Klimapolitische Verschwendungssucht ohne Limit

Es ist zwangsläufig ein politisches Statement. Umgangssprachlich Weltklimarat genannte IPCC verzichtet in seinen neuen Einschätzungen zum Klimawandel auf das Worst-Case-Szenario RCP8.5. In der Modellierung gingen die Forscher von einem ungebremsten Wachstum der Emissionen aus und unterstellten einen Kohleanteil an der Verstromung von 50 Prozent. Der Primärenergiebedarf würde sich bis zum Jahr 2100 verdreifachen, die Weltbevölkerung auf 12 Milliarden Menschen anwachsen. In der Post-Betrachtung lässt sich immer streiten, wie plausibel solche Annahmen je waren. Denn auch das schlechteste Szenario braucht einen gewissen Realitätsbezug, sonst ist es unnütz. Relevant ist dagegen, wie solche Szenarien kommuniziert werden und inwiefern sie Einfluss auf die Politik haben.

Es ging kaum kleiner: Im Bundestagswahlkampf tönte die grüne Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock, die nächste Regierung sei die letzte, die noch aktiv Einfluss auf die Klimakrise nehmen könne. Entsprechend engagiert ging ihr Co Robert Habeck als frisch installierter Wirtschafts- und vor allem Klimaminister ans Werk. Sein Staatssekretär Stefan Wenzel erklärte Anfang März 2023 auf Basis des Szenarios die Wichtigkeit von Klimaschutzmaßnahmen und eine vom Ministerium in Auftrag gegebene Studie schätzte mögliche Folgekosten auf 900 Milliarden Euro allein bis 2050. Die hohe Schadenszahl beruht dabei auf dem Szenario RCP8.5. Medien verbreiteten die Horrormeldungen ungeprüft.

Das war der Aufschlag. Das Marketing war perfekt, das Umfeld bereitet, in der Habeck sein Heizungsgesetz einbetten wollte. Die Strategie war von der letzten Merkel-Regierung kopiert, die ebenfalls im Frühjahr 2020 mit gezielten Horrorszenarien zur Pandemie die Bevölkerung für die gravierendsten Grundrechtseinschränkungen der Geschichte vorbereiten wollte. Auch damals wussten es die politisch Handelnden besser, aber die Bürger wie Kleinkinder zu führen, hat für Politiker anscheinend etwas unwiderstehlich Verführerisches.

Die unmögliche Kombination aus Eigenverantwortung und Verbot

Habecks Heizungsgesetz floppte bekanntlich. Und das, obwohl der Grüne nichts unversucht gelassen und den politischen Anstand beiseitegeschoben hatte. Die Verfassungsrichter rügten die ungenügenden Fristen im Gesetzgebungsverfahren, womit die Opposition benachteiligt wurde. Der gar nicht so vornehme Norddeutsche hatte als Reaktion nur Spott übrig. Und auch den Wärmepumpen-Herstellern Stiebel Eltron, Vaillant und Viessmann verursachte der Grüne ein finanzielles Fiasko. Ihnen hatte der politische Saubermann gedroht, den Markt für chinesische Wettbewerber vollständig zu öffnen und damit die deutschen Branchengrößen aus dem Geschäft zu drängen.

Habecks Ziel war der Doppel-Toeloop im Gebäudesektor. Klimapolitik ist EU-Sache. Die Brüsseler Kommission ist für die Einhaltung der von ihr geschlossenen Verträge, so auch das Pariser Klimaabkommen, verantwortlich und berichtet dazu an die UN. Seit Mitte der Nullerjahre reguliert das Cap & Trade-System (Emissionshandel) EU-ETS den Energiesektor als größten Emittenten von klimaschädlichen Gasen. Das bewehrte marktwirtschaftliche Instrument soll ab 2027 auf den Gebäudesektor ausgerollt werden.

Nach Berechnungen des Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) im Auftrag der FDP hätte Habeck Gesetz gesellschaftliche Gesamtkosten von 0,6 Billionen Euro verursacht. Der Gebäudesektor steht für 103 bis 110 Millionen Tonnen CO2 (gesamt: 640 Millionen Tonnen CO2). Bezogen auf die globalen Emissionen von 39 Milliarden Tonnen sind das 2,6 Promille, wofür über 13 Prozent des jährlichen BIPs regelrecht verbraten werden sollten. Völlig unnütz zudem, weil das gleiche Ziel sollte ja eben mit dem selbstregulierenden Instrument des ETS erreicht werden. Anders gerechnet: Um 2,6 Promille der weltweiten Emissionen zu neutralisieren, hätten nach den Plänen Habecks mehr als das Doppelte des globalen BIPs (5,6 Promille) aufgewendet werden sollen. Es gibt viele Wege der Verschwendung. Der Grüne kennt eine ganze Menge.

Klimapolitik an die Wand gefahren, Bürger vergrätzt

Ein weiterer ist der vom Wirtschaftsministerium verwaltete Klima- und Transformationsfonds (KTF). In dem Fonds laufen die Einnahmen aus dem EU-ETS (4,3 Milliarden Euro) und der nationalen CO2-Abgabe auf fossile Brennstoffe (16,7 Milliarden Euro) auf. Das Konzept des Emissionshandels basiert auf der Bedingung, die wachsenden Erträge dem Bürger direkt wieder zuzuleiten, damit private Investitionen der Emissionsvermeidung finanziert werden können. In Deutschland gilt das nicht. Der KTF avancierte zur Privatschatulle von Habeck, womit er seine industriepolitischen Träume umsetzen wollte. Jedem erwachsenen Deutschen wurden damit unter den Ampeljahren über 900 Euro vorenthalten. Das ist Geld, was sich der Staat zusätzlich angeeignet hat.

Auch die Kraftwerksstrategie zur Energiesicherung geriet unter dem Grünen zum Torso. Der ursprüngliche Entwurf sah den Bau von 50 neuen Gaskraftwerken mit einer Leistung von je 500 Megawatt (MW) vor, insgesamt 25 Gigawatt. Die Planung geriet so umfangreich, weil Habeck zuvor die letzten drei Atommeiler mit einer Gesamtleistung von 4,3 GWh abschalten ließ, also die Leistung von über acht Gaskraftwerken. Da die neuen grundlastfähigen Energieproduzenten nur dann ans Netz sollen, wenn Windkraftanlagen und Solarpanels keine ausreichende Stromleistung liefern, müssen sie hoch subventioniert werden. Subventionen unterliegen jedoch in der EU strengen Auflagen. Aufgrund dessen verhandelt die Bundesregierung mit Brüssel über die Subventionierung von insgesamt 12 Gigawatt Gaskraftwerken.

Man muss kein Mathegenie sein, um den klima- und wirtschaftspolitischen Irrsinn zu erkennen. Die Ampelregierung schaltet über 4 GWh klimaneutrale Kraftwerke ab, um sich anschließend den Bau von 12 GWh nicht klimaneutrale Gaskraftwerken von der EU genehmigen zu lassen, die hoch subventioniert werden müssen. Allerdings ist eigentlich die doppelte Anzahl notwendig, um die Energieversorgung zu sichern. Jedes Unternehmen wäre mit einer solch dilettantischen Geschäfts- und Beschaffungspolitik längst pleite.

Die Krönung ist nun die politische Boshaftigkeit und Verhetzung der Grünen, die Habecks Nachfolgerin im Amt als „Gas-Kati“ beschimpfen. Was die Grünen nicht abkönnen ist, dass Katharina Reiche mit ihrer langjährigen Erfahrung in der Energiewirtschaft rechnen kann und für die Kinderträume der linken Politiker nichts übrighat.

Das Problem mit den linken Milieus der sozialistischen Ökokrieger ist, dass nüchterne Rentabilitäts- und Effizienzüberlegungen mit der Keule der Klimaleugnung beantwortet werden. In diesen Schichten gibt es unendlich viel Geld und Mittel, man muss sie nur den Reichen (und auch Ärmeren) wegnehmen. Deutschland hat in den vergangenen knapp 30 Jahren der ausgerufenen Energiewende nach seriösen Schätzungen rund 0,7 Billionen Euro verballert, aber seine klimaschädlichen Emissionen hauptsächlich durch den europäischen Emissionshandel und wirtschaftliche Stagnation reduziert. Das eine liegt weitgehend außerhalb des nationalen Einflussbereichs, das andere funktioniert eben als Teil der von Linken ausgerufenen Verarmungsstrategie.

Wie es anders geht – oder nicht

Seit der Jahrtausendwende hat sich wenig getan. Fossile Brennstoffe haben weiterhin mit 78 Prozent einen ähnlich hohen Anteil an der Deckung des Primärenergiebedarfs (2000: 82 Prozent). Der „Erfolg“ ist im wesentlichen auf den Rückgang des Bedarfs von 14 000 Petajoule auf 10 500 Petajoule zurückzuführen. Das Investment des Billionenvermögens wurde für die Substituierung der Kernenergie durch Wind und Solar ver(sch)wendet.

An dieser Stelle wird von den Verteidigern des fachlich überforderten grünen Strahlemanns das Beispiel Dänemarks angeführt. Auf die großen Unterschiede kommt es bei der Rechtfertigung nicht an. Unser nördliches Nachbarland entwickelte bereits Ende der Siebzigerjahre eine Strategie um unabhängig von fossilen Energieträgern zu werden. Der Gebäudesektor wurde in über dreißig Jahren auf den Entzug von Brennstoffen eingestellt. Das ist die übliche Nutzungsdauer von Wohngebäuden in hoch entwickelten Industrieländern.

In Deutschland sind 80 Prozent der Gebäude über 25 Jahre alt. Der Bestand ist mit knapp 50 Jahren eine der ältesten in Europa, wo das Durchschnittsalter bei Anfang 40 Jahre liegt. Wegen des hohen Alters gelten 30-40 Prozent der Gebäude als nicht tauglich für den Einbau einer Wärmepumpe. Das Habecksche Heizungsgesetz ging deswegen an den nationalen Belangen vorbei. Eine der ältesten Bevölkerungen Europas, die über sehr wenig Wohneigentum verfügt, soll ein Billionen-Volumen schultern, um mit geringen Produktionskapazitäten einen sehr alten Bestand zu ersetzen.

Dabei arbeitet die Zeit ohnehin für den Klimaschutz deutscher Bauart. Viele der heute 43 Millionen Wohnungen in 19 Millionen Wohngebäuden werden in den nächsten Jahrzehnten nicht mehr gebraucht und unbenutzt durch Wegsterben der Bevölkerung. Bis zum Jahr 2070 wird sich die Zahl der hier lebenden Menschen voraussichtlich um 14 Millionen auf knapp 70 Millionen reduzieren. Allein dieser Schwund wird ohne jede Anstrengung die Emissionen des Gebäudesektors um 18 Millionen Tonnen absenken.

Die Zeit sollten wir uns nehmen.

{ 22 comments… add one }
  • Lemmy Caution 1. Juni 2026, 21:47

    2013 bis 2024 ist der Anteil der Fossilen weltweit in der gesamten Primärenergie von 86 auf 81% gesunken. Die Graphik unten.
    https://ourworldindata.org/grapher/fossil-fuels-share-energy?tab=discrete-bar&time=latest

  • Detlef Schulze 2. Juni 2026, 07:51

    Katherina Reich wird nicht nur deshalb „Gas-Kathi“ genannt, weil sie neue Gaskraftwerke bauen lasssen will, sondern auch, weil sie jahrelang in führender Position eines der größten Gaskonzernes Deutschland gearbeitet hat, weil sie das Verbot von Gasheizung gekippt hat, Fracking in Deutschland ermöglichen will, beim Ausbau erneuerbarer aber mächtig auf die Bremse tritt, genau so, wie sie es bereits als Staatssekretärin unter Altmaier gemacht hat.

    Ihr Vorwurf an die Grünen, sie würden damit Frau Reiche diffarmieren, wäre glaubwürdiger, wenn Sie nicht regelmäßig Habeck als Kinderbuchautor oder Schönling bezeichnen würden.

    • Stefan Pietsch 2. Juni 2026, 13:38

      Der Ansatz hört sich doch vernünftig an: Die Kapazitäten in Einklang mit der Infrastruktur zu bringen. Wir hatten die Diskussion: Wenn wir weit über Bedarf produzieren, nützt das niemanden außer den (privaten, wohlhabenden) Produzenten, die garantierte Preise bekommen. Fracking ist in Deutschland verboten. Ich kann doch einen Politiker nicht dafür beschimpfen, was ich vermute, was er eventuell will. Dann sage ich auch mal, die Grünen wollen den Sozialismus einführen und die SPD Eheschließungen verbieten. Halten Sie das für seriös?

      Wenn Sie genauer hinschauen, würden Sie bemerken, dass ich auf Habeck nur repliziere, wenn Stefan und andere ihn wieder nahe an der Heiligsprechung sehen. Er hat genügend volkswirtschaftliche Schäden hinterlassen, belassen wir es dabei. Ansonsten ist er aus der Politik raus und damit kein Gegenstand aktueller politischer Debatten. Es sei denn, ein paar Kommentatoren fallen wieder ob seines Charmes in Ohnmacht.

      • Detlef Schulze 2. Juni 2026, 18:40

        Wenn Sie genauer hinschauen, würden Sie bemerken, dass ich auf Habeck nur repliziere, wenn Stefan und andere ihn wieder nahe an der Heiligsprechung sehen. Er hat genügend volkswirtschaftliche Schäden hinterlassen, belassen wir es dabei. Ansonsten ist er aus der Politik raus und damit kein Gegenstand aktueller politischer Debatten. Es sei denn, ein paar Kommentatoren fallen wieder ob seines Charmes in Ohnmacht.

        Ich habe eher den Eindruck, dass Sie es sind, der Habeck immer erwaehnt. Im oberen Artikel gleich 11 mal. Frau Reiche wird nur 2 mal erwaehnt. Die 11 mal sind schon sehr viel, wenn man bedenkt, dass er nur 3 Jahre im Amt war, und die Energiewende vor 26 Jahren eingeleitet wurde.

        • Stefan Pietsch 2. Juni 2026, 19:51

          Stefan hatte direkt vor meinem Artikel, der eine im Grunde eine Replik ist, wieder mal Habeck hervorheben müssen. Geht es wirklich nicht ohne?

          Habeck war ein Politiker ohne erkennbare fachliche Expertise, anders als Helmut Schmidt einen guten Politiker charakterisiert hat. Mir fielen Parallelen zu Björn Engholm auf, der mit sehr ähnlichem Auftritt zeitweise sehr populär war. Auf der Sachebene hat Habeck (wie Engholm) nicht viele Pluspunkte, wenn man von der politischen Präferenz abgeht. Minuspunkte aber ziemlich dicke. Als überzeugter Rechtsstaatler muss jeder seine Nonchalance gegenüber verfassungsrechtlichen Grundsätzen ankreiden – was seine Fans nicht tun.

          Anders als zu Habeck habe ich zu Katharina Reiche keine ausgeprägte Präferenz. Mit ihr gibt es mal eine Politikerin mit Sachkenntnis, während ihre Gegner ihr genau die ankreiden. Werden solche wirklich lieber von Ideologen regiert? Auf der anderen Seite finde ich sie nicht gerade sympathisch und als Abarbeiterin weckt sie auch nicht große Emotionen. Ich habe Sympathien für den Typ Schmidt, Schröder, Söder, Kubicki. Eine gewisse Knorrigkeit, fachliche Kenntnis, Killerinstinkt, einen Schuss Populismus gepaart mit Charisma. Zwar hat Habeck den Punkt Charisma seiner Nachfolgerin voraus, mehr aber auch nicht. Dazu war er in seiner politischen Karriere auch zu oft Loser. Er konnte ja nicht einmal das Leichtgewicht Baerbock killen.

          Und zur Energiewende: Sie wurde zweifellos von den Grünen aufgesetzt und geprägt. Sie bestand zu weiten Teilen aus Populismus für die eigene Klientel. Anfang der Nullerjahre habe ich für einen Großhändler der Bauindustrie gearbeitet. Auch da freuten sich viele über die neuen Geschäftsmöglichkeiten. Aber: Die Administration erfolgte sehr weitgehend von Christ- und Sozialdemokraten.

    • Thorsten Haupts 2. Juni 2026, 18:31

      … beim Ausbau erneuerbarer aber mächtig auf die Bremse tritt …

      Ich arbeite für einen grossen deutschen Übetrtragungsnetzbetreiber und viele bei uns sehen das deutlich anders. Den Kapazitätsausbau ohne vorherige Stärkung/Vergrösserung der Netze weiter voranzutreiben, gefährdet die Netzstabilität, aber der Netzausbau dauert und ist extrem teuer. Reiche hat hier erkennbar nur auf den Rat echter Fachleute aus der Netzpraxis reagiert, aber man kann natürlich auch seine Vorurteile von ZEIT und SPIEGEL bedienen lassen.

      • Detlef Schulze 2. Juni 2026, 20:39

        Dass ihre Kollegen das so sehen glaube ich gerne. Fuer die Netzbetreiber ist es natuerlich eine groessere Herausforderung die Frequenz stabil zu hat. Das bestreitet niemand. Aber, der Anteil der Erneuerbaren an der Stromerzeugung hat sich in den letzten 10 Jahren verdoppelt, ohne dass dies signifikante Auswirkung auf die Netzstabilitaet hat. Bis jetzt gibt es also noch keine Probleme. Deutschland hat, was Stabilitaet angeht, eins der besten Stromnetze Europas. Wenn wir hier auf das Niveau anderer Laender abfallen, wie Schweden, Oesterreich oder die Niederlande, kann man immer noch den EEG-Ausbau bremsen.

        • CitizenK 2. Juni 2026, 21:02

          Diese Länder haben, soviel ich weiß, einen deutlichen höheren Anteil an Smart Meters, die für das Management dezentraler Einspeisung wichtig sind. Richtig?

          Warum gibt es die bei uns noch nicht flächendeckend – und falls das ein Nachteil ist – wer ist dafür verantwortlich?

          • Detlef Schulze 3. Juni 2026, 07:07

            Warum gibt es die bei uns noch nicht flächendeckend – und falls das ein Nachteil ist – wer ist dafür verantwortlich?

            Unter anderem hat sich das Bundesamt fuer Sicherheit in der Informationstechnik wohl viel Zeit mit der Zetifizierung der Smart Home Gateways gelassen. Wahrscheinlich gibt es noch andere Faktoren.

        • Thorsten Haupts 2. Juni 2026, 23:16

          …ohne dass dies signifikante Auswirkung auf die Netzstabilitaet hat.

          Weil SIE es bisher nicht bemerkt haben? Vielleicht reden Sie mal mit den Schaltleitungen einer der vier deutschen Netzbetreiber? Das wurde schon 2024 so knapp, dass Netzbetreiber kurz vor der Abkoppelung ganzer Regionen Deutschlands standen. Aber vielleicht müssen Sie das einfach mal erlebt haben, um das Mantra von der unkaputtbaren deutschen Netzstabilität fallen zu lassen? Legen Sie schon mal Vorräte für ein paar Tage an, die von Elektrizität unabhängig sind.

          Gruss,
          Thorsten Haupts

          • Detlef Schulze 3. Juni 2026, 07:01

            Weil SIE es bisher nicht bemerkt haben?

            Nein, sondern, weil es der VDE FNN so sagt.

            • Thorsten Haupts 3. Juni 2026, 13:27

              Okay. Dann nehme ich zur Kenntnis, dass zwischen dem, was der VDE FFN sagt und dem, was bei uns (intern) gesagt wird, eine deutliche Lücke existiert.

              • Detlef Schulze 3. Juni 2026, 17:38

                Das muss ja kein Widerspruch sein. Ihre Kollegen müssen vielleicht mehr arbeiten um das Netz auf der gewohnten Stabilität zu halten.

                • Thorsten Haupts 3. Juni 2026, 18:56

                  Nein, es geht nicht rein um „mehr arbeiten“. Aber ich bewege mich als Angestellter hier zunehmend auf vermintem Gelände und muss die Dskussion daher leider abbrechen.

                • Erwin Gabriel 12. Juni 2026, 12:19

                  @ Detlef Schulze 3. Juni 2026, 17:38

                  Ihre Kollegen müssen vielleicht mehr arbeiten um das Netz auf der gewohnten Stabilität zu halten.

                  Alles, wo der Bund seine Finger drin hat, wird komplex und langsam – erst Recht, wenn dann noch Ideologie (z.B. Energiewende) mit ins Spiel kommt.

        • Lemmy Caution 3. Juni 2026, 14:13

          Technik kann komplex werden. Da bin ich über jeden Experten dankbar, der sich zu dem Thema äussert. Man muss da nicht blind vertrauen.
          Wir hatten in den letzten Jahren keine massive Steigerung des Anteils der Regenerativen Energien. Dieses Jahr kommen wir vielleicht über 60%, aber jedes Dezil wird schwieriger. Das halte ich für schlüssig. Österreich und Schweden haben übrigens einen hohen Anteil an Regenerativen Energien wegen ihrer stark ausgebautem Wasserkraft dank ihrer natürlichen Ressourcen, d.h. viel schnell fliessende Flüsse. https://www.energy-charts.info/charts/renewable_share/chart.htm?l=de&c=AT&interval=year

    • Erwin Gabriel 4. Juni 2026, 17:17

      @ Detlef Schulze 2. Juni 2026, 07:51

      Ihr Vorwurf an die Grünen, sie würden damit Frau Reiche diffarmieren, wäre glaubwürdiger, wenn Sie nicht regelmäßig Habeck als Kinderbuchautor oder Schönling bezeichnen würden.

      Da kann ich sogar folgen
      (Sorry, Stefan …)

      • Stefan Pietsch 4. Juni 2026, 19:24

        Du weißt, was mit Verrätern passiert?

        • Erwin Gabriel 6. Juni 2026, 08:57

          @ Stefan Pietsch

          Du weißt, was mit Verrätern passiert?

          Ja. Die müssen sich mit einer Flasche chilenischem Rotwein freikaufen.

  • Jens Happel 17. Juni 2026, 12:55

    Vor langer Zeit, gefühlt im letzten Leben, hatte ich einem deiner Artikel zur CO2 Börse zugestimmt, dass diese der beste (effizienteste) Weg für die Klimapolitik ist. Hatte aber ebenfalls eingewendet, dass dies technische Lösungen vorrausetzt die nicht nur funktionieren sondern auch kostengünstig sind.

    Zur Zeit sieht es so aus, dass es schlicht keine kostenkünstigen Technologien dafür gibt. Im Strommarkt ist Solarstrom aus der Zelle zwar günstig, aber durch Netzausbau, nötige Batteriespeicher und redundante H2-Gaskraftwerke (Dunkelflaute) in Summe zu teuer für eine moderne Volkswirtschaft. Von der nötigen Stabilisierung der Netzfrequenz durch Snychrongeneratoren mit tonnenschweren trägen Rotationsmassen (genannt Dampfturbine) ganz zu schweigen. Diese Generatoren mit Turbine gibt es in Deutschland nur noch in Kohlekraftwerken. Sie sind die „Ursache“ warum wir negative Netzentgelte bei zuviel Wind und Sonne haben. Wenn sich bei zuviel Strom kein Solar und Wind mehr abschalten lässten, müssen die Kohlekraftwerke trotzdem noch mitlaufen sonst haben wir keine stabile Netzfrequenz und ohne diese gar kein Netz (siehe Stromausfall in Spanien). Sie produzieren dann also noch mehr Strom den niemand braucht nur um das Netz am laufen zuhalten.

    Letzteres war etwas ausführlicher um ein Beispiel zu zeigen wo es technisch hakt. Bei der E-Mobilität ist es das gleiche. Berücksichtigt man Subventionen und Steuern auf Sprit und KFZ Steuer und Unterschiede im Wertverlust ist E-Mobilität nach wievor teurer als Benziner und Diesel. Bei Firmenwagen kommt noch dazu, dass 30 Minuten an der Ladesäule Arbeitzeit sind.

    E-Mobilität für LKW ist völlig abentuerlich, das wesentlich höhere Gewicht der Batterie reduziert die erlaubte Zuladung (Effizienz?). Wie das technisch am späten Samstag Abend funktionieren soll, wenn alle LKW gleichzeitig an die Ladesäulen wollen, weiß kein Mensch. Da gibt gar keine „günstige“ technische Lösung.

    Beim Wohnungsbau ist es ähnlich. Dicke Dämmung rechnet sich erst nach 20 plus Jahren. Das in naher Zukunft alle Häuser kalkulatorische Nullenergiehäuser sein sollen, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Da bleibt nur das Herrmansche zusammenpferchen von vielen Menschen in kleinen Wohnungen.

    Für groß technische Anlagen, wie Chemische-, Zement-, Glas-, Aluminium-, Stahl-,-….industrie gibt es keine wirtschaftliche grüne Lösung. Punkt!

    Das es in Dänemark so „gut“ funktioniert, liegt nur zu einem geringen Teil an den dortigen frühen Massnahmen. Es liegt im wesentlichen daran, dass Dänemark keine energieintensive Industrie hat. Deswegen hat Deutschland ungefähr einen 30% höheren CO2 Ausstoß pro Kopf. China hat uns bei ProKopf Ausstoß übrigens schon länger überrundet und dies bei den offiziellen Bevölkerungszahlen. In Wahrheit dürften die deutlich niedriger sein. Sie fliegen zum Mond, sind Atommacht, Exportweltmeister und vielfach Technolgieführer, gelten aber als Entwicklungsland und müssen deswegen gar nix bzgl. Klimaschutz machen. Deren Anteil an Wind und Sonne lag, als ich das letzte mal, nachschaute gerade mal bei ca. 20%.

    Kurz. Deutschland macht die Energiewende schlecht, aber selbst wenn sie sie gut machen würde, führt dies IMMER zu Deindustralisierung, Dänemark mit seinen zweitteuersten Strompreisen in der EU ist der Beleg dafür. Polen ist auch kein Gegenbeispiel. Die haben CO2 reduziert indem sie unwirtschaftliche Anlagen aus Ostblockzeiten abgeschaltet oder ersetzt haben. Die haben aber keine CO2 Steuer und sind gegen die CO2 Steuer ab 2027. Mittlerweile haben auch die Polen einen größeren CO2 Ausstoß pro Kopf als wir.

    In der Landwirtschaft führt der Klimaschutz zu niedrigeren Erträgen, da Dünger z.Teil aus Erdgas gemacht wird.

    Der viel beschworene Bürokratieabbau ist eng mit der Klimapolitk verflochten. Da diese nicht marktfähige Produkte vorschreibt werden diese durch Vorschriften und Subventionen in den Markt gedrückt. Dies erfordert zwangläufig überwachende Massnahmen und Reportingpflichten der Unternehmen, also Bürokratie. Kurz ohne Abkehr von der Energiewende wird es auch keinen vollumfänglichen Bürokratieabbau geben.

    Kurz Deutschland hat sich in die Ecke gepinselt. Die Welt insbesondere unsere Konkurenten machen beim Klimaschutz nicht mehr mit. Umkehr ist schwierig, da dies in zig EU Verordnungen und deutschen Gesetzen unter anderem unserem GG vorgeschrieben ist.

    Unser Verfassungsericht hat übrigens in seiner Urteilsbergündung zum Klimaschutz, aus der nun zurückgezogenen RCP8.5 Studie zitiert.

    Sorry, Deutschland hat Flasche leer. Ohne Korektur werden wir in 10 Jahren keine chemische Industrie, keine Metallerzeugung und andere energienitensive Branchen haben. Zudem wird die Autombilindustrie durch das Verbrennerverbot mindestens um 50 % schrumpfen, da der größte Teil der Wertschöpfung in der Batterie liegt und zudem China und USA Marktführer sind. In Summe wird unser verabeitendes Gewerbe, das ca. 20% vom BIP ausmacht auf mindestens drei viertel seine jetzigen Größe schrumpfen. Am verabreitenden Gewerbe hängt der allergrößte Teil unserer Wertschöpfung dran. Der Dienstleistungsektor und der Maschinenbau hängt ebenfalls an den wegsterbenden Teile dran. Und es kommt nichts tragfähiges nach. Viele derzeitige Firmengründungen versuchen die Bürokratie handhaberer zu machen oder hängen von Tag Null an am Subventionstropf.

    Das wird Jahrzehnte dauern das alles wieder gerade zurücken. Eine Rückkehr zu Atom dauert mindestens 10 Jahre, bis zum ersten Meiler und 30 weitere bis wir wieder nennenswerte Kapazität haben.

    Auch eine AFD Alleinregierung wird daran nur wenig ändern können. Uns muss es ergehen wie Argentinien. Erst wenn die Not groß ist und die größten Teile der Bevölkerung sich mehr um ihren Wohlstand sorgen als um Knut auf seine Scholle, wird es eine echte Richtungsänderung geben.

    Das wir unsere Wohnungen durch Bevölkerungsrückgang von „allein“ klimagerecht machen, halte ich für ein Märchen. Die Zuwanderung wird weiter gehen, da sie ebenfalls durch zig EU Vorgaben, deutsche Gesetze, unterschrieben Verträge und EU GH fixiert ist. Das Bassche „Einheitbraun“ wird ausgetauscht durch überwiegend Muslime. Sollte in 30 Jahren ein deutscher Milei kommen, ist er mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Moslem.

    Ich habe meine Kindern die Auswanderung nahe gelegt, das wird hier nix mehr. Wir können nur noch die Kapelle auf der Titanic bezahlen, um das Sinken erträglicher zu machen.

    Viele Grüße
    Jens

    P.S. Ich bin nicht gegen Klimaschutzmassnahmen per se, aber gegen Zero CO2 und Alleingänge. Defacto also zu einem Rückbau von (gefühlten) 90% der Klimamassnahmen.

    P.P.S. CO2 pro Land und Kopf siehe hier
    https://ourworldindata.org/co2-emissions

    P.P.P.S. Das Dänemark trotz perfekter Lage auf der Windkarte und ohne windschwaches Bayern, die zweithöchsten Strompreise in der EU hat, sollte eigentlich jedem klar zeigen, dass es mit Wind und Sonne allein nicht (konkurenzfähig aka günstig) geht.

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