Trump isst im Reality TV große Mengen Fleisch, während er die großen Klassiker liest und Protektionismus betreibt – Vermischtes 28.5.2024

Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Die „Fundstücke“ werden mit einem Abschnitt des Textes, der paraphrasiert wurde, angeteasert. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels empfohlen; ich übernehme keine Garantie für die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Zusammenfassungen. Für den Bezug in den Kommentaren sind die einzelnen Teile durchnummeriert; bitte zwecks der Übersichtlichkeit daran halten. Dazu gibt es die „Resterampe“, in der ich nur kurz auf etwas verweise, das ich zwar bemerkenswert fand, aber zu dem ich keinen größeren Kommentar abgeben kann oder will. Auch diese ist geordnet (mit Buchstaben), so dass man sie gegebenenfalls in den Kommentaren referieren kann. Alle Beiträge sind üblicherweise in der Reihenfolge aufgenommen, in der ich auf sie aufmerksam wurde.

Fundstücke

1) The Cruel Social Experiment of Reality TV

„White Bear“ ist eine Folge von Black Mirror, die die Medienphänomene des 21. Jahrhunderts thematisiert, wie die passive Konsumation grausamer Spektakel und öffentliche Demütigung. Eine Frau wird gefangen gehalten und für ein Verbrechen bestraft, an das sie sich nicht erinnern kann, während Zuschauer ihr Leiden bejubeln. Dieses Thema wird in der Dokumentation „The Contestant“ über einen japanischen Comedian, Nasubi, weitergeführt. Er wurde 15 Monate nackt in einem Raum eingesperrt und musste durch das Gewinnen von Preisen überleben. Sein Leiden, ohne sein Wissen gefilmt und ausgestrahlt, erinnert an ähnliche grausame Experimente in der Fernsehgeschichte. Nasubi wurde als Teil eines „menschlichen Experiments“ misshandelt, das die düsteren Seiten der menschlichen Natur enthüllen sollte. Diese Art von Reality-TV, die menschliche Grenzen testet und das Publikum unterhält, hat eine lange Geschichte, angefangen bei „Candid Camera“ bis hin zu modernen Shows wie „Big Brother“. Trotz moderner ethischer Standards basiert Reality-TV immer noch auf der Schaffung absurder Situationen zur Unterhaltung der Zuschauer. (Sophie Gilbert, The Atlantic)

Diese Reality-TV-Shows fand ich schon immer unerträglich. Das fing schon bei Big Brother an, und das war ja echt ein super harmloses Format (gepflegte Langeweile, die nur durch den Neuigkeitswert interessant war) und ging dann bald in Richtung dieser Shows, die ständig Streit provozierten, um Leute bloßzustellen. Man denke nur an „Frauentausch“, „Supernanny“ und Co. Die Ausbeutung, die in diesen Dingern abläuft, wäre in jedem anderen Setting dermaßen verboten, dass die Verantwortlichen in den Knast kommen würden, eine Ausbeutung sowohl auf der psychischen Ebene als auch auf der materiellen. Der letzte Aspekt hat mich immer besonders beeindruckt. Die Leute, deren Leben da zerstört wird, haben nicht mal was davon, weil RTL und Co so billig sind, dass si ihre Kosten teilweise auf die Opfer ausgelagert haben. Und da sind wir noch nicht mal bei der ethischen Dimension. Wenn es ein Argument gegen Privatfernsehen gibt, dann diese Art von Show.

2) It’s a Climate Election Now

Donald Trump hat bei einem Dinner mit Öl- und Gasmanagern in Mar-a-Lago angeboten, die Klimaregeln von Präsident Biden im Gegenzug für eine Milliarde Dollar an Wahlkampfspenden aufzuheben. Trump ist bekannt für seine Bereitschaft zu Geschäften und seine Treue zur fossilen Brennstoffindustrie. Seine Anfrage überraschte die Manager, da er bereits angekündigt hat, die Biden-Politik zu beenden und verstärkt auf fossile Brennstoffe zu setzen. Obwohl Trump im Umfragen leicht führt, steht seine Wiederwahl nicht fest. Dies gibt ihm einen gewissen Druck, die benötigten Mittel zu sichern. Die Wahl fällt in eine kritische Phase des Klimakampfs, da die Technologien für eine nachhaltige Energiewende bereitstehen. In Kalifornien haben erneuerbare Energien und Batteriespeicher kürzlich über 100 % des Strombedarfs gedeckt, was zeigt, dass der Wechsel weg von fossilen Brennstoffen möglich ist. Falls Biden eine zweite Amtszeit gewinnt, könnte er die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen weiter reduzieren und deren politischen Einfluss brechen. Trump hingegen könnte durch extreme Maßnahmen wie Geoengineering die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen fortsetzen und die Klimakrise verschärfen. (Bill McKibben, New York Magazine)

Ich finde es immer wieder krass, was für ein kategorialer Unterschied zwischen den Republicans und den deutschen Bürgerlichen besteht. So sehr ich auch Positionen wie den Widerstand gegen das Verbrennerverbot kritisiere und es für kontraproduktiv halte, in Deutschland streiten wir um den besten Weg, um die Klimakrise zu bekämpfen. Die Republicans wollen den Planeten brennen sehen. Deswegen habe ich auch keine Geduld, wenn etwa Friedrich Merz mit Trump verglichen wird oder so Blödsinn. Das ist nicht annähernd vergleichbar. Tatsächlich wäre es für uns alle eine Katastrophe, wenn Trump siegt, und zwar allein aus Gründen der oben genannten Politiken. Dazu kommt (vergleiche auch mit Resterampe j)), dass  die Aussicht auf einen radikalen politischen Kurswechsel alle vier Jahre nicht eben dazu angetan ist, irgendwelche vernünftigen Richtungsentscheidungen zu treffen. Da braucht es ein wenig mehr Planbarkeit. Das gilt natürlich auch für Deutschland.

3) The Schools Where the Western Canon Is King

Eine Klasse von 15 Schülern in Phoenix, Arizona, debattierte über Dostojewskis „Die Brüder Karamasow“ und die Ehrlichkeit von Miusov und Fjodor. Diese Klasse ist Teil des „Humane Letters“-Programms an der Great Hearts North Phoenix Schule, die sich der klassischen Bildung verschrieben hat. Diese Schule, Teil eines Netzwerks von 42 klassischen Charter-Schulen, legt großen Wert auf klassische Literatur und humanistische Bildung, um „Wahrheit, Güte und Schönheit“ zu fördern. Das klassische Bildungssystem erlebt eine Renaissance, getrieben von konservativen Gruppen, die sich gegen progressive Bildungspolitik stellen. Diese Schulen, einschließlich Great Hearts, verwenden einen rigiden, auf westliche Klassiker fokussierten Lehrplan. Kritiker werfen ihnen kulturelle Voreingenommenheit und politische Agenden vor. Insbesondere mangelt es an Literatur von nicht-westlichen und diversen Stimmen. Der Erfolg dieser Schulen liegt auch in ihrer akademischen Strenge, die zu überdurchschnittlichen SAT-Ergebnissen und hohen College-Einschreibungsraten führt. Doch es gibt Kontroversen um ihre politische Ausrichtung und den Umgang mit LGBTQ+ Themen. Trotz der Betonung auf eine offene Suche nach Wahrheit scheinen die Schulen oft ihre eigenen, festen Vorstellungen davon zu haben. (Kiera Butler, Mother Jones)

Bei dem Ursprungsartikel handelt es sich um eine lange, insgesamt sehr lesenswerte Reportage, die ich nur empfehlen möchte – und die vermutlich für das Verständnis der folgenden Kommentare erforderlich ist.

Für manche vielleicht überraschend bin ich durchaus angetan von humanistischen Bildungsstrukturen. Die Argumente, die die Befürwortenden dieser Schulen im Text anbringen, finde ich völlig richtig. Einerseits schult man an diesen Texten seinen Geist, andererseits bilden sie einen Kanon, der für die Orientierung in der westlichen Geisteswelt unerlässlich ist. Das gilt auch für Religion. Ich merke das im Deutschunterricht ständig; die Bibelkenntnisse der Schüler*innen sind so schlecht, dass die selbst offensichtliche religiöse Anspielungen (Kain und Abel etwa) nicht verstehen. Dadurch sind die alten Texte noch unverständlicher als ohnehin, das bedingt sich gegenseitig (und ich bin ständig damit beschäftigt, Religionsunterricht zu geben).

Gleichzeitig allerdings sind die Kritikpunkte an diesen Schulen ebenso vollkommen korrekt. Die Art, wie das in den genannten Institutionen umgesetzt wird, ist ideologisch. Was ja grundsätzlich okay ist, das sind ja Charter Schools. Das Problem ist, wie Ariane und ich letzthin im Podcast besprochen haben, die Behauptung, dass dem nicht so sei. Entweder ist es eine Lüge nach außen oder, schlimmer, ein sich-selbst-belügen. Wenn ich mir aber meiner eigenen Vorannahmen nicht bewusst bin, wird es schwer mit dem Bildungsziel des kritischen Denkens. Und die ans Reaktionäre reichende Ausrichtung dieser Schulen hilft da nicht weiter; die Erstarrung des Kanons ist real (seriously, im Artikel wird die Inklusion von „Watership Down“ als progressiver Sieg beschrieben!).

Zuletzt haben wir das Problem aller solcher alternativer Strukturen: sie sind self-selecting, was bedeutet, dass sie nicht skalierbar sind. Die Vorstellung, eine Stunde lang mit Schüler*innen über Ehrlichkeit bei Dostojewski diskutieren zu können, treibt einem Tränen der Freude und des Neids in die Augen, aber das geht halt auch deswegen, weil die Schüler*innen aus entsprechenden Elternhäusern kommen und freiwillig da sind (die könnten ja auch in andere Schulen gehen). Die Vorstellung, dass ich eine beliebige öffentliche Schule auf die Art umgestalten könnte, ist leider völlig realitätsfern.

4) In which British writers scold America on trade

Der aktuelle Trend zu Protektionismus in den USA ist nun parteiübergreifend, wobei keine bedeutende politische Gruppierung gegen Zölle auf chinesische Waren ist. Dies könnte andere Länder dazu bringen, dem Beispiel zu folgen und zu einer weltweiten protektionistischen Handelspolitik führen. Diese Entwicklung stößt jedoch auf Kritik, insbesondere von britischen Medien wie „The Economist“ und „Financial Times“. Diese argumentieren, dass Protektionismus die Armen weltweit schädigt, den Handel und Investitionen hemmt und die Kosten für Konsumenten erhöht. Sie warnen auch vor den negativen Auswirkungen auf die grüne Energiewende und die nationalen Sicherheitskosten der Deglobalisierung. Diese Kritiken vernachlässigen jedoch den Hauptgrund für die Einführung von Zöllen und anderen wirtschaftspolitischen Maßnahmen: die nationale Sicherheit. Der Schutz und die Stärkung der heimischen Industrie sind entscheidend für die Verteidigungsfähigkeit der USA. Ohne eine starke industrielle Basis wäre es schwierig, in einem möglichen Konflikt mit China oder Russland zu bestehen. Die US-Politik zielt darauf ab, kritische Produktionskapazitäten zu erhalten und zu verhindern, dass China in strategischen Bereichen wie Halbleitern dominiert. Die britischen Kritiker ignorieren diesen Aspekt weitgehend und konzentrieren sich auf ökonomische Prinzipien ohne Berücksichtigung der Sicherheitsbedenken. Historisch gesehen hat Großbritannien selbst unter der Vernachlässigung der industriellen Kapazitäten gelitten, was seine Verteidigungsfähigkeiten im Zweiten Weltkrieg beeinträchtigte. Dies sollte eine Warnung für die USA sein, dass eine starke industrielle Basis unverzichtbar ist. Während die Effektivität der aktuellen US-Politik noch offen ist, erscheint ein Verzicht auf protektionistische Maßnahmen keine sinnvolle Option. (Noah Smith, Noahpinon)

Smith spricht ein weiteres Problem der intellektuellen Ehrlichkeit an: nicht nur muss man sich seiner eigenen ideologischen Prägung bewusst sein, man muss auch anerkennen, was die andere Seite eigentlich will. Tut man das nicht, argumentiert man immer gegen einen Strohmann. Und anders als wir hier in Europa hat die amerikanische Regierung tatsächlich einen strategischen Plan, den sie verfolgt. Man kann jederzeit darüber diskutieren, ob dieser Plan clever oder geeignet ist, sein Ziel zu erreichen, aber wenn man gar nicht anerkennt, dass es ihn überhaupt gibt, ist die ganze Diskussion völlig sinnlos.

Ich gehe davon aus, dass Smith (und in extensio Biden) Recht haben und dass wenig daran vorbeiführt, Produktionskapazitäten gegen China aufzubauen (und Russland). Unilateraler Freihandel kann nicht funktionieren, und wir sehen gerade um uns herum das Freihandelssystem der 1990er Jahre auseinanderbrechen. Ich bleibe dabei, dass dieses Auseinanderbrechen für uns als Konsumenten und Wirtschaftsteilnehmer negative Auswirkungen haben wird. Nur sehe ich nicht, wie wir das vermeiden sollen, weil Freihandel darauf beruht, dass alle mitmachen. Wir gehen vermutlich in eine neue Phase ökonomischer Blöcke, ähnlich wie im Ost-West-Konflikt, nur dass der Konkurrenzblock anders als die „zweite Welt“ seinerzeit tatsächlich im Welthandelssystem mit konkurriert und nicht versucht, Autarkie zu erreichen und Planwirtschaft zu betreiben.

5) Bedroht Laborfleisch die Bauern? „Es wird immer Leute geben, die echtes Fleisch essen“ (Interview mit Peter Schulze)

Peter Schulze, CEO von Gierlinger, einem Fleischverarbeitungsunternehmen in Oberösterreich, betont die wachsende Bedeutung von Convenience-Produkten in der Gastronomie. Mit vollautomatisierten Produktionsanlagen stellt Gierlinger jährlich Millionen von panierten Schnitzeln und Cordon Bleus her. Schulze argumentiert, dass diese Produkte qualitativ den frisch zubereiteten Gerichten in Restaurants gleichkommen und durch Effizienz Rohstoffe sparen. Schulze stellt fest, dass Tierwohl wichtig ist, aber viele Konsumenten nicht bereit sind, dafür mehr zu zahlen. Er plädiert für gesetzliche Unterstützung und betont, dass Bauern nicht die Leidtragenden sein sollten. In Osteuropa findet Gierlinger ausreichend qualifiziertes Personal, was in Österreich zunehmend schwieriger wird. Bezüglich der Zukunft des Fleischkonsums sieht Schulze großes Potenzial in tierfreiem Laborfleisch, das energie- und ressourcensparend hergestellt werden kann. Er erwartet, dass Zellfleisch in den nächsten fünf Jahren in Supermärkten erhältlich sein wird und plant, in diese Technologie zu investieren. Schulze glaubt, dass Laborfleisch die Landwirtschaft verändern, aber nicht bedrohen wird. (Verena Kainrath, Standart)

Aus ökonomischer Sicht kann ich Schulze völlig nachvollziehen. Seine Darstellung von „die Leute zahlen nicht 5 Cent mehr auf das Kilo, deswegen müssen Millionen Tiere leiden“ ist so beiläufig und gleichzeitig so wahr, dass einem übel wird. Er legt auch mit der Unmöglichkeit europäischer Kooperation den Finger in die richtige Wunde: es wäre möglich, das anders zu machen, aber nur, wenn die Regulierung entsprechend ist. Da sehen wir ein Musterbeispiel für den Wert solcher Regulierung und Gesetzgebung: es wäre für alle besser, aber die Tragik der Allmende verhindert dieses Ergebnis. Stattdessen leiden Lebewesen. – Ich habe allerdings tatsächlich große Hoffnungen für Zellfleisch. Wenn wir es schaffen, das zu skalieren, lösen wir eine ganze Menge Probleme, übrigens auch klimatisch. – Gar nichts halte ich dagegen von Schulzes Aussage, dass „weniger Fleischkonsum allein das Klima nicht rettet“. Ich hasse diese Art Argument. NICHTS rettet „allein“ das Klima. Das ist so eine billige Ausflucht.

Resterampe

a) Joe Biden has been rock solid on Israel.

b) Ich bin mal bei Ulf Poschardt, wow.

c) Sitzenbleiben kann sich das Land nicht leisten.

d) Was ich immer wieder sage: die Rechtsradikalen können nur an die Macht kommen, wenn die Konservativen sie ihnen geben.

e) Star Trek und Wokeness.

f) Bämm.

g) Zum Handelskrieg um eAutos.

h) Gott sei Dank gibt es die Klimakrise!

i) Saying the quiet part out loud.

j) Mercedes begründet seine Abkehr von 50% eAutos in näherer Zukunft auch mit der durch die Politik (sprich: CDU und FDP) geschürten Unsicherheit.

k) Whiteness as religion.

l) In der Welt ist man überrascht, dass die SPD Wahlkampf betreibt.

m) Guter Artikel zum Geburtstag des GG.

n) Dieser Doppelstandard ist echt Wahnsinn.


Fertiggestellt am 28.05.2024

{ 67 comments… add one }
  • Thorsten Haupts 28. Mai 2024, 12:23

    Zu i)

    Merz spricht von autoritären Staatsführern und Despoten. Kurzer Blick in die Politik- und Geschichtsbücher: Sackvoll Weisser. Sprich, bei dem Kommentar handelt es sich um eine pure Unterstellung eines progessiven Verleumders. Die „Dogwhistle“ pfeift NUR in seinem Kopf (und vielleicht dem ähnlich konditionierter Progressiver).

    Verrate mir, was Du anderen ohne Beleg unterstellst und ich sage Dir, welche Sorte Arschloch Du bist.

    Gruss,
    Thorsten Haupts

    • moinz 29. Mai 2024, 21:48

      mir ist gerade klar geworden, gabriel springt für haupts springt für merz springt für netanyahu in die bresche. eine perlenkette der nibelungentreue.
      rechte sind umso unfreiwillig komischer, je mehr man über ihre absurdität nachdenkt.

  • Thorsten Haupts 28. Mai 2024, 12:53

    Zu d)
    Hier mal zur Abwechslung ein Bericht der tagesschau über die neue niederländische Regierungskoalition und Auszügen aus deren Programm.

    https://www.tagesschau.de/ausland/europa/niederlande-rechtsregierung-100.html

    Spoiler: rechtsradikal ist daran … gar nichts. Null. Zero. Niente. Möglicherweise ist Wilders gar kein Rechtsradikaler, sondern „nur“ ein Muslimgegner? Und Christengegner gab (gibt?) es lange auch in einer seriösen deutschen Partei, nämlich den Sozialdemokraten.

    Ich frage mich – nicht zum ersten Mal – warum Islamfeindlichkeit im Westen nicht geht, obwohl Christentumsfeindlichkeit in den Jahrzehnten davor hinreichend gut belegt ist und gesellschaftlich kein Problem darstellte? Meine Vermutung dazu ist sehr schlicht: Radikale Islamisten sprengen einen für Islamfeindlichkeit auch schon mal in die Luft, also zieht man rechtzeitig den Schwanz ein?

    Gruss,
    Thorsten Haupts

    • Michael 28. Mai 2024, 13:51

      Von welcher «Christentumsfeindlichkeit» fantasierst du? Wo ist die «hinreichend gut belegt»? Was läuft bei dir falsch?

    • sol1 28. Mai 2024, 14:03

      Fünf Zeilen sagen arg wenig über ein Programm aus.

      Hier zwei ausführliche Threads:

      https://x.com/bencoates1/status/1791005807783358929

      https://x.com/bencoates1/status/1791017278349160868

      Wenn Union, BSW, FW und WerteUnion eine Koalition eingehen würden, käme wohl so etwas ähnliches heraus.

      • Thorsten Haupts 28. Mai 2024, 19:43

        Danke für die Recherche 🙂 . Ich sehe weiterhin keinen überzeugenden Grund, warum man – als Demokrat – damit nicht in eine Koalition gehen DARF?

      • Stefan Pietsch 29. Mai 2024, 08:34

        Wahrscheinlich gäbe es eine 60-Prozent-Mehrheit für ein solches Regierungsprogramm. Was ist Ihre Kritik oder war das infohalber?

        • sol1 30. Mai 2024, 12:51

          Beides.

          Natürlich läßt sich fast immer eine Mehrheit für ein „Stop – alles bleibt so, wie es ist!“-Programm finden, aber warum sollte man den Stillstand glorifizieren?

          • Stefan Pietsch 30. Mai 2024, 16:36

            Was kritisieren Sie denn?

            Welcher Stillstand wird glorifiziert?

            • Stefan Pietsch 2. Juni 2024, 11:08

              Trotz mehrerer Nachfragen kommt von Ihnen nichts:

              Wenn Union, BSW, FW und WerteUnion eine Koalition eingehen würden, käme wohl so etwas ähnliches heraus.

              Meine Frage war: Was kritisieren Sie? Obwohl Sie das Thema aufgebracht haben, können Sie nichts konkretisieren, argumentieren. Sie sind einfach nur ein Pöbler in diesem Forum.

    • Stefan Sasse 29. Mai 2024, 19:49

      Diese Behauptung der Christengegnerschaft finde ich völlig daneben.

      • Thorsten Haupts 29. Mai 2024, 22:23

        Du hattest nie Kontakt mit den „Anti-Klerikalfaschisten“-Fraktionen der SPD und der GRÜNEN, nein? Schade, da hast Du was verpasst.

        Nachweislich für jeden: Ausweislich eines ganzen Haufen deutscher „Satire“-Sendungen im ÖRR war es über Jahrzehnte völlig normal, über das (organisierte) Christentum herzuziehen, ohne irgendeine Selbstbeschränkung.

        Zeigst Du mir mal die heutigen deutschen Sendungen, die dasselbe mit Muslimen machen? Ich hole schon mal Popcorn 🙂 .

        Gruss,
        Thorsten Haupts

        • Stefan Sasse 30. Mai 2024, 09:34

          Linke sind halt grundsätzlich gegen Religionen, nicht antichristlich. Mit „antiklerikal“ kann ich mich problemlos anfreunden. Die Unterstellung, sie griffen spezifisch das Christentum an, aus einer Feindschaft spezifisch zum Christentum, stieß mir auf.

          • Thorsten Haupts 30. Mai 2024, 15:21

            Unwahr. Muss spezifisch zum Christentum sein, weil dieselben Linken sich schützend vor alle Muslime stellen, wenn jemand den Islam scharf kritisiert. Der Kritiker wird dann zum antimuslimischen Rassisten oder so ähnlich.

            • Stefan Sasse 31. Mai 2024, 09:45

              Das sind aber zwei Unterschiede: gegen Rassismus sein und für Islam sind zwei Paar Stiefel.

          • sol1 30. Mai 2024, 15:33

            Es ist ja auch albern, Anekdoten aus einer Ära anzuführen, in der die Kirchen eine viel dominantere Rolle hatten und obendrein fest mit jenen Parteien verbunden waren, die das „C“ im Namen haben.

            • Thorsten Haupts 30. Mai 2024, 18:34

              Ich benutze mal nur für Sie Ihre Wortwahl: Das ist glatt gelogen.

              Die Kirchen hatten spätestens seit den achtzigern keine reale Macht mehr (ne, auch nicht über Einfluss) und die feste Verbindung mit den C-Parteien ist mindestens für die evangelische Kirche in dieser Zeit ebenfalls eine faustdicke Lüge.

              Übrigens stammt eine der bekanntesten Christentumsverunglimpfungen aus 2012 – der pissende Papst (auf dem Tietelblatt der Titanic). Und das war – selbst Ihnen folgend – weit nach der „Ära“.

              Dagegen sind mir grobe öffentliche Verunglimpfungen gegen Shia oder Sunna in Deutschland vielleicht schlicht entgangen? Oder ist deren Fehlen doch die Folge davon, dass sie im europäischen Ausland häufig genug erfolgreiche Mordversuche aufgebrachter Anhänger nach sich ziehen?

              Gruss,
              Thorsten Haupts

  • Michael 28. Mai 2024, 13:50

    Zum «Handelskrieg um e-Autos»: US-Automobilhersteller exportierten im Jahr 2021 rund 155.000 Fahrzeuge im Wert von 6,3 Milliarden Dollar nach China, von dort kamen nur etwa 64.000 Fahrzeuge im Wert von 1,5 Milliarden in die USA. Die meisten China-Importe gehören zudem zu US-Marken, vor allem Buick (https://insideevs.de).

  • Stefan Pietsch 28. Mai 2024, 16:39

    5) Bedroht Laborfleisch die Bauern? „Es wird immer Leute geben, die echtes Fleisch essen“ (Interview mit Peter Schulze)

    Die Idee von Clean Meat wurde ja bis vor kurzem (wahrscheinlich immer noch) von einer deutschen Regierungspartei abgelehnt. Genveränderte Lebensmittel haben ein schlechtes Image.

    Gar nichts halte ich dagegen von Schulzes Aussage, dass „weniger Fleischkonsum allein das Klima nicht rettet“. Ich hasse diese Art Argument. nichts rettet „allein“ das Klima. Das ist so eine billige Ausflucht.

    Das ist selbst kein sonderlich kluger Kommentar. Milliarden von Menschen können sich nur selten Fleisch als Lebensmittel leisten. Der Fleischkonsum ist eng mit der Einkommensentwicklung verknüpft. Während Amerikaner knapp 130 kg pro Kopf und Jahr verbrauchen, liegt der Konsum in Entwicklungsländern deutlich unter 20 kg. Allerdings leben in Nordamerika und Westeuropa nicht einmal eine Milliarde Menschen.

    Es es naheliegend, dass der Bedarf an Fleisch expotentiell steigen wird, da das größte Wirtschaftswachstum in den Schwellenländern stattfindet. Da nur zu plädieren, wenn alle weniger essen, sei allen geholfen, ist auf Kindergartenniveau. Gegen das normale Bedürfnis nach Fleisch würde nur eine konzertierte Aktion von 8 Milliarden Menschen helfen. Die Vorstellung allein ist schon amüsant und lädt zum Kopfschütteln ein.

    • Lemmy Caution 28. Mai 2024, 19:09

      In Chile steigt der Anteil der Personen, die den Fleischkonsum einschränken. Es waren 2023 46%.
      Als Gründe nennen 31% Gesundheit, 14% Preis und immerhin 13% Wohlbefinden der Tiere.
      https://www.adnradio.cl/salud/2023/11/16/consumo-de-carne-en-chile-la-gran-cifra-de-chilenos-que-ha-intentado-disminuir-los-alimentos-de-origen-animal-segun-ipsos.html
      Ich glaube nicht, dass das repräsentativ für den gesamten Subkontinent ist. Vielleicht auch so in Uruguay und Costa Rica.
      In Indien ist vegetarische Ernährung nicht nur aus Kostengründen sehr weit verbreitet. Auch indische Kollegen, mit denen ich zusammenarbeiten durfte oder mußte, waren Vegetarier.
      Hören wir auf, uns als Krone der Schöpfung zu betrachten, denen alle anderen nachstreben. Dem ist einfach nicht so.

      • Thorsten Haupts 28. Mai 2024, 19:50

        Mann Lemmy. Du hast natürlich Recht, aber das bedeutet global gesehen wenig. Chinas Fleischkonsum z.B. wächst seit vielen Jahren mit Wachstumsraten von 5% und wird auf der Basis von 35 kg/Jahr in 2022 in spätestens 10 Jahren so hoch sein, wie der Deutschlands heute (Afair ca. 52 kg/Jahr). Bisher zog in der Menschheitsgeschichte höherer Wohlstand immer höheren Fleischkonsum (von einer meist sehr niedrigen Basis) nach sich, ich sehe bisher überhaupt keine Anzeichen, dass sich dieser Trend umkehrt.

        Die Zahlen sind da recht eindeutig, da helfen Anekdoten persönlichen Erlebens nur sehr begrenzt weiter

        Gruss,
        Thorsten Haupts

        • Lemmy Caution 28. Mai 2024, 23:13

          Chinas Bevölkerung hat im Durchschnitt noch nicht das Wohlstandsniveau erreicht, ab dem der Fleischkonsum abnehmen wird. Ausgeschlossen ist das nicht.
          Ich habe hier einen Link zu einer chilenischen Umfrage gepostet. Was hat das mit Annekdotischem zu tun?
          In Brasilien bleibt der Rindfleisch-Konsum konstant. Schwein und Geflügelfleisch Konsum steigen etwas, aber nicht dramatisch:
          https://www.poder360.com.br/economia/precos-caem-e-brasileiros-comem-mais-carne-e-frango-em-2023/
          In Deutschland sinkt der Fleischkonsum, in Frankreich bleibt er konstant.
          Hier eine Karte mit Fleischkonsum pro Kopf weltweit.
          https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_L%C3%A4nder_nach_Fleischkonsum_pro_Kopf

          • Thorsten Haupts 29. Mai 2024, 00:36

            Mit Zahlen warst Du schon mal besser. Ein Anstieg von 2 kg Fleischverbrauch in einem Jahr (Brasilien) auf einer Basis von 35 kg sind satte 5,7% Steigerung. Das sind ähnliche Zahlen, wie in China.

            Das einzige mir bekannte Land, in dem der Fleischverzehr seit vielen Jahren nicht ansteigt, ist Indien. Es ist allerdings im Vergleich zu China auch ein Land, in dem der Massenwohlstand nur sehr langsam (wenn überhaupt) zunimmt. Was zu dem Muster passt, das steigender Wohlstand = höherer Fleischkonsum.

            Übrigens sind „nur“ etwa 30% der Inder Vegetarier 🙂 .

            Gruss,
            Thorsten Haupts

            • Lemmy Caution 29. Mai 2024, 07:26

              Man kann die Zahlen dieses Konsums aber nicht einfach extrapolieren. Ab einem gewissen Punkt kann dieser Konsum auch wieder sinken, wie dies etwa in Deutschland der Fall ist.
              Außerdem wird die Bevölkerung in China in den nächsten Jahrzehnten außerdem deutlich sinken.
              In Japan und Saudi Arabien wird auch vergleichsweise wenig Fleisch verzehrt, obwohl die einen hohen Wohlstand haben. Es ist nicht so einfach, wie du das darstellst.
              https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_L%C3%A4nder_nach_Fleischkonsum_pro_Kopf

              • cimourdain 29. Mai 2024, 09:20

                Richtig, für generelle Aussagen spielen kulturelle Effekte eine gewaltige Rolle, die Mongolei ist weit oben beim Fleischkonsum, aber nicht gerade wohlhabend. Aber imho relevanter ist die zeitliche Entwicklung. Die Tabelle für Fleischkonsum bei Wiki Englisch zeigt diese:
                https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_countries_by_meat_consumption
                Grober Augenschein sagt mir da, dass Fleischkonsum in Europa eher zurückgeht, Nordamerika und Australien ein Problem für sich sind und im Rest der Welt trotz Wohlstandszuwachs der Fleischkonsum eher auf Niveau bleibt.

                • Thorsten Haupts 29. Mai 2024, 13:28

                  Dem kann ich nicht ganz folgen?

                  Nach den vorliegenden Daten ist der Zuwachs beim Konsum von Fleisch in der sich entwickelnden Welt bis heute deutlich höher, als der Bevölkerungszuwachs. Und diser Trend hat sich zwar abgeschwächt, er hat sich aber noch nicht umgekehrt, d.h., die existierende Bevölkerung verbraucht pro Kopf jährlich mehr Fleisch.

                  Datengrundlage hier:
                  https://agriculture.ec.europa.eu/document/download/1d055cb2-41ae-43b5-9a08-b5dbdb822b10_en?filename=agri-market-brief-06_en.pdf

                  Gruss,
                  Thorsten Haupts

                • Lemmy Caution 29. Mai 2024, 15:26

                  Wobei diese Konstanz natürlich irreführend ist. Man könnte mal prüfen wie sich unterschiedliche Altersgruppen verhalten. Unter den Studenten scheit mir Vegetarische Ernährung anekdotisch weit verbreitet zu sein. Das ist in Chile eine große Gruppe. 50% erreichen die Hochschulreife. Davon beginnen 60% ein Studium.

      • Stefan Pietsch 28. Mai 2024, 20:55

        Aber Lemmy, im Fußball hätte Dich der Trainer jetzt zusammengestaucht, weil Du den Gegner so zum Konter einlädst.

        Argentinen liegt mit einem Fleischkonsum von 110 kg auf Platz 5 der Weltrangliste, Chile mit 82 kg in ebenfalls in der Spitzengruppe und deutlich vor Deutschland mit 79 kg. Uruguay, das hat mich überrascht seit ich in Montevideo im Mercado del Puerto gesehen habe, was für Fleischmassen da weggebruzelt werden, ist bei bescheidenen 59 kg in der Gegend von Surinam.

        Es ist ja lobenswert, wenn der Alkoholiker am Abend nicht mehr 2 Flaschen Rotwein kippt, sondern seinen Konsum auf ein und vierfünftel reduziert. Allein, das fällt dann doch nicht ins Gewicht.

        • Lemmy Caution 28. Mai 2024, 23:25

          In Argentinien sinkt der Fleischkonsum aktuell dramatisch, weil sich das viele einfach nicht mehr leisten können. Chile hat bis auf ein paar Gerichte wirklich keine gute Küche. In Chile steuere ich in 85% der Fälle peruanische Restaurants an. Deren Gerichte haben weniger Fleisch. Sogar in der Provinzstadt Chillán gibts inzwischen 2 gute peruanische Restaurants. In Conce (Küste) war ich bisher ausschließlich in Fischrestaurants.

    • Stefan Sasse 29. Mai 2024, 19:53

      Hach ja, wie amüsant es ist, kopfschüttelnd dem Klimakollaps zuzuschauen. Mir ist völlig unklar, wie man eine solche Haltung haben kann.

      • Stefan Pietsch 30. Mai 2024, 11:16

        An dieser Stelle bietet sich ein kleines volkswirtschaftliches Seminar an, allerdings nicht aus dem Bereich der Makroökonomie, wir gehen mikroökonomisch vor.

        Stell‘ Dir vor, Dich ereilt das Schicksal, eine Hühnerfarm zu erben, die im Jahr 1 Million Einheit Hühner an deutsche (80%) und ausländische Kunden (20%) verkauft. Erstaunlicherweise entwickelst Du ein soziales Gewissen für die dort Beschäftigten und Du willst den Betrieb entgegen Deinen bisherigen Überzeugungen weiterführen. So weit zur Ausgangslage.

        Der Dir völlig unbekannter Kunde Stefan S. Deines Kunden im Supermarkt R+E in Baden-Württemberg beschließt, seinen Fleischkonsum in dem Supermarkt einzustellen. Sein Verhalten schlägt bei Dir mit einer weniger verkauften Einheit Huhn zu, Du kannst also im kommenden Jahr eigentlich nur 999.999 Hühnereinheiten verkaufen. Das Verhalten des Stefan S. regt jedoch in seinem Umkreis zur Nachahmung an und bald werden 100 Huhneinheiten weniger abgefragt. Frage: Was tust Du:

        A. Ich freue ich, dass weniger Tiere getötet werden und bezahle die nicht benötigten Mitarbeiter aus meinem Privatvermögen.
        B. Ich steigere meinen eigenen Konsum, damit die Rechnung stimmt.
        C. Ich sehe mich nach neuen Abnehmern um.

        Was soll ich einloggen? Die meisten entschließen ich für Antwort C. Neukundenakquise erfolgt hauptsächlich über den Preis, also wirst Du den Preis pro Einheit senken. Eventuell wirst Du aber später wegen des gesunkenen Preises durch höhere Nachfrage nach toten Hühnern entschädigt. Wir werden sehen. Durch Dein geändertes Verhalten werden kleinere Anbieter von den lokalen Platzhirschen verdrängt. Diese werden wiederum Dein Verhalten kopieren und in ihren Heimatmärkten den Preis für Hühnereinheiten absenken.

        Bei Strategiebesprechungen über Diversifizierung stellt Dein aufgeweckter Vertriebschef fest (wirklich ein kluges Kerlchen), dass der Auslandsanteil noch sehr gering sei und Potential biete, zumal in Deutschland der Trend zur veganer Ernährung stärker zunehme. Vegan kann Dein Betrieb nicht, da sind andere besser. Nach intensiver Besprechung und Hinzuziehen der Unternehmensberatung Geld & Schlau errichtet ihr neue Vertriebs-Gesellschaften in Costa Rica, Thailand und Vatikanstadt. Letzteres stellt sich als Fehler heraus, da das Potential an Kunden völlig überschätzt wurde.

        Die EU hilft Dir, Deine schon vorbereitete Überproduktion zu niedrigen Preisen in Mittelamerika und Asien loszuschlagen. Das Geschäft mit Hühnern boomt, zumal Du mit Deinen Auslandsgesellschaften nicht mehr an die strengen Haltungsverordnungen gebunden bist und Du den internationalen Markt mit Billigpreisen aufrollen kannst.

        So ungefähr, Stefan, funktioniert eine Marktwirtschaft. Dein Verhalten magst Du für Dich selbst als moralisch hochwertig und ethisch einwandfrei einschätzen. Aber es ist völlig wirkungslos in Hinblick auf das Ziel, das Du postulierst. Das gilt so lange, wie es keine wesentliche Änderung der Nachfragegewohnheiten gibt – beim Fleischkonsum sind das jedoch 8 Milliarden Menschen. Geht’s nicht eine Nummer kleiner?

      • Thorsten Haupts 30. Mai 2024, 22:06

        Der „Klimakollaps“ hat mit dem Fleischverbrauch schlicht überhaupt nichts zu tun. Das Klimaproblem erzeugen Rinder mit Methangasen, nur kann man genau diesen Ausstoss über z.B. geeignete Fütterung (könnte gesetzlich vorgegeben werden) enorm senken. Oder über Stallhaltung mit Luftfilteranlagen. Schweine und Hühner sind kein Klimaproblem.

  • Stefan Pietsch 28. Mai 2024, 17:02

    c) Sitzenbleiben kann sich das Land nicht leisten.

    Wenn der Großteil einer ersten Klasse wie in Ludwigshafen nicht versetzt werden kann, ist bereits im Vorfeld etwas schiefgelaufen. Deshalb muss dringend in Sprachförderkurse investiert werden. Das hilft mehr als eine neue Kindergrundsicherung.

    Finde den Fehler. Kinder der ersten Klasse sind zwischen sechs und sieben Jahre alt. Mit drei Jahren beherrschen Menschen voll umfänglich ihre Muttersprache und können weitere Sprachen akzentfrei lernen. Mit sechs Jahren ist dieser Prozess weitgehend abgeschlossen.

    Es läge also auf der Hand, früh einzugreifen, wenn erkennbar wird, dass Kinder in der Sprachentwicklung zurückhängen. In der Schule trifft der Nachwuchs von Migranten und von bildungsfernen Schichten auf normal entwickelte Altersgenossen. Wer hier erst mit Nachschulungen und Sprachförderung beginnt, manifestiert den Rückstand über die gesamte schulische Karriere.

    Das schreibe ich nun schon seit vielen Jahren: Frühkindliche Förderung ist der Schlüssel zu Bildungserfolgen. Aber wir schonen lieber die Eltern vor angeblicher Diskriminierung und verteilen Beruhigungspillen in Form von Bürgergeld und Kindergrundsicherung.

    j) Mercedes begründet seine Abkehr von 50% eAutos in näherer Zukunft auch mit der durch die Politik (sprich: CDU und FDP) geschürten Unsicherheit.

    Hier zeigst Du eine bemerkenswerte opportunistische Seite. Vor zwei Wochen triumphierte noch CitizenK, dass Mercedes nur noch E-Autos bauen wolle. Als ich – unter anderem mit dem nun verlinkten Artikel – zeigte, dass Mercedes einen Kurswechsel bei seiner Modellpolitik vollzieht, hast Du das als Fake News gelabelt. Ein Insider habe Dir geflüstert, dass da nichts dran sei.

    Du mochtest nicht glauben, dass die geringe Nachfrage nach elektrisch betriebenen Luxuskarossen die Daimler-Manager zum Umdenken veranlasst hätten. Nun kassierst Du das ganz leise mit eben der gleichen Quelle. Aber nicht der Markt, nein, die Politik ist schuld, dass Mercedes keine E-Autos verkauft!

    In Stuttgart will man weitgehend nur noch Autos mit einem Listenpreis nahe des sechsstelligen Kaufpreises anbieten. Warum sollten bestens situierte Menschen ein kleines Vermögen für ein völlig unemotionales Produkt mit zahlreichen Einschränkungen ausgeben? Sicher, Tesla zeigt, dass es dafür einen Markt gibt. Der ist aber nicht unendlich groß.

    Es ist erkennbar, dass in den meisten Weltregionen noch lange Zeit der Verbrenner den Automarkt beherrschen wird – wenn es nicht eine andere Technologie gibt, die tatsächlich ein echtes Substitut ist. Wenn nach Jahren der Produktreife E-Autos immer noch mit fünfstelligen Förderbeträgen und Regulierungen in den Markt gedrückt werden müssen, dann kann das BEV einfach Kunden nicht überzeugen.

    P.S.: Schönen Gruß an Deinen „Insider“. Als Mitarbeiter von Mercedes sollte er besser häufiger die Wirtschaftsnachrichten lesen, damit er mitbekommt, was in seinem Unternehmen so läuft.

    • CitizenK 29. Mai 2024, 09:03

      „triumphierte noch CitizenK…“

      Nicht „triumphiert“ (seltsame Deutung9 , sondern: Einen Gesichtspunkt eingebracht, der mich selbst überrascht hat. Batterie-LKWs hatte ich nicht so schnell erwartet.
      Es ist dieser Stil, der Diskussionen mit Ihnen für mich so unergiebig macht, trotz Ihres großens Wissens und Formulierungskünste. Ich habe keine Aktien in der E-Auto-Debatte. Die Öko-Bilanz ist ja nicht eindeutig. Mich freut, dass sie nicht stinken und keine gesundheitsschädliche Abgase abgeben. Deshalb will ich mehr davon.

      • Stefan Pietsch 29. Mai 2024, 11:17

        Als erstes Grundsätzliches: Wir sind alle hier, um zu diskutieren. Das Wesenselement von Diskussionen ist der Austausch und das Fechten mit Argumenten. Es ist also ein Hin und Her. Sie setzen oft einen Trigger, ein Punkt, eine These, die zum Widerspruch einlädt. Das ist das Gute, egal ob Erwin, Thorsten oder ich, wir springen alle sofort drauf. Wir wollen mit Ihnen diskutieren. Doch je konfrontativer Ihr Punkt, desto weniger zeigen Sie Neigung, dies zu verteidigen, auszuführen, zu rechtfertigen. So unterschiedlich wir drei sind, die Reaktion ist von uns gleich. D.h. entweder wollen Sie genau das – oder Sie sollten Ihre Methode überdenken. Wie ein junges Mädchen mit super kurzem Rock und tiefen Ausschnitt direkt vor einem rumzutänzeln und dann „Nicht anfassen!“ zu erwidern, frustriert.

        Sie und Stefan machen die Verbreitung von E-Autos zu einer persönlichen Angelegenheit. Stefan überschlägt sich immer wieder über den Egoismus, Lobbyismus, Uneinsichtigkeit, die (große) Zweifel an der Verbreitung von BEVs zeigen. Jede Wachstumsmeldung ist ein Erfolg, an dem deutsche Unternehmen aus Borniertheit nicht teilhaben. Wer die Welt so sieht, löst automatisch Widerspruch aus.

        Autos stinken heute nicht mehr. Das hat sich als Argument verbraucht. Die Voraussetzung für Mobilität ist, dass der Reisende die Energie, die ihn antreiben soll, immer mit sich führt. Deswegen nutzen die Menschen jahrhundertelang Pferde und Kamele als Haupttransportmittel, da diese Tiere über große Kraftreserven verfügen. Das Auto mit Verbrennermotor zieht seine große Popularität aus seiner Eigenschaft, sehr viel Energie in kompakter Form mitführen zu können, die leicht nachgeladen werden kann.

        Ein Vehikel, welches das Auto mit Verbrennungsmotor ersetzen will, muss diese Eigenschaft mitbringen. Und ich muss nicht Physik studiert haben um zu erkennen, dass LKWs besonders viel Energie benötigen. Die Unart der Elektromobilitiät ist, dass die Größe der Batterie expotentiell mit der benötigten Energie wächst. Die Überzeugung, dass LKWs in wesentlichem Umfang mit Batterien versorgt werden können, ist da nicht weit verbreitet.

        Ich war schon großer Fan des Wasserstoffs, als die meisten, die heute über Klimawandel trompeten, noch nicht geboren waren. Das ist fraglos auch ein Problem. Aber: Ich habe es besonders leicht, auf ein E-Auto umzusteigen. Ich brauche nur zu sagen, ich will so ein Batterie-Ding haben, und bekomme in ein paar Wochen ein solches Auto gestellt. Doch das BEV kommt mit so vielen Einschränkungen daher, dass es für mich keine Alternative sein kann.

        Kunden, für die die Anschaffung eines Autos eine wesentlich zentralere Rolle spielt, überlegen sich noch mehr, ob ein E-Antrieb den gleichen Nutzen stiftet – und beantworten die Frage mehrheitlich mit Nein.

        Das gilt es als liberaler Mensch zu respektieren und als Entscheidungsträger zu analysieren. Genau das tun Sie und Stefan nicht. Sie setzen Ihre „Erfolgsmeldung“ ab und sind dann weg. Ich glaube, „triumphieren“ ist für diese Methode durchaus ein passendes Wort, oder nicht?

        • CitizenK 29. Mai 2024, 15:38

          Nein, immer noch nicht. Der Begriff macht doch nur Sinn, wenn man in Kategorien wie Gewinnen/Verlieren denkt.

          Der vollständige Übergang vom Verbrenner- zum E-Antrieb ist eine Frage, die ideologiefrei diskutiert werden könnte. Die kategorische Ankündigung von großen Unternehmen wie Daimler und Volvo hat mich wirklich überrascht. Solchen Entscheidungen gehen doch umfangreiche Marktanalysen voraus. Also haben die sich das gut überlegt, dachte ich.
          Auch „Weg-vom-Öl“ ist eigentlich keine ideologische Frage, sondern eine pragmatische, aus mehreren Gründen (Ökologie, Abhängigkeit, Endlichkeit, Chemie usw.).
          Ich hab nichts gegen Autos, es sind nur eben zu viele und vermindern dadurch die Lebensqualität in den Städten. Sie stinken zwar weniger als früher, aber gehen Sie mal an einer Hauptverkehrsstraße entlang – oder am Strand am Meer – schon ein einziges Auto nimmt die Seeluft weg.

          Verkehrslärm ist eine Seuche, eine Gefahr für die Gesundheit. Zwar sind die Motorengeräusche bei modernen PKW minimal (staunenswerte Entwicklung des „Explosionsmotors“), aber die Rollgeräusche und die der schweren Vehikel sind immer noch da.

          Überhaupt: Die Diskussion Pro und Contra „Auto an sich“ macht überhaupt keinen Sinn. Da ich keins habe (wg. Handicap, nicht wg. Öko), weiß ich genau, was alles ohne Auto nicht geht (Transport, Notfall, Urlaubs- und Ausflugsziele). Aber Städte in Italien, den Niederlanden und Dänemark machen doch vor, wie das zusammengeht.

          • Stefan Pietsch 29. Mai 2024, 16:49

            Der vollständige Übergang vom Verbrenner- zum E-Antrieb ist eine Frage, die ideologiefrei diskutiert werden könnte.

            Tut es aber nicht. Das liegt an den sehr komplexen Frontstellungen. Da sind politische Gruppen, die seit Jahrzehnten die Verbreitung des Individualverkehrs zurückdrängen möchten. Die Gründe dafür sind sehr unterschiedlich. Da ist insbesondere die deutsche Automobilindustrie, die wie jede Branche bei einem Technologiewechsel ihren gesamten technologischen Vorsprung verliert, der Milliarden wert ist. Da ist der chinesische Staat, der genau diesen technologischen Vorsprung mit der neuen Technologie Elektro kontern will. Da ist die französische Automobilindustrie, die zu den Bedingungen der EU-Regulierungen kaum profitabel Kleinfahrzeuge mit Verbrennungsmotor anbieten kann. Da sind andere Weltregionen, die zwingend auf PKWs zu günstigen Preisen angewiesen ist. Die EU hat einen Sonderweg beschritten. Aber in den USA, dem zweitwichtigsten Automarkt, geht man nicht mit.

            Die kategorische Ankündigung von großen Unternehmen wie Daimler und Volvo hat mich wirklich überrascht.

            Solche Großkonzerne sind eng mit der Politik verbandelt und stellen sich öffentlich nicht quer – weil sie es sich nicht leisten können. Im Gegenzug haben diese Konzerne die Zusage hoher Subventionen und Wettbewerbsregulierungen erhalten. Dieses kündigt die europäische Politik gerade auf. Der Deal droht zu platzen. Wenn Konzerne jedoch ihre Betriebsstätten verlagern und sich am Märkte uproad konzentrieren, werden ihre Vertreter konfrontativer zur Politik. Aktuelles Beispiel derzeit: BASF, die noch vor zwei Jahren die Energiewende positiv begleitete, jetzt aber, das Betriebsstätten verlagert werden, kein gutes Haar an der Politik lässt.

            Auch „Weg-vom-Öl“ ist eigentlich keine ideologische Frage, sondern eine pragmatische, aus mehreren Gründen (Ökologie, Abhängigkeit, Endlichkeit, Chemie usw.).

            Das ist nicht richtig. Es ist eine Frage des Marktes. Nur wenn global die Nachfrage nach Öl zurückgehen würde, träfe das zu. Wer das diskutieren will, sollte zuerst schauen, wie heute der Primärenergiebedarf gedeckt wird. Den Großteil bezieht Deutschland seit Jahrzehnten aus fossililen und atomaren Quellen. Das wird auch weiterhin so bleiben. Erneuerbare Energien und damit Strom werden nur einen Teil abdecken können. Wo bekommen wir den Rest her und aus welchen Quellen? Das Blut des Wohlstandes ist Energie. Wir drücken gerade die Blutzufuhr ab.

            Verkehrslärm ist eine Seuche, eine Gefahr für die Gesundheit. Zwar sind die Motorengeräusche bei modernen PKW minimal (staunenswerte Entwicklung des „Explosionsmotors“), aber die Rollgeräusche und die der schweren Vehikel sind immer noch da.

            Auch E-Autos verursachen Abrollgeräusche. Und es hat sich herausgestellt, dass völlig lautlose Fahrzeuge für die Verkehrssicherheit nicht gut sind. Die Idee von weniger Autos ist ein Traum mancher. Die meisten Menschen werden immer ein Auto benötigen. Beispiel: Gestern morgen sind wieder ein paar Züge ausgefallen und die Bahn beherrscht ganz offensichtlich die Geheimnisse digitaler Informationsweitergabe nicht. So musste ich meine Frau zum Zug fahren statt dass sie hätte laufen können. Ohne Auto wäre sie eine Stunde zu spät zur Arbeit gekommen, obwohl ihr Tagesablauf perfekt geplant war. Mit dem Auto passiert so eine Zeitverschwendung nicht.

            Am Abend gab es östlich von Frankfurt bei Hanau eine Vollsperrung des Zugverkehrs. Eine Fliegerbombe aus dem 2. Weltkrieg war wieder einmal entdeckt worden. Der gesamte öffentliche Verkehr zwischen Frankfurt und Fulda kam so über Stunden zum Erliegen – abends zur Zeit des Berufsverkehrs. Ich holte meine Frau aus Frankfurt Ost ab, wo unzählige Bahnkunden gestrandet waren, viele in purer Verzweiflung. Frauen weinten, weil sie nicht wussten, wie sie nach Hause kommen sollten.

            Eben ein ganz normaler Tag in Deutschland. Mit Auto passiert mir das nicht. Ja, in Städten geht es häufig ohne Auto – zu Lasten anderer. Wer z.B. bringt eigentlich den Einkauf nach Hause? Aber nur ein Teil der Bürger lebt in den Großstädten, wo man den Ausfall der S-Bahn auch mal per pedes oder Fahrrad bewältigen kann.

          • Erwin Gabriel 30. Mai 2024, 09:41

            @ CitizenK 29. Mai 2024, 15:38

            Der vollständige Übergang vom Verbrenner- zum E-Antrieb ist eine Frage, die ideologiefrei diskutiert werden könnte.

            Das sehe ich nicht ganz so simpel wie Du, da damit vieles zusammenhängt.
            • Fangen wir bei der Stromerzeugung an: Welche Strommengen würden gebraucht, um unseren gesamten Waren- und Personenverkehr auf Elektroantrieb umzustellen? Ich meine, zusätzlich zu Industriebedarf und privaten Heizungen etc.? Das ist der (einzige) Aspekt, der sich ideologiefrei diskutieren lässt.
            • Wo soll der herkommen? Nehmen wir mal eine nicht-scheinheilige Lösung an – „nur“ durch eigene Windkraft und Solarenergie. Geht nicht ohne erheblichen Flächenverbrauch plus erhebliche Eingriffe ins private Eigentum. Beides ist ideologiebehaftet.
            – Die Grünen möchten a) einserseits die natürliche Umwelt erhalten, b) andererseits den Klimawandel bekämpfen, jedoch c) ohne dass sich die grünen Wähler nennenswert einschränken müssen. Aktuell widersprechen sich diese Ziele ein Stück weit, wie man an der absurden Situation sehen kann, dass ökologisch getriebene Wähler einerseits fossile und nukleare Kraftwerke abschalten wollen, aber die zur Versorgung der Industrie mit Ökostrom notwendigen Stromtrassen zu blockieren trachten.
            – Eingriffe in das private Eigentum sind nicht nur rechtlich schwierig; sie sind auch teuer. Derzeit macht sich der Staat (und die meisten Nicht-Immobilienbesitzer) die Sache leicht, weil sie davon ausgehen, das Häusle- und Wohnungsbesitzer „reich genug“ sind, erforderliche umfassende Umbaukosten für Wärmepumpen-Heizung und Solar aufs Dach weitgehend selbst zu tragen. Ist nicht so.
            Dann unterliegen derartige Verbesserungen und Aufrüstungen einem erheblichen bürokratischen Aufwand. Nichts bremst derzeit die Sanierung bestehenden Wohnraums so sehr aus wie gesetzliche Vorgaben; der Staat denkt, wer „A“ sagt, muss auch „B“ sagen, und schreibt in weiten Bereichen den Umfang der Sanierungsarbeiten vor – mal nach und nach ein bisschen hier oder da ist in vielen Situationen nicht gestattet.
            – Dann steht dem gewünschten Ziel eine überbordende Bürokratie mit sich teilweise widersprechenden Vorschriften entgegen. Wenn ein Planungsverfahren für eine Windanlage mehrere Jahre dauert und von jedem Mistkäfer juristisch dagegen vorgegangen werden kann, wird das echt schwierig mit einem schnellen Klimawandel.

            Andere Hindernisse wie die Versorgung der ländlichen Bevölkerung, der zunehmende Fachkräftemangel (verstärkt durch zunehemnde Fremdenfeindlichkeit und juristische Hindernisse für zugewanderte, hier arbeiten zu dürfen), lassen wir mal außen vor, ehe es vollkommen ausufert, und kommen zum Auto.

            • Wir groß mag wohl der Bedarf an Elektrofahrzeugen sein? Derzeit sind in Deutschland über 60 Millionen Kraftfahrzeuge zugelassen. Bleiben wir höflich und nehmen mal an, dass davon 10% Elektroautos sind. Gehen wir weiter davon aus, dass aufgrund des Ausbaus des öffentlichen Personenverkehrs, der Auslagerung von Waren auf die Schiene etc. die Zahl der Fahrzeuge in absehbarer zeit auf die Hälfte reduziert wird. Dann hätten wir einen Anteil von 20 Prozent, was bedeutet, dass wir noch 80% aller Fahrzeuge durch e-Autos substituieren müssen – und wir reden hier nur von Deutschland, nicht von der EU oder gar dem Fahrzeugbedarf der restlichen Welt – oder wolltest Du den „vollständige Übergang vom Verbrenner- zum E-Antrieb“ nur in Deutschland haben, während sich der Rest der Welt weiter zugast?
            – Wie viele Akkus braucht man?
            – Wo kommen die Akkus her? Woher die Rohstoffe? Gibt es überhaupt genug?
            – Wenn ja, wie werden die abgebaut – ohne Zerstörung der Umwelt?
            – Von wem werden die abgebaut, und unter welchen Bedingungen (Lieferkettengesetz)? Ist das mal wieder Ausbeutung der dritten Welt (diesmal durch China)?
            – Abgesehen von der dafür erforderlichen zunehmenden Übersee-Logistik – wie entwickeln sich in einem solchen Markt die Preise für Komponenten und Autos, wo doch die Politik derzeit der Meinung ist, E-Autos müssten so billig werden, dass sich jeder, der einen Wagen kauft, sich ein E-Fahrzeug leisten kann?
            Auch hier lassen wir mal das steigende Unwohlsein aufgrund immer wieder abfackelnder E-Autos, die Umwelt-Problematik mit verbrauchten und sehr giftigen Akkus (all das samt dazugehöriger Kosten) etc. beiseite, und fragen noch mal nach, was Du hier „ideologiefrei“ diskutieren möchtest?

            Die kategorische Ankündigung von großen Unternehmen wie Daimler und Volvo hat mich wirklich überrascht. Solchen Entscheidungen gehen doch umfangreiche Marktanalysen voraus. Also haben die sich das gut überlegt, dachte ich.

            Jein. Teil der Analysen sind gesetzliche Vorgaben und Förderungen, die der Staat gerade mächtig verändert hat. Die Marktanalysen von vor drei Jahren sind heute nichts mehr wert. Möchte nicht wissen, wie viel Geld die deutschen Autoproduzenten in den Sand gesetzt haben bei diesem Versuch.

            … weiß ich genau, was alles ohne Auto nicht geht (Transport, Notfall, Urlaubs- und Ausflugsziele).

            Dann solltest Du auch verstehen, was ohne Auto alles nicht geht.

            Nicht falsch verstehen: Ich kann die Einstellung „ohne Autos wäre einiges besser“ durchaus nachvollziehen, selbst wenn es in Deinem Falle darauf hinaus läuft, dass andere sich einschränken sollen, damit Du mehr Bequemlichkeit etc. hast.

            Unsere Gesellschaft ist, wie sie ist, und viele Aspekte bedingen einander. Individuelle Mobilität für unsere Bevölkerung lässt sich derzeit nicht ohne Auto leisten, und diese Autos bedingen Straßen und (derzeit noch) Verbrennungsmotoren. Wer diese Situation ändern will, muss den Preis dafür bezahlen – nicht nur in Euro, sondern gegebenenfalls auch durch sinkenden Lebensstandard, weiter zerstörte Umwelt, sinkende individuelle (Entscheidungs-)Freiheit, schlechtere Leistungen in vielen Bereichen etc. Wie viele Umfragen zeigen, ist die Bereitschaft dazu durchaus da – solange die Einschränkungen andere betreffen.

            Über all das lässt sich reden – nur nicht ideologiefrei.

            • CitizenK 30. Mai 2024, 10:37

              „dass andere sich einschränken sollen, damit Du mehr Bequemlichkeit etc. hast.“

              Es ist doch umgekehrt: Ich muss verpestete Luft atmen und mich über mehrspurige Schnellstraßen in der Stadt quälen, ein noch löchriges ÖPNV-System akzeptieren, damit andere bequem vorwärts kommen. Wir sollten das nicht auf der persönlichen Ebene verhandeln.

              Die vielen von Dir vorgebrachten Gesichtspunkte sind doch sachlicher Art. Die meisten auch aus meiner Sicht bdenkenswert. Über die Bewertung und Abwägung soll man streiten. Dazu braucht es keine Ideologie.

              Schon vor Monaten (im eAuto-Hype) habe ich hier gefragt: Wer wird die Autos bauen für die Weltgegenden ohne entsprechende Infrastruktur, wenn die Deutschen da ganz auf Elektro setzen? Jetzt macht sich Ernüchterung breit und es wird wohl korrigiert. Wahrscheinlich mit hohen Kosten für die ganze Gesellschaft. So viel zum Dauerbrenner: „Kluge/vernünftige Privatwirtschaft vs. dummer/idelogischer Staat.“ DAS ist Ideolgie.

              Zur Atomdebatte: Der Ausstieg wurde u. a. mit Gefahren der Endlagerung begründet:
              https://www.faz.net/aktuell/wissen/forschung-politik/atommuellendlager-droht-eine-ueberflutung-der-asse-19736832.html
              Auch das eine Frage unterschiedlicher Bewertungen und Risiko-Einschätzungen. Der Vorwurf Abschaltung „aus purer Ideologie“ geht fehl.

              • Stefan Pietsch 30. Mai 2024, 11:36

                „Kluge/vernünftige Privatwirtschaft vs. dummer/idelogischer Staat.“

                Sie halten ernsthaft ein paar Schnösel ohne Berufsausbildung und Dauerstudium für kompetenter als Menschen, die in verschiedenen Weltgegenden Projekte mit international zusammengesetzten Teams geleitet haben? Ich kann jedenfalls über die meisten Einlassungen der meisten SPD- und Grünenpolitiker zu wirtschafts- und finanzpolitischen Themen nur ob deren blanker Inkompetenz und Ahnungslosigkeit den Kopf schütteln und verzweifeln. Bis in die Parteispitzen werden nicht einmal die Grundrechenarten beherrscht.

              • Erwin Gabriel 2. Juni 2024, 13:00

                @ CitizenK 30. Mai 2024, 10:37

                Es ist doch umgekehrt: Ich muss verpestete Luft atmen …

                Die ist dank deutlich zunehmender Entgiftungsleistung DEUTLICH weniger „verpestet“ als vor 10 oder 20 Jahren.

                … und mich über mehrspurige Schnellstraßen in der Stadt quälen, …

                Sag ich doch, dass es um Deine Bequemlichkeit geht – Du bist in diesem Fall Teil des Problems 🙂 .

                … ein noch löchriges ÖPNV-System akzeptieren, damit andere bequem vorwärts kommen.

                Die Kausalität läuft anders herum: Der ÖPNV ist nicht „löchrig“, weil so viele Autos unterwegs sind; die Leute fahren im privaten PKW, weil die Busse nicht wie benötigt fahren.

                Die vielen von Dir vorgebrachten Gesichtspunkte sind doch sachlicher Art.

                Über die Bewertung und Abwägung soll man streiten. Dazu braucht es keine Ideologie.

                Eher faktischer Art; de Fakten werden aber je nach ideologischer Grundeinstellung unterschiedlich (bzw. teilweise gar nicht) bewertet – etwa im Bereich der zum Antrieb benötigten Hochleistungs-Akkus und der zu ihrer Herstellung benötigten Rohstoffe.

                So viel zum Dauerbrenner: „Kluge/vernünftige Privatwirtschaft vs. dummer/idelogischer Staat.“ DAS ist Ideolgie.

                Natürlich ist der Staat nicht immer dumm und ideologisch, und die Privatwirtschaft nicht immer klug und vernünftig. Aber die Privatwirtschaft orientiert sich in der Regel an Kriterien wie Effizienz und versucht, machbare Ziele in einem zeitlich und finanziell überschaubaren Rahmen zu realisieren. Genau das tut die Politik in der Regel nicht. Effizienz ist praktisch nie eine Vorgabe, und „große“ Entscheidungen wie die Energiewende oder die Flüchtlingspolitik wurde ohne Rücksicht auf Kosten und Dauer ideologisch entschieden; auch die aktuelle Blockade im Wohnungsbau ist in erster Linie auf ideologische Entscheidungen zurückzuführen.

                Zum Atomausstieg: Der hatte wohl weniger mit Fukushima als mit der drohenden Wahlniederlage des damaligen baden-württembergischen CDU-Ministerpräsidenten Stefan Mappus zu tun, der illegal Steuergelder dazu verwendet hatte, das Land beim (Atom-)Stromkonzern EnBW einzukaufen. Fukushima war ein nicht auf Fakten basierender Vorwand, den die mehrheitlich gegen Atomkraft eingestellte Bevölkerung dankbar akzeptierte.

            • Stefan Sasse 31. Mai 2024, 09:23

              Ich sehe das alles völlig. Was mich wahnsinnig macht ist dass es nicht diskutiert wird. 🙁

  • Erwin Gabriel 28. Mai 2024, 19:01

    @ Stefan Sasse

    c) Sitzenbleiben kann sich das Land nicht leisten.

    Wo kommt denn auf einmal diese bahnbrechende Erkenntnis her? Das unser Bildungssystem den wirtschaftlichen Erfolg für die Schulgänger festschreibt, die aus gut situierten Familen stammen, und die Abkömmlinge weniger begüterter Familien ausgrenzt, wird doch bereits hier im Blog seit fast zehn Jahren diskutiert.

    Na gut – die Notwendigkeit, gerade bei sozial und finanziell schwachen schon früh und ausgiebig zu fördern, leuchtet bislang auch hier im Forum nicht jedem ein; einige wollen lieber warten, bis die Kinder erwachsen und gescheitert sind, um sie dann besser versorgen zu können. Aber das Thema selbst ist doch ein recht alter Hut. Warum erregt es gerade jetzt Deine Aufmerksamkeit?

    • Thorsten Haupts 28. Mai 2024, 22:23

      … wird doch bereits hier im Blog seit fast zehn Jahren diskutiert.

      Und unter bildungspolitisch Interessierten noch mal 20 Jahre länger. Ein vollständig folgenloser Dauerbrenner.

      • Erwin Gabriel 29. Mai 2024, 09:09

        @ Thorsten Haupts 28. Mai 2024, 22:23

        [… wird doch bereits hier im Blog seit fast zehn Jahren diskutiert.]

        Und unter bildungspolitisch Interessierten noch mal 20 Jahre länger. Ein vollständig folgenloser Dauerbrenner.

        Ich weiß; bewegt mich, seitgem ich schulplichtige Kinder hatte, also gut 30 Jahre. Wollte als Maßstab den Blog nehmen, da bin ich erst seit 2015.

        • CitizenK 29. Mai 2024, 15:01

          Frühkindliche Förderung bedeutet doch aber: Kita-Pflicht? Es waren aber vor allem Konservative, die das ablehnten. Weil sozialistisch, wie in der DDR. Und weil kleine Kinder ihre Mutter (Psychologen: Bezugsperson) brauchen.

          • Erwin Gabriel 29. Mai 2024, 20:48

            @ CitizenK 29. Mai 2024, 15:01

            Es waren aber vor allem Konservative, die das ablehnten.

            Hallo Citizen,

            Da sind die üblichen hier vertretenen „Konservaytiven“ aber anderer Meinung. Wir ärgern uns seit Jahren, welche Energie die (oft linken) Parteien darauf verwenden, gescheiterte Menschen zu versorgen, anstatt ihnen die Chancen zu geben, auf eigenen Beinen zu stehen.

            • CitizenK 30. Mai 2024, 10:05

              Eine Kita-Pflicht (also ab 3) wäre ein noch stärkerer Eingriff in das Elternrecht als die Schulpflicht.
              Konservative und Liberale gehen doch von der Eigenverantwortung aus, wollen keinen übergriffigen Nanny-Staat. Bürger (Eltern sind Bürger) wissen besser als Staatsdiener, was gut ist für ihre Kinder.

              Die FDP in BW fordert die verbindliche Grundschulempfehlung. Ein Eingriff in die Eigenverantwortung der Eltern. „Linke“ (auch ich) finden das richtig. Ist aber ein Verstoß gegen die konservativ-liberale Weltsicht. Was zeigt, dass mit dieser Ideologie etwas nicht stimmt.

          • Stefan Pietsch 29. Mai 2024, 21:16

            1. Deutschland hat nicht die Ressourcen für eine allgemeine Kindergartenpflicht.
            2. Es gibt bei 2/3 der Kinder im Vorschulalter kein Problem. Warum Steuergeld für ein Problem aufwenden, das nicht existiert?

            • Stefan Sasse 30. Mai 2024, 09:33

              Lösen wir erstmal Problem Nummer 1: Wir haben nicht mal genug Ressourcen für ein KindergartenRECHT.

              • Stefan Pietsch 30. Mai 2024, 10:47

                Die argumentierst wie die HR-Managerin, die auf die Feststellung, Umsatz und Ergebnisse würden nicht zur Deckung der Personalkosten reichen, vorschlägt, doch Umsatz und Ergebnis zu steigern.

                Ich stelle fest, Du möchtest nicht, dass alte Menschen ausreichend gepflegt werden. Wir haben einen enormen Pflegebedarf, aber nicht das Personal.

                In Frankfurt liegt die Fehlquote in den Kitas bei zwischen 30 und 50 Prozent, in den Wintermonaten noch höher. Kein Unternehmen könnte bei solchen Zahlen einen normalen Betrieb aufrecht erhalten. Können natürlich auch die Frankfurter Sozialbetriebe nicht. Deswegen tun sie, was ihnen von Gesetzwegen untersagt ist – aber der Staat verklagt sich ja nicht selbst: Die Einrichtungen arbeiten mit einer hohen Quote an ungelerntem Personal. Zuletzt wurde in einer der renommiertesten Einrichtungen mit solventen Eltern der Hausmeister (sic!, kein Witz) und die Personalleiterin zum Dienst am Kinde herangezogen.

                Es sollte eigentlich Allgemeinwissen sein: Die Kitas kommen heute schon nicht annähernd mit dem Rechtsanspruch auf eine allgemeine Betreuung hin – und das, obwohl die Anzahl der Erzieher in den letzten 20 Jahren deutlich zugenommen hat. Dazu kommt das Ungleichgewicht bei den Bildungsschichten: Kinder aus gebildeten Elternhäusern sind meistens Kindergartengänger, obwohl sie es am wenigsten nötig haben. Was willst Du da mit einer Kindergartenpflicht bewirken?? Jede Einrichtung ist froh (!), wenn solche Kinder nicht angemeldet werden. Wie gehabt geht es Linken immer nur um die Eltern – wie beim Bürgergeld und der Kindergrundsicherung. Die Kinder sind Linken völlig egal, aber die Eltern sollen ob ihrer bildungstechnisch zurückgebliebenen Gören nicht stigmatisiert werden.

                Warum kannst Du Dich nicht zu der Ansicht durchringen, mit den vorhandenen Ressourcen smarter arbeiten zu wollen? Ich versteh's echt nicht.

                • Stefan Sasse 31. Mai 2024, 09:34

                  Ja aber das kritisiere ich doch…? Es fehlt das Personal. Und deswegen klappt nicht mal der Rechtsanspruch; eine Pflicht ist völlig utopisch. Ich argumentiere doch gar nicht für eine…?

                  • Stefan Pietsch 31. Mai 2024, 12:51

                    Du sagst, so lese ich Dich: Wir sollten erstmal für genügend Personal sorgen. Ich lese nicht: Wir sollten die Zahl der Erzieher weitgehend als gegeben annehmen und versuchen, sie möglichst zielgerichtet einzusetzen – welche Ziele wir auch immer definieren.

              • Stefan Pietsch 30. Mai 2024, 10:50

                Wer soll eigentlich die Arbeit leisten? Der Kindergartenanspruch geht auf ganztägig, doch Du siehst ja große Vorteile bei der Teilzeitarbeit. Sie sei wesentlich produktiver. Doch Teilzeitkräfte arbeiten meist vormittags und an Freitagen nicht. Wer bleibt bei dem Kind, wenn es wiedermal nicht um 5 sondern erst um 6 abgeholt wird? Das, Stefan, sind die wenigen Vollzeitkräfte.

                Du argumentierst das wohlfeil. Reduzierte Arbeitszeit für die Klugen, Vollzeit mit Überstunden für die Dummen – und das ist nicht intellektuell gemeint.

                • Stefan Sasse 31. Mai 2024, 09:35

                  Auch hier ist mir völlig unklar was du denkst dass mein Argument wäre.

                  • Stefan Pietsch 31. Mai 2024, 12:49

                    Du argumentierst seit langem für eine sehr reduzierte Arbeitszeit, weil diese einerseits von den Arbeitnehmern produktiver genutzt werden könne und andererseits ihnen mehr Zeit für Privates bliebe.

                    Das passt jedoch nicht zu Deiner anderen politischen Position, dass die staatliche Kinderbetreuung ausgebaut werden solle. Und auch die Logik erschließt sich mir nicht: Wenn die Menschen aufgrund verringerter Arbeitszeit mehr Gelegenheit für familiäre Angelegenheiten haben, warum sollen Kinder dann länger in Kitas gehen?

        • Stefan Sasse 29. Mai 2024, 19:55

          Danke für deine Treue 🙂

  • Lemmy Caution 28. Mai 2024, 19:18

    4) Vielen Deutschen ist nicht bewußt, dass die USA mit einem deutlich verändertem Welt-Handelsregime unter einem Präsidenten Trump viel besser leben können als wir mit unserer Exportwirtschaft und einem dann deutlich eigensinnigerem Frankreich unter Le Pen. Eine solche Regierung wird dann Europa à la carte einfordern und auch versuchen, mit dem Putler wieder so richtig ins Geschäft zu kommen.
    Die USA ist das autarkste Land der Welt. Die fördern massiv Bodenschätze. Hier kannst Du nicht mal oberirdische Stromleitungen verlegen. Die wokies lieben „Reflektionen“ über den pöhsen Extravismus und Konservative laufen zum Anwalt, wenn gefühlt 5km von ihrem Garten ein Windrad aufgestellt wird.

    • Stefan Sasse 29. Mai 2024, 19:53

      Yes!

    • Dennis 30. Mai 2024, 08:32

      Zitat L.C. :
      „Eine solche Regierung wird dann Europa à la carte einfordern und auch versuchen, mit dem Putler wieder so richtig ins Geschäft zu kommen.“

      Hierzu ein schmutziges Geheimnis (jetzt hier verraten^) : Die Deutsche politische Klasse will das auch, und zwar beides, auch wenn anders dahergeredet wird. Scholz ist schlicht und ergreifend europafeindlich und insoweit nicht der einzige, namentlich in seiner Partei. Europa als politisches Projekt war schon mal viiiiel weiter. Der Zug steht mittlerweile reparaturbedürftig auf dem Abstellgleis und die meisten in der politischen Klasse finden das offenbar richtig gut. Die Generationen Kohl und die davor sind nicht nur physisch tot.

      Das weiß auch der Putler und dessen Dekadenztheorie ist durchaus nicht völlig unbegründet. Scholz und Macron jeweils an Putins Riesentisch kurz vor der Invasion hat den Herrn P. offenbar in der Auffassung bestärkt: Von diesen Hanswursten droht keine Gefahr. Die Gefahr kam dann unerwartet aus der Ukraine selbst, was den Herren M und S wohl gar nicht gefallen hat, aber die konnten dann ja nicht mehr offen den Putin streicheln, obwohl sie das vermutlich am liebsten gemacht hätten.

      Macron hat mittlerweile eine Lernkurve hingelegt, Scholz eher weniger^.

      Zitat:
      „Die wokies lieben „Reflektionen“ über den pöhsen Extravismus und Konservative laufen zum Anwalt, wenn gefühlt 5km von ihrem Garten ein Windrad aufgestellt wird.“

      Is wohl so. Bestätigt Ps Dekadenztheorie. Allerdings zahlt auch der Putler Preise. Er hat sich notgedrungen mittlerweile vollständig von den Chinesen abhängig gemacht. Selten wurde ein Vasall, der jetzt im chinesischen Orbit kreist, so billig eingekauft. Ob das den russischen Nationalisten auf die Dauer gefällt, wird sich noch zeigen. Die Kinesen erkennen niemanden als auch nur einigermaßen gleichwertig an.

      • CitizenK 30. Mai 2024, 09:49

        „Hanswursten“ ist nicht fair. Den Krieg verhindern zu wollen war wohl naiv, aber nicht unehrenhaft. Alles versucht zu haben ist ein Argument gegen die Wagenknechte.
        Nicht abwehrbereit (Pistorius hätte besser diesen Begriff verwendet) ist nicht gleich „dekadent“. Ich frage mich allerdings, ob die Art und Weise, in der unsere Schwachstellen öffentlich ausgestellt werden, noch Ausweis demokratischer Stärke sind.
        Wenn man davon ausgeht, dass die Ukraine auch unsere Freiheit verteidigt (fast alle) und P. dort nicht haltmachen wird (viele), erscheint mir der Umgang mit Finanzen (Haushalt) und Reichweiten einigermaßen bizarr.

        • Thorsten Haupts 2. Juni 2024, 13:14

          Ihr letzter Absatz – verallgemeinert und abstrahiert – fasst übrigens sehr gut einen der Treiber für „Politikverdrossenheit“ zusammen:

          Man betont die Massivität eines Problems und beschliesst danach Massnahmen, die in einem krassen Missverhältnis zu dieser behaupteten Grösse stehen.

  • cimourdain 29. Mai 2024, 17:17

    i) Ok, ein Politiker macht einen unreflektierten Post zu einem „heißen“ Thema, ein anderer antwortet noch etwas unreflektierter und auch hier gibt es ein fröhliches race to the bottom.
    Also bitte alle mitschreiben, was eigentlich sein sollte: Der IStGH befasst sich mit Personen, die a) schwere Kriegsverbrechen verantworten und die b) nicht von nationalen Gerichten deswegen belangt werden. Ob Auto- oder Demokrat, schwarz, weiß, Politiker, Militär, Terrorist, Christ oder Moslem sollte da unerheblich sein.
    Aber wie sieht die Wirklichkeit aus? Alle bisher erfolgreichen ICC Verfahren betreffen afrikanische Akteure, auch aus der Präsidialdemokratie Kenia. Die Haftbefehle gegen (weiße) russische Politiker (einschließlich des autokratischen Präsidenten) wurden in Sache Ukraine erlassen. Ermittlungen gegen UK-Militär im Irak wurden beendet mit Verweis auf die Möglichkeit, dass sich britische Gerichte dieser annehmen. Meines Wissens gab es keine diesbezüglichen Aktivitäten. Die Ermittlungen gegen Angehörige des US-Militärs in Afghanistan führten zu US-Sanktionen gegen den ICC, die Ermittlerin Fatou Bensouda und deren Mitarbeiter durch die Trump-Administration. Bensouda trat zurück, das Verfahren wurde nicht weiter verfolgt.

  • CitizenK 29. Mai 2024, 22:15

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