Grundschulkinder wählen in Teilzeit Regierungsversagen auf dem Fahrradweg – Vermischtes 27.05.2021

Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Sie werden mit einem Zitat aus dem Text angeteasert, das ich für meine folgenden Bemerkungen dazu für repräsentativ halte. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist meist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels erforderlich; ich fasse die Quelltexte nicht noch einmal zusammen. Für den Bezug in den Kommentaren sind die einzelnen Teile durchnummeriert; bitte zwecks der Übersichtlichkeit daran halten.
1) Government should fail more

We all benefit when we’re willing to invest in these moonshots. One winning breakthrough, whether it’s the Starship rocket, DeepMind’s protein folding analysis that could spring forward our understanding of biology, or the mRNA vaccine platform curbing COVID-19, pays dividends that far outweigh the failures. An mRNA vaccine for malaria has already shown promising test results — a potential solution to a disease that kills more than 400,000 people globally per year. […] It’s nearly impossible for politicians today to take chances and revise as they learn. Partisan obstruction forces meaningful laws to be passed in unwieldy omnibuses, often with contrived budgeting to take advantage of the reconciliation path around Senate filibusters. Instead of seeing policies launched, tested, and repealed, politicians work to pass laws without legislating, delegating to rule-making bodies and regulatory agencies that don’t face the same bottlenecks or scrutiny as Congress. Meanwhile, any misstep or edge case for policy is sure to dominate partisan news coverage — problems are „newsy“ while things running smoothly are not. Politicians who watched media breathlessly cover the rare cases of vaccinated people getting COVID know their own setbacks will be covered mercilessly. The price of success is failure. Even when I favor a policy or party, I don’t expect them to get things right 100 percent of the time. I want to see obstructionist disarmament, so that citizens get to experience the policies they voted for and judge politicians accordingly. I want to see politicians point to both their successes and their failures and be able to learn from both. I’d rather see 10 plausible ideas tried and nine discarded than endless gridlock and excuses. Implementing policy isn’t as thrilling as watching a rocket launch, but both are moments of uncertain promise. Our politics will be healthier if we admit the risk alongside the benefit. (Leah Lebresco Seargeant, The Week)

Ich habe hier im Blog schon öfter in diese Richtung diskutiert. Ich würde mir wünschen, dass es da auf der einen Seite mehr Mut gibt, neue Dinge auszuprobieren. Auf der anderen Seite gehört da dann aber auch eine offene Fehlerkultur, von allen Seiten. Denn produktives Scheitern geht nur dann, wenn man es eingesteht und aus dem Scheitern dann auch lernt. Das betrifft vier Seiten: Einmal die Bürokratie selbst, die nicht die eigenen Fehler vertuschen darf. Dann die Politik, die eine gewisse Verantwortung in der Instrumentalisierung dieser Fehler bewahren muss. Dann die Medien, die entsprechend sachlich berichten. Und zuletzt die Wählenden, die in der Lage sind, das zu bewerten. Im Endeffekt ist das ein neues Verhalten, das gelernt werden muss. Wenn man sich anschaut, wie wenige Unternehmen dazu in der Lage sind, und in diesen Mix Dynamiken demokratischer Verantwortlichkeit einbezieht wird deutlich, wie groß diese Herausforderung ist.

2) Democrats are fiddling while Republicans prepare to burn down Rome

Yet many Democrats are bizarrely blasé about the dire threat both their party and their country is facing. Senate moderates Krysten Sinema of Arizona and Joe Manchin of West Virginia have thus far refused to abolish or reform the Senate filibuster, which will be a necessity for passing any voting rights protections that would allow for fair elections. Many others are queasy about the tax hikes packaged with Biden’s infrastructure and welfare plans, which are vital for protecting Democrats‘ majority but harmful to their donor class. These moderates‘ timidity and corruption might well spell the end of the American republic. […] It simply beggars belief to think these Democrats are earnestly concerned that modestly hiking taxes on corporations and ultra-wealthy heirs, or axing the filibuster, will doom their re-election campaigns. The only thing that could possibly explain why so many Democrats are dead-set on repealing Trump’s cap on state and local tax deductions, 56 percent of the benefits of which will flow to the top one percent, is corruption. They are listening to rich donors and lobbyists, and/or keeping one eye on their future career prospects. Voting to raise taxes will infuriate the wealthy and well-connected, and cushy post-office buckraking careers doing consulting or speeches will not be forthcoming for lawmakers who do not toe the oligarch line. (Ryan Cooper, The Week)

Das Problem ist weniger „many Democrats“ als vielmehr zwei von ihnen: Joe Manchin und Kyrsten Sinema. Auch wenn es aus irgendeinem Grund schwer zu verstehen scheint, keine noch so große Entschlossenheit seitens „der Democrats„, Joe Biden oder sonstwem spielt auch nur die geringste Rolle. Im Senat braucht es 50 Stimmen, um irgendetwas durchzubringen. Das bedeutet, dass alles, was nicht Manchins oder Sinemas Zustimmung findet, nicht passieren wird. Simple as that.

Aber diese Erkenntnis dringt einfach nicht durch. Es ist dieselbe kirre machende Logik wie unter Obama. Getreu der Green-Lantern-Theorie wurde stets so getan, als müsse Obama nur irgendetwas tun, irgendetwas sagen, um Mitch McConnell zur Zusammenarbeit bewegen. Das war immer Quatsch. Und es ist auch für Joe Biden oder „the Democrats“ Quatsch. Nichts was die tun, kann Manchin oder Sinema kratzen. Vor allem Manchin nicht. Der Mann vertritt West Virginia. Er kandidiert nicht noch einmal. Er kann tun und lassen, was er will. Kein noch so großes Bewusstsein für die Gefahr durch die GOP seitens der Partei wird da irgendetwas dran ändern.

3) Normalize part-time work for parents

But I don’t think all of this sufficiently explains why there’s such a universal rejection of the double part-time household. Some significant part of it, I suspect, is how difficult this arrangement is to achieve in our economy as it’s currently structured. Working part-time means many jobs (and the promotions and careers to which they contribute) become wholly unavailable to you. This is especially true of professional-managerial and other white-collar work. Unless you own a business, you have to commit fulltime. There aren’t really part-time executives or web developers or mortgage officers. Stereotypical working-class jobs like factory and trade work also tend to be fulltime. Low-paying service jobs are an obvious exception here, and some health-care workers and first responders have condensed shifts that approximate a part-time schedule, but 40 hours spread over five days is the standard deal. […] Without these impediments — if more jobs could be done part-time, and if we somehow decoupled benefits from employment — would the double part-time household be more popular? I think it would. Given a real, financially viable option, lots of moms and dads might choose to work less and hang out with their children more, particularly in the pre-school years. That’s not about gender roles; it’s about parents liking rest and their kids. (Bonnie Kristan, The Week)

Der Kult der Vollzeitstelle und Dauerpräsenz im Betrieb ist tatsächlich ein großes Problem, was die Möglichkeiten und Chancen der Eltern angeht. Weil, oft mit stolzgeschwellter Brust, jede Position mit höherer Verantwortung dadurch gerechtfertigt wird, dass man länger anwesend ist als der Rest der jeweiligen Abteilung – auch, wenn dem weder Arbeit noch Produktivität gegenüberstehen – reproduzieren sich diese Verhaltensmuster permanent. Anwesenheit ist ein so deutlich sichtbarer, so leicht vergleichbarer und objektivierbarer Marker, dass die Versuchung, ihn zur Messung zu nutzen, unwiderstehlich ist. Das ist dumm und bringt die Wirtschaft wie auch den Öffentlichen Dienst um zahlreiche Talente und potenzielle Gewinne, aber Menschen sind Gewohnheitstiere, und einmal erworbene toxische Verhaltensweisen sind schwer abzutrainieren.

4) „Die Straße war mal für Kinder“ (Interview mit Dirk Schneidemesser)

taz: Herr Schneidemesser, Sie sagen, Sprache hält die Mobilitätswende auf. Wieso?

Dirk Schneidemesser: Die Sprache spiegelt die Einstellung zum öffentlichen Raum und zum Auto wider. Wir haben seit fast einem Jahrhundert über die Sprache die Daseinsberechtigung des Autos verinnerlicht und tief in uns verankert. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Straße ein Ort, wo Kinder gespielt haben, wo man seinen Nachbarn begegnet ist, wo man auch Handel getrieben hat. Es gab Verkehr, aber das war eine von vielen Aktivitäten. Heutzutage haben wir die Vorstellung, die Straße ist da für einen einzigen Zweck, und das ist sogar verankert in unserer Gesetzgebung: den motorisierten Verkehr.

Die Straße ist also ausschließlich fürs Auto da?

Genau. Wenn man in die Geschichtsbücher schaut, ist es dazu durch eine konzertierte Aktion von Menschen gekommen, die meinten, das Auto ist die Zukunft, wir müssen unser Land, unseren öffentlichen Raum nach den Bedürfnissen des Autos ausrichten. Daraus folgte die Überzeugung: Wir müssen in Kauf nehmen, dass Menschen verletzt oder gar getötet werden. Die müssen wir von der Straße weghalten, damit der Autoverkehr nicht gestört wird. Nehmen wir das Beispiel Spielplatz: Ein Spielplatz ist im Grunde genommen ein Ort, wo wir Kinder hinschicken können, damit wir sie nicht an der Leine haben müssen, wo sie ungefährdet sind, spielen können. Spielplätze haben wir, weil die Straße unsicher wurde für Kinder. […]

Wie blockiert die Sprache die Verkehrswende?

Wir reden zum Beispiel von einer gesperrten Straße, wenn ganz vielfältige Aktivitäten dort passieren. Unser Institut, das IASS Potsdam, hat im vergangenen Jahr gemeinsam mit dem Bezirks­amt in Berlin Friedrichshain-Kreuzberg einen Prototyp für eine temporäre Spielstraße entwickelt. Das ist eine für einen Tag pro Woche autofreie Straße. In Coronazeiten brauchen die Menschen mehr Raum, wenn sie nicht in die überfüllten Parks gehen sollen. Diese Straßen wurden oft beschrieben als „gesperrte Straße“. Da haben wir ganz schön gezuckt. Denn genau das Gegenteil ist der Fall: Wir haben die Straße geöffnet, damit die Menschen dort Sport machen, sich auf der Straße aufhalten, etwas essen können. (Anja Krüger, taz)

Zum Thema siehe auch dieses Interview mit der Ökonomin Claudia Kemfert. Die Gesellschaften der Industrieländer wurden über rund ein Jahrhundert darauf trainiert, ihre Bedürfnisse komplett um den Individualverkehr per Verbrennermotor herum zu orientieren. Das war nicht immer so, aber die Industrie hat sich, auch dank massiver Lobbyingkampagnen, seinerzeit durchgesetzt, und spätestens seit der Entstehung von „Suburbia“ in den 1950er und 1960er Jahren hat sich das über drei Generationen ins Bewusstsein gefräßt, ist die gesamte Infrastruktur nur noch auf die Bedürfnisse des Autos zugerichtet.

Hier muss zwangsläufig ein Umdenken stattfinden. Das wird dort beginnen, wo auch das letzte begann: in den Städten, weil hier der Umstieg am leichtesten ist. Die Aushöhlung der Infrastruktur auf dem flachen Land hat dort ja eine völlige Abhängigkeit vom Auto geschaffen, die mittelfristig kaum zu überwinden ist. Diese Entwicklung wird genauso wie die erlernte Abhängigkeit vom Auto Jahrzehnte dauern. Aber irgendwann muss man mal damit anfangen.

5) Warum sollten Grundschüler wählen dürfen, Herr Kurz?

Ich bin kein besonderer Fan dieser Idee. Ich sehe zwar völlig die Argumente der Repräsentation der jungen Menschen. Aber mir scheinen die Nachteile eines solchen Systems wesentlich stärker zu sein als die Vorteile. Und ja, sicher gibt es die einen oder anderen jungen Teenager, die sich für Politik und Wahlen interessieren, aber sie sind eine absolute Minderheit. Wir können darüber reden, das Wahlalter auf 16 zu senken – ich habe da weder in die eine noch in die andere Richtung eine besonders starke Meinung – aber angesichts der Wahlbeteiligung der Demographie „18-24Jährige“ mache ich mir keine großen Hoffnungen, dass sich da großartig etwas tut. Wir haben seit Willy Brandt die Wahl ab 18, ohne dass in den mittlerweile fast fünf Jahrzehnten seither eine große Partizipationswelle dieser vorher Entmündigten stattgefunden hätte. Ich sehe das auch nicht mit einer weiteren Absenkung des Wahlalters kommen. Aber überzeugt mich gerne vom Gegenteil.

6) Conservatives Excommunicated the Last Republican President Who Lost

One of the rationalizations Republicans have made for their party’s refusal to disavow Donald Trump’s authoritarianism is that asking a party to renounce a former president is categorically unreasonable. “He’s an ex-president. You can’t just excommunicate him,” pleads Representative Dan Crenshaw. “People in their parties would also have thrown out people openly critical of Obama and Bush,” says Republican pollster Patrick Ruffini. Parties don’t just disown their former presidents, right? Actually, it has happened. The Republican Party excommunicated George H.W. Bush after his 1992 defeat. That episode was a seminal moment in the formation of the party’s modern identity, and the contrast between its gleeful abandonment of the 41st president and continued fealty to the 45th one reveals a great deal. […] When a Republican president had actually violated a core tenet of conservative belief, his fellow partisans knew what to do about it. They shunned him, turned his name into a synonym for “loser,” and forced even his children to denounce him. The difference is that Bush had committed a truly unforgivable sin: agreeing to increase the top tax rate by three percentage points. Trump won’t be purged because he committed what is, in the eyes of the conservative movement, a more forgivable sin: fomenting the violent overthrow of the government in order to seize an unelected second term. (Jonathan Chait, New York Magazine)

Wir haben dieselbe Dynamik übrigens auch bei Dubbyah und Ford. Und Bush Jr. hat nicht mal verloren, er war seiner Partei nur nicht mehr rechtsradikal genug. Aber jedes Mal wurden die Verlierer in ihrer Partei exkommuniziert. Dass das mit Trump jetzt nicht geschieht hat vor allem damit zu tun, dass der Personenkult der GOP es unmöglich macht. Wer primaries gewinnen will, muss sich voll zum Trumpismus bekennen. Da spielen Kleinigkeiten wie der Erhalt der Demokratie keine große Rolle.

7) Verbundenheit auf Abruf

Bei einer Umfrage der Universität Leipzig teilten siebzig Prozent der Befragten die Ansicht, dass Israels Politik in Palästina fast oder genauso schlimm sei wie die der Nationalsozialisten. Die Staatsräson geht jedenfalls nicht so weit, derartigen Einstellungen in der Bevölkerung wirksam entgegenzutreten. So bleibt die ewige Verbundenheit zwangsläufig eine auf Abruf. […] Auf einer vierten, medialen und kulturpolitischen Ebene dieses Konflikts in Deutschland müssen wir zugeben, dass es nicht nur in Bezug auf Israel und Juden aktuell schwierig ist, die richtigen Worte zu finden. Schnell führen sprachliche Ungenauigkeiten zum Pranger und zum Abkanzeln, zumal die Erregungsschleifen in den sozialen Medien eine aufklärerische und differenzierte Diskussion erschweren. Die gebotene Zurückhaltung, die bei diesem Thema lange herrschte, wurde spätestens mit der Ära Trump begraben. Wenn die Geschichte Israels oder das Leid der Palästinenser so routiniert wie unsensibel in einer Handvoll Sharepics abgehandelt wird, gehen meistens nicht nur die Wahrheit, sondern auch der Anstand verloren. Stattdessen verhärten sich ideologische Einstellungen: Jakob Augstein war mit seiner beschämenden Behauptung „Wenn Jerusalem anruft, beugt sich Berlin“ 2012 noch recht allein, und die Thesen von Günter Grass über Israel als Hauptgefahr für den Weltfrieden ernteten weithin Widerspruch. Inzwischen ist die Vorstellung, Israel kontrolliere die deutsche Politik, weit in den Mainstream eingewandert. Die Schnittmengen zu antisemitischen Narrativen in der Verschwörungsszene liegen auf der Hand – hier bereitet sich eine Verbindung vor, die Schaudern macht. (Meron Mendel, FAZ)

Es ist absolut ekelhaft, wie die CDU versucht, Antisemitismus als rein importiertes Problem zu betrachten. Antisemitisms ist AUCH ein Problem bestimmter Einwanderer-Communities, aber wie der jüngste Konflikt in Gaza ja gut gezeigt hat, ist er wahrlich nicht auf „libanesische Clans“ oder sonstwelche Schreckgespenster beschränkt. In Deutschland ist immer noch ein tief verwurzelter Antisemitismus vorhanden, und die Tatsache, dass wir mehrere Millionen Menschen mit Migrationshintergrund haben, die ihre eigene Version Antisemitismus mitgebracht haben, macht das nicht unwahr.

8) HBO’s prestige ethos was no match for the content wars

In the winter of 2018, HBO’s then-CEO Richard Plepler issued what was either a noble maxim about the pursuit of great art, or foolishly romantic last words, depending on your point of view. „More is not better,“ he told The Wall Street Journal. „Only better is better.“ […] Putting HBO and Discovery together under one roof isn’t necessarily an effort for the new company to save cash. The new company is expected to spend an eye-popping $20 billion on content, surpassing the $17.3 billion Netflix spent on content in 2020. But while HBO will likely keep on doing what it does best for a while yet, a $20 billion budget also implies a throw-everything-at-the-wall-and-see-what-sticks approach that’s the antithesis of HBO’s traditional intentionality. HBO Max already started down this path by mixing in its premiere HBO programming with random shows and movies from the WarnerMedia library, and down the road, the merger could mean diluting HBO’s catalogue of high-quality, award-winning television into something that looks more like the mediocre wasteland of Netflix’s „most popular“ list. (As Recode notes, „The new company can market the two services [HBO and Discovery] separately, but it will undoubtedly roll out a merged version one day“). Ultimately, going bigger means all the pieces inside start to get smaller, too. HBO went from being the crown jewel of TV, the gold standard of prestige programming, into a convenient highbrow complement to offset HGTV, the Food Network, and Animal Planet. While it might sound cynical, the new mantra of the eventual WarnerMedia-Discovery company could prove to be a winning business strategy, if not an especially artistic one: Better is not better. Only bigger is better. (Jeva Lange, The Week)

Das ist eine sehr bedauerliche Entwicklung. Die Goldene Ära des Fernsehens ist fast untrennbar mit HBO verbunden, und die Vorstellung, dass dieser Wettlauf zum größten gemeinsamen Nenner, wie er vor allem für Netflix gilt – wo wirklich fast nichts irgendwie qualitativ Wertvolles zu sehen ist und Serien wie „Dark“ oder „Lupin“ eher wie Unfälle wirken – nun auch auf HBO übergreift, stimmt tief traurig. Auch der Trend zu Mega-Budgets, wie ihn HBO ironischerweise selbst initiiert hat, ist mehr als irritierend. Ich verstehe immer noch nicht, wie Disney all diese Millionen in „Falcon and the Winter Soldier“ versenken konnte, und ich bleibe eher skeptisch, dass Amazons Viertelmilliardeninvestment in „Herr der Ringe“ die Früchte trägt, die das Franchise überhaupt erst erfolgreich gemacht haben.

9) Klimafreundlicher Konsum muss sich lohnen

WELT: Dennoch gab es Skeptiker?

Leven: Die Impfung wurde unter anderem als Eingriff in den göttlichen Heilsplan gesehen. Krankheit allgemein wurde auch als Strafe für Sünden und Prüfung der Gläubigen verstanden. Interessanter sind die schon seit dem 19. Jahrhundert existierenden sachlichen Argumente. So wurde hinterfragt, ob die Pockenimpfung überhaupt wirkte und wie lange. Immerhin musste „nachgeimpft“ werden. Und ein Argument, das schon damals diskutiert wurde: Der Staat greift in die Körper des gesunden Individuums ein. Das spielte vor allem in akademisch-bürgerlichen Kreisen eine Rolle. Es ist übrigens noch heute so. Impfgegnerschaft ist keine proletarische Bewegung. Die Impfgegner und Impfskeptiker, die man nicht miteinander verwechseln sollte, kommen heute eher aus der Öko-Szene – selten aus konservativen Kreisen. […]

WELT: Gibt es Milieus, in denen Impfskepsis verbreiteter ist als in anderen?

Leven: Die Impfgegner sind stets eine bürgerliche Bewegung gewesen. Sie sind überdurchschnittlich gebildet, legen großen Wert auf individuelle Freiheiten und haben ein starkes Problembewusstsein für Eingriffe des Staates. Sie werden teilweise auch von Akademikern wie Juristen und Ärzten gestützt. Damit stehen sich zwei Gruppen gegenüber, die sich bezüglich Profession und Einfluss ähneln. Die Impfgegner sind aber immer in der Unterzahl geblieben, das gilt auch heute. […]

WELT: Sogar im Dritten Reich wurden die verpflichtenden Impfungen von den Nationalsozialisten als Eingriff in die persönliche Freiheit gesehen. Trotzdem wurde die Pocken-Impfpflicht erst 1975 abgeschafft…

Leven: Eine kurze Anmerkung zum Dritten Reich vorweg: Auch als Medizinhistoriker würde man erwarten, dass sich die Impfpflicht während des NS-Regimes ausgeweitet hätte. Dem ist aber nicht so, es blieb bei der Pockenimpfung. Impfungen wurden propagiert, allerdings nie in dem Umfang, in dem man es retrospektiv erwarten würde. Das liegt unter anderem an dem großen Interesse der NS-Führung für alternative Medizin, wie zum Beispiel die Homöopathie. Es ist übrigens bis heute so, dass Anhänger der Homöopathie häufiger zu Impfskepsis neigen – ohne das hier werten oder historisch diskreditierten zu wollen. Die Weltgesundheitsorganisation versuchte, die Pocken vollständig auszurotten, das gelang in den 1970ern. Es ist bis heute übrigens die einzige Krankheit, die durch medizinische Maßnahmen ausgelöscht worden ist. Deshalb wurden die Pockenimpfungen auch bis zum Ende der Krankheit in vielen Ländern verpflichtend beibehalten. (Jonas Feldt, Welt)

Auch wenn die Zahl der Querdenker*innen glücklicherweise winzig ist, so ist es doch beachtlich, welche disparaten Strömungen sich unter dem Banner vereinen. Das ganze Who’s Who der Spinner. Leute, die sonst gegen Chemtrails auf die Straße gehen, marschieren völlig problemlos auch da mit. Das ist der harte Kern dieser Bewegung, und die demonstrieren noch gegen jeden Blödsinn (auch dazu mehr im Vermischten).

Gleichzeitig ist das auch weiterhin mein größtes Problem mit den Grünen. Ich kann diese Globuli-Homöopathenfraktion auf den Tod nicht ausstehen. Die anti-wissenschaftlichen Quacksalber und ihre Fortschrittsverhinderung von der Impfgegnerschaft zu Gentechnik-Fundamentalisten….unerträglich.

{ 63 comments… add one }
  • Dobkeratops 27. Mai 2021, 17:22

    Als Ergänzung zu 7) möchte ich gern diesen Artikel empfehlen.

    • CitizenK 27. Mai 2021, 18:21

      Danke für den Text.
      Die Frage „Warum tun wir nicht alles….“ habe ich mir auch oft gestellt. Und darüber hinaus: Warum gibt es in diesem Land noch so viele Nazis? Die haben doch Nachbarn, sind in Vereinen, haben Arbeitskollegen, Vermieter, Arbeitgeber. Man kann also in Deutschland Nazi sein, ohne gesellschaftlich isoliert oder geächtet zu werden. Das verstehe ich nicht.

    • Stefan Sasse 27. Mai 2021, 23:29

      Danke, hatte den gerade auch in der Timeline.

  • schejtan 27. Mai 2021, 20:02

    zu 8)

    Mal als quasi Gegenfrage zu deinen Ausfuehrungen: Warum sollte der Kulturbereich von dem ueblichen Marktmechanismus, dass produziert wird, was nachgefragt wird, ausgenommen sein? Und warum ist es da „verwerflicher“ (mir faellt grad kein anderes Wort ein) als in anderen Bereichen?

    • Stefan Sasse 27. Mai 2021, 23:31

      Sollte er ja gar nicht. „Den“ Marktmechanismus gibt es ja so nicht. HBO hat ja über den Markt das Prestige-TV erfunden, das war ja nicht eben staatlicher Kulturförderung zu verdanken (die ruiniert in Deutschland genug).

      • schejtan 28. Mai 2021, 11:43

        Die Marktlogik ist ja aber auch dafuer verantwortlich, dass Amazon Unmengen fuer ne LOTR Serie ausgibt, Disney weiter lustig MCU Serien und Filme produziert, und generell der Grossteil des kulturellen Guts einfach Trends folgt anstatt mal neues zu wagen. Da du dich nicht allzu enthusiastisch dazu geaeussert hast, kann man das schon als Kritik daran verstehen, dass Kulturschaffende letztendlich auch der Marktlogik unterliegen.

        Und weniger an dich gerichtet: Ich find es einfach generall amuesant, wenn Leute, die sonst den Markt immer preisen, es auf einmal absolut fuerchterlich finden, wenn zum Filmstudios ihre Projekte nach Marktkriterien aussuchen. Und nicht nach ihrem persoenlichen Geschmack.

        • Stefan Sasse 28. Mai 2021, 13:16

          Ich nehme mal an du meinst nicht mich.
          Aber grundsätzlich ist es bei jedem Thema so: man findet den Status Quo toll, solange er einem nützt, und kritisiert ihn heftig, sobald er das nicht tut.

  • Detlef Schulze 27. Mai 2021, 22:00

    zu 10)

    Ich denke schon, dass man das Kräfteverhältnis berücksichtigen muss. Hamas schiesst ja 1000 Raketen ab, weil nur ein Bruchteil davon ins Ziel kommt. Und die IDF schiesst nur eine Rakete, weil sie wissen, dass diese mit hoher Sicherheit ihr Zielt trifft. Es geht beiden Seiten darum Druck zu erzeugen, bzw. von innenpolitischen Problemen abzulenken. An toten Zivilisten hat weder Israel noch die Hamas ein spezielles Intresse.

    Ich denke, der Beitrag von John Oliver hat sich eher gegen eine einseitige Berichterstattung mancher US-Medien gerichtet. Es ging ihm eher darum ein „schiefes Bild gerade zu rücken“ und weniger darum die Israelische Kriegsführung zu kritisieren. Wer letzte Woche gelesen hat, konnte alles erfahren über Raketen die in Kinderzimmer in Tel Aviv einschlagen, Babies die mit Alarmsirenen geboren wurden und unzählige andere Einzelschicksale der Israelischen Bevölkerung, inklusive Bunkergeschichten des Bild-Reporters. Ich fürchte in den USA ist in vielen Medien die Berichterstattung ähnlich einseitig.

    • Stefan Sasse 27. Mai 2021, 23:32

      Die Hamas würde auch 1000 Raketen schießen, wenn alle treffen würden. Die will nämlich Israel und seine Bevölkerung auslöschen. Und das will Israel nicht. DAS ist der zentrale Unterschied.

      • Erwin Gabriel 28. Mai 2021, 00:54

        @ Stefan Sasse 27. Mai 2021, 23:32

        Die Hamas würde auch 1000 Raketen schießen, wenn alle treffen würden. Die will nämlich Israel und seine Bevölkerung auslöschen. Und das will Israel nicht. DAS ist der zentrale Unterschied.

        Genau DAS! Volle Zustimmung

      • Detlef Schulze 28. Mai 2021, 09:38

        Die Hamas würde auch 1000 Raketen schießen, wenn alle treffen würden. Die will nämlich Israel und seine Bevölkerung auslöschen. Und das will Israel nicht. DAS ist der zentrale Unterschied.

        Das Hauptziel der Hamas ist vor Allem der Machterhalt im Gaza-Streifen. Wären 1000 Raketen in Tel Aviv eingeschlagen und hätte es hunderte oder gar tausende tote Zivilisten auf israelischer Seite gegeben, dann hätte mit Sicherheit die IDF mit Bodentruppen die Kontrolle im Gaza-Streifen übernommen. Das weiss die Hamas.

        • Stefan Pietsch 28. Mai 2021, 10:46

          Warum baut die Hamas ihre Kommandoeinrichtungen unter Krankenhäuser, wohlwissend, dass das gegen internationales Recht verstößt, wohlwissend, dass Ärzte und Patienten so zu legitimen Zielen gemacht werden? Warum feuert die Hamas mit aus Wohngebieten ihre Raketen ab und warum werden Angriffswarnungen nicht an die eigene Bevölkerung weitergegeben?

          Dient das dem Machterhalt?

          • Detlef Schulze 28. Mai 2021, 13:09

            @Stefan Pietsch

            Wir beide kennen die Antworten auf die „Warum?“-Fragen. Die Hamas ist völlig skrupellos auch der eigenen Bevölkerung gegenüber, keine Frage.

            Aber glauben Sie wirklich die Hamas verschiesst tausende Raketen, die mit viel Mühe und Kosten besorgt wurden, einfach in der Hoffnung Gebiete zu erobern, oder um wahllos Juden zu töten? Es ging in erster Linie darum Stärke für die eigene Bevölkerung zu demonstrieren. Hätten sie nichts gemacht nach der Erstürmung und Besetzung des Tempelberges und der Al-Aqsa Moschee durch die Polizei, hätten sie Respekt in der Bevölkerung verloren. Die Hamas ist ja unter anderem auch deshalb im Gaza-Streifen an der Macht, weil sie nicht kooperiern und gewalttätige Konfrontation nicht scheuen. Es ist sehr tragisch, dass genau diese Strategie auch noch zum Erfolg geführt hat und die jüdischen Siedlungen vor 15 Jahren im Gaza-Streifen geräumt wurden.

            • Stefan Pietsch 28. Mai 2021, 14:42

              Weder geht es um Machterhalt noch den Staat Israel von der Landkarte zu tilgen.

              In der Gründungsakte der Hamas steht „Terrororganisation“. Das Wesen einer solchen terroristischen Verbindung ist es, Angst und Schrecken zu verbreiten. Nicht Ländereien zu erobern oder Posten zu verteidigen. Welche Macht sollte denn die Hamas sichern wollen? Seit 17 Jahren wurde in Gaza nicht mehr gewählt, gerade ist der nächste Urnengang auf das Jahr 2075 verschoben worden. Die Menschen in dem kleinen Landstreifen wissen, dass sie von einer korrupten Bande okupiert und als Geiseln gehalten werden. Keine Jubelbilder, als Israel bombardiert wurde.

              Die Hamas geht auch nicht auf dem internationalen Waffenmarkt einkaufen, schon gar nicht mit selbst verdientem Geld. Sie ist der verlängerte, terroristische Arm des Mullah-Regimes in Teheran. Warum sonst sollte die Hamas so eine Vorliebe für iranische Waffen haben? Die Finanzierung erfolgt durch die Gotteskrieger und internationale Spender. Und wahrscheinlich zu einem geringen Teil durch Hilfsgelder der Staatengemeinschaft.

              Was erwarten Spender wohl, die Millionenbeträge an eine Terrorgruppe überweisen und Regierungen, die zu Vorzugskonditionen Raketen liefern? Wahrscheinlich, dass diese abgefeuert werden. Die Hamas muss sich nicht sorgen, dass sie die Macht verliert, wie denn? Dort lässt sich nicht mal Widerstand organisiert, weil sich niemand verstecken kann.

              Wollte der Iran Israel zerstören, würden schwere Raketen fliegen. Oder die Mullahs würden die Hisbollah im Norden in Bewegung setzen, die hat nämlich echt gefährliche Waffen. Die Hamas bekommt solche, mit der Israel terrorisiert werden kann, aber nicht entscheidend geschlagen.

              • CitizenK 28. Mai 2021, 16:40

                „nicht den Staat Israel von der Landkarte zu tilgen“
                Aus der Charta der Hamas:
                „Palästina ist den Generationen der Muslime bis zum Tag des Jüngsten Gerichts gegeben.“

                Zusammen mit Endzeit-Visionen
                „Allah ist ihr Ziel, der Prophet ihr Vorbild, der Koran ihre Verfassung, der Dschihad ihr Weg und der Tod für Gott ihr hehrster Wunsch.“
                ist klar, dass es mit dieser Organisation niemals Frieden(sverhandlungen) geben kann. Trotzdem wird die Hamas von UNO und EU und Spendensammel-Organisationen weltweit unterstützt. Warum nur?

              • Detlef Schulze 28. Mai 2021, 21:54

                „Die Hamas geht auch nicht auf dem internationalen Waffenmarkt einkaufen, schon gar nicht mit selbst verdientem Geld. Sie ist der verlängerte, terroristische Arm des Mullah-Regimes in Teheran. “

                Das ist doch eher unwahrscheinlich. Die Hamas ist sunnitisch und hat zeitweise ihr halbes Budget aus Saudi Arabien bekommen. Erst als dieser Geldfluss auf Druck der USA zrückgefahren wurde, ist der Iran eingesprungen. Die Hamas-Führung wurde mittlerweile aus Syrien und dem Libanon ausgewiesen, da sie die syrischen Rebellen unterstützen. Aus dem selben Grund hat Iran die finanzielle Unterstützung seit 2011 halbiert. Die Führung der Hamas musste nach Katar umziehen. Wie ein verlängerter Arm der Mullahs sieht das nicht aus. Ist wohl er eine lose Zweckpartnerschaft.

          • Stefan Sasse 28. Mai 2021, 13:14

            Tatsächlich ja, weil die Gegenschläge der IDF unweigerlich Zivilisten treffen und diese so mit Hamas solidarisieren.

        • Stefan Sasse 28. Mai 2021, 13:10

          Sorry, nein.

      • Skythe 1. Juni 2021, 10:15

        Den zentralen Punkt des schiefen Kräfteverhältnisses hast du bewusst ignoriert, Stefan.

        Gäbe es die Hamas heute überhaupt, wenn die Siegermächte nicht gegen den Willen der Mehrheit der ansässigen Bevölkerung Israel ermöglicht und anerkannt hätten?

        Gäbe es die Hamas heute noch, wenn sich Israel in den letzten Jahrzehnten nicht völkerrechtswidrig und rücksichtslos verhalten hätte?

        • Stefan Sasse 1. Juni 2021, 11:19

          Hätte es Hitler gegeben, wenn die Juden nicht existiert hätten? – Diese Art der Fragestellung ist, höflich ausgedrückt, ein wenig problematisch.

  • derwaechter 27. Mai 2021, 22:49

    „An toten Zivilisten hat weder Israel noch die Hamas ein spezielles Interesse“

    Oder sind tote israelische Zivilisten oder vielmehr Juden auf der ganzen Welt das erklärte Ziel?

    Mir ist natürlich klar, dass das keine objektive Quelle ist. Die Clips sprechen dennoch für sich.

    • Detlef Schulze 28. Mai 2021, 10:35

      „Oder sind tote israelische Zivilisten oder vielmehr Juden auf der ganzen Welt das erklärte Ziel?“

      Zur Klarstellung; ich hege überhaupt keine Sympathien für die Hamas oder andere islamofaschistische Terrororganisation. Aber, die Hamas ist weder ISIS noch Al-Qaida. Als eine der reichsten Terrororganisationen wäre es ihr sicher möglich, Terroranschläge auf Israelis und Juden ausserhalb Israels zu verüben, tut es aber nicht. Im Gegensatz zur sekularen und gemäßigten Fatah/PLO in den 70er und 80er Jahren.

      Die Hamas gibt sich seit einiger Zeit auch recht handzahm und hat das Wort „Juden“ ganz aus ihrer Charta gestrichen. Ob das lediglich Strategie ist, um Geldgeber aus dem Westen nicht zu verschrecken, oder eine ernstgemeinte Richtungsänderung, ist allerding unklar. In jedem Fall hat der Machterhalt im Gaza-Streifen für die Hamas die höchste Priorität und ich denke, dass sie sich sehr wohl überlegt, wie weit sie den Konflikt eskalieren lässt um den größten politischen Nutzen daraus zu ziehen.

      • CitizenK 28. Mai 2021, 10:40

        „hat das Wort „Juden“ ganz aus ihrer Charta gestrichen“

        Hast Du dazu eine Quelle? Danke.

        • Detlef Schulze 28. Mai 2021, 11:41


          Ich habs von hier (Seite 74):

          Ich zitiere mal den entsprechenden Absatz:
          „Seit Jahren behaupten Hamas-Unterstützer in Europa, die Organisation habe der Vernichtung Israels seit langem abgeschworen. Im Frühling 2017 präsentierte die Organisation eine neue Charta, die keine Referenzen mehr zu „Juden“ enthält und die Möglichkeit eines palästinensischen Staates in den Grenzen von 1967 andeutet. Nur wenige Tage später stellte Hamas-Mitbegründer Mahmoud Zahrar allerdings klar, dass die gewaltsame Befreiung „aller palästinensischen Gebiete“, worunter auch das israelische Kernland subsummiert wird, noch immer das Ziel der
          Organisation sei. Weitere Hamas-Anführer erklärten infolge, sie würden weder einer Entwaffnung, noch der Anerkennung Israels zustimmen.“

          Auf den tiefsitzenden Antisemitismus der Hamas wird im darauffolgenden Abschnitt ebenfalls detailiert eingegangen.

          „rnichtung Israels seit langem abgeschworen. Im Frühling 2017
          präsentierte die Organisation eine neue Charta, die keine Referenzen mehr zu „Juden“
          enthält und die Möglichkeit eines palästinensischen Staates in den Grenzen von 1967
          andeutet.55 Nur wenige Tage später stellte Hamas-Mitbegründer Mahmoud Zahrar
          allerdings klar, dass die gewaltsame Befreiung „aller palästinensischen Gebiete“,
          worunter auch das israelische Kernland subsummiert wird, noch immer das Ziel der
          Organisation sei.56 Weitere Hamas-Anführer erklärten infolge, sie würden weder einer
          Entwaffnung, noch der Anerkennung Israels zustimmen.57

      • Stefan Sasse 28. Mai 2021, 13:13

        Das mag sein. Aber wenn sie könnte, würde sie mit Vernichtungsabsicht agieren. Sie kann nur nicht.

  • derwaechter 27. Mai 2021, 23:00

    Der Glaube an die Macht der Sprache scheint keine Grenzen zu kennen. Das gilt offenbar nicht nur wenn man meint gendergerechte Sprache hätte wesentliche Auswirkungen auf tatsächliche Gendergerechtigkeit, jetzt können wir durch Sprachänderungen auch die Mobilitätswende in Gang bringen.


    • Stefan Sasse 27. Mai 2021, 23:33

      Es ist halt ein Mosaikstein, und ein Symptom. Niemand behauptet, man könne nur durch Sprache die Mobilitätswende bringen. Stell dich nicht so naiv.

      • derwaechter 28. Mai 2021, 08:33

        Doch, genau das:
        „Herr Schneidemesser, Sie sagen, Sprache hält die Mobilitätswende auf“

        „Wie blockiert die Sprache die Verkehrswende?“

        Wer Blockaden entfernt bringt etwas in Gang.

        Ich bin nicht naiv, sondern diejenigen die so etwas sagen.

        Das ist genau wie beim Genderthema.

        Ich schrieb bewusst „wesentlich“ und „in Gang bringen“, nicht alleine lösen o.ä. um die Aussagen korrekt wiederzugeben und nicht zu übertrieben darzustellen.

        • Stefan Sasse 28. Mai 2021, 09:26

          Aber das Framing kommt ja vom Interviewenden. Seine Antwort:
          „Die Sprache spiegelt die Einstellung zum öffentlichen Raum und zum Auto wider.“ Und sorry, da ist einfach nichts von deiner Kritik zu finden. Rudere mal zurück und lies nochmal in Ruhe.

          • derwaechter 28. Mai 2021, 11:02

            Es ging mir um genau das Framing, nicht von wem das kommt.

            Inhaltlich, also dass das System viel zu sehr auf Autos ausgerichtet ist, stimme ich dem voll zu.

            Ich werde jetzt nicht noch mehr recherchieren, aber es scheint doch sehr, dass das „Framing“ von der Arbeit des Autors kommt. Er widerspricht ihr ja auch nicht, wenn sie ihn so paraphrasiert.

            • Stefan Sasse 28. Mai 2021, 13:15

              Wir können dem Verkehrswissenschaftler ja durchaus auch zugestehen, dass er weiß, wovon er redet.

              • derwaechter 28. Mai 2021, 13:49

                Den merke ich mir, wenn Du das nächste mal Ökonomen oder „profession Deiner Wahl hier einfügen“ kritisierst.

                Ich bezweifle auch wie gesagt nicht seine Kompetenz in Punkto Verkehr sondern Sprache

  • derwaechter 27. Mai 2021, 23:10

    „Antisemitisms ist AUCH ein Problem bestimmter Einwanderer-Communities“

    Ich glaube was die aktuelle, konkrete Bedrohung von Juden in Deutschland, wohl auch Europa, angeht müsste es korrekt heissen „VOR ALLEM“ anstatt „AUCH“.

    Das macht hausgemachten Antisemitismus natürlich nicht unproblematisch aber das behauptet doch eigentlich auch kaum jemand, oder?

    • Stefan Sasse 27. Mai 2021, 23:33

      Doch, die CDU.

      • derwaechter 28. Mai 2021, 08:23

        Im Ernst?
        Oder sagen sie eher weniger problematisch? Das wäre nämlich in Moment tatsächlich richtig.
        Auch wenn das nicht heissen soll, dass man ihn nicht angehen müsste.

        • Stefan Sasse 28. Mai 2021, 09:24

          Hm. Ich habe gerade nochmal nachgelesen. Möglicherweise habe ich das etwas zu stark gelesen. Ich nehm den Punkt zurück und editiere den entsprechenden Kommentar bei Erwin.

        • Erwin Gabriel 28. Mai 2021, 10:22


  • Erwin Gabriel 28. Mai 2021, 00:41

    @ Stefan Sasse
    7) Verbundenheit auf Abruf

    Bei einer Umfrage der Universität Leipzig teilten siebzig Prozent der Befragten die Ansicht, dass Israels Politik in Palästina fast oder genauso schlimm sei wie die der Nationalsozialisten.
    Eine Studie aus Leipzig, so so. Wer wurde wie und wo befragt?
    Davon mal ab: Wenn ich das richtig verstanden habe, betrachten überzeugte Antisemiten „Juden“ als eine wie auch immer geartete Kombination von Religion und Rasse. Wer Juden hasst, wird das also kaum tun, weil die Israelis den Palästinensern Leid zufügen. Wenn das Verhalten der israelischen Regierung als Krücke für Antisemitismus genutzt werden kann, sehe ich die Ursachen darin in erster Linie in der Berichterstattung linker Medien.

    Es ist absolut ekelhaft, wie die CDU versucht, Antisemitismus als rein importiertes Problem zu betrachten.
    Vorab: Deine Wortwahl stört mich sehr. Würdest Du in die andere Richtung nicht tolerieren.
    In Deutschland ist immer noch ein tief verwurzelter Antisemitismus vorhanden, und die Tatsache, dass wir mehrere Millionen Menschen mit Migrationshintergrund haben, die ihre eigene Version Antisemitismus mitgebracht haben, macht das nicht unwahr.
    Dann hat jeder Mensch gegen andere Menschen und Gruppen Vorurteile, auch ich, auch Du. Ist eine sehr natürliche Sache. Das Problem liegt doch darin, wie man damit umgeht. Weicht man diesen Menschen und Gruppen aus, oder ärgert sich im stillen Kämmerlein, ist (aus meiner Sicht) alles in Ordnung. Erst wenn man seine Ablehnung in Aktionen ausufern lässt (von der Beschimpfung bis zu Mord und Totschlag, Synagogen anzünden etc.), wird es problematisch.
    Und selbst wenn Antisemitismus in weiten Bereichen der Bevölkerung latent vorhanden sein sollte – was mich angesichts der langen Indoktrination bis 1945 nicht wundern würde – so neigen diese Bereiche der Bevölkerung üblicherweise nicht zu Gewalt. Das ist üblicherweise rechtsextremen Spinnern und eben importierten Feinden des israelischen Volkes vorbehalten.

    Ehe Du Dich also aufregst, solltest Du klären, was für Dich das Problem ist – Vorurteile gegen andere, (Vor)urteile gegen Israelis, Vorurteile gegen Juden, oder Gewalt.

    • Stefan Sasse 28. Mai 2021, 09:21

      Juden in Deutschland sind tagtäglich Beschimpfungen und antisemitischen Übergriffen ausgesetzt. Nicht nur von arabischstämmigen Jugendlichen, nicht nur von Skinheads, sondern von „ganz normalen Menschen“. Das kleinzureden ist genauso abstoßend wie irgendwie den Antisemitismus von Einwanderergruppen zu relativieren. Es ist absolut ekelhaft, wenn man diesen heimischen Antisemitismus leugnet, um im selben Atemzug gegen Einwanderergruppen zu hetzen. Diese Wortwahl würde ich gegen die andere Seite nicht nur tolieren, sondern erwarten. Ich finde auch die Haltung der LINKEn zu Israel etwa unerträglich. Gisys Äußerungen etwa waren wieder unter aller Kanone.

      EDIT: Ich war in der Kritik an der CDU zu weitreichend, sie hat sich grundsätzlich vorsichtig genug ausgedrückt. Originalkommentar bleibt aus Gründen der Transparenz stehen. Wir können die Diskussion an der Stelle abbrechen, das ist ein giftiges Thema.

      • Erwin Gabriel 28. Mai 2021, 10:21

        Halo Stefan,

        mir (und vielleicht auch Dir) ist trotzdem nicht ganz klar, worum es eigentlich geht. Das in Deutschland der latente, unterschwellige Antisemitismus nicht 1946 ausgelöscht wurde, ist mir klar, da widerspreche ich nicht. Wenn es darum geht, drückst Du Dich zu stark aus, aber in der Sache bin ich bei Dir (wobei ich das keinesfalls auf die CDU begrenzen würde).

        Geht es um Bedrohung, um physische Gewalt, um Mord und Totschlag, ist Deine Ausdrucksweise angemessen, aber die CDU das falsche Ziel.

        Whatever, ist wirklich ein fieses, schwer greifbares Problem, bei der mir lieber wäre, wir hätten es nicht.

        • Stefan Sasse 28. Mai 2021, 13:10

          Ja, ich stimme deiner Aussage zu und würde das Thema deswegen an der Stelle einfach beenden. 🙂

      • Stefan Pietsch 28. Mai 2021, 11:01

        In jeder Gesellschaft gibt es Antisemitismus, wahrscheinlich selbst in Israel. In Deutschland äußern regelmäßig 22% der Menschen judenfeindliche oder zumindest abfällige Bemerkungen. Das ist hierzulande weder besonders niedrig, aber auch nicht hoch. Zum Vergleich: in Spanien sind es rund 40%, in UK 7%. Der Antisemitismus findet sich dabei als Elemente sowohl im Rechts- als auch im Linksextremismus.

        Nach einer Studie sind in Deutschland 81% der Angriffe auf Juden von muslimischen Migranten ausgeführt. Von 2015 auf 2016 hat sich die Anzahl antisemitischer Straftaten glatt auf 1500 verdoppelt. Heute sind wir auf einem absoluten Rekordwert von rund 2300 Straftaten. Nochmal: von 2015 auf 2020 hat die Zahl der jüdischen Hetze von 760 auf 2300 sich verdreifacht.

        Unter muslimischen Migranten ist der Anteil antisemitischer Einstellungen mit 44% doppelt so hoch wie unter der Gesamtbevölkerung. Um Probleme anzugehen, muss man einordnen und damit auch relativieren können. Die Zahlen legen sehr nahe, woher die neue Gefährdungslage für Juden kommt. Einfach darauf zu verweisen, dass mehr als jeder Fünfte in Deutschland antisemitische Einstellungen pflegt, ordnet nicht ein, vor allem, wenn dieser Teil sich über Jahrzehnte konstant verhält.

        Das ist nicht gut, darum geht es nicht. Doch wenn wir heute über eine neue Welle judenfeindlicher Angriffe sprechen, gilt es, auf die Ursachen zu schauen.

  • Erwin Gabriel 28. Mai 2021, 00:51

    @ Stefan Sasse
    4) „Die Straße war mal für Kinder“ (Interview mit Dirk Schneidemesser)

    Wieder so ein selbstgerechter Schwarz-Weiß-Naivling …Schwa

    Die Gesellschaften der Industrieländer wurden über rund ein Jahrhundert darauf trainiert, ihre Bedürfnisse komplett um den Individualverkehr per Verbrennermotor herum zu orientieren.

    „Trainiert“ …
    Abgesehen davon, dass das in dieser nicht stimmt – es gibt in den meisten Städten einen gut ausgebauten öffentlichen Verkehr – hast Du Dir mal über den Kampfbegriff „Autolobby“ hinaus Gedanken gemacht, warum das so ist? Hast Du Dir mal Gedanken darüber gemacht, warum die Infrastruktur im ländlichen Raum ausgehöhlt ist?

    • Stefan Sasse 28. Mai 2021, 09:22

      Erleuchte mich.

      • Erwin Gabriel 28. Mai 2021, 10:33

        @ Stefan Sasse 28. Mai 2021, 09:22

        [Hast Du Dir mal Gedanken darüber gemacht, warum die Infrastruktur im ländlichen Raum ausgehöhlt ist?]

        Erleuchte mich.

        Ich nehme das als ein „Nein“ 🙂

        Spaß beiseite: Weil da weniger Menschen wohnen als in der Stadt; Bahnen, Ämter, Ärzte und Geschäfte rentieren sich nicht. Soll heißen, so, wie Du es formulierst, verwechselst Du Ursache und Wirkung. Mobilität ist nicht nur Luxus, sondern in weiten Bereichen Notwendigkeit. Die Sprache ist da nebensächlich.

        Die Leute brauchen Autos, also werden sie gebaut. Dass diese Autos größer und stärker werden, mag ein Luxusaspekt sein, aber in vielen Bereichen ist die individuelle, von Fahrplänen und Schienenverbindungen unabhängige Mobilität erforderlich.

        • Stefan Sasse 28. Mai 2021, 13:12

          Nein, da widerspreche ich dir. Leute brauchen Mobilität, völlig richtig, aber die muss nicht zwingend in Form von Autos sein. Mir ist klar, dass das HEUTE nicht anders geht, keine Frage. Aber schon deine Formulierung „ausgehölt“ zeigt ja, dass es Alternativen jenseits von Straßen für PkW gäbe. Sie sind nur nicht ausgebaut.

        • bevanite 28. Mai 2021, 19:42

          Das ist aber auch ein bisschen die Henne-Ei-Frage. Ist die Infrastruktur so schlecht, weil alle vom Land wegziehen oder will niemand hinziehen, weil die Infrastruktur so schlecht ist? Ich höre und lese sehr oft Kommentare von Leuten, die am liebsten auf dem Dorf wohnen wollen, weil sie dort ihre Ruhe hätten – und trotzdem zieht kaum jemand von ihnen hin, obwohl es von den Mieten her extrem günstig ist und es z.B. in der brandenburgischen Pampa Gegenden gibt, wo man quasi ein ganzes Dorf für sich alleine hätte.
          Die Gründe mögen verschieden sein (eine gehörige Portion Romantisierung kommt natürlich auch hinzu), aber möglicherweise hätte ein flächendeckender Ausbau der Öffentlichen im ländlichen Raum auch gewisse Effekte (Stichwort „Smart Villages“). Ich fahre ja öfters mit dem Zug und es fällt schon auf, dass viele Bahnhöfe/Haltepunkte in der Provinz nicht mehr genutzt werden. Da braucht man gar nicht mal so viele neue Gleisnetze zu bauen, es reicht einfach nur, mehr Geld in die Modernisierung und Aufstockung der Deutschen Bahn zu investieren.

          Aber kriegt man damit mehr Leute aufs Land und will man das überhaupt? Persönlich würde ich mir etwas Entlastung in den Städten aufgrund der steigenden Mieten wünschen, aber ich glaube fast, dass die Messe gelesen ist, da in Deutschland nunmal die meisten Menschen in Groß- und Mittelstädten leben (und die Tendenz scheint trotz Pandemie ja gerade mehr zu Urbanisierung als zu Suburbanisierung zu gehen).

          • Stefan Sasse 28. Mai 2021, 22:37

            Richtig. Die Leute kamen ja auch rum, bevor ab so den 1960er, 1970er Jahren jede Familie mindestens ein Auto hatte. Heute braucht eine Familie, die auch nur etwas abseits der Metropolen lebt, meist ja schon zwei. Das ist absurd.

            • Erwin Gabriel 29. Mai 2021, 17:12

              @ Stefan Sasse 28. Mai 2021, 22:37

              Die Leute kamen ja auch rum, bevor ab so den 1960er, 1970er Jahren jede Familie mindestens ein Auto hatte. Heute braucht eine Familie, die auch nur etwas abseits der Metropolen lebt, meist ja schon zwei. Das ist absurd.

              Nein, bzw. vollkommen anders. Damals (ich kann mich noch daran erinnern – Du Dich auch? 🙂 ) war es eine vollkommen andere Welt. Wir waren fünf Kinder; mit der Geburt des vierten Kindes kam eine Waschmaschine ins Haus. Ein paar Jahre später kriegte auch meine Mutter ein Auto, ein Goggomobil Coupe – falls mal ein Kind dringend zum Arzt musste.
              Bei uns in Hohenbostel haben nur wenige studiert, die meisten gingen in die örtliche Volksschule bzw. in eine nahegelegene Realschule. Einkaufen konnten wir im kleinen Konsum, wo wir frische Milch in eine Kanne gezapft bekamen, wo man Mehl, Eier, Gemüse, Süßigkeiten, Bücher und Zeitschriften, Alltagssachen wie Nähgarn oder Stricknadeln bekamen. Es gab im Ort auch einen Bäcker, zwei Friseure, zwei Hausärzte, eine Volksbank, und keine 1.000 Einwohner. Zu der Zeit gab es eine Fernsehzeitschrift (Hör Zu), drei Fernsehprogramme, vier Sorten Käse, sechs Sorten Wurst (Leberwurst, Blutwurst, Knappwurst, Salami, zwei Sorten Aufschnitt). In den Ferien verschwanden die Kinder aus unserer Straße morgens in den Wald, und kamen abends wieder – hat keinen geschert. Zum Urlaub fuhren wir zum Zelten an die Ostsee.

              Heute gibt es fast doppelt so viele Einwohner, aber sonst gar nichts mehr. Keine Jobs im Ort, über die Hälfte der Bauern tot. Busse fahren praktisch nicht mehr, zum Bahnhof im angrenzenden Nachbarort ist es über einen Kilometer.

              Und was das Thema „absurd“ angeht: Wir haben hier des Öfteren darüber debattiert, was eine angemessene Versorgung im Rahmen der Sozialhilfe / Arbeitslosenhilfe / Hatrz IV angeht. Meine Meinung war, dass dazu die Grundversorgung – ein Dach über dem Kopf, Bildung, Sicherheit, Nahrung, Kleidung, ärztliche Versorgung etc. – gehört; ab einer gewissen Grenze (Fernseher, Internet, Smartphone etc.) geht es um Luxus. Ich habe auch gefragt, warum das Existenzminimum hier in Deutschland soviel höher liegt als etwa in Griechenland oder Portugal.
              Zu den am wenigsten empörten und moralgeschwängerten Antworten gehörte die Bemerkung, dass man sich ja irgendwie am aktuellen Lebensstandard des Durchschnitts orientieren müsse. Wie ist Dein Maßstab hier?

              • Floor Acita 29. Mai 2021, 18:57

                „Keine Jobs im Ort, über die Hälfte der Bauern tot. Busse fahren praktisch nicht mehr, zum Bahnhof im angrenzenden Nachbarort ist es über einen Kilometer.“

                Ist nicht DAS das Problem?

              • Stefan Sasse 29. Mai 2021, 20:37

                Genau darauf wollte ich raus. Es gibt keine Infrastruktur mehr. Du kannst ja ohne Auto meistens gar nicht mehr einkaufen. DAS ist das Problem, aber die Entscheidung fiel vor, was, drei Jahrzehnten, mindestens?

                • Erwin Gabriel 30. Mai 2021, 22:45

                  @ Stefan Sasse

                  Genau darauf wollte ich hinaus.

                  Ich doch auch …

                  Es gibt keine Infrastruktur mehr. Du kannst ja ohne Auto meistens gar nicht mehr einkaufen. DAS ist das Problem, …

                  Ja. Die Infrastruktur bricht weg, deswegen braucht man ein Auto – nicht anders herum.

                  … aber die Entscheidung fiel vor, was, drei Jahrzehnten, mindestens?

                  Das war keine Entscheidung, das ist eine Entwicklung

                  • Floor Acita 31. Mai 2021, 11:26

                    Aber kann man dann nicht, und so hatte ich den Anfang der Debatte auch verstanden, in den (Wieder-) Aufbau der Infrastruktur investieren? Geld muss man ja anscheinend an irgendeiner Stelle sowieso in die Hand nehmen?

                  • Stefan Sasse 31. Mai 2021, 15:05

                    Ja, sag ich doch? 😀

                    Jein, es gab ja Leute, die die Entscheidung für diese Entwicklung getroffen haben. Natürlich nicht eine Person zu einer bestimmten Zeit, aber es ist kein Natutgesetz.

                    • CitizenK 31. Mai 2021, 16:26

                      Das nicht, aber wie willst Du auf dem Land eine Infrastruktur wirtschaftlich darstellen?
                      (Fragt einer, der auf dem Land ohne Auto mit mäßiger Bahnanbindung aufgewachsen ist).

                      Es gibt zu viele Autos, aber vor allem in der Stadt, wo sie wertvollen Platz wegnehmen und die Luft verpesten.

                    • Stefan Sasse 31. Mai 2021, 19:37

                      Naja, dass die Supermärkte beispielsweise komplett an die Stadtränder gezogen sind oder teilweise sogar außerhalb der Gemeindegrenzen…

  • bevanite 28. Mai 2021, 20:27

    zu 10) Zum Teil liegt es auch daran, dass viele „Zaungäste“ über den Nahost-Konflikt bemerkenswert schlecht informiert sind. Die Macht der Hamas in Gaza wird unterschätzt, die Popularität der Fatah oft überschätzt und über die Rolle der benachbarten arabischen Staaten wird quasi überhaupt nicht gesprochen, obwohl diese einen ganz entscheidenden Beitrag zur heutigen Misere leisteten (das betrifft nicht nur die Lage der palästinensischen Flüchtlinge und ihrer Nachkommen in Syrien und Libanon, sondern auch die frühere Rolle Jordaniens im aktuellen Konflikt bezüglich Ost-Jerusalem). Ich versuche mich inzwischen aus Diskussionen über Nahost unter Nicht-Beteiligten weitestgehend rauszuhalten, weil ich den Eindruck habe, dass die Angehörigen von „Team Palestine“ und „Team Israel“ in Europa und Amerika extremere Meinungen vertreten als die mir persönlich bekannten Israelis oder PalästinenserInnen. Auf den „Free Palestine“-Demos hören sich die Parolen an wie von Scheich Yassin. Auf der anderen Seite hat sich die Pro-Israel-Fraktion in Deutschland dermaßen verhärtet, dass viele ihrer Vertreter in der israelischen Parteienlandschaft rechts von Naftali Bennett und Avigdor Lieberman stehen würden. Da wird auf beiden Seiten oft Israel als Projektionsfläche für andere Themen genutzt und daher völlig falsch eingeschätzt.

    zu 11) Die Einschätzung Levens über das Milieu ist zutreffend und das Phänomen der „rechten Esoterik“ ist auch eine Konstante seit der Lebensreformbewegung. Dennoch hat es mich doch einigermaßen geschockt, dass im Rahmen der Querdenker-Demos Bekannte, die ich nicht für dumm und leichtgläubig halte (die Irren, die an Chemtrails, „Chippen“, QAnon oder Impfmücken glauben, nehme ich per se nicht ernst) mit Leuten sympathisierten, von denen sie vielleicht noch vor ein paar Jahren tätlich angegriffen wurden.

    Bezüglich der Grünen: da habe ich zur Zeit ein bisschen die Hoffnung, dass durch „Querdenken“ die Spreu vom Weizen getrennt wird. Prominente Grüne gab es – im Gegensatz zu AfD- oder auch FDP-Leuten – auf diesen Demos schließlich kaum.

    • Stefan Sasse 28. Mai 2021, 22:38

      Das ist wohl wahr. Fairerweise muss man sagen, dass auch keine prominenten CDUler bei der Pegida unterwegs waren.

  • cimourdain 28. Mai 2021, 22:37

    1) Wenn du dir die Debattenmechanismen anschaust, ist leider eine solche Fehlerkultur immer schwieriger. Jede Politik ist für irgendjemandenvon Nachteil, spaltet dadurch in Gegner und Befürworter. Und in einer solchen Situation kostet ein ‚Rückzieher‘ mehr politisches Kapital als das weitermachen trotz offenkundigem Unsinn. (Beispiel PKW-Maut)

    3) Leicht o.T. aber interessanter Lesetip: James Suzman: „Sie nannten es Arbeit“ ist ein guter anderer Blickwinkel auf das Thema Arbeit.

    4) Der Ansatz, dass vollendete Tatsachen die Sprachbilder entstehen lassen und dadurch das Denken bestimmen, ist verständlich. Aber dann verheddert sich Schneidemesser genau da, wo er genaus deshalb ganz genau sein sollte in kleinen Ungenauigkeiten: Das Gesetz reserviert nicht „Die Straße“ für den motorisierten Verker, sondern ‚die Fahrbahn‘. Die Straße besteht auch aus Gehweg, Radweg, Grünstreifen etc.

    5) auch wenn ich abschweife, möchte ich beim Them a Wahlrecht darauf hinweisen, dass Personen unter Betreuung trotz eines BverfG_Urteils immer noch kein Wahlrecht haben.

    11) Warum sind überdurchschnittlich gebildete Menschen so beim Impfen so unvernünftig. Eine große Rolle spielt da ein spezifischer Mangel an methematisch-Statistischem Gefühl, das Einschätzen sehr geringer Wahrscheinlichkeiten. Dadurch überschätzen sie die sehr unwahrscheinlichen Ereignisse von schädlichen Nebenwirkungen (katastrophismus).
    Aber gesellschaftlich sehe ich derzeit vielmehr ein Problem bei den durch Corona ideologisierten Impfbefürwortern, wie etwa hier:

  • cimourdain 30. Mai 2021, 16:33

    8) Mich interessiert dieses Thema eigentlich nur am Rande, aber der Ansatz im Fundstück (und damit auch deiner) zeigt ein paar argumentative Trugschlüsse auf:
    – falscher Antagonismus: Nur weil A Qualtiät liefert, heisst das nicht, dass der Konkurrent B das nicht tut.
    – selektive Wahrnehmung: Genauso wie B zu 90 % Mittelmaß produziert hat und vielleicht 10 % interessant ist, so gilt dies natürlich auch für A. Man erinnert sich nur an die guten Seiten.
    – Verallgemeinern der eigenen Sicht. Bei den Awards (das nächste, was wir an einer halbwegs objektiven Sicht haben) liegen A und B sehr nah beieinander.
    – Universalwerkzeuge am falschen Ort. Gerade Streamingdienste arbeiten daran, möglichst viele Nischen abzudecken. (Nimm z.B: Love, Death and Robots‘) Da ist ‚Massengeschmack‘ exakt der falsche Arbeitsbegriff.

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