Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Die „Fundstücke“ erhalten ausführlichere und thematisch gegliederte Hinführungen zu verschiedenen Artikeln aus den Weiten des Netzes dar. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels empfohlen; ich übernehme keine Garantie für die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Zusammenfassungen. Für den Bezug in den Kommentaren sind nummerierte Zwischenüberschriften eingezogen, bitte auf die referieren. Dazu gibt es die „Resterampe“, in der ich nur kurz auf etwas verweise, das ich zwar bemerkenswert fand, aber zu dem ich keinen größeren Kommentar abgeben kann oder will. Auch diese ist geordnet (mit Buchstaben), so dass man sie gegebenenfalls in den Kommentaren referieren kann.
Fundstücke
1) Hegemonie à la Gramsci
Alan Posener setzt sich in einem Leitartikel mit Gramscis Gedanken der „Hegemonie“ auseinander. Er wirft Rechten wie Linken vor, dass der Versuch, Hegemonie zu erreichen, gleichermaßen antiliberal wie zum Scheitern verurteilt sei. Bei ersterem stimme ich ihm zu, bei zweiterem nur bedingt. Sicher hat er Recht damit, dass es offensichtlicher Schwachsinn ist, eine rot-grüne Meinungsdiktatur herbeizuimaginieren. Auch hat die katholische Kirche Mussolinis Diktatur überlebt. Nur ist die (banale) Erkenntnis Gramscis, dass die Herrschenden den Diskurs dominieren, ja nicht falsch, nur weil es Biotope anderer Haltungen gibt. In einer pluralistischen Demokratie kann Gramscis Diktum nie zur Wirkung kommen, weil Pluralismus ja institutionell garantiert wird. Aber selbstverständlich sind andere Systeme erfolgreich darin, Hegemonien herzustellen. Dass China kapitalistische Elemente verwendet, widerspricht keinesfalls der Vorstellung, dass dort eine von der KPCH vorgegebene Meinungshegemonie besteht. In Putins Russland besteht eine recht klare Hegemonie. Die Stalinisten Nordkoreas dürften sich einer gewissen Hegemonie erfreuen. Und so weiter. Ich fürchte, da ist Posener etwas zu romantisch.
2) Wie schädlich sind Bildschirme für Kinder?
Diese Frage hat Brent Freiwald etwas näher untersucht. Die Studienlage ist recht klar: Bildschirme haben für Unter-Zweijährige einen negativen Effekt. Nur ist der statistisch ziemlich klein, wesentlich kleiner, als es die Debatte vermuten ließe, die manchmal geradezu hysterische Züge annimmt. Wesentlich stärkere Faktoren sind und bleiben die Umgebung der Kinder, vor allem die Eltern, und die Stimuli, die diese bereitstellen. Das viel größere Problem bleibt also die Herausforderung für Eltern, den Kindern dies zu ermöglichen; bleiben die Kleinen weitgehend sich selbst überlassen, ist auch ein Bildschirmverbot nicht gut. Hier müssten entsprechende Maßnahmen vor allem ansetzen. Und leider ist es so, dass diejenigen Familien, in denen ersteres zutrifft, meistens auch eher auf Bildschirmmedien zurückgreifen.
3) Survival of the Nettest
Volker Ullrich rezensiert voller Begeisterung ein neues Buch darüber, dass „Nicht die Stärksten überleben, sondern die Nettesten„. Es geht vor allem um Bakterien und Algen, aber ich bin etwas verblüfft ob Ullrichs Begeisterung angesichts der Erkenntnisse, dass vor allem Netzwerken zu evolutionären Erfolg führt; der vulgärdarwinistische Überlebenskampf des „survival of the fittest“ ist schon lange nicht mehr aktuell. Bei der Frage, warum sich ausgerechnet der Homo sapiens und nicht eine der anderen Menschenrassen durchgesetzt hat, verweist man ja inzwischen vorrangig auf dessen soziale Fähigkeiten (körperlich und von der Hirngröße waren ja etwa die Neandertaler überlegen), der zumindest im Fall der Neandertaler dann auch vermutlich zu dessen Ausrottung führte (ein Hurra auf Kooperation!). Generell halte ich es aber für ein recht wenig aussichtsreiches Unterfangen, aus Beobachtungen über die Natur irgendwelche Rückschlüsse auf die Organisation der menschlichen Gesellschaft schließen zu wollen; das führte im 20. Jahrhundert in sehr dunkle Ecken und wird vermutlich auch im 21. Jahrhundert nicht viel besser laufen. Es tut allenfalls als zusätzliche Munition gegen rechtsextreme biologistische Narrative, aber auch die würde ich lieber normativ als faktisch widerlegt sehen wollen.
4) Der Streit um die Remigration
In der Welt findet sich eine Bestandsaufnahme zur „„Correctiv“-Katastrophe„. Das linke Magazin hatte Anfang 2024 behauptet, rechtsradikale Kreise planten die Ausweisung auch deutscher Staatsbürger*innen unter dem Begriff „Remigration“. Wie es scheint, stimmt daran bedauerlich wenig; das Magazin hat seine Vorwürfe weitgehend zurückgezogen und vor Gericht verloren. Die Geschichte ist ein wahres Desaster und desavouiert jegliche Bemühungen um den Kampf gegen den Rechtsextremismus. Die Correctiv-Redaktion hat ihrer Sache damit einen Bärendienst erwiesen. Leider schießt auch die im Artikel geäußerte Kritik gleich über das Ziel hinaus, denn den Remigrationsbegriff gleich für harmlos erklären und rehabilitieren zu wollen oder anzunehmen, dass es lupenreine Demokrat*innen seien, ist auch Quatsch. Dazu kommt die haarsträubende Argumentation, die in einer Umfrage geäußerten Sorgen mehrerer Millionen Menschen seien irrelevant, weil „nur“ 52% Sorge oder große Sorge geäußert hätten; das ist immer noch wesentlich mehr, als Pegida je auf die Straße gebracht hat, und denen musste die ganze Republik folgen, weil sie die Stimme des Volkes gewesen seien. Aber nichts daran ändert, dass Correctiv jede Glaubwürdigkeit verspielt hat. Das scheint nahe an dem Level der Hitler-Tagebücher des Stern zu sein; der hat sich davon auch bis heute nicht erholt.
5) NIUS verliert Prozess
Wo wir gerade bei journalistischen Katastrophen sind: Die Dreckschleuder NIUS hat krachend gegen die Kantinenbetreiberin verloren, der sie in einem Bericht voller hetzerischer Unwahrheiten unterstellt hat, auf Steuerkosten Fastenbrechen zu feiern. Ich glaube, im Gegensatz zu Correctiv hat niemand von NIUS etwas anderes erwartet, weswegen das keinen so großen Skandal hervorruft. Man merkt einfach, woher Reichelt kommt. Dieser Stil der hetzerischen Behauptungen ist ja schon immer ein BILD-Markenzeichen, aber NIUS ist quasi die Steigerungsform davon. Ich sehe da eine Parallele zu den britischen Tabloids, die sind ja auch völlig abgedreht bei so was und lügen und hetzen regelmäßig auf einem Niveau, das in Deutschland unvorstellbar wäre. Das ist die positive Kehrseite unserer recht harschen juristischen Praxis auf dem Feld: so problematisch es immer wieder aus Sicht der Meinungsfreiheit ist, so sehr hält es diese Auswüchse (bislang) doch aus den traditionellen Medien heraus.
6) Homosexualität als Virus
In Deutschland gibt es mittlerweile einen Konsens, dass Homosexualität okay ist. Oft genug wird dieser Konsens auch zur Abgrenzung gegen andere Kulturen in Stellung gebracht, etwa als ein weiterer Beleg, dass nahöstliche Eingewanderte nicht hierher passen. Wie oberflächlich dieser Konsens aber oft ist – und wie performativ – zeigt sich leider immer wieder. Stefan Niggemeier beschreibt in der SZ ein aktuelles Beispiel, wo ein FAZ-Redakteur seiner Sorge Ausdruck verlieh, dass Kinder offen ausgelebte Homosexualität als „Vorbild“ nehmen könnten. Diese Vorstellung ist einfach nicht totzukriegen und besonders in rechten Kreisen virulent, reicht aber unterschwellig in weite Teile der Bevölkerung und erklärt glaube ich mit, warum so viele ein Problem mit öffentlicher homosexueller (und, wenn wir ehrlich sind: schwuler) Zuneigung haben. Die Idee ist, dass man irgendwie „angesteckt“ werden könnte, dass es eine Art Lifestyle-Entscheidung sei, schwul zu sein. Auch im Jahr 2026 ist einem riesigen Teil der Bevölkerung nicht klar, dass es eine genetische Veranlagung, keine bewusste Entscheidung, ist. Ich stelle das auch immer wieder in der Schule fest, wo Schüler*innen regelmäßig überrascht sind, wenn man ihnen das erklärt.
7) Die willkommene Rückkehr deutscher Militärmacht
Die Financial Times berichtet über das neue deutsche Strategiepapier unter dem Titel „The welcome return of German military might„. Die Argumentation selbst ist, dass die deutsche strategische Planung sehr viel realistischer sei als die britische und französische (die zu sehr in wolkigen Plänen globaler Machtprojektion unterwegs sei) und das Zeug hätte, Kapazitäten gegen einen russischen Angriff zu entwickeln und die modernste und bestausgerüstetste Streitmacht Europas zu werden, dass aber insgesamt noch eine strategische Kultur fehle. So weit, so gut. Spannend finde ich vor allem dieses Framing des „juhu, die Deutschen werden militärisch wieder stark“ (noch dazu mit dem kaum symbolträchtigen Zieldatum 2039, bei dem ich mich auch frage, ob da jemand im BMVG geschlafen hat), weil ich nicht sicher bin, ob das halten wird, wenn Deutschland diese militärische Macht und die damit einhergehende strategische Kultur, sie einzusetzen, auch wirklich hat. Aber das ist eine Zukunftsfrage.
8) Reformen und kein Ende
Die Koalition kommt nicht aus der Kritik. Dabei ist diese so disparat, dass es schon beachtlich ist, wie sie es schafft, alle und jeden gegen sich aufzubringen. So berichtet Dorothea Siems, dass 96% der Wirtschaft die Reformen nicht schnell genug gehen. Gemeint ist natürlich: die CDU-Organisation „Wirtschaftsrat“ findet zu 96%, dass der Sozialabbau nicht schnell genug geht, wo ich mich frage, ob die anderen 4% einfach nur das falsche Feld angekreuzt haben. Das ist wie die IG-Metall fragen, ob die SPD genug für Arbeitnehmer*innenrechte tut. Diese einseitige Konzentration auf das Zerstören von Arbeitnehmer*innenrechten ist auch politisch gefährlich, wie der Spiegel darlegt.
Was Siems bei der Kritik „der Wirtschaft“ irgendwie zu erwähnen vergisst, ist die massive Kritik an anderer Stelle: nicht nur geht der Abbau der Arbeitnehmer*innenrechte und Sozialleistungen nicht schnell genug, auch steht Katharina Reiche aus ungewöhnlicher Quelle in der Kritik: schon länger haben Unternehmen ihre einseitige Energiepolitik als rückwärtsgewandt und wachstumsschädigend kritisiert. Nun gibt es auch ein entsprechendes Titelblatt vom Manager Magazin für die umstrittene Ministerin, das für CDU-Parteisoldat*innen natürlich auf eine Grünen-Kampagne (!) zurückgeht. Dass Reiche versucht, eine Studie aus ihrem eigenen Haus verschwinden zu lassen, die ihre eigene Politik konterkariert, passt da ins Bild.
Resterampe
a) Scheint so, als wäre der Nordtreamanschlag einigermaßen aufgeklärt. Ich bin mir unsicher, ob der am Ende dermaßen bedeutend war.
b) Sehr gute Analyse von War on the Rocks zur drohenden US-Niederlage in Iran.
c) Demokratie: Brauchen wir sie überhaupt noch?
d) Der verheerende Einfluss der Demoskopen.
e) Wir haben die Kontrolle verloren.
g) Sehr ausführliche Reportage über den Roberts-Court. Die Überschrift fasst es gut zusammen.
h) Seriously, Tucker Carlson? Come On. Ich bin ja normalerweise immer dafür, reumütigen Leuten die Rückkehr ins demokratische Lager zu ermöglichen, aber erstens ist Carlson nicht reumütig und zweitens braucht es auch einige Exempel an den Hauptschuldigen.
Fertiggestellt am 26.04.2026



e) viele der Sicherheitslücken in IT von Behörden und Unternehmen ist schon sehr unglaublich. Inzwischen steigt aber das Bewusstsein. Für Privatleute ist Linux heute beherrschbarer als viele denken und natürlich viel sicherer. Ich hab auf dem standalone Rechner seit Jahren Ubuntu und auf dem Laptop Windows. Letzteren werde ich irgendwann auf Linux bringen.
KI ist keine Magie. Auf der Devoxx France gabs einen englischen Vortrag einer niederländischen Mitarbeiterin der Handelskammer zu der Mathematik der LLMs, also Matrizenrechnung mit Adition, Subtraktion und Multiplikation. Wahrlich keine Raketenwissenschaft.
formale Gegenrede: Auch „Raketenwissenschaft“ beruht in der mathematischen Simulation auf numerischen Verfahren für gewöhnliche und partielle Differentialgleichungen also auch genau grundlegenden Operationen hochdimensionaler Matrizen.
„Der Ausdruck „Raketenwissenschaft“ ist eine Redewendung im Englischen, die sich auf etwas bezieht, das äußerst komplex oder schwierig ist oder fortgeschrittenes Wissen bzw. Fachkenntnisse erfordert.“
Dann ist diese Redewendung auch wieder falsch gewählt. 😉
… was natürlich sein kann.
Aber eine spannende Parallele: Diese Verwendung von „Rocket science“ ist aus den Zeiten des Weltraumrennens, als diese als die entscheidende Zukunftstechnologie gesehen wurde – wie heute AI.
Was ich letztens von Tucker Carlson gehört habe bewegte sich zwar weg von Trump aber nicht Richtung demokratischen Werten.
Der Gedanke, dass viele Leute ausgerechnet diesen Super-Heini toll finden, stärkt qnti-US-amerikanische Tendenzen in mir.
Jepp, das muss man unterscheiden.
4) Der Streit um die Remigration
Der Fall hat mehrere Problemkomplexe. correctiv wird vom Steuerzahler gefördert. Diese Förderung ist zwingend zu beenden. Die selbsternannte „Zivilgesellschaft“ ist Anfang 2024 zu hunderttausenden auf die Straße gegangen, um ihre „Angst“ vor etwas auszudrücken, was es nie gegeben hat – aufgehetzt von angeblich seriösen Medien wie den aus Zwangsabgaben finanzierten Öffentlich-Rechtlichen über SPIEGEL bis Süddeutsche.
Es ist nicht nur ein Medien-, es ist ein politischer Skandal. Erstmals marschierte mit dem damaligen Bundeskanzler Olaf Scholz ein Verfassungsorgan mit und demonstrierte gegen Teile eines anderen Verfassungsorgans. Dieser Bundeskanzler behauptete, ein Teil des Bundestages sei verfassungswidrig, nämlich die AfD-Fraktion. Er zog daraus aber nicht die auf der Hand liegende Konsequenz, wie es seine Aufgabe gewesen wäre, nämlich unverzüglich ein Verbotsverfahren gegen die AfD anzustrengen.
Und dann sitzt da selbstgerecht und ohne jede Demut der Vertreter von correctiv bei Markus Lanz und philosophiert darüber, dass das alles ja nur ein Scherz seines Magazins gewesen wäre (hat er so nicht gesagt), eine schlichte Meinungsäußerung eines völlig belanglosen Blattes, nichts Schlimmes. Und ihm gegenüber sitzt die übelst verleumdete AfD-Abgeordnete Gerrit Huy und bleibt ruhig. Es gab schon (linke) Politiker, die in einer solchen Situation heftiger reagiert hätten.
Man stelle sich vor, eine Partei des Deutschen Bundestages riefe dazu auf, die DDR zu rehabilitieren und die Vermögenden im Land weitgehend zu enteignen und danach einer für die Gesellschaft nützlichen Verwendung zuzuführen oder außer Landes zu jagen. Es gäbe einen Aufschrei. Ach so, gibt es nicht?
Der STERN hat sich damals in aller Form bei seinen Lesern wie der deutschen Öffentlichkeit entschuldigt. Und er hatte kein Steuergeld angenommen. Demut und Einsicht in Fehler sind in dieser Gesellschaft leider sehr unter die Räder gekommen. Es gibt nur noch wenige Menschen wie Dich, die anerkennen können, dass sie falsch gelegen haben. Danke und Respekt.
Danke dir für die Anerkennung.
Letztlich kann ich da nur schwer „falsch liegen“, man muss das halt glauben. Prüfen kann ich das ja gar nicht. Correctiv hat damit einen weiteren Sargnagel in eine Zunft geschlagen, die ohnehin schon massiv an Vertrausensverlust leidet und für das Funktionieren der Demokratie unabdingbar wäre.
Diese Zunft hat eine entscheidende Rolle gespielt. Statt den Job als Journalist zu machen, kritisch zu hinterfragen und zu prüfen, sind die meisten in Aktivismus verfallen. Wird ja alles schon stimmen, schließlich geht es gegen die Bösen.
„Prüfen kann ich das ja gar nicht.“
Keiner von uns kann alles prüfen. Aber du hättest zumindest prüfen können, ob der von dir verlinkte WELT-Kommentar auch nur ansatzweise das hergibt, was du ihm zugeschrieben hast.
Besonders wenn man berücksichtigt, daß der Autor als WELT-Meinungschef für solche Abartigkeiten wie den Orbán-Gastbeitrag im März verantwortlich ist:
https://www.mdr.de/altpapier/das-altpapier-4584.html
„…die übelst verleumdete AfD-Abgeordnete Gerrit Huy…“
Daß du ein Fan dieser Rechtsextremistin bist, wundert mich nicht im Geringsten.
6) Homosexualität als Virus
Es gibt einen völlig entgegengesetzten Trend. In Werbung und Filmen wird Kunden und Zuschauern ein gesellschaftliches Bild verkauft, das mit der Realität nichts zu tun hat. Obwohl Homosexuelle nur 3-4 Prozent der Gesellschaft ausmachen, liegt ihr Anteil in den Medien oft bei einem Fünftel bis einem Drittel. Es werden Patchwork-Familien mit Migranten bzw. Farbigen gefeiert, dabei sind sie ein absolutes Unikum – und das nicht nur in Europa, sondern selbst in den USA eher selten.
Wer soll hier angesprochen werden, wer erreicht werden? Es ist ein absurdes Bild, nicht einmal ein Zerrbild und es verwundert nicht, dass ein solcher Abklatsch als gesellschaftliche Norm plakatiert wird. Als ich vor kurzem in Ecuador war, bekam ich auch einen Eindruck von der Werbewelt in diesem Land. Schöne, ethnisch homogene Familien, hauptsächlich weiß, dienen dort als Projektionsfläche. Alles Rassisten.
Ich glaube es würde helfen, wenn der Umstand, dass ein Charakter queer ist, nicht zum alldefinierendem Charaktermerkmal aufgeladen würde. Ein Charakter wird zu etwas besonderen, weil er/ sie queer ist – das ist dann schon die wesentliche Charakterisierung.
Damit machen es sich Autoren sehr leicht und projezieren ggf. auch Klischees. Ich glaube, wenn man den Fokus auf den Charakter mit seinen Motiven und Charaktereigenschaften verschiebt, dann spielt die Frage, wen er/sie liebt dann auch keine Rolle.
Grundsätzlich ist die Repräsentation in Medien wichtig, aber es sollte sich generisch zur Handlung verhalten. Queere Charaktere einzufügen, nur weil das modern ist, halte ich für wenig zielführend. Zumal die Repräsentation einseitig gelebt wird. Zwar gibt es viele queere Personen in Filmen und Serien, aber z.B. wenig Menschen mit einer Behinderung oder Menschen mit Lernschwierigkeiten.
Ich bin Anhänger einer Partei, die lange einen Schwulen als Vorsitzenden hatte. Westerwelle litt immer darunter, dass seine Sexualität thematisiert wurde. Ich habe Guido Westerwelle mal in Berlin persönlich kennengelernt, er war ein sehr angenehmer Mensch.
Die Lebensrealität ist nicht, wie sie seit einigen Jahren in Filmen und Werbung gezeigt wird. Das ist nicht nur irritierend, es ist sehr störend. Eine der besten Liebeskomödien der letzten Jahre, „Wo die Lüge hinfällt“, dreht sich um die Hochzeit eines lesbischen Paares. Erste Frage war für mich: Muss das sein? Das zweite ist aber das, was die Leute immer auf den Arm nimmt. Die beiden Heiratswilligen sind derart heterosexuell, dass die Verkaufe eine Lüge an sich ist.
Erste Frage war für mich: Muss das sein?
Sie stellen sich seltsame Fragen zu Dingen, die Sie nicht tun/hören/sehen müssen.
Ich sagte doch, dass ich den Film sehr mag. Wegen der Geschichte und der Hauptdarsteller. Andere sehe ich nicht. Aber auch der Werbung kann ich nicht entgehen. Ich bekomme deswegen ja auch keinen Wutanfall, nur immer die Frage: Für wen soll das sein?
???? Ist doch völlig wurscht – entweder die Werbung ist erfolgreich (und Ihre Frage beantwortet) oder sie ist ein Haufen sinnlos rausgeschmissenes Geld und nimmt sich selbst vom Markt. Bissl Vertrauen in Marktwirtschaft, bitte.
Bei der Deutschen Bahn ist es egal, ob die Werbung anspricht oder nicht. Die Geschichte mit Budweiser kennen Sie.
Ich finde Repräsentation wichtig – und sie funktioniert nur dann, wenn sie gerade NICHT das eigentliche Thema ist.
Ein Fünftel bis ein Drittel?! Da bräuchte ich so was wie einen Beleg, weil das entspricht null meiner Seherfahrung. In welchen Blockbustern haben wir denn bitte homosexuelle Hauptcharaktere? Dass in einem Film irgendein homosexuelles Paar vorkommt, meinetwegen, aber selbst das haben wir nicht viel. Schon gar nicht prominent.
Game of Thrones 😀
Naja in Ensembleserien, die so im Krankenhaus, Polizeistation, etc. spielen, kommt das schon vor. Aber die Menschen haben auch 80-Stunden-Jobs, drei Kinder, zwei Affären, einmal die Woche gehen sie fast drauf. Dass es da auch Homosexuelle gibt, ist nicht der Part, bei dem ich sagen würde, DA ist jetzt aber drüber^^
Gefühlt. Aber wir können gerne mal einen Werbeblock durchgehen. Migrant, Homosexuelle, Queere.
Einen Film habe ich doch genannt?? Nehmen wir meine Lieblingsserie, „The Lincoln Lawyer“ auf Netflix. Die Autoren haben eine lesbische Schwarze als Assistentin des Anwalts reingeschrieben und die Büroleiterin zu einer karriereorientierten Frau gemacht, die nur wegen sexueller Belästigung vom Studium abgehalten worden war. All das hat nicht das Geringste mit der Romanvorlage zu tun, sondern ist nur den Bedürfnissen von Netflix geschuldet.
Bemerken tut man sowas nur, wenn man es unbedingt bemerken will. Ich käme bei keiner Serie und keinem Film, die mir gefallen, auf die Idee, nach Dingen zu suchen, die dem Zeitgeist geschuldet sein mögen. Entweder ich mag die Filme oder nicht. Sie sind offenbar schon so tief in den Kulturkämpfen, dass Sie es unbedingt bemerken wollen. Schön, Ihr Bier. Behalten Sie halt im Hinterkopf, dass man anfängt, nur noch weisse BMW zu sehen, wenn man glaubt, es gebe mehr weisse BMW als andersfarbige.
So wie auffällt, dass in Filmen nicht mehr geraucht und weniger gesoffen wird. Oder dass man alte Schenkelklopfer-Witze aus den Drehbüchern genommen hat.
Ich mag die alten Klassiker: Doris Day, Cary Grant, Sophia Loren, Jack Lemmon. Billy Wilder-Filme könnten heute nicht mehr gezeigt werden. Oder erinnern Sie sich an die legendäre Langnese-Werbung? Like Ice in the Sunshine!
Der Einwand ist gut. Um einen solchen Bias zu vermeiden habe ich mir die Box Office Top 10 aus 2025 angesehen. 4 sind kindertaugliche Filme ohne Bezug auf die Sexualität der Figuren (außer dass manche davon Teil normaler Familien sind). Vom Rest hat nur einer (Das Kanu des Manitu) als homosexuell dargestellte Protagonisten.
8) Reformen und kein Ende
Welche Reformen? Es gibt keine, sieht man von der Selbstermächtigung der Bundesregierung ab, ohne Halt Schulden machen zu können.
Die Reden sind so alt wie ich, wahrscheinlich älter. Schon 1982 krakelten Sozialdemokraten vom „Sozialabbau“ der neuen Kohl-Regierung. Damals gab man 25 Prozent für Soziales aus, heut 32 Prozent. Was für ein Sozialabbau!
Damals streikten Gewerkschaften, wenn Tarifverhandlungen gescheitert waren und ab und zu sperrten Unternehmen Arbeitnehmer aus. Seit Jahrzehnten legen Gewerkschaften noch vor der ersten Verhandlungsrunde Betriebe und öffentliche Leistungen lahm, während Arbeitgeber keine Gegenmittel haben. Selbst wenn die Hälfte des Erwirtschafteten für Soziales drauf geht, werden die Linken immer noch vor „Sozialabbau“ warnen.
Kapital ist flüchtig, Transferempfänger anspruchsvoll. Und deswegen wird sich der Staat immer weiter verschulden müssen und trotzdem meinen, man könnte dem wirtschaftenden Kern des Landes immer noch mehr Steuern und Auflagen machen.
Es gibt ja nicht einmal in der Regierung ein geneinsames Bild für die Frage: „Reformen – Wofür?“
In Ermangelung eines gemeinsamen Problemverständnisses, gibt es auch keinen gemeinsamen Lösungsraum, sondern ein nebeneinanderlaufendes Geschrei über Einzelmaßnahmen, die jeweils das eigene Klientel entlasten und das der anderen Seite belasten.
Welche Reformen? Die Reformideen der SPD sind so alt wie Kaiser Wilhelms Bart: Mehr Schulden und Steuererhöhungen. Alles andere ist in seinem Volumen derart klein, dass man normalerweise nicht darüber reden würde.
Wissen Sie, noch als relativ junger Controller lernte ich in den Budgetgesprächen die Formel schlechter Manager. Um die Ergebnisvorgaben zu erreichen, wurde immer die Umsatzannahme erhöht. Voila, so ließ sich jedes gewünschte Ziel erreichen ohne dies durch Anstrengungen dokumentieren zu müssen. Ein ganz besonders Schlauer versuchte es mal in die umgekehrte Richtung. Setzen wir doch einfach den Umsatz auf Null, dann ist alles eine Budgetüberschreitung. Okay, meinte ich, dann bekommt er allerdings auch erstmal kein Personal.
Carsten Linnemann hatte am Wochenende mit seinem Wutausbruch Recht: Es ist schon eine Unverschämtheit, was einem als Bürger an politischer Faulheit da zugemutet wird.
Carsten Linnemann hatte am Wochenende mit seinem Wutausbruch …
Ein Spitzenpolitiker der den amtierenden Kanzler stellenden Partei hat also einen Wutausbruch über … sich selbst?
Nee, über seinen Kollegen Mirsch von der SPD.
Finden Sie den Fehler bitte selbst.
Carsten Linnemann hatte am Wochenende mit seinem Wutausbruch Recht: Es ist schon eine Unverschämtheit, was einem als Bürger an politischer Faulheit da zugemutet wird.
Das ist natürlich ähnlich sinnvoll, wie wenn Bärbel Bas sich hinstellt und bemängelt, die Regierung wirke planlos und übrigens weiß niemand mehr, wofür die SPD steht.
Vielleicht hilft weniger Doppelbelastung, die sind ja Regierung und Opposition in einem^^
Kleine Detailkorrektur: Linnemann ist nicht Regierung. Das hat für ihn Vorteile. Er wird noch da sein, wenn Merz die Kanzlerschaft verliert. Und selbst Bas hat eingeräumt, dass er als Generalsekretär eine andere Funktion hat.
Übrigens, Linnemann ist der, den ich Dir ja vor Jahren als High Potential der CDU angepriesen hatte und Du lange spotteste, wer das ist.
:-; Smiley nicht vom Handy genommen.
Er gehört aber schon noch zur Regierungspartei oder ist er bereits ausgetreten? Ich erwarte auch von Wüst und Lies andere Rhetorik als von einem Özdemir oder Ramelow. Und niemand gehört da der Bundesregierung an.
Wieder Bärbel Bas (erkennbar meine Lieblings-Sozialdemokratin): Die Vorschläge gehen noch ins Parlament und werden dort sicher noch verändert, so die legendäre SPD-Vorsitzende. Und das, obwohl CDU, CSU und SPD dort als Regierungsparteien eine Mehrheit haben!
Also nein, nur weil Linnemann in der CDU ist, vertritt er nicht den Misch-Masch-SPD-Politik. Ich denke Miersch hat auch nicht als Regierungspolitiker die Aussetzung der Schuldenbremse angeregt. Denn bekanntlich bestimmt ja der Bundeskanzler die Richtlinien der Politik und nicht irgendein SPD-Politiker.
Denn bekanntlich bestimmt ja der Bundeskanzler die Richtlinien der Politik
Ich bin unsicher, ob das so ist, nachdem heute der nächste CDU-Politiker quasi im Alleingang verkündet hat, dass die Koalition keine vier Jahre hält (von Stetten).
Ist mittlerweile ne eigene Aufführung von „Souverän ist, wer über den Zustand der Koalition bestimmt“ – und der Kanzler ist es gerade nicht.
Das war ein Parlamentarier, also einer von den fünfhundert Abgeordneten, die den Kanzler nicht nur wählen, sondern ihm seine Regierungspolitik ermöglichen. Oder auch nicht. Möglicherweise bald nicht mehr, dann hört es für den Bundeskanzler auf, die Richtlinien der Politik zu bestimmen.
Richtig, Merz versagt auf dem Gebiet echt krass.
Genau.
Die sind echt eine Katastrophe.
Siehe dazu auch der Podcast mit Ariane.
Klar, aber das Problem, dass es niemals genug ist, habe ich ja im politischen Stühlerücken beschrieben – was du übrigens heftig abgelehnt hast, wenn ich mich recht entsinne 😉
Verstehe ich schon wieder nicht. Ich habe ja anhand der Anekdote gezeigt, dass die Flucht zu einfachen Sinnloslösungen dem Menschen immanent ist.
1) Gramsci
Aber selbstverständlich sind andere Systeme erfolgreich darin, Hegemonien herzustellen.
Mir scheint, Posener hat irgendwo in der Mitte seines Artikels vergessen, dass Gramsci soviel Zeit hatte, seine Ideen aufzuschreiben, weil er aufgrund einer anderen Hegemonie gerade im Gefängnis saß. Wie Posener ja selbst eingangs erwähnt, war die Fragestellung mehr „warum nicht andersherum?“ als „wie geht es überhaupt?“
siehe auch folgenden Absatz:
Hätte Gramsci ernsthaft die Ideengeschichte studiert, so wäre ihm aufgefallen, dass die Kirche durch Anpassung siegte; dass sich die kapitalistische Marktwirtschaft am besten mit einem freien Wettbewerb der Ideen verträgt; dass sich in der Wissenschaft falsche Vorstellungen – etwa über die beliebige Formbarkeit des Menschen – nicht auf Dauer halten. Fakten sind hartnäckig.
Gramsci selbst konnte hier übrigens nichts mehr auffallen, der Mann ist 1937 gestorben. Erstaunlicher finde ich, dass Posener in seinen wilden Zeitsprüngen übersieht, dass die faschistische Hegemonie nicht gebrochen wurde, weil die Italiener mehr Bock auf Gedankenfreiheit hatten.
Am Ende geht es ja eben nicht um die Frage, ob und welche Ideen sich durchsetzen, sondern wer wen ins Gefängnis wirft. Und der Gefängniswärter bestimmt die Hegemonie der Gedanken. Das gilt auch für China und Putins Russland. Deren Meinungshegemonie eben häufig aus dem Exil oder eben aus dem Gefängnis heraus intellektuell herausgefordert wird.
Ja, sehr weirder Artikel.
4) Der Vergleich mit dem komplett erfundenen Schwindel beim STERN ist absurd. So eindeutig ist die Sache nicht. Ein anderes Gericht hat anders entschieden.
https://justiz.hamburg.de/gerichte/oberlandesgericht/gerichtspressestelle/landgericht-hamburg-klagen-gegen-correctiv-berichterstattung-abgewiesen–1129938
Zwar ist „Erhöhter Anpassungsdruck“ auf eine „besondere Problemgruppe“ (Migranten mit deutscher Staatsbürgerschaft) ist keine Ausweisung im juristischen Sinne, aber politisch ist der Unterschied ist eher graduell.
Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, waren die Hitler-Tagebücher auch nur eine Meinungsäußerung von Konrad Kujau über das Leben des Führers.
Es bleiben zurück: (..) Ein „Masterplan“ zur Ausweisung von deutschen Staatsbürgern; also ein Plan, um die Artikel 3, Artikel 16 und Artikel 21 des Grundgesetzes zu unterlaufen.
Von dieser Kernaussage ist vor Gericht nichts übrig geblieben. Wegen diesem Fazit sind Hunderttausende auf die Straße gegangen und haben sich, nach damaliger Aussage führender Politiker, Millionen Bürger mit Migrationshintergrund in diesem Land geängstigt. Das war einfach Phantasterei von Leuten, die in anständigen Jobs nicht unterkommen.
Ich empfehle Ihnen die Sendung von Markus Lanz vom vergangenen Donnerstag in epischer Breite. Dort wurde sehr klar herausgearbeitet, dass es eine solche Position in der AfD nicht gibt, jedenfalls nicht in einem Umfange, die über Randzirkel hinauskäme. Denn offensichtlich würde dieser komische Typ aus Österreich in seinem Vortrag darauf hingewiesen, dass ein Entzug der deutschen Staatsbürgerschaft nicht möglich ist. Und eine Ausweisung schon gar nicht.
Damals und bis heute wird ein Zerrbild von dem gezeichnet, was Positionen der AfD sind. Und das liegt unter anderem an solchen Erzeugnissen wie correctiv und öffentlich-rechtlichen Journalisten, die jenseits von Markus Lanz AfD-Politiker vorführen statt ernsthaft befragen wollen. Kurz: Journalistendarsteller.
„Von dieser Kernaussage ist vor Gericht nichts übrig geblieben.“
/// Der Begriff „Masterplan“ ist ein Zitat des Einladenden Gernot Mörig, der das Wort schriftlich in der Einladung und in seiner Begrüßung benutzt hat. ///
https://correctiv.org/in-eigener-sache/2026/04/23/rechtliche-auseinandersetzungen-um-geheimplan-gegen-deutschland-eine-einordnung/
„Ich empfehle Ihnen die Sendung von Markus Lanz vom vergangenen Donnerstag in epischer Breite. Dort wurde sehr klar herausgearbeitet, dass es eine solche Position in der AfD nicht gibt, jedenfalls nicht in einem Umfange, die über Randzirkel hinauskäme.“
René Springer, MdB und Vorsitzender der AfD Brandenburg: „Wir werden Ausländer in ihre Heimat zurückführen. Millionenfach. Das ist kein Geheimplan. Das ist ein Versprechen.“
derwaechter:
Auch das Vergraulen von deutschen Staatsbürgern mit Migrationshintergrund, (..).
sol1:
René Springer, MdB und Vorsitzender der AfD Brandenburg: „Wir werden Ausländer in ihre Heimat zurückführen.
Diskutiert einfach untereinander weiter.
Lena Kotré, MdL in Brandenburg, meint, 60 Millionen Menschen in Deutschland reichen aus, und Bernd Höcke meint, wir können ohne Probleme auch mit 20 bis 30 Prozent weniger in Deutschland leben können:
https://www.instagram.com/reel/DUnq1ELiNTe/
Ein erhöhter Anpassungsdruck kommt in irgendeinem Sinne einer Ausweisung gleich? Staun …
Ja und nein. Der Betrug ist nicht so krass, aber der Stern wurde ja wenigstens selbst betrogen. Es mag schon sein, dass das ein gradueller Unterschied ist, aber graduelle Unterschiede sind halt wichtig. Sie markieren etwa die Grenze von „rassistischer Arschlochpolitik“ und „verfassungsfeindlich“.
Relevanter als die inzwischen sehr in die Jahre gekommene Stern-Geschichte ist in meinen Augen ein aktuellerer Medienskandal, die Relotius-Affäre. Da umfasste das Wirken des Journalisten auch die gesamte Bandbreite von „ausgeschmückten“ bis „frei erfundenen“ Geschichten. Aber das Fehlverhalten des Journalisten ist ‚relativ‘ uninteressant gegenüber dem systemischen Fehler der Spiegel-Redaktion, die diese Geschichten ungeprüft übernommen hat.
Das Ding ist: Relotius‘ Lügen waren an und für sich nicht sonderlich relevant. Ja, das zeigt Mangel an journalistischer Sorgfalt, aber das Problem ist da in meinen Augen ein anderes. Relotius kam mit dem Scheiß ja auch durch, weil er einfach nur den Klischeemist der anderen kopierte. Er behauptete keinen Scoop oder sonstwas, er war einfach nur faul und erfand Diner-Konversationen, anstatt so lang zumzuhängen, bis das Gewünschte in den Block diktiert wird.
Die Gruppe, die durch Relotius‘ Berichterstattung (gefühlt?) diskriminiert wurde, hatte das als relevanter wahrgenommen:
https://www.welt.de/politik/deutschland/article185986368/Fall-Relotius-US-Botschaft-wirft-Spiegel-eklatanten-Anti-Amerikanismus-vor.html
„Botschafter Grenell…“
…also Lügen-Donnies troiester Gefolgsmann.
Zu 6) … und erklärt glaube ich mit, warum so viele ein Problem mit öffentlicher homosexueller (und, wenn wir ehrlich sind: schwuler) Zuneigung haben.
Hmmm, nach meiner Lebenserfahrung eher nicht. Ich kannte in jüngeren Jahren (im Alter lässt das Reden über Sex stark nach) mehrere bisexuelle Männer – und die fochten in erster Linie einen Kampf mit sich selbst aus. Weil nicht sein konnte, was nicht sein durfte. Es gibt insbesondere bei besonders demonstrativ „männlichen“ Männern fast nichts, was die stärker trifft, als die auch nur Andeutung, sie könnten irgendwie auch nur ab und zu nicht 100%ig heterosexuell sein. Ich habe, trotz selbst konservatives Landei aus der Provinz, nie wirklich verstanden, warum. Aber zu meinem Männerbild „vorbildlichen“ Mannseins gehörte auch nie deren Sexualität.
Gruss,
Thorsten Haupts
Also ich weiß nicht, ob es tatsächlich mit Sorge vor „Ansteckung“ oder so zusammenhängt. Aber ich denke, Stefan hat insofern recht, dass es da Verschiebungen gibt.
Schwulsein schon irgendwie ok, niemand will sie mehr ins Gefängnis stecken. Aber zeigen sollen sie es bitte nicht! (war das nicht auch eine Diskussion, dass der neue Münchner Bürgermeister seinen Partner geküsst hat?)
Es schwingt schon häufig mit, Akzeptanz ja, aber es muss irgendwie heimlich bleiben. Das finde ich schon erklärungsbedürftig.
Natürlich, nur verorte ich die Ursache dafür woanders 🙂 .
Und zwar?
Innerlich zurückgewiesene Zweifel von Männern an sich selbst.
Korrekt.
Bei vielen spielt das aber eine enorme Rolle. Ich nenne da nur mal den Profifußball.
Zu h)
Man muss ernsthaft einen Beitrag in einem seriösen Magazin zu der Frage schreiben, ob ein zertifizierter Quartalsirrer wie Carlson noch für oder gegen was auch immer ernstzunehmen ist ??? Der spielt seit vielen Jahren erkennbar ein öffentliches Spiel mit dem einzigen Zweck, selbst reich zu werden. Solche Leute gab´s schon immer, schwere Zeifel an der Funktionsfähigkeit von Demokratie muss man nur angesichts der Zahl seiner Anhänger und Multiplikatoren kriegen.
Aber diese Zweifel verfolgen mich schon, seitdem ich Ende der achtziger in Hannover Jünger des erfolgreichsten Abzockers der mir bekannten Menschheitsgeschichte (von ausgerechnet westlichen Akademikern) kennenlernte, des Gründers der Bhagwan-Bewegung. Carlson spielt in den USA ganz sicher in seiner Grössenklasse 🙁 .
Gruss,
Thorsten Haupts
Was „Abzocker“ betrifft, sind Bhagwan oder Carlson winzig kleine Lichter gegenüber den Milliardenbetrügern der Finanzindustrie (Bernie Madoff) oder den Todeshändlern, die aus den in Fundstück 7 präsentierten Entwicklungen profitieren.
Zu 3) … aus Beobachtungen über die Natur irgendwelche Rückschlüsse auf die Organisation der menschlichen Gesellschaft schließen zu wollen …
Dem schliesse ich mich bestenfalls dort an, wo man aus „Natur“ direkt normative Vorschriften „ableiten“ will. Ansonsten ist die Zahl von beobachtbaren Menschheitskonstanten in der Geschicht viel zu hoch, um sie ausschliesslich auf (soziale) Umwelt und Erziehung zurückzuführen. Sprich, aus Naturbeobachtungen gewonnene Erkenntnisse können für die Erklärung menschlicher Organisationen sehr hohe Relevanz haben – und das Ignorieren solcher Erkenntnisse grosse Gefahren bergen.
Gruss,
Thorsten Haupts
Ja, das meine ich. Dieses „ableiten“ ist das Problem.
3) Algen netzwerken
Volker Ullrich rezensiert voller Begeisterung ein neues Buch darüber
Der Rezensent heißt übrigens Ullrich Fichtner^^
Und ja, der Artikel ist merkwürdig. Fühlt sich ein bisschen an, als wenn ich einem Kind begegne und das ganz entsetzt ist, dass Leute wie ich noch nie vom Leben und Treiben der Paw-Patrol gehört haben – gefolgt von der Begeisterung einen Unwissenden gefunden zu haben, der aufgeklärt werden kann!
Oder: Wie ist es möglich, die Frage stellte Brockmann auch beim Kongress in Berlin, dass das Leben und Wirken eines marinen Cyanobakteriums namens Prochlorococcus nicht zum Fundus unserer Allgemeinbildung gehört?
Ja. Hm. Muss zugeben, die Tragik dieses Unwissens erschließt sich mir nicht^^
dass vor allem Netzwerken zu evolutionären Erfolg führt; der vulgärdarwinistische Überlebenskampf des „survival of the fittest“ ist schon lange nicht mehr aktuell
Ich bin da gar nicht so sicher. Die Zeit hatte neulich einen ähnlichen Artikel über Empathie, den ich partout nicht wiederfinde. Immerhin ging es um Menschen und nicht Algen oder Bakterien!
Aber der Unterton war ähnlich überrascht, dass Empathie statt Sozialdarwinismus besser zum Überleben der Menschheit beigetragen haben. Eventuell sind wir falsch? Das ist gar nicht allgemein widerlegt bis in die letzten Winkel der Öffentlichkeit und es ist mehr Aufklärungsarbeit nötig?
4) Correctiv-Bericht
Muss gestehen, ich habe das Nachspiel nur noch mit halbem Auge verfolgt und jetzt – dank Stefan – den ganzen langen Welt-Artikel gelesen und weiß immer noch nicht genau, was denn da gerichtlich bemängelt wurde.
Laut FAZ ist das ganze schon mal weniger eindeutig , weil sich zwei Gerichte widersprechen und es geht wohl um folgenden Satz Ganz konkret ist in dem Correctiv-Artikel von einem „Masterplan zur Ausweisung von deutschen Staatsbürgern“ die Rede, einem „Plan, um die Artikel 3, Artikel 16 und Artikel 21 des Grundgesetzes zu unterlaufen“.
Wobei mir immer noch unklar ist, ob hier Masterplan, Ausweisung oder deutsche Staatsbürger angegriffen wird.
https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/gegensaetzliche-urteile-zu-correctiv-und-remigration-200766168.html
Ansonsten gilt, was wir damals im Podcast gesagt haben. Mir ist weiterhin unklar, was die deutsche Öffentlichkeit so getriggert hat.
Remigration war und ist weiterhin ein fester Bestandteil im Repertoire der AfD. In wirklich JEDEM Bericht vom Verfassungsschutz und auch den folgenden Gerichtsurteilen wird aufgeführt, dass sie nicht oder zuwenig trennen zwischen deutschen Staatsbürgern im Sinne des Grundgesetzes und ihrer eigenen völkischen Defition der Deutschen. (lustigerweise wird das im WELT-Artikel erwähnt, mit dem Kurzschluss der Verfassungsschutz (und die bestätigenden Urteile) seien wohl ähnlich windig wie Correctiv. Achso)
Bleibt irgendwie „geheimer Masterplan“ – nun ja. War nicht geheim, aber die AfD Sachsen-Anhalt hat gerade einen Masterplan herausgebracht, was sie tun wollen, wenn sie die absolute Mehrheit erringen. Interessiert kein Schwein übrigens.
Insofern bleibt der Correctiv-Skandal vielleicht doch daran hängen, dass der Öffentlichkeit klarwurde, dass Rechtsextreme rechtsextreme Dinge planen. Da müssen sich andere Medien – genau wie Leute wie ich – dann eher die Frage stellen, warum diese Wahnsinnserkenntnis sonst nicht durchgedrungen ist.
7) 2039 endlich stärkste Militärmacht
weil ich nicht sicher bin, ob das halten wird, wenn Deutschland diese militärische Macht und die damit einhergehende strategische Kultur, sie einzusetzen, auch wirklich hat. Aber das ist eine Zukunftsfrage.
Ich bin mir auch nicht sicher, ob das nicht auch eine sehr anglowestliche Sicht ist. Durchaus möglich, dass Polen oder andere Länder da nicht ganz so stark jubeln, sondern das eher misstrauisch beäugen.
Und irgendwann muss da ja auch innerhalb Deutschlands ein Mentalitätswechsel kommen, vermutlich. Aktuell ist es ein beliebter Joke, dass wir keine zwei Flugzeuge ohne Pannen von A nach B kriegen (und ich bin fest davon überzeugt, dass das der überwältigenden Mehrheit der Deutschen lieber ist, als dass wir die größte Militärmacht Europas sind)
Das läuft so plätschernd unter der Oberfläche, ich bin nicht sicher ob da irgendwann ein fürchterlicher Backlash kommt.
3) das hat mich auch so gewundert.
4) Ja, ich halte auch Stefans Kritik, dass die Leute quasi wegen einer Lüge auf die Straße gegangen seien, für völlig überzogen. Die Leute gingen gegen Rechtsextremisten auf die Straße. Correctiv war der Anlass, aber es ging nicht spezifisch nur darum.
4) Linke Aktivisten hatten zu den Demos aufgerufen. Und der Tabubruch war die Teilnahme des Kanzlers. Eine Verfassungsinstitution, die gegen eine andere demonstriert, das hat was. Und dann die Umfragen, die genau wegen der correctiv-„Berichterstattung“ große Ängste unter Migranten ausgemacht hatten.
Das alles wäre in einem anderen Umfeld nicht möglich gewesen. Schau‘ doch, wie die Leute gegen die LINKE demonstrieren. Welche NGO ruft eigentlich zu Aktionen auf? Wo sind die Umfragen, die sich den Ängsten von Gutverdienern und Unternehmern annehmen?
Das alles wäre in einem anderen Umfeld nicht möglich gewesen. Schau‘ doch, wie die Leute gegen die LINKE demonstrieren
Ja dann macht doch? Wir sind ein freies Land, jeder kann demonstrieren, wofür oder gegen was er will.
Und sorry, es war nicht die LINKE. Aber als die Bauern protestiert haben, gab es dazu Umfragen und Interviews.
Im Wortsinne ist der Bauernverband übrigens auch so etwas wie eine NGO, denn eine Regierungsorganisation ist es ja definitiv nicht.
1. Ich demonstriere nie. Das habe ich auch oft geschrieben und begründet.
2. Der Bayernverband ist keine NGO, sondern ein Lobbyverband. Außer Du subsummierst zukünftig jede Lobby unter NGO. Das Einzige, was Du damit aber erreichen würdest, wäre eine völlige Verwässerung des Begriffs. Mein Thema. Vor allem ist hat der Bayernverband Mitglieder, die ihn finanzieren, was ihn von einer handelstypischen NGO unterscheidet.
3. Ich schrieb von linken Aktivisten – linke klein geschrieben. Davon zu unterscheiden ist die Partei die LINKE, welche seit längerem im Dutzend verfassungswidrige bis verfassungsfeindliche Forderungen raushaut.
1. Ich demonstriere nie. Das habe ich auch oft geschrieben und begründet.
Dann ist die Beschwerde, warum nicht für deine Anliegen demonstriert wird, vielleicht etwas merkwürdig?
2. Der Bayernverband ist keine NGO, sondern ein Lobbyverband. Außer Du subsummierst zukünftig jede Lobby unter NGO. Das Einzige, was Du damit aber erreichen würdest, wäre eine völlige Verwässerung des Begriffs. Mein Thema. Vor allem ist hat der Bayernverband Mitglieder, die ihn finanzieren, was ihn von einer handelstypischen NGO unterscheidet.
Vor allem ist der Bauernverband eine Untergruppierung der CDU oder dem jeweiligen regionalen Pendant. Was er eben auf keinen Fall ist, ist irgendeine Art von unabhängigem Akteur.
Genau daher kommt doch das NGO-Gerede, das wird einfach als Chiffre für „aktivistisch“ genommen. Aber genau in diesem Sinne ist der Bauernverband eben auch eine Nichtregierungsorganisation mit klarer Agenda und Interessen.
Du darfst dann vielleicht ehrlich genug sein, zuzugeben, dass es hier das Anliegen ist, das dir missfällt. Nicht die Organisationsform.
1. Ariane, das war Ironie. Mir sind Demos meist egal, des öfteren nerven sie mich einfach. Wenn an Wochenenden Innenstädte für Demos gesperrt werden, schränkt mich das in meinem Freizeitvergnügen manchmal ein. Aber okay, es ist ein Grundrecht.
Fakt ist aber, dass sich das Land – Politik, Medien und Teile der Gesellschaft – vor zwei Jahren nicht eingekriegt haben, weil anscheinend das Vierte Reich vor der Tür stand mit neuen Gaskammern und Erschießungskommandos. Wenn es „gegen Rechts“ geht, rotiert das offizielle Deutschland am Rande der Panik.
2. Wie kommst Du darauf? Es ist übrigens die CSU, die dem Bauernverband in besonderer Weise verbunden ist. Natürlich sind HateAid, Antonio Amadeu-Stiftung und viele weitere rein aktivistisch unterwegs. Was denn sonst?
Nochmal: Der Bauernverband hat Mitglieder, NGOs haben (manchmal) vom Steuerzahler Beschäftigte und gründen ihren Aktivismus auf wenige Beteiligte. Der Bauernverband ist dem Demokratieprinzip unterworfen, NGOs ihren Gründern und Finanziers.
Ich mag Bauern nicht. Als ich in den Anfängen als Student mein Studium mit Postzustellung verdiente, war für mich das Übelste, auf die Höfe zu gehen, wo es stank, Kuhdung rumlag und die Leute dreckig aussahen und einfach redeten. Ich war halt schon immer elitär unterwegs.
Apropos Linke: Mit solchen Spinnereien arbeitet die SPD beharrlich an ihrer Bedeutungslosigkeit.
Die Berliner Jusos wollen die Ehe abschaffen. Dafür reichen sie einen Antrag beim SPD-Landesparteitag ein.
https://www.focus.de/politik/deutschland/berliner-jusos-wollen-ehe-abschaffen_3e70f349-9fca-4e6e-ba46-5fa54c7e6208.html
Ja, ich weiß. Sind nur die Jusos, ist ja nur eine Landespartei. Aber auch solche Schlagzeilen lesen Wohlgesinnte, schütteln den Kopf und fühlen sich bestätigt. Die SPD ist nur noch am Durchdrehen.
Stefan ich bin doch bekennende Linke. Erwartest du jetzt etwa Korpsgeist von mir, nur weil das von den JuSos kommt?
Wenn ich kurz meine Mistgabel weglege, mit der ich Klingbeil verfolge, sage ich hier gerne, dass das Schwachsinn ist und die Formulierung noch größerer Mist.
Nein, ich gehe doch nicht davon aus, dass Du dich mit irgendwelchen Spinnereien gemein machst. Es geht um den übergeordneten Punkt, warum die SPD eigentlich immer mehr der Einstelligkeit entgegenzuckelt. Stefan weist seit über zehn Jahren die These zurück, die SPD solle vielleicht wieder mehr dorthin gehen, wo es stinkt und zischt. Alle Kritiker wollten ja nur das Schlechteste für die SPD, weil sie sie ohnehin nicht wählen würden.
Dort hält man allerdings noch viel von der Ehe, wenn man sich auch nur Billigringe für 100€ leisten kann. Wenn ein Bauarbeiter die Schlagzeile liest „SPD meint …“ (die Unterscheidung nach Jusos gibt es für Akademiker), dann denkt er was wir gerade sagen. Die spinnen total und haben keine Ahnung. Die wähl‘ ich nicht mehr.
Ich bin Politiknerd. 80 Prozent der Menschen sind es nicht. Und die lesen SPD und nicht Jusos.
Ist es jetzt „die SPD“ oder „nur die Jusos“?
1) Es ist immer leicht, wenn man nicht betroffen ist, davor zu warnen. Du stehst immer am Rand einer Panik, sobald irgendjemand auch nur in Richtung Steuerreform für Reiche schielt, da steht dann sofort der Sozialismus vor der Tür.
2) Das sind alles Aktivisten. Worüber reden wir hier eigentlich?
1) Wie gesagt, ich schüttel über Demonstrationen generell den Kopf, egal um welches Thema es geht. Und Du kannst unmöglich abstreiten, dass correctiv und dann die angeschlossenen Medien mit dem Humbug versucht haben, Panik zu erzeugen.
2) Okay, Lobbyisten sind Aktivisten. Politiker sind Aktivisten. Parteimitglieder sind Aktivisten. Blogger sind Aktivisten.
Aber nicht jeder Aktivist ist Politiker. Oder Blogger. Du kreierst einen neuen Oberbegriff und beraubst in seines Kerns. Das hatten wir doch die Tage. Typische Methode der Linken.
So ein Unfug. Was du gerade machst ist einfach wild in selbstgewählte, normative Kategorien einsortieren. Aktivisten böse und links, Agrarlobby gut.
Oh Stefan, wieder so etwas von daneben gelangt. Du erklärst „Aktivisten“ zu einem Oberbegriff, nicht ich. Und ich hatte nie eine positive Einstellung zur Agralobby. Darauf könntest Du kommen, wenn Du meine marktwirtschaftlichen Überzeugungen in Deine Persönlichkeitsanalysen einfließen lassen würdest.
Marktwirtschaftler und um Subventionen kämpfende Bauern passen nicht so recht zusammen. Aber das ist wohl eine zu komplexe Analyse.
Davon gibt es wahrlich genug?
Wovon gibt es genug??
Ein Annehmen der Ängste von Unternehmer*innen und Gutverdienenden.
Deine Sensoren sind definitiv nicht auf meinen Humor eingestellt. Unternehmer haben per se keine gesellschaftlichen Ängste. Sie sind wie in ihren Märkten „Preisnehmer“. Sind die Bedingungen schlecht, gehen sie oder reduzieren ihre Investitionen.
Ich habe ebenfalls grundsätzlich keine Angst vor gesellschaftlicher Veränderung. Ich reagiere darauf und passe mich an. Ein Beispiel: Seit meinem Studium kämpfe ich politisch für ein einfaches Steuersystem mit niedrigen Sätzen und wenig Ausnahmen. Dieser Kampf war immer erfolglos, wenn es auch ein paar Hoffnungsschimmer gab. Okay, dann nutze ich das bestehende System für meine Zwecke. Ich nehme raus, was geht und drücke meine Steuerlast. Denn anders als Hinz und Kunz kenne ich mich halt besser mit den Möglichkeiten aus. Das Ergebnis ist nicht das selbe, aber viel ungünstiger ist es für mich persönlich nicht.
Das war in all den Jahrzehnten so. Es sind immer die Cleveren, die gewinnen. Die, die sich auskennen. Und das ist das Ergebnis von Politik.
Unternehmer haben per se keine gesellschaftlichen Ängste
Ist das dein Ernst? Das sind Menschen. Auch du. Du hast Angst vor gesellschaftlichen Veränderungen, das sieht man in so vielen deiner Kommentare. Und das ist völlig okay. Ich hab da ja auch Angst vor.
Das interpretierst Du falsch. Ich habe keine Angst vor gesellschaftlicher Veränderung, denn ich habe immer Alternativen. Stefan, ich bin in meinem Leben durch üble Gegenden in New York, San Francisco, Toronto, Santiago und nicht zuletzt deutsche Großstädte gestreift, wo es auch mal Schießereien und viel Kriminalität gibt. Und ich hatte nie (!) Angst. Sicher, weil ich nie bedroht oder tätlich angegangen wurde. Vielleicht aber auch wegen meiner Haltung.
Meine Ängste haben nichts mit der Gesellschaft zu tun. Und ich bin ein sehr vorwärts ausgerichteter Mensch.
Nun, ich will dir nicht dein Selbstbild nehmen 😉
So großzügig kenne ich Dich gar nicht. 🙂
Ernsthaft, Du kannst aus Texten unmöglich eine Tiefenanalyse betreiben, ja kaum auf Charaktereigenschaften schließen. Da musst Du schon gut in der Persönlichkeitsanalyse sein und zwischen Figur und Person unterscheiden können. Und, ernsthaft Stefan, da sehe ich nicht gerade Deine Stärken. Persönliche Treffen oder zumindest das Erleben einer Person sind unabdingbar zur tieferen Charaktereinschätzung.
Ansonsten bist Du halt immer für Eigentore gut: In Deiner Selbsteinschätzung bewertest Du Dich bei einem objektivierbaren Sachverhalt, nämlich der Zuordnung zu einem politischen Milieu auch anders, als es Dein Profil zeigt.
3) Warum ist für dich die Frage nach der dominanten und ökologisch einflussreichsten Lebensform (Prochlorococcus) auf der Erde kindisches Nischenwissen während das Hin- und Hergeplänkel zwischen Machtgruppen eines unbedeutenden Teils einer völlig überschätzten Lebensform (FS 4) dir so wichtig erscheint ? Die Anstrengungen mancher, diese überschätzte Lebensform endgültig auszurotten (FS 7) begrüßt du zwar aber aus den falschen Gründen. (Merksatz: Der dritte Weltkrieg wäre das Ende der Menschheit, aber er hätte auch Nachteile)
Ja die Kritik ist definitiv berechtigt. (ausrotten will ich niemanden, auch die Algen finde ich ja spannend)
Ich hab ja durchaus Freude an Nerdwissen, aber deswegen erwarte ich nicht, dass jeder meine Freude teilt oder adele es damit, man hätte hier geschichtsverändernde Erkenntnisse über das Zusammenleben von Menschen.
Wenn ich über die besten Doch-nicht-Kanzler debattieren möchte, komme ich ja auf diese Seite und frage nicht den erstbesten Passanten, ob er darüber diskutieren möchte und ob das nicht bahnbrechende Erkenntnisse über Politik hervorbringen könnte.
„Mir ist weiterhin unklar, was die deutsche Öffentlichkeit so getriggert hat. Remigration war und ist weiterhin ein fester Bestandteil im Repertoire der AfD. “
Ich erinnere mich noch an meine erste Reaktion auf den Bericht. „Interessant zu lesen, aber was ist daran wirklich neu?“ – während gleichzeitig auf Reddit die Empörung durch die Decke ging. Wenn man sich ständig (wie ich seit fast zehn Jahren) mit diesem Gedankengut beschäftigt, verliert man das Gefühl, wie empörend es für Menschen ist, die nicht damit vertraut sind.
Jep, Stefan und ich hatten damals im Podcast auch ob des Anlasses gerätselt. Und mag auch tatsächlich sein, dass den Ausschlag dieser Enthüllungscharakter mit „geheimer Masterplan“ gab.
Ein „Björn Höcke erwähnte in seiner Rede, dass man auf 20-30% der Bevölkerung mit wohltemperierter Grausamkeit auch verzichten könnte“ versendet sich vermutlich irgendwie.
1) Posener reißt einen analytischen Begriff aus dem Kontext und hebt ihn von der analytischen auf eine bewertende Schiene (Stefan Sasse macht da voll mit). Worum geht es denn grundsätzlich: Die herrschende Gruppe (zu der in einem oligarchischen Wechselsystem wie der Demokratie sowohl Elite als auch Reserveelite gehört) unterscheiden sich in Interessen und präferierter Politik deutlich von der Bevölkerung (Fundstücke 7 und 8 sind Beispiele). Um ihre Vorstellungen dennoch durchzusetzen stehen grundsätzlich zwei Wege zur Verfügung: Repression und Propaganda (Beide sind sowohl in „freien“ als auch „unfreien“ Systemen vorhanden !). Letztere ist besonders wirksam, wenn sie grundlegende Wertverschiebung bewirkt. (Deshalb war die katholische Kirche in ihrer Deutungshoheit auch nach dem faschistischen Elitenwechsel wirkmächtig). Gramsci spricht von „kultureller Hegemonie, gepanzert mit Zwang“. Eine besondere Rolle kommt den „funktionellen Intellektuellen“ (Dass Gramsci einen weiteren Begriff von Intellektuellen hat, führt hier zu weit), die diese kulturelle Hegemonie stützen. Posener deutet also die Verschiebungen innerhalb der herrschenden Gruppe als den Kampf um kulturelle Hegemonie, während dieser eigentlich zwischen herrschender Gruppe und Bevölkerung stattfindet ( In dem Kontext ist Fundstück c sehr interessant).
Wenden wir diesen Werkzeugkasten einmal auf die beiden konkreten Medienfälle hier an (zusammen mit einigen moderneren Kommunikationsbegriffen).
4) Das Recherchenetzwerk (nicht Magazin) „correctiv“ ist genau Teil der „funktionellen Intellektuellen“, die Träger der kulturellen Hegemonie eines Teils (nämlich des linksliberalen) des herrschenden Blocks sind. Als solches ist es wirtschaftlich (Gemeinnützigkeit und Förderung) sowie kommunikativ (zertifizierter Faktchecker mit Meldefunktion) privilegiert. Die konkrete Funktion war in diesem Fall, einen Teil der Reserveelite, der von signifikanten Teilen der Bevölkerung mehr Akzeptanz erfährt als von der herrschenden Gruppe, ein negatives Framing zu geben. Dazu hat „correctiv“ aus den unappetitlichen Fakten ein Narrativ produziert, das (so das LG Berlin) die Basis dieser Fakten verlassen hat.
5) NIUS hat eine andere wirtschaftliche Basis, die von Wirtschaftsoligarchen und Clickbait abhängt. In Arbeitsweise und ideologischer Ausprägung ist es eine Fortführung der Springer-Publikation BILD. Aber während diese Stütze eines Teils der herrschenden Gruppe (hier des rechtskonservativen) war und ist, hat sich NIUS so weit vom Elitenkonsens entfernt, dass es nicht mehr als Stütze der herrschenden Gruppe gesehen wird und deshalb auch nicht die „Narrenfreiheit“ genießt, die der Springer-Verlag hat. Entsprechend schamlos agiert das Portal, weil es sich überhaupt nicht mehr an die Anstandsregeln (hier Pressekodex) innerhalb der politischen Klasse gebunden fühlt.
Und auch hier wieder: Framing durch ein Narrativ, das sich verselbständigt und von den Fakten entfernt hat.
3) Viele populärwissenschaftliche Bücher funktionieren so, dass sie wissenschaftliche Phänomene zusammentragen und den Laien als Augenöffner präsentieren. Das ist ohne jede gesellschaftliche Agenda ein gutes Gegengift gegen die vereinfachenden Narrative, die gerne in der Politik verwendet werden – egal ob von rechtspopulistischer oder progressiver (*) Seite. Also ein Kompetenztraining in Sachen (echte) Diversität.
(*) Auch du machst dich z.B. in FS 6 dessen schuldig, wenn du bei sexueller Orientierung dem rechten BS „Lifestyle“ eine vereinfachte Gegenerzählung „genetische Veranlagung“ entgegenhältst. Stand der Erkenntnis ist ein genetischer Einfluss von 10-30% nach Zwillingsstudien, mit pränatalen und frühkindlichen Hormoneinflüssen sowie psychologischen Entwicklungen während des sexuellen Heranreifens als mindestens ebenso starken Einflussfaktoren. Menschen sind (auch innerhalb einer Minderheit) verschieden und lassen sich nicht über einen Kamm scheren.
7) Auch in den 30er Jahren des 20. Jahrhundert gab es genügend Personen aus den britischen Eliten, die die Kombination aus Gleichschaltung, Militarismus und chauvinistischen Auftreten bei Nazi-Deutschland positiv fanden, weil es in ihren Augen damit zu einem „Bollwerk gegen den Bolschewismus“ wurde.
Ja, das „Feind meines Feindes“-Denken ist immer wieder tödlich.
Auch in den 30er Jahren des 20. Jahrhundert gab es genügend Personen aus den britischen Eliten …
Für das „genügend“ müssten Sie aus den von Ihnen genannten Gruppen schon einige hundert zusammen bekommen, damit das statistisch (prozentual) relevant wird. Und das bezweifle ich sehr – wie bei Menschen häufig verwechseln Sie anekdotische (und mediale) mit statistischer Evidenz.
4) Du bist hier auf dumme Scheiße eines notorischen WELD-Schmierfinks reingefallen.
„Das linke Magazin…“
Correctiv ist nicht links. Es ist sogar eine bevorzugte Anlaufstelle für ehemalige WELT-Redakteure: Anette Dowideit, Alexei Hock, Ulrich Kraetzer (mittlerweile DER SPIEGEL).
„…das Magazin hat seine Vorwürfe weitgehend zurückgezogen…“
Nein:
https://correctiv.org/in-eigener-sache/2026/04/23/rechtliche-auseinandersetzungen-um-geheimplan-gegen-deutschland-eine-einordnung/
„…und vor Gericht verloren…“
In erster Instanz vor einem Landgericht.
Ronen Steinke hat in der letzten Wochenend-SZ die Angelegenheit wesentlich nüchterner betrachtet:
https://www.sueddeutsche.de/politik/correctiv-journalismus-potsdam-remigration-urteil-li.3470843
Und seit gestern gibt es neue Details vom Treffen:
https://correctiv.org/aktuelles/neue-rechte/2026/04/28/dies-unser-volk-bislang-unveroeffentlichte-inhalte-der-potsdam-konferenz/
Eben! Das Urteil ist schwammig und gibt überhaupt nicht her, dass die ganze Recherche falsch bzw. der armen AfD Dinge unterstellt würden an die sie aber so überhaupt niemals auch nur denken können würde möchte.
Im von dir verlinkten SZ Kommentar wird das gut zusammengefasst
„Ebenso zweifelhaft ist es, wenn nun Julius Böhm, Redakteur der Online-Plattform Nius, formuliert: „Millionen Menschen waren wegen einer Fake-Geschichte auf der Straße.“ Nein, Millionen Menschen waren nicht wegen einer Fake-Geschichte auf der Straße. Sondern wegen eines sehr realen Problems: Rassismus.
Wenn man alle Übertreibungen abzieht, die sich die Correctiv-Journalisten vorwerfen lassen müssen, dann bleibt ihre Reportage immer noch ein Bericht über einen – realen – Schulterschluss von Rechtsextremen, AfD- bis hin zu CDU-Leuten und einen – realen – menschenverachtenden Plan.
Auch das Vergraulen von deutschen Staatsbürgern mit Migrationshintergrund, also das Wegekeln auf legalem oder pseudolegalem Wege mit „maßgeschneiderten“ Gesetzen zur Schikane à la Martin Sellner ist mit einer Demokratie nicht vereinbar. Daran haben Millionen Menschen in Deutschland Anstoß genommen und tun es weiterhin. Und die Correctiv-Recherche war für viele von ihnen ein Anlass, um dies einmal gemeinsam zu artikulieren.“
Die Taz kommentiert in eine ähnliche Richtung
https://taz.de/Correctiv-Recherche-ueber-rechtes-Treffen/!6174299/
„Solange es hübsch zweideutig bleibt, ist alles also bloß Gerede. Was bei einer bestimmten Kollegenschar offenbar einen zur Abarbeitung an Correctiv motivierenden Anpassungsdruck ausübt.“ 🙂
Danke für die Zusammenfassung und die Links!
Ja, das ist alles korrekt. Ich zweifle auch keine Sekunde an der Gesinnung dieser Leute. Aber das Problem ist eben, dass da eine sehr konkrete Behauptung war, die nicht sauber genug belegt war, um die erste Instanz zu überleben. Und das ist schlecht. Punkt. Dass die Rechten das jetzt zum Anlass nehmen, in ihr „seht ihr, alles nicht so schlimm“-Geschrei zu verfallen, ist vorhersehbar.
„Aber das Problem ist eben, dass da eine sehr konkrete Behauptung war, die nicht sauber genug belegt war, um die erste Instanz zu überleben“
Bei einem Gericht hat sie die Instanz überlebt, beim anderen nicht. Das alleine ist schon ein starkes Indiz dafür, dass wie es hier mit Grautönen, nicht Schwarz-Weiss zu tun haben.
„Dass die Rechten das jetzt zum Anlass nehmen, in ihr „seht ihr, alles nicht so schlimm“-Geschrei zu verfallen, ist vorhersehbar.“
Und vorhersehbar dumm. Es ist natürlich ärgerlich denen unnötig Angriffspunkte zu bieten. Aber letzendlich finden die immer einen Ansatz zum unehrlichen Aufregen, dagegen kann man sich nur bedingt wappnen.
Ok, ich muss zugeben, ich bin nicht tief genug drin. Auf jeden Fall ist es voller Grautöne, und irgendwie hab ich das Gefühl, das sollte bei so Scoops eigentlich nicht wirklich sein.
Keine Frage! Da wurden Fehler gemacht. Aber nicht annähernd in dem Ausmaß wie die Schreihälse sich jetzt einbilden. Das ist (nahezu) faktenfreier Kulturkampf
Ja, das schließt sich ja nicht aus. Das Problem für mich ist:
a) Correctiv wollte hier definitiv aktivistisch was erreichen. Soweit völlig okay, die treten ja als Demokratieschützer auf und kriegen dafür auch Fördermittel.
b) Ihre Nachforschungen/Schreibe war nicht 100% sauber.
c) Der zu erwartende Gegenwind und Kulturkampf von Rechts hat somit einen legitimen Ansatzpunkt.
d) Der Kulturkampf wäre eh gekommen, aber anstatt den auf der Ebene zu führen, welches Verhältnis Rechts zu Rechts außen hat, wird er jetzt darüber geführt, ob Correctiv nur ein bisschen oder schlimm gelogen hat und ob Correctiv weiter Geld bekommen sollte.
Und das ist halt scheiße.
„…die treten ja als Demokratieschützer auf und kriegen dafür auch Fördermittel.“
Die kriegen aber keine öffentlichen Gelder für ihre journalistische Arbeit.
/// „Wir haben uns selbst den Auftrag zur Medienbildung gegeben, und für solche Projekte bekommen wir auch institutionelle Förderung“, erklärt Correctiv-Chefredakteur Justus von Daniels auf Anfrage des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND). „Das hat aber nichts mit unseren Recherchen zu tun. Die Gelder sind zweckgebunden.“ ///
https://www.rnd.de/politik/correctiv-so-finanziert-sich-das-recherchenetzwerk-hinter-den-afd-enthuellungen-IZ64HXNGPRB6BPNVTYKO56XRP4.html
Danke auch hier!