Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Die „Fundstücke“ erhalten ausführlichere und thematisch gegliederte Hinführungen zu verschiedenen Artikeln aus den Weiten des Netzes dar. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels empfohlen; ich übernehme keine Garantie für die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Zusammenfassungen. Für den Bezug in den Kommentaren sind nummerierte Zwischenüberschriften eingezogen, bitte auf die referieren. Dazu gibt es die „Resterampe“, in der ich nur kurz auf etwas verweise, das ich zwar bemerkenswert fand, aber zu dem ich keinen größeren Kommentar abgeben kann oder will. Auch diese ist geordnet (mit Buchstaben), so dass man sie gegebenenfalls in den Kommentaren referieren kann.
Fundstücke
1) Ungarnwahl
Bei der Wahl in Ungarn hat Fidesz krachend verloren – zumindest, was die Zahl der Sitze angeht. Das manipulierende System, das Orbán sich gebaut hat, hat sich gegen ihn gewandt. Zwar gewann die Opposition „nur“ 53% der Stimmen, aber knapp 70% der Parlamentssitze. Ich halte von solchen Systemen nicht viel, und ich hoffe, die nutzen ihre verfassungsändernde Mehrheit, um ein faires Wahlsystem für alle aufzubauen und diesen Orbán’schen Unfug zurückzudrehen. Das wird eine schwierige Aufgabe: „Der Frankenstein-Staat des Viktor Orbán“ ist in 16 Jahren illiberaler Regierungsführung stark verankert worden. Man muss nur nach Polen sehen um ein Beispiel zu bekommen, dass auch ein Sieg in den Wahlen nicht einfach die Demokratie zurück zaubert. Das ist der Preis einer Regierung von Autokraten, und das droht uns in Deutschland auch, wenn die AfD an die Macht kommt: eine Zerstörung von Institutionen, Diskriminierung von Gegnern und offene Korruption. Das ist so absehbar wie kaum etwas anderes. Ebenso absehbar ist der Take, den Ulf Poschardt zum Thema hat. In „Danke, Orbán!“ erkennt er zwar an, dass die Regierung korrupt und undemokratisch war, aber sie konnte natürlich auch nicht anders, wegen der bösen EU und den bösen Linken. Das ist unter den Rechten echt der Dauerkonsens: niemand ist je für seine Wahlentscheidung verantwortlich, ob Trump, AfD, Farage oder Orbán. Die Bürgerlichen haben jede Eigenverantwortung aufgegeben und infantilisieren die Wählenden und sich selbst. Eher was zum Schmunzeln war die Weltwoche direkt vor der Wahl.
2) Artemis
Axel Bojanowski jedenfalls findet staatliches Geldausgaben zur Abwechslung mal gut („Zu teuer? Zu riskant? Deshalb braucht es „Artemis 2“„) und spricht von „technologischen Schüben“ und der Inspiration für die Menschheit. Letzteres würde ich unterschreiben, ersteres ist meines Wissens nach vor allem eine urban legend. In die Richtung der Inspiration geht auch dieser Beitrag im Atlantic von Stephane Bai, der historisch die Apollo-Missionen beleuchtet und auch einen Inspirationseffekt sieht. Dazu passt, wie Rebecca Boyle das Phänomen der „Moon Joy“ beschreibt, das beim Anblick der Fotos und des Konzepts des Monds entsteht. Im Spiegel gesteht Stefan Kuzmany in einem persönlich gefärbten Beitrag, er habe „Heimweh nach dem Mond„. Dort sei die Welt noch in Ordnung, existierten all die gesellschaftlich-politischen Konflikte der Erde nicht. Das halte ich für dick aufgetragen und gleichzeitig belanglos, aber es ist halt ein Kuzmany. – Insgesamt teile ich die positiven Vibes der Artemismission. Ist das irgendwo Geldverschwendung, relativ gesehen? Sicher. Aber gleichzeitig belebt wenig unsere kollektive Fantasie wie die Final Frontier, und zu sehen, dass Staaten friedlich kooperierend Grenzen durchbrechen und tolle Dinge erreichen können statt sich nur zu zerstören, ist gerade in diesen Zeiten viel wert. Wenn das jetzt noch auf der Erde gelänge…
3) Wehrpflicht
Angesichts des kommunikativen Desasters um die Reisegenehmigung stellte Fatina Kellani in der Welt das Denken „in Kategorien der Mobilmachung“ in Frage. Wenn die Ausrüstung der Bundeswehr so schlecht sei, könne sie nicht von den Rekruten das Sterben verlangen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich die Argumentation sonderlich überzeugend finde oder ob hier nicht maßlos überzogen wird, um einen klickträchtigen Artikel zu bekommen, aber die Kritik als solche ist sicher zutreffend. Die Wehrpflicht und auch die Reiseerlaubnispflicht SIND massive Grundrechtseingriffe, da brauchen wir gar nicht drüber zu diskutieren. Etwas merkwürdig finde ich, dass bis vor sehr Kurzem das noch eine Leitlinie in dem Blatt war. Ein Artikel wie der von Andreas Rosenfelder, den das Ganze, klar, „an die DDR“ erinnert, passt da ins Bild; Hauptsache dagegen. Diese Metapher überrascht in der Welt auch nicht; dass wir beim Spiegel mit der Charakterisierung von Boris Pistorius als „selbst nicht kriegstüchtig“ eine Anspielung auf die Spiegel-Affäre finden, ist auch nicht kreativer. – Ich denke, diese Art von Kommunikationsdesaster ist letztlich typisch für die deutsche Politik, was man gut in den Rechtfertigungen des Verteidigungsministeriums sehen kann: das stand früher auch schon drin, ist unbedeutend und wird eh nicht umgesetzt. Ja Leute, dann schreibt’s nicht per copy+paste ab. Da war offensichtlich kein gutes Handwerk dabei. Gleichzeitig ist es aber auch so, dass solche Details halt normalerweise auch übersehen werden. Hätte niemand das bemerkt, wäre es auch nie aufgefallen, weil sie ja eh nicht vorhaben, es umzusetzen. Dumm bleibt’s trotzdem.
4) Religion und Glück
Gideon Böss erklärt in einer Kolumne, dass der Weg der Aufklärung ein Fehler war und es Religion für ein glückliches Leben braucht. Ich halte seine Argumentation für ambivalent: auf der einen Seite hat er Recht damit, dass wir im Leben soziale Kontakte zum Glücklichsein brauchen, auf der anderen Seite ist es völlig absurd, als Prämisse anzunehmen, dass ein progressiver Lebensentwurf „Mitstreiter, nicht Freunde“ produzieren würde. Alle können nach ihrer Facon selig werden. Dieses absolutistische „nur an meinem Wesen kann der Mensch genesen“ ist echt lästig. Wenn jemand mit einem konservativen Lebensstil glücklich wird, fein, verfolge ihn. Ich als Liberaler will einfach nur nicht, dass er anderen aufgezwängt wird. Das gilt in die andere Richtung natürlich genauso: wer vegan glücklich ist, kann das sein und trotzdem anderen ein Schnitzel gönnen. Und so weiter.
5) Gesundheitsreform
Die Diskussion um eine Gesundheitsreform fährt sich auch komplett fest, dabei ist das bisher der einzige Sektor, auf dem der Regierung ernsthafte Reformvorschläge vorliegen – ernsthaft in dem Sinne, dass sie tatsächlich nach allen Seiten hin schmerzhaft sind und nicht nur für die Seite des politischen Gegners. Wenig überraschend eignet sich Nina Warken auch viel weniger als neue Messiasgestalt des rechten Flügels der CDU und der rechtsbürgerlichen Presse als Katharina Reiche, aber dazu mehr im nächsten Vermischten. Die umfassenden Reformvorschläge sind umso bemerkswerter, als das „deutsche Gesundheitssystem ein Haifischbecken“ ist, wie Dorothea Siems korrekt analysiert. All die verschiedenen Interessengruppen blockieren gerne jede Reform. Das liegt, anders als es Siems natürlich naheliegen muss, nicht nur an den Sozialstaatsfans. Die Blockaden kommen ja auch von der Ärzte- und Pharmalobby, die ihre parlamentarische Interessenvertretung üblicherweise weniger bei der SPD verorten, milde ausgedrückt. Bei denen liegt gerade vor allem das Problem, dass der Finanzminister vermeiden will, dass er die Kosten verantwortet, und deswegen dumme Politiken befürwortet. Das ist wirklich ein Problem mit zahlreichen, verwobenen Facetten, das eine Art Durchtrennung des Gordischen Knotens erfordert. Ich bin froh, dass ich das nicht machen muss. Ich hätte keine Ahnung, wie.
Indessen sind natürlich nicht alle Kürzungsideen gut. Die Gefahr bei jeglicher Kritik ist leider, dass es immer gute Gründe gegen jede konkrete Kürzung gibt, was ja auch mit zu der Blockade beiträgt. Aber warum im Fall der Psychotherapeuten die geplante Honorarkürzung nicht aufgehen wird, finde ich sehr überzeugend: Multiplikatoreffekt, ich hör dir trapsen. Es gehört zu dem Irrsinn des deutschen Gesundheitssystems, dass der Bereich, in dem eine Inanspruchnahme medizinischer Leistungen mit die größten Präventionseffekte hat gleichzeitig mit einer der am dümmsten regulierten und diskriminierendsten ist. Private Krankenversicherungen nehmen niemanden, der in therapeutischer Behandlung war, verbeamtet wird damit auch nicht (als ob ein verhinderter Burnout nicht besser wäre als ein zwei Jahre verschleppter), die privaten Krankenversicherungen bezahlen schlechter als die gesetzlichen, es gibt viel zu wenig Plätze, und so weiter und so fort.
Die relativ niedrigschwellige Anreizsetzung zu gesünderer Erziehung ist den Konservativen natürlich auch ein Dorn im Auge. Die Mehrwertsteuerbefreiung des Brokkoli sieht Hendryk M. Broder als nicht umsetzbar. Das halte ich für die vorgeschobensten der vorgeschobenen Argumente. Selbstverständlich wäre es möglich, Gemüse mit 0% zu besteuern, ohne dass Aldi sich vor unüberwindbare Hindernisse gestellt sehen würde. Umgekehrt sieht Nikolaus Doll in der Idee einer Zuckersteuer einen „nimmersatten Nanny-Staat„, obwohl selbst marktwirtschaftlich eher unverdächtige Regierungen wie die britischen Tories das eingeführt und auch gute Erfahrungen gemacht haben. Aber wenn die ideologische Brille einmal aufgesetzt ist, sieht alles nur noch nach Hämmern und Nägeln aus.
Resterampe
a) Allein schon für an polnisch-litauischer Geschichte Interessierte lesenswerte Rezension eines Brettspiels zur polnischen Verfassung 1791: Sejm As It Ever Was (großartiges Wortspiel).
b) Das Ende der Versicherung der Ehe. Verfassungsrechtliche Analyse.
c) Und wir dachten, die Nerds wären die Guten. So relevant ich Eugen Pfisters Thesen auch finde, sein Schreibstil stößt mich immer wieder ab. Ich kann den Finger nicht darauf legen, aber irgendetwas stört mich.
d) Wagenknechts „Bürgerregierung“ ist eine Illusion. Völlig korrekte Analyse. Ich frage mich eh, was an ihr noch irgendwie links sein soll.
e) Reformpaket der Koalition: Deutschland braucht diesen Agenda-Moment. Witzig: Der Agenda-Moment war auch kein Agenda-Moment.
f) Sebastian Hammelehle schreibt im Spiegel, dass wir gerade in einer Phase der Gefühlpolitik seien. Ich finde für die Argumentation den Trump-Vergleich ehrlich gesagt weniger erhellend als vielmehr vernebelnd, aber der zielt vermutlich nur auf Klicks ab. Die Argumentation ist sauber.
g) Der Autoritarismus mit menschlichem Antlitz wackelt.
h) Eine Analyse des Verfassungsblogs zeigt, dass über die Hälfte der AfD-Forderungen in Sachsen-Anhalt illegal wären (Verabschiedungskultur jenseits des Rechts).
i) Idiotie mit Zahlen. Siehe dazu auch hier.
j) In aktuellen Umfragen in BaWü sackt die CDU ab, die Grünen gewinnen. Kein Wunder bei dem Mist, den die CDU da gerade abzieht. Keiner mag schlechte Verlierer.
Fertiggestellt am 13.04.2026



i) Mich täte mal interessieren, ob die Datenlage für die Statistik genauso alt ist, wie das Kartenmaterial. Auf der kleinen Deutschlandkarte fehlen die neuen Bundesländer.
Zu 5) Gesundheitsreform:
Dazu ein von twitter geklauter Beitrag im Originalton:
—
„Krankassenreform 2026, leicht erklärt:
Ehepartner und Kinder ab 7 kosten zukünftig extra, der eigene Beitrag muss aber extrakostenfrei (!) die Gesundheitskosten mitfinanzieren von:
– Migranten
– Familiennachzüglern
– türkischen Familienangehörigen inkl. Eltern und Großeltern von anderen (!), die eigenen nicht“
—
Das wird wahltechnisch grossartig enden.
Gruss,
Thorsten Haupts
Komplett falsch, wundert aber nicht.
Das „komplett falsch“ können Sie sicher begründen, ja? Ich lerne gerne dazu – und ich korrigiere mich sogar. Also?
ich spring mal ein, denn DerDieDas hat recht:
nach der aktuellen Kommunikation der Ministerin (das tatsächliche Gesetz später ist evtl. eine andere Sache) muss es so heißen:
Belastet werden sollen zukünftig: Kinderlose Ehepartner und Ehepartner MIT Kindern über 7 Jahren. Nicht UND Kinder. An der Kinder-Mitversicherung soll sich nichts ändern. Belastungsfrei auch zukünftig: Ehegatten mit behinderten Kindern über 7 sowie Ehegatten oberhalb der Regelaltersgrenze, falls die wegen eigener Rente nicht selbst versichert sind. „Nicht aus anderen Gründen selbst versichert“ gilt natürlich allgemein auch jetzt schon.
Der Rest ist AfD-Sprech und sachlich auch nicht richtig.
Danke. Also bestenfalls halb falsch anstatt komplett, aber egal – Korrektur angenommen. Man will also nur kinderlose Ehepaare und Ehepaare mit Kindern über 7 Jahre mit jeweils ein paar hundert Euro/Monat zusätzlich belasten. Verstanden.
Gruss,
Thorsten Haupts
„also nur kinderlose Ehepaare und Ehepaare mit Kindern über 7 Jahre mit jeweils ein paar hundert Euro/Monat zusätzlich belasten.“
In anderem Zusammenhang würde man von Subventionsabbau sprechen. Privatversicherte zahlen schon immer für Ehepartner und Kinder, egal welchen Alters.
Die geplante Änderung zeigt die ganze Absurdität unseres angeblichen Sozialsystems. Solidarität wird doch eigentlich vor allem im engen Familienkreis geübt, oder?
Wie kann es dann sein, dass ein Erwerbstätiger für jeden Unbekannten dieser Welt solidarisch in der Krankenversicherung sein muss (soviel zum Begriff der staatlich verstandenen Solidarität), aber nicht mit seinen Ehepartner sein darf? Als Zwangsversicherter muss man für jeden zahlen, den der Staat in den letzten Jahren hier reingelassen hat, die ganzen Flüchtlinge, die selten ihre Kosten verdienen und für alle Bürgergeldempfänger, die man für nicht würdig ansieht, ihren Lebensunterhalt verdienen zu müssen.
Aber wenn der eigene Ehepartner das nicht kann, soll, wie auch immer – dann muss man zukünftig ein paar tausend Euro zusätzlich berappen. Die AfD bekommt halt jede Wahlhilfe gratis.
Die Alternative ist, dass nicht arbeitende Flüchtlinge dann nicht mehr krankenversichert ist.
Oder man könnte eine whitelist einer Grundversorgung erstellen, die denen finanziert wird.
Es gibt dafür Argumente, aber nicht dieses argumentative whitewashen, das im rechts_liberalen Spektrum sehr verbreitet ist.
Geh‘ mal davon aus, dass ich kein Verfassungsfeind bin.
Der deutsche Staat beruft sich im Sozialbereich auf das sogenannte Solidaritätsprinzip. Aber das ist keine Erfindung des Staates. Der Staat hat hier den Begriff aus dem Privaten gekapert.
Zum Verständnis bitte ich Dich innerlich folgende Fragen zu beantworten: Wenn Deine Eltern, Frau, Kinder Dich um Hilfe bitten, würdest Du ihnen mit (viel) Geld helfen? Okay. Wenn ein enger Freund das tun würde, würdest Du ihm helfen? Wahrscheinlich, aber nicht in dem Maße wie dem eigenen Partner oder Kind, richtig? Und wenn Dich irgendein Stefan P von der Insel Isabella anschreiben würde, er bräuchte mal auf die Schnelle 500 Euro, ein kleiner Betrag, würdest Du ihm helfen?
Das sind die Kreise der Solidarität: Familie, Freunde, Fremde. Der Staat will dieses natürliche Empfinden zunehmend auf den Kopf stellen. Wer verdient, muss unbedingt allen helfen, die er nicht kennt und die ihm völlig fremd sind. Nur dem engsten Kreis der Solidarität, dem darf er nicht helfen. Alle alle haben Vorrang.
Das ist das Absurde, Lemmy. Und dafür gibt es keine Rechtfertigung.
Konkret kann das nur mit meinen Vorschlag einer verminderten Gesundheitsversorgung umgesetzt werden. Verfassungen sind änderbar.
Die gesetzliche Krankenkasse funktionierte immer so, dass keiner eine Spitzenversorgung bekommt und alle eine relativ gute. Da bin ich nicht für Veränderungen. Über eine explizite Zweite Klasse Medizin für arbeitslose Flüchtlinge kann man reden.
Genau das funktioniert in Deutschland seit Jahrzehnten miserabel. Dass ausgerechnet Parteien und Politiker, die maßgeblich für die Misere sind und neue Leistungen definiert haben, nun das Problem lösen könnten, wäre ein Witz der Geschichte. Deutschland gibt nach den USA und der Schweiz am meisten für die Gesundheitsvorsorge aus, erzielt aber bestenfalls durchschnittliche, häufig deutlich schlechte Ergebnisse. So bei der Betreuung in Krankenhäusern, Wartezeiten, Lebenserwartung – alles eben, wofür ein Gesundheitswesen da sein sollte.
Nein, die Verfassung kann man nicht ändern, zumindest nicht Artikel 1-20 in ihrem Wesensgehalt. Und schon gar nicht, wenn bestimmte Rechte unter dem Schutz von Artikel 1 stehen. Also, besondere Einschränkungen für Flüchtlinge, auch abgelehnte, geht nicht. Daraus allerdings den Schluss zu ziehen, dann schränken wir halt die Möglichkeiten für alle anderen ein, da kann man gleich sagen: Wählt doch AfD. Was die Leute dann auch machen.
Über eine explizite Zweite Klasse Medizin für arbeitslose Flüchtlinge kann man reden.
Funfact: genau das gibt es. Flüchtlinge sind zunächst nicht normal krankenversichert. Das wird über das Asylgesetz geregelt, man hat Anspruch auf Versorgung bei akuten Problemen oder Schwangerschaft.
Nach 36 Monaten oder Änderung des Status Flüchtling wird das umgestellt.
(die Ukraine-Flüchtlinge haben das zb übersprungen und hatten direkt Anspruch auf HartzIV)
Alles was ich sage ist, dass man konkret sagen soll, welche Leistungen den Flüchtlingen verwehrt werden sollen. Konkret.
Da bin ich der falsche Adressat. Das war hier nicht der Ansatz.
Generell würde ich den Weg anderer EU-Länder gehen und bei abgelehnten Asylbewerbern die Leistungen auf das Existenzminimum mit Sachleistungen kürzen. Das geht jedoch nach geltender Rechtssprechung nicht.
Allerdings gründet diese auf ein Urteil des Verfassungsgerichts und nicht auf einer langen Linie wie in anderen Fragen. Deswegen wäre ein erneutes Verfahren zu erwägen.
Wenn es keine konkreten Möglichkeiten der Änderung im bestehendem System gibt: Was soll die Politik dann machen?
Es ist damit doch nicht gesagt, dass Änderungen im bestehenden System nicht möglich seien. Doch am Anfang steht die Frage: Worum geht es? Reden wir aktuell über das spezielle Migrationsproblem oder über die Finanzschwierigkeiten des Staates und der Sozialversicherungen? Das sind völlig verschiedene Dinge.
Am Anfang der Analyse steht die Frage, welche Grundsätze und Restriktionen sind zu beachten. So gilt zum Beispiel der Gleichbehandlungsgrundsatz, das Diskriminierungsverbot und die Achtung von Prinzipien wie die Bevorteilung von Ehe und Familie.
Die Kassen sind in die Lage gesteuert worden, in der sie sind. Entzug von Finanzmitteln durch sachfremde Leistungen und Ausweitung des Leistungskatalogs. Damit gibt es genügend Stellschrauben, beginnend bei der Streichung von Leistungen wie z.B. Kuren, Krankengeld, Staffelung der Kostenübernahme Krankenhausaufenthalt nach Dauer, Clustern von Spezialisierungen, Praxisgebühr, Strafgebühr bei sachfremder Inanspruchnahme der Notaufnahme und vieles, vieles mehr.
Lieber CitizenK, wir hatten diese Debatte jetzt schon mehrfach, deshalb hier zum letzten Mal:
1) Eine Ehe ist eine bedingungslose Wirtschaftsgemeinschaft, von der nach dem Wegfall der Mitversicherung (und dem beabsichtigten Wegfall des Ehegattensplitting) NUR noch alle Nachteile dieser Wirtschaftsgemeinschaft übrig bleiben.
2) Was wir noch nicht hatten: Deutsche Familien zahlen jetzt wesentlich mehr und finanzieren damit die Krankenversicherung nichtdeutscher Familien. Das kann man machen, sollte sich dann aber über das erwartbare Ergebnis nicht wundern oder echauffieren.
Gruss,
Thorsten Haupts
Lieber Thorsten Haupts,
bei 2) habe ich doch in Ihrem Sinne argumentiert. Die KV-Beiträge für BG-Empfänger und Migranten sollten – wenn man das will und das ist der Fall – mit Steuergeld bezahlt werden, nicht aus GKV-Beiträgen.
zu 1) Ich bin doch gar nicht gegen das Splitting. MMn sprechen mehr Argumente dafür als dagegen. Dass ausgerechnet die SPD mit knallhart ökonomischen Argumenten dagegen ist, finde ich verstörend – mit einer Ausnahme: Der Anreiz zur Arbeit enthält auch einen zur ökonomischen Unabhängigkeit, vor allem im Alter.
Ein Gedanke noch dazu: In meinem Gemeinschaftskundeunterricht war das Thema Ehe – Pro und Contra- immer Gegenstand von Diskussionen. Als häufigstes Pro wurde genannt: die Steuerersparnis! Von 16/17jährigen! Auch das finde ich verstörend.
Die theoretische Einsicht ist da. Aber niemand will zahlen, das ist immer das Problem. Die Regierung macht sich ja auch gerade einen superschlanken Fuß: Die Entlastungen für die Bürger, in diesem Fall Arbeitnehmer, sollen doch bitte die Arbeitgeber zahlen. Der Finanzminister ist immerhin so großzügig, auf die zusätzlichen Zahlungen keine Steuern erheben zu wollen. Aber bitte, betragsmäßig und zeitlich eng begrenzt.
Es ist doch und muss den Bürgern überlassen bleiben, wie sie ihr Leben organisieren. Selbst mit der Alterssicherung stimmt das so ja nicht. Nicht der Erwerbstätige bestimmt über seine Altersbezüge, sondern allein der Staat. Die heutigen Zahlungen werden nicht angelegt, sondern sie gehen unmittelbar an die heutigen Rentner. Der Rentenversicherte bekommt nur eine Bescheinigung: „Gegen diesen Schein erhalten Sie in 40 Jahren einen Rentenbezug. Wie hoch dieser ist, entscheidet Ihr Staat, wenn es soweit ist.“
So erhalten viele eine Rente, ohne eingezahlt zu haben oder längere Erwerbszeiten vorweisen zu können. Es sind Konventionen des Staates, die er in den letzten Jahrzehnten nach Belieben geändert hat.
Tatsächlich sucht die heutige Politik nur nach Wegen, wie sie die Bürger zur Zahlung von Steuern und Sozialabgaben mehr zwingen kann. Dabei können sie ruhig Teilzeit arbeiten, der Politik doch egal. Ihr geht es um das Geld.
Das Ziel der Einschränkung bzw. Abschaffung des Ehegattensplitting war immer nur dieses eine. Alles andere ist Augenwischerei.
Meine Frau und ich haben nach 18 Jahren des Zusammenseins und mit einer 15jährigen Tochter geheiratet. Als Beweis der Liebe. Und wissen Sie den Irrsinn? Mitte der Neunzigerjahre war das Modell sogar zeitweise günstiger als die gemeinsame Veranlagung (Stichwort: Waigel-Buckel und Haushaltsfreibetrag).
Das Grundgesetz garantiert dem Bürger eigentlich, dass er sein Leben ohne Einsprüche des Staates selbst organisieren kann. Doch so viel Selbstbeschränkung ist der heutigen Politikergeneration nicht gegeben.
Es gibt auch deutsche Familien mit wenig Einkommen und immigrantische mit hohem Einkommen.
Das ist eine Frage von arm/reich, nicht von deutsch/nichtdeutsch.
@ CitizenK
Ja, Subventionsabbau ist richtig. Bislang würde meine Frau (wäre sie nicht selbstständig und müsste nicht sowohl Arbeitnehmer- und Arbeitgeber-Anteile zahlen) genauso mitversichert wie jeder Flüchtling. Nach Willen der SPD soll sie schlechter gestellt werden – und zwar gemessen nach dem Einkommen des Gatten. Ginge sie stattdessen an die Supermarkt-Kasse, müsste ich weniger bezahlen, als wenn sie daheim bleiben wollte. Wie ich kürzlich an anderer Stelle schrieb, sind die Vorschläge der SPD derzeit wenig durchdacht.
Mein Problem mit dieser Maßnahme ist (wie von Thorsten schon mehrfach wunderbar erklärt), dass die Familie auf der einen Seite vom Grundgesetz besonders „geschützt“ ist, sich aber (wenn die SPD ihren Willen kriegt), der „Schutz“ darauf beschränkt, dass Ehepartner im Unglücksfall finanziell füreinander einstehen müssen, anstatt wie bei Singles alles dem Staat aufzubürden – es profitiert ausschließlich der Staat.
Was mich noch mehr ärgert, ist, dass diese ganze Kampagne von Lars Klingbeil massiv auf Sozialneid setzt. Das Frauen daheim bleiben, ist aber kein Reichen-Thema.
Wieder einmal versteht die SPD nicht, was ihre Wähler umtreibt.
Ja, Subventionsabbau ist richtig.
Eigentlich ist die Frage eine andere, nämlich die nach der Grundsatzproblematik oder Pfadabhängigkeit wie Stefan gerne sagt.
Bei einer stärkeren Individualisierung und Wegfall von Ehegattensplitting/Familienversicherung müsste nämlich der Rest ebenfalls mit wegfallen.
Man hätte dann Anspruch auf die vollen HartzIV-Leistungen und der Partner dürfte nicht für etwaige Pflegekosten herangezogen werden etc.
Umgekehrt – und hier verlässt mich die Blogbubble sicherlich – müsste es übrigens heißen, dass die Unterhaltspflichten auch nach einer Scheidung deutlich höher und länger sein müssten.
Ich gratuliere euch allen hier zu euren äußerst stabilen Ehen, aber das ist nicht die Regel. In den meisten Fällen heiraten junge, hoffnungsvolle Paare in den 20ern, bekommen Kinder, versorgen greise Eltern, whatever und in der Mitte des Lebens hält das nicht mehr.
In der Regel steht die Frau dann weiterhin mit der Care-Arbeit da, mit anderem beruflichen Werdegang als 20 Jahre Vollzeitarbeit und hat keine/wenig eigene Ansprüche zb in der Rente. Geile Jobaussichten auch nicht zu erwarten, alleinerziehend mit Careaufgaben ist nicht der Burner.
Konservative mögen jetzt sagen, dass die Frau selbst schuld ist und gefälligst in einer Ehe bleiben soll, die augenscheinlich nicht funktioniert hat.
Während das linksgrünversiffte Pack sagt, sie hätte sich gar nicht erst in diese Abhängigkeiten begeben sollen und ist selbst schuld an ihrer desolaten Lage.
Beides ist übrigens vollkommen bescheuert. Weil es die realpraktischen Probleme komplett negiert, die hilfsbedürftige Menschen (egal ob Kinder oder Greise) verursachen. Der Gesetzgeber sollte das mitbedenken, statt nur auf die Kohle zu schauen.
@ Ariane
Umgekehrt … müsste es übrigens heißen, dass die Unterhaltspflichten auch nach einer Scheidung deutlich höher und länger sein müssten.
Die Logik dahinter verstehe ich nicht.
Wenn die staatlich gewährten Vorteile immer weiter abgebaut werden sollen, müsste dann nicht genau das Gegenteil passieren?
Ansonsten ist das ein sehr komplexes Thema. So wird der der Unterhalt bzw. der Wert der Care-Arbeit der Frau (was ja die angenommene Ausgangssituation ist) sehr unterschiedlich und vollkommen losgelöst von der eigentlichen Arbeit bewertet, ausschließlich vom Einkommen des Mannes abhängig.
Darüber sind im Falle einer Trennung die Kosten für zwei getrennte Haushalte deutlich höher als für den früheren gemeinsamen Haushalt, und in allen Fällen, die ich kenne (wenig genug, aber auch eine Frau als Benachteiligte dabei) ging das stets sehr deutlich zu Lasten des finanziell stärkeren.
Umgekehrt … müsste es übrigens heißen, dass die Unterhaltspflichten auch nach einer Scheidung deutlich höher und länger sein müssten.
Die Logik dahinter verstehe ich nicht.
Wenn die staatlich gewährten Vorteile immer weiter abgebaut werden sollen, müsste dann nicht genau das Gegenteil passieren?
Nein, das gilt für die Ehe ist ohne wenn und aber eine Versorgungsgemeinschaft. Die staatlich gewährten Vorteile würden hier gleichbleiben.
und in allen Fällen, die ich kenne (wenig genug, aber auch eine Frau als Benachteiligte dabei) ging das stets sehr deutlich zu Lasten des finanziell stärkeren.
Weil es nach aktuellem Stand geht. Es wird nicht eingerechnet, dass hier oft ein Partner wegen Kindern oder anderen Careaufgaben (die Fernsehfrau, die nur Charity macht, lassen wir mal raus) einen langjährigen Verdienstausfall/minderung auf sich genommen hat. Das typische ist halt ne Weile raus aus dem Job, Wiedereinstieg in Teilzeit. Zu dem real existierenden Lohnausfall kommt auch noch ein potenzieller, wenn man 10-20 Jahre durchgehend Vollzeit arbeitet, steht man mit 45 deutlich besser da als eine Mutter, die mit Mitte 20 zwei Kinder bekommen hat.
Bei einer Versorgungsgemeinschaft ohne wenn und aber müsste man präzise ausrechnen, welchen finanziellen Vorteil der Arbeitspartner und welchen Nachteil der Carepartner hatte und das ausgleichen. Gerade wenn wir die Versorgungsgemeinschaft ernst genug nehmen und davon ausgehen, dass beide zusammen hier eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe wie Kinder oder Altenfürsorge gestemmt haben. Das passiert ja aber nicht. Für nachehelichen Unterhalt gilt das Prinzip der Eigenverantwortung. Was meistens heißt, die Frau ist gearscht und selbst schuld. Hätte entweder in der Ehe bleiben sollen oder sich gar nicht erst in diese Abhängigkeit begeben.
Das ist tatsächlich ein reales Problem. Nur ist es keine Lösung und zum Haareraufen, wenn Klingbeil und Warken jetzt erzählen, sie machen ja eigentlich Frauenpolitik. (Meine Güte!)
Die realen Probleme sind ja immer noch da. Carearbeit kostet Zeit und Nerven, die Infrastruktur und die Arbeitsbedingungen sind nicht dafür ausgelegt, dass zwei Leute 40-42 Stunden/Woche arbeiten und nebenbei Kinder und Alte versorgen. Der jetzige Vorschlag nimmt einfach nur Geld raus, damit man schon in der Ehe so beschissen dasteht wie der Carepartner bei einer eventuellen Scheidung. Die Regierung ist wahrscheinlich hoch erstaunt, dass das nicht zu höheren Beliebtheitswerten führt.
Das typische ist halt ne Weile raus aus dem Job, Wiedereinstieg in Teilzeit.
[…]
die Infrastruktur und die Arbeitsbedingungen sind nicht dafür ausgelegt, dass zwei Leute 40-42 Stunden/Woche arbeiten und nebenbei Kinder und Alte versorgen
In den USA sind Frauen typischerweise drei Monate nach der Entbindung wieder im Job. Und zwar in Vollzeit. Ein Viertel der Frauen kehrt bereits nach zwei Wochen zurück. Nicht dass ich das unbedingt nachahmenswert finde, aber man fragt sich schon, warum das dort möglich ist, während Frauen in Europa oft ein oder gar zwei Jahre komplett aus dem Job raus fallen und anschließend viele Jahre, und manche endgültig, nur noch Teilzeit machen. Die Infrastruktur in den USA ist übrigens auch nicht toll. Kitas sind ruinös teuer. Und eine 40 Stundenwoche garantiert in den USA, in denen es viel weniger arbeitsrechtliche Regelungen gibt, auch niemand.
Meine Eltern haben in den 80ern übrigens beide Vollzeit gearbeitet. Dafür mussten halt Lösungen gefunden werden. Ich musste nach der Schule ja schließlich irgendwohin und ein Mittagessen bekommen. Und wer aktiv und engagiert Lösungen sucht, findet auch meist Lösungen. In meinem Fall haben meine Eltern einer Nachbarin Geld dafür bezahlt, dass ich dort nach der Schule meine Hausaufgaben machen durfte und ich hab dort auch was zu essen bekommen.
Als ich in den USA gearbeitet habe, habe ich bei drei chinesischen Kolleginnen jeweils mitbekommen wie erst die Mutter, dann der Vater, dann die Schwiegermutter für jeweils ein Jahr (!), also der Zeitrahmen eines Visums, aus China in die USA kamen und auf das neugeborene Kind aufpassten, damit die Tochter bzw. Schwiegertochter die Doktorarbeit nicht unterbrechen musste. In China scheint das völlig normal zu sein.
Vielleicht sollten wir uns mal anschauen wie andere Länder es schaffen Kinder zu kriegen, ohne dass Frauen für viele Jahre aus dem Job gekegelt werden bzw. sich selber aus dem Job kegeln.
Falls das nicht so klargeworden ist, ich bin hier nicht auf Seiten der Oberfeministen.
Ich mache es niemandem – Mann oder Frau – zum Vorwurf, der sagt er möchte sich Zeit für Care-Arbeit nehmen und eine Weile oder länger keine 40-42 Stunden arbeiten. Das Ziel sollte die freie Entscheidung sein, ohne dass dadurch Nachteile oder gar ruinöse Verhältnisse entstehen. Die Idee, eigene Lebenswege nach freier Entscheidung zu suchen und zu finden, ist generell ziemlich einzigartig in der Geschichte der Menschheit, das darf man gerne feiern und unterstüzen statt durch eventuell neue Sachzwänge wieder einzuschränken.
Meine Eltern haben in den 80ern übrigens beide Vollzeit gearbeitet. Dafür mussten halt Lösungen gefunden werden.
Irgendwelche Lösungen werden immer gefunden. Ich war ein Soldatenkind. Mein Dad war halt bei seinem Schiff. Mit Glück in Wilhelmshaven, dass er am Wochenende nach Hause kam. Mit Pech sechs Monate irgendwo im Golf. Meine Ma hat weit vor meiner Schulzeit wieder gearbeitet, weil meine Oma dann nicht mehr gearbeitet hat. Meine Oma war übrigens auch keine Hausfrau – die hatte fünf Kinder und war 40 Jahre lang oder so Industriearbeiterin. Bei aller Freude darüber, dass keines der Kinder verhungert ist, darf man aber vielleicht auch mal überlegen, ob das auch negative Seiten hat/te.
Das Ziel sollte die freie Entscheidung sein
Nein – das sehe ich anders. Das Ziel sollte eine funktionierende Gesellschaft sein. Freiheit muss man sich leisten können. Als wir noch kein demographisches Problem hatten und wirtschaftlich erfolgreicher waren als alle unsere Wettbewerber, konnten wir uns einen Lebensstil genehmigen, der heute einfach nicht mehr kompatibel mit der Realität ist. Heute fallen wir zurück. Unsere Wettbewerber ziehen an uns vorbei. Wir verschwinden in deren Rückspiegel und werden immer kleiner. Das muss doch Folgen dafür haben, welchen Luxus wir uns noch leisten.
Diesen Grundsatz gibt es in der Verfassung nicht, wohl aber den der freien Entscheidung. Wir verlieren seit vielen Jahren nicht wegen fehlendem Gemeinsinn, sondern wegen des Rückzugs des Individuums.
Mehrarbeit jenseits der 500€-Marke wird immer härter mit Wegnahmen bestraft, Unternehmer werden täglich von Politikern (und Bloggern) als gierig und Kriminelle beschimpft, die Linken verlangen, öffentliche Aufträge nur bei politischen Wohlverhalten zu vergeben und obendrein bekommen die Bürger signalisiert, nicht jede Meinung und jede (Wahl-) Entscheidung ist willkommen.
Ich habe gerade einen Artikel über das Frankfurter Rotlichtviertel gelesen. Seit der Pandemie bleiben bessersituierte Männer weg, das Viertel versumpft nicht zuletzt zum Schaden der Frauen und Drogensüchtige dominieren. Das ist symptomatisch für den Verfall des Landes. Ein Wachmann klagt, für Falschparken bekommt er einen Strafzettel über 100€, aber der Crackjunkie wird nicht bestraft.
Das Ziel sollte die freie Entscheidung sein, ohne dass dadurch Nachteile oder gar ruinöse Verhältnisse entstehen. Die Idee, eigene Lebenswege nach freier Entscheidung zu suchen und zu finden, ist generell ziemlich einzigartig in der Geschichte der Menschheit, das darf man gerne feiern und unterstüzen statt durch eventuell neue Sachzwänge wieder einzuschränken.
Das hört sich nach einem weiteren „andere sollen für mich zahlen“ an. Und das soll ein hohes Gut sein? Das hat schon Jesus an den Pharisäern verachtet. 🙂
Das hört sich nach einem weiteren „andere sollen für mich zahlen“ an. Und das soll ein hohes Gut sein? Das hat schon Jesus an den Pharisäern verachtet.
Oh nein tut mir leid. Entscheidungsfreiheit ist etwas ganz Schreckliches. Sollte sofort abgeschafft werden!
Übrigens: in diesem Falle heißt das, ich bezahle für dich mit. Falls dir das irgendwie entgangen ist.
@ Ariane 18. April 2026, 19:59
Mag sein, dass ich Dich ursprünglich mißvertsanden habe. Nun gut, dann hier weiter 🙂
… die Ehe ist ohne wenn und aber eine Versorgungsgemeinschaft. Die staatlich gewährten Vorteile würden hier gleichbleiben.
Ist ja anders geplant; sowohl Mitversicherung als auch Ehegatten-Splittinmg sollen fallen.
Es wird nicht eingerechnet, dass hier oft ein Partner wegen Kindern oder anderen Careaufgaben … einen langjährigen Verdienstausfall/minderung auf sich genommen hat.
Irgendwie wird immer hochgerechnet, dass die Karriere dieses Partners genauso „erfolgreich“ ist wie die des Partners. Sehe ich dort, wo Kinder fehlen, sehr sehr selten.
Das typische ist halt ne Weile raus aus dem Job, Wiedereinstieg in Teilzeit. Zu dem real existierenden Lohnausfall kommt auch noch ein potenzieller, wenn man 10-20 Jahre durchgehend Vollzeit arbeitet, steht man mit 45 deutlich besser da als eine Mutter, die mit Mitte 20 zwei Kinder bekommen hat.
Keine Einwände („besser“ verstehe ich als eine relative Einstufung bezogen auf die eigene potentielle Karriere, nicht auf die des Gatten; „deutlich“ unterstreiche ich).
Bei einer Versorgungsgemeinschaft ohne wenn und aber müsste man präzise ausrechnen, welchen finanziellen Vorteil der Arbeitspartner und welchen Nachteil der Care-Partner hatte und das ausgleichen.
Hier wird es spannend.
Vorbemerkung: Von allen Beziehungen, die ich kenne, hat zu 100% die Frau einen Kinderwunsch, bei den Männern vielleicht die Hälfte. Ich sehe viele Männer, die sich in ihr Schicksal „Vater“ ergeben und dann mehr oder weniger gut damit zurechtkommen. Aber (alles nur eigene subjektivews Wahrnehmung, keine wissenschaftliche Studie) in jedem einzelnen Fall hat die Frau das (die) Kind(er) entschieden. In jedem bis auf einen Fall hat sie sich durchgesetzt, und der eine Fall war verheiratet und ist von seiner Ex mit Verweis auf die Kinder übel ausgenioommen worden.
Wenn ich nun zwei Standard-Familien mit sehr unterschiedlichen Einkommen nehme, ist die zu leistende Care-Arbeit der erziehenden Mütter finanziell gleich zu bewerten (vorausgesetzt, sie kümmern sich beide gleich gut)? Wenn nein, warum nicht?
Wenn nun im deutlich besser verdienenden Haushalt Putzfrau / Babysitter / Haushaltshilfe vom Mann mitbezahlt werden, ist dann die Care-Arbeiter der Frau immer noch so hoch einzuschätzen?
Gehst Du davon aus, dass – egal, welche tolle oder miese Karriere der Mann macht – die sich um Kinder und Haushalt kümmernde Ehefrau den gleichen prozentualen Anteil daran hat, und losgelöst von allen anderen Faktoren entsprechend einen gleichen Anteil auch am zukünftigen Einkommen samt Altersversorgung des Mannes hat?
Anekdotisch: Meine Karriere lief vergleichsweise chaotisch und teilweise sehr erfolgreich. Alles, was ich geschafft habe, habe ich durch meine Intelligenz und mein Verhalten geschafft. Alles, was ich hätte erreichen können und nicht erreicht habe, lag eindeutig an meinen Schwächen, an meinen Fehlern etc. Auf meinen beruflichen Lebensweg hat meine Frau genauso wenig Einfluss gehabt wie auf meinen Verdienst. Hätte ich nur die Hälfte oder gar das Doppelte verdient, hätte sich ihr Leben nicht verändert.
Für nachehelichen Unterhalt gilt das Prinzip der Eigenverantwortung. Was meistens heißt, die Frau ist gearscht und selbst schuld.
Gibt es Kinder? Gehen die mit der Mutter? Dann ist im Standardfall der Mann gearscht – in JEDEM Fall, den ich gesehen habe. Die gesamte Gesetzgebung, die gesamte Bürokratie, die gesamte Rechtssprechung liegt erst einmal in Frauenhand.
Nur ist es keine Lösung und zum Haareraufen, wenn Klingbeil und Warken jetzt erzählen, sie machen ja eigentlich Frauenpolitik. (Meine Güte!)
Zustimmung. Von Frauen-Politik verstehen sie noch weniger als vom Rest.
Care-Arbeit kostet Zeit und Nerven, die Infrastruktur und die Arbeitsbedingungen sind nicht dafür ausgelegt, dass zwei Leute 40-42 Stunden/Woche arbeiten und nebenbei Kinder und Alte versorgen.
Gar keine Frage; aber je nach Lebensweg kosten Karrieren auch Zeit und Nerven. Wird gerne unterschlagen, dass zu einem hohen Einkommen in der Regel auch ein hohes Arbeitspensum und Druck ohne Ende gehört.
Der jetzige Vorschlag nimmt einfach nur Geld raus, damit man schon in der Ehe so beschissen dasteht wie der Care-Partner bei einer eventuellen Scheidung.
Ich habe noch keine geschiedene Ehe gesehen, bei der nicht beide Partner schlechter dastanden. Aber spätestens, wenn die Kinder groß sind, ist der Care-Partner vermutlich mehr schlechter dran als der Hauptverdiener.
Die Regierung ist wahrscheinlich hoch erstaunt, dass das nicht zu höheren Beliebtheitswerten führt.
Darüber bin ich dann wieder hoch erstaunt. 🙂
Ist ja anders geplant; sowohl Mitversicherung als auch Ehegatten-Splittinmg sollen fallen.
Ja. Dachte deswegen diskutieren wir das. Ich bin übrigens dagegen.
Vorbemerkung: Von allen Beziehungen, die ich kenne, hat zu 100% die Frau einen Kinderwunsch, bei den Männern vielleicht die Hälfte. Ich sehe viele Männer, die sich in ihr Schicksal „Vater“ ergeben und dann mehr oder weniger gut damit zurechtkommen.
Wow. Da fehlen mir fast die Worte. Natürlich bin ich hier davon ausgegangen, dass zwei Eheleute ein Kind gezeugt haben. Nicht dass einer davon, sich „in sein Schicksal ergeben“ hat. Himmel Hilf. Das arme Kind.
Soll das ein Argument für etwas sein? Er hat sich nur in sein Schicksal ergeben und möchte mit den Kosten und Mühen und dem ganzen Ärger bitte weniger belastet sein? Das Kind hier als eine Art Welpe, der nur ins Haus kommt, wenn die Frau sich auch kümmert?
Also falls das betont werden muss: ich gehe davon aus, dass zwei Leute ein Kind gezeugt haben und gleichermaßen dafür verantwortlich sind. „die Frau hat mich überredet“ ist hier kein Argument für gar nichts.
Gehst Du davon aus, dass – egal, welche tolle oder miese Karriere der Mann macht – die sich um Kinder und Haushalt kümmernde Ehefrau den gleichen prozentualen Anteil daran hat, und losgelöst von allen anderen Faktoren entsprechend einen gleichen Anteil auch am zukünftigen Einkommen samt Altersversorgung des Mannes hat?
Die Karriere der Berufsperson spielt hier keine Rolle. Es ist einfach eine praktische Frage. Jeder Mensch hat nur 24 Stunden. Kinder kosten Zeit. Das verträgt sich schlecht damit, wenn zwei Leute eine 40-42 Stunden-Woche haben, wie Herr Merz das von uns allen erwartet.
Es ist absolut sinnig, wenn einer über längere Zeit aus dem Beruf aussteigt oder seine Stunden reduziert (hier die Careperson). Wenn man aber nicht 20 Jahre Vollzeit durcharbeitet, erwirbt man weniger eigene Ansprüche auf Rente zb (das ist der Hauptpunkt der linken Argumentation contra Splitting btw). Die Karriere verläuft ja auch anders. Man kann nicht nach 15 Jahren an dem Punkt einsteigen, den man gehabt hätte, hätte man diese 15 Jahre stumpf Vollzeit durchgearbeitet. Selbst eine ALDI-Kassiererin wäre da schon zur Hauptkassenfrau aufgestiegen und hätte drei Benefits mehr gehabt.
In meinem Beispiel arbeitet der Berufspartner einfach 15 Jahre Vollzeit (was er im Übrigen vermutlich nicht könnte, wenn die Careperson einfach wegfällt, weil das Kind ja immer noch Zeit braucht)
Bleibt die Versorgungsgemeinschaft bestehen, ist alles gut. Wenn nicht, bleibt die Frau ein bisschen auf ihren Einbußen sitzen – jetzt ist Eigenverantwortung gefragt. Sie kann aber nicht an dem Punkt ansetzen, den sie gehabt hätte, hätte sie einfach 15 Jahre Vollzeit gearbeitet. Das Geld und die Ansprüche von damals sind weg und der Startpunkt ist zusätzlich ein ganz anderer. Um diese Lücke geht es mir. Da kippt die Ganze Idee von „wir ziehen als Gemeinschaft ein Kind auf“ nämlich.
Auf meinen beruflichen Lebensweg hat meine Frau genauso wenig Einfluss gehabt wie auf meinen Verdienst. Hätte ich nur die Hälfte oder gar das Doppelte verdient, hätte sich ihr Leben nicht verändert.
Nein, es geht hier um hypothetische Fälle. In dem Fall wäre die Frage, wie hätte sich dein beruflicher Lebensweg geändert, wenn du die Careperson gewesen wärst. Der Verdienst ist hier egal. Könnten auch der Müllmann und die Kassiererin sein.
Gibt es Kinder? Gehen die mit der Mutter? Dann ist im Standardfall der Mann gearscht – in JEDEM Fall, den ich gesehen habe. Die gesamte Gesetzgebung, die gesamte Bürokratie, die gesamte Rechtssprechung liegt erst einmal in Frauenhand.
In meinem Beispiel – das sich auf die finanzielle/zeitliche Seite konzentriert – ist das übrigens ein klarer Nachteil. Hier hat die Frau weiterhin die Care-Arbeit zu tragen. Nur ohne finanzielle Kompensation für sich selbst.
Und ich hoffe sehr, der Fall, den du gesehen hast, betrifft nicht den Mann, der „sich in sein Schicksal ergeben hat“ bevor ich hier einen frauenrechtlichen Wutanfall bekomme.
Gar keine Frage; aber je nach Lebensweg kosten Karrieren auch Zeit und Nerven. Wird gerne unterschlagen, dass zu einem hohen Einkommen in der Regel auch ein hohes Arbeitspensum und Druck ohne Ende gehört.
Ja eben. Beides zusammen mit der gleichen Zeit und Power halte ich schlichtweg für unmöglich. Kompromisse zu finden und Zeit aufteilen ist absolut sinnvoll. Ehegattensplitting/Familienversicherung rauszunehmen verändert ja nichts am Zeit-Problem.
Anekdotisch, ich hatte einen stärkeren Kinderwunsch als meine Frau. Aber was ist denn das für ein Bild, sich in das Schicksal ergeben? Was ist denn mit den freien Entscheidungen und der Autonomie, die Frauen immer haben müssen, wenn es um Care- zu bezahlter Arbeit geht?
@Ariane
Das Ziel sollte die freie Entscheidung sein, ohne dass dadurch Nachteile oder gar ruinöse Verhältnisse entstehen.
Was hat das mit Eigenverantwortung zu tun? Wer gleicht die Nachteile kürzeren Arbeitens aus? Ich erlebe viele junge Menschen in ihren Zwanzigern, noch ohne Familie, manchmal gar ohne Partner, die wollen nur Teilzeit arbeiten. Auch und gerade in sozialen Berufen.
Meine Frau dagegen ist inzwischen sechzig. Bis Ende letzten Jahres hat sie über Jahrzehnte Vollzeit gearbeitet und damit fehlende Kapazitäten in den Kitas (Plural) aufgefangen, in denen sie beschäftigt war. Wer soll das tun, wenn nicht jüngere? Wenn schon Tweens anfangen, wenig arbeiten zu wollen – und der Staat als Gemeinschaft das ausgleicht – sind wir echt am Ende. Und genau das spüren wir. Gerade kam heraus, dass die Einkommen seit 2019 gesunken sind. Ja! Wieso auch nicht?!? Es gibt in dieser Welt keine Fee, die mit ihrem Zauberstab „Nachteile“ des Lebens ausgleicht.
Ich weiß ehrlich nicht, was du von mir willst.
In dieser Diskussion bezahle ich übrigens deine Entscheidung. Bitte lass uns diesen Moment mal auskosten, ohne dass du die Torpfosten verschiebst.
Ich kann mich hier auf Eigenverantwortung berufen und fragen, warum ich mit meinen Steuergeldern deine Ehe querfinanzieren soll und Euch vorwerfen, Schmarotzer auf meine Kosten zu sein. Richtig, es gibt keine Fee, die Nachteile ausgleicht. Wenn ihr eine Ehe haben wollt, dann bezahlt das gefälligst selbst und kommt nicht bei mir an.
Könntest du vielleicht mal als Selbstreflektion deines Diskussionsstils nutzen.
Ansosten großes Sorry, dass ich anders argumentiere. Ich bin gegen die Abschaffung von Splitting und Familienversicherung. Obwohl ich davon nichts habe und das komplett auf meine Kosten geht.
Und wenn du jetzt sagst, dass das nur daran liegt, dass Linke zu dumm sind, um brutal auf ihren eigenen Vorteil zu gucken, hast du damit mußmaßlich recht. ^^
Alles, was Du schreibst, hat mal seine Berechtigung gehabt. Mit der heutigen Wirklichkeit, so sie sich in Median- und Durchschnittswerten und Umfragen erfassen lässt, hat es sehr wenig zu tun.
1. Frauen arbeiten nicht zwangsweise wenig und sie opfern sich auch nicht für Care-Arbeit auf. Frauen sind heute 32 Stunden erwerbstätig, Männer 38 Stunden. Die durchschnittliche Stundenzahl von Frauen entspricht ihrem in Umfragen geäußerten Wunsch. Der Finanzminister Scholz hoffte 2019, diesen Wert auf 33 Stunden steigern zu können, aber das bleibt bis heute ein Wunsch. Männer dagegen wünschen sich in der Tendenz weniger Arbeitszeit und das wird zu einem Problem.
2. Im Schnitt gebären Frauen seit Jahrzehnten 1,3-1,4 Kinder in ihrem Leben. Da ist Erziehung keine Lebensaufgabe, schon gar nicht für besser gebildete, deren Fertilisation tendenziell noch niedriger liegt. Und: Frauen bekommen nicht am Anfang ihres Berufsleben ihr Kind(er), sondern im Schnitt mit Ende 20, besser situierte deutlich jenseits der 30. Und sie scheiden dann auch nicht für Jahre aus dem Erwerbsleben aus, es sei den auf eigenen Wunsch. Tatsächlich nutzen weit mehr Eltern als von der Politik geplant die Möglichkeit, ihren Nachwuchs noch vor dem ersten Lebensjahr in eine Krippe zu geben, wo diese nicht selten über acht Stunden täglich verbleiben. Meine Frau hat in den letzten zehn Jahren viele herzzerreißende Geschichten erlebt, wo den Müttern (und natürlich auch Vätern) alles andere wichtiger ist als ihre eigenen Kinder.
3. Du selbst hast immer wieder darauf bestanden, dass die letztendliche Entscheidung für oder gegen ein Kind bei der Frau liegen müsse. Das gilt für das Ob wie den Zeitpunkt der Empfängnis als auch Fragen der Abtreibung. Es ist nicht in Ordnung, nun argumentativ von dieser Asymmetrie der Entscheidung Abstand zu nehmen. Und es ist ja weder Zufall, dass Frauen über Abtreibungen entscheiden, noch das Frauen zu um die neunzig Prozent alleinerziehend sind und nicht Männer.
Ich kann mich hier auf Eigenverantwortung berufen und fragen, warum ich mit meinen Steuergeldern deine Ehe querfinanzieren soll
Wieso finanzierst Du meine Ehe quer?
Ich war nie verheiratet und bin nicht verheiratet und habe keine Kinder. Ich bezahle den vollen Steuersatz + einige „Strafsätze“ deswegen.
Damit wird natürlich auch deine Steuerersparnis gezahlt.
Nochmal: Du bleibst unklar. In spare keine Steuern. Wie sollte ich das tun?
@ Ariane 19. April 2026, 13:15
Ich mache mal unten weiter, hier geht der Platz aus
@ Ariane
Entscheidungsfreiheit ist etwas ganz Schreckliches. Sollte sofort abgeschafft werden!
Nein, zuviel des Guten. Es reicht, dass Leute die Konsequenzen ihrer freien Entscheidungen akzeptieren und selbst tragen.
@ Stefan Sasse 20. April 2026, 09:19
Anekdotisch, ich hatte einen stärkeren Kinderwunsch als meine Frau.
Ausnahmen bestätigen die Regel.
Aber was ist denn das für ein Bild, sich in das Schicksal ergeben?
Wenn ich so Dir und Ariane zuhöre, habt Ihr zuviel Rosamunde Pilcher gelesen. Mir waren (bevor ich Kinder hatte) Kinder egal. Ich habe mir da keinen Kopf drum gemacht. Hat sich geändert, als sie da waren, aber das ändert natürlich nichts daran, dass ich ursprünglich keinen Kinderwunsch hatte.
Was ist denn mit den freien Entscheidungen und der Autonomie, die Frauen immer haben müssen, wenn es um Care- zu bezahlter Arbeit geht?
Meine Frau hat mit 25 Kinder ausdrücklich abgelehnt, mit 27 wurde sie schwanger. Beide Male IHRE Entscheidung, die ich so oder so akzeptiert habe.
War ihre Schwangerschaft für mich ein Grund gewesen, mich nach (damals) 5 Jahren Partnerschaft von meiner Frau zu trennen? Natürlich nicht. Meine Frau blieb daheim, weil sie es für wichtig hielt, sich um das Kind zu kümmern, statt weiterzuarbeiten. War ich OK mit, aber alles, was und wie das lief, waren ihre Entscheidungen. Sie hat es genau so gemacht, wie sie es für richtig hielt, und ich habe mich mangels Kompetenz rausgehalten.
Glauben Du und Ariane wirklich, dass ich da der einzige Fall in Deutschland bin?
„Sozialneid“ kann ich hier nicht sehen. Klingbeil sieht darin einen Baustein für marktorientierte Reformen, (die ihr doch sonst immer vehemet einfordert!)
Klingbeils Begründung: Steigerung der Erwerbsarbeit (wir müssen doch alle mehr arbeiten!), negative Arbeitsanreize beseitigen, auch wg. Fachkräftemangel.
Warum soll ein ein erwerbsfähiger Partner ohne Erziehungs- oder Pflegeleistung durch die Solidargemeinschaft der Beitragszahler kostenlos mitversichert sein? Wer arbeitet und eigene Beiträge zahlt, dürfe am Ende nicht schlechter dastehen als jemand, der sich auf das Partnermodell verlässt.
Dass die SPD ihre Wähler nicht mehr versteht, stimmt zwar, aber das liegt auch daran, dass die marktorientierte Reformen nicht mögen.
Das Potential ist doch nach den eigenen Studien aus dem Hause Klingbeil nicht die Frauenerwerbsquote. Die sieht man als weitgehend ausgereizt an. Sondern das Potential liegt in der hohen Anzahl an Bürgergeldempfängern, worunter sich zwei Millionen Erwerbsfähige befinden. Doch genau daran will die SPD nicht.
Das Modell ist ja eine Strafabgabe von 3,5 Prozent. Die Sache ist doch die: Würde der Bund die 10 Milliarden Euro an die Krankenkassen bezahlen, die wegen der ungenügenden Abrechnung für Bürgergeldempfänger bestehen, wäre die Lücke gedeckt. Das bedeutet, die Versicherten, also auch die Einverdiener, bezahlen für diese Bürgergeldempfänger, sollen aber eine Extraabgabe für den eigenen Partner leisten.
Umgekehrt müssen nicht-arbeitende erwerbsfähige Bürgergeldempfänger nichts bezahlen und auf nichts verzichten. Leistungskürzungen, schon gar nicht speziell für diese Gruppe, gibt es ja nicht. Das ist mit dem Leistungsgedanken eben nicht zu erklären.
@ Stefan Pietsch 18. April 2026, 17:38
Würde der Bund die 10 Milliarden Euro an die Krankenkassen bezahlen, die wegen der ungenügenden Abrechnung für Bürgergeldempfänger bestehen, wäre die Lücke gedeckt.
Man kann ja über vieles unterschiedlicher Auffassung sein, aber hier nicht: Der Staat legt, um sein Budget zu schonen, den sozialversicherungspflichtig Angestellten zusätzliche Belastungen auf.
Wenn das Prinzip des Sozialstaates ist, dass der Staat für die einspringt, die sich nicht selbst helfen können, muss der Staat auch für ALLE Nicht-Beschäftigten einspringen. Diese Kosten nur an eine bestimmte eingeschränkte Gruppe weiterzugeben, die eh schon hoch belastet sind, mit der Begründung „die haben es ja“, halte ich schlicht für Diebstahl.
Ist so, ja. Aber die politische Botschaft ist: Ihr dürft für alle zahlen und für alle ist die Solidargemeinschaft da, nur nicht für Eure Liebsten.
@ CitizenK
Es wird beklagt, dass meist Frauen die Care-Arbeit machen. Wie unfair. Also müssen ihre Männer mehr zahlen. Das ist SPD-Denke pur.
Wenn man die Sozialkassen stärken will, sollte der Staat für all die aufkommen, die nicht selbst für sich aufkommen können. Das tut er nicht, sondern lastet alle Ausgaben den sozialpflichtigen Angestellten auf. Nun will der Staat einen Teil der Beitragszahler noch stärker mit Ausgaben belasten mit der Begründung, das Mitversicherte, die es sich leisten könnten, ihren Beitrag nicht bezahlen. Und das nennst Du Reform?Du siehst nie Sozialneid, auch nicht, wenn er Dir auf der Nase herumtanzt.
Dann klär mich auf, bitte. Wer, konkret im Fall KV-Beitragsfreiheit für Ehepartner, neidet wem was?
@ CitizenK 19. April 2026, 09:56
Dann klär mich auf, bitte. Wer, konkret im Fall KV-Beitragsfreiheit für Ehepartner, neidet wem was?
Hatte ich doch? Die Argumentation von Klingbeil läuft (wie beim Ehegatten-Splitting) daraus hinaus, dass es Besserverdienende gibt, die ihren Anteil nicht zahlen.
Das Ziel sollte die freie Entscheidung sein, ohne dass dadurch Nachteile …
Mit freundlichem Verlaub, Ariane, aber das ist eine nette Wunschvorstellung, nur – warum sollte ich mich dieser anschliessen, sie unterstützen oder finanzieren? Jede Entscheidung im Leben hat Vor- UND Nachteile und es wird bis zum Eintreten des materiellen Utopias (Maschinen machen alles für uns und warten/reproduzieren sich selbst) niemals eine
Gesellschaft geben können, in der jeder Entscheidungsweg die gleichen materiellen Vor- und Nachteile hat.
Gruss,
Thorsten Haupts
Vielleicht lest ihr nochmal den ganzen Absatz oder Diskussion nach? Oder ist das ein gewolltes Missverständnis?
Mein Argument war, dass wir – historisch einzigartig – in einer Situation sind, dass Menschen sich für Ehe, Kinder und die Zahl der Kinder (in den meisten Fällen) bewusst entscheiden. Das ist revolutionär.
Seid ihr jetzt plötzlich alle für die Abschaffung von Ehegattensplitting, Familienversicherung und anderen Hilfestellungen? Wer sich dafür entscheidet, soll bitte selbst dafür zahlen?
@ Dennis
War zum einen von Thorsten als Zitat gekennzeichnet, und zum anderen bleibt es so, dass nur die gesetzlich Versicherten die Lasten für die beitragslos Mitversicherten mitzuschultern haben.
Ist bei weitem nicht so hetzend und populistisch formuliert wie das, was Frau Reichinnek über Vermieter raushaut.
Aber in einem Punkt haben sie leider recht: Mit Lügen Hetze und Hasse verbreiten sind «wahltechnisch» das Mittel der Wahl des einschlägigen Packs.
@ DerDieDas
Mit Lügen Hetze und Hasse verbreiten sind «wahltechnisch» das Mittel der Wahl des einschlägigen Packs.
Zustimmung. Ich kann die LINKEn auch nicht ab.
zu 2) Das ist keine «urban legend», sondern wissenschaftlich von Mariana Mazzucato (https://de.wikipedia.org/wiki/Mariana_Mazzucato) nachgewiesen worden.
1) Ungarnwahl
Regeln gelten für alle, das ist der politischen Linken in Deutschland unbekannt. Du betonst ja selbst, dass die AfD niemals die absolute Mehrheit bekäme. Was soll dann der Vergleich mit Viktor Orban und der polnischen PiS? Beide holten die absolute Mehrheit und mehr. Außerdem beruht in Demokratien die Stabilität des Systems auf Checks & Balances. Jeder weiß, dass der polnische Staatspräsident über politische Macht verfügt. Nur, der steht weiterhin der PiS nahe. Und das war so in einer Direktwahl entschieden.
Deine Prognosefähigkeit ist übrigens miserabel, wahrscheinlich, weil sie so furchtbar parteipolitisch gefärbt ist.
a. Özdemir / CDU in Baden-Württemberg
Wenige Tage, nachdem Du geunkt hattest, die CDU lege es auf ein Scheitern der Sondierungen an um Neuwahlen zu erzwingen, einigen sich die bisherigen und zukünftigen Partner auf eine neue Koalition. Schiedlich friedlich. Weiter unten schreibst Du, die CDU habe in Umfragen an Zustimmung verloren, weil die Leute schlechte Verlierer nicht mögen. Zum einen ist die CDU kein Verlierer, wenn sie die gleiche Anzahl an Sitzen erringt wie der „Sieger“. Erst recht nicht, wenn sie bei den Erststimmen vorne liegt. In Bezug auf die USA kannst Du Dir ja auch nie den Hinweis verkneifen, dass Hillary 2016 im Popular Vote gewonnen hätte.
Dir entgeht, dass die AfD in dieser Umfrage deutlich zugelegt hat. Ganz offensichtlich sind viele eben nicht damit einverstanden, dass die CDU wieder als Juniorpartner der Grünen fungiert. Politische Analyse – schlecht.
b. Katharina Reiche
Die Ministerin sei regieruntauglich und stehe zu Recht kurz vor der Ablösung, wurde hier vor Wochenfrist trompetet. Tatsächlich sitzt sie fester im Sattel denn je. Dass sie vor der Unionsfraktion stehende Ovationen bekam, fand günstigerweise den Weg in die Öffentlichkeit. Und dass Merz Rüge, man solle sich öffentlich mal zurückhalten, mindestens genauso seinem Koalitionspartner galt, hätte man als versierter politischer Beobachter mit Sachkenntnis auch wahrnehmen können.
Auch hier wird deutlich, was Du an Politikern überhaupt nicht schätzt: Unabhängigkeit von Parteien. Reiche hat nicht nur klargemacht, dass sie eine One-Term-Ministerin sein würde, sondern auch, dass sie ausdrücklich auf Hausmacht und Parteiamt verzichtet. Geht aus Deiner Sicht gar nicht, vor allem siehst Du das nicht als Asset. Ganz im Gegenteil: Politiker, die sich unabhängig von ihren Parteien machen, lassen sich nicht so leicht lenken.
c. Viktor Orban
Was war die Rede davon, dass Orban als guter Rechtsextremist die Macht nicht abgeben und damit die gelenkte Demokratie Ungarns endgültig außer Kraft setzen würde. Nichts davon, bisher geräuschloser Übergang. Alldieweil haben die Grün-Linken hier nichts Dringenderes als die Sorge um eine verurteilte Linksterroristin. Was halt wichtig ist.
Würde ich mir so viele Falschprognosen in der Kurzfristperspektive leisten, würde ich wahrscheinlich auch Flaschensammeln.
a) Ich hab das gar nicht geunkt, ich hab nicht verstanden, warum die CDU den Terz macht, wenn sie eh Koalitionsverhandlungen eröffnen wird.
Soweit ich das verfolgt habe, wurde das nie in der Parteiführung erwogen. Zum einen ist die CDU eine seriöse Partei und Özdemir ein seriöser Politiker, klug genug zu wissen, was es in einer solchen Situation braucht. Zum anderen liegt selten ein Gewinn in solchen Spielchen. Die Leute wollen nicht dauernd wählen gehen, sondern Parteien und Politiker, die ihren Job machen. Schon das ist ja heute keine Selbstverständlichkeit mehr.
Was Du anführst, hat einen wahren Kern, ist aber nicht das, was sich tatsächlich abgespielt hat. Die CDU nutzte im Zusammenspiel den Sinn einer verfassungsrechtlichen Regelung, innerhalb einer angemessenen Zeit eine Regierung zu bilden, was Druck auf den Verhandlungspartner ausübte. Denn genau darum geht es in Verhandlungen: die eigenen Instrumente und die Schwachstellen des Partners zu nutzen, um Konzessionen zu erreichen. Das Spiel basiert auf Erfahrung, Einfühlungsvermögen und Können.
Ich denke, die Umfragen werden auch eine beruhigende Wirkung gehabt haben. Die Chancen bei Neuwahlen waren furchtbar. Aber ja, sicher war das auch Strategie. Die CDU kann Macht. Im Gegensatz zu ihren Konkurrenten.
Nein, das ist Selbstsuggestion, Stefan. Der Amateur redet sich seine Lage schön. So funktioniert das nicht. Die Umfragen kamen, als die Verhandlungen weitgehend beendet waren. Man entscheidet nicht auf den letzten Metern nach Augenblickaufnahmen. Das ist nur wirklich amateurhaft.
Ich beschäftige mich sowohl berufsbedingt als auch als Freizeitvergnügen viel mit Verhandlungstaktiken und Spielstrategien. Amateure rennen direkt auf das Ziel zu, erreichen es aber nicht. In einem Spiel – egal ob Fußball, Handball, Basketball, Schach – ist der direkte Weg zum Ziel versperrt. Der Gegner verteidigt das Offensichtliche. Man muss durch Finten, Einzelaktionen, Spiel über Bande und über die Außen versuchen zum Erfolg zu kommen. Dabei muss man die ganze Breite des Spielfeldes nutzen.
Verhandlungen sind komplexer als Spielstrategien im Fußball oder Basketball. Am Anfang wird das Spielfeld, die Regeln und die Instrumente festgelegt. Bevor jemand an den Verhandlungstisch geht, muss er sich über seine Ziele, seine Mindestforderungen, seine Druckmöglichkeiten und über die, wie ich es immer nenne, Folterinstrumente des Gegenübers klar sein. Das, Stefan, passiert vor Verhandlungsbeginn, nicht mittendrin oder gegen Ende.
Wenn Du nicht annimmst, dass bei der CDU Anfänger am Werk sind, dann ist Deine These sehr unwahrscheinlich. Und bezüglich der Bedeutung der Umfrage gehst Du von falschen Annahmen aus. Die Umfrage wurde erstellt in Kenntnis des Wahlergebnisse. Die Befragten mussten davon ausgehen, dass Özedemir neuer Ministerpräsident würde. Das war vor der Wahl bei weitem nicht so klar. Popularität gepaart mit Klarheit führt zu eindeutigeren Ergebnissen in Umfragen. Das Phänomen ist weithin bekannt: Nach einem Ereignis standen alle schon immer auf der Seite des Siegers. Die Zustimmung zur Ampel war nie so hoch wie am Beginn ihrer Regierungszeit und dass trotz der sehr ungleichen Partner.
Zu i)
Flasbaths Zahlenspiele sind ebenfalls irreführend, was seine „Korrektur“ schwierig macht. Denn 30% bezogen auf Deutschland macht dann 69.000 (GDP per capita, gerundet) – und das liegt noch immer deutlich unter dem US-amerikanischen Durchschnitt von 82.000.
4) Religion und Glück
Ich als Liberaler will einfach nur nicht, dass er anderen aufgezwängt wird.
Wie liberal und wie die Wahlfreiheit achtend, kommt dann unter einem anderen Punkt:
Die relativ niedrigschwellige Anreizsetzung zu gesünderer Erziehung ist den Konservativen natürlich auch ein Dorn im Auge. Die Mehrwertsteuerbefreiung des Brokkoli sieht Hendryk M. Broder als nicht umsetzbar. (..) Umgekehrt sieht Nikolaus Doll in der Idee einer Zuckersteuer einen „nimmersatten Nanny-Staat (..).
Die Bürger, den Souverän, lenken ist natürlich immer liberal und zwängt niemanden etwas auf. Natürlich nicht! *Augenklimper*
1) Ungarnwahl
Die Bürgerlichen haben jede Eigenverantwortung aufgegeben
Mann, wie mir dieser pauschalisierte Unfug inzwischen auf die Nerven geht. Entweder hast Du keine Ahnung von den Wählerwanderungen Richtung AfD, oder Du zählst praktisch jeden (= keinen) zu den Bürgerlichen.
Ich würde mich durchaus selbst als spießig und bürgerlich einschätzen, Dich übrigens auch. Und ich denke, dass wir neben Eigenheim, Berufstätigkeit und Familie auch die Ablehnung der AfD gemein haben.
ja, das war Polemik. 🙂
1)
Erwähnenswert in der Ungarn-Sache ist IMHO auch, was bei dieser Wahl aus der ungarischen Linken so geworden ist. In grauer Vorzeit, also in den 90ern, hatten die mal einen gewissen Gyula Horn, eigentlich ein post-kommunistischer Wendehals, 1989 maßgeblicher „Grenzöffner“, sodann vom Westen, namentlich hierzulande, mit Ehrungen überschüttet (u.a. Karlspreis Aachen) oder auch so was :
https://infovilag.hu/uploads/2016-11/horn_utca.jpg
…und in den 90ern Ministerpräsident (unmittelbarer Vorgänger des „ersten“ Orban) bis 1998. Nachdem Orban die Wahlen 2002 äußerst knapp verloren hat, kam dann später dieser Herr ans Ruder,
https://de.wikipedia.org/wiki/Ferenc_Gyurcsány
…auch ein Wendehals, deutlich von der Sorte Schröder/Blair, korrupt und thatcheristisch bis auf die Knochen, der die parlamentarische Linke in Ungarn zu ruinieren beliebte und dem „zweiten“ Orban den Weg gepflastert hat, was schließlich zum aktuellen bemerkenswerten Höhepunkt der ungarischen Sozialdemokratie geführt hat: 2026 1,1. %. Mandatszahl: 0 (in Worten: Null). Mal sehen, ob die SPD das auch noch schafft ^
1) Pochardt Darstellung in dem verlinkten Artikel ist für mich auf schockierende Weise hochgradig manipulativ.
Der macht da Orbans Ungarn als Opfer der deutschen Politik, weil die grün woke Politik, die deutsche Autofabriken in Ungarn unter Druck gesetzt hätte ;-). Das liegt natürlich überhaupt nicht an dem Zusammenbruch des wichtigsten Exportmarkt China und der geschmolzenen Gewinne pro verkaufter Einheit wegen den US Zöllen.
Ich kenne diesen Stil von dem primitiveren Teil der Salonlinken. Da hat er gelernt. Viele Deutsche lechts wie rinks beissen da gut an.
4)
„wer vegan glücklich ist, kann das sein und trotzdem anderen ein Schnitzel gönnen. “
Kann er das wirklich? Veganer sind das in aller Regel aus ethischen Gründen (Tierwohl, Umweltschutz etc.). Da ist es schon schwer anderen zu „gönnen“ zu Leid und Zerstörung beizutragen. die man selbst als so schwerwiegend ansieht, dass man sich selbst extreme Lebenstile auferlegt.
Umgekehrt gilt das nicht, weshalb Fleischesser die anderen ihr veganes Essen nicht gönnen können schon sehr eigenartig sind.
Umgekehrt gilt das nicht, weshalb Fleischesser die anderen ihr veganes Essen nicht gönnen können schon sehr eigenartig sind.
Und genau deshalb bin ich schon erstaunt, wie viele das sind. Hätte ich (selbst begeisterter Fleischesser) nie gedacht, aber es gibt tatsächlich nicht wenige Menschen, die ausgerechnet „anders esssen“ mindestens als eine implizite Kritik an ihrem eigenen Leben empfinden. Alleine in den letzten 3 Jahren viermal im Kollegenkreis live erlebt.
Ja, da treten echt ganz eigene tiefenpsychologische Effekte zu Tage 🙂
Witzig, ich erlebe das persönlich gar nicht. Also dass Veganer*innen mich annerven.
Thorsten und ich ja auch nicht.
Habe ich auch nie erlebt. Umgekehrt schon, was ziemlich bizarr ist – eine grosse Mehrheit findet eine kleine Minderheit aufdringlich, weil diese Minderheit … was anderes isst. Irgendwie ist die Toleranzschwelle für „anders sein“ seit meinen Jugendjahren gesunken. Und ich habe exakt keine wirkliche Idee, warum.
Ah dann hab ich das falsch verstanden. Bin völlig bei euch.
Möglicherweise fehlt mir da auch einfach die Fantasie.
Das ist doch gar nicht schwer. Nehmen wir an du quälst keine Tiere und verbrennst im Garten keine Altreifen. Weil du das moralisch falsch findest und der Umwelt massiv Schaden zufügt. Gönnst du das dann deinem Nachbarn, oder sagst du ihm vielleicht, dass sein Hund auch mal raus aus dem kleinen Zwinger sollte und man seine Reifen auch anders entsorgen kann?
Eben 🙂
Anderes Beispiel. Vielen Feministen (und andere) lehnen Porno und Prostitution aus moralischen Gründen ab. Da sagst man ja auch nicht, ich nutze das nicht aber anderen gönne ich das.
Der Teil ist mir schon klar. Aber trotzdem kann ich ja anderen eine andere Sicht zugestehen. Ich hab ja Veganer*innen im Freundeskreis, die machen das auch aus ethischen Gründen, wegen des Tierwohls – und erklären mich trotzdem nicht zu Großverbrechern.
Ich glaube der Teil ist dir nicht ganz klar.
Erstens die Wortwahl: „gönnen können“ ist stärker als „eine andere Sicht zugestehen“ was wiederum stärker ist als „erklären mich trotzdem nicht zu Großverbrechern.“
Gerade auf ersteres habe ich reagiert, weil mit das arg positiv klingt.
„Aber trotzdem kann ich ja anderen eine andere Sicht zugestehen. “
Es geht jedoch nicht um andere Sicht sondern andere Tat. Das ist schon ein gewichtiger Unterschied. Besonders wenn diese Tat direkt oder indirekt Auswirkungen auf andere hat.
Ich fahre nicht zu schnell, ich schlage meine Kinder nicht, ich lehne Abtreibung ab, ich werfe meinen Müll nicht in die Natur, ich mache Nachts nicht die Musik laut, ich heize nicht mehr mit Gas oder Öl, finde es aber voll in Ordnung wenn andere das Tun. Das geht ja alles auch nicht ohne weiteres zusammen.
Ich verstehe auch, dass das gerade im Alltag kaum geht ständig alle Fleischesser missionieren zu wollen.
Zu ende gedacht ist das trotzdem schwierig.
Aus gegebenen Anlass: Anhänger der Grünen sind intoleranter gegenüber anderen Meinungen als die Wähler anderer Parteien. Passt zum Bild der Selbstgerechtheit dieser Milieus.
https://www.welt.de/politik/deutschland/article69e1ca147711c440ff1d9f7f/umfrage-gruenen-anhaenger-regen-sich-am-haeufigsten-ueber-andere-meinungen-auf.html
Ein Blick in den Originalartikel legt eine andere Erklärung nahe:
„Personen mit höheren Bildungsabschlüssen zeigten sich intoleranter als Befragte mit einfacher oder mittlerer Schulbildung.“
https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/allensbach-umfrage-gruenen-anhaenger-tun-sich-mit-anderen-meinungen-besonders-schwer-accg-200738623.html
Nee. Das eine ist Erhebung nach Bildungsgrad und das andere nach politischer Präferenz. Und es verwundert ja nicht, dass die Grünen eine relativ hohe Akademikerquote haben. Die ganzen mit Gender Studies finden sich sicher nicht als AfD- Wähler wieder.
Aber Studien zeigen, dass Grüne intoleranter sind, weshalb sie öfter in Blasen mit einseitigem Meinungsbild leben und es mit mathematischer Logik nicht so haben. Gilt natürlich wie immer nicht für jeden, aber das formt das Muster. Was, wie auch hier immer wieder zu lesen ist, deutlich vom Selbstbild abweicht.
Das Interessante: Grüne tippen mit ihrer Ignoranz noch AfD-Wähler. Sie sind die wahren Wutbürger.
„Das eine ist Erhebung nach Bildungsgrad und das andere nach politischer Präferenz.“
Und da es offensichtlich einen Zusammenhang gibt, ist nicht das Ergebnis bei den Grünen-Wählern erklärungsbedürftig, sondern das bei den AfD-Wählern, die bei unterdurchschnittlicher Bildung überdurchschnittlich intolerant sind.
https://www.tagesschau.de/wahl/archiv/2025-02-23-BT-DE/charts/umfrage-werwas/chart_1874851.shtml
„Die ganzen mit Gender Studies finden sich sicher nicht als AfD- Wähler wieder.“
Hast du noch mehr dumme Platitüden auf Lager?
Na klar:
„Grüne tippen mit ihrer Ignoranz noch AfD-Wähler. Sie sind die wahren Wutbürger.“
Das schreibt ausgerechnet jener Wutbürger, der mir das hier angedroht hat:
„Irgendjemand muss Ihnen endlich richtig aufs Maul hauen. So, dass es richtig weh tut.“
Welcher Anlass?
1) Ariane hatte ja im letzten Vermischten Nikolaus Blome als positives Gegenstück zu Ulf Poschardt unter den konservativen Kolumnisten hingestellt, und das bewahrheitet sich auch hier:
https://www.spiegel.de/politik/deutschland/ungarn-wahl-und-europa-was-ein-ende-der-aera-orban-fuer-demokratie-und-anstand-bedeutet-kolumne-a-3d2b78f3-0e37-49ec-8171-9aab2fd5413a
4) Die Argumentation von Böss ist ausgesprochen konfus, weil sie nicht in Betracht zieht, daß in kranken Umständen Glück kein Zeichen von Gesundheit ist. Für 90 Jahren hätten die begeisterten Nazis einen glücklichen Eindruck gemacht und die Systemgegner einen unglücklichen.
1) „Frankenstein-Staat“
Vielleicht die Erklärung dafür, dass Orban die Niederlage so gelassen nimmt. Damit hatten die wenigsten gerechnet.
Oder: Dieser Staat war von Anfang an gebaut zur persönlichen Bereicherung – und nun haben sie genug gescheffelt?
Bei dem „gelassen“ bin ich mir gar nicht saicher, er hatte vielleicht keine andere Wahl? Ohne Kenntnis der ungarischen Verhältnisse nur drei Überlegungen:
1) 52 zu 39% ist eine vernichtende Niwederlage, da kommt man mit der Nachwahlmanipulation einiger enger Wahlkreise nicht weiter.
2) Für einen echten Coup braucht man die verlässliche Kontrolle über die Sicherheitskräfte. Die müssen bereit sein, auf die eigene Bevölkerung zu schiessen, vielleicht ist das in Ungarn nicht gegeben?
3) Ungarn erhält erhebliche Mittel aus EU-Töpfen, die wären nach einem echten Coup möglicherweise ausgetrocknet?
Und eine vielleicht tröstliche weitere Überlegung:
Hätte Ralf Recht und die Bevölkerung wäre durch Medien beliebig manipulierbar, hätte es in Ungarn den Wahlsieg der Opposition unmöglich geben KÖNNEN. Es gab einen Oppositionswahlsieg gegen alle (!) ungarischen Medien, gegen die Trollfabriken in den sozialen Medien, gegen Diffamierungs- und Schmierkampagnen. Offenbar sind Menschen doch nicht so manipulierbar, wie Ralf hier gerne überzeugt behauptet.
Gruss,
Thorsten Haupts
Jein. Er hat ja ganz schön lange durchgehalten und das hatte wohl auch mit eben dieser Manipulation zu tun.
Die Wahl in Ungarn war ein seltener Lichtblick. Meine Sorge ist nur, dass andere Autoritäre daraus den Schluss ziehen könnten, dass sie noch weiter gehen müssen, um die Macht auf keinen Fall wieder verlieren zu können.
Ebenfalls ohne genaue Kenntnis ungarischer Verhältnisse würde ich Thorsten da schon zustimmen. Autoritäre Protofaschisten sind nicht Gott. Auch die brauchen eine Machtbasis (plump: Massen und/oder Waffen), da gehört schon mehr zu als sich zum Möchtegerndiktator zu erklären und einen Coup durchziehen.
3) Ungarn erhält erhebliche Mittel aus EU-Töpfen, die wären nach einem echten Coup möglicherweise ausgetrocknet?
Viele davon waren übrigens schon eingefroren, Magyar hat auch damit geworben, die Gelder wieder loszueisen. Und nach dem – bestätigten – Spionageskandal, dass ungarische Politiker live den Russen aus EU-Sitzungen berichten, hätten bei Orbans Wiederwahl vermutlich noch mehr gedroht.
Ich würde das auch nicht unterschätzen, es scheint vielen auch darum gegangen zu sein, näher an Europa (ungleich die EU) zu sein als an Russland. Diese Nähe zu Putin ist kein Bonus für Orban.
Man muss übrigens auch sagen: gerade diese Rolle der EU wurde von Rechts, etwa in der Springerpresse, NZZ und natürlich sowieso bei Tichy und Co, immer massiv kritisiert und scheint maßgeblich zur Rettung der Demokratie beigetragen zu haben.
Ja die rechte Presse findet doch sowieso jeden x-beliebigen Protofaschisten besser als die EU – vermutlich genau deswegen.
Es ist aber nicht so außergewöhnlich, nur kann die EU halt keine Außendarstellung. Griechenland, Spanien und Portugal wurden explizit in die EU geholt, um deren junge Demokratien zu unterstützen. Demokratie ist da schon die Eintrittskarte und Orban hat massiv auf die Probe gestellt, ob aus dem Gegenteil auch eine Austrittskarte werden kann (ich meine alle Sanktionen waren auch rechtsstaatlich begründet).
Die Strahlkraft übersieht man von innen gerne mal (wenn man viel WELT liest erst recht^^) – aber sie ist vorhanden. Und wenn’s nur ist, weil die Leute auf Putin noch weniger Bock haben. Putin und Trump tun dem europäischen Selbstbewusstsein und seinem Image definitiv gut.
Ich behaupte nicht, dass Medienmanipulation eine Wirksamkeit von 100% hat. Wenn die Medien z.B. behaupten, in den Geschäften sei Brot im Überfluss zu haben, die Regale in den Geschäften sind aber alle leer – so beispielsweise geschehen während der Zeit des Kommunismus in Ostblockstaaten – dann glaubt das irgendwann niemand mehr. Selbst in so krassen, an Absurdität grenzenden Szenarien kann man Gläubige jedoch durch geschickte Medienarbeit zumindest mittelfristig bei der Stange halten. Konkret wären da etwa Donald Trumps Lügen, es gäbe keine Inflation, die Spritpreise seien so niedrig wie noch nie, die Wirtschaft boome beispiellos etc. zu nennen. Aber es ist eben unwahrscheinlich, dass sich solche Behauptungen zwei Jahrzehnte lang aufrechterhalten lassen, wenn die Bürger ihr Abendessen nicht mehr bezahlen können, sich die Tankfüllung nicht mehr leisten können und keinen Arbeitsplatz finden.
Dass Medien keine Wunderwirkung entfalten, heißt aber nicht, dass sie nicht ein extrem wirksames Tool sind, das die Mehrheit der Menschen lange, lange Zeit sehr effektiv in die Irre führen kann. Ohne Medienmanipulation hätte es Orban beispielsweise nicht 16 Jahre lang gegeben.
3) Eine Rekonstruktion dieses gesetzgeberischen Unfalls:
https://correctiv.org/aktuelles/sicherheit-und-verteidigung/2026/04/10/das-lief-keinen-geregelten-gang-wie-es-zur-panne-um-das-wehrdienstgesetz-kam-verteidigungsministerium-pistorius-bundeswehr-wehrpflicht/
Danke für den Link. Solche handwerklichen Fehler machen mich echt sauer (mal abgesehen davon, dass ich die SPD schon seit längerem nur noch für diesen Part lobe).
Die LTO hat sich jetzt die geplante Reparatur dieses gesetzgeberischen Unfalls angesehen und sieht verfassungsrechtliche Bedenken:
https://www.lto.de/recht/meinung/m/verteidigungsministerium-verfuegt-allgemeine-ausnahme-zum-wehrpflichtgesetz
Dass das Verteidigungsministerium eine gesetzliche Regelung per Allgemeinverfügung vollständig außer Kraft setzt, ist nicht nur im Wehrpflichtgesetz nicht vorgesehen. Vielmehr bricht es auch mit mehreren rechtsstaatlichen Prinzipien wie der Bindung der Exekutive an das parlamentarische Gesetz und der Gewaltenteilung.
Ziemlich logisch, was das Parlament beschlossen hat, kann nicht allgemein und dauerhaft von der Exekutive ausgehebelt werden. Stefans Punkte aus 1) aufgreifend, wäre ich auch sehr dagegen, hier einen Präzedenzfall aus lauter Dämlichkeit zu schaffen.
1) Einige Anmerkung zur Wahl in Ungarn:
a) Das Grabenwahlrecht (Hälfte Mehrheitsmandate, Hälfte Listenmandate ohne Ausgleich) das für die starke Begünstigung der Mehrheitspartei sorgt, existierte schon vor Orban.
b) Ermöglicht und bezahlt haben den Erfolg von Magyar die Linken und Liberalen durch kompletten (freiwilligen) Kandidaturverzicht bei der Wahl. Im neuen Parlament ist nicht ein Abgeordneter von Liberalen, Grünen, Sozialdemokraten oder Sozialisten. Außer Tisza und Fidesz ist nur eine rechtsextreme Jobbik-Abspaltung vertreten. (historischer Vergleich: 2018 traten die Oppositionsparteien noch getrennt an, 2022 gab es ein gemeinsames Wahlbündnis). Klar gesprochen: Anders als unter Orban existiert keine Linksopposition mehr.
c) Tisza ist eine konservative, nationalistische (wenn auch EU-freundlich) und zentralistische Partei. Ob sie wirklich die Korruption bekämpfen wird (ihr großes Wahlversprechen) oder diese nicht eher in eigene Taschen umlenkt, wage ich angesichts der Umstände (siehe Punkte a) und b) ) stark zu bezweifeln.
d) Tisza ist nicht nur ungarisch für den Fluss Theiss sondern auch Name dieses K-und-K Politikers gewesen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Istv%C3%A1n_Tisza
Danke. Hoffen wir das Beste.
„Das Grabenwahlrecht (Hälfte Mehrheitsmandate, Hälfte Listenmandate ohne Ausgleich) das für die starke Begünstigung der Mehrheitspartei sorgt, existierte schon vor Orban.“
Die Regierung Orban schaffte allerdings nach 2010 den zweiten Wahlgang für die Direktmandate ab.
3) Sorry, aber ich glaube die Geschichte von einer ‚Panne‘ bei der Gesetzgebung nicht. Allen ist klar, dass die Wehrerfassung ein Salamitaktik Schritt zur Wehrpflicht und diese unter Betroffenen so beliebt wie Fußpilz ist. Und das schöne an einer Verwaltungsanweisung (Allgemeinverfügung) ist, dass sie sich genauso einfach durch das Verteidigungsministerium zurücknehmen lässt. Also, wenn jetzt vom Verteidigungsministerium keine Gesetzesänderung (statt diesem „Nachbessern“) in die Wege geleitet wird, ist klar, dass das genau so gewollt und geplant war.
2) Kleines Gemecker am Rande: Bei den Artemis – Missionen geht es weniger darum „dass Staaten friedlich kooperierend Grenzen durchbrechen“ sondern vielmehr um Kooperation der Vereinigten Staaten mit supranationalen Unternehmen. Die Mission Artemis 3 wird zum Gegenstand die Kopplung der Orion-Raumfahrzeuge mit Mondlandefähren von SpaceX und/oder BlueOrigin haben.
Äh eine der bedeutendsten Kooperationen war nicht mit einem supranationalen Unternehmen, sondern mit der ESA und speziell Bremen.
„Im Mittelpunkt der Mission steht das Europäische Servicemodul der ESA, das die Orion-Kapsel und ihre Besatzung mit Energie versorgt, antreibt und auf ihrem Weg um den Mond und zurück zur Erde am Leben erhält.“
Das war das erste Mal, das die NASA so eine bedeutende Sache aus der Hand gegeben hat und sie ging eben genau NICHT an ein Unternehmen. Im Zweifel fragt man vielleicht doch jemanden, dessen Raketen nicht zu 50% in Feuerbällen enden und es konnte wohl auch niemand anderes.
Ach hier noch der Link:
https://www.esa.int/Space_in_Member_States/Germany/Artemis-II-Mission_beginnt
Wenn es nicht zu lange dauert, hat Alexander Gerst übrigens gute Chancen, bei der Landemission dabei zu sein. Mit dem jetzigen Artemis-Kommandanten war er lange auf der ISS und hatte einen gemeinsamen Außeneinsatz.
Die Kommunikation nach außen fand ich diesmal auch deutlich besser. Musk und Bezos haben ne große Klappe, aber die inspirierenden und auch kommerziell erfolgreichen (ja die Ariane!) Missionen laufen gerade ohne die Unternehmen.
Diese Übersicht, liebe Ariane, sagt etwas gegensätzlich anderes:
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_orbitalen_Raketenstarts_(2025)
Falcon 9 = Elon Musk
Die komplette Ariane-Reihe ist seit den 80ern zweimal explodiert. Das schafft Musk halt in 6 Monaten.
Yup, bei der hundertfachen Anzahl von Starts und zu einem … Zehntel (!) der Kosten pro Start. Bin mir nicht mal sicher, ob er gerechnet auf die Anzahl der Starts nach jeweiliger Serienreife (Prototypen und Testobjekte zählen nicht) prozentual mehr Unfälle hatte.
„Tacheles“ war zwar keine Rakete, ist aber bei dieser Gelegenheit auch in einem Feuerball geendet:
https://www.welt.de/wirtschaft/article69e08b3d1de1a5649f7cc69d/raumfahrt-deutscher-kleinsatellit-bei-artemis-mission-vorzeitig-verglueht-bodenstation-fehlte-zulassung.html
Ja und die Venus ist auch ein Friedhof von kaputten Sonden und Landefähren. ^^
Ich wollte ja auch nur darauf hinweisen, dass die Raumagenturen sich hier nicht verstecken müssen
(Eigenes) Auch wenn das alles Spekulation ist: Der Mittelalterbezug ist einfach zu lustig
https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/trump-droht-papst-leo-mit-avignon-200715177.html
Machen Sie mir nicht den Mund wässrig. Einen von Trump installierten Gegenpapst in den USA in 2026 zu sehen, würde alles schlagen, was imaginative SF-Autoren seit vielen Jahren zusammengetragen haben. Ich kann es kaum erwarten 🙂 .
Es ist eine große Tragik, dass Dan Simmons vor kurzem gestorben ist, falls jemand Hyperion/Endymion kennt. Ich habe da auch schon ein großartiges Prequel von ihm vor Augen gehabt!
Yup. Hyperion hat einen Ehrenplatz in meiner SF-Bibliothek, allerdings gebe ich zu, dass mir sein zunehmend religiös aufgeladenes Schreiben in weiteren Werken dann den Bezug verleidet hat.
In der Reihe der neoimperialistischen Phantasieprojekte des Trump-Zirkels wäre ein Gegenpapsttum unter Bischof Robert Barron nicht einmal besonders unplausibel. Der Bericht von Mattia Ferraresi in „The Free Press“ zieht jetzt intensive quellenkritische Aufmerksamkeit auf sich. Ist es überhaupt glaubwürdig, dass im Pentagon jemand etwas von Päpsten in Avignon weiß?
Es hat schon eine gewisse Poesie. Als besonderes Schmankerl ist Papst Leo auch noch Ex-Vorsitzender des Augustiner-Ordens, weswegen er ja gerade in Algerien auf Besuch war und man darf ihm daher eine besondere Kenntnis der Glaubenslehre des gerechten Krieges unterstellen. (Natürlich ist es für den Papst sowieso wichtig, dass niemand anderes da ruminterpretiert)
Da gibt es eine direktere Verbindung: Die Augustiner Egidius Romanus und Jakob von Viterbo waren wichtige Stichwortgeber für die Bulle „Unam Sanctam“ von Bonifaz VIII, die der Auslöser für den Angriff von Anagni war und damit zur unmittelbaren Vorgeschichte des Avignon-Exil gehörte.
2) Artemis-Mission (btw die Schwester von Apollo)
spricht von „technologischen Schüben“ und der Inspiration für die Menschheit. Letzteres würde ich unterschreiben, ersteres ist meines Wissens nach vor allem eine urban legend
Ich würde das gar nicht so nüchtern sehen, auch technologische Schübe entspringen schließlich der menschlichen Inspiration.
Hab es vorher gar nicht so auf dem Schirm gehabt und war dann doch ziemlich gehyped. Hab es hauptsächlich auf twitter verfolgt und dieser Mix aus Memepotenzial (eigentlich muss die NASA Outlook und Nutella eine Prämie zahlen!) und absolut faszinierenden Fotos mit wissenschaftlichen Erklärungen oder Links dazu war echt charmant und hat Spaß gemacht.
5)
Was mir an diesen schmerzhaften Reformen gestern aufgefallen ist, nachdem die Kürzungsliste für Kinder, Jugendliche und Behinderte zusätzlich reinflatterte.
Da ist eine krasse Inkohärenz drin. Kaufen wir mal kurz das Argument, dass Abschaffung von Ehegattensplitting und Familienversicherung für Eheleute Arbeitsanreize erhöhen sollen.
Die vorgesehenen Ausnahmen deuten ja darauf hin, dass auch die Regierung einsieht, dass nicht zu 100% Faulheit dahinter steckt.
Die weiteren Vorschläge laufen dazu dummerweise konträr:
– es ist eine Kürzung des Kinderkrankengeldes vorgesehen, die Zahl der Tage wird nicht erhöht
– der Rechtsanspruch Ganztagsbetreuung für Schulkinder soll verschoben werden auf irgendwann
– auf 108 Seiten finden sich dutzende Kürz- und Streichideen für Hilfen im Alltag, Schulbegleitung etc.
– die vor einigen Wochen diskutierte Abschaffung der Pflegestufe I könnte man hier auch noch reinnehmen.
Theoretisch sollte doch jemandem auffallen, dass sich hier schon eher ein Zeit- denn ein Kostenproblem auftut. Krankwerden vor Überlastung sollte man aber nicht, dann ist man ja auch komplett am Arsch.
Aber vieles ist dann doch eher Zufall, weil die Regierung komplett unkoordiniert vor sich hinstolpert und einfach dutzende Leute gleichzeitig ihre Streichideen verkünden und man sowieso den Überblick verliert, was davon überhaupt tatsächlich Verhandlungsmasse ist oder nur von Ulf Poschardt eingeworfen. Die Regierung selbst scheint jegliche offizielle Kommunikation dazu schon aufgegeben zu haben. Man sehnt sich tatsächlich nach der guten alten Ampel-Disziplin.
zu 1) “Ungarnwahl”
Wer mitreden möchte, wie Orban in Ungarn geschlagen werden konnte, dem empfehle ich den folgenden Podcast:
https://paulkrugman.substack.com/p/kim-lane-scheppele-on-hungary
SPOILER: Es war mitnichten so, dass die Menschen einfach nach 16 Jahren genug hatten und sich die Demokratie am Ende wie selbstverständlich durchgesetzt hat. Stattdessen fiel ein Tsunami von Zufällen und günstigen Ereignissen auf der Seite der Opposition mit Pech und Inkompetenz im Orban-Lager zu einem perfekten Sturm zusammen. Wer den Sturz des ungarischen Diktators für exemplarisch hält, muss sich fragen lassen, wie wahrscheinlich ähnliche Ereignisse andernorts sind, vor allem wenn weitere Diktatoren – wie zu erwarten ist – von Orbans Fall lernen. Der Podcast macht auch klar, wie essentiell die EU-Mitgliedschaft von Ungarn für die Geschehnisse war. Orban konnte den Herausforderer z.B. nur wegen dessen juristischer Immunität durch das EU-Parlament nicht verhaften, weshalb ein Coup wie gegenwärtig in der Türkei unmöglich war. Überhaupt wird sich ein Hörer des Podcasts an zahlreiche Punkte erinnern, die schon in unserem Gespräch zu den deutschen Nationalsozialisten auf’s Tapet gebracht worden waren. Darunter der wichtige Hinweis darauf, dass davon, dass die Demokratie in Ungarn gesiegt habe und das alte System nun beseitigt sei, keine Rede sein kann. Orbans System sitzt – ähnlich wie die polnischen Faschisten – solide im Sattel, verankert über das Verfassungsgericht und den Präsidenten, die mit ihrer Veto-Power jeden Fortschritt zunichtemachen können. Der Podcast ist eine Warnung davor, was passiert, wenn man Autokraten an die Macht lässt. Man muss hoffen, dass das deutsche Bundesverfassungsgericht zuhört.
Hinzu kommt die fast vollständige Abhängigkeit von russischem Gas, jeweils über 80 %. Könnte es sein, dass Orban einfach wartet, bis Magyar an den Realitäten scheitert? Die durch das Wahlrecht verzerrte Repräsentanz im Parlament spiegelt ja nicht die Unterstützung durch die Gesamtbevölkerung.
Nachklapp zu den Tradwife-Influencern: Anne Hathaway hat da spannende Buchrechte gekauft, bin ziemlich gehyped:
https://x.com/cmclymer/status/2045155379709878633
@Ariane
Das Ehegattensplitting wird immer wieder als „Subvention“ dargestellt. Das Bundesverfassungsgericht hat jedoch über Jahrzehnte diese Auslegung entschieden zurückgewiesen. Auch ökonomisch stimmt sie nicht, da es sich bei Subventionen (wie auch bei Zuschüssen) um direkte Zuzahlungen des Staates zu einem Unternehmen handelt.
Das Grundgesetz lässt dem Bürger Möglichkeiten sich mit anderen zusammenzuschließen und eine Einheit zu bilden. Dies ergibt sich aus den Artikeln 4 (Religionsfreiheit), 9 (Koalitionsfreiheit) sowie 14 (Eigentum). Wie er das tut, ist ihm überlassen. Diese Einheit ist dann grundsätzlich vom Staat als solche anzuerkennen. Auch Artikel 6 (Ehe & Familie) definiert ein solches Recht. Ehe und Familie bilden eine Einheit.
Mit der Individualbesteuerung würde die Einheit steuerrechtlich aufgebrochen. Betrachtet würde nicht die Ehe als Einheit, sondern die einzelnen Teile und das nur zum Zwecke einen höheren Steuerertrag zu erzielen. Doch das ist kein legitimes Ziel des Grundgesetzes. Auch steht die Betrachtung der Ehe als Einheit von zwei Menschen nicht im Konflikt mit anderen Grundrechten.
Niemand*) käme auf die Idee, eine Kapitalgesellschaft nicht als steuerliche Einheit zu betrachten, sondern die Ergebnisse der einzelnen Bereiche Vertrieb, Produktion, Administration einzeln besteuern zu wollen. Es gibt keinen verfassungsrechtlichen und damit normativen Grund, die Ehepartner nicht als Wirtschafts- und Erwerbsgemeinschaft zu betrachten. Das bringt dem Staat weder Vor- noch Nachteile. Ob der eine Teil 100.000 Euro verdient und der andere 0 Euro oder beide 50.000 Euro ändert für den Fiskus nichts. Der Steuerbetrag ist immer der Gleiche. Tatsächlich wäre es auch zwischen völlig fremden so bei identischen Steuersätzen. Doch der Staat zieht enorme Vorteile aus der progressiven Besteuerung, die mit unterschiedlichen Leistungsfähigkeiten begründet wird. Doch zwischen zwei eng zusammenlebenden Menschen gibt es keine Unterschiede in der Leistungsfähigkeit.
Abschließend: Ehen sorgen für enormen wirtschaftlichen Ausgleich. Nur weil heute Gleiche Gleiche heiraten und gerade in den finanziell besser gestellten Kreisen weniger Einkommensunterschiede als früher bestehen, hat sich nicht nur statistisch die Einkommensungleichheit verschärft. Welchen Vorteil hat es, wenn der Chefarzt heute die bestens bezahlte Arztkollegin heiratet anstatt der Krankenschwester? Eins ist sicher: Die Lebenssituation der heutigen Krankenschwester hat sich damit rechnerisch gravierend verschlechtert, weil sich der Chefarzt nicht mehr für sie interessiert. Zum Glück weiß sie nicht, dass ihre Chancen zu früheren Zeiten auf ein besseres Leben höher gewesen wären.
*) Falsch, Linke haben solche Absurditäten schon angedacht.
Meine Güte. Was willst du von mir? Ich bin doch GEGEN die Abschaffung des Splittings.
Reicht das nicht? Muss ich jetzt noch mit fünf Absätzen weiter belehrt werden, weil ich auf den schrecklichen Umstand hingewiesen habe, dass diesmal ICH für DICH zahle?
Ich nehme Deine Positionen zur Kenntnis. Es ist allerdings herabsetzend wider jedes Argument zu behaupten, man würde den anderen finanzieren.
Und Du solltest von mir wissen, ich werbe nicht darum, dass alle meine Meinung haben. Das wäre total langweilig.
Es ist allerdings herabsetzend wider jedes Argument zu behaupten, man würde den anderen finanzieren.
Ja, das dann bitte zur Kenntnis nehmen^^
Kann man mir sicher nicht vorwerfen. Und auch dieses „Hähä-Spiegel“ finde ich dann doch intellektuell nicht anspruchsvoll.
@ Ariane 19. April 2026, 13:15
Wow. Da fehlen mir fast die Worte. Natürlich bin ich hier davon ausgegangen, dass zwei Eheleute ein Kind gezeugt haben.
An allen meinen Kindern habe ich fraglos mitgewirkt – das war aber nicht mein Punkt. Ich habe auch kein Problem mit meinen Kindern; wir haben stets nach dem Motto „Wo es für elf reicht, reicht es auch für zwölf“ agiert.
Mein erstes Kind kam für mich absolut überraschend. Dass mein zweites Kind (das erste mit meiner Frau) in der Luft lag, konnte ich bestenfalls ahnen, als meine Frau anfing, sich über den Kinderwagen ihrer Freundin Gedanken zu machen. Ich kenne zwar keinen Mann aus meinem Bekanntenkreis, der grundsätzlich gegen Kinder war und trotzdem eines „aufgedrückt“ bekommen hatte; ich kenne aber auch keinen Mann, bei dem die Frau ihren Kinderwunsch offiziell angekündigt hatte und beide zielstrebig anfingen, darauf hinzuarbeiten. Vielleicht liegt es auch daran, dass Männer eine klare Ansprache brauchen und weibliche Hinweise und Andeutungen nicht verstehen (klappt ja auch für Weihnachtsgeschenke nie).
Himmel Hilf. Das arme Kind.
Warum diese Schwarz-weiß-Denke?
Soll das ein Argument für etwas sein?
Eingeschränkt. Ich habe meine Frau nicht um Care-Arbeit gebeten. Sie hat sich für Kinder entschieden. Ich habe davon durch ihre Schwangerschaft erfahren und habe mich in mein Schicksal ergeben. Meine Frau hat mich um Versorgung gebeten (soll heißen, sie hat immer Druck gemacht, dass genügend Geld ins Haus kam), die konnte ich immer liefern.
Aber so sehr Streß in der Kindererziehung liegt, so sehr liegt beispielsweise auch Streß darin, gerade ein Haus gebaut zu haben, im Monat des Einzugs gefeuert zu werden und dann dafür verantwortlich zu sein, wie man an das Geld für Abtrag, Zinsen, Strom und Wasser, Klamotten für die Kinder, Lebensmittel etc. herankommt. Die (nicht abwertend, sondern beschreibend gemeint) schlichte „halbwegs heile Welt“-Vorstellung davon, wie sich einige Leute (etwa Lars Klingbeil) Berufsleben und Ehe vorstellen, prallt stets dann heftig mit der Realität zusammen, wenn man nicht als bescheidener Angestellter im Stzaatsdienst oder in einem Großunternehmen auf halbwegs gesicherte Zustände trifft.
Er hat sich nur in sein Schicksal ergeben und möchte mit den Kosten und Mühen und dem ganzen Ärger bitte weniger belastet sein? Das Kind hier als eine Art Welpe, der nur ins Haus kommt, wenn die Frau sich auch kümmert?
Ich weiß nicht, welche Romane Du liest, aber es waren wohl ein paar kitschige zuviel dabei. Es gibt unendlich viele Arten von Beziehung und von Beziehungskompromissen, von herausforderungen und Lösungen, die Du vielleicht nur vom Hörensagen kennst. Deine Voirstellung von Beziehung, Deine propagierte Lösung ist sicherlich auch dabei, aber eben nicht die einzig gültige.
Ich gehe davon aus, dass zwei Leute ein Kind gezeugt haben und gleichermaßen dafür verantwortlich sind.
Zustimmung. Das gilt für geplante Wunschkinder genauso wie für Überraschungen, Fremdgänge, einseitig geplanten Nachwuchs und alles andere dazwischen. Wenn Du das auch unterschreibst, haben wir Einigkeit.
„die Frau hat mich überredet“ ist hier kein Argument für gar nichts.
Wie gesagt halte ich Deine Wahrnehmung für „idealisiert“. Von „Arzt erklärt Frau fälschlicherweise für unfruchtbar“ über „Pillenversagen“, „misslungene Vasektomie“, „verschwiegenes Fremdgehen“, „Vergewaltigung mit Folgen“ bis hin zu „unbefleckter Empfängnis“ (wenn man den alten Überlieferungen glauben darf) – und das sind nur die unfreiwilligen Abweichungen von der Norm – gibt es mehr als eine Variante, die von Deinem bevorzugten Standard abweicht. Das halte ich nur nachrichtlich hier fest.
Die Karriere der Berufsperson spielt hier keine Rolle.
Ah, damit wäre die „gerechte Vergütung“ für Care-Arbeit daheim / mit Kindern also nicht vom Gehalt des dazugehörigen Mannes abhängig, weder während der Ehe noch nach der Trennung.
Wenn man aber nicht 20 Jahre Vollzeit durcharbeitet, erwirbt man weniger eigene Ansprüche auf Rente zb …
Einverstanden. Doch hätte meine Frau in ihrem Beruf durchgearbeitet (und ich in meinem), hätte sie (wir) weniger als wir heute haben. Nun berechne das mal.
Die Karriere verläuft ja auch anders. Man kann nicht nach 15 Jahren an dem Punkt einsteigen, den man gehabt hätte, hätte man diese 15 Jahre stumpf Vollzeit durchgearbeitet. Selbst eine ALDI-Kassiererin wäre da schon zur Hauptkassenfrau aufgestiegen und hätte drei Benefits mehr gehabt.
Das wusste ich gar nicht, dass man als Aldi-Kassiererin eine „Karriere“ machen kann, die große Rentensprünge bewirkt. Ich dachte immer, ob man Putzfrau, Kassiererin, Sachbearbeiterin etc ist – ist ein Job und keine Karriere; Karriere habe ich immer mit beruflichem Aufstieg verbunden. Aber sei es drum, das ist vermutlich nicht zielführend.
Bleibt die Versorgungsgemeinschaft bestehen, ist alles gut. Wenn nicht, bleibt die Frau ein bisschen auf ihren Einbußen sitzen – jetzt ist Eigenverantwortung gefragt. Sie kann aber nicht an dem Punkt ansetzen, den sie gehabt hätte, hätte sie einfach 15 Jahre Vollzeit gearbeitet. Das Geld und die Ansprüche von damals sind weg und der Startpunkt ist zusätzlich ein ganz anderer. Um diese Lücke geht es mir.
Hm. Wir haben Zugewinngemeinschaft und haben nmit nichts angefangen. Wenn wir uns trennen, ist meine halbe Rente weg, ein Haus geht an die Frau, und wir haben beide deutlich höhere Haushaltskosten – schlecht für die Kinder. Mag sich anders darstellen, wenn man noch nicht in Rente ist. Die wirklich wenigen mir bekannten Fälle haben immer der Frau das gemeinsame Haus gebracht, aber da bin ich keinesfalls Fachmann. Dein Punkt leuchtet mir ein Stück weit ein.
Nein, es geht hier um hypothetische Fälle.
Hätte ich an Deiner Stelle auch geantwortet 🙂
In dem Fall wäre die Frage, wie hätte sich dein beruflicher Lebensweg geändert, wenn du die Careperson gewesen wärst. Der Verdienst ist hier egal. Könnten auch der Müllmann und die Kassiererin sein.
Wir hätten damals auch die Entscheidung treffen können, dass ich in Care-Arbeit gehe. Dann hätten weder meine Frau noch ich Karriere gemacht (meine Frau weiß wirkklich viel wirklich besser als die meisten, aber sie ist nicht besonders geschickt darin, ihr umfassendes Wissen dezent genug zu vermitteln), wir würden immer noch zur Miete wohnen, hätten keine Vorsorge fürs Alter treffen können etc.
Aber wenn Care-Arbeit eine Arbeit ist, für einen Anspruch auf Vergütung besteht, sagst Du trotz allem, dass sich die Höhe der Vergütung nicht aus der Care-Arbeit selbst, sondern nur aus dem einkommen des Mannes ergibt. Den Standpunkt kann man haben, muss man aber nicht.
In meinem Beispiel – das sich auf die finanzielle/zeitliche Seite konzentriert – ist das übrigens ein klarer Nachteil. Hier hat die Frau weiterhin die Care-Arbeit zu tragen. Nur ohne finanzielle Kompensation für sich selbst.
Wie gesagt halte ich Deine Sicht für etwas eingeengt auf eine rein hypothetische Situation.
Und ich hoffe sehr, der Fall, den du gesehen hast, betrifft nicht den Mann, der „sich in sein Schicksal ergeben hat“ bevor ich hier einen frauenrechtlichen Wutanfall bekomme.
Oh, ich würde Euch gerne mal miteinander verkuppeln. Der Mann, den ich meine, hat sich nicht „in sein Schicksal ergeben“, das war eher ich; ich hatte keine Zeit mir über so etwas wie Familienplanung Gedanken zu machen. Ich hatte ein paar sehr anstrengende Jobs, bei denen mich meine Frau genauso wenig unterstützen konnte wie ich sie. Der, den ich meine, ist Beamter. Er hat mit seiner Ex-Frau zwei Kinder. Sie ging fremd, Ehe kaputt, sie hat sich gerächt (wofür auch immer). Seine Vergütung wurde auch 800 Euro netto heruntergebuchst, alles andere ging an sie. Dann hat sie für jede Kleinigkeit der Kinder Ärzte zuhauf konsultiert. Da er als Beamter privatversichert ist, musste er für alles, jedes Rezept, jeden Arztbesuch, erst einmal in Vorkasse gehen. Wurde die Zahlung nicht sofort geleistet, hetzte sie im eine Anwältin auf den Hals, die er laut Gerichtsbeschluss bezahlen musste, weil seine Ex kein eigenen Einkommen hat (diese Entscheidung fiel, bevor der Unterhalt festgelegt wurde, und wurde danach nicht mehr geändert). Da sie darüber hinaus versucht hat, auch einen Teil der 800 Euro verpfänden zu lassen, vermerkte der Arbeitgeber in seiner Akte einen Pfändungsversuch wg. ausbleibender Unterhaltszahlungen. Danach hat sich fast 20 Jahre lang in seiner Karriere nichts mehr bewegt. Ehe ich es vergesse – sie hat einen Haufen Mist erzählt, alle Kommunkationsversuche unterbunden, um dann den Kindern zu erzählen, dass ihr Vater nichts von ihnen wissen will. Alle Entscheidungsträger über 20 Jahre lang waren Frauen, die jeder Richter nur auf den ersten dicken roten Knopf drücken, der ihnen unterkommt – in diesem Falle „Mann“. Und er konnte nichts ändern, weil er bis zur Volljährigkeit der Kinder kein Geld dafür hatte. Seine Ex wohnt seit vielen mit ihrem Lover seit Jahren im ehemals gemeinsamen Haus, aber sie hat nicht geheiratet, solange sie Anspruch auf Unterhalt hatte. Ist sicherlich nicht der Standard, aber auch kein Einzelfall – Arschlöcher gibt es auf beiden Seiten.
Aber das wäre genau der Richtige, um Dir einen sehr kompetenten und gut dokumentierten Vortrag über die missachteten Rechte von Männern zu halten
http://www.blauerweihnachtsmann.de/
„…ich kenne aber auch keinen Mann, bei dem die Frau ihren Kinderwunsch offiziell angekündigt hatte und beide zielstrebig anfingen, darauf hinzuarbeiten.“
Das finde ich ja nun sehr schräge. Wie soll es denn sonst gehen? Wenn ein Pärchen Kinder haben möchte, muss es die Verhütung unterlassen. Haben die Frauen in Ihren Fällen einfach die Pille abgesetzt ohne es dem Mann zu sagen?
@ destello
Ich hatte das schon ein bisschen ausführlicher ausgeführt. In meinem Fall wurde die beste Freundin meiner Frau schwanger, und als wir bei einem Schaufensterbummel an einem Kinderwagengeschäft vorbeikamen und meine Frau überlegte, welchen Art von Kinderwagen sich ihre Freundin wohl holen werde, habe ich mich schon gefragt, woher dieses spontane Interesse rührt.
Ein direktes Gespräch nach dem Motto „ich will ein Kind“ gab es nicht. Aber wie an anderer Stelle geschrieben war mir das damals egal.
PS: Durch meine beruflich bedingten ständigen Umzüge kenne ich nicht wirklich viele Menschen; meist am jeweiligen Wohjnort Nachbar links, Nachbar rechts, und nach dem Umzug sind die wieder weg. Ist deswegen auch klar als anekdotische Aussage gekennzeichnet.
Na ja, zwischen „beide liessen der Natur wissentlich freien Lauf“ und „beide haben den Kinderwunsch ausdiskutiert und danach gemeinsam entschieden“ liegt ein breites Band und bei Menschen meines und Erwins Alter war das erste durchaus nach meiner ebenso anekdotischen Erfahrung nicht selten.
@E. G.
„dass es Besserverdienende gibt, die ihren Anteil nicht zahlen.“
Wenn das „Sozialneid“ ist, dann ist es die Kritik an den „Privilegien“ der Beamten auch, und wir können sie gelassen an uns abtropfen lassen. (Deren Schattenseiten hast Du gerade eindrucksvoll geschildert).
Wer bezahlt denn die Beamtenprivilegien? Die werden doch nicht am Markt durch freie Entscheidungen der Akteure verdient. Das sehen wir doch gerade wieder in der Diskussion um den steuerfreien Bonus. Die Politik tut sich ziemlich leicht zu entscheiden, dass ihre Beamten den Bonus bekommen. Finanziert wird das Ganze dann durch Anziehen der Steuerschraube und höhere Schulden. Das sind Wege, die Unternehmen und Bürgern nicht zur Verfügung stehen.
Das sind keine Privilegien, die sind durch zahlreiche BVerfG-Urteile und die Verfassung so festgelegt. Wenn das Argument für Ehegattensplitting und Dienstwagen gilt, dann auch hier. Du Verfassungsfeind! 😛
Auch wenn Du es mit Ironie versuchst, es ist falsch.
1. Über das Ehegattensplitting hat Karlsruhe mehrmals wortwörtlich – das heißt, sie haben das Wort benutzt und es negiert – gesagt, das Ehegattensplitting sei keine Subvention.
2. Bei den Begünstigungen handelt es sich explizit um solche, allerdings verfassungsrechtlich gedeckt. Achte auch die Worte.
3. Ich wusste bisher nicht, dass Dienstwagen Gegenstand eines verfassungsrechtlichen Rechts wären.
@ Stefan Sasse 20. April 2026, 09:21
… Dienstwagen …
Ist Teil der Vergütung und wird als solcher versteuert.
Ich habe beispielsweise 32 Urlaubstage im Jahr, darf keinen Urlaubstag und keine Überstunde mit ins neue Jahr nehmen, und bekomme weder Weihnachts-/Urlaubsgeld noch Dienstwagen. Bei einem anderen Arbeitgeber hatte ich einen Dienstwagen, aber weniger Urlaub, und Überstunden wurden gleich gar nicht berücksichtigt.
Der Unterschied zwischen mir und einem Beamten ist: Was immer ich an Vergütung erhielt, war nur ein Teil dessen, was ich hereinverdient habe. Nun, Du verdienst prinzipbedingt nichts herein, wir vergleichen hier also ein Stück weit Äpfel mit Birnen.
Aber die extremen Aufwendungen für Gesundheit und Altersvorsorge, die der Staat (also auch ich, aber nicht Du) für Beamte und Pensionäre aufwendet, mit einem Dienstwagen zu vergleichen, den ich versteuern muss und dessen Kosten ich selbst verdiene, ist schon schräg.
Der Vergleich bezog sich auch nicht darauf, sondern auf die Privilegiendebatte.
@ CitizenK 19. April 2026, 21:17
Wenn das „Sozialneid“ ist, dann ist es die Kritik an den „Privilegien“ der Beamten auch, und wir können sie gelassen an uns abtropfen lassen. (Deren Schattenseiten hast Du gerade eindrucksvoll geschildert).
Ja, nee, is‘ klar. Trump lügt und ist korrupt, aber Joe Biden hat auch gelogen und war korrupt. Ist alles das Gleiche …
🙂
Der Staat schiebt alle Nicht-Arbeitenden in das GKV-System, zahlt aber keine angemessenen Beiträge. Die Differenz beträgt 8 bis 10 Mrd. Euro, die Arbeitnehmer und Arbeitgeber zusätzlich zu ihren eigenen Gesundheitskosten zu erbringen haben.
Für Beamte und Pensionäre liegen die jährlichen Gesundheitskosten (über das hinaus, was Beamte und Pensionäre selbst leisten) bei etwa 80 bis 90 Mrd. Euro. Für aktive Beamte samt Familienbeihilfen kommen da (rein statistisch betrachtet) zwischen 8.000 und 14.000 Euro pro Jahr zusammen, für Pensionäre etwa 40.000 bis 50.000 Euro pro Jahr (Tendenz stark steigend).
Der durchschnittliche Zuschuss, den GKV-Zahler für Nicht-Versicherte (außerhalb der Familie) aufbringen müssen, liegt im Durchschnitt bei etwa 200 Euro pro Jahr.
Ist aber alles das Gleiche. Kann man gelassen abtropfen lassen. Verstehe …
Also doch Sozialneid: Du neidest mir meine Rente (aka: Pension) und meine Gesundheitsversorgung. Das allerdings mit einer unzutreffenden Begründung: Hab hier schon mehrfach zugestimmt, dass die GKV-Kosten der Bürgergeldempfänger aus Steuern (also auch von mir ) nicht von den GKV-Beitragszahlern gezahlt werden müssten.
„Alles das Gleiche“? Anne Brohilker schätzt die Steuerausfälle aus dem organisierten (!) Steuerbetrug auf 100 Mrd. pro Jahr. Dazu kommt von euch Beamten-Kritikern nie etwas.
Diese Pension muss von Leuten wie Erwin aufgebracht werden, ohne dass er sich je dagegen hätte wehren können. Und die Interpretation, was genau angeblich laut Grundgesetz Beamten zusteht, kommt auch von Beamten. Pensionen werden wie Beamtengehälter nicht verdient, sondern zuerkannt. Das ist ein gravierender Unterschied.
Wer ist Anne Brohilker? Eine Wissenschaftlerin oder eine Aktivistin? Was immer in solchen Debatten verschwiegen wird: Vier von fünf hinterzogenen Steuer-Euro errechnen sich aus der Schwarzarbeit, wenn angeblich so mittellose Bürgergeldempfänger sich in ihrer üppigen Freizeit ihr Einkommen weiter zulasten der Allgemeinheit aufbessern und auch Leuten wie mir ein zweites Mal eine lange Nase drehen. Doch dazu sagen die Steuerhinterziehungskritiker nie etwas.
Ich bringe gerade das Geld für den Tankrabatt auf, ohne mich dagegen wehren zu können.
Wo warst Du, als die nationale CO2-Steuer Anfang des Jahres um diesen Betrag angehoben wurde? Ich habe nix gefunden, wo Du Dich über die Zusatzbelastung von Autofahrern mokiert hast. Wenn das Eine einRabatt ist, dann ist das andere doch eine Belastung. Warum behandelst Du es so unterschiedlich?
Hab ich nicht mitbekommen.
Okay, dann nimm es so hin, dass der Tankrabatt kein Rabatt ist, sondern die vorläufige Aussetzung der Steuererhöhung vom 01.01.