Rezension: Bill Watterson – Calvin and Hobbes Complete Edition

Bill Watterson – Complete Calvin&Hobbes Complete Edition (Hardcover) (Paperback)

Calvin and Hobbes ist zwar vielleicht nicht der berühmteste, aber wohl einer der einflussreichsten Comic-Strips, die je in US-Zeitungen erschienen sind. Zwischen 1985 und 1995 (eine vergleichsweise kurze Zeit für einen solchen Strip) erschien er wöchentlich und zog ein großes Publikum an. Ich hatte bisher keinen großen Bezug dazu. Einzelne Strips oder sogar nur Panels tauchten immer wieder in meinem Orbit auf, als Memes oder auszugsweise in der Timeline. Aber ich hatte mich nie groß damit beschäftigt. Ich hatte es aber immer auf der (stets zu langen) To-Do-Liste, und dieses Jahr habe ich mich entschlossen, diese Bildungslücke endlich zu füllen und meine Comicsammlung mit einer Calvin&Hobbes-Gesamtausgabe zu bereichern.

Ich muss sagen, es war die nicht ganz günstige Anschaffung wert. Ich habe die Strips überwiegend sehr genossen, und das nicht auf diese „milde amüsiert sein“-Art, wie sie etwa „Garfield“ oder „Baby Blues“ oder was der zahlreichen sonstigen Erzeugnisse der funny pages mehr sind. Stattdessen bietet Calvin&Hobbes meist einen feineren Humor, wenngleich nicht alle Strips diesbezüglich gleich zu betrachten sind.

Worum geht es?

Calvin ist ein sechsjähriger Junge, der davon überzeugt ist, dass sein Lieblingskuscheltier, ein Tiger namens Hobbes, lebendig ist. Er ist sein bester Freund und begleitet ihn fast überall hin (außer in die Schule) und dient meist als teils ironischer, teils auch sardonischer Kommentator des Geschehens. Die Strips folgen einige Leitmotiven, die immer wieder auftauchen und häufig in eine Woche umspannenden Mini-Serien verfolgt werden. Sie folgen dabei den realen Jahreszeiten; Strips, die im Dezember erscheinen, thematisieren Weihnachten, und so weiter.

Die Strips umfassen genretypisch ein sehr überschaubares Repertoire an Charakteren. Calvins namenlose Eltern (Hausfrau und als Patentbeamter arbeitender Vater), den Babysitter Rosalyn, das Nachbarsmädchen Susie, der Schulhofschläger Moe, die Lehrerin Mrs. Wormwood. Die Mehrzahl der Strips enthält auch nur Calvin und Hobbes selbst. Immer wiederkehrende Motive sind Moes Angriffe auf Calvin, Calvins geistige Abwesenheit im Unterricht, sein Terror gegen den Babysitter, sein nie endender Kampf gegen Susie (einerseits, weil sie ein Mädchen ist, andererseits, weil sie sein Spiegelbild ist – gut in der Schule und brav) und seine nie endenden Versuche, nur von Fastfood zu leben und seine Bettgehzeit zu verlängern und sich gegen das Baden zu wehren.

So weit, so normal. Wer aber Comic-Strips haben will, die lustig „die Realitäten“ des Elternseins und der Existenz junger Kinder aufs Korn nehmen (sie wollen nicht schlafen, hohoho), der ist mit Formaten wie „Baby Blues“ bestens bedient. Zwar gibt es das auch gelegentlich bei Calvin&Hobbes. Aber der Comic hat seine Beliebtheit und Berühmtheit nicht deswegen erlangt, weil er eben diesen harmlosen Humor bedient, sondern weil er tiefgründiger arbeitet.

Ein immer wiederkehrendes Leitmotiv etwa ist Kritik an Kunst und Geisteswissenschaft, die Watterson gerne durch einen parodisierenden Calvin aufs Korn nimmt. Über den wohl berühmtesten Strip mit diesem Thema hatte ich übrigens auch meinen Erstkontakt mit dem Comic. Auch den schwarzen Humor bedient Watterson gerne. Jeden Winter baut Calvin (unrealistisch) elaborierte Schneemänner, die von existentialistischem Nihilismus zu Anspielungen auf die französische Revolution über solchen auf Katastrophenfilme alles beinhalten. Einige Konzepte des SciFi oder der Philosophie werden über Calvins Spiel mit Kartons, die alle möglichen fantastischen Maschinen darstellen, thematisiert. Das Spiel „Calvinball“, bei dem Calvin und Hobbes die Regeln on the fly verändern und dessen einzige Regel ist, dass keine Regel zweimal hintereinander angewendet werden darf, führt zu den absurdesten Ergebnissen, ebenso ihr selbstgegründeter Club G.R.O.S.S. (Get Rid Of Slimy Girls), der die Meetingkultur aufs Korn nimmt. Visuell am berühmtestens sind vermutlich die Wagen- oder Schlittenfahrten, in denen Calvin und Hobbes irgendwelche Abhänge hinunterrasen und währenddessen irgendwelche philosophischen Konzepte diskutieren. Zuletzt genannt werden sollten noch die Alter Egos Calvins, etwa Spaceman Spiff, aus dessen Perspektive er seine großen Gegner (Schule und häusliche Pflichten) als gefährliche Planeten fasst, Tracer Bullet, ein Noir-Privatdetektiv, der zum Einsatz kommt um seine Untaten zu verdecken, und Stupendous Man, ein Superheld, der zuverlässig nicht in der Lage ist, Calvin aus brenzligen Situationen zu holen, sondern diese ebenso zuverlässig verschlimmert.

Es ist schwierig, in einer Besprechung wie dieser den eigentlichen Reiz der Comic-Strips zu erklären, denn diese liegt jenseits der reinen Motive und Ploterklärungen. Was mich anzieht ist vor allem die Sprache. Das Vokabular, das Calvin benutzt (und nur er), ist geradezu lächerlich anspruchsvoll. Der Clou ist, dass dieses Vokabular mit der Geisteswelt und dem Horizont eines Sechsjährigen kombiniert wird: Calvin versteht die Welt aus der Sicht eines Kindes, aber er fasst seine Erkenntnisse in das Vokabular eines wohl gebildeten Erwachsenen. Allein aus diesem Gegensatz entstehen wundervollste Kombinationen und viel subtiler, feinsinniger Humor.

Gleichzeitig ist Calvin&Hobbes aber auch ein Blick in die 1980er und 1990er Jahre. Wenig überraschend ist das stark veraltete Geschlechterbild; Calvins Mutter ist eine klassische Hausfrau, sein Vater kann es oft kaum erwarten zur Arbeit zu gehen um dem Stress von zuhause zu entkommen und beteiligt sich null an der Hausarbeit, und so weiter und so fort. Das wird auch von Calvin selbst weder wahrgenommen nocht kritisiert, was angesichts seiner sonstigen Perzeptionsfähigkeiten eine auffällige Leerstelle darstellt. Auch ist das gesamte hier zur Schau gestellte Amerika weiß und suburban, was für das Genre wahrlich keine Ausnahme darstellt, aber ebenfalls nicht ohne seine Probleme ist und von Calvin ebenfalls nie thematisiert wird.

Auffällig für mich war aber der Umgang mit Freizeit und Erziehung, wie er dargestellt wird. Nicht nur verfügt Calvin über gewaltige Zeiten für freies Spiel in der Natur, diese werden auch exzessiv genutzt – und zwar in einem großen örtlichen Radius. Bedenkt man, dass Calvin gerade einmal sechs Jahre alt ist, ist die zur Schau gestellte „geh raus zum Spielen“ und seine Reichweite für solches Spiel, ebenso das genutzte Spielgerät, beachtlich. Natürlich wird das für den Strip deutlich übertrieben, aber Watterson fand es offenkundig nur eine Überzeichnung, während es aus heutiger Perspektive keinen Bezug mehr zur Realität hat. Gleiches gilt für die Erziehungsmethoden. Das Verhältnis zwischen Calvin und seinen Eltern einerseits und seinen Autoritätspersonen (Mrs. Wormwood und Rosalyn) andererseits ist sehr viel konfrontativer, als das aus heutiger Perspektive der Fall wäre.

Aus der Meta-Perspektive betrachtet ist es so eine Merkwürdigkeit, dass das Format des wöchentlichen Comicstrips es nie nach Deutschland geschafft hat. Deutschland ist generell kein fruchtbarer Boden für Comics – letztlich kommt kein einziger kulturell relevanter Comic von hier, wir importieren alles aus Dänemark und Italien (Lustige Taschenbücher), Frankreich und Belgien sowie den USA. Aber meines Wissens nach sind auch Comic-Strips keine feste Größe in deutschen Zeitungen und auch nie gewesen. Ich glaube, das sagt etwas über unsere Kultur aus, aber ich bin nicht ganz sicher, was.

{ 49 comments… add one }
  • derwaechter 18. März 2022, 09:44

    Calvin und Hobbes auch mein Favorit.

    Die relativ geringe Bekanntheit kommt wohl auch daher, dass der Autor sich immer vehement gegen Merchandising gewandt hat, obwohl er damit wahrscheinlich ordentlich hätte verdienen können. https://calvinandhobbes.fandom.com/wiki/Licensing

    Interessante Beobachtung mit dem Mangel an Comicstrips in deutschen Zeitungen.
    Ich kann mich auch erinnern wie ich die in englischen Zeitungen immer gerne gelesen habe wenn ich mal eine in der Hand hatte. Damals als man dafür noch auf Reisen oder in die Bahnhofsbuchhandlung gehen musste…

    Norwegischen Tageszeitungen haben auch richtig viele davon. Gerne um die 5 verschiedenen Serien gleichzeitig und täglich. Die meisten davon aus Norwegen oder Skandinavien und viele Figuren sind richtig bekannt.

  • Sebastian 18. März 2022, 10:04

    Der hier ist eine meiner Lieblingsepisoden.

    Für Deutschland fallen mir ad hoc nur die noch recht jungen Känguru-Comics ein.

    • derwaechter 18. März 2022, 10:33

      Es gibt noch ein paar andere aus Deutschland, auch solche die regelmäßig in Zeitungen erscheinen. Aber es sind in der Regel nicht Serien mit festen Charakteren und Geschichten sondern eher Satire und Witze o.ä. Gar nicht schlecht, aber halt etwas anderes.

      Eine interessante Auswahl habe ich hier gefunden:
      https://learnoutlive.com/learn-german-comics-classics-webcomics/

  • Thorsten Haupts 18. März 2022, 12:19

    Aber meines Wissens nach sind auch Comic-Strips keine feste Größe in deutschen Zeitungen und auch nie gewesen.

    Yup. Die wirklich reichhaltige und inzwischen zum Teil auch sehr anspruchsvolle Comic-Kultur (das Malen des späten 20. Jahrhundert) lernte ich erst über Belgien- und Frankreichaufenthalte kennen, das ist in Deutschland eine Leerstelle. Das passt schon – auch anspruchsvolle Filmunterhaltung für die Massen (Filme, die man gedankenlos geniessen kann, wenn man will, die aber trotzdem eine klare ethische Botschaft oder interessante gesellschaftliche Konflikte transportieren) ist nicht wirklich Deutschlands Stärke. Freundlich formuliert.

    Gruss,
    Thorsten Haupts

    • Stefan Sasse 18. März 2022, 14:42

      In Deutschland darf Kunst keinen Spaß machen. Das ist ein ehernes Gesetz.

      • derwaechter 18. März 2022, 16:05

        Na ja. Loriot, Max Goldt, Robert Gernhardt, Bernd Pfarr, Hans Traxler , Wilhelm Busch (nur um mal schnell eine wilde Mischung aus denen die mir spontan einfallen zu nennen) würden dir da durchaus widersprechen.
        Überhaupt gibt es mit Dadaismus und der Neuen Frankfurter Schule mindestens zwei deutsche Kunstrichtungen die Spaß machen. Gibt bestimmt noch mehr, die ich nur nicht kenne.

        • Stefan Sasse 18. März 2022, 16:41

          Ich glaube auch dir ist klar dass das eine Zuspitzung war. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel.

          • derwaechter 18. März 2022, 18:30

            Jein. Du sagst ja schon, dass Deutschland in der Kunst besonders (wenn auch nicht ausschließlich) ernst sei.
            Ich bin da gar nicht so sicher. Auch im Ausland ist die Kunst ja nicht unbedingt als Hort der Witzigkeit bekannt. Kunst die Spaß macht ist wohl überall (in der westlichen Welt) eher Ausnahme von der Regel.

            • Stefan Sasse 19. März 2022, 11:03

              Die Abscheu der deutschen Bildungsbürger*innen vor Comics, TV, Filmen, Videospielen etc. ist schon sehr deutsch.

              • Thorsten Haupts 19. März 2022, 13:29

                Yup. Es ist diese Ablehnung in der Breite. Ich hatte genühend Besucher meiner Wohnung, die ihre Schwierigkeiten klar ausgedrückt haben, die beobachtete Zahl der Bücher mit der der Spiele geistig zu vereinbaren.

                Gruss,
                Thorsten Haupts

              • derwaechter 19. März 2022, 14:15

                Das kann gut sein. Das würde ich jetzt allerdings nicht unbedingt unter Kunst subsumieren.

                Ich lass Mal einen (aus heutiger Sicht) lustigen Link hier. Timeline of the anti comics movement of the 1940 and 50s 🙂
                http://www.lostsoti.org/timeline.htm

                Oder hier aus UK
                Anti-TV guerrillas wield their new zapper
                https://www.theguardian.com/technology/2005/apr/25/media.broadcasting1

                😉

                • Derwaechter 19. März 2022, 17:23

                  Aus meiner persönlichen Erfahrung heraus stehen gewisse Comics wie Asterix, Lucky Luke, Tintin oder Donald Duck (vielleicht wegen Erika Fuchs?) bei Bildungsbürgern eigentlich Recht hoch im Kurs. Superhelden Comics und so eher nicht und Zeichentrick im TV erst Recht nicht.
                  Ist aber nun auch schon einige Jahre jer, dass ich das unmittelbar mitbekommen habe.

                  • Stefan Sasse 19. März 2022, 18:45

                    Aber nicht als Kunst. Die Vorliebe für Asterix und Co ist nostalgische Kindheitserinnerung üblicherweise, und während ich gerne ein Hoch auf Erika Fuchs ausspreche, so ist sie abseits der Donaldisten glaube ich auch weitgehend unbekannt.

                    • derwaechter 19. März 2022, 19:54

                      Nein, nicht als „Kunst“ sondern wertgeschätzt generell.

                      Nostalgie ist glaube ich global einer der wichtigsten Treiber, z.B. hinter der ganzen Superhelden Welle und der x-ten Batman, Superman und sonst was Verfilmung.

                      Erika Fuchs ist als Person nicht bekannt, aber ihre Art der Übersetzung wirkt ja auf den Leser, ohne dass man sie als Person kennt.
                      Ich habe auch erst viel später zufällig (vermutlich zu ihrem Tod) davon gelesen, wer sie war und welchen Einfluss sie auf die deutsche Version hatte.

                    • Stefan Sasse 20. März 2022, 09:10

                      Ja, aber darum geht es mir ja nicht.

                      Nostalgie – Definitiv. Nichts treibt die Branche gerade mehr.

                      Völlig richtig. Ich habe dieses Buch über sie und ihre Übersetzung gelesen (Wie Enten hausen, http://www.deliberationdaily.de/2018/09/buecherliste-2017-18/), das war dafür ziemlich erhellend.

                    • derwaechter 20. März 2022, 12:36

                      Ich dachte schon, das war ja eine Antwort auf dein Statement deutshe Bildungsbürger hatte Abscheu ggü u.a. Comics.

                      Haben wir wohl aneinander vorbeigeredet.

                    • Stefan Sasse 20. März 2022, 13:14

                      Kommt vor.

                • Stefan Sasse 19. März 2022, 18:43

                  Das kann gut sein. Das würde ich jetzt allerdings nicht unbedingt unter Kunst subsumieren.

                  Genau das ist das Problem.

                  • derwaechter 19. März 2022, 20:07

                    Warum das denn?

                    Also TV und Videospiele oder Comics per se als „Kunst“ zu definieren verwässert den Begriff doch arg. Das macht doch auch im Ausland keiner.
                    Nicht umsonst gibt es ja die Kategori Art Film bzw Art House

                    Moorhuhnschießen und GNTM sind vieles, aber keine Kunst
                    Und die „Abscheu der Bildungsbürger“ die du oben erwähnst bezieht sich auch eher nicht auf Arte oder das Programmkino.

                    • Thorsten Haupts 19. März 2022, 21:06

                      Nein, aber auf jeden populären Hollywood-Film. Kunstbanausen halt :-).

                    • Thorsten Haupts 19. März 2022, 21:18

                      Und ich bezweifle ernsthaft, dass dem deutschen Feuiellton Nie:Automata oder TW:Shogun als Beispiele für Kunst im Spiel überhaupt einfallen würde.

                    • Stefan Sasse 20. März 2022, 09:11

                      Genau das meine ich.

                    • derwaechter 19. März 2022, 23:29

                      An der FAZ ist es nicht vorüber gegangen
                      https://m.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/nier-replicant-interview-mit-dem-spieleentwickler-taro-yoko-17306967.html

                      Die SZ bezeichnet einen anderen Entwickler als Tarantino seiner Branche https://www.sueddeutsche.de/digital/hideo-kojima-death-stranding-metal-gear-games-gamescom-1.4569439?fbclid=IwAR0KCwxlyUkAPt1viakYJR9Ng9NOK_X5gYs7ea8wRyi-bRTLTuZl8SjOic8

                      Und unter dem Titel: Computerspiele
                      „So wertvoll wie Filmkunst“ lese ich bei Deutschlandfunk übrigens dass „sich auch die Einstellung der Feuilletons zu Computerspielen geändert. Als vor ein paar Jahren der letzte Ableger des Spiels „Doom“ auf den Markt kam, sei dies der „Süddeutschen Zeitung“ eine komplette Zeitungsseite wert gewesen“
                      https://www.deutschlandfunkkultur.de/computerspiele-so-wertvoll-wie-filmkunst-100.html

                      Ich, als an Computerspielen nicht interessierter Zeitgenosse, kenne die ganze sind Computerspiele Kunst Diskussion überhaupt nur aus dem Feuilleton bzw. Kulturjournalismus.

                    • Stefan Sasse 20. März 2022, 09:15

                      Eine Schwalbe macht da noch keinen Sommer, sorry. Als jemand, der da berufsmäßig damit zu tun hat, kann ich dir sagen, dass es da praktisch keinen Fortschritt gibt.

                    • Thorsten Haupts 20. März 2022, 01:37

                      Danke. Was dazugelernt.

                      Ist halt der Nachteil, wenn man seit 2010 das Zeitunglesen weitgehend eingestellt hat.

                      Gruss,
                      Thorsten Haupts

                    • derwaechter 20. März 2022, 08:58

                      „ist halt der Nachteil, wenn man seit 2010 das Zeitunglesen weitgehend eingestellt hat.“

                      Auf jeden Fall dann, wenn man gleichzeitig über sie urteilen möchte 🙂

                    • Stefan Sasse 20. März 2022, 09:10

                      Ich sag ja auch nicht dass alle Videospiele Kunst seien, das ist doch Quatsch. Ich sage, dass es für die deutsche Kulturszene unvorstellbar ist, dass sie es überhaupt sein könnten.

                    • Tim 20. März 2022, 20:03

                      @ derwaechter

                      Also TV und Videospiele oder Comics per se als „Kunst“ zu definieren verwässert den Begriff doch arg.

                      Es ist unmöglich, den Kunstbegriff zu verwässern, denn es gibt nichts Beliebigeres als „Kunst“. Kann alles und nichts sein. Es gibt heute sogar schon Spaßvögel, die ganz bewusst das als Kunst betrachten, was explizit keine Kunst sein soll.

                      Darum meine Lieblingsdefinition von Kunst: Kunst ist das, was die Frage aufwirft, ob es Kunst ist. 🙂

                    • Stefan Sasse 20. März 2022, 22:07

                      Nett, aber nein 😀

      • Floor Acita 19. März 2022, 16:21

        Richtig, sonst ist es keine „echte Kunst“. Paradoxerweise besteht „German Cinema“ dagegen vor allem aus, nicht notwendigerweise als zu anspruchsvoll verschrieenen, Komödien…

        • Stefan Sasse 19. März 2022, 18:44

          Ich weiß schon warum ich so wenig deutsche Filme schaue…

        • Thorsten Haupts 19. März 2022, 21:19

          Es gibt einen einzigen 100% sicheren Kontraindikator für „guten Film“: Wurde von der deutschen Filmförderung finanziert :-).

          • Stefan Sasse 20. März 2022, 09:11

            Lauf so schnell du kannst.

            • derwaechter 20. März 2022, 15:09

              So wie Lola?

              • Stefan Sasse 20. März 2022, 18:37

                Sagte ich schon dass Ausnahmen die Regel bestätigen? Außerdem war das doch offensichtlich ein Witz. Es ist ziemlich ermüdend, ständig den Faktenchecker nebenherlaufen zu haben.

                Was nicht heißt, dass es falsch ist 😉

          • Floor Acita 20. März 2022, 09:17

            Das sind die Kommentare für die es auf diesem blog einen Like bitton bräuchte 🙂

        • derwaechter 20. März 2022, 16:44

          Das sind ja schon 3 Schwalben und es gibt viele mehr. Ein ganzer Schwarm.

          Die Dritte ist ein Interview mit jemanden der sich auch beruflich und privat mit Gaming beschäftigt und eben die Entwicklung im Feuilleton sieht die ich zitiert habe.
          Da steht Aussage gegen Aussage 🙂

          „Ich sage, dass es für die deutsche Kulturszene unvorstellbar ist, dass sie es überhaupt sein könnten.“

          Dass die vielleicht nicht den Stellenwert haben den Du Dir wünscht, ok.
          Aber so absolut ist das nicht haltbar.

          Es dauert keine 2 Minuten und man findet einen Haufen Ausstellungen. Und zwar z.T. schon von vor einigen Jahren

          https://zkm.de/de/ausstellung/2016/04/zkmgameplay

          https://www.deutschlandfunkkultur.de/ausstellung-radical-gaming-in-basel-mehr-als-kampf-und-100.html

          https://museumulm.de/ausstellung/obumbro-schattenkunst-computerspiel/

          „Spätestens seit das New Yorker Museum of Modern Art vor wenigen Jahren ausgewählte Beispiele in seine Sammlung aufgenommen hat, darf das Computerspiel zum Kanon der Kunstgeschichte gezählt werden – als neue Kunstform.

          Die Ausstellung im Museum Ulm baut auf dieser Entwicklung auf und will das Computerspiel erstmals in seiner medialen Einzigartigkeit und ästhetischen Bedeutsamkeit begreifen. Zu diesem Zweck wird mit der Figur des Schattens ein besonderer Aspekt freipräpariert, der das Computerspiel mit den Anfängen unserer Kultur verknüpft – mit Kunst, Philosophie und Religion.“

  • Dobkeratops 18. März 2022, 13:46

    Die Gesamtausgabe hatte ich mir vor ein paar Jahren auch mal gegönnt, zusammen mit der nicht minder famosen Gesamtausgabe von Gary Larsons The Far Side. Im Moment sammle ich an der Peanuts-Werkausgabe, aber das wird wohl noch ein bisschen dauern, bis ich da alle Bände zusammen habe.

    Watterson ist letztlich auch der Einzige, der dem großen Charles M. Schulz das Wasser reichen kann. Zwar haben deren Strips inhaltlich wenig Überschneidungen, sie ähneln sich aber stark im Erwachsenen-Blick aus der Kinderperspektive und darin, wie ernst sie ihre Protagonisten nehmen.

    Da du das Original erwähnt hattest: Garfield minus Garfield lohnt einen Blick, und hat sogar Jim Davis‘ offiziellen Segen.

    • Stefan Sasse 18. März 2022, 14:44

      Peanuts ist ja so dermaßen viel, das versuche ich erst gar nicht. 😀

  • cimourdain 18. März 2022, 17:36

    Hier sind alle C & H Strips archiviert:
    https://www.gocomics.com/calvinandhobbes/2022/03/18

    • derwaechter 19. März 2022, 07:55

      Danke!

  • Mathias 18. März 2022, 19:54

    Danke für die Rezension. Calvin und Hobbes gehört aus genau den von dir beschriebenen Gründen zu meinen Lieblingscomics.

    Als deutscher, in einer deutschen Zeitung erschienener Comic fällt mir „Im Museum“ ein, was vor einigen Jahren WIMRE täglich in der FR erschienen ist. Hat offensichtlich nie die Bekanntheit eines C&H erreicht (und hat einen völlig anderen Stil), hat mich aber ebenfalls gut und anspruchsvoll unterhalten.

  • Tim 19. März 2022, 07:59

    Merci für die Rezension. C&H hat mich nie wirklich gepackt, aber ich vielleicht schaue ich mir die Gesamtausgabe doch mal an.

    Ich glaube, das sagt etwas über unsere Kultur aus, aber ich bin nicht ganz sicher, was.
    Deutschlands Kulturproduktion findet generell auf einem recht niedrigen Niveau statt, das ist ja nicht auf Comics begrenzt. Literatur, Musik, Theater oder gar Film sind im Vergleich zur englischsprachigen Welt ziemlich schwach aufgestellt, sind es aber auch schon seit langer Zeit. Zum Teil liegt dies sicher am überwältigenden Einfluss der totsubventionierten Großkultur, zum anderen aber wohl auch einfach am Bildungssystem. Deutsche Schulen waren nie stark darin, individuellen Ausdruck zu fördern, das muss sich ja irgendwie bemerkbar machen.

    Selbst bei Comics gibt es aber Leuchttürme. Schau Dir doch mal Uli Oesterles „Hector Umbra“ an – für mich einer der ganz großen Comics der letzten 20 Jahre:
    https://www.amazon.de/Hector-Umbra-Uli-Oesterle/dp/3551748683

  • Marc 19. März 2022, 11:39

    Der Clou ist, dass dieses Vokabular mit der Geisteswelt und dem Horizont eines Sechsjährigen kombiniert wird: Calvin versteht die Welt aus der Sicht eines Kindes, aber er fasst seine Erkenntnisse in das Vokabular eines wohl gebildeten Erwachsenen. Allein aus diesem Gegensatz entstehen wundervollste Kombinationen und viel subtiler, feinsinniger Humor.

    Bei C&H geht es viel um das Erwachsenwerden. Werte und Überzeugungen werden in angemessener Sprache formuliert, ihrem Wesensgehalt wird aber auf den Grund gegangen, indem sie durch die Augen eines Kindes betrachtet werden. Mit diesem Kniff wird dem ganzen üblichen verbalen Aufbauschen von Banalitäten die Luft heraus gelassen, allein dadurch, dass sie der kindlichen Phantasie und Kreativität gegenüber gestellt werden.

    Eines der Hauptthemen ist daher für mich, der Kampf von Phantasie und Kreativität, der im Zuge des Erwachsenwerdens von Ratinolität und Banalität gewonnen wird.

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