Die Konstruktion eines Skandals

In den Wahlen 2016 trat Hillary Clinton gegen einen Kandidaten an, der eine so unvorstellbare Masse an Skandalen an seinem Namen kleben hatte, dass es keinerlei Präzedenzfälle dafür gab. Korruption, Einflussnahme durch ausländische Mächte, Bankrotte, Missbrauchsvorwürfe, offen sexistische und rassistische Äußerungen, Missachtung demokratischer Normen, offen autoritäre Tendenzen – die Liste war endlos. Um den Eindruck der Unvoreingenommenheit zu erwecken, warfen sich die Medien ebenso wie viele Liberale mit Gusto in die Kritik des einzigen halbwegs relevanten Clinton-Skandals: ihre Mails. Anders als Trump hatte sich Clinton zigmal dafür entschuldigt, den Fehler eingestanden – und doch drehte sich der Diskurs permanent darum und trug am Ende maßgeblich zu ihrer knappen Niederlage gegen Trump bei. 2020 versuchten die Republicans, das Schauspiel zu wiederholen und einen Skandal um Hunter Bidens Laptop und Geschäftsverbindungen zu konstruieren – was Joe Biden aber nicht nennenswert schaden konnte; zu transparent war die Fingierung, zu frisch die Erinnerung an 2016 und zu aktiv das schlechte Gewissen vor allem bei der New York Times. Nun, da Biden Präsident war, scheint genug Buße getan worden zu sein. Obwohl der neuerliche Versuch, einen Skandal zu konstruieren, ebenso transparent ist, ist das schlechte Gewissen weg. Und so können wir einen neuen Versuch der Skandalkonstruktion beobachten.

Dieses Mal ist das Spielbuch die permanente Thematisierung von Bidens Alter, verbunden mit Andeutungen, er sei nicht in der Lage, das Amt auszuführen. Bereits 2020 war dieses Thema aufgekommen, aber nicht großartig eingeschlagen. Es war offensichtlich, dass Biden zwar alt, aber trotzdem fit war und den Journalist*innen bekannt, dass seine Sprachfehler auf ein in der Kindheit mühsames abtrainiertes Stottern zurückzuführen waren. Dazu kam, dass Trump selbst kaum weniger als als Biden und in körperlich wie geistig schlechterer Verfassung war. Daran hat sich nichts geändert. Allerdings wird gerade eine Erlaubnisstruktur geschaffen, in der es nur ein Problem ist, dass der amtierende (demokratische) Präsident nahe 80 ist, während das hart darauf zugehende Alter des (republikanischen) Herausforders aus irgendeinem Grund keine Rolle spielt.

Doch das Alter alleine reicht, wie 2020 bewiesen hat, für die Konstruktion eines ordentlichen Skandals nicht aus. Es bräuchte irgendeinen konkreten Anlass, anhand man das Thema immer wieder neu aufhängen kann, so wie bei Clinton die Untersuchung durch FBI-Chef Comey immer wieder neue Anlässe der Diskussion schuf. Diesen Anlass hat ausgerechnet Merrick Garland gegeben. Der Generalstaatsanwalt war 2016 Obamas Kandidat für die Nachfolge Antonin Scalias im Supreme Court gewesen, aber Mitch McConnells Diebstahl des Sitzes verhinderte die Amtszeit des moderaten Garland, den der nicht eben für progressive Umtriebe berüchtigte republikanische Vorsitzende des Justizausschusses Chuck Grassley noch kurz zuvor als leuchtendes Beispiel genannt hatte. Er wurde 2020 für seinen vorhersehbaren Opfergang 2016 entschädigt. Leider zeigte sich, dass Obama tatsächlich jener ehrliche Moderate war, dessen Existenz seine Gegner*innen beharrlich verleugneten, und dass die Republicans von Anfang an Heuchler*innen gewesen waren.

Denn im Versuch, doch noch etwas aus dem Hunter-Biden-„Skandal“ herauszubekommen, erreichte die GOP die Einsetzung eines „special councel„, eines Sonderermittlers. Das hatte bereits in den 1990er Jahren große Früchte getragen, als Ken Starr eine mehrjährige Hexenjagd gegen die Clintons betrieb, die am Ende im Lewinsky-Skandal mündete. Garland setzte für die Untersuchung von Hunter Bidens „Skandalen“ einen Sonderermittler ein – einen Republican, um Unparteilichkeit zu beweisen. Genauso wie beim FBI ist das etwas, das stets nur in eine Richtung läuft: noch nie gab es einen demokratischen Sonderermittler oder FBI-Chef, denn Republicans ernennen selbstverständlich Parteisoldaten für dieses Amt, sie sind ja nicht doof. Nur Democrats sind dumm genug, jedes Mal in dieselbe Falle zu tappen und aus falsch verstandenem Idealismus Kandidaten der Gegenpartei (bisher immer nur Männer) zu ernennen. In diesem Fall war es ein Mann namens Hur.

Dessen Report ist eine parteiische Katastrophe. Wer dachte, dass es nicht parteiischer und hetzerischer gehen würde als unter Ken Starr seinerzeit, wurde eines besseren belehrt. Hur schaffte es spielend, diese extrem niedrig hängende Hürde zu unterschreiten. Doch der Hur-Report erreichte seine Reichweite nicht wegen irgendetwas über Hunter Biden, das ostentative Ziel der Untersuchungen, genauso wie Starr nie etwas Substanzielles über Whitewater fand, sein Untersuchungsziel, sondern weitersuchte, bis er etwas fand – in dem Fall Lewinsky. Biden hat nicht einmal das, aber Hur schrieb in seinen Report eine bewusst zugespitzte Anekdote über Bidens mentale Kapazitäten während eines Interviews. Dafür hat er keinerlei Kompetenzen (er ist kein Psychologe), und es hat auch nichts mit seinem offiziellen Auftrag zu tun. Aber es hat sehr viel mit seinem eigentlichen Auftrag zu tun, einen Skandal zu konstruieren.

Obwohl keinerlei Substanz vorhanden war, schrieb die NYT in nur drei Tagen nach der Veröffentlichung 30 Beiträge zu Bidens Alter und laut Hur abnehmenden geistigen Fähigkeiten, die Washington Post sogar 33. Das folgt einem Muster: Es gibt stets nur dieses Geraune von Eindrücken von Leuten, die Biden maximal aus der Ferne oder kurz treffen, aber keine Zeugen für eine Demenz oder etwas Ähnliches. Dabei gäbe es genug Republicans, die regelmäßig mit Biden interagieren. Diese aber sind auffällig ruhig.

Dieser Wechsel zu den neuen Ufern der „Demenz“ fungiert auch als Eingeständnis, dass die Skandalkonstruktion bei Hunter Biden nichts ergeben hat. Man sieht dies auch gut am Scheitern anderer Versuche, einen Skandal zu schaffen, wie etwa bei dem angeblichen FBI-Informanten, der dann als Lügner enttarnt wurde – was die Republicans wiederum nicht zum Anlass nehmen, ein mea culpa zu betreiben, sondern einfach weiterzulügen. Diese Lügen sind, wie die NYT recherchiert, richtig übel, inklusive direkter Verbindungen zum russischen Geheimdienst, was einmal mehr die Vorwürfe des Clinton-Teams von 2016 bestätigt.

Das ändert allerdings alles nichts. Ein Skandal soll konstruiert werden, und ein Skandal wird konstruiert, denn nur dann können die liberalen Medien guten Gewissens auch über Trump berichten. Diese perverse Struktur wird noch der Untergang der Republik sein. Die Republicans profitieren davon, dass ihre Wählenden sich für Skandale schlicht nicht interessieren – oder für Fakten. So ist etwa auffällig, dass sie den Stand der Wirtschaft systematisch deutlich stärker nach Parteizugehörigkeit des Präsidenten bewerten als Democrats. Dabei ist Wachstum der US-Wirtschaft unter Biden objetkiv wesentlich besser als unter Trump, wie übrigens immer unter progressiven Präsidenten. An der Vorstellung, die GOP hätte eine höhere Wirtschaftskompetenz, ändert das beharrlich nichts (wie übrigens auch nicht die Russlandhörigkeit weiter republikanischer Kreise an ihrem Umfragenvorsprung bei außenpolitischer Kompetenz).

Die gute Nachricht ist, dass zwar weniger die New York Times, aber wenigstens die Democrats aus 2016 gelernt haben. Von Beginn an schloss die Partei die Reihen. Anstatt wie bei Clinton auf Abstand zu gehen und die eigene Kandidatin zu kritisieren, blocken sie die Skandalkonstruktion und pushen zurück. Zudem scheinen sie die Prioritäten im Wahlkampf richtig zu setzen, was vor allem bedeutet, ihre aktivistische Basis zu ignorieren und die Botschaft, dass Trump ein Sexist und Rassist und in der Tasche Putins ist, weitgehend zweite Geige spielen zu lassen.

Der Kampf gegen Trump hat eine größere Dringlichkeit als noch 2016. Dort schien er unwirklich, die Aussicht einer Trump-Präsidentschaft eher SNL-Gag als reale Möglichkeit. Das hat sich geändert. Der große Vorteil der Democrats ist, dass Trump eine bekannte Größe ist. Seine Selbstdarstellung als moderate Alternative zur radikalen Hillary Clinton lässt sich mit Biden nicht wiederholen, weil seine eigene Radikalität bekannt und die Bidens schlicht nicht zu konstruieren ist, egal wie sehr die Rechten es versuchen. Vier Jahre lang dominierte Trump Nachrichten und soziale Medien, und 2020 hatte die Mehrheit der Wählenden die Schnauze voll davon und wollte ihre Ruhe – Ruhe, die Biden versprach (und lieferte).

Die Strategie der Democrats ruht daher auf drei Säulen.

Die erste Säule ist es, die Wählenden konstant daran zu erinnern, wie sehr sie das Drama der Trump-Präsidentschaft gehasst haben. Man sollte nicht unterschätzen, wie wirkmächtig das Wahlversprechen ist, mit einem Kreuz für Joe Biden vier Jahre lang die Ruhe vor Politik zu haben (Olaf Scholz gelang ja etwas Ähnliches; nicht, dass er das Versprechen eingelöst hätte, wobei es weniger an ihm hing). Trumps Beliebtheitswerte waren zeit seiner Politikerkarriere niemals positiv und meist überwältigend negativ. Die Democrats müssen die Leute nur daran erinnern, und dabei haben sie einen mächtigen Verbündeten: Donald Trump, der ohne jede Selbstkontrolle nicht in der Lage ist, die Klappe zu halten oder diese offene Flanke zu schließen, sondern sie beständig weiter aufreißt.

Die zweite Säule ist zugleich die schwächste: das Erinnern die eigene Erfolgsbilanz. Es ist zwar korrekt, dass das Wirtschaftswachstum unter Biden höher war als unter Trump, dass er Rekordergebnisse bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit vorweisen kann und eine Agenda durchgesetzt hat, die das Land transformiert hat wie seit Roosevelt nicht mehr. Alleine, so fühlt es sich für die Leute nicht an, und gegen Gefühle kommt man nicht an. Die Partei wird ihr möglichstes an dieser Front versuchen, aber allzuviel Erfolgsaussichten hat sie nicht.

Die dritte Säule ist die Ausnutzung der Unbeliebtheit der GOP und ihrer Positionen. Nicht, dass die Democrats sonderlich beliebt wären – die Amerikaner*innen hassen ihre Parteien und den Kongress mit Inbrunst – aber die GOP unterbietet ihre eselige Konkurrentin jederzeit, und vor allem: ihre politischen Forderungen sind ungeheuer unpopulär. Abtreibungsverbote, die Abschaffung von Medicare, die Entführung von Kindern undokumentierter Einwander*innen – zahllose Themen sind geradezu absurd unbeliebt bei den Wählenden. Solange diese wissen, welche Kandidat*innen für diese Themen stehen, verlieren die entsprechenden Kandidat*innen in engen Rennen (und jedes Präsidentschaftsrennen ist eng) recht zuverlässig. Gelingt es Biden, es Trump unmöglich zu machen, sich als getrennte Entität von den Republicans zu sehen (wie es ihm 2016 gelang) und stattdessen mit ihr zu vereinen (wie es den Democrats 2018, 2020 und 2022 gelang) stehen die Chancen nicht schlecht, die Wahl zu gewinnen.

Das, und wenn man nicht auf konstruierte Skandale hereinfällt.

Weitere Quellen:

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  • Jens Happel 21. Februar 2024, 19:41

    Hi Stefan!

    Einflussnahme durch ausländische Mächte

    Ist Hilary gegen Biden angetreten, der ein Darlehn an die Ukraine damit verknüpfte, dass der ukr. Staatsanwalt die Ermittlungen einstellt, was natürlich nur rein zufällig seinem Sohn Hunter Biden nützte, gegen den dieser Staatsanwalt ermittelte.

    Oder meinst du Trump, der einen Freispruch für seine angebliche Russland Connection bekam.

    https://www.augsburger-allgemeine.de/politik/Russland-Affaere-Trump-holt-nach-Mueller-Untersuchung-zum-Konter-aus-id53888561.html

    Zumal nachher herauskam, die angeblichen Beweise für die Russlandconection kamen von Hilarys Anwalt, der sich aber als normaler Bürger ausgab. Und seine „Beweise“ waren nicht stichhaltig.

    https://www.spiegel.de/ausland/donald-trumps-moegliche-russland-verwicklungen-anklage-gegen-ex-anwalt-von-hillary-clinton-a-38e7e02c-f6c5-4b1e-abca-8fc64573c0d0

    Missachtung demokratischer Normen, offen autoritäre Tendenzen

    Hier spielst du sicher auf die Twitter Files an. Die zeigten das die Biden Administration direkten Einfluss über ihre weisungsgebundenen Behörden auf Facbook und C0 ausübten und sie sogar nötigte wahre News zu löschen, wenn sie dem Narrativ im Wege standen. Sogar der Twitter Account von Alex Berenson wurde auf drängen der CDC und anderen Instututionen gelöscht obwohl Twitter (vor Musk) dafür keine Veranlassung sah.

    einen Skandal um Hunter Bidens Laptop und Geschäftsverbindungen zu konstruieren – was Joe Biden aber nicht nennenswert schaden konnte; zu transparent war die Fingierung.

    Hier betreibst du glatte Geschichtsklitterung. Nur durch die Info des FBIs an Meta und Twitter, dass diese Info eine russische Desinformationkampagne sei, wurde die Nachricht unterdrückt und massiv zensiert. Transparent war da gar nix, ausser, dass das FBI hier in den Wahlkampf eingegriffen hat und die Nachhricht über Hunter Bidens LapTop echt war.

    https://judiciary.house.gov/sites/evo-subsites/republicans-judiciary.house.gov/files/evo-media-document/2023-05-10_the_hunter_biden_statement_how_senior_intelligence_community_officials_and_the_biden_campaign_worked_to_mislead_american_voters-sm.pdf

    Trumps Beliebtheitswerte waren zeit seiner Politikerkarriere niemals positiv und meist überwältigend negativ.

    Gut das Biden da besser abschneidet.
    https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1447042/umfrage/us-wahl-trump-vs-biden-umfragewerte-in-den-usa-2024/

    offen sexistische und rassistische Äußerungen
    Immer mehr Latinos und Schwarze finden das woke Establishment und den „Sozialismus“ der Dems schlimmer. Die Dems beginnen da ihre Stammwähler zu verlieren. Siehe Punkt 6 und 9 im recht gelungenen Artikel der NZZ über Trump.

    https://www.nzz.ch/international/10-gruende-weshalb-donald-trump-praesident-werden-koennte-ld.1776273

    Du misst mit zweierlei Maß. Wenn das Wort Trump fällt bekommen hier alle Schnappatmung.

    Zwischen den beiden ist für mich kein Unterschied. Was der eine rassischtisch ist, ist der andere woke. Totalitär sind im Zweifel beide, das totalitäre setzt sich im ganzen Westen durch und zwar überall durch die Altparteien. In Europa kommt noch hinzu, dass die Entscheidungsträger immer weiter vom Wähler entfernt werden. Der Einfluss des Wählers auf die EU Kommision und demnächst die WHO ist nahe NUll! Wenn Wahlen nichts mehr ändern können, wird es zwangsläufig totalitär.

    Deine Betonung, das Biden wirtschaftlich so unglaublich erfolgreich ist liegt auch am globalen wirtschaftlichen Umfeld. Wenn in das Ende deiner Amtszeit Corona fällt ist es natürlich schwierig wirtschaftlich erfolgreich zu sein.

    Sogar China hatte in 2020 eine heftigen Einbruch.

    https://www.statista.com/chart/16715/china-economic-growth/

    Rückblickend sehe ich Trump in einem anderen Licht. Seine China Politik, die von unseren Leitmedien so kritisiert wurde, wird von Biden fortgeführt. Das Virus kam, wie Trump es sagte aus einem chinesischen Labor, Deutschland hat sich von Russland abhängig gemacht, was er Frau Merkel mitteilte indem er ihr eine weisse Fahne schickte. Die Probleme an der mexikanischen Grenze zeigen, dass seine Mauer immer noch sinvoll ist.

    Er hat keinen Krieg angefangen und ein Desaster wie es Biden beim Rückzug aus Afganistan angerichtet hat, hat er auch nicht zu verantworten.

    Sein Beharren darauf, dass die europäischen Natoländer endlich die 2% Vorgabe einhalten, stünde uns aktuell gut zu Gesicht. Leider wurde das ja auch als unnötig abgetan.

    Eigentlich dachte ich, dass Trump Weigerungen die Ukraine militärisch mit Rüstungsgütern zu versorgen, das (politische) Genick brechen würde. Aber auch hier fängt in den Umfragen die Unterstützung (leider) zu bröckeln an.

    https://www.reuters.com/world/us/us-public-support-declines-arming-ukraine-reutersipsos-2023-10-05/

    Viele Grüße Jens

  • Stefan Pietsch 21. Februar 2024, 20:11

    Obwohl ich Dein Interesse an der amerikanischen Politik sowie die Thematisierung im Blog durchaus schätze, haben diese Artikel doch den unangenehmen Beigeschmack, wo die Democrats zu permanenten Opfern der teuflischen Republicans mutieren.

    Die Skandalisierung des Wahlkampfes
    Man muss wahrlich kein US-Kenner sein um zu wissen, dass die Wahlkämpfe grundsätzlich stark personalisiert und skandalisiert sind. Die Democrats machen hier auch keine Gefangenen. Auch die Kandidaten Bob Dole, George W. Bush und Donald Trump waren bzw. sind Zielscheibe vieler persönlicher Attacken von Seiten der Demokraten.

    Was sich gegen den Kandidaten Trump vorbringen lässt, wird in westeuropäischen Medien vollumfänglich ausgebreitet. Aber der Ausleseprozess der Linken ist nicht viel weniger skandalös. Eigentlich hätte Biden gar nicht Präsident werden dürfen. Schon 2020 war er nicht in der Lage, einen Wahlkampf zu führen. Sein Team reduziert die öffentlichen Auftritte auf ein Minimum, die Amerikaner hören von ihrem Präsidenten extrem wenig.

    Das Alter
    Obwohl Biden einen äußerst schwachen Präsidenten zu besiegen hatte, schaffte er den Sieg mit nur ein paar zehntausend Stimmen Vorsprung. Und vier Jahre später stellen sie den gleichen, inzwischen nicht fitter gewordenen Kandidaten erneut auf. Die Republikaner haben ja immerhin noch mit Nikky Haley eine respektable Gegenkandidatin zu Trump, aber die Democrats hoffen einfach irgendwie durchzukommen. Das ist zu wenig.

    Wenn Biden von den längst Toten Helmut Kohl und Francois Mitterrand spricht, können einem beim Zuschauen tatsächlich Zweifel an seiner geistigen Capability kommen. Ein Präsident, der stolpert, hinfällt, Desorientierung zeigt, Gedanken nicht zu Ende führt, ist eine Peinlichkeit. Durchaus normal für das Alter, aber eben nicht für den Job. Und anscheinend ist Dir entgangen, dass auch Teile der Republikaner Trumps Aussetzer thematisieren.

    Russland
    Putin hat während der Präsidentschaft eines Demokraten die Krim okkupiert, Teile der Ukraine besetzt und zuletzt einen Angriffskrieg angezettelt. Als Syrien Giftgas einsetzte und Russland sich als Schutzmacht inszenierte, sagte Trump Putin, dass er seine Abwehrvorrichtungen in Syrien auszuschalten habe, damit die US-Army Vergeltungsmaßnahmen fliegen konnte. Dagegen hatte Obama Jahre zuvor eine geradezu erbärmliche Figur abgegeben.

    Die kritischen Republikaner
    Biden ist mit seinem sehr linken Programm keine echte Alternative für viele konservativ gesinnte Wähler. Nicht ein Präsident mit einnehmender Persönlichkeit könnte der größte Wahlhelfer der Demokraten sein, sondern Trumps viele Prozesse. In Umfragen räumten große Teile der republikanischen Anhänger ein, Trump bei einer Verurteilung nicht wählen zu können.

    • Stefan Sasse 22. Februar 2024, 07:42

      Danke, und verständlich.
      Skandalisierung: Ich spreche bewusst nicht über den Wahlkampf. Wenn der die Gegenseite nicht verteufelt, ist er keinen Cent wert.
      Alter: Ist mir tatsächlich entgangen. Der knappe Vorsprung Bidens allerdings ist wenig altersspezifisch, sondern strukturell. Aktuell gewinnt niemand US-Wahlen irgendwie überwältigend.
      Russland: Korrekt in dem Fall; allerdings gleicht das die vielen anderen Dinge nicht aus.
      Kritische Republikaner: Wer Proto-Faschisten wählt, um ein Mitte-Links-Programm zu verhindern, ist nicht konservativ.

      • Stefan Pietsch 22. Februar 2024, 10:31

        Allgemein finde ich das Angebot Biden an die Wähler eine Frechheit. 2020 mit „Deals“ weitgehend um einen innerparteilichen Wahlkampf herumgekommen und mit viel, viel (Corona-) Glück ins Präsidentenamt gehievt, ist ein dann 82jähriger Kandidat, der zum Ende der Wahlperiode knapp 86 sein wird, gerade in einem so jungen und vitalen Land kein wirkliches Angebot. Dass keiner der Parteigranden es wagt ihm zu sagen „Joe, it’s over“ sagt viel über die Schwäche der Partei aus. Trump immerhin stellt sich innerparteilichen Kämpfen.

        Die Demokraten genießen die Arroganz der Macht. 2020 gewann Biden beispielsweise Arizona im mittleren Westen, beileibe kein typischer Swing State. Aktuell sieht es so aus aus würde der von vielen Latino-Zuwanderern geprägte Bundesstaat wieder an die Republikaner zurückfallen. 2020 wählten weit mehr Schwarze Trump als noch vier Jahre zuvor. Das Verhalten dieser von den Demokraten besonders hofierte Wählerklientel zeigt die ganze Schwäche des Kandidaten Biden.

        Keine Frage, für uns Europäer wäre Trump die größtanzunehmende Katastrophe und Biden ein absoluter Glückfall. Wäre ich aber Amerikaner, wird mit das Kreuz bei Biden extrem schwer gemacht. So etwas ist eben kein Angebot an die Mitte. Ich hoffe wie gesagt auf Haley, irgendwie.

        • Stefan Sasse 22. Februar 2024, 11:56

          Nun, es gab Alternativen, und die wurden nicht gewählt. Ist halt so in einer Denokratie.

          Halte ich für eine Fehlanalyse.

          „Extrem schwer“, eine Güte. Wenn dir die Wahl zwischen Biden und Trump „extrem schwer“ fällt, ist das Problem nicht Biden. Mir würde die Wahl zwischen Merz und Höcke nicht „extrem schwer“ fallen. Ich würde ohne eine Sekunde Zögern mein Kreuz machen.

          • Stefan Pietsch 22. Februar 2024, 12:27

            Du hast in der Frage eine Tendenz, es Dir einfach zu machen. Ich würde nie einen Politiker wählen, der kein Demokrat ist. Die prinzipielle Frage ist also einfach zu beantworten. Trump ist kein Demokrat, im Gegenteil, er hat offensichtlich Vergnügen daran, mit nicht-demokratischen Mitteln in einer Demokratie Macht zu erringen, zu halten und die Demokratie genau damit zu zerstören.

            Aber es gibt in den USA noch unabhängige Kandidaten. Wenn einer oder beide Kandidaten der großen Parteien schwer zu wählen sind, dann steigt die Zustimmung für Unabhängige – auch das ist Demokratie.

            Das Alter ist bei beiden relevant, allerdings noch mehr beim amtierenden Präsidenten. In der Altenforschung gilt 80 als eine (weitere) Klippe, nach der viele Menschen rasant abbauen. Ein hoher Teil stirbt mit Anfang 80, nicht mit Mitte 80. Das Demenzrisiko steigt expotentiell. Sind von den unter 80jährigen nur 6% von dem Gehirnverfall betroffen, sind es bei den über 85jährigen schon jeder Vierte, wobei es Frauen wesentlich häufiger trifft als Männer. Aber ein 8-Stunden-Tag ist für über 80jährige mehr als eine Herausforderung.

            Hinter Biden steht ein Team, über deren Ansichten und Einfluss die Öffentlichkeit wenig weiß. Das ist bei Trump völlig anders. Je schwächer ein Mensch körperlich und geistig wird, desto mehr wird er ferngesteuert. Hätte der junge Biden das doch gesellschaftspolitisch sehr linke Programm umgesetzt, das der Endsiebziger zu seiner Agenda erhob? Fraglich. Die Wähler wählen nicht die Personen und die Partei hinter Biden, sondern den Kandidaten. Umso wichtiger ist zu wissen, in welcher Verfassung ist dieser Kandidat.

            Die von mir benannten Fakten sind klar. Analysten müssen diese zur Kenntnis nehmen und Schlüsse daraus ziehen, wie man mit dem Wissen selbst erfolgreicher werden kann.

            Welche Wahl würdest Du treffen, wenn Dir die Entscheidung allein zwischen Alice Weidel und Janine Wissler bliebe – ohne ihre Parteien? Oder wenn Du zwischen Nikky Haley und Joe Biden wählen müsstest? Das ist schon schwerer, oder?

            • Stefan Sasse 22. Februar 2024, 13:08

              Unabhängige wählen heißt in den USA, Trump zu wählen. Es ist demokratische Reife, ggf. in den sauren Apfel zu beißen.

              Und ich stimme dir völlig zu, dass das Alter ein Problem ist – aber eben für beide Kandidaten! Ich hätte auch gerne jemand jüngeres. Aber es gibt aktuell keine Hinweise darauf, dass es ein Problem ist. Das kann sich ändern – Reagan etwa rutschte in seiner zweiten Amtszeit ja in eine massive Demenz, die 1984 noch nicht absehbar war – aber aktuell ist es ok.

              Biden ferngesteuert? Please.

              Nikky Haley kann jede*r wählen, aber ich würde natürlich Biden nehmen. Ich hätte aber kein Problem, wenn du sie wähltest. Ich zu wenig über Weidel und Wissler, um sie unabhängig von ihren Parteien beurteilen zu können.

              • Stefan Pietsch 22. Februar 2024, 15:20

                Unabhängige wählen heißt in den USA, Trump zu wählen.

                Das ist mathematisch unsinnig und politisch ebenso. Wenn man keinen der favorisierten Kandidaten wählt, sondern einen Außenseiter, dann gewinnt trotzdem einer der Favoriten, aber mit einem schwachen Ergebnis. Wer das ist, darüber entscheiden eben weniger Wähler.

                Deine Kritik an Trump ist (zurecht), dass er kein Demokrat ist. Aber das Verfahren zur Bestimmung von Biden ist zumindest nach amerikanischen Verhältnissen nicht gerade ein Musterbeispiel offener demokratischer Auslese. In der ersten Phase der Vorwahlen 2020 wollte die Basis einige andere Kandidaten, aber nicht Biden. Dann nahm die Parteiregie (nicht Biden!) die aussichtsreichsten Bewerber Amy Klobuchar und Pete Buttigieg durch Postenzusagen aus dem Rennen und verschaffte Biden damit die entschiedenen Siege im Frühjahr 2020. Wegen der Pandemie endete der Vorwahlkampf de facto sehr schnell, der Kandidat brauchte sich weder gegenüber seiner Partei noch später im eigentlichen Wahlkampf den Wählern zu erklären. Bidens große Schwächen blieben dadurch verdeckt.

                Nun wird der Kandidat per Akklamation bestimmt und anschließend gilt das Argument, demokratische Wähler sollten für Biden und gegen Trump stimmen, weil nur der eine sei ein Demokrat. Obwohl Präsident, hat Biden in den vergangenen drei Jahren seine Politik selten erklärt und gibt seine ohnehin raren Interviews nur sehr wohlgesonnenen Medien. Was genau ist da der Unterschied, wenn sich Trump von FOX interviewen lässt? Die Argumentation ist nicht gerade stark.

                1984 wusste man noch sehr wenig von Altersdemenz, das war nicht als Thema in die Mitte der Gesellschaft vorgedrungen. Das ist heute völlig anders. Und woher weißt Du, dass es keine Anzeichen bei Biden gibt? Weil sein wohlgesonnenes und interessiertes Umfeld das versichert? Die auf der Hand liegende Frage ist doch, warum Biden sowohl in den Wahlkämpfen als auch in seiner Amtsführung so der Öffentlichkeit entzogen wird. Das einzige Mal in den drei Jahren, wo die Amerikaner ihren Präsidenten tatsächlich als Commander in Chief live erlebten, wurde zu einem der größten militärischen Desaster der US-Militärgeschichte.

                Das wichtigste Instrument eines demokratischen (sic!) Regierungschefs ist, seine Politik den Bürgern mitteilen zu können. Und genau das tut (kann?) Biden nicht. Im Grunde wissen wir deswegen nicht, inwieweit der Präsident die Regierungsgeschäfte tatsächlich noch selbst steuert.

                Ich diskutiere ja so gerne, weil ich etwas von anderen erfahren möchte. So auch hier. Du sagst ja selbst, wenn es hart auf hart käme, müssten Demokraten zusammenstehen und notfalls über ihren Schatten springen. Du siehst Dich dabei als leuchtendes Vorbild.

                Das hast das Spiel eröffnet mit einem Vergleich. Ich habe zwei weitere ergänzt. Deine Antworten offenbaren Interessantes über Deine Ansichten.

                Merz vs. Höcke
                Du musst zugeben, das war so simpel, dass es keine richtige Wahl ist. Beide Politiker sind Dir schon im Habitus völlig fern. Ihre politischen Absichten stehen Lichtjahre entfernt von Deinen und Du hältst beide für völlig ungeeignet. Sich da für den Politiker zu entscheiden, dem man noch am ehesten demokratische Ansichten zubilligt, ist easy. Man bekommt ohnehin das Gegenteil von dem, was man will.

                Weidel vs. Wissler
                Diese Konstellation ist für Dich schon schwieriger. Wissler hat eine extremistische Vergangenheit, von der sie sich nie distanziert hat. Weidel war angesehen in der Privatwirtschaft, steht aber einer extremistischen Partei vor. Von den Lebensumständen müsste Dir auf Anhieb Weidel mehr zusagen als offen lesbisch lebende Frau mit einer dunkelhäutigen Lebenspartnerin. Aber da ist halt der parteipolitische Background. Schon hier zeigt sich für mich die Vermutung, dass die Politiker nicht nach der Persönlichkeit, sondern ihrer Programmatik bewertest.

                Haley vs. Biden
                Es gibt keine eindeutigere Persönlichkeitswahl als die US-Präsidentschaftswahlen. In dem Personality Contest geht es um Vorlieben, Sympathie, Ansprache, Eignung. Die Amerikaner haben dafür einen eigenen Begriff geprägt.

                Du entscheidest Dich sofort für Biden, obwohl der Demokrat wenig hat, was Dir von seiner Persönlichkeit zusagt. Er ist sehr alt, ein Mann, Funktionärstyp. Die Kandidatin, die Dir sonst nach Deinen Aussagen (Baerbock!) mehr zusagen müsste – Frau, indigene Geschichte, taffes Auftreten – fällt durch, obwohl Du noch nichts von ihrem Programm kennen kannst. Offensichtlich fällt sie durch, weil sie Republikanerin ist.

                Erkenntnis: Persönlichkeit zählt bei Deiner Politikerauswahl nicht, entscheidend sind allein parteipolitische und programmatische Prioritäten.

                Das ist nicht falsch, wenn auch bei einer Persönlichkeitswahl nicht das vom Gedachten. Aber gerade mit einer solchen Einstellung müsste es Dir doch leichter nachvollziehbar sein, warum fundamentale Gegner einer woken, öko-linken Politik Joe Biden eben nicht so problemlos wählen können.

                • Stefan Sasse 22. Februar 2024, 18:42

                  Ich wäre bescheuert, würde ich nach „Persönlichkeit“ wählen. Ich wähle eine Regierung, keinen Bier-Buddy. Infantiler Unfug.

                  • Stefan Pietsch 22. Februar 2024, 18:55

                    Es ist „bescheuert“ nach Persönlichkeit zu wählen? So hat Demokratie begonnen! Die meisten Menschen in Demokratien wählen nach der Persönlichkeit der Kandidaten. Auf unteren Gebietskörperschaften, in den USA bei vielen öffentlichen Ämtern, bleibt gar nichts anderes übrig. Die meisten demokratischen Kandidaten auf dieser Welt haben kein detailliertes Programm, sondern werfen ihre Persönlichkeit in die Waage.

                    Und so ist es auch im normalen Leben. Ein Bewerber bekommt den Job wegen seines Lebenslaufs (CV), seiner Darstellung im Vorstellungsgespräch, wegen seiner plausiblen Ideen.

                    Und das ist infantiler Blödsinn? Was nützt mir das schönste Programm, wenn die Kandidaten Dilettanten sind, die noch nie im Leben etwas auf die Reihe bekommen haben? So jemanden würdest Du (theoretisch) wählen?

                    • Stefan Sasse 23. Februar 2024, 08:40

                      Wenn ich mit meinen Positionen Biden nicht wählen würde, weil mir Nikkey Haley persönlich sympathischer wäre, wäre das bekloppt. Mir war 2004 auch Bush sympathischer als Kerry. So what? Ich fand auch Romney persönlich sympathisch. So what? Ich halte deren Positionen für falsch. Warum also sollte ich sie wählen?!

                    • Stefan Pietsch 23. Februar 2024, 10:42

                      Du kannst über Haleys Positionen nicht viel wissen und somit kannst Du auch keinen Abgleich mit Biden vornehmen.

                      Die Hard Facts finden sich bekannt und sie betreffen vor allem die Persönlichkeit von Haley: Die Umstände ihrer Wahl zur Gouverneurin und ihre kurze Amtszeit als UN-Botschafterin. Sie scheint eine außerordentlich taffe Frau zu sein, die sich selbst gegen einen Präsidenten wie Trump zu behaupten weiß. Davon gibt es nicht so viele.

                      D.h., Du stehst ideologisch so weit im Lager der Demokraten, dass Du jeden Republikaner ablehnen würdest. Ich stehe zwischen den beiden großen Parteien mit Sympathien für die Republikaner, weshalb ich leichter Kandidaten beider Parteien zuneigen kann.

                      Das ist aber erstmal unerheblich. Erheblich ist, dass Deine Forderung, bei extrem positionierten (rechten) Kandidaten lieber beide Augen zuzudrücken und den (linken) Kandidaten zu wählen, dessen Positionen man vom Herzen ablehnt, ist aus Deiner Warte sehr leicht gesprochen. Es geht aber um Verständnis für die Positionen des anderen.

                      Bidens Innenpolitik trifft mich nicht, da ist inzwischen möglicherweise der argentinische Präsident Milei relevanter. Als Deutscher ist Bidens Außenpolitik für mich optimal. Aber: Überlebt Biden überhaupt eine zweite Amtszeit?

                      Zur Beurteilung ist sicher auch ein Blick in die Geschichte entscheidend: Wenn US-Präsidenten in den letzten 45 Jahren eine zweite Amtszeit bekamen, war diese immer deutlich schwächer als die erste. Einzige Ausnahme war der jungendliche Bill Clinton, der erst später richtig aufdrehte. Reagans zweite Amtszeit war dagegen von viel Aparthie geprägt.

                      Nur eine Minderheit der Bürger interessiert sich für Politik. Wen sollen sie also wählen, wenn nicht den sympatischer und kompetenter erscheinenden Kandidaten? Angela Merkel hat allein mit solchen Punkten lange Kanzlerin bleiben können. Ich kenne keinen politisch interessierten Konservativen, der Merkel positiv bewertet hätte.

                      Für Führungskräfte wie Mitarbeiter heißt es: Der Job muss erledigt werden. Dabei muss der Arbeitnehmer geschriebene und ungeschriebene Regeln einhalten, kann aber seine Politik machen. Für mich als Finanzchef bedeutet das seit über zwei Jahrzehnten: Die Bilanzpolitik bestimme allein ich, egal bei welchem Unternehmen.

                      Die Bürger sind bei Politikern ähnlich tolerant. Auch wenn einzelne Maßnahmen eigenen Überzeugungen widersprechen, erhalten vertrauenswürdige Politiker einen großen Vertrauensvorschuss. Wenn es funktioniert, drehen sich die Zustimmungswerte. Aber wehe, wenn nicht. In Unternehmen fliegt der Finanzchef raus, wenn seine Politik zu einem eingeschränkten Testat führt. Und die Sympatiewerte von Politikern rasen in den Keller, wenn er mit seiner Politik auch noch erfolglos ist.

                      Warum fällt mir da Robert Habeck ein? Die Konstellation war für ihn eigentlich ideal. Als einer der beliebtesten Politiker stand er für eine Politik, die von der Mehrheit durchaus befürwortet wird. Aus dieser Position setzte er im ersten Entwurf ein Gesetz auf, das dem Bürger weitreichende Pflichten und Kosten aufbürdete, der Staat aber gar nicht schaute, ob er selbst die Bedingungen zur Erfüllung der Pflichten erbringen kann. Dazu setzte sich der Politiker an keiner Stelle seines Wirkens mit den Belangen seiner „Kunden“ auseinander, nämlich ob die Verhältnisse und Objekte seines Gesetzes überhaupt für seine Reformpolitik geeignet seien.

                      Eine solche Hybris, sich nicht mehr um die ihnen anvertrauten Menschen kümmern zu müssen, ist bei talentierten Personen, die sich für top halten, nicht selten. Mit „kümmern“ ist übrigens gemeint, die Interessen und das Können der anderen zu respektieren und zu schätzen. Das aktuelle Opfer solcher Hybris ist gerade Noch-Bayern-Trainer Thomas Tuchel. Sagt Dir wahrscheinlich nichts, zeigte aber in seinem Job die gleichen Symptome. 😉

                    • Stefan Sasse 23. Februar 2024, 12:45

                      Ich finde diese Argumentation absurd. Ich weiß genug über Haleys Positionen aus ihrer Zeit als Gouverneurin und Mitglied in Trumps Kabinett, von den aktuellen Primaries ganz zu schweigen.

            • Thorsten Haupts 22. Februar 2024, 13:31

              Trump ist kein Demokrat, …

              Exakt. Und wenn es dann nur eine echte Alternative gibt – Unabhängige in den USA sind keine – ist die Debatte für rationale Menschen damit beendet. Völlig egal, welche (berechtigten) Vorbehalte man gegen den Gegenkandidaten hat.

  • Antje 21. Februar 2024, 22:39

    Ich finde Sie und Ihre Kommentare recht nervig. Dieser Tage gibt es wohl genug, unter einem leichten Mäntelchens konservativen Geredes versteckte rechte Hetze. Können Sie nicht Enten im Park füttern gehen?

  • cimourdain 22. Februar 2024, 16:05

    Ich meine, du machst es dir etwas zu leicht, wenn du berechtigte und unberechtigte Skandale nach Parteisympathie trennst. Versuche ein orientierungsunabhängiges Kriterium zu finden. Für mich ist eine Faustregel, die mich als Souverän in die mir zugedachte demokratische Rolle bringt: „Würde ich es als Arbeitgeber für ein Problem halten, wenn der betreffende Politiker bei mir angestellt wäre? Wäre es für mich Symptom eines umfassenderen Management-Problems?“

    Das wäre, auf die von dir angesprochenen Biden-Skandale eingesetzt (und da spielt die Frage, ob Trump eine Vollkatastrophe ist, exakt keine Rolle):

    1) „Laptop Hunter Biden“ Angestellter hat missratenen Sohn -> seine Privatsache, kein Problem. Dieser nutzt die Firmenkontakte seines Vaters für eigene Geschäfte -> nicht schön, sollte aber nicht überbewertet werden.

    2) „Laptop Hunter Biden – Agenda Cutting durch NYT und WP“ unabhängig vom Ergebnis aus 1) ein sehr großes Problem. Wenn die interne Revision eigenmächtig (= aufgrund einer politischen Agenda) entscheidet, was mich etwas angeht und was nicht, dann ist die Vertrauensbasis weg.

    3) Alter Joe Biden: Wenn der Mann seinen Job machen kann, kein Problem. Wenn allerdings sein gesamtes Team überaltert ist, (ich habe hier schon mal auf den Ü65/Ü70 Anteil hingewiesen) ist das ein strukturelles Problem, das behoben werden sollte.

    4) Entfremden offizieller und vertraulicher Unterlagen für privat: Riesenproblem, nicht nur wegen des Vertrauensbruchs sondern auch, weil diese Dokumente einer Öffentlichkeit entzogen werden. Auch wenn es in diesem Fall wohl eher fahrlässig gewesen ist, findet es quer durch Parteilager statt -> grundlegendes Managementproblem, das deutlich mehr Kontrolle bedarf. [In Deutschland gibt es das auch, wie das Zurückhalten der Kohl-Akten durch die Familie und die Konrad-Adenauer-Stiftung belegt.]

    5) Es wird wegen Korruption im Amt ermittelt -> Problem. Die Ermittlungen beruhen auf Falschbeschuldigungen -> kein Problem. [Die hypothetische Verschwörungstheorie „Der Informant war echt und wurde vom ‚deep state neutralisiert‘ “ wäre ein Riesenproblem]

    • Stefan Sasse 22. Februar 2024, 18:43

      1) Ja
      2) Um was gehts, bin etwas lost.
      3) Ja.
      4) Ja, aber das war schon bei Hillary das Thema: die Klassifizierung „Top Secret“ ist auf so viel Kram drauf, dass sie beinahe bedeutungslos ist.
      5) Ja.

      • cimourdain 23. Februar 2024, 00:34

        2) Um den Vorwurf, dass sich die „liberal media“ in der Sache bewusst zurückgehalten haben, um ‚ihren‘ Kandidaten nicht zu beschädigen.

        4) Das ist genau das Problem – entweder sind Dokumente aus gutem Grund nur für die Augen der Regierung bzw zuständigen Behörde bestimmt (und das ist auch von einer unabhängigen Institution nach objektiven Kriterien überprüfbar) oder sie sollten der Öffentlichkeit nicht verwehrt werden können. In beiden „gehören“ sie weder dem Regierenden noch der Partei.

        • Stefan Sasse 23. Februar 2024, 08:48

          2) Ich nehme eher das Gegenteil wahr: die versuchen verzweifelt, was zu finden, um „unbiased“ zu sein.

          4) Hat Biden ja auch nie behauptet. Der hat nen Karton in der Garage vergessen.

          • cimourdain 23. Februar 2024, 10:04

            2) Wenn du die Sachlage „Offensichtlich ungeeigneter Sohn des Vizepräsidenten wird Geschäftsführer einer Staatsfirma in einem politisch hochbrisanten Land.“ und die Frage, wie tief da nepotistische Protektion in die Politik des Vizepräsidenten hineinwirkte als ‚verzweifeltes Suchen‘ bezeichnest, dann ist das vielleicht ein verschobenes Demokratiebild.

            4) Der Punkt ist ja eher, dass der Karton da überhaupt hingeraten ist. Deshalb mein Außenvergleich. Stell dir vor, ein Angestellter einer Anwaltskanzlei nimmt einen Ordner von der Kategorie „soll das Büro nicht verlassen“ mit nach Hause (Abmahngrund) und vergisst ihn dann auch noch dort (was es einfach nicht besser macht).

            • Stefan Sasse 23. Februar 2024, 12:41

              2) Hat Hunter Biden den Job wegen seines Daddys bekommen? 99% sicher. Hat Biden persönlich Einfluss ausgeübt? Konnte wenigstens nicht bewiesen werden, scheint mir aber eher unwahrscheinlich (und ist eh nicht nötig). Du wirst den Effekt nicht vermeiden können. Solange Biden persönlich sauber bleibt ist das auch nicht das Problem.

              4) Als ob Präsident ein Bürojob wie jeder andere wäre!

    • Ariane 22. Februar 2024, 19:21

      Das wäre, auf die von dir angesprochenen Biden-Skandale eingesetzt
      Ich finde es übrigens ganz erstaunlich – gerade aufgrund Bidens Alter und Teilnahme an Politik – wie wenig da zu finden ist und es liegt ja nun wirklich nicht daran, dass nicht verzweifelt gesucht und skandalisiert wird.
      Bei allem Vertrauen, das ich durchaus noch in Politik habe, bezweifle ich, dass man in Deutschland bei beliebigen langjährigen Politiker*innen sowenig finden würde.

      4) Ja, das scheint aber ein generelles Problem zu sein, vermutlich nicht nur in den USA. Aber gilt ja, wie für den ganzen Artikel: wenn dein Kontrahent Zehntausende echt krasse Akten auf dem Klo liegen hat und die zum Angeben bei beliebigen Gästen rumzeigt, ist das nicht mehr so wirklich vergleichbar.

      • Stefan Sasse 23. Februar 2024, 08:43

        Wie bei Obama auch schon. Sie suchen verzweifelt und finden nichts.

        4) Exakt!

  • Johnson 27. Februar 2024, 20:16

    @ Mr Sasse

    To start with a quote from the best TV shows ever – Friends:

    „You couldn’t be more wrong. You could try, but you would not be successful“

    When Ross meets Russ, his look alike and Rachel’s date after their breakup.

    Now, on to Joe Biden and the strange phenomenon of the (alleged) absence of any scandal:

    1. Hunter Biden: Of course Hunter Biden got the job with that Ukranian natural gas company because Joe Biden is his dad. No one, not even the staunchest Democrat, would believe he had gotten appointed if his name was Hunter Smith and his dad a plumber from Wilmington, DE. The question is, did Joe Biden (have to) do more than just lend his name to make this happen? Maybe some „pay and play“ like the Clintons and their infamous Clinton Foundation – make a large enough donation and you get to meet Bill or Hillary or both, donate even more and they throw in Chelsea and Socks. It was Joe Biden after all who publicly bragged about how he got the AG of Ukraine fired. Strange coincidence no?

    2. Classified Documents: You conveniently ignore that classified documents were not only found in Biden’s garage (which looks like a hot mess btw – yikes) but also, and more importantly, at that Penn Biden Center for Diplomacy and Global Engagement (aka Ivy League Center for Blah de Blah for Kids of One Percenters). So, Ex VPOTUS founds center for global whatever at an ivy league college and mysteriously and unexplainably classified documents from his tenure surface at that center. Huh – how do you think that might have happened? Maybe Biden decided to seed the library/document repository of that center just a bit to get it started? Could that be it? Also, the documents that surfaced (in various locations btw) relate not only to his time as VPOTUS buts also his tenure as a US Senator, which indicates he might have been doing this for quite a bit longer than he admitted. Finally, without any specific reason and totally out of the blue Biden’s lawyers decide one day to search for classified documents that he might have in his possession? And not only that, they look for them in that decrepit mess of a garage full of hoarder’s sh*t? Come on.

    3. The Special Counsel Report: First off, I find the entire business of appointing a „spoecial counsel“ to be dubious and legally questionable and I think it should be abolished altogether. That said, the report by R K Hur re Joe Biden is not nearly as biased as this Kevin Drum guy (his blog name checks out btw – a term for blah blah-ing) would have you believe. In particular, Hur gave Biden a huge pass on those documents at the Penn Biden Center („can’t be established how, by who or when…“), which was probably the most dangerous charge/allegation Biden was facing. His comments re Biden’s mental faculties – well, if your defence is largely „I’m surprised“, „I can’t recall“, and ‚I don’t know“ one might deduce you’re slowing down a bit with old age. Also, that report makes Trump look (much) worse than Biden, and deservedly so of course, so much for this alledged bias.

    • Stefan Sasse 28. Februar 2024, 09:27

      1) Yeah, that’s what I’m saying. Hunter is a legacy child, no question. Aside from that, there’s nothing there.

      2) Didn’t know that. And yes, yikes to the garage. Looks like mine.

      3) Thanks for the context.

  • Johnson 28. Februar 2024, 16:33

    @ Mr Sasse

    1. That’s where you’re wrong. It’s almost inconceivable that Burisma (the Ukranian gas company) didn’t have the expectation that Biden senior wouldn’t be open to..ahem…favors when Biden junior was/is on the board of that outfit, owned by an Ukrainian oligarch (i.e. mob boss) btw. Devon Archer, Hunter Biden’s business partner (and colleague on the board), testified in front of Congress that Hunter Biden put his dad on the phone numerous times while in the presence of Burisma associates.

    2. That was (prominently featured) in R K Hur’s report. Which you apparently didn’t read, you took the word of some blogger for it and called it a „biased catastrophe“ and went from there. You see the problem, don’t you? Re your garage, I’ll give you the benefit of the doubt and say yours probably doesn’t look nearly as bad as old Joe’s.

    • Stefan Sasse 29. Februar 2024, 07:52

      1) Oh, I’m absolutely certain they did have that expectation. However, what was done? Was it just gaining access? That’s completely normal and not illegal at all. Did he actively influence policy? There we’d be in problems. But there’s no indication there was.

      2) Correct, I didn’t read the whole fucking report.

  • Johnson 29. Februar 2024, 17:50

    1. Yes. It’s noteworthy that Hunter Biden served his full 5 year term on that board. If Burisma’s expectations hadn’t been met they probably would have removed him sooner, or he would have resigned as he would not have felt comfortable with their demands (like some of the other foreign, i.e. US board members who did not serve out their full term).

    RE „completely normal and not illegal at all“ – don’t be so quick to absolve. Even if we’re just talking access it would have been access of a Ukrainian mob boss (oligarch) to the highest levels of US government. Not sure how „normal“ that is. And the „no indication“ claim, well if you (the media) don’t investigate, then sure, there may be no indication. I somehow can’t shake the feeling that the reaction of the media would have been different if it had been say Jared Kushner or Eric Trump instead of Hunter Biden.

    2. Language Mr Sasse! You did not have to read the „whole f*cking report“, there were numerous articles from reputable outlets like NYT and WP that summarized the report and the Penn Biden Center issue. Just not that left wing blogger you seem to like so much.

    • Stefan Sasse 3. März 2024, 15:58

      1) You’ll laugh, but in a few posts there will come something about Kushner that proves you wrong.

      2) I took your comment as demanding that I read the full report.

      • Johnson 5. März 2024, 03:49

        1. Oh? No offense, but hopefully it’ll be from a less… ahem… biased and better informed source than that Jabberwocking guy.

        2. I would never. Actually, I didn’t read the entire report either. 🙂

        • Stefan Sasse 5. März 2024, 07:32

          1) There are no unbiased sources. You can just find biases you like 😉

          2) Yery sane decision.

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