Generalverdacht „Meinungs-Mache“: Wie die NachDenkSeiten billige Ressentiments bedienen

Am 21. September dieses Jahres, am Tag vor der Bundestagswahl, wird, so haben es die Movers and Shakers  im Hause Springer entschieden, mal wieder eine Gratis-BILD an alle Haushalte verteilen werden. „Die ‚Bild zur Wahl‘ – so der offizielle Name – soll aktuelle politische Zusammenhänge beleuchten, Wahlprogramme der Parteien hinterfragen, die Kanzlerkandidaten vorstellen und die wichtigsten Umfragen analysieren“, berichtet Meedia.

Das wird, vorsichtig formuliert, interessant, und ist jetzt schon Grund genug für Jens Berger, eine gefährliche und potentiell wahlentscheidende Manipulation durch den Springerverlag zu vermuten: „Die ‚BILD zur Wahl‘  [greift] sprichwörtlich in letzter Minute direkt auf die Wahlentscheidung der Bürger [ein]“, so Berger. Diese Einschätzung ist wenig überraschend, erscheinen doch auf den NachDenkSeiten fast täglich neue Artikel über „Meinungs-Mache“ und  „Manipulation“ durch die  Massenmedien. Doch es wird Zeit, dass das populäre Blog diese Begriffe mitsamt ihrer Implikationen endlich über Bord wirft. Sie bedienen nur noch  Ressentiments und haben mit Nachdenken nicht viel zu tun.

Die  Aktion der BILD hat ja durchaus ein Geschmäckle: Einen Tag vor der Wahl, ein solch meinungsstarkes Medium, an fast alle Wahlberechtigten? Man kann nur ahnen, wie die inhaltliche Ausgestaltung der Ausgabe wohl ausfallen wird. „Bild ist für pointierte politische Kommentare bekannt. Aber in dieser Sonderausgabe geht es uns allein darum, die Bürger für das Wählen an sich zu begeistern, ihnen Lust auf Politik und diesen zentralen Moment in einer parlamentarischen Demokratie zu machen“, versuchte Alfred Draxler, Stellvertreter des BILD-Chefredakteurs, schon zu beruhigen.

Für Ausgewogenheit ist die BILD nun nicht gerade bekannt, und es würde niemanden wundern, wenn, wie Berger vermutet, die Berichterstattung eher zugunsten der Merkel-Regierung ausfallen könnte. Nur: Selbst in diesem Fall ließe sich die Gratisverteilung wohl kaum als in irgend einer Form illegitim bezeichnen. Millionen Menschen werden am Tag vor der Wahl Nachrichten im Fernsehen schauen, Radio hören, Artikel im Netz lesen. Warum also nicht auch noch die BILD?

Doch es geht mir hier um etwas anderes, nämlich um den Manipulationsbegriff selbst, den die NachDenkSeiten mit großer Regelmäßigkeit auch gegen andere Medien als die BILD in Stellung bringen, beinahe als Generalverdacht gegen alle etablierten Medien. Dies bringt eine Reihe von Implikationen mit sich, die, zu Ende gedacht, eher unguter Art sind.

Hostile Media Perception

Nun gibt es natürlich Gründe, insbesondere bei den in der politisch-medialen Bubble in Berlin entstehenden Leitmedien einen Bias in der Berichterstattung zu vermuten. Aber, was  den Medienkritikern von Links schon zu denken geben sollte: Geradezu spiegelbildlich zu ihrer Annahme grundsätzlich konservativer Medien monieren eher konservativ oder libertär Orientierte gerne die „linke Systempresse“. Beides zugleich kann wohl kaum stimmen. Wir haben es also vermutlich zuallererst mit einem Wahrnehmungsproblem zu tun.

Dafür spricht einiges: Von Rezipienten wahrgenommen werden in der Regel viel eher die dem jeweils eigenen Standpunkt gegenüberstehende Meinungen. Das ist gut erforscht und wird in der Kommunikationswissenschaft als Hostile Media Perception bezeichnet. Je nach Thema mag die Berichterstattung in der Außenwirkung dann für die linken und rechten politischen Ränder tatsächlich wie krasse Parteilichkeit wirken.

Doch in Wahrheit dürfte sich die veröffentlichte Meinung meist relativ eng an einem generellen Elitenkonsens orientieren. Gesellschaftliche und politische Eliten vertreten gleichzeitig eher links zu verortende Positionen (Beispiel Homoehe) und rechts zu verortende Positionen (Beispiel Austerität). Finden sich diese Meinungen in der Presse dominant wieder, mag in beiden Lagern teilweise der Eindruck eines ideologisch motivierten Bias und einer Missachtung der eigenen Meinung aufkommen.

Die Ursache für diese teils einseitige Berichterstattung ist in der „Nähe“ der Journalisten zu den Eliten zu suchen. Es handelt sich also um ein kulturelles Phänomen. Das ist durchaus problematisch, hat aber zunächst nichts mit einer vorsätzlichen Manipulationsabsicht zu tun. Noam Chomsky hat dies in den 80er Jahren als „Manufacturing Consent“ bezeichnet. Diese Theorie habe ich schon einmal ausführlich vorgestellt (#longread), schon damals als Versuch einer Kritik an den NachDenkSeiten. Der Kommunikationswissenschaftler Uwe Krüger hat die Nähe von politischen Journalisten und Eliten im Berliner Politikbetrieb am Beispiel des „Sicherheitsbegriffs“ übrigens  auch empirisch nachgewiesen.

Implikationen des Manipulations-Begriffs

Der Begriff der Manipulation ist deshalb problematisch. Er unterstellt den Massenmedien, vornehmlich ideologische Institutionen zu sein. Sie transportieren zwar durchaus teils als einseitig zu bezeichnende Positionen, jedoch nicht unbedingt in Indoktrinationsabsicht. Politischer Einfluss ist nicht die Leitwährung des Mediensystems.

Die Leitwährungen des Mediensystems sind vor allem Auflage,  Reichweite – und letztlich Gewinn, und das gilt selbst für ein politisch selbstbewusstes und meinungsfreudiges Medium wie die BILD. Reichweite erreichen Medien aber, so die Denke in den Redaktionen,  indem sie die vermeintlichen Vorurteile der eigenen Leser bedienen und scheinbar zu komplexe Argumente vermeiden. Das geht leichter, wenn man sich an einen ohnehin verbreiteten common sense hält, mit dem Strom schwimmt. Ist das kritikwürdig? Ohne Frage, aber die Praxis weist eher auf problematische Anreizstrukturen, Alltagsroutine oder fehlenden Mut in der Nachrichtenproduktion hin und hat wenig mit Manipulation zu tun.

Hier unterläuft den NachDenkSeiten, was man in der Psychologie „Projektion“ nennt, denn in Wahrheit zeichnet sich das Blog um Lieb, Berger und Müller viel eher durch ein bewusstes und geschlossenes politisches Weltbild und dessen Darstellung aus als etwa die überregionalen Tageszeitungen oder der öffentlich rechtliche Rundfunk. Wie ließe sich sonst erklären, dass sich „Hinweise des Tages“ stets wie eine Ansammlung all derjenigen Artikel lesen, die genau in die NachDenkSeiten-Ideologie passen? Die Bubble lässt grüßen, der Confirmation Bias macht Purzelbäume.

Die Annahmen über Produzenten und Inhalte der Massenmedien, die in der Manipulations-Theorie mitschwingen, sind also fragwürdig. Noch problematischer aber ist das Bild der Rezipienten, das hier gezeichnet wird. Die Wirkung von Medien ist alles andere als trivial und nicht mit ein, zwei Sätzen abgetan. Aber darum geht es mit hier nicht.

Wer, anstelle von, sagen wir mal, „versuchter politischer Einflussnahme“, den Begriff „Manipulation“ nutzt, der impliziert einen tatsächlich leicht manipulierbaren Leser oder Zuschauer. Die Konsumenten all derjenigen Medien, die nicht die Meinung der Blogger teilen, sind dann potenziell willenlos, beeinflussbar oder unreflektiert  – während die eigenen Leser als geistreich, gebildet und objektiv konstruiert werden: „Leser der NachDenkSeiten werden sofort erkennen, wie in diesem Papier manipuliert wird…“ – Solche Formulierungen kann man dort regelmäßig finden. Allen anderen Bürgern unterstellt man hingegen, dass sie sich nach monatelangem Wahlkampf auf allen Kanälen von einer einzigen Ausgabe der BILD umstimmen lassen könnten.

Sheeple hier, Sheeple da

Diese Art der Ressentimentpflege und der Selbstvergewisserungsrituale findet man in vielen Medien, die NachDenkSeiten betreiben sie leider besonders oft – und es ist besonders schade bei einer so populären Seite, die oft auch wertvolle ökonomische Analysen liefert. Die Folgen einer solchen Praxis sind klar: Am Ende bezeichnen wir uns gegenseitig nur noch als „sheeple“, als bloße Manipulationsopfer. Das tut den Menschen Unrecht,  und es tut den geäußerten Meinungen Unrecht, denn die sind vielleicht genauso begründet wie die eigenen, während sie schlicht andere Werte und Prioritäten reflektieren.

Nun wird das niemand wirklich glauben. Wer glaubt schon, dass die Argumente der Gegenseite so gut sind wie die eigenen? Und trotzdem  ist es keine besonders gute Idee, permanent die Publikation dieser anderen Ansichten delegitimieren zu wollen. Das ist ohnehin zum Scheitern verurteilt und verhindert konstruktiven politischen Diskurs. Und es lenkt vom Wesentlichen ab: Worum es gehen muss, ist eine kritische Auseinandersetzung mit den inhaltlichen Positionen des politischen Gegners und die möglichst überzeugende Formulierung der eigene Vorstellungen.

Es wird Zeit, dass die NachDenkSeiten endlich das irreführende Konzept der „Meinungs-Mache“ bzw. „Manipulation“ einmotten – und zwar selbst im grenzwertigen Fall der Gratis-BILD am Tag vor der Wahl. Der Verzicht auf diese Praxis würde ein Stück weit das wohlig-warme und identitätsstiftende Gefühl der eigenen Marginalisiertheit beenden. Aber dieses ständige Gejammer über die Medien  hat noch nie irgendjemanden politisch weitergebracht und bedient nur Ressentiments.

Alle Darstellungen: oldbookillustrations
Jan Falk auf Twitter

{ 115 comments… add one }

  • CitizenK 9. Mai 2013, 07:33

    Da hat jemand das Konzept der Gegen-Öffentlichkeit nicht verstanden.

    Weil er noch im Schulbuch-Glauben des Pluralismus befangen ist – und in BILD halt eine Tageszeitung unter vielen sieht? Presse- und Medien-Konzentration – alles linke Paranoia?

    Persönliche Freundschaften zwischen der Chefin eines politischen Lagers und den Chefinnen von Medien-Imperien – reine Privatsache? Wie war das noch mit Berlusconi?

    • Stefan Sasse 9. Mai 2013, 07:42

      Oh doch, er hat es verstanden. Die Kritik ist ja gerade, dass die NDS keinen Pluralismus anstreben, sondern genau das gleiche, was sie ihren Gegnern vorwerfen – eine Filterbubble mit einseitig präsentierten Informationen, nur eben von den „Guten“.

      • Jens Berger 10. Mai 2013, 05:32

        @Stefan

        Wer denkt, die Massenmedien würden durch ihre Simulation von Meinungspluralität tatsächlich auf die Gegenöffentlichkeit eingehen, irrt gewaltig. Der Satz kommt Dir bekannt vor? Richtig 😉

        • Stefan Sasse 10. Mai 2013, 06:19

          Ja, da klingelt was ^^
          Ich gehe auch nicht davon aus, dass die NDS-Ansichten in Zukunft allzu prominent in der medialen Debatte vertreten sein werden. Was wir ankreiden ist ja vielmehr die Vorstellung, die Schuld dafür in einem gewaltigen Verschwörungskartell zu suchen.

          • Jens Berger 10. Mai 2013, 06:26

            Na ja. Du weißt ja, dass ich auch kein „Verschwörungskartell“ sehe. Was mich ein wenig stört, ist das hier von einigen Kommentaren so getan wird, als sei die BILD ein „normales“ journalistisches Medium. Dass dem nicht so ist, haben ja nicht zu letzt die Studien der Otto-Brenner-Stiftungen zum Thema gezeigt. Die Frage, ob die NDS ein „normales“ journalistisches Medium seien, geht m.E. am Thema vorbei. Natürlich sind wir das nicht und diesen Anspruch hegen wir ja auch noch nicht mal im Ansatz.

          • Stefan Sasse 10. Mai 2013, 10:51

            Ich will dir das auch nicht anhängen, aber bei Müller ist es definitiv so – und wenn nicht, so hat er doch kein Problem mit der publizistischen Zuspitzung darauf.
            Und nein, die BILD ist kein „normales“ Medium in dem Sinne, als dass sie den üblichen journalistischen Standards verpflichtet wäre. Sie ist ein Krawallblatt mit klarer politischer Zielrichtung, aber zuvodererst ein Krawallblatt. Ihre politische Agenda ist ihr egal, wenn es andernfalls mehr Auflage gibt. Die BILD ist allerdings in ihrer Rolle insofern „normal“, als dass es Äquivalente von ihr in den anderen Ländern auch gibt. Wir haben „nur“ die BILD; schau mal nach Italien, da besteht praktisch der gesamte Medienmarkt aus solchen Blättern. Auch GB ist wesentlich mehr von diesen Dingern geprägt. Dazu kommt, dass der Einfluss der BILD sinkt. Ihre Auflage kennt seit Jahren nur noch eine Richtung, und mir scheinen Dinge wie die Gratisverteilung eher Verzweiflungstaten für Relevanz als Beleg für die Relevanz zu sein. Ich denke, die Gratisausgabe wird tatsächlich harmlos sein – der BILD geht es, einmal mehr, um den Krawall.

    • Jan Falk 9. Mai 2013, 07:53

      Ich verstehe das Konzept der Gegenöffentlichkeit, aber ich halte (in dieser Form) nicht besonders viel davon.

  • Kirkd 9. Mai 2013, 07:48

    Hinter der Kritik an Manipulation der und durch Medien steckt ein gewichtiger Unterschied im Menschenbild: Es wird unterstellt, dass ausreichend intelligente Menschen bei ausreichender Information automatisch zu den richtigen Schlussfolgerungen kommen. Rechtsradikale sind in diesem Weltbild tumb, Konservative dumm und Liberale falsch informiert. In Wirklichkeit sind gut informierte, intelligente Meschnen politisch genauso uneins, wie Bauer Sepp und Knecht Hubert.

    Dazu kommt die übliche Abneigung gegen die Bildzeitung, die teilweise berechtigt ist, aber oft eben nicht. Das gestrige Heute-Journal zum Tempolimit dürfte von der Bildzeitung in punkto Inhalt und Stil schwerlich zu unterbieten sein. Manchmal bin ich durchaus erstaunt, wieviel Information die Bild ihren Lesern bietet.

    • Moss 9. Mai 2013, 11:17

      Du vergleichst ein rechtspopulistisches Hetzblatt mit einem rechten Regierungssender und willst mehr als nur graduelle Unterschiede sehen? Danke, der war gut.

  • stefanolix 9. Mai 2013, 08:19

    Danke für den Artikel und die Betrachtung des Hintergrunds. Die inflationäre Verwendung des Begriffs Manipulation auf den NachDenkSeiten war mir kürzlich auch aufgefallen. Ich habe mir in einem speziellen Fall in einem kleinen Faktencheck dazu Gedanken gemacht:

    http://stefanolix.wordpress.com/2013/05/05/der-manipulationsapparat-fur-steuererhohungen-lauft-gerade-auf-hochtouren/

    • Jan Falk 9. Mai 2013, 08:41

      Gutes Beispiel, auch wenn ich da inhaltlich (was das Steuerthema angeht) eher auf Seiten der NDS stehe.

  • Giesbert W. 9. Mai 2013, 08:58

    Massenmedien sind nichts anderes als Manipulation. Das geht gar nicht anders. Denn es sind gedruckte/gesendete Gedanken, die sich millionenfach in den Köpfen der Menschen festsetzen. Und da es heutzutage fast alles Lügen sind (besonders was die Weltpolitik angeht), müssen sie permanent wiederholt werden, sonst würden sie gar nicht steckenbleiben. Das ist die Grundlage von Werbung/Propaganda und das wissen auch die Meinungs-„Eliten“.

    • Jan Falk 9. Mai 2013, 09:14

      Ich vermute, dass sich 99% des Gedruckten und Gesendeten nirgendwo festsetzt, sondern so durchrauscht. Oder kann sich noch jemand erinnern, was vorgestern in der Tagesschau dran war? Auch ansonsten kann ich mit deiner Position nicht viel anfangen. Sie scheint mir in dieser Form ein Plädoyer gegen Medien an sich zu sein, was ich glaube ich so noch nie irgendwo gelesen habe und was mir auch wenig sinnvoll erscheint.

      • Jaheira 13. Mai 2013, 17:55

        Es ist nicht nötig, dass sich Medienkonsumenten an einzelne Themen oder Argumente erinnern. Die Manipulation ist schon gelungen, wenn bestimmte vage, generalsierte Einschätzungen als „normal“ (denken fast alle normalen Menschen) in den Köpfen gefestigt werden. Beispiele: Tempolimit ist in Deutschland irre, die Rente kann nicht finanziert werden, Steuern dürfen nie steigen (außer der USt), in der Linken sind nur Spinner und Stasi-Leute, etc.

    • Stefan Sasse 9. Mai 2013, 17:48

      „Fast alle Lügen“? Wer lügt da, und warum?

  • In Dubio 9. Mai 2013, 09:16

    Ich lese wahrlich viele Medien und bis auf Blogs gefällt mir die Ausgewogenheit. Die ökonomischen Darstellungen bei den Nachdenkseiten sind dagegen immer lückenhaft und manches schlicht falsch. Ein typisches Beispiel war die Darstellung der steuerlichen Belastung der Quandt-Familie.

    Dennoch: 60% der Journalisten bekennen sich zu SPD und Grünen, nur knapp 20% fühlen sich ungebunden. Damit erfüllt ein Großteil der Journalisten-Schar eben nicht die Grundvoraussetzung des Berufs, nämlich Informationen zu transportieren und nicht Meinungen. Keine andere Berufsgruppe darf so eng mit ihrem Objekt der Prüfung verbandelt sein. Richter haben sich jeder Meinungsäußerung zu enthalten, so lange ein Verfahren läuft, Wirtschaftsprüfer haben neutral und unvoreingenommen Jahresabschlüsse zu prüfen. Wer Anteile an einem Unternehmen hält, ist zur Prüfung der Gesellschaft ungeeignet. Genauso hat ein Aufsichtsrat einen Interessenkonflikt anzuzeigen, wenn er gleichzeitig Anteile bei einem Konkurrenzunternehmen hält. Journalisten beobachten die Wahrung dieser Neutralität mit Argusaugen. Bei sich selbst schauen sie nicht so genau hin.

    • Jan Falk 9. Mai 2013, 09:44

      Ich arbeite als Journalist und glaub mir, die allermeisten, die ich kenne, lassen in der Regel so gut es geht ihre private politische Meinung zuhause. Du kannst denen schlecht verbieten, privat einer Partei nahe zu stehen.

      Übrigens sind auch Artikel mit „Information“ und ohne „Meinung“ immer in irgend einer Weise geframet, ob bewusst oder unbewusst.

      • In Dubio 9. Mai 2013, 14:53

        Deswegen habe ich ja Vergleiche genannt. Auch ein Wirtschaftsprüfer wird immer versichern, unvoreingenommen zu sein. Doch aus guten Gründen reicht uns das nicht. Ich würde mir wünschen, Journalisten würden den gleichen hohen ethischen Anspruch an sich legen wie sie das bei anderen tun.

        Und natürlich lassen Journalisten ihre sehr persönlichen Ansichten in öffentliche Äußerungen einfließen. So in Talksendungen, wo sie die Runde eigentlich mit Informationen versachlichen sollen.

      • techniknörgler 9. Mai 2013, 15:19

        „Ich arbeite als Journalist und glaub mir, die allermeisten, die ich kenne, lassen in der Regel so gut es geht ihre private politische Meinung zuhause.“

        Du kannst mir nicht erzählen, dass dies keinen Einfluss habe, besonders wenn die eigenen Ansicht im eigenen beruflichen Umfeld eine solche klare absolute Mehrheit hat, bis hin zu annähernd 2/3-Mehrheit.

        „Übrigens sind auch Artikel mit “Information” und ohne “Meinung” immer in irgend einer Weise geframet, ob bewusst oder unbewusst.“

        Eben.

        “ Du kannst denen schlecht verbieten, privat einer Partei nahe zu stehen.“

        Davon hat doch aber keiner geredet. Die Frage ist doch eher, warum sind die Journalisten so unrepresentativ für die Gesamtbevölkerung, warum zieht der Journalistenberuf so viele Grün-Rote an? Und wie liese sich das ausgewogener gestellten?

        • Jan Falk 9. Mai 2013, 15:29

          „Davon hat doch aber keiner geredet. “

          Doch:

          „60% der Journalisten bekennen sich zu SPD und Grünen[…]Damit erfüllt ein Großteil der Journalisten-Schar eben nicht die Grundvoraussetzung des Berufs“

        • Jaheira 13. Mai 2013, 18:03

          Wieviele Journalisten engagieren sich denn bei der SPD oder den Grünen? Gibt es eine Statistik oder ist das Ihr Gefühl oder ist das das Gefühl von den Leuten, die Artikel schreiben, die Sie lesen?

          Wer bestimmt die Inhalte von Medien? Der Durchschnitt von Menschen mit einem Presseausweis? Oder der Chef? Wer bestimmt, wer der Chef ist? Der Besitzer. Und wer sind die Besitzer? Links-alternative Lehrer? Arbeiter? Es sind reiche und mächtige Eliten, die Medien nach Ihren Wünschen benutzen können. Die Journalisten schreiben Pressemeldungen um und schreiben auch sonst, wofür sie bezahlt werden.

          • In Dubio 14. Mai 2013, 10:39

            Das ist der falsche Ansatz. Ich habe Journalisten mit anderen Berufsgruppen verglichen, die wesentlich für Meinungsbildung in ihrem Bereich sind. Das ist für mich durchaus ein relevanter Maßstab. Auch Wirtschaftsprüfungsgesellschaften gehören jemanden, dennoch gelten strenge Berufsgrundsätze bis dahin, dass Mandate abzulehnen sind, wenn in irgendeiner Form Interessengegensätze auftauchen oder die Neutralität nicht gewährleistet sein könnte.

            Das wesentliche Kriterium für Unternehmer wie Anteilseigner ist, ein Produkt zu verkaufen. Und der aufgeklärte Leser, der sich F.A.Z., SPIEGEL, WELT, Süddeutsche, Economist oder Financial Times leistet, ist doch nicht so eindimensional, dass er sich nur über ein Medium sein Wissen bezieht. Die wenigsten Menschen wollen manipuliert werden und schätzen es nicht, wenn ihnen Informationen vorenthalten werden. Die Konsequenz wäre der Verzicht auf das Medium.

            Nachdenkseiten-Leser sind durchaus anders. Nach den veröffentlichten Leserbriefen schätzen die Anhänger keineswegs den Disput, sondern das ihre Sichtweise bestätigt wird. So etwas liest man bei den Qualitätsmedien eher selten. Und ist es für Sie denkbar, dass Jens Berger in der F.A.Z. einen neutralen Artikel über die Eurokrise veröffentlichen würde? Nein, richtig. Er ist vorgefasst und geht an jede andere Sichtweise mit einer negativen Attitüde heran. Er nimmt andere Interpretationen nicht ernst.

  • Daniel 9. Mai 2013, 10:11

    Ich gebe zu, dass bei den NDS meist zuerst die absichtliche Meinungsmache als Grund für Aktionen der Medien oder irgendwie gefärbte Artikel in der Presse gesehen wird. Du kritisierst daran, dass da die Idee dahinter steckt, die Menschen wären durch solche Sachen leicht zu manipulieren und das würde von bestimmten Gruppen bewusst genutzt.

    Dem stellst Du gegenüber, dass die gefärbten Artikel und Aktionen dadurch entstehen, dass die Journalisten durch ihre Nähe zu den Eliten von alleine (ohne irgendeine Absicht) auf solche Ideen kommen. Das heisst aber doch, dass sich die Journalisten unbewusst genau so manipulieren lassen wie es von den NDS für die Mehrheit der Bevölkerung angenommen wird.

    Ich finde, beiden Ansichten liegt zugrunde, dass Menschen sich manipulieren lassen. Wenn sich Menschen aber manipulieren lassen, dann ist es meiner Meinung nach naiv zu glauben, dass das niemand bewusst nutzen würde.

    Die Wahrheit liegt wie immer vermutlich irgendwo in der Mitte…

    Anderes Thema: Ich finde es schlimm, dass „links“ heute vor allem Themen wie „Homoehe“ bedeutet…

    • Jan Falk 9. Mai 2013, 10:32

      Das ist ein guter Einwand. Ich würde sagen dass man sich natürlich langfristig durch seine Umgebung prägen lässt und man auch langfristig durch die Medien geprägt wird, die man regelmäßig konsumiert. Das bedeutet aber noch längst nicht, dass man plötzlich seine Meinung ändert, nur weil man mal ausnahmsweise die BILD liest. Und es rechtfertigt noch längst nicht, jeden Artikel, der einem meinungsmäßig nicht so gefällt, eine Manipulationsabsicht zu unterstellen.

      Die Homoehe war mir als ganz aussagekräftiges Beispiel eingefallen. Aber es gibt auch harte Wirtschaftsthemen, wo man den Konsens der Mainstreammedien als irgendwie links einordnen könnte. Wer würde schon ernsthaft die allgemeine Krankenversicherung oder das progressive Steuersystem in Frage stellen? In den USA z.B. alles Gang und Gäbe. Aber da kommen wir wieder darauf zurück, wie relativ und vom eigenen Standpunkt abhängig diese Einschätzungen sind.

      • Kirkd 9. Mai 2013, 10:57

        Die Medien sind im gesamte Gebiet Familie, Gesundheit, Verbraucherschutz, Bildung, Europa tendenziell links. Bei Steuern, und Sozialstaat gab es im den 90ern einen Rechtsruck der aber weitgehend wieder zurückgedreht wurde.

        Das Problem der Nachdenkseiten ist halt, dass alles rechts aussieht, wenn ich die linkstmögliche demokratische Position einnehme. Das ist das Problem jeder deutlichen Positionierung, dass schon gemäßigtere Abwandlungen der eigenen Position als Gegenposition aufgefasst werden.

        • Stefan Sasse 9. Mai 2013, 17:51

          Mit dem „demokratisch“ wäre ich vorsichtig, denn im Akzeptieren von Mehrheitsmeinungen sind die NDS nicht gerade klasse.

          • Jens Berger 10. Mai 2013, 06:31

            Das stimmt. Wir akzeptieren es nicht, dass 80% unserer Mitbürger der Meinung sind, „Mutti“ würde die Eurokrise ganz toll managen. Heiß für Dich „Demokratie“, dem Blöken der Herde immer Recht zu geben?

          • Stefan Sasse 10. Mai 2013, 10:59

            Nein, keinesfalls. Ich stimme mit den NDS inhaltlich ja häufig überein; ich empfinde die Form als problematisch. Etwas „demokratisch“ zu nennen, wenn man zustimmt, und das „demokratische“ abzusprechen, wenn man nicht zustimmt, ist intellektuell unehrlich und vergiftet das Klima. Gleiches gilt für die Verwendung von „Meinungsfreiheit“ oder Vokabeln wie „kritisch“. Wenn die eigene Meinung erklärt wird, ist das total kritisch (selbst wenn es nicht kritisch ist, sondern einfach nur Phrasendreschen). Ich fand diese Tendenz am bemerkenswertesten im Fall S21 – die NDS waren nicht bereit, ein demokratisches Urteil zu akzeptieren und sind es bis heute nicht. Wann immer ein Verdikt gegen einen ausfällt, wird sofort von Manipulation, Verrat u.ä. gesprochen; geht es in die eigene Richtung, so ist das Ausdruck von Vernunft und Kritik. Gleiches Spiel bei Umfragen: 70% gegen Afghanistan oder Hartz-IV, 60% für Mindestlöhne – alles Anzeichen des gesunden Volksempfindens, das die Volksvertreter kriminell ignorieren. Wenn dagegen Umfragen Mehrheiten gegen Integrationspolitik oder für den Austritt aus dem Euro ergeben, dann ist das ein klares Resultat von Manipulation und Meinungsmache. Das ist einfach inkohärent.
            Um Missverständnissen vorzubeugen: ich bin thematisch absolut auf deiner Seite. Ich bin gegen den Afghanistaneinsatz, für Mindestlöhne, für Integrationspolitik, gegen den Austritt aus dem Euro. Aber das ändert nichts daran, dass es durchaus auch ohne Manipulation möglich ist, dass die Mehrheit anderer Meinung ist. Es ist sogar möglich, dass wir uns irren. Was mich an den NDS derzeit stört ist, dass sie ihrem Gegner die Legitimität absprechen – genauso wie sie uns (und ich sage hier absichtlich uns) in der Phase neoliberaler Hegemonie, in der die NDS entstanden sind und in der die Gegenöffentlichkeit tatsächlich dringend notwendig war, weil das Gleichgewicht völlig aus dem Ruder gelaufen war, die Legitimität abgesprochen haben. Ich finde es sehr bedenklich, dass genau die gleichen Mechanismen, die damals gegen Müller verwandt worden sind, von Müller jetzt selbst angewendet werden.

          • Jens Berger 10. Mai 2013, 11:05

            In vielen Punkten gebe ich Dir ja auch Recht. Etwas „undemokratisch“ zu finden, heißt aber nicht, es nicht zu akzeptieren. Ich spreche auch niemanden die „Legitimität“ ab. Wo soll ich das denn gemacht haben?

          • Stefan Sasse 10. Mai 2013, 13:34

            Wir gesagt, ich beziehe mich weniger auf dich als andere Autoren was das angeht.

          • Jaheira 13. Mai 2013, 22:49

            @ Stefan Sasse
            Bei Stuttgart 21 sollten die Bürger darüber abstimmen, ob ein Tiefbahnhof mit einer bestimmten Leistungsfähigkeit zu einem bestimmten maximalen Preis gebaut werden soll. Die NDS hatten schon frühzeitig darauf hingewiesen, dass das Abstimmungsergebnis auf falschen Angaben durch Bahn und Stadt beruht. Leider sind sowohl die versprochene Leistungsfähigkeit als auch der Maximalpreis nicht existent. Welchen Wert hat Ihrer Meinung nach die Abstimmung?

  • In Dubio 9. Mai 2013, 14:57

    Die Nachdenkseiten haben ja selbst schon den außerordentlich linken Ökonomen und Publizisten Rudolf Hickel als rechts von ihnen stehend bezeichnet.

    • Jens Berger 10. Mai 2013, 06:32

      So? Wo denn?

      • In Dubio 10. Mai 2013, 08:29

        In einem Gastbeitrag schrieb Rudolf Hickel im Juni letzten Jahres:

        Realisiert werden muss ein mittelfristiger Defizitabbau ohne schuldentreibende Schrumpfung der Gesamtwirtschaft. Hinzu kommen müssen künftig neue Regeln ökonomisch angemessener Neuverschuldungsdisziplin.

        In schöner Regelmäßigkeit wenden sich die Nachdenkseiten gegen einen institutionalisierten Schuldenabbau. So betrachtet steht auch Rudolf Hickel mit seinen zentralen Vorschlägen „rechts“ der Nachdenkseiten.

        • Jens Berger 10. Mai 2013, 10:09

          Was Hickel dort schreibt, habe auch ich schon x-mal geschrieben.

          Ich finde es aber interessant, dass hier einerseits der mangelnde Meinungspluralismus der NDS beklagt wird und dann ausgerechnet auf einen Gastartikel in den NDS hingewiesen wird, der angeblich „unserer Linie“ signifikant widersprechen soll. Ihr müsst Euch schon einigen 😉

          • Stefan Sasse 10. Mai 2013, 10:59

            Der @InDubio ist Kommentator hier, kein Autor, von daher Vorsicht mit dem „ihr“ ^^

        • In Dubio 10. Mai 2013, 10:50

          Nun ja, die 90 Prozent des Artikels spiegeln die Kritik der Nachdenkseiten am Fiskalpakt 1:1 wider. Der Punkt war ja, dass die Sicht der Nachdenkseiten so links ist, dass alles als „rechts“ und neoliberal erscheint, was davon abweicht. Und dann ist man schnell dabei, dass alle anderen sich ihren und manipulieren.

          • Jens Berger 10. Mai 2013, 10:59

            Was wie und wo rechts oder links scheint, ist immer eine Frage des eigenen Standpunkts. Aber da haben die NDS kein Definitionsmonopol. Du verortest uns ja auch am „ultralinken“ Rand. Das sehen sehr, sehr viele unserer linken Leser anders, denen wir viel zu „systemerhaltend“ sind. Du kannst Dir ja mal diesen Blog-Dialog anschauen: http://feynsinn.org/?p=17050
            Für die Leser vom Kollegen Flattr bin ich ein rechter Kapitalist. Nun ja, wie ich schon sagte: Der eigene Standpunkt bestimmt auch die Perspektive. Ich selbst halte mich mit solchen Verortungen übrigens stets sehr zurück. Nur sehr selten wirst Du bei mir lesen, dass ich irgendwen oder irgendwas für „rechts“ halte.

          • Stefan Sasse 10. Mai 2013, 11:00

            Volle Zustimmung.

          • In Dubio 10. Mai 2013, 19:45

            Nein. Rechts und links definiert sich in jeder Gesellschaft anders. Gemäß der Entstehung des Parlamentarismus teilen sich die Lager ziemlich in der Mitte. An diesem Maßstab gemessen sind die Nachdenkseiten außerordentlich links. Das relativiert sich nicht dadurch, dass ein paar Wenige noch extremer sind.

          • Stefan Sasse 11. Mai 2013, 06:12

            Im Bundestagsspektrum ja.

  • Amigo Seure 9. Mai 2013, 16:44

    Gut, dass es die „Nachdenkseiten“ gibt. Der „Mainstream“ muss durch Außenseiter ergänzt werden. Auch „PI“ begrüße ich als Ausdruck der Demokratie.
    Ebenso muss es ab und zu neue Parteien geben wie die „Piraten“ oder die „AfD“.

    • Jan Falk 9. Mai 2013, 17:14

      Sehe ich auch so.

    • Stefan Sasse 10. Mai 2013, 06:29

      Stellt ja keiner in Abrede.

      • Sebastian 10. Mai 2013, 23:20

        Ich hoffe sehr, dass außer mir durchaus noch ein paar andere in Abrede stellen, dass „PI“ ein zu begrüßender Ausdruck der Demokratie ist.

        Meinungsfreiheit heißt, dass verschiedene Meinungen erlaubt sind, nicht, dass man jeden publizistischen Amoklauf „begrüßen“ muss. Und Meinungsfreiheit heißt auch, dass man an geeigneten Stellen widerspricht. Sonst ist es keine Freiheit mehr, sondern Gleichgültigkeit, und man braucht den Staat, um zu verhindern, dass etwas aus dem Ruder läuft, weil die Bürger selbst ja unterschiedslos alles „begrüßen“, was irgendwer absondert.

        Wie weit man antidemokratische Bestrebungen als Ausdruck von Demokratie und antifreiheitliche als Ausdruck von Freiheit ansehen will und darf, sollte man sich m.E. sehr genau überlegen.

        • Stefan Sasse 11. Mai 2013, 06:13

          „Und Meinungsfreiheit heißt auch, dass man an geeigneten Stellen widerspricht. “

          Aber klar! Nur, sagen dürfen sie ihren Mist schon.

    • Jens Berger 10. Mai 2013, 06:35

      Grundsätzlich gebe ich Dir Recht. Es gibt jedoch eine Grenze, die bei PI zumindest verschwimmt. Wenn ein „Außenseiter“ zu Diskriminierung aufruft, ist das für mich nicht unbedingt ein wünschenswerter Ausdruck der Demokratie. Dennoch plädiere ich nicht dafür, PI o.ä. zu verbieten. Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut … hat jedoch auch Grenzen. Aber dafür gibt es ja Gerichte.

  • Rayson 9. Mai 2013, 19:39

    Geradezu spiegelbildlich zu ihrer Annahme grundsätzlich konservativer Medien monieren eher konservativ oder libertär Orientierte gerne die „linke Systempresse“. Beides zugleich kann wohl kaum stimmen.

    Doch, das kann es. Zumindest theoretisch. Denn wenn einfach viele Leute jeweils linker, libertärer oder konservativer orientiert ist als der journalistische Mainstream, wären solche Meinungen miteinander vereinbar.

    Ich möchte dem Autor aber in der Hinsicht recht geben, dass die manipulative Wirkung nicht so einfach ist, wie von manchem anscheinend vorausgesetzt. Wer so redet wie die entsprechenden Stimmen der „Nachdenkseiten“, erhebt sich damit implizit über den Rest, da er ja, obwohl er offensichtlich dieselben Texte liest, denn sonst könnte er sie kaum verlinken, gegen diese finsteren Absichten immun zu sein scheint, wahrscheinlich kraft höherer Intelligenz. Es geht hier wohl weniger um Ressentiments als um Selbstüberschätzung.

  • Erbloggtes 10. Mai 2013, 01:39

    Ich bin etwas skeptisch, ob das, was die NDS (und auch andere Bildkritik) ausdrücken möchte, hier richtig verstanden ist. Daher versuche ich, eine vermutete stillschweigende Voraussetzung der NDS-Argumentation zu ergänzen, die die hier vorgebrachten Einwände entkräftet:
    In linken Denktraditionen der (nur so zum Beispiel) 1970er Jahre spielten Strukturen eine deutlich größere Rolle als Akteure. Das geht zurück auf die Überlegung, dass Akteure zwar handeln, dabei aber nicht das große Ganze (die Strukturen) sehen. Daher könne aus der Summe der Handlungen der Akteure etwas entstehen, was nicht der Summe der Absichten der Akteure entspricht. Und die Absicht eines einzelnen Akteurs sei daher auch nicht mit der tatsächlichen Wirkung seiner Handlung gleichzusetzen. Wichtiger als die Akteure seien nun die (insbesondere sozioökonomischen) Strukturen, denn sie bestimmten die Gesamtentwicklung viel stärker als die einzelnen Absichten der (in die Strukturen eingebetteten) Akteure. (Letztlich verweist diese erkenntniskritische Denkweise zurück auf Hegel und Kant.)
    Wenn wir diese Denkweise auf die Kritik der NDS an Bild übertragen, ergibt sich, dass die Manipulation nicht von Friede Springer beschlossen, von Kai Diekmann befohlen und von seinen Mitarbeitern entsprechend realisiert wird. Die Manipulation (Beeinflussung) ergibt sich vielmehr aus der sozioökonomischen Struktur, in der die sprichwörtlichen 200 reichen Männer (und v.a. Friede Springer) qua Eigentum ihre Meinung massenmedial zu verbreiten frei sind, alle anderen jedoch nicht. Das wird nicht so umgesetzt, dass Friede Springer täglich (oder am Tag vor der Wahl) befiehlt, Lobeshymnen auf Angela Merkel zu drucken. Sondern die Rekrutierungs- und Karrierebedingungen im Journalismus sind eben so, dass den massenmedialen Machthabern „sympathische“ Journalisten besser (oder überhaupt) nach oben kommen. Welche Konformität solche Mechanismen im Hinblick auf die Einstellungen politischer und wirtschaftlicher Eliten produzieren, das untersucht der erwähnte Uwe Krüger.
    Die Journalisten denken derweil, dass sie natürlich nur die Wahrheit schreiben, sowie ihre eigene Meinung, nicht eine von oben diktierte, und dass das alles Humbug ist, wenn jemand das Gegenteil behauptet. Subjektiv ist das auch so, da würden vermutlich auch die NDS zustimmen, doch objektiv herrscht die Struktur.
    Auf der Seite der Rezipienten sieht das so ähnlich aus. Natürlich denken wir, dass unsere Position die beste ist und unsere Argumente gut sind. Doch wenn wir „die anderen“ für verblendet und für von Bild manipulierbar halten, weil wir deren Argumente schlecht und ihre Position doof finden, folgt daraus doch nicht, dass wir „die anderen“ falsch wahrnehmen. Wahrscheinlicher ist doch, dass wir uns selbst falsch wahrnehmen. Also sind wir (alle) von Medien „manipuliert“, denn unsere Position und die Argumente dafür sind gar nicht so gut wie wir glauben. Durch unsere Bubble wird die Überzeugung, dass sie gut sind, erst hergestellt und bestärkt.
    Warum ist dann aber Kritik an Bild – und am hemmungslosen und flächendeckenden Einsatz dieser Verblödungsmaschinerie am Tag vor der Wahl – berechtigt, ähnliche Kritik an den NDS (die ja im Hinblick auf Manipulation/Überzeugung/Bubble/Bestärkung das gleiche tun wie Bild) jedoch nicht?
    Das liegt wiederum an den Strukturen: Die Ideologie des Mediensystems lautet, dass im pluralen Wettstreit der öffentlichen Meinungen sich die beste durchsetzt. Das setzt aber voraus, dass die konkurrierenden Meinungen ähnliche Rahmenbedingungen aufweisen, die prinzipiell (sofern sie gut sind) ihre Durchsetzung ermöglichen können. Doch das ist nicht der Fall. Bild kommt zu Millionen Lesern, heißt es. NDS zu einem Bruchteil. Selbst wenn die NDS-Meinung 100x besser wäre als die von Bild, könnte sie sich immer noch nicht ähnlich weit verbreiten. (Das Internet relativiert die Übermacht und ermöglicht Gegenöffentlichkeit und Pluralität. Aber es gleicht sie nicht aus. Trotzdem sieht sich Bild [in Zeiten sinkender Auflage] zu ungewöhnlichen Maßnahmen genötigt, um seine Meinungsvormach(t)stellung aufrechtzuerhalten, die dem Blatt Einfluss auf all jene Politiker gewährt, die Angst vor der publizistischen Macht von Springer haben. Diese neuen Maßnahmen hat Bild schon zu seinem 60. Geburtstag getestet: Die kostenlose Verteilung: )
    Am Tag vor der Wahl wird dieses Machtungleichgewicht in Sachen „Diese Meinung wird breit wahrgenommen“ noch zugespitzt auf das (idealisierte) Verhältnis: Jeder liest Bild/100 lesen NDS. Dafür ist es unerheblich, ob Springer das tut, UM diese Übermacht herzustellen, oder ob Springer das tut, um Werbung für das eigene kommerzielle Angebot zu machen, damit wieder mehr Leute Bild kaufen. Die strukturelle Wirkung ist jedenfalls, dass die Durchsetzungsvoraussetzungen für die in Bild präsentierte Meinung deutlich besser sind als die für die in NDS präsentierte Meinung, so dass man nicht mehr von einer fairen Meinungskonkurrenz sprechen kann. Und die überwältigend besseren Ausgangsbedingungen in der Meinungskonkurrenz lassen sich zudem durch nichts legitimieren. (Anders als das etwa bei der Tagesschau ist, für die Legitimationsversuche durchaus denkbar sind.)

    • Stefan Sasse 10. Mai 2013, 06:32

      Das ist ja genau unser Argument. Es sind die Strukturen und die Nähe zu den Eliten, quasi der gemeinsame Konsens, der die Leitmedien vergleichsweise einheitlich macht. Es ist eben nicht eine absichtsvolle Absprache unter den Besitzern dieser Medien; das ist gar nicht notwendig.

    • Jan Falk 10. Mai 2013, 06:46

      Hallo Erbloggtes, dank Dir für den Kommentar. Nur kurz, da ich gleich mal los muss:

      Was die Kritik an Bild angeht, die habe ich ja hier nur als Anlass genommen. Sicher ist BILD übel, aber auf welcher Grundlage will man ihr vorgehen wirklich kritisieren? Stell Dir mal vor, die NDS bekämen über Nacht viel Geld und könnten auch am Tag vor der Wahl eine Zeitung für alle drucken. Wär das besser / schlechter / das gleiche? Mir gings ja eher darum, dass die NDS ständig, und gegenüber allen möglichen Medien von Manipulation sprechen. Dabei sind das einfach nur andere Meinungen, die völlig legitim sind.

      Dass es nicht gleiche Reichweite-Voraussetzungen für die Medien gibt, ist natürlich richtig, aber was soll daraus folgen? Theoretisch haben mittlerweile fast alle Menschen Zugang zum Netz und damit auch zu den NDS. Es könnten auch alle das „Neue Deutschland“ am Kiosk kaufen, wenn sie denn wollen? Ist halt ein Markt. Was man machen könnte wäre eine „Fairness Doctrine“ nach US-Vorbild. Ist eine Überlegung wert, würde aber glaube ich nur wenige Fans finden.

      http://en.wikipedia.org/wiki/Fairness_Doctrine

      • Jens Berger 10. Mai 2013, 07:00

        Lieber Jan, das sind doch einige Konjunktive. Wenn die NDS eine neunstellige Spende bekämen und eine „Anti-BILD-zur-Wahl“ machen würden, wäre die sicher auch nicht objektiv und Du könntest gerne auch etwas von Manipulation schreiben. Aber bleiben wir doch bitte mal auf dem Boden der Realität 😉

        Du bist doch selbst Journalist. Auch ich war lange freier Journalist – u.a. für einige ARD-Anstalten. Du weißt sicher auch, was man als „Gatekeeping“ bezeichnet. Denkst Du beispielsweise, dass irgendein auflagenstarkes Medium vor 2008 an einer fachlich vollkommen korrekten Kritik an der Finanzmarktliberalisierung interessiert war? Oder aktuell: Hast Du (außer bei WDR Monitor) in den auflagen- und reichweitenstarken Medien mal etwas substantielles zur Diskussion um die Fiskalmultipliktoren und die Widerlegung von Reinhart/Rogoff gelesen/gehört? Nein? Warum? Weil es die Journalisten nicht interessiert? Nein, die Kollegen interessieren sich sehr für diese Themen, wie ich aus zahlreichen Gesprächen weiß. Der Fisch stinkt vom Kopfe her. Solche Themen haben kaum eine Chance, den „Gatekeeper“ zu passieren. Warum dies so ist, darüber können wir gerne diskutieren. Dass dies so ist, ist jedoch nicht ernsthaft zu leugnen. Und hier geht es nicht um BILD. Das ist eine ganz andere Liga.

        • Jan Falk 10. Mai 2013, 07:57

          Hi Jens, ich glaube ihr überseht da manchmal auch ein paar Artikel. R+R bei SpOn, nur mal als Beispiel:

          http://www.spiegel.de/wirtschaft/panne-mit-excel-tabelle-rogoff-und-reinhart-haben-sich-verrechnet-a-894893.html

          http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/krisenlaender-barroso-fordert-eine-lockerung-der-sparpolitik-a-896245.html

          http://www.spiegel.de/politik/deutschland/faktencheck-zu-wolfgang-schaeubles-sparpolitik-a-895740.html

          In der Regionalpresse würde man R+R übrigens eher deshalb nicht behandeln, weil man es für obskur und zu kompliziert für die Leser halten würde, nicht weil es einem ideologisch nicht in den Kram passt 😉

          • Jens Berger 10. Mai 2013, 10:18

            Ich möchte jetzt nicht zu tief ins Thema gehen. Aber das Fazit von SPON …

            Was bleibt also am Ende von diesem Wissenschaftsskandal? Der Zusammenhang von hohen Schulden und schwachem Wachstum ist nicht zu leugnen. Er wird auch in der neuen Studie aus Massachusetts deutlich.

            … ist so ziemlich die exakte Verdrehung:
            http://www.ft.com/intl/cms/s/0/9e5107f8-a75c-11e2-9fbe-00144feabdc0.html#axzz2Qu682eNg
            (die beiden Autoren haben die „neue Studie aus Massachusetts“ verfasst.

          • Jens Berger 10. Mai 2013, 10:20

            p.s.: Zu kompliziert? So, so. Wirklich kompliziert sind die fachlichen Hintergründe zu Hans-Werner Sinns (wirren) Target-2-Thesen. Das hält aber niemanden (auch nicht die Regionalpresse) auf, darüber zu schreiben – ohne freilich auch nur im Ansatz zu verstehen, worum es geht.

          • In Dubio 10. Mai 2013, 10:57

            Es wäre übrigens schön, würden die Nachdenkseiten endlich die Steuerberechnung der Quandt-Familie für ihre Gewinnausschüttung 2011 richtig stellen. Verbreitung von Falschem ist auch Manipulation.

            Die BILD-Journalisten sollten einfach BILD lesen, denn ihr eigenes Blatt berichtete vor wenigen Monaten, dass allein die Gewinne aus den Anteilen an BMW vor kurzem 650 Millionen in die Familienkasse der Quandts gespielt haben.

            Diese Rekordgewinne unterliegen allerdings nicht der Einkommensteuer und schon gar nicht dem Spitzensteuersatz. Sie unterliegen der Kapitalertragsteuer und die liegt bei 25 Prozent. Einen solchen Steuersatz wünschte sich bei uns auch ein gut verdienender Facharbeiter der Einkommensteuer bezahlen muss.

          • Stefan Sasse 10. Mai 2013, 11:03

            Damit sind wir bei dem Hauptproblem des Journalismus, dass du, Jens, und die NDS mMn ebenfalls ignorieren: die blanke Macht der Auflage. Ich habe das hier beschrieben:
            http://oeffingerfreidenker.blogspot.de/2013/03/das-zeitungssterben-als-lifestyle.html
            Fakt ist einfach, dass viele an der Aufklärung, die ihr betreibt, nicht interessiert sind. Nicht, weil sie ideologisch verblendet sind, sondern weil es ihnen zu anstrengend, kompliziert oder einfach nur egal ist. Du hast das sicher genauso oft wie ich im Bekannten- oder Verwandtenkreis erlebt, wenn niemand über mehr als Stammtischparolen hinausgehen will. Sobald du mit Fakten anfängst, die Grundlage einer echten Diskussion wären, ist die Diskussion am Ende und geht zum Fußball.

          • Jens Berger 10. Mai 2013, 11:31

            @Stefan

            Das „Grundproblem“ ist ja auch, dass man – wenn man gegen den Mainstream – argumentiert, immer sehr weit ausholen muss, da viele Grundannahmen fest verankert sind. Das merkt man der ganzen „Austeritätskiste“ ja wunderbar. Will man Austerität positiv kommentieren, kann man das auf BILD-Niveau machen, da die Grundannahmen bei den Lesern verankert sind und die einfachen Botschaften verstanden werden. Will man gegen Austerität schreiben, muss man erst einmal diese Grundannahmen argumentativ angreifen. Das herrschende Format im Journalismus ist immer noch das Printformat – auch die Online-Artikel sind meist nur Print-Ableger. Im Printformat gibt es aber eine maximale Zeichenzahl. Wer gegen den Mainstream schreibt, hat es da immer schwerer. Das führt auch dazu, dass man oft zuspitzen muss. Das mache ich ja in meiner taz-Kolumne gerne. Aber was wäre die Alternative? Man kann derart komplexe Themen nicht in 4k-Zeichen für ein „Normalpublikum“ aufarbeiten.

          • Stefan Sasse 10. Mai 2013, 13:35

            Keine Frage. Ich möchte damit auch nur aufzeigen, dass „Manipulation“ die falsche Kategorie dafür ist. Erklärungsgehalt gegen null.

        • In Dubio 10. Mai 2013, 10:36
          • popper 11. Mai 2013, 14:10

            @In Dubio
            Deine Hinweise zeigen doch das Dilemma. Wenn du unter der Rubrik des Artikels: SPARPOLITIK AUF DEM PRÜFSTAND weiter liest kommt, das was Jens schon auf Jan’s Einwand geschrieben hat. Es wird relativiert und der Sachgegenstand verschoben, nur um seine Meinung eben doch nicht ändern zu müssen. Z.B. mit dem Hinweis: „Ich kann über diese Debatte nur den Kopf schütteln. Ich brauche keine – noch dazu falsch errechnete – Marke von 90 Prozent um zu wissen, dass die Staaten der westlichen Welt zu hoch verschuldet sind“, sagt Jörg Krämer, Chefökonom der Commerzbank.“

            Oder: „Auch namhafte US-Ökonomen wie John Silvia, Chefvolkswirt von Wells Fargo, hatten zuletzt mit Nachdruck davor gewarnt, in den Sparbemühungen nachzulassen: „Die Schulden von heute erhöhen die Steuern von morgen“ – das hätten die Bürger in den vergangenen Jahren bereits deutlich zu spüren bekommen.“

            Warum steht da nicht: …die Schulden von heute erhöhen die Einkünfte von morgen, anstatt die Steuern von morgen? Was ja über ein Behaupten nicht hinauskommt Das soll keine Manipulation sein? Doch nur, wenn man Manipulation so eng fasst, dass der Begriff inhaltlich nichts mehr hergibt.

          • In Dubio 11. Mai 2013, 15:42

            Auch hier: Sie machen sich die Sache einfach. Nur, weil es einen Codierungsfehler mit geringem Effekt gab, macht das die Studie nicht wertlos. Der Großteil der Abweichung entfällt auf zum Zeitpunkt der Studie nicht verfügbare Daten und auf die doppelte Gewichtung der Wissenschaftler. Das sind aber keine Fehler.

            Doch selbst, wenn man das im Sinne der Kritiker bereinigt, bleibt die Aussage, dass Länder mit hohen Schulden (>90% des BIP) 2,2% im Median erzielen, geringer verschuldete Staaten jedoch 3,2%. Das ist nicht unwesentlich und auf 20 Jahre summiert sich das mit Zinseszinseffekt auf weit mehr als 20% Wohlstandsunterschied. Es ist also völlig unseriös zu behaupten, das Ganze habe sich nivelliert. Das kann nur jemand behaupten, der nicht genau hinsieht. All jenen ist der wissenschaftliche Artikel des Vorsitzenden der „Fünf Weisen“, Christoph M. Schmidt, anempfohlen – gerade, wenn man sich wie Jens Berger behauptet, für die Wissenschaft interessiert und seriös argumentieren möchte.

          • In Dubio 11. Mai 2013, 15:45

            Die Schulden von heute erhöhen definitiv nicht die Einkommen von morgen. Etwas anderes wäre tatsächlich eine völlige Irreführung. 3,2% Wachstum werden immer mehr bleiben als 2,2% Wachstum (bei hohem Schuldenstand).

          • popper 12. Mai 2013, 12:10

            @In Dubio
            Ich denke, dass dein Denkfehler darin besteht, dass du eine Modellrechnung so behandelst, als würde sie die Realität abbilden, was sie gerade nicht tut. Nicht umsonst wird hier immer vom Median gesprochen nicht vom tatsächlichen Verlaufszahlen. Wenn man sich das Lehrbuch zur ‚Internationalen Wirtschaftstheorie‘ von Rogoff und Maurice Obstfeld oder deren viele Aufsätze dazu anschaut, fügen sie überall dort wo das Modell nicht mehr funktioniert ad hoc-Hypothesen hinzu, um das Modell irgendwie doch noch zu retten. Sie nennen diese euphemistisch „Puzzels“, welche die „Feigenblatt“ bilden, sobald die Empirie nicht mehr mit der Standardtheorie in Einklang zu bringen ist. Auch der von dir bemühte „Wirtschaftsweise“ Ch.M. Schmidt tut im Grunde nichts anderes. Er erwähnt die Fehler so als seien diese zweitrangig, hält dann aber die Schlussfolgerungen daraus für zutreffend. Das ist nicht wissenschaftlich, sondern einfach nur opportun. Er will wie so viele, nicht an das Grundproblem heran. Das ja letztlich darin besteht, dass mit dem Computer eine Manie in der Ökonomik Einzug gehalten hat, die suggeriert, hier sei in die ökonomische Debatte etwas eingeführt worden, was zu mehr Erkenntnisgewinn beiträgt. Tatsache ist jedoch, dass die Mathematik darin lediglich selbst bestätigend wirkt. Es wird dabei absichtsvoll (manipulativ)) ausgeblendet, dass die Analyse eines mathematischen Modells bzw. sein Nachvollzug auf dem Computer immer auch auf Erkenntnisse zielt, die über die Mathematik hinausweisen. Tatsache ist aber, dass ein logischer Zusammenhang von Schuldenstand und Wachstum nicht besteht, da schon der Vergleich einer Bestandsgröße mit einer Strömungsgröße logische Probleme aufwirft.

            Was dein Einwand betrifft: „Die Schulden von heute erhöhen definitiv nicht die Einkommen von morgen.“ Ist zu ergänzen, dass ich damit sagen wollte, dass den Schulden Forderungen in gleicher Höhe in der Zukunft gegenüberstehen. Diese werden in der Zukunft realisiert und tragen zum Einkommen des Gläubigers, wenn es sich um Nachkommen handelt, bei (erhöhen es).

          • In Dubio 12. Mai 2013, 19:34

            Wieso unterliege ich einem Denkfehler? Selbstkritisch wäre doch zu fragen, ob nicht Sie einem Denkfehler unterliegen.

            Immerhin übersehen Sie, dass es sich um empirische Forschung handelt, keine mathematischen Modelle. Dahinter stehen historische Daten, die strukturiert wurden. Und selbst, wenn alle Einwände der Kritiker berücksichtigt werden, wenn man sich also völlig auf ihre Annahmen einlässt und nicht auf Sensitivisierung besteht, kommt man zu dem Ergebnis, dass hohe Schulden mit geringem Wachstum korrelieren.

            Für die Theorie, dass höhere Schulden später zu mehr Wachstum führt, ist doch kaum haltbar. Und wir erleben doch, dass die Gläubiger der Staaten eben die Erwartung einpreisen, dass ein hoher Schuldenstand die Bonität des Staates in Frage stellt.

            Eine Forderung ist nur dann werthaltig, wenn der Schuldner solvent ist und bleibt. Das liegt jedoch nicht in der Hand des Gläubigers, sondern des Schuldners. Ihr Denkfehler ist: nicht jede Forderung wird vollständig zurückgezahlt, das Ausfallrisiko liegt beim Gläubiger.

          • popper 13. Mai 2013, 11:30

            Wenn Sie wollen, dass ihre Beiträge ernst genommen werden, dann dürfen Sie sich nicht in Scheinargumente flüchten. Es ist eben nicht zutreffend, dass Schuldenstände von über 90% mit Wachstumseinbußen korrelieren. Zum Beispiel Länder, wie Australien und Neuseeland hatten bei sehr hohen Schuldenständen keine Wachstumsabschwächung. Ich empfehle ihnen zu dem Fragenkomplex folgenden Artikel: http://www.handelsblatt.com/politik/oekonomie/nachrichten/rechenfehler-von-rogoff-und-reinhardt-es-gibt-keine-anzeichen-fuer-eine-historische-schuldengrenze/8092988.html

            Ihr Hinweis: „…Für die Theorie, dass höhere Schulden später zu mehr Wachstum führt, ist doch kaum haltbar. Und wir erleben doch, dass die Gläubiger der Staaten eben die Erwartung einpreisen, dass ein hoher Schuldenstand die Bonität des Staates in Frage stellt…“ ist nichts weiter als eine Schutzbehauptung. Wobei Sie im ersten Satz den Begriff Einnahmen durch „Wachstum“ ersetzen, was ich für eine unredliche Veränderung des Streitgegenstandes halte.

            Und der zweite Satz ist eine, vornehm ausgedrückt, misslungene Reductio ad absurdum, indem Sie so argumentieren, als seien Forderungen grundsätzlich uneinbringbar, was nicht mein Punkt war. Es ging mir lediglich um die Feststellung, dass saldenmechanisch Schulden immer zukünftige Forderungen/Gewinne sind, die selbst dann zusätzliche Einkünfte, nämlich per Zinszahlung, generieren, selbst wenn der Schuldner irgendwann insolvent werden sollten.

          • In Dubio 15. Mai 2013, 09:38

            Bestimmen Sie, wann etwas ernst zu nehmen ist?!?

            Nochmal, selbst Ash kommt zu einem Medianwert von 2,2% bei hochverschuldeten Staaten, während dem 3,2% bei gering verschuldeten Volkswirtschaften gegenübersteht. Wobei Ash die Gewichtung kritisiert. Wie Schmidt jedoch richtig schreibt, gibt es keinen allgemeinen Gewichtungsmaßstab, dieser ist unter Berücksichtigung einer Sensitivitätsanalyse festzulegen und sein Effekt zu bestimmen.

            Ich teile nicht ihre Einschätzung, dass unsere Ergebnisse sich nicht dramatisch von den ihren unterschieden. Wo Reinhart und Rogoff oberhalb einer Staatsschuldenquote von 90 Prozent durchschnittliches Wirtschaftswachstum von minus 0,1 Prozent ermitteln, sind es bei uns 2,2 Prozent.

            Wie bewerten Sie denn die unterschiedlichen Zinsaufschläge für die Südländer und Frankreich? Zinsen sollen doch neben einem Ausgleich für Inflation das Risiko einer Geldanlage widerspiegeln. Wenn man das in diesem klassischen Sinne interpretiert, so sehen Investoren genau bei diesen Staaten ein Problem, mittel- und langfristig die Anleihen durch Wirtschaftswachstum und daraus resultierenden Steuereinnahmen bedient zu bekommen.

            Und passen Sie bitte auf, dass Sie eine ernstzunehmende Begründung hinbekommen.

            Im Wirtschaftsleben beträgt je nach Branche das Kreditausfallrisiko bei durchschnittlich 8-10 Prozent. Das bedeutet, Gläubiger erleiden in jedem 10. Fall einen Totalausfall ihrer Wertanlage.

          • popper 15. Mai 2013, 17:44

            @In Dubio: Bestimmen Sie, wann etwas ernst zu nehmen ist?!?
            popper: Nein! Das war mit keinem Wort mein Anliegen.
            @In Dubio: Nochmal, selbst Ash kommt zu einem Medianwert von 2,2% bei hochverschuldeten Staaten, während dem 3,2% bei gering verschuldeten Volkswirtschaften gegenübersteht. Wobei Ash die Gewichtung kritisiert. Wie Schmidt jedoch richtig schreibt, gibt es keinen allgemeinen Gewichtungsmaßstab, dieser ist unter Berücksichtigung einer Sensitivitätsanalyse festzulegen und sein Effekt zu bestimmen.
            popper: Warum referieren Sie das Ergebnis von Ash. Es geht um Rogoff u. Reinhardt (RR). Sie haben errechnet, dass ab einer Verschuldung von 90% ein negatives Wachstum von -0,1 herauskommt, was ganz erheblich von Ash (+2,2) abweicht. Und die von Schmidt angesprochene Sensitivitätsanalyse ist doch nur ein Vehikel, das sich aus dem Dilemma ergibt, dass man mit der ökometrischen Auswertung allein nicht hinkommt. Abgesehen davon, liefern Sensitivitätsanalysen nur Aussagen darüber, wie anfällig das System/Modell ist. Das erklärt nichts, sondern verlagert das Problem. Die Widerlegung des Nachweises von RR, es gäbe ein Verschuldungsquotengrenze von ca. 90%, ab der das Wachstum substanziell und nicht-linear abnimmt bleibt bestehen.
            @In Dubio: Ich teile nicht ihre Einschätzung, dass unsere Ergebnisse sich nicht dramatisch von den ihren unterschieden. Wo Reinhart und Rogoff oberhalb einer Staatsschuldenquote von 90 Prozent durchschnittliches Wirtschaftswachstum von minus 0,1 Prozent ermitteln, sind es bei uns 2,2 Prozent.

            popper: Ja +2,2% Wachstum

            @In Dubio: Wie bewerten Sie denn die unterschiedlichen Zinsaufschläge für die Südländer und Frankreich? Zinsen sollen doch neben einem Ausgleich für Inflation das Risiko einer Geldanlage widerspiegeln. Wenn man das in diesem klassischen Sinne interpretiert, so sehen Investoren genau bei diesen Staaten ein Problem, mittel- und langfristig die Anleihen durch Wirtschaftswachstum und daraus resultierenden Steuereinnahmen bedient zu bekommen.
            popper: Die Zinsaufschläge sind Teil der Spekulation, die sich nur deshalb so dramatisch ausweiten konnte, weil die Konstruktion der Währungsunion geradezu dazu einlädt, da es in der Eurozone keinen Lender of last resort gibt. Was hat das aber mit der Analyse von RR zu tun?

            @In Dubio:Im Wirtschaftsleben beträgt je nach Branche das Kreditausfallrisiko bei durchschnittlich 8-10 Prozent. Das bedeutet, Gläubiger erleiden in jedem 10. Fall einen Totalausfall ihrer Wertanlage.

            popper: Wir reden von Staatsverschuldung, und die findet bekanntlich über Anleihen statt.

          • In Dubio 15. Mai 2013, 18:30

            Rogoff und andere weisen darauf hin, dass die Gewichtung der Daten keinen Grund bieten, die These zu verwerfen. Die Kritiker haben maximal in die Gegenrichtung gerechnet. Am Ende bleibt eine Differenz zwischen dem Wachstum von gering verschuldeten Staaten und Staaten mit hoher Verschuldung. Berücksichtigt man nicht allein den Zeitraum von einem Jahr, da sich Verschuldung ja nicht per Jahresfrist dramatisch ändert, sondern eine Perspektive von 20 Jahren, so erleiden selbst nach Rechnung der „Keynesianer“ hoch verschuldete Länder einen gravierenden Verlust an Wohlstand gegenüber anderen Staaten. Warum wollen Sie wegdiskutieren, was nicht wegzudiskutieren ist?

            Die Zinsaufschläge sind Teil der Spekulation, die sich nur deshalb so dramatisch ausweiten konnte, weil die Konstruktion der Währungsunion geradezu dazu einlädt, da es in der Eurozone keinen Lender of last resort gibt.

            Interessant ist doch, dass sich die Zinsaufschläge den Verhältnissen vor der Währungsunion annähern. Das spricht doch genau gegen Ihre These. Zumal Spekulation kurzfristig ist. Bei mittel- und langfristigen Trends können wir nicht mehr von Spekulation sprechen. Und wenn das so ist, dann bestätigt das die These von Rogoff. Schließlich erhalten Länder nur nach ihrer Bonität Kredite am Kapitalmarkt. Steigen die Zinsaufschläge, so signalisiert dies, dass die Anleger das Potential niedrig einschätzen, Steuern zur Tilgung der Anleihen zu generieren. Die Möglichkeit, Steuern zu generieren, richtet sich wiederum nach der Produktivität einer Volkswirtschaft.

            Auch Staaten können ausfällig werden, das ist ja nun wahrlich nichts Neues. Bei einer Insolvenz oder Umschuldung verliert nicht der Schuldner Geld, sondern der Gläubiger. D.h. nichts anderes, als das zu Lasten des Sparers / Investors das Verhältnis von Schulden und Forderungen, das Sie so herausgestrichen haben.

          • popper 15. Mai 2013, 22:37

            Ist das für Sie so schwer zu akzeptieren, dass das, was Rogoff und Reinhardt da als Resultat vorgetragen haben schlicht und ergreifend Scharlatanerie ist. Es gibt keinen logischen Zusammenhang zwischen der Bestandsgröße Verschuldungsquote 90%/BIP und einer Herabsenkung der Stromgröße Wachstum. Wie beim Schwarzen Schwan entlarvt/falsifiziert das Vorkommnis einer einzigen sehr hohen Verschuldung (über 90%/BIP) ohne Abschwächung des Wachstum, wie im Falle Australiens das Konstrukt als unwissenschaftlich. Da helfen auch keine kasuistischen Rettungsversuche der neoklassischen Fangemeinde. Ich denke, wir sollten es dabei belassen. Ich kann und will Sie ja nicht von etwas überzeugen, was Sie partout negieren. Zumal Sie auf die wesentlichen Argumente gar nicht replizieren.

    • ThorstenV 11. Mai 2013, 12:14

      Richtig, es ist ja politischer Einfluss nicht unvereinbar damit, dass man vermeintlichen Vorurteile der eigenen Leser bedient. Darin liegt gerade die Kunst des Schreibens als spindoctoring, je nach momentaner Lage die richtigen Vorurteile anzusprechen. Ist jemand in der Kritik, den man da sehen will, dann greif man darauf zu, dass die Kritik eben Volkes Stimme ist und bügelt kritische Auseinandersetzung mit der Kritik mit einem „… man muss doch sagen dürfen …“ ab. Alles Feinde der freien Meinungsäußerung, die die Kritik nicht toll finden. Trifft es jemanden, der zu beschützen ist, dann ist die Kritik nebensächlich, kleinlich, übersieht die großen Leistungen des Kritisierten etc..

  • Max 10. Mai 2013, 05:38

    Manipulation durch die regierenden Parteien abzustreiten ist naiv.

    Kleines durch zahlreiche Studien belegtes Beispiel: man verkauft zwei Weinflaschen eine für 3 € und eine für 7€ Der Anteil der für 7€ verkauften Flaschen läßt ganz einfach erhöhen indem man zusätzlich eine 15€ kostende Flasche ins Regal stellt.
    Selbst wenn man dieses Prinzip kennt ist es sehr schwer dauerhaft nicht darauf hereinzufallen.

    Dieses Prinzip wurde zum Beispiel bei der „Rettung“ Zyperns eingesetzt. Das Paket die Sparer mit mehr als 100.000€ an den Kosten zu beteiligen lies sich nur schlecht verkaufen. Wenn man aber die Option das alle mitbezahlen müssen daneben stellt, wird sie auch einmal ganz annehmbar.

    Eine weitere beliebte Manipulation ist die, die mit dem Frosch und langsam wärmer werdendem Wasser symbolisiert wird. Das kann man an der Finanzkrise auch sehr gut sehen. Am Anfang wurde es ausgeschlossen das wir in Deutschland eine „Bad Bank“ haben. Dann wurde Scheibchenweise die HRE in eine Bad Bank umgewandelt. 2o10 hatten wir dann mehr oder weniger offiziell eine „Bad Bank“. Besonders nettes Detail ist das die ersten Hilfsgelder gezahlt wurden 5 Jahre und 1 Tag nach der Gründung. Wäre es eher gezahlt wurden wären die Banken die die HRE gegründet haben Regresspflichtig gewesen.

    Ich finde es wird viel zu selten deutlich gesagt wenn Manipulation oder Betrug stattfindet.

    Wenn ihr das ein wenig Überzogen findet. Nehmt eine beliebige Regierungspresseerklärung her und überprüft ihren Wahrheitsgehalt nach 3 Monaten, 1 Jahr, 5 Jahren und 25 Jahren. Der Anteil der Unwahr ist steigt mit der Zeit immer mehr an. Tolles Beispiel nach 33 Jahren http://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.terrorismus-historiker-darum-plante-mein-vater-das-wiesn-attentat.ecdd3bfd-97f0-4f0d-92f8-578c01748cad.html

    • Stefan Sasse 10. Mai 2013, 06:34

      Das sind nicht Betrug und Manipulation, was du da beschreibst, das ist Politik. Solche Mechanismen zu durchschauen ist die Rolle der Medien, und die wird viel zu selten wahrgenommen. Das ist das Problem. Dass die Politiker versuchen, die von ihnen gewünschte Politik durchzusetzen ist nicht schlimm, das ist ihr Job. Wenn die Journalisten das nicht durchschauen, haben wir ein Problem.

      • wschira 10. Mai 2013, 13:33

        „Das sind nicht Betrug und Manipulation, was du da beschreibst, das ist Politik.“
        Da sehe ich in weiten Bereichen keinen Unterschied.

        • Stefan Sasse 11. Mai 2013, 06:14

          Das ist schade, aber dann wirst du wohl mit keinem politischen System glücklich werden.

  • Wolfgang Kerner 10. Mai 2013, 05:56

    Zitat: “ Gesellschaftliche und politische Eliten vertreten gleichzeitig eher links zu verortende Positionen (Beispiel Homoehe) und rechts zu verortende Positionen (Beispiel Austerität).“

    Allein diese Aussage zeigt das Problem der Analyse. Ich würde sagen, der Standpunkt „Pro-Homoehe“ als auch „Austerität“ wird z.B. forciert von der FDP vertreten, also einer einschlägigen politischen Richtung.

    Der Diskurs in den Medien wird genau von dieser Schicht bestimmt. Das heißt: Das obere Drittel oder vielleicht sogar nur die oberen zehn Prozent bestimmen den öffentlichen Diskurs (gestern bei Illner die Brigitte-Redakteurin, die sich mit einem Monatseinkommen von 6000 € für Mittelschicht hielt, was statistisch gesehen natürlich Unfug ist, denn mit diesem Einkommen gehört sie zu den oberen 10 Prozent). Dabei werden Positionen, die aus der Perspektive von Hartz IV-Empfängern oder Niedriglöhnern argumentieren, zwar nicht hundert Prozent unterdrückt, aber als Randpositionen dargestellt oder durch entsprechende Konnotation diskriminiert.

    Ich würde zwar nicht so weit gehen, wie manchmal in den Nachdenkseiten, dass es sich dabei überwiegend um bewusste Manipulation handelt. Eher um habituell bedingte Einstellungsmuster, die bei den Medienvertretern überwiegen. Aber vom Ergebnis her kommt das Gleiche bei raus. Die öffentliche Meinung ist ein reiner Oberschichten-Diskurs. Von Ausgewogenheit kann keine Rede sein.

    Die These des Autors, dass die Positionen von „Eliten“ insgesamt ausgewogen seien, ist schon gar nicht haltbar.

    • CitizenK 10. Mai 2013, 06:16

      Prof. Hartmann von der Uni Darmstadt hat die Herkunft der Absolventen von deutschen Journalisten-Schulen untersucht. Ergebnis: Kein/e Einzige/r kam aus der Unterschicht oder aus der unteren Mittelschicht.

      Scheinbare Ausnahmen – Salonlinke wie Augstein – bestätigen die Regel. Auch wenn er wie jetzt in der Steuerdebatte links blinkt: die Botschaft hör ich wohl, allein – mir fehlt der Glaube.

  • Klaus Jarchow 10. Mai 2013, 06:52

    Ob nun „die Nähe der Journalisten zu den Eliten“ ursächlich ist, oder eine „rechte Meinungsmache“ – das mediale Resultat bleibt sich gleich. Einmal betreiben die Journalisten ‚voluntaristisch‘ das Geschäft der Happy Few, einmal betreiben sie es ‚gelenkt‘ … ihre objektive Rolle aber bleibt sich gleich.

    • Jan Falk 10. Mai 2013, 06:56

      Aber die Rezepte, etwas daran zu ändern, wären andere, die Kritik am alltäglichen Journalismus in den Massenmedien müsste anders formuliert werden. Das ist keine Kleinigkeit.

      • Klaus Jarchow 10. Mai 2013, 12:50

        Nun ja – wer heute im massenmedialen Abendlicht im Journalismus noch Karriere machen will, der weiß schon, ‚wie‘ er zu schreiben hat. Er muss sich nämlich mit fremden Federn und Ansichten schmücken, will er auf die Titelseiten. Andernfalls bleibt er nun mal ein Außenseiter und Maverick.

        Außerdem … von Ulf Poschardt über Gabor Steingart, Alan Posener, Andrea Seibel, Dorothea Siems, Frank Schirrmacher, Jan Fleischhauer, Malte Lehming, Jennifer Nathalie Pyka, Henryk M. Broder, Jasper von Altenbockum, Michael Naumann, Alexander Marguier, Matthias Matussek, Uli Dönch, Kai Diekmann, Helmut Markwort bis hin zu Roger Köppel haben wir im deutschsprachigen Raum – sagen wir’s höflich – eine durchweg ‚rechtsliberal‘ geprägte Medienlandschaft, welche cum grano salis die Interessen der Bourgeoisie und der Börse zu vertreten hat. Diese Liste ließe sich noch ellenlang fortsetzen. Was soll also das Ballyhoo wegen einer vereinzelten Medienstimme, die aus der alten Festung des Keynesianismus heraus gegen den Mainstream anpiepst?

        • Jens Berger 10. Mai 2013, 14:14

          100% ACK

          Es geht aber nicht nur um „Karriere“. Du weiß ja sicher, wie viele freie Journalisten es gibt und Du weißt auch, welche Kunden überhaupt noch Honorare schreiben, von denen man leben kann. Von taz und Co. könnte man noch nicht mal ordentlich leben, wenn man pro Woche fünf(!) Aufträge bekommt. Den Medien, die mehr zahlen, kann man aber keine „unbequemen“ Themen verkaufen – schon gar nicht im Meinungsressort. Was also tun? Ich kann die Kollegen verstehen, die resigniert haben und nur noch das schreiben, was der Kunde will. Erst kommt das Fressen, dann die Moral.

          • Jens Berger 10. Mai 2013, 14:16

            streiche „Honorare schreiben“, setze ein „Honorare zahlen“ 😉

          • Klaus Jarchow 10. Mai 2013, 19:50

            Das Verstehenkönnen ist das eine, das Verzeihenkönnen fällt schon schwerer – und benennen muss man es, damit sie rechtzeitig erschrecken. Denn ein Schreiber gegen seine innersten Überzeugungen hat ja nach längerer Zeit nur die Wahl, entweder Bulimiker zu werden und zu kotzen, sobald er in den Spiegel schaut, oder irgendwann den Bockmist selbst zu glauben, den er in die Tastatur hämmert. Das ansehnliche Honorar scheint dann seinem dienstfertigen Wandel auch noch recht zu geben – die alte Geschichte mit der innerweltlichen Vorsehung, wo der liebe Gott Mammon immer auf den größten Haufen scheißt. Bei manchen, die ich nannte, ist das meines Erachtens wohl zwingend so gelaufen, die Seibel war mal taz-Kolumnistin, Thomas Schmid war bei der Gruppe Revolutionärer Kampf, der Posener kam vom Kommunistischen Studentenverband – heute klingen diese Granden aus Springers Imperium alle wie Jasper von Altenbockum auf Speed. Menschen sind Personenpersonen – sie bleiben sich keineswegs ihr Leben lang gleich, eine halbfertige Biographie reiht sich an die nächste …

          • Jens Berger 11. Mai 2013, 05:55

            Hmmm. Ich versuche mal anhand zweier Beispiele diesen Wandel zu interpretieren.

            a) Der Opportunist/Egoist (z.B. Gabor Steingart)
            Der Opportunist vertritt stets die Position, von der er sich die größten Vorteile verspricht. Als es „cool“ war, links zu sein, schrieb er linke Texte. So konnte er die Mädels ins Bett kriegen und seine Jünglingszeit ohne größeren psychischen Knacks hinter sich bringen. Aus den Mädels werden irgendwann Ehefrauen und „links“ sein bedeutet, keinen Porsche und kein schniekes Penthouse zu haben. Das kriegt man nur, wenn man dem Kapital nach dem Maul schreibt. Was tun? Man schreibt dem Kapital nach dem Maul und übernimmt die Arschloch-Attitüde. Schon fällt man die Karriereleiter rauf. Der Opportunist ist eigentlich komplett apolitisch. Er nutzt den politischen Journalismus nur, um immer dem Zeitgeist hinterherzurennen.

            b) Der Psycho/Kotzbrocken/Provokateur (z.B. Henryk Milhouse Broder)

            Der Psycho hat ernst Probleme mit seinem Ego. Er ist der wandelnde Minderwertigkeitskomplex. Wird er nicht zum Serienmörder, ist sein Weg in die Redaktionen vorherbestimmt. Ob er nun von links oder rechts gegen das Bürgertum ätzt, ist ihm eigentlich herzlich wurscht. Anders als der Opportunist wird er jedoch zum Überzeugungstäter. Und da an politischen Rändern rechts und links bekanntlich recht eng zusammenliegen, ist es für ihn auch gar kein Problem, munter die Seiten zu wechseln. Broder und Co. sind der publizistische Arm von Horst Mahler und Co.. Sie können sehr gut in den Spiegel schauen, da sie selbst für sich das Maß aller Dinge sind.

            • CitizenK 11. Mai 2013, 08:41

              „charme von altherren dkp-abenden“
              Das ist nun aber wirklich übertrieben. Die Brandt-SPD hatte mit der KPD bekanntlich nichts am Hut. Und Jens Berges Blog ist ja so etwas wie der Kommentarbereich zu den NDS.

              Kompliment für seine Charakterisierung von Steingart und Broder hier. Das mit den politischen Rändern wird ihm mächtig Ärger einbringen.

          • Klaus Jarchow 11. Mai 2013, 07:22

            Hmmm – vielleicht hast du recht. Ein gewisses charakterliches Hallodritum gehört vielleicht dazu. Auf Tucholsky oder Polgar sollten sich solche Figuren dann aber nicht mehr berufen …

  • Gerald Fix 10. Mai 2013, 07:25

    Hier unterläuft den NachDenkSeiten, was man in der Psychologie „Projektion“ nennt, denn in Wahrheit zeichnet sich das Blog um Lieb, Berger und Müller viel eher durch ein bewusstes und geschlossenes politisches Weltbild und dessen Darstellung aus als etwa die überregionalen Tageszeitungen oder der öffentlich rechtliche Rundfunk. Wie ließe sich sonst erklären, dass sich „Hinweise des Tages“ stets wie eine Ansammlung all derjenigen Artikel lesen, die genau in die NachDenkSeiten-Ideologie passen?

    Halten Sie das für einen Nachteil? Ich eigentlich nicht – mir ist ein Medium lieber, dessen politische Ausrichtung ich kenne, als eines dessen Fähnlein wahllos flattert. Ich kann mich dann nämlich an einem Gerüst orientieren. (Daher lese ich online FAZ und nicht ZEIT oder Spiegel, ohne der politischen Meinung der FAZ nahezustehen.)

    Was die Bild-Zeitungs-Aktion angeht, nehme ich allerdings auch an, dass die Termin-Wahl mehr dem Werbeeffekt für Bild dient als der Wahl-Manipulation. Eine Gratiszeitung zu irgendeinem anderen Zeitpunkt hätte wahrscheinlich keinen Hund mehr hinterm Ofen hervorgelockt.

    • Stefan Sasse 10. Mai 2013, 11:05

      Ich bevorzuge auch Medien mit Meinung. Die USA zeigen IMHO deutlich was passiert, wenn die Leitmedien sich unpolitisch geben. Aber: es sollte nicht in krasse Polarisierung ausarten. Wenn wir Fox News und MSNBC hätten, würde ich mich unwohl fühlen. Oder wie die Zeitungen in Weimar. Die Springerpresse etwa ist mir häufig schon deutlich zu parteiisch, jungeWelt und Neues Deutschland sowieso.

  • Pn24 10. Mai 2013, 07:33

    Sehr schöner Artikel, dann zeigen Sie den doch mal direkt so Blättern wie Cicero oder Focus die wesentlich mehr Reichweite als die Nachdenkseiten haben und von einer „Linksökologischen Systempresse“ schwadronieren. Vielleicht sollten Sie sich nicht zu sehr auf einen kleinen Blog einschießen, wenn es die Mainstream-Medien sind, die einseitig recherchieren. Wieso sollte man von Blogs, die das Korrektiv dieser Einseitigkeit sind was anderes erwarten als das sie die Einseitigkeit anprangern?
    Recherchiert das BILDblog einseitig? Ja, muss es. Es ist schließlich dazu da, die Einseitigkeit der anderen aufzudecken. Und der Einfluss der BILD sollte nicht unterschätzt werden. Meines Wissens das einzige Medium, das in diesem Land gezielt Debatten schüren kann. Die BILD Zeitung bestimmt worüber wir reden. Auch weil alle anderen „Qualitätsmedien“ aus ihr abschreiben. Sarrazin hoch geschrieben, Wulff raus geschrieben gegen Griechenland gehetzt – ganz zu schweigen von ihren Hetzaufrufen in der Vergangenheit oder der Sache, das Innenminister Friedrich Studien zur Integration an BILD weitergibt, damit die sich rauspickt was ihr passt und dann gezielt hetzen kann. Wenn Sie über die Manipulierbarkeit der BILD-Leser was erfahren möchten, fragen Sie sie doch mal nach ihrer Meinung zu Griechenland und vergleichen sie das ganze doch mal mit der Zeit vor 2010. Eine einzige Zeitung kann das Verhältnis zweier Länder schwer belasten. Und dieses Hetzblatt bekommen wieder 40 Mio Haushalte einen Tag vor der Bundestagswahl in ihre Briefkästen. Die Blogs die Sie hier in Form der Nachdenkseiten anprangern bilden die Gegenöffentlichkeit von der sie anscheinend wenig halten.

    • Jan Falk 10. Mai 2013, 07:53

      Lieber (halbwegs konstruktive) Kritik am kleinen Blog, das mir politisch einigermaßen nahe steht als mich mit dem blöden Focus beschäftigen, der mich überhaupt nicht interessiert.

  • epikur 10. Mai 2013, 07:53

    Der Begriff der Manipulation ist deshalb problematisch. Er unterstellt den Massenmedien, vornehmlich ideologische Institutionen zu sein. Sie transportieren zwar durchaus teils als einseitig zu bezeichnende Positionen, jedoch nicht unbedingt in Indoktrinationsabsicht. […] Die Leitwährungen des Mediensystems sind vor allem Auflage, Reichweite – und letztlich Gewinn

    Das Prinzip der Gewinnmaximierung, als oberste Prämisse jeglichen Handelns, Denkens und Entscheidens, ist also keine Ideologie? Keine Weltanschauung?

    Ja, es mag keine zentrale Schaltstelle geben, die alles kontrolliert (wobei ich mir da nicht mal sicher wäre, wenn ich mir die Besitzverhältnisse der Verlage, Stiftungen usw. anschaue) – was es aber gibt, sind Zwänge, Strukturen, Disziplinierungsmethoden, Selbstzensur, Klüngelei usw. – dies alles bringt das Denken und die Lebenseinstellung der Journalisten, Redaktionen und Verlage auf EINE Linie.

    Gleichschaltung wird nie wieder so sein wie unter Nazi-Deutschland. Heute ist sie subtiler, gerissener, versteckter. Warum denkt Ihr eigentlich immer noch unsere sog. „Eliten“ wären so dämlich den gleichen Fehler zwei mal zu machen?

    Davon abgesehen geht mir dieses scheinheilige „liberale“ Getue gehörig auf den Sack. Ihr tut ständig so, als befreie euch die Bereitschaft zur Diskussion mit allen politischen Lagern, von Subjektivität, Wertung und eigener Weltanschauung. Liberale sind genauso verbohrt und dogmatisch, wie Linke und Rechte. Ihr lasst euch genauso wenig überzeugen, sondern haltet verbissen an eurer Meinung fest, egal welche Argumente gebracht werden. Dies einzugestehen, würde die ganze Sache hier eindeutig sympathischer machen. Aber so nicht.

  • Gregor Keuschnig 10. Mai 2013, 09:53

    Das hier gelegentlich vorgebrachte Argument Bild würde von Millionen gelesen, die NDS jedoch nur von wenigen rechtfertigt ja in keinem Fall die im Artikel genannten Problematiken der NDS. Oder rechtfertigt etwa die Größe oder Ausrichtung des Gegners den Umgang mit ihm?

    Ich muss auch lachen, wenn „Bild“ hier immer noch als einzigartig im deutschen Mediendschungel gesehen wird – das ist ja genau das, was diese Leute immer noch suggerieren wollen (viel dringlicher ist die Akzeptanz der Bild bei den seriösen Medien). Die sogenannte Studie der Otto-Brenner-Stiftung ist übrigens ein ziemlich lächerliches Papier; es „beweist“ nur das, was die Autoren längst verinnerlicht hatten und beweisen wollten.

    Ich vermute, der (relative) Erfolg der NDS (im Vergleich zu Printmedien sind die NDS was Reichweite angeht – wie alle reinen Onlinemedien- Zwerge) hängt gerade mit ihrer überzogenen Polarisierungsrhetorik zusammen. Sie übernehmen damit sozusagen eine Art Religionsersatz. Dabei wird der Name längst ad absurdum geführt: „nachgedacht“ wird dort nur in eine Richtung. Was den Konsum erleichtert: Man braucht zu einem Thema nur zwei oder drei Artikel zu lesen – dann weiss man, wie all die anderen Artikel ausfallen werden.

    Natürlich sind die NDS in diesem Sinne ein elitäres Produkt (was ich gar nicht pejorativ meine). Etwa wie politisches Kabarett in Deutschland. Es gibt ein klares Feindbild. Den Lesern hält dies in den Zeiten der (scheinbaren) sozialen Kälte die Stube warm; aber auch unter Gleichgesinnten stellt sich irgendwann der Mief ein. Beide Antipoden (NDS und Bild) haben jedoch – und hierin liegt ein Missverständnis – mit einem politischen Diskurs rein gar nichts im Sinn. Den muss man an anderer Stelle suchen.

  • Wilz 10. Mai 2013, 10:24

    „Selbst in diesem Fall ließe sich die Gratisverteilung wohl kaum als in irgend einer Form illegitim bezeichnen.“

    Natürlich ist es illegitim, wenn ein Privatunternehmen derart in den Wahlkampf eingreift.

    „Millionen Menschen werden am Tag vor der Wahl Nachrichten im Fernsehen schauen, Radio hören, Artikel im Netz lesen. Warum also nicht auch noch die BILD?“

    Falsche Frage. Richtig wäre gewesen: Warum BILD? Und vor allem: Warum kostenlos BILD? Warum gibt jemand 10 oder 20 Millionen Euro aus, um sein Produkt bundesweit kostenlos unters Volk zu bringen? (Wahlspruch Diekmann: Kostenlosmentalität im Internet bekämpfen!)

  • Thomas 10. Mai 2013, 11:20

    Die sogenannten Nachdenkseiten sind doch bekannt als Wahlpropaganda für gute Linksparteien und nichts anderes. Ist doch schon seit Jahren so. „Links = Gut“ wird dort immer wieder suggeriert ebenso wie „Unsere Leser = Gebildet und klug“.

  • Bodo Weis 10. Mai 2013, 13:19

    Meinen sie nicht auch dass der Bürger mündig genug ist um zu entscheiden was er liest.
    Sie schreiben „Die Leitwährungen des Mediensystems sind vor allem Auflage, Reichweite – und letztlich Gewinn, und das gilt selbst für ein politisch selbstbewusstes und meinungsfreudiges Medium wie die BILD.“
    Ich weiß nur dass die Auflagen von „BILD“ gewaltig in den Keller rauschen (meine liebste statistische Grafik) Es stellt sich die Frage: Warum wohl?
    Ach ja, einfach mal „bildblog.de“ lesen.

  • jansalterego 10. Mai 2013, 14:06

    tl;dr Manipulation kann auch ohne Vorsatz stattfinden; „Bild“ geht gar nicht

    Wenn man für Manipulation einen Vorsatz voraussetzt, kann man natürlich zu dem im Artikel erläuterten Schluss kommen. Ich halte dies für zu kurz gedacht. Es kann auch ohne einen vorsätzlich Manipulierenden jemanden geben, der manipuliert wird. Und dann hat nun einmal Manipulation stattgefunden. Dies lässt sich beispielsweise am Thema Kriminalität zeigen. Da D eines der sichersten Länder der Welt ist, bezieht der Großteil der Bevölkerung seine Informationen über Kriminalität aus den Medien^tm. Die Medien wiederum berichten – aus zumindest nachvollziehbarem Profitstreben – (fast) nur über aufsehenerregende Fälle, weit überwiegend aus dem Bereich derjenigen Delikte, die mit hohen Strafandrohungen versehen sind. Dadurch ensteht nachvollziehbarerweise bei jedem, dessen Informationsquellen sich auf die Medien beschränken, der Eindruck, derartige Taten kämen häufig bzw. immer häufiger vor, während dies realiter (erkennbar vornehmlich durch PKS und Dunkelfelderhebungen) anders ist. Die Medien spiegeln hier nicht nur, sondern formen Realität. Eine Wahrnehmungsveränderung (man könnte legitimerweise von -manipulation sprechen) ist die Folge, ohne dass der Vorsatz „der Medien“ auf ebendiese Wahrnehmungsveränderung gerichtet wäre und ohne, dass man als Manipulierter sonderlich tumb oder uninformiert sein müsste um der Wahrnehmungsveränderung zu erliegen. Bei den empirischen Daten handelt es sich nun einmal um Spezialwissen. Diese spezielle Wahrnehmungsveränderung ist übrigens durch eine Umfrage nachgewiesen oder zumindest erhärtet worden: Auf die Frage wie sich die Kriminalität im eigenen Wohnumfeld entwickelt habe (eigenes Wissen vorhanden, nicht auf Medien angewiesen) antwortete der weit überwiegende Teil der Befragten mit: unverändert/leicht gesunken/stark gesunken. Auf die Frage hingegen wie sich die Kriminalität in ganz Deutschland entwickelt habe (kein eigenes Wissen, auf mediale Berichterstattung zur Informationsgewinnung angewiesen), anwortete hingegen der weit überwiegende Teil mit: angestiegen/stark angestiegen.
    Zudem zeigen auch Phänomene wie der politisch-publizistische Verstärkerkreislauf (Scheerer 1978), dass von Medien – vielfach unbeabsichtigt – eine Manipulationswirkung ausgeht, vor der auch intelligente und gebildete Politiker (was ich zu deren Gunsten einfach mal voraussetze) nicht gefeit sind.
    Insofern denke ich nicht, dass die Verwendung des Wortes „Manipulation“ durch die NDS zwingend falsch wäre. Deswegen verwechseln Sie aus meiner Sicht auch hostile media perception mit legitimer Medienkritik. Letztere ist nämlich durchaus zulässig, wenn aus Profitstreben verzerrt oder gleich ganz unwahr berichtet wird.

    Die „Bild“ jedoch taugt als exemplum generalis für die Kritik an den NDS einfach mal gar nicht. In der Bild Zeitung gibt es keine differenzierte Berichterstattung, je nachdem um welches Thema es geht. Die FJW steht zur Homoehe genauso rechts, wie Blome zur Austeritätspolitik stramm rechts steht. Bei der Bild gibt es nichts zu deuteln, die Aufmachung und der Stil zielen auf Auflage, der Inhalt auf bewusste Manipulation (von rechts), wie sich nicht zuletzt bei einer flüchtigen Durchsicht des bildblogs des heutigen Tages zeigt.

  • hardy 11. Mai 2013, 02:53

    irgendwie warte ich schon seit jahren auf einen artikel wie diesen.

    für mich haben die NDS irgendwie den charme von altherren dkp-abenden und sind an rechthaberei eigentlich kaum noch zu übertreffen. die fehlende kommentarfunktion ist da nur das sahnehäubchen.

    natürlich finde ich ab und an etwas, was mich interessiert und auch weiterbringt, aber im grunde finde ich die NDS zum gähnen langweilig und humorlos bis in die knochen.

    • Klaus Jarchow 11. Mai 2013, 15:11

      @ hardy: Dass die Nachdenkseiten (leider) so klingen, wie sie klingen, hängt wohl eher damit zusammen, dass hier zwei ehemalige Planungsleiter aus dem Kanzleramt schreiben. Die bunte Welt der Metaphern und treffenden Vergleiche ist solchen Menschen verschlossen, sie sehen alles rein ‚informationell‘ – und damit auch ‚rhetorisch falsch‘.

      Von einem Ronald Pofalla, dem heutigen Leiter des Kanzleramts in der Mutti-Regierung, erwarte ich doch auch keinen (zu)packenden humorvollen Stil, sondern ich unterdrücke bei seinem Anblick eher meinen Gähnreflex. Ein derart habituell steppendürrer Tonfall verliert sich auch nicht so leicht. Dieser Sound ist also keine Frage von Parteien.

      Jens Berger aber klingt da wesentlich ‚bloggisher‘.

      • hardy 11. Mai 2013, 21:12

        der pofalla ist, wie wir wissen, ein „würstchen“, so was past bestenfalls zwischen zwei brötchenhälften und den senf müssen wir auch selbst dazugeben.

        was die NDS angeht – ich bin ja ernsten informationen nicht unbedingt abhold und eine gegenmeinung zum mainstream, die sich nicht aus dem ressentimentalen sound der dummheit speist, könnte ja im anpasserischen einheitsbrei des neobiedermeier der letzte rest an würze sein.

        aber deshalb gleich den dogmatische habitus der altherren-dkp? denn um einen herrenclub scheint es sich ja zu handeln, dem so alles, was wir mit der (weiblich getunten) moderne verbinden, abgeht.

        nope, dann schon lieber den postillon.

        • hardy 11. Mai 2013, 21:26

          und (@citizenK) – der geruch von dkp-altherren-abende ist mir durchaus vertraut: ich komme ursprünglich aus einem ort im saarland, in dem die dkp tatsächlich mit 7% im rathaus landete … mit unseren (jugendlich leichtgläubigen) stimmen …

  • Jan Falk 11. Mai 2013, 08:33

    Ich sag mal vielen Dank allen Beteiligten (insbesondere Jens) für die gute Debatte!

  • AndreD 11. Mai 2013, 18:09

    Ich würde gerne noch etwas hinzufügen:
    Ich lese gerade Daniel Kahnemanns Thinking.Fast and slow. und andere Dinge
    Wenn ich das mit den Thesen Chomskys verbinde, dann kann ich nur vermuten, dass Manipulation funktionieren muss, weil der Mensch so gestrickt ist, wie er gestrickt ist. Bzw. das Hirn hat, das er hat. Der freie Wille scheint wirklich nur eine Illusion zu sein.
    In dem Sinne sind die Nachdenkseiten durchaus eine Propagandamaschine, deren Inhalt wohl vor allem darauf zielt, andere Themen zu setzen, bzw. Themen anders zu beleuchten.
    Und dafür bin ich ihnen dankbar, auch wenn mir der allwissende Ton manchmal nicht angenehm ist.
    Aus dem leicht besserwisserischen Ton abzuleiten, dass die Herren Müller und Co. die Verbindung von Geld und Medien komplett falsch einschätzen, kann ich nicht nachvollziehen.
    Vielleicht ein bisschen simplistisch, denn es gibt ja noch andere Ansätze, die die Eintönigkeit der Presse erklären.

    Dennoch fehlte ohne die Nachdenkseiten massiv viel Informationen.

    Im Übrigen sind die Nachdenkseiten diejenigen, die die Entwicklung der Eurokrise so vermutet haben und von dieser Art der Berichterstattung kann man im Mainstream nur träumen.

  • AndreD 11. Mai 2013, 18:10
  • Picante 11. Mai 2013, 20:41

    Widerspruch einlegen, Abbuchungen stornieren und vor allem kritische Medienliteratur lesen! Propaganda studieren!

  • Rolf Ardmann 13. Mai 2013, 08:44

    Ich finde diese Diskussion schon komisch. Der Autor wirbt anscheinend für eine Position des Journalisten, der keine Position beziehen darf. Ein kritischer Journalisten, der angesichts der gegenwärtigen Situation keine Position bezieht, ist nicht besonders wertvoll, sondern eher ein Anpasser, der seinen Leser nicht weiterbringt. Ich erkläre mir die Position der jüngeren Journalisten, die sich so verhalten, vor allem mit der Tatsache, dass es heute für schreibende Journalisten in Deutschland nur noch 5 oder 6 Adressen gibt, um auskömmlich zu überleben (Springer, Burda, Neven du Mont, Holzbrink, SZ, FAZ und??). Da ist es hilfreich so zu schreiben, dass es für jeden dieser Verlage als Bewerbungsschreiben durchgehen könnte. Das ist nicht besonders gut, aber dem Einzelnen mag es helfen.

    Bei den Nachdenkseiten halte ich das Thema „Meinungsmache“ für das stärkste mit Alleinstellungsmerkmal. Was bei den Nachdenkseiten stört ist eher der naive Glaube an die Allmacht der Volkswirtschaftslehre (Ich als Volkswirt sage euch…..!) und die Möglichkeit durch etwas Keynes und etwas Krugman die Welt zu retten. Darüber hinaus sollten sich die Herren Müller und Liebs wirklich prüfen, ob das bei Willi Brand und vor allem bei Johaness Rau alles so toll war. Ich denke da vor allem an die West LB. Die Nachdenkseiten vermeiden die notwendige, kritische Auseinandersetzung mit den Gewerkschaften, wie ich aus direkten Anfragen erfahren habe und glauben anscheinend, der Kapitalismus liesse sich durch kleine Manipulationen zu einer guten Sache machen. Trotzdem sind die Nachsdenkseiten nützlich und einem kastrierten. total objektiven Journalismus vorzuziehen.

    • In Dubio 14. Mai 2013, 10:47

      Wieso müssen Journalisten Position beziehen? Ihre Aufgabe ist es, Informationen zu beschaffen und der Allgemeinheit zugänglich zu machen. Wer Position bezieht, selektiert Informationen, das kann man sehr schön bei den Nachdenkseiten beobachten, wo der Leser nur den Teil von Informationen erhält, die in das Meinungsschema der Herausgeber passen. Dabei wird nicht vor Falschdarstellungen zurückgeschreckt, wie das Beispiel Quandt eindrucksvoll zeigte. Oder: Jens Berger konnte eine viertel Stunde über den Sinn einer Vermögensteuer referieren, ohne ein einziges Mal den Grund anzusprechen, warum diese Substanzsteuer eigentlich ausgesetzt wurde. Ergo: wer wenig weiß, wird durch die Nachdenkseiten auch nicht schlauer.

      • Rolf Ardmann 14. Mai 2013, 16:34

        Sie wollen nicht Position beziehen und sind schon im zweiten Satz am Schimpfen gegen die Andersmeinenden. Mich erinnert diese Idee des absolut Objektiven an die Diskussionen, die in der Rechtswissenschaft schon länger geführt werden: die Frage der richterlichen Voreingenommenheit und die Frage, wie weit es Grundwerte gibt, die immer zu gelten haben (Durchgriff des Naturrechts). Eigentlich geht es bei der Rechtssprechung darum, zu überprüfen, ob der Einzelfall, der verhandelt wird durch den Gesetzgeber geregelt ist. Das wichtigste Mittel ist die Subsumtion, die Einordung des Sachverhalts in den Regelung, die in Form eines Gesetzestextes vorliegt. Die Erfahrung zeigt, dass es dabei sehr grosse Unterschiede geben kann und es besteht ein klarer Zusammenhang zwischen der Sozialisation, dem Vorverständnis des Richters, und dem Ergebnis der Auslegung. Deshalb ist es so schädlich, dass die deutschen Juristen noch sehr von Professoren und Richtern geprägt wurden, die Nazis waren. Diese haben sich in der Zeit von 1933 bis 1945 ihrerseits in eine Utopie der Objektivität geflüchtet. „Recht ist, was im Gesetz steht!“. Ob dieses Gesetz verbrecherisch ist, ist nicht Gegenstand der Prüfung des Richters. Deshalb wurde kein Richter des Volksgerichtshofs nach 1945 in der BRD verurteilt. Die Lehre aus dieser Praxis müsste sein, dass unabhängig vom jeweiligen Gesetzestext immer ein Wertekanon gelten muss, das Naturrecht, der „Kernbestand der Grundrechte.“

        Auch ein Journalist arbeitet nicht im luftleeren Raum , dem Objektiven an sich, und braucht ein Mindestmass an Werten. Der Journalist der angestellt ist und von seiner Arbeit leben möchte, hat zudem Vorgesetzte oder er muss seine Informnation und Meinung an irgendjemanden verkaufen. In beiden Fällen ist sein „Absoluts Objektive“ eingeschränkt. Ich habe in meinem ersten Beitrag auf die Arbeitssituation junger Journalisten bei noch 5 oder 6 Verlagen hingewiesen. Und ich finde es viel besser, wenn dieser Grundwert ein Begriff allgemeiner sozialer Gerechtigkeit ist, wie das bei den Nachdenkseiten der Fall ist, als „ein jeder ist sich selbst der Nächste und uns gehört die Welt“, wie das vielleicht bei einem Herrn Ulf Poschardt der Fall ist.

        • In Dubio 15. Mai 2013, 09:22

          Der Begriff der „sozialen Gerechtigkeit“ steht nicht im Grundgesetz und nicht in irgendeinem Gesetz. Diesen Begriff als Wert zu benennen ist in etwa so legitim wie Journalisten auf den Katholizismus zu verpflichten.

          Deshalb ist es so schädlich, dass die deutschen Juristen noch sehr von Professoren und Richtern geprägt wurden, die Nazis waren. Diese haben sich in der Zeit von 1933 bis 1945 ihrerseits in eine Utopie der Objektivität geflüchtet.

          Wie muss ich mir das vorstellen? 1945 war ein solcher Richter vielleicht 35-45 Jahre alt. Heute wäre dieser Herr also 103-113 Jahre alt und immer noch in Amt und Würden. Dabei dachte ich, gerade Beamte neigen zur Frühpensionierung! Nebenbei sind Ihrer Ansicht nach die 68er, die Wiedervereinigung und die Internationalisierung spurlos am Recht vorbeigegangen. Wieviel Verschwörungstheorie darf es sein?

  • der Herr Karl 13. Mai 2013, 09:46

    Kompliment!
    Dies ist einer der besten und objektivsten Artikel, den ich je gelesen habe. Auch die Diskussion ist äusserst interessant und wurde sehr fair und unaufgeregt geführt.
    Als Linksliberaler linke Positionen und Blogs zu kritisieren ist immer sehr riskant – aber ganau das ist bitter nötig. Ohne Selbstkritik ist linke Politik unglaubwürdig und spielt der Rechten in die Hände.
    Was sich ein Blogger alles anhören muss, wenn er als Nestbeschmutzer Kritik in den „eigenen Reihen“ übt, habe ich in den letzten 7 Monaten erfahren…

  • Rolf Ardmann 18. Mai 2013, 22:47

    I do not know which web page you are talking about. If you see the nachdenkseiten.de as a fascistoid one you probably think in tea party catagories, which is more than dubios. In this case it will turn out to be difficult to understand each other.

  • Statistiker 20. Mai 2013, 16:56

    Herr Falk wird offensichtlich von der FDP bezahlt. Eklig und asozial, dieses hier, diese Beleidigungen und Diffamierungen.

    Herr Falk: Schämen Sie sich und gehen Sie in sich, bevor Sie weiter hemmungslos beleidigen!!!!!!!!!

  • http://www.161997up.com 24. September 2014, 20:22

    What’s up i am kavin, its my first time to commenting anywhere, when i read this piece of writing i thought i could also make comment
    due to this sensible post.

  • http://tinyurl.com/kprqdtu 2. Oktober 2014, 08:09

    Remarkable issues here. I am very glad to peer your
    article. Thanks a lot and I am having a look forward to touch you.
    Will you please drop me a e-mail?

  • Nous avons reçu de nombreux messages pour savoir si nous avions un hack pour
    Conflict Of Clans.

Leave a Comment