Katharina Reiche und Bardella verwandeln Deutschland beim Serien schauen in eine autofreie Region, um die Gesundheitsreform mit neuen Männern durchzubringen – Vermischtes 05.05.2026

Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Die „Fundstücke“ erhalten ausführlichere und thematisch gegliederte Hinführungen zu verschiedenen Artikeln aus den Weiten des Netzes dar. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels empfohlen; ich übernehme keine Garantie für die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Zusammenfassungen. Für den Bezug in den Kommentaren sind nummerierte Zwischenüberschriften eingezogen, bitte auf die referieren. Dazu gibt es die „Resterampe“, in der ich nur kurz auf etwas verweise, das ich zwar bemerkenswert fand, aber zu dem ich keinen größeren Kommentar abgeben kann oder will. Auch diese ist geordnet (mit Buchstaben), so dass man sie gegebenenfalls in den Kommentaren referieren kann.

Fundstücke

1) Autofreie Stadt

Im Magazin „Energy Mix“ wird eine neue Konzentration auf die de-facto-Abschaffung des Autos gefordert. Grundsätzlich teile ich dieses Ziel für die Großstädte, aber die Kritik vor allem aus liberaler und konservativer Seite, dass die Realität auf dem Land nicht abbildet, wo eine öffentliche Verkehrsinfrastruktur oft nicht einmal für Schulbusse wirklich existiert, wird mir von den entsprechenden grün-progressiven Zirkeln allzu oft ignoriert. Projekte wie die in Barcelona und Paris erfordern letztlich ultradichtes Wohnen – oder zumindest einigermaßen verdichtetes. Ich sehe das in der Region, in der ich selbst lebe. Eine Stadt wie Fellbach mit ihren rund 44.000 Einwohnenden und S-Bahn-Anbindung kommt, sofern man sich für den Job entlang der Bahnstrecke bewegt, ohne eigenes Auto aus, weil es nur stark zehn Minuten ins Stuttgarter Zentrum sind. Bereits die Kleinstädte drumherum und weiter hinein ins Remstal – also quasi zehn Minuten in jede beliebige Nicht-Stuttgart-Richtung sind ohne eigenes Auto kaum zu navigieren. Da muss ich nicht erst ins schwäbische Outback hinter Tübingen oder gar auf die Schwäbische Alb oder ins Allgäu hinauf, wo man gefühlt bereits Allradantrieb braucht (natürlich nicht, aber so fühlt es sich an). Solange die grünen Kräfte hier keine Lösung anbieten, werden sie immer die metropolitische Hipsterpartei bleiben.

2) Serien falsch schauen

In „Pop Heist“ schreibt Matthew Jackson darüber, dass das „detektivische“ Schauen von Serien, also das ständige Analysieren, wie es weitergehen könnte, in weiten Teilen der Fangemeinschaft zu einem toxischen Sehverhalten geführt hat, das mit einem Anspruchdenken an den Fortgang der Geschichte einhergeht – und äußerst aggressiv auf Enttäuschungen dieses Anspruchdenkens reagiert. Dabei stehen sich die Leute damit selbst im Weg und nehmen sich selbst die Freude: „Lass eine Geschichte einfach mit dir geschehen, anstatt jeden einzelnen Handlungsverlauf zu hinterfragen, nur weil du dir eine andere, ideale Version ausmalst, die du ohnehin nie zu sehen bekommen wirst (es sei denn, du schreibst Fanfiction – aber das ist ein ganz anderes Thema und würde hier zu weit führen). Erlaube dir den Luxus, dein inneres „Kontobuch“ und deine Checkliste beiseitezulegen, Erwartungen loszulassen und dich stattdessen für alles zu öffnen. Wenn du das tust, werden Geschichten nicht nur besser – du wirst sie auch besser verstehen und intensiver fühlen. Die Geschichte schuldet dir nichts. Aber wenn du es zulässt, kann sie dir alles geben.“ Und das ist genau der Punkt. Man muss die Geschichte auf sich wirken lassen und keine Erwartungen haben. Paradoxerweise hat man dann wesentlich mehr davon. Zumindest, wenn die Geschichte es wert ist, erzählt zu werden. Aber gerade trennt sich dann die Spreu vom Weizen.

3) Männerbilder

Maximilian Helmerzheim analysiert in der Welt eine Achse zwischen Grünen-Vorsitzendem Daniel Banaszak, AfD-Größe Tino Chrupalla und CDU-Nachwuchsaspiranten Philipp Amthor. Sie alle würden versuchen, Männlichkeit politisch zu definieren, wenngleich auf unterschiedliche Weise. Er sieht jeden dieser Versuche als Fehler, weil sie ideologisch vorgehen würden und die Lebensrealität nicht treffen könnten, weil die viel diverser sei. Und: ja, sicher. Nur ignoriert Helmerzheim hier in meinen Augen einen wichtigen Punkt, nämlich dass die Politik ja durchaus Diskurse anstößt und gesamtgesellschaftliche Entwicklungen zumindest begleitet. Was genau ist seine Anforderung? Dass die Leute schweigen? Es gibt keinen „natürlichen“ Zustand, und die Politik ist ja auch nicht neutral in der Frage; die traditionelle Familie wird ja sogar grundgesetzlich geschützt. Ich halte die Kritik daher für verfehlt: selbstverständlich haben Politiker*innen das Recht, ihre Ansichten in den Diskurs einzubringen. Eine amtliche Definition des „Mann-Seins“ liegt ja weder bei Amthor noch bei Banaszak vor, nur – wie Helmerzheim ja durchaus richtig erkennt – bei Chrupalla.

Gleichzeitig regt sich Widerstand gegen die Kritik an Männlichkeitsvorstellungen generell, der wiederum auf harsche Gegenkritik stößt. Wolfgang Schmidtbauer etwa fragt in der ZEIT, ob denn auch jemand an die Kinder denke, die darunter litten, wenn ihre Väter unter Generalverdacht gestellt werden, während Andrea Geier diesen Ansatz auf Bluesky harsch kritisiert. Ich finde, die Kritiker*innen haben hier schon einen Punkt: Formulierungen wie „Frauen sind im Wald sicherer, wenn sie einem Bären begegnen, als einem Mann“ sind als Zuspitzungen des Themas vielleicht gerade noch erträglich, aber wenn sie ernstgemeint sind, drohen sie, das Ding in eine Richtung zu drehen, das Männer grundsätzlich unter den von Schmidtbauer kritisierten Generalverdacht stellt und damit dem Anliegen, gegen Männergewalt vorzugehen, einen Bärendienst erweist.

4) Französische Aussichten

In Politico gibt es ein lesenswertes Porträt der europapolitischen Forderungen des rechtsradikalen Präsidentschaftsbewerbers Bardella. Der erklärt, dass er den „zunehmenden deutschen Einfluss“ bekämpfen will. Dass Frankreich seine eigenen Forderungen immer mehr durchgesetzt sieht, ist dabei eigentlich offenkundig – auch wenn das die Rechtsradikalen natürlich ignorieren. Schließlich ist die Integration der EU in Sicherheits- und außenpolitischen Fragen ein reichlich französisches Projekt. Eigentlich. Der ohnehin stets vorhandene Verdacht, dass die Franzosen sie nur als Plattform ihrer eigenen Großmachtpolitik nutzen wollten, lässt sich jetzt, wo eine deutlich größere deutsche Rolle im Raum steht, nur schwer abschütteln. Generell ist ein möglicher Bardella-Sieg bei den Wahlen ein echtes Problem für die EU, weil eine ihrer treibenden Kräfte damit auf einen Anti-Kurs schwenken würde. Zwar steht ein Frexit nicht in den Karten, aber wenn nach Italien die zweite Gründungsmacht der Union in diese Richtung geht, kann das nicht gut sein – auch und gerade für den Aufbau militärischer Kapazitäten zum Schutz der Ostflanke, bedenkt man, wie sehr sich der FN gegenüber Russland prostituiert und wie exponiert sein Spitzenpersonal gegenüber Putin ist.

5) Nina Warken

In der Welt feiert Jacques Schuster „ganz nüchern“ Nina Warken als „Person des Jahres“, weil sie die „GKV geschaffen hat, die wir uns leisten können“. Ich bleibe dabei, dass Warkens Reformwerk aktuell das wohl beste Projekt ist, das aus dieser Regierung hervorgegangen ist, auch wenn das nur wenig aussagt, einfach weil es tatsächlich nach allen Seiten hin wirkt. Etwas schmunzeln muss ich über das selbstherrliche „ganz nüchtern“ von Schuster, das natürlich eine Phrase ist. Ich kann auch ganz nüchtern feststellen, dass Habeck recht hatte. Aber letztlich bleibt das eine Bewertung, die sich aus meinen normativen Prämissen ergibt, ob nüchtern formuliert oder nicht. Die kleinen Tricks im Werkzeugkasten. Dasselbe gilt für das „die wir uns leisten können“. Mein Verdacht wäre, dass Schuster nicht auf den GKV-Katalog angewiesen ist. Manchmal würde ich mir wünschen, dass es ein Transparenzgesetz geben würde, nach dem Journalist*innen, wann immer sie von „wir“ schreiben, offenlegen müssen, ob sie betroffen wären oder nicht.

Julian Aé fordert indessen im Spiegel („Warum Globuli nicht länger auf Kassenkosten erstattet werden sollen„), dass die Streichung von „Esoterik“ weiter gehen solle als nur für Globuli. Er gibt zu, dass das monetär ziemlich belanglos ist, aber postuliert eine wichtige Signalwirkung. Ich bin geneigt, zuzustimmen. Es fühlt sich völlig falsch an, auf wichtige Dinge verzichten zu sollen und Zuzahlungen zu erhöhen, aber gleichzeitig diesen Unfug zu finanzieren, egal, wie wenig es kostet. Aber ich bin natürlich auch nicht betroffen: ich lehne Homöopathie ab und bin nicht in der GKV. Transparenz. 🙂

6) Energiepolitik

Katharina Reiche und kein Ende: Thomas Schmid schreibt in der Welt eine Hagiografie über Katharina Reiche („Die Schwarze Mamba„), die mich an die besten Zeiten des Springer’schen Guttenberg-Fanatismus erinnert. Dass Reiche ein etwas flexibles Verhältnis zur Wahrheit hat, spielt dabei keine große Rolle. Ich finde es auffällig, wie sehr die Ministerin bei Springer weiterhin gepusht wird. Es trägt zu der Schwächung Merz‘ als Kanzler bei, über die ich mit Manuel Schwalm im Podcast gesprochen habe.

Wir müssen ja froh sein, dass die ideologiegetriebene Sabotage der Energiewende bei uns nur auf dem Niveau Reiches stattfindet: In den USA bezahlt Trump Firmen dafür, damit sie ihre Investments in Erneuerbare aufgeben. Das ist wirklich der Höhepunkt des Irrsinns: staatliche Subventionen dafür, dass bereits finanzierte Investments aufgegeben werden. Manche wollen die Welt einfach brennen sehen.

Zuletzt fordert Marc Felix Serrao wie immer eine Koalition mit der AfD, dieses Mal für die Reaktivierung der Atomkraftwerke (eine in sich völlig fixe und wirklichkeitsfremde Idee), und ist wie immer zu feige, das klar zu benennen. Ich habe auch das im oben verlinkten Podcast angesprochen; ich finde es so lästig, dass diese Leute nicht zu dem stehen, was sie da fordern. Eine unglaubliche Feigheit, die aber zu den Leuten passt.

Resterampe

a) Spannender Einblick in die gemeinsame Traumabewältigung Deutschlands und Polens bezüglich des Zweiten Weltkriegs.

b) Kubicki will „den Raum zwischen CDU und AfD füllen“. Der Tweet hier kommentiert es treffend: das tut die FDP mit ihren 3% aktuell.

c) Die Mineralölkonzerne haben die Benzipreise um 14 bis 16 Cent angehoben, bevor der Tankrabatt greift. Was für eine Farce.

d) Ein Artikel zu der fixen Idee einer Minderheitenregierung, der keinen weiteren Kommentar erfordert. Quasi das definitive Schriftstück.

e) Tesla bricht offen das Arbeitsrecht.

f) Woher die Profite der Unternehmen in der Krise kommen.

g) Michael Cohen hat im Atlantic eine ausführliche Version meines Arguments, dass Netanyahu für die Juden ein Desaster ist.

h) Law and Order Marke CDU. War übrigens 100% vorhersehbar und wurde von mir auch prophezeit.

i) Spannender Thread zu den Problemen von Leuten, die mehr als eine halbe Million im Jahr verdienen.

j) Testfall für die Brandmauer.

k) Sehr guter Punkt zum Vertrauensverlust.

l) Korrekte Prognose. 

m) Ich frag nochmal diejenigen, die immer sagen, dass der Wille der Bevölkerungsmehrheit nach härterer Migrationspolitik unbedingt befolgt werden muss, nach den Konsequenzen hiervon.

n) Die Union bleibt fiskalpolitisch unseriös.

o) Zuckersteuer: Limonade und andere Softdrinks werden teurer. Endlich!

p) Vernichtende, aber zutreffende Kritik von Dieter Schnaas in der WiWo.

q) Die CDU in Schleswig-Holstein verweigert sich einem Demokratieschutzgesetz. Ich glaube, die sind überoptimistisch.


Fertiggestellt am 05.05.2026

{ 156 comments… add one }
  • cimourdain 5. Mai 2026, 09:03

    3) Der Helmerzheim-Artikel ist zwar wenig interessant, aber zu Vollständigkeit hier der Link:
    https://www.welt.de/debatte/plus69e7fe87ff0951f41af8edb2/moderne-maennlichkeit-wenn-politiker-bestimmen-wollen-was-ein-mann-ist.html

  • Stefan Pietsch 5. Mai 2026, 09:46

    1) Autofreie Stadt

    Dieses Denken offenbart in schöner Intension die deutsche Haltung zum Individualismus. Irgendwie muss es immer Lösungen geben, die massentauglich sind. Muss man wirklich Ökonom sein um zu erkennen, dass Transportmittel für die Masse (ÖPNV) nicht überall und jederzeit überhaupt sinnvoll sind?

    Ich fahre durchaus gern mit öffentlichen Verkehrsmitteln – außerhalb Deutschlands. Aber eben auch nicht überall, für Rundreisen durch die USA, Italien oder Chile sind sie nicht gedacht.

    • Stefan Sasse 5. Mai 2026, 15:48

      Ich rede doch explizit von Metropolen?

      • Stefan Pietsch 5. Mai 2026, 16:51

        Du äußerst Teilkritik an dem Ansatz. Die Wahrheit ist aber auch, dass die Grünen davon träumen, dass ein Bus jede Viertelstunde an jeder Milchkanne hält.

        • Stefan Sasse 5. Mai 2026, 20:33

          Ja, sicher. Aber was die Grünen träumen ist ja für meinen Kommentar egal, oder?

          • Stefan Pietsch 5. Mai 2026, 20:38

            Ich habe nicht Dich kritisiert, sondern die Idee Deines Links. Irgendetwas muss ich ja kritisieren. 🙂

  • Stefan Pietsch 5. Mai 2026, 09:52

    5) Nina Warken

    Es ist immer leicht, das Geld anderer Leute auszugeben. Dann kann man sich auch mehr „leisten“. Auch beim Gesundheitswesen zeigt sich die Liebe der Deutschen zur Gemeinschaft und die Ablehnung des Individuums: Ein kluges Gemeinwesen würde eine Basisversorgung definieren, was eben nur das absolut Notwendige beinhaltet und das Übrige der freien Wahl der Bürger überlassen. Ein Gesundheitswesen, das im staatlichen Ranking auf Platz drei der OECD liegt, weiß gar nicht, was eine Basisversorgung überhaupt ist.

  • Stefan Pietsch 5. Mai 2026, 10:00

    6) Energiepolitik

    Deutschland betreibt seit 25 Jahren die schlechteste Energiepolitik der Welt. Das hat dem Land die höchsten Energiepreise bei gleichzeitig hohen Emissionen und sinkender Selbstversorgerquote eingebrockt. Klar, die Linken und die Grünen vorneweg fordern immer weiter: More of the Same!

    Die Flut von wertlosem Solarstrom drückt am 1. Mai den Preis einer Megawattstunde auf das erlaubte Minimum von minus 499,99 Euro. Deshalb prüfen die Strombörsen jetzt die Senkung des Grenzwertes. Damit könnte es für die Steuerzahler bald noch teurer werden.

    Die zur Vermarktung von Solarstrom verpflichteten Netzbetreiber werden den ungefragt produzierten Ökostrom am Freitag nur gegen eine Zuzahlung in Rekordhöhe los. Normalerweise zahlen Haushalte für den Verbrauch einer Kilowattstunde im Schnitt 37 Cent. Am 1. Mai zahlen diejenigen Verbraucher, die direkt vom Großhandel beziehen, null Cent. Wenn sie sich bereit erklären, für irgendetwas extra Strom zu verbrauchen, bekommen sie sogar noch 49,9 Cent pro Kilowattstunde als eine Art Abfallgebühr geschenkt. Die Mehrkosten werden als Netzentgelte größtenteils aus dem Bundeshaushalt, also auf Kosten des Steuerzahlers, beglichen.

    Bereits am vergangenen Wochenende hatten die oft nicht steuerbaren Solaranlagen den Energiemarkt durcheinandergebracht. Schon da sank der Wert einer Megawattstunde Solarstrom auf minus 480 Euro. Eine Woche später, am langen ersten Mai-Wochenende, wird am Markt noch mehr Stromangebot bei noch weniger Nachfrage erwartet.
    https://www.welt.de/wirtschaft/plus69f358010909a68d1ed4fe3c/minus-499-99-euro-dieser-solarrekord-ist-eine-schlechte-nachricht-fuer-alle-steuerzahler.html?icid=search.product.onsitesearch

    Gerade die Grünen haben ein System geschaffen, das den Markt völlig ausschaltet, damit ihre Klientel sich auf Kosten der Allgemeinheit die Taschen vollmachen kann. Wer dagegen angeht, hat die volle Härte der „Zivilgesellschaft“ verdient!

    Dabei ist die Politik von Katharina Reiche klar: Die Kapazitäten mit den Möglichkeiten in Einklang zu bringen. Forderungen, einfach immer weiter Wind und Solar auszubauen, sind aus ökonomischer Sicht einfach nur dämlich.

    • Soeren Schmitz 5. Mai 2026, 13:04

      Zumal man Reiche auch ein Stück weit unrecht tut – es ist ja nicht so, als wolle sie den Ausbau von Solar- und Windenenergie stoppen. Es geht darum den Zubau mit Verstand zu machen. Nach aktueller Rechtslage, bekommt der Investor Geld für Solar und Wind, auch wenn er die ANlage dort hin baut, die gar nicht dafür geeignet ist, den dort erzeugten Strom woanders hin zu zu transportieren. Diese Rechtslage hilft der Energiewende 0 und ist vor allem eins: Teuer.
      Insofern ist es doch gut, wenn es wirtschaftliche Vernunft einkehrt – die Debatte ist so schrill, dass es nur noch extreme gibt: Gaskathi, vs. Energiewende-Retter – sorry, das ist angesichts der Herausforderung die die Energiewende bedingt einfach nur unterkomplex.
      Lasst uns erneuerbare Energie dort bauen, wo wir den Strom auch optimal verwerten können. Wenn es Gebiete gibt, die sich für Erneuerbare gzut eignen, es aber noch keine Leitungen gibt – dann lasst uns den Leitungsbau dorthin priorisieren (sofern wirtschaftlich) und dann kann man dort entsprechend Solar. oder Windanlagen aufstellen.

      • Stefan Pietsch 5. Mai 2026, 13:12

        Nur ist das Feld weitgehend abgegrast. Dazu sollte man einfach mal Flächenvergleiche heranziehen, z.B. mit Spanien oder Skandinavien. Doch die Debatte ist rein populistisch und ideologisch geführt. Der Staat soll nicht auch dann zahlen, wenn der Strom gar nicht benötigt wird oder nur zu Preisen erzeugt werden kann, die in Phantasialand rentabel sind? Kreuzigt sie!!!

      • CitizenK 5. Mai 2026, 13:50

        Leitungen bauen – wie die Chinesen das machen, in großem Stil. Freileitungen, nicht teuer unterirdisch. Wer das „störend“ findet, sollte mal nach Großgartach (Leingarten) fahren oder von Heidelberg nach Mannheim. Das war schon so, als es die Erneuerbaren noch gar nicht gab.

        • Erwin Gabriel 7. Mai 2026, 13:13

          @ CitizenK 5. Mai 2026, 13:50

          Leitungen bauen – wie die Chinesen das machen, in großem Stil. Freileitungen, nicht teuer unterirdisch.

          Oberirdisch war mal geplant, aber praktisch jeder öko-getriebene Anlieger hat eine eigene Bürgerbewegung gegründet, um dagegen anzugehen. Das ist aus meiner persönlichen Sicht ziemlich schizophren, AKWs abschalten zu wollen, auf Windenergie zu setzen, und dann gegen Stromtrassen zu sein, die den Ökostrom dahin bringen, wo er gebraucht wird. Kann man alles meinen und für richtig halten, aber bitte nicht gleichzeitig.

          Ja, in China hätten diese sensiblen Gemüter keine Chance (und wahrscheinlich auch keine Lust), gehört und wahrgenommen zu werden. Denn wo hierzulande gehätschelt und gestreichelt wird, geht es da drüben schnell mal in den Bau – auch nicht schön.

          • Thorsten Haupts 12. Mai 2026, 18:38

            Oberirdisch war mal geplant, aber praktisch jeder öko-getriebene Anlieger hat eine eigene Bürgerbewegung gegründet, um dagegen anzugehen.

            Zu positiv, Erwin – es geht und ging in Wirklichkeit nur um den immobilienwert (abgesehen von den paar Irren, die an Elektrosmog glauben). Das enstprechende Gesetz, das Erdkabel als Regel festschreibt, ist von 2015 und hat sowohl die Dauer als auch die Kosten von z.B. Suedlink mindestens verdoppelt.

      • Stefan Sasse 5. Mai 2026, 15:50

        Ok, fair. Was mir halt völlig fehlt ist der Ausbau von Netzen und Speichern.

      • Detlef Schulze 5. Mai 2026, 19:48

        Nach aktueller Rechtslage, bekommt der Investor Geld für Solar und Wind, auch wenn er die ANlage dort hin baut, die gar nicht dafür geeignet ist, den dort erzeugten Strom woanders hin zu zu transportieren.

        Das Problem kann dadurch gelöst werden, indem man Deutschland in mehrere Strompreiszonen einteilt, so wie das auch in anderen Ländern der Fall ist. In Dänemark gibt es zwei Zonen, in Schweden vier und in Italien gar sechs. Dann ist der Windstrom nur im Norden billig und im Süden teuer, wenn die Kapazitäten für den Transport nicht zur Verfügung stehen. Aber das will ja die jetzige Regierung nicht.

        • Stefan Pietsch 5. Mai 2026, 20:26

          Also jetzt stellen Sie alles auf den Kopf. Wir sollen dort produzieren, arbeiten und leben, wo wir Strom aus Erneuerbaren erzeugen können?

          Die Bundesregierung schreibt gerade Vergaben für Bayern aus für 12 Cent pro KWh. Bayern verlangt 6 Cent mehr. Das ist völlig absurd, ein wettbewerbsfähiger Industriestrompreis liegt gerade bei der Hälfte und die Bundesregierung will das Doppelte an Förderung bieten, damit im relativ windarmen Bayern Windparks errichtet werden.

          Die dümmste Energiepolitik der Welt.

          • Detlef Schulze 5. Mai 2026, 21:32

            Sie können arbeiten, produzieren und leben, wo Sie wollen. Jetzt Unternehmen sucht die Produktionstandorte danach aus, ob Land billig ist, Verkehrsinfrastruktur vorhanden ist oder ähnlichen Kriterien. Warum sollte nicht auch noch der Strompreis ein Kriterium sein? Und es ist ja nicht so, dass in einem Gebiet der Strom teuer und woanders billig ist. Die Stromproduktion ist nur gelegentlich ungleichmäßig verteilt.

            Was nützt es, wenn der Strom im Norden im Überfluß vorhanden ist, er aber nicht nach Süden transportiert werden kann. In diesem Fall ist es doch besser, wenn sich das auch im Preis wiederspiegelt. Meinen Sie nicht?

            Die Bundesregierung schreibt gerade Vergaben für Bayern aus für 12 Cent pro KWh. Bayern verlangt 6 Cent mehr.

            Ich verstehe nicht, was Sie meinen. Der festgesetzte Höchstwert für die Ausschreibungen für Windanlagen liegt bei 7,25 Cent pro kWh.

            • Stefan Pietsch 6. Mai 2026, 00:04

              München ist das wirtschaftliche Herz des Landes. Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern sind extrem dünn besiedelt. Welchen Sinn sollte es haben, Unternehmen umzusiedeln? Kein vernünftiger Menschen würde das tun, was Sie im Sinn haben.

              Wir haben Strom im Süden: Wir haben Gas- und Kohlekraftwerke und vor einiger Zeit hatten wir sogar Atomkraftwerke.

              Die Ausschreibung ist auf 12 Cent festgesetzt für Bayern, weil man sonst keine Chance auf Investoren hätte. Sie müssen viel mehr an Subventionen bieten, damit irgendjemand dort Windparks baut, wo es wirtschaftlich überhaupt keinen Sinn ergibt. Das ist der Punkt. Es macht keinen Sinn, in einer windarmen Gegend Wind zur Energiegewinnung nutzen zu wollen. Wenn die Politik das will, muss sie Mondpreise zahlen.

              • Detlef Schulze 6. Mai 2026, 09:12

                Unternehmen sollen nicht umgesiedelt werden, sondern ihren Strombedarf dem Strompreis anpassen. Nicht indem sie die Produktion drosseln, sondern indem sie ihn in Batterien speichern, wenn er zu geringen Preisen eingekauft werden kann. Das ist auch in Bayern oft der Fall durch den hohen Anteil an Photovoltaik im Süden. Die Kosten für die erneuerbaren Energien und die Speicher zusammen sind offensichtlich billiger, als Kernkraft oder Gas. Für die Wirtschaft im Allgemeinen ist es billiger in Speicher zu investieren, als den Strom aus Fossilen zu beziehen.

                • Stefan Pietsch 6. Mai 2026, 10:00

                  Unternehmen sollen nicht umgesiedelt werden, sondern ihren Strombedarf dem Strompreis anpassen.

                  Das macht’s nicht besser. Unternehmen sind dafür da, ihre Produktion dem Kundenbedürfnissen anzupassen, nicht den den Produktionsbedingungen. Denn wenn sie das müssen, passiert das, was immer passiert: Unternehmen wandern ab. Das hatten wir Anfang der Neunzigerjahre, als Unternehmen den hohen Löhnen entgehen wollten und das haben wir jetzt.

                  Das Problem stark schwankender Strompreise in einem Jahr hatten wir nicht bis die Politik auf die Idee kam, die Strommenge für den Wohlstand der Natur zu überlassen. Nochmal, das macht kein vernünftiger Mensch, das macht kein Staat der bei Trost ist. Und deswegen wird diese Politik auch von niemanden imitiert.

                  Ich finde es befremdlich, dass wir über das, was sich als offensichtlich unsinnig erwiesen hat, weil es nicht funktioniert, noch diskutieren müssen. Die Fakten von dreißig Jahren „Energiewende“ sprechen für sich.

    • Detlef Schulze 5. Mai 2026, 19:42

      Deutschland … Das hat dem Land die höchsten Energiepreise […] eingebrockt.
      […] Die Flut von wertlosem Solarstrom drückt am 1. Mai den Preis einer Megawattstunde auf das erlaubte Minimum von minus 499,99 Euro.

      Sie beschweren sich, wenn der Strompreis zu hoch ist, aber auch wenn der Strompreis zu niedrig ist? Und natürlich sind an allem die Grünen Schuld, die gerade mal 9 von 36 Jahren nach der Wende an der Regierung beteiligt waren.

      • Stefan Pietsch 5. Mai 2026, 20:10

        In welchem Markt zahlen Produzenten ihren Kunden noch Geld, damit sie die Ware abnehmen? Verteidigen Sie tatsächlich solche Absurditäten?

        Wir subventionieren hoch die Erzeugung von Strom aus regenerativen Quellen und wir subventionieren den Endverbraucherpreis. Das ist nur absurd.

        a) Die Grünen haben die Energiewende maßgeblich in ihrer Regierungszeit von 1998-2005 konzipiert. Danach fanden sich keine Mehrheiten mehr für eine wesentliche Abkehr.

        b) Die Grünen regieren seit Jahrzehnten in wesentlichen Ländern mit, so in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und NRW, die zentral für die Energieerzeugung sind.

        c) Schon unter Fischer waren die Grünen erfinderisch, über die Länder ihre Vorstellungen von Energiepolitik durchzusetzen.

        • Detlef Schulze 5. Mai 2026, 21:14

          Die negativen Strompreise sind kurzfristig und führen daher zu (im Mittel) niedrigeren Strompreisen. Das ist gut. Negative Strompreise gab es früher nicht, weil Strom nicht an Börsen gehandelt wurde. Einen Stromüberschuss gab es aber auch zu Zeiten von Atomkraftwerken, welche man wesentlich schlechter abschalten kann, als Windräder. Der Strom wurde dann ins Ausland verschenkt oder in Nachtspeicheröfen verheizt. Das hat niemanden interessiert. Jetzt regen sich manche Leute auf, dass der Strom billig wird. Dem Staat kosten die negativen Strompreise auch nicht viel Geld, da große Anbieter gar keine Verguetung bekommen, wenn der Preis unter null fällt.

          • Stefan Pietsch 6. Mai 2026, 00:13

            Das stimmt alles nicht.

            Das Phänomen negativer Strompreise nimmt deutlich zu, nicht ab. Es steht in direktem Zusammenhang mit dem Ausbau der Erneuerbaren, deren Strom wegen Überproduktion nicht abgenommen wird, aber abgenommen werden muss. Kann man ja schließlich nicht verbrennen. Diese Überproduktion ist nicht nur unsinnig, sie ist teuer. Für den Strom wurde bezahlt z.B. Subventionen. Und dann zahlen wir dafür dass er abgenommen wird.

            Anders als Wind und Sonne sind Atomkraftwerke „grundlastfähig“. Das heißt sie liefern jederzeit nach Bedarf Strom. Wissen Sie, wann die Sonne wieder scheint? Jedes Industrieland hat solche grundlastfähigen Energieträger. Wir schaffen sie ab.

            Es ist nicht bekannt, dass Frankreich oder Polen Strom an das Ausland verschenken so wie wir regenerativen Strom.

            Unser Strom ist extrem teuer. Unsere Strompreise sind nicht wettbewerbsfähig. Der Staat musste sogar die Stromsteuer senken, also das Gleiche, was wir gerade beim Tankrabatt machen, nur dass da Linke von „Subvention“ reden, bei der Absenkung der Stromsteuer aber nicht.

            Derzeit kosten uns die negativen Strompreise drei Milliarden Euro. Wenig ist das nichts, oder ist das relativ? Das Dumme ist nämlich, dass es Langzeitzusagen über zwanzig Jahre gibt (jede Regierung, die da ran wollte, wurde von den Grünen gesteinigt) und die Einschränkungen eben nur für große industrielle Anbieter gelten.

            Aber doch mal Hand aufs Herz: Es ist doch ein gesellschaftspolitischer Skandal, wohlhabenden Bürgern 500 Euro zu zahlen, damit sie den wertlosen Strom abnehmen.

  • VD 5. Mai 2026, 10:33

    zu b)

    Zitat aus einem Interview von W. Kubicki mit der NZZ am vorigen Samstag:

    Wenn das Nachdenken darüber, wie wir die AfD schwächen können, für sie (gemeint ist F. Strack-Zimmermann) eine Rechtsverschiebung ist, dann ist das ein etwas sehr sportlicher Gedanke. Wir sind die Antipoden zur AfD. Wer aus der Nato oder der EU austreten will, betreibt ein Verarmungsprogramm. Aber bei der letzten Bundestagswahl haben wir 800 000 Wählerinnen und Wähler an die AfD verloren. Die sind nicht alle über Nacht zu Neonazis geworden. Die Menschen haben keine Lust mehr auf das, was hier gerade passiert. Wir müssen ihnen wieder ein vernünftiges Angebot machen.

  • Lemmy Caution 5. Mai 2026, 11:37

    4) Bardella und RN sind natürlich gerade im Hinblick auf die Ostfront ein Problem, aber die geben sich jetzt auch weniger pro-russisch als in den 10er Jahren.
    Stefan, vergiss das bitte mit der französischen Grossmachtpolitik. Das sehe ich inzwischen als eine eher folkloristische Sicht, die in Deutschland noch sehr verbreitet ist. Frankreich hat im Mittleren Osten und in West- und Nordafrika in den letzten 30 Jahren dramatisch an politischem und wirtschaftlichem Einfluss verloren. Die wissen das auch. Bardella sich auf das eigene Land konzentrieren.
    Die ökonomischen Ideen der RN halte ich für hochgradig unausgegoren. Frankreich ist für günstige Kredite stark abhängig von dem Euro-Verbund. Das in Teilen stark agraisch geprägte Frankreich hängt in der Landwirtschaft von EU Subventionen und Märkten ab.
    Es scheint mir ein Kennzeichen der neuen Rechten zu sein, dass ihnen nicht besonders gut informierte Bürger eine fast schon magische Kompetenz zur Lösung ihrer ökonomischen Probleme einräumen. Die Realität enttäuschte aber bisher immer: in Ungarn, in den USA und in Argentinien, wo Umfragen nun allen wichtigen Kabinettsmitgliedern eine Ablehnung von konsistent 60 bis 70% geben. Auch in Italien hat zwar Meloni gute Zustimmungswerte, die Regierung aber nicht.

  • Stefan Pietsch 5. Mai 2026, 13:08

    b) Kubicki will „den Raum zwischen CDU und AfD füllen“. Der Tweet hier kommentiert es treffend: das tut die FDP mit ihren 3% aktuell.

    2017 und 2021 erzielte die FDP rund 11 Prozent mit Themen, die der AfD „Konkurrenz“ machten (Migration, Corona). 2025 gelang das nicht. Zwischen den heutigen 3 Prozent und den noch vor kurzem erreichten 11 Prozent ist ein ziemlich großer Raum, den die Parteien ziemlich freiwillig der AfD überlassen.

    d) Ein Artikel zu der fixen Idee einer Minderheitenregierung, der keinen weiteren Kommentar erfordert. Quasi das definitive Schriftstück.

    Schwarz-Rot beweist, dass die alte Koalitionsarithmetik längst an ihr Ende gekommen ist. Sie funktioniert nicht nur nicht mehr. Sie wird von den Wählern auch nicht mehr akzeptiert. Schwarz-Grün würde die Dinge übrigens nur noch schlimmer machen. Aber das wollen ja einige.

    e) Tesla bricht offen das Arbeitsrecht.

    Richtigerweise müsste es lauten: Viele Mitarbeiter brechen das (Arbeit-) Recht. Eine Fehlquote von 15 Prozent ist Betrug. Nichts anderes.

    Während meiner 35 jährigen Erfahrung mit Personal habe ich Bemerkenswertes festgestellt: Bei manchen Arbeitnehmern weiß ihr Körper genau, wann die sechswöchige Lohnfortzahlung endet. Es ist wirklich faszinierend. Sterbenskranke, die wochenlang an mysteriösen Viren und Bakterien litten, können plötzlich wieder gehen. Allerdings nur, damit wenige Tage bis eine Woche später die Bösartigkeit erneut zuschlägt und sie dahinrafft.

    Wer rund sechs Wochen krankgemeldet war und kurz danach erneut länger ausfällt, begeht mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Betrug.

    f) Woher die Profite der Unternehmen in der Krise kommen.

    Leider paarst Du allzuoft wirtschaftlich rudimentäres Wissen mit reinem Populismus. Inzwischen sollte das Wissen bekannt sein, dass die US-amerikanische Industrie deutlich weniger von dem Krieg im Iran betroffen ist als Europa oder gar Asien. Schon gar nicht die Tech-Industrie. Während NASDAQ und S&P neue Allzeithochs markieren, liegen die Indizes der traditionellen Industrien – DOW und DAX weit unter ihren Höchstwerten.

    Der Vorteil von Aktien ist, sie sind weit inflationssicherer als alle anderen Anlageformen. Wenn der Markt allerdings in die Rezession kippt, geht es auch den Unternehmen schlecht. Was denn sonst? Deutschland hat mit 24.000 Insolvenzen ein 10-Jahreshoch erreicht. Und die gehen sicher nicht insolvent, weil sie gerade tolle Gewinne machen. Das glauben nur Robert Habeck und seine Fans.

    j) Testfall für die Brandmauer.

    Ein Kommunalparlament ist Testfall für die Aussperrung der AfD? Wohl kaum. Eine solche Interpretation zeigt nur, dass man keine Ahnung hat, wie die Dinge auf kommunaler Ebene laufen.

    m) Ich frag nochmal diejenigen, die immer sagen, dass der Wille der Bevölkerungsmehrheit nach härterer Migrationspolitik unbedingt befolgt werden muss, nach den Konsequenzen hiervon.

    Wovon sollte die Migration von Menschen aus fernen Kulturen abhängig sein? Und man muss nicht alles von Umfragen abhängig machen, das wäre reiner Populismus. Nur, dann muss die Politik Ergebnisse liefern. Die Ergebnisse von zehn Jahren ultraliberaler Migrationspolitik sind desaströs. Wir machen nicht nur die dümmste Energiepolitik der Welt, wir machen auch die dümmste Migrationspolitik der Welt. Und während 1,6 Millionen Syrer inzwischen in ihre Heimat zurückgegangen sind, sind es aus Deutschland nur 4.000 von einer Million. Syrer fühlen sich einfach wohl bei uns…

    Zum Thema: In den letzten zwanzig Jahren sind die Steuer- und Abgabenlast immer mehr auf die oberen zehn Prozent verlagert worden bei steigenden Lasten insgesamt, d.h. steigenden Unterstützungen, die keine Lust haben etwas zu tun. Das ist das Ergebnis von solchen Verhältnissen. Nur: Die Zahlen sind nicht anders als vor zehn Jahren.

    Was tut die Politik, damit auch Menschen mit mittlerem Einkommen Vermögen aufbauen können? Nichts. Im Gegenteil, sie sorgt dafür, dass inzwischen für ganz gewöhnliche Menschen der Traum vom Eigenheim eine Fata Morgana bleibt. Klar finden das die meisten ungerecht, dass es dann immer noch welche gibt, die sich ein Haus und Urlaub leisten können.

    Deutschland fährt seit dreißig Jahren eine Politik der Verarmung. Das ist gewollt und maßgeblich von der politischen Linken gestaltet.

    o) Zuckersteuer: Limonade und andere Softdrinks werden teurer. Endlich!

    Wieso endlich? Die Preiselastizität bei Süßprodukten ist sehr gering, d.h. der Staat wird auch hier vor allem abzocken. Dann zahle ich für meine Schokolade und mein Häagen Dazs Eis noch etwas mehr, ist ja für einen guten Zweck. Dieses Land hasst mich.

    • CitizenK 5. Mai 2026, 14:05

      Die Behauptung:
      „Deutschland fährt seit dreißig Jahren eine Politik der Verarmung“

      Die Realität:
      „Kombiniert man diese absoluten Zahlen mit den prozentualen Anteilen, wird die Dimension der Vermögensakkumulation an der Spitze greifbar:

      2007: Bei einem Anteil von 61,1 % bis 66,6 % entfielen auf die oberen 10 % der Bevölkerung zwischen 4,41 Billionen € und 4,81 Billionen € des Gesamtvermögens.6
      2022: Der absolute Vermögenswert der oberen 10 % wird direkt mit 10,5 Billionen € beziffert.27

      Ein konstanter oder leicht steigender Anteil an einem stark wachsenden Gesamtkuchen bedeutet einen überproportionalen absoluten Vermögenszuwachs für die Spitze. Während die untere Hälfte der Bevölkerung kaum von der Vermögensentwicklung profitierte, konnte das oberste Dezil sein Vermögen in den letzten 15 Jahren mehr als verdoppeln.
      https://www.martinkaessler.com/die-vermessung-des-reichtums-vermoegensentwicklung-in-deutschland-seit-1950/

      • Stefan Pietsch 5. Mai 2026, 14:30

        Sie wollen mit dem Verweis auf 10 Prozent der Bevölkerung beweisen, dass Deutschland keine Verarmungsstrategie fahren würde? Was ist mit den restlichen 90 Prozent? Und wissen Sie, was Inflation ist?

        Sie folgen offensichtlich Berthold Brecht. Nur hatte der „Kulturschaffende“ keine Ahnung, wie Wohlstand geschaffen wird. Nein, die Vermögenszuwächse entstehen nicht dadurch, dass dem einen weggenommen wird, was der andere gewinnt.

        In Deutschland werden nur verhältnismäßig wenig Menschen Unternehmer oder generell selbständig. Das aber ist der statistisch aussichtsreichste Weg zu den oberen zehn Prozent – nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Vermögenszuwächse resultieren maßgeblich durch Wertsteigerungen von Unternehmen und Anteilen. Die Deutschen wollten aber jahrzehntelang nichts von Aktien und Unternehmensbeteiligungen wissen.

        Jesus hatte für diejenigen, die immer nur ernten wollen, aber nicht säen, Verachtung übrig. Um die, die nichts tun, kümmere sich der himmlische Vater. Ich denke, das Prinzip sollte wiederbelebt werden.

        • cimourdain 5. Mai 2026, 15:02

          Im letzten Absatz säen Sie (wie in Matthäus 13 Vers 24 bis 30) Unkraut zwischen den guten Samen Agape
          Denn es heißt wörtlich im Johannesevangelium Kapitel 4
          36 Wer erntet, empfängt Lohn und sammelt Frucht zum ewigen Leben, auf dass sich miteinander freuen, der da sät und der da erntet. 37 Denn hier ist der Spruch wahr: Der eine sät, der andere erntet. 38 Ich habe euch gesandt zu ernten, wo ihr nicht gearbeitet habt; andere haben gearbeitet, und ihr seid in ihre Arbeit eingetreten.

        • Lemmy Caution 5. Mai 2026, 16:05

          Victor Hugo hat das Thema bereits 1862 in „Les Miserables“ grundlegend besprochen. Weils etwas lang ist, poste ich hier die übersetzung von DeepL nachbearbeitet von mir:
          „Alle Probleme, mit denen sich die Sozialisten befassten […] lassen sich auf zwei Hauptprobleme zurückführen:
          Erstes Problem: Reichtum schaffen.
          Zweites Problem: Ihn verteilen.
          Das erste Problem umfasst die Frage der Arbeit.
          Das zweite umfasst die Frage des Lohns.
          Beim ersten Problem geht es um den Einsatz der Kräfte.
          Beim zweiten um die Verteilung der Freuden.
          Aus dem richtigen Einsatz der Kräfte ergibt sich die Staatsmacht.
          Aus der richtigen Verteilung der Freuden ergibt sich das individuelle Glück.
          Unter richtiger Verteilung ist nicht eine gleiche Verteilung zu verstehen, sondern eine gerechte Verteilung. Die erste Gleichheit ist die Gerechtigkeit.
          Aus der Verbindung dieser beiden Dinge – öffentliche Macht nach außen, individuelles Glück nach innen – ergibt sich der gesellschaftliche Wohlstand.
          Gesellschaftlicher Wohlstand bedeutet den glücklichen Menschen, den freien Bürger, die große Nation. England löst das erste dieser beiden Probleme. Es schafft auf bewundernswerte Weise Reichtum; es verteilt ihn schlecht.
          […]
          Der Kommunismus und das Agrargesetz glauben, das zweite Problem zu lösen. Sie irren sich. Ihre Verteilung tötet die Produktion. Die gleichmäßige Verteilung hebt den Wettstreit auf. Und damit auch die Arbeit. Es ist eine Verteilung, wie sie der Metzger vornimmt, der das tötet, was er verteilt. Es ist daher unmöglich, bei diesen angeblichen Lösungen stehen zu bleiben. Reichtum zu vernichten bedeutet nicht, ihn zu verteilen. Beide Probleme müssen gemeinsam gelöst werden, um wirklich gelöst zu sein. Beide Lösungen müssen miteinander kombiniert werden, um eine einzige Lösung zu bilden.“

          Hugo, Victor, Les Miserables, Guernesey, Vereinigtes Königreich, 1862
          Teil IV, Buch 1, Kapitel IV

    • Stefan Sasse 5. Mai 2026, 15:51

      e) Und deswegen ist neuerdings Rechtsbruch okay?

      • Stefan Pietsch 5. Mai 2026, 17:23

        e) Du schlägst mich mehrfach. Beim fünften Mal hau‘ ich Dir eine runter. Darauf meinst Du: Und das ist jetzt in Ordnung?

        Sorry, es steht die Behauptung eines Rechtsbruchs. Die möglichen Kläger sind in der Beweispflicht. So sieht das vorm Arbeitsgericht aus. Aus Erfahrung weiß ich: Das ist am Ende gar nicht so einfach, Beweis zu führen. Fraglos bewegt sich Tesla auf dünnem Eis. Aber leider ist die Rechtslage für Krankmacher in Deutschland außerordentlich günstig. So günstig wie ich sie aus keinem anderen Land kenne. Was meinst Du, wie die Krankenstandsquote zusammenschnurren würde, wenn wir Karenztage und Verrechnung mit Urlaubstagen hätten.

        Plötzlich wäre dieses Land wieder merklich gesünder.

        • Ariane 5. Mai 2026, 17:56

          Gewerkschaften helfen schnell und günstig (oder die Rechtsschutz), wenn der Arbeitgeber verlangt, dass man seine Ärzte von der Schweigepflicht entbinden soll und ansonsten die Lohnfortzahlung verweigert.
          Ebenso bei unangekündigten Kontrollbesuchen. Und nein das ist nicht rechtens. Der AG kann das anfechten, aber dann eben nach den Regeln des Arbeitsrechts. Nicht des Wilden Westens.

          Um deine Metapher aufzunehmen: man haut nicht jemandem eine rein, sondern regelt seine Probleme auf zivilisierte Art. Angestellte sind keine Leibeigenen

          • Stefan Pietsch 5. Mai 2026, 19:05

            Viele deutsche Arbeitnehmer sind Betrüger. Das ist inzwischen ziemlich stark eingerissen. Um das zu beweisen, muss man nur auf die Benchmarks mit dem Ausland wie auf die Kennzahlen im Vergleich zu Vor-Corona schauen. Auffällig ist auch, dass Arbeitnehmer in mittelständischen Unternehmen anscheinend gesünder sind als Menschen in Großkonzernen oder – ganz schlimm – in der öffentlichen Verwaltung. Außer mit Betrug („Krankfeiern“) sind die Diskrepanzen nicht zu erklären.

            Ja, es sind in den Branchen, in denen ich gearbeitet habe, wenige faule Äpfel. Ganz anders allerdings in ach so sozialen Berufen wie dem Erzieherwesen. Und ja, man kennt seine faulen Äpfel. Ich hatte mal eine der ganz Hartnäckigen, eine junge Frau von 23 Jahren. Irgendwie denken die Betrüger ja immer, die anderen sind blöd. Aber es gibt klare Muster von Krankmachern. Ein Merkmal: Je dramatischer, desto falscher. Jemand, der krank ist, braucht nicht andere zu überzeugen, wie schlecht es ihm geht. Und macht es normalerweise auch nicht.

            Weiteres Muster: Krankmacher sind wie andere Menschen auch Gewohnheitstiere. Der Krankenstand ist jedes Jahr auf ähnlichem Niveau, allerdings meist mit steigender Tendenz. Krankmacher werden selten gesünder.

            Die junge Frau kam jährlich auf 20-24 Krankheitstage. Ariane, das sind 4-5 Wochen! Ein junger Mensch ist im Schnitt 1-2 Tage krank. Ich habe ihr dann das Gehalt gekürzt. Der Weg: Der IG Metall-Tarifvertrag sieht eine leistungsabhängige Komponente vor. Sie ist dagegen vorgegangen mit dem Betriebsrat. Doch die Kürzung hatte Bestand. Begründung meinerseits: Selbst wenn ich nicht die Fehltage werten darf, so braucht jemand danach wieder Tage der Einarbeitung, in denen er weniger leistet. Ergo hat ihre Leistung nachgelassen.

            Stefan schreibt im Header von Rechtsbrechern. Seltsamerweise bezieht er das immer nur auf Unternehmen, nie jedoch auf Arbeitnehmer. Das ist eine extrem einseitige Sichtweise.

            • Ariane 5. Mai 2026, 19:24

              Stefan schreibt im Header von Rechtsbrechern. Seltsamerweise bezieht er das immer nur auf Unternehmen, nie jedoch auf Arbeitnehmer. Das ist eine extrem einseitige Sichtweise.
              Lies deinen ersten Satz aus demselben Posting(!) vielleicht nochmal.

              • Stefan Pietsch 5. Mai 2026, 19:34

                Stefans Header:
                e) Tesla bricht offen das Arbeitsrecht.

                Krankenstand Tesla Fabrik Grünheide
                August 2024: 17%
                April 2026: Unter 5%

                Die eine Zahl ist Dokument eines massenweisen Betrugs, die zweite ist normal. Ansonsten ist dem Unternehmen nichts Unrechtes nachgewiesen.

                Und zur Einordnung: Verstöße gegen das Arbeitsrecht sind keine Straftaten. Betrug ist es es sehr wohl. Wer als Arbeitnehmer krankmacht, dem droht im schlimmsten Fall Gefängnis. Kranke Arbeitnehmer unangemeldet zuhause aufzusuchen, ist da sowohl rechtlich als auch im allgemeinen Empfinden harmlos. Oder siehst Du das etwa anders?

                Die Anwälte der Gewerkschaften sind von schlechter Qualität. Wie sagte mal ein Kollege von mir vor langer Zeit? Wer mit Bananen bezahlt, bekommt Affen. 🙂

            • Stefan Sasse 5. Mai 2026, 20:41

              Viele deutsche Arbeitgeber sind auch Betrüger. Das war allerdings schon immer so.

              • Stefan Pietsch 5. Mai 2026, 21:03

                Nein. Faszinierend ist, du schreibst über ein absurdes Verhältnis und was Dir einfällt, ist, Arbeitgeber sind Betrüger. Stefan, mit einer Fehlquote von 17 Prozent lässt sich kein Unternehmen wirtschaftlich betreiben. Solche Krankmacher betrügen nicht nur ihren Arbeitgeber, sondern sie gefährden auch die Jobs ihrer Kollegen. Denkst Du, das Geld fällt vom Himmel?

                Mir ist immer wieder unverständlich, dass Du kriminelles (Strafrecht, Stefan!) von allen Möglichen rechtfertigst oder mindestens darüber hinwegsiehst (Klimaaktivisten, Mieter, Arbeitnehmer), aber rechtlich leichte Vertrags- und Gesetzesverstöße (Ordnungsrecht) ständig skandalisierst. Da sind Deine Maßstäbe völlig verrutscht.

                Arbeitgeber betrügen nicht häufiger als andere. Es betrügen unter normalen Umständen (öffentlicher Dienst und Sozialbereich sind anders) auch Arbeitnehmer nicht häufiger. Es sind immer Menschen.

                Diese Attitüde von Linken – und Du machst als Linker keine Ausnahme – bestimmte Menschen schlimmer, krimineller, übler darzustellen als andere – Unternehmer & Manager, Vermögende, Vermieter, Autofahrer – ist verhetzend und finde ich zum Kotzen.

                • Stefan Sasse 6. Mai 2026, 07:29

                  Ich finde deine Position einfach nur heuchlerisch und voller Doppelstandards.

                  • Stefan Pietsch 6. Mai 2026, 08:13

                    Wo habe ich Doppelstandards? Das wüsste ich gern genauer.

                    Im konkreten Fall begeht Tesla weder eine Straftat noch ist überhaupt belegt, dass die Manager etwas Ungesetzliches getan hätten. Denn natürlich darf ein Unternehmen die Lohnfortzahlung verweigern, wenn es sich nach sechs Wochen um eine Folgeerkrankung handelt. Das ist Gesetzeslage.

                    Krankmacher schlagen ganze Abteilungen, ja manchmal Unternehmen kaputt. Sie stellen das Management damit vor Zwickmühlfragen. Ganz klar, Stefan: Mit Fehlquoten von 17 Prozent und mehr lässt sich ein vernünftiger Betrieb nicht aufrecht erhalten! Entweder die Quoten gehen auf ein vertretbares Maß zurück oder man macht den Laden dicht. Keine vernünftige Unternehmensführung lässt sich von Betrügern die Geschäftspolitik diktieren. Und ich kenne das aus eigener Anschauung, wenn auch nicht als betroffener Manager.

                    Ich bin kein Kind von Traurigkeit. Ich erwarte nicht, dass alle Menschen sich immer an alle Regeln halten. Ich bin Katholik und kenne mich mit Regelübertretungen aus. Aber dann soll man dazu stehen und sich nicht verstecken.

                    Ich habe ein einziges Mal in meinem Leben krankgemacht. Im zarten Alter von 15 habe ich im nahegelegenen Supermarkt gejobbt. Dann stand eine größere Umräumaktion an und ich habe mich davor gedrückt. Das Ergebnis war die Kündigung. Danach habe ich selbst wenn ich aus Unternehmen ausgeschieden bin nie zu diesem Notausgang gegriffen. Und ja, manchmal ist das Leben nicht angenehm.

                    Im Alter von 17 bin ich permanent schwarz ohne Führerschein gefahren. Ich war so gut, dass ich später nur 9 Fahrstunden brauchte. Aber exakt einen Monat vor meinem 18 Geburtstag hat mich ein neidischer Nachbar bei der Polizei angezeigt, die mich an einem Sonntag Abend nach der Kirche anhielt. Ich bekam dafür 10 Sozialstunden in einem Altersheim auferlegt. Und sie haben mich geprägt. Ich habe einen wahnsinnigen Respekt vor diesem Job.

                    Ich habe mich nie in meinem Leben damit rausgeredet: Ist doch nicht so schlimm, warum werde ich bestraft. Du polemisierst gegen Klimakriminelle, wenn sie als Hauptstrafe eine ganz kurze Haft erhalten – obwohl das genau so im Gesetz steht und lange bevor es Klimakriminelle gab. Du greifst Unternehmen an, die sich gegen kriminelles Tun ihrer Mitarbeiter zur Wehr setzen, weil es nicht in Zusammenarbeit mit dem Beschuldigten passiert. Ganz klar, bei Betrug, egal ob Krankmachen oder Diebstahl von Cent-Produkten, ist eine fristlose Kündigung gerechtfertigt, weil es das Wesentliche zwischen uns Menschen beschädigt bzw. zerstört: Das Vertrauen ineinander.

                    Wenn das Linken nichts bedeutet oder es nur relativiert wird, dann ist das ein Problem dieser Menschen.

                    • Ariane 6. Mai 2026, 17:05

                      Nur mal aus Neugier. Hast du gemerkt, dass Stefan deinen Satz gespiegelt hat? Das war eine direkte Antwort auf deinen Gesprächseinstieg: „Viele Arbeitnehmer sind Betrüger“

                      Mich dünkt, daher kommt der Verdacht auf Doppelstandards. Wäre halt die Frage, ob du vergessen hast oder bewusst das Spielfeld wechselst.

                    • Stefan Sasse 7. Mai 2026, 08:46

                      Danke.

                    • Stefan Pietsch 6. Mai 2026, 17:46

                      Dazu habe ich doch das Entsprechende gesagt:

                      Stefan schreibt im Header von Rechtsbrechern. Seltsamerweise bezieht er das immer nur auf Unternehmen, nie jedoch auf Arbeitnehmer. Das ist eine extrem einseitige Sichtweise.

                      Ich finde es generell herabsetzend, falsch und vorurteilsbeladen, charakterliche Eigenschaften wie die Neigung zu Regelübertretungen an der Arbeit, dem Vermögen und dem Status eines Menschen festzumachen. Kriminelles Verhalten gibt es in jeder Berufsgruppe, in jeder Altersklasse, bei jedem Geschlecht, bei jedem Einkommen.

                      Zu sagen, böse Tesla (Musk), aber nicht: böse Arbeitnehmer – zu sagen: böse Steuerhinterzieher, aber nicht böse Sozialbetrüger macht nur eins: Gift spritzen.

                    • Stefan Sasse 7. Mai 2026, 08:48

                      Alter, du hast genau das gleiche mit den Arbeitnehmern gemacht!

                    • Stefan Pietsch 7. Mai 2026, 11:35

                      Nein. Ich habe auf Deine typische Einseitigkeit, wie oft gerne ohne tatsächliche Klärung, reagiert.

                      Ich schreibe immer wieder auch hier in den Kommentaren, dass die Neigung zu Regelübertretungen nichts mit dem Status von Menschen zu tun haben. Ich führe seit knapp dreißig Jahren Menschen aus einem wesentlichen Grund: Ich mag Menschen. Und das vertrete ich als Credo: Nur wer Menschen mag, kann Menschen führen.

                      Es sind seit vielen Jahren Linke, die aus dem Status und der Zuordnung von Menschen charakterliche Zuschreibungen machen. Zum „Schutz“ von Sozialhilfeempfängern wird auf die geringe Zahl der entdeckten Fälle im Verhältnis zu der Anzahl der Transferbeziehern verwiesen. Dem gegenübergestellt wird die hochgerechneten Beträge von vermuteter Steuerhinterziehung. Äpfel-und-Birnen-Vergleiche werden zur Charakterisierung genutzt.

        • Stefan Sasse 5. Mai 2026, 20:38

          Ja, es ist immer wieder beeindruckend, wie biegsam Recht als Kategorie für dich ist, wenn es deinen Interessen dient, und wie absolut und unbeweglich, wenn nicht.

          • Stefan Pietsch 5. Mai 2026, 21:06

            Wir reden vom Vertragsrecht, Herr Sasse. Und ich habe keinen Rechtsverstoß begangen, auch wenn das Deinem Verständnis fremd ist.

            • Stefan Sasse 6. Mai 2026, 07:33

              Werfe ich dir ja auch nicht vor, ich werfe dir vor, es zu rechtfertigen, wenn deine ideologischen Nachbarn es tun.

              • Stefan Pietsch 6. Mai 2026, 08:16

                A, ich habe keine ideologischen Nachbarn. Ich kann mich mit so etwas nicht identifizieren. B, ich rechtfertige nicht ungesetzliches Verhalten. Im konkreten Fall, siehe unten. Wenn Du vor der Frage stehst, selbst zu sterben oder etwas Ungesetzliches zu tun, wählt fast jeder ersteres. Und das ist in Ordnung, wie Gerichte immer wieder bestätigen.

          • CitizenK 6. Mai 2026, 07:48

            Möglicherweise hat Arbeitszeitbetrug, (nich nur Krank-„Feiern“) tatsächlich zugenommen. https://www.zeit.de/arbeit/2026-04/arbeitszeitbetrug-produktivitaet-arbeitnehmer-homeoffice-freizeit?mj_campaign=nl_ref&mj_content=zeitde_text_link_x&mj_medium=nl&mj_source=int_zonaudev_Unsere%20Empfehlung%20des%20Tages
            Und nicht vergessen: Das geht meist auch zu Lasten der Kollegen, die mehr arbeiten müssen.
            @ StefanP
            Früher war das im ÖD jedenfalls anders. Ich kam mit einem Dünkel von der Industrie in den Schuldienst und musste feststellen, dass die Arbeitsmoral da höher war. Wer da zu Hause blieb, war wirklich krank. Vielmehr musste der Schulleiter öfter intervenieren, damit sich nicht andere ansteckten.

            • Stefan Pietsch 6. Mai 2026, 08:20

              Die Statistiken sind seit Jahrzehnten eindeutig. Und nein, es war nie anders. Mein Vater war Beamter (nicht krankgemacht), ich kenne das. Ende der Achtzigerjahre habe ich in den ersten Jahren meines Studiums bei der damals noch nicht privatisierten Post gejobbt. Da war das Drückebergertum jedoch, das muss ich einräumen, nicht verbreitet. Ich hatte allerdings den Bezirk von jemanden, der wusste, wie man durch Täuschung sich Vorteile verschafft. Wie viele damals.

              • Lemmy Caution 6. Mai 2026, 20:20

                Ich habe langsam den Verdacht, dass unser Wohlstand höher wäre, wenn 5% mehr blau machen würde UND gleichzeitig Trump, JD Vance und Elon Musk das auch machen würden.

              • Lemmy Caution 6. Mai 2026, 20:48

                Die Täuschungen hast du auf allen Ebenen. Menschen sind manipulierbar und Menschen manipulieren.
                Ich hatte eben im Lingoda Kurs eine sehr harte afrikanische Französischlehrerin. Das war eine interessante Erfahrung. Ich werde sowieso Lingoda verlassen und kenne schon die Alternative. Der Grund ist, dass ich aus dem Niveau rauswachse. Ich habe für eine Zeit viel gelernt, aber so Untericht kann zu lasch werden und das ist auf die Dauer nicht befriedigend, wenn man etwas wirklich will. Vielleicht bewegt sich die Gesellschaft zu sehr in diese Richtung. Angenehm war die Stunde für den exil-russischen Mitschüler in Kanada vermutlich nicht, der 95% abbekommen hat.

                • Stefan Pietsch 6. Mai 2026, 21:56

                  Mein Problem ist speziell mit Krankmachern. Sie haben eine besondere Skrupellosigkeit, denn ihr Betrug basiert auf Vertrauensmissbrauch und dem Ausnutzen ihrer Kollegen unter Zuhilfenahme der Rechtslage. Und am Ende sind sie noch frech, denn sie erwarten, dass man ihnen glaubt und sie für ehrlich hält.

                  Wie bei anderen Kriminellen haben auch Krankmacher Muster. Zwei habe ich ja aufgezählt. Dieser Typus von Betrügern muss nicht nur anderen, sondern auch sich selbst permanent einreden, dass man ja ehrlich sei. Notorische Krankmacher glauben nach einiger Zeit selbst, dass sie im Rückblick tatsächlich krank waren.

                  Als Führungskraft stürzen einen solche Leute immer in üble Konflikte. Das Sinnvollste und Wirkungsvollste ist dann doch immer die Kündigung. Unter Fingieren von Gründen. Stefan würde das wieder sagen: Was für eine Heuchelei!

                  • Lemmy Caution 7. Mai 2026, 08:48

                    Faule und Träge Menschen hat es immer gegeben. Sie sind Teil unserer Kultur. Dante Aligheri, der zwischen 1265 und 1321 lebte, hat sich intensiv mit ihnen in seiner Göttlichen Kommödie beschäftigt:
                    Ich finde, er hat das Thema brilliant getroffen: ‚Rolle der Faulen und Traegen in Dantes Goettlicher Kommoedie‘ in chatGpt oder chat.mistral.ai .
                    Gerade in so Arten des Broterwerbs mit starken introvertierten Anteilen wie Programmierung oder Buchhaltung gibt es immer die Gefahr, dass man sich zum fünften Rad des Wagens macht und in einer Art Sumpf versinkt. Mit der Komplexität der Aufgabe steigt auch die Leichtigkeit eine Argumentation zu finden, um eine schwache Performance zu rechtfertigen. Man sollte diesen Sumpf meiden. Die Null-Performer sind nicht glücklich, die zwanghaften Überperformer aber auch nicht. Jeder sollte da eine gesunde Mitte finden. Master-of-the-Universe-Hardcore-Engineers machen zumindest Software-Teams und Projekte genauso kaputt wie die ewigen Trödler.
                    Ich kenne einen wirklich extrem faulen Software-Entwickler ziemlich gut und es ist mir unmöglich den 20 Jahre jüngeren Kerl in eine wohl auch für ihn bessere Richtung zu nudgen. Neben der Arbeit ist der in vielen ziemlich engagiert und er hat 3 junge Kinder.
                    Dantes Text beweist, dass es schon im 13. Jahrhundert faule Menschen gab. Bis zu einem gewissen Grad kann eine Gesellschaft sich entwickeln und die trotzdem einige Träge ihr Leben auf faule Art leben lassen.
                    In Dantes Fegefeuer gibt ja noch sehr viele andere Sektionen, nicht nur für träge Menschen. Viele Menschen „atornillan al revés“ wie man auf Spanisch sagt, d.h. drehen die Schraube in eine andere Richtung als es gut wäre.

                    • cimourdain 7. Mai 2026, 09:29

                      Interessant in diesem Zusammenhang: Trägheit (Acedia) ist die einzige der sieben Todsünden, der im „Inferno“ Teil der Göttlichen Komödie kein Höllenkreis zugeordnet ist.
                      Im „Purgatorio“ Teil ist sie wieder auf einer der Läuterungs-Terrassen präsent.

                    • Stefan Pietsch 7. Mai 2026, 14:54

                      Alles richtig, nur hängen solche Charakteristika nicht mit Faktoren wie Job, Einkommen, Vermögen, Geschlecht, Vertragsbeziehungen usw. zusammen.

                      Selbst ich sage nicht, Beamte wären faule Menschen, sondern sie sind aufgrund der Möglichkeiten in ihrem Bereich dort nicht besonders strebsam.

                  • Stefan Sasse 7. Mai 2026, 08:50

                    Mein Problem ist spezifisch mit Leuten, die das Arbeitsrecht brechen. Wenn eine Führungskraft oder ein Unternehmen sich an geltendes Recht hält, ist das überhaupt kein Problem!

                    • Stefan Pietsch 7. Mai 2026, 11:17

                      Schon wieder die Einschränkungen.

                      a) Die Einschränkung auf den Kreis der Arbeitgeberseite. Du thematisierst nie die Rechtsbrüche von anderen Seite. Genau darum ging es hier. Das Vorgehen von Tesla ist rechtlich im Grenzbereich. Ob es zulässig ist, das wissen wir nicht, zumal es hier auf den Einzelfall und nicht das Prinzip ankommt. Du machst allerdings daraus eine verwerfliche Tat. Was für Dich im gleichen (!) Sachverhalt nicht verwerflich ist, ist das strukturell zerstörerische Verhalten vieler Arbeitnehmer bei Tesla, sonst kämen solche Zahlen nicht zustande.

                      b) Wie oben aufgeführt, gibt es für Dich Regelverletzer erster und zweiter Ordnung. Erster Ordnung sind solche, die Dir politisch nicht liegen: Arbeitgeber, Autofahrer, Wohlhabende.

                      Du bist unerbittlich gegenüber Falschparkern und Geschwindigkeitsübertretern, obwohl es sich dabei üblicherweise um Ordnungswidrigkeiten handelt. Ganz anders sieht das bei Klimakriminellen und Schwarzfahrern aus, obwohl diese Straftaten begehen. Sozialbetrüger und Schwarzarbeiter sind bei Dir auch kein Thema, wohl aber Steuerhinterzieher.

                      Deine Tu quoque-Taktik fällt auf Dich zurück.

                    • Stefan Sasse 7. Mai 2026, 17:51

                      a) Wo genau siehst du das andere nicht im rechtlichen Grenzbereich…?

                      b) Wie gesagt: du machst EXAKT DASSELBE.

                    • Stefan Pietsch 7. Mai 2026, 18:43

                      a) Seit Jahrzehnten veranstalten Gewerkschaften als Teil von Tarifverhandlungen sogenannte „Warnstreiks“. Diese sind aufgekommen, seitdem echte Arbeitskämpfe aus der Mode gekommen sind. Man einigt sich zu schnell als dass Gewerkschaften im eigentlich gedachten Sinne Remmidemmi machen könnten. Ich kenne nämlich noch echte Arbeitskämpfe mit längeren Streiks und Aussperrungen.

                      Solche Warnstreiks widersprechen zumindest dem Sinn des Arbeitskampfmittels und finden ebenfalls im Grenzbereich statt. Was für Dich nie kritikwürdig war.

                      b) Nein. Wo hast Du je erlebt, dass ich Straftäter nach ganz schlimm und halb so wild eingeteilt hätte, wie Du es tust? Ein sehr prägnantes Beispiel: Ich habe die Verurteilung von Uli Hoeneß wegen Steuerhinterziehung immer als angemessen verteidigt und das, obwohl ich Bayern-Hater bin. Aber steht Hoeneß nicht nach Deiner Definition in „meinem Lager“ und ist Steuerhinterziehung nicht ein Delikt, das ich als „nicht so wild“ einstufen würde?

                      Wie gesagt, bei Dir finden sich unzählige Beispiele, wo Du die aus „Deinem Lager“ bei Straftaten schön verteidigst und Strafen für überzogen hältst.

                    • Stefan Sasse 8. Mai 2026, 09:43

                      a) Mir wäre neu, dass daran irgendwas illegal wäre. Und soweit ich weiß, gab es darüber auch nie Beschwerde von den AGs. Erspart immerhin echte Arbeitskämpfe.

                      b) Bezweifle ich ja gar nicht. Alles, was ich sage, ist, dass du nicht so neutral bist, wie du tust.

                    • Stefan Pietsch 8. Mai 2026, 11:49

                      a) Es ist grenzwertig, so wie die Streichung der Lohnfortzahlung in den diskutierten Fällen.

                      b) Wäre mal schön, wenn Du konkret werden und dies an Vergleichen aufzeigen würdest. Ich mag diese Methode des Vorwurfs ohne Beleg und Beweisführung nicht.

  • cimourdain 5. Mai 2026, 14:25

    q) Im Artikel geht es um Mecklenburg-Vorpommern nicht Schleswig-Holstein.

  • cimourdain 5. Mai 2026, 16:54

    2) Du solltest doch aus Rollenspielerfahrung wissen, dass zu viel an Investment in eine Story ein geringeres Problem darstellt als ein passives sich-berieseln-lassen. Gerade bei Streamingserien denke ich, dass letzteres häufig vorkommt.

    3) Immer wieder mein Kriterium für gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit: Ersetze in den Äußerungen von z.B. Andrea Geier das Wort „Männer“ durch eine beliebige ethnische Gruppe. Wenn dir dann der Text rassistisch vorkommt, dann sollte klar sein, was davon zu halten ist. Und hier ist Schmidbauers Blick trotz seines Infanticognitivismus richtig: Wenn solche Stereotype (Generalverdacht) verbreitet werden, dann wird bei Kindern (und auch Erwachsenen) das Menschen- und Selbstbild nachhaltig geschädigt.

    5) Wenn in diesem Zusammenhang immer von „Globuli“ gesprochen wird, solltest du dich fragen, was das „weiter gehen“ des Artikels beinhaltet. Es gibt ein breites Feld an medizinischen Eingriffen, deren Nutzen nach evidenzbasierten Kriterien umstritten ist: Osteopathie, Hautkrebsscreening, Augenlaser bei Sehschwäche, viele Psychotherapien etc… Ich halte es für sehr gefährlich, wenn der Gesetzgeber da die medizinische Wirksamkeit festsetzt, weil das beinhaltet, dass dann die Kriterien Kassenlage und politische Opportunität mit hinein spielen.

    6) Interessanter Punkt, den du ansprichst: Hat Reiche von ihrem Partner Guttenberg die Gunst der Springerpresse übernommen, nachdem der in die Kategorie „Peinlichkeit“ abgerutscht ist?

    e) i) Warum wird wohl als Referenzpunkt für eine aktuelle Maßnahme der Extremwert von 2024 herangezogen? Wie war der Krankenstand, als diese Firmenpolitik beschlossen wurde ?
    ii) die 17% Krankenstand von damals sind ein extremer Wert (das Dreifache des Durchschnitts). Das liegt strukturelle Gründe nahe. Die IG Metall hatte das auf Betriebsklima und Arbeitsverdichtung zurückgeführt (Was durch hohe Ausfallquoten weiter verstärkt wurde).
    iii) Schon damals hat Tesla die Grenzen des rechtlich zulässigen ausgereizt (oder überreizt?) indem als Gegenmaßnahme der Personalchef Kontrollbesuche bei krankgeschriebenen Angestellten gemacht hat.

    • Ariane 5. Mai 2026, 18:01

      e) IV) ist zwar eine Weile her und keine Ahnung, wie es heutzutage aussieht, aber es gab 2023 auch einige Berichte über eine deutlich erhöhte Zahl von Arbeitsunfällen:
      https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/tesla-fabrik-in-gruenheide-offenbar-auffaellig-viele-arbeitsunfaelle-a-930d99dc-9ea1-4f31-a17a-5895164fb5fe

    • Stefan Sasse 5. Mai 2026, 20:37

      2) Ich würde ja auch nie für passives berieseln Lassen argumentieren?

      3) Deswegen sag ich ja, dass ich Geiers Kritik nicht ganz teile.

      5) In dem Fall geht es ja weniger um Kassenlage als die Symbolwirkung. Aber ja, du hast natürlich einen Punkt.

      6) Ich glaube nicht, dass das was miteinander zu tun hat, nein?

      e) Jepp, Kriminelle.

    • Ralf 5. Mai 2026, 22:10

      Es gibt ein breites Feld an medizinischen Eingriffen, deren Nutzen nach evidenzbasierten Kriterien umstritten ist: Osteopathie, Hautkrebsscreening, Augenlaser bei Sehschwäche, viele Psychotherapien etc

      Globuli sind nicht vergleichbar mit Hautkrebsscreenings. Hautkrebsscreenings mögen in der Breite weniger zur Reduzierung von Krebsfällen beigetragen haben, als man sich das erhofft hat, aber es besteht kein Zweifel, dass Einzelne medizinisch davon enorm profitiert haben. Ein rechtzeitig erkanntes Melanom hat eine hervorragende Prognose für vollständige Heilung. Ein nicht rechtzeitig erkanntes Melanom ist praktisch ein Todesurteil. Globuli hingegen haben keinerlei medizinische Wirkung über den Placebo-Effekt hinaus. Weder haben sie Nutzen in der Breite, noch Nutzen für Einzelne. Es gibt keinen Grund, weshalb die Gesellschaft diesen Unsinn bezahlen sollte. Schon garnicht in einer Phase, in der (wirksame) Leistungen im Gesundheitssystem aus Kostengründen zusammengestrichen werden.

      • Stefan Sasse 6. Mai 2026, 07:36

        Danke!

      • cimourdain 6. Mai 2026, 08:51

        Du sprichst den Grund meiner Bauchschmerzen im letzten Satz genau an: „Schon garnicht in einer Phase, in der (wirksame) Leistungen im Gesundheitssystem aus Kostengründen zusammengestrichen werden.“ Da ich der politischen Kommunikation grundsätzlich misstraue, sehe ich in den „Globuli“ ein reines foot-in-the-door Argument, das dazu dient, davon abzulenken, dass auch Zahnersatz zusammengestrichen wird.

        • Ralf 6. Mai 2026, 10:38

          Ich sehe Deinen Punkt. Aber dann sollten wir für den Zahnersatz streiten und uns nicht in Debatten über Globuli verlieren.

          • CitizenK 6. Mai 2026, 14:59

            Wer in der Politik Emotionen für wirksamer hält als Sachargumente, sollte über die Finanzierung der Globuli nochmal nachdenken. Placebo-Effekt.

        • Stefan Sasse 6. Mai 2026, 12:25

          Nein, das ist eine Debatte sui generis, die gibt es schon ewig. Bisher fehlte immer der politische Wille.

          • cimourdain 7. Mai 2026, 09:15

            Exakt: Der aktuelle politische Willen ist, zum Stopfen von Finanzlöchern den Zahnersatz wegzustreichen. Die Globuli sind nur wirkungslose Zuckerl, das im Gesamtpaket mitgeliefert wird.

            • Stefan Sasse 7. Mai 2026, 11:12

              Ja, aber so ein Zuckerl braucht es halt auch.

              • cimourdain 7. Mai 2026, 13:01

                Du gibst also zu, dass Globuli (Zuckerl) nicht nur nützlich sondern notwendig sind. Da frage ich dich (wie CitizenK oben), warum in der Politik so etwas Irrationales gilt, aber in der Medizin nicht.

                • Ariane 7. Mai 2026, 17:39

                  ich zitiere hier mal Citizen nochmal:
                  Wer in der Politik Emotionen für wirksamer hält als Sachargumente,

                  Nicht zwingend wirksamer, aber sie stehen deutlich gleichrangiger nebeneinander als eben in einer Wissenschaft wie in der Medizin. Stefan sagt ja oft „auch Gefühle sind nur Gefühle, aber eben da“ (oder so)

                  Und Politik MUSS sich daran orientieren, solange eben eine Wahlentscheidung auch davon abhängt. Und ich finde die Idee komplett absurd, dass Menschen (die nun mal gefühlige Wesen sind) ihre Wahlentscheidungen hier irgendwie rational auf Faktenbasis treffen.

  • Ariane 5. Mai 2026, 18:40

    1) Mobilität
    also quasi zehn Minuten in jede beliebige Nicht-Stuttgart-Richtung sind ohne eigenes Auto kaum zu navigieren.
    das ist bei uns auch super extrem, mit dem besonderen Schmankerl, dass unser Stuttgart ein anderes Bundesland mit einem anderen Verkehrsverbund ist. Und ja, alles entlang der Zugstrecken ist echt gut angeschlossen. Bus ist katastrophal.

    Inner-kleinstädtisch hat sich hier jetzt eigentlich der sogenannte „Bürgerbus“ durchgesetzt. Ist das eigentlich bundesweit oder mehr so ein regionales Phänomen?
    Das ist übrigens ein Verein, angewiesen auf Mitglieder, Sponsoren, Spenden und freiwillige Fahrer.
    eines der Ziele: Der BürgerBus will an den Bahnhöfen Achim und Baden Anschluss an die Züge der Deutschen Bahn und an der Haltestelle Achim, Markt / Schmiedeberg den Umstieg auf die VBN-Buslinien ermöglichen.

    Er ist auch wichtig, weil die Hauptbuslinien halt echt wenige Stops hier haben, zb selten an so etwas praktischem wie dem Supermarkt!

    Das ist ja alles sehr löblich, aber ein deutliches Zeichen, dass die Kommunen Mobilität außerhalb des eigenen Autos wirklich nahezu komplett aufgegeben haben. Ansonsten muss jeder, der hier auf Busse angewiesen ist, nämlich so gut zu Fuß sein, dass er den Weg auch gleich selbst gehen kann.
    Hier die Seite vom Bürgerbus Achim: https://www.buergerbus-achim.de/

    Und ja, innerhalb der Großstädte dreht es sich um, da nervt so ein Auto eher und dafür sind die Öffis deutlich besser, alleine die hohe Frequenz in der gefahren wird, macht schon wahnsinnig viel aus. Ein komplettes Stranden, weil der Bus nur 2x am Tag hält und die nächste Möglichkeit 15 km entfernt ist, gibt es eben nicht.

    3)
    aber wenn sie ernstgemeint sind, drohen sie, das Ding in eine Richtung zu drehen, das Männer grundsätzlich unter den von Schmidtbauer kritisierten Generalverdacht stellt und damit dem Anliegen, gegen Männergewalt vorzugehen, einen Bärendienst erweist.
    Ach ich halte das von beiden Seiten für eine Ablenkungsdebatte, die lediglich von konkreten Problemen ablenkt und überhaupt jede ernsthafte Beschäftigung mit dem Thema unterbindet.

    Das ist ähnlich sinnvoll, als wenn ich ernsthaft ausdiskutieren wollen würde, ob Katzen- oder Hundehalter irgendwie die besseren Menschen sind.
    (wo jeder weiß, dass es die Katzenhalter sind^^) Also man sieht, für Zuspitzungen und Jokes nützlich, aber das war es dann auch.

    5) Warken
    In der Welt feiert Jacques Schuster „ganz nüchern“ Nina Warken als „Person des Jahres“, weil sie die „GKV geschaffen hat, die wir uns leisten können“
    Meine Güte, eine Person in dieser Regierung macht hier ihren Job und stellt die Liste einer Kommission vor, damit überhaupt irgendeine Arbeitsgrundlage vorhanden ist und wird gleich zur Person des Jahres.
    Die Maßstäbe sind irgendwie bei „schmeißt nicht brüllend alles hin“ gelandet.

    Er gibt zu, dass das monetär ziemlich belanglos ist, aber postuliert eine wichtige Signalwirkung.
    Ja, das wäre deutlich einfacher, wenn man nicht die Idee hätte, dass die Kassen irgendwie untereinander im Wettbewerb stehen müssen, was bei GKVs sauschwierig ist. Und sowas ist halt eines der wenigen Dinge, womit sie sich bei den Leistungen unterscheiden können.
    Ich finde es komplett bescheuert, aber wenn sie wettbewerben sollen, ist es vielleicht irgendwie unfair, ihnen eines der Instrumente dafür aus der Hand zu schlagen. Das ruft eigentlich nach einer anderen Lösung.

    • Stefan Sasse 5. Mai 2026, 20:41

      1) Genau. Ich hab das mit meinem eigenen Umzug gemerkt: nur in die Nachbarschaft, aber die Frequenz des Busses ist dreimal so hoch! Und ich erreich alles mit dem Fahrrad! Mein Auto steht fast nur noch rum.

      5) Deswegen macht es vermutlich auch wenig Sinn, 96 Kassen zu haben.

      • Ariane 6. Mai 2026, 16:59

        1) Das Extremste bei mir: hatte mal Bekannte in einem günstigen Hotel in der Nähe untergebracht für einen Zwischenstopp. 15 Autominuten weg. Per Öffis: 2 Stunden, weil die Verbindungen nur über Bremen laufen.

        5) Ich bin tatsächlich auch kein Freund so halber Lösungen, das ist nun mal kein Feld, auf dem wirkliche Privatmarktwirtschaft möglich ist. Viel ist da imo historisch bedingt, eine Krankenkasse pro Berufssparte.
        Aber dann kann man sich auch ehrlich machen und das tatsächlich nach und nach zusammenführen, anstatt so zu tun als herrsche hier freier Wettbewerb.

        • CitizenK 7. Mai 2026, 07:56

          Hätte ich auch gedacht, ist wohl aber nicht so. Kleine Kassen hätten geringere Verwaltungskosten, und Fusionen kosten auch Geld (IT-Systeme usw.) Die Verwaltungskosten (weniger als bei der PKV) seinen ein zu kleiner Hebel, um die Gesamtkosten zu senken.

          • Ariane 7. Mai 2026, 17:14

            Ja ist auch nicht meine Hauptpriorität. Aber diese fixe Idee, die sollen so tun als wäre dies die freie Privatwirtschaft ärgert mich, da würde ich tatsächlich mehr Ehrlichkeit bevorzugen. Und ich hatte mal einen Bekannten, dessen GKV bankrott gegangen ist (seine Kinder waren mitversichert) – das ist gar nicht mal so lustig. Deswegen fand ich die Idee auch schlimmer, die Fam-Versicherung aufzugeben als das Familiensplitting.

            Die Krankenversicherung ist absolut unverzichtbar in Deutschland – auch eine der größten Errungenschaften, die wir so zustande gebracht haben. Es lohnt sich, das zu verteidigen und zu hegen.

            • CitizenK 8. Mai 2026, 14:56

              Ja, aber hier wurde argumentiert, dass der Wegfall der kostenlosen Mitversicherung von Ehepartnern ein Angriff auf die Familie als Institution sei. Was ist dann mit der Familie der (oft alternativlos) Privatversicherten? Ist die weniger wert?
              Wenn man das für familienpolitisch notwendig/sinnvoll/wünschenwert hält, dann durch Steuergelder finanzieren.

        • Stefan Sasse 7. Mai 2026, 08:46

          1) Ja, solche Sachen sind einfach eine Katastrophe.

          5) Genau.

  • Ariane 5. Mai 2026, 18:56

    a) gemeinsame Traumabewältigung Dtl/Polen
    Der Link ist leider kaputt, ich würde es wirklich gerne lesen! Kann aber nur feststellen, dass es etwas von der Faz ist.

    c) Die Mineralölkonzerne haben die Benzipreise um 14 bis 16 Cent angehoben, bevor der Tankrabatt greift. Was für eine Farce.

    Ja Mensch, wer hätte ahnen können, dass Konzerne Möglichkeiten der Profitmaximierung ausnutzen! Shocking!
    Nee sorry, aber das ist deren Job. Lasst sie halt nicht. Wo sind denn die verstärkten Kartellregeln, die groß angekündigt worden sind und definitiv keine abschreckende Wirkung hat? Passiert da was? Werden Politiker überhaupt danach gefragt? Null Plan.

    Es wurde eine absolut bescheuerte 12-Uhr-Regel eingeführt (definitiv Rentner-Republik, wer sonst hat Zeit um 11:30 Uhr zu tanken? Die hart arbeitende Mitte eher nicht btw) Dann gibt es dagegen Verstöße (preislich immerhin eh schon alles egal) und Frau Reiche hat vergessen, die Zuständigkeit zu klären, das zu ahnden. Äh?

    Ne Übergewinnsteuer lehnt man natürlich auch ab, weil – null Plan ehrlich gesagt.
    Jeder Konzern wäre strunzdumm, wenn er das nicht ausnutzen würde und würde vermutlich übrigens seine Pflicht gegenüber Aktionären etc. verletzen. Ein Konzern ist doch keine Charityfirma, die brauchen nicht nachfragen, ob der Bürger das zahlen kann.
    Der Staat hat sich hingestellt und gesagt, er muss da nachfragen – er hat die Verantwortung hier angenommen. Er hat nicht gesagt: seht zu, dass ihr klarkommt.
    Aber das dann auch konsequent durchziehen, will er nicht. Und diese Regierung hat echt nicht das Standing, jetzt irgendwie mit gesellschaftlicher Verantwortung und Gemeinwohl zu kommen und dieses an Konzerne zu adressieren.

  • sol1 5. Mai 2026, 19:59

    3) Hier mal ein Beispiel für eine konstruktive Diskussion zu diesem Thema:

    https://bsky.app/profile/klenkflorian.bsky.social/post/3mjmkln3hmc2m

  • sol1 5. Mai 2026, 20:18

    6) Aufschlußreich, wie wenig sich Thomas Schmid um das tatsächliche Funktionieren des Ministeriums kümmert.

    Dazu interessante Einblicke:

    https://taz.de/Bilanz-nach-einem-Jahr-Schwarz-Rot/!6170758/

    • Ariane 7. Mai 2026, 17:44

      Danke für den Link, sehr spannend. V.a. aus dem Familienministerium (hatte auch ganz vergessen, dass es mit dem Bildungsministerium zusammengelegt wurde)

  • Ralf 5. Mai 2026, 21:49

    zu 2) “Serien nicht überanalysieren”

    Warst Du nicht der mit dem ASOIAF-Blog, der dort eine Serie überanalysiert hat? 😀

    • Stefan Sasse 6. Mai 2026, 07:35

      Nein, ich bin der, der wertvolle Analysen zu ASOIAF liefert, die das Verständnis bereichern.

      Aber im Ernst, es geht im Artikel spezifisch um das Vorhersagen und Einfordern von Plotsträngen, und genau das mache ich dezidiert nicht.

      • Lemmy Caution 6. Mai 2026, 20:15

        Kann ich bestätigen. Ein grosser Teil der ASOIAF Beiträge richteten sich gegen die Teile der Fanzone, die überzeugt waren, die Geschichte sollte so laufen wie sie sich das vorstellen.
        Diese „starken Meinungen“ über Dinge, die man nicht wirklich überblickt ist menschlich, aber sicher auch kindisch. Vielleicht ist das heute stärker als vor 20 Jahren.

        • Stefan Sasse 7. Mai 2026, 08:49

          Es gibt auch eine Tonne von Tinfoil-Theorien, die einfach nur nervig sind.

  • cimourdain 6. Mai 2026, 08:45

    Eigene Anmerkung lose zu 2) :
    Nachdem die Endlosserie „Der Timmendorf-Wal“ jetzt ihr Staffelfinale erreicht hat, möchte ich mal die Rolle des Wals kulturgeschichtlich hinterfragen.
    In der klassischen Literatur ist der Wal symbolisch für eine unvermeidliche „natürliche“ Übermacht, die zeigt, wie sinnlos es ist gegen die Gewalt von Natur (Moby Dick) oder Staat (Hobbes‘ Leviathan) anzukämpfen.
    Außerdem zwingt er das Individuum dazu, sein Schicksal zu akzeptieren (Buch Jona) und Verantwortung zu übernehmen (Pinocchio (*) ).
    Erst im Anthropozän ist der Wal dem Schicksal schutzlos ausgeliefert (Per Anhalter durch die Galaxis) oder auf menschliche Hilfe angewiesen (Free Willy (**)).

    (*) Ich weiß, dass der Fisch im Buch eigentlich ein Hai (pesce-cane) ist. Das Argument gilt trotzdem.

    (**) Das Schicksal des Willy-Darstellers „Keiko“ ist in dem Zusammenhang interessant. Dieser wurde mit Spenden aus seinem Aquarium freigekauft und im Nordatlantik ausgesetzt. Dort mied er Artgenossen und suchte lieber die Nähe von Menschen (etwa Kreuzfahrtschiffe). Anderthalb Jahre später starb er an einer Lungenentzündung.

    • Ariane 6. Mai 2026, 17:18

      Sehr schöne Idee!

      Nachdem die Endlosserie „Der Timmendorf-Wal“ jetzt ihr Staffelfinale erreicht hat
      Dadurch, dass der Wal jetzt verschwunden ist und niemand sicher weiß, ob er tot oder lebendig ist, hat man aber einen gewaltigen Cliffhanger hinterlassen. Es böte Stoff für ganze Spionagethriller a la roter Oktober (bitte nur ein Ping!)

      Unbedingt erwähnen muss man aus der modernen Literatur natürlich Frank Schätzing und Der Schwarm, bei dem Wale und sämtliches Meeresgetier schließlich die Menschheit angreifen. Klarer Fall von „Natur und Lebewesen wehren sich gegen die Eingriffe des Menschen“

      zudem muss ich natürlich auf das traditionelle plattdeutsche Märchen „Der Fischer un syn Fru“ hinweisen, das sogar die Gebrüder Grimm aufgenommen haben und der etwas frauenskeptisch eingestellten Männer hier im Blog besonders gefallen dürfte, weil die Frau mit ihren hochtrabenden Wünschen den genügsamen Mann ins Verderben reißt (mit Hilfe eines magischen Butts). Immerhin erinnert es uns daran, dass wir genügsam sein sollen und keine unerfüllbaren Wünsche wie eine wissenschaftlich unmögliche Walrettung durchführen sollten.

      • sol1 6. Mai 2026, 19:08

        Science-Fiction-Fans sei dieser Roman empfohlen:

        https://buchwurm.org/ian-watson-der-programmierte-wal/

        • Ariane 6. Mai 2026, 19:39

          Es ist den Russen offenbar auch gelungen, einen Pottwal mit ins Gehirn implantierten Computersonden zu programmieren, der im Pazifik kreuzt und mit menschlichen Gehirnen in Kontakt steht. Jonah, damit kein Wal mehr, aber noch längst kein Mensch, aber ein denkendes Wesen, leidet.
          Ok, gruslig-Spannend. (da könnte man die ganze Rettung als Gegenspionage noch mit einbauen)

          Oh als Ergänzung zu Jonah und Pinoccio im Bauch eines Wals würde ich noch Findet Nemo beisteuern, dabei lernt Marly loszulassen und Dorie walisch.

  • Ariane 6. Mai 2026, 18:11

    Eigenes Fundstück sowohl für die Nerd-Sektion – aber auch verbunden mit einigen wiederkehrenden Blogdiskussionen – wahlweise Ralfs Theorie des Internetverbots oder das allseits beliebte Thema, dass Precht hier wenig Fans hat:
    Lanz & Precht haben über das Phänomen Social Media geredet und dabei einen unverhofften Ausflug ins Mittelalter gemacht. Der Zusammenhang erschließt sich nicht unmittelbar (mehr so generell: heute anders als damals). Aber das hat den Youtuber/Podcaster Geschichtsfenster auf den Plan gerufen, um so hingeworfene Goldstücke wie „das Mittelalter war ja Theokratie, alsowie Iran“ zumindest nicht unwidersprochen stehenzulassen:

    https://www.youtube.com/watch?v=oOtp4ZLoaHE

    • Ralf 6. Mai 2026, 21:22

      Danke für den Shout-out. Vielleicht vorneweg zur Klarstellung: Ich bin nicht gegen das Internet. Ich bin gegen das “Mitmach-Internet”, bei dem gewöhnliche Bürger ohne editoriale Kontrolle einem Massenpublikum Content zur Verfügung stellen können.

      Aber zum Video:

      Meine Güte … ich habe keine hohe Meinung von Richard David Precht. Wenn der irgendwo in den Medien auftaucht, schalte ich meist ab. Du bringst mich hier also in die sehr undankbare Situation diesen Dampfplauderer verteidigen zu müssen. Aber der Typ, der hier kommentiert, ist wirklich nahe an der Grenze zur Unerträglichkeit. Dieses sich von Strohmann zu Strohmann hangeln … dieses penetrante einen Gegner bewusst falsch verstehen wollen … die nicht endende Besserwisserei … die Selbstgerechtigkeit … und letztlich ad hominem-Attacken, wenn einem die Argumente ausgehen … garniert mit einer abstoßenden Selbstgefälligkeit und Überheblichkeit … ist wirklich schwer hinzunehmen. Ja – Precht argumentiert mit Simplifizierungen. Ein Plauder-Podcast ist eben keine akademische Geschichtspublikation. Ein Plauder-Podcast wendet sich auch nicht an die historischen Fakultäten der hiesigen Universitäten sondern an ein breites Publikum mit begrenztem Wissen. Und diesem Publikum zeichnet er ein Bild des Mittelalters, das als Näherung nicht falsch ist. Da kann man in einzelnen Punkten widersprechen. Manches ist auch eine Definitionsfrage. Aber meine Güte … dieses Video kann man kaum anschauen …

      • Lemmy Caution 7. Mai 2026, 09:40

        Nein, Ralf.
        Ich hab den Podcast direkt abonniert.
        Precht reproduziert die plattesten Vorurteile über das Mittelalter.
        Ich sehe unsere Kultur gerade deshalb so bedroht, weil die Meistererzählungen als Legitimation unserer im Durchschnitt schon privilegierten Stellung in der Welt sowohl auf der geographisch-räumlichen als auch auf der zeitlichen Achse so verdammt dünn geworden sind.
        Eine Gesellschaft, die Techniken verliert, um ihre Neugierde auf rational-kritische Art zu befriedigen – so interpretiere ich „ein breites Publikum mit begrenztem Wissen“ – wird untergehen.
        Der Podcaster hat als Historiker hier nicht nur das Recht bei dem Scheiss einiges grade zu rücken. Er hat die Pflicht. Er betreibt nicht Besserwisserei sondern Verteidigung des Abendlands.
        Aktuell machen etwa 51% Abitur, 35 bis 40% besuchen eine Uni oder FH, wobei der Anteil der Bio-Deutschen da sicher noch höher ist. Meine Mutter hat in den 50ern ihren Schulabschluss nach 8 Jahren Hauptschule erworben. Sie ist ziemlich belesen, spricht ganz gut Englisch und würde das Geschwurbel Prechts als Blödsinn erkennen.
        Dank an Ariane für den guten Kulturtip.

        • Ariane 7. Mai 2026, 18:07

          Muss auch nicht jeder gutfinden, ich hatte das nur bei Twitter reingespült bekommen und fand es ganz lustig, weil ich diesen Drang verstehen kann, den Precht-Quatsch mal komplett auseinanderzunehmen. Gerade so Klopper in Absolutheit wie „es gab keine Öffentlichkeit“.
          Sehe ich auch ähnlich wie Lemmy, irgendwer muss sich dann vielleicht auch mal die Mühe machen und den Quatsch nicht unwidersprochen lassen.

          Dank an Ariane für den guten Kulturtip.
          Ich höre da auch immer wieder ausgewählte Folgen, er hat echt ein paar schön nischige Spezialthemen über Krankheiten über Möbel oder einzelne Städte drin. Man muss ja am Ball bleiben, wenn hier Cimo oder du wieder mit absolutem Nerdkram um die Ecke kommt 😉

          • Ralf 7. Mai 2026, 18:57

            Klopper in Absolutheit wie „es gab keine Öffentlichkeit“

            Ist wie fast alles in diesem Video auch nur ein Strohmann. Hängt eben davon ab, wie man Öffentlichkeit definiert. Die meisten Menschen denken beim Begriff Öffentlichkeit an Massenmedien – Fernsehen, Internet, Zeitungen, an publizierte Meinungen und landesweite Debatten. So definiert vermutlich auch Precht die Öffentlichkeit. Klar haben Bauern im Mittelalter außerhalb ihres engsten privaten Familienkreises mit ihrem Nachbarn darüber geredet, dass der aufziehende Sturm die Ernte vernichten könnte. Aber diese “öffentlichen” Debatten waren nur lokal relevant und ob die Menschen über ihre Dorfgrenzen hinweg von überregionalen Debatten viel mitbekommen haben, darf man bezweifeln. Mir wurde mal erzählt, dass in einem dörflichen Zweig meiner Familie manche Ur-Onkels und -Tanten ihr Dorf noch Anfang des 19. Jahrhunderts nur ein- oder zweimal im Leben verlassen haben. Im Mittelalter wurde wohl auch nicht mehr gereist. Und der Minnesänger kam aller Wahrscheinlichkeit ebenfalls nicht in die Dörfer. Die Feststellung, dass es in diesen Gemeinschaften noch keine Öffentlichkeit gegeben habe – also eine Öffentlichkeit, die eine zumindest vage Ähnlichkeit mit dem hat, was wir heute darunter verstehen – ist folglich legitim und kein “Klopper”.

            • Lemmy Caution 7. Mai 2026, 20:37

              Ja, aber es gab innerhalb der kleinen Schicht der Gebildeten definitiv Debatten. Es gab starke Bestrebungen, die Kirche zu reformieren und Streit zwischen unterschiedlichen Strömungen, nicht eine für alle Zeit gültige Lehrmeinung.
              Thomas von Aquin, Wilhelm von Ockham, Albertus Magnus. Viele antike Texte tröpfelten über das maurische Spanien nach Europa rein und führten den Diskurs auf neue Pfade. Die Städte vermehrten sich, wurden grösser und die Bürger erkämpften sich Freiheiten. Viele neue Orden versuchten die Kirche von innen zu erneuern.

              • Ralf 7. Mai 2026, 23:13

                Die Schicht der Gebildeten war vernachlässigbar klein. Streit zwischen unterschiedlichen Strömungen gibt es auch in klassischen modernen Theokratien wie dem Iran. Die antiken Texte aus dem maurischen Spanien dürfte in den Dörfern niemand gesehen haben. Die Bürger erkämpften sich Freiheiten erst gegen Ende des Spätmittelalters. Diese Freiheiten gehören fast zur Definition der folgenden Epoche.

                • Lemmy Caution 8. Mai 2026, 08:37

                  Dein Bild des Mittelalters ist interessant.
                  Es gab gewaltige Umwältzungen vor der Neuzeit.
                  1. Entstehung der Universitäten
                  2. Wiederentdeckung antiker Philosophie
                  Viele Werke von Aristoteles gelangten über arabische und byzantinische Gelehrte nach Westeuropa zurück.
                  Das führte zu:
                  – stärker rationalem Denken,
                  – Interesse an Logik und Naturbeobachtung,
                  – Diskussionen über Vernunft und Glauben.
                  Die antike Philosophie wurde zu einer Grundlage mittelalterlicher Wissenschaft.
                  3. Scholastik: Verbindung von Glaube und Vernunft
                  Die Scholastik war die prägende Denkweise des Hochmittelalters.
                  Wichtige Vertreter: Thomas von Aquin, Anselm von Canterbury, Peter Abaelard
                  Ziel war es, Glauben logisch zu erklären und Widersprüche rational zu lösen.
                  4. Übersetzungsbewegung und Wissensaustausch
                  In Zentren wie Toledo wurden arabische, jüdische und griechische Texte ins Lateinische übersetzt.
                  Dadurch gelangten nach Europa:
                  Mathematik, Medizin, Astronomie, Philosophie.
                  Islamische Gelehrte wie Averroes und Avicenna beeinflussten das europäische Denken stark.
                  5. Neues Menschen- und Naturverständnis
                  Die Menschen begannen stärker:
                  die Natur systematisch zu beobachten, nach natürlichen Ursachen zu fragen, Wissen zu ordnen und zu klassifizieren.
                  6. Religiöse Erneuerungsbewegungen
                  Franziskanerorden, Dominikanerorden
                  Sie betonten: Armut, Predigt, Bildung, praktische Seelsorge.
                  7. Entwicklung der Volkssprachen
                  Neben Latein entstanden bedeutende Werke in Volkssprachen: italienisch, französisch, mittelhochdeutsch usw.

                  Der Ausdruck „STADTLUFT MACHT FREI“ entwickelte sich ungefähr im 12. und 13. Jahrhundert, also während der großen Phase des Städtewachstums im Hochmittelalter. Eine einzelne „Erfindung“ oder ein genaues Datum gibt es nicht. Die Formel entstand aus verschiedenen Stadtrechten und Gewohnheitsrechten.
                  Im Hochmittelalter wuchsen viele Städte durch: Handel, Handwerk, Marktprivilegien.
                  Die Städte brauchten Arbeitskräfte und wollten unabhängiger vom Adel werden. Deshalb boten sie Flüchtigen vom Land oft Schutz und neue wirtschaftliche Chancen.
                  Der Satz bedeutete nicht völlige politische Freiheit im modernen Sinn. Gemeint war vor allem: Befreiung aus persönlicher Abhängigkeit, Möglichkeit zu eigenem Erwerb, rechtlicher Schutz innerhalb der Stadtgemeinschaft.
                  Die Formel wurde später zu einem Symbol für den sozialen Wandel des Mittelalters und den Aufstieg des Bürgertums.

                  • Ralf 8. Mai 2026, 09:48

                    Was Du beschreibst, ist lediglich relevant für eine winzige Minderheit der Menschen im Mittelalter – und auch das nur gegen Ende der Epoche. Die erdrückende Mehrheit der Bevölkerung hingegen lebt in dieser Zeit auf dem Land und kennt weder Stadtluft noch Freiheit.

                  • Ariane 8. Mai 2026, 14:09

                    Der Ausdruck „STADTLUFT MACHT FREI“

                    Jep. Hörige/Leibeigene sind ziemlich oft abgehauen. Und nach einem Jahr in der Stadt waren sie ganz offiziell frei und niemand durfte sie zurückfordern (das hat oft eh nicht so gut geklappt)

                    Zudem wurden im Hochmittelalter auch viele Stadtrechte verliehen, da hatten die Städte auch nicht soviel Bock auf andere Gutsherren in der Stadt oder waren vielleicht eh schon mit dem anderen verbündet^^

                    • Stefan Sasse 8. Mai 2026, 16:30

                      Joaaa….das Problem war, dass die einen Bürgen brauchten, der bezeugte, dass sie Jahr und Tag in der Stadt waren. DAS war das Problem. Auch sonst ist da viel Folklore dabei.

            • Ariane 8. Mai 2026, 01:30

              Die meisten Menschen denken beim Begriff Öffentlichkeit an Massenmedien – Fernsehen, Internet, Zeitungen, an publizierte Meinungen und landesweite Debatten.

              Ja dann ist es ja gut, wenn man das mal debattiert, denn Öffentlichkeit gibt es völlig unabhängig von einem Medium oder einer Schriftkultur.
              Aber ja dann war es eben Dorfklatsch, dass der Gutsherr eine neue Frau hat oder gerade woanders ist.
              Und genauso wurde sich beklagt, dass die Abgaben steigen, weil DIE DA OBEN Krieg im Nahen Osten führen oder verteidigt, denn schließlich ist ja Kulturkampf und einer muss die Musels aufhalten – am Ende gibts ein kleines Judenpogrom, weil Christen und Moslems sich wegen Jerusalem streiten.

              Auch ohne Fernsehen wusste der Pöbel, wer gerade über Jerusalem herrscht oder ob gerade Regierungskrise ist. Der Gutsherr hebt nämlich Bauerntruppen aus, weil DIE DA OBEN sich nicht auf eine Koalition einigen können und ein Thronfolgekrieg entbrannt ist und am Ende wird deswegen auch noch das Dorf niedergebrannt. Bauer Hinnack ist der einzige Überlebende, weil er mit nem anderen Adligen gerade Dörfer in Frankreich plattmacht.
              Am Ende liegt das gar noch an irgendwelchen Weibergeschichten, weil der englische König keinen Bock mehr auf seine spanische Königin hat oder sich per Heirat mit den Welfen verbündet hat.

              Also ja, dass ohne Schriftkultur und Massenmedien der Bauer einfach nur wusste, ob es gerade regnet oder die Sonne scheint, ist so gesehen ein ziemlicher Klopper.

              • Ralf 8. Mai 2026, 08:30

                Hmm … Von dem, was Du da schreibst, stimmt, glaube ich, nur, dass es Dorfklatsch gab. Dass gewöhnliche Bauern über Jerusalem, Kriege im Nahen Osten, den englischen König oder die spanische Königin Bescheid wussten und diskutierten, ist ziemlich unwahrscheinlich.

              • cimourdain 8. Mai 2026, 10:01

                Was weder Precht noch Pfeffer-Perkuhn in dem Zusammenhang thematisiert haben, ist der Faktor „Pilgerreise“, der dafür sorgte, dass sich die Reisenden aus ganz Europa von Island bis Jerusalem und quer durch alle Schichten ausgetauscht hatten und natürlich das auf diesem Weg erworbene „Weltwissen“ mit nach Hause gebracht haben.

                • Ralf 8. Mai 2026, 10:19

                  Gepilgert sind allerdings weniger die gewöhnlichen Bauern …

                  • cimourdain 8. Mai 2026, 11:25

                    Unter den Erzählern der „Canterbury Tales“ sind der ‚Miller‘, der ‚reeve‘ (unfreier Gutsverwalter) und der ‚yeoman‘ (freier Bauer). Auch die Klassenordnung war im Mittelalter komplizierter als die verkürzte Feudalpyramide darstellt.

                    • Ralf 8. Mai 2026, 11:43

                      Die Feudalpyramide beschreibt gesellschaftliche Strukturen, die in der Breite galten. Sie erhebt nicht den Anspruch jeden anekdotischen Einzelfall zu beinhalten.

                    • Stefan Sasse 8. Mai 2026, 16:22

                      Erwähne nie das Wort „Feudalpyramide“ gegenüber Mediävist*innen.

                  • Ariane 8. Mai 2026, 14:01

                    Doch, das war tatsächlich ein Problem, dass sich gewöhnliche Menschen und auch Bauern den Kreuzzügen oder Pilgerreisen anschlossen, war nämlich eigentlich nicht vorgesehen. Die Propaganda war zu wirksam^^

                    Und – sicher nicht gut informiert – aber ja irgendwie „wussten“ sie, dass da was im Nahen Osten los ist. Oder in Frankreich meinetwegen. Oder ein Thronfolgekrieg ausgebrochen war. Der Gutsherr hat tatsächlich Bauerntruppen ausgehoben und da Leute mit in den Krieg genommen. Die saßen nicht ganz alleine in ihrem Dorf und haben 2 Nachbarn gekannt. Genauso haben sie auf den Burgen der Gutsherren auch gearbeitet und waren auf dem Markt in der nächsten Stadt.
                    Die Heere mitsamt Königen sind ja auch nicht Flugzeug geflogen, sondern umhergezogen. Das ist schon aufgefallen, wenn ein Dorf entweder verwüstet wird oder sich legal oder illegal verpflegt wird.

                    • Ralf 8. Mai 2026, 14:37

                      Wie gesagt – in meiner Familie gab es Leute, die ihr Dorf selbst in der relativen Neuzeit nur 1-2mal im Leben verlassen haben. Die Idee, dass die Bauern im Mittelalter regelmäßig auf den Markt in die Stadt gingen, um dort einzukaufen, ist nicht besonders historisch.

                    • Ariane 8. Mai 2026, 14:45

                      Sie waren nicht shoppen, sie haben an den Markttagen ihre Überschüsse oder selbsthergestellte Waren verkauft.

                    • Stefan Sasse 8. Mai 2026, 16:31

                      Es kommt immer auf die relative Nähe an. Wer im Umkreis weniger Wegstunden um eine Stadt herum war, war sicher öfter dort (wie Ariane beschreibt). Wer nicht, vermutlich nie.

      • cimourdain 8. Mai 2026, 08:17

        Ich würde das gerne komplett unabhängig von den Fragen „wer hat Recht“ und „wie überzogen ist der Diss-Track“ betrachten. Mir ist in dem Video ein Satz aufgefallen: „Pauschalaussagen sind immer falsch, egal welche“ Mal von dem Paradox das drin steckt abgesehen, ist es in dieser Konstellation ein wichtiger Punkt. Wir haben auf der einen Seite einen semioffiziellen (ZDF gehostet) Kommunikationskanal, auf dem verkürzte und pauschale Aussagen kommen. Auf der anderen Seite fordert ein unabhängiger Medienschaffender aus seiner Expertise heraus ein differenzierteres Bild ein. Und meine These ist nur wenig überspitzt, dass ein Trend in die Richtung geht, die Precht dem Mittelalter „vorwirft“: Dass eine Priesterkaste als Meinungsmacher ihre verkürzte Weltsicht dogmatisch verbreitet und damit einen freien Diskurs verhindert.

        • Ralf 8. Mai 2026, 08:53

          Das sehe ich ehrlich gesagt überhaupt nicht. Statt einer Priesterkaste, die Dogmen verbreitet, gibt es eher das Gegenteil: Ein andauerndes öffentliches Geschnatter, wo abseits von Expertise jeder irgendetwas in den Raum ruft und Aufmerksamkeit bekommt – oft weil er ein Schauspieler oder Fußballer ist. In den wenigen Fällen, in denen es überhaupt eine scheinbar gesellschaftlich koordinierte Strömung gibt – in der also zumindest die Eliten in der veröffentlichten Meinung übereinstimmend argumentieren – reflektiert das eher Zeitgeist als Dogma: Das heißt es dreht sich oft schon bald um 180 Grad. Beispiele sind etwa der Sinn oder Unsinn der Hartz IV-Reformen oder ob Israels Gazakrieg in der Führung legitim ist oder nicht.

        • Lemmy Caution 8. Mai 2026, 09:03

          Da näherst Du dich Curtis Yarvins „The Cathedral“ Idee von links an, wobei Yarvin die Entstehung dieser Priesterkaste mit der Glorious Revolution in England verbunden sieht, also so um 1688.
          Viele Leute beziehen ja heute ihre Meinungen aus dem Internet und da sind ja ambitionierte Kanäle entstanden. In UK hast du Novara Media und triggernometry, in den USA die vielen Postcaster, in Deutschland Nius und jungUndNaiv. In Frankreich, Chile und Argentinien ist das auch sehr virulent, wobei jemand wie Carlos Pagni, ein brillianter argentinischer Journalist und Historiker, dessen Bedeutung ich erst diese Woche verstanden habe, sich beklagt, dass die Journalisten in den traditionellen Medienhäusern an einer viel kürzeren Leine agieren als noch in den 10ern, wobei das kein Milei Ding ist, will sagen: Viele von denen sind anti-Milei, Pagni aber auch.

  • Erwin Gabriel 7. Mai 2026, 11:41

    j) Testfall für die Brandmauer.

    So albern. ALLE Parteien arbeiten immer wieder mit der AfD zusammen, auf welchem Niveau auch immer. Aber nur die Union kriegt auf die Finger.

    Ich habe inzwischen ein richtig fettes Problem mit der Brandmauer. Nicht, weil ich die AfD gut finde, sondern weil die linke Seite der Macht dadurch mehr ihrer Politik durchsetzt, als ihr entsprechend den Wahlergebnissen „zusteht“.

    • Stefan Sasse 7. Mai 2026, 17:51

      Was genau setzt denn die linke Seite mit der AfD durch um Gottes Willen…?

      • Erwin Gabriel 7. Mai 2026, 18:27

        Es gibt inzwichen in allen Landtagen Abstimmungen, bei denen irgendeine Partei abstimmt wie die AfD (oder umgekehrt).

        • Ralf 7. Mai 2026, 23:15

          Bei der Brandmauer geht es darum, dass man nicht mit der AfD Politik macht. Dass man also nicht mit den Stimmen der AfD Dinge durchsetzt, die man ohne deren Stimmen nicht hätte durchsetzen können.

          • Erwin Gabriel 8. Mai 2026, 11:36

            @ Ralf 7. Mai 2026, 23:15

            Bei der Brandmauer geht es darum, dass man nicht mit der AfD Politik macht. Dass man also nicht mit den Stimmen der AfD Dinge durchsetzt, die man ohne deren Stimmen nicht hätte durchsetzen können.

            Das ist ja wohl bei gemeinsamen Abstimmungen, die man alleine nicht durchgebracht hätte, der Fall. Ist auch dann der Fall, wenn die Abstimmung nicht erfolgreich war, da man in diesem Falle versucht hat, gemeinsam etwas zu verhindern.

            Was mich stört, ist, dass in allen Fällen (außer bei der Union) so getan wird, als sei das ein zufälliges Vversehen, und bei der Union grundsätzlich davon ausgegangen wird, dass es eine gemeinsam abgestimmte Politik ist.

            Abgesehen davon, dass es recht schwierig ist, eine Partei dieser Größe grundsätzlich und absolut auszugrenzen, ist es noch schwieriger (speziell von der Union und der FDP), Politiken zu entwickeln, die ohne Deckung bzw. Überschneidung mit der AfD sind. Grüne und Linke tun sich da leichter, eigenständig zu agieren; die Union wird dagegen massiv eingeschränkt.

            • Ralf 8. Mai 2026, 12:51

              Das liegt meist an dem politischen Feld, um das es geht und daran, ob es entsprechende Kontakte gibt, die eine Abstimmung plausibel erscheinen lassen. Die CDU und die AfD haben auf dem Feld der Migrationspolitik zum Beispiel signifikante inhaltliche Überlappungen, es gibt persönliche Kontakte zwischen dem rechten Rand der CDU und den Nationalsozialisten und es gibt einen Flügel in der Union, der aktiv für eine Zusammenarbeit kämpft – insbesondere, aber nicht nur, im Osten. Damit herrschen ideale Bedingungen für ein entsprechendes plausibles Narrativ einer koordinierten Kooperation, wenn die CDU mit den Stimmen der AfD migrationsfeindliche Politik gegen die anderen demokratischen Parteien durchsetzt, die anders nicht zu haben gewesen wäre.

              Dass die anderen demokratischen Parteien das Dilemma der CDU rücksichtslos zum eigenen Vorteil und zur eigenen Propaganda ausnutzen und die Ausgrenzung der Nationalsozialisten, die in unser aller Interesse ist, schwächen, stimmt natürlich auch. Ich mache kein Geheimnis daraus, dass ich das für zutiefst verantwortungslos halte.

            • Stefan Sasse 8. Mai 2026, 16:25

              Wie gesagt, es geht nicht um Politiken. Üblicherweise ist das in Land- und Bundestag auch irrelevant, da haben wir Koalitionen und es wird außer bei Gewissensfragen (die eh frei sind) nie über Fraktionsgrenzen abgestimmt. Relevant ist das doch eh nur auf Kreis- und Kommunalebene. Und da würde ich zustimmen ist die Brandmauer absolut nicht nötig. Wenn eine Gemeinde einen neuen Kindergarten bauen wollen, können sie das meinetwegen auch mit AfD-Stimmen machen. Wenn dieselbe Gemeinde beschließen möchte, dass sie keine Asylbewerber*innen aufnehmen möchte, fände ich das genauso problematisch wie wenn dieselbe Gemeinde mit den Stimmen der LINKEn beschließen würde, ein Gewerbe zu kommunalisieren oder so (mir fällt gerade kein passenderer Vergleich ein).

        • Stefan Sasse 8. Mai 2026, 09:39

          Wie die AfD abstimmen ist ja auch nicht das Thema, das kannst ja nicht verhindern. Die Brandmauer redet davon, mit der AfD Mehrheiten zu suchen. Meinst du das auch? Ich habe davon bislang nichts gehört.

          • Ralf 8. Mai 2026, 09:43

            Gibt es vereinzelt, glaube ich, auch. Die Grünen haben z.B. auf Europaebene gemeinsam mit den Rechtsextremen gegen Mercosur gestimmt. Aber diese Fälle sind wesentlich seltener und es ist wahrscheinlich oft auch nicht plausibel, dass aktiv Absprachen gemacht worden sind bzw. eine politische Allianz zur Umsetzung eines Ziels gesucht wurde (als Gegensatz zu einer zufälligen Mehrheit).

          • Erwin Gabriel 10. Mai 2026, 20:12

            @ Stefan Sasse 8. Mai 2026, 09:39

            Die Brandmauer redet davon, mit der AfD Mehrheiten zu suchen. Meinst du das auch? Ich habe davon bislang nichts gehört.

            Ich kenne niemanden aus den höheren Kreisen der Union, der mit der AfD aktiv die Kooperation sucht.

            • Stefan Sasse 11. Mai 2026, 07:51

              Ja eben. Um was geht es also?

              • Erwin Gabriel 11. Mai 2026, 16:28

                @ Stefan Sasse

                Liest Du nur das jeweils letzte Posting und hast den Anfang der Debatte dann bereits vergessen?

  • Erwin Gabriel 7. Mai 2026, 12:38

    m) migrationspolitik

    Ich frag nochmal diejenigen, die immer sagen, dass der Wille der Bevölkerungsmehrheit nach härterer Migrationspolitik unbedingt befolgt werden muss, nach den Konsequenzen hiervon.

    @ Ariane
    Das ist wieder so ein Beispiel, wo ich mit den Zähnen knirsche, um nicht überaus sarkastisch zu antworten. Sowohl zu Migration als auch zu „Reichtum“ haben wir (auch Stefan) hier schon mit deutlich mehr Substanz Argumente ausgetauscht, die aber jetzt offenbar alle wie weggewischt sind. Aber ich habe gesagt, dass ich versuche, mich zusammenzureißen 😐

    @ Stefan Sasse

    Ist das Vermögen in Deutschland ungleich verteilt? Definitiv. Ja und? Ist nirgendwo anders und wird, wenn Du alles auf Null zw. alle auf den gleichen Stand setzt, schon Stunden später wieder ungleich verteilt sein.

    Ist das Vermögen in Deutschland „ungerecht“ verteilt? Wer will das objektiv beantworten – „gerecht“ und „ungerecht“ sind genau wie „zu wenig“, „genug“ und „zu viel“ sehr, sehr subjektive Beurteilungen. Ist eine genauso sinnlose Frage wie „Sind Arbeitslose / Beamte / Lehrer faul?“

    Im Vergleich dazu das überaus komplexe Thema Migration. Du weißt genauso gut wie ich, dass es lösgelöst von den vielen subjektiven Einstellungen objektive Pros und Cons gibt. Auf der einen Seite sind viele Menschen mit Migrationshintergrund fleißige Steuerzahler, auf der anderen Seite sind auch mehr Gewalttäter und / oder Sozialstaat-Abhängige dabei, als wir uns das wünschen.

    • Ariane 7. Mai 2026, 17:04

      Das ist wieder so ein Beispiel, wo ich mit den Zähnen knirsche, um nicht überaus sarkastisch zu antworten. Sowohl zu Migration als auch zu „Reichtum“ haben wir (auch Stefan) hier schon mit deutlich mehr Substanz Argumente ausgetauscht, die aber jetzt offenbar alle wie weggewischt sind.
      ich habe mich hier eigentlich weder zu Migration noch zu Reichtum geäußert und mal andersrum: meinst du, mir (oder Stefan) geht das groß anders? Ihr habt unsere Argumente ja auch nicht zu einer Meinungsänderung „genutzt“. Die Erwartung, dass wir morgen eure Meinung übernehmen, ist vielleicht etwas überhöht?
      Und meinetwegen kannst du hier beschimpfen, hämisch sein, sarkastisch – wie du willst, sind ein freies Land. Gilt dann aber für beide Seiten und ich habe definitiv nicht Stefans Zen-Haltung da großmütig über zig persönliches Angehen hinwegzulesen.

      • Erwin Gabriel 7. Mai 2026, 19:27

        @ Ariane 7. Mai 2026, 17:04

        Ihr habt unsere Argumente ja auch nicht zu einer Meinungsänderung „genutzt“.

        Mein vergleichendes Beispiel war die Frage „Sind alle Lehrer faul?“ – das ist weder ein Argument noch ein Anstoß für eine argumentativ begründete Meinungsänderung. Diese Frage wäre nur populistischer Bullshit, die von Leuten beantwortet wird, die sich nicht auskennen.

        @ Stefan Sasse 7. Mai 2026, 17:53

        Du bestätigst im Endeffekt nur mein Argument: auf die Bevölkerungsmehrheit muss unbedingt gehört werden, wenn es um dein eigenes Thema geht (Migration), …

        Oh Mann, meine armen Zähne. Wie oft haben wir hier diskutiert? Wie oft habe ich Dir gesagt, dass wir Migration brauchen, um nicht vor die Hunde zugehen? Mich ärgert nicht die Migration, sondern mich ärgert, wie der Staat grundsätzlich mit Gewalttätern umgeht und zu nachsichtig ist.

        Meinst Du wirklich, ich mache einen Unterschied zwischen einem Messerstecher / Vergewaltiger mit oder ohne Miugrationshintergrund? Oder zwischen einem Sozialbetrüger mit oder ohne Migrationshintergrund?

        Du liest nicht mal richtig und bildest Dir dann Deine Meinung aufgrund Deiner eigenen Fehlinterpretation, und das definitiv gegen besseres Wissen.

        … aber keinesfalls, wenn es um Ungleichheit geht (warum das kein komplexes Thema sein soll, erschließt sich mir keine Sekunde).

        Wie soll ich ernsthaft auf Deine Postings eingehen, wenn Du so argumentierst?

        Ist die Verteilung des Reichtums ein komplexes Thema? Auch hier: definitiv. Habe ich das bestritten? Nein.

        Aber die Frage „Ist der Wohlstand im Land gerecht verteilt?“ ist derart hanebüchen, dass sie mich beleidigt. Deswegen habe ich eine vergleichbar naive Frage („Sind Arbeitslose / Beamte / Lehrer faul?“) danebengestellt.

        Ich habe nie behauptet, dass die Beurteilung der Situation von Arbeitslosen, Beamten oder Lehrern eine unkomplexe, schlichte Frage ist, auf der es nur eine Antwort gibt – aber die von mir gestellte Frage ist hirnloser populistischer Bockmist, weil eben die Situation komplex ist.

        Die bei Maibrit Ilner gestellte Wohlstandsfrage vermittelt nur eine einzige Information: Die Befragten (wer immer das ist) fühlen sich zu kurz gekommen und wollen „mehr“ (was immer damit gemeint sein mag). Diese Frage ist bei weitem nicht in der Lage, auch nur ansatzweise die Komplexität des Themas abzubilden, sondern zeigt / fördert ausschließlich Sozialneid.

        Wer ist „reich“? Wer ist „wohlhabend“? Was bedeutet „Wohlstand“? Darauf hast nicht mal Du eine Antwort parat, sondern antwortest jedesmal ausweichend und unscharf, falls überhaupt.

        Beim Thema „Migration“ sieht es zwar ähnlich unscharf aus, aber die Frage nach „den Ausländern“, die raus sollen, lässt sich relativ leicht auf die schwarzen Schafe eingrenzen, die unser System ausnutzen. Wie willst Du das mit dem „Wohlstand“ vergleichen, wo nicht nur jeder eine oft unreflektierte, sehr subjektive Meinung hat, die oft genug ausschließlich vom gefühlten Wohlstand der Nachbarn geprägt wird, und wo es zwischen „Nichts“ und „mehrfacher Milliardär“ eben über 80 Millionen Abstufungen gibt – von der Höhe des Einkommens, von der Höhe des Vermögens (selbstverdient oder ererbt, spekulativ oder durch eigene Arbeit erworben, Gold / Bargeld oder Unternehmensanteile), bis hin zu, wie nach außen gezeigt wird, was man hat.

        Ja, die Frage nach der Vermögens- bzw. der Wohlstangsverteilung in Deutschland (angeschlossen Rest-EU bzw. Rest-Europa) ist überaus komplex. Dein Kommentar war das eher nicht. Und mit „bei meinen Themen auf die Mehrheit hören, bei Deinen nicht“ hat das Ganze nichts zu tun.

        • Ariane 8. Mai 2026, 03:04

          Ich gebe offen zu, hier irgendwo den Faden verloren zu haben und ehrlich nicht zu wissen, was nun deinen Unmut hervorbringt. Bezieht sich das überhaupt noch auf irgendeinen konkreten Beitrag oder Kommentar?

          • Erwin Gabriel 8. Mai 2026, 12:06

            @ Ariane 8. Mai 2026, 03:04

            Ich gebe offen zu, hier irgendwo den Faden verloren zu haben und ehrlich nicht zu wissen, was nun deinen Unmut hervorbringt.

            Hältst Du die Frage „Sind Arbeitslose / Beamte / Lehrer faul?“ (beantwortet von arbeitenden Nicht-Beamten und Nicht-Lehrern) in irgendeiner Weise dafür geeignet, für irgendetwas als sinnvolles Argument zu dienen?

            Hältst Du die Frage „Ist der Wohlstand gerecht verteilt“ in irgend einer Weise für sinnvoll, um für irgendetwas als Argument zu dienen?

            Die zweite Frage hat Stefan als Argument gegen Einwanderungsbeschränkung benutzt. Selten sinnlos.

            Bezieht sich das überhaupt noch auf irgendeinen konkreten Beitrag oder Kommentar?

            ^^

        • Stefan Sasse 8. Mai 2026, 09:46

          Löse deine Zähne, ich widerspreche dir doch gar nicht, was die Notwendigkeit von Maßnahmen etc. angeht. Mein Argument ist doch nur die Begründung.

          Ich habe aber das Gefühl, du lenkst mit der Frage nach Wohlhabend etc. ab. Es geht bei dieser Frage nämlich immer um die wirklich hohen Vermögen, im mehrstelligen Millionenbereich. Mit dem Gini-Koeffizienten, Piketty und zahllosen anderen steht auch mehr als genug Daten- und Forschungsmaterial bereit. Du musst dir hier schon vorwerfen lassen, genau das zu machen, was du (nicht völlig zu Unrecht) umgekehrt bei der Migrationsgeschichte vorwirfst.

          • Erwin Gabriel 8. Mai 2026, 11:59

            @ Stefan Sasse 8. Mai 2026, 09:46

            Mein Argument ist doch nur die Begründung.

            Du begründest Deine Ablehnung der „Ablehnung von weiterer Zuwanderung in unsere Sozialsysteme“ (was sich eine Mehrheit Bevölkerung wünscht) damit, dass sich eine Mehrheit auch wünscht, mehr Geld zu haben? Echt jetzt?

            Ich habe aber das Gefühl, du lenkst mit der Frage nach wohlhabend etc. ab.

            Ich habe das Gefühl, dass Du mit Deiner Meinung derart feststeckst, dass Du den einen oder anderen Punkt nicht mehr erkennst.

            Es geht bei dieser Frage nämlich immer um die wirklich hohen Vermögen, im mehrstelligen Millionenbereich.

            Nein. Da mag es für Dich drum gehen, aber bei der Frage nach „Wohlstand“ (statt „Besitz“ oder „Reichtum“) geht es tief in die Mittelklasse, da bist auch Du mit gemeint. Genau so, wie immer wieder eine Gleichsetzung von „Konservativ = rechts = rechtsextrem = Nazi“ erfolgte, erfolgt auch die Gleichsetzung von „Milliardär = reich = hat mehr als ich = Nachbar hat auch mehr als ich = Nachbar ist reich“. Und nein, das ist nicht übertrieben. Wenn Du einer Heidi Reichinnek zuhörst, die mit Kloppern wie wenn Du zu wenig verdienst, … oder wenn Du Dir Deine Miete nicht mehr leisten kannst, …, stets die undifferenzierte Antwort … dann wirst Du vom Arbeitgeber / Vermieter abgezockt, hast Du genau diese Situation. Und, mit Verlaub, SPD („weiß ich wieder, wo der Feind sitzt“) oder Grüne hauen in die gleiche Kerbe.

            Ich habe Dir schon mehrfach versucht zu erklären, dass dieses undiffeerenzierte Pauschalisieren Risiken birgt, und wenn die AfD über „Ausländer“ hetzt, sprichst Du das auch an. In die andere Richtung scheinst Du aber blind zu sein.

            Und die Praxis (etwa, ab wann der Spitzensteuersatz greift) zeigt deutlich, dass man nicht an die Milliardäre und Multimillionäre geht, sondern sich immer wieder an den (etwas) Besserverdienenden vergreift.

            Mit dem Gini-Koeffizienten, Piketty und zahllosen anderen steht auch mehr als genug Daten- und Forschungsmaterial bereit.

            Wofür? Dass nicht alle gleich sind? Verändert sich der Gini-Koeffizient, wenn ich auf 1000 Haushalte mit durchschnittlich 80.000 Euro Jahreseinkommen zwei Multimillionäre statt einen habe? Was sagt das über das Leben in den 1000 Haushalten? Nichts …

            Du musst dir hier schon vorwerfen lassen, genau das zu machen, was du (nicht völlig zu Unrecht) umgekehrt bei der Migrationsgeschichte vorwirfst.

            Jetzt erkläre mir bitte, was ich Deiner Meinung nach „bei der Migrationsgeschichte“ vorwerfe? Den Zahnarzt-Termin habe ich bereits gebucht.

            • Stefan Sasse 8. Mai 2026, 16:29

              Nun…warum nicht?

              Ich stimme dir völlig zu, aber Reichinnek spricht da ja nicht für alle. Ich zitiere ja auch nicht Höcke, um CDU- oder FDP-Politik zu kritisieren? – Und wie gesagt, ich finde diese Hetze ebenfalls problematisch. Ich hab das hier in den Kommentaren und in diversen Posts auch immer wieder gesagt! Mir geht es immer schon um die genannten Größen, und ich war da auch immer sehr eindeutig.

              Sehr gut, angesichts der ganzen Flüchtlinge gibt’s ja keine Zahnarzttermine mehr *wegduck* Aber ernsthaft, was ich meine ist: es gibt eine sehr tiefe Forschung zum Thema Ungleichheit, die weit über deine Polemik (wie du sie in der Antwort auch wieder bringst) hinausgeht.

              • Erwin Gabriel 9. Mai 2026, 11:31

                @ Stefan Sasse 8. Mai 2026, 16:29

                Ich stimme dir völlig zu, aber Reichinnek spricht da ja nicht für alle. Ich zitiere ja auch nicht Höcke, um CDU- oder FDP-Politik zu kritisieren?

                Unpassendes Beispiel. Du zitierst Höcke, um die AfD zu kritisieren; Union oder FDP haben hier nichts verloren. Und Reichinnek ist soweit links, wie Höcke rechts ist.

                … es gibt eine sehr tiefe Forschung zum Thema Ungleichheit, die weit über deine Polemik (wie du sie in der Antwort auch wieder bringst) hinausgeht.

                Wie so oft verstehe ich Deinen Kommentar nicht, wenn ich mir vorher durchlese, was ich geschrieben habe. Ich bestreite nicht die Ungleichheit; das habe ich explizit geschrieben. Was ich bestreite, ist, dass so etwas wie die Illner-Umfrage auch nur halbwegs sauber dieses Thema abbilden kann. Ich bin nicht gegen Umverteilung, sondern dagegen, diese abkassierende „Gerechtigkeit“ bereits in der Mittelklasse beginnen zu lassen. Ich bin dagegen, dass man jeden, der finanziell erfolgreich ist, deckelt; dass man jeden, der nicht erfolgreich ist (auf geringem Niveau) belohnt, dass man die Schere nur von oben zudrückt.

                Du müsstest jeden dieser Punkte nachvollziehen können, hast schon oft genug zugestimmt, und alles ist weider weg.

                Du hast auch schon meinen Ansichten zu Migration zugestimmt, hast mir aber in dieser Diskussion wieder unterstellt, dass ich dagegen bin.

                Du wirfst mir Polemik vor (wo überhaupt?), benutzt aber selbst die alberne Illner-Umfrage als „Argument“ für weniger Beschränkung der Einwanderung.

                Keine Ahnung, was in Deinem Kopf vorgeht, aber folgen kann ich dem nicht mehr.

                • Stefan Sasse 10. Mai 2026, 18:43

                  Aber da bin ich doch auch dagegen? Ich verstehe gar nicht, was deine Kritik an mir spezifisch ist hier?

                  • Erwin Gabriel 10. Mai 2026, 20:15

                    @ Stefan Sasse 10. Mai 2026, 18:43

                    Aber da bin ich doch auch dagegen? Ich verstehe gar nicht, was deine Kritik an mir spezifisch ist hier?

                    Habe ich doch mehrfach geschrieben: Du hast eine bescheuerte Maibrit-Illner-Frage zum Thema Vermögensverteilung genommen, um für laschere Migrationsregeln zu plädieren.

                    Alles andere an Unterstellungen kam von Dir.

                    • Stefan Sasse 11. Mai 2026, 07:52

                      Das war ja nur ein Link dazu. Mein Punkt ist doch viel genereller: es gibt zig Umfragen, die immer dasselbe Ergebnis erbringen. Und das habe ich in dem Strang jetzt schon öfter geschrieben.

                    • Stefan Pietsch 11. Mai 2026, 10:15

                      Dann machen wir es doch generell.

                      2007 fanden nicht einmal 20 Prozent, dass es in Deutschland gerecht zugehe. Heute sind es vergleichbare Werte. Damals zahlten die oberen 10 Prozent der Einkommensbezieher rund 50 Prozent des Steueraufkommens, heute sind es 56 Prozent. Damals galt der Solidaritätszuschlag für alle Einkommen, heute ist es eine Reichensteuer. Seit dem ist die Beitragsbemessungsgrenze mehrmals über das gesetzliche Anpassungsniveau hinaus angehoben worden.

                      2005 machten sich 28 Prozent Sorgen um die eigene wirtschaftliche Situation, heute sind es 15 Prozent. Der Gini der Einkommensverteilung ist praktisch unverändert, insbesondere unter Berücksichtigung der Veränderung durch Armutsmigration.

                      Anders die Migration. Seit 2015 sind 4,4 Millionen Flüchtlinge ins Land gekommen, aus armen, unserer Kultur fernen Gegenden. In der Zeit ist der Ausländer im Sozialhilfebezug von 14 Prozent auf 48 gestiegen. Ebenso ist der Anteil an Ausländern an schweren Gewaltdelikten geradezu explodiert.

                      Inzwischen leben 180.000 eigentlich ausreisepflichtige Ausländer mit Duldungsstatus in unseren Grenzen. Sie belasten enorm die sozialen Kassen, was zu höheren Beiträgen, Kürzung von Leistungen und längere Wartezeiten für die eigentlichen Zahler führt. In den Ballungsräumen nehmen transferabhängige Ausländer mittleren Einkommensbeziehern regelrecht die Wohnungen weg.

                      Ob ein Dietmar Hopp 3, 4 oder 5 Milliarden Euro besitzt, ob der Aktienkurs (und damit das Vermögen der Eigentümer) bei 140 oder 260 Euro steht, tangiert das Leben der übrigen Deutschen kein bisschen. Es mag viele ärgern, dass es Menschen gibt, die über so viel Vermögen besitzen. Das hätte jeder gerne auf dem Konto. Aber wer würde deswegen sein Kreuz auf dem Wahlzettel ändern?

                      Die Einschränkungen durch Zuwanderung sind unmittelbar. Sie sind finanziell und sie sind vor allem im eigenen Umfeld. Und das bekommt Millionen jeden Tag zu spüren. Und davon machen dann viele ihre Wahlentscheidung abhängig. Nachvollziehbarer Weise.

    • Stefan Sasse 7. Mai 2026, 17:53

      Du bestätigst im Endeffekt nur mein Argument: auf die Bevölkerungsmehrheit muss unbedingt gehört werden, wenn es um dein eigenes Thema geht (Migration), aber keinesfalls, wenn es um Ungleichheit geht (warum das kein komplexes Thema sein soll, erschließt sich mir keine Sekunde).

      • Erwin Gabriel 7. Mai 2026, 22:13

        @ Stefan Sasse 7. Mai 2026, 17:53

        Du bestätigst im Endeffekt nur mein Argument: …

        Dasw ist kein Argument, sondern nur eine Behauptung. Bestenfalls eine Beobachtung mit vielleicht geringer anekdotischer Evidenz

  • Lemmy Caution 7. Mai 2026, 12:49

    Bekam eben aus jemandem eine Meldung eine Nachricht auf meine seit über einem Jahr nicht mehr benutzte Duolingo App „Learn French with me.“

    Meine Antwort: T’es fou ou quoi ? Hors de question !
    [Übersetzung: Bist Du verrückt ? Sicher nicht.]

    Ich versuche mich zu dem Thema mal kurz fassen.
    Duolingo ist Quatsch. Es ist unmöglich damit eine Sprache zu lernen.
    Das ist hier kein Vorschlag für irgendeine Sprachlern-Elite. Es ist der beste Weg für alle.

    Versuche das: 6 Tage in der Woche 30 bis 45 Minuten das.
    Das hier ist der Einsteiger-Kanal: https://www.youtube.com/@EasyFrench
    Wenn man ein bisschen versteht, gibt es viele super-Kanäle. Ich höre neben nativen content immer noch Französisch-Lern Kanäle, nicht unbedingt die hier gelisteten, die sich eher an ein A2 bis B1 Publikum wenden:

    Versucht ein abo bei Linguaverbum oder lingQ. In beiden kann man youtube videos und/oder epub Bücher hochladen und man erhält ein klickbares Transscript. Beide haben ihre Macken, aber sie sind gut. Ich bin in beiden, aber ich nutze das sehr intensiv. Linguaverbum kostet 7 Euro im Monat, lingQ ist etwas teurer. Mit einem anfangen, ich bin kein Massstab, weil ich der totale poweruser bin.

    Man kann bei Bedarf JEDES Video auf lingQ oder Linguaverbum hochladen. Irgendwann braucht man das nicht mehr.

    1. innerfrench
    https://www.youtube.com/watch?v=MHoDEP-rF4c&list=PLycTNLUo2y2EAKEhVfxB9gYo6r0OTMgM0&index=1
    Der Typ war in einer dieser französischen Elite-Schulen für Ökonomie und wurde dann Sprachlehrer. Das Konzept des innerfrench Podcasts hat sich mit der Zeit geändert. Die ersten Folgen richten sich eher an Einsteiger.
    2. https://www.youtube.com/@FrancaisavecPierre
    Überblick in Grammatik. Nimmt NICHT zu hohe Videos. Anfänger ist ok.

    viel gutes
    3. https://www.youtube.com/@FrenchWithPanache
    4. https://www.youtube.com/@FrenchmorningswithElisa

    Humor:
    5. https://www.youtube.com/@chaseinfrench/shorts
    6. https://www.youtube.com/@atfrenchies/shorts
    7. https://www.youtube.com/@chaseinfrench/shorts

    ein weiteres Genie
    8. https://www.youtube.com/@francaisauthentique

    eigenes Konzept. Von der höre ich alles.
    9. https://www.youtube.com/@FrancaisPlusFacile/videos

    native content für politikinteressierte:
    1. https://www.youtube.com/@hugodecrypteactus/videos
    einfach
    2. https://www.youtube.com/@LibrairieMollatBordeaux/videos
    Längere bis echt lange Interviews, oft sehr interessant. Nicht für den totalen Start, aber ich finde das interessant wichtiger ist als seinem Level angemessen. Mit liguaverbum, lingq kommt man da durch. Man kann dann halt nicht zu viel auf einmal hören.

    Wenn man auf A2 Level versteht und sich in der Aussprache halbwegs zurechtfindet, kann man einen Lingoda Sprint machen. https://www.youtube.com/watch?v=FEfCtNhVjJ0
    30 Stunden in 60 Tagen, nicht 60 Stunden in 60 Tagen.
    Man bekommt dann Freistunden.

    Irgendwann auf an yt Kanal angedockte bezahlte community wechseln, weil lingoda auch nicht so gute Seiten hat. Bis B2 Level aber ok.

  • Erwin Gabriel 7. Mai 2026, 13:01

    n) Die Union bleibt fiskalpolitisch unseriös.

    Oh Mann. Welche Partei ist nach diesen Kriterien nicht „unseriös“.

    Was mich an dieser Art von Debatte so unglaublich nervt, ist ihre Einseitigkeit. Da geht es stets nur darum, dem Staat mehr Geld zu beschaffen, ohne mit halbwegs vergleichbarer Konsequenz zu hinterfragen, wofür und wie effizient das Geld ausgegeben wird.

    Um mal genauso platt zu kontern: Jeder hat Wünsche, und die soll eine „Reicher“ (jemand, der mehr hat als man selbst) irgendwie bezahlen. Und wenn der Wunsch (warum auch immer) nicht erfüllt wird, hat der Reiche halt „zu wenig“ draufgelegt.

Leave a Comment

I accept that my given data and my IP address is sent to a server in the USA only for the purpose of spam prevention through the Akismet program.More information on Akismet and GDPR.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.