Verlustsüchtige Schwaben vertreiben entsolidarisierte eAutos aus den USA, um Probleme zu lösen – Vermischtes – 2.4.2026

Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Die „Fundstücke“ erhalten ausführlichere und thematisch gegliederte Hinführungen zu verschiedenen Artikeln aus den Weiten des Netzes dar. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels empfohlen; ich übernehme keine Garantie für die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Zusammenfassungen. Für den Bezug in den Kommentaren sind nummerierte Zwischenüberschriften eingezogen, bitte auf die referieren. Dazu gibt es die „Resterampe“, in der ich nur kurz auf etwas verweise, das ich zwar bemerkenswert fand, aber zu dem ich keinen größeren Kommentar abgeben kann oder will. Auch diese ist geordnet (mit Buchstaben), so dass man sie gegebenenfalls in den Kommentaren referieren kann.

Fundstücke

1) Die Sucht nach Ideologie bei Verlierern

Ein auffälliges Merkmal bei politischen Nachlesen ist, dass das eigene Lager meist der Überzeugung ist, dass es an unzureichender Ideologietreue gehapert habe. Die SPD sieht dann gerne ihren sozialdemokratischen Markenkern nicht erfüllt, womit meist eine vage Arbeiterromantik gemeint ist. In der CDU wird erklärt, dass man nicht konservativ genug gewesen sei. Die FDP sah stets gerne zu wenig Libertarismus am Werk. Die LINKE und Linke ist generell der Überzeugung, dass mit genug Ausgrenzung der Volksfront durch Judäa durch die Judäische Volksfront der Durchbruch unvermeidbar gewesen wäre. Wir sehen das auch in den aktuellen Nachwahlanalysen. Florian Hartjen ist dafür ein hervorragendes Beispiel, wenn er (natürlich) erklärt, die FDP sei „nicht radikal genug„.

2) Baden-Württemberg Nachlese

Mit einer kleinen Schamfrist hat sich jetzt ein baden-württembergischer Hinterbänkler zu Wort gemeldet, der die Ursache für die Wahlniederlage in Baden-Württemberg nicht irgendwie in der Popularität Özdemirs finden kann, sondern vielmehr darin, dass Hagel nicht rechts genug war. Hätte er nur ein Best-of der Hits von Vorvorgestern abgefahren, dann hätte er Erfolg haben können. Man muss sich die brillante Strategie auf der Zunge zergehen lassen: „Angriffspunkte »wie die Bonusmeilen-Affäre, Sponsoring-Fragen oder steuerliche Ungereimtheiten« habe die CDU ungenutzt gelassen.“ Die Bonusmeilenaffäre ist über 20 Jahre her! Auch der Rest interessiert einfach niemand. Dass Hagel hölzern war, geschenkt. Aber er war der Spitzenkandidat den sie hatten, und es gab keine Alternative. Das ist einfach nur gegenseitiges Attackieren ohne Sinn und Verstand.

In den letzten Tagen hat sich die CDU indessen entschlossen, eine Staatskrise herbeiführen zu wollen. Das ist jedenfalls der Begriff, mit dem die Verfassungsväter den Plan der Union bedachten, wenn man Patrick Bahners in der FAZ folgen möchte. Es ist absolut faszinierend, was für schlechte Verlierer die CDU sind. Ariane und ich haben das ja im Podcast auch schon öfter bemerkt: die Demokratie ist stabil, wenn die CDU regiert, aber nicht, wenn sie Wahlen nicht gewinnt. Das ist auf Dauer einfach kein Zustand, und man kann nur hoffen, dass sich die Konservativen berappeln und über ihre Enttäuschung über den zweiten Platz hinwegkommen. Gerade jedenfalls gilt „party over country„.

3) E-Mobilität in den USA

Noah Smith hat einen Artikel, in dem er seine Schadenfreude gegenüber den Verbrenner-Ideolog*innen in den USA kaum verhehlen kann, deren Benzinpreise jetzt wegen Trumps bescheuertem Krieg durch die Decke gehen. Völlig zurecht weist er darauf hin, dass die Amerikaner*innen sich von der Zukunftstechnologie abgeschnitten haben, die nicht nur für Autos, sondern auch für andere relevante Technologien der Zukunft wie Solarenergie oder Drohnen benötigt wird. In typischer Manier des Menschen, der das grüne Gras des Nachbarn bewundert, stellt er „Europa“ als positives Gegenbeispiel hin (wobei die aufstrebenden Volkswirtschaften Afrikas, Südamerikas und Südostasiens den Fokus einnehmen), wo massive Unterschiede bestehen; Norwegen etwa ist sehr weit, während die Lage in Deutschland…ausbaufähig ist. Wir haben genug Ideolog*innen, die an überkommenden Technologien festhalten und einen Kulturkampf auf einem Feld führen, auf dem er bestenfalls völlig sinnlos, in der Erwartung aber sehr schädlich ist.

4) „Entsolidarisierung“ Europas mit den USA

Matthias Döpfner hat einen Leitartikel in der Welt, von dem ich sehr zuversichtlich bin, dass er so gut altern wird wie unpasteurisierte Milch. Er beklagt die „Entsolidarisierung“ Europas mit den USA. Die Argumentation ist abenteuerlich. So belebt er den ausgeleierten Topos des vierdimensionales Schach spielenden Trump wieder („Feierabendstrategen an den Stammtischen und in vielen Redaktionen wissen dieser Tage genau, wie dumm und unüberlegt der Einsatz der Amerikaner im Iran ist, und geben gute Tipps, was man alles besser vorher hätte wissen müssen und deshalb anders hätte machen sollen. Das ist vor allem deshalb sehr naiv, weil es voraussetzt, dass das, was wir sehen und wissen, genau das ist, was passiert und geplant ist.„), wo reichlich offenkundig ist, dass die negativen Effekte bereits jetzt katastrophal sind, auch für „Feierabendstrategen“ (wie die sich genau vom hauptberuflichen Strategen Döpfner unterscheiden, bleibt sein Geheimnis). Auch lenkt er lahm ab: „Und dieser Bruchteil der Wahrheit ist, dass die amerikanische Regierung endlich versucht, die Terrorherrschaft der Mullahs mit Waffengewalt zu schwächen. Und das ist fundamental richtig und lange überfällig.“ Aktuell stärken die USA, wie es aussieht, das Regime.

Döpfner zieht sich auch unelegant aus der Verantwortung: er könne nicht beurteilen, welches strategische Ziel die USA im Iran verfolgen sollten, aber wichtig sei, zu bombardieren, denn das „gewinne Zeit“. Für was ist unklar. Und nur Narren starten einen Krieg ohne ein strategisches Ziel, aber für einen Meisterstrategen wie Döpfner ist das überflüssig. Den Gipfel erreicht Döpfner, als er den Irankrieg mit dem in der Ukraine gleichsetzt: „Wenn der Krieg im Iran keine europäische Angelegenheit ist, dann ist der Krieg in der Ukraine keine amerikanische. Dann sollen das die Europäer bitte künftig selbst und allein lösen. Die Ukraine und der russische Aggressor in Moskau sind von Washington deutlich weiter entfernt – mental und geografisch – als die Mullahs und ihr Terror von Berlin oder Paris.“ Der Unterschied ist halt, dass die Ukraine angegriffen wurde und die USA einen eigenen Krieg starteten.

Es mag gute Argumente geben, die USA zu unterstützen. Aber Döpfner liefert keine.

5) Demokratie als Problemlösungsmaschine

Ich hatte nicht auf meiner Bingo-Karte, dass ich einer Kolumne von Boris Palmer in der Welt zustimmen würde, but here we are. Palmer beklagt effektiv, dass keine vernünftigen Kompromisse geschlossen würden, bei denen beide Seiten bereit sind, auf etwas zu verzichten beziehungsweise ein Projekt der Gegenseite zu akzeptieren, um ein eigenes durchzubringen. Es war ja seinerzeit meine große Hoffnung, dass genau in dem Geist die Ampelkoalition sich als eine Fortschrittskoalition würde erweisen können, eine Hoffnung, die bitter enttäuscht wurde. Von CDU und SPD, den beiden Parteien des Weiter-so (ich habe darüber 2021 einen Grundsatzartikel geschrieben, der immer noch Gültigkeit hat, und in dem auch, anders als Stefan Pietsch jüngst behauptete, R2G klar ablehne), ist so etwas ohnehin nicht zu erwarten, weil sie zu fest am Weiter-so hängen. Und LINKE und AfD brauchen wir gar nicht erst diskutieren. Ich sehe die größten Chancen für eine solche Politik genau in dem Umfeld, in dem sich auch Boris Palmer verorten dürfte: einem schwarz-grünen Bündnis, das seit 2013 eines ist, das in Deutschland auf die Verwirklichung wartet. Hoffen wir, dass wenn es kommt, es nicht ähnlich enttäuschend wird wie die Ampel.

6)  Erinnerung an Geflüchtete

Alan Posener nimmt in der Welt Stellung zum im letzten Vermischten besprochenen Streit um das Gedenken an die Vertreibung. Grundsätzlich bin ich bei ihm, wenn er fordert, dass man Empathie mit dem Leid der Geflüchteten haben dürfte. Allein, er wischt die zentrale Kritik an der rechtsradikalen Wende in der Vertriebenenerinnerung viel zu leicht weg, indem er den kausalen Zusammenhang zwischen deutschen Verbrechen und deutschem Leid zu leicht beiseite wischt. Gerade dieser kausale Zusammenhang ist elementar, ohne ihn sind Flucht und Vertreibung nicht denkbar. Auch teile ich nicht seine Forderung, dass man die westalliierte Weigerung, Stalin zu stoppen (was für eine Vorstellung!) in irgendeiner Weise kritisieren müsste. Hier schlägt auch ein verklittertes Geschichtsbild zu: 1945 bis 1947 waren die Westalliierten selbst noch keineswegs sicher, wie mit den Deutschen zu verfahren sei; wesentlich härterer Umgang als der Marshallplan stand im Raum. Es ist völlig ahistorisch anzunehmen, dass irgendjemand in London oder Washington 1945 auch nur einen Gedanken an die Bevölkerung der deutschen Ostgebiete verschwendet hätte. Nach allem, was die Deutschen die vier Jahre zuvor in der Sowjetunion veranstaltet hatten, war es ein Wunder, wie zivilisiert die Sowjets mit ihnen umgingen.

Resterampe

a) Ob Söder oder Weidel oder Wagenknecht, die Populisten eint vor allem ein gehöriges „was geht mich mein dummes Geschwätz von gestern an“.

b) CDU und SPD halten in Berlin die Erbschaft von 300 (!) Wohnungen weiter steuerfrei. Omas Häuschen, indeed.

c) Keimfabriken: Wie oft sich Kinder in Kitas und Grundschulen anstecken. Und auch das Personal.

d) Arisierungsgewinner.

e) Neues von der Verbotspartei.

f) Grüner OB in München: Beginn des Endes der Ära Markus Söder in Bayern. Drunter geht es nicht, oder?

g) Meine Güte, diese neuen Herr-der-Ringe-Filme klingen echt fürchterlich.

h) Dieser Einschätzung von Harry Potter kann ich problemlos zustimmen.

i) Tarek a-Wazir zur Autoindustrie.

j) Guter Post zur Stokowski-Kolumne aus dem letzten Vermischten.

k) Thread zum Thema Grundlast und AKW.

l) Bob Blume hat was zum Thema mediale Zuspitzung und Aufmerksamkeit. Es ist ein Wutausbruch, aber ich wüsste auch nicht, was man da machen sollte. Auf jeden Fall ist es was für Ralf.

m) Ist es motivierend, Bestnoten vor der ganzen Klasse zu verkünden? Ich halte das für ziemlich quatschig.

n) Handys machen gerade nicht so süchtig wie Alkohol oder Nikotin. Ich bin in der Frage echt weiter hin- und hergerissen.

o) Weitere FDP-Nachlesen, FAZ, Welt und nochmal Welt.

p) Rheinmetall hat bei Drohnen den Anschluss verschlafen.

q) Die Konstruktion von Curiosity ist wirklich ein Meisterwerk.

r) Susanne Beyer hat eine dieser Spiegelkolumnen, bei denen man nach der Lektüre nicht wirklich weiß, was jetzt eigentlich der Punkt sein soll. Glaubt sie ernsthaft, dass es relevant ist, was Merz zu Trump sagt?


Fertiggestellt am 1.4.2026

{ 43 comments… add one }
  • Stefan Pietsch 2. April 2026, 09:51

    1) Die Sucht nach Ideologie bei Verlierern

    Die SPD ist die Partei, die binnen einer Generation den mit Abstand größten Bedeutungsverlust erlitten hat. Wenn sich ihre Zielgruppen vor allem zu einer rechtspopulistischen Partei orientieren, dann hat man als Politiker so ziemlich alles falsch gemacht was falsch zu machen war.

    Die Analyse der FDP-Niederlagen vor allem bei den Bundestagswahlen 2013 und 2025 zeigen, dass die Mandatsträger der Partei deutlich Mitte-Links orientiert sind als ihre Wähler. Nur mit Mühe konnte 2024 ein Parteireferendum zum Verbleib in der Ampel-Koalition gewonnen werden. Und die Wählerwanderungen zeigen ebenfalls, dass die Mehrheit sich zur CDU und zu einem nicht unwesentlichen Teil zur AfD orientiert.

  • Stefan Pietsch 2. April 2026, 09:59

    3) E-Mobilität in den USA

    Da sollten mal einige ihren Schumpeter lesen.

    1. Die E-Mobilität zeigt nicht die typischen Merkmale eines neuen Marktes, wo nach einer kurzen Phase der Innovation ein Boom einsetzt und die neue Technologie große Verbreitung findet. Im Gegenteil, der Markt der BEVs wächst nur verhältnismäßig langsam (Vergleich zu Internet, Mobil- und Smartphone, Musik Streaming, KI) und meist nur, wenn staatliche Subventionen und Preisunterstützungen gegeben werden.

    2. Wenn Elektrizität so wichtig ist, dann war es in Deutschland eine beispiellose Torheit, aus der Kernkraft nicht nur ausgestiegen zu sein, sondern sich vehement dagegen zu wehren, überhaupt die Möglichkeiten für einen Wiedereinstieg zu schaffen. Die Geschichte der „Energiewende“ sagt nämlich auch, dass mit 0,7 Billionen Euro und über zwei Jahrzehnte mit regenerativen Energieträgern gerade so viel Strom produziert wird, um den Ausstieg zu kompensieren. Kein anderes Land hat diese Energiepolitik nur im Ansatz kopiert.

    3. Wenn zu sehr an überkommenen Technologien festgehalten wird, wo sind dann die Neu-Unternehmer, die dem Fortschritt nach Schumpeter zum Durchbruch verhelfen? Auf die jüngere Generation scheint da kein Verlass. Und Hängematte ist leider keine Innovation.

    • Sören Schmitz 2. April 2026, 12:50

      Ich glaube man kann festhalten, dass die gesamte Energiewende-Politik seit 1998 sehr ineffizient war, da sie kurzfristigen Erwägungen folgte und eben kein von breiten Teilen der Bevölkerung getragenes Langfristprojekt war.
      Die Politik weigerte sich den Zielkonflikt zu erklären: Energie sollte sauber, sicher, zuverlässig und gleichzeitig billig sein.
      Deutschland hat zwar ordentlich regenerative Energieerzeugung gebaut, Energienetz und Speicherung vernachlässigt. Besonders bizarr ist die Rolle der kommunalen Stadtwerke, die (als eine wenigen Cash-Cows Kommunen) die Energiewende ebenfalls unterliefen und letztlich die Transformation begrenzt haben.
      Noch bevor vor die Alternativen so richtig fertig waren, schickte man das CO2 arme Atomkraftwerke in Rente und produziert nun an manchen Tagen den schmutzigsten Strom in ganz Europa.
      Man sollte ehrlich Bilanz ziehen, Ziele definieren und einen Neustart wagen. Hat die Politik hier Fehler gemacht – ja, aber aktuell werfen wir nur weiter Geld auf ein gescheitertes Projekt, dass nicht besser wird.

      • Stefan Pietsch 2. April 2026, 16:23

        Nee, das ist nicht der Punkt.

        Ich hatte vor Jahren dazu einen Artikel geschrieben: 1990/1994 bewarben sich die Grünen in ihren Wahlprogrammen erstens mit dem Atomausstieg und zweitens mit dem Kampf gegen den Klimawandel (damals noch nicht „Klimakrise“). In der Reihenfolge.

        Heute ist der Atomausstieg vollendet und die produzierte Strommenge durch Erneuerbare ersetzt. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Das (Zwischen-) Ergebnis unterstreicht die Prioritätenliste von damals. Möglicherweise haben wir den weitesten Weg bereits zurückgelegt, denn unbestreitbar sind beim Ausbau von Windkraft und Biogas klare Markterschöpfungen zu registrieren.

        Wenn das so ist, dann würde das dafür sprechen, dass das Ziel eigentlich der Atomausstieg und nicht die generelle Umstellung der Energieversorgung war. Zumal wir heute beim Primärenergieverbrauch mit einem Anteil der fossilen Brennstoffe von 80 Prozent nicht messbar besser dastehen als vor dreißig Jahren. Entweder es ist Strategie gewesen oder unfassbar töricht gemacht.

      • Stefan Sasse 4. April 2026, 10:48

        Heißt: Energienetz und Speicherung ausbauen, oder?

    • Detlef Schulze 2. April 2026, 13:24

      Die E-Mobilität zeigt nicht die typischen Merkmale eines neuen Marktes, wo nach einer kurzen Phase der Innovation ein Boom einsetzt und die neue Technologie große Verbreitung findet. Im Gegenteil, der Markt der BEVs wächst nur verhältnismäßig langsam (Vergleich zu Internet, Mobil- und Smartphone, Musik Streaming, KI) und meist nur, wenn staatliche Subventionen und Preisunterstützungen gegeben werden.

      Das liegt vielleicht daran, dass Internet, Mobil-Telefone, Musik und KI fast nichts kosten im Vergleich zum Auto. Ein Auto wird viele Jahre gefahren ein Mobil-Telefon hat man schnell mal ausgewechselt.

      • Stefan Pietsch 2. April 2026, 16:15

        KI kostet wahnsinnig viel Geld. Und auch als die private Luftfahrt dem Wettbewerb überlassen wurde, schossen die Buchungszahlen in die Höhe. Ich kann so weitermachen, aber 20 Jahre Anlauf eine Technologie zum Massenprodukt zu machen und nicht erfolgreich zu sein, spricht nicht für das Produkt.

        • Detlef Schulze 2. April 2026, 16:42

          Es ging um Kosten für die Verbraucher, die sind entscheidend dafür, wie schnell sich eine Technologie am Markt durchsetzt. Der Pro-Zugang zu Claude kostet 17 Euro pro Monat. Das kann man schnell ausprobieren, ohne sich finanziell zu ruinieren.

          Wenn 20 Jahre sind zu lang für eine neue Antriebstechnologie inklusive neuer Infrastruktur? Das Auto brauchte 30 Jahre um sich gegen Pferdefuhrwerke durchzusetzen.

          • Stefan Pietsch 2. April 2026, 17:20

            Wir sind aber nicht im Jahr 1900. Und ein Auto ist relativ betrachtet nicht teuer. Die Mehrzahl der Fahrzeuge sind nicht direkt gekauft. Sie werden geleast, gemietet oder sonstwie finanziert. Doch selbst im gewerblichen Bereich, in dem E-Autos seit Jahren massiv steuerlich gefördert sind, ist der Durchbruch noch immer nicht gelungen. Und Mietwagengesellschaften haben längst ihre BEVs-Flotten wieder reduziert, nicht ausgebaut.

            So, KI ist nicht teuer? Hm, wie denken Sie denn, wie die extrem hohen Milliardeninvestitionen finanziert werden? Und warum investieren Google, Microsoft und Nvidia überhaupt exorbitante Beträge? Doch offensichtlich in der Überzeugung, dass diese sich in überschaubarer Zeit am Markt, also beim Verbraucher, refinanzieren lassen. Irgendwie.

            Nochmal, Schumpeter lesen und Marktstudien betreiben, wie ab einem bestimmten Zeitpunkt sich neue Produkte und Technologien explosionsartig verbreiten. Ach so, in Deutschland lässt sich noch die Atomkraft nennen. 🙂

  • derwaechter 2. April 2026, 10:06

    „Die Ukraine und der russische Aggressor in Moskau sind von Washington deutlich weiter entfernt – mental und geografisch – als die Mullahs und ihr Terror von Berlin oder Paris.“

    Das ist doch sogar geografisch schon falsch. Die Ukraine ist doch nicht weiter von den USA entfernt als der Iran.
    Und anders als der Iran kann Russland die USA mit Raketen gut erreichen und militärisch ganz anders herausfordern. Das sollte „mental“ durchaus eine Rolle spielen.

  • Stefan Pietsch 2. April 2026, 10:19

    5) Demokratie als Problemlösungsmaschine

    Ich habe darüber 2021 einen Grundsatzartikel geschrieben, der immer noch Gültigkeit hat, und in dem auch, anders als Stefan Pietsch jüngst behauptete, R2G klar ablehne.

    Anscheinend leidet Du auch unter dem Merz-Syndrom: Man liest bei dem anderen, was man ihm unterstellt, nicht was er tatsächlich sagt. Ja, Du hast Dich immer auf Bundesebene gegen R2G positioniert. Aber: Scholz und auch Baerbock sind im Wahlkampf 2021 Fragen nach einer solchen Koalition immer ausgewichen und haben sie nicht ausgeschlossen. Dieses Verhalten hast Du mehrfach als clever und klug bezeichnet. In dem die theoretische Option auf dem Tisch blieb, so auch Deine Rechtfertigung, hätte man später bessere Möglichkeiten beim Verhandeln.

    Aber warum gilt das nicht auch für die CDU?

    Ich sehe die größten Chancen für eine solche Politik genau in dem Umfeld, in dem sich auch Boris Palmer verorten dürfte: einem schwarz-grünen Bündnis, das seit 2013 eines ist, das in Deutschland auf die Verwirklichung wartet.

    Warum? Ich verstehe den demokratischen Ansatz nicht. Der Sinn von Demokratie ist doch, Alternativen anzubieten. Erkennbar haben CDU und Grüne in den zentralen Politikfeldern ganz unterschiedliche Lösungsansätze. Die Ziele der Grünen, insbesondere ihrer Mitglieder und vieler Wähler, lassen sich mit Sozialdemokraten und LINKEN viel eher und leichter verwirklichen als mit der Union.

    Grüne und die ihnen angeschlossenen Milieus befürworten dann und nur dann eine Koalition mit der Union, wenn sie die einzige Machtoption bietet. Da sind Grüne pragmatisch, besser regieren als Opposition. Der Bürger als Wähler gewinnt damit nichts und dann ist es kein Zufall, dass es eine solche Koalition auf Bundesebene noch nicht gab. Auch 2021 bevorzugten die Grünen direkt nach Schließung der Wahllokale die Ampel mit einem führenden linken Partner als Jamaika mit einem Kandidaten der früheren „Pizza-Connection“, den man im Wahlkampf zuvor als religiösen Hardliner verunglimpft hatte.

    Wenn der Wähler nur die Option zwischen Grün-Schwarz und Schwarz-Grün (Baden-Württemberg) oder Schwarz-Rot und Rot-Schwarz (Rheinland-Pfalz) hat, wählt er leichter etwas anderes. Wenig verwunderlich erzielte die einzige echte Oppositionspartei in beiden Landtagswahlen historische Rekordergebnisse.

    Die Grünen sollten um die Vorherrschaft im linken Lager und für eine linke Mehrheit kämpfen, weil das einfach ihrer Mentalität entspricht. Alles andere ist Camouflage, die sich allerdings längst abgenutzt hat.

  • Stefan Pietsch 2. April 2026, 10:38

    e) Neues von der Verbotspartei.

    Dass es wirklich zwei Meinungen geben soll, ob man beim Staat eine gewöhnliche Umgangssprache benutzt und im Zweifel den Duden und nicht das Genderreferat zu Rate zieht, erstaunt wirklich.

    i) Tarek a-Wazir zur Autoindustrie.

    Ich hätte nicht gedacht, dass Tarek al-Wazir dumm wie Brot reden kann. Man könnte denken, das sei von bösen AfDlern KI-generiert. Was der Grüne dort absondert, ist ein Best-of warum eine große Mehrheit längst so abgestoßen von den Grünen ist. Belehrend (Manager mit Millionen-Gehältern sind einfach zu dumm, den Strategien von Schulabbrechern zu folgen), moralisch überheblich (hätte man nur getan, was die Grünen immer sagen) und in der Sache ohne jede Fachkenntnis.

    Wenn der Rückgang des Exportüberschusses – den haben Grüne übrigens immer kritisiert! – ein Problem der Automobilindustrie wäre – Felix Alemannia! Tatsächlich sind VW, Mercedes und BMW nur für einen geringen Teil des Exports verantwortlich, für die Importseite der Terms of Trade schon gar nicht. Der Markt, den al-Wazir beschwört, fragt nicht nach E-Autos. Auch zwanzig Jahre nach Gründung von Tesla ist der Anteil von BEVs an der individuellen Mobilität nur gering. Steve Jobs hat in einem Bruchteil der Zeit die Welt mit Apple Music und iPhones erobert.

    Und sie wissen nicht, was sie kritisieren. Würde dieser Herr Ahnungslos nur einmal in die Chancen-&-Risiko-Berichte derer blicken, denen er einen kindischen Glauben an den ewigen Gewinn unterstellt, hätte er vielleicht das ein oder andere Wort aus seiner Philippika gestrichen. Deutschlands Automobilindustrie hat nicht deswegen hohe Gewinne erzielt und die besten Löhne zahlen können, weil man Fiat Puntos und Renault Clios produziert hat. Wer 80.000 – 200.000 Euro für ein Auto auszugeben bereit ist, erwartet etwas mehr als einen Motor, den ein durchschnittlich begabter Student der Ingenieurwissenschaften nach zwei Semestern bauen kann. Wenn man Kunden kein Argument für Exklusivität und Exzellenz bieten kann, bekommt man keine exzellenten und exklusiven Preise.

    Auch Lamborghini hat es mit E-Motoren probiert. Dem Vernehmen nach war das nicht so erfolgreich. Tja, warum wohl nicht? Hätten sie doch besser einen Fiat Panda gebaut.

    • CitizenK 2. April 2026, 18:14

      „Manager mit Millionen-Gehältern sind einfach zu dumm…“
      Manche schon. Historisch: IBM, aktuell: Rheinmetall. Dazwischen: Daimler/Chrysler. Die aktuelle Krise dieses Unternehmens spricht nicht gerade für strategische Weitsicht.

      • sol1 2. April 2026, 19:20
      • Stefan Pietsch 2. April 2026, 19:30

        Definieren Sie „Strategie“. Ich nehme als Teil der Antwort „Glaskugel“ raus.

        Nach der allgemeinen Definition handelt es sich bei einer Strategie um einen genauen Plan für ein Verhalten, der dazu dient, ein Ziel zu erreichen, und in dem man alle Faktoren von vornherein einzukalkulieren versucht. Wir können an dieser Stelle festhalten, dass die deutsche Politik bei der Verfolgung von Strategien extrem erfolglos ist. Die SPD schafft immer weniger statt mehr soziale Gerechtigkeit, die von Grünen initiierte Energiewende hat die Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen eher erhöht, der Staat ertüchtigt Arbeitslose nicht, sondern demotiviert sie usw.

        Ich weiß nicht, ob Manager – auch die von den von Ihnen aufgezählten Unternehmen – nur annähernd so dumm genannt werden können. Mercedes hatte vor einigen Jahren die Strategie ausgegeben, bis zum Jahr 2030 nur noch Elektroautos zu produzieren. Entsprechend wurde die Modellentwicklung ausgerichtet. Doch nachdem jahrelang die Ertragslage schlechter wurde, verlangten die Eigentümer vom Top-Management eine Anpassung der Strategie. Wegen Erfolglosigkeit. Eigentümer sind manchmal sehr empfindlich, wenn ihr Eigentum an Wert verliert. In Ihrer Aufzählung fehlt allerdings Mercedes. Zufall, oder hat das einen bestimmten Grund?

        • CitizenK 3. April 2026, 10:06

          Warum Mercedes? Wie sehen Sie Volvo – nur noch EV. Vorgabe vom chinesischen Eigentümer?
          Um Missverständnissen vorzubeugen: Ein Großunternehmen zu führen ist eine große Leistung und die Zukunft ist unsicher. Aber aus der Bezahlung von Top-Managers auf die Qualität ihrer Entscheidungen zu schließen (wie impliziert) ist definitiv ein Fehlschluss.

          • Stefan Pietsch 3. April 2026, 11:33

            Sie haben meine Frage nach dem Prinzipiellen nicht beantwortet und damit Ihr Argument nicht untermauert. Und das ist das Problem: Sie definieren Strategien danach, ob Sie die Ziele politisch favorisieren. Das ist aber nicht Strategie, sondern Opportunismus.

            Das zeigt sich in der Frage nach Volvo. Ich kann wirklich nicht zu jedem Unternehmen etwas sagen und ich bin auch kein Experte für die Automobilindustrie. Bei Mercedes ist passiert, was häufig passiert: Eine Strategie ist gescheitert. Was das Ganze schlimm macht, ist, dass die Strategie im Verdacht steht, politisch und nicht unternehmerisch induziert gewesen zu sein. Wenn ich eine Aktie nur deswegen kaufe, weil alle sagen, das wäre so toll, werde ich mit Sicherheit damit Geld verlieren.

            Kluge Menschen gehen planerisch vor. Sie entwerfen Strategien, denen sie mit einer gewissen Beharrlichkeit folgen, selbst wenn sie nicht immer gelingen. Das liegt genauso in der Natur der Sache wie, dass keine Strategie immer und jederzeit funktioniert. Menschen gehen ja mit sich widersprechenden Strategien vor, dann gewinnt mal der eine, mal der andere. Nur ohne Strategie zu handeln – z.B. aus Opportunismus – ist dumm und führt nie zu längerem, noch dazu geplantem Erfolg.

            So ist die Verfolgung einer strikten E-Mobilität per se genauso wenig klug oder unklug wie das Setzen auf alternative Antriebskonzepte. Der Markt entscheidet am Ende, was erfolgreich ist, nicht, was klug war. Wer aber immer nur Misserfolg hat, muss sein generelles Vorgehen hinterfragen.

            Diese Arroganz gegenüber Menschen, die sehr komplexe Entscheidungen treffen müssen, finde ich allerdings zum Kotzen. Verzeihen Sie mir den Ausdruck. Ein wirklich kluger Top-Manager hat vor vielen Jahren mal gesagt: Wenn von 10 seiner Entscheidungen sich hinterher 6 als richtig herausstellen, hat er einen guten Job gemacht. Bei meinen Börsenentscheidungen, einem absolut unbestechlichen Gradmesser für Erfolg, sind zwischen 50 und 80 Prozent ertragreich und die übrigen enden mit Verlust. Das ist eine gute Quote.

            Es gibt niemanden, der mit allen Entscheidungen richtig liegt. Außer Beamte, weil sie nur hinterher kritisieren können. Alle anderen müssen warten, bis gute Glaskugeln auf dem Markt sind.

  • Sören Schmitz 2. April 2026, 10:53

    Zu 2
    Sorry, aber die Debatte ist schon wieder überdreht – die CDU forderte lediglich Parität bei den Ministerposten (7 bei CDU, 5 bei Grünen + Minister Staatskanzler +Ministerpräsident) und das die Grünen, die von ihrem Kandidaten im Wahlkampf vertretenden Positionen in den Koalitionsvertrag übernehmen. Was kann die CDU dafür wenn der grüne Spitzenkandidat ohne Prokura seiner Basis grüne Kernpositionen räumt? Die Suppe muss er nun auslöffeln. Staatskrise wegen ein bisschen Geharke in den Koalitionsverhandlungen, come on?
    Die CDU will regieren und verkauft sich teuer – normale Polit Praxis.

  • sol1 2. April 2026, 16:43

    4) Tatsächlich hat die Argumentation noch nicht einmal die jüngste Rede von Trump überstanden.

    „Die eigentliche Botschaft der Ansprache: Trump ist hochnervös wegen der Umfragewerte und der Märkte. Er weiß, dass er irgendetwas tun muss. Aber er hat keinerlei Plan. Deshalb blinkt er wild in alle Richtungen. Keine Aussage hat irgendeinen Wert.“

    https://bsky.app/profile/karldoemens.bsky.social/post/3miilv3inx225

  • sol1 2. April 2026, 19:42

    1) Aus dem ZEIT-Interview mit Wissing

    „Ich stelle mir Politik nicht so vor, dass man sich irgendetwas ausdenkt, damit Werbung macht und dann Wählerstimmen gewinnt. Politik ist die Suche nach dem richtigen Weg für eine Gesellschaft. Verantwortung für das Ganze, nicht nur für das Eigene.“

    https://www.zeit.de/politik/2026-03/volker-wissing-landtagswahl-rheinland-pfalz-fdp/komplettansicht

    Da klingt natürlich der Spruch von Hartjen „Dass Kompromiss kein Ethos ist, sondern ein Werkzeug“ besonders hohl, denn offensichlich ist für Leute seines Schlages Kompromiß weder Ethos noch Werkzeug.

  • sol1 2. April 2026, 19:45

    2) „…sondern vielmehr darin, dass Hagel nicht rechts genug war…“

    Ich frage mich, wie der Typ sich dann den Wahlerfolg von Gordon Schmieder und die Popularität von Hendrik Wüst und Daniel Günther erklärt.

  • Ariane 2. April 2026, 20:39

    2) Das Ländle *trink*
    Es ist absolut faszinierend, was für schlechte Verlierer die CDU sind. Ariane und ich haben das ja im Podcast auch schon öfter bemerkt: die Demokratie ist stabil, wenn die CDU regiert, aber nicht, wenn sie Wahlen nicht gewinnt.
    Das Merkwürdige ist ja, dass unsere Diskussion die Oppositionszeit umfasste. Aber das ist hier ja gar nicht der Fall, die sollen ja auf jeden Fall mitregieren und haben glänzende Ausgangsbedingungen für die Verhandlungen. (die sie womöglich mit diesem Drama wieder verspielen, obwohl…es sind die Grünen, am Ende lassen sie Hagel Ministerpräsident werden)

    Und ja demokratietechnisch ist das katastrophal. Ich bin insgesamt nicht sicher, ob das nicht auf eine beunruhigende ideologische Verhärtung – eventuell sogar auf eine MAGAisierung (wohlgemerkt in der Peripherie der CDU!) hindeutet.
    Zwei Beobachtungen dazu:
    a. Da scheint oft eine merkwürdige persönliche Kränkung durch so als hätte die CDU jetzt einige Stimmen weniger, weil man ihnen etwas böses will.
    Wobei eben dieses „man“ ja völlig nebulös ist (und Quatsch, weil sowas nun mal passieren kann natürlich!) aber ist man jetzt sauer auf die Grünen? Die Wähler, die einfach wen anders wählen? Die Tatsache, dass es überhaupt eine Wahl gibt, obwohl doch jeder weiß, dass nur die CDU das kann?

    2. Dass Regieren Kompromisse bedeutet, scheint mehr und mehr zu einer Zumutung zu werden. Irgendwie an der Regierung sein, reicht ja nicht mehr. In BaWü will man klarer Sieger sein, die Grünen sollen am besten nicht mitmachen. Ich finde, die wabernde Idee, im Bund die SPD rauszukicken und dann als Minderheitsregierung rumzuwerkeln, geht in eine ähnliche Richtung.
    Man will nicht nur irgendwie regieren, sondern eigentlich eine absolute Mehrheit (was völlig utopisch ist)

    4) Döpfner

    Immerhin wirkt Poschardt noch vollkommen rational und in der Realität verankert, wenn man Döpfner-Artikel danebenstellt.
    Aber ernsthaft Stefan, müssen wir uns ob der Masse an Welt-Artikeln sorgen machen, dass du zu sehr in einer Blase herumliest? Das ist doch nicht gesund^^ Müssen wir ein taz-Abo bedenken? 😀

    6) Geflüchtete
    Der ganze Artikel ist sehr „uff“ und von einer merkwürdig romantischen Verklärung der Vergangenheit geprägt. Die Schilderungen seiner Schulzeit finde ich in der Tat höchstbedenklich.

    Btw Die Vertriebenen haben sich vorbildlich integriert, verzichteten früh auf die gewaltsame Durchsetzung ihres Rechts auf Heimat.
    Wahnsinnsdefinition von vorbildlicher Integration!

    Und ich empfinde es als riesigen Fortschritt, ein Nebeneinander aus Empathie für die Vertriebenen inklusive des kausalen Zusammenhangs der Naziverbrechen zu haben. Das ist viel zu wertvoll, um ihn irgendwelchen ideologischen Ideen zu opfern und imo auch nur möglich, weil der Zeitraum jetzt groß genug ist, dass die persönlichen Bezüge weiter weg sind und ich könnte mir sogar vorstellen, dass daraus Wege zur Versöhnung zb zwischen Polen und Deutschen entstehen. Oder auch anderen Ländern, die Familie meines Großvaters stammt zb aus der „Tschechesslowakai“ (sorry, so grenznah, dass ich mir nicht merken kann, auf welcher Seite).

    Mein Dad war auch mal da und wir haben uns mal ne Weile mit der Region beschäftigt. Das ist ganz spannend – aber es bleibt halt etwas, das quasi Leuten passiert ist, die man höchstens aus Erzählungen kennt. Selbst sein Vater war da noch nicht geboren oder so jung, dass er keine Erinnerung mehr daran hat. Und ich glaube das ist hilfreich.

    • Stefan Pietsch 2. April 2026, 22:33

      2) Wir sind an dem Punkt, den ich ja schon vor zwei Wochen intensiv mit Dir diskutiert habe. Der grüne Ministerpräsidentenkandidat Özdemir hat in der Endphase des Wahlkampfes gegenüber den Bürgern einige für einen Grünen ungewöhnliche Aussagen und Versprechungen gemacht, so z.B. den Aufschub des Verbrenner-Aus. Das ist natürlich ein Punkt, bei dem mit dem potentiellen Koalitionspartner von der CDU eigentlich kein nennenswerter Dissens besteht. Zugegeben, anders als mit der grünen Partei, aber auf die kommt es ja wohl nicht an.

      Wo liegt also das Problem, diese Positionen, wo ja Einigkeit zwischen Özdemir und der CDU besteht, in einem Koalitionsvertrag festzuhalten? Da sollte man sich doch eher über Punkte streiten, wo tatsächlich ein Dissens gegeben ist und nicht Scheingefechte führen.

      • Ariane 3. April 2026, 20:10

        Das ist natürlich ein Punkt, bei dem mit dem potentiellen Koalitionspartner von der CDU eigentlich kein nennenswerter Dissens besteht.
        Äh. Ja eben?

    • sol1 2. April 2026, 23:08

      Na so was:

      /// Der Druck auf die CDU wächst jedenfalls, weil in der Wirtschaft angesichts des hohen Problemdrucks eine schnelle Regierungsbildung erwartet wird. Die von CDU-Mandatsträgern geäußerte Auffassung, es gebe keinen „Automatismus“ zur Bildung einer grün-schwarzen Regierung, stößt in Teilen der Wirtschaft auf schroffe Ablehnung. ///

      https://www.staatsanzeiger.de/nachrichten/politik-und-verwaltung/sondierungen-stocken-gruene-zeigen-sich-irritiert/

      • Ariane 3. April 2026, 20:07

        Gnihi ja nee soweit kommt es noch, dass irgendjemand denkt so eine Wahl wäre ein Automatismus zu einer Regierungsbildung. Wo kommen wir denn da hin?

        Ich sehe den Sinn hier nicht. Die sind doch auch bereits in einer grün-schwarzen Koa. Können sie ja nicht so tun, als wäre die Idee an sich schon eine Beleidigung.
        Außerdem: entweder sind sie die natürliche Regierungspartei, dann sollte das Priorität haben – oder sie sind so ehrlich und rufen die AfD an.
        Oder sie sind es eben nicht und lassen alles platzen, aber dann sind sie eben auch keine natürliche Regierungspartei mehr mit einer Relevanz für Stabilität. Beides zugleich geht nicht.

    • Stefan Sasse 4. April 2026, 10:55

      2) Ja, es ist dieses Alles-oder-Nichts. Ich check das nicht.

      4) Poschardt hat im Oktober 2025 geschrieben, dass niemand den Friedensnobelpreis mehr verdient hätte als Trump.
      Ich les gerne gegen den Strich. Das macht ja auch für die Auseinandersetzung mehr Sinn. Ich hab Abos für Spiegel, Welt, ZEIT. Ich glaube, das ist eine ordentliche Mischung. Der Spiegel ist mir aber häufig echt zu doof…

      6) Ja!

      • Ariane 4. April 2026, 20:18

        Ich hab Abos für Spiegel, Welt, ZEIT. Ich glaube, das ist eine ordentliche Mischung. Der Spiegel ist mir aber häufig echt zu doof…

        Da finde ich Twitter auch einfach ein Bonus, damit Artikel einen selbst finden können oder auch weil ich bestimmte Journalisten mag (Minkmar, Bahners, Steinken und Hajek von Wiwo)
        SpOn und taz haben oft noch ganz gute Nischenthemen mit Reportagen (sowas wie „wir gucken mal, was gerade so in Mali oder Kuba geht, hatten beide auch richtig gute Reportagen über Wiederaufbau in Syrien). Sonst scann ich zwischendurch mal ZEIT, Faz, Wiwo oder auch die Welt ob mich was anspricht.
        Die Startseite von welt aber bisschen wie Nachrichtenseite von twitter: 5 Popups gehen auf, 3 Anlagetips mit Schlagzeilen von Crypto-Bro, außerdem immer: Berlin doof! Ausländer in Berlin ganz doof!

        • Stefan Sasse 5. April 2026, 10:27

          Total!

        • sol1 5. April 2026, 12:34

          Ich habe es auf Bluesky gemerkt, wie es mit der WELT bergab geht. Als ich dort Ende 2024 meinen Account einrichtete, folgte ich sieben WELT-Journalisten. Einer (Matthias Kamann, der mir zurückfolgte) ging offenbar in Rente und löschte seinen Account, drei weitere verließen das Blatt (zwei von ihnen sind jetzt bei Correctiv).

  • Ariane 2. April 2026, 20:56

    b) CDU und SPD halten in Berlin die Erbschaft von 300 (!) Wohnungen weiter steuerfrei. Omas Häuschen, indeed.
    Ich hatte das auch nur auf Twitter gesehen. Gibt es dafür eigentlich irgendeine plausible Begründung?
    Oder gehört das zu dieser merkwürdigen Regel, dass die Erbschaftssteuer einfach komplett erlassen wird, wenn sie so hoch ist, dass man das Geld nicht mal eben auf dem Konto hat? Oder sind wir schon darüber hinaus, dass es eines Grundes Bedarf, besonders Reichen die Steuer komplett zu erlassen?

    h) Dieser Einschätzung von Harry Potter kann ich problemlos zustimmen.
    Haha, ja passt gut. Ich hab Harry Potter erst später gelesen und fands auch eher „ganz nett“ – hat mich eben auch an früher erinnert als ich diese Internatsgeschichten geliebt habe, Dolly und Hanni und Nanni. Jetzt nur halt mit Magie und bisschen Heldenquest.

    • Thorsten Haupts 3. April 2026, 22:55

      Nach allem, was ich weiss, gelten Wohnungsbestände von 300 oder drunter als Privat-, darüber hinaus als Betriebsvermögen. Und Erbschaftssteuerfreiheit dafür ist nicht korrekt.

      https://www.schomerus.de/aktuelles/erbschaftsteuer-und-immobilien-die-300-wohnungen-regel-bleibt-vorerst

      • Ariane 4. April 2026, 19:26

        Hatte gestern auch kurz einen Clip gesehen, dass bei 300 Wohnungen automatisch angenommen wird, dass es sich um eine Immobilienholding handelt.
        Sie besagt, dass Wohnungen eines Wohnungsunternehmens mit mehr als 300 vermieteten Einheiten als begünstigtes Betriebsvermögen gelten und damit bei der Erbschaft- und Schenkungsteuer begünstigt sind. Diese Regelung basiert auf der Annahme, dass die Verwaltung großer Bestände betriebliche Strukturen und organisatorische Leistungen erfordert, die über eine rein private Vermögensverwaltung hinausgehen.

        Ich kenne mich null aus damit – schon gar nicht in den Größenordnungen, aber wird das nicht einfach abgefragt? Die Person, die 100-200 Wohnungen hingegen als Privathobby betreibt, möchte ich mal sehen.

    • Stefan Sasse 4. April 2026, 10:55

      b) No idea.

      h) Genau. Ganz nett, und ja, das sind definitiv die Einflüsse.

  • Thorsten Haupts 2. April 2026, 23:47

    Zu 1)
    Einzige Quelle für Bahners Artikel ist:
    Wie der Landeskorrespondent der F.A.Z. berichtet hat, spielt man in der Landes-CDU mit dem Gedanken, den Artikel 47 zum Zuge kommen zu lassen.

    Klar, die Landesführung der Union teilt diese Überlegung mit einem FAZ-Journalisten als ernsthaft in der Fraktion diskutierte Politoption. Hattest Du letztlich zuviel Kontakt mit einem nigerianischen Prinzen?

    • sol1 3. April 2026, 13:41

      Wenn du dir den Schuh unbedingt anziehen willst…

      „Die großbürgerliche FAZ gerät in den Verdacht, zur Lügenpresse zu zählen, weil der Stuttgarter Berichterstatter Rüdiger Soldt so frei ist, Hagel zu kritisieren. Was ist los mit dem konservativen Blatt, das gehört doch zu uns, hört man den CDU-Landeschef fragen.“

      https://www.kontextwochenzeitung.de/debatte/783/wie-gut-dass-niemand-weiss-10807.html

      • Thorsten Haupts 3. April 2026, 16:35

        Ich ziehe mir keinen Schuh an, ich glaube nur keinem Bericht über politische Strategie, der als einzige Quelle einen Politikjournalisten nennt, der seine Informationen wiederum aus nicht genannten Kreisen einer Partei haben will. Nennt sich gesunder Menschenverstand, aber wenn Sie lieber bei blindem Glauben bleiben wollen, auch gut. Für Sie …

        • sol1 5. April 2026, 12:38

          „…der seine Informationen wiederum aus nicht genannten Kreisen einer Partei haben will…“

          Das nennt sich „unter zwei“ und ist natürlich ein unverzichtbares Mittel der Berichterstattung, wenn man sich nicht auf offizielle Verlautbarungen der Partei verlassen will.

          https://de.wikipedia.org/wiki/Unter_drei

          • Thorsten Haupts 6. April 2026, 21:37

            Schön, Das, was dabei herauskommt, kann man glauben oder es lassen. Ich lasse es.

    • Stefan Pietsch 3. April 2026, 15:54

      Stefan ist, obwohl er ja nah dran sein müsste, in seinem grünen Fantum gefangen. Alles im Zeitplan, beide Parteien wollen innerhalb von zwei Monaten nach der Wahl die Regierung bilden. Nach den Planungen ist ausreichend Puffer.
      https://www.n-tv.de/regionales/baden-wuerttemberg/Auf-dem-Weg-zu-Gruen-Schwarz-Oezdemir-ist-optimistisch-id30680745.html

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