Chinesische Autos bereiten ein Paradoxon für die Verteidigung des heutigen Gerichts gegen die gestrige Merkel – Vermischtes 13.06.2024

Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Die „Fundstücke“ werden mit einem Abschnitt des Textes, der paraphrasiert wurde, angeteasert. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels empfohlen; ich übernehme keine Garantie für die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Zusammenfassungen. Für den Bezug in den Kommentaren sind die einzelnen Teile durchnummeriert; bitte zwecks der Übersichtlichkeit daran halten. Dazu gibt es die „Resterampe“, in der ich nur kurz auf etwas verweise, das ich zwar bemerkenswert fand, aber zu dem ich keinen größeren Kommentar abgeben kann oder will. Auch diese ist geordnet (mit Buchstaben), so dass man sie gegebenenfalls in den Kommentaren referieren kann. Alle Beiträge sind üblicherweise in der Reihenfolge aufgenommen, in der ich auf sie aufmerksam wurde.

Fundstücke

1) Das Politik-Paradoxon nach der Ära Merkel

Deutschland ist nach Jahren der „asymmetrischen Demobilisierung“ politisch wieder stark polarisiert. Diese Polarisierung wird von den extremen Positionen der AfD und der Grünen bestimmt, die beide von der Mitte der Gesellschaft abgelehnt werden. Die AfD ist weiterhin die unbeliebteste Partei, während die Grünen zunehmend Ziel von Straftaten werden und ihre Unbeliebtheit ebenfalls wächst. Diese beiden Negativpole beeinflussen die politische Agenda erheblich, da sich andere Parteien von ihnen abgrenzen müssen. So positioniert sich beispielsweise die CDU sowohl gegen die AfD als auch gegen die Grünen und formuliert ihre Programmpunkte entsprechend. Auch die FDP richtet sich nach diesen Polen und kritisiert sowohl die Grünen als auch mögliche Verbindungen von Ursula von der Leyen zu rechten Parteien. In der Ukraine-Frage zeigt sich die Spaltung besonders deutlich: Die Grünen vertreten eine klare Haltung gegen Putin, während die AfD eine friedliche Lösung auf Kosten der Ukraine befürwortet. Diese gegensätzlichen Positionen führen zu weiteren Spannungen. Die AfD profitiert von dieser Polarisierung, indem sie durch radikale Positionen die politische Richtung beeinflusst. Gleichzeitig fühlen sich die Anhänger der Grünen bestätigt, dass Kompromisse nichts bringen. Ein Konsens der staatstragenden Parteien könnte einen Gegenpol zur rechtsextremen Herausforderung bilden, doch die aktuelle Polarisierung stärkt paradoxerweise die unbeliebtesten Parteien. (Alan Posener, Welt)

Ich sehe das nicht als paradox. Ich habe noch in der Merkel-Ära immer wieder darauf hingewiesen, dass diejenigen, die sich mehr Streit und Polarisierung wünschen, die negativen Konsequenzen nicht voll durchdacht haben. Das zeigt sich dieser Tage immer mehr. Die asymmetrische Polarisierung ist auch auffällig, wenngleich Posener sie nur streift: Die Grünen haben sich programmatisch seit 2019 nicht verändert. Der unbändige Hass, der sich über sie ergießt, kommt glaube ich eher von einer wesentlich gesteigerten Aufmerksamkeit und eben ihrer Gegenposition zur AfD. Letztlich aber bin ich im Appell völlig bei Posener: die Gemeinsamkeiten, deren Dominanz man unter Merkel noch so bedauert hat, könnten ein Comeback mehr als vertragen.

2) EVs Could Last Nearly Forever—If Car Companies Let Them

Im April erreichte ein roter Tesla Model S, gefahren von Hansjörg von Gemmingen-Hornberg, einen beeindruckenden Meilenstein: 2 Millionen Kilometer. Dies könnte das erste Elektrofahrzeug sein, das diese Distanz zurückgelegt hat. Diese Leistung ist nicht ohne Reparaturen, einschließlich mehrerer Batteriewechsel, erreicht worden. Im Vergleich dazu haben einige Benzinfahrzeuge längere Distanzen zurückgelegt, wie ein Volvo von 1966 mit 3 Millionen Meilen. Elektroautos, die weniger bewegliche Teile haben, sind jedoch auf lange Sicht wartungsärmer und könnten bald ähnliche Laufleistungen erreichen. Ein Hauptfaktor für die Lebensdauer von E-Autos sind die Batterien, die mit der Zeit an Kapazität verlieren. Aktuelle Technologien und Forschungen deuten darauf hin, dass zukünftige Batterien langlebiger sein werden und bis zu einer Million Meilen halten könnten. Trotz technologischer Verbesserungen könnten jedoch die Automobilhersteller die Lebensdauer der Fahrzeuge absichtlich einschränken, um den Verkauf neuer Modelle zu fördern, ähnlich wie bei der geplanten Obsoleszenz von Smartphones. Die Langlebigkeit von Elektrofahrzeugen könnte erhebliche ökologische Vorteile bieten, indem sie die Notwendigkeit neuer Fahrzeuge reduziert und den Kohlenstoffausstoß verringert. Dies setzt jedoch voraus, dass die Hersteller die Reparatur und Wartung durch unabhängige Werkstätten ermöglichen, was derzeit noch unsicher ist. Die Zukunft von Elektrofahrzeugen könnte somit stark von den Geschäftsmodellen der Autohersteller abhängen und davon, wie sehr sie sich wie Technologieunternehmen verhalten. (Matteo Wong, The Atlantic)

Ich denke, Wong ist völlig korrekt in den Szenarien, welche Handlungsweise die Hersteller wählen werden. Niemals werden die erlauben, dass die Autos eine so lange Lebensdauer haben. Das ist völlig antithetisch zur Funktionsweise unseres gesamten Wirtschaftssystems. Eine Abkehr von diesem Paradigma wäre nur möglich, wenn man massiv regulatorisch da rangeht, auf breiter Front, und geplante Obsoleszenzen abschafft. Mein Vertrauen darin, dass das überhaupt möglich ist, ist nicht sonderlich groß, und die Flurschäden wären gigantisch, ohne dass man überhaupt die damit verbundene Abkehr vom Wachstumsparadigma miteinbezieht. Allerdings ist es zumindest möglich, die Hersteller zu Abwärtskompatibilität zu verpflichten, was man etwa bei Smartphones leider sträflich unterlassen hat.

3) Eine Verteidigung des Heute gegen das Gestern

Ullrich Fichtner argumentiert, dass die Vorstellung, die Welt sei heute schlimmer als je zuvor, ein Irrtum ist. Diese Sichtweise übersieht die Schrecken der Vergangenheit und die Fortschritte der Gegenwart. In den 1970er Jahren, als die heutigen „Boomer“ Kinder waren, gab es zahlreiche Kriege, Hungersnöte und politische Unruhen, wie den Vietnamkrieg und den Kalten Krieg. Fichtner betont, dass die heutige Welt trotz aller Herausforderungen eine Verbesserung gegenüber früheren Zeiten darstellt. Er verweist auf zahlreiche globale Initiativen und Fortschritte im Kampf gegen den Klimawandel und andere Probleme. Ein Beispiel ist der exponentielle Ausbau der Photovoltaik und der Umbau vieler Wirtschaftssektoren. Er plädiert dafür, den gegenwärtigen Pessimismus abzulegen und die Chancen der Gegenwart zu erkennen. Die Zukunft ist offen und wird durch heutige Entscheidungen und Taten gestaltet. Fichtner fordert dazu auf, den Mut zu haben, aktiv an der Gestaltung einer besseren Zukunft mitzuwirken und den Fortschritt zu erkennen, der bereits stattfindet. (Ullrich Fichtner, Spiegel)

Ich bin völlig bei Fichtner; ich kann mit diesem ganzen Doomsday-Blödsinn auch nichts anfangen. Dass der sowohl von Links (kapitalistische Hölle) als auch aus dem ökologischen Spektrum (wir werden schon morgen alle sterben) als auch von rechts (unser Volk wird aussterben und von Migrant*innen überrannt) als auch von liberaler Seite (wir leben quasi in einer kommunistischen Diktatur kommt), mit sich gegenseitig ausschließenden dräuenden Weltuntergängen, macht das Ganze noch absurder. Dazu kommt, dass es auch politisch schlecht ist; von Untergangsszenarien profitieren immer die Ränder, niemals die Mitte, was sie für demokratische Parteien und ihre ideologischen Nachbarn auch kontraproduktiv macht. Umgekehrt muss man allerdings auch sagen, dass ein trotziges „dem Land geht es besser als du denkst“ auch nicht die Sternstunde politischer Kommunikation ist, da muss man nur Hillary Clinton dazu befragen. Diese Nadel durch dieses spezifische Öhr zu bringen ist alles andere als leicht.

4) Democrats Should Run Against the Supreme Court 

Nach der Verurteilung von Donald Trump durch ein Gericht in Manhattan forderte der Sprecher des Repräsentantenhauses, Mike Johnson, den Obersten Gerichtshof auf, zugunsten von Trump einzugreifen. Johnson bestritt nicht die Schuld Trumps, sondern sprach vage von „Systemmissbrauch“ und hoffte auf Unterstützung seiner Bekannten im Gericht. Diese Aufforderung verdeutlicht die schädlichen Einflüsse des rechtsgerichteten Obersten Gerichtshofs auf die amerikanische Demokratie. Nach der Entscheidung im Fall Dobbs, die das Recht auf Abtreibung nach einem halben Jahrhundert aufhob, sind viele Amerikaner über das Verhalten der Richter empört. Der Oberste Gerichtshof steht vor einer Legitimationskrise, ausgelöst durch Skandale um Geschenke an Richter Clarence Thomas und finanzielle Unregelmäßigkeiten bei Samuel Alito. Alito wurde zudem beschuldigt, extremistische und parteiische Entscheidungen geleakt zu haben und Symbole des christlichen Nationalismus und der Trump-Bewegung „Stop the Steal“ gezeigt zu haben. Die konservative Mehrheit im Gericht wurde größtenteils von Präsidenten ernannt, die die Volkswahl verloren hatten, was zu einer starken politischen Neigung führte. Dies hat das Gericht zutiefst unpopulär gemacht, wobei über 60 Prozent der Amerikaner mit seiner Arbeit unzufrieden sind. Diese Unzufriedenheit bietet den Demokraten eine Gelegenheit, auf Reformen des Gerichts zu drängen und die Verbindung zwischen Trump und den extremen Entscheidungen des Gerichts hervorzuheben. Die Biden-Kampagne sollte diese Dynamik nutzen, da die demokratischen Politiken populär sind, während Trump und der Oberste Gerichtshof es nicht sind. Um die Wähler zu erreichen, insbesondere die weniger informierten und weniger engagierten, müssen die Demokraten die Auswirkungen von Trumps Ernennungen auf das Gericht und die Rücknahme lang gehegter Rechte klar kommunizieren. (David Atkins, Washington Monthly)

Ich stimme der These völlig zu. Nicht nur ist der Supreme Court ein mittlerweile offenkundig parteiisches Organ, das eine vollkommen politische Rolle eingenommen hat und deswegen auch als politischer Akteur gesehen und behandelt werden muss; es ist mittlerweile für die Democrats auch politisch klug. Denn nicht nur haben ihre Gegner keinerlei solche Hemmungen; der Supreme Court hat in den letzten zehn Jahren durch seine Radikalisierung und Politisierung in atemberaubenden Ausmaß an Legitimität verloren. Noch 2016 wäre es politischer Selbstmord gewesen, gegen den SCOTUS Wahlkampf zu machen. Inzwischen ist es soweit, dass es völlig unverständlich ist, das nicht zu tun.

5) Billigautos aus China? Immer her damit!

Die EU-Kommission untersucht derzeit Chinas Subventionen für seine Elektroautoindustrie. Sollte die EU zu dem Schluss kommen, dass diese Subventionen unfair sind, könnten höhere Zölle auf chinesische Autos verhängt werden. Dies könnte jedoch der deutschen Autoindustrie, den europäischen Autokäufern und dem globalen Klimaschutz schaden. Deutsche Autohersteller wie Volkswagen, Mercedes und BMW lehnen Zölle offen ab, da sie befürchten, in China zum Paria zu werden, wo sie einen Großteil ihrer Autos verkaufen. Europäische Hersteller bringen erst langsam erschwingliche Elektroautos auf den Markt, während in China bereits günstige Modelle weit verbreitet sind. Mehr Auswahl im unteren Preissegment könnte dazu beitragen, die CO₂-Ziele der EU zu erreichen, indem mehr Menschen auf Elektroautos umsteigen. Obwohl chinesische Autos bisher nur in geringen Mengen in Europa verkauft werden, könnte sich dies ändern, da chinesische Hersteller inzwischen qualitativ hochwertige Fahrzeuge anbieten. Anstatt in einen Handelskrieg zu stolpern, sollte die EU ihre Verhandlungsposition nutzen, um bessere Handelsbedingungen zu fordern. Beispielsweise könnte eine Angleichung der Einfuhrzölle zwischen China und der EU angestrebt werden. Die EU könnte auch von Chinas Modell der Gemeinschaftsunternehmen lernen, bei dem ausländische Firmen, die in China tätig sind, mit lokalen Partnern zusammenarbeiten müssen. Eine ähnliche Strategie könnte europäische Zulieferer und Forschung stärken. Letztlich sollte die EU auf einen Deal hinarbeiten, der beiden Seiten Vorteile bringt, anstatt Strafzölle zu verhängen, die langfristig allen schaden könnten. (Alexander Demling, Spiegel)

Die deutschen Automobilhersteller scheinen mir in einem Catch-22 gefangen. Auf der einen Seite haben sie die Entwicklung verschlafen und können sich immer noch nicht recht entscheiden, ob ihr Heil im Protektionismus oder der strategischen Neuaufstellung liegt. Auf der anderen Seite sind sie aber so abhängig vom Chinageschäft, das absehbar immer weniger werden wird, dass der Protektionismus riesige Opportunitätskosten hat. Entweder werden sie von hoch subventionierten chinesischen Autos bedrängt, oder sie schaffen es die EU auf Strafzölle festzulegen – und verlieren dann das Chinageschäft. Nur, das erklärte Ziel der chinesischen Regierung ist es, genau dieses Geschäft mittelfristig zu killen, weil man die westlichen Konzerne stets nur als Technologielieferanten gesehen hat. Das ist auch nichts Neues – es war schon immer erklärte Strategie Chinas, nur hat man das eben zwei Jahrzehnte lang ignoriert. Es war immer das Problem des nächsten CEO. Und jetzt ist der nächste CEO da und hat das Problem. Und es gibt keinen guten Ausweg daraus. Da Deutschland sich weigert, Industriepolitik zu betreiben, ist hier keine Alternative sichtbar. Und wie lange der Luxusmarkt noch vor chinesischem Einfluss sicher sein wird, sei mal dahingestellt. Xiamo jedenfalls scheint da deutliche Aspirationen zu haben. Das wird noch richtig ungemütlich, besonders wenn man die Abhängigkeit unserer Wirtschaft von diesem Zweig bedenkt.

Nachtrag: Ich hatte das schon geschrieben als die Nachricht von EU-Strafzöllen eintrudelte.

Resterampe

a) Bob Blume kritisiert die Kritik des Philologenverbands am Wahlalter 16.

b) Post-constitutional? Yeah, about that.

c) Egal, was Israel tut. Es landet auf der Anklagebank. Korrekt.

d) Joe Biden ist der israelfreundlichste US-Präsident der Geschichte. Korrekt, und wie so vieles von Bidens Bilanz interessiert es keine Sau.

e) Israel und das Völkerrecht: Und der Tiger hat doch Zähne.

f) Was für ein blödsinniger Kommentar.

g) Die Bundesregierung und Gazprom im Sommer 2021.

h) It’s not COVID that killed trust in experts. It’s politics.

i) Cancel Culture im Bildungsministerium.

j) Congress then and now.

k) Do you remember the Trump recession?


Fertiggestellt am 12.06.2024

{ 114 comments… add one }
  • Stefan Pietsch 13. Juni 2024, 06:43

    1) Das Politik-Paradoxon nach der Ära Merkel

    Die Idee, dass die fundamentale Ablehnung der Grünen einfach nur ein tragischer Irrtum sei, ist dann doch so neben der Realität. Wenn eine Partei von 25 auf 55 Prozent pure Ablehnung steigt, dann muss sie dazu gravierend etwas geleistet haben.

    Weiter als ihre Fans sind da die grünen Analytiker. Im Team um Omid Nouripour und Ricarda Lang hat man in einer ersten, 19seitigen Wahlanalyse eingestanden, dass man den Wählern zu wesentlichen Themen wie Migration kein adäquates Angebot machen kann, weil es zu Grundüberzeugungen der Partei in Konflikt steht. Leider werden Fans solche Ansichten nie gewinnen.

  • Stefan Pietsch 13. Juni 2024, 06:46

    5) Billigautos aus China? Immer her damit!

    Die EU ist eine Gemeinschaft des freien Handels, weil sie nur so funktionieren kann, attraktiv bleibt und das der Wesenskern von Wohlstand ist. Protektionismus steht dem diametral entgegen. Und es zeigt sich immer wieder: E-Autos sind nur mit hohen Subventionen oder Verboten an den Mann/ Frau zu bringen.

    • Lemmy Caution 13. Juni 2024, 12:03

      Strafzölle sind im WTO-Regime etwas völlig normales, falls aus einem Land Produkte dauerhaft unter Herstellungspreis verkauft werden. So und nicht mit Sprüchen funktioniert unser Welthandels-System.
      Die USA erhebt ähnliche Strafzölle auf chinesische E-Autos.
      Chile und Mexiko erheben Strafzölle gegen chinesischen Stahl.
      https://www.bloomberglinea.com/2024/05/21/los-us8500-millones-en-acero-de-china-impulsan-a-america-latina-hacia-los-aranceles/

      • Stefan Pietsch 13. Juni 2024, 12:43

        Ich bin nicht gegen Strafzölle auf chinesische Produkte, falls Du das meinst. Es ist ja Quatsch, nach den Regeln zu spielen, wenn ein anderer das nicht tut.

        • Lemmy Caution 13. Juni 2024, 15:03

          Theoretisch kann man auch so argumentieren:
          Die chinesische Subvention nutzt ja dem deutschen Verbraucher.
          Wenn die Produktionsfaktoren eine gleich produktive Verwendung in einem anderen Sektor findet und die Umzugskosten nicht allzu hoch ist, könnte Deutschland insgesamt von den chinesischen Subventionen profitieren. So argumentierten in den 80ern in den USA einige härtere Liberale gegen den damaligen Druck auf die japanische Autohersteller.
          Allerdings ist der Automobilsektor halt sehr produktiv.

          China hat diesen 5 Mrd USD Kredit für Argentinien, von dem insgesamt 3 Mrd USD bis zum 31. Juli fällig würden. Gestern haben die sich auf eine Verlängerung mit stufenweiser Rückzahlung bis 2026 geeinigt. Vorher sickerte durch, dass die Verhandlungen sehr konfliktiv waren und China angeblich forderte, dass Argentinien eben keine Strafzölle auf chinesische Stahlimporte verhängen sollte. Das ist nicht offiziell. Vielleicht stimmt das nicht. Aber es ist möglich, weil dies auch seriöse Wirtschaftsjournalisten besprachen.

          • Stefan Sasse 13. Juni 2024, 18:33

            Mich überzeugt das nur eingeschränkt. Billige eAutos kannst dir trotzdem nur mit ordentlichem Gehalt leisten, und wenn die heimische Industrie wegbricht, wo verdienst du das dann?

            • Lemmy Caution 14. Juni 2024, 00:38

              Ich persönlich bin natürlich für Strafzölle auf diese Elektroautos. Sonst würde uns China sowieso auch völlig mit ihrer Überschußproduktion fluten.
              Hab nun auf einer australischen Seite gelesen, dass sich der Preis chinesischer Solarmodule seit Oktober 2023 halbiert hat.
              Ich weiß aber auch nicht, ob ich die Strategie der deutschen Autokonzerne langfristig so gut finde. Sie hängen davon ab, dass die Parteibonzen der Kommunistischen Partei ihren Kindern Luxusautos schenken. Die sind immer weiter in dieses Kaninchenloch marschiert. Luxus und China. „Und wenn dann der Kopf fällt, sage ich: Hoppla“.
              Vielleicht entwickele ich Resillienz, wenn ich auf Frankreich und Argentinien schaue. Die haben mehr Krisen-Erfahrung als mein eigenes Land.

              • Stefan Pietsch 14. Juni 2024, 07:07

                Subventionen sind darauf gerichtet, Wettbewerber zu verdrängen oder zumindest zu benachteiligen, was im Wettbewerb bei engen Margen die gleiche Konsequenz hat. Und mit E-Autos wird nicht viel Geld verdient, das haben gerade die Mietwagenunternehmen öffentlich gemacht.

                Also sind Strafzölle auf subventionierte chinesische Autos notwendig, um den Wettbewerb zu erhalten.

                • Lemmy Caution 14. Juni 2024, 11:35

                  Wenn mit E-Autos nicht in der Zukunft viel Geld verdient würde, könnte man die Strafzölle auch lassen. Schließlich gefährden wir damit den wichtigsten Markt für die Luxusautos unserer Automobilbranche.

                  • Stefan Pietsch 14. Juni 2024, 11:54

                    Das hängt davon ab, ob ich Elektro eine langfristig dominierende Technologie halte. Das tue ich eben nicht. Die Hälfte der führenden Automobilkonzerne – BMW, Toyota, Ford, GM – geht von einem Dualismus aus.

                    • Lemmy Caurion 15. Juni 2024, 23:12

                      Wenn das nur 50% des zukünftigen Marktes sind und wir ohnehin auf das obere Preissegment spezialisiert sind, könnte man das mit den Strafzöllen auch lassen.

                    • Stefan Pietsch 16. Juni 2024, 08:21

                      Zum einen: es ist nicht der zukünftige, sondern der gegenwärtige Markt, der mit Subventionen gefüttert wird. Zum anderen weiß niemand, wie sich der Markt in zehn Jahren sortieren wird.

                      Auch die großen Hersteller treffen lediglich Annahmen, wie die Nachfrage aussehen könnte. Wer sich irrt, bezahlt das mit Milliarden. Da ist es natürlich vorteilhaft, wenn die einen bei ihren Irrtümern vom Steuerzahler abgepuffert werden.

                    • Lemmy Caution 17. Juni 2024, 10:27

                      Wir reden völlig aneinander vorbei. Mich interessiert aber deine Positionierung in diesem Punkt.
                      Strafzölle gegen chinesische Elektro-Autos bergen das Risiko, dass China mit Strafzöllen auf deutsche Luxusautos antwortet. Wärst Du angesichts dieses möglichen Szenarios für die Strafzölle?


                      Jegliche staatliche Subvention in die Produktion von Elektro-Autos wird aktuell nicht als Schutz einer Bestandsbranche verargumentiert sondern als Investition in einen zukünftig wachsenden Markt.
                      ———
                      In einer sehr abstrakten Betrachtung ist eine Investition ein intertemporaler Handel, d.h. man verzichtet im Jetzt auf Konsum und verwendet diese Mittel, um im Morgen mehr Konsum realisieren zu können. Damit verwischt sich die Grenze zwischen heute und morgen.
                      Selbstverständlich ist dieses Mehr an zukünftigem Konsum immer mit einer Unsicherheit verbunden, d.h. man weiss nicht, ob man die Mittel nicht vielleicht für Investitionen aufwendet, die sich als Dödelkram herausstellen. Dieses Problem gewichten die Freunde des Etatismus aus meiner Perspektive als zu gering.

                    • Stefan Pietsch 18. Juni 2024, 12:43

                      Deine Fragen lassen sich relativ schnell beantworten:

                      I. Strafzölle sollten nach wirtschaftsliberaler Ansicht die Kostenvorteile durch Subventionen ausgleichen, die einem ausländischen Anbieter zuwächst.

                      Kunden reagieren sehr unterschiedlich auf Preisveränderungen, egal aus welchem Grund sie entstehen. Die Klasse der Kunden für Premiumprodukte ist weit weniger preissensibel als andere. Beispiel: Ich war im Frühjahr in Südafrika. Dort sind die meisten Produkte und Dienstleistungen ungefähr 50 Prozent günstiger als hier. Einziger Unterschied: Apple, internationale Anbieter im Kosmetik (LaMer) und Süßwaren (Lindt) verkaufen zu exakt den gleichen Preisen wie in Westeuropa. Aus nationaler Sicht sind sie also wesentlich teurer als bei uns. Quintessenz: Strafzölle dürften also den chinesischen Anbietern wesentlich mehr schaden als den deutschen Luxusanbietern.

                      Man wird schon sehr lange suchen müssen um Beispiele zu finden, wo Subventionen eine Branche zu Innovationen verholfen hätten. Aus betriebswirtschaftlicher Perspektive habe ich immer festgestellt, dass Mitarbeiter und Unternehmensführung besonders träge sind, wenn sie darauf vertrauen können, dass jemand anders ihre Rechnungen bezahlt. Mit anderen Worten: Wenn das Arbeiten ergebnisunabhängig bezahlt wird, haben Menschen keinen Ehrgeiz sich anzustrengen.

                      Ich halte Deine Beschreibung von Investitionen für etwas unglücklich. Konsum ist volkswirtschaftlich gesprochen ja eine Kategorie der privaten Haushalte. Investitionen müssen dauerhaft aus dem Cash Flow des Unternehmens bestritten werden. Das gilt selbst dann, wenn sie durch Kredite vorfinanziert sind. Bei einem besonders investiven Unternehmen verzichten die Anteilseigner auf die Mitnahme von Gewinnen, in dem sie sich die Liquidität nicht ausschütten lassen.

                      Beim Staat ist es im Prinzip nicht anders, nur sehen es die Linken anders. Bis hin zu Leuten von Stefan sehen sie Kredite als etwas, was nie zurückgezahlt wird. Alte Kredite werden einfach durch neue abgelöst. Und die Begründung mit den Investitionen dient nur als Camourflage, wie wir jedes Jahr vor Augen geführt bekommen. Auch diesmal heißt es bei den Haushaltsberatungen: Wir brauchen eine höhere Kreditaufnahme, um unsere Sozialausgaben finanzieren zu können.

            • Tim 14. Juni 2024, 08:57

              @ Stefan Sasse

              und wenn die heimische Industrie wegbricht, wo verdienst du das dann?

              Siehst Du, so geht es los. Irgend jemand beginnt mit der Forderung, unsere Märkte in strategischen Bereichen zu schützen, die für unsere Existenzfähigkeit nötig sind. Und zwei Minuten später gehört dazu alles, zum Beispiel E-Autos.

              Vor 20 Jahren fühlte sich die EU (in Form Italiens) übrigens schon mal durch chinesische Schuhe bedroht und erhob Schutzzölle. Irgendwas geht immer.

              Tatsächlich passiert immer dasselbe: Heimische Hersteller werden bevorzugt, heimische Konsumenten müssen die Zeche zahlen.

              Nota bene: Wenn wir Hersteller auf unserem eigenen Markt schützen müssen, haben sie auf dem Weltmarkt erst recht keine Chance. Du weißt sicherlich, was das für eine exportorientierte Volkswirtschaft wie Deutschland bedeutet.

              • Thorsten Haupts 14. Juni 2024, 10:16

                Im Prinzip absolut richtig, gilt aber nur solange, wie neue Anbieter von ihrem Staat nicht bevorteilt werden. Geschieht das, ist der Wettbewerb bereits verzerrt – und das scheint das Argument für die Strafzölle zu sein?

                • Tim 14. Juni 2024, 10:41

                  Ja und? China schenkt europäischen Autoverkäufern Geld (wenn die Vorwürfe stimmen – was nicht so klar ist). Und dann auch noch für Zwecke der Energiewende. Großartig!

                  Wer eine Branche auf dem eigenen Markt schützen möchte, hält sie auch auf dem Weltmarkt für nicht wettbewerbsfähig. Wenn das so ist – warum die Branche überhaupt noch schützen? Europa sollte sich hier ehrlich machen. Chinesische Gegenmaßnahmen werden vor allem deutsche Hersteller treffen – nicht französische oder italienische. Honi soit qui mal y pense.

                  Über Protektionismus in strategischen sensiblen Bereichen kann man durchaus sprechen, aber doch bitte nicht über E-Autos.

                  • CitizenK 14. Juni 2024, 14:42

                    Wenn mit Dumpingpreisen der Markt erobert und die Wettbewerber platt gemacht sind – was ist dann mit den Vorteilen für die Verbraucher?

                    • Tim 14. Juni 2024, 16:12

                      „Wettbewerb platt gemacht“? Kennst Du die Marktanteile chinesischer Hersteller in Europa? Das sind doch absurde Schreckbilder, die in keiner Weise die Realität abbilden.

                      Wenn solche irrealen Szenarien Eingang in den politischen Diskurs bekommen, können wir den Laden gleich dichtmachen.

  • Stefan Pietsch 13. Juni 2024, 06:50

    f) Was für ein blödsinniger Kommentar.

    Was für eine idiotische Kampagne! Ich habe es ja bereits geschrieben: Die SPD kennt ihre Wähler nicht mehr. Die meisten, gerade jungen Menschen wollen leben wie alt hergebracht, Mann Vollzeit, Frau Teilzeit und in der Kinderbetreuung. Und die wenigsten wollen in einem Deutschland möglichst vieler fremder Kulturen leben. Das könnte einem Kühnert die Wahlforschung sagen. Oder die Lebenserfahrung. Leider zieht er es vor, sich darauf zu konzentrieren, den Leuten Erbsensuppe schmackhaft zu machen.

  • Tim 13. Juni 2024, 09:05

    (2 – Lebensdauer von Autos)

    ine Abkehr von diesem Paradigma wäre nur möglich, wenn man massiv regulatorisch da rangeht, auf breiter Front, und geplante Obsoleszenzen abschafft.

    „Geplante Obsoleszenzen“ (wie auch „Sollbruchstellen“) sind urban legends. Bzw. die Zusammenhänge sind ganz prosaisch: Haltbarkeiten ergeben sich aus wirtschaftlichen Überlegungen. Ingenieure finden Lösungen innerhalb eines Budgetrahmens. Kein Kunde wäre heute bereit, ein Auto mit extrem langer Lebensdauer zu bezahlen, weil er nach einigen Jahren ohnehin ein neues möchte.

    Lass uns statt „geplanter Obsoleszenz“ einfach „Marktorientierung“ schreiben, dann passt es.

    • Detlef Schulze 13. Juni 2024, 09:24

      „Geplante Obsoleszenzen“ (wie auch „Sollbruchstellen“) sind urban legends.

      Nein! Das Gluehbirnen-Kartell ist ja das prominenteste Beispiel hierfür.

      Ich selber habe mich mal bei einem Unternehmen beworben, wo der Leitung der Forschungsabteilung ganz klar gesagt hat, dass man die Laufzeit der Produkte natuerlich deutlich verbessern koenne. Man tut es aber nicht, um die fuer die Reparatur zustaendigen Vertragspartner nicht zu veraergern.

      • Tim 13. Juni 2024, 10:12

        Damit hätte dieser Mitarbeiter der Konkurrenz ein sehr lukratives Geschenk gemacht. 🙂

        Nein, man braucht wirklich kein Verschwörungsdenken, um diesen einfachen Markteffekt zu erklären.

        • cimourdain 13. Juni 2024, 11:12

          Das „Phoebus-Kartell“ ist historisch belegt, und demonstriert, wie beide Aspekte halbrichtig sind: Technischer Grund ist ein ganz einfacher: Je dünner der Glühdraht, desto besser die Lichtausbeute, aber desto kürzer die Lebensdauer wegen „Durchbrennen“. Die Lebensdauer-Beschränkung wurde abgesprochen, damit nicht ein Hersteller mit Langlebigkeit (auf Kosten der Effizienz) wirbt.

          • Tim 13. Juni 2024, 12:01

            Glühbirnen. 🙂 Weil Glühbirnen-Hersteller mal ein Sollbruchstellen-Kartell gebildet haben, sollen zehntausende Unternehmen im produzierenden Gewerbe das auch tun? 🙂 Leute, legt eure Verschwörungsdenke mal ab. Wir haben hier ganz normale Marktprozesse mit ganz normalen Kundenentscheidungen, die ganz normale Produktstrategien von Unternehmen hervorrufen.

            • CitizenK 13. Juni 2024, 14:28

              Und es sind diese ganz normalen Marktprozesse und ganz normalen Produktstrategien, die eben volkswirtschaftlich und ökologisch problematisch sind.

              • Stefan Pietsch 13. Juni 2024, 14:51

                Yup! Die DDR war da ein Vorbild! Leider verblichen. Von den Erfolgen im Bereich des Umweltschutzes und der vorbildlichen Integrationsleistungen zehren wir immer noch.

            • Detlef Schulze 13. Juni 2024, 16:32

              @Tim

              Das ist natürlich ein Graubereich. Viele Maßnahmen lassen sich mit Kosteneinsparung begründen, aber der wahre Wert liegt darin, dass ein Produkt nur noch die halbe Lebensdauer hat. Da wird bei einem 120 Euro Rucksack die Metall-Schnalle durch Plastik ersetzt. Die Kostenersparnis betraegt dann vielleicht so 0,5 Euro pro Rucksack, seine Lebensdauer verkürzt sich aber von 20 auf 5 Jahren. Glauben Sie der Hersteller will die 0,5 Euro einsparen oder hofft er vielleicht, dass er in 5 Jahren wieder einen Rucksack verkaufen kann?

              • Thorsten Haupts 13. Juni 2024, 19:05

                Da wird bei einem 120 Euro Rucksack die Metall-Schnalle durch Plastik ersetzt.

                Dann hat in der Marktwirtschaft der Hersteller Pech gehabt, die Kunden greifen hoffentlich zu einem Alternativprodukt. Wenn nicht, ist ihnen die Lebensdauer ihres Rucksacks egal, das ist auch okay.

                Darüberhinaus ist das auch irrelevant – grosso modo habe ich niemals irgendeinen Beleg für eine absichtlich reduzierte Lebensdauer gesehen oder selbst erlebt. Herbeikonstruierte Fälle mit zusätzlicher Plausibilitätsherleitung sind KEIN Beleg.

                • Stefan Sasse 14. Juni 2024, 08:10

                  Ich akzeptiere das Argument „marktwirtschaftliche Dynamik“ völlig. „Aber: die Kunden greifen hoffentlich zu einem Alternativprodukt.“ ist völlig naiv. So funktioniert Marktwirtschaft halt bestenfalls im Lehrbuch.

                  • Tim 14. Juni 2024, 08:59

                    Du kaufst ernsthaft immer wieder dieselben Produkte, die Deine Anforderungen nicht erfüllen? 🙂

                    • Stefan Sasse 14. Juni 2024, 10:20

                      Ich hab noch nie einen Drucker gehabt, der nicht Probleme gemacht hätte 😀

                    • Tim 14. Juni 2024, 10:54

                      Ich hab noch nie einen Drucker gehabt, der nicht Probleme gemacht hätte

                      Wenn Du wirklich überzeugt bist, dass Du ein großes Problem identifziert hast, das auch viele andere haben, dann hast Du zugleich auch eine große Geschäftsidee entdeckt.

                      Ich gratuliere dann zur erste Million. 🙂

                      Meine Vermutung ist allerdings: Niemand hält Druckerprobleme für ein Problem und niemand wird darum mehr Geld für bessere Drucker ausgeben. Aber ich lasse mich immer gern eines Besseren belehren. 🙂

                  • Thorsten Haupts 14. Juni 2024, 09:50

                    Aber: die Kunden greifen hoffentlich zu einem Alternativprodukt.“ ist völlig naiv.

                    Jo. Bei Joghurt, Mehl, Bananen oder Tempotaschentüchern mag das sogar richtig sein. Für alles, was ein bisschen mehr Geld kostet, entscheiden ALLE Menschen nach ihren Präferenzen. Das zu bestreiten, ist an paternalistischer Arroganz schwer zu überbieten

                    Und selbstverständlich gibt es ausreichend viele Menschen, für die (sichtbare oder in Produkttests ermittelte) Dauerhaftigkeitsmerkmale eine Rolle spielen. Spielen sie keine, ist auch das eine Präferenzentscheidung und man kauft halt regelmässig neu.

                    Was mich bei (oberflächlich) wohlmeinenden Linken wie Rechten übrigens schon immer schwer stört, ist ihre implizite Verachtung gegenüber der Urteilsfähigkeit ihrer Mitmenschen.

                    Gruss,
                    Thorsten Haupts

                    • Stefan Sasse 14. Juni 2024, 10:22

                      Mir geht es gar nicht um die Urteilsfähigkeit. Ich gehe nur von mir aus. Das ist doch schlicht kognitiver Overload.

                    • Thorsten Haupts 14. Juni 2024, 11:28

                      In einem Laden stehen, sich 5 hochwertige Rucksäcke näher ansehen (normalerweise sind das bei mir eher 2, weil ich den Rest bereits nach Angucken/Umfang/Innenaufteilung ausgeschlossen habe), ist kognitiver Overload? Aha.

  • Tim 13. Juni 2024, 09:08

    (f – Udo Vetter)

    Sehr bedauerlich, dass der so abgerutscht ist. Früher habe ich seine lakonischen juristischen Kommentierungen immer sehr gern gelesen.

  • Thorsten Haupts 13. Juni 2024, 10:32

    Zu 1)

    Und wieder wird der Elefant im Raum übersehen: Die Nichtkonfrontation in der merkel-Ära hat nicht wegen ihr und ihrer Kontrahenten funktioniert. Siie hat – nur – funktioniert, weil es einen lagerübergreifenden politisch-medialen Konsens darüber gab, dass es Deutschland gut geht und ernsthafte Bedrohungen dieser Lage nicht erkennbar waren. Nur auf dieser Basis funktioniert „Friede, Freude, Eierkuchen“ – und diese Basis existiert nicht mehr. Weshalb jetzt der Aufruf zu „mehr Gemeinsamkeit“ völlig wirkungslos verpuffen muss.

    Gruss,
    Thorsten Haupts

    • Stefan Sasse 13. Juni 2024, 11:34

      Richtig.

    • Tim 13. Juni 2024, 12:06

      Die Nichtkonfrontation in der merkel-Ära

      Bitte nicht vergessen, dass wir erheblichen Reformbedarf seit min. 30 Jahren mit uns herumschleppen. Es ist ja nun nicht so, dass die Schröder-Regierungen durch brillante Bildungs-, Forschungs-, Infrastruktur- und Entbürokratisierungsprojekte aufgefallen wären, wenn man mal von Hartz absieht. Schon damals wurde Konfrontation vermieden.

      • Stefan Pietsch 13. Juni 2024, 12:40

        Welche Konfrontation? Hat Japan Reformbedarf? Nippon ist ein Land mit sehr betagter Bevölkerung, der Bedarf an Reformen ist da überschaubar.

      • Stefan Sasse 13. Juni 2024, 18:24

        Ist das aber in irgendeinem System nicht so?

        • Tim 14. Juni 2024, 09:19

          Du meinst, jedes System ist immer Merkel?

          • Stefan Sasse 14. Juni 2024, 10:21

            Ne, aber kein System ist permanent super reformfreudig und sucht Konfrontationen. Der natürliche Zustand jedes Systems ist die Stasis.

            • Tim 14. Juni 2024, 10:46

              Ich bin selbst Anbieter in einem marktwirtschaftlichen System und ich kann Dir versichern, dass ein Markt permanente Konfrontation und permanente Anpassung ist. Nie gibt es Ruhe.

              Das ist das Anstrengende daran und gleichzeitig eine geniale Errungenschaft, weil sie zu permanenter Anpassung führt.

              • Thorsten Haupts 14. Juni 2024, 11:34

                Analog gilt das exakt Gleiche für politische Freiheit. Und genau dieser ständige Veränderungs-/Anpassungsdruck ist der Grund dafür, warum beide – Marktwirtschaft und politische Freiheit – in permanenter Gefahr sind: Viele Menschen sind veränderungsavers, ich halte das inzwischen für angeboren.

                Gruss,
                Thorsten Haupts

                • Stefan Sasse 15. Juni 2024, 15:29

                  Davon gehe ich auch aus. Und weil das so ist, sind Systeme so schwer zu reformieren.

  • Thorsten Haupts 13. Juni 2024, 10:44

    Zu 2)

    Die angeblich „geplanten Obsoleszenzen“ habe ich noch nie gesehen. Alle besseren grossen Haushaltsmaschinen wie Spülmaschine oder Multifunktionsküchenmaschine etc. halten im Minimum 15 Jahre, bei uns eher länger. Bisher musste ich in der IT Teile immer weit vor ihrem Funktionszeitende wegen (ungeplanter) technischer Obsoleszenz auswechseln. Meine HiFi-Anlage aus dem Jahre 1986 versah bis 2022 klaglos ihren Dienst, ohne Ausfall. Könnte diese Liste lange fortsetzen.

    Ich kenne das berühmt-berüchtigte Glühbirnen-Gegenbeispiel, aber darüber hinaus ist die Beleglage für „geplante Obsoleszenz“ ganz einfach: Es gibt keine Belege. Und dass Maschinen alle eine begrenzte Lebensdauer haben, deren Länge von den eingesetzten Materialien und damit vom Preis abhängig ist, den die Käufer zu zahlen bereit sind, ist eine absolute Binse und kein Ergebnis böswilliger Planung.

    Wundere mich, dass ausgerechnet Stefan S. auf eine Urban Legend hereinfällt, aber das sei ihm gegönnt.

    Gruss,
    Thorsten Haupts

    • Tim 13. Juni 2024, 12:09

      Die Leute lieben halt das große Dunkle im Hintergrund. Bekanntlich findet es man vor allem in den Führungsetagen von Unternehmen.

  • Thorsten Haupts 13. Juni 2024, 10:51

    Zu i)

    Ach, Cancel Culture ist jetzt „Mächtige bitte ihren Apparat um interne juristische Einschätzung, folgt danach der Empfehlung ihres Apparates und tut nichts“? Oh wär das schön … Was bisher unter „Cancel Culture“ subsumiert wurde, lief nämlich eher nach „Mächtige reagieren prompt auf pseudonyme twitter-Kritik von Wokies und beteiligen sich an Schmierkampagnen gegen eigene Mitarbeiter inklusive Sprechverboten und Entlassungen“.

    Gruss,
    Thorsten Haupts

  • cimourdain 13. Juni 2024, 11:02

    1) „Die Grünen haben sich programmatisch seit 2019 nicht verändert.“ Sie haben aber 2021 plakatiert: „Keine Waffen und Rüstungsgüter in Kriegsgebiete.“ (Einer der seltenen Fälle, in denen eine klar überprüfbare Programmaussage auf dem Plakat steht)
    Aber Immerhin sind sie weiterhin für Gleichberechtigung:
    https://www.deutschlandfunk.de/politiker-von-gruenen-und-cdu-fordern-wehrdienst-fuer-frauen-100.html

    2) a) Die unterschiedliche Grundannahme zwischen Verbrennungs- und Elektromotor ist für mich interessant. Ein Verbrennungsmotor besteht aus hunderten (moderne tausende) beweglicher Teile, die alle fein aufeinander sind. [pers. Anmerkung: und deren Zusammenspiel selbst für einen Nicht-Auto-Freund ein echtes Faszinosum darstellt.] Einen Elektromotor kann man aus einer Rolle Draht, einer Batterie und einem Magneten selber bauen. Die Kontaktflächen zwischen Einzelteilen sind geringer. Optimiert wird hauptsächlich die Steuerung, Batterie und die Elektronik.
    b) Gegen eine künstlich begrenzte Lebensdauer gibt es die Möglichkeit gesetzlicher Regularien. Positivbeispiel: Im April hat das EU-Parlament ein „Recht auf Reparierbarkeit“ beschlossen. (Muss von den Staaten noch umgesetzt werden)
    c) passend auch zu 5) NIO produziert eine Limousine mit Wechselakkus, die an entsprechenden Stationen nicht mehr aufgeladen sondern ausgetauscht werden. IN Europa gibt es allerdings noch keine solchen Stationen.

    3) Der Zeitrahmen für einen Vergleich ist interessant gewählt. 1972 wurde mit „die Grenzen des Wachstums“ erstmals ein „Weltuntergang“ durch Ressourcenübernutzung breit wissenschaftlich diskutiert, Deshal sehen wir uns doch mal verschiedene „Weltuntergangselemente“ von damals im Zeitvergleich an:
    a) Atomkrieg: Die Doomsday-Clock war 1974 auf 9 vor 12 heute sind es 1 ½ Minuten.
    b) Überbevölkerung: Das Bevölkerungswachstum hat sich seitdem deutlich verlangsamt, ist aber immer noch existent
    c) Rohstoffknappheit: Energierohstoffe sollten wegen Klima eh nicht bis zur Knappheit ausgereizt werden. Andere sind eher ein Spezialthema(Peak Phoshor)
    d) Luftverschmutzung: Dank Technik von globalem Thema auf lokal heruntergegangen.
    e) Naturzerstörung: Früher lokales Thema heute starke globale Bedrohung (Biodiversitätskrise)
    f) Wasser: früher Verschmutzung Thema, heute vielfältige globale Bedrohung der Ozeane. Erwärmung, Übersäuerung, Kunststoff.
    g) neue Technologien: Früher Atomkraft (da gab es in der Zwischenzeit zwei lokale „Weltuntergänge“) – heute KI, die laut manchen Fachleuten dafür ein Weltuntergangspotential hat.

    Resterampe:
    e) Ob bei der Überschrift „Egal was Israel tut“ auch diese Affäre berücksichtigt wurde?
    https://www.theguardian.com/world/article/2024/may/28/spying-hacking-intimidation-israel-war-icc-exposed

    f) Stockfotos sind superbeliebig – geschenkter Punkt. Aber das eigentlich kritikwürdige an dem Plakat ist doch die falsche Dichotomie. In einer echt pluralen/toleranten Gesellschaft hätte Familie A die gleiche Existenzberechtigung wie Familie B.

  • Thorsten Haupts 13. Juni 2024, 11:05

    Zu f)

    Yup, der Kommentar selbst ist inhaltsleeres Ranteln. Ich habe mich allerdings bei dem Motiv sofort gefragt, wer in der SPD da einen an der Waffel hat? In deren (ehemaliger) Kernwählerschaft, den deutschen Facharbeitern, gibt es genügend Männer UND Frauen, die das schwarz/weiss-Motiv mitnichten abschreckend finden. Offenbar weiss das in der SPD-Zentrale niemand mehr, was für das letzte Jahrzehnt einiges schlüssig erklärt 🙂 .

    Gruss,
    Thorsten Haupts

  • cimourdain 13. Juni 2024, 12:20

    l) (Wieder was eigenes, lose zu 2):
    Adam Tooze bringt die „Große Beschleunigung“ seit WW2 mit dem D-Day in Verbindung. Ich bin noch unschlüssig, aber es ist jedenfalls sinnvoller als die Geschichtsklitterung, die „offizielle“ Kanäle anlässlich der Gedenkfeiern veranstaltet haben.

    https://substack.com/home/post/p-145282858

    https://substack.com/home/post/p-145366538

  • cimourdain 13. Juni 2024, 13:19

    2) @Tim, Thorsten Haupts:
    Ich gebe euch recht, für geplante Obsolenz gibt es nur sehr wenig nachgewiesene Fälle (Glühbirnen, iPhones, Druckerpatronen), die – dadurch dass sie immer wieder zitiert werden – ein Randthema dramatisch erscheinen lassen. Aber es gibt die „Versuchung“, deswegen existieren Kartellrecht und Verbraucherschutz. Und weil im Fall Elektroautos einige Parallelen(*) zu o.g. Beispielen vorliegen könnten(!), kann man sich kurz Gedanken machen, wie diese Instrumente in dem Bereich funktionieren. That’s it.
    (*) Konkrete Faktoren, die eine Manipulation begünstigen können(!), sind in meinen Augen: Marktbeherrschende Unternehmen (Beispiel Apple) bzw Oligopole (Beispiel Glühbirnen), Abhängigkeit von Komponenten passend zum Hauptsystem (Bespiel Druckerpatronen).

    • Thorsten Haupts 13. Juni 2024, 14:44

      Und bei Druckerpatronen weiss ich nicht genau, wovon die Rede ist? Die vorzeitige Stillegung wegen angeblicher Leere trotz 30% Füllstand, die es mal bei Tintenpatronen gab (oder vielleicht noch gibt, idk)?

      • Stefan Sasse 13. Juni 2024, 18:32

        Drucker sind mir eh ein Rätsel. Es gibt wenig Hardware, die so schlecht funktioniert, über alle Hersteller hinweg.

        • Thorsten Haupts 13. Juni 2024, 19:08

          Kann ich beruflich wie privat absolut nicht bestätigen.

          • derwaechter 13. Juni 2024, 21:33

            Habe privat seit 10 Jahren keinen Drucker mehr und bei der Arbeit benutze ich den so selten, dass ich immer nachschauen muss, wie man Dokumente dahin bekommt.
            Viele Kollegen im Büro können gar nicht drucken, weil sie den Drucker gar nicht eingerichtet haben.

            • Thorsten Haupts 14. Juni 2024, 00:25

              Kann ich zur Zeit beruflich tatsächlich auch nicht 🙂 . Bzw. ich weiss einfach nicht, ob und wo das geht – ich brauche es nicht mehr. Privat ist das allerdings etwas anders, nach wie vor besteht da ein (entweder vertraglich oder behördlich veranlasster) Bedarf an Ausdrucken.

            • Stefan Sasse 14. Juni 2024, 08:14

              Ich arbeite in der Schule 😉 Drucker und Kopierer sind quasi tägliche Begleiter.

              • derwaechter 14. Juni 2024, 10:40

                Schule verstehe ich. Hier gibt es mittlerweile sehr viele Ipad Schulen, aber da bin ich skeptisch.

                Privat ist für mich wieder mal was aus der Serie: Deutschland, willkommen im 20. Jahrhundert.

                Ein seltenes mal, dass ich hier in Norwegen behördlich was auf Papier brauchte war vor ein paar Wochen. Bei der Deutschen Botschaft 🙂

                Das drucke ich dann bei der Arbeit, da sind die nicht so streng.

          • Stefan Sasse 14. Juni 2024, 08:10

            Freut mich für dich. Ich kenne kein Gerät, das öfter Fehlermeldungen ausspuckt. Beruflich wie privat. Und schneller nicht mehr richtig geht.

            • CitizenK 16. Juni 2024, 17:59

              „Drucker hassen die Menschheit“? Kann ich nicht mehr bestätigen. Mein Billiggerät funktioniert seit Jahren problemlos. Ab und zu Düsen reinigen und gut is.

  • CitizenK 13. Juni 2024, 14:38

    h) It was only in late March that asymptomatic transmission became clear, …. since there was no way of telling if you were near a sick person.

    Zentraler Punkt. Die (oft absichtsvolle) Ignoranz dieses simplen Faktums hat großen Schaden angerichtet. Medizinisch und politisch.

  • cimourdain 13. Juni 2024, 17:06

    i) Eigentlich ist das eine ganz interne Sache gewesen: Ministerin (oder Staatssekretärin) würde gerne Professoren canceln und lässt bei der eigenen Rechtsabteilung fragen, ob das geht. Amüsant sind die (wenn man juristische Untertöne versteht) extrem genervten (Ich bin irritiert…) Antworten auf die Anfragen (zu finden als Download unter dem Artikel). Übersetzt wäre das in etwa: Wie seid ihr auf so eine Schnapsidee gekommen. Ihr seid nicht zuständig, für a gibt es keinen Grund und b kommt dann erst recht nicht in Frage. Eigentlich hättet ihr das auch selber wissen können. [und jetzt lasst mich gefälligst meine Arbeit machen]

  • Thorsten Haupts 13. Juni 2024, 18:20

    Zu j)

    Ich habe keine Ahnung, wie der amerikanische Kongress heute ticken würde. Aber ich fand an Drums Darstellung eines sehr amüsant:

    If somebody steals your credit card and runs up a huge bill, you can only be held responsible for $50 in damages. Your bank has to eat the rest.

    Den letzten Satz glaubt er vermutlich wirklich. Ich nicht. Das Gesetz hat lediglich Post-Diebstahlsschulden vergemeinschaftet, nämlich umgelegt auf alle Kunden der betroffenen Bank. Das kann man machen, aber das bedeutet mitnichten, dass „die Bank“ die entstehenden Kosten trägt.

    Davon abgesehen reden wir übrigens über eine extrem der Zeit geschuldetete Regelung. Damals war es mit Telefon und Fax und nicht an Netze angeschlossene Kartenleser einfach physisch unmöglich, einen Kartendiebstahl so rechtzeitig so breit zu streuen, dass die Karte nach wenigen Stunden nicht mehr benutzt werden konnte – der Kartenmissbrauch durch den Dieb war also für den Karteninhaber nicht zu verhindern. Heute wäre er das.

    Gruss,
    Thorsten Haupts

  • Thorsten Haupts 13. Juni 2024, 21:04

    Zu 4) Nicht nur ist der Supreme Court ein mittlerweile offenkundig parteiisches Organ, das eine vollkommen politische Rolle eingenommen hat und deswegen auch als politischer Akteur gesehen und behandelt werden muss …

    Ist völlig okay. Damit hast Du dann den Trump-Vorwurf an Gerichte übernommen (parteiisch und voreingenommen) und akzteptierst Entscheidungen des SCOTUS nicht mehr, weil Dir wenige Urteile nicht passen, Deine sonstigen „Begründungen“ sind da dran genagelt.

    Dazu passt nur eine ganze Kette von Urteilen nicht, die in den letzten 2 Jahren ergingen und bei denen mir Progressive vorher aufsagten, jetzt werde das Gericht aber (beliebiges republikanisches Narrativ) pushen. Nee, tat es nicht.

    Letztes aktuelles Beispiel: Der SCOTUS hat – einstimmig! – die Klage gegen die Zulassung der Abtreibungspille vollständig verworfen.
    https://www.spiegel.de/ausland/usa-supreme-court-kassiert-beschraenkungen-fuer-abtreibungspille-a-15025927-802c-4630-a177-b6d649b715d4

    Was übrigens etwas seriösere Beobachter als Du bereits vorhergesagt hatten, aus langweiligen nichtpolitisierten juristischen Erwägungen heraus. Wäre das Gericht so parteiisch, wie Du und andere behaupten, hätte es die verlinkte Entscheidung nicht geben KÖNNEN.

    Aber auch Du willst halt nur ein Gericht, wenn es genau die Urteile spricht, die Dir passen. Was genau unterscheidet Dich von republikanischen Aktivisten in den USA?

    Gruss,
    Thorsten Haupts

    • Stefan Sasse 14. Juni 2024, 08:13

      Ich stimme dir völlig zu, dass in 80% der Fälle weiterhin „langweilig juristisch“ entschieden wird. Aber was hilft das, wenn der Gerichtshof sich in entscheidenen strukturelen Fällen als parteiisches Organ bedient?

      Der Unterschied ist, dass ich die Macht der Judikative generell kritisiere. Auch in Deutschland, bekanntlich. Und auch für das eigene Team. Republikanische Aktivist*innen haben kein Problem mit einem parteiischen oder politischen SCOTUS, solange er ihre Positionen vertritt. Ich schon.

      • Thorsten Haupts 14. Juni 2024, 09:59

        … wenn der Gerichtshof sich in entscheidenen strukturelen Fällen als parteiisches Organ bedient …

        Überleg Dir Deine Argumente gut. Wenn die Rückgabe der Abtreibungsentscheidung an die Parlamente der US-Einzelstaaten eine parteiische Entscheidung war, dann war es denknotwendig vorher auch die Entscheidung, das Abtreibungsrecht mit Verfassungsrang zu versehen. Du kannst das eine nicht ohne das andere haben.

        Republikanische Aktivist*innen haben kein Problem mit einem parteiischen oder politischen SCOTUS, solange er ihre Positionen vertritt.

        Und vor dem jetzigen SCOTUS galt exakt dasselbe für die Democrats. Ich habe die Behauptung nie akzeptiert, vor dem heutigen SCOTUS hätte es „ausgewogene“ Entscheidungen gegeben – es gab Entscheidungen, die Liberalen gefallen. Deswegen wurden sie akzeptiert, solange die Liberalen die Medienhoheit hatten. Und heute wird apologetisch behauptet, damals, als er noch liberale Mehrheiten hatte, sei der SCOTUS ja „neutral“ gewesen. Erzähl das Deiner Grossmutter.

        Gruss,
        Thorsten Haupts

        • Stefan Sasse 14. Juni 2024, 10:41

          Das Abtreibungsrecht ist tatsächlich so eine Geschichte, bei der der SCOTUS ein Grundrecht erfunden hat (hallo informelle Selbstbestimmung bei uns!). Ich lehne Abtreibungsverbote zwar inhaltlich ab, habe aber kein Problem, dass SCOTUS das in den politischen Bereich packt. Ich finde nur, das gehört nicht zu den Einzelstaaten, sondern zum Bund, aber da ticken die Amis halt anders 🙂

          Der SCOTUS hat Phasen. Durch lange Jahrzehnte vom 19. Jahrhundert (Plessy v Ferguson, das Dredd-Scott-Urteil, etc.) bis in die 1930er Jahre war er wahnsinnig konservativ und hat da auch massiv in die Politik reingeregelt. Dann kam die liberale Phase, die etwa bis in die 1980er Jahre währte. Und jetzt haben wir eine neue konservative. Ich würde es begrüßen, wenn das eine wesentlich weniger große Rolle spielen würde und die Politik stattdessen das Heft in der Hand hätte, denn die wird gewählt und ist dem Souverän verantwortlich.

          • Thorsten Haupts 14. Juni 2024, 11:38

            … die Politik stattdessen das Heft in der Hand hätte, denn die wird gewählt und ist dem Souverän verantwortlich.

            Zumindest da sind wir uns absolut einig. Nur habe ich keine Idee, wie sich das gegen ihren Job verweigernde Politiker und übergriffige Richter durchsetzen lässt.

            Gruss,
            Thorsten Haupts

  • Lemmy Caution 14. Juni 2024, 07:38

    l) Unwetter in Chile.
    Nun auch in Spiegel-online.
    https://www.spiegel.de/ausland/unwetter-in-chile-naturgewalten-reissen-haeuser-in-den-abgrund-a-e4bb5327-71aa-40a3-9ae5-7cb8896a9ccf
    Ich verfolge das seit Montag. Da hatte eine Freundinn einen Einbruch von Regenwasser in der Küche. Die befindet sich in einem Anbau. Zum Glück fällt das unter die Gewährleistung der Firma, die den Anbau durchgeführt hat.
    Das alles ist alles andere als normal. Starkregen waren in dieser Zone unbekannt. Vor etwa zwei Jahren gab es mal ein ähnliches Ereignis, aber das dauerte nicht so lange.
    In dem Bericht von Spiegel-online reden die von chilenischer Westküste. Im Grunde ist ja das ganze Land eine einzige Westküste. Das Haus meiner Freundinn liegt 80 km im Inland. Von dort sind es 20 km zum Fuß der Anden und 80 km nach Argentinien, das nur über alte Maultierpfade erreichbar wäre.
    Ich habe Berichte von Überschwemmungen von etwas südlich von Copiapó bis etwas nördlich von Temuco gesehen. Das sind 1000 km in der Nord-Süd Achse. An vielen Orten in diesem riesigen Gebiet, aber nicht überall.
    Letzten Oktober sah ich von der Autobahn Chillán – Conce gewaltige verbrannte Waldflächen in der Cordillera de la Costa (ein Mittelgebirge). Die stammten von dem im Ausmaß vorher völlig unbekannten Waldbränden 10 Monate vorher.

    Der Klimawandel ist verdammt real.

  • cimourdain 14. Juni 2024, 08:57

    5) Ich habe mir mal angesehen, in welcher Höhe China Elektroautos subventioniert. Das einzige, was ich gefunden habe, ist das hier:
    https://www.n-tv.de/wirtschaft/China-subventioniert-bei-E-Autos-kraeftig-weiter-article24206562.html#:~:text=Die%20chinesische%20Regierung%20will%20die%20Nachfrage%20nach%20Elektroautos,Nachfrage%20auf%20dem%20weltgr%C3%B6%C3%9Ften%20Automarkt%20angefacht%20werden%20soll.
    Die Höhe (66 Mrd über 2 Jahre) ist signifikant, die Form – eine Kaufprämie für (chinesische) Verbraucher („ausgezahlt“ als Steuerbefreiung) – erinnert an die deutschen Maßnahmen Umweltbonus und Abwrackprämie. Da das den Export aber nur indirekt (Gesamtkalkulation der Herstellerkonzerne) betrifft, ist es eher „wehleidig“, da von „unfairen“ Subventionen zu sprechen.

    • Stefan Pietsch 14. Juni 2024, 09:40

      Das Schöne ist: In der EU gibt es dazu ein rechtsstaatliches Verfahren, in dem solche Fragen ohne Google-Suche geklärt werden. 🙂

      • cimourdain 14. Juni 2024, 10:43

        Dass ausgerechnet Sie mal als Erklärung einer politischen (EU-Kommission) Entscheidung ein „Nicht hinterfragen, die Politiker wissen schon was sie tun“ liefern, ist eine neue Erfahrung.

        Die NTV-Meldung ist ergoogelt und nicht das Gelbe vom Ei, sondern deshalb gewählt, weil sie nicht nur gemeldet hat, „dass“ Subventionen stattfinden, sondern auch „wie“. Wenn jemand (Blick in die Runde) etwas besseres findet, freue ich mich.

        • Stefan Pietsch 14. Juni 2024, 11:37

          Ich habe mich mit dem Sachverhalt nicht näher beschäftigt als dass ich es beurteilen könnte. Aber gegen Entscheide de EU-Kommission ist immer der Klageweg möglich. Das haben ja schon andere, insbesondere große Konzerne, genutzt. Aus einer Googlesuche ist das unmöglich zu bewerten.

    • derwaechter 14. Juni 2024, 17:34

      Es geht da um subtilere Dinge als direkte Kaufprämien in China.

      „The EU investigation is looking at a broad range of possible unfair subsidies, from prices for raw materials and batteries, to preferential lending or cheap provision of land.“

      Daher auch verschiedene Belastung für verschiedene Hersteller: https://edition.cnn.com/2024/06/13/cars/eu-ev-tariffs-china-effects-analysis-intl-hnk/index.html

      • Lemmy Caution 15. Juni 2024, 12:28

        Genau. Die EU muss diese Strafzölle begründen und diese Begründung sollte man sich anschauen. Ohne Vorwissen aufgrund eigener Vorurteile einfach mal so ein Urteil zu fällen, macht überhaupt keinen Sinn.
        Jede Wirtschaft ist durchsetzt von versteckten Subventionen.
        Allein schon die freie Nutzung von Straßen selbst für schwere LKWs, die diese ja stark abnutzen, ist eine Subvention. In einer von einer Diktatur sehr stark gelenkten Marktwirtschaft wie in China ist praktisch alles möglich.

        • cimourdain 15. Juni 2024, 13:55

          Das ist eine bedenkenswerte Betrachtungsweise. Es wäre in diesem Zusammenhang eigentlich sehr wünschenswert, wenn China mit ebenso spitzer Feder ausrechnet, welche direkten und indirekten Subventionen deutsche Fossilautos erhalten.

          • Lemmy Caution 15. Juni 2024, 20:17

            Niemand hindert sie daran.
            China klagt übrigens vor der WTO gegen die EU Strafzölle.

            Ich weiß noch, wie so um mitte 10er diese Anti Transatlantic Trade and Investment Partnership (TTIP) ganz entrüstet feststellten, dass da ja internationale Gerichte Entscheidungen der deutschen Politik kippen können. Das ist aber der eigentliche Kern von funktionsfähigen Abkommen zur Internationalen Integration.

    • cimourdain 17. Juni 2024, 13:50

      Bei der Suche nach „offiziellen“ chinesischen Artikeln zum Thema bin ich auf diese Ankündigung für Gegenmaßnahmen gestoßen:
      https://www.globaltimes.cn/page/202406/1314263.shtml

      Interessant ist in meinen Augen, dass (a) ein reines Verbraucherprodukt gewählt wurde, das (b) von der EU direkt subventioniert wird und das (c) China auch selbst in größeren Mengen produziert.
      Interessant auch der letzte Absatz, der ein wenig „Politbüroastrologie“ betreibt und von Sanktionen gegen Autos mit großem Hubraum raunt. (d) Diese werden – wie auch Schweinefleisch – vor allem von Deutschland exportiert.

      • Lemmy Caution 17. Juni 2024, 14:40

        Kann durchaus passieren, dass China irgendwann die Karte „Importe deutscher Auto sanktionieren“ zieht. So ein Handelskrieg ist halt kein Kindergeburtstag.
        Solche Drohungen sind darauf ausgerichtet unsere freiheitlich, demokratischen und rechtsstaatlichen Gesellschaft zu spalten. Deutschland hat hier wegen seiner Abhängigkeit von der Exportwirtschaft und der Tatsache, dass viele Ostdeutsche einem anderen Werte-Kanon folgen.
        Mein Standpunkt ist, dass Deutschland weiter exitieren wird, auch wenn wir die Oligarchen-Jugend Chinas nicht mehr mit über-sophisticated Luxus Autos versorgen.(1) Sie werden sagen „Unsere Demokratie hält das nicht aus“. Aber dann haben wir im Konflikt gegen so widerwärtige Oligarchien wie Moskowien, China oder Venezuela von vornerein keine Chance, weil deren Gesellschaften so ziemlich alles schlucken und von vielen dort freiwillig.
        Ich bin in all dem Gaullist -> https://www.dagmarschatz.com/2016/06/21/22-juni-1940-general-de-gaulle/

        (1) Hatte mal irgendwo gelesen, dass der durchschnittliche deutsche Porsche-Fahrer über 60 und der durchschnittliche chinesische unter 20 Jahre alt ist.

        • cimourdain 18. Juni 2024, 08:40

          Die Frage, wie viel Wirtschaftsrückgang eine Demokratie verträgt ist zwar wichtig, aber mir ging es eigentlich um das Kernthema, wie viel die deutschen Wirtschaftsoligarchen (die nicht nur in Sindelfingen und Zuffenhausen sind, sondern auch in Rheda und Münster) bereit sind mitzumachen, bevor sie auf die Funktionsoligarchen in Politik und Medien Druck ausüben.
          Und da geht es mir um das Wie (und damit indirekt auch Warum) der chinesischen Gegenmaßnahmen.
          Schon vor einem halben Jahr hatte sich China für Wirtschaftskrieg-Gegenmaßnahmen ein Land (Frankreich) und eine Exportindustrie (Luxusgüter) herausgepickt als Hebel gegen den Rest der EU.
          Sie achten (genau wie die EU aber anders als die USA) darauf, dass es gegenüber der WTO begründbar ist.
          Und sie schneiden sich nach meinem Gefühl bei der Wahl des sanktionierten Produkts weniger stark ins eigene Fleisch als die Europäer.

          (1) Das ist interessant und Porsche schreibt selber, dass das Durchschnittsalter der chinesischen Käufer gerade mal 35 Jahre ist. Wieviel davon dann Rich Kids sind und wie viele schnell reich gewordene Tech-Aufsteiger, müsste ich raten. https://newsroom.porsche.com/de/2021/unternehmen/porsche-china-20-jahre-jubilaeum-24306.html

          • Lemmy Caution 18. Juni 2024, 16:59

            Wie Du dir die „Wirtschaft“ und „Wirtschaftsoligarchen“ vorstellst, funktionieren die vielleicht gar nicht.

            Gegenüber der WTO kannst Du alles begründen. Da ist die WTO nicht anders als die UNO. Wenn es hart auf hart kommt sind für alle Parteien als bindend erachtete Entscheidungen kaum zu fällen. Da beschäftigt natürlich auch die USA ein paar Juristen für internationales Handelsrecht.

            Hier gibts eine Übersicht über die seeehr technischen Prozesse: https://www.wto.org/english/tratop_e/dispu_e/dispu_e.htm

            Natürlich ist China eine sehr rund laufende Wissenschaftsmaschine -> https://www.nature.com/articles/d41586-024-01596-2
            China im Juni 2024, das Deutsche Reich im Frühling 1914.

            Wenn das Durchschnittsalter der Porschekäufer schon so jung ist, werden da viele Kinder reicher Eltern darunter sein. Hört man auch oft.

  • derwaechter 15. Juni 2024, 11:11

    1)
    Was mir bei der Diskussion zu kurz kommt ist die historische Einordnung des Grünen Ergebnisses. Natürlich ist das ein herber Verlust im Vergleich zur letzten Wahl und auch relativ zu den Zielen.
    Aber es ist auch das drittbeste Resultat aller Zeiten, nur 0,2 Prozentpunkte hinter dem zweitbesten und besser als bei der vorletzten Wahl.

    2024 11,9%
    2019 20,5%
    2014 10,7%
    2009 12,1%
    2004 11,9%
    1999 6,4%
    1994 10,1%
    1989 8,4%
    1984 8,2%
    1979 3,2%

    https://de.statista.com/statistik/daten/studie/419485/umfrage/stimmenanteile-der-gruenen-bei-den-europawahlen-in-deutschland/

    • cimourdain 15. Juni 2024, 14:00

      Die Langzeitbetrachtung ist sinnvoller als die ganze Überbewertung kurzfristiger Trends. Realistisch sind um die 11 bis 12 Prozent. 2019 und in die andere Richtung 1999 waren demnach Ausreißer. Meine Spekulation: Der Hype 2019 war ihrer Rolle als einzige „vernünftige“ Oppositionspartei geschuldet und der Tiefpunkt 1999 der Enttäuschung über ihre Regierungsperformance.

      • derwaechter 16. Juni 2024, 10:43

        1999 dürfte der Kosovo-Einsatz eine große Rolle gespielt haben. Der hat die Partei damals fast zerrissen.

  • Lemmy Caution 17. Juni 2024, 22:21

    Ich muss noch mal was zu Sprachen lernen im 21. Jhdt und Duolingo loswerden.
    Ich empfehle: Verbreitert eure Quellen. Wie Bob Marley einmal sang

    „Emancipate yourselves from owl slavery.
    None but ourselves can free our minds“.

    Spanisch kann sich auch wie im zweiten Teil hier anhören.
    https://www.youtube.com/watch?v=k_fAHdCWeCg
    Oder das hier: Chilenismen sind extrem konzentriert, aber so reden die Leute öfters wirklich: https://www.youtube.com/watch?v=BxGrmeYcvSo
    Ich verstehe vieles, aber bei weitem nicht alles.
    Keine App kann diese für Chile wirklich essentiellen und von jeder Generation neu erfundenenen Soziolekte abdecken, oder das für Französisch extrem wichtige argot.
    Man wird mit duolingo keine Sprache lernen, aber der Einstieg ist getan. Auf dieser Basis kannst Du content benutzen, der viel mehr deinen Interessen entspricht. Und das ist der interessantere Teil für ein Ziel, das Du nie erreichen wirst.

    Nachdem ich jetzt letzte Woche noch einen dritten Platz in der Diamantliga mit 18.000 XPs oder so gemacht habe, werde ich meine Aktivität drastisch einschränken. Ich ziehe mich ohne Groll zurück. Für Französisch und Portugiesisch hat mir die App genutzt, aber ich entwickele da zu viel Suchtverhalten. Ich erreiche diese Punktzahlen nur, weil ich in romanischen Sprachen einen guten Wortschatz + Grammatikkenntnisse habe. Trotz meiner Geschwindigkeit, behindert mich duolingo an diesem Punkt.
    Ich will nicht meinen account löschen, nur halt die XPs auf 3.000 die Woche beschränken, außer es droht der Abstieg aus der Diamanten-Liga.
    Sobald ich nächstes Jahr mit Niederländisch und Italienisch einsteige, löse ich die Beschränkung für eine gewisse Zeit auf. Für den nervigen Einstieg in eine Fremdsprache, find ich duolingo sehr hilfreich.

    Warum lerne ich Fremdsprachen?
    Um zu verstehen, die Welt aus einer anderen Perspektive zu sehen.
    Warum verbringe ich 70% meiner Sprachenlernaktivitäten mit einer App?
    Weil die gut daran sind, Kunden zu binden.
    Das ist aber nicht in meinem Interesse.

    Man muss sich meine folgenden Vorschläge natürlich nicht komplett antun. Es soll erstmal nicht darum gehen, die Sprache wirklich sprechen zu können. Um sich dem anzunähern, muss man zusätzlich noch bei einem echten Lehrer Sprachkurse machen oder sich einen Tandempartner suchen: https://www.sprachheld.de/tandempartner-finden/
    Werde ich für Französisch und Portugiesisch irgendwann tun, aber man kann sich erstmal auf die Lese- und Hörkompetenz konzentieren. Das ist das Thema dieses Kommentars.

    0. Den Lernprozess reflektieren
    Diese Moskowierin in Mexico D.F. reflektiert ihren Lernprozess in Englisch und Spanisch. Will natürlich u.a. z.T. auch kostenpflichtige Tools verkaufen, aber das ist nicht der Punkt. Auf dem Kanal gibts weitere interessante Videos.
    https://www.youtube.com/watch?v=lhGYPWlhrBs

    I. Der geschützte Bereich
    1. youtube Kanäle mit „learn spanish“, „spanisch lernen“ suchen und einfach zuhören. Manche sind gut. Dieser Kanal ist zwar eher advanced, aber für mich sehr unterhaltsam.
    https://www.youtube.com/@Linguriosa
    Sie ist eine erfahrene Sprachlehrerin und spricht deutlich. Vor allem mag ich ihren Humor.
    Mein Lieblingskanal für Französisch ist „French mornings with elisa“. Für Portugiesisch „Portuguese with Leo“.

    2. Olly Richards hat Kurzgeschichtenbände mit „Easy Spanish/French“ etc. geschrieben. Hat mich in Französisch weitergebracht.

    3. https://www.lingq.com/
    Ich weiß nicht, ob es da einen freien Zugang gibt. Ich habe gezahlt und es hilft mir in Französisch sehr. Auf youtube gibts viele Videos wie das funktioniert. Das ist ein Weg zu wirklichem Content in der Fremdsprache.

    4. Maximilian Alexander Koch hat auf amazon sprachspezifische Bücher zum chatGPT Einsatz. Habe ich noch nicht gelesen, aber vermutlich interessant.

    II. Freiwasser

    Mit bestimmten Französischen Content auf youtube komme ich inzwischen klar, auch ohne Untertitel. Der Kanal GaspardG ist ein Beispiel. Anderer interessanter Content überfordert mich noch. Zum Beispiel hatten die bei der Europawahl in France 24 eine Diskussion. Ich konnte dem nicht folgen. Das ist normal. Das live-Programm hatte keine Untertitel. Portugiesisch fällt mir wesentlich leichter. Den Politikwissenschaftler Oliver Stünkel verstehe ich fast vollständig. Bestimmten Content werde ich trotzdem nicht verstehen.

    II. A) Planet youtube. Untertitel übersetzen lassen, habe ich mir verboten. Ich nutze die Untertitel der Ausgangssprache nur wenn nötig. Ziel ist ohne Untertitel.

    1. Das ist ein in spanisch-sprachigen Ländern sehr beliebter Politik-Kanal:
    https://www.youtube.com/@VisualPolitik
    Die Inhalte sind nicht übermässig komplex aber interessant.

    2. Sympathischer peruanischer Auswanderer in Deutschland: https://www.youtube.com/c/ElJard%C3%ADndeMart%C3%ADn

    3. El Mostrador. Chilenisches Online-Medium, das sich selber finanziert.
    https://www.youtube.com/@ElMostradorvodcast

    4. Ahora Play. 8 Stunden argentinischer Wirtschaftsjournalisten. Täglich. Am Wochenende ein bisschen weniger.
    https://www.youtube.com/@Ahora_play

    5. Alberto Mayol. Sehr belesener und umtriebiger chilenischer Soziologe. Wirkt sehr aufgeräumt, osziliert aber zwischen Genie und Wahnsinn. Spricht langsam und deutlich.
    https://www.youtube.com/@AlbertoMayolMiranda/videos

    B) Jenseits des Internets

    1. Auf größeren Bahnhöfen wird die spanische Tageszeitung El Pais verkauft. Die haben in scharfem Gegensatz zu deutschen Medien auch stabil-guten Content zu Lateinamerika. Sonntag gibts die extra-große Ausgabe mit vielen längeren Artikeln. Für Französisch kaufe ich mir wegen der längeren Artikel nun „Le Monde diplomatique“, obwohl die links von mir stehen. Ich lese nicht die ganze Zeitung. Nur ein paar längere Artikel die mich interessieren. Noch mit Konsultationen von Vokabeln. Nervt, aber es geht noch nicht anders.

    2. Klassische Textlernbücher
    Está bem von Joaquim Peito (Portugiesisch) ist für meine spezifischen Bedürfnisse super. Der große Französichsprachkurs von Pons nicht so. Diese Wertung ist vermutlich sehr individuell. Andere Leute können das ganz anders wahrnehmen.
    Dank meiner in Duolingo erworbenen Vokabel und Grammatik-Kenntnisse lassen sich diese Lehrbücher viel schneller und konfortabler konsumieren.

    3. DTV Zweisprachig oder ähnliches. Die haben oft schwierige Vokabeln in Fußnoten auf der selben Seite. Oder auch die komplette Übersetzung auf der gegenüberliegenden Seite. Hier zeigt sich auch wie unterschiedlich schwierig so Lektüren in einer Fremdsprache sind.
    Während „Bonjour tristesse“ von Francoise Sagan mit 4 bis 10 Fußnoten-Übersetzungen pro Seite auskommt, hat „Une sale livre“ von Frank Andriat 10 bis 20 für weniger Text.

    • Lemmy Caution 18. Juni 2024, 17:19

      Gibt auch ai Angebote:
      https://yourteacher.ai/
      … und viele Alternativen.
      Allerdings wird das für die Perfektionierung auf einem höheren Niveau empfohlen.
      Und ein Schnapper-Preis haben die auch nicht.
      1 Monat 25$
      6 Monate 107$
      12 Monate 149$
      Werde ich auf jeden Fall ausprobieren, aber noch nicht.

  • Erwin Gabriel 18. Juni 2024, 14:19

    1) Das Politik-Paradoxon nach der Ära Merkel
    … die Gemeinsamkeiten, deren Dominanz man unter Merkel noch so bedauert hat, könnten ein Comeback mehr als vertragen.
    „Gemeinsamkeiten“ würde ich das Totschweigen von Konflikten nicht nennen; Deine „Gemeinsamkeiten“ haben als zwangsläufige Folge die aktuelle Polarisierung, die Du ablehnst.

    5) Billigautos aus China? Immer her damit!
    Die deutschen Automobilhersteller … haben … die Entwicklung verschlafen …
    Weil sie sich nicht so verhalten, wie Du es für richtig hältst? Echt jetzt?

    g) Die Bundesregierung und Gazprom im Sommer 2021.
    Scheint, dass meine überaus abfälligen Urteile über die Regierungen Merkel im Allgemeinen und über Minister Peter Altmeier im Besonderen zu Recht bestehen. Wie kann man mit so viel Intelligenz so blöd sein?

    • Stefan Sasse 18. Juni 2024, 16:52

      1) Na, das finde ich ist so auch nicht ganz richtig. Hinter Merkel steckte schon ein Konsens.

      5) Naja, die sind schon deutlich hinterher.

      g) Gute Frage.

      • Erwin Gabriel 19. Juni 2024, 08:19

        @Stefan Sasse 18. Juni 2024, 16:52

        1) Hinter Merkel steckte schon ein Konsens.

        Merkel hat sich schon in vielen Punkten nach links geschoben. Aus Bequemlichkeit den rechten Flügel abgeschossen, weitgehend SPD- und Grünen-Politik gemacht und es dann als die ihre verkauft. Als Folge „kollabierte“ die SPD, und die AfD erstarkte. Klar, die Union hielt die füße still, weil sie Jobs Wählersrimen brachte, aber die Konservativen in CDU und CSU waren permanent maulig. Es gab intern reichlich Krawalle bei Ehe für alle, Griechenland-Rettung, unbegrenzte Einwanderung.

        5) Naja, die sind schon deutlich hinterher.

        Zum wiederholten Mal die Frage: Woran machst Du das fest?
        Dass sie nicht genügend Deutsche überzeugen konnten, E-Autos zu kaufen? Falls Du das auf fehlende billige „attraktive“ Angebote zurückführst – die findest Du ja ausreichend bei anderen, etwa vom Heimatland gesponserten chinesischen Anbietern.

        Woran liegt es aber dann? An den Reichweiten-Nachteilen, mit denen sich Vielfahrer schwertun? An der über lange Jahre rappeligen Bürokratie, sich selbst eine ordentliche Wallbox an die Wand zu nageln? An fehlender Lade-Infrastruktur, die erst langsam in die Füße kommt? Am unkalkulierbaren Brandrisiko, dass sogar schon Frachter zerstört hat? An der im Vergleich zu deutschen Anbietern hinterherhinkenden Fertigungstechnik (hast Du Dir mal einen Tesla näher angeschaut – bei Karosserie und Fahrwerk Stand von BMW vor 20 Jahren)? Am geringen Wiederverkaufswert? Bei der Wartungssicherheit, wenn die Batterien nachlassen?

        E-Autos machen deutsche Grüne glücklich, weil sie während des Betriebs weniger die Umwelt schädigen als Kraftstoff-betriebene Fahrzeuge (vorausgesetzt, Öko-Strom wird nicht nur laut Rechnung bezahlt, sondern tatsächlich bezogen). Aber deutsche Grüne haben keine Ahnung davon, wie viel Dreck, welche Umweltzerstörung und welche Ausbeutung durch die Akku-Produktion entsteht.

        Ist nicht ganz so schwarz-weiß, wie es gerne dargestellt wird.

        • Stefan Sasse 19. Juni 2024, 11:10

          1) Sicher, das war ja die Konsensmaschine. Du kriegst den nicht, wenn du dich dem Zeitgeist in den Weg stellst.

          5) Ist es nicht, nein. Die Dinger sind nicht optimal. Aber sie sind einfach besser als Verbrenner. Und ja, klar. Für Vielfahrende ist es aktuell noch nicht so toll. Die Ladeinfrastruktur müsste viel stärker ausgebaut werden. Bürokratie ist wie immer ein Problem.

          • Erwin Gabriel 22. Juni 2024, 17:47

            @ Stefan Sasse 19. Juni 2024, 11:10

            5) Aber sie sind einfach besser als Verbrenner.

            Ich bin ja geduldig. Nochmal die Frage: Woran machst Du das fest? Anders gefragt: definiere „besser“.

            • Stefan Sasse 23. Juni 2024, 09:08

              – Weniger Lärm
              – Weniger Umweltverschmutzung
              – Weniger Emissionen

              • Stefan Pietsch 23. Juni 2024, 10:31

                – Autos sind heute sehr leise. E-Autos machen keinen Pieps, weshalb sie als Gefahr für die Verkehrssicherheit angesehen werden. => nicht besser

                – Was hast Du dann gegen eFuels? Sauberer als BEVs, die mit Kohlestrom geladen wurden, ist das allemal. Ansonsten, das hat Erwin ja aufgezeigt, sind E-Autos nicht zwingend umweltschonender.

                – Wie b), also doppelt. Muss ich streichen. 🙂

                Auffällig: Deine Aufzählung beinhaltet nur gesamtgesellschaftliche Vorteile, so man das überhaupt rechnen kann. Autos sollen aber von Individuen gekauft werden. Diese müssen Vorteile haben, das sollten wir nach den sozialistischen Experimenten eigentlich gelernt haben.

                • Stefan Sasse 23. Juni 2024, 15:52

                  – Wenn Autofahrende aufhören würden, sich als Meister der Schöpfung zu sehen und aufpassen, ist das im Wohngebiet gut machbar. Außerhalb ist das kein Thema.
                  – Nichts, nur dass sie im Privatverkehr keine Chance haben.

                  Wenn die Verbrenner verboten werden, gibt es nur noch eAutos. Aber ich gehe davon aus, dass die in absehbarer Zeit eh günstiger sein werden und dass sich das dann marktwirtschaftlich erledigt.

                  • Stefan Pietsch 23. Juni 2024, 16:14

                    Klar, wie sagtest Du neulich zu schön? Verbieten wir doch Morde. Dann gibt es keine mehr.

                    Du inszenzierst Europa als eine Insel. Alle Hersteller planen zweigleisig: E-Autos für den europäischen Markt und für China, Verbrenner für den Rest. Ist aufwendig, weshalb viele not amused sind, aber Brüssel ist nicht der Nabel der Welt.

                    Unternehmen bieten an, was gefragt ist, nicht was die Politik verlangt. Das tun sie nur, wenn die Politik auch dafür bezahlt.

                    Ich hatte hier mal kurz vor der Pandemie mit einem Kommentator eine Wette laufen. Inhalt: VW wird locker seine für 2023-2025 gesetzten Ziele des Absatzes von iD3-Modellen erreichen. In der Pandemie einigten wir uns darauf, dies für obsolet zu erklären. Die Wahrheit ist: Der teilstaatliche Konzern wird seine 2023 auf absehbare Zeit nicht realisieren können.

                    Auch das ist Marktwirtschaft.

                    • Stefan Sasse 24. Juni 2024, 13:13

                      Wenn in der EU keine Verbrenner zugelassen sind, ist völlig egal, was in anderen Ländern verkauft wird. Glaubst du, da entsteht dann ein Schwarzmarkt für Verbrenner mit Schwarztankstellen?

              • Erwin Gabriel 25. Juni 2024, 17:38

                @ Stefan Sasse 23. Juni 2024, 09:08


                – Weniger Lärm
                – Weniger Umweltverschmutzung
                – Weniger Emissionen

                Verstehe.

                Männer sind besser als Frauen:
                – sie sind physisch überlegen, können schneller laufen, doller hauen, größere Gewichte heben etc.
                – sie sind offenbar klüger, machen mehr Erfindungen, schreiben mehr Bücher, es gibt mehr Professoren als Professorinnen, mehr Minister als Ministerinnen etc.
                – sie sind sozial leistungsfähiger, da es deutlich mehr männliche Netzwerke in Politik und Wirtschaft gibt als weibliche.

                Mehr braucht man nicht wissen, um sich ein kompetentes Urteil zu bilden, oder? Oh, Mann …

        • Stefan Pietsch 22. Juni 2024, 18:25

          5) Da kann ich auch etwas beisteuern: In Griechenland befördern die Reeder nur noch unter Auflagen E-Autos. So dürfen diese höchstens halb geladen sein, man muss also erstmal das Auto entladen (Verschwendung?) und dann hoffen, dass man es wieder laden kann.

          Wir haben da ja so unsere Lieblingsinsel gewonnen, ein kleines Schmuckstück, wo auch die Reichen rasten. Marilyn Monroe war dort, Jackie Kennedy. Es gibt praktisch keine Autos, die Leute rasen mit Mopeds und Quads rum. E-Bikes gibt es auch, aber die werden wenig genutzt. Anscheinend haben die Griechen noch nichts von der Klimakatatrophe (sic!) gehört, obwohl dort derzeit bis zu 40°C herrschen.

          Unbelehrbar sowas. 😉

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