Anmerkungen zu Vertrauen – Grundlegende Ursachen

Der britische Autor Chris Clarke hat in seinem Substack „Parables“ eine Essayreihe mit dem Titel „Notes on Trust“ geschrieben. Ich wollte sie zuerst im Vermischten verlinken, fand aber die Analyse, obwohl sie sich auf die britischen Verhältnisse bezieht, derart relevant und gut gelungen, dass mich stattdessen entschied, Chris direkt zu kontaktieren und ihn zu bitten, sie übersetzen zu dürfen. Er hat mir das freundlicherweise genehmigt. Der zweite Teil der Serie findet sich im Folgenden, die weiteren Teile werden in den nächsten Tagen online gehen. Chris hat sich zudem bereit erklärt, im Podcast der Bohrleute mit mir über seine Thesen zu sprechen. 

Zuvor habe ich über vier „Scheinerklärungen“ für den Zusammenbruch des politischen Vertrauens im 21. Jahrhundert geschrieben (veranschaulicht durch die untenstehende Grafik). Mein zentrales Argument lautete, dass das Vertrauen nicht aus den Gründen zurückgegangen ist, die üblicherweise angenommen werden: weil auf den „Willen des Volkes“ nicht gehört werde, weil Regierungen ihre Aufgaben nicht erfüllten, weil die politischen Führer den Bezug zur Lebenswirklichkeit verloren hätten oder weil die Politik korrupt sei.

All diese Phänomene existieren zwar und untergraben das Vertrauen in unsere politischen Führer. Keines von ihnen ist jedoch neu oder hat sich gerade in dem Zeitraum besonders verschärft, in dem das Vertrauen tatsächlich dramatisch eingebrochen ist. Um die neue Politikverdrossenheit zu verstehen, müssen wir vielmehr die Rahmenbedingungen betrachten, unter denen Abgeordnete und politische Führer heute handeln.

Im Folgenden beschreibe ich vier grundlegende Ursachen, die meiner Ansicht nach ein Umfeld geschaffen haben, in dem politische Unzufriedenheit wahrscheinlicher geworden ist. Alle vier Entwicklungen sind größtenteils begrüßenswert – mit einigen Ausnahmen. Doch jede von ihnen hat das Klima des Vertrauens grundlegend verändert.

Die erste grundlegende Ursache ist der Rückgang gesellschaftlicher Autoritätshörigkeit (social deference). Gemeint ist eine Reihe positiver gesellschaftlicher Veränderungen, die dazu geführt haben, dass die Bevölkerung ihre Führungspersönlichkeiten häufiger infrage stellt. Menschen sind heute weniger bereit, sich einer höheren Autorität unterzuordnen, weniger geneigt, „ihren Platz zu kennen“, und eher stolz darauf, selbst urteilen zu können oder nachzufragen, wie Entscheidungsträger ihre Versprechen eigentlich umsetzen wollen.

In einer Studie mit dem Titel „Class, Politics, and the Decline of Deference in England, 1968–2000“ beschrieben Wissenschaftler vor einigen Jahren beispielsweise, dass die zunehmende sozioökonomische Ungleichheit der 1980er Jahre paradoxerweise mit einem Rückgang klassenbezogener Ehrfurcht einherging. Menschen waren immer weniger bereit, sich ihren „gesellschaftlich Höherstehenden“ unterzuordnen, obwohl die Gesellschaft selbst ungleicher wurde.

Zu den Ursachen dieses Rückgangs gehören vermutlich steigende Bildungsniveaus, wachsender Wohlstand und zunehmender Wohneigentumserwerb sowie eine Reihe positiver kultureller Veränderungen, die Gleichheit, die Bedeutung persönlicher Lebenserfahrungen und den Respekt vor dem Individuum in den Vordergrund stellen. Meiner Ansicht nach handelt es sich dabei um natürliche Entwicklungen einer reiferen und besser informierten Gesellschaft. Gleichzeitig bedeuten sie jedoch, dass Skepsis zur Normalität geworden ist und die Erwartungen an politische Führer gestiegen sind.

Eine unmittelbare Folge davon ist der Rückgang des politischen Stammesdenkens. Die oben gezeigte Grafik aus der British Election Study verdeutlicht, dass sich der Anteil der Wähler, die bei jeder Wahl ihre Parteipräferenz wechseln, seit den 1960er Jahren verdreifacht hat. Wähler bringen politischen Parteien heute ebenso wenig selbstverständlich Vertrauen entgegen wie Regierungen, Experten oder anderen Entscheidungsträgern.

Der Niedergang der autoritätshörigen Gesellschaft ist zweifellos insgesamt positiv – ebenso wie der Rückgang politischer Lagermentalität, wie ich meine. Doch eine stärker individualisierte Wählerschaft bedeutet, dass Vertrauen nirgendwo mehr selbstverständlich ist. Politiker müssen daher auf völlig neue Weise und zu einer deutlich größeren Bandbreite an Themen mit den Bürgern in Kontakt treten, um sich deren Respekt zu verdienen.

Die zweite grundlegende Ursache ist die stark gestiegene Transparenz, Informationsverfügbarkeit und öffentliche Kontrolle. Dabei handelt es sich vor allem um ein Medien- und Social-Media-Phänomen, das eng mit neuen Technologien verbunden ist. Die nachstehende Grafik aus Our World in Data zeigt, wie allgegenwärtig das Internet im Vereinigten Königreich seit der Mitte der 2000er Jahre geworden ist. Heute steht eine ungleich größere Menge an Informationen zur Verfügung. Dadurch gelangen auch deutlich mehr politische und gesellschaftliche Missstände an die Öffentlichkeit.

Diese Entwicklung wird zusätzlich durch Instrumente gestärkt, die Entscheidungsträger stärker zur Rechenschaft ziehen sollen – etwa Anfragen nach dem Informationsfreiheitsgesetz (Freedom of Information, FOI) oder gerichtliche Überprüfungsverfahren (Judicial Reviews). Auch sie entfalten ihre Wirkung vor allem im medialen Umfeld.

Die Veränderungen, die ich beschreibe, dürften den meisten Lesern vertraut sein. Zwischen 1990 und heute sind wir von fünf Fernsehkanälen zu einer 24-Stunden-Nachrichtenkultur übergegangen. Kamerahandys sorgten dafür, dass sowohl jeder peinliche Fehltritt dokumentiert wurde als auch tatsächliche Fälle erschreckenden Fehlverhaltens ans Licht kamen. Das Internet machte es möglich, Abstimmungsverhalten von Abgeordneten zu analysieren, Spesenabrechnungen zu überprüfen oder private WhatsApp-Nachrichten im Detail auszuwerten. Soziale Medien wiederum schufen einen neuen Bürgerjournalismus und ein Umfeld permanenter öffentlicher Kommentierung.

Das Ausmaß der öffentlichen Kontrolle im Zeitalter von Internet und Smartphone ist daher völlig neu. Es hat das Vertrauen untergraben, indem es Versäumnisse systematisch sichtbar gemacht hat. Diese Transparenz kann sich in Form einer live übertragenen Anhörung Morgan McSweeneys vor einem Parlamentsausschuss zeigen, in einem interaktiven Datenblog über den Missbrauch öffentlicher Gelder oder in einem Parteimitarbeiter, der von einer Ring-Türklingelkamera bei einer beleidigenden Äußerung aufgenommen wird.

Dieses Phänomen fällt zeitlich exakt mit der Phase zusammen, in der das Vertrauen deutlich zurückzugehen begann. Zugleich verstärkt es den zuvor beschriebenen Rückgang gesellschaftlicher Autoritätshörigkeit: Eine Bevölkerung, die ohnehin skeptischer geworden war, erhält nun täglich neue Belege dafür, dass ihre politischen Führer keineswegs unfehlbar sind.

Im Zusammenhang mit dieser Entwicklung lassen sich mehrere Einzelaspekte hervorheben, die jeweils eine eigenständige Betrachtung verdienen:

  • Der Niedergang allgemein anerkannter Informationsquellen. Martin Gurri beschreibt in seinem hervorragenden Buch The Revolt of the Public, wie das Informationsmonopol weniger allgemein vertrauenswürdiger Quellen ab dem Jahr 2000 allmählich zerfiel. Dies erschien zunächst als positive Entwicklung. Gurri argumentiert jedoch, dass sie sich als zweischneidiges Schwert erwiesen habe, da sie häufig Selbstdarsteller und Verschwörungstheoretiker belohne oder wütenden Teilen der Öffentlichkeit eine alternative „Wahrheit“ liefere.
  • Die atomisierte Gesellschaft. Das technologische Zeitalter – insbesondere während der COVID-Pandemie und der Lebenshaltungskostenkrise – hat Menschen von gemeinsamen Erfahrungen, persönlichen Begegnungen und gemeinsamen öffentlichen Debatten entfremdet. Indirekt verstärkt dies die zuvor beschriebene Entwicklung, weil Menschen zunehmend online ihre jeweils eigene Informationswelt zusammenstellen.
  • Die stetige Anhäufung negativer Eindrücke. Im Informationszeitalter werden negative Ereignisse wesentlich umfassender dokumentiert. Je häufiger und prominenter dies geschieht, desto stärker prägt es die öffentliche Wahrnehmung. Skandale der Nachkriegszeit wie die Profumo-Affäre der 1960er Jahre erschienen dem durchschnittlichen Bürger damals möglicherweise als einzelne Ausnahmefälle. Je häufiger vergleichbare Vorgänge jedoch aufgedeckt und detailliert öffentlich gemacht wurden, desto stärker entstand der Eindruck, Fehlverhalten sei allgegenwärtig.

Diese Überlegungen mögen altbekannt erscheinen und an die Debatten über die „Post-Truth“-Politik der späten 2010er Jahre erinnern. Dennoch bin ich überzeugt, dass das Nachrichtenumfeld, das durch Internet und Smartphone entstanden ist, ein Klima geschaffen hat, in dem Vertrauen schwerer zu gewinnen und leichter zu verlieren ist.

Die dritte grundlegende Ursache ist die heterogene Gesellschaft. Innerhalb der britischen Bevölkerung gibt es heute eine wesentlich größere Vielfalt an Lebensläufen und sozialen Hintergründen als früher. Dasselbe gilt für die meisten entwickelten Staaten.

So ist beispielsweise die Altersspanne aufgrund der alternden Gesellschaft größer geworden. Durch Migration haben ethnische und religiöse Vielfalt zugenommen. Dank des gestiegenen Anteils von Hochschulabsolventen ist auch das Bildungsniveau breiter gefächert, was wiederum zu einer komplexeren Mischung gesellschaftlicher Wertvorstellungen führt. Die wirtschaftlichen Lebensrealitäten unterscheiden sich infolge der Deindustrialisierung und wachsender regionaler Ungleichheit stärker als früher. Zudem sind die LGBT-Gemeinschaften erheblich größer geworden – und vieles mehr.

Vor allem das Klassensystem, einst die wichtigste gesellschaftliche Trennlinie, ist deutlich komplexer geworden. Als ein Forscherteam unter Leitung von Mike Savage in den 2010er Jahren versuchte, ein Klassenschema zu entwickeln, das den Verhältnissen des 21. Jahrhunderts entspricht, identifizierte es nicht weniger als sieben unterschiedliche Gruppen, darunter etwa „Emergent Service Workers“ und das „Precariat“.

Diese Entwicklungen führen dazu, dass ein gesellschaftlicher Konsens über politische Fragen schwieriger zu erreichen ist, weil sich die gemeinsame Schnittmenge unterschiedlicher Interessen verkleinert hat. Bei Themen wie dem Wohnungsmarkt oder sogar der Einwanderung unterscheiden sich die Lebenserfahrungen von Menschen in London heute erheblich von denen der Bevölkerung im Nordosten Englands – und zwar in einer Weise, die vor sechzig Jahren bei Weitem nicht so ausgeprägt gewesen wäre. Entsprechend unterschiedlich fallen auch die politischen Ansichten aus.

Hinzu kommt, dass Identitäts- und gesellschaftspolitische Fragen heute eine wesentlich größere Rolle spielen und weit mehr Konfliktpotenzial besitzen. Themen wie die Rechte von Transpersonen oder die Politik im Nahen Osten hätten in den 1970er- oder 1980er-Jahren deutlich weniger Bürger persönlich betroffen oder politisch mobilisiert.

Eine vielfältige Gesellschaft ist meiner Ansicht nach insgesamt eine stärkere Gesellschaft – bestehende Ungleichheiten einmal ausgenommen. Für die Politik hat diese Entwicklung jedoch zur Folge, dass die Bandbreite unterschiedlicher Perspektiven und Themen erheblich gewachsen ist. Dadurch wird es außerordentlich schwierig, stabile Wählerkoalitionen zu bilden. Es ist kein Zufall, dass die erfolgreichsten Politiker des 21. Jahrhunderts häufig Demagogen waren, die die öffentliche Meinung polarisierten, gleichzeitig aber kleinere oder geografisch konzentrierte Wählergruppen mit großer Begeisterung mobilisierten.

Die vierte grundlegende Ursache ist der Einfluss der Globalisierung auf die Handlungsfähigkeit von Regierungen. Die zunehmende internationale Verflechtung der Staaten seit Beginn des 21. Jahrhunderts – veranschaulicht durch die untenstehende Grafik zum Welthandel – hat die Fähigkeit nationaler Politiker eingeschränkt, jene Maßnahmen umzusetzen, die sich viele Wähler wünschen, zumindest ohne dabei erhebliche wirtschaftliche Schäden zu verursachen.

Vor allem zwei zentrale Forderungen der Wähler sind dadurch schwerer zu erfüllen geworden. Die erste betrifft die Einwanderung, das Hauptanliegen vieler Wähler auf der politischen Rechten. Die internationale Verflechtung macht es nahezu unmöglich, die Migration in dem Ausmaß zu reduzieren, das manche fordern. Unabhängig davon, ob dies wünschenswert oder richtig wäre, ist es praktisch kaum umzusetzen, ohne dem eigenen Land erheblichen Schaden zuzufügen. Die letzte konservative Regierung liefert hierfür ein anschauliches Beispiel. Rishi Sunak und seine Regierung hielten die Zuwanderung auch nach dem Brexit auf hohem Niveau, obwohl sie öffentlich einen harten Kurs in der Migrationspolitik propagierten.

Gerade im Bereich des Asylrechts, der häufig den eigentlichen Kern des Konflikts bildet, hätte ein Ausstieg aus internationalen Abkommen erhebliche diplomatische Nebenwirkungen. Tatsächlich hat die Zeit nach dem Brexit gezeigt, dass die Loslösung von internationalen Institutionen die Kontrolle über die Grenzen nicht verbessert, sondern eher schwächt – und gleichzeitig Ansehen und Einfluss des Landes verringert.

Das entsprechende Beispiel auf der politischen Linken ist die Ungleichheit sowie die Möglichkeit, große Unternehmen stärker zu regulieren oder Superreiche höher zu besteuern. Da Wirtschaftswachstum heute in hohem Maße vom internationalen Handel und den globalen Märkten abhängt, haben nahezu alle entwickelten Staaten seit den 1990er Jahren ihre Unternehmenssteuern gesenkt und sich zumindest teilweise wirtschaftsfreundlich präsentiert.

Umverteilende Maßnahmen – etwa der Vorschlag der Green Party, innerhalb jeder Organisation ein maximales Einkommensverhältnis von 10:1 einzuführen – lassen sich unter diesen Bedingungen nur schwer verwirklichen und führen häufig zu unerwarteten Nebenwirkungen, wenn sie einseitig umgesetzt werden. Als Beispiel nennt der Autor die vorhergesagten Auswirkungen auf die Premier League. Deshalb rücken selbst Mitte-links-Regierungen häufig von solchen Ideen ab, sobald sie mit den praktischen Konsequenzen konfrontiert werden.

Im Kern verlangen Teile der Bevölkerung von ihren politischen Führern Maßnahmen, die sich ohne wirtschaftliche Selbstschädigung kaum umsetzen lassen – aus Gründen, die technisch äußerst komplex und schwer zu vermitteln sind. Forderungen, die von rechts oder links als schlichter gesunder Menschenverstand erscheinen – etwa Boote mit Migranten zurückzuschicken oder Einkommen in zweistelliger Millionenhöhe zu verbieten –, erfordern in Wirklichkeit eine weitgehende Loslösung vom internationalen System. Das bedeutet nicht, dass im Kampf gegen Vermögensungleichheit nicht mehr möglich wäre. Es bedeutet jedoch, dass der politische Handlungsspielraum kleiner geworden ist und die großen Parteien dadurch näher zusammengerückt sind.

Um mit den vier beschriebenen Entwicklungen umzugehen, haben sich die traditionellen Parteien professionalisiert, ihre Positionen gemäßigt und sind insgesamt deutlich risikoscheuer geworden. Dadurch ist eine Form von Politik entstanden, die viele Wähler frustriert und das Vertrauen zusätzlich untergräbt.

So ist beispielsweise eine strenge Botschaftsdisziplin (message discipline) zur Norm geworden, um in einem Umfeld bestehen zu können, in dem jeder Fehler in bislang unbekanntem Ausmaß vergrößert werden kann. Wahlstrategische Triangulation wird eingesetzt, um Gruppen wechselbereiter Wähler zu gewinnen, die sich nicht mehr aus parteipolitischer Loyalität an eine Partei binden. Themen mit breitem gesellschaftlichem Konsens (valence issues) gelten als sicherer Bereich, weil kontroverse Fragen vermieden werden sollen, die eine heterogene Wählerschaft spalten könnten. Wirtschaftswachstum ist zum politischen Leitstern geworden, weil es als Voraussetzung für die Finanzierung öffentlicher Dienstleistungen gilt.

Diese Entwicklung hat populistische und oppositionelle Bewegungen gestärkt, die sich als Aufständische gegen ein austauschbares politisches Zentrum präsentieren. Im Gegenzug haben manche etablierte Parteien – etwa die Konservativen unter Boris Johnson und Liz Truss – begonnen, selbst populistische Verhaltensweisen nachzuahmen. Zumindest im Vereinigten Königreich haben diese politischen Reaktionen jedoch immer geringere Erträge gebracht. Statt das Vertrauen wiederherzustellen, haben sie Enttäuschung erzeugt und den Vertrauensverlust weiter beschleunigt.

Die vier grundlegenden Ursachen, auf die ich mich konzentriere, sind größtenteils unumkehrbar. Selbst wenn wir es wollten, ließen sich Internet und Globalisierung nicht einfach wieder rückgängig machen. Wer als Politiker heute ernsthaft Vertrauen zurückgewinnen möchte, muss deshalb grundlegend neu darüber nachdenken, wie Politik im 21. Jahrhundert betrieben werden sollte. In den kommenden Artikeln werde ich einige Möglichkeiten aufzeigen, wie dies gelingen könnte.

{ 12 comments… add one }
  • CitizenK 14. Juli 2026, 08:55

    Spannendes Thema. Kluge Gedanken. Vielen Dank fürs Entdecken und Übersetzen.

  • Lemmy Caution 14. Juli 2026, 12:13

    Ich habe Einwände gegen Punkt 4:
    a) Es gibt Länder, deren Immigration trotz der „Internationalen Verträge“ sehr niedrig ist. Beispiele sind Dänemark und Polen. Ich sehe nicht, dass diese Politik ihre Wirtschaft massiv behindert hätte.
    Ich gehe davon aus, dass die EU in den nächsten 10 Jahren einen Teil ihrer Regulierungskompetenz an die Mitgliedsstaaten verlieren wird.
    Der Anteil des Internationalen Handels am Welt-BIP stagniert seit 2008 eher. Vorher ist er stark gewachsen. Die starke kontinuierliche relative Steigerung des Aussenhandels seit dem 2. Weltkrieg scheint damit auf einem hohen Niveau beendet. Vermutlich wird die Bedeutung des Aussenhandels aufgrund von Sorgen um Abhängigkeiten und Versorgungssicherheit sowie Industrie-Förderung sogar sinken.
    Daten: Welthandel als Anteil Welt-BIP:
    1950 ca. 14 %
    1960 ca. 16 %
    1970 ca. 20–22 %
    1980 37,8 %
    1990 39,2 %
    2000 51,9 %
    2008 68,8 % (peek)
    2019 59,8 %
    2025 63,4 %

    • Lemmy Caution 14. Juli 2026, 15:50

      Einige russischen bemerkten letztens, dass sie gerne mit Europa zusammenarbeiten würden, da ihnen der de facto Status einer chinesischen Kolonie auch nicht passt. Dafür müssten aber die Europäer endlich einsehen, dass Russland natürliche Interventionsrechte in ehemalige Sowjetrepubliken hätten.
      Weder China noch Russland hält sich an irgendwelche Regeln. Wenn wir die einzigen sind, die meinen durch die Einhaltung internationaler Regeln irgendwas zu gewinnen, werden wir verlieren.

      • Lemmy Caution 14. Juli 2026, 15:50

        Fehler am Anfang: Einige russische Oligarchen…

  • Stefan Pietsch 14. Juli 2026, 14:19

    Eine Essayreihe voller Widersprüche, die anscheinend nicht einmal auffallen. So hat der Autor anscheinend nur ein sehr altertümliches Verständnis von Autorität. Die Basis von Autorität kann vielfältig sein: Hierarchie, Abhängigkeit, Überzeugungskraft & Persönlichkeit, Expertenwissen und Know-how. Unternehmen passen sich seit Jahrzehnten an die Herausforderungen der Moderne an. Wer „Ich bin Chef“ sagen muss, um sich zu behaupten, ist erledigt. Das geht immer nur einmal.

    Breite Schichten genießen heute ein weit höheres Maß an Bildung als vor fünfzig Jahren. Höhere Bildung befähigt mehr Informationen zu gewinnen, zu verarbeiten, zu bewerten und zu nutzen. Genau das passiert heute in vielfältiger Form. Informationsgewinnung ist dezentralisiert worden. So wie heute niemand mehr die wenigen Alt-Medien benötigt, um sich Studien zu beschaffen, zu verstehen und darauf sich eine Meinung zu bilden, sind ARD und ZDF für das Schlagerfestival entbehrlich. Bei der Weltmeisterschaft spielten sie ohnehin nur noch eine Nebenrolle. Weder interessierte sich die FIFA für die Programmwünsche des milliardenschweren Staatsfunks noch hatten sie die interessantesten Show Notes.

    Bildung führt zu einer höheren Anspruchshaltung. Im Leben erfolgreiche Menschen akzeptieren es schlicht nicht, wenn Studienabbrecher und parlamentarische Litfaßsäulen ihnen die Welt erklären wollen. Respekt muss man sich verdienen.

    Zu Beginn der Corona-Pandemie warf die Bundeskanzlerin Merkel ihre gesamte Glaubwürdigkeit in die Waagschale, als sie die Bürger ermahnte, vorerst ihr Leben umzustellen: „Es ist ernst. Nehmen Sie es ernst.“ Die erste Delle bekam die Glaubwürdigkeit, als offensichtlich wurde, dass die Regierung gezielt mit Horrorszenarien arbeitete, um die gewünschte Politik umzusetzen. Und es war der Autorität auch nicht förderlich, als erkennbar wurde, wie sehr die Regierungschefin selbst sich von ihren Ängsten leiten ließ. Gänzlich hinüber war es mit der natürlichen Autorität, als die Politik meinte, das Leben ihrer Bürger bis ins kleinste Detail regeln zu müssen. Kein Mensch mit Ansprüchen akzeptiert es, wenn er zum Lakaien degradiert wird.

    Im Essay wird behauptet, Individualisierung und Internet habe die Autorität und Bindung an Parteien untergraben. Das stimmt zumindest in Bezug auf Deutschland nicht. Mit der Wiedervereinigung vor über 35 Jahren bildeten sich zwei Wahlvölker heraus. Die Ostdeutschen hatten von Beginn an die Nase gestrichen voll von dominierenden Parteien. Die Politik konnte Glaubwürdigkeit nicht durch die Übernahme der Einheitsparteien herstellen.

    Die Bürger merken, dass die Politik sie immer mehr als unmündige Kinder behandelt. Überall sind die Staatsquoten in den letzten Jahrzehnten teils deutlich gestiegen. In Deutschland beansprucht der Staat inzwischen über 60 Prozent des Einkommens seiner Bürger. Das ist Unmündigkeit in Zahlen ausgedrückt. Die Leistungen sind dafür miserabel. Wieso sollten die Bürger einem Staat vertrauen, der unfähig ist, gute Leistungen zu erbringen, aber alles regeln will?

    Allein die Einkommensteuer erbringt über 350 Milliarden Euro. Gleichzeitig muss der Finanzminister über 200 Milliarden neue Kredite aufnehmen, um das Notwendigste – Straßen, Gebäude, Verteidigung – zu gewährleisten. Mehr oder weniger. Wer so haushaltet, verdient keinen Respekt.

    • Sören 15. Juli 2026, 14:48

      > Zu Beginn der Corona-Pandemie warf die Bundeskanzlerin Merkel ihre gesamte Glaubwürdigkeit in die Waagschale, als sie die Bürger ermahnte, vorerst ihr Leben umzustellen: „Es ist ernst. Nehmen Sie es ernst.“

      Was genau richtig so war. Insbesondere in einer Phase, zu der noch wenig zum Virus bekannt war.

      > Die erste Delle bekam die Glaubwürdigkeit, als offensichtlich wurde, dass die Regierung gezielt mit Horrorszenarien arbeitete, um die gewünschte Politik umzusetzen.

      Ein viel größeres Horrorszenario wäre gewesen, die Ernsthaftigkeit den Bürger:innen _nicht_ zu kommunizieren und damit völlig unnötig weitere Kranken- und Todesfälle zu riskieren.

      > Und es war der Autorität auch nicht förderlich, als erkennbar wurde, wie sehr die Regierungschefin selbst sich von ihren Ängsten leiten ließ.

      Aha?

      > Gänzlich hinüber war es mit der natürlichen Autorität, als die Politik meinte, das Leben ihrer Bürger bis ins kleinste Detail regeln zu müssen. Kein Mensch mit Ansprüchen akzeptiert es, wenn er zum Lakaien degradiert wird.

      Diese angebliche „Degradation“ und das angebliche „bis ins kleinste Detail regeln“ bezieht sich hier ausschließlich darauf, dass während einer Pandemie mit unzähligen Todesopfern und einer schwammigen Zahl Langzeitbetroffener das Volk ermahnt wurde, grundlegende Hygienemaßnahmen zu ergreifen. Die Argumentation, das sei ein „Degradieren“ ist in etwa auf dem Niveau, man lasse sich nicht vorschreiben, im Auto Sitzgurt und Airbag zu haben. Liberatär-philosophisch kann ich sie verstehen; aufgrund der Faktenlage scheint es mir jedoch arg kindisch, zu schlussfolgern: „wisst ihr, was das eigentliche Problem bei der Pandemie war? Der Kontrollwahn des Staats!“ Nicht etwa die Kranken und Toten, nein, die Übergriffigkeit stört!

      • Stefan Pietsch 15. Juli 2026, 15:16

        Jetzt haben Sie eine politische Antwort gegeben, nur so denken Sie nicht wirklich.

        [Zu Beginn der Corona-Pandemie warf die Bundeskanzlerin Merkel ihre gesamte Glaubwürdigkeit in die Waagschale, (..).]

        Was genau richtig so war.

        Ich habe das nicht bewertet, sondern beschrieben.

        Ein viel größeres Horrorszenario wäre gewesen, (..).

        Das ist die erste Unaufrichtigkeit. Dokumentiert ist, dass das RKI auf massiven Druck der Politik die eigenen Kenntnisse zurückhielt und ein möglichst drastische Worst-Case-Szenarien publizierte. Noch unter Karl Lauterbach in der Endphase wurde entgegen eigenem Wissen total überzeichnet.

        Würde Ihr Chef Ihnen eine drohende Insolvenz des Unternehmens ankündigen, weshalb alle Mitarbeiter auf die Hälfte ihres Gehalts verzichten müssten und später käme heraus, dass Ihr Arbeitgeber zwar deutliche Verluste macht, eine Insolvenz aber nicht zur Debatte stände und es auch mit 20 Prozent Kürzung gegangen wäre – Sie würden Ihrem Chef nicht nur nichts mehr glauben, Sie würden erwägen zu kündigen. Belügen Sie sich nicht selber.

        Andere Länder haben anders mit ihren Bürgern kommuniziert. Sie sind damit nicht schlechter gefahren. Und das erwarten erwachsene Menschen, dass man ihnen die Risiken aufzeigt als auch einen Ausblick gibt nach bestem Wissen und Gewissen.

        [Und es war der Autorität auch nicht förderlich, als erkennbar wurde, wie sehr die Regierungschefin selbst sich von ihren Ängsten leiten ließ.]

        Aha?

        Als beim Treffen der EU-Regierungschef im Sommer 2020 ein Kollege mit ausgestreckter Hand auf sie zuging, schreckte sich spontan und abwehrend zurück. Bis zum letzten Tag des offiziellen Endes der Pandemie in Deutschland – da war sie nicht mehr Kanzlerin – sind extreme Schutzmaßnahmen von Merkel überliefert. Als Kanzler hat man nicht nur Verantwortung für sich, sondern für 83 Millionen Bürger.

        [Gänzlich hinüber war es mit der natürlichen Autorität, als die Politik meinte, das Leben ihrer Bürger bis ins kleinste Detail regeln zu müssen.]
        Diese angebliche „Degradation“ und das angebliche „bis ins kleinste Detail regeln“ bezieht sich hier ausschließlich darauf, dass während einer Pandemie mit unzähligen Todesopfern und einer schwammigen Zahl Langzeitbetroffener das Volk ermahnt wurde, grundlegende Hygienemaßnahmen zu ergreifen.

        Auch das stimmt nicht. Sie wissen genau, dass die Politik kleinteilig vorschrieb, wieviel Ladenfläche zugänglich sein darf, ob man auf Parkbänken noch lesen darf, wie viele Familienmitglieder gleichzeitig in der Wohnung sein dürfen (geimpft | genesen | ungeimpft) und ob Ehepaare sich in der Öffentlichkeit küssen dürfen.

        Wenn Sie das nicht als Kontrollwahn sehen, möchte ich nicht mit Ihnen in einem Staat leben. 😉

  • Thorsten Haupts 14. Juli 2026, 14:36

    Danke für die gewaltige Arbeit.

    Zu Deinen Argumenten:
    3) und 4) sind miteinander verbunden und beide schwach. Wir wissen aus der soziologischen Forschung, dass eine der Voraussetzungen für Vertrauen eine gewisse Homogenität ist. Konsequenterweise entwickeln sich sichtbar alle europäischen High Trust Gesellschaften jetzt zu Low Trust Gesellschaften, ein enormer gesellschaftlicher Verlust. Der angesichts der mutwillig und freiwillig herbeigeführten Verhältnisse ebenso unvermeidbar wie vorhersehbar (!) war …

    Der Haupttreiber dafür ist nicht gesellschaftliche Ungleichheit, die ist heute über den Kamm nicht grösser als in den achtzigern. Der einzig verbleibende Haupttreiber ist also Migration, insbesondere die unkontrollierte und ungesteuerte über das Asylrecht.

    Und das war in keiner Weise unvermeidbar! Ich wüsste nicht, welche negativen „diplomatischen“ Folgen der Ausstieg aus entsprechenden Abkommen haben sollte? Und warum der Ausstieg Migration schlechter kontrollierbar machen sollte, auch dafür fehlt mir jedes Argument und jedes historische Beispiel (Grossbritannien ist keines).

    Argument 4 ist für sich noch einmal besonders schwach. Die globale Handelsverflechtung hat AFAIR erst um 2010 wieder den Stand von 1913 erreicht, aber 1913 waren Staaten nach Deiner eigenen Darstellung deutlich stärker handlungsfähig? Nee, überzeugt mich nicht.

    Als Nebenbemerkung: Deine Ursachen 1 und 2 sind in liberalen UND demokratischen Gesellschaften vollkommen unvermeidbar. Weshalb ich in den letzten Jahrzehnten zunehmend zu dem Schluss kam, dass liberale Demokratien offenbar einen höheren Einsatz von vielen erfordern, als Menschen im Schnitt leisten können und wollen. Und damit werden Demokratien – wenn mein Realismus an dieser Stelle nicht nur Pessismismus ist – (historisch) bald zu einer interessanten Epoche in Geschichtsbüchern, wenn sie der Reihe nach gestorben sind.

    Ich biete meinerseits ergänzend, zusätzlich oder ersatzweise drei Erklärungsansätze an, die ich bei Dir nicht gefunden habe, auch nicht unter Scheinerklärungen:
    1) Die gesellschaftliche Alterung in allen entwickelten Staaten. Alte Leute verfallen biologisch und haben den baldigen endgültigen Untergang namens „Tod“ vor Augen, beides per se schlechte Voraussetzungen für Zuversicht und Zukunftsvertrauen
    2) Die seit Jahrzehnten stetig zunehmende euphemistische, blutleere, fehlerverminimierende, floskelhafte und inhaltsleere Sprache von Politikern (und Managern), die sprachlich eine Kluft zwischen „uns“ und „denen“ schafft, die mit den realen Verhältnissen wenig zu tun haben muss
    3) Der immer grösser werdende Abgrund zwischen dem Alarmismus der Problemidentifikationen und dem realen politischen Handeln:
    Wir stehen zwar am Abgrund, setzen aber erst mal eine Kommission ein, deren Ergebnisse wir Jahre später dann gekonnt ignorieren

    Meine 5 Cent,
    Gruss,
    Thorsten Haupts

    • Lemmy Caution 14. Juli 2026, 16:06

      Argument 4 ist für sich noch einmal besonders schwach. Die globale Handelsverflechtung hat AFAIR erst um 2010 wieder den Stand von 1913 erreicht

      Wer sagt das? 1913 betrug Welthandel / Welt-Bip etwa 15%, also ungefähr wie in den 60er Jahren.
      Die Transportkosten wurden durch Innovation gewaltig gesenkt. Das überwiegt die positive Wirkung des Goldstandards. Gerade außerhalb Europas war ja auch das Hinterland der Häfen viel schlechter eingebunden.

    • CitizenK 14. Juli 2026, 19:46

      Bei Nr. 4 geht es ja nicht nur um den Handel. Liz Truz und auch Donald Trump haben eindrucksvoll erfahren, wie internationalen “ Märkte“ ihr Handlungsfähigkeit begrenzt.

      • Lemmy Caution 15. Juli 2026, 12:08

        UK ist ein einziges Desaster, aber es ist noch nicht klar, ob die Zollpolitik Trumps nicht vielleicht doch den Industriesektor wachsen lässt.
        KI: „Einige aktuelle Analysen und Medienberichte zeigen bislang keinen deutlichen Beschäftigungszuwachs im verarbeitenden Gewerbe; andere Modellrechnungen der Federal Reserve deuten darauf hin, dass Zölle langfristig zwar Industriearbeitsplätze schaffen könnten, gleichzeitig aber die Gesamtbeschäftigung und das Realeinkommen der USA verringern würden.“
        Man kann sich aus meiner Sicht schon die Frage stellen, ob der deal mehr Industriearbeitsplätze für etwas weniger Wachstum nicht vielleich positiv ist. In Frankreich sind die Stimmen dafür lauter und mehr sophisticated, wohl weil deren Industrie weniger von der extremen Globalisierung profitierte als die Deutsche. Die haben halt nicht diese hidden champions. Auf viele deren Absatzmärkte zielt China.

  • Ralf 14. Juli 2026, 23:10

    Die vier grundlegenden Ursachen, auf die ich mich konzentriere, sind größtenteils unumkehrbar. Selbst wenn wir es wollten, ließen sich Internet und Globalisierung nicht einfach wieder rückgängig machen.

    Die Globalisierung wird gegenwärtig gerade zu großen Teilen rückabgewickelt – dank US-Zöllen und Schutzbarrieren vor chinesischen Importen. Das geht zwar nicht so weit, dass von “vollständig rückgängig machen” die Rede sein könnte. Aber es ist plausibel anzunehmen, dass die Welt in 20 Jahren viel weniger durch Handel vernetzt sein wird, als sie es im Jahr 2000 noch war. Auch Flüge und insbesondere Transatlantikflüge werden im Kontext der Klimakrise immer seltener, weil immer teurer werden. Ich sehe das bereits im Beruf, wo Reisen drastisch reduziert werden. Langfristig führt das zu weniger Zusammenarbeit zwischen den Kontinenten und – in der Folge – zu mehr Autarkie.

    Und auch wenn das Internet vermutlich nicht rückgängig gemacht werden wird, ist es nicht unwahrscheinlich, dass Social Media in den kommenden Jahren massiv reguliert werden wird. Mit einem Verbot für Kinder sind bereits mehrere Länder vorangeprescht. Dazu gibt es zahlreiche Klagen gegen die Tech-Industrie. Das Bild, das sich ergibt, ähnelt der Stimmung kurz bevor das Rauchen einbrach – als Klagewellen die ehemals so mächtigen Tabakkonzerne überrollten und Zigaretten nicht mehr mit sozialer Gesellschaft sondern mit Krebs und Tod in Verbindung gebracht wurden.

    Fazit: Veränderung ist möglich.

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