Michel Friedmann kämpft für einen Mindestlohn für Künstler*innen und gegen Präsentismus in der Kirche – Vermischtes 15.02.2024

Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Die „Fundstücke“ werden mit einem Abschnitt des Textes, der paraphrasiert wurde, angeteasert. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels empfohlen; ich übernehme keine Garantie für die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Zusammenfassungen. Für den Bezug in den Kommentaren sind die einzelnen Teile durchnummeriert; bitte zwecks der Übersichtlichkeit daran halten. Dazu gibt es die „Resterampe“, in der ich nur kurz auf etwas verweise, das ich zwar bemerkenswert fand, aber zu dem ich keinen größeren Kommentar abgeben kann oder will. Auch diese ist geordnet (mit Buchstaben), so dass man sie gegebenenfalls in den Kommentaren referieren kann. Alle Beiträge sind üblicherweise in der Reihenfolge aufgenommen, in der ich auf sie aufmerksam wurde.

Fundstücke

1) »Hätten wir unsere Hausaufgaben gemacht, würde jetzt nicht so ein brutaler Judenhass wuchern« (Interview mit Michael Friedman)

Michel Friedman, Jahrgang 1956 und ehemaliger stellvertretender Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland, äußert sich in einem Interview mit dem SPIEGEL kritisch zur Erinnerungskultur in Deutschland, insbesondere zum Holocaust-Gedenktag. Er betont, dass dieser Tag erst 1996 etabliert wurde, was die Verdrängung und Ablehnung der Erinnerungskultur im Land widerspiegelt. Friedman hebt hervor, dass viele junge Menschen heute nicht mehr wissen, was Auschwitz war, was für ihn ein Anzeichen mangelnden Bewusstseins und fehlender Auseinandersetzung mit dem Thema ist. Er kritisiert, dass die Erinnerungskultur in Deutschland hauptsächlich auf die Opfer fokussiert ist, ohne die Täter und deren Familien mit einzubeziehen. Friedman sieht in der Aufarbeitung der eigenen Familiengeschichte während der NS-Zeit einen wichtigen Schritt zur Verankerung einer wirksamen Erinnerungskultur. Trotz der vielfältigen Bemühungen um Gedenkstätten, Mahnmale und politische Bildung in Deutschland, sieht Friedman Defizite in der emotionalen Identifikation und Auseinandersetzung der Einzelnen mit der Thematik. Er betont, dass der Fokus nicht nur auf den toten, sondern auch auf den lebenden Juden liegen sollte, deren Leben in Deutschland aktuell durch Antisemitismus erschwert wird. Friedman spricht sich für eine aktive und breite Teilnahme am demokratischen Prozess aus, um rechtsextremen und menschenfeindlichen Bewegungen entgegenzutreten. Er sieht in der aktuellen politischen Lage Parallelen zu den Anfängen der NSDAP und betont die Gefährlichkeit von Parteien wie der AfD, die menschenverachtende und antisemitische Ideologien verbreiten. (Jonas Breng, Spiegel)

Michel Friedmann hat gerade generell viele kluge Dinge zu Antisemitismus in Deutschland zu sagen und wird viel interviewt, daher die Empfehlung, sich da mal umzutun. Ich will aus diesem Interview vor allem einen Punkt herausgreifen: die Gleichsetzung von Juden und Israel. Dass jüdische Deutsche sich ständig quasi als Botschafter*innen für die Regierung Netanyahu betätigen müssen, ist ein echtes Problem. Es ist auch nicht dasselbe wie wenn ich als Expat in einem anderen Land zur deutschen Politik befragt würde; da wäre ich ja immer noch deutscher Staatsbürger. In diesem Fall wird aber Religion mit Nationalität gleichgesetzt. Ein ähnliches Phänomen gibt es auch für Muslime, die sich immer kollektiv verantworten müssen, zuletzt ironischerweise ebenfalls im Zusammenhang mit den Ereignissen vom 7. Oktober. Es wäre echt wichtig, das zu lassen, weil es diese Menschen ausgrenzt. Auch, wenn man es positiv meint.

2) Gesetzlicher Mindestlohn zeigt positive Wirkung

Laut einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) ist der Niedriglohnsektor in Deutschland deutlich geschrumpft. Im Jahr 2022 waren etwa 15,2 Prozent der Beschäftigten in diesem Bereich tätig, während es 2007 noch 23,5 Prozent waren. Als wesentlicher Grund für den Rückgang wird die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns im Jahr 2015 und dessen schrittweise Erhöhung angeführt. Die Studie zeigt auch, dass der Bruttostundenlohn insgesamt inflationsbereinigt um 16,5 Prozent zwischen 1995 und 2021 gestiegen ist. Allerdings war der Anstieg im untersten Lohndezil mit etwa sechs Prozent am geringsten. Im Gegensatz dazu stiegen die Löhne in den oberen Lohngruppen um etwa 20 Prozent. Interessanterweise hat sich die Einkommensungleichheit in Deutschland trotz des Schrumpfens des Niedriglohnsektors erhöht. Die obersten zehn Prozent der Einkommensbezieher verzeichneten eine Steigerung von 50 Prozent, während die untersten zehn Prozent nur eine Steigerung von vier Prozent erzielten. Das DIW empfiehlt weitere politische Maßnahmen, um diese Ungleichheit zu verringern. Dazu gehört eine verbesserte Integration von Zugewanderten in den Arbeitsmarkt und gezielte Qualifizierungsmaßnahmen für junge Erwachsene ohne beruflichen Bildungsabschluss. Dennoch sei die Ungleichheit der Haushaltsnettoeinkommen in Deutschland im internationalen Vergleich eher gering. (Tagesschau)

Ich will zuerst auf die Geschichte der Ungleichheit eingehen: der ständige Streit darüber, ob diese tatsächlich zunimmt, ist mir mittlerweile echt über. Ich kann das als Laie nicht beurteilen, und ich höre einerseits ständig von Expert*innen die Behauptung, dass die Ungleichheit zugenommen habe, während andere Expert*innen genau das bestreiten. Letztlich suchen sich alle dann immer die These aus, die am besten in ihr Weltbild passt. Für Linke und Progressive nimmt die Ungleichheit natürlich zu, für Liberale und Konservative tut sie es nicht. Am Ende haben wir keinerlei Konsens, über was wir eigentlich reden, was den Streit so wahnsinnig unfruchtbar macht.

Im Gegensatz dazu scheint mir beim Thema Mindestlohn die Empirie mittlerweile erdrückend zu sein: das Ding hat positive Effekte, hat weitgehend seine Ziele erfüllt und die meisten der befürchteten Nebenwirkungen sind nicht eingetreten. Hier hatten die progressiven Ökonom*innen schlicht Recht.

3) Röchel, röchel, Ruhe!

Die Diskussion um den Krankenstand in Deutschland zeigt auf, dass eine neue Achtsamkeit in Bezug auf Gesundheit am Arbeitsplatz entstanden ist. Eine Studie des DIW belegt, dass der Niedriglohnsektor geschrumpft ist, dennoch nimmt die Einkommensungleichheit zu. Gleichzeitig hat die Techniker Krankenkasse festgestellt, dass 46 Prozent der Befragten auch dann von zu Hause arbeiten, wenn sie krank sind. Dieses Phänomen des „Präsentismus“, bei dem Arbeitnehmer trotz Krankheit arbeiten, führt nicht nur zu einer Verbreitung von Krankheiten am Arbeitsplatz, sondern kann auch die Genesung verzögern und langfristig die Produktivität mindern. Die Studie des DIW und die Analyse der DAK zeigen, dass der Anstieg von Krankheitstagen auch auf psychische Erkrankungen zurückzuführen ist, deren Fehltage in den letzten Jahren deutlich zugenommen haben. Diese Erkenntnisse werfen wichtige Fragen auf, etwa warum viele Menschen sich ausgelaugt fühlen und welche Maßnahmen ergriffen werden können, um die Gesundheit der Beschäftigten zu schützen und zu fördern. Die Forderung nach einem „Ranklotzen“ unter Missachtung der eigenen Gesundheit ist nicht nur veraltet, sondern kann auch kontraproduktiv sein. Die Pandemie hat gezeigt, wie wichtig es ist, achtsam mit der eigenen Gesundheit und der Gesundheit anderer umzugehen. Unternehmen und Politik sind gefordert, Rahmenbedingungen zu schaffen, die es Arbeitnehmern ermöglichen, sich bei Krankheit auszukurieren, ohne Angst vor finanziellen Einbußen oder Jobverlust haben zu müssen. Die Erkenntnis, dass ein gesunder Mitarbeiter produktiver ist und langfristig zum Erfolg des Unternehmens beiträgt, sollte in der heutigen Arbeitswelt eine Selbstverständlichkeit sein. Die Förderung der Gesundheit am Arbeitsplatz und eine Kultur, die es erlaubt, sich bei Bedarf krankzumelden, sind daher wichtige Bausteine für eine zukunftsfähige und humane Arbeitswelt. (Markus Sutera, Spiegel)

Die Kolumne, auf die Sutera sich bezieht, war tatsächlich völlig beknackt. Das Wehklagen über angebliche Verweichlichung ist und bleibt falsch, wenngleich dabei auch ein guter Teil normativer Setzung dabei ist: sich nicht vollständig zu ruinieren und Raubbau am eigenen Körper zu betreiben ist keine Schwäche, sondern ein Fortschritt. Präsentismus ist ohnehin eine der beknacktesten und nicht totzukriegenden Instinkte in den meisten Institutionen, besonders aber in der Wirtschaft: wer länger da ist, arbeite offensichtlich auch mehr. Das ist schon immer Quatsch, und man muss nur die Produktivität vergleichen: Deutsche arbeiten wesentlich weniger Stunden als Brit*innen oder Amerikaner*innen, und dennoch sind sie produktiver. Der Kult der Anwesenheit gehört auf den Müllhaufen, aber die Kontrollsucht der Entscheider*innen steht dem im Wege und ist kontraproduktiv.

4) Die Gewalt von Männlichkeiten

Die unlängst vorgestellte Missbrauchsstudie der Evangelischen Kirche (EKD) offenbart erschütternde Details und zeigt, dass das Problem der sexualisierten Gewalt in der evangelischen Kirche ähnlich gravierend ist wie in der katholischen. Trotz unterschiedlicher Kirchenstrukturen – die evangelische Kirche zeichnet sich durch demokratische Verfasstheit und flache Hierarchien aus – deutet das Ergebnis der Studie darauf hin, dass das Ausmaß des Missbrauchs in beiden Kirchen ähnlich ist. Dies wirft Fragen auf, insbesondere da die evangelische Kirche Frauen den Zugang zu geistlichen Ämtern ermöglicht und keine Zölibatspflicht besteht. Dennoch waren 99,6 Prozent der Beschuldigten männlich, was den Missbrauch als vorrangig männliches Phänomen kennzeichnet und somit als gesamtgesellschaftliches Problem herausstellt. Die Studie legt nahe, dass nicht die kirchlichen Machtstrukturen allein für den Missbrauch verantwortlich sind, sondern vielmehr das Sexualverhalten der Männer. Besonders in Situationen, in denen formales Amtsverständnis und informelle Privatheit verschwimmen, wird die Grenzziehung für Jugendliche schwierig. Die Kirche bietet zwar einen Raum für Anerkennung und informelle Nahbeziehungen, was aber auch zum Problem werden kann. Die Studie regt an, das komplexe Verhältnis von Männlichkeitsphantasien, charismatischer Pastoralmacht, informeller Vertrautheit und autoritären Machtstrukturen weiter zu erforschen. Sie könnte einen gesamtgesellschaftlichen Anstoß geben, um besser zu verstehen, wie mit männlicher Macht umgegangen wird und wie der Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexualisierter Gewalt verbessert werden kann. Dabei wird auch kritisiert, dass die Kirchen zwar bei der Aufarbeitung vorangegangen sind, aber eine umfassende historische Kontextualisierung und Verbesserung der Datenbasis für eine tiefgreifendere Analyse noch ausstehen. (Detlef Pollack, FAZ)

Ich finde es wichtig, dass die Kirchen nicht besonders hervorgehobene Pfuhle des Kindesmissbrauchs sind. Die These, dass sie nur besonders gut aufarbeiten würden, ist gerade kontraintuitiv genug, um plausibel zu sein. Es macht Sinn, dass es vor allem eine Frage von Gelegenheit ist: Missbrauch erfordert Machtstrukturen, die missbraucht werden können, und wenig überraschend finden sie sich vor allem im sozialen und edukativen Bereich. Ich habe schon früher immer wieder gesagt, dass es wenig überraschend ist, dass unter Lehrkräften mehr Pädophile und unter Feuerwehrleuten mehr Pyromanen zu finden sind: die Leute tendieren ja zu Umgebungen, in denen sie ihre jeweiligen Triebe ausleben können. Leute mit starker Initiative sind ja auch weniger im Öffentlichen Dienst unterwegs, während Leute mit philantropischer Neigung eher nicht die Vorstandsetagen bevölkern, und so weiter. Das bedauerliche an den Ergebnissen ist, dass es Männer als Geschlecht besonders hervorhebt. Das kann eigentlich wenig überraschen, ist es doch bei Sexualstraftaten generell so. Traurig ist es dennoch. Liegt das daran, dass Männer immer noch wesentlich in Positionen überrepräsentiert sind, in denen das Missbrauchspotenzial besteht? Das mag für die Kirchen (offensichtlich) noch angehen, aber zumindest im Bildungssektor trifft es offensichtlich nicht zu. Was also ist es, dass Männer dafür so prädestiniert?

5) Was auf dem Spiel steht – Über den Untergang des Kulturjournalismus

Die jüngste Einstellung des Musikmagazins Pitchfork und dessen Eingliederung in das Männermagazin GQ markiert einen weiteren Schritt im Niedergang des Kulturjournalismus. Diese Entwicklung spiegelt nicht nur eine ökonomische Umstrukturierung wider, sondern auch eine kulturelle Abwertung der kritischen Auseinandersetzung mit Kunst und Kultur. Die Krise des Kulturjournalismus wird durch digitale Veränderungen und eine ideologische Verschiebung hin zu Produktivität und Nutzen verschärft, wodurch die kulturelle Bildung und der gesellschaftliche Diskurs unter Druck geraten. Trotz der Herausforderungen betont der Fall Pitchfork die Bedeutung des Kulturjournalismus als Ort für intellektuellen Austausch, kritische Reflexion und die Förderung neuer Talente. Die gegenwärtige Krise des Kulturjournalismus erfordert ein Umdenken bezüglich seiner Unterstützung und Finanzierung, um die Praxis des Nachdenkens über Kunst und Kultur als essentiellen Teil des öffentlichen Lebens zu bewahren. Der Verlust von Medien, die kulturellen Austausch und intellektuelle Auseinandersetzung ermöglichen, bedeutet den Verlust sozialer Infrastrukturen, die für eine reflektierte und lebendige Gesellschaft unverzichtbar sind. (Johannes Franzen, 54books)

Ich möchte aus Franzens lesenswertem Artikel vor allem den Punkt herausgreifen, dass das Schreiben von Rezensionen eine Kunst ist. Ich betitle meine eigenen Zusammenfassungen ja auch etwas großspurig als Rezensionen, aber ich bin auf dem Feld trotz mittlerweile weit über 20jähriger Erfahrung trotz allem ein völliger Amateur. Auch wenn ich die Werke meines Podcastkollegen Sean T. Collins lese, bin ich immer wieder beeindruckt über seine Schreibfähigkeiten. Das ist eine Fähigkeit, die es, anders als eine Sternebewertung bei Amazon, nicht kostenlos gibt und geben kann. Aber Schreibfähigkeiten scheinen generell einfach zu wenig wertgeschätzt werden. Das betrifft ja auch Kolumnen und andere Artikel. Es besteht zu wenig Wertschätzung dafür, und entsprechend lässt die Qualität (und Bezahlung) oft zu wünschen übrig. Aber das ist natürlich die Klage aller Kunstschaffenden seit mindestens Ovid.

Resterampe

a) Öffentliches Vertrauen im UK.

b) Die Radikalität, mit der die US-Justiz Whistleblower verfolgt, ist auch bemerkenswert.

c) Friedrich Merz ist einfach ungeeignet, in jeder Hinsicht, sowohl als Vorsitzender als auch als Kanzler. Das geht so gar nicht. Das wird nicht besser durch ein „Fact Checking„.

d) Maaßen wird jetzt vom Verfassungsschutz überwacht. Dieser Gedanke dazu ist absolut auch meiner.

e) Gutes Interview zum neuen Wahlrecht.

f)  Diese Argumente für die Flüchtlingscard klingen überzeugend. Aber ich muss weiter recherchieren.

g) Why aren’t Democrats steamrolling Republicans?

h) Der Mann kann sein Ding schon echt gut.

i) Guter Podcast zum Thema Sitzenbleiben. Ich würde das sofort abschaffen. Völlig sinnlos, und mit einer Milliarde im Jahr auch absurd teuer.

j) Leider wahr.


Fertiggestellt am 07.02.2024

{ 116 comments… add one }
  • Tim 15. Februar 2024, 09:06

    (a – Öffentliches Vertrauen im UK)

    Einfach nur irre, dass die Briten ausgerechnet in ihren dysfunktionalen NHS das höchste Vertrauen haben. Rein rational kann man sowas nicht mehr verstehen. Andererseits: Solange man nicht krank wird, funktioniert er ja perfekt.

    • Stefan Sasse 16. Februar 2024, 10:25

      Die wissen halt, dass dysfunktionaler NHS besser ist als gar kein öffentliches Gesundheitssystem.

      • Tim 16. Februar 2024, 11:10

        Man müsste mal überschlagen, für wieviele Tote diese radikale Haltung jedes Jahr verantwortlich ist …

  • Tim 15. Februar 2024, 09:25

    (2 – Mindestlohn)

    Im Gegensatz dazu scheint mir beim Thema Mindestlohn die Empirie mittlerweile erdrückend zu sein: das Ding hat positive Effekte, hat weitgehend seine Ziele erfüllt und die meisten der befürchteten Nebenwirkungen sind nicht eingetreten. Hier hatten die progressiven Ökonom*innen schlicht Recht.

    Erdrückende Empirie? 🙂 Ich warte immer noch auf nur eine einzige Studie, die belegt, dass die Armut (vulgo Armutsgefährdung) durch den Mindestlohn reduziert wurde. Die gibt es nämlich nicht. Warum nicht? Weil es nicht passiert ist. Nirgendwo, in keinem Land der Welt.

    Die Studie, die Du zitierst, ist an einigen Stellen geradezu irre. Sie bewertet den Rückgang des Niedriglohnsektors als Erfolg. Das werden z.B. viele Friseure anders sehen:
    https://imsalon.de/branchen-news/branche-detailseite/beschaeftigungsmarkt-friseur-der-rueckgang-im-detail/

    Zahlreiche dieser Friseure arbeiten jetzt übrigens in sog. „Barber Shops“, die sozusagen der große Gewinner der Mindestlohn-Einführung sind. Dieses Abdriften in Graubereiche ist übrigens eine der vielfach prognostizierten Nebenwirkungen eines zu hohen Mindestlohns.

    Und Thema Ungleichheit: Natürlich ist diese in den letzten 30-40 Jahren drastisch gesunken. Grund: Chinas Aufstieg. Wer bestreitet das, bitte?

  • Tim 15. Februar 2024, 09:28

    (h – Der Mann kann sein Ding schon echt gut)

    Worin liegt bitte der reale Nutzen des Anrufs? Das ist doch geradezu ein Paradebeispiel für Symbolpolitik.

    Und was meinst Du mit seinem „Ding“? Wirtschaftspolitik kann es nicht sein, denn davon kommt hier in der Wirtschaft nichts an. Also Schauspielerei?

    • Erwin Gabriel 15. Februar 2024, 14:49

      @ Tim 15. Februar 2024, 09:28

      h) Der Mann kann sein Ding schon echt gut

      Worin liegt bitte der reale Nutzen des Anrufs?

      Verständnis wecken beim Gegenüber; und wenn Habeck genügend Anrufe macht, formt das auch irgendwann sein Weltbild. Der Angerufene war wohl zufrieden.

      Das ist doch geradezu ein Paradebeispiel für Symbolpolitik.

      Mag sein. Aber die ist manchmal wichtig.

      Und was meinst Du mit seinem „Ding“?

      Kommunikation

      Wirtschaftspolitik kann es nicht sein, denn davon kommt hier in der Wirtschaft nichts an.

      Also wie unter Merkel, bei Peter Altmeier …

    • Kning4711 15. Februar 2024, 16:59

      Es signalisiert Bürgernähe – ich finde es gut, dass er den Hörer in die Hand genommen hat. Wir beklagen all zu oft, dass Politiker abgehoben seien und im Raumschiff Berlin nicht mehr erreichbar für den Bürger. Wenn es dann doch mal einer macht, dann sollten wir nicht aus Zynismus getrieben direkt Symbolpolitik oder Profilierung unterstellen.

      Ich hatte selbst einen Fall, wo ich mich direkt an meinen gewählten Abgeordneten, bzw. die thematisch verantwortlichen Abgeordneten per Mail / Brief gewendet hatte. Ich war super froh, als das Telefon klingelte und ich einen Referenten von Herrn Laumann (Gesundheitsminister NRW) an der Strippe hatte, der sich meines Anliegens angenommen hat. Nicht mit irgendwelchem Bla Bla, sondern verbindlinder Unterstützung. Es gibt viele, die Antworten Dir nie.

      • Stefan Pietsch 15. Februar 2024, 17:52

        Können Sie sich vorstellen, Ludwig Erhard oder Otto Graf Lambsdorff hätten Unternehmer X angerufen, sich seine Befindlichkeiten angehört und anschließend ein paar Beamte angewiesen, eine bestimmte Regel umzuschreiben?

        Habeck hat ein ganz eigenes Verständnis einer demokratischen und rechtstaatlichen Ordnung und über die Aufgaben eines Ministers. Habeck äußert Verständnis für den Ärger über bürokratische Regeln, lässt eine überprüfen, während er gleichzeitig in seiner Tagespolitik mehr Bürokratie für Unternehmen umsetzt. Habeck & Co. haben es immer noch nicht begriffen: Die Leute sind der Symbolpolitik so über. Sie wollen wirksame, einfache, umsetzbare Regeln.

        • Kning4711 15. Februar 2024, 18:50

          Wirksame, einfache und umsetzbare Regeln – ich glaube bei dem Ziel sind sich alle einig. Aber bei allen Partikularinteressen wird das hehre Ziel leider völlig verwässert.
          Die FDP hatte von 2009 bis 2013 das Wirtschaftsministerium inne – mir ist nicht in Erinnerung, dass die Partei in dort gut performt hätte.

          • Stefan Pietsch 15. Februar 2024, 19:48

            Nein, das stimmt nicht. Das ist wie die Behauptung alle wollen Sonnenschein.

            Das Ziel einfacher Regeln steht im Konflikt und damit scharfem Kontrast zur Genauigkeit und Detailtreue. Einfache Regeln bedeuten viele Spielräume der Auslegung und individuellem Verhalten, Detailtreue das Gegenteil. Dies wird jedem klar, der einmal versucht, ein einfaches Regelwerk für die Reisekostenabrechnung oder den Einzug von Elternbeiträgen aufzustellen.

            Die Zunahme von Mitarbeitern im administrativen Bereich führt expotentiell zu einem Anstieg der Komplexität. Im Finanzbereich kann ich ein Budget innerhalb von 1 Monat oder 3 Monaten aufstellen. Vor Jahresfrist habe ich begonnen, die Fragen des Aufsichtsrates zu sammeln und daraus eine kurze Präsentation zu bauen, wo in Slides kurz die relevanten Informationen gegeben werden. Zielsetzung: Erstellung einer Präsentation binnen 2-3 Stunden für die Standardfragen. 12 Monate später ist daraus ein Ungetüm geworden, nachdem der Vorstand die Präsentation gekapert und die Aufgabe an einen ihnen verbundenen (neuen) Mitarbeiter übertragen hat. Die Erstellung der Präsentation dauert inzwischen 2 Tage (für die Darstellung eines Monats!) und besteht aus 40-50 Slides. Bürokratiewachstum.

            Der Staat weist seit Mitte der Nullerjahre ein stetes Wachstum von Beschäftigten auf. Die werden nicht dafür beschäftigt, bürgernah zu arbeiten. Und daher suchen sie sich Aufgaben, um ihre Existenz zu rechtfertigen. Nehmen Sie mal die von mir so hoch geschätzte Lisa Paus, Familienministerin. Ihre Aufgabe laut Koalitionsvertrag: Die verschiedenen staatlichen Leistungen zu einer Familienleistung (Kindergrundsicherung) zusammenzuführen, um Bürgern und Behörden die Prozesse zu vereinfachen.

            Die Dame hat das völlig missverstanden: Ihr Konzept sah den Aufbau von 5.000 neuen Staatsdienern in einer neuen Behörde vor, Kostenpunkt 300 Millionen Euro. Das ist das Volumen eines größeren mittelständischen Unternehmens, ungefähr mein Jagdrevier in der Privatwirtschaft. Das soll einfach mal aus dem Boden gestampft werden, für Leistungen, die heute schon vergeben werden. Was bitte soll der Sinn dieser zusätzlichen Beamten sein?!

            Nein, Politiker, Behörden und Beamte wollen keine Bürokratie abbauen. Dafür werden sie nicht gewählt und nicht bezahlt. Niemand bei SPD und Grünen oder ihren Anhängern hat Lisa Paus deswegen einer Generalkritik unterzogen, weil sie offensichtlich zum Bürokratiewachstum einen spürbaren Beitrag leisten wollte, sondern dass das ganze Konzept nicht so viel Geld bekommen sollte.

        • Stefan Sasse 16. Februar 2024, 10:33

          Wenn das nicht passiert ist, fresse ich meinen Hut.

          • Stefan Pietsch 16. Februar 2024, 12:06

            Wirklich ein seltsames Verständnis von Wirtschaftspolitik, dass Du da hast.

            Die Regierung hat mehrere Sachverständigenkreise, die die Politik beraten. Dort sitzen hauptsächlich Wissenschaftler drin. Bei der Abfassung von Gesetzen ist die Anhörung verschiedener Interessengruppen vorgeschrieben. Nicht zuletzt Minister der Ampel haben diese Möglichkeit stark beschnitten. Dazu unterhält das BMWi einen Kreis interner Fachleute, die übrigens Habecks Politik total zerrissen haben. Der Bundesminister ist auch regelmäßig als Gast bei Unternehmens- und Wirtschaftsverbänden eingeladen, wo er nicht nur auf Verbandsfunktionäre, sondern auch auf echte Unternehmer und Manager trifft oder treffen könnte.

            Doch die Meinung zu Habeck ist nicht nur bei den eigenen Fachleuten im Ministerium mies, sondern auch unter Unternehmern. Er ist ein Darsteller von empatischer Politik. Er inszeniert sich als aufmerksamer Zuhörer, weshalb der anfangs genau dafür gelobt wurde. Zwei Jahre später sagen die gleichen Leute, dass er nicht wirklich zuhört.

            Habeck hat als Minister alle Möglichkeiten, Bürokratie in Gesetzen zu verhindern. Genau das tut er gegen den Rat von Fachleuten nicht. Aber dann inszeniert er sich als jemand, der einem kleinen Unternehmer zuhört und im Abhilfe verschafft. Sorry, das ist so absurd. Wer das positiv bewertet, hat wirklich ein verqueres Staatsverständnis.

            Lambsdorff war hervorragend vernetzt. Der war immer im Gespräch mit Unternehmern. Vor allem: Der kannte wirklich deren Welt. Seinen Nachfolgern wurde häufig vorgeworfen, Lobbypolitik zu betreiben. Habeck betreibt natürlich keine Interessenpolitik, klar. Hauptzweck des Bundeswirtschaftsministeriums ist neben der Überwachung des Wettbewerbs die Verteilung von staatlichen Subventionen. Habeck hat das zu einer Meisterdisziplin gemacht. Wettbewerb lehnt der Minister jedoch weitgehend ab, der Staat regelt und bestimmt Gewinner und Verlierer. Bei der Ausschüttung von Subventionen könnte der Grüne zeigen, dass er unbürokratischen Regeln den Vorzug gibt. Doch das Gegenteil ist der Fall.

      • Tim 15. Februar 2024, 18:56

        @Kning4711

        Es gibt viele, die Antworten Dir nie.

        Ich erwarte von einem Bundesminister, dass er die Priorität und Relevanz von Themen richtig einordnet. Und von einem Bundeswirtschaftsminister, dass er weiß, wie die Wirtschaft läuft.

        Beides kann ich bei Habeck nicht erkennen. Für einen Erzähl- und Zuhöronkel haben wir auch nicht die Zeit.

        • Erwin Gabriel 16. Februar 2024, 09:17

          @ Tim 15. Februar 2024, 18:56

          Ich erwarte von einem Bundesminister, dass er die Priorität und Relevanz von Themen richtig einordnet. Und von einem Bundeswirtschaftsminister, dass er weiß, wie die Wirtschaft läuft.

          Definiere erst einmal „richtig“.

          Ansonsten bist Du mit der Forderung nach fachlicher Kompetenz in einer Demokratie falsch aufgehoben. Zuallererst muss ein Politiker in der Lage sein, mehrheitsfähige* Kompromisse zu finden, in der zweiten Instanz, sie seinen Wählern zu verkaufen.
          *mehrheitsfähig innerhalb der eigenen Partei, der Koalition und dem Bundestag

          Die Fachkompetenz sollte aus den Ministerien kommen, unterliegt aber nicht nur dem oben genannten Primat, sondern auch der Weltsicht des Politikers. für weitere Informationen zum Thema politische Meinungsbildung in Regierungen empfehle hier die unterhaltsame englische TV-Serie „Yes, Minister“.

          Beides kann ich bei Habeck nicht erkennen.

          Da stünde er mit einer Großzahl von Ministern eng beieinander. Könntest Du Dir denn eine Annalena Baerbock auf dem Posten vorstellen? Sie als Treiberin einer feministischen Wirtschafts- und Umweltpolitik, während uns Robert Habeck in der Welt vertritt? Oder einen Karl Lauterbach oder eine Nancy Faeser auf diesem Posten?

          Der Spielraum nach unten ist stets größer als nach oben.

          Für einen Erzähl- und Zuhöronkel haben wir auch nicht die Zeit.

          Das sehe ich komplett anders. Wenn mich irgendetwas nervt, ist es das Gefühl, dass „da oben“ nur in kleinen Zirkeln Dinge abgesprochen werden nach Kriterien, die ich für falsch halte. Großes Drama aus meiner Wahrnehmung ist, dass sich die Politik von den Menschen entkoppelt, sie nicht mehr mitnimmt. Wir brauchen in jedem Falle mehr Politiker, die versuchen, ihre Entscheidungen zu erläutern und Menschen mitzunehmen, die nicht nur so tun, als seien wir dummes Stimmvieh, dass sich aus allem rauszuhalten und nichts zu kritisieren hat.

          Losgelöst davon, ob Dir (oder wem auch immer) die Politik von Habeck zusagt, oder ob Du lieber den Vorstellungen eines Christian Lindner oder Friedrich Merz folgst, sollte soviel Respekt vor dem Wähler vorhanden sein, sich nicht nur bei Lanz zu erklären, sondern gelegentlich auch vor Bürgern – und sei es durch ein kurzes Telefonat, dass nur Verständnis für die Nöte des Betroffenen zeigt, aber die Welt nicht verändern wird.

          Auch leuchtet mir nicht ein, einem Olaf Scholz mangelnde und einem Robert Habeck übermäßige Kommunikation vorzuwerfen.

          • Tim 16. Februar 2024, 09:46

            Ansonsten bist Du mit der Forderung nach fachlicher Kompetenz in einer Demokratie falsch aufgehoben. Zuallererst muss ein Politiker in der Lage sein, mehrheitsfähige* Kompromisse zu finden, in der zweiten Instanz, sie seinen Wählern zu verkaufen. *mehrheitsfähig innerhalb der eigenen Partei, der Koalition und dem Bundestag

            Du spricht den wichtigen Unterschied zwischen Machtpolitik und Politik an. Es ist ein Fehler, Politiker nur als Machtpolitiker zu betrachten. Medien tun das sehr gern, sie berichten über die Politik manchmal wie über Fußballspieler und ihre Vereine.

            Aber trotzdem sollte man den Anspruch nicht aufgeben, vernünftige Politik zu verfolgen.

            • Stefan Sasse 16. Februar 2024, 10:36

              Überhaupt nicht. Die Dichothomie, die du hier aufmachst, ist nicht zutreffend.

              • Tim 16. Februar 2024, 10:47

                Klar gibt es die. Merkel war z.B. hauptsächlich an Machtpolitik interessiert und war in dieser Disziplin (leider) auch sehr gut.

                • Stefan Sasse 16. Februar 2024, 14:09

                  Ohne Macht kannst du nichts tun. Das ist alles ein verbundener Gesamtkomplex.

            • Erwin Gabriel 16. Februar 2024, 11:10

              @ Tim 16. Februar 2024, 09:46

              Aber trotzdem sollte man den Anspruch nicht aufgeben, vernünftige Politik zu verfolgen.

              Ich habe da sicherlich etwas krass formuliert. Ich wollte Deiner Forderung nach „richtiger“ Politik ja nicht widersprechen, sondern nur darauf hinweisen, dass „vernünftige Politik“ für Dich anderen, wohl eher nutzwert-orientierten Bewertungskriterien unterliegt als einem Politiker, dem die beste Politik nichts nutzt, wenn er dafür keine Mehrheiten findet.

              • Tim 16. Februar 2024, 11:31

                In meinem Unternehmen gilt die Maxime: Bevor man etwas schlecht macht, macht man es lieber gar nicht. Aktivismus vernebelt immer den Blick.

                Das gilt auch für die Politik, von der es in diesem Land generell viel zu viel gibt. Man kann sich mit dem Gedanken trösten, dass schlechte Politik selbst in einem reichen Land irgendwann an der Realität scheitern wird, aber die Folgen müssen halt fast immer die Schwächsten tragen.

                • Erwin Gabriel 16. Februar 2024, 19:56

                  @ Tim 16. Februar 2024, 11:31

                  In meinem Unternehmen gilt die Maxime: Bevor man etwas schlecht macht, macht man es lieber gar nicht.

                  Das war Merkels Devise. Hat für sie funktioniert, jetzt aber nicht mehr. Jetzt muss sich die Regierung überschlagen, um die verpflichtungen zu erfüllen, die Merkel (mit Unterstützung der Bevölkerung) mit Paris eingegangen ist.

              • Stefan Sasse 16. Februar 2024, 14:10

                Genau das meine ich auch. Gehört zusammen, nicht als Gegensatz.

                • Tim 16. Februar 2024, 15:34

                  Ich kann in meinem Ursprungsbeitrag überhaupt keinen Gegensatz erkennen. Du kämpfst hier gegen einen Strohmann.

          • Tim 16. Februar 2024, 09:47

            Auch leuchtet mir nicht ein, einem Olaf Scholz mangelnde und einem Robert Habeck übermäßige Kommunikation vorzuwerfen.

            Hab ich auch nie getan.

          • Stefan Sasse 16. Februar 2024, 10:36

            So was von bei dir!

          • Stefan Pietsch 16. Februar 2024, 12:38

            Ansonsten bist Du mit der Forderung nach fachlicher Kompetenz in einer Demokratie falsch aufgehoben.

            Das hättest Du mal Hemut Schmidt sagen müssen, Gott hab‘ ihn selig. Einer der angesehensten Politiker, den dieses Land je hervorgebracht hat, war nämlich genau dieser Überzeugung. Aus der Innenansicht des Politikbetriebes.

            • Erwin Gabriel 16. Februar 2024, 19:58

              @ Stefan Pietsch 16. Februar 2024, 12:38

              [Ansonsten bist Du mit der Forderung nach fachlicher Kompetenz in einer Demokratie falsch aufgehoben. ]

              Das hättest Du mal Hemut Schmidt sagen müssen, Gott hab‘ ihn selig.

              Hast ja recht, ich hab’s ja schon relativiert.

    • Stefan Sasse 16. Februar 2024, 10:26

      Symbolpolitik.

  • Thorsten Haupts 15. Februar 2024, 10:35

    Zu b)
    Whistleblower legen illegales Firmen- oder Behördenverhalten offen. Der Mann in Frage tat nichts davon, er brach illegal Vertraulichkeitsregeln und ist damit ein ordinaerer Krimineller.

  • Stefan Pietsch 15. Februar 2024, 11:09

    1) »Hätten wir unsere Hausaufgaben gemacht, würde jetzt nicht so ein brutaler Judenhass wuchern« (Interview mit Michael Friedman)

    Es wäre echt wichtig, das zu lassen, weil es diese Menschen ausgrenzt. Auch, wenn man es positiv meint.

    Ich verstehe dieses Argument schon lange nicht. Wenn in Deutschland seit Wochen „gegen Rechts“ demonstriert wird, sollen sich konservativ und liberal denkenden Menschen selbstverständlich beteiligen – im Zweifel, um zu zeigen, dass sie nicht „rechts“ sind. Aber Muslime in Deutschland fühlen sich automatisch ausgegrenzt, wenn die Zahl islamistischer Straf- und Terrortaten thematisiert wird?

    Deutschland erlebt eine Welle antisemitischer Exzesse. Universitäten, Kulturbetriebe und NGOs bieten den Judenfeinden mit Migrationshintergrund ein warmes Nest. Dass das vor allem Zuwanderer mit muslimischen Glauben sind, darf nicht erwähnt werden, weil sich sonst jemand ausgegrenzt fühlen könnte?

    • Erwin Gabriel 15. Februar 2024, 12:49

      1) »Hätten wir unsere Hausaufgaben gemacht, würde jetzt nicht so ein brutaler Judenhass wuchern« (Interview mit Michael Friedman)

      Deutschland erlebt eine Welle antisemitischer Exzesse. Universitäten, Kulturbetriebe und NGOs bieten den Judenfeinden mit Migrationshintergrund ein warmes Nest. Dass das vor allem Zuwanderer mit muslimischen Glauben sind, darf nicht erwähnt werden, weil sich sonst jemand ausgegrenzt fühlen könnte?

      Nein, so nicht. Aber man sollte nicht alle Muslime in die gleiche Schublade stecken wie die Hamas – nur die, die sich am Abschlachten jüdischer Bürger ergötzten.

      Dazu erwähnt sei, dass ich die Bilder aus dem Gaza-Streifen wirklich entsetzlich und unendlich traurig finde.

      • CitizenK 15. Februar 2024, 16:38

        Ja. Aber alle Welt fordert Israel zur Zurückhaltung auf. Niemand, buchstäblich niemand fordert die Hamas auf ihre mörderischen Ziele aufzugeben, um die Menschen in Gaza zu schützen.

        • Detlef Schulze 15. Februar 2024, 23:51

          , buchstäblich niemand fordert die Hamas auf ihre mörderischen Ziele aufzugeben, um die Menschen in Gaza zu schützen.

          Die Hamas wurde von 41 Ländern als Terrororganisationen eingestuft. Damit ist doch ausgedrückt, dass alles was die Hamas macht, illegal ist. Was will man noch an die appellieren?

        • Erwin Gabriel 16. Februar 2024, 09:24

          @ CitizenK 15. Februar 2024, 16:38

          Aber alle Welt fordert Israel zur Zurückhaltung auf. Niemand, buchstäblich niemand fordert die Hamas auf ihre mörderischen Ziele aufzugeben, um die Menschen in Gaza zu schützen.

          Selbst wenn ich felsenfest davon überzeugt bin, dass die aktuelle Situation durch die Hamas absichtsvoll angestrebt wurde, sehe ich doch, dass nicht nur unbeteiligte Israelis starben, litten und immer noch leiden, sondern dass auch viele unbeteiligte Palästinenser sterben und leiden. Kannst Du Dir vorstellen, als Vater kleiner Kinder so leben zu müssen, ohnmächtig, ohne die eigene Familie ansatzweise schützen zu können?

          Frag mich bitte nicht nach einem Lösungsvorschlag; ich habe keinen.

          • Stefan Sasse 16. Februar 2024, 10:36

            Geht mir auch so, deswegen kommentiere ich das weitgehend auch nicht.

    • Stefan Sasse 16. Februar 2024, 10:27

      Nein, die sollen sich auch beteiligen. Man soll sie nicht gleichsetzen.

      • Stefan Pietsch 16. Februar 2024, 12:34

        Das tun aber selbst Spitzenpolitiker von SPD und Grünen auf den Demos. Dein Plädoyer in Ehren, aber das hat nichts mit der Realität zu tun.

  • Stefan Pietsch 15. Februar 2024, 11:29

    2) Gesetzlicher Mindestlohn zeigt positive Wirkung

    Ungleichheit: Es gibt ein objektives, international anerkanntes und wissenschaftliches Maß für die Messung von Einkommens- und Vermögensungleichheiten. Dies ermöglicht tiefere Studien und Vergleiche.

    Es sind die progressiven Milieus und politischen Schichten, die den Konsens aufgekündigt haben und die Ungleichheit nach „weichen“, nicht vergleichbaren Faktoren messen. „Wir“ sollen nicht über die Ungleichheit sprechen? Es sind die linken Parteien von SPD über Grüne bis zur Linkspartei, die kaum ein anderes politisches Thema haben. Es sind ausschließlich Konservative und Liberale, die in Zeiten einer schrumpfenden Wirtschaft sagen, Einkommens- und Vermögensungleichheiten seien auch mal sekundäre Themen.

    Mindestlohn: In Deutschland herrscht Vollbeschäftigung und in vielen Arbeitsmärkten herrscht ein Mangel an Arbeitskräften. Der Arbeitsmarkt ist klar nachfragedominiert. Im Westen der Republik werden selbst Putzfrauen höchst selten zum Mindestlohn beschäftigt. Wie soll eine Mindestlohnerhöhung hier messbare Wirkungen entfalten?

    In Ostdeutschland sieht die Sache ganz anders aus, ein hoher Anteil ist dort vom Mindestlohn betroffen. Das Gleiche gilt für den untersten Bereich der Erwerbsarbeit, der Gastronomie, dem Reinigungsgewerbe und der Logistik. Gerade die Gastronomie hat in den letzten Wochen die Preise erheblich angezogen. Sie begründet das mit der höheren Umsatzbesteuerung bei der Bewirtung. Doch die Preise sind wesentlich stärker gestiegen. Es gibt ja Progressive, die fordern, dass sich auch Bürgergeldempfänger einen Besuch in einer Gaststätte leisten können müssen. Wieso, darf man da fragen. Ein Restaurant-Besuch ist kein Menschenrecht.

    Es gibt zwei tiefere Probleme, die das DIW nicht untersucht: Zum einen verschiebt die Erhöhung der Lohnuntergrenze den gesamten Lohnbereich immer weiter nach oben. Ausdruck des durch die Ampel angehobenen Mindestlohns sind die heftigen Arbeitskämpfe und historisch hohen Lohnforderungen. D.h. in zwei, drei Jahren wird das, was die Forscher des DIW messen, wieder zugenommen haben. Die Politik kann dann mit einem weiteren Eingriff in die Lohnfindung nachziehen – oder die Marktverhältnisse akzeptieren.

    Zum anderen gibt der Staat trotz Vollbeschäftigung und einem Nachfrageüberhang extrem viel Geld für die Kosten der Nichterwerbsarbeit aus. Dieses Geld kommt von denjenigen, die arbeiten, wodurch ihr Nettoeinkommen unter Druck steht. Folge wie Signal ist, dass mittel bezahlte Tätigkeiten sich nicht lohnen. Ein Land mit schrumpfender Erwerbsbevölkerung kann es sich nicht leisten, eine nennenswerte Zahl von Menschen in der Arbeitslosigkeit zu unterhalten.

    • Kning4711 15. Februar 2024, 18:38

      Die historisch hohen Lohnforderungen sind nach meiner Beobachtung eine Reaktion auf deutlich gestiegene Verbraucherpreise, sowie insb. in Ballungsraum stark steigender Mieten.

      Zudem hatte die Bundesregierung im vergangenen Jahr – mit Zustimmung der Union – beschlossen, die Preisanstiege schneller in die Regelsätze beim Bürgergeld einfließen zu lassen als früher. Daher wurde das Bürgergeld, angelehnt an den Warenkorb von Geringverdienern, zunächst Anfang 2023 angehoben, eine weitere Erhöhung folgt dann 2024.

      Damit folgt der Gesetzgeber einer Forderung des Bundesverfassungsgerichts, dass nun einmal fordert, dass auch Bürgergeldbeziehern gesellschaftliche Teilhabe möglich sein muss. Ich bin aber bei ihnen, dass die Sanktionsmöglichkeiten häufiger ausgeschöpft werden müssen, da es nun einmal noch zu einfach ist, es sich in der sozialen Hängematte bequem zu machen.

      Richtig ist aber auch, dass das Modell bei einer schrumpfenden Erwerbsbevölkerung stark unter Druck gerät. Ich sehe aber keine verfassungskonformen Wege, dies zu ändern.

      Soll aber Arbeit attraktiver sein, als Nichtarbeit, bei gleichzeitig steigenden Kosten ist es doch nur konsequent, dass Löhne anwachsen. Seit 2015 ist der Mindestlohn um 45 % gewachsen, das Bürgergeld bzw. vormals Hartz 4 um rund 41%.

      • Stefan Pietsch 15. Februar 2024, 20:13

        Die Inflation ist seit Sommer 2023 deutlich gesunken. Die Lohnforderungen bleiben aber im zweistelligen Bereich. Dazwischen ist eine ziemlich große Erklärungslücke.

        Die Festlegung der Sätze für das Bürgergeld 2024 erfolgte im Frühsommer 2023. Damals war die Inflation längst am Abschwellen, aber das Ministerium setzte einen hohen kalkulatorischen Satz für das Gesamtjahr fest. Beim Einkommensteuertarif geht der Gesetzgeber genau umgekehrt vor: Die Inflation wird besonders niedrig angesetzt und die Sätze nur im Abstand von zwei Jahren erhöht. Gleicher Sachverhalt, unterschiedliche Vorgehensweise. Für diese Unterschiede gibt es große politische Unterstützung, obwohl sie sachlich völliger Unsinn ist.

        So wie es aussieht, wird das Bürgergeld 2025 kaum angehoben nach dem kräftigen Schluck aus der Pulle. Nur muss das alles von den wirtschaftlich Arbeitenden verarbeitet werden. Das dauert. Währenddessen schleifen sich Fehlentwicklungen ein.

        Die Zahlungen, die Bürgergeld erhalten und für die Risiken, die Erwerbstätige ganz selbstverständlich durch reale Einkommensverluste tragen müssen – Steigerung Mitnebenkosten, Strom, Inflation – erhalten Bürgergeldempfänger von den Steuerzahlern ausgeglichen. Dabei schaut keiner, ob diese das noch tragen können und nicht selbst reale Einkommensverluste erleben. Die Wahrnehmung: Erst kommt der Bürgergeldempfänger mit seinen Nöten und Bedürfnissen, dann erst derjenige, der die ganze Party zahlt. Und dann heißt es seit Jahrzehnten von den Linken: Leider kein Geld da. Notfalls auch, in dem der Staat seine eigenen Regeln verbiegt oder gar bricht.

        Wozu führt eine politisch bestimmte Anhebung der Lohnuntergrenze? Eigentlich ist der Zusammenhang so simpel, dass es peinlich ist, es noch erklären zu müssen: Wer bisher 1 € mehr als den Mindestlohn verdiente, wird den Abstand weiter einhalten wollen und deswegen ebenfalls unabhängig von seinen sonstigen Verhältnissen einen um 1 € erhöhten Lohn fordern, mindestens. Eher wird er den relativen Abstand wieder herstellen wollen und daher noch mehr fordern. Und so pflanzt sich das im gesamten Einkommensgefüge fort. Effekt? Mittelfristig im Schnitt Null. In Frankreich hat sich gezeigt, dass über die Jahre immer mehr Erwerbstätige nicht mehr als den Mindestlohn erhielten. Dann stieg die Arbeitslosigkeit. In freieren Ländern wie USA und UK führte eine Mindestlohnerhöhung zu einer weiteren Aufspaltung und Abhängen der Geringverdiener. Es gibt kein gutes Ergebnis.

        Das Verfassungsgericht hat, anders als das linke Kreise darstellen, dem Gesetzgeber einen deutlichen Ermessensspielraum bei der Berechnung des Bürgergeldes eingeräumt. Das Bürgergeld muss das soziale Existenzminimum sichern. Was das aber ist, unterliegt weitgehend der politischen Definition. Dabei muss der Gesetzgeber nur die Anforderungen an alle Gesetze einhalten: willkürfrei, verhältnismäßig, zielgerichtet.

        Seit 2015 ist der Mindestlohn um 45 % gewachsen, das Bürgergeld bzw. vormals Hartz 4 um rund 41%.

        Die Tarifverdienste stiegen in dem Zeitraum um 16,4% (Quelle: destatis). Ich sehe da eine Diskrepanz. Sie sicher auch.
        https://www.destatis.de/DE/Themen/Arbeit/Verdienste/Realloehne-Nettoverdienste/_inhalt.html

      • Stefan Pietsch 15. Februar 2024, 20:15

        Sorry, Referenzzeitraum 2015-2022.

  • Stefan Pietsch 15. Februar 2024, 11:36

    3) Röchel, röchel, Ruhe!

    Ich hatte in den letzten Tagen ein paar Gespräche mit Personalberatern. Die Lustlosigkeit und gleichzeitige Anspruchshaltung der 20- Anfang 30jährigen ist schon generationenbildend und bei der Vermittlung von Arbeitskräften ein echtes Einstellungshindernis.

    Nur Staatsbetriebe können mit Fehlzeiten von 10 Prozent und mehr finanziell überleben. Eine bekannte Kita in Frankfurt, Auftragnehmer renommierter Unternehmen, weist seit Monaten eine Fehlzeitenquote von über 50 Prozent auf. Da die Auftraggeber dem Dienstleister verboten haben, die Kita zu schließen, wurde in den letzten Tagen der Hausmeister zur Kinderbetreuung abgestellt. Kein Witz.

    Das Erschreckende: Den Eltern – also die Generation der heute 20 – Mitte Dreißigjährigen – ist’s egal, Hauptsache sie müssen sich nicht um ihre Brut kümmern. Ist doch egal, wer an den Geschlechtsteilen ihrer 0-3jährigen rumfummelt. Wichtig ist nur: er spielt schön und sie müssen sich nicht selbst um ihre Kinder kümmern.

    Die Einstellung vieler der GenZ ist nur noch mit Zynismus zu ertragen.

    • Lemmy Caution 15. Februar 2024, 22:39

      Was sollen wir denn mit der Generation machen, wenn deren Verhalten den Verwaltern des Marktes nicht in den Kram passen? Das ganze Gesocks in der Nordsee ertränken und neue klonen? Erinnert ein bisschen an Brechts Reaktion auf den 17. Juni 1953. „Die Regierung solle sich ein neues Volk wählen“ https://de.wikipedia.org/wiki/Die_L%C3%B6sung
      Die Explosion der experimentellen Lebensstile nach 1968 läßt sich auch darin erklären, dass zumindest die gut ausgebildeten in dem ausgehenden Nachkriegsboom keine Zukunftsängste hatten.
      Es lo que hay -> Das ist, was da ist.
      So unproduktiv war diese Generation dann am Ende doch nicht.

      • Stefan Pietsch 17. Februar 2024, 17:02

        Nun, „mein“ Problem ist das nicht. Die völlig überzogene Anspruchshaltung der GenZ steigert meinen eigenen Marktwert. Als Führungskraft hangel ich mich die nächsten Jahre noch mit 45-55jährigen und Osteuropäern durch. Wenn ich aus dem Berufsleben scheide, müssten die heute 25-35jährigen an den Schalthebeln sein. Nur werden sie es mit ihrer Generationenhaltung nicht schaffen.

        Sie werden dann feststellen, dass man mit Risikoaversion, Chefattitüde und Topgehalt bei halber Arbeit als Anspruch nicht in Wohlstand leben kann. Die ohnehin schon pessimistischen Prognosen von Forschungsinstituten wie Prognos fallen dann halt noch schlechter aus. Ich genieße dann meinen eventuell mit Staatsschulden finanzierten Ruhestand in einem Land meiner Wahl.

        Irgendwann ist jeder selbst für seinen Wohlstand verantwortlich.

  • cimourdain 15. Februar 2024, 11:38

    2) Tut mir leid, aber du musst einfach nur fragen „Was wird gemessen und mit welcher Methodik?“. Für einen breit gefassten Begriff wie „die Ungleichheit“ bekommst du natürlich mit verschiedenen Ansätzen unterschiedliche Ergebnisse. Aber gehen wir mal von einem Beispiel aus, dem Gini-Koeffizient für das Einkommen in Deutschland. Dieser ist zwischen 2000 und 2008 deutlich angestiegen und pendelt seitdem zwischen 0,285 und 0,31. 2022 (und wahrscheinlich auch 2023) ist er in diesem Band auf den untersten Wert gefallen, was an der Rezession lag. Andere Maße liefern andere Ergebnisse: zum Beispiel steigt der Anteil des obersten Dezils am Gesamtvermögen stetig an.

    3) Ein Phänomen aus dem Artikel finde ich interessant: Den Home-Office-Präsentismus – durch die Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten sinkt die Hemmschwelle, trotz Krankheit zu arbeiten, da es von zu Hause aus stattfindet.

    c) und e) Die Gegenprobe ist immer zu fragen, „Was wenn die andere Seite so handelt ?“ Was wenn Konservative per Wahlgesetz die städtischen Wahlkreise „aufbrechen“ um die Direktmandate für Grüne zu reduzieren ? Da wären die, die jetzige Wahlreform gutheißen (hoffentlich) schnell auf den Barrikaden. Vor kurzem hatten wir die Frage, ob Verfassungsgerichtsordnungen durch höhere Hürden vor dem Zugriff durch Parteien (konkret die AfD) geschützt werden können. Analog kann man auch fragen, ob es angemessen ist, dass Wahlordnungen mit einfacher (Regierungs-)mehrheit bestimmt werden können, oder ob dies zum Missbrauch einlädt.

    f) Hier wurde eine seit 2015 bestehende AfD-Forderung „Sach- statt Geldleistungen“ eins zu eins umgesetzt. Soviel zur „Brandmauer“

    h) Eindeutig ein PR-Stunt. Diese ganze Geschichte ist nicht Recherche der Zeitung, sondern eine dpa-Meldung (die praktisch wortgleich in RP und WiWo gekommen ist). Da für gewöhnlich der dpa die Befindlichkeit eines Hotelbetreibers in Monheim wenig interessiert, ist diese Story vom Pressebüro Habecks an die Agentur lanciert worden.

    x) Eigenes Fundstück: In einem bayrischen Luxushotel findet dieses Wochenende unter dem Stichwort „Wehrkundetagung“ ein Treffen von West-Supremacists statt. Diskutiert werden soll unter anderem, wie Nicht-EU-Ausländer in der Öffentlichkeit als „Feinde“ und „Bedrohung“ dargestellt werden, um im Zweifelsfall auch mit Waffengewalt gegen sie vorzugehen, ohne dass die Zivilgesellschaft dagegen aufsteht. Ich wünsche mir, dass möglichst viele Demokraten gegen dieses Treffen auf die Straße gehen.

    • Erwin Gabriel 15. Februar 2024, 13:02

      @ cimourdain 15. Februar 2024, 11:38

      3)Röchel, röchel, Ruhe!

      Ein Phänomen aus dem Artikel finde ich interessant: Den Home-Office-Präsentismus – durch die Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten sinkt die Hemmschwelle, trotz Krankheit zu arbeiten, da es von zu Hause aus stattfindet.

      Das mache ich auch so. Wenn ich erkältet bin, gehe ich nicht ins Büro, um meine Kollegen und Kolleginnen nicht anzustecken; daheim besteht da keine Gefahr. Dann sitze ich eben im dicken Pullover und Wollsocken vor dem Rechner.

      • cimourdain 15. Februar 2024, 16:23

        Herr Pietsch wäre stolz auf Ihre Motivation, aber der Genesung ist das ähnlich abträglich, wie wenn Sie die „gewonnene“ Zeit dazu nutzen, eine Videospielfigur auf Stufe 100 zu bringen.

        • Erwin Gabriel 16. Februar 2024, 11:13

          @ cimourdain 15. Februar 2024, 16:23

          Herr Pietsch wäre stolz auf Ihre Motivation, aber der Genesung ist das ähnlich abträglich, wie wenn Sie die „gewonnene“ Zeit dazu nutzen, eine Videospielfigur auf Stufe 100 zu bringen.

          Ich tue das ja nicht für den Herrn Pietsch, sondern für meine Kunden, meine Projekte. Und ich halte dann auch jeden Mittag ein Nickerchen; anders als mein Bürostuhl gibt unser Wohnzimmersofa das her. 🙂

    • sol1 15. Februar 2024, 19:47

      „Da für gewöhnlich der dpa die Befindlichkeit eines Hotelbetreibers in Monheim wenig interessiert…“

      Warum sollte sich die dpa dafür nicht interessieren?

      Und offensichtlich haben sie die Story nicht vom Pressebüro Habecks, sondern vom LinkedIn-Profil des Unternehmers, das in der Meldung erwähnt wird:

      https://de.linkedin.com/posts/alexander-zimmer-a70a5b2_marienburgmonheim-marienhhofmonheim-passionalwayswins-activity-7158131232873074689-udc0

      • cimourdain 16. Februar 2024, 00:34

        Richtig, deshalb habe ich davor auch in der FAZ über das tolle Weihnachtsmarktwochenende mit Spezialitäten und die neue Beleuchtung im Eingangsbereich des Schloßhotels gelesen. Wie kann jemand dieses Profil nicht verfolgen. Ist klar…

        • sol1 16. Februar 2024, 11:33

          Worauf willst du hinaus? Daß Habecks Pressebüro die FAZ gezwungen hat, diese lokale Meldung in ihr Onlineangebot zu übernehmen?

          Und die BILD mußt du dann auch noch in deine Verschwörungstheorie einbauen:

          https://www.bild.de/politik/inland/politik-inland/robert-habeck-gruene-nrw-unternehmer-von-anruf-ueberrascht-87015474.bild.html

          • cimourdain 16. Februar 2024, 12:18

            Nochmal: Quelle ist für Bild die dpa – wie bei FAZ, RP, WiWo auch. Und Presseagenturen werden regelmäßig von politischen Akteuren wie Parteien oder Ministerien mit Infos gefüttert; Diesmal war da halt eine herzergreifende Homestory dabei. Nichts ehrenrühriges, aber hilft bei der Einordnung, wie relevant das ganze ist.

    • Stefan Sasse 16. Februar 2024, 10:28

      3) Jepp.

      c/e) Die Antwort wäre „nein“, in meinen Augen.

      h) Sicher. Aber ein gelungener 😀

      x) Zum Glück sind das echt nur wenige Spinner.

      • cimourdain 16. Februar 2024, 12:23

        x) Das Problem ist, die wenigen Spinner sind gut vernetzt. Es werden zu dem Treffen mehrere internationale Gäste erwartet, Journalisten von einschlägigen Publikationen kommen, vielleicht auch der eine oder andere Vertreter von „der Wirtschaft“.

        • Stefan Sasse 16. Februar 2024, 14:11

          True.

          • cimourdain 16. Februar 2024, 15:26

            ok, bevor ich mich jetzt endgültig zum Troll mache, springt jetzt Kurt Felix aus seinem Versteck und löst auf:
            Gemeint war dieses „Treffen“:
            https://securityconference.org/msc-2024/

            • Thorsten Haupts 16. Februar 2024, 17:54

              Dann war Ihre Beschreibung oben frei erfundener Bullshit. Andernfalls können Sie ja bestimmt mit dem Link zu dem Video oder dem Konferenzbericht aufwarten, in denen … wie Nicht-EU-Ausländer in der Öffentlichkeit als „Feinde“ und „Bedrohung“ dargestellt werden, um im Zweifelsfall auch mit Waffengewalt gegen sie vorzugehen, ohne dass die Zivilgesellschaft dagegen aufsteht.

              Gruss,
              Thorsten Haupts

              • cimourdain 16. Februar 2024, 19:44

                Ist Wladimir Putin (russischer Staatsbürger) ein Nicht-EU-Ausländer ? Wird er von Beteiligten der MSC als „Feind“ und „Bedrohung“ dargestellt ?

                • Thorsten Haupts 16. Februar 2024, 21:08

                  Wen wollen Sie denn mit dem Unsinn veralbern? Putin hat ohne Not ein Nachbarland mit einem verdammt blutigen Angriffs- und Eroberungskrieg überzogen und sowohl in russischen Staatsmedien als auch in russischen Regierungskreisen gab und gibt es derartig viele Drohungen gegen NATO-Staaten, dass man das als Bedrohung verstehen muss. Man kann natürlich auch Vogel Strauss spielen und behaupten, dass diese Bedrohung frei erfunden wurde, nur ist man damit schlicht ein Phantast und Schwurbler.

                  Gruss,
                  Thorsten Haupts

                  • cimourdain 17. Februar 2024, 00:05

                    Also ist Ihre Antwort „Ja“ und „Ja, aber komplett zu Recht“. Was ist also falsch an der ursprünglichen Aussage ? Nur, dass Ihnen die implizite Tonalität nicht gefällt.

                    • Thorsten Haupts 17. Februar 2024, 11:08

                      Nee, das von Ihnen gewählte Bild ist schlicht Unsinn. Putin ist nicht „ein Nicht-EU-Ausländer“, sondern der Regierungschef eines souveränen Staates. Und man will auch nicht im Zweifelsfall mit Waffengewalt gegen ihn vorgehen, sondern sich nur für den Fall bereit machen, dass er einen weiteren Angriffskrieg diesmal gegen ein NATO-Land, führt.

  • Stefan Pietsch 15. Februar 2024, 11:42

    c) Friedrich Merz ist einfach ungeeignet, in jeder Hinsicht, sowohl als Vorsitzender als auch als Kanzler. Das geht so gar nicht. Das wird nicht besser durch ein „Fact Checking„.

    Erstens: Merz hat Recht, keine Regierung zuvor hat ohne Abstimmung mit der Opposition das Wahlrecht so verformt wie die Ampel. Zweitens: Merz ist häufig auf Auslandsreisen und wird dort als kommenden Kanzler hoffiert. Machtpolitiker haben ein feines Gespür für Macht. Macron, Netanyahu haben Merz zuletzt empfangen, das ist die allererste Reihe.

    Ob Merz geeignet ist, entscheiden nicht die Medien und nicht die Blogger. Danach hätte Kohl niemals Kanzler werden dürfen und Deutschland würde heute von Annalena Baerbock regiert. Entscheidend is’s immer auf’m Platz.

    • Thorsten Haupts 15. Februar 2024, 12:56

      Nicht Mal von Baerbock, sondern von Claudia Roth 🙂 .

    • Erwin Gabriel 15. Februar 2024, 12:59

      @ Stefan Pietsch 15. Februar 2024, 11:42

      c) Friedrich Merz ist einfach ungeeignet, in jeder Hinsicht, sowohl als Vorsitzender als auch als Kanzler.

      Entscheidend is’ immer auf’m Platz.

      Genau das!

    • Kning4711 15. Februar 2024, 17:05

      Der Vergleich hinkt: Kohl hatte als Ministerpräsident von Rheinland Pfalz 7 Jahre Exekutiv-Erfahrung. Merz hat 0 Erfahrung als Angehöriger oder Leiter der Exekutive – damit wäre er der erste Kanzler, bei dem es so wäre.

      • Stefan Pietsch 15. Februar 2024, 18:11

        Welcher Vergleich? Wie ich die Persönlichkeit von Friedrich Merz einschätze, habe ich in mehr als einem Artikel deutlich gemacht. Aber über seine Kompetenz als Kanzler entscheide nicht ich.

        Die deutschen Wähler waren vor drei Jahren bereit, eine völlig lebens-, bildungs- und politikunerfahrene grüne Politikerin als Kanzlerin in Erwägung zu ziehen. Stefan trommelte hier sehr stark für Baerbock, er wird gegen Merz keine Einwände haben. Nur Baerbocks Hochstapelei hat ihre Kanzlerschaft verhindert. Merz hat naturgemäß viel mehr Politikerfahrung und Expertise in der Führung von politischen Gruppen. Darüber hinaus hat er sehr viele Jahre außerhalb der Politik gearbeitet, was sich in den anderen Ländern durch die Bank als großer Vorteil erwiesen hat.

        Die Wähler wissen, dass es Scholz, Baerbock und Habeck definitiv nicht können. So viel Auswahl bleibt dann wirklich nicht.

    • sol1 15. Februar 2024, 19:50

      „…Netanyahu…“

      Welche Froinde hat der noch außer Merz und Trump?

    • Stefan Sasse 16. Februar 2024, 10:29

      Wieso würde Baerbock regieren…? Ist ja nicht eben so, als hätte es eine Riesenkampagne für sie gegeben. Und ich kann meine Meinung hier kundtun. Genauso wie du über Baerbock.

      • Stefan Pietsch 16. Februar 2024, 12:32

        Du hast Deinen eigenen Blog geschaffen, um das lauter als andere tun zu können. Deswegen darfst Du auch stärker kritisiert werden. 😉 Gilt für mich als Trittbrettfahrer ebenso.

        Im Mai 2021, nach der Nominierung von Annalena Baerbock, lagen die Grünen zeitweise auf Platz 1 in den Umfragen. Die Union lief tatsächlich Monate später mit dem damals gemesenen Ergebnis ein. Die Grünen nicht, sie tauschte den Platz und Stimmanteile mit der SPD. Die Begeisterung für Baerbock nahm in dem Maße ab, in dem immer neue Ungeheimtheiten bis Betrügereien in ihrem Lebenslauf auftauchten und sie sich ab Sommer nur noch auf die Kernklientel der Grünen konzentrierte. Remember: Du äußertest noch im Juli / Anfang August 2021 die feste Überzeugung, die Grünen würden eher 19 Prozent holen als wie von mir prognostiziert 14 Prozent. Der Faktor hieß Baerbock und ihr Dilettantismus.

        Riesenkampagne? Baerbock erhielt das längst Intensivinterview bei Anne Will und große Unterstützung der meisten Medien von ARD und ZDF über SPIEGEL, ZEIT und Süddeutsche. Zur Nominierung erhielt sie in den Tagesthemen einen geradezu euphorischen Kommentar, während Wochen später die FDP negativ bewertet wurde. Und da war noch ein denkwürdiger Auftritt der SPIEGEL-Journalistin und Ersten Vorsitzenden des Annalena Baerbock-Fanclubs im ARD-Presseclub Ann-Kathrin Müller, wo sie auf dem Höhepunkt der Vorwürfe diese als reine Kampagne einordnete.

        Vielleicht könntest Du ein Beispiel nennen, wo Armin Laschet ähnliche Unterstützung widerfuhr?

  • Erwin Gabriel 15. Februar 2024, 12:41

    1) »Hätten wir unsere Hausaufgaben gemacht, würde jetzt nicht so ein brutaler Judenhass wuchern«

    … die Gleichsetzung von Juden und Israel.

    Zustimmung, ist nicht das Gleiche.

    Ein ähnliches Phänomen gibt es auch für Muslime, die sich immer kollektiv verantworten müssen, zuletzt ironischerweise ebenfalls im Zusammenhang mit den Ereignissen vom 7. Oktober.

    Bei mir nur, wenn sie darüber jubeln …

    • Stefan Sasse 16. Februar 2024, 10:30

      Ja, logisch. Aber leider sind nicht alle so reflektiert wie du 🙁

  • Erwin Gabriel 15. Februar 2024, 12:42

    2) Gesetzlicher Mindestlohn zeigt positive Wirkung

    Kommt vom DIW, glaube ich also nicht.

    Für Linke und Progressive nimmt die Ungleichheit natürlich zu, für Liberale und Konservative tut sie es nicht.

    Für Dich scheint „Ungleichheit“ nur ein anderes Wort für Problem zu sein; für mich nicht.

    Im Gegensatz dazu scheint mir beim Thema Mindestlohn die Empirie mittlerweile erdrückend zu sein: das Ding hat positive Effekte, hat weitgehend seine Ziele erfüllt und die meisten der befürchteten Nebenwirkungen sind nicht eingetreten.

    Bin mir nicht so sicher wie Du, da die entsprechenden Untersuchungen mit dem Ziel gemacht wurden, genau dieses Ergebnis zu bestätigen. Bin aber auch zu wenig Fachmann, um das Gegenteil behaupten bzw. beweisen zu können.

  • Erwin Gabriel 15. Februar 2024, 12:43

    3)Röchel, röchel, Ruhe!

    … dass 46 Prozent der Befragten auch dann von zu Hause arbeiten, wenn sie krank sind. Dieses Phänomen … führt nicht nur zu einer Verbreitung von Krankheiten am Arbeitsplatz, …

    Logik?

    • cimourdain 15. Februar 2024, 13:20

      chatGPT – Zusammenfassung. Hat die „Heimarbeiter“ mit den Büropräsenten zusammengeworfen.

      • Erwin Gabriel 15. Februar 2024, 14:44

        @ cimourdain 15. Februar 2024, 13:20

        ChatGPT – Zusammenfassung.

        Verstehe …

        Danke für die Erläuterung. Da hat unser Gastgeber also nicht schlecht geschrieben, sondern nur unzureichend gegengelesen 🙂

    • Stefan Sasse 16. Februar 2024, 10:30

      Du verschleppst Krankheiten.

  • Erwin Gabriel 15. Februar 2024, 12:45

    4) Die Gewalt von Männlichkeiten

    Was also ist es, dass Männer dafür so prädestiniert?

    Wenn es nicht die von mir behaupteten genetischen, sondern soziale Prägungen sind, müssen die Mütter ihre Söhne wohl so erzogen haben.

    • Stefan Sasse 16. Februar 2024, 10:31

      Ist ja nicht so, als kämen unsere Prägungen und Erziehung nur von Müttern. Der größte Teil unserers Wertesystems kommt von unserer Umgebung.

      • Dennis 18. Februar 2024, 09:44

        Gut und schön, aber wo hat denn die „Umgebung“ ihr Wertesystem her ? Jemand muss den Anfang machen. Das könnte die Natur sein, die uns steuert und die nicht wir steuern. Nur mal so als Vorschlag. Okay, das wird in unendlichen Varianten seit Jahrtausenden diskutiert 🙁

        • Stefan Sasse 18. Februar 2024, 15:21

          Naja, du kannst das historisch ein wenig zurückverfolgen, aber das wird schnell schwierig mangels Quellen.

  • Thorsten Haupts 15. Februar 2024, 13:02

    Zu 4)
    Ich weiss nicht … Ich kenne eine (geringe) Anzahl männlicher Jugendlicher, die zwischen 14 und 16 nach heute geltenden Maßstäben Opfer sexueller Zudringlichkeit von Frauen wurden. Einziges Problem – sie definierten und empfanden das für sie selbst nie als übergriffig. Also werden sie öffentlich nicht sichtbar.

    Gruss,
    Thorsten Haupts

  • cimourdain 15. Februar 2024, 14:38

    b) Ein deutscher Finanzbeamter(*), der sagen wir den Steuerbescheid von Friedrich Merz veröffentlicht, müsste mit einer Freiheitsstrafe von bis zwei Jahren oder Geldstrafe sowie der Entfernung aus dem Beamtenstand rechnen.
    (*) interessant hierbei: Der Tweet spricht von IRS-contractor. Gibt es in den USA selbständige Auftragnehmer der Steuerbehörde für die Steuerbearbeitung ?

    • Stefan Sasse 16. Februar 2024, 10:32

      Gute Frage!
      Aber ja, korrekt was Rechtmäßigkeit angeht. Das habe ich auch nie in Zweifel gezogen.

      • Thorsten Haupts 17. Februar 2024, 13:00

        Doch, hast Du. Durch Nutzung des Begriffes „Whistleblower“. Der ist im Deutschen positiv konnotiert.

  • Ralf 15. Februar 2024, 23:27

    zu 2)

    Progressive nimmt die Ungleichheit natürlich zu, für Liberale und Konservative tut sie es nicht. Am Ende haben wir keinerlei Konsens, über was wir eigentlich reden, was den Streit so wahnsinnig unfruchtbar macht.

    Liegt der Dissens über die Frage der Ungleichheit wirklich daran, dass die Fakten strittig sind? Oder blockiert die eine Seite schlicht die Debatte, indem sie offensichtliche Fakten einfach negiert, obwohl sie für alle sichtbar, vor ihrer Nase liegen. Donald Trump hatte diese Strategie mit seinen “Alternative Facts” perfektioniert. Ich fühle mich an diesen Southpark-Clip erinnert:

    https://m.youtube.com/watch?v=E7pfsneLSSM

    • Stefan Sasse 16. Februar 2024, 10:35

      „Ungleichheit“ ist kein objektiver Begriff, entsprechend ist es sehr schwer, „Fakten“ in die Debatte zu bringen.

  • Ralf 15. Februar 2024, 23:42

    zu 3)

    Der Kult der Anwesenheit gehört auf den Müllhaufen, aber die Kontrollsucht der Entscheider*innen steht dem im Wege und ist kontraproduktiv.

    Hmmm … das widerspricht fundamental meiner Erfahrung. Im Zuge der Covid-Pandemie hat sich immer mehr Home Office durchgesetzt und die Produktivität ist dadurch dramatisch gesunken. Natürlich soll niemand krank ins Büro kommen und es soll sich auch niemand tot schuften. Aber wer schuftet sich in Deutschland schon tot? Verglichen mit den USA haben wir dreimal so viel Ferien und – ich glaube – doppelt so viele staatliche Feiertage. Dazu weniger Arbeitswochenstunden. Von China fange ich garnicht erst an. Vermutlich hat es einen Grund, dass Deutschland im internationalen Vergleich immer weiter zurückfällt.

    • Kning4711 16. Februar 2024, 07:49

      Ich bin bei der Frage durchaus gespalten. Zunächst sollte jeder, der im Home Office seinem Job nachgehen kann anerkennen, dass er ein großes Privileg hat. Millionen von Angestellten im Handel, Logistik, Pflege, Handwerk und Industrie können nicht im HO arbeiten.
      Eigentlich müsste man überspitzt formuliert den HO Arbeitnehmern einen Teil ihrer Bezüge streichen, denn sie sparen gegenüber den anderen, die immer zur Arbeitsstelle müssen, einiges an Geld.

      Ich tue mich auch schwer mit diesen pauschalen Produktivitätsaussagen was HO Arbeit angeht. Sofern ein Team sich lange kennt und die Arbeitsabläufe eingeübt sind, kann ein Remotes Team ganz gut funktionieren. Aber für wie viele Teams gilt das? Neue komplexe Aufgaben, Wechsel innerhalb der Teams und nicht zuletzt die Reibungsverluste die in der Zwischenmenschlichen Kommunikation machen es erforderlich, dass Menschen die miteinander arbeiten, regelmäßig zusammenkommen sollten. Und hier wird es eben schwierig, weil der Turnus sehr Team-individuell ist und man Teams daher unterschiedlich behandeln müsste. Ist im unternehmerischen Kontext, insb. wenn Betriebsräte im Spiel sind, aber sehr schwer umsetzbar.

  • cimourdain 16. Februar 2024, 07:03

    j ) Wissing hat den Verantwortlichen entlassen:
    https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/wissing-staatssekretaer-100.html
    auch Habeck hatte Patrick Graichen wegen der Verwandtenaffäre gefeuert. Die „Skandalhygiene“ funktioniert bei dieser Regierung gar nicht so schlecht.

  • Dennis 16. Februar 2024, 09:46

    e)

    Okay, ein Jurist, der – beratend – von einem Mandanten bezahlt wird, vertritt auch nach außen rein zufällig die Positionen des Mandanten. Potzblitz, das hätte ich nie erwartet.

    Hier übrigens eine Betrachtung desjenigen, der in dieser Sache die Union vor den Göttern in Karlsruhe vertritt; auch ein Prof.

    https://www.hss.de/news/detail/politicus-news10294/

    Großer Aufreger: Der vertritt desgleichen die Position seiner Mandantschaft. In diesem Fall CSU und Freistaat Bayern

    Ich empfehle Synoptik, was die Argumente angeht. In beiden Fällen wird die politische Betrachtung mit der verfassungsrechtlichen kunstvoll zusammengerührt, obwohl das getrennt gehört. Die Herren tun so, als ob sie verfassungsrechtlich urteilen, wenn sie politisch urteilen, d.h. im Sinne des breiten Spielraums, den der Gesetzgeber hat.

    Das Problem in dieser Sache ist im Übrigen der Wunsch nach der eierlegenden Wahlrecht-Wollmilchsau. Man will die Wahlkreisstimme einerseits und andererseits doch nicht so richtig, was dazu führt, dass diese zukünftig nur der Form nach eine WAHL repräsentiert, tatsächlich aber an die Zweitstimme gekettet ist und in einem komplizierten Sitz-Vergabe-Modus in die Zweitstimme integriert ist. Ob der per Erststimme gewühlte Kandidat oder die Kandidatin tatsächlich gewählt ist, indem er oder sie die meisten Stimmen auf sich vereinigt, ist von zum Zeitpunkt der Wahl nicht erkennbaren Modalitäten abhängig, für deren Verständnis im Übrigen vertiefte mathematische Kenntnisse erforderlich sind, die aber nicht ex ante sondern erst ex post wirken. Auch gebildete Leute beschäftigen sich mit solchen Feinheiten i.d.R. nicht (schon aus Zeitgründen) und verstehen nur Bahnhof.

    Ob der Lotto-Charakter bei der Abgabe der Erststimme verfassungsrechtlich hält, wird man sehen, wenn sich die Götter von Karlsruhe äußern. Politisch ist das einfach Mist, aber das ist IMHO.

    • Thorsten Haupts 16. Februar 2024, 22:05

      Gute Zusammenfassung.

  • Ariane 17. Februar 2024, 00:11

    1) Danke für den Link, bezeichnend für die ganze Sache ja auch irgendwie der eingeschobene Kommentar vom Spiegel-Interviewer, dass Medien von jüdischen Siedlern sprechen, weil es ja auch arabische Israelis gibt. (in Bezug auf Friedman natürlich 3x Quatsch, weil er gar kein Israeli ist)
    Aber sonst doch auch, kommt doch auch keiner auf die Idee, zu erzählen, katholische Deutsche machen Martinssingen oder ein Oktoberfest.

    Ich mag das Format sonst auch nicht, empfehle aber auch Friedman bei Jung & Naiv, da gab es vorab auch schon einen Clip bei Twitter über Schindler und wie er in den 60ern angefeindet wurde:
    https://twitter.com/NurderK/status/1750510022012833822

    Gerade wenn es um Individualisierung statt ritualisiertem Gedenken geht, finde ich es überlegenswert, ob die 60er/70er da nicht mittlerweile genauso reingehören. Selbst in meinem – gar nicht mehr so jungen – Alter ist man ja schon in diese Erinnerungsweltmeisterei hineingeboren und obwohl man es faktisch weiß, wirken solche Erzählungen auch nicht viel weniger verständlich für mich. Und die sind aktuell sicherlich eher in Gefahr vergessen zu werden als die Schoah an sich.

    4)
    Ich glaube, es ist problematisch, hier einen Gegensatz aufzumachen:
    Die Studie legt nahe, dass nicht die kirchlichen Machtstrukturen allein für den Missbrauch verantwortlich sind, sondern vielmehr das Sexualverhalten der Männer.

    Viele Untersuchungen und Studien deuten ja daraufhin, dass Sex und Macht bei Männern viel stärker miteinander verknüpft sind. Du hattest ja zum Beispiel auch mehrmals Berichte über Studien zu Massenvergewaltigungen als Kriegsverbrechen im Vermischten, das hat ebenfalls weder mit den Frauen noch mit „Lust auf Sex“ zu tun. Deswegen halte ich es auch für fatal, wenn da häufig das Zölibat mit reingerührt wird.
    1. betrifft es bei Weitem nicht nur die katholische Kirche
    und 2. sollte es in Zeiten von anonymen Parkplatzsex und ähnlichem ja selbst für Oberkatholiken kein Problem sein, wenn sie Bock auf Sex haben, das mit erwachsenen Menschen auf consent-Basis zu tun. Ganz generell dämlichste Entschuldigung ever.

    Und bevor hier jemand aufschlägt und meint, ich halte Frauen für die besseren Menschen, gebe ich noch folgendes zu bedenken:
    Bei nicht sexualisiertem Missbrauch und ähnlichen Strukturen gleicht sich das Geschlechterverhältnis wieder an, es gab ja zum Beispiel von Nonnen geführte Einrichtungen wie Waisenhäuser, Schulen etc. Oder auch staatliche/halbstaatliche Einrichtungen, vor wenigen Jahren gab es gerade hier im Norden Aufarbeitungen zu diesen Kinderkuren. Da ging es um körperliche und seelische Bestrafungen und die waren/sind häufig eher von Frauen oder gemischt geführt und da kam das auch vor. Die reine Anfälligkeit für Machtmissbrauch scheint also kein männliches Phänomen, sondern erst wenn Sexuelles mit ins Spiel kommt.

    f) Diese Argumente für die Flüchtlingscard klingen überzeugend. Aber ich muss weiter recherchieren.

    Also in dem Artikel sind auf jeden Fall etliche Fehler eingebaut bzw ähnlich wie bei der Zahnarztgeschichte wird da nicht getrennt. Asylbewerber bekommen keine 460€ bar auf die Hand, sondern sehr viel weniger, eher ca.150 – 200€ (je nachdem ob sie zb noch in einem Sammellager wohnen)
    Genausowenig können Asylbewerber einfach den Landkreis wechseln, zumindest ne Weile lang gibts Zuweisungen und Residenzpflicht.
    Das wird irgendwann angeglichen, kann hier bei den Geduldeten passiert sein (was btw noch was anderes ist als laufendes Asylverfahren), aber die Vorstellung, dass Asylbewerber hier anlanden, erstmal 500€ bar in die Hand bekommen und marktradikal von Landkreis zu Landkreis ziehen ist alberner Quatsch.

    Ich glaube faktisch macht das wenig Unterschied, ich lehne es eher ab, weil – wie Cimo schon sagte – man den Weg des geringsten Widerstands geht und ne rechtspopulistische Forderung erfüllt, um Leuten eins reinzuwürgen. Was so gesehen dann eh nichts hilft, weil sofort Leute aus dem Boden schießen, die das auch für Bürgergeldempfänger, Aufstocker, sonstige Personen wollen oder nur für bestimmte Läden oder Einkaufszonen erlauben.
    Neben Funfact: Als Bayern damals die Bezahlkarte einführen wollte, war wirecard noch ganz vorne mit dabei und hat vermutlich noch paar hunderte Millionen mitgenommen.

    • Stefan Sasse 17. Februar 2024, 09:06

      1) Fällt mir immer wieder auf: die Behauptung, man werde überall und ständig mit dem Holocaust konfrontiert, steht in keiner Korrelation zu tatsächlichen Kenntnissen darüber.

      4) Danke für den Kontext, aber das erklärt IMHO noch nicht wirklich die Differenz.

      f) So geht es mir auch.

    • Erwin Gabriel 17. Februar 2024, 13:35

      @ Ariane 17. Februar 2024, 00:11

      1)

      Ich kann Michel Friedmann nicht ausstehen; er lässt seine hohe Intelligenz viel zu gerne heraushängen, ist oft arrogant, überheblich, moralisierend, hört ungern zu, unterbricht ständig – das ganze Paket. Blöd halt für mich, dass er doch oft recht hat.
      🙁

      4)


      Viele Untersuchungen und Studien deuten ja daraufhin, dass Sex und Macht bei Männern viel stärker miteinander verknüpft sind.

      Zustimmung.

      Ich schaue, wenn ich mir menschliches Verhalten nicht so richtig erklären kann, gerne mal, was Mutter Natur bei anderen Spezies so treibt. Und da ist in der Regel die Prägung, dass das stärkste Männchen sich alle Weibchen holt – nicht nur bei Pferden, Kühen etc., sondern auch bei unseren nächsten Verwandeten, den Bonobos und den Schimpansen.

      Ich denke, dass das durchaus ein Stück weit noch genetische Prägung ist, die von unserer Sozialisierung zwar etwas umgemodelt werden kann, aber nicht ganz gelöscht wurde.

      Deswegen halte ich es auch für fatal, wenn da häufig das Zölibat mit reingerührt wird.

  • Thorsten Haupts 18. Februar 2024, 14:26

    Zu 1) Michel Friedmann hat gerade generell viele kluge Dinge zu Antisemitismus in Deutschland zu sagen …

    Damit ist er weder der erste noch wird er der letzte sein. Nachdem ich Antisemitismus in seinen verschiedenen Ausprägungen wieder, wieder und wieder in meinem persönlichen/beruflichen Umfeld sah, auch bei Leuten, von denen ich das nie vermutet hätte, bin ich nicht mehr davon überzeugt, dass man ihn (weitgehend) eliminieren kann.

    Judenhass ist so tief in alle möglichen Schichten unserer Gesellschaft verwoben und wird aktuell auch noch durch gängige akademisch-stämmige Pseudotheorien geboostert, dass ich den Kampf dagegen zwar für notwendig halte, aber realistischerweise nur zur Eindämmung, nicht zur Eliminierung. Und selbst das wird schwierig genug.

    Juden werden nirgendwo auf der Welt jemals halbwegs sicher sein, nur in ihrem eigenen Staat. Unabhängig davon (!), wieviel oder wie wenig man gegen Antisemitismus unternimmt. Der ewig bösartig planende, geldscheffelnde, von Natur aus antisoziale Feind aller „anständigen“ Gesellschaften ist als Archetyp des für alle Übel der Welt Verantwortlichen einfach zu verführerisch, um ihn von der Bühne nehmen zu können. Und es existieren zu viele kursierende Bilder und Schriften, die von „bewusst und vorsätzlich judenfeindlich (Bsp.: „Protokolle der Weisen von Zion“) bis hin zu nebenbei und am Rande judenfeindlich (Karl Mays Bücher) rangieren. Aussichtslos. Leider.

    Gruss,
    Thorsten Haupts

    • Ralf 18. Februar 2024, 15:08

      Solche Kommentare lassen mich immer etwas ratlos zurück. Vielleicht hab ich einfach keine Kontakte, die repräsentativ für das Land sind, aber in meinem Umfeld gibt es null Antisemitismus und ich habe in meinem Leben nie einen Menschen getroffen, der sich antisemitisch geäußert hätte – nicht in der Familie, nicht unter Nachbarn, nicht in der Schule, nicht im Studium und nicht unter Kollegen.

      Dabei ist mir noch nichtmal klar, was “Juden” im Kontext von Antisemitismus überhaupt sein sollen. Reden wir von Menschen, die der jüdischen Religion anhängen? Meiner Erfahrung nach interessieren sich die Deutschen immer weniger für Religion. Mir fehlt die Phantasie mir vorzustellen, dass in der BRD Menschen abgelehnt werden, weil sie Jesus Christus nicht als ihren Messias akzeptieren, während sich gleichzeitig die Kirchen leeren, weil immer weniger Menschen an Jesus Christus glauben. Wenn überhaupt eine Religion gesellschaftlich unter Beschuss ist, dann ist es eher der Islam, wegen seinen oft kämpferischen Botschaften. Beim Judaismus sind solche Bedenken von vornherein schwierig, da das gesamte alte Testament die Grundlage “unserer eigenen christlichen” (also für die, die glauben) Religion ist. Oder geht es beim Judenhass garnicht um Religion? Werden Juden im Kontext des Antisemitismus unabhängig von Religion eher als Menschen mit Wurzeln in der Region des heutigen Israel definiert? In dem Fall müsste man sowohl ein enormes Interesse als auch ein enormen Unwissen der Deutschen an Genetik und Genealogie voraussetzen. Auch das widerspricht meiner Erfahrung. Die Zahl der Deutschen, die sich für Genetik interessieren, ist – zumindest in meinem Umfeld – minimal.

      Was man zugegebenermaßen häufig antrifft, ist Kritik an der Politik und der Kriegsführung Israels. Das ist aber nicht Antisemitismus. Das ist schlicht eine Debatte über die Angemessenheit von Zielen und Mitteln. Und ja – es kommt manchmal vor, dass Ex-Pats aus Israel unter stärkeren Rechtfertigungsdruck, Kommentierungsdruck oder Druck sich zu distanzieren geraten, im Lichte der gegenwärtigen Ereignisse. Um es klar zu sagen: Ich persönlich finde das falsch. Aber es ist wohl irgendwie menschlich und auch wenig überraschend. Und es hat nichts speziell mit Israel zu tun. Türken im Lichte Erdogans, Araber im Lichte von ISIS, Amerikaner im Lichte von Trump oder Bush etc. haben genau das gleiche Problem. Ich selbst geriet im Ausland im Lichte von Wolfgang Schäuble unter denselben Rechtfertigungs- und Distanzierungsdruck in Gesprächen mit Portugiesen, Spaniern und Griechen, als Deutschland im Zuge der Bankenkrise PIIGS-Staaten verunglimpfte und malträtierte.

      • Thorsten Haupts 18. Februar 2024, 15:50

        Dabei ist mir noch nichtmal klar, was “Juden” im Kontext von Antisemitismus überhaupt sein sollen. Reden wir von Menschen, die der jüdischen Religion anhängen?

        Nein. Wir reden von Menschen, die sich selbst als Juden definieren oder die von anderen als Juden definiert werden. Für Antisemiten reicht es, wenn sich irgendwo irgendwann in Ihrem Stammbaum ein Mensch jüdischen Glaubens befand. Der Jude des Antiseimitismus ist ein Konstrukt ohne Realitätsbezug.

        Ich selbst geriet im Ausland im Lichte von Wolfgang Schäuble unter denselben Rechtfertigungs- und Distanzierungsdruck in Gesprächen mit Portugiesen, Spaniern und Griechen, …

        Wenn Sie noch die deutsche Staatsbürgerschaft hatten, war die damalige deutsche Regierung nun mal Ihre internationale Repräsentation. DAS ist genau der Unterschied zu Fragen an einen deutschen Juden wegen irgendwelcher Vorkommnisse um/mit/in Israel.

        … aber in meinem Umfeld gibt es null Antisemitismus …

        Erfreulich, wenn es so ist, aber ich wäre mir da nicht ganz so sicher. Habe ich nämlich auch mal gedacht, bis zu dem Moment, in dem ein Gespräch zufällig Erinnerungskultur oder Israel etc. berührte.

        Gruss,
        Thorsten Haupts

        • Ralf 18. Februar 2024, 20:10

          Wenn Sie noch die deutsche Staatsbürgerschaft hatten, war die damalige deutsche Regierung nun mal Ihre internationale Repräsentation. DAS ist genau der Unterschied zu Fragen an einen deutschen Juden wegen irgendwelcher Vorkommnisse um/mit/in Israel.

          Also dass die Regierung Merkel mich repräsentiert hat, weise ich entschieden zurück. Auch die deutsche Springer-Presse – auf die ich ebenfalls ständig angesprochen wurde – repräsentierte mich nicht. Ich wurde halt einfach qua Pass in Haftung genommen. Genau wie das gegenwärtig bei Ex-Pats aus Israel durch den Nahostkonflikt passiert. Nochmal – das ist aus meiner Sicht intellektuell unredlich und abzulehnen. Aber es ist dennoch leider erwartbar und folgt Mustern, die nicht israelspezifisch sind.

          Der Jude des Antiseimitismus ist ein Konstrukt ohne Realitätsbezug.

          Diejenigen, die solche Konstrukte verwenden, kommen typischerweise aus einer von zwei Ecken: Der deutschen Neonazi-Szene und dem Milieu schlecht gebildeter, integrationsaverser Armutsmigranten aus islamischen Terrorstaaten. Letztere Gruppe wächst deutlich schneller als erstere. Keine der beiden Gruppen gehört jedoch zu meinem Umfeld – und ich rate mal, dass diese Gruppen auch nicht zu Deinem Umfeld gehören. Es ist also wenig überraschend, dass ich in meinem Kreis keinen Antisemitismus sehe. Erstaunlich ist eher, weshalb Du Antisemitismus in Deinem Kreis siehst.

          Meine naheliegendste Erklärung ist – zugegebenermaßen ohne bei Deinen Gesprächen dabei gewesen zu sein etwas aus der Luft gegriffen – dass Du Antisemitismus in Situationen hineininterpretierst, wo keiner ist. So gibt es beispielsweise Leute, die “Free Palestine” rufen und einem Palästina in den Grenzen von vor 1948 das Wort reden, in dem Araber und Israelis friedlich zusammenleben. Das kannst Du natürlich als “antisemitisch” abtun, weil diese Haltung das Existenzrecht von Israel infrage stellt. Aber man muss auch nicht jeden Dummkopf gleich zum ideologisch verhärteten Judenhasser adeln. Dank – und ich weise immer wieder mit Freude darauf hin – des Internets werden solche Ideen absichtsvoll von den Trollfarmen unserer Feinde – Russen, Chinesen, Iraner – eben breit in die sozialen Netzwerke gestreut, von Bots amplifiziert und dann von naiven, gutmeinenden Idioten angeklickt. Das Anklicken reicht um nachfolgend von aggressiven Algorithmen, die profitgetrieben inflammatorische Botschaften verstärken, in Blasen und Echokammern gezogen zu werden. Heraus kommen dann eben besagte Dummköpfe, die “Free Palestine” rufen und die das Internet aktiv kreiert. Diese Dummköpfe repetieren dann “Lösungen” für den Nahostkonflikt , die weder theoretisch noch praktisch machbar sind – und die auch nicht den Konflikt befrieden würden, selbst wenn sie machbar wären. Dieselben Idioten haben übrigens – sogar aus denselben Echokammern – auch Ideen zur Lösung des Ukrainekonflikts. Diese Lösungen sind ähnlich untauglich – nur dass hier der Vorwurf des “Antisemitismus” nicht greift. Dieselben Idioten waren auch mit Lösungen in Sachen Covid unterwegs – sogar hier im Blog. Grundsätzlich gilt: Erkläre Haltungen nicht mit Antisemitismus, wenn Du sie nicht ebenso mit profaner Dummheit, Bildungsferne und Naivität erklären kannst.

          • Thorsten Haupts 18. Februar 2024, 21:49

            Also dass die Regierung Merkel mich repräsentiert hat, weise ich entschieden zurück.

            🙂 . Können Sie gerne tun, ändert nichts daran, dass Deutsche prinzipiell durch ihre Regierung vertreten werden.

            … Ex-Pats aus Israel …

            Um die geht´s nicht. Es werden Juden nichtisraelischer Staatsbürgerschaft für Israels Politik in Mithaftung genommen – darum geht es.

            Meine naheliegendste Erklärung ist …

            Leider falsch. Eine Reihe antisemitischer Stereotype – der reiche Jude, Juden beherrschen Wall Street bzw. DAS internationale Finanzkapital, Juden haben den Kommunismus in Russland etabliert, Juden sind ein Volk ohne Staatsloyalität etc. – trifft man ohne weiteres (nicht nur) in vermeintlich hochgebildeten, beruflich erfolgreichen, Kreisen. Ich treffe als wahrgenommener „Rechter“ darauf vielleicht schneller und öfter als Sie.

            Erkläre Haltungen nicht mit Antisemitismus, wenn Du sie nicht ebenso mit profaner Dummheit, Bildungsferne und Naivität erklären kannst.

            Im Prinzip einverstanden. Nur lässt die unablässige Intensität und Einseitigkeit der Palästinenserfreunde mich eben doch etwas anderes vermuten. Ich kenne kein (!) anderes Thema, bei dem Leute über Jahrzehnte lang so verbissen am Ball bleiben, wie „israelkritische“ Positionen. Und auch kein anderes, bei dem Problemgrösse und Anzahl der „kritischen“ Kommentatoren weltweit in einem solchen Missverhältnis stehen. Gegen die weltweite Israelkritik ist der weltweite Antikommunismus eine Minderheitenposition. Und dafür gibt es nur eine mich überzeugende Erklärung.

            Gruss,
            Thorsten Haupts

            • Erwin Gabriel 26. Februar 2024, 15:20

              @ Thorsten

              Gute Gedanken, denen ich folgen kann. Danke!

          • Stefan Sasse 19. Februar 2024, 08:59

            Die Regierung Merkel hat dich repräsentiert, weil sie demokratisch gewählt wurde. Die Springerpresse dagegen nicht, weil Privatunternehmen.

            • Ralf 19. Februar 2024, 21:41

              Es ging darum, dass ich in den USA in Debatten in Haftung genommen wurde. Quasi wurde ich als der Repräsentant der Regierung Merkel angesprochen, nicht andersrum, weil ich einen deutschen Pass hatte. Mindestens wurde von mir erwartet, dass ich mich von der deutschen Politik ganz offiziell distanziere. Letzteres fiel mir nicht schwer. Aber mir fällt halt auf, dass es Situationen sehr ähnlich ist, in denen im Ausland lebende Israelis aufgefordert werden sich zum Nahostkonflikt zu äußern, im Ausland lebende Türken aufgefordert werden sich zu Erdogan zu äußern und im Ausland lebende Araber aufgefordert werden sich zum Islamischen Staat zu äußern. Im Gegenzug fiel hier in der Debatte dann das Argument, dass in Deutschland lebende Juden nicht vom Staat Israel repräsentiert würden und dass das deshalb in diesem speziellen Fall dann alles ganz anders wäre. Araber werden aber auch nicht vom Islamischen Staat repräsentiert und sollen sich trotzdem bei jedem Attentat immer persönlich distanzieren. Und ob das so pauschal richtig ist, dass sich Juden in Deutschland nicht mit Israel identifizieren – wohlgemerkt “mit Israel identifizieren” heißt nicht sich ganz konkret mit Netanyahu, Krieg oder Siedlungspolitik zu identifizieren – darf man auch zumindest infrage stellen.

              • Stefan Sasse 20. Februar 2024, 08:26

                Ah, verstehe. Das Schicksal der Expats in jedem Land, fürchte ich.

                • Thorsten Haupts 21. Februar 2024, 09:30

                  Ja, nur ist das nicht der Kern des Problems. Zum Problem wird, wenn deutsche Juden (!) genötigt werden, sich wegen ihren Jüdischseins für israelische (!) Politik zu rechtfertigen. Die Zahl israelischer Ex-Pats in Deutschland ist bestenfalls zweistellig, also ein Nichtproblem.

    • Stefan Sasse 18. Februar 2024, 15:25

      Selbst in ihrem eigenen Staat nicht, das macht es noch schlimmer…

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