.
g) Zum Thema RFK Jr. letzte Woche: die Zahl der Masernfälle in den USA steigt explosionsartig.
h) Chinas Stromnetz wird zum Vorbild, lesen wir beim Handelsblatt. Nun, nicht in Deutschland jedenfalls, wir machen das lieber schlecht.#
i) Nachtrag zum Thema LINKE und Israel: Warum sich die Linkspartei für Israelfeinde öffnet (Welt).
j) Kathrin Werners Kommentar, warum Führungskräfte knapp werden, ist zwar polemisch, aber in der Sache deswegen relevant, weil die Verantwortung der Wirtschaft für Überbürokratisierung selbst hervorgehoben wird. (Spiegel)
Fertiggestellt am 28.01.2026



1) Lust am Untergang?
Kleiner Hinweis: Die Dame heißt Siems, nicht Siemens.
Meine Meinung: Sie ist eine ziemlich kompetente Fachfrau in wirtschaftlichen Fragen und hat leider ziemlich recht mit ihrem Pessimismus.
Ups sorry.
Zu 2)
Ich erlebe gerade verwundert, dass für einflussreiche Profs in der Lehrerbildung Dinge wie Lernstandserhebungen und Kompetenzorientierung immer noch Teufelzeug sind. Da wird der guten alten deutschen „Bildung“ heftig nachgetrauert. Habe ich einen weiteren Faktor für die deutsche Bildungsmisere entdeckt? 😉
In der Lehrkräftebildung selbst doch eher nicht, oder?
Man darf gespannt sein, wie sich die fortdauernde WählerInnenbeschimpfung der Union bei den kommenden Wahlen auswirkt.
Zu krank, zu faul und prinzipiell angeblich Unwillig: Für alles scheint die arbeitende Bevölkerung verantwortlich zu sein, wenn man der Union glauben schenken darf.
Wenn die SPD jetzt noch ihr «Sozialdemokratisch“ im Namen wiederentdeckt, gibt es Anlass zur Hoffnung.
PS: Wenn der Kanzler heute eine Rentenreform noch diesen Herbst androht, sollten sich alle Lohnabhängigen schon mal ganz warm anziehen. Denn unter der Reformen der Union leidet immer nur die arbeitende Bevölkerung. Auf eine gerechte Vermögenssteuer- und Erbschaftssteuerreform, die Einführung einer Bürgerversicherung und die Abschaffung der Beitragsbemessungsgrenze dagegen wird man bei der Union vergeblich warten.
In der Schweiz sind Zahnarztleistungen von jeher Privatsache. So senkt man die Sozialabgaben, nicht aber die Kosten für die Bürger. Inzwischen ja zurückgerudert. Bei den Wahlen wird das trotzdem nicht für die SPD einzahlen.
Die Schweiz hat auch eine Vermögensteuer und keine Beitragsbemessungsgrenze bei den Renten.
(Lach). Die Schweiz hat ebenso wesentlich niedrigere Abgabensätze als Deutschland. Ich nehme die Schweiz als Gesamtpaket sofort, nur deren Rosinenpicker wollen NUR die Schweizer Vermögenssteuer oder die Schweizer Beitragsbmessungsgrenzen aufgesattelt auf das deutsche System.
Diese «Rosinenpicker» … sind diese gerade in einem Raum mit ihnen?
Gucken Sie in den Spiegel und beantworten sich die Frage selbst, bitte?
So senkt man die Sozialabgaben, nicht aber die Kosten für die Bürger.
Das stimmt ja nicht.
1) Lust am Untergang?
Deutschland hängt in einem 10-Jahres-Turnus mit praktischem Nullwachstum hinter allen anderen G7-Staaten ab. Auch in 2026 ist Stagnation angesagt. Die Wirtschaftsweise Veronika Grimm hat das dieser Tage in aller Deutlichkeit aufgezeigt: Von den prognostizierten 0,9 Prozent (Bundesregierung: 1 Prozent Wachstum) entfallen 0,3 Prozent aus Überhängen Vorjahr, 0,3 Prozent aus dem schuldenfinanzierten Infrastrukturprogramm der Bundesregierung und weitere 0,3 Prozent aus günstigen Feiertagsregelungen. Also praktisch Null, und das im sechsten Jahr in Folge.
Jedes andere Land hätte auf eine derart dramatische, in der Nachkriegsgeschichte noch nie vorgekommene Stagnation längst mit massiven Steuer- und Bürokratieerleichterungen gegengesteuert. Nicht so Deutschland. Hier wird auch in einer depressiven wirtschaftlichen Lage ernsthaft über Steuererhöhungen diskutiert. Selbst für punktuelle Steuererleichterungen fehlt dem Bundesfinanzminister schlicht das Geld. Schon 2030 wird der Bund in seinen Ausgaben für Soziales (maßgeblich Rente), Zinsen und Verteidigung derart gefesselt sein, dass er keinen Spielraum für weitere Ausgaben hat.
Und bis 2030 werden sich 3 Millionen Erwerbstätige (oder mehr) per Saldo in den Ruhestand verabschieden, meist diejenigen mit höherem Einkommen und höheren Steuerzahlungen. Wo das Geld für den dynamisch wachsenden Sozialetat herkommen soll, weiß kein Mensch. Aus dem Produktivitätswachstum jedenfalls nicht. Auch hier hängt Deutschland mit einem Promillewert regelrecht ab. Wenn wir von 2019 bis 2027 Stagnation haben, folgt ab 2028 Schrumpfung, denn die Politik hat sich entschieden, nicht dagegen zu steuern.
Warum es so ruhig ist? 2006 kam die deutsche Wirtschaft auch nicht wegen Guter-Laune-Bären aus dem Quark, sondern weil die Politik spürbar reagiert hatte. Und die Menschen schlicht Angst. Heute arbeiten viel mehr im Staatsdienst, sind nahe dem Ruhestand (der gesetzlichen Grenze oder aus eigener Vermögensfreiheit) und damit narkotisiert.
Schon 2022 prognostizierte ich, wir werden ein Rattenrennen erleben was schneller in diesem Land schrumpft: Die Zahl der Erwerbsfähigen oder die Zahl der Arbeitsplätze. Lagen anfangs die Erwerbstätigen vorn, was zu höheren Löhnen führte, hat sich die Lage umkehrt. Jetzt nimmt die Zahl der Arbeitsplätze ab, die Arbeitslosenzahlen nehmen zu und es gibt keine echten Lohnerhöhungen.
Ein solches Versagen muss man als Land auch erstmal hinbekommen.
2) Bildungspläne
Im diesjährigen Dschungelcamp erklärte eine Teilnehmerin in allem Ernst, die Erde sei flach, da ja sonst die Flugzüge an einer Ecke runterfallen würden. Hat sie von Herrn TikTok.
Es ist eine Legende, dass man nach der Schule nicht mehr dividieren müsse. Das bilden sich zwar viele ein, ihr Können bei einfachsten Haushaltsrechnungen sind allerdings auch dem entsprechend. Auch hier müssen Unternehmen die Konsequenzen der Bildungsmisere auslöffeln. Ernsthaft gefragt: Ausgerechnet ein Lehrer präsentiert hier eine Meinung, dass die Kids ruhig weniger lernen brauchen (außer frühzeitig auf einem Handy rumdaddeln). Was sollen Schüler da eigentlich noch lernen?
Auf dem Weg zum Abitur bin ich dreimal durch die Geschichte der Weimarer Republik und dem Dritten Reich. Zugegeben, für die Nachkriegsgeschichte blieb dann Anfang der Achtzigerjahre wenig Zeit. Aber die Sensibilität für die Zeit und die historischen Folgen haben meine Einstellungen maßgeblich geprägt.
Der Sozialismus deutscher Bauart hat eine Region dieses Landes nachhaltig verwüstet: wirtschaftlich, gesellschaftlich, kulturell. Gerade zehren die Nachkommen der SED vom Vergessen. Wie sonst könnten politisch verantwortungslose Gesellen wie Reichinnek und Ines Schwerdtner Sirenenklänge von der Schönheit staatlicher Lenkung in die Ohren träufeln?
Ja, nichts repräsentativeres als das Dschungelcamp gibt es. Und in der Schule wird legendär nicht gelehrt, dass die Erde rund ist. Mannomann.
Du ignorierst schon wieder das, was dasteht, und argumentierst gegen einen Strohmann. NIEMAND behauptet, man müsse in der Schule oder im Leben nicht dividieren. Das einzige, was gesagt wird, ist, dass man nicht SCHRIFTLICH dividieren muss. Und das ist korrekt. Wer von uns dividiert denn je schriftlich? Erneut, der Großteil der Erwachsenen kann das auch nicht.
Geschichte: Freut mich, dass es dich geprägt hat. Auch heute gibt es ja viel verbindliche Inhalte. Man macht (zumindest in BaWü) zweimal den Durchgang bis zur Wiedervereinigung.
Ich werde sicher nicht diesen Scheißstaat verteidigen.
Na ja, Studien dazu hältst Du ja für völlig überbewertet. Da dachte ich, ich probiere es mal mit Lebenserfahrung.
Kommt darauf an. Pauschale Ablehnung trifft es ebenso wenig wie mit den Bienchen und Blümchen.
…aber die linken Ignorant:innen?
Troll.
Was meinst du?
Nö.
Studien sagen uns seit Anfang / Mitte der Zehnerjahre, dass es sowohl mit der Bildung in den Grundschulen als auch im oberen Bereich deutlich bergab geht. Bisher sehe ich Dich in Deinen Kommentaren immer nivellierend (= nicht so tragisch).
Wir brauchen das Schriftliche Dividieren genauso wie Goethe. Nicht jeder, nicht jeder in jeder Situation, aber immer ein Teil.
Nun, bisher ist die LINKE – von Ralf bis zu Dir – auf dem Weg, eine nette, satisfaktionsfähige Partei zu sein.
Das ist absolut tragisch! Aber wir können das nur bekämpfen, wenn wir die Ursachen richtig analysieren.
Genau. Und niemand muss Goethe auswendig kennen. Um im Bild zu bleiben.
Ist sie ja auch. Für mehr Staatsintervention zu sein (völlig grundgesetzkonform) heißt ja nicht, die SED zu sein.
Wir sind seit 25 Jahren am analysieren und können uns nicht einmal darüber einig werden.
Ich liebe den Faust. Aber ich habe ihn nicht auswendig gelernt und das war auch in den Achtzigerjahren nicht Standard – um gleich Legendenbildungen vorzubeugen.
Es gehört in den Unterricht, was der Staatssozialismus angerichtet hat. Dahin will die Linkspartei zurück, nur darf man es nicht so nennen. Ihr Mantra: Wir unternehmen einen neuen Anlauf zum Sozialismus, nur diesmal (wirklich!) richtig.
Schüler sollten am realen Beispiel DDR lernen, was das bedeutet. Dafür haben wir ja Geschichte, damit wir aus der Vergangenheit lernen können.
Du, die Geschichte der DDR gehört definitiv in den Geschichtsunterricht. Das ist wahr. Es ist auch wahr, dass die Bildungspläne völlig überfrachtet sind. Unterhalte dich mal mit Geschichtslehrkräften; fast niemand „schafft den Lehrplan“. Die sind einfach zu voll. Das wird auch im Referendariat und auf jeder Fortbildung quasi von höchster Stelle bestätigt. Ich frage halt, wie nützlich bedrucktes Papier ist. Gerade du müsstest als Profikritiker von bürokratischen Vorschriften doch eine Sensibilität dafür haben. Mein Punkt ist letztlich: das bedruckte Papier Bildungsplan ist nicht die relevante Messgröße, sondern die Ausbildung und Eignung der Lehrkräfte. Man muss hier ansetzen, dass denen klar ist, welche Themen wichtig sind. Denn ironischerweise hätte eine LINKE auf einen Bildungsplan, der den Lehrkräften mehr Verantwortung lässt, WENIGER Einfluss als das aktuelle Herumgeschreibe in den Dingern.
Ich hab dazu auch eine Anekdote: in BaWü wurde in den neuen Bildungsplänen 2016 die Geschichte des Osmanischen Reichs aufgenommen. War ein zentrales Anliegen rot-grüner Bildungspolitiker*innen. Die Idee war, dass in Klasse 10 Imperien unterrichtet werden: Russland, Osmanisches Reich, China, und das dann alles verglichen wird. Nette Idee, hat nie funktioniert (u.a. weil viel zu ambitioniert für Klasse 10). Als die CDU dann 2016 mit an die Regierung kam, wurden die Bildungspläne modifiziert: jetzt wurde zusätzlich verbindlich reingeschrieben, dass der Völkermord an den Armeniern auch unterrichtet wird. Der Bildungsplan war aber vorher schon zu voll, und natürlich wurde nichts rausgestrichen. Jetzt stehen aus politischen Gründen (und guten Gründen!) noch mehr Inhalte drin. Nur werden die deswegen noch lange nicht gelernt.
Du, die Geschichte der DDR gehört definitiv in den Geschichtsunterricht.
Die Verbrechergeschichte der verschiedenen Ausprägungen von „Kommunismus“ gehört in den Geschichtsunterricht, in etwa der gleichen Breite und Tiefe, wie der Nationalsozialismus.
Absolut.
Du, ich hatte auch mal Geschichtsunterricht. Soweit ich mich erinnere, habe ich sogar Abitur gemacht. Das weiß ich aber nicht mehr so genau.
Gerade du müsstest als Profikritiker von bürokratischen Vorschriften doch eine Sensibilität dafür haben.
Lustig, ausgerechnet bei Lehrplänen das Argument mit der Bürokratie zu bringen! In dem Punkt hätte ich mir zu Schulzeiten durchaus mehr Bürokratie gewünscht. Erstens wäre dann vielleicht das Niveau der hessischen Schulen besser aneinander angepasst und zweitens wäre mir die Ideologisierung durch Gesellschaftskundelehrer erspart geblieben (Stichwort: Systemvergleich und Vorteile des Sozialismus).
Eins weiß ich aber immer noch nach über 40 Jahren: Die Klage über volle Schulpläne ist uralt. Geschadet haben sie jedenfalls meiner Generation nicht.
Was mich in meiner These bestätigt 🙂
Für die AfD ist das Dschungelcamp durchaus repräsentativ.
Im Bayrischen Landtag sitzt nämlich eine Abgeordnete, die anzweifelt, daß die Erde eine Kugel ist:
https://www.bild.de/regional/muenchen/muenchen-aktuell/32-abgeordnete-im-landtag-so-rechtsradikal-ist-die-neue-afd-85789356.bild.html
Die AfD hat sie in den Ausschuß für Bildung und Kultus entsandt:
https://www.bayern.landtag.de/abgeordnete/abgeordnete-von-a-z/profil/ramona-storm/
Es ist eine Legende, dass man nach der Schule nicht mehr dividieren müsse.
Wann haben Sie das letzte mal schriftlich dividiert? Ich habe das mit Sicherheit nach der 7. Klasse nicht mehr getan. Es ist schon ok, dass nicht mehr notwendiges Wissen aus dem Lehrplan gestrichen wird. Niemand muss heutzutage noch Wissen, wie man einen Rechenschieber anwendet.
Ich persönlich finde es schade, dass die schriftliche Division gestrichen wurde, aber die Argumente hierfür sind nachvollziehbar.
Exakt.
Ich war noch damit »gesegnet«, das schriftliche Wurzelziehen erlernen zu müssen. Was bin ich froh über diese preiswerten und praktischen Rechenmaschinen, die einen von solcher leidiger und leicht automatisierbarer Mühe befreien! Was gibt es für ein besseres Anzeichen des Fortschritts als die Reduzierung quasi-mechanischer und damit automatisierbarer Arbeit.
Und was war ich sauer, als ich nach meiner Schulzeit erlernte, wie viel einfacher und weniger fehlerträchtig das antike Heron-Verfahren bei der näherungsweisen Berechnung einer Quadratwurzel ist! Da hat man meine Lebenszeit mit dem drillartigen Erlernen eines in der Praxis ineffizienten Rechenverfahrens (neudeutsch: Algorithmus) gestohlen. Non vitae, sed scholae discimus!
Über das lebenspraktisch wichtige Addieren und Multiplizieren hinausgehender Rechenunterricht im Zeitalter der Rechenmaschine ist mehr als nur ein bisschen sinnfrei; erforderlich wäre aber eine Schulung des nummerischen Abschätzungsvermögens, damit man genannte oder geschriebene Zahlen schnell auf Plausibilität überprüfen kann – und ein bisschen »richtige« Mathematik. Die ist aber zu abstrakt für die Grundschule.
Interessantes Trivia wegen dem von dir erwähnten Heron-Verfahren: Es gibt auch für die Division eine effizientere Alternative zur langen Division, die auch deutlich älter ist: Die Batello-Methode ist deutlich weniger „raumgreifend“, hat aber den Nachteil, dass die Fehlersuche/Kontrolle schwerer ist. Sie wurde von Al-Kwarizmi im 9. Jahrhundert vorgestellt, kann also beanspruchen, der älteste „Algorithmus“ zu sein.
In der Buchhaltung und im Controlling muss ich es (können). Viele brauchen später auch nicht mehr das Wissen über die Fortpflanzung. Alles relativ.
Sorry für den höflichen Einwurf aus der Praxis: Meine Fähigkeit, Zahlen im Kof zumindest überschlägig zu berechnen, hat mich bzw. mein Team in der Praxis mehr als einmal vor einer Blamage bewahrt. Und das Verlassen auf den Taschenrechner hat mehr als einen Kommilitonen das Bestehen der Statistik-Klausuren in BWL gekostet, vor 40 Jahren.
Es ist prima, dass Sie Maschinen nutzen, die ihnen Arbeit abnehmen. Wenn Sie allerdings nicht mehr in der Lage sind, das Ergebnis der Maschine wenigstens auf Plausibiltät zu überprüfen, werden Sie früher oder später verlieren. DESHALB ist das Abschaffen schriftlicher Disivion ein Fehler – es eliminiert eine der Grundrechenarten als menschliche Fähigkeit.
Gruss,
Thorsten Haupts
@Thorsten Haupts
Sie argumentieren hier gegen einen Strohmann. Natürlich ist es wichtig Berechnungen zu überschlagen und Ergebnisse auf Plausibilität zu überprüfen. Genauso wichtig ist das Kopfrechnen. Das ist aber überhaupt nicht das Thema. Hier geht es um schriftliches Dividieren.
Und das Argument, dass man sich nicht auf einen Taschenrechner verlassen sollte, ist ja sowas von realitätsfern. Es hat heutzutage eigentlich jeder einen Taschenrechner fast immer dabei (sein Handy). Dagegen haben mit Sicherheit wesentlich weniger Leute Stift und Papier bei der Hand.
Auch an Sie die Frage: Wann haben Sie das letzte Mal schriftlich dividiert?
Vor einigen Monaten.
Das ist ja aber genau der Punkt: IM KOPF! Die Fähigkeit, die du lobst, mit der Begründung, ist ja genau das, was der Niedersachsener Bildungsplan STÄRKEN UND ERREICHEN will!
Ich hätte gerne den Lehrer/die Lehrerin kennengelernt, der/die Dividieren IM KOPF unterrichten kann, ohne den Weg über schriftliches Dividieren zu gehe (um Methode und Rechenweg zu erlernen). Zeigst Du ihn mir?
Leute, das ist genau das Thema: ihr wisst schlicht nicht, wovon ihr redet. Was Niedersachsen in den Bildungsplan packt und unterrichten will ist das so genannte halbschriftliche Dividieren. Das steckt schon im Namen. Ihr könnt ja gerne so Sachen kritisieren, aber dann müsst ihr euch mit dem Gegenstand schon beschäftigen. Glaubt ihr ernsthaft, dass massenhaft studierte Mathematiker*innen nicht in der Lage sind, so eine grundlegende Frage zu beantworten?
????? Habe gerade geprüft, ob ich es richtig verstanden habe. Halbschriftliches (=schriftliches) Dividieren anstatt vollschriftliches (=schriftliches) Dividieren? Wo genau ist da überhaupt der Nachrichtenwert? Ausser, dass man EINE Operation in mehrere Operationen überführt (völlig ineffizient).
https://www.grundschulkoenig.de/mathe/4-klasse/halbschriftliches-rechnen/halbschriftliches-dividieren/
Ziehe meine vorherigen Beiträge zurück, sie verfehlen den Punkt zu 100%.
Gruss,
Thorsten Haupts
Soweit ich das verstehe ist wesentlich einfacher verständlich und reicht für die geforderten Aufgaben völlig aus. Es ist im Endeffekt auch das, was man später im Kopf macht (und daher nützlich) und fördert das Zahlenverständnis mehr. Aber: ich bin kein Mathelehrer, das ist nur Außensicht.
Es soll ja auch nicht gestrichen, sondern nur in eine höhere Klasse verschoben werden. Das Abendland geht schon nicht unter dieserhalb.
4) (und indirekt (1))
Ich habe neulich einen Vortrag eines Ökonomen gehört, nachdem in neueren Umfragen unter Teilzeitarbeitnehmenden so langsam vereinzelt auch als Begründung auftaucht: Reaktion auf wahrgenommene Aufkündigung des Generationenvertrags; Stichwort „Verschleppung von Rentenreformen / Besser wird’s nicht mehr – im Gegenteil…“.
3) Beamte
Die Mär von der Vorteilhaftigkeit des Berufsbeamtentums ist so alt wie ihre Kostgänger. Die Vorteile sind gigantisch und werden in der Öffentlichkeit extrem kleingerechnet. Die Dynamik in den Pensionslasten übersteigen die in der gesetzlichen Rentenversicherung. Allein seit 2020 sind die Pensionsausgaben des Staates von 65 Milliarden Euro auf 82 Milliarden Euro in die Höhe geschnellt, Tendenz: sehr stark steigend. In der Rentenversicherung betrug der Ausgabenanstieg nur 11 Prozent (Pensionen: 25 Prozent).
Wenn Beamte so vorteilhaft sind wie behauptet, stellt sich die Frage, warum in den Jahrzehnten nicht andere Länder dem deutschen Beispiel gefolgt sind. Lehrer beispielsweise sind selten verbeamtet und in praktisch allen OECD-Ländern günstiger als in Deutschland. Dafür bekommen Eltern und Schüler hier eine misere Lernqualität, wie ebenfalls die OECD regelmäßig bestätigt.
Lehrer werden in den meisten Ländern schlechter bezahlt als in Deutschland. Und das ist das Ziel. Verzeih, wenn ich nicht meine Entlohnung um mehrere 10k im Jahr gesenkt sehen will.
In Frankreich werden Lehrer mindestens 40% schlechter bezahlt als in Deutschland. Was ich das so mitbekomme, legt nicht den Schluss nahe, dass der französische Staat da an der richtigen Stelle spart.
Wer will das schon? Aber ich sage Dir zweierlei: In meinen Jobs, wo das Entgelt frei verhandelt wird, steigt manchmal das erzielbare Entgelt und manchmal sinkt es. Und: Es muss immer jemanden geben, der das bezahlt. Warum sollen die deutschen Steuerzahler mehr für Lehrer ausgeben, wenn, diese damit eher überbezahlt wären?
Es ist mein Geld, das da verbraten wird. Deswegen, auch für mich ist das eine persönliche Sache, wenn ich gleichzeitig vorgehalten bekomme, dass meine Steuerzahlungen zu niedrig wären.
Wogegen du dich entschieden und aggressiv verwahrst, möchte ich hinzufügen. Bis hin zu „undemokratisch“ und „grundgesetzwidrig“. 🙂
Weder noch. Es ist weder ein Natur- noch ein Grundgesetz, dass Einkommen und Gehälter nicht fallen dürfen. Nur nicht in laufenden Verträgen, Stefan. Also von daher kannst Du Dich ganz entspannt zurücklehnen und zusehen, wie ich mich an den zukünftigen Lehramtsanwärtern abarbeite. 🙂
Also: Lehrer sind überbezahlt, bekommen eine überhöhte Pension und haben lange Ferien. Warum wollen aber trotzdem immer weniger junge Leute Lehrer werden?
Aus den gleichen Gründen, warum immer weniger Führungsverantwortung in Unternehmen übernehmen wollen (obwohl das auch besser bezahlt ist): Die Scheu von Verantwortung und die Abneigung, sich mit anderen Menschen herumzuärgern.
In Unternehmen kann man auch als Spezialist sehr gut verdienen und beim Staat in der Verwaltung. Ohne den ganzen Ärger.
Es wird ein Kommunikationsthema sein – die Privilegien der Beamten kommen schon krass unter Druck, wenn der normale Arbeitnehmer 48 % seines letzten Gehalts als Rente hat und beim Beamten sind es 70 % – das kann man auch nicht betrieblicher Altersvorsorge rechtfertigen.
Mein größtes Problem bei den Beamten ist der Umgang mit Lowperformern bzw. Verweigerern. Gerade weil sie einen besonderen Status haben, hätten Beamte hier eine besondere Vorbildfunktion. Zumal das viele Spitzebeamte gemessen an der Verantwortung ein lächerliches Gehalt beziehen. Aber zur Wahrheit gehört auch, dass sich nicht wenige ganz schön gemütlich eingerichtet habe – in Bonn gibt es zig Büroflure von Beamten die dorthin abgeschoben wurden, weil sie anderen Kollegen nicht zuzumuten sind, bzw. eine Arbeitsmoral an den Tag legen, die Verweigerung noch schmeichelhaft beschreibt.
Leider bekommt man diese Leute nicht los. Man mag einwenden, dass das in mach einem Konzern ähnlich sei – dort werden die Leute auf Kosten der Allgemeinheit frühverentet.
Wenn die Beamtenschaft was für ihre Akzeptanz tun will, muss der Beschützen der Faulen Eier ein Ende haben.
Ja, da widerspreche ich dir keine Sekunde. Aber da hin gehen die Vorschläge ja nicht. Die wollen allen, auch den Highperformern und dem breiten Mittelfeld, was wegnehmen. Das ist eine einzige Neiddebatte.
Das halte ich für unwahrscheinlich – by experience. Ich kann auf über 50 Jahre nähere Erfahrung mit dem Beamtenrecht zurückblicken und das allerletzte, was die Politik in diesem Leben tun wird, ist bei den Beamten Privilegien zu streichen. Und sollte doch jemand selbstmörderisch diese Absicht hegen, blockieren die obersten Gerichte (besetzt mit Beamten) die Versuche.
Es ist auch umkehrt zu dem, wie Sie schreiben. Die unteren Besoldungsstufen liegen deutlich über Markt, weshalb der Staat besonders bei Erwerbsfähigen mit niedrigeren Bildungsgraden besonders beliebt sind. Ja, das hat sich inzwischen auch etwas in die höheren Bereiche verschoben. Das gilt aber besonders für Frauen, die aus familiären wie aus solchen einer besseren Work-Life-Balance ungern Vollzeit arbeiten möchten. Und genau das ist ein zentrales Problem: Der öffentliche Dienst zieht besonders Menschen an, die keine großen Karriereabsichten, aber starke private Motive haben.
Die Minderleister in Konzernen muss ich nicht bezahlen. Die in den öffentlichen Verwaltungen belasten mein Steuerbudget.
In so gut wie allen Bundesländern waren Konservative/Liberale lange Zeit an der Macht. Meist stellten sie den KuMi und den Finanzminister. Geändert hat sich da wenig. Es sind/waren nicht immer die „Linken“
Hessen wurde bis Ende der Neunzigerjahre hauptsächlich von der SPD und später im Konzert mit den Grünen regiert. Ganz schlimm sieht es in der Bildung in Bremen, NRW und Berlin aus – jahrzehntelange Hochburgen der Sozialdemokraten. Und Baden-Württemberg ist es auch nicht bekommen, dass 2011 die Grünen die Regierungsmacht übernommen haben.
Vorbildlich in der Bildung sind unionsregierte Bundesländer wie Bayern, lange Baden-Württemberg, Sachsen.
Könnte aus BW Stories erzählen – unter einem fußballbegeisterten CDU- KuMi. Keine Handhabe gegen faule und unfähige Lehrer – aber gegen linke.
Die objektiven Daten sprechen für die alte CDU und gegen die Grünen. Sie haben den Aufschlag gemacht und Sie haben früher die Schlechtleistungen in den SPD-Hochburgen wegen dem Ausländeranteil verteidigt.
Dass der Staat keine Handhabe gegen faule und unfähige Lehrer hat, ist von Parteifarben völlig unabhängig. Da müssten Sie schon zu einer generellen Staats- und Beamtenkritik ansetzen – was Sie grundsätzlich nicht tun. Was ich erlebt habe:
Englischlehrer, die Generationen von Schülern die Freude an der Sprache versaut haben. Physiklehrer, die Aufgaben außerhalb des Unterrichtsstoffs abfragen. Klassenlehrer, die über Jahre die Lernbehinderung von geistig zurückgebliebenen Schülern nicht erkennen.
Englischlehrer, die Generationen von Schülern die Freude an der Sprache versaut haben. Physiklehrer, die Aufgaben außerhalb des Unterrichtsstoffs abfragen. Klassenlehrer, die über Jahre die Lernbehinderung von geistig zurückgebliebenen Schülern nicht erkennen.
Es gibt faule Eier in jedem Bereich. Es gibt auch Englischlehrkräfte, die Generationen begeistert haben, Physiklehrkräfte, die inspiriert haben, Klassenlehrkräfte, die Leute aufgebaut und ihnen ein Gefühl von Zugehörigkeit und Selbstwirksamkeit vermittelt haben.
Natürlich. Der Unterschied: Außerhalb des staatlichen Bereichs regeln Unternehmen und Bürger das auf ihre Art. Beamte müssen sie für ihre Faulheit und Unfähigkeit noch bezahlen und werden doppelt bestraft.
4) Teilzeit
Immer dieses Geraune von den „strukturellen Gründen“. Es ist ganz einfach und lernt jeder beim ersten Blick auf den Gehaltszettel: Mehrarbeit lohnt sich nicht, weniger Arbeit umso mehr. Seit den Neunzigerjahren wurde den Deutschen das niederländische Teilzeitmodell als vorbildlich angepriesen. Jahrzehntelang verfolgte die deutsche Politik das erklärte Ziel, Deutschland ebenfalls zu einem Teilzeitparadies zu machen. Heute kann man sagen: Mission Accomplished!
Nun sollen die Bürger mehr arbeiten, weil dem Staat der A… auf Grundeis geht und das Geld im Staatshaushalt fehlt. So als wären die Bürger dressierbare Äffchen.
Nur zur Erinnerung: Der Bloginhaber war bis vor Kurzem großer Fan der Vier-Tage-Woche.
Der Bloginhaber ist immer noch ein großer Fan der Vier-Tage-Woche und ist gegenüber der Idee, dass mehr Arbeit automatisch höhere Produktivität bedeutet, nach wie vor skeptisch.
h) China und Modernisierung des Stromnetzes.
super interessanter Artikel.
Chile setzt zur Integration erneuerbarer Energien auf Hochspannungsgleichstromübertragung (HGÜ/HVDC), insbesondere durch das Kimal-Lo Aguirre-Projekt. Dieses 1,48-Milliarden-USD-Projekt erhielt im November 2025 die Umweltgenehmigung und soll als erste HVDC-Leitung die grüne Energie aus dem Norden in die Zentren leiten, um die Dekarbonisierung voranzutreiben.
La cultura guachaca vorne wie erwartet.
(LacH) Wir sind beim SUEDLINK gerade in der Bauphase für die gleiche Lechnik, Leitungskapazität 2 GW und in einem Multimilliarden-Projekt, Lemmy.
Ist da das Planfeststellungsverfahren endlich Nimby-sicher geklärt? Mein letzter Stand war, dass Habeck es 2022 auf eine Top-Prioritätenliste gesetzt hatte. Jetzt müssen wir nur sehen, wer am Ende schneller ist : Chile mit seinen 1.500km (und wirklich schwierigen Landschaften) oder Deutschland mit seinen 700 km (und wirklich schwierigen Deutschen)…
Die Landschaften erscheinen mir nicht wirklich schwierig.
https://climatetrackerlatam.org/wp-content/uploads/2024/01/GRAFICA-KIMAL-LO-AGUIRRE-Medios-1024×489.jpg
Die Leitung geht ja parallel zu den Anden in mehr so Steinwüste. Die Gegend ist dünn besiedelt, landwirtschaftlich allenfalls sehr extensiv genutzt und die Anwohner wurden früh einbezogen. Hab mal ein bisschen recherchiert und bisher habe ich da nichts von irgendwelchen gravierenden Problemen gefunden. Es gibt 23 betroffene Gemeinden und 4.000 Personen, die an Meetings mit den Betroffenen teilgenommen haben.
Das Problem der 700 km und der Entscheidung für Erdkabel ist sehr einach: Zigtausende von Eigentümern, von denen jeder einspruchs- und klageberechtigt ist. Die extrem lange Planungsphase (wegen Natur- und Umweltschutz) haben wir Gott sei Dank seit 2024 hinter uns.
Also versuchen Industrie- und Schwellenländer mit starker Nutzung von Regenerativen Energien den Nutzungsgrad derselben mit der gleichen Technik zu optimieren.
Ob sich die hohen Investitionskosten rechnen, kann ich nicht beurteilen.
Chile hat mit wesentlich besseren Bedingungen für regenerative Energien (Wüste für Solar, Fliessgewässer für Wasserkraft und viel Küste für Wind) inzwischen 70% Erzeugung aus regenerativen Quellen. Zuletzt stockte der Ausbau wegen mangelnden Speicherkapazitäten.
Ich bin der Letzte, der irgendwie behaupten würde, dass ein südamerikanisches Land ein mitteleuropäisches Land in der Entwicklung bald überholen würde. Es gibt Gründe, warum ich in Deutschland bin.
In Chile sind die Strompreise relativ hoch und die Ende der 10er geäusserten Hoffnungen auf eine baldige Senkung wegen starkem Einsatz der Regenerativen Energien, haben sich bislang nicht realisiert. Man wird sehen, ob die Strompreise mittel- bis langfristig doch mal sinken.
Atomkraft ist in Chile weniger eine Option als in Deutschland, weils alle 25 Jahre ein Erdbeben der Stärke 8,8 Richterskala gibt.
Technische Frage: Zur Übertragung über große Entfernung wurde doch einst die Wechselstrom-Technik (Tesla) erfunden – gegen Widerstände der Gleichstrom-Fans (Edison). Warum jetzt wieder Gleichstrom? Einem Laien erklärbar?
@CitizenK
Um elektrische Energie mit möglichst geringen Verlusten zu übertragen muss die Stromstärke gering sein und folglich die Spannung hoch. Daher herrscht in den großen Übertragungsnetzen eine 1000mal größere Spannung, als bei uns an der Haushalts-Steckdose. Die elektrische Energie wird quasi mit niedriger Spannung erzeugt, zum Transport auf hohe Spannung gebracht und dann später wieder auf niedrige Spannung (230V) transformiert. Diese ganze Transformation der Spannung geht viel einfacher mit Wechselstrom, als mit Gleichstrom. Das ist ein Grund warum sich Wechselspannung durchgesetzt hat; man kann recht einfach die Spannung nach Bedarf ändern. Gleichstrom hat bei der Übertragung weniger Verluste, aber bei der Transformation von Wechselstrom zu Gleichstrom und zurück geht Energie verloren. Bei kurzen Leitungen sind diese Verluste größer, als der Effiziensgewinn durch die Übertragung mit Gleichstrom. Auf langen Strecken, überwiegt der Effiziensgewinn. Daher wird nur über sehr lange Strecken Gleichstrom eingesetzt, sonst Wechselstrom.
Ich bin ein großer Fan der Null-Tage-Arbeitswoche und arbeite an dem Ziel. Aber volkswirtschaftlich ist es gefährlicher Quatsch.
Wo hast Du die These her, länger Arbeiten würde zu höherer Produktivität führen? Viele sind besonders produktiv, wenn sie nur zwei Stunden arbeiten. Das lässt jedoch keine Rückschlüsse darauf zu, dass sie mit zwei Stunden produktiver wären als mit acht. Für all jene, die es seit Schulzeiten nicht so mit Bruchrechnung haben:
Produktivität = Produzierte Menge / Arbeitszeit
Dies führt jedoch zu:
Produzierte Menge = Arbeitszeit * Produktivität
Erhöhen wir die Arbeitszeit und sinkt die Produktivität pro Zeiteinheit nicht mit dem gleichen Faktor, dann steigt die produzierte Menge.
Merci!
2) „schriftliches dividieren“ Die Scheinargumente sind so bekannt, aber ich denke, wenn man sich das genauer ansieht, wird klar, was das echte Thema ist:
i) Ich bin da ganz grundlegend herangegangen und habe einfach mal eine lange Divisionsaufgabe (8/3 Stellen) nach dem Schulverfahren gelöst. Das empfehle ich im übrigen jedem, der dazu eine Meinung bilden möchte.
ii) Und da hat sich mir gezeigt, dass dieses Verfahren eine ganz grundsätzlich Kompetenz trainiert: Einem Algorithmus einen Rechenschritt nach dem anderem zu folgen, ohne darüber nachdenken zu müssen, was man da genau tut.
iii) Denn dieses Nachdenken stünde dem konzentrierten und genauen Arbeiten, das bei schriftlichen Rechnen erforderlich ist, sogar im Weg.
iv) [persönliche Meinung] Aber ich denke, dass diese Fähigkeit, etwas konzentriert und geduldig Stück für Stück zu „lösen“ durchaus ein gutes Gegengift zu der gesunkenen Aufmerksamkeitsspanne ist.
v) Ob das den Aufwand „Lerninhalt“ wert ist, kann ich so nicht sagen. Aber da mir die Argumentation für die Abschaffung ein wenig nach „sauren Trauben“ klingt (Wir kriegen es den jetzigen Grundschülern eh nicht mehr eingeübt, also lassen wir es ganz), würde ich lieber statt nach Studien nach Vergleichswerten fragen: Gibt es Länder, in denen das Verfahren nicht gelehrt wird ? Wie gut sind die bei der mathematischen Entwicklung ? [Ich kann mir gut vorstellen, dass in asiatischen Ländern schriftliches Rechnen sehr intensiv geübt wird, bis es „in Fleisch und Blut“ gegangen ist (5 € in die Klischeekasse) ]
Ich hab mal recherchiert: die Niederlande und Finnland etwa benutzen das halbschriftliche Dividieren mit exakt derselben Begründung wie Niedersachsen hier, und deren Ergebnisse sind bekanntlich seit Beginn der Messungen in PISA und TIMMS besser als Deutschland.
Zum Rest der Argumentation: bin völlig bei dir, all diese Dinge muss die Schule lehren. Das stellt auch niemand infrage. Es geht um die Methodik.
Ein kleiner Einwand noch:
Ich glaube gerne, dass „halbschriftliches“ Dividieren richtig gelehrt und angenommen Zahlenverständnis fördern kann (schon allein, weil es eine ermüdende Ziffernschreiberei ist, die bei geneigten Schülern nach Vereinfachungen im Kopf verlangt). Aber darin steckt auch eine Falle, wenn Lehrery nicht mit Zahlenverständnis rangeht sondern mit dem „Kochlöffelnachmachen“. Hier ein Beispiel, was alles schiefgehen kann:
https://hollarius.wordpress.com/2021/04/24/didaktik-running-wild/
Zu 1)
Du sprichst einen wesentlichen Punkt an: Kommunikation. In meinen Augen schon das größte Problem in der Ampel, aber auch die neue Regierung wiederholt alte Fehler.
Die bekommen keine abgestimmte und ins sich stimmige Kommunikation hin. So bleiben die Reformvorschläge Stückwerk, oder werden zu Rohrkrepierern: siehe Lifestyleteilzeit oder die Sache mit den Zahnbehandlungen.
Ideen müssen heute in ein entsprechendes Kommunikationskonzept gegossen werden. Man stelle sich vor der Wirtschaftsrat der Union hätte in seine Agenda für Arbeitnehmer die Entlastung in den Mittelpunkt gestellt – und es nicht versäumt sich innerparteilich abzustimmen, so dass nicht als erstes die CDU Sozialausschüsse querschiessen.
Kommunikation ist bei Führungskräften eines der wichtigsten Skills – unsere Regierung hat hier dringenden Professionalisierungsbedarf und wenn die es nicht schaffen, dann haben es die Populisten sehr leicht.
1) Richtig, und da fangen die Probleme der CDU schon an: der Wirtschaftsrat ist ja gar kein CDU-Gremium! Das ist eine Lobby-Vorfeldorganisation. Die haben ihre eigene aktivistische Basis nicht im Griff. Das ist üblicherweise ein Problem linker Parteien. Die sind Getriebene der Rhetorik radikaler Aktivisten. Und die Medien wie die Wahlbevölkerung machen da keinen Unterschied, ob es sich um die Letzte Generation oder den Wirtschaftsrat handelt.
Zu j) nur ganz knapp:
Ich habe Linien-Beförderungen, als sie angeboten wurden, immer kategorisch abgelehnt. Das bisschen mehr an Einfluss („Macht“) kam mit einem extrem heftigen Preis in Bürokratie, Arbeitszeit und (unproduktivem) Ärger, es lohnte sich schlicht nicht. Die Chance, es nach ganz oben zu schaffen, wo man möglicherweise wirklich etwas bewegen kann, bleibt auch im unteren und mittleren Management sehr klein, also wozu sich den Aufwand antun?
Das ist eine völlig rationale Betrachtungsweise. Darüberhinaus: Die Zahl der Menschen, die Führungspositionen wirklich wollen UND können war (und ist) klein. Viele, die das Gegenteil behaupten, sehen nur deren Sonnenseiten und blenden die Schattenseiten aus. Versagen folglich sichtbar, wenn Führung wirklich gefordert ist, nämlich in schlechten Zeiten.
Gruss,
Thorsten Haupts
Linien-Beförderungen?
a) Wenn du das in Deutschland willst, hier die Zahlen für Deutschland. Es gibt im Land 256 (Euro-) Milliardäre mit einem gesamten Buchvermögen von 1.160 Mrd € (Tagesspiegel 08.10.2025). Demnach würde diese konkrete Abgabe (5% einmalig) einen einmaligen Steuerertrag von 58 Mrd € (abzüglich mögliche Vermeidungsstrategien) liefern.
e) Du kannst in vieler Hinsicht Homeschooling mit Privatschulen vergleichen (oder es sogar als konsequente Fortführung der Idee sehen). Die Ergebnisse bei standardisierten Tests sind im Durchschnitt besser als bei staatlichen Schulen, weil die Eltern, die es machen, höhere Ressourcen investieren als der Schnitt. Aber ohne Qualitätskontrolle kann es zu ganz schlechten Ergebnissen führen, was das Produkt „(aus)gebildete Jugendliche“ betrifft.
i) Beim rbb werden mal statt dem Wiedergeben eigener Urteile die verschiedenen Sichtweisen als Kontext dargestellt:
https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2026/01/berlin-neukoelln-linke-kandidat-ahmed-abed-bezirk-buergermeister-vorwuerfe.html
y) (eigenes z.T. Meinungsfreiheit)
https://www.lto.de/recht/hintergruende/h/das-15-presserechtsforum-und-kritischer-besuch-aus-genf
z) noch etwas Eigenes. Da hat jemand von Cesare Borgia gelernt:
https://taz.de/Meloni-Gesicht-in-italienischer-Kirche/!6150359/
Es gibt im Land 256 (Euro-) Milliardäre mit einem gesamten Buchvermögen von 1.160 Mrd € (..). Demnach würde diese konkrete Abgabe (5% einmalig) einen einmaligen Steuerertrag von 58 Mrd € (..) liefern.
Wo kommen die 58 Milliarden Euro her?
Rhetorische Frage oder Rechenweg ?
Weder noch. Auch wenn das Bildungsniveau in Deutschland auf dem Weg in den Keller ist, so traue ich doch jedem Kommentator die Grundsätze der Punkt- und Strichrechnung zu.
Sie schreiben:
Es gibt im Land 256 (Euro-) Milliardäre mit einem gesamten Buchvermögen von 1.160 Mrd €.
Waren Sie schon mal mit dem Buchwert Ihres Vermögens einkaufen? Das stelle ich mir so schwer vor, dass ich wahnsinnig interessiert bin, wie das andere machen.
Der „Buchwert“ ist immer eine rein statistische Größe, die mit der Realität wenig zu tun hat und auch nicht mit Verkaufswerten. Ein paar Beispiele:
Der 19jährige Profi Said El-Mala vom 1. FC Köln steht dort in der Bilanz mit einem Buchwert von 800.000 Euro. Das ist der Wert, für den der EffZeh den Spieler eingekauft hat. Aktuell bietet ein englischer Club 30 Millionen Euro. Das Management der Kölner hat sich gegen einen Verkauf entschieden, da die Erwartung dahin geht, dass der Spieler im Sommer einen Wert von 50 Millionen Euro hat.
BMW-Erben: Entschieden sich Susanne Klatten und Stefan Quandt zum Verkauf von fünf Prozent ihrer Anteile (wg. Vermögensabgabe), würde der Kurs zwischen fünf und zwanzig Prozent einbrechen. Damit sie dann die Vermögensabgabe leisten können, müssten sie statt der beabsichtigten 5 das Doppelte bis Achtfache veräußern.
Das ist das Problem, anhand von kalkulatorischen Werten, die eben nur in Büchern stehen, eine Steuerpflicht draufzusetzen. Und noch etwas: Woher stammen diese Buchwerte? Vom Forbes-Magazine und anderen, die das Vermögen schätzen – was wiederum aus schwer veräußerbaren Werten besteht.
Da sind Sie schon einen Schritt weiter als alle anderen: Sie machen sich Gedanken über die konkrete rechtliche Ausgestaltung. Mich hatte erst einmal nur interessiert, von welchen Größenordnungen wir eigentlich reden. Dass diese Art Abgabe zwar theoretisch denkbar und möglich wäre ( Art 106 GG erwähnt sie ausdrücklich) aber politisch unerreichbar ist, darüber sollten wir uns einig sein. Deshalb ist es nur Wolkenlesen, ob und welche Maßstäbe des Bewertungsgesetzes dann ausreichen würden.
Nein. Das ist nicht die Frage der rechtlichen Ausgestaltung, sondern der faktischen Folgen ideologischer Verblendung. Linke malen nach Zahlen und halten das für Staatskunst.
Ja, und das V-Steuerwort (weil das beim einen oder anderen geradezu nach Porno klingt, schreib ich das hier lieber nicht aus^), das da in 106 u.a. erwähnt wird (als Möglichkeit; materiell geregelt wird in 106 ja lediglich die Verteilung zwischen Bund und Ländern, falls es was zu verteilen gibt), war ja mal ganz normale Praxis und auch in christlich-demokratischen Kreisen nicht anrüchig.
Und „Politisch erreichbar“ ist jede Menge, aber für „politische Erreichbarkeit“ braucht’s erstmal einen politischen Willen und Letzterer ist halt mittlerweile seit Jahrzehnten von Thatcher inspiriert (und ist ferner in der Globalisierungsfalle) und selbstverständlich schon lange nicht mehr von der vielbesungenen Sozialen Marktwirtschaft. Rot-Grün seinerzeit waren im Übrigen die deutschen Superthatcheristen.
Und ja, Bewertungsfragen sind auch gar nicht so einfach und IMHO auch nicht lediglich „technisch“. Wie das ganz genau z.B. das Manager_Magazin (hierzulande sozusagen die „Marktführer“ bei den beliebten Hitlisten über die da oben) ermittelt, behalten die ja für sich. Es heißt, es handele sich um „konservative Schätzungen“ und dann behaupten die so allerlei, beispielsweise u.a.. „Wir studieren Handelsregister, Bundesanzeiger und diverse ausländische Register. Wir werten Firmenbilanzen aus, analysieren Finanzierungen und haben stets ein Auge auf den M&A-Markt……Wir sprechen mit Vermögensverwaltern, Anwälten, Bankern sowie Vertreterinnen und Vertretern der Rangliste selbst.“
Klingt nett und nach viel Arbeit^ – und kann alles und nichts heißen. Für börsennotiertes Vermögen geht man allerdings angeblich nach den Börsenwerten, also NICHT nach den Buchwerten. Das zieht z.B. die arme Frau Klatten allerdings nicht hoch sondern aktuell runter und nebenbei natürlich jeden, der z.B. für aktuell ca. 90 Euro eine BMW-Aktie sein Eigen nennt. Frisch gekauft hat man allerdings einen „Gewinn“. Ungefähr 150 Euronen Buchwert für ca. 90 Euronen Aktie. Bedeutet leider gar nichts, außer dass in der Bilanz jede Menge heiße Luft ist^, momentan nicht untypisch für die Autoschrauber.
Wie dem auch sei; bezüglich der Frage „Was ist nu eigentlich ein VERMÖGEN ganz genau und wie bewertet man das?“ befindet man sich am Ende des Tages eh in der Philosophie. Eigentlich sind alle diversen Erbsenzählermethoden unbefriedigend. Runtergekocht handelt es sich ja eigentlich lediglich um die Fähigkeit zur Machtausübung sich selbst und andere betreffend, was ja schon im Wortsinn liegt (man „vermag“ dies und jenes) und was grundsätzlich nichts Böses ist. Dass bei grober Ungleichverteilung Böses allerdings zu erwarten ist, stimmt auch wieder, wobei wiederum der Staat als vermögendes Etwas ggf. auch einzubeziehen ist. Was hab ich davon, wenn Letzterer bei denen da oben mächtig abgreifen sollte? Diese Frage muss auch noch geklärt werden^. Alles sehr komplex 🙁
Zu c)
Ich werde anscheinend zu alt, bestimmte Debatten überhaupt noch zu verstehen. Dass absolut keine europäische Regelung den Verfassungskern einer Nationalverfassung ändern oder überschreiben kann und darf, ist die Grundlage des europäischen Staatenbundes. Sonst wäre die EU ein illegaler und illegitimer Coup, gegen den dann Widerstand mit Waffengewalt zulässig wäre.
Die Aufregung über das „ultra vires“ Urteil, die sich auch auf dem Verfassungsblog spiegelte, rührte weitgehend daher, dass Anhänger eines europäischen Bundesstaates sich um die Möglichkeit betrogen sahen, diesen Bundesstaat durch die Hintertür und ohne Legitimierung in nationalen Wahlen zu erreichen. Zugespitzt formuliert hätte ein Haufen von autoritären Antidemokraten gerne die Hürde nationaler, demokratischer, Zustimmung unterlaufen, um das durchzusetzen, was sie für richtig hielten, weil alle anderen ja eh nur Idioten sind.
Ich hatte genau zu dem Thema damals einen heftigen polemischen Austausch mit dem Blogherren des Verfassungsbogs, dem diese Einschätzung natürlich überhaupt nicht passte, der Arme.
Gruss,
Thorsten Haupts
Zu a)
Wenn eine Regierung versucht, mir auf einen Schlag 5% meines Vermögens wegzunehmen (und das natürlich nicht einmalig, nur Dummköpfe und historische Analphabeten glauben so einen Blödsinn), wäre ich schneller weg, als jemand „Guten Morgen“ sagen kann.