Triage

Es gibt diesen einen Begriff, der durch die Corona-Diskussionen wabert. Die, die schon mal mit dem Thema zu tun hatten, schaudern bei dem Gedanken. Viele ahnen, dass es dabei um nichts Gutes geht und einige schieben das Thema weit von sich. Die Rede ist von der „Triage“.

Das Thema kam in Bezug auf Corona erstmals im Frühjahr auf, als zum einen ein Infektionsgeschehen zu beobachten war das, wäre es nicht gestoppt worden, innerhalb relativ kurzer Zeit zu einer Überlastung des Gesundheitssystems geführt hätte. Zum anderen wurde die Triage in diesen Tagen in mehreren Nachbarstaaten bzw. einigen besonders betroffenen Regionen. Das ungute Bauchgefühl vieler Laien dürfte hier seinen Ursprung haben. Auch wenn man nicht recht wusste, was hinter dem Begriff steckte, so war die Furcht vieler Mediziner, die dieses Wort in den Medien benutzten, nicht zu übersehen.

Was ist die Triage?

Triage bezeichnet grundsätzlich ein Priorisierungsverfahren, das eigentlich für kurzfristige Katastrophenfälle gedacht ist. Wenn bei einem Ereignis wie einer Massenkarambolage kurzfristig so viele Patienten anfallen, dass nicht allen geholfen werden kann, werden die Fälle nach Schwere kategorisiert. Es gibt dabei in aller Regel drei Abstufungen. Gruppe 1 befindet sich in akuter Lebensgefahr und benötigt dringend medizinische Hilfe. Diese Menschen werden zuerst versorgt. Gruppe 2 ist in einem kritischen Zustand, aber nicht in akuter Lebensgefahr. Wenn man hier mit schnell durchzuführenden Maßnahmen eine weitere Stabilisierung erreichen kann, wird man das tun, ansonsten wird man sich um diese Patienten erst kümmern, wenn die erste Gruppe versorgt ist oder weitere Einsatzkräfte eintreffen. Gruppe 3 teilt sich in zwei Untergruppen auf. Die einen sind zwar verletzt, aber nur so leicht, dass kein dringender Handlungsbedarf besteht. Sie können so lange warten, bis sich die Situation entspannt hat. Im Idealfall können Sie sogar zur Unterstützung des Rettungskräfte eingesetzt werden. Die anderen sind so schwer verletzt, dass ihre Überlebenschance selbst mit einer Behandlung extrem gering sind. Daher sieht man auch hier von einer Behandlung ab und konzentriert die vorhandenen Mittel auf Patienten, bei denen sie (hoffentlich) etwas bewirken.

Diese Situation ist extrem hart für die Retter und insbesondere die Führungskräfte vor Ort, die diese Entscheidungen treffen müssen. Einem Verletzten nicht helfen zu können oder die Entscheidung treffen zu müssen, welcher Patient behandelt wird, bedeutet extremen Stress. Ich bin im Zivildienst in der Rettungssanitäter-Lehrgang das erste Mal mit dieser Thematik in Berührung gekommen. Der Ausbilder hatte den Einsatz beim ICE-Unglück in Eschede als Retter erlebt und die Art, wie er darüber sprach, machte deutlich, dass er die Erlebnisse auch einige Jahre später nicht verarbeitet hatte.

Was wäre bei einer Corona-Triage anders?

Die Triage ist für kurze Extremsituationen ausgelegt. Es geht primär darum, die Patienten zu finden, die am dringendsten Hilfe benötigen und ihnen die Behandlung zukommen zu lassen. Selbst wenn es im schlimmsten Fall dazu kommt, dass man sich gegen die Behandlung eines Verletzten entscheidet, weil man keine oder nur geringste Überlebenschancen sieht, ist das zeitlich begrenzt. Sollten rechtzeitig mehr Kräfte und mehr Material zur Verfügung stehen, wird man auch das Möglichste tun, um diese Menschen zu retten.

Wenn unser Gesundheitssystem über seine Kapazität belastet würde, wäre diese Kurzfristigkeit nicht gegeben. Wir hätten längerfristig eine Situation, in der nicht genügend Personal und Material bereitstünden, um alle Patienten zu versorgen und gleichzeitig täglich neue schwere Fälle dazu kämen, die intensivmedizinische Betreuung benötigten. Hier würden wir bzw. die Ärzte also tatsächlich in eine Lage kommen, in der es weniger darum geht, denjenigen die Hilfe zukommen zu lassen, die sie am dringendsten benötigen, sondern die knappen Mittel dort einzusetzen, wo sie am meisten bewirken. Das bedeutet aber auch, immer wieder andere Patienten dauerhaft auszusortieren.

Während ich dieses Text schreibe, ist es zumindest großflächig in Deutschland noch nicht zur Anwendung der Triage gekommen zu sein. (Ob einzelne Krankenhäuser in Sachsen bereits in den Tagen vor Weihnachten gezwungen waren, ist aus den Medienberichten nicht eindeutig nachzuvollziehen.) Wir scheinen uns aber kurz davor zu befinden. In den ersten Regionen sind die Kapazitäten zumindest im Intensiv-Bereich erschöpft und die für die Verlegung von Intensiv-Patienten voll ausgelastet.

Kriterien

Es gibt keine festgelegten Kriterien für die Priorisierung der Patienten. Der deutsche Ethikrat hat bereits im Frühjahr angemerkt, dass eine Pauschale Einstufung nach Kriterien wie Alter, Vorerkrankungen oder auch Behinderungen, die sich auf die Überlebenschancen auswirken, nicht verfassungskonform wäre. Auch eine gesetzliche Vorgabe wäre nicht zulässig, da der Staat nicht entscheiden kann, wer leben darf und wer sterben muss.
Gleichzeitig mahnen Experten, dass man den Ärzten einen Leitfaden an die Hand geben muss, um sie nicht immer neu ihren Gewissenqualen zu überlassen und auch um die Rationalität der Entscheidungsgrundlagen zu sichern. Eine Wahrscheinliche Lösung wäre im Moment eine Art Punktwert, der die Überlebenswahrscheinlichkeit der anstehenden Behandlung erfassen soll. Das heißt, je gebrechlicher der Patient ist, desto größer die Wahrscheinlichkeit, nicht behandelt zu werden. (Allerdings kann ein junger Mensch mit Vorerkrankungen durchaus schlechtere Chancen haben, als ein fitter Senior.)

Musste das sein?

Wie an verschiedenen Punkten ist auch hier das Ärgerliche, dass es nicht so weit kommen musste und dass der Verlauf von den seriösen Wissenschaftlern (und der Kanzlerin) ziemlich akkurat vorhergesagt wurde. Während andere noch Intensivbetten zählten und vor sich hin orakelten, dass es ja nie so weit kommen würde, hätte man sich mit Oberstufen-Mathematik aus dem Grundkurs durchaus errechnen können, wann wir an die Grenze stoßen.

Das Problem wurde angelegt, als wir im Frühsommer unter dem Druck der Laschets, Kretschmanns und Lindners die Maßnahmen lockerten, statt noch ein Bisschen länger durchzuhalten und die Infektionen auf einen Stand zu drücken, auf dem eine individuelle Nachverfolgung der Infektionsketten wieder möglich gewesen wäre. Danach wurden den Sommer über Werte geduldet, die eigentlich zu hoch waren und nur durch die saisonalen Effekte nicht zu einem explosiven Anstieg der Zahlen führten und schließlich wurde im Herbst rund zwei Monate zu lange den steigenden Graphen zugesehen, statt die Entwicklung zu unterbrechen.

Selbst wenn man morgen einen extrem harten Lockdown ansetzen würde, wäre die Wirkung erst in zehn bis vierzehn Tagen zu spüren. Dabei ist erstmal mit einer Erhöhung der Infektionszahlen durch die Weihnachtsfeierlichkeiten zu rechnen. Wie repräsentativ die zahlreichen Berichte über nicht-eingehaltene Sicherheitsmaßnahmen sind, ist aktuell schwer zu sagen, die Bilder aus Ski-Gebieten im In- und Ausland geben eher wenig Anlässe zur Hoffnung, man hätte aus dem Desaster 2020 gelernt. Auch in Sachen Schule sprechen jetzt schon wieder mehr Politiker davon, den Präsenzunterricht nach den Ferien wieder aufzunehmen, als davon, wie man ihn zumindest noch eine Weile überbrücken könnte, bis uns das Wetter und die hoffentlich schnell steigende Impfquote eine Erleichterung verschaffen.

Beides wird aber dauern. Vorbehaltlich weiterer Impfstoffzulassungen oder einer Ausweitung der Produktion mit Hilfe von anderen Herstellern (die im Moment scheinbar nicht mal ernsthaft diskutiert wird, obwohl es die einfachste Lösung wäre), wird Deutschland bis Ende März nur ca. 10. Millionen Impfdosen erhalten. Damit wären 5 Millionen Menschen geimpft, nahezu ausschließlich Personen über 80 Jahren und Pflegepersonal.
Das dürfte die Mortalität etwas senken, führt aber bei weiterhin hohen (wenn nicht u.a. durch den neuen Virenstamm aus England bald wieder steigenden) Infektionsraten zu zu keiner großen und schnellen Entlastung der Krankenhäuser und bis wir auf Saisonbedingte Effekte hoffen können, dürfte es sogar noch länger dauern.

Bis dahin wäre es also an jeder Einzelperson, alles zu tun, die Verbreitung des Virus zu verhindern und eine Überlastung unseres Gesundheitssystem (vielleicht noch) zu verhindern oder zumindest so kurz wie möglich zu halten. Abgesehen davon sollte man die letzten 12 Monate sehr genau analysieren und sich überlegen, welchen Politikern ein rationales Vorgehen bei anderen Herausforderungen und Bedrohungen der Zukunft zuzutrauen ist.

Hinweis: Ich habe hier jetzt diverse Kommentare gelöscht und werde das auch weiterhin machen. Ich bin nicht der Meinung, dass man jedem ein Forum bieten muss und bei Covidioten ist meine Geduld schon eine ganze Weile ausgereizt. Da sind es mir die paar Klicks nichts wert, dass dieser Unsinn einmal mehr hier verbreitet wird.

{ 26 comments… add one }
  • CitizenK 1. Januar 2021, 10:46

    Der CDU-MP-Kandidatin in BW? Die Wissenschaftler ignoriert („nicht auf der Höhe der Zeit“) und die Schulen „mit aller Macht“ und „unabhängig von den Inzidenzzahlen“ im Normalbetrieb öffnen will? Titel ihrer Doktorarbeit: „Sed corde dicemus: das volkstümliche Element in den deutschen Predigten des Geiler von Kaysersberg“. Oder dem Schulsenator von Hamburg, der Studien über die Ansteckungsgefahr in Schulen zurückgehalten hat?

    Bis zum Oktober war ich der Meinung, dass wir einigermaßen ordentlich regiert würden. Jetzt nicht mehr. Eigentlich wollte ich eine Liste mit weiteren Belegen anfügen, aber die wäre zu lange geworden.

    • Stefan Sasse 1. Januar 2021, 11:07

      Ich glaube es kommt ein bisschen darauf an, was man mit „ordentlich regiert“ meint. Ich würde die Aussage weiterhin generell unterschreiben, aber die Covid-19-Politik ist, abgesehen vom Abfedern der wirtschaftlichen Auswirkungen, ein gigantisches Desaster.

      • TBeermann 1. Januar 2021, 11:21

        Ich würde die Aussage generell mittlerweile immer mehr in Zweifel ziehen. Es gibt ja genug andere Themenbereiche, bei denen es nicht wirklich besser läuft (Klima als weiteres Extrembeispiel).

        Bei Covid-19 ist es halt nur besonders krass, wie vorhandene Informationen aus ideologischen Gründen ignoriert werden.

    • Dobkeratops 2. Januar 2021, 09:25

      Bis zum Oktober war ich der Meinung, dass wir einigermaßen ordentlich regiert würden. Jetzt nicht mehr.

      Mir geht es ähnlich. Als wir sehenden Auges in den zweiten Lockdown rutschten, war klar, dass zu keinem Zeitpunkt ein Plan B zu „warten auf den Impfstoff“ existierte. Jetzt, wo der da ist, stellt sich heraus, dass man offenbar nicht einmal in der Lage war, diesen einen Plan vernünftig vorzubereiten und zu organisieren. Ein Dreivierteljahr wurde verplempert mit …ja mit was eigentlich?

      Dass Jens Spahn derzeit der beliebteste Politiker ist, lässt sich nur noch mit Stockholm-Syndrom erklären.

      • TBeermann 2. Januar 2021, 11:40

        Ich schätze das Potenzial, in dieser relativ kurzen Zeit Strukturen komplett neu aufzubauen als ziemlich gering ein. Es ist ja kein Zufall, dass die Bundesregierung aktuell vor allem mit dem Scheckbuch regiert. Das ist einer der wenigen Bereiche, in denen sie ohne großen Anlauf Handlungsspielraum hat.

        Aber selbst wenn die Landesregierungen nicht zur Hälfte mit Vollidioten besetzt wären (und dann noch die AFDP), die schon wieder von Lockerungen schwallen, bevor die Maßnahmen überhaupt anlaufen, hätte sich strukturell nicht viel getan. (Wir hätten aber eventuell zumindest mehr Erfolg mit den Beschränkungen seit Sommer bzw. vor allem seit dem Herbst gehabt.) Man kann so etwas wie Fernunterricht nicht einfach aus dem Boden Stampfen. Allein alle Schüler mit Endgeräten ausstatten ist kaum zu leisten und selbst wenn dann alle ein Notebook oder Tablet hätten, haben immer noch viele kein (ausreichend schnelles oder umfangreiches) Internet zur Verfügung. (Um nicht missverstanden zu werden: Das ist keine Forderung nach Präsenzunterricht, sondern nur die Anerkenntnis, dass man Versäumnisse der letzten 20 Jahre nicht in 12 Monaten aufholen kann.)

        • Stefan Sasse 2. Januar 2021, 15:40

          Klar kann man das nicht. Aber versuchen und Schritte machen wäre schon gut.

      • Lemmy Caution 2. Januar 2021, 11:52

        Gut war das ganz sicher nicht, aber eine endgültige Analyse kann man wohl aber erst in 2 Jahren oder so durchführen.
        International erhielt unsere Kanzlerin durch ihre Reden eine Menge positiver Aufmerksamkeit. Ich fand das immer overhyped.
        China scheint viel bessere Ergebnisse aufzuweisen, aber wohl auch Neuseeland und Dänemark.
        Rohstoffpreise mit einem sehr hohen chinesischen Anteil in der Nachfrage ziehen stark an. Das betrifft etwa Kupfer und Soja. Seit November bewegen sich die Preise auf einer Ebene, die sie seit 2013 nicht mehr erreicht haben.
        Es gibt Argumente dafür, die Schulen offenzuhalten. Allerdings hätte man da wohl besser mehr geschlossen. In weiten Teilen Chiles gibt es praktisch nur noch Home-Schooling. Das wirkt sich aber ungünstig für Schüler aus, die über eine schlechte Computer-Ausstattung verfügen. Zwar haben über 90% der chilenischen Haushalte Internet-Verbindung, nicht wenige davon sind aber langsam und mit inadäquaten Endgeräten. Es gibt Berichte darüber, dass gerade von den jüngeren Schülern viele den Anschluß verpassen.
        Ich kenne den Fall eines 1 Jahr vor dem Abitur stehenden, der seine eh gute Durchschnittsnote um 1 auf ein hohes sehr gut steigern konnte. Dieser Durchschnittsverdiener-Haushalt ist aber IT mässig auf gehobenen deutschen Niveau bestückt, auch dank seiner jahrelangen Hartnäckigkeit. Außerdem entwickelte er seine Lösungs-Kompetenz bei Home IT Fragen zu einer Art narzisstischen Bedrohung für meine Seele. Seine Analysen und Lösungen wurden besser als meine. Ok. Er hat natürlich auch einen Standort-Vorteil.
        Immer gilt: Wo es so klare Gewinner gibt, wird es auch Verlierer geben.

        • CitizenK 2. Januar 2021, 13:07

          @ Lemmy
          „bei Home IT Fragen zu einer Art narzisstischen Bedrohung für meine Seele.“
          Klingt spannend. Magst Du mehr berichten?
          Hier in Deutschland zeigen einige (wenige, leider), dass es geht, wenn man will:
          http://www.whg-durmersheim.de/?q=artikel/2020/schule-der-digitalen-dimension
          https://www.schulcampus-roebel.de

          An der Schule meines einen Sohnes klappt es gut mit dem Fernunterricht, an der des anderen nicht, obwohl die technischen Voraussetzungen gegeben wären.

          Friedrich Merz lobt derweil eine „mutige“ Ministerin, weil die ohne Rücksicht auf das Pandemiegeschehen die Schulen wieder öffnen will. Wenn das wahr werden sollte: Merz als Kanzler und Eisenmann als MP in BW – dann wird auch 2021 ein Schreckensjahr.

          • Lemmy Caution 2. Januar 2021, 19:41

            Hat nichts mit Politik zu tun. Früher hab ich denen bei häuslichen IT-Problemen geholfen, wie ich auch bei meiner Schwester und meinen Eltern manchmal unterstütze. Der 17-jährige kann das aber inzwischen gut selber.
            Ich bin mir ziemlich sicher, dass es nicht nur Unterschiede zwischen Schulen gibt sondern das einzelne Schüler unterschiedlich gut mit der Situation zurechtkommen.
            Der Notensprung mag auch andere Gründe haben. Grundsätzlich ist er sehr praktisch. Chile ist bekannt für seinen teuren Zugang zu universitärer Ausbildung, die darüber hinaus qualitativ segregiert ist. 6,9 von 7 ist klare Stipendien-Zone. Wenn das so weitergeht, hatte 2020 etwas gutes.

          • Lemmy Caution 2. Januar 2021, 20:24

            Oh. Bei seiner Schule handelt es sich um eine „private Schule mit öffentlicher Unterstützung“. Die Eltern zahlen ca. 70 Euro im Monat. Seinem 9-jährigen Cousin hab ich 8 Monate bezahlt, weil der Vater wegen Corona-Krise keine Aufträge fand und am Ende noch selbst an Corona erkrankte, aber zum Glück nicht sehr schwer. Die hätten den Mitte Dezember eiskalt nicht mehr für das nächste Jahr zugelassen (Südhalbkugel -> Ende des Schuljahrs im Dezember).
            Das ist noch relativ günstig. Die bei weitem teuerste Schule am Ort ist die Deutsche, die btw auch noch etwas aus dem deutschen Steuersäckel erhält. Sollte afaik ca 200 Euro pro Monat kosten, vielleicht noch mehr. Finde aktuell den Preis nicht.
            Du kannst davon ausgehen, dass an den günstigeren und v.a. den öffentlichen Schulen der Fernuntericht schlechter bis gar nicht funktionieren wird.

            • CitizenK 2. Januar 2021, 21:39

              Danke für die Info. Das Schulsystem in Chile ist ein Erbe der Chicago Boys?

              • Lemmy Caution 3. Januar 2021, 10:28

                Auf jeden Fall, aber all das reicht viel weiter und tiefer.
                Nicht alles war schlecht. Heute erreichen 88% der Chilenen das Äquivalent zum deutschen Abitur. Zum Zeitpunkt des Putsches waren es 20%.
                Die Abschlussnoten hängen aber statistisch sehr stark vom Einkommen der Eltern ab. Allerdings kenne ich hier persönlich einige Ausreißer nach oben, die dann für das Studium in den Genuß von staatlichen Stipendien kommen.
                Die bisher 4 mir weitläufig bekannten „Ausreißer“-Studenten (2 x Architektur, 2 x E-Technik Ingeniör), mach(t)en was postgraduiertes in den USA oder UK, das dann ebenfalls vom chilenischen Staat subventioniert wird. Alle diese Personen planen ihre berufliche Zukunft im Ausland oder arbeiten da bereits.
                Völlig irre: Für besser bezahlte Jobs in Chile wird die besuchte Schule wichtig. Wenn Du auf einer teuren Santiaguiner Privatschule warst, hast Du vermutlich auch interessante Kontakte…
                Kenne den Fall eines exemplarischen Bildungsaufsteigers, der über Informatik ins obere mittlere Management einer großen Versicherung aufstieg… und nun mit Anfang 50 wg age-discrimination sehr schlechte Karten auf dem Arbeitsmarkt hat. Mit der „richtigen“ Schule gäbs das Problem nicht. Wäre er fachlich in der zur Zeit seines Wechsels nicht gut aber in den Folgejahren immer besser bezahlten Informatik geblieben, möglicherweise auch nicht.
                Den Eltern der unteren Mittelschicht mit guten Schülern kann man eigentlich nur raten: Medizin, Technik oder Politik. Schon BWL ist schwierig.

                • CitizenK 3. Januar 2021, 14:46

                  „….wird die besuchte Schule wichtig.“

                  Mich schüttelt’s bei diesem anglo-amerikanischen Schulsystem, in dem „those public-school types
                  „think that it’s a frightful cheek for the ‚lower orders‘
                  to try to rise above their station“ – (John Bercow),
                  die aber Schlüsselstellungen in Politik, Verwaltung und Wirtschaft besetzen.

                  Nein danke. Wir brauchen dringend Konzepte für die Verbesserung der staatlichen Schulen.

        • Stefan Sasse 2. Januar 2021, 15:41
      • Stefan Sasse 2. Januar 2021, 15:40

        Das ist mir auch völlig unklar.

  • Juri Nello 1. Januar 2021, 18:06

    Verhältnismäßig haben wir die Zahlen der USA schon übertroffen. Das muss man erst mal schaffen.
    Flick, Barschel, BSE, NSA, NSU, Bankenkrise, div. Tiergrippen, COVID-19 und demnächst MERS. Was stellen sich da überhaupt noch für Fragen?
    Die deutsche Demokratie hat fertig. Mal schauen, welchen Konzernen wir noch ein paar Milliarden reinblasen und dafür den Ärmsten einfach alles streichen („Fällt denen ja eh nicht auf. Hihi…“). Merke: Je größer die Werks- oder Kaufhalle, desto weniger Viren, desto länger offen. Je brenzliger die Situation, desto mehr Öl ins Feuer. Dann ist es im Winter auch nicht mehr so kalt. Wichtig ist, dass die Richtigen dabei viel verdienen und der Rest leer ausgeht. Den Freitod gestehen wir dabei natürlich nicht zu. Sklaven werden immer gebraucht. Am besten, wir ziehen noch irgendwo eine Tatortbanderole rum, damit alle sehen, das alles nur Erdenkliche getan wurde. Man könnte auch die von den Engländern recyclen. Dann machen wir die Bäder wieder auf und da steht dann da anstelle : „No swimming corona (instead of aids) beyond this point. “ Ansonsten verhält es sich, wie beim bockigen Kind: So lange das Schnittmuster wiederholen bis man stirbt oder lernt und andere Pattern entwickelt oder vielleicht sich auch derer, die die Situation gemeistert haben bedient. Das passiert natürlich nicht, denn das ist schließlich Deutschland hier! Von daher bleiben immer noch 2 Jahre unsinniger Lockdown (weil selbiger keiner ist), gepaart mit schwachsinnigsten Ideen aus der Kichergruft des Sadismus, damit jeder Blockwart auch seine 15 Minuten Ruhm kriegt, übrig. Das wird noch viel Spaß bedeuten. Man sollte „Upps! – Die Pannenshow“ drauf ansetzen. 50 € für den ersten symptomlosen Säugling, dessen Kopf auf die Tischkante gekloppt wird. Das kann man dann auch bei YouTube hochladen und bekommt dann Klicks von Millionen. Das Entertainment auf unterstem Niveau bleibt zumindest für die nächsten Lockdowns gesichert. Prima, für die, die sich das leisten können und wollen. Tönnies irgendwer? Gütersloh war nach 2 Wochen Pressegeplänkel keimfrei. Die Rumänen & Bulgaren wurden ausgetauscht und die Gemeinde verfügte wieder über neue Sündenböcke, die der einheimischen Sprachabart nicht mächtig sind. Gütersloh ist nicht nur Hauptsitz von Bertelsmann, sondern auch ostwestfälischer Euphemismus für Klapse. Noch Fragen, warum Laschet niemals Kanzler wird? Röttgen hat sich ja schon von den Russen per Telefon ins aus schießen lassen. Bleiben als noch Merz und Söder. Die richtig alten wählen Merz, die anderen Söder. Man wird sich, sofern die Wahl nicht verschoben wird, im September schon Merkel zurück wünschen, selbst die hartnäckigsten AfD-Tanten. Neben dem GruKaZ (gruseligstes Kabinett aller Zeiten) wird der HäLaZ (härteste Lockdown aller Zeiten) Deutschlands Schildbürger begleiten, hofiert von allen Relotiusi, die für 450 € den Gazetten noch etwas Clickbait vermitteln müssen.
    Um es mit der SPD zu sagen: „Wie gut dagegen ist doch nicht Charity!“
    »Ich fände es angemessen, wenn sich superreiche Krisengewinner jetzt freiwillig an der Finanzierung der ­Krisenbewältigung beteiligen.« (Gerd Müller, von dessen Aussagen ich echt mal irgendwann beeindruckt war).
    Wohltätigkeit als Ersatz staatlicher Pflichten? Ernsthaft? Dann kann man den Staat gleich den Konzernen übergeben. Die würden es auch verkacken, aber halt noch schlimmer, dafür mit mehr Luxus und Brimborium, wie sich die heimischen Untertanen das so wünschen. Vielleicht resultiert daraus dann ja eine Art Airbag, wie damals, als der König mit 200 vor die Wand gefahren ist. Und dann haben wir die Iden des MERS noch nicht erreicht.

    • Lemmy Caution 2. Januar 2021, 11:15

      Läßt sich der Juri Nello irgendwie blockieren?

  • CitizenK 3. Januar 2021, 08:54

    „In einigen Bundesländern will man immer noch nicht verstehen, dass es auch an den Schulen ein Infektionsgeschehen gibt und sich Kinder, Jugendliche und Lehrkräfte dort anstecken“, erläuterte Böhm. „Diese Tatsache wird mit einer Ignoranz und Arroganz unterschätzt, dass einem fast die Worte fehlen.“ (Böhm, Realschullehrer-Verband)

  • Marc 4. Januar 2021, 16:44

    Mal ernsthaft: Die Prügelstrafe an Schulen wurde doch nur abgeschafft, damit sie nicht an Kultusminister:innen angewendet werden kann! Mit dem Stufenmodell sind sie auf dem richtigen Weg, aber es ist einfach nichts weiter fest gelegt. Keiner weiß, was genau passieren soll, nur Chaos. Immerhin weiß man jetzt, dass das neue Jahr so anfängt, wie das alte aufgehört hat.

    Und die CovIdiot:innen haben unterm Weihnachtsbaum auch kein Hirn gefunden.

    • Stefan Sasse 4. Januar 2021, 17:53

      lol

      • CitizenK 4. Januar 2021, 18:09

        Ein „learning“ Sascha Lobos aus seinem SPIEGEL-Blog-Podcast: Das Niveau eines Blogs steigt mit der Qualität der Beiträge.

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