Rechtsfreier Raum Klassenzimmer, Teil 1: Das Formelle


Einem bekannten Bonmot zufolge haben Lehrer am Vormittag Recht und am Nachmittag frei. Gearbeitet werden ohnehin nur 38 Wochen im Jahr, der Rest sind ja Ferien. Dazu kommen bei verbeamteten Lehrkräften natürlich die Unkündbarkeit, die sagenhaft hohe Pension, die abschlagsfreie Frühpensionierung. Wenn ich diese Schlaraffenlandvision meines Berufsstands höre, habe ich eine von drei Reaktionen. Entweder ein genervtes Augenrollen. Oder eine erregtere Gegenreaktion. Oder ein sarkastisches „Augen auf bei der Berufswahl“. Man fragt sich dann gerne, warum all die, die neiderfüllt auf unsere scheinbaren Pfründe starren, nicht Lehrkräfte wurden. Scheint ja ein ziemlich leichter Job zu sein. – Ich nehme mir an dieser Stelle des Artikels vor, die Ironie zurückzufahren. Denn mir geht es heute darum, einen Einblick zu geben in die tatsächlichen Arbeitsumstände für Lehrkräfte. Diese sind weitgehend unbekannt, selbst Denjenigen, die Lehrkräfte im Verwandtschafts- oder Bekanntenkreis haben. Das ist nur natürlich; ich habe diverse Freunde, die irgendwas mit IT machen, und ich habe nicht die geringste Ahnung, wie deren Arbeitsalltag aussieht. Von meiner Warte aus könnten die auch zaubern.

Aber ich würde nicht diese Überschrift wählen, wenn alles worum es mir geht nur wäre, einen Überblick über den Alltag einer Lehrkraft zu geben. So interessant das auch wäre, und so hilfreich beim Aufploppen einiger Klischee-Seifenblasen, so mache ich doch immer wieder die Erfahrung, dass Leute regelmäßig entsetzt sind wenn ihnen klar wird, unter welchen Bedingungen Lehrkräfte eigentlich tatsächlich arbeiten. Und mit dem herrschenden Arbeitsrecht haben diese häufig ziemlich wenig zu tun, und von den Standards, die in den meisten Unternehmen in Deutschland herrschen, ist man elend weit entfernt. Aber beginnen wir dort, wo man üblicherweise zu beginnen pflegt: am Anfang. Noch das übliche Wort zum Geleit: Meine Ausführungen beziehen sich auf das Gymnasium in Baden-Württemberg. In anderen Bundesländern mag sie in Details abweichen.

Der lange Weg zur Lehrkraft

Der erste Punkt, auf den ich im Rahmen dieses Artikels noch öfter zurückkommen werde, ist das hohe Ausbildungsniveau, das Lehrkräfte in Deutschland genossen haben. Unter den studierten Professionen gehört sie zu denen mit den längsten Ausbildungszeiten überhaupt; weitgehend unbezahlten Ausbildungszeiten, wie ich hinzufügen möchte.

Inzwischen startet das Lehramtsstudium in Baden-Württemberg mit einem zweiwöchigen Praktikum an der Schule, aus der nicht unbedingt falschen Erkenntnis heraus, dass manche Leute ihre zukünftige Berufswahl vielleicht überdenken, wenn sie früh Praxiskontakt haben. Zu meiner Zeit gab es das noch nicht, aber ich kam schon in den Genuss des so genannten Praxissemesters im Grundstudium, bei dem rund drei Monate (unbezahlt) an einer Schule gearbeitet wurde. Für das Land Baden-Württemberg diente das Praxissemester neben dem unbestrittenen Vorteil einer Praxiseinheit schon im Studium (in der Hoffnung, ungeeignete BewerberInnen sanft in eine andere Richtung stupsen zu können) auch dem Sparen: Gleichzeitig wurde nämlich das (bezahlte) Referendariat um ein halbes Jahr verkürzt. Das wurde in der damaligen Debatte auch hervorgehoben; es war die Hochzeit der Hartz-Reformen.

Das gymnasiale Lehramtsstudium selbst hat üblicherweise eine Regelstudienzeit von zehn Semestern, vorausgesetzt man studiert die „normalen“ zwei Fächer (entweder zwei Hauptfächer oder ein Haupt- und ein Nebenfach). Maximal erlaubt sind drei Fächer; in diesem Fall werden zwei Semester auf die Regelstudienzeit addiert. Ich habe zweieinhalb Fächer studiert (Deutsch und Geschichte, Politikwissenschaften habe ich als Beifach studiert, eine Art verkürztes Schmalspurstudium mit etwas weniger Inhalten, das aber auch im Staatsexamen mündet). Wer eine weitere Fremdsprache erlernen muss – in Geschichte ein Großteil der Studierenden, weil sowohl Latein als auch eine zweite moderne Fremdsprache benötigt werden – darf noch einmal zwei Semester addieren.

Zum Ende des Studiums steht das erste Staatsexamen, eine mit dem früheren Diplom gleichzustellende Prüfung, etwas härter als der mittlerweile auch nicht mehr existierende Magister und definitiv härter als der Master-Abschluss. Zu diesem Zeitpunkt haben Lehramtsstudierende ein komplettes Fachstudium absolviert, das an Umfang und Qualität völlig gleichwertig mit dem früheren Magister oder dem heutigen Master ist, aber noch zusätzlich Veranstaltungen in Pädagogik, Psychologie, Fachdidaktik und Ethik belegt sowie das Praxissemester absolviert. Die Examensprüfungen selbst sind ebenfalls nicht von schlechten Eltern.

Aber wie die Qualifizierung „erstes“ vor dem „Staatsexamen“ schon andeutet, kommt da noch ein zweites. Dieses steht am Ende des Referendariats, das noch so gut wie jede Lehrkraft zärtlich als „schlimmste Zeit meines Lebens“ bezeichnet. In anderthalb Jahren (Januar bis Juli des Folgejahres) arbeiten die angehenden Lehrkräfte zwischen 50 und 70 Stunden die Woche für rund 1400 Euro Brutto. Bis nachts um zwei zu arbeiten, um am Morgen um 6.00 Uhr wieder in der Schule zu stehen, gehört ebenso zum Alltag von ReferendarInnen wie es jedem Arbeitsrecht Hohn lacht.

Das Referendariat wäre seinen eigenen Artikel wert; im Kontext dieses Textes konzentrieren wir uns auf die Aspekte, die aus formaler Sicht problematisch sind. Neben der teilweise absurden Arbeitsbelastung und dem ungeheuren Psycho-Druck gehört hier vor allem die Intransparenz der alles entscheidenden Noten für die zahlreichen Prüfungen dieser Ausbildungsphase besprochen. Die Lehrproben sind, was abstruse Begründungen und undurchsichtige Bewertungskriterien sowie Bewertungswillkür angeht, legendär. Aber auch die anderen Notenbestandteile, wie die Schulleitungsbewertung oder die Kolloqien, erfüllen zu keiner Sekunde die Standards, die später in der Schule an Leistungsfeststellungen und Abschlussprüfungen gelegt werden. Und wer jetzt denkt „Moment, das Abitur ist jetzt nicht eben transparent bewertet“ hat den Kern des Problems erkannt.

Aus-gebildet

Ist dann auch das zweite Staatsexamen bestanden, befand sich die Junglehrkraft im Schnitt sieben bis acht Jahre in der Ausbildung. Worauf ich damit hinaus will: Das Qualifikationslevel ist sehr hoch. In der freien Wirtschaft sind das üblicherweise Anwärter für Trainee-Programme und ähnliche höhere Jobs. Wir reden hier von Einstiegsgehältern jenseits der 50.000 Euro im Jahr. Ich erwähne das deswegen, weil gerne auf den Bezügen/Gehältern von Lehrkräften herumgeritten wird, als seien diese obszön hoch. Im Vergleich mit der freien Wirtschaft verdienen gymnasiale Lehrkräfte allerdings bestenfalls durchschnittlich gut, wie wir gleich noch näher sehen werden. Bevor wir uns mit dem Gehalt beschäftigen, will ich noch auf den Einstellungsprozess eingehen. Denn der spottet jeder Beschreibung und steht idealerweise am Ende der Ausbildung.

Zumindest in Baden-Württemberg ist der „Normalfall“ einer Lehrkraft die Verbeamtung. Um diese bewerben sich ausgehende ReferendarInnen üblicherweise. Hierzu wird die so genannte Leistungsziffer gebildet, die aus den verrechneten Noten des ersten und zweiten Staatsexamens besteht und zwischen 40 (1,0) und 160 (4,0) liegt. Man reicht seine Unterlagen dann beim Kultusministerium ein (mittlerweile online, man geht ja mit der Zeit) und kann einige Präferenzen bei der Ortsvergabe angeben.

Je mehr solcher Präferenzen man angibt (sagen wir, weil man Familie hat und örtlich nicht ganz so flexibel ist), desto geringer sind logischerweise die Chancen. Aber die Vergabeprozeduren sind in höchstem Maße intransparent. In der Theorie entscheidet einzig und allein die Leistungsziffer, aber die Sachbearbeitenden im Regierungspräsidium haben genügend Möglichkeiten, auf den Prozess Einfluss zu nehmen und gegebenenfalls Favoriten zu bevorzugen. Das passiert auch permanent. Die Schulen selbst haben auf diesen Auswahlprozess praktisch keinen Einfluss. Sie dürfen dem Regierungspräsidium Bedarfe melden, die dieses dann in unterschiedlichem Maß berücksichtig (nur weil Schule X jemand für Englisch und Geschichte braucht heißt das nicht, dass sie nicht unter Umständen jemand für Englisch und Erdkunde bekommt).

Problematisch ist das alles vor allem, weil Bevorzugungen und Benachteiligungen kaum nachvollziehbar sind. Bei einem System, das ostentativ alleine auf der Note beruht und keine Chance für persönliche Eindrücke oder andere Qualifikationen lässt, ist das ein Problem.

Die ideellen Werte

Reden wir kurz über das Geld und andere geldwerte Vorteile des LehrerInnenberufs. Das Einstiegsgehalt für verbeamtete Lehrkräfte (A13) in Baden-Württemberg beträgt aktuell 4623,89€ brutto. Das entspricht 3467,79€ netto. Davon geht noch die Krankenversicherung ab (üblicherweise privat), was sich mit rund 500€ zu Buche schlägt. Eine frisch verbeamtete Lehrkraft verdient daher rund 2900€ netto im Monat – eine durchaus stattliche Summe, wenngleich angesichts des Qualifikationsniveaus durchaus angemessen. Diese Bezüge steigen mit dem Dienstalter automatisch auf aktuell maximal 5687,24€ brutto beziehungsweise 4063,78€ netto (jeweils wieder abzüglich der Krankenversicherung). Olaf Scholz würde das wohl Sehrgutverdienen dienen.

Da sind die Vorteile des Beamtenstatus aber noch nicht am Ende. Beamte können sich privat krankenversichern und bekommen 50% der Krankenversicherung von der Beihilfe bezahlt, sprich, vom Staat. Bei Kindern beträgt dieser Anteil sogar 80%. Dieses absurde System sorgt dafür, dass der Staat eine große Gruppe sehr gut verdienender Familien direkt aus dem gesetzlichen Krankenversicherungssystem zieht und dies sogar großzügig subventioniert.

Zuletzt genannt werden muss die Pension, die deutlich über der Rente liegt. Aktuell werden maximal 71,75% des letzten Grundgehalts als Pension ausbezahlt (wobei in der Realität die wenigsten Lehrkräfte diesen Wert erreichen). Das ist natürlich meilenweit über den rund 45%, die aktuell in der gesetzlichen Rente winken – ohne, dass dafür irgendwelche Abzüge beim Lohn existieren würden.

Deutlich schlechter sieht die Lage für die exakt gleich qualifizierten Lehrkräfte aus, die nicht verbeamtet, sondern angestellt werden. Sie leisten die selbe Arbeit wie ihre verbeamteten KollegInnen, werden aber wesentlich schlechter bezahlt. Das Einstiegsgehalt liegt hier bei 4002,26€ und steigt nach Dienstalter auf maximal 5798,14€ an. Darauf entfallen jedoch die kompletten Sozialabgaben, zudem besteht kein Beihilfeanspruch. De facto sind das mehrere hundert Euro netto im Monat Unterschied – für denselben Job. Man fragt sich wirklich, warum Sachsen und Berlin sich so schwer tun, Lehrkräfte für ihre Schulen zu finden, wo sie doch nicht verbeamten und zudem ihre Angestellten noch schlechter bezahlen als Baden-Württemberg dies tut. Ein Mysterium, das vermutlich nie aufgelöst werden wird.

Noch einmal wesentlich schlechter ist die Lage für alle Lehrkräfte, die bei der immer noch gleichen Qualifikation nicht im öffentlichen Dienst unterkommen, sondern an eine der vielen Privatschulen des Landes gehen (rund 10% der SchülerInnen besuchen mittlerweile eine Privatschule). Je nach Schulträger liegen die Einstiegsgehälter zwischen rund 3100€ und 3700€ im Monat, brutto, ohne irgendwelchen Vorteile. Für die privaten Träger häufig nicht nachvollziehbar tun sich die Privatschulen schwer, qualifiziertes Personal zu finden. Auch das ist ein Mysterium, dessen Klärung trotz zahlreicher studierter (und wesentlich besser bezahlter) BetriebswirtschaftlerInnen in den Leitungsebenen dieser Institutionen aktuell als ungeklärt betrachtet werden muss.

Deputierung

Soweit klingt das alles erst einmal solide, vorausgesetzt, man wurde verbeamtet. Auch sonst nagt man nicht am Hungertuch, wird aber angesichts der Gehälter, die die freie Wirtschaft für Ingenieursberufe oder BWL-benachbarte Professionen zahlt, sicherlich keine Freudensprünge machen – und das Qualifikationslevel ist, man verzeihe mir das Totreiten dieses speziellen Pferdes, absolut vergleichbar, wenn nicht sogar höher. Was aber muss eine Lehrkraft denn für diese Bezüge beziehungsweise Gehälter leisten?

Aktuell beträgt das Volldeputat in Baden-Württemberg für das Gymnasium 25 Wochenstunden Unterricht (Realschule: 27 Stunden, Grundschule: 28 Stunden, Berufsschule: 30 Stunden). Die vertragliche Arbeitszeit für eineN BeamtIn beträgt 41 Wochenstunden und liegt damit deutlich über dem Schnitt der freien Wirtschaft. Für Lehrkräfte allerdings ist sie in vielen Fällen ein unerreichbarer Traum.

Gleich vorweg: Natürlich gibt es eine Reihe fauler Lehrkräfte, die im Endeffekt ihre 25 Stunden runter unterrichten und ansonsten so wenig wie nur irgend möglich arbeiten. Aber Leute, die in ihrer jeweiligen Abteilung ihre 38 Wochenstunden absitzen und wenig zur Produktivität der Firma beitragen, gibt es ebenso. Diese Leute können aber nicht der Maßstab sein, und die Vorstellung, dass sie in der Privatwirtschaft effizienter identifiziert und ausgesiebt würden als beim Staat darf getrost ins Reich der Legenden verwiesen werden. Karriere machen sie in beiden Zweigen üblicherweise nicht. Ich will diesen Punkt daher nicht weiter besprechen und von denjenigen Leuten ausgehen, die ihren Job so machen, wie das vorgesehen ist.

Was bedeuten 25 Deputatstunden Unterricht? Jede Unterrichtsstunde will vorbereitet sein. Mache ich das vernünftig, brauche ich pro Stunde Unterricht irgendwo zwischen einer und vier Stunden Vorbereitung. Dass das für 25 Wochenstunden nicht funktionieren kann, ist klar. Daher Recyclen Lehrkräfte ihren Unterricht aus den Vorjahren und bereiten vor, was sie noch nie gemacht haben und updaten ihr Material aus den Vorjahren. Der übliche Zyklus eines Lehrkraftsarbeitsjahrs ist es, den Unterricht einiger Klassen intensiv vorzubereiten, den einiger anderer anzupassen und wieder einiger anderer zu übernehmen – das heißt, wenn man etwas zum Übernehmen hat.

Fängt man im Beruf neu an, steht man – mit Ausnahme dessen, was man vom Referendariat ausschlachten kann, und das ist nicht viel – vor dem Nichts und muss alles neu aufbauen. Die ersten zwei, drei Jahre als Lehrkraft sind ein Höllentrip, schon alleine, weil man noch in der Probezeit (die dauert regulär drei Jahre) und deswegen permanent gefährdet ist. Die spätere Arbeitsbelastung schwankt dann stark mit der jeweiligen Deputierung: Habe ich Parallelklassen, sinkt mein Aufwand beträchtlich. Manche Fächer sind wesentlich aufwändiger als andere (Deutsch etwa im Vergleich zu Sport). Oberstufe ist aufwändiger in der Vorbereitung als Unterstufe. Und so weiter.

In den Stoßzeiten für Klausuren (vor den Herbstferien, Weihnachtsferien, Osterferien und Pfingstferien) kommen zudem noch stapelweise Korrekturen hinzu. Hat man das Glück, eine Abschlussklasse zu unterrichten, stehen zudem zwischen April und Mai die Erst- und Zweitkorrekturen des schriftlichen Abiturs und im Juni die mündlichen Prüfungen an. Auch hier unterscheidet sich der Aufwand je nach Stufe, Fach und Gewissenhaftigkeit der Lehrkraft erheblich. Für Oberstufenaufsätze in Deutsch etwa kann als Richtwert eine Dreiviertelstunde je Aufsatz angenommen werden, wenn man es ordentlich macht – bei einem Klassenteiler von 33 und vier Klausuren pro Schuljahr eine ganz schöne Menge, die die Ferienzeiten deutlich relativiert.

Der Rattenschwanz

Aber die eigentliche Unterrichtsverpflichtung ist ja nur der sichtbare Teil der Lehrkraftsarbeitszeit. Dazu kommen zum einen Konferenzen. Diese sind deutlich ausufernder, als Außenstehende das üblicherweise auf der Pfanne haben. Pro Jahr sind mindestens sechs Gesamtlehrerkonferenzen abzuhalten, die gerne ihre drei bis vier Stunden dauern. Dazu kommen meist wöchentliche oder zweiwöchentliche kleinere Konferenzen. Die Fachschaften – also die Lehrkräfte, die ein bestimmtes Fach unterrichten, etwa die Geschichte-Fachschaft) treffen sich ebenfalls regelmäßig zu Konferenzen, um Schulcurricula (die Bildungspläne müssen von den Schulen noch individualisiert und bearbeitet werden, was üblicherweise im Rahmen der Fachschaften geschieht) zu erstellen oder überarbeiten, anstehende Themen zu besprechen, Studienfahrten zu planen, Bücherbeschaffungen zu diskutieren und so weiter. Dazu kommen Elternpflegschaften, Elternsprechzeiten, SchülerInnensprechzeiten, was auch immer die KollegInnen gerade von einem wollen und sonstige Termine.

Dazu kommen Aufsichten – die SchülerInnen müssen in den Pausen ja beaufsichtigt werden, Aufsichtspflicht und so weiter – sowie Vertretungen. Die stets künstlich angespannte Personaldecke der Schulen verkraftet Ausfälle durch Krankheit, Fortbildungen etc. kaum; fällt eine Lehrkraft einen Tag aus, müssen üblicherweise irgendwo zwischen vier und acht Stunden Unterricht vertreten werden, soll der Unterricht nicht ausfallen. Pro Monat müssen Lehrkräfte unentgeltlich vier Stunden Vertretungsunterricht ableisten. Nicht vergessen wollen wir an dieser Stelle Studienfahrten und sonstige Ausfahrten und Exkursionen; diese werden uns allerdings noch an anderer Stelle wieder begegnen und sollen hier nur erwähnt werden.

Lehrkräfte sind zudem wegen der Unterausstattung der Schulen durch ihre kommunalen oder privaten Träger immer auch noch Teilzeit-Verwaltungskräfte. Sie müssen SchülerInnenlisten pflegen, Geld einsammeln und verwalten, diverse Protokolle und sonstige Dokumentationen vorhalten, Adresslisten pflegen, Angebote einholen, Konten führen und vieles mehr. Einer durchschnittlichen Schule mit 700 SchülerInnen und 70-80 Lehrkräften stehen häufig nur rund anderthalb Sekretariatsstellen zur Verfügung. Dass das niemals für die gesamte Arbeit reichen kann, ist klar. Dementsprechend viel wird auf die Lehrkräfte abgewälzt.

All diese Aufgaben sorgen für eine permanente Nebenbelastung, die zudem – da niemand für diese Tätigkeiten ausgebildet ist – mit wahnsinnigen Reibungsverlusten einhergeht. Die große rechtliche Verantwortung, die Lehrkräften darüber hinaus aufgebürdet wird, übt einen großen persönlichen Druck aus (hier übrigens sind Privatschulen deutlich im Vorteil; als Unternehmen haben sie größere Verwaltungsapparate mit Rechtsabteilungen und Buchhaltungen, wie sie an öffentlichen Schulen schlicht nicht existieren).

Damit haben wir den formalen Teil soweit abgehandelt. Bis hierher ging es mir vor allem um die Grundlagen. Das hat mehr Raum in Anspruch genommen als ich erwartet hatte. Die eigentliche Betrachtung des rechtsfreien Raum Klassenzimmers wird daher im zweiten Teil des Artikels kommen. Ich werde am Ende wie üblich alles wieder in einen Gesamtartikel zusammenfassen, in einer überarbeiteten Version, die dann auch das Feedback der LeserInnen enthält.

{ 103 comments… add one }
  • CitizenK 7. Oktober 2020, 13:57

    Kann ich fast alles bestätigen. Aber:
    Nur ganz wenige in der privaten Wirtschaft können sich so wie manche Lehrer mit Dienst nach Vorschrift den Zwängen entziehen. Und es gibt viel Wehleidigkeit unter Lehrern, die nicht die Vorteile und Privilegien sehen.

    Jetzt während des Lockdowns: Verantwortungsvolle Lehrer leisten ein Mehrfaches, andere tauchen einfach ab. Folgenlos. Selbst erlebt, durch Berichte vielfach bestätigt.

    Lohnt eine Diskussion über Verbesserungen angesichts der geringen Aussichten auf Änderungen?

    • Stefan Sasse 7. Oktober 2020, 15:31

      Verbesserungen von was?

      • CitizenK 7. Oktober 2020, 16:29

        Lehrerausbildung
        Anerkennung/Vergütung von Mehr-Leistung
        Verbeamtung oder nicht
        Lehrer-Assistenten wie in GB
        usw.

        • Stefan Sasse 7. Oktober 2020, 18:33

          Ich meine, warum sollte sich das nicht lohnen? Die Ausbildung von Lehrkräften zu verbessern sollte ja ein absoluter No-Brainer sein. Anerkennung und Vergütung von Mehrleistung wird schon ewig als Problem diskutiert, ohne dass sich was ändert – vor allem deswegen, weil es die Kosten für den Staat hochtreiben würde, der endlich diese Leistungen anerkennen müsse, die bereits jetzt erbracht werden (kommt in Teil 2 mehr dazu). Verbeamtung – braucht man nicht, aber die Alternative sind Einstiegsgehälter von 70k im Jahr, und davor schrecken die Länder zurück. Deswegen verbeamten sie weiter. Mit den Assistenzlehrkräften im UK kenn ich mich nicht aus, kann ich nix zu sagen.

  • Stefan Sasse 7. Oktober 2020, 22:05

    Ich hab noch eine Anekdote aus meinem heutigen Arbeitstag. In Klasse 13 meldete sich eine Schülerin und erklärte, dass sie unzufrieden mit meinem Unterricht sei. Das Problem war auf drei Ebenen. Das erste war ein rein didaktisches, dem kann (und muss) ich schnell abhelfen, das war meine eigene Nachlässigkeit. Die anderen beiden waren stressiger.

    Sie fragte, ob ich nicht ausführlichere Tafelanschriebe machen könnte. Grundsätzlich kann ich das natürlich, aber ich halte wenig davon, die Tafel mit Text vollzukleistern; das führt nur zu auswendig Lernen (siehe: http://www.deliberationdaily.de/2017/10/blogparade-tafelauschriebe/). Aber ich konnte in einigen konkreten Fragen nachbessern. Das war auch nicht so viel Aufwand.

    Das größte Problem war, dass die Schülerin (für viele andere mitsprechend) erklärte, dass sie die Texte nicht verstünde und deswegen nicht mitarbeiten könne. Ich habe heute also fast zwei Stunden damit verbracht, die Quelltexte dieser Aufgabe (es ging um die Struktur des Völkerrechts, der UNO, der NATO und des IStGH, also nicht eben leichte Kost) komplett zu überarbeiten, mitsamt der Fragestellungen, und dafür einen komplett neuen Aufschrieb zu erstellen, den die SchülerInnen selbst erarbeiten müssen. Zwei Stunden für etwas, das im Unterricht 45 bis 60 Minuten braucht, und das war nur die Überarbeitung einer bereits bestehenden Stundenplanung. Und ich mach den Scheiß seit sieben Jahren!

    Mein Punkt ist, dieser Job ist nie fertig. Wie viel Aufwand und Zeit man da rein steckt ist völlig individuell. Ich hätte auch Schultern zucken können und es auf das Unvermögen der SchülerInnen schieben.

    Aber dann würde ich ja Mathe unterrichten. (Sorry, den konnte ich mir nicht verkneifen :P)

  • Ralf 8. Oktober 2020, 00:02

    Nicht böse sein, aber mir scheint, keines der Probleme, die Du ansprichst, sind unlösbar:

    1) Wenn Lehrer sieben oder acht Jahre an der Uni verbringen, legt das nahe, dass sie zu viel Stoff lernen, den sie eigentlich nicht brauchen. Also müsste man Ballast aus dem Studium entfernen und dafür die Lerninhalte zusammenstreichen. Klingt für mich nicht unmöglich.

    2) Wenn die Vorbereitung für eine Stunde Unterricht ein bis vier Stunden Zeit braucht, dann kann eine völlig neue Unterrichtseinheit eben nur hin und wieder mal geschehen. Dann müssen Klassen eben öfter denselben Stoff durchnehmen, den die Klasse zuvor bereits durchgenommen hatte. Der Anspruch jeder Klasse ein völlig individuelles Programm zu bieten, ist dann einfach zu hoch.

    Allerdings frage ich mich, ob dieses Problem nicht bundesweit alle Lehrer haben. Würde man Lehrmaterialien standardisieren und eine Tauschbörse für Vorbereitungsmaterial einrichten, könnten möglicherweise viel mehr Lehrer von ihren Kollegen, die irgendwo in der Republik leben, profitieren. Programmiercode wird z.B. nach definierten Standardregeln annotiert, editiert und verbreitet, um die maximale Nutzbarmachung durch Dritte möglich zu machen und Austausch und Verständnis zu erleichtern.

    3) Selbst wenn obiger Vorschlag unrealistisch ist, sollten neue Lehrkräfte, die noch keine eigene Materialsammlung haben, nicht vier Stunden arbeiten müssen, um eine einzige Unterrichtsstunde vorzubereiten. Warum kriegen die nicht zunächst mal Material von Kollegen? An der Uni ist das gewöhnlich so, dass wenn neue Professoren anfangen und ihre ersten Vorlesungen halten müssen, die eben Material von älteren Kollegen bekommen. Die erste Vorlesung gibt man dann praktisch vollständig mit Fremdmaterial, möglicherweise mit ein paar persönlichen Einsprengseln, die man hinzugefügt hat. Im Laufe der Jahre ersetzt man dann zunehmend Fremdmaterial durch eigene Beiträge, wenn die Präsentationen schrittweise aktualisiert werden. Warum funktioniert das nicht im Lehrbetrieb?

    4) Auch was die Arbeitsbelastung außerhalb der eigentlichen Lehrtätigkeit angeht, liegt die Lösung auf der Hand. Wenn die Schulen mehr Sekretariatsarbeit haben, als die Sekretärinnen erledigen können, dann müssen sie eben mehr Sekretärinnen einstellen. Mit der Funktionsfähigkeit der Schulen müsste man doch eigentlich Wahlkampf machen können. Bildung ist doch eigentlich ein Thema, das die meisten Menschen – mindestens die Menschen, die Kinder haben – interessiert.

    Fazit: Mit etwas gutem Willen müsste man die Missstände angehen können. Anders als etwa bei der Coronakrise gegenwärtig, wo man oft nur die Wahl zwischen Pest und Cholera hat und man es falsch macht, egal wie man es macht, liegen hier Lösungen ziemlich offensichtlich auf der Hand.

    • Stefan Sasse 8. Oktober 2020, 08:34

      1) Nein, da widerspreche ich dir aufs Schärfste. Die Qualifikation der deutschen Lehrkräfte ist im internationalen Vergleich gerade auch deswegen so hoch, weil wir ein echtes Fachstudium dafür verlangen und nicht nur ein Schmalspurstudium. Das ist der völlig falsche Ansatz.

      2) Das funktioniert deswegen nicht, weil Unterrichten eine sehr individuelle Veranstaltung ist. Material von anderen Lehrkräften kann ich nur dann 1:1 verwenden, wenn ich so was wie ne Vertretungsstunde halte. Eigenständig unterrichten kann ich damit nicht. Diesen Vorschlag hört man von Außenstehenden oft, aber glaub mir, wenn die Lösung für dieses Problem so offensichtlich wäre gäbe es das längst. Beziehungsweise: Es gibt ja Tauschbörsen für Material. Aber das sind Ideensteinbrüche, keine Ideensupermärkte.

      3) Ein Teil des Problems ist natürlich auch die Einzelkämpferkultur an den Schulen. Lehrkräfte teilen sehr ungern ihr hart erarbeitetes Material einfach so (ich nicht, aber ich kenne sehr, sehr viele, bei denen das so ist; war aber an der Uni mit Mitschrieben und Zusammenfassungen schon das Gleiche). Viele Lehrkräfte arbeiten auch ungern mit anderen zusammen. Zum Teil ist das ein Problem der Arbeitskultur, das in meinen Augen dringend angegangen gehört; zum anderen Teil aber auch schlicht ein Zeitproblem. Viele unglaublich sinnvolle Dinge, die Lehrkräfte theoretisch tun könnten, scheitern einfach daran, dass es keine Zeit dafür gibt. Man müsste die Stundenverpflichtung runtersetzen, um etwa gemeinsame Projekte, fächerübergreifenden Unterricht oder solche Sachen zu machen, die alle unzweifelhaft gut wären. Aber das würde Geld kosten.

      4) Klar liegt die Lösung auf der Hand. Die Lösung der Klimakrise liegt aber auch auf der Hand. Das ändert nichts dran, dass die entsprechenden Stellen nicht bereit sind, das Geld auszugeben.

      • Ralf 8. Oktober 2020, 11:31

        Die Qualifikation der deutschen Lehrkräfte ist im internationalen Vergleich gerade auch deswegen so hoch, weil wir ein echtes Fachstudium dafür verlangen und nicht nur ein Schmalspurstudium.

        Da bin ich ganz bei Dir. Aber man braucht nicht sieben bis acht Jahre für ein “echtes Fachstudium”. Wenn Dein Studium sieben oder acht Jahre dauert, dann ist das ein Zeichen, dass da zu viel Stoff ist. Wozu, um ein Beispiel von Dir selbst aufzugreifen, muss ein Geschichtslehrer Latein sprechen? Ja, ein Professor für Antike Geschichte sollte offensichtlich Latein sprechen. Aber ein Geschichtslehrer? Das macht hinten und vorne keinen Sinn. Und ich bin ziemlich sicher, dass Ähnliches für andere Inhalte gilt. Das Lehramtstudium im Schnitt von 7-8 auf 4-5 Jahre zu reduzieren, sollte absolut möglich sein, ohne das Studium in ein “Schmalspurstudium” zu verwandeln.

        Das funktioniert deswegen nicht, weil Unterrichten eine sehr individuelle Veranstaltung ist.

        Warum funktioniert das an der Uni? Dort werden Vorlesungsmaterialien intensiv getauscht. Ich hab keinen Einblick in das Leben in einem heutigen Klassenzimmer. Als ich Schüler war, waren Unterrichtsmedien hauptsächlich “Hardcopies”, also Projektorfilme, Videokassetten und Folien für den Overhead-Projektor. Sowas ist schlecht tauschbar. Aber Vorlesungen werden heutzutage praktisch ausschließlich über PowerPoint gehalten und PowerPoint-Files kann man sehr einfach tauschen. Würde weniger an Tafeln geschrieben und mehr Inhalt als PowerPoint-Slides im Unterricht gezeigt, könnte man mehr zirkulierendes Material für die Gemeinschaft nutzbar machen. Stell Dir z.B. vor, es gäbe eine Tauschbörse mit 30 einstündigen PowerPoint-Präsentationen zum Thema Bismarck (Standardisieren wäre wie gesagt wichtig!). Dann müsste es doch mit dem Teufel zugehen, wenn Du da nicht eine Präsentation findest, die zu Deinem Unterricht passt. Vor allem wenn Lehrer das tun würden, was Programmierer z.B. machen: Code anderer nutzen, editieren und das verbesserte Material der Community wieder zur Verfügung stellen.

        • TBeermann 8. Oktober 2020, 12:36

          Schwierig. Ein normales wissenschaftliches Studium hat eine Regelstudienzeit von 8-10 Semestern, je nach Fach. Da wären wir schon bei 4-5 Jahren. Da kommen die ganzen pädagogischen Inhalte noch oben drauf und dazu eineinhalb Jahre Referendariat.

          • Ralf 8. Oktober 2020, 13:47

            Eben gerade dieser Vergleich mit dem wissenschaftlichen Studium hinkt für mich. Ein Physiklehrer muss nicht so viel Physik können wie ein Physiker. Ein Geschichtslehrer muss nicht so viel Geschichte können wie ein Historiker. Lehrer geben an Schulen ein unheimlich oberflächliches, einführendes Wissen an die Klassen weiter. Da geht es um’s Reinschnuppern, um’s Appetit machen, nicht darum die Grenzen des Wissens der Menschheit auszudehnen. Ein Physiklehrer z.B. muss genug von der Materie verstehen, dass er in zwei, drei Sätzen erklären kann, wofür die drei diesjährigen Nobelpreisträger ausgezeichnet worden sind. Zum Thema gibt es hunderte populärwissenschaftliche Artikel, deren Lesen fünf Minuten kostet. Ich könnte z.B. problemlos erklären, für welche Leistungen die Wissenschaftler ausgezeichnet wurden, ohne jemals offiziell irgendetwas mit der Physik von Schwarzen Löchern zu tun gehabt zu haben. Aber ein Physiklehrer braucht kein umfassendes Detailwissen zu quantenmechanischen Aspekten von Schwarzen Löchern. Das ist schlicht nicht sein Job. Und darauf zielte etwa auch das Beispiel mit dem Lateinabschluss ab bei Geschichtslehrern. Wofür zum Teufel muss der Geschichtslehrer lateinisch sprechen? In der Praxis werden die alten Römer maximal in einem von neun Gymnasialjahren mal vorübergehend vorkommen. Und das alte Rom kann man auf einem Niveau, das nötig ist, um es einem Sechstklässler zu erklären, auch verstehen ohne Originalquellen und stattdessen die Übersetzung gelesen zu haben.

            • Stefan Sasse 8. Oktober 2020, 14:55

              Und hier bist du schief gewickelt. Die Kompetenzen als Geschichtslehrer, die mich zu einem guten Geschichtslehrer machen, habe ich im Hauptstudium erworben. Und natürlich spricht der Geschichtslehrer kein Latein. Das tun die meisten Historiker nicht, wenn sie sich nicht zufällig mit der Antike beschäftigen. Aber darum geht es auch nicht. Ich muss als Lehrkraft in der Lage sein, mich in meinem Fachgebiet methodisch sicher zu bewegen. Wir sind keine Wissensvermittler, das ist eine völlig falsche Vorstellung vom Lehrkraftsberuf. Deswegen gibt es auch keinen standartisierten Unterricht. Wenn ich nur Basiswissen über Bismarck vermitteln müsste, könnte ich natürlich einfach die PPP von jemand anderem runternudeln und zur Vorbereitung noch mal Wissen2Go anschauen. Aber das ist nicht mein Job. Mein Job ist es, die SchülerInnen dahin zu bringen, dass sie begründete Antworten auf die Frage stellen können, ob das Kaiserreich einen Sonderweg in Europa darstellt. Ob Weimar scheitern musste oder eine Chance hatte. Welche Rolle die französische Revolution für das Verständnis vom „Westen“ hat. So was erfordert WESENTLICH mehr Kompetenz, als einE SchülerIn hat. Und das erfordert eben ein Fachstudium.

              • Blechmann 9. Oktober 2020, 15:41

                Das ist aber schon ein sehr hoher Anspruch. Sowas gabs zu meiner Schulzeit noch nicht. Um zu beurteilen, ob das Kaiserreich einen Sonderweg darstellt, müsste ich eine generelle Vorstellung von der Entwicklung der Staaten haben. Auch ein Grundverständnis von Gesellschaft. Wenn sowas heute vermittelt wird im Geschichtsunterricht, Respekt.

                Ich weiß noch, die erste Schulstunde in der fünften Klasse hatte das Thema: „Der Urmensch“. In der sechsten dann „Antike“ oder so, im nächsten Jahr „Mittelalter“, bis zur Neuzeit in der Zehnten.

                • Stefan Sasse 9. Oktober 2020, 17:29

                  Ja, der verdammte chronologische Durchlauf. Den gibt’s grundsätzlich immer noch. Aber: Der Anspruch ist wirklich WESENTLICH höher als er das früher war. Das gilt aber für praktisch alle Fächer.

          • Stefan Sasse 8. Oktober 2020, 14:44

            Ich wurde in der Regelstudienzeit fertig. 🙂

        • Stefan Sasse 8. Oktober 2020, 14:40

          Ich weiß auch nicht wie wir von den 10 Semestern in meinem Beitrag auf sieben bis acht Jahre kommen?

          Das Ding ist eben, dass Unterricht nicht standartisiert ist! Was will ich mit einer Präsentation über Bismarck, wenn ich den nur am Rande besprechen will? Die Bildungspläne lassen individuellen Lehrkräften sehr große Freiheiten. Willst du das nicht, kannst du auf ein standartisiertes Testsystem mit standartisierten Bildungsplänen gehen, dann kannst auch standartisierten Unterricht machen. Wäre halt scheiße.

          • Ralf 8. Oktober 2020, 16:03

            Die sieben, acht Jahre hab ich aus Deinem Zitat:

            Ist dann auch das zweite Staatsexamen bestanden, befand sich die Junglehrkraft im Schnitt sieben bis acht Jahre in der Ausbildung.

            Was den standardisierten Unterricht angeht, sehe ich weniger Probleme als Du. Bei Vorlesungen an der Uni ist es wie gesagt genauso. Ein Großteil des Materials steht fest und dieses Material wird dann gegebenenfalls erweitert um Felder, auf denen der Professor besondere Expertise hat. Es ist ein Gemisch aus Standard und individuellen Teilen. Und die individuellen Teile nehmen im Laufe der Zeit zu, weil man die schrittweise zu seinem Material hinzubaut.

            Wenn es eine vernünftige Tauschbörse für standardisiertes Lehrermaterial gäbe (“standardisiert” heißt in diesem Zusammenhang z.B. eine genau einstündige Präsentation, sowie Schlüsselfragen zum Themenkomplex mit ihren Antworten) würdest Du sicher auch etwas anderes finden als Bismarck, wenn Du Bismarck partout nicht diskutieren möchtest. Aber wenn Du in dieser hypothetischen Tauschbörse eine superschöne Präsentation über Bismarck finden würdest, würdest Du das Thema vielleicht eher berücksichtigen.

            Damit will ich nicht Deinen Enthusiasmus bremsen. Natürlich wäre der Idealfall immer, dass jede Klasse einen komplett auf die individuellen Schüler zugeschnittenen Unterricht bekommt, der sich laufend völlig neu erfindet. Ich ziehe meinen Hut vor denen, die sich die Mühe dazu machen. Aber das ist halt ein freiwilliger Mehraufwand, der weit über das, was nötig ist, hinausgeht …

            • Stefan Sasse 8. Oktober 2020, 16:10

              Sieben, acht Jahre inklusive Ref. Nicht exlusive.

              Wie gesagt, eine solche Tauschbörse mit dem Material, das du dir vorstellst, würde das Niveau des Unterrichts und der Lernerfolge ins Bodenlose senken. Und ich will mich gar nicht als so geil hinstellen, ich arbeite vielleicht durchschnittlich viel. Ich kenne viele Lehrkräfte, die wesentlich mehr Energie und Arbeit und auch Innovativkraft reinstecken.

              • Ralf 8. Oktober 2020, 16:26

                Das ist für mich nicht nachvollziehbar. Wir haben als Schüler früher auch dieselben Arbeitsblätter und Overhead-Folien präsentiert bekommen, die schon Generationen vor uns zu sehen bekamen. Unsere Schulbücher waren teilweise aus den 50er Jahren. Wir hatten noch Filmprojektoren, die man heute nur noch im Historischen Museum findet. PowerPoint-Präsentationen können wenigstens aktualisiert werden und sie können ergänzt werden um Inhalte, die Dir wichtig sind. Und wenn sich jemand viel Mühe gemacht hat, profitiert nicht nur die eigene Klasse, sondern möglicherweise unzählige weitere Klassen. Inklusive der Klassen derjenigen Lehrer, die sich keinerlei Mühe geben.

                Und natürlich kann man Präsentationen zu komplexen Themen wie “War der Fall der Weimarer Republik zwingend?” machen und nicht nur zu Bismarcks persönlicher Biographie. Stell Dir vor, Du würdest das Thema Deiner Schulklasse in einer PowerPoint-Präsentation von einer Stunde vermitteln wollen. Wenn Du ein paar Wochen Zeit hast, da richtig viel Herzblut und Arbeit reinzustecken, bis alles perfekt ist, warum sollte Dein Kollege nebenan im Klassenzimmer oder Dein Kollege an einer Schule in Sachsen-Anhalt nicht genau dieselbe Präsentation geben können? Wieso würde das die Lernerfolge ins Bodenlose senken?

                • Stefan Sasse 8. Oktober 2020, 17:37

                  Das ist für mich nicht nachvollziehbar. Wir haben als Schüler früher auch dieselben Arbeitsblätter und Overhead-Folien präsentiert bekommen, die schon Generationen vor uns zu sehen bekamen. Unsere Schulbücher waren teilweise aus den 50er Jahren. Wir hatten noch Filmprojektoren, die man heute nur noch im Historischen Museum findet.

                  Ich zitiere mal ein unbekanntes Genie: „Das kann man schon so machen, ist dann halt scheiße“.

                  Ich glaube, du hast eine falsche Vorstellung von Unterricht. Hätte ich eine PPP, anhand derer ich irgendwas vermittle – hielte also einen Vortrag – ich würde niemals auch nur zwei Wochen Referendariat überstehen ^^ Wir als Lehrkräfte sollen Lernbegleiter sein, nicht unendliche Weisheit vom Katheter ausschütten. Die SchülerInnen sollen ihre Erkenntnisse selbst erarbeiten. Da bringt mir eine PPP nichts.

                  • Ralf 8. Oktober 2020, 21:40

                    Naja, also ich hab ja auch mal eine Schule besucht und bin jetzt mit Unterricht schon etwas vertraut, schon deshalb weil ich beruflich zahlreiche Studenten angeleitet habe. Deshalb ist mir wichtig zu sagen, dass kein Mensch behauptet, der Lehrer solle einen Vortrag ähnlich einem TED-Vortrag halten, bei dem das Publikum (-> die Klasse) nur da sitzt, den Mund hält und staunt. Man kann Vorträge auch interaktiv gestalten, gerade dann wenn die Schüler nicht zu zahlreich sind. Man kann z.B. visuell attraktiv mit einer Präsentation ein Konzept erläutern und dann Diskussionen dazu in den Vortrag einbinden. Viel anders haben die Lehrer das bei uns früher auch nicht gemacht. Der einzige Unterschied war, dass statt einer optisch packenden und gut erprobt und in sich abgestimmten Präsentation spontan und meist unleserlich irgendetwas auf die Tafel oder auf eine Overhead-Folie gekritzelt wurde. Und nachdem das ausgewischt war, war die Information für immer verloren, wenn man nicht schnell genug mitgeschrieben hatte.

                    • Stefan Sasse 8. Oktober 2020, 22:17

                      Ja, aber du beschreibst auch echt Unterricht der untersten Schublade. Das ist ja nicht der Standard.

            • CitizenK 8. Oktober 2020, 17:17

              … aber erst dann macht das Unterrichten Freude. Sonst würde eine eine Linkliste zu YT-Videos reichen….

              • Stefan Sasse 8. Oktober 2020, 17:39

                Eben. Wozu bräuchte ich dann Lehrkräfte? Ein Video reichte. Einmal aufgenommen, vom besten. (Der feuchte Traum meines Vorstandschefs, da bin ich sicher)

  • CitizenK 8. Oktober 2020, 08:15

    Das mit dem Material wird doch auch gemacht, vor der Computerzeit per Leitz-Ordner. Nach meiner Erfahrung kann man mit fremdem Material nur bedingt arbeiten.

    Schulsekretärinnen (und Hausmeister) sind Angestellte der Kommunen. Deren Finanzkraft ist bekanntlich gering und unterschiedlich. Um die Halb- (und Viertel- kein Witz) Stellen balgen sich die Schulen.

    Wahlkampf um Bildung wird ja gemacht. Verbesserungen bringt das nur wenig. Wie es mit dem Stellenwert von Bildung wirklich aussieht, zeigt der Vergleich von Schulgebäuden und deren Ausstattung mit denen von Banken, Versicherungen und Konzernen. Beim Blick nach Dänemark wird man da als deutscher Lehrer abwechseln traurig und wütend.

    • Stefan Sasse 8. Oktober 2020, 08:36

      Exakt.

      Exakt.

      Exakt.

    • Maniac 8. Oktober 2020, 12:57

      Kurze Anmerkung zur Finanzsituation der Kommunen:

      Das ist natürlich nicht grundsätzlich falsch. Aber das gilt für die Länder doch auch. Die von Stefan geschilderte Problematik der in vielen Bereichen viel zu knapp bemessenenen Lehrerstunden kommen doch auch daher, dass die Länder nicht mehr Geld ausgeben können bzw. wollen. Es ist doch hochgradig naiv zu glauben, dass das bei Sekretär*innen besser wäre.

      Verwaltungs- und Zuarbeiten haben keinen Wert. Deshalb wird dafür einerseits kein oder so wenig fachkundiges Personal wie möglich bezahlt und andererseits wird dafür auch dem übrigen Personal, dass diese Aufgaben dann (fachfremd und schlecht) mitmachen muss, keine Zeit zugestanden.

      Richtig wäre es, die Lehrer allein auf den Unterricht zu konzentrieren, den Schulleitern die Leitungsaufgaben zu überlassen und alle anknüpfenden Themen wie Haushalt, Organisation, Personalbetreuung, Liegenschafts- und Sitzungsmanagement, Beschaffung etc. einer fachkundigen Verwaltungseinheit zu überlassen. Eine Schule ist eine Behörde, manche sind richtig große Behörden. Dem müsste auch endlich Rechnung getragen werden, damit Lehrer das tun können, wofür sie in langer Ausbildung vorbereitet wurden.

      Und nein, die überschulischen Schulämter (egal ob regional oder überregional organisiert) sind kein adäquater Ersatz zur Wahrnehmung all dieser Aufgaben. Es gibt eben ein Haufen Vor-Ort-Aufgaben (gerade auch mit dem Konzept der eigenverantwortlichen Schule), die nicht zentral abgearbeitet werden können.

      Da eine derartige Neuausrichtung für den Mega-Apparat Schule zu enormen Kosten führen würde, wird das einfach nicht gemacht bzw. kann das einfach nicht gemacht werden. Die Aufteilung zwischen Land und Kommunen ist dabei erstmal zweitrangig (erschwert aber die Lösung, natürlich).

      Gruß, M.

      • Stefan Sasse 8. Oktober 2020, 14:47

        Exakt. Ein Schulleiter (die meisten sind nach wie vor männlich) ist oft der Vorgesetzte von 100 oder mehr Lehrkräften und verwaltet hunderte bis tausende (wenn man die Eltern mitrechnet) Kunden. Am Gymnasium gibt es dafür üblicherweise eine „Entlastung“ für die Schulleitung von irgendwo zwischen insgesamt 20 und 30 Deputatsstunden (ja, Schulleitungen unterrichten auch noch, aber das ist auch gut so). Insgesamt zeigt das System Schule, dass der häufig von Liberalen vorgebrachte Vorwurf ausufernder Verwaltungen einfach ein reines Klischee ist. Eine so schlanke Verwaltung wie die Schulen hat praktisch kein Unternehmen.

        • Kning4711 8. Oktober 2020, 17:16

          Das Finanzierungsargument lasse ich nicht gelten, das Problem ist politische Einflussnahme. Wenn Kinder wählen dürften, würden auch Schulen anders finanziert.

          Es ist immer eine Frage von Prioritäten. Es soll Industrieländer geben, die geben 6 bis 7 % Ihres BIPs für Bildung aus und wenn man dass ein paar Jahre macht entstehen echte Wettbewerbsvorteile (siehe Finnland, Dänemark) – aber in Deutschland wird Bildung als Kostenposition in Haushalt verstanden und nicht als Invest.

          • CitizenK 8. Oktober 2020, 17:38

            So ist es. Hinzu kommt die Wertschätzung der Bildung und der Lehrer in den nordischen Ländern.

            Wenn man wie bei uns ständig betteln muss um das Notwendige, weil: Kostenfaktor, das färbt auf das Selbstbild ab und die Motivation.

          • Stefan Sasse 8. Oktober 2020, 17:39

            Klar, aber das Geld ist halt nicht da. Und es gibt keine politische Kraft, die es investieren will. Und ehrlicherweise fordert die Wählerschaft es ja auch nicht.

      • Erwin Gabriel 11. Oktober 2020, 07:39

        Die wenigsten Eltern wollen für alle Kinder besseren Unterricht – sie wollen für ihre eigenen Kinder bessere Noten. Also zielt deren Druck, deren Einflussnahme nicht in die Politik, sondern nur auf die Schule, nur auf den Lehrer.

        Dass sich dort Stress und Arbeit erhöhen (Untat bei den eigentlichen Verursachern der Misere), was sich dann wieder negativ auf die Leistung der LehrerInnen und des Unterrichts niederschlägt, wird nicht verstanden, oder es interessiert nicht.

  • Kning4711 8. Oktober 2020, 11:34

    Vielen Dank für den Einblick in den Lehrerberuf. In meinen Augen ist das Hauptübel die chronische Unterfinanzierung des Systems, was dann dann dazu führt, dass Lehrer überfordert werden. Zu viele Schüler pro Klasse, dadurch überproportionale Belastung. Fällt ein Kollege aus, ist die Malaise perfekt.
    Zusätzlich keine administrative Hilfe und weitere Aufgaben – ich habe Lehrer in meinem Freundeskreis die mittlerweile eher Sozialarbeiter sind, der Schulpsychologische Dienst ist völlig überlastet. Hinzu kommt das wichtige, aber auch sehr aufwändige Thema der Inklusion.
    Die Bildungsausgaben sind in Deutschland zu niedrig, wir sollten eine BIP Quote von 9% anstreben, um entsprechend die Versäumnisse der der Vergangenheit abholen zu können.

    Eine letzte Frage habe ich dann aber doch:
    Immer wieder liest man von staatlichen Schulen, wo es dann doch anders ist. Gute Inklusionsarbeit, gute Schulsozialarbeit, gutes Teamwork bei den Lehrern, gibt es für solche Schulen besondere Fördertöpfe? Sind die Schulleiter einfach besonders clever? Warum werden gute Modelle nicht multipliziert, ist das auch einfach ein Geld-Thema?

    • Stefan Sasse 8. Oktober 2020, 14:43

      Danke!

      Einerseits ist es eine Finanzierungsfrage, andererseits erfordert es halt tausende Stunden unbezahlter Mehrarbeit durch das Kollegium. An manchen Schulen hast du das, und alle teilen dieselbe Vision UND sind bereit, zwei oder drei Jahre unbezahlt 130% zu geben. Dann geht das.

      • Kning4711 8. Oktober 2020, 17:10

        Danke für die Antwort – ja sowas habe ich mir gedacht. Dann ist es ähnlich wie bei einem Unternehmen, gutes Leadership, dass eine Vision vermitteln kann, zahlt sich aus.

        • Stefan Sasse 8. Oktober 2020, 17:38

          Klar, immer! Das ist ja der Punkt, auf dem ich hier gerne beharre: Unternehmen und Behörden sind sich in viel mehr ähnlich, als manche das einzugestehen bereit sind.

    • CitizenK 8. Oktober 2020, 17:13

      Interessant wäre in diesem Zusammenhang, sich die Geschichte der einstmals berüchtigten, jetzt berühmten Rütli-Schule in Berlin anzusehen: Von der Brennpunkt- zur Vorzeigeschule.

  • Lemmy Caution 9. Oktober 2020, 00:01

    Das mit der subventionierten PKV wusste ich nicht. Haben die Lobbyisten der Versicherungswirtschaft bestimmt geschickt eingefädelt. Diese Branche stellt immer wieder liebe Kunden von mir.

    • CitizenK 9. Oktober 2020, 07:55

      Allerdings soll dieses Modell für den Staat billiger sein als die gesetzliche Versicherung.

      Die Verwaltung außerhalb ist allerdings aufwendig und ineffektiv: Der Arzt schreibt eine Rechnung, die geht per Post an den Beamten. Der listet sie 2x auf und reicht sie 2 x ein, dann wird sie 2 x geprüft. Bei der GKV wird längst direkt elektronisch zwischen Arzt und Krankenkasse abgerechnet.

      • Stefan Sasse 9. Oktober 2020, 14:08

        Ist korrekt.

        Und erwähnte ich schon dass Lehrkräfte massenhaft Verwaltungstätigkeit haben? ^^

  • Erwin Gabriel 9. Oktober 2020, 09:42

    Hallo Stefan,

    Vorab: Dieser „Vormittags Recht, nachmittags frei“-Spruch gehört in die gleiche Kategorie wie „Wer nichts wird, wird Wirt“ undstammt aus einer Zeit, als Absolventen eines Gymnasiums oder einer Universität die Wahl eines Handwerksberufs für den Nachweis mangelnder Intelligenz hielten.

    Meine Lehrer aus der Zeit (frühe 70er) waren meist Recht-und-Ordnung-Typen, einer war ein verkappter Langhaariger, der ständig über Brecht diskutieren wollte. Mein Mathe-Lehrer trug den Vornamen Adolf („so, jetzt wisst ihr, wie meine Eltern zur Zeit des Dritten Reiches gestrickt waren“), und trug (im Mathe-Unterricht!!) gelegentlich selbst verfasste Gedichte vor (manchmal sogar – in unserer Latein-Klasse – in französischer Sprache). Er war der stellvertretende Rektor, also hat sich keiner beschwert.

    „Moderne“ Lehrer lernte ich nur durch unsere Kinder kennen; zwei waren toll, und die Klasse wäre für sie durchs Feuer gegangen. Der Rest arrogant, überfordert, ahnungslos, aggressiv, regelrecht dumm (Mehrfachnennungen möglich). Verschärft wurde diese Situation durch ständige Wechsel in der Bildungspolitik.

    Gute und schlechte Vorgesetzte, Kollegen etc. gibt es überall. Die einen machen das Beste aus allem und engagieren sich, andere ducken sich weg. Auch Lehrer, auch Eltern (die für ihr eigenes Versagen in Lehrern einen optimalen Sündenbock haben).

    Zur Bezahlung: Da kann man nur die Netto-Beträge vergleichen, und die Pension eines erfüllten (verbeamteten) Lehrerlebens werde ich auch mit 50 Jahren Einzahlung in Höhe der oberen Bemessungsgrenze nie erreichen können.

    Wie überall: Schlechte Kollegen sind weit überbezahlt, richtig gute sind unbezahlbar.

    • Stefan Sasse 9. Oktober 2020, 14:09

      Es wäre wirklich schön, wenn man diesen Klischees nicht ständig im Alltag begegnen würde…

      Ansonsten stimme ich dir völlig zu. Das ist ja auch ein bisschen mein Punkt: Versuchen, die Perspektive auf Lehrkräfte zu normalisieren.

  • JaJa 9. Oktober 2020, 14:21

    Kinderkommission des Deutschen Bundestages am Mittwoch, 9. September 2020
    Prof. Dr. Klundt

    Obgleich Bund, Länder und Kommunen auch in Zeiten der Corona-Pandemie zur vollumfänglichen Umsetzung der Kinderrechtskonvention verpflichtet waren und sind, konnte mit dieser Untersuchung nachgewiesen werden, dass dies in der Praxis weitgehend versäumt wurde. So sind nachweislich elementare Schutz-, Fürsorge- und Beteiligungsrechte von circa 13 Millionen Kindern und Jugendlichen verletzt worden. Faktisch alle Entscheidungen und Maßnahmen der Politik seit März/April wurden somit völkerrechtsverstoßend und bundesgesetzwidrig ohne vorrangige Berücksichtigung des Kindeswohls vorgenommen. […]
    Diese instrumentelle Form von Behandlung von Kindern, diese verobjektivierende Form von Kindern betrachte ich auch als eine Form von Kindeswohlgefährdung.

    Prof Michael Kundt – 13 Mio Kinder wie Objekte behandelt!
    https://www.youtube.com/watch?v=j5Tj7-9aH68

    • Ralf 9. Oktober 2020, 14:55

      Das ist Unsinn. Zu den Interessen der 13 Millionen Kinder gehört auch lebende Großeltern zu haben und dass die wirtschaftliche und gesellschaftliche Verwüstung des Landes so gering wie möglich ist. Immerhin hängt daran die Zukunft der Kinder. Deutschland ist viel besser durch die Krise gekommen als z.B. die USA, wo viel zu früh auf Lockerungen gesetzt wurde. Auch die Schulen, an deren Offenbleiben Kinder etwa ein elementares Interesse haben, können nur solange weiter betrieben werden, wie die Infektionsraten nicht systembedrohende Zahlen überschreiten. Der Lockdown in März/April war also ganz im Interesse der Kinder.

      • CitizenK 9. Oktober 2020, 16:01

        Ein Professorentitel ist halt keine Garantie für eine ideologiefreie Betrachtung der Wirklichkeit.

        • Ralf 9. Oktober 2020, 16:06

          Du sagst es. Und ein Sozialwissenschaftler, der am Kinderwohl forscht, kann auch die medizinischen Folgen seiner Ratschläge garnicht absehen.

        • Stefan Sasse 9. Oktober 2020, 17:30

          Nein, aber ein wesentlich besserer Indikator als kein Professorentitel.

        • popper 9. Oktober 2020, 17:55

          @CitizenK
          Dieser Professor wurde als Experte von der Kinderkommission des Deutschen Bundestages (KiKo) eingeladen, um seine Expertise abzugeben, weil er ideologischen Kram verbreitet? Geht’s noch? Diesen Unsinn bringst Du regelmäßig, wenn Du keine Argumente hast.

          Er äußerte sich dabei nicht zu medizinischen Fragen, sondern beklagte die Missachtung der Umsetzung der UN-Kinderechtskonvention sowie die daraus resultierende Verletzung der Schutz- Fürsorge- und Beteiligungsrechte der Kinder unter Außerkraftsetzung von Bundesgesetzen und ohne vorrangige Beachtung des Kindeswohls. Das als Ideologie zu bezeichnen, ist anmaßend und respektlos, ohne jede sachliche Grundlage.

          • Ralf 9. Oktober 2020, 18:15

            Die sachliche Grundlage ist oben genannt worden.

            • popper 9. Oktober 2020, 19:32

              @Ralf
              Eine wissenschaftliche Expertise ist keine Ideologie. Man kann der Auffassung sein, die Maßnahmen seien notwendig gewesen. Für den epidemiologischen Nutzen fehlt allerdings bis dato jede wissenschaftliche Evidenz.

              Alle Parameter und Zahlen weltweit widerlegen sämtliche Prognosen zu Verlauf, Gefährlichkeit und Sterblichkeit. In allen Lockdowns haben sich die Todesraten erhöht bei absteigenden Inzidenz.

              Andererseits ist Konsensus, Kinderrechte haben zu Beginn der „Pandemie“ zunächst überhaupt keine Rolle gespielt. Kinder waren nicht systemrelevant. Heute sind 1,5 Milliarden Kinder weltweit von Bildungsexklusion betroffen, 500 Millionen bekommen keinen Ersatzunterricht, für 350 Millionen fällt die Schulspeisung weg. Bund und Länder sind ihrer Verpflichtung zu Schutz und Fürsorge für Millionen Kinder nicht nachgekommen, sondern haben Kinder wie Objekte behandelt. Die soziale Polarisierung hat sich bis heute verstärkt. Das sind Erkenntnisse, die sich nicht rechtfertigen lassen, mit dem Hinweis auf einen imaginären medizinischen Nutzen, der nach heutigem Kenntnisstand zu keinem Zeitpunkt zwingend war, sondern von Anfang an vom politischen Nutzen dominiert und verdrängt wurde.

              • Stefan Sasse 9. Oktober 2020, 23:02

                Das ist kompletter Schwachsinn. Ein oberflächlicher Blick auf die Raten zeigt deutlich, dass sie absinken.

    • JaJa 9. Oktober 2020, 16:13

      Wie steht denn eigentlich der Herr Lehrer zur Kindeswohlgefährdung per Maskenpflicht? Es gab ja jetzt schon einige Todesfälle. Außerdem sind an den Schulen auch schon einige Kinder bewußtlos umgefallen. (=Kindeswohlgefährdung)
      Na, Herr Sasse, wie fühlt man sich so in einem Unrechtsstaat als Ausführungsgehilfe?

    • Stefan Sasse 9. Oktober 2020, 17:28

      Ich gehe auf das Thema Corona und Schule im zweiten Teil des Artikels ein, bitte bis dahin Geduld.

    • Stefan Sasse 9. Oktober 2020, 18:46

      Ich hab das Video jetzt komplett angeschaut. Ich kann nur komplett und vollumfänglich zustimmen.

      Nur verstehst offensichtlich weder du noch die Kommentatoren drunter, was Klundt sagt.

      • CitizenK 9. Oktober 2020, 18:55

        „13 Millionen Kinder wie Objekte behandelt“ – da stimmst Du voll-umfänglich zu?

        Was glaubst Du, was dabei herauskommt, wenn all die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, die er zusammenbringen will, monatelang über Maßnahmen diskutieren – während die Infektionszahlen zunehmen und mehr und mehr Schulen und Kitas schließen müssen. Oder sollen die offenbleiben, auch wenn Lehrer/Erzieher und Schüler/Kitakinder infiziert sind? Ist das seine Vorstellung von Kindeswohl?

        Dass die Corona-Krise soziale Missstände verschärft hat, wussten wir alle auch schon vorher. Wenn der Herr Professor im Sinne des Kindeswohls eine gänzlich andere Schul- und Kita-Praxis (Verdoppelung des Bildungsetats und Halbierung des Betreuungsschlüssels und des Klassenteilers) anmahnen würde, dann wäre ich ganz seiner Meinung. Er müsste dann halt noch sagen, woher das Geld und das Personal kommen soll.

        • popper 9. Oktober 2020, 21:47

          @CitizenK
          …die Infektionszahlen zunehmen… heißt was? In der ARD Corona-Sondersendung am Montag wurde doch deutlich, dass diese Zahl nichts über Infektion,
          Erkrankung und Übertragbarkeit aussagt, wenn man Sie nicht ins Verhältnis zu anderen Parametern setzt. Wir haben bis heute keine Übersterblichkeit. Wir hatten über 9.000 Tode, die Teil einer wöchentlichen Sterberate von ca. 20.000 sind, also von März bis Oktober etwa 525.000. Dafür quält man Kinder mit Masken? Unmenschlich, unsolidarisch, gesundheitsschädlich und angesichts vieler Tode durch unterlasse Hilfeleistungen, Fehlbehandlungen durch überforderte und kontraindikative Medikamentation, eine reine Farce.

          • Ralf 9. Oktober 2020, 22:03

            Das ist schon wieder gelogen von unserem Herrn Ahnungslos. Hier zur Übersterblichkeit:

            https://www.destatis.de/DE/Themen/Querschnitt/Corona/Gesellschaft/bevoelkerung-sterbefaelle.html

            Den Rest des Posts über das Quälen von Kindern können Sie bei Ihrer nächsten QAnon-Versammlung erzählen. Unter erwachsenen Menschen hat solcher Blödsinn keinen Platz.

            • popper 9. Oktober 2020, 23:07

              Muss Sie leider korrigieren. Der Halbwahrheitenverramscher und Schwindler mit Zahlen sind Sie. Übersterblichkeit ist ein Jahreswert und ergibt sich im Verhältnis zu anderen Jahren. Das Statistische Bundesamt hat die wöchentlichen Sterbefallzahlen der letzten Jahre verglichen. Danach haben die Sterbefallzahlen im April zwar zeitweise deutlich über dem Durchschnitt gelegen, doch seit Anfang Mai bewegen sich die Zahlen wieder im Durchschnitt. Die letzte derzeit in diesem Vergleich erfasste 32. Kalenderwoche zeigt, dass es, wenn, je nach Aufbereitung der Zahlen überhaupt eine geringe Übersterblichkeit gibt, an der Covid-19 aber kaum einen Anteil hat. Diese Zahlen stellen die Verhältnismäßigkeit der angeordneten Maßnahmen infrage.

              • Ralf 9. Oktober 2020, 23:14

                Wenn Sie sich einfach mal informieren würden, bevor Sie schreiben, würde dabei nicht ständig so eine sachlich falsche Dampfplauderei herauskommen …

                https://en.m.wikipedia.org/wiki/Mortality_displacement

                • popper 9. Oktober 2020, 23:57

                  Da steht doch genau das, was ich schreibe. Es gibt temporäre Übersterblichkeit im Winterhalbjahr, meist März/April für eine kurze Zeit und das jedes Jahr. Das ist völlig normal. Auf die Zeitspanne eines Jahres verteilt, sind die Sterblichkeitsraten, einige Ausreißer ausgenommen normal, moderat. 2019/20 sind die Zahlen in Deutschland vernachlässigbar und weltweit nicht so signifikant, dass man daraus im Vergleich zu den Vorjahren hohe Übersterblichkeiten konstatieren müsste.

                  Und nochmal, nicht alle COVID-19-Tote sind daran gestorben. Das ist doch längst bekannt, warum wissen Sie das nicht und erzählen immer wieder die längst widerlegen Storys.

                  • Ralf 10. Oktober 2020, 00:06

                    Die weltweiten Übersterblichkeitsstatistiken zeigen deutlich, dass sehr viel mehr Menschen an Covid-19 gestorben, aber nicht als Covid-19-Tote gezählt worden sind, als Menschen als Covid-19-Tote gezählt, aber nicht an Covid-19 gestorben sind. Insofern sind Ihre Mythen mal wieder gewohnt realitätsfrei.

                    Dass die Übersterblichkeit in Deutschland zwar deutlich nachweisbar, aber relativ gering geblieben ist, liegt exakt an dem Lockdown, dem Social Distancing und den vielen anderen Maßnahmen, die Sie kritisieren. Das hat nämlich die Infektionsraten runtergekämpft und da, wo sich weniger Menschen infizieren, sterben auch weniger. Den Zusammenhang würden sogar Kinder mit einer Maske auf verstehen. Sie hingegen haben diesen offensichtlichen Zusammenhang nun schon seit einem halben Jahr nicht begriffen und posten die selben erfundenen Legenden wieder und wieder und wieder.

                  • schejtan 10. Oktober 2020, 10:04

                    „Es gibt temporäre Übersterblichkeit im Winterhalbjahr, meist März/April für eine kurze Zeit und das jedes Jahr“

                    Wenn es sie jedes Jahr gaebe, waere es ja keine Uebersterblickeit…sie wird ja zeitliche aufgeloest ermittelt.

                • Erwin Gabriel 10. Oktober 2020, 06:27

                  @ Ralf

                  Danke für den Link. Dein Standpunkt scheint mir klar nachvollziehbar.

          • Stefan Sasse 9. Oktober 2020, 23:03

            Sorry, aber die Kinder werden mit Masken nicht gequält. Ich habe null Verständnis für dieses Rumgeheule von Maskengegnern. Die Dinger kann man problemlos tragen. Das ist Projektion der eigenen Verbohrheit auf Kinder.

            • popper 9. Oktober 2020, 23:39

              Hör doch bitte auf Stefan, mit diesen Verharmlosungen. Eine Klassenlehrerin beschreibt, und die ist nicht die einzige, wie sich die Kinder verändert haben. Sie sind nicht mehr gewohnt, miteinander umzugehen. Sie wissen im Spiel nicht mehr, welche Grenzen gelten. Einige sind aggressiv, andere sehr zurückgezogen. Eltern berichten von ihren Kindern, die Essstörungen, Depressionen und Ängste entwickelt haben. Die meisten Kinder sind stiller geworden. Gehen weniger raus, schlafen wieder bei ihren Eltern in den Betten, sorgen sich um die unsichtbaren, gefährlichen Käfer auf ihrer Haut. Sogar Essen ist gefährlich (darf nicht getauscht werden, wird teilweise nicht mehr ausgegeben), anfassen ist gefährlich, gemeinsam spielen ist gefährlich. Schule ist ein bedrohlicher Ort geworden. Morgens gibt es Einlasskontrollen, ob alle ordnungsgemäß vermummt sind. Getrennte Pausen, Absperrbänder und Eimer mit Desinfektionsmittelüberall. Das als Rumgeheule von Maskengegenern zu verunglimpfen, zeigt doch nur deinen Gehorsamszwang und die Stabilisierung einer menschenverachtenden Politik, die jeden Bezug zur Realität verloren hat und ganze Generationen traumatisiert wegen eines einzelnen Virus.

              • Ralf 9. Oktober 2020, 23:41

                Sie verwechseln sich aufgrund Ihrer Maskenängste offensichtlich selbst mit den Kindern.

                • popper 10. Oktober 2020, 00:15

                  Sie verwechseln mal wieder die Tatbestände. Oder haben Sie tatsächlich übersehen, dass ich von betroffenen Klassenlehrern, Kindern und Eltern sprach. Wundert mich sehr.

                  • Ralf 10. Oktober 2020, 00:17

                    Dass Sie Ihre Ängste auf die Kinder projizieren, haben Ihnen hier ja auch schon andere gesagt. Scheint also eine allgemeine Beobachtung zu sein …

                • Stefan Sasse 10. Oktober 2020, 10:23

                  Exakt.

              • Stefan Sasse 10. Oktober 2020, 10:23

                Ich bin jeden Tag in der Schule. Nichts von dem trifft hier zu. Die Kinder haben sich keinen Deut verändert. Es gibt keine Absperrbänder. Wir haben Desinfektionsspender an der Eingangstür, und die sind echt unaufdringlich. Kontrollen gibt es, abgesehen von den Lehrkräften, die halt so oder so unterwegs sind, überhaupt nicht. Das Horrorszenario, das du ausmalst, existiert nur in der Fieberfantasie der Corona-Leugner.

                • popper 10. Oktober 2020, 13:49

                  Das Horrorszenario, das du ausmalst, existiert nur in der Fieberfantasie der Corona-Leugner.

                  Deine Logik ist mal wieder für einen stellvertretenden Schulleiterbestechend billig und dümmlich, wenn Du hier ernsthaft behauptest, was andere Klassenlehrer und Eltern berichten sei die Fieberfantasie der Corona-Leugner. Also irgendwie bist Du auch schon völlig von der Rolle. Dass es an deiner Schule anders ist, bestätigt doch nur die Regel.

                  • Stefan Sasse 10. Oktober 2020, 14:25

                    Das ist natürlich für dich eine bequeme Debattenposition; du hast einfach immer Recht. Deine anekdotische Evidenz ist Wahrheit, meine nur die Abweichung von der Regel. Ich würde an der Stelle die Diskussion abbrechen, das ist offensichtlich fruchtlos.

                    • popper 11. Oktober 2020, 00:24

                      @Stefan Sasse
                      So verallgemeinernd ist deine Feststellung natürlich falsch. Denn entweder stehst Du zu deiner Aussage und akzeptierst, dass es auch andere Erfahrungen gibt. Du glaubst doch nicht im Ernst, dass das Tragen von Masken keine schädigende Wirkung haben kann. Warum Du meinen Kommentar weiter unten gelöscht hast, obwohl dieser die Schizofrenie dieser Maßnahme auf den Punkt bringt zeigt, dass Du offenbar immer recht haben willst und dich ärgerst, weil ich recht habe. Oder kommt da noch was…

                    • Stefan Sasse 11. Oktober 2020, 09:28

                      Klar gibt es auch andere Erfahrungen. Aber die Zahl ist verschwindend gering und die Gefahr, die von Nicht-Masken-TrägerInnen ausgeht, so hoch, dass diese Pflicht völlig gerechtfertigt ist.

                    • Erwin Gabriel 11. Oktober 2020, 09:14

                      @ Popper

                      … zeigt, dass Du offenbar immer recht haben willst …

                      Zeige mir hier im Blog einen, der bereitwilliger als Stefan Sasse seine Meinung ändert, wenn ein besseres Argument kommt (inhaltlich besser sollte das Argument aber schon sein, Fest vorgetragen reicht nicht).

                      Ich verstehe durchaus den Punkt, dass bei weitem nicht alles optimal läuft, dass Wissenschaft und Politik immer noch zu wenig wissen, um in unserem heterogeneren Land für alle optimale und gleichzeitig einheitliche Maßnahmen zu finden, die sicher sind und niemanden einschränken.

                      Aber Du solltest Dir darüber im Klaren sein, dass es nicht nur teils uneinheitliche Fakten, sondern dazu auch unterschiedliche Bewertungen gibt. Ein Großteil des Streits geht also (was immer Du denkst) nicht nur darum, welche Informationen man sammelt und zulässt, sondern auch darum, wie man sie aus- bzw. bewertet.

                      Du willst, dass man Dich und Deine Standpunkte ernst nimmt? Fang damit an, die anderen und deren Meinungen zu respektieren. Deine aggressive Schwarz-Weiß-Malerei überzeugt niemanden davon, dass Du Recht hast.

                    • popper 13. Oktober 2020, 12:28

                      @Erwin Gabriel 11. Oktober 2020, 09:14

                      Zeige mir hier im Blog einen, der bereitwilliger als Stefan Sasse seine Meinung ändert, wenn ein besseres Argument kommt (inhaltlich besser sollte das Argument aber schon sein, Fest vorgetragen reicht nicht).

                      Ich weiß jetzt nicht, ob meine Ausführungen Sie erreichen oder wieder zuvor gelöscht werden. Auf meinen Hinweis, dass Kinder nach Berichten von Klassenlehrern und Eltern unter dem Maskenzwang gesundheitlich und psychisch leiden, entgegnet Stefan Sasse: an seiner Schule, sei das nicht so und zieht daraus den Schluss, die von mir genannten Berichte seien ausgemalte Fieberfantasien der Corona-Leugner.

                      Worauf gründen sich seine und Vorwürfe anderer. Genügen Alltags-Masken überhaupt medizinischen Standards? Dafür fehlt bisher jede Evidenz, im Gegenteil, ihre Wirksamkeit wurde in keiner einzigen Studie nachgewiesen, sie richten durch Rückatmung des CO² gesundheitliche Schäden an, das kennt man bereits vom Tauchen und beim Schnorcheln mit Vollmasken und kommt sicher nicht von Corona-Leugnern. Wer sagt, Alltags-Masken nützen nichts, impliziert doch genau die Tatsache, dass da etwas ist, vor dem sie angeblich schützen sollen. Also bestätigt der Maskenverweigerer doch das Vorhandensein eines Erregers, er zweifelt nur die Wirksamkeit der Maske an.

                      Ich erwarte von einem stellvertretenden Schulleiter, dass er so viel Grips in seiner Birne hat, dass er das nicht einfach durcheinanderwirft und sich unreflektiert an populistischen Beschimpfungen beteiligt. Bei Auswertung der vom RKI für dessen „Neubewertung“ von Masken im öffentlichen Raum angeführten Publikationen zeigt sich, dass es keine wissenschaftliche Grundlage gibt, mit der der Gebrauch von Masken (gleich welcher Art) in der Öffentlichkeit bei nahezu der gesamten Bevölkerung von Deutschland (abzüglich der Kinder bis 6 Jahre ca. 80 Mio. Menschen) gerechtfertigt werden kann, und aktuelle Untersuchungen zeigen das Gleiche. Die meisten Kontakte im öffentlichen Raum sind zum einen keine Face-to-Face-Kontakte. Zum anderen dauern sie, selbst wenn sie dennoch stattfinden, meist kürzer als 15 min, sodass eine effektive Übertragung infektiöser Tröpfchen in diesen Situationen sehr unwahrscheinlich erscheint. Abstand halten bei Gesprächen schützt vor direkten Erregerkontakten und macht das Tragen von Masken überflüssig. Eine Maskenpflicht kann für viele Millionen Menschen im öffentlichen Raum sogar zu einem Infektionsrisiko werden, weil die erforderliche Händehygiene nicht eingehalten werden kann. Indirekte Erregerkontakte über kontaminierte Oberflächen werden durch Masken nicht weniger, sondern kommen potenziell häufiger zustande als ohne Masken.

                      Rechthabenwollen und seine Meinung ändern sind zwei völlig unterschiedliche Reaktionsweisen. Meine Argumente resultieren aus einer Vielzahl valider Informationen. Ich habe in Erwiderung auf einen deiner Kommentare @Erwin Gabriel 10. Juli 2020, 12:04, worin Du mir vorhältst, ich würde wie @Ralf handeln, bereits einige Fakten hinsichtlich der PCR-Tests genannt, die zeigen, dass diese völlig untauglich sind, eine Infektion mit dem Virus SARS Cov-2 zu detektieren, weil sie, was unter Wissenschaftlern unstreitig ist, zu diagnostischen Zwecken nicht nur nicht zugelassen, sondern nicht geeignet sind. Das halte ich gerade jetzt für sehr wichtig, wo Politik und Medien permanent verbreiten, die Infektionen würden steigen, ohne diese in Relation zu den Testzahlen zu setzen. Oder ohne deutlich zu machen, dass positiv getestet gerade nicht heißt, sich mit einem Virus infiziert zu haben oder eine bestimmte Viruslast in sich tragen. Virusnukleinsäure ist kein Beleg für die Infektionstüchtigkeit von Viren und schon gar kein Hinweis, ob jemand krank war oder die Infektion bereits unbeschadet überstanden hat. Trotzdem starrt man jetzt erneut nur auf diese rohen Daten, die für sich genommen keinerlei Aussagewert haben. Das führt dich nicht zu der Frage, warum das seit Monaten dennoch gemacht wird oder welchen Zweck man mit diesen unvollständigen, irreführenden Informationen verfolgen könnte.

                      Ich verstehe durchaus den Punkt, dass bei weitem nicht alles optimal läuft, dass Wissenschaft und Politik immer noch zu wenig wissen, um in unserem heterogeneren Land für alle optimale und gleichzeitig einheitliche Maßnahmen zu finden, die sicher sind und niemanden einschränken.

                      Mit dieser Art von Argumentation beendet man jede Diskussion, da zu geringes Wissen, eine abschließende Bewertung nicht zulässt. Die viel wichtigere Frage aber ist, stimmt das für den gesamten Zeitraum (Jan.-Okt. 2020). Im März wusste man sicher noch wenig, aber bis heute immer noch mit Nichtwissen zu argumentieren wäre grob fahrlässig und realitätsfremd. Man kann nicht – wie beispielsweise in den Modellen des RKI – einerseits zugeben und selbst beim Modulieren voraussetzen, dass das Immunsystem von über 90 Prozent der Infizierten mit Corona klarkommt (und nichts anderes bedeutet es, wenn bei Infektion keine oder nur milde bis moderate Symptome auftreten) und andererseits ein Szenario, das jede Vorimmunität verleugnet, überhaupt entwerfen, geschweige denn zu einem möglichen oder gar wahrscheinlichen Verlauf in der Realität erklären. Hier gehen Ihre Vorwürfe völlig ins Leere. Sie haben sicher auch den Begriff „Infodemie“ gelesen, der im Zusammenhang mit dem Artikel „Ärzte schlagen Alarm wegen Infodemie auf Social Media“ und durch alle Zeitungen ging. Darin werden Personen aus allen medizinischen Fachrichtungen aufgerufen, einen „Offenen Brief“ mit zu unterzeichnen. Betreiber von Internetplattformen werden aufgefordert, ihre „Algorithmen“ zu ändern, die bestimmen, was den Benutzern angezeigt wird und was nicht. Man setzt hier zwar nicht auf eine totale Zensur, wohl aber auf eine harte Selektion: Was sich nach unabhängiger Prüfung als falsch darstellt, soll auch so gebrandmarkt und in der Öffentlichkeit möglichst wenig wahrnehmbar werden.

                      Im Ansatz klingen diese Forderungen plausibel. Natürlich handelt es sich bei einigen Beispielen, welche in dem offenen Brief falsche Informationen genannt werden – da haben die Unterzeichner absolut recht – um haarsträubenden Unfug. Trotzdem enthält die Forderung nach einer unabhängigen Überprüfung einen konzeptionellen Fehler. Denn was bedeutet eigentlich „unabhängige Überprüfung“? Von wem oder was sollen die Prüfer unabhängig sein? Und wie wird die so definierte Unabhängigkeit sichergestellt? Wenn es nur darum geht, Fehlinformationen zu unterbinden, die ohne jedes fachliche Fundament in die Welt gesetzt werden, kann die Prüfung im Prinzip von jedem durchgeführt werden, der über ein abgeschlossenes Medizinstudium verfügt. Nun sehen wir aber vorliegend, dass auch Wissenschaftler selbst bezichtigt werden, Fehlinformationen zu verbreiten. Das genau gestaltet die Suche nach unabhängigem Sachverstand schwierig. Denn wer hier über einschlägigen und ausgewiesenen Sachverstand verfügt, befindet sich unstreitig mit anderen Experten im Wettbewerb. Dieser Wettbewerb rankt sich in jedem Fall um inhaltliche Positionen, daneben häufig um Anerkennung innerhalb der Gemeinschaft der auf dem betreffenden Gebiet tätigen Gelehrten. Außerdem führt der Drittmitteldruck, der auf die Universitäten ausgeübt wird, zusätzlich zu einem Wettbewerb um Fördergelder. Insoweit enthält dieser Aufruf eine Anmaßung, die sich darin zeigt, dass die Unterzeichner selbst darüber entscheiden wollen, welchem(n) Wissenschaftler(n) die verbindliche Entscheidung darüber zugewiesen werden soll, ob es sich bei der Äußerung eines anderen Wissenschaftlers um eine – und zwar sogar selektionsbedürftige – Irreführung der Öffentlichkeit handelt? Machen sich hier nicht die Wettbewerber selbst zum Schiedsrichter und was legitimiert sie eigentlich dazu? Mit einem offenen wissenschaftlichen Diskurs hat das nichts mehr zu tun.

                      Aber Du solltest Dir darüber im Klaren sein, dass es nicht nur teils uneinheitliche Fakten, sondern dazu auch unterschiedliche Bewertungen gibt. Ein Großteil des Streits geht also (was immer Du denkst) nicht nur darum, welche Informationen man sammelt und zulässt, sondern auch darum, wie man sie aus- bzw. bewertet.

                      Darüber bin ich mir im Klaren. Nur, der Streit findet doch unter den Wissenschaftlern bis dato überhaupt nicht statt. Im Gegenteil, er wird politisch und medial verhindert. Wer nicht die offizielle Meinung und Handlungslinie vertritt, wird persönlich angegriffen und als Corona-Leugner und Verschwörungstheoretiker beschimpft. Und bitte, Erwin Gabriel, es gibt inzwischen „harte“ Fakten, die man nicht so oder anders bewerten kann. Diese reichen zurück bis in die Tage vor den Maßnahmen und den Lockdown.

                      Du willst, dass man Dich und Deine Standpunkte ernst nimmt? Fang damit an, die anderen und deren Meinungen zu respektieren. Deine aggressive Schwarz-Weiß-Malerei überzeugt niemanden davon, dass Du Recht hast.

                      Ich habe nicht einfach beliebige Standpunkte, sondern argumentiere auf der Grundlage breiter wissenschaftlicher Erkenntnisse und statistischer Fakten. Ich respektiere auch jede Meinung, sei Sie nach meiner Auffassung noch so unzutreffend oder gar falsch. Sie muss sich mir aber als solche darstellen und sich nicht nur in Beschimpfungen ergehen. Dein Vorwurf, ich würde Schwarz-Weiß-malen, ist ohne Grundlage; das klingt zwar gut, scheitert aber an den angeführten Tatsachen. Ich diskutiere Dinge auch gerne zu Ende, wenn man mir die Gelegenheit dazu gibt und mir nicht jede Moralität, Ehrlichkeit und Ernsthaftigkeit abspricht oder mich in übelster Weise als Aluhut, Verschwörungstheoretiker etc. beschimpft oder jeden Satz rundheraus als Blödsinn brandmarkt. Und nochmal, es geht nicht darum wer Recht hat, sondern um Plausibilität. Wer immer gleich mit Horrorgeschichten und Ländervergleichen daherkommt, und so offensichtlich nur Emotionen erzeugen will, aber inhaltlich nicht nach den einzelnen Faktoren der Ereignisse fragt, bleibt auf einer Stufe der Bewältigung stehen, die unzureichend und irreführend ist. Denn auch zu den einzelnen Ländern, die hohe Todesraten zu beklagen haben, gibt es inzwischen Fakten, die das Ganze plausibel machen.

                      Gehen wir davon aus, dass zweifelsfrei Menschen an Corona gestorben sind und andere Todesursachen auszuschließen sind. Nach US-amerikanischer CDC war dies laut Patientenakten (s. hier: (https://www.cdc.gov/nchs/nvss/vsrr/covid_weekly/index.htm#Comorbidities) bei 6 Prozent aller dort amtlich ausgewiesener „Corona-Toten“ der Fall (Italien: 3,8 Prozent(s. hier: (https://www.epicentro.iss.it/en/coronavirus/bollettino/Report-COVID-2019_7_september_2020.pdf). Bei 94 Prozent lagen durchschnittlich 2,6 Komorbiditäten (Italien: 3 Komorbiditäten im Median(s. hier: (https://www.epicentro.iss.it/en/coronavirus/bollettino/Report-COVID-2019_7_september_2020.pdf) vor – und zwar stets Erkrankungen, die in Europa wie USA zu den Top-10-Todesursachen des Jahres gehören. Nur bei 45 Prozent dieser multimorbid Verstorbenen wurde der kritische Corona-Verlauf einer Lungenentzündung („excluding influenza“) festgestellt (s. hier: (https://www.cdc.gov/nchs/nvss/vsrr/covid19/index.htm). Für weniger als die Hälfte aller „Corona-Toten“ ist dementsprechend Covid-19 als „Underlying Cause of Death“ in den Totenscheinen aller Bundestaaten und Regionen vermerkt (s. hier: (https://data.cdc.gov/NCHS/Weekly-Counts-of-Deaths-by-State-and-Select-Causes/muzy-jte6). (Von den übrigen multimorbiden 55 Prozent aller US-amerikanischen „Corona-Toten“ war – Stand 5. Oktober – bei 75 Prozent „influenza & pneumonia“ eine der Nebenerkrankungen.) Patientenakten sind überdies ungenauer als Obduktionen. In Deutschland stellte Rechtsmediziner Püschel bei der Sezierung aller Hamburger „Corona-Toten“ immer wieder fest, dass kein Einziger ohne Vorerkrankungen war, und ausnahmslos alle „in absehbarer Zeit“ auch ohne Corona-Infektion gestorben wären. Damit haben wir heute Erkenntnisse, die zu mehr Differenzierung führen.

                      Bedenkt man, dass es in Deutschland im betreffenden Zeitraum gar keine Übersterblichkeit gab (sondern eher 1.566 Gestorbene weniger als üblich s. hier: (https://de.wikipedia.org/wiki/COVID-19-Pandemie_in_Deutschland#Entwicklung_der_gesamtgesellschaftlichen_Sterblichkeit), wäre es hochgegriffen, im Sinne einer ersten Problemannäherung davon auszugehen, dass max. 15 Prozent der von Staats wegen behaupteten „Corona-Toten“ tatsächlich welche sind, was die Letalitätsrate von 0,1 bis 0,3 noch einmal drastisch senkt. (Der Zähler wird kleiner, nachdem bereits der Nenner durch den per Antikörper-Nachweis getätigten Rekurs auf die tatsächliche Infizierten-Anzahl gewachsen war. (s. hier: )https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2020.05.13.20101253v3) Es wäre der probehalber angenommene Richtwert von 15 Prozent übrigens auch hochgegriffen gegenüber den damaligen nationalen Datensätzen, welche den Präsidenten der Italienischen Gesundheitsbehörde auf einer Pressekonferenz vom 13. März zur unmissverständlichen Klarstellung bewogen(s. hier: s. hier (https://www.agenzianova.com/a/5e6bd613aee473.22298792/2851060/2020-03-13/coronavirus-iss-in-italia-i-decessi-accertati-finora-per-causa-del-covid-19-sono-solo-due), dass die „überwiegende Mehrheit“ der offiziell publizierten „Corona-Toten“ Italiens „nicht an Covid-19“ stirbt, was sich auch die entsprechenden Datensätze vom September wiederholt. Aus der Vogelperspektive betrachtet, hat es (statistisch, bevölkerungs- und gesundheitspolitisch) nirgends eine „Epidemie nationaler Tragweite“ gegeben. Der Maßstab muss freilich kein „Massensterben“ a’la Pest oder auch nur der Spanischen Grippe sein, die Gefährdung der Bevölkerung sollte die einer gewöhnlichen schweren Grippewelle aber doch wohl deutlich in den Schatten stellen, um von einer „Epidemie nationaler Tragweite“ zu sprechen.

                      Also, ich kann auch sehr ausführlich ein Thema beackern. Und zeigen, dass eine differenzierte Herangehensweise, authentisch Aufschluss darüber gibt, warum ich Corona anders betrachte als viel meiner Landsleute und/oder User hier im Blog.

        • Stefan Sasse 9. Oktober 2020, 23:01

          Ich denke, die Grundkritik ist völlig korrekt. Dass die Kinder offensichtlich kaum berücksichtigt wurden, habe ich in meinem zweiten Artikel ja auch dargelegt. Dass die entsprechenden Stimmen nicht einbezogen wurden ist ebenfalls richtig. Wenn du meine Artikel aus dem Frühjahr liest wirst du feststellen, dass ich die Krisenpolitik der Regierung grundsätzlich richtig fand. Dazu stehe ich weiterhin. Wo ich allerdings völlig die Kritik teile ist, dass man in der Zwischenzeit – gerade im Frühsommer/Sommer – hätte wesentlich mehr über diese Dinge nachdenken können. Von Anfang an haben die KuMis aber nur eine einzige Zielrichtung gekannt: Die Schulen auf Biegen und Brechen im Präsenzunterricht öffnen, aus ausschließlich zwei Gründen. a) Betreuungssituation b) mangelnde Infrastruktur. Und beides ist, höflich ausgedrückt, scheiße.

          • CitizenK 10. Oktober 2020, 10:31

            „Auf Biegen und Brechen“ ist eine bessere Formulierung als meine. Aber das ist doch der Punkt. Ein halbes Jahr hatte man (die Verantwortlichen in der Schulverwaltung) Zeit, sich auf die erwartbare Situation in Herbst und Winter einzustellen. Das ist nicht geschehen. Um das festzustellen, brauchen wir keine Konferenz von Was-weiß-ich-was-von-Wissenschaftlern. Gesunder Menschenverstand genügt, um zu sehen, dass das Wohl der Kinder hier vernachlässigt wurde und wird.

            Das Beispiel der überfüllten Schulbusse wurde oft genannt. Masken auf den Fluren, aber Sport in der Halle nach Umziehen in engen, ungelüfteten Kabinen. Abhilfe: Fehlanzeige. Wundert es da, wenn die Kids „Corona hauchen“ spielen, wie an der Schule meines Kindes?

            Vorschläge: Klassen teilen, evtl. verteilen auf Vor- und Nachmittage, notfalls auch Samstags. Lehrplan zusammenstreichen (auch wenn unser Lieblingsfach dadurch betroffen ist, vieles lässt sich nachholen).
            So schnell wie möglich einen Plan für Hybrid-Lernen. Ermitteln, wer Zugang hat und wer nicht, dann herstellen. Lösungen für „Leistungsfeststellung“ erarbeiten.

            P.S. Der Satz von den „13 Millionen Kindern….“ ist eines Professors unwürdig. Das ist Populismus. Hat er nachgezählt? Hat er die (wenigen, aber immerhin) Lehrer befragt, die jeden Schüler zu Hause einmal in der Woche aufgesucht haben? Damit redet er doch denen das Wort, die „auf Biegen und Brechen…“ wie unsere Eisenmann. Die Du zu Recht kritisierst.

      • JaJa 9. Oktober 2020, 18:58

        Beglücke uns doch bitte mit deinen Erkenntnissen.

      • CitizenK 10. Oktober 2020, 07:32

        Wie kann man diese Verlautbarung aus dem Elfenbeinturm so ernst nehmen?
        Sein „Lösungsvorschlag“: Hunderte von Wissenschaftlern (und …innen, gendermäßig korrekt bei jeder Fachrichtung ausdrücklich genannt!) zusammenzubringen, um … was? Das Kindeswohl zu definieren?

        Sollen die in der derzeitigen Situation (auch aus Risikogebieten?) anreisen, in einer Riesenhalle konferieren unter Einhaltung des Abstandsgebots – oder virtuell, mit allen hinlänglich bekannten Mängeln und Problemen?

        Das ist so weltfremd wie es nur ein deutscher Professor sein kann.
        Gefragt sind jetzt pragmatische Lösungen.

        • Stefan Sasse 10. Oktober 2020, 10:28

          Naja, die Kritik, dass diese Perspektiven überhaupt nicht einfließen, halte ich durchaus für gerechtfertigt.

          • JaJa 10. Oktober 2020, 12:01

            So hätte man dann auch diese induzierte Massenhysterie verhindern können. Geht doch, Herr Sasse!

            • Stefan Sasse 10. Oktober 2020, 13:27

              Welche Massenhysterie? Da draußen sind massenhaft Leute, die der Überzeugung sind, Corona sei nicht wirklich gefährlich, Masken Tragen sei unnötig und so weiter.

              • JaJa 10. Oktober 2020, 16:32

                Na, hoffentlich sind das auch massenhaft Leute, die eine milde Grippesaison realistisch einschätzen können. Immerhin sind die schon mal weiter als das „politische Führungspersonal“. Letztere sind zu einer realistischen Einschätzung offensichtlich nicht in der Lage.
                Ansonsten sehe ich auch viele Maskendeppen (=Hysteriker).

                • Stefan Sasse 10. Oktober 2020, 19:40

                  Die Deppen, die keine Maske tragen? Ja, die sind echt hysterisch.

                  • popper 10. Oktober 2020, 19:51

                    Es gibt Menschen, die können oder dürfen keine Masken tragen. Außerdem besteht Maskenzwang, obwohl es keine einzige Studie gibt, die den Nutzen wissenschaftlich belegt. Menschen, die Masken ablehnen sind selbstbestimmte mündige Bürger.

                    • Stefan Sasse 10. Oktober 2020, 20:27

                      Die haben dann ein Attest und gut. Das ist eine verschwindend geringe Zahl. Die Zahl derer, die sich an Covid-19 anstecken können, ist um ein hunderttausendfaches höher. Und Menschen, die andere Menschen auf offener Straße zusammenschlagen oder die Brandstiftung betreiben oder stehlen, betrachten wir auch nicht als selbstbestimmte, mündige Bürger.

  • Blechmann 9. Oktober 2020, 15:49

    Etwas das nicht zum Thema gehört, sorry. Hats keinen Artikel zur US-Wahl und zum großen TV Duell hier? Ich dachte hier finde ich bestimmt was. 🙂

    • Stefan Sasse 9. Oktober 2020, 17:30

      Nein, tatsächlich nur im Vermischten. Ich bin dieses Jahr nur eingeschränkt motiviert das zu begleiten. Auf Twitter haue ich kurze Statements und Retweets raus, aber ansonsten nur recht wenig.

      • Blechmann 10. Oktober 2020, 16:49

        Ja, kein wirklich erfreuliches Thema. Dann guck ich mal beim Vermischten.

  • popper 10. Oktober 2020, 09:04

    @Gabriel

    Sehen Sie hier, Stand 39 KW eine relevante Übersterblichkeit: file:///storage/emulated/0/Download/map-of-z-scores.png

    • popper 10. Oktober 2020, 09:18

      Sollte der Link oben nicht funktionieren, schauen Sie bitte hier: (https://www.euromomo.eu/graphs-and-maps/) und scrollen Sie nach unten zur Ländergrafik

    • Ralf 10. Oktober 2020, 09:57

      Zwischenzeitlich, als Sie sich noch nicht vollständig zum Scharlatan radikalisiert hatten, hatten Sie zähneknirschend zugestanden, dass die Euromomo-Daten tatsächlich massive Übersterblichkeit in Europa zeigen. Blieb Ihnen ja auch nichts anderes übrig. Die Faktenlage ist ja klar. Umso spannender zu sehen, dass Sie sich jetzt nicht nur vollends von der Realität, sondern auch noch von Ihren eigenen Worten verabschieden. Sie verfangen sich zunehmend im Netz Ihrer Hirngespinste.

      • popper 10. Oktober 2020, 11:54

        @Ralf
        [Beleidigungen gelöscht]
        Hinsichtlich des sogenannten „Präventionsparadox“ müsste man zunächst also einmal die Wirksamkeit der Maßnahmen wissenschaftlich fundiert nachweisen. In Bezug auf die Beobachtung einer seit Wochen sinkenden Sterberate kommt noch ein weiterer Aspekt hinzu, welcher eine Erklärung über das Wirken von Maßnahmen unwahrscheinlich macht. Wenn überhaupt, dann könnten die ergriffenen Maßnahmen die Wahrscheinlichkeit reduzieren, dass sich weitere Personen infizieren. Es ist aber nicht wirklich ersichtlich, wie die ergriffenen Maßnahmen, nachdem man sich infiziert hat, die Schwere des Krankheitsverlaufs – also z.B. die Sterberate – beeinflussen sollen.

        Um es nochmal am Beispiel der Maske zu verdeutlichen. Die Realität ist, wir wissen nicht, ob nicht die Verwendung von Alltagsmasken in großer Verbreitungsweite, ob das nicht dazu führt, dass im Durchschnitt die erhaltene Virusdosis in einer Infektion geringer ist, und dass dann im Durchschnitt auch der Krankheitsverlauf weniger schädlich sein könnte. Das ist eine reine Spekulation, dazu gibt es keine wissenschaftlichen Belege. Und es gibt umgekehrt eben Länder, von denen man sagen kann, es wurde durchgängig von Anfang an Maske getragen, dazu gehören sehr viele asiatische Länder, und trotzdem ist es zu großen Ausbrüchen gekommen.

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