Vermischtes – Unkommentierte Megasammlung 01


Ich bin in den letzten vier Wochen aus verschiedenen Gründen – andere Prioritäten, Krankheit und nun Corona – nicht dazu gekommen, Vermischtes zu schreiben. Da ich aber weiterhin interessante Artikel gesammelt habe und nicht möchte, dass das alles total verschwendet wird, habe ich mich dazu entschieden, sie in Ladungen unkommentiert zu veröffentlichen und das Kommentieren komplett auf die Kommentarspalte zu verlagern (was für ein Satz!). Wo noch Kommentare da sind habe ich die in meinen Notizen gehabt, ich lasse euch die entsprechend da. Ich hoffe, dass das für euch trotzdem interessant ist. Ich habe genug Material für drei dieser Artikel (insgesamt sechs normale Vermischte) zusammen und werde es sukzessive über die nächsten Tage veröffentlichen. Dann haben wir auch was anderes als Corona zum Diskutieren, vielleicht auch nicht schlecht.

1) Kommt ein Westmann mit einem Plan

Wäre Merz interessierter am Osten, dann würde er ahnen, dass die rechtsradikale Bewegung von heute sich dort nicht durch mackerhafte Sprüche und inhaltliche Anverwandlung einfangen lassen wird. Die AfD-Wähler dort bilden einen stabilen Sockel, der weder groß wächst noch schrumpft. Sie sind in ihrer Mehrheit keine enttäuschten Konservativen, die die Ehe für alle nicht mögen. Viele zweifeln an der bundesrepublikanischen Demokratie insgesamt. Sie sind eher Ost- als Westeuropäer, eher Orbán als Seehofer. Sie wollen sich nicht mehr als Bürger zweiter Klasse fühlen. Diese Rolle sollen jetzt bitte andere übernehmen: Muslime, Menschen nicht weißer Hautfarbe, Volksfeinde. Will Merz diese Wähler haben? Und wenn ja, was ist er bereit für sie zu tun? Das Ergebnis einer konservativen Öffnung nach rechts ist damals wie heute dasselbe: Rechtsradikale Wähler fühlen sich eher bestätigt, ob sie nun bei der CDU bleiben oder nicht. Das trifft umso stärker auf den Osten zu, wo viele auch wegen dieser Annäherungen spüren, dass CDU und FDP auf die Dauer nicht standhalten werden. Dass der Zeitpunkt näher rückt, an dem die AfD mitregieren wird. Es ist genau dieses Gefühl der Unvermeidlichkeit, das ihren Anhängern und Funktionären Kraft gibt und besonders Menschen mit Migrationshintergrund schon heute einschüchtert. Keine Partei kann sich ein schöneres Geschenk wünschen als ein solches sich selbst erfüllendes Szenario. Man muss befürchten, dass Merz das nicht bewusst ist. Dass sich eine CDU unter ihm stattdessen in eine Phase konservativer Westalgie verabschiedet und dort ihren inneren Roland Koch sucht. Ein Indiz ist, dass er Nazis verachtet, aber offenbar keine Notwendigkeit sieht, gegen schleichenden Rassismus vorzugehen. In der sauerländischen Welt, die Merz kennt und die wahrscheinlich vor seinem inneren Auge erscheint, wenn er an das ganz normale Deutschland denkt, gibt es eben nicht den Stadtrat, in dem eine CDU zusammen mit AfD oder NPD gemeinsame Sache macht. In dem die ganze Sache schon gekippt ist. (Christian Bangel, ZEIT)

2) Tweet

Keine Ahnung, ob Tilo Jung nur trollt oder das ernst meint. Es ist eine Riesenladung Bullshit.

3) Leistung lohnt sich eben nicht

Wer sich also über Managergehälter oder Sportlereinkünfte echauffiert, der hat mit großer Wahrscheinlichkeit Zweifel daran, dass diese Kriterien erfüllt sind oder dass die erbrachte Leistung mit der Entlohnung in einem angemessenen Verhältnis steht. Kurzum: Das Leistungsprinzip ist dann aus Sicht vieler Menschen nicht ansatzweise erfüllt. Und das ist zunächst einmal problematisch: Denn der Glaube an eine vermeintliche Leistungsgerechtigkeit hat stets dabei geholfen, gesellschaftliche Verhältnisse zu stabilisieren. Fällt er weg, treten Vorbehalte an seine Stelle. „Dann entstehen Ranküne, Verschwörungen, geheime Machenschaften oder Betrug“, sagt Neckel. „Und es breitet sich die Überzeugung aus, dass es eben nicht auf erbrachte Leistung ankommt, sondern darauf, in welche Familie ich geboren wurde, ob ich Vermögen habe und ob ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort war.“ Allerdings könnte diese Situation auch dazu anregen, das Leistungsprinzip an sich zu hinterfragen. Für Offe, der bereits in den Siebzigern über die Leistungsgesellschaft promovierte, ist die Sache schon lange klar: Er bezeichnet das Leistungsprinzip als Ideologie, als „eine scheinhafte und nicht weiter hinterfragte Selbstverständlichkeit“. Bereits die Definition dessen, was Leistung sein soll, sei letztlich viel zu vage. Je genauer man hinschaue, „desto weniger klare Kriterien und objektivierbare Standards“ gebe es. „Das Leistungsprinzip birgt kettenweise Probleme, die alle in Watte gepackt werden, weil man weiß, dass es sowieso keine objektive Lösung für Verteilungsgerechtigkeit gibt“, sagt Offe. „Und wenn man das weiß, dann kommt man auf den Gedanken, dass es Marktmacht ist, die die Höhe des Status bestimmt.“ Nicht die tatsächliche Tätigkeit der Arbeitskräfte sei also maßgeblich für die Bewertung der Leistung, sondern das Marktgeschehen. (Janne Kieselbach, SpiegelOnline)

4) President Trump’s Big Day of Pardons and Commutations

According to CNN correspondent Kaitlan Collins, the president’s pardoning spree was informed by the opinions of “Sheldon Adelson, Maria Bartiromo, Rudy Guiliani, Elaine Chao, Andrew Napolitano, Eddie Gallagher, and [Michael Flynn’s attorney] Sidney Powell. […] Former Illinois governor Rod Blagojevich was sentenced in 2011 to 14 years in prison after attempting to sell the Senate seat of Barack Obama to the highest bidder. […] “He served eight years in jail, a long time,” Trump said on Tuesday after commuting Blagojevich’s sentence. […] The inspiration for Gordon Gekko in Wall Street, “junk bond king” Michael Milken was indicted in 1989 on 98 felony counts, including racketeering, insider trading, and securities fraud, following an investigation by U.S. Attorney Rudy Giuliani. […] On Tuesday, the president pardoned the billionaire, saying he had “suffered greatly” and “paid a big price.” […] A close friend of Giuliani and the police commissioner of New York City from 2000 to 2001, Bernard Kerik was sentenced to 48 months in prison in 2010 after pleading guilty to charges including tax fraud and lying to officials. […] After pardoning Kerik, Trump told reporters the former police commissioner “had many recommendations from a lot of good people.” […] Though less well-known than the aforementioned pardons, Pogue — a real-estate developer who was granted full clemency after he pleaded guilty to underpaying his taxes by $473,000 — is notable for the substantial donations his family has directed toward Trump. (Matt Stieb, New York Magazine(

5) Trump Is Going to Cheat

Lying, of course, is only one challenge. The Democratic nominee will also have to contend with cheating. After the 2016 election, the journalist Katy Tur offered an applicable analogy. She said that what made covering Trump as a reporter and running against him as a candidate so difficult was the way that scandals stuck—or didn’t stick—to him. Hillary Clinton’s use of a private email server as secretary of state was like a stain on her shirt that people couldn’t get past, because it was the only mark on an otherwise clean shirt. But Trump had so many stains that “you couldn’t tell if it was a stained shirt or if it was just supposed to be that way.” […] The cumulative effect of Trump’s efforts, of all the stains on his shirt, is to disorient the media and the electorate. Democrats, meanwhile, are fighting about how aggressive to get on climate change or whether debt-free college should be means-tested—bless their hearts. These are worthy questions, but not the question of the moment: How they should fight against a president who has no moral or legal compass, and who will use the full might of the executive branch to win? Electability, ultimately, cannot rest on the shoulders of whomever the party nominates, talented though that person may be. Electability does not depend, simply, on the nominee’s ability to earn the votes of a wide array of Americans in a few battleground states. It depends on all Americans’ willingness to demand an election that is, indeed, free and fair. (Sarada Pedri, The Atlantic)

6) Bernie Sanders and the Non-Voter Revolution

Yet, Sanders is not a generic Democrat. And, for this reason, he might be able to win here using this approach while other Democrats would fail. Perhaps his best argument is that this election will have historically high turnout and he’s best positioned to compete for those votes in Pennsylvania. But that’s highly speculative and tremendously risky. It’s also not something most Pennsylvania Democrats want to try because even if it were to succeed for Sanders it might not be a success for them. This is what I tried to explain in my piece: Bernie’s Coalition Doesn’t Overlap With Dem’s House Majority. The short version is that the Democrats have recently won scores of federal, state, and local races in the suburbs and those seats could be at risk if the top of the ticket underperforms. The shape of the electorate matters a lot, as we know from watching Clinton win the popular vote and lose the election. But Clinton actually lost the popular vote in Pennsylvania, which is why I began arguing immediately after the election that the Democrats needed to get away from a strategy that relied solely on the suburbs and instead focus on winning back some support in rural areas and small towns. Sanders would create a test-case for that, but it’s really flying in the face of all the momentum the Democrats have made using the suburban approach. […] Those who believe in Sanders, trust that he can pull off a win by mobilizing non-voters. They’re probably right that he’s the only Democrat running who has a chance at victory with this approach. But non-voters in battleground states are currently leaning to Trump, so this strategy looks perilous and it has a serious downside. […] There is no absolutely safe strategy. The Democrats could nominate a more mainstream candidate who is broadly liked in the suburbs and discover that way too many Trump-leaning non-voters turn out in November and swamp them at the polls. But this strategy would also keep the party more united, and that counts for a lot. (Martin Longman, Washington Monthly)

7) „Wir haben derzeit die Mehrheit bei den über Sechzigjährigen. Sonst nirgendwo“ (Interview mit Norbert Röttgen)

ZEIT: Sie müssen ein Schutzbedürfnis befriedigen, das in Zeiten maximaler Veränderung immer größer wird. Sie selbst haben zum Beispiel den Satz kritisiert: Wir haben die Migration geordnet. Sie sagen, das kann man gar nicht ordnen. Die Menschen wollen aber diese Ordnung. Welchen Satz sagen Sie stattdessen?

Röttgen: Ich würde sagen: Die Migrationszahlen sind deutlich gesunken. Wir haben das erreicht, indem wir eine Festung Europa gebaut haben. Aber glaubt nicht, dass diese Festung den Stürmen der Zeit trotzen kann. Wir wollen es auch gar nicht, weil wir denen da draußen auch helfen wollen. Daraus muss man Politik ableiten, die hilft und das Bedürfnis mildert, zu uns zu kommen. Ich nenne Ihnen ein anderes Beispiel in dem Zusammenhang: Ich finde den außenpolitischen Umgang mit Russland in Bezug auf Idlib falsch und folgenreich. Russland bombardiert dort Zivilisten, was Hunderttausende Flüchtlinge erzeugt. Wenn wir dazu schweigen, verweigern wir Politik. […] 

ZEIT: Die Partei, die sich durch die Flüchtlingskrise etabliert hat und die die Hegemonie der Union im rechten Spektrum beendet hat, ist die AfD. Was ist Ihr Ansatz, mit dieser Partei umzugehen?

Röttgen: Die Gründe, die die AfD in den Bundestag gebracht haben, können wir nicht beseitigen, denn sie liegen in der Vergangenheit. Aber wir dürfen diese Gründe nicht wiederholen. Ich habe wirklich kein rückwirkendes Kritikbedürfnis: Aber bevor die Flüchtlinge zu uns kamen, waren sie in den Lagern im Libanon und in Jordanien. Es gab Hilferufe der internationalen Organisationen. Die Reaktion war die Kürzung der Finanzhilfe. Wenn man sich dem Problem erst widmet, wenn es unlösbar geworden ist, delegitimiert sich Politik. Und wenn wir dieses Muster nicht verändern, können wir auf die AfD schimpfen, wie wir wollen, sie wird als Ausdruck des Protests gegen diese Art Nichtpolitik und ihre Folgen nur immer stärker. […] 

ZEIT: Sie nennen die Finanz-, die Euro- und die Flüchtlingskrise als Verunsicherungsquellen, von denen auch die AfD profitiert hat. Was hätten Sie anders machen können?

Röttgen: Wir können natürlich nicht die Unordnung in der und durch die Globalisierung mit einem Federstrich in Ordnung überführen. Aber Politik ist möglich. Eine bessere Euro-Politik ist möglich. Wir können den Finanzmarkt in der Euro-Zone stärken. Wir müssen die verbliebenen Schwächen des Euro beseitigen. Wir sind nicht zum Fatalismus gezwungen. Auch unter erschwerten Bedingungen ist Politik möglich. (Matthias Geiß/Tilda Hildebrandt, ZEIT)

8) Der Spielmacher

{ 85 comments… add one }
  • Erwin Gabriel 18. März 2020, 17:24

    zu 3)

    Kurzum: Das Leistungsprinzip ist dann aus Sicht vieler Menschen nicht ansatzweise erfüllt.

    Ich bin ja nun seit jeher der Meinung, dass „Gerechtigkeit“ ein subjektives Konstrukt ist. Ich leiste eine Arbeit, die mir übertragen wird, und bekomme dafür mein Gehalt. Dieser Zusammenhang gilt gleichermaßen nach oben und nach unten.

    Bei meinen Mitarbeitern entscheide letztendlich ich, ob die gewünschte Leistung erbracht wird, bei mir entscheidet das der Geschäftsführer.

    Ich tue mich schwer mit dem Gedanken, dass ein jeder selbst entscheiden soll, ob die Leistung passt, ob die Entlohnung passt. Wiederum kann ich mir keinen anderen Weg vorstellen, bei dem zumindest eine gewisse Wahrscheinlichkeit besteht, dass zumindest die Mitarbeiter sich gerecht behandelt fühlen.

    Und das ist zunächst einmal problematisch: Denn der Glaube an eine vermeintliche Leistungsgerechtigkeit …

    Es ist und bleibt Glauben, im guten wie im schlechten.

    „Und es breitet sich die Überzeugung aus, dass es eben nicht auf erbrachte Leistung ankommt, sondern darauf, in welche Familie ich geboren wurde, ob ich Vermögen habe und ob ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort war.“

    Wie soll eine Geselslchaft aussehen, die nicht auch darauf basiert, aus welcher Familie ich komme, ob ich Vermögen habe, ob per Zufall mein Timing stimmt?

    Die von unten kriege ich nicht alle nach oben, also bleibt einmal mehr, die da oben zurechtzustutzen? Für eine sinnvolle Alternative zu „den Reichen so viel wegnehmen, dass sie nicht mehr reich sind“, fehlt mir die Phantasie. Für die Vorstellung, dass diese Lösung funktioniert, fehlt sie mir aber auch.

    Wie immer lassen mich solche Allgemeinplätze ratlos zurück.

    • Stefan Sasse 18. März 2020, 20:29

      Mein Problem sind die Allgemeinplätze, dass Leute nach Leistung bezahlt werden sollten, ohne dass diese Leistung je vernünftig definierbar wäre.

      • TBeermann 18. März 2020, 21:11

        All zu genau wirst du das auch nie definiert bekommen, weil Leistung ja letztendlich auch am Zweck und welchen Wert man diesem Zweck zubilligt, beurteilt wird.

        Abgesehen davon kommt es auch auf die Diskurshoheit an. Es wurde ja lange genug das Mantra verkündet, die „Leistungsträger“ seien die Reichen, der Reichtum also gerecht und wer nicht reich, der selbst schuld (offensichtlich war die Leistung zu gering).

        Gerade Corona könnte da mal eine Chance zu einer Neubewertung bieten. Man sieht ja jetzt, ohne welche Jobs es nicht geht und wessen Fehlen gar nicht auffällt. (Ich hab aber wenig Hoffnung, dass diese Erkenntnis langfristigerer Natur ist).

        • Erwin Gabriel 18. März 2020, 21:32

          @ TBeermann 18. März 2020, 21:11

          All zu genau wirst du das auch nie definiert bekommen, weil Leistung ja letztendlich auch am Zweck und welchen Wert man diesem Zweck zubilligt, beurteilt wird.

          Es wurde ja lange genug das Mantra verkündet, die „Leistungsträger“ seien die Reichen, der Reichtum also gerecht und wer nicht reich, der selbst schuld (offensichtlich war die Leistung zu gering).

          Eigentlich nicht. Eher wurde gesagt, dass Leistungsträger ihr gutes Einkommen „verdienen“ (bei all den Unschärfen, die sich durch eine solche Beschreibung ergeben). Aber „Reichtum“ mit „Leistung“ gleichzusetzen, habe ich noch nicht gehört.

        • Stefan Sasse 18. März 2020, 22:38

          Never let a crisis go to waste, hm?

      • Erwin Gabriel 18. März 2020, 21:38

        @ Stefan Sasse 18. März 2020, 20:29

        Mein Problem sind die Allgemeinplätze, dass Leute nach Leistung bezahlt werden sollten, ohne dass diese Leistung je vernünftig definierbar wäre.

        Das solltest Du so nicht verallgemeinern. In der Produktion ist sie das, in vielen anderen Fällen auch. Wenn Du Dich darauf einlässt, dass der Vorgesetzte die Arbeit vorschreibt und die Leistungsbewertung vollzieht, haben wir zumindest schon mal eine allgemeingültige Regel.

        Da aber sowohl die Arbeit wie auch die Zuteilung und Bewertung derselben durch Menschen erfolgt, hast Du halt die menschlichen Schwächen und Unschärfen drin. Und die kriegst Du auch nicht weg.

        Hättest Du denn einen konstruktiven Vorschlag?

        • Stefan Sasse 18. März 2020, 22:39

          Ich denke, das beste Beförderungsprinzip ist und bleibt Berufserfahrung. Ja, damit beförderst du auch Idioten mit. Aber gleichzeitig muss ich mich als jemand, der Leistung bringt, nicht in einen permanenten aufreibenden Psychokrieg mit Arbeitgeber und Kollegen stürzen, sondern kann mich auf meine Arbeit konzentrieren.

          • Erwin Gabriel 19. März 2020, 09:04

            @ Stefan Sasse 18. März 2020, 22:39

            Ich denke, das beste Beförderungsprinzip ist und bleibt Berufserfahrung.

            Eieiei …
            Das kann gut, aber auch fürchterlich schief gehen.
            Auf der Ebene Sachbearbeitung gibt es immer wieder Leute, die sich auf Routine zurückziehen, während andere aktiv nach schwierigen Fällen, Herausforderungen und neuen Lernerfahrungen suchen.

            Als Team-, spätestens als Gruppen oder Abteilungsleiter sind Führungs- und Vermittlungs-Qualitäten erforderlich, bei denen die Persönlichkeit einer Person eine starke Rolle spielt. Da bringt Dich reine „Berufserfahrung“ nicht weiter.

            Ja, damit beförderst du auch Idioten mit. Aber gleichzeitig muss ich mich als jemand, der Leistung bringt, nicht in einen permanenten aufreibenden Psychokrieg mit Arbeitgeber und Kollegen stürzen, sondern kann mich auf meine Arbeit konzentrieren.

            • TBeermann 19. März 2020, 09:27

              Das Peter-Prinzip. Menschen werden solange aufgrund ihrer bisherigen Leistungen befördert, bis sie eine Stufe erreichen, die ihre Fähigkeiten übersteigt und genau dort bleiben sie dann kleben.

              • Stefan Sasse 19. März 2020, 12:19

                Ich glaube es gibt Studien, die das Peter-Prinzip widerlegen.

                • Erwin Gabriel 19. März 2020, 17:10

                  @ Stefan Sasse 19. März 2020, 12:19

                  Ich glaube es gibt Studien, die das Peter-Prinzip widerlegen.

                  Wenn, dann wurden die nicht bei uns gemacht; ich bin da eher bei TBeermann

            • Stefan Sasse 19. März 2020, 12:18

              Mir sind die Nachteile völlig klar. Aber ich denke, die Vorteile überwiegen schlichtweg. Und du musst das ja nicht super starr machen. Ich bin für ein System, das etwa alle X Jahre eine Beförderungsstufe hochgeht, und dass besonders gute Leistungen von X einen Betrag von Y runternehmen. Aber nach X kommt es sicher.

              • Ariane 19. März 2020, 13:16

                Ich finde das Prinzip in der Regel auch gut. Damit verhinderst du eben auch andere Nachteile, wie zb dass Männer häufiger befördert werden oder Blender durch ihr Auftreten nach Außen bei Beförderungen Vorteile haben.
                Und man verhindert zu große Verteilungskämpfe und Ellbogenmentalität.

                Und btw: ist ja nicht so, dass man mit Beförderungen nach Leistungsbetrieb nicht auch Idioten nach oben spült, ganz lässt sich das nicht vermeiden.

                • Stefan Sasse 19. März 2020, 16:06

                  So viele Dampfplauderer, die ich schon befördert gesehen habe – da ist nach Alter auch nicht schlimmer.

                • Erwin Gabriel 19. März 2020, 17:07

                  @ Ariane 19. März 2020, 13:16

                  Damit verhinderst du eben auch andere Nachteile, wie zb dass Männer häufiger befördert werden …

                  Bedeutet das, dass alle Quoten abgeschafft werden?
                  Bedeutet das, dass beispielsweise in der Bauindustrie, wo inzwischen junge Frauen in nennenswerter Zahl in HighTech- und Führungspositionen drängen, diese keine Möglichkeit haben, ihre gute, moderne Ausbildung in verantwortlichen Positionen zum Tragen zu bringen? In allen Tech-Berufen auf absehbare Zeit nur alte weiße Männer als Chefs?
                  Was für ein gesellschaftlicher Rückschritt…

                  Und man verhindert zu große Verteilungskämpfe und Ellbogenmentalität.

                  Verhindert man nur, wenn man die Zahl der Führungspositionen an die Zahl der zu befördernden Mitarbeiter anpasst. Was aber, wenn es mehr als einen Bewerber für die Position gibt?

                  Was, wenn einer mit MItte dreißig in eine Führungsposition kam, und nun 30 Jahre bis zur Rente alles blockiert, weil der die ältere Person über sich nicht überspringen oder umgehen kann?

                  Was ist, wenn einer zwangsläufig auf eine Führungsposition befördert wird, aber ein Nerd ist, der weder mit Menschen kann noch über Führungsqualitäten verfügt?

                  Das wird dermaßen schief gehen ….

                  • Ariane 20. März 2020, 11:35

                    Ähm, also ich glaube, da muss man jetzt ein bisschen trennen.

                    Zum Einen glaube ich, dass man bei Beförderungen immer Nachteile hat. Wie eben, dass alte weiße Männer am liebsten (unbewusst) andere alte weiße Männer befördern. Oder eben, dass Blender mit großer Klappe bei Beförderungen Vorteile gegenüber denen haben, die still und bescheiden gute Arbeit machen.
                    So einfach ist das mit Beförderung nach Leistung nämlich auch nicht, es klingt nur auf den ersten Blick gerechter als nach Dienstjahren 😉

                    Verhindert man nur, wenn man die Zahl der Führungspositionen an die Zahl der zu befördernden Mitarbeiter anpasst. Was aber, wenn es mehr als einen Bewerber für die Position gibt?

                    Ich weiß es nicht ganz genau, aber ich meine, dass es bei Beamten so geregelt ist, dass die automatisch nach Dienstjahren eine Stufe aufsteigen, was Gehalt etc. angeht.

                    Und gleichzeitig ist es bei normaler/guter Arbeit dann einfacher vom mittleren in den gehobenen Dienst zu kommen oder eine Büroleitung zu bekommen. Das finde ich nicht schlecht.
                    War bei der Frau meines Vaters so. Die war gehobene Finanzbeamtin, hat da dann ein Büro geleitet und konnte dann relativ einfach einen Leitungsposten im Familienministerium bekommen.
                    Und man hat eben den Vorteil, dass man auf kleiner Ebene erstmal gut testen kann, wie die Leute sich auf Leitungsebene machen, da geht nicht soviel kaputt^^

                    • Erwin Gabriel 28. März 2020, 18:44

                      @ Ariane 20. März 2020, 11:35

                      Wie eben, dass alte weiße Männer am liebsten (unbewusst) andere alte weiße Männer befördern.

                      Interessante Ansicht. Ich bevorzuge bei der Einstellung junge Frauen, weil die einen weißen alten Mann wie mich noch als Autorität anerkennen … (nein, wear nur Spaß :-)).

                      Ich bevorzuge die, weil sie stets beweisen wollen, dass es richtig war, sie statt einen weiteren Kerl in einen technischen Job zu holen. Deren Arbeitseinstellung ist uneitel. Wenn man denen einmal eine Verantwortung übertragen hat, geben sie die freiwillig nicht wieder her.

                      Oder eben, dass Blender mit großer Klappe bei Beförderungen Vorteile gegenüber denen haben, die still und bescheiden gute Arbeit machen.

                      Blender laufen in der Regel intern vor die Wand. Da hilft keine freiwillig. Und ob die liefern können, merkt ein normaler Chef über kurz oder lang
                      Aber Blender hab ich, soviel gestehe ich gerne zu, auch schon des öfteren gesehen – zu oft.

                      Dennoch: „nach Alter“ ist albern, weil dann jeder versucht, älter zu werden, ohne sich feuern zu lassen. Bei „nach Leistung“ geben sich zumindest ein paar Mühe.

                      Ich weiß es nicht ganz genau, aber ich meine, dass es bei Beamten so geregelt ist, dass die automatisch nach Dienstjahren eine Stufe aufsteigen, was Gehalt etc. angeht.

                      Ja. Ist aber in der freien Wirtschaft in weiten Bereichen gleich, wenn die Gewerkschaften mehr Lohn durchsetzen.

                      Und gleichzeitig ist es bei normaler/guter Arbeit dann einfacher vom mittleren in den gehobenen Dienst zu kommen oder eine Büroleitung zu bekommen. …
                      Und man hat eben den Vorteil, dass man auf kleiner Ebene erstmal gut testen kann, wie die Leute sich auf Leitungsebene machen, da geht nicht soviel kaputt.

                      Ja, so lief das auch in den Unternehmen, in denen ich war. Wer sich auf seinem Job bewährte, hatte bessere Chancen zum Team- und Abteilunbgsleiter aufzusteigen, als jemand der „nur“ älter war. Leistungsprinzip eben
                      🙂

              • Erwin Gabriel 19. März 2020, 16:56

                @ Stefan Sasse 19. März 2020, 12:18

                Mir sind die Nachteile völlig klar. Aber ich denke, die Vorteile überwiegen schlichtweg.

                Wer soll sich noch anstrengen, wenn auf der einen Seite „sich anstrengen“ oder „besser zu sein“ nicht belohnt wird, auf der anderen Seite auch die faulsten Säcke befördert werden, wenn sie nur ihre Zeit abgesessen haben?

                Dann sind Hierarchien pyramidal angelegt: Oben sitzt einer, unten sitzen viele. Wenn ich jeden befördere, verschiebe ich nur alles nach oben. Wie soll das gehen?

                • Stefan Sasse 19. März 2020, 17:28

                  Ich hab ja nen Vorschlag dazu gemacht. Und Anstrengung kommt aus intrinsischen Motiven. Die wenigsten strengen sich in der Hoffnung auf Beförderung an, schon allein, weil den Job gut zu machen selten mit Beförderung oder höherem Gehalt belohnt wird.

                  • Erwin Gabriel 28. März 2020, 18:46

                    @ Stefan Sasse 19. März 2020, 17:28

                    Die wenigsten strengen sich in der Hoffnung auf Beförderung an, schon allein, weil den Job gut zu machen selten mit Beförderung oder höherem Gehalt belohnt wird.

                    Nun ja, wer wird sich anstrengen, wenn klar wird, dass er definitiv nicht profitiert?

                    • Ralf 28. März 2020, 18:57

                      Ich habe 2009 und 2015 jeweils einen signifikanten Karrieresprung nach vorne gemacht. Mehr Aufgaben. Mehr Verantwortung. Mehr Freiheit. Beide Male ist der Sprung nach vorne mit einer signifikanten Gehaltskürzung einhergegangen. Trotzdem habe ich beide Situationen enthusiastisch als spannende Entwicklung wahrgenommen und die Schritte nie bereut.

                    • Stefan Sasse 29. März 2020, 09:43

                      Ich bin stellvertretender Schulleiter seit zwei Jahren. Wesentlich mehr Aufgaben. Wesentlich mehr Arbeit und Verantwortung. Kein Cent mehr Gehalt.

          • derwaechter 19. März 2020, 19:26

            Es gibt doch deutlich weniger Führungspositionen als als altgediente Mitarbeiter. Wie soll denn das rein Zahlenmässig gehen?
            Und statt Vorstand hätten Unternehmen dann einen Ältestenrat?

            • Stefan Sasse 19. März 2020, 20:29

              Quatsch, Höherstufung nach Betriebszugehörigkeit ist doch in den meisten Betrieben seit Jahrzehnten Standard und steht in praktisch jedem Tarifvertrag. Ich rede nicht von der Besetzung der Abteilungsleiterposten, ich rede von Höherstufungen auf der Gehaltstabelle.

              • derwaechter 19. März 2020, 21:53

                Ah! Das hatte ich missverstanden. Ich dachte es ginge auch um Führungspositionen.

                • Stefan Sasse 19. März 2020, 22:30

                  Neeeeee. 🙂

                  • Erwin Gabriel 19. März 2020, 23:45

                    Doooch. Es ging ums Beförderungsprinzip 🙂

                    • Stefan Sasse 20. März 2020, 09:41

                      Ja, wenn ich von Beförderungen rede meine ich in der Tarifstruktur. Sorry, ich hätte das klar machen sollen. Also Höherstufungen.

        • CitizenK 19. März 2020, 10:30

          „Um mehr Gerechtigkeit zu schaffen, erhöhte der US-Unternehmer Dan Price das Gehalt seiner 120 Mitarbeiter auf 80000 Euro. Der Mitbegründer der Firma Gravity Payments kürzte dafür sein Gehalt um mehr als eine Million Euro. Ein Schachzug, der sich für alle lohnte: Die Mitarbeiter fühlen sich wertgeschätzt, und die Aufträge haben sich seitdem verdreifacht“

          Aus dem „stern“ vom 19. März 2020 in der Rubrik „Positives Umfeld“

    • TBeermann 18. März 2020, 21:20

      Die von unten kriege ich nicht alle nach oben, also bleibt einmal mehr, die da oben zurechtzustutzen? Für eine sinnvolle Alternative zu „den Reichen so viel wegnehmen, dass sie nicht mehr reich sind“, fehlt mir die Phantasie. Für die Vorstellung, dass diese Lösung funktioniert, fehlt sie mir aber auch.

      Es gäbe schon Möglichkeiten, die zumindest dieses Prinzip anwenden. Also zum Beispiel deutlich höhere Steuern (Einkommen, Vermögen und vor allem Erbschaft) und Investition (u.a.) in kostenlose (Aus)Bildung für alle. Gleichzeitig Mindestlöhne und Höchstgehälter in Abhängigkeit zum niedrigsten Einkommen in der jeweiligen Firma. Mitbestimmung für die Mitarbeiter. All das wären zumindest Ansätze, damit Status und Vermögen nicht mehr so einfach angehäuft und vererbt werden können.

      Eine echte Meritokratie wäre der Alptraum der Reichen.

      (Dass der ganze Aspekt Konsum und damit Produktion in meinen Augen ohnehin auf einem deutlich reduzierten Niveau stattfinden müsste, käme noch dazu).

  • Erwin Gabriel 18. März 2020, 21:48

    @ TBeermann 18. März 2020, 21:20

    Es gäbe schon Möglichkeiten, … zum Beispiel deutlich höhere Steuern (Einkommen, Vermögen und vor allem Erbschaft) und Investition (u.a.) in kostenlose (Aus)Bildung für alle. Gleichzeitig Mindestlöhne und Höchstgehälter in Abhängigkeit zum niedrigsten Einkommen in der jeweiligen Firma. Mitbestimmung für die Mitarbeiter. All das wären zumindest Ansätze, damit Status und Vermögen nicht mehr so einfach angehäuft und vererbt werden können.

    Ich verstehe die Theorie dahinter, und damit ist auch gleich die größte Schwäche benannt: Es ist eine Theorie.

    Wenn Du umsetzen könntest, was Du da beschreibst, ginge damit zumindest im Produktionsbereich eine Verteuerung der Produkte und damit ein wirtschaftlicher Niedergang einher, der auch auf den Dienstleistungssektor durchschlagen würde – die ersten unternehmen, die sich darauf einlassen, gehen wahrscheinlich aus dem Markt, und die, die das Hinauszögern oder umgehen, überleben.

    Mehr Mitbestimmung kann klappen, muss aber nicht. Würde sie bei uns funktionieren, weären wir Ende des Jahres auch ohne Corona-Krise Pleite gewesen.

    Eine echte Meritokratie wäre der Alptraum der Reichen.

    Ohne Scheiß, sie wäre auch der Albtraum der normalen Angestellten 🙂

    (Dass der ganze Aspekt Konsum und damit Produktion in meinen Augen ohnehin auf einem deutlich reduzierten Niveau stattfinden müsste, käme noch dazu).

    Wäre halt die Folge, die kaum einer will (oder nur die Leute unterstützen, die eh schon im Überfluss haben).

    Solange wir keine abgeschottete nationale Wirtschaft haben, würde das alles nicht funktionieren.

  • Erwin Gabriel 18. März 2020, 22:10

    zu 7)
    Die Aussagen Röttgens kann ich teilen

    zu 16)
    Ich teile die amerikanische Sicht auf China – über kurz oder lang wird es auf „wir oder sie“ hinauslaufen. Blöd nur, wenn diese Coop-ANfrage von jemandem kommt, der uns mehr als einmal gezeigt hat, dass wir ihm den Buckel runterrutschen können.

    zu 22)
    Soll Gauland seine Krokodilstränen weinen. Er war vielleicht mal ein anständiger Konservativer, er ist es nicht mehr.

  • Ariane 18. März 2020, 23:54

    Vielen Dank erstmal!
    Dann haben wir auch was anderes als Corona zum Diskutieren, vielleicht auch nicht schlecht.
    Gute Idee, allerdings lesen sich viele der Artikel in so einer Akutkrise irgendwie ganz anders 😉 Hab jetzt allerdings auch noch nicht alles durchgelesen^^

    zu 3) Leistungsgerechtigkeit
    Ich hab dieses Gerede von Leistungsträgern, Leistungsgerechtigkeit und ähnlichem schon immer gehasst. Ich finde, eine Klofrau oder ein Müllmann leisten genauso wertvolle Arbeit wie ein Raketenwissenschaftler oder Bänker oder Supersportler.
    Die Einkommensunterschiede und Ungerechtigkeiten wird man meiner Meinung nach auch nicht loswerden. Wenn man nicht zum Kommunismus konvertiert, kann man das nur versuchen zu begrenzen.
    Mein Problem ist, dass wir „den selbsternannten Leistungsträgern“ diese Attitüde so durchgehen lassen, auch und gerade von Leuten, die selbst gar nicht dazu gehören! Die Politiker und Medien übernehmen das auch nur zu gerne. Das wird einfach von Hintz und Kuntz übernommen, ohne mal zu hinterfragen, was das überhaupt heißt oder bedeutet, gerade wie mit dem „Bürgerlichen“, weil das nur funktioniert, wenn man anderen Gruppen die Leistungsfähigkeit einfach abspricht. Da brauchen wir mehr kritisches Denken, dann wäre schon etwas geholfen.

    zu 8 Spielmacher)
    Die Hälfte der CDU und wahrscheinlich alle der FDP verlieren ihre Jobs. Viele verlieren jeglichen Versorgungsanspruch. Das sind persönliche Volldesaster
    Jep. Obwohl man vermuten kann, dass die SPDler sich eher ins Schwert gestürzt hätten, da geht Staatsräson oft vor allem anderen. Ich fands auch komisch, dass da eine Frist von 6 Jahren gibt? Ich hätte nichts dagegen, wenn wir sowohl im aktiven Bereich als auch nach der Politikerkarriere großzügiger sind, dann ist es auch einfacher, Wartezeiten für Jobs danach durchzusetzen.

    22) Gaulands Krokodiltränen
    Ich fand Gaulands Reaktion gerade auf die FAZ wahnsinnig aufschlussreich. Auch wenn die Mimimi-Opferpose ja irgendwie zur AfD gehört. Aber es gab auch ein Interview, da konnte man ein bisschen herauslesen, wie persönlich betroffen er sich dadurch fühlt.

    Und natürlich gibts bestimmt viele in der AfD, die das „Bürgerlich-Etikett“ nur aus Imagegründen wollen. Aber ich bin ziemlich sicher, Gauland und andere Ähnlichdenkende halten sich ganz in echt für konservativ-bürgerlich und haben gar nicht gemerkt, dass sie schon längst davon weggegangen sind und mittlerweile rechtsextrem statt konservativ und bürgerlich sind. Die sind plötzlich ganz überrascht, nicht mehr dazuzugehören.
    Passt auch zu unserer damaligen Diskussion, ich glaube es ist ganz wichtig, dass die „Verfechter der bürgerlichen Medien“ wie faz und ZEIT zumindest seit Hanau viel klarer waren und viele Kommentare drin hatten, die gesagt haben, „Die AfD gehört nicht mehr zu uns“.
    Ist jetzt natürlich ein bisschen untergegangen, aber ich hoffe wirklich, dass das eine dauerhafte Erkenntnis bleibt. Denn sowohl faz als auch ZEIT („oder soll man es lassen?“ als absoluter Tiefpunkt) lange genug an den Grenzen rumgetänzelt sind.

    • Stefan Sasse 19. März 2020, 02:03

      3) Jepp.
      8) Habe jüngst noch gelesen, dass Kemmerich das Problem hat, dass für ihn jetzt die Karenzzeit gilt, d.h. er kann seine Betriebe für bis zu zwei Jahre nicht führen. Mein Mitleid für ihn hält sich in engen Grenzen, aber so Sachen werden gerne nicht gesehen.
      22) Jepp.

      • Ariane 19. März 2020, 13:28

        Kemmerich war natürlich auch ein totaler Sonderfall. Die haben ja so ein Glück, dass sie ihre Regierungskrise noch rechtzeitig gelöst haben. Ein Bundesland komplett ohne irgendeine Regierung wäre der totale GAU.

        Ich hätte auch nichts dagegen, die Karenzzeit zu verlängern oder vielleicht auch strengere Regeln, was Zuverdienste angeht, aber dann muss das Geld und die Rundum-Versorgung eben woanders (also vom Staat) herkommen. Man kann eben nicht auf beides verzichten und die Politiker in Existenznöten lassen.

    • Erwin Gabriel 19. März 2020, 09:27

      @ Ariane 18. März 2020, 23:54

      zu 3) Leistungsgerechtigkeit

      Ich finde, eine Klofrau oder ein Müllmann leisten genauso wertvolle Arbeit wie ein Raketenwissenschaftler oder Banker oder Supersportler.

      Da mag ich nicht widersprechen. Der Unterschied ist halt: Falls wir beide unseren Job verlieren, können wir weder als Raketenwissenschaftler noch als Banker noch als Fußballer arbeiten. Toiletten zu putzen kriegen wir beide in erforderlicher Qualität hin.

      Wenn man nicht zum Kommunismus konvertiert, kann man das nur versuchen zu begrenzen.

      Diese Oben-Unten-Ungerechtigkeiten gab’s auch dort. Die wird es immer geben. Liegt in der Natur des Menschen.

      Zu 22) Gaulands Krokodiltränen

      Aber es gab auch ein Interview, da konnte man ein bisschen herauslesen, wie persönlich betroffen er sich dadurch fühlt.

      Da ist der Herr Gauland für AfD-Verhältnisse aber ungewohnt sensibel. Im Vergleich der Tiraden seiner Partei gegen Andersdenkende und ihrem Verhalten angesichts der Opfer rechtsextremer Gewalt sind die Urteile aus der CDU („AfD ist rechtsextreme Partei“) von menschenfreundlicher Einfühlsamkeit geprägt.

      Was hätte der nur gemacht, wenn sein Gegner nicht Angela Merkel, sondern Helmut Schmidt heißen würde? („Auf einen groben Keil keile ich grob zurück“) 🙂

      • Stefan Sasse 19. März 2020, 12:20

        Beim Raketenwissenschaftler und der Putzfrau ist das klar. Beim Unternehmensberater und dem Krankenhausarzt dagegen wird es schwieriger. Und beim Facharbeiter am Band beim Daimler und der Pflegekraft im Krankenhaus auch.

        • derwaechter 19. März 2020, 19:38

          „Beim Unternehmensberater und dem Krankenhausarzt dagegen wird es schwieriger.“

          Was wird da schwieriger?

          • Stefan Sasse 19. März 2020, 20:30

            Zu rechtfertigen warum Unternehmensberater deutlich besser verdienen.

          • derwaechter 19. März 2020, 21:52

            Ach so.

            Das stimmt. Wobei das Medizinstudium m.E. nach oft überschätzt wird. Das ist v.a. viel Fleissarbeit. Selber Denken ist da eher nicht so gefragt 🙂

            • Stefan Sasse 19. März 2020, 22:30

              Ich denke es ist immer noch schwieriger als ein Bachelor in BWL.

              • derwaechter 20. März 2020, 09:24

                Aber mit einem einfachen Bachelor in BWL brauchst Du bei BCG oder McKinsey auch nicht vorstellig zu werden.
                Die Hürden da rein zu kommen sind schon sehr hoch. Ob die Arbeit die dort gemacht wird immer Sinnvoll ist, ist eine andere Frage.
                Die man allerdings auch bei Ärzten zum (zugegeben geringeren) Teil stellen kann.

                • Stefan Sasse 20. März 2020, 09:42

                  Also ein Bekannter von mir hat mit Bachelor in BWL bei BCG angefangen, von daher…

                  • derwaechter 20. März 2020, 12:51

                    Echt? Als Berater? Da muss er aber verdammt gut sein oder es hat sich seit meiner Zeit einiges geändert.
                    Das war allerdings auch noch bevor Bachelor als eigener Abschluss verbreitet war.

            • Ariane 20. März 2020, 11:52

              Das stimmt. Wobei das Medizinstudium m.E. nach oft überschätzt wird. Das ist v.a. viel Fleissarbeit

              Naja, die ist ja auch nötig. Ein Arzt, der erstmal schnell Symptome und Behandlung von Grippe googlen geht, ist nicht so vertrauenswürdig. 😉

      • Ariane 19. März 2020, 13:41

        Falls wir beide unseren Job verlieren, können wir weder als Raketenwissenschaftler noch als Banker noch als Fußballer arbeiten. Toiletten zu putzen kriegen wir beide in erforderlicher Qualität hin.

        Schon, aber wenn wir uns dann fragen, ob saubere Toiletten oder fliegende Raketen insgesamt nützlicher sind, oder bei Stefans Beispiel gut versorgte Kranke oder schicke Autos, dann gerät das eben alles ins Wanken.
        Mir gehts auch wirklich nicht um die Bezahlung, ist ja völlig utopisch zu glauben, der Altenpfleger werde jemals so gut bezahlt wie der Autobauer (obwohl ich als Idealistin das schön finden würde).
        Aber ich finde, unterschiedliche Gehälter dürfen nie dazu führen, dass wir Tätigkeiten (und damit letztendlich Menschen) auf- oder abwerten.
        Und wir sehen ja gerade wie wichtig diese vermeintlich einfachen Tätigkeiten sind und wie unwichtig die hochstudierten Akademiker, wäre schön, wenn wir nicht wieder in den alten Trott verfallen und uns in einem Jahr noch daran erinnern.

        • Ariane 19. März 2020, 13:46

          Und vom Geschlechtergraben fange ich gar nicht erst an, gibt auch heute noch genügend Männer, die in ihrem Leben noch nie eine Toilette geputzt oder ein Bett bezogen haben. Hab sowas erst neulich beim Rumzappen bei „Boss wird Kleinangestellter“ gesehen. Gar nicht erst davon zu reden, dass eine erfahrene Putzfrau mein Bad in drei Minuten blitzblank geputzt hätte, also man muss nicht studiert haben, aber einfach so kann das auch keiner.

        • Erwin Gabriel 19. März 2020, 17:14

          @ Ariane 19. März 2020, 13:41

          Aber ich finde, unterschiedliche Gehälter dürfen nie dazu führen, dass wir Tätigkeiten (und damit letztendlich Menschen) auf- oder abwerten.

          Da bin ich bei Dir.

        • Rauschi 20. März 2020, 07:24

          Und wir sehen ja gerade wie wichtig diese vermeintlich einfachen Tätigkeiten sind und wie unwichtig die hochstudierten Akademiker, wäre schön, wenn wir nicht wieder in den alten Trott verfallen und uns in einem Jahr noch daran erinnern.
          Das ist tatsächlich das einzig Gute, das ich in der Krise sehen, es steckt unglaublich viel Entwicklungspotential dadrin. Man könnte viele gute Erkenntnisse gewinnen und danach das Handeln anpassen.

      • Ralf 20. März 2020, 22:24

        Der Unterschied ist halt: Falls wir beide unseren Job verlieren, können wir weder als Raketenwissenschaftler noch als Banker noch als Fußballer arbeiten. Toiletten zu putzen kriegen wir beide in erforderlicher Qualität hin.

        Du bist ja ein Mann der Praxis. Deshalb interessiert mich, wieviele konkrete Beispiele Du kennst, in denen jemand aus Deiner oder Arianes gesellschaftlicher Schicht nach einem Jobverlust tatsächlich Toiletten geputzt hätte (unabhängig von der Arbeitsqualität).

        • Ariane 20. März 2020, 22:54

          Macht kein Mensch, ist eigentlich auch bisschen ungerecht, dass das immer als Beispiel für den miesesten Job überhaupt herhalten muss.
          Und einige aus meiner „ungebildeten Großeltern-Generation“ sind auch im Reinigungsgewerbe, waren keine Klos, aber ich hab neben der Schule manchmal bisschen aushelfen dürfen. Und ja, sollte man sich echt nicht so vorstellen, wie das dilettantische Rumputzen im eigenen Zuhause 😉

          • Stefan Sasse 20. März 2020, 23:19

            Falls es hilft, ich hab als Student mal in der Reinigung gearbeitet. Nicht Toiletten, aber trotzdem. Das war, abgesehen vom Pizzausfahren, schon ziemlich maximal weit unten.

            • Ariane 20. März 2020, 23:33

              Ja, obwohl es als Aushilfsjob neben Schule/Studium noch weniger schlimm ist – glaub ich – als wenn man einen guten Mittelschichtsjob verliert und dann was mit Putzen/Müll wegräumen etc macht.

              Weiß ja nicht, wie es heute ist, aber damals war Reinigen als Aushilfe zumindest besser bezahlt als Verkaufen.

              • Stefan Sasse 21. März 2020, 10:49

                Zweifellos! Ich wollte nur meine eingeschränkte Erfahrung beisteuern. Und ich HABE in Schule und Studium wenigstens eine Latte von Drecksjobs gehabt, im Gegensatz zu vielen anderen…

            • Ralf 21. März 2020, 10:40

              Ariane hat es schon vorweggenommen. Wir haben wahrscheinlich alle als Schüler oder Studenten damals mal in irgendwelchen unattraktiven Jobs gearbeitet. Jetzt geht es aber darum wieviele derer, die sich hochgearbeitet haben, so wie der Erwin Gabriel z.B., von dem das Argument ja kommt, nach einem Jobverlust in die Toilettenputzbranche eindringen und damit die Tatsache erfolgreich nutzen, dass es dafür keiner besonderen Qualifikation bedarf. Wenn diese Zahl nämlich nahe null ist, ist auch der Wert des Arguments, das auf diese Zahl baut, nahe null.

              • Stefan Sasse 21. März 2020, 10:55

                Wie gesagt, ich stimme da grundsätzlich schon zu. Ich fürchte aber, das mit dem „alle“ stimmt beileibe nicht…

                • Ralf 21. März 2020, 11:00

                  Nein, „alle“ stimmt selbstverständlich nicht. Ich meinte damit auch mehr „alle“ der hier aktiven Kommentatoren. Möglicherweise stimmt es auch da nicht, aber die Zahl der Leute, die sich von unten nach oben hoch gearbeitet haben, ist hier im Blog meines Erachtens doch schon mal wesentlich größer als in der Gesamtbevölkerung. (Und nein, ich hab natürlich keine belastbare Statistik dazu. Nur mein Bauchgefühl … 😉 )

                • Ariane 21. März 2020, 12:11

                  Stimme Ralf da vermutlich zu, und wir sind hier ja schon eher eine hochintellektuelle Politjunkieversammlung.
                  Aber das sind ja alles eher Erfahrungen quasi noch innerhalb der Mittelschicht.

                  Ich würde zb nie sagen, ich komme aus einer armen Familie. War halt typischer Normalkomfort, sprich Luxus war dann eher mal der Restaurantbesuch mit vielen Leuten und günstigere Urlaubsreisen. Und ich hab mir mit den miesen Nebenjobs eher das Feiern am Wochenende finanziert statt Luxusurlaub.
                  Und die „Reichen“ war auch nicht die hohe Oberschicht, aber die „brauchten“ nix zuverdienen und da haben die Eltern Führerschein, erstes Auto und Luxusreise nach dem Abi bezahlt.

                  Für die richtigen Bonzen gabs in der Nähe das private Eliteinternat und Golfplätze und Segelyachten, Ottonormalmenschen bekommen die meist gar nicht mehr zu Gesicht.

  • TBeermann 19. März 2020, 09:00

    Wenn Du umsetzen könntest, was Du da beschreibst, ginge damit zumindest im Produktionsbereich eine Verteuerung der Produkte und damit ein wirtschaftlicher Niedergang einher, der auch auf den Dienstleistungssektor durchschlagen würde – die ersten unternehmen, die sich darauf einlassen, gehen wahrscheinlich aus dem Markt, und die, die das Hinauszögern oder umgehen, überleben.

    Kommt darauf an, für welchen Weg sich die „Leistungsträger“ entscheiden würden. Man könnte entweder alle Gehälter anheben, damit sie ihr Einkommen erhalten oder die Spitzeneinkommen wieder zurückfahren, wo sie im Verhältnis vor zwanzig oder dreißig Jahren noch waren.

    Wenn man alle Gehälter anheben würde, wäre ja auch mehr Geld im Markt bzw. mehr davon würde in den Konsum fließen. Damit wäre eine Preissteigerung nicht unbedingt problematisch.
    Wenn die Spitzengehälter sinken würden, müsste man vor allem schauen, dass nicht parallel die Dividenden steigen und sich die Reichen darüber das Geld wieder holen, während die Armen daran mangels Kapital nicht teilhaben könnten.

    Erhöhte Steuern hätten ja erstmal keine Auswirkungen auf die Lohnstückzahlen.

    Ohne Scheiß, sie wäre auch der Albtraum der normalen Angestellten

    Nicht zwingend. Die meisten Menschen sind durchschnittlich und die meisten normalen Angestellten tun nichts, was überdurchschnittliche Fähigkeiten erfordern würde.

    Wäre halt die Folge, die kaum einer will (oder nur die Leute unterstützen, die eh schon im Überfluss haben).

    Wenn wir ehrlich sind, haben die meisten von uns jetzt schon im Überfluss und könnten auf vieles verzichten, ohne dass die Lebensqualität leiden würde.

    Ich finde die ganze Corona-Nummer unter diesem Aspekt ganz interessant. Es ist erstaunlich, was alles möglich wird, wenn etwas als existentielle Gefahr wahrgenommen wird. (Stefan Sasse hatte sich damit Ende letzten Jahres ja schon mal befasst: http://www.deliberationdaily.de/2019/12/die-existenzielle-krise/).

    Was heute an Maßnahmen abgenickt wird und was sich Leute an noch einschneidenderen Eingriffen wünschen, ist schon bemerkenswert. Wenn wir den Klimawandel nur halb so ernst nehmen würden, sollte ein moderater Konsumverzicht im Zusammenspiel mit einer deutlich längeren Nutzung möglichst vieler Güter eigentlich Mehrheitsfähig sein.

    • Erwin Gabriel 19. März 2020, 17:21

      @ TBeermann 19. März 2020, 09:00

      Man könnte entweder alle Gehälter anheben, damit sie ihr Einkommen erhalten oder die Spitzeneinkommen wieder zurückfahren, wo sie im Verhältnis vor zwanzig oder dreißig Jahren noch waren.

      Solange die ganze Welt das macht, mag es klappen. Solange wir allein am Genge sind, wird es wohl nicht funktionieren.

      Wenn man alle Gehälter anheben würde, wäre ja auch mehr Geld im Markt bzw. mehr davon würde in den Konsum fließen. Damit wäre eine Preissteigerung nicht unbedingt problematisch.

      So wie die Schweiz? Macht das einen Unterschied?

      Wenn die Spitzengehälter sinken würden, müsste man vor allem schauen, dass nicht parallel die Dividenden steigen und sich die Reichen darüber das Geld wieder holen, während die Armen daran mangels Kapital nicht teilhaben könnten.

      Wir sind nicht allein. Aktien werden weltweit gehandelt.

      Erhöhte Steuern hätten ja erstmal keine Auswirkungen auf die Lohnstückzahlen.

      Indirekt schon

      Nicht zwingend. Die meisten Menschen sind durchschnittlich und die meisten normalen Angestellten tun nichts, was überdurchschnittliche Fähigkeiten erfordern würde.

      Sorry vorab, ist nicht bös gemeint, aber das liest sich so, als hättest Du noch nie in einem Unternehmen gearbeitet. Du hast IMMER Unterschiede.

      Wenn wir ehrlich sind, haben die meisten von uns jetzt schon im Überfluss und könnten auf vieles verzichten, ohne dass die Lebensqualität leiden würde.

      Ja. Aber wer ist schon ehrlich zu sich selbst?

      • Rauschi 20. März 2020, 07:21

        Solange die ganze Welt das macht, mag es klappen. Solange wir allein am Genge sind, wird es wohl nicht funktionieren.
        Doch sicher, wir sind auch ganz allein der Exportweltmeister, dafür haben wir auch keinen anderen befragt. Seltsame Vorstellung, fragen unsere Gewerkschaft beim Rest der Welt nach, ob die Löhne erhöht werden dürfen? Es liest sich immer so, also könne man da leider nichts machen, weil der ominöse Rest der Welt das nicht zulässt. Ähnlich wie beim Klima, da wird auch immer auf die anderen verweisen, man würde ja gerne, aber wenn China nichts macht, dann lohnt da ja nicht.

        Erhöhte Steuern hätten ja erstmal keine Auswirkungen auf die Lohnstückzahlen.

        Indirekt schon
        Nein, auch nicht indirekt, weil die sich aus der Lohnsumme dividiert durch Stückzahl berechnet, das ist immer brutto.
        An welcher Stelle sollten da Steuern eine Geige spielen?
        Sonst würden die auch permanent schwanken, weil jemand heiratet oder Kinder bekommt und sich die Steuerzahlungen dadurch ändern.

        • Erwin Gabriel 20. März 2020, 08:02

          @ Rauschi 20. März 2020, 07:21

          Nein, auch nicht indirekt, weil die sich aus der Lohnsumme dividiert durch Stückzahl berechnet, das ist immer brutto.
          An welcher Stelle sollten da Steuern eine Geige spielen?

          Da habe ich mich unscharf ausgedrückt, sorry.
          Höhere Steuern werden im Normalfall den Weg in die Herstellungs- / Lohnkosten finden.

          Aber „erstmal“ natürlich nicht.

          • Rauschi 20. März 2020, 08:25

            Steuern finden einen Weg? Wie das? Die können was finden?
            Das drückt ja nicht mal den Gewinn, warum sollte das jemand einrechnen?

  • cimoudain 19. März 2020, 14:49

    3) Ich glaube, statt sich jetzt auf den Leistungsbegriff zu stürzen, wäre es sinnvoll, anstelle des philosophisch immer mit einem Absolutheitsanspruch beladenen Gerechtigkeitsbegriff das etwas intuitivere Wort ‚Fairness‘ (oder deutsch ‚angemessen‘) zu verwenden. Damit kann man -denke ich- leichter zu einer Überlegung kommen, wie du in 8): „Wenn wir von Abgeordneten Unabhängigkeit verlangen, ist es fair, sie auch entsprechend zu vergüten.“
    10) Hier ein imho sehr lesenswerter Diskussionsbeitrag zum Terroranschlag Hanau:
    https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/terror-hat-immer-auch-soziale-ursachen/
    16) Gerade jetzt in der Krise zeigt sich, wie wenig solidarisch ‚der Westen‘ schon untereinander agiert:
    https://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/deutschland-blockiert-sogar-schweizer-importe-aus-drittstaaten/story/21141347
    Und als Gegenmodell um des Arguments willen: Jack Ma spendet dem Rest der Welt Testkits und Masken
    https://www.cnet.com/news/alibaba-co-founder-jack-ma-donates-coronavirus-test-kits-face-maks-to-us-europe-africa/
    19) Auch hier: Anstelle sich im ‚Wir sind der Westen und damit automatisch frei und gut‘ selbst auf die Schulter zu klopfen, könnte man auch ein bisschen Selbstreflektion betreiben und beobachten, wie schnell gerade auch bei liberal denkenden Menschen in der Krise autoritäre Vorstellungen, wie Wohlverhalten erzwungen werden soll, ausbrechen.
    https://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/corona-gesellschaft-wider-die-vernunftpanik-kolumne-a-772e1651-f393-4bc6-8f79-79dc7a5ed025

    • Stefan Sasse 19. März 2020, 16:10

      Danke für die Ergänzungen!

    • Ariane 20. März 2020, 12:54

      Danke für die Ergänzungen.

      Zu 19a) Lobos Artikel
      Der ist mittlerweile vielleicht auch schon wieder überholt. Aber ich bin auch irgendwie Vernunftpanikerin und finde, dieses „check mal deine Previlegien“ gilt vielleicht auch gleichermaßen für ihn.
      1. Ich bin mir meiner eigenen ziemlich bewusst, aber meine Oma sitzt gerade selbst isoliert in einer 1,5 Zimmerwohnung ohne Balkon rum. Und wenn ich ihr vernünftig und besonnen erkläre, dass es furchtbar traurig ist, dass sie sich mit ihren Geschwistern gerade nicht zum Kartenspielen treffen darf, sondern nur die Leute reinlassen darf, die unbedingt! notwendig sind.
      Ja verdammt, dann muss ich danach in kleinem Kreis oder auf Twitter oder sonstwo mal beherzt über Hamburger Touristenbonzen abfluchen, die ihren Landkreis gerade in Massen bevölkern. Oder schlechte Witze über Klopapierhorten machen. Weil alles so beschissen ist.
      Also Herr Lobo, vielleicht führen sie erstmal selbst mehrere solcher traurigen Gespräche pro Tag und gucken dann mal, wie es um ihre eigene Psychohygiene bestellt ist, bevor sie selbst rumlästern!

      2. Also ich bin ja eine glühende Demokratin. Aber wenn Demokratie und Freiheitsrechte plötzlich bedeuten, dass wir die Schwächsten im allerschlimmsten Fall unnötig dem Tod überlassen, weil wir den Leuten die Coronapartys nicht verbieten wollen, dann bin ich wohl doch irgendwie eine Undemokratin. Was ist das denn für ein merkwürdiges Demokratieverständnis? Hey, scheiß auf Tote oder auch nur Krankenhausaufenthalte, hauptsache geile Grillparty?
      Ich hab auch keinen Bock auf Ausgangssperre, schon gar nicht von der BW kontrolliert, obwohl ich das hier irgendwo scherzhaft gesagt habe. Aber der lebenswichtige Schutz der Bevölkerung, gerade der schwächsten Teile, muss doch Vorrang vor Vergnügen haben. Sonst ist doch alles irgendwie sinnlos. Freiheitsrechte sollen doch was zum Verteidigen und Liebhaben sein und keine Lebensgefährdung. Damit verliert man dann wirklich selbst so glühende Demokratieverteidiger wie mich.

      generell zu 19)
      Hm, also ich habe schon vor Wochen auch Sätze gehört wie „Die Chinesen bauen in zwei Tagen ein Krankenhaus, das würden wir in einer Demokratie nicht hinkriegen“ und das finde ich genauso absurd falsch wie „Der Westen kann das alles automatisch besser“.
      Doch, der Westen bzw demokratische Gesellschaften kann das alles, wenn sie wollen und es nötig ist. Er überlegt nur länger und ergreift autoritäte Maßnahmen nicht aus Spaß, sondern nur bei sehr gutem Grund. Das ist mir auch ganz lieb so^^

      • Stefan Sasse 20. März 2020, 13:52

        Völlig bei dir.

      • Rauschi 20. März 2020, 14:08

        Also ich bin ja eine glühende Demokratin. Aber wenn Demokratie und Freiheitsrechte plötzlich bedeuten, dass wir die Schwächsten im allerschlimmsten Fall unnötig dem Tod überlassen, weil wir den Leuten die Coronapartys nicht verbieten wollen, dann bin ich wohl doch irgendwie eine Undemokratin.
        Was sind unnötige Tote und warum wird da jetzt plötzlich so viel Wert drauf gelegt?
        Wir haben seit Jahren steigende Todeszahlen bei Obdachlosen, weil Unterkünfte fehlen. Da habe ich sowas nie gelesen.
        Solange das in in der Demokratie nach Kosten/Nutzen ging, war für Dich doch die Welt in bester demokratischer Ordnung.
        Jetzt auf einmal wissen die bestinformierten Entscheider der Welt nicht, was das Richtige wäre? In welchem Film bin ich jetzt?

        • Ariane 20. März 2020, 14:23

          Also es wäre mir lieb, wenn mich gerade nur die Ultraliberalen Undemokratin nennen und nicht du, weil wir in den meisten Punkten doch einig sind.
          Ich war und bin immer dafür, den Obdachlosen erstmal ne Wohnung hinzustellen und danach alles andere zu regeln. Auch für ein Tempolimit, bei dem das Argument Leben vor Vergnügen vielleicht noch eher gilt.
          Allerdings sind hier die Auswirkungen immer noch begrenzter als in so einem Pandemiefall. Ich wäre ja auch nicht dafür, für immer Ausgangssperren zu haben, obwohl dann bestimmt auch alle viel sicherer leben, da landen wir ja irgendwann bei „I Robot“. Also eine Abwägung muss natürlich sein, aber so eine Pandemie ist eben auch ein extremer Notfall, bei dem es auch noch entscheidend auf Zeit ankommt. Wers nicht glaubt, kann gerne mal Berichte aus Italien angucken. (bitte nicht zu ausführlich hier zitieren ohne Triggerwarnung!)

          Und ich bin ja zuversichtlich, dass die Politiker das nach bestem Wissen und Gewissen tun. Ja, mir ist es gerade zu langsam, aber es gilt immer noch wie bei den Volksabstimmungen: Gott ich bin so heilfroh, dass ich das gerade nicht entscheiden muss.

          • Rauschi 20. März 2020, 15:26

            Also es wäre mir lieb, wenn mich gerade nur die Ultraliberalen Undemokratin nennen und nicht du, weil wir in den meisten Punkten doch einig sind.
            Mir wäre es ganz lieb, wenn Du Dich nur auf das beziehst, was ich schreibe und nicht auf das, was Du mal wieder meinst hinein lesen zu müssen.
            Du gehst auf meine Fragen nicht ein, auf Monologe habe ich keine Lust. Mag ja sein, das Du das immer richtig fandest, nur der Ruf nach Abschaffung der Demokratie war nie damit verbunden. Das ist meine Frage.
            Jetzt kannst du mir
            a) wieder vorwerfen, ich hätte Dich als XY bezeichnet oder
            b) mir erklären, wo der qualitative Unterschied zu jetzt liegt.

            Erfrieren geht auch echt schnell und da ist Zeit auch der entscheidende Faktor. Diese Toten sind nicht unnötig?
            Dann ist ja alles gut, die Politiker treffen die richtigen Entscheidung rechtzeitig, ich verstehe dann allerdings Deine Panik nicht.

            Und bitte, tue doch nicht so, als würde irgend jemand fordern, das alle Entscheidungen über Volksabstimmungen statt finden sollten, das ist Müll und das hat noch nie jemand gefordert.

            • Ariane 20. März 2020, 15:39

              Also ich finde, wir beide versprechen uns gegenseitig einen vorsichtigen Umgang miteinander, weil vermutlich unser beider Nervenkostüm aktuell nicht das beste ist. Sorry, falls ich dich versehentlich beleidigt hab!

              Erfrieren geht auch echt schnell und da ist Zeit auch der entscheidende Faktor. Diese Toten sind nicht unnötig?
              Doch, natürlich sind diese Toten genauso unnötig! Und wie! Wie gesagt, ich finde dieses „housing-first“ Konzept, das sie in Skandinavien und auf kleiner Basis in Deutschland machen, genau richtig.
              Nur kann man den Obdachlosen nicht mit Ausgangsbeschränkungen o.ä. helfen, im Gegensatz zur jetzigen Pandemie-Situation.

              Btw, in Spanien haben sie heute Hotels beschlagnahmt, um Obdachlose möglichst sicher unterzubringen in dieser Zeit, gerade weil die meisten Hilfsangebote jetzt eher zu sind. Fand ich eine super Idee und sollten wir hier unbedingt und sofort durchsetzen. Und am besten noch jedes Land ein Hotel zusätzlich für die Flüchtlinge in Griechenland/Türkei zusätzlich beschlagnahmen.
              Auch die gehören gerade zu den Schwächsten und Gefährdetsten in dieser Zeit und auch die sollten nicht vergessen werden.

              • Rauschi 21. März 2020, 09:03

                Also sind wir uns doch einig, das die Politik etwas tun kann, dies aber teilweise nicht tut, oder?

                Dann verstehe ich erst recht nicht, warum Dir Gedanken zur Abschaffung der Demokratie kommen, ehrlich.

                Mal speziell für Dich was zu Lachen über Corona:
                https://www.youtube.com/watch?v=S2-_UKGpFJ8

                • Ariane 21. März 2020, 12:35

                  Das Video ist toll <3

                  Also sind wir uns doch einig, das die Politik etwas tun kann, dies aber teilweise nicht tut, oder?
                  Das denk ich ganz oft, nur unser Lösungsansatz ist anders.

                  Und mir kommen keine Gedanken zur Abschaffung der Demokratie. Ich halte temporäre Ausgangsbeschränkungen zum Schutz von Leben und Verhinderung von Kriegstriagen mit der Demokratie vereinbar. Eben nicht per se undemokratisch.
                  Das ist eine Abwägung verschiedener Grundrechte, wie zb beim Verbot der Holocaustleugnung.

                  • Rauschi 23. März 2020, 09:03

                    Und mir kommen keine Gedanken zur Abschaffung der Demokratie.
                    versus:
                    [Also ich bin ja eine glühende Demokratin. Aber wenn Demokratie und Freiheitsrechte plötzlich bedeuten, dass wir die Schwächsten im allerschlimmsten Fall unnötig dem Tod überlassen, weil wir den Leuten die Coronapartys nicht verbieten wollen, dann bin ich wohl doch irgendwie eine Undemokratin. ]
                    Den Widerspruch solltest Du dann auflösen, nicht ich, denn die Schwächsten sind auch ohne Corona immer in Gefahr gewesen. Das trifft die sogar noch härter, eben weil zu „normalen“ Zeiten keiner dafür eingetreten ist, das ihnen geholfen wird. Woher kommt die Prioritätsverschiebung?

      • cimourdain 20. März 2020, 23:04

        Danke für deine sehr persönliche Antwort. Deshalb verstehe meine Antwort nicht als Geringschätzung deiner Sichtweise, sondern als Appell, auf welche psychischen Eigendynamiken man achten muss:
        1) Auch wenn es dir so vorkommt, du bist nicht allein. Ich habe genauso einen Verwandten und eine Nachbarin, die in der Hochrisikogruppe sind und deren Leben massiv eingeschränkt wird. Und ich vermute, auch Herrn Lobo geht es nicht anders.
        2) Du schaffst dir mit der Gegenüberstellung ‚Wir anständigen – die Leichtsinnigen‘ eine Situation, in der du einen Teil deiner Mitmenschen abqualifizierst, ohne dich mit deren Umständen und Motiven auseinandersetzen zu müssen.
        3) Achte darauf, ob du wirklich noch die Regierung und deren Handeln mit gewohntem Anwägen beurteilst, oder ob du dich von der Krisenrhetorik zum Abnicher herabstufst.

        Und damit komme ich zum politischen Teil, der leider deinen Optimismus nicht teilt.
        a) Dank der stetigen Frontberichterstattung wissen wir, dass zumindest die Versorgung mit Schtzausrüstung anläuft. Aber immer noch keine massive Produktion von Testkits für Reihenuntersuchungen. Schaffung von Intensivbetten: ‚Wir arbeiten daran‘.
        b) Warum gibt es keine spezifischen Schutzmaßnahmen für die von dir zitierten Schwächsten, wie z.B. Senioreneinkaufsstunden ?
        c) und jetzt werde ich etwas schizophren, aber mir gehen die Maßnahmen aus epidemiologischer Sicht (warum sind die eigentlich nicht bei den Experten vertreten?) nicht weit genug. ‚Flatten the Curve‘ hat den Nachteil, dass es – wenn die Kapazitäten nicht übersfordert werden – Jahre dauern würde, bis das ganze vorbei ist. Die einzige Chance auf ein vergliechsweise schnelles Ende ist, die Infektionsrate auf deutlich unter 1 zu bringen. So wird irgendwann wieder Normalität eintreten und alle Bemühungen sind beim Teufel.

        Nachbemerkung: Ich habe (ähnlich wie Herr Pietsch aber auf anderem Gebiet) ein großes Mißtrauen gegenüber dem Überwachungsstaat, der einmal gegebene Kontrollmechanismen nicht wieder hergibt. (RAF-Gesetze, 9/11-Gesetze, Lauschangriff,Polizeigesetze…) . Dieser Dammbruch kann uns -wenn wir nicht aufpassen – bei der nächsten inneren Krise gewaltig auf die Füße fallen.
        Nachbemerkung 2. Wenn es um den nächsten Kriegseinsatz geht, weiss ich, dass die Phrase „Zur Verteidigung der Freiheit müssen Opfer gebracht werden“ keine menschlichen Leben beinhalten darf. Finde ich gut.

        • Stefan Sasse 20. März 2020, 23:22

          a) Weil es einfach nicht geht. Wenn man sich Interview mit den Leuten anschaut, die tatsächlich da arbeiten, wird klar, dass es schlichtweg unmöglich ist, allein aus logistischen Gründen. Du kannst nicht eben Intensivstationen aus dem Boden stampfen.
          b) Wie setzt du die durch? Glaubst du, dass während Teile der Bevölkerung Corona-Parties feiern, die Seniorenkaufstunden akzeptieren würden?
          c) Schon, aber das Machbare und das Wünschenswerte sind halt zwei paar Stiefel.

          Ich schreibe gerade an einem Artikel, der diese Punkte näher ausführt.

        • Ariane 21. März 2020, 00:34

          Deshalb verstehe meine Antwort nicht als Geringschätzung deiner Sichtweise, sondern als Appell, auf welche psychischen Eigendynamiken man achten muss:

          Kein Problem, meine Antwort ging ebenfalls nicht direkt an dich.

          1&2) Ja, ich verstehe auf rationaler Ebene auch vollkommen, dass bei anderen da Verdrängungsmechanismen und/oder irrationale Panikaktivität dahinter stecken. Aber gerade deswegen achte ich eigentlich darauf, meine eigenen Emotionen eher bei anonymen Unbekannten, die davon ja gar nichts mitkriegen!, abzuladen, damit mir das nicht in einem persönlichen Gespräch rausplatzt, weil mir eine sorglose Bekannte von ihrem netten Kaffeepläuschchen oder so erzählt.
          Ich denke es ist eben auch ziemlich unrealistisch anzunehmen, dass selbst die privilegiertesten Wenigbetroffenen so eine apokalyptische Großkrise dauerhaft rational und besonnen erleben. Die Emotionen müssen ja irgendwohin, das wird ja ein Marathon, sonst haben alle schon nach 2 Tagen einen Nervenzusammenbruch.
          3) Ich glaube nicht, dass ich drohe zum Abnicker zu werden. Ich hab auch wirklich größten Respekt davor, dass weder Politiker noch Virologen noch sonstwer genau weiß, was zu tun ist und die müssen halt irgendwas entscheiden. Bin froh, dass ich das nicht tun muss.

          a) Was Stefan sagt. Allerdings denke ich, dass das Personal das noch größere Nadelöhr ist. Tests auswerten und Beatmungsgeräte bedienen ist nix, was man nach Kurzanweisung kann. Und dazu ist jeder Mensch gerade ein Sicherheitsrisiko. Gibt ja auf medizinischer und allen anderen wichtigen Ebenen gerade die Frage, ob man alle testet und eine Totalquarantäne zb eines Krankenhauses in Kauf nimmt. Oder es drauf ankommen lässt und dafür die Versorgung sicherstellt. Was ich eben von Polizei und Verwaltung höre, arbeiten die nur noch in streng getrennten Teams, damit bloß nicht zuviele auf mal ausfallen. In Krankenhäusern geht das vermutlich gar nicht.
          b) Teilweise gibts das ja schon. Meiner Meinung nach ist das Problem, dass die Schwächsten und Ältesten auch ohne Krise auf die meiste Hilfe von außen angewiesen sind. Meine Oma ist 88, da kommen normal regelmäßig Pflegedienste und Familie für diesdas und jenes vorbei, das ist jetzt aufs Minimum reduziert, aber eine Komplettisolation ist nicht möglich. Und wäre ja noch trauriger, hab schon drei Kreuze gemacht, dass sie noch nicht in einem Pflegeheim ist, wo jetzt kein Angehöriger rein dürfte!
          c) Ja, FlattentheCurve dauert lange und braucht die größten Einschränkungen. Bisher scheint das aber so ziemlich der einzige Weg zu sein, der unnnötige Tote vermeiden oder zumindest reduzieren kann. Wirtschaftlich/gesellschaftlich hat es vielleicht sogar die größten Nachteile, aber ich persönlich finde, das muss es uns wert sein.
          Was letztendlich die Gründe sein mögen, aber wenn wir hier in unserem Land in eine Situation kommen, in der wir auf Kriegstriage zurückgreifen müssen, dann ist das ein Totalbankrott. Komplett und auf allen Ebenen, dann können wir das ganze GG wegwerfen, weil dann der oberste Grundsatz „Jedes Leben ist gleichviel wert“ nicht mehr gilt.
          Natürlich ist das ein Abwägen der Grundrechte, welches Gebot man höher schätzt. Aber ich möchte wirklich bei aller Liebe für Demokratie nicht in einem Land leben, das Picknicks und Kaffeetreffen höher schätzt als den Schutz jedes Lebens.

          Auch zwei Nachbemerkungen:
          Ich sehe die Probleme durchaus auch. Allerdings habe ich in unsere Politiker genug Vertrauen, dass sie die jetzigen Einschränkungen wirklich temporär durchführen wollen. Und ich glaube da das meiste über das Infektionsschutzgesetz läuft, sind das aktuell auch gar keine dauerhaften Sachen, die man behalten kann.

          Weil Stefan Coronaparties erwähnte: Ich glaube die jetzige merkwürdige Situation bringt die Reste des gesellschaftlichen Miteinanders ins Wanken, weil es so extrem ist. Die einen sitzen in Selbstisolation, die anderen müssen ihren traurigen Kindern erklären, warum sie nicht in die Kita, auf den Spielplatz, zum Schwimmen dürfen und andere stehen vor der Pleite, Arbeitslosigkeit oder direkt vor den Scherben ihrer Existenz.
          Und selbst wenns nur eine Minderheit ist, aber in diesem Chaos Menschenansammlungen (egal ob alt oder jung) zu sehen, die feiern und das Leben genießen oder schön Urlaub machen, ist schon der Wahnsinn und die bringen mit ihrer Lebensfreude halt auch noch Menschen in Gefahr und machen die Opfer, die gebracht werden, wieder zunichte. Das geht einfach nicht.

  • cimourdain 21. März 2020, 09:55

    Großartiger Lesehinweis:
    Ich habe gestern aus aktuellem Anlass das Decamerone rausgekramt. Die Lebensfreude in den Geschichten macht mal wirklich Mut. Wobei die Beschreibung der Pest in Florenz von beklemmender Aktualität ist.
    (Nicht ernst gemeinte) Triggerwarnung: Es wird eine Zusammenkunft von 10 Personen zur gemeinsamen Freizeitgestaltung in Seuchenzeiten dargestellt, was in Bayern verboten und in anderen Ländern unmoralisch ist.

    • Ariane 22. März 2020, 02:12

      Oje, die Hamburgtouristenbonzen erinnern mich schon immer an Pestbonzen, die mal fix aufs Land flüchten 😉

      Und wer es lieber popkultureller statt hochintellektuell mag: Dan Simmons hat mit Hyperion (& Endymion) einen Science-Fiction Roman angelehnt an die Erzählstruktur des Decamerone geschrieben. Ist aktuell allerdings ziemlich düster, Apokalypse in der hypothetischen Zukunft muss man vielleicht gerade nicht haben.
      Ist ja mittlerweile schwer, Ablenkung zu finden, bei denen man möglichst gar nicht mehr an Pandemiekrise erinnert wird, da fehlt mir echt der Fußball. Bleibt nur noch SAT1Gold oder so.

      • cimourdain 22. März 2020, 07:21

        Und wer seine Wut auf Coronapartys literarisch verarbeitet sehen will kann sich an einem weiteren Klassiker bedienen: „Die Maske des roten Todes“ (E.A.Poe)

        • Ariane 22. März 2020, 14:53

          Genau! Und auf diesen Roman verweist wiederum popkulturell Stephen King bei „Shining“ mehrmals.

          King ist allerdings auch gerade zu düster, ich hab schon dauernd Flashbacks von „The Stand“. Vielleicht ganz gut, dass ich gerade nicht zum Lesen komme, erheiternde Literatur ist bei mir gar nicht so vertreten^^

Leave a Comment

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.