Merz betreibt identity politics im Kongress, Spahn baut Windräder im Funkloch – Vermischtes 19.11.2018

Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Sie werden mit einem Zitat aus dem Text angeteasert, das ich für meine folgenden Bemerkungen dazu für repräsentativ halte. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist meist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels erforderlich; ich fasse die Quelltexte nicht noch einmal zusammen. Für den Bezug in den Kommentaren sind die einzelnen Teile durchnummeriert; bitte zwecks der Übersichtlichkeit daran halten.

1) Jens Spahn: „Ich habe aus voller Überzeugung für die Öffnung der Ehe für alle gestimmt“

„Angesichts der aktuellen Lage können wir nicht nur auf ‚Weiter so‘ und Kontinuität setzen“, sagte Spahn. Viele Mitglieder hätten ein klares Bild, wofür er stehe. Im Hinblick auf den Generationenwechsel biete er „eine Perspektive, die über Jahre hinausgeht“. […] Annegret Kramp-Karrenbauer warf Spahn eine rückwärtsgewandte Gesellschaftspolitik vor. „Ich habe aus voller Überzeugung für die Öffnung der Ehe gestimmt“, sagte der offen schwul lebende und mit seinem Partner verheiratete Spahn. Wenn seine Ehe „in einem Atemzug mit Inzest oder Polygamie genannt wird, trifft mich das persönlich“. Kramp-Karrenbauer hatte 2015 als saarländische Ministerpräsidentin gesagt, es gebe bisher eine klare Definition der Ehe als Gemeinschaft von Mann und Frau. „Wenn wir diese Definition öffnen in eine auf Dauer angelegte Verantwortungspartnerschaft zweier erwachsener Menschen, sind andere Forderungen nicht auszuschließen: etwa eine Heirat unter engen Verwandten oder von mehr als zwei Menschen.“ (Die Zeit)

Ich fürchte, ich habe den CDU-Richtungsstreit bisher zu dichotomisch gesehen. Jens Spahn hat sich als deutlich rechts von Merkel positioniert und sie so kritisiert, aber diese Aussagen oben verkomplizieren das Bild deutlich. Mea culpa. Ich komme auf den Führungsstreit in Fundstück 6 noch einmal zurück. So oder so wird sich die CDU wohl durch den nächsten Vorsitzenden/die nächste Vorsitzende zwar punktuell verändern, aber mit Sicherheit keinen Bruch begehen. Das ist typisch für die Partei, und es ist konservativ. Von daher kann man die Sache etwas entspannter sehen. Oder enttäuscht sein. Ich jedenfalls fühle much enttäuscht.

2) There’s more evidence that welfare work requirements don’t lift people out of poverty

But do work requirements really help low-income people enter the workforce and leave poverty? A new report released by the Center for Budget and Policy Priorities on Tuesday morning suggests that’s not the case. According to CBPP, work requirements for welfare can in fact plunge low-income people deeper into poverty. […] States are also much more likely to penalize African-American beneficiaries for failing to meet work-requirement standards, CBPP found, a trend that expands rather than resolves racial wealth inequities. And while work requirements did shrink the number of households on welfare, they don’t reliably lead to higher rates of steady employment — in other words, despite what proponents suggest, the threat of losing TANF benefits doesn’t goad people into finding work. Work requirements can have other unintended consequences, too. Citing pilot programs introduced in 11 cities in the 1990s, CBPP found that the programs, considered together, “lowered poverty by an average of 2.1 percentage points but raised deep poverty by 2.9 percentage points.” […] A February report released by the Stanford Center on Poverty and Inequality acknowledged that in “some of the available causal studies, welfare reform has been shown to be responsible for raising employment rates between 2.9 and 3.9 percent.” But researchers added that attributing these gains to work requirements could “overstate the effects of welfare reform,” as there are other policies, like the Clinton-era expansion of the Earned Income Tax Credit, that could help explain higher employment rates. If work requirements don’t consistently usher low-income workers into work — let alone work that pays a living wage — then what’s the point? The policy seems purely punitive, but don’t expect the Trump administration to abandon it soon. Trump officials aren’t the first politicians to treat poverty like a moral failing instead of a preventable material condition. (Sarah Jones, New York Magazine)

Das völlige Versagen von Arbeitszwängen als Mittel der Arbeitsmarktpolitik muss nicht überraschen. Auch in Deutschland konnte man das ja ähnlich beobachten. Die Zahl der Hartz-IV-Empfänger steigt und sinkt mit der Konjunktur, und wenn es keine Arbeit gibt, dann bringt auch ein entsprechender Zang wenig. Natürlich gibt es immer Leute, die nicht arbeiten wollen, und die man so an die Kandare bekommt – aber wie die Zahlen zeigen, passiert das nur am Rand.

Wichtiger scheint mir, dass der Arbeitszwang ein zentraler Bestandteil des konservativen Wohlfahrtsstaats ist. Es ist effektiv identity politcs und für das Gerechtigkeitsempfinden notwendig: „Wir zahlen nur für Gegenleistung.“ Das kann man glaube ich bedenkenlos als eine deutsche Mehrheitsmeinung betrachten. Die Idee von der Drohung von Strafe gegenüber echten oder eingebildeten Drückebergern hilft zwar bei der Legitimierung von Sozialleistungen, belegt aber ihre Empfänger gleichzeitig mit dem Ruch, arbeitsscheues Gesindel zu sein, wie man das ja in der ersten Großen Koalition oft sehen konnte („Waschen oder rasieren Sie sich, dann finden Sie auch einen Job“).

Wirtschaftlich aber ist der Arbeitszwang Quatsch, weil der Staat sich massiv und mit sehr grober Keule in die Lohnfindung eingreift: Typische Jobsegmente, die etwa für erzwungene Arbeitsaufnahme relevant sind – und das ist der niedrigste Niedriglohnsektor, etwa auch die Leiharbeit – konnten und können dadurch die Löhne künstlich niedrig halten, weil der Staat ja die Arbeitsaufnahme erzwingt; ordoliberale Ideen von Preis und Nachfrage werden da ja ausgehebelt. Deswegen war meiner Meinung ja auch der zentrale Konstruktionsfehler der Agenda2010, nicht einen ordentlichen Mindestlohn mit einzubauen, der dieses Problem gelöst hätte.

3) Die neuen Flüchtlinge des 21. Jahrhunderts

Das Reden über Gewalt sollte nicht Rechtspopulisten überlassen werden. Die ersten Opfer von Kriminalität sind die Ärmsten und Schwächsten, die nicht die Möglichkeit haben zu fliehen, oder Minderheiten. Auch sie haben Ängste. Angst ist keine Sache politischer Präferenzen. Ein alter Mann mag in der Nacht vor einer Gruppe junger Dunkelhäutiger Angst haben, eine Frau in der Tiefgarage vor den schnellen Schritten hinter ihr, ein Kippa tragender Jude in ganz bestimmten Vierteln. Kürzlich schrieb ein Bekannter, der sich definitiv als Linker sehen würde, von einem mulmigen Gefühl, weil sich in seiner Nachbarschaft binnen kurzer Zeit zwei Schießereien und eine Messerstecherei ereignet hatten. Eine Bekannte, auch sie gewiss links, erklärte mir beiläufig in einem Gespräch, wohin sie in ihrem Stadtteil nicht mehr gerne gehe mit ihrer Tochter. Dritte erzählten mir, dass sie mit ihren Kindern wegen der Drogenkriminalität und der sichtbaren Verwahrlosung aus ihrem Viertel wegziehen, also eine Art von „Mikromigration“ praktizieren werden. Von bestimmten Linken und einschlägigen Wissenschaftlern werden sie jetzt vielleicht als jene Mitte beschimpft, die angeblich und klammheimlich rechtsradikalem Gedankengut nachhängt. Aber diese Linken halten auf Krawall gebürstete Anarchisten wie den Schwarzen Block auch für einen harmlosen Verein der Traditionspflege. Und jede Überprüfung und DNA-Analyse gleich für eine Diskriminierung oder gar einen Ausbund an Rassismus. Das ist die eine Form ideologischer Blindheit oder Strategie, mit dem Thema Sicherheit umzugehen. Die andere ist die von rechts kommende Verschärfung von Polizeigesetzen (siehe Bayern), die der Polizei übertriebene Maßnahmen zubilligt, wo eine adäquate Ausstattung nottut. (Bernd Rheinberg, Salonkolumnisten)

Ich denke Rheinberg hat durchaus Recht, wenn er feststellt, dass Sicherheit ein wichtiges Thema ist. Es wurde ja von Kommentatoren hier im Blog auch schon darauf hingewiesen, dass die Rolle Otto Schilys als Innenminister ein unterschätzter Teil des Erfolgs der rot-grünen Koalition war. Ich denke aber, dass man vorsichtig sein muss, nicht einfach direkt das konservative Framing von Sicherheitspolitik zu übernehmen. Ich habe hier im Vermischten ja schon öfter darauf hingewiesen, dass „law and order“ und „rule of law“ keine identischen Konzepte sind. Progressive müssen daher das Spagat schaffen, die offene Flanke in der Sicherheitspolitik zu schließen, ohne in die Fälle authoritärer Framings zu verfallen. Das ist extrem schwer.

4) Im Klima-Lala-Land

Deswegen besteht eben kein Widerspruch zwischen kollektiver deklamatorischer Verzichtsbereitschaft und dem Befund, dass konkrete Vorhaben der Energiewende-Industrie auf massiven Widerstand stoßen. Denn erst, wer sich tatsächlich betroffen fühlt, sagt auch ehrlich, was er von der erneuerbaren Energiewirtschaft vor der eigenen Haustür hält. Da hierzulande die Mehrheit der Bevölkerung in Städten lebt, entscheiden auch urbane Mehrheiten über die Lasten, welche das Land zu tragen hat: „Acht von zehn Befragten äußern gegenüber dem Neubau einer Windkraftanlage ‚weniger große’ oder ‚gar keine‘ Bedenken: Schließlich bildet die repräsentative Umfrage ab, dass 75 Prozent der Deutschen in Städten leben und damit Windparks kaum direkt erleben“, kommentiert die „Welt“ dieses Gratis-Umweltbewusstsein. […] Statt aus der Forsa-Umfrage die große Energiewende-Affirmation herauszulesen, könnte man ihre Ergebnisse also auch kritisch interpretieren. Demnach sagen die Bürger nämlich eigentlich etwas anderes: Wasch mich, aber mach mich nicht nass; Energiewende-Projekte immer gerne – außer vor meiner Haustür; ich bin uneingeschränkt dafür, aber Gottseidank stellt sich diese Frage erst gar nicht für mich; Wohlfühl-Verzicht „fürs Klima“ ist prima, aber bitte nicht so ganz genau nachhaken. (Anna Veronika Wendland, Salonkolumnisten)

Ich finde Wendlands Empörung angesichts ihrer Erkenntnis der Heuchelei gut situierter Bürger in der Klimapolitik ebenso erheiternd wie befremdlich. Selbstverständlich gibt es diese Heuchelei. Politik funktioniert immer so, für alle. Solche Widersprüche sind in jeder Gesellschaft zentral. Das sieht man ja jedes Mal, wenn Leute sich für Steuersenkungen und Schuldenreduzierung aussprechen. Da ist in der Theorie immer jeder dafür, und wenn du dann konkrete staatliche Ausgabenposten streichen willst, die diese Leute betreffen, schreien sie alle auf. Diejenigen Wohlhabenden, die ständig vor der Schuldenlast warnen, sind ja auch nicht bereit mehr Steuern zu zahlen, um die Schulden loszuwerden; sie wollen ANDEREN Leuten die Leistungen kürzen.

Es sind IMMER die anderen, die man belasten will. In jeder demokratischen Gesellschaft. Deswegen ist es auch so quatschig, von der „Meinung der Bevölkerung“ zu sprechen, wenn man politische Maßnahmen kritisieren will. „Die“ Meinung der Bevölkerung gibt es nicht, weil die inhärenten Widersprüchlichkeiten immer erst zutagetreten, wenn es konkret wird. In einer Demokratie kann der Lösungsvorgang nur im pluralistischen Parteiensystem passieren, wo gewählte Repräsentanten einen Kompromiss finden. Immer. Frau Wendland kann daher ihre Überraschung vielleicht nun etwas besser einordnen.

5) Adieu Gedöns! Herzlich Willkommen im Klassenkampf

Aufstehen greift die Themen auf, welche die neue Linke vernachlässigt hat, ja, für überwunden hielt: Bei Aufstehen geht es um Klassenkampf, darum, denen da unten zu versprechen, dafür zu sorgen, denen da oben wegzunehmen, was ihnen nicht zusteht. Um Umverteilung, um die Anerkennung von Lebensleistungen, um Betriebsräte und Tarifverträge. Umweltschutz, die multikulturelle Gesellschaft, die Bedürfnisse von Minderheiten, sie spielen keine Rolle. Es geht um das, was für Marx der Hauptwiderspruch war: Der Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit. Der Rest? Als er noch Bundeskanzler war, nannte Gerhard Schröder (SPD) ihn einmal „Gedöns“. Wagenknecht weiß, dass mit der Forderung nach offenen Grenzen in den AfD-Hochburgen in Berlin-Marzahn, Essen-Katernberg und Gelsenkirchen kein Blumentopf zu gewinnen ist. Dort werden Flüchtlinge nicht als Bereicherung eines immer bunteren Deutschlands gesehen, sondern als Konkurrenten bei der Wohnungs- und Jobsuche. […] Bietet Aufstehen Lösungen? So wenig wie alle anderen populistischen Bewegungen. Es geht um Gefühle, nicht um den Verstand. Dass der Etat für Arbeit und Soziales mit 145,3 Milliarden Euro mehr als drei Mal so hoch ist wie der Etat der Bundeswehr, dass mitnichten nur, wie von Wagenknecht behauptet, der Wehretat steigt sondern auch die Ausgaben für Familien und Entwicklungshilfe, das Freihandel in den vergangenen Jahrzehnten dafür gesorgt hat, dass der Wohlstand weltweit gestiegen ist und Milliarden Menschen sich aus der Armut befreien konnten, all das interessiert Aufstehen nicht. „Verkürzte Kapitalismuskritik“ nennen intellektuelle Linke, was Wagenknecht und ihre Anhänger betreiben. Da Aufstehen die Sorgen der in den Dienstleistungsbranchen Beschäftigten zum Thema macht, wirkt die Klassenkampfrhetorik dadurch nicht verstaubt, sondern aktuell. Und könnte in den Arbeiterbezirken die AfD Stimmen kosten, die im kommenden Jahr mit Sozialpolitik zum nächsten Wachstumssprung ansetzen will. Und eine einfachen Weltsicht wird keine Ideen für eine immer komplexere Welt hervorbringen. (Stefan Laurin, Salonkolumnisten)

Die Theorie, dass die Linke nur progressive identity politics aufgeben und wieder klassische ökonomische Politik für die Unterschicht mache muss, habe ich oft gehört, bleibe aber sehr skeptisch, ob das zutrifft. Das Schicksal von #Aufstehen ist daher ein schöner Lackmustest für die Theorie, wie der Artikel ja implizit konstatiert. Gewinnt die Bewegung an Anhängern und Einfluss, können wir davon ausgehen, dass da was dran ist. Ich bleibe solange der Überzeugung, dass die politische Strömung als erste von links wieder Erfolge feiern können wird, die sowohl das Gedöns als auch den ökonomischen Populismus zu einem neuen, kohärenten Ganzen fassen kann. Das ist aktuell noch niemandem gelungen, und daraus erklärt sich meiner Meinung auch die aktuelle Schwäche der Linken.

6) Gehört ein Millionär zur Mitte?

Ist Friedrich Merz Millionär? Das kann, wenn ein gut verdienender Wirtschaftsanwalt die Volkspartei CDU übernehmen will, durchaus eine heikle Frage sein. Merz, der nach Medienberichten ein Haus am Tegernsee und zwei Flugzeuge besitzt, wand sich im Gespräch mit Bild-Lesern („Ich lebe in geordneten Verhältnissen“). Bis er doch einräumte, Millionär zu sein. Merz wollte diesen wuchtigen Begriff jedoch sofort relativieren: Er zähle sich zur „gehobenen Mittelschicht“, sagte er. Das war womöglich ein Fehler. „Herr Merz gehört nach jeder Definition zur oberen Oberschicht“, sagt der Soziologe Gerhard Bosch von der Uni Duisburg-Essen. Ein Mittelschicht-Single verdient 1300 bis 2700 Euro netto im Monat, rechnet Markus Grabka vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung vor. Bei einer vierköpfigen Familie zählt er Verdienste zwischen 2700 und 5700 Euro zur Mittelschicht. […] Ein mittlerer deutscher Haushalt besitzt nach Befragungen der Europäischen Zentralbank 60 000 Euro. Da sticht der Millionär Merz heraus. „Er gehört zu den obersten ein Prozent in Deutschland“, sagt Markus Grabka, der gut versteht, warum sich der CDU-Kandidat anders einordnet: „In Deutschland wirkt es auf durchschnittliche Wähler eher abschreckend, wenn sich jemand zur Oberschicht zählt.“ […] Daher überlegen sich mehr und mehr etablierte Parteien, wie sie die Mittelschicht stärken können; vielleicht auch bald CDU-Kandidat Friedrich Merz. Seinen Vorschlag, den Solidaritätszuschlag für alle abzuschaffen, hält Ökonom Grabka allerdings für grundfalsch: „Davon würden vor allem Besserverdiener wie Merz selbst profitieren.“ Grabka rät, nur die Mittelschicht zu entlasten – also nicht Millionäre. (SZ)

Friedrich Merz hat mit dieser Aussage in meinen Augen einen Riesenfehler begangen. Das Wort von der „Mittelschicht“ dürfte ihn, wenn seine politischen Gegner nicht völlig passiv sind, noch eine ganze Weile verfolgen. Merz ist ohnehin ein hervorragendes Aushängeschild für jeglichen Klassenkampf-Wahlkampf, da kann die SPD ihre alten Schlager von 2005 auspacken und ihn zu einem Paul Kirchhof 2.0 aufbauen. Da ihn Krampp-Karrenbauer in einem innerparteilich sicherlich cleveren Schachzug schon beauftragt hat, für sie eine Steuerreform zu erstellen, ist das für 2021 ein gesetztes Wahlkampfthema, egal ob Merz, AKK oder Spahn gewinnen.

Ich finde aber Merz‘ Einschätzung seiner selbst als „gehobene Mittelschicht“ auch aus einem anderen Standpunkt heraus interessant. Merz hat ja für sich den Ruf als „Finanzexperte“ aufgebaut (was nicht viel heißen muss, das hat Paul Ryan in den USA auch). Wenn aber ein Finanzexperte dermaßen danebenlangt, was die soziologische Einordnung von Ober- und Mittelschicht angeht, dann muss ich auch abseits des Wahlkampfs sehr skeptisch werden: Wie soll der Mann vernünftige Finanz- und Wirtschaftspolitik machen, wenn er offensichtlich eine Menge >1% der deutschen Bevölkerung als maßgeblich für seine Politik ansieht? Das muss doch selbst eher bessergestellten, konservativen Mitgliedern der Mittelschicht wie meinem Kollegen Stefan Pietsch zu denken geben, denn der fällt ja sicherlich nicht in die Zielgruppe Merz’scher Maßnahmen.

7) Funklochrepublik Deutschland

Die Wirtschaftsweisen der Bundesregierung haben in dieser Sache soeben ihre Gutachten 2018/2019 übergeben und damit bewiesen, dass ihre Weisheit noch immer dort ist, wo sie sie erlangt haben: im 20. Jahrhundert. Sie haben ernsthaft erklärt, Netzneutralität sei nicht so relevant und man solle den Glasfaserbau nicht bevorzugen, indem man die Versteigerungserlöse für die 5G-Lizenzen dort investiert. Das ist auf so vielen Ebenen bizarr. Unter anderem, weil die 5G-Zellen durch die hohen Frequenzen vergleichsweise klein sein müssen. Der Berliner 5G-Testlauf der Telekom zum Beispiel hat 400 Meter Reichweite. Und – Riesenüberraschung für die Wirtschaftsweisen – diese Masten brauchen meist eine Glasfaserverbindung. Ohne eine flächendeckende Glasfaser-Infrastruktur gibt es deshalb kein 5G. Ich muss mich korrigieren: nicht alle beratenden Gremien sind „überwiegend sachkundig“. […] Zurück zu Merkels 5G-Ansage, denn für den Erfolg dieser Technologie ist im Moment die Politik entscheidend, die Vergabe der 5G-Lizenzen steht vor der Tür. Merkels Unverschämtheit besteht aus einem Satz: „Deutschland hat sehr gute Erfahrungen mit der Frequenzversteigerung gemacht.“ Das erfordert entweder eine extrem innovative Definition von „gute Erfahrungen“ oder ist glatte Geschichtsklitterung. Zur Erinnerung: Finanzminister Eichel lachte breit in die Kameras, als er im Jahr 2000 sagenhafte 50 Milliarden Euro bei der Versteigerung der UMTS-Lizenzen erlösen konnte. Aus infrastruktureller Sicht hätte man weinen müssen, denn diese unfassbare Summe für ein Stück Papier mit Stempel musste von den Unternehmen ja wieder reingeholt werden. Einer der wichtigsten Gründe für das katastrophal schlechte Netz in Deutschland, sowohl im Boden wie auch per Funk, war genau diese Versteigerung. Unter dem wirtschaftlichen Druck, das Lizenzgeld wieder einzuspielen, verzögerten die Telkos neue Technologien, ließen die Preise so hoch wie irgend möglich und konzentrierten sich auf die Gegenden, in denen schnell Geld zu holen war. (SaschaLobo, SpiegelOnline)

Der Artikel ist neben den vielen anderen richtigen Beobachtungen darin für mich vor allem aus zwei Aspekten heraus interessant. Einmal sieht man wieder einmal den Flurschaden, den die Ideologie der „schwarzen Null“ anrichtet. Hans Eichel war schon eine schwere Flachpfeife in diesem Amt. Da steckt ja auch viel die Idee dahinter, durch das Verkaufen von Tafelsilber die Bilanz aufzubessern, was ja alles andere als nachhaltige Wirtschafts- und Finanzpolitik ist. Lobo weist zurecht darauf hin, dass diese Politik die Wirtschaft massiv belastete und die deutsche Infrastruktur nachhaltig beschädigte – nur dafür, dass Eichel ein Jahr lang einige Nachkommastellen weniger Neuverschuldung hatte. Großartig.

Ebenfalls unterschätzt werden die wirtschaftlichen Folgen für das flache Land. Einer der großen Erfolgsfaktoren des Wirtschaftsstandorts Deutschland ist ja gerade, dass er anders als etwa Großbritannien oder Frankreich dezentral ist, dass sich nicht alle Wirtschaftstätigkeit in einigen wenigen Ballungszentren konzentriert. Es sollte hoffentlich unstrittig sein, dass ohne Zugang zu Hochgeschwindigkeitsinternet in Zukunft kein Wirtschaftszweig mehr funktionsfähig sein wird, dass kein Unternehmen in Regionen neu investieren wird, die nicht Hochgeschwindigkeitsinfrastruktur haben. Das bedeutet, dass die deutsche Investitionsarmut den Stadt-Land-Gegensatz deutlich verschärft und damit auch die gesellschaftliche Spaltung. Und passend zu Fundstück 4 sind es gerade die Bewohner dieser Regionen, die die größten Hindernisse einer solchen Politik darstellen.

8) „Der feministische Einfluss auf die Bundeswehr ist groß“ – Interview mit Merith Niehuss

Niehuss: Die Atmosphäre war männlicher geprägt. Sie müssen sich die Offiziere so vorstellen: Sie sind nach dem Abitur in die Bundeswehr gekommen und leben dort schon in ihren Truppenverbänden zusammen. Sie kennen sich bereits von den Offiziersschulen. Sie kommen hier als Gruppen an. Manchmal studieren sie sogar das Gleiche. Diese Gruppenbildung rein männlicher Art ist durchbrochen worden durch die Frauen. […] Diversity, etwa Homosexualität oder Transgender oder andere Konzessionen wie Behinderungen, wird in vielen Institutionen nicht diskutiert und verfolgt als Thema. Homosexualität ist im Leistungssport tabu, ein absolutes Tabu. In der Bundeswehr nicht mehr. […] Es wird sehr oft geoutet. Wir haben ja nicht nur Beauftragte für Homosexualität in der Bundeswehr. Die Ministerin hat durch den Workshop „Sexuelle Orientierung und Identität in der Bundeswehr“ vom 31. Januar 2017 alle Personen sich outen lassen, die sich outen wollten. Das war ein ganz bemerkenswerter Tag in Berlin, an dem viele Transgender-Personen, auch im Offiziersrang, und ganz viele Homosexuellengruppen aufgetreten sind. Die haben sich sehr gefreut, dass mit ihnen normal umgegangen wird. Die Bundeswehr geht damit um.

WELT: Ist es nicht bitter, dass es in der Truppe extra eines solchen Tages bedarf, damit sich Soldaten outen können?

Niehuss: Das ist richtig, ja. Sehen Sie sich aber mal bitte die anderen Männerhorte an. Die Bundeswehr von heute ist keine reine Männerdomäne mehr. Die Frauen, die jetzt da sind, sitzen nicht nur ihre Zeit ab, sondern bringen sich auch aktiv ein. Wir sind jetzt ein ganzes Stück weitergekommen. (Die Welt)

Ich lass das mal hier für diejenigen die der Überzeugung sind, dass das Propagieren sozialen Wandels, entsprechende Politik und identity politics ganz generell keine positiven Effekte haben könnte. Wie in so vielen anderen Bereichen auch braucht es solche Maßnahmen, um Institutionen zu verändern (die Frauenquote und so was spielen da ja auch mit rein), und die Institutionen verändern wiederum diejenigen, die in ihnen wirken. So ist hier die Hoffnung, dass eine neue Generation Soldaten heranwächst, die deutlich entspannter mit Diversity umgeht. Und das von Niehuss monierte Fehlen solcher Maßnahmen im Spitzensport sieht man an der dort grassierenden Homophobie und immer noch praktizierten strikten Geschlechtertrennung selbst im Schach. Von daher: Sag Ja zu identity politics. Sie verändern wirklich. Und ich glaube, die Konservativen wissen das, und bekämpfen sie gerade deswegen so vehement.

9) Why Democrats‘ gains are more impressive than they appear

But Democrats faced formidable structural disadvantages, unlike any in recent memory. Take those into account, and 2018 looks like a wave election, like the ones that last flipped the House in 2010 and 2006. […] Democrats had so few opportunities because of partisan gerrymandering and the tendency for the party to win by lopsided (and thus inefficient) margins in urban areas. It gave Republicans a chance to survive a hostile national political climate that would have doomed prior parties. By some estimates, Republicans could have survived while losing the popular vote by nearly a double-digit margin. The Democratic geographic disadvantage was even more significant in the Senate this cycle. There, Democrats were defending 10 seats carried by the president, including five that he won by at least 18 points. […] As a whole, the House Democratic candidates overcame all of these disadvantages. They are on track to win more seats than Democrats did in 2006, with far fewer opportunities. They even managed to win more seats in heavily Republican districts than the Republicans managed to win in heavily Democratic districts in 2010. Democrats pulled it off with an exceptionally deep and well-funded class of recruits that let the party put a very long list of districts into play. In prior years, the party in power wouldn’t have even needed to vigorously contest many of these races. (Nate Cohn, New York Times)

Für die Unbelehrbaren, die immer noch der Überzeugung sind dass es 2018 keine blue wave gegeben hätte, hier aus dem Mund von Nate Cohn aus der New York Times. Bedenkt man die strukturellen Nachteile, denen die Democrats gegenüberstanden, sind ihre Gewinne beziehungsweise die Begrenzung ihrer Verluste mehr als bemerkenswert. Zum Vergleich: Die Democrats verloren in der historischen Niederlage 2010 24,61% ihrer Sitze. Die Republicans verlieren dieses Jahr mindestens 15,74% ihrer Sitze; in der als eindeutig als blue wave klassifizierten Midterm-Wahl 2006 verloren die Republicans dagegen „nur“ 13,10% ihrer Sitze. Woher der Unterschied? Der vorherige Erfolg. Die Democrats verteidigten 2010 die gigantische Zahl von 256 Sitzen; hohe Sockel ermöglichen hohe Fälle. Die Republicans verteidigten 2006 nur 229 Sitze; dieses Jahr verteidigten sie 235 Sitze. Die Democrats waren dieses Jahr also marginal erfolgreicher als 2006 und marginal weniger erfolgreich als ihre Gegner 2010 – eine Welle aber war es in jedem Fall.

10) Democrats can help the Mueller investigation. They can also make things a lot worse.

Holding public hearings with people who are in Mueller’s orbit could still cause problems for the special counsel, according to Katy Harriger, a political science professor at Wake Forest University who studies the history of independent counsel investigations. “There’s this perennial tension between congressional investigations and special prosecutors because Congress’s goal is to shed light on everything, while it’s much better for Mueller to keep what he’s doing secret until he issues his indictments,” she said. So far, Mueller has been extremely successful at keeping the details of his investigation quiet. Reporters track the comings and goings of witnesses at his grand jury, but the details of what Mueller has learned and his overall strategy remain a mystery to observers, including the people who may be implicated. But public hearings could change this dynamic completely, allowing witnesses to coordinate with each other about the story they’re telling investigators. Congressional hearings could also produce testimony that conflicts with Mueller’s findings. […] But if history is any indication, Mueller might want to brace himself for unwanted interference. “The Democrats will want to tread carefully, because we’ve had a long history of congressional investigations that were at cross-purposes with independent counsel investigations,” said Rosenzweig. However, legal experts like Rosenzweig say that there are many avenues that House Democrats can pursue that won’t step on Mueller’s toes, like investigating whether Russia has leverage over Trump’s financial interests. In the end, if Democrats don’t want to disturb or undermine Mueller’s work, the best course of action might be the simplest (and one they’ve advised Trump to take many times over the past 18 months): Leave Mueller alone. (Amelia Thompson-DeVaux, 538)

Die Democrats bewegen sich hier wahrlich auf dünnem Eis. Ich würde der Schlussfolgerung des Artikels durchaus zustimmen und sagen, die Democrats sollten auf prominente Zeugenbefragungen verzichten. Nach meinem Dafürhalten wären Trumps Steuererklärungen Ziel Nummer eins. Das hätte schon im Wahlkampf 2016 erzwungen werden müssen, war aber wegen der Mehrheitsverhältnisse nie möglich. Das gibt dann auch die nötigen klassenkämpferischen Ansätze für 2020. Die Frage ist, ob die Democrats das nötige politische Fingerspützengefühl beweisen werden.

11) Russland ist der Dschungel, Amerika ist nur das Dschungelcamp

Es ist niemandem geholfen, wenn der Werterelativismus Einzug hält und die elementaren Unterschiede zwischen pluralistischen Gesellschaften und Autokratien übersehen werden. Die Probleme, die ihre amerikanischen Kollegen haben, hätten die russischen Journalisten gerne. Umgekehrt trifft das nicht zu. Auch aus Respekt vor der Arbeit von Journalisten in Staaten wie Russland, die oft persönliche Bedrohungen erfahren und zum Teil mit ihrem Leben bezahlen, sollten solche Gleichsetzungen unterbleiben. Putin ist ein Autokrat, Trump ein demokratisch legitimierter Politiker, dem der Wähler Macht auf Zeit verliehen hat, die er nach spätestens acht Jahren wieder verlieren wird. Die amerikanische Verfassung, die Opposition, die Medien und Gerichte achten darauf, dass niemand aus den USA ein zweites Russland mit Disney World macht. Ach ja, und daneben auch noch die Amerikaner selbst, die sich nicht von der Queen losgesagt haben, um sich einem Zaren anzuschließen. Der Unterschied zwischen Russland und den USA ist der Unterschied zwischen dem Überlebenskampf im Dschungel und der Teilnahme am Dschungelcamp – und dieser Unterschied bleibt auch dann bestehen, wenn über dem Camp Wolken aufziehen. (Gideon Böss, Salonkolumnisten)

Böss hat absolut Recht, wenn er betont, dass die Verhältnisse in Russland wesentlich schlimmer sind als in den USA und selbige gerade wenig Anzeichen zeigen, in diese Richtung zu degregieren. Aber: ich wäre vorsichtig damit, nur mit dem Status Quo einfach jegliche solche Gefahr abzubügeln. Das beständige Warnen und Gegenhalten sind essenzielle Grundvoraussetzungen dafür, dass die Freiheit erhalten bleibt. Es ist ja immer das Paradox, dass gerade das Warnen und Gegenhalten dazu führt, dass die Befürchtung nicht eintritt, was dann vorwitzige Elemente, die sich an diesem mühsamen und aufreibenden Prozess nicht beteiligt haben, zu der überheblichen Überzeugung verleitet, die Gefahr habe nie bestanden.

{ 104 comments… add one }
  • CitizenK 19. November 2018, 09:23

    Schon mal zu 2: Kurt Beck wurde damals von links (und jetzt auch von Dir) unfair angegangen. Wenn ich den Aufwand betrachte, die schon Jugendliche für ihre „Bewerbungsmappe“ betreiben müssen, dann ist ein ungepflegtes Äußeres tatsächlich ein großes Hindernis bei der Jobsuche.

    • Stefan Sasse 19. November 2018, 10:30

      In der Sache bin ich voll bei Beck, ich fand den anderen Typen damals in seiner Anspruchshaltung schon unsympathisch. Aber wie wir wissen ist nicht alles, was sachlich korrekt ist, immer etwas, das man so laut aussprechen sollte, und im Aussprechen von Wahrheiten gibt es stilistische Unterschiede. Beck hat damals als Vorsitzender einer Partei, die ein massives Wahrnehmungsproblem damit hatte, dass man ihr soziale Kälte und Ignoranz vorwarf, dieses Problem nicht eben kleiner gemacht. Es war sehr ungeschickt von ihm – egal wie korrekt die Aussage gewesen sein mag.

      • CitizenK 19. November 2018, 10:47

        Wäre das in den Medien so rübergekommen, einverstanden.

        • Stefan Sasse 19. November 2018, 12:12

          Wie meinen?

          • CitizenK 19. November 2018, 12:48

            Die Medien, auch die linken und linksliberalen, haben Beck für seine mangelnde Empathie hart kritisiert. Hätten sie differenziert wie du, wäre ich einverstanden gewesen. So fand ich die Kritik an Beck ungerecht.

            • Stefan Sasse 19. November 2018, 14:53

              Ob jemand Empathie hat oder nicht ist halt schwierig zu wissen, ich kann nur wissen, was derjenige zeigt. Und Beck hat sich bewusst empathielos gegeben, wohl weil er dachte, dass das gut rüberkommen würde. Aber diese politische Instinktlosigkeit teilt er ja mit Müntefering, Steinbrück et al.

    • Floor Acita 20. November 2018, 18:49

      Das Problem das die Leute mit Beck damals hatten war glaube ich weit weniger auf die konkrete Situation bezogen, sondern auf die Implikation gepflegtes Äusseres = guter Job.

      Wenn Emotion ins Spiel kommt, dann meist nicht wegen anderen, sondern weil sich Menschen vergleichen. Wenn ich mir jetzt vorstelle, ich hätte 100 Bewerbungen geschrieben und eine Absage nach der Anderen erhalten und „ich bin gepflegt, ich bin rasiert, ich reiss mircden A… auf“ aber es gibt nun mal aus Strukturgründen keine Arbeit. Und jetzt schalte den TV ein und da steht der manchmal selbst ungehobelt wirkende Bartträger Kurt Beck, Vorsitzender der Partei die das eigentlich verstehen sollte, der für Veränderungen auf diesem Gebiet kämpfen sollte, von dem ich mir Unterstützung erhoffe und muss erleben wie er mit dieser Tatsache konfrontiert anstatt die Frustration anzuerkennen und sich „zu kümmern“ nur Platitüden auf (aus 2018 Sicht) Jordan Peterson Niveau absondert … ja, da kann ich schon verstehen warum das Leute auf die Palme gebracht hat…

  • R.A. 19. November 2018, 12:06

    2) Meine Bedenken gegen die Methodik dieser Studie muß ich nicht näher ausführen – gerade in diesem Bereich sind die USA und Deutschland so unterschiedlich, daß sich Erkenntnisse nicht übertragen lassen.
    Und die Auflagen (zumindestens in Deutschland) greifen ja ohnehin nur, wenn Jobs vorhanden sind – damit geht das Konjunkturelement in die Leere.

    „ordoliberale Ideen von Preis und Nachfrage werden da ja ausgehebelt. “
    Das Marktprinzip wird in erster Linie durch die Sozialleistungen selber ausgehebelt. Die möglichen Sanktionen sind nur ein Mittel, um wenigstens ein Minimum an Marktwirkung zu behalten.

    3) Es gibt eine Meme aus der AfD-Ecke, das zeigt eine Frau einsam nachts im Park mit der Unterschrift: „Dieser Moment, wenn man plötzlich Angst vor Rechtspopulisten hat“. Das trifft wohl ziemlich wirksam einen zentralen Argumentationswiderspruch vieler Linker. Und man wird AfD und Konsorten nicht kleinkriegen, wenn man keine Antworten in der Sicherheitsfrage hat.

    4) Wie schon der große Liberale Bastiat sagte:
    „L’État c’est la grande fiction à travers laquelle tout le monde s’efforce de vivre aux dépens de tout le monde.“
    https://de.wikiquote.org/wiki/Fr%C3%A9d%C3%A9ric_Bastiat

    7) „Einmal sieht man wieder einmal den Flurschaden, den die Ideologie der „schwarzen Null“ anrichtet. “
    Der wirklich schlimme Flurschaden entsteht dann, wenn man auf die schwarze Null verzichtet und per Schulden Lasten in die Zukunft verschiebt. Genau das war nämlich auch hier die Vorgeschichte. Man hätte ja problemlos (und mit schwarzer Null) die Frequenzen ohne Versteigerung vergeben können. Wenn nicht in den Jahrzehnten vorher so verantwortungslos die Milliarden verpulvert worden wären.

    • Stefan Sasse 19. November 2018, 12:23

      2) Das hält die ja im Zweifel nicht auf, wie abertausende erfolgreicher Einsprüche zeigen.
      3) Stimme ich dir durchaus zu. Aber die AfD zu kopieren und auf Ressentiments gegen Ausländer zu setzen halte ich nicht für zielführend.
      4) Deine Ideologie sei dir unbenommen.
      7) Das Argument bringt ihr IMMER, egal um was geht. Ein Argument, das immer gültig sein soll, ist ein Argument, das nie gültig ist.

      • Erwin Gabriel 19. November 2018, 13:55

        Stefan Sasse 19. November 2018, 12:23

        zu 7) / Schwarze Null

        Das Argument bringt ihr IMMER, egal um was geht. Ein Argument, das immer gültig sein soll, ist ein Argument, das nie gültig ist.

        Ja, ja, Geld muss nicht erwirtschaftet werden, sondern es kommt einfach aus der Wand.

        Fass Dich lieber an Deine eigene Nase: Das Thema Schuldenabbau lehnst Du IMMER ab, egal, wie hoch die Einnahmen sind, dito …

        Wenn der Staat in schlechten Zeiten Schulden mach, um etwa die Konjunktur anzukurbeln, mag das ja angehen. Aber in der Konjunktur, die wir seit Jahren haben, schwimmt der Staat schon durch die Steuereinnahmen dermaßen im Geld, dass es für Infrastrktur, soziale Gefälligkeiten etc locker reicht, und man trotzdem noch Schulden abbauen könnte. Wenn Dir die Leistungen des Staates nicht reichen, schau halt nach, wo verschwendet wird, und stell‘ das ab.

        Bei den derzeitigen Umständen die sozialen Ausgaben über die enormen Steuerzuwächse hinaus immer höher zu drehen, ist hirnrissig. Denn wenn es mal schlechter läuft, steigt der Bedarf an Sozialhilfe etc dramatisch an, während die Steuereinnahmen einbrechen. Wer akzeptiert dann, dass die Schraube wieder zurückgedreht wird?

        Du sicherlich nicht. Dann geht es wieder mal gegen die „Reichen“.

      • R.A. 20. November 2018, 09:13

        3) Absolut. Ich fand es nur bemerkenswert, wie gut dieses Meme trifft. Ansonsten muß man andere Antworten geben als die AfD – aber eben durchaus auf dieselben Fragen.
        4) War doch nur eine Bestätigung Deines Texts 😉
        7) „egal um was geht.“
        Nein. Das Argument bringen wir nur, wenn es Staatskonsum auf Pump geht.

  • Stefan Pietsch 19. November 2018, 13:45

    ad 2
    Die Zahl der Hartz-IV-Empfänger steigt und sinkt mit der Konjunktur, und wenn es keine Arbeit gibt, dann bringt auch ein entsprechender Zwang wenig.

    Leider schreibst Du ohne Sachkenntnis, womit Deine Schlussfolgerungen dann ebenfalls falsch sind. In Deutschland fällt und steigt die Zahl der Hartz-IV-Empfänger eben nicht analog dem Konjunkturverlauf. Wir haben hierzulande Arbeitslose erster und zweiter Klasse. Und dass das so ausgeprägt ist, daran haben Linke mit ihrem Wohlfühlmantra einen geschüttelten Anteil. Arbeitslose erster Ordnung finden binnen Wochen oder zumindest Monaten eine neue, gleichwertige Stelle. Diese Gruppe muss, so hat der letzte Konjunktureinbruch 2008 / 2009 gezeigt, nicht mal mehr fürchten, überhaupt zum Arbeitsamt gehen zu müssen, weil die Angst der Unternehmen so groß geworden ist, im späteren Aufschwung eben dieses qualifizierte Personal nicht mehr zu finden.

    Arbeitslose der unteren Kategorie waren immer die Hätschelgruppe der Linken. Neben geringer Qualifikation mit mehreren Handicaps ausgestattet, war es stets das höchste Anliegen, es diesem Personenkreis in der Arbeitslosigkeit so bequem wie möglich zu machen. Sogenannte Qualifizierungsprogramme verdeckten nur das Bestreben, mit vielen Sonderzahlungen das Transferentgelt aufzupeppen. Echtes Interesse, diese Menschen in den Arbeitsmarkt zu bringen, besteht nicht. Denn das hieße, an den Arbeitshindernissen zu arbeiten. Ein Mittel dazu sind Druck und Zwang, wie sie in den skandinavischen Ländern und den Niederlanden ausgeübt werden.

    Denn das ist das, was Linke nie erklären können: Deutschland mit einem der begehrtesten und geräumtesten Arbeitsmärkten in der OECD hat gleichzeitig eine der höchsten Sockelarbeitslosigkeiten der Erde. Auf der einen Seite findet sich für viele Unternehmen längst kein qualifiziertes Personal mehr, auf der anderen Seite stehen Millionen, die seit 9 Jahren und mehr nicht oder gar noch nie gearbeitet haben. Deutschland hat ein Problem mit einem bestimmten Personenkreis und das liegt an der Ausgestaltung unseres Sozial- und Fürsorgesystems.

    • Stefan Sasse 19. November 2018, 14:54

      Ja, so sind wir Linken. Saboteure des Staates, entweder aus ideologischer Verblendung oder Sentimentalität. Zum Glück haben wir beinharte Realisten wie dich.

    • popper 19. November 2018, 15:11

      Einer behaupteten Unkenntnis freihändigen Unsinn entgegenzusetzen, trägt ebenso wenig zu einer validen Sachklärung bei. Zumal, wenn sie zu hundert Prozent aus persönlicher Meinung besteht. Die größten Transferempfänger pro Arbeitslosen sind die Unternehmen, denen man goldene Brücken baut, damit sie temporäre Beschäftigungsverhältnisse mit hoher Fluktuationsmechanik anbieten. Wenn die Zeitspanne der Tranferleistung ausläuft, beendet man das Beschäftigungsverhältnis und beginnt mit dem Nächsten einen Transferzyklus. Würden Sie tatsächlich ernsthaftes Interesse für den betroffenen Personenkreis zeigen, kämen nicht permanent ihre erkenntnisfernen Vorurteile zum tragen. Dass ein Mensch mit angeblicher Sachkenntnis ein derart menschenverachtendes Zwangssystem zu rechtfertigen sucht, muss wirklich alles leugnen, was mittlerweile sogar die UNO in ihrem Bericht anmahnt.

      • Stefan Pietsch 19. November 2018, 15:48

        Die größten Transferempfänger pro Arbeitslosen sind die Unternehmen, denen man goldene Brücken baut, damit sie temporäre Beschäftigungsverhältnisse mit hoher Fluktuationsmechanik anbieten.

        Worin sollte der Sinn liegen? Zeitarbeiter haben in Deutschland einen schlechten Ruf. Zu Recht, wenn man sich als Praktiker die Qualität der vermittelten Arbeitskräfte anschaut. Qualität weit unterdurchschnittlich, Motivation weit unterdurchschnittlich, Preis überdurchschnittlich. Das ist das, was ein gemeines Unternehmen von Zeitarbeitsfirmen bekommt. Der einzige Grund, doch auf solche Dienstleistungen zurückzugreifen, ist die Flexibilität.

        Nur sind das nicht die Leute, von denen ich schrieb und welche die deutsche Statistik der Langzeitarbeitslosigkeit so ruinieren. Ein gewichtiger Teil, meiner Erinnerung nach über ein Drittel, ist noch nie einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgegangen. Tatsächlich ist die Gruppe der Langzeitarbeitslosen ziemlich verfestigt, 12% im Jahr gehen rein, etwas mehr raus. Da ist ein ziemlich großer harter Kern, fern jeden Arbeitsmarktes und fern des realen gesellschaftlichen Lebens.

        • Stefan Sasse 19. November 2018, 18:06

          Zeitarbeitsfirmen haben einen ziemlich schlechten Ruf. Zu Recht, wenn man sich als Praktiker die Qualität der vermittelten Arbeitsverhältnisse anschaut. Qualität weit unterdurchschnittlich, Preis unterdurchschnittlich, Sicherheit nicht gegeben, oft genug Betrug…

          • Stefan Pietsch 19. November 2018, 20:59

            Welche Sicherheit meinst Du? Zeitarbeitsfirmen sind ein Kind des Rechtsrahmens. Deutschland legt viel Wert auf einen ausgebauten Kündigungsschutz. Arbeitsverhältnisse können nicht einfach wegen schlechter Leistung oder Unfähigkeit beendet werden und auch die Möglichkeiten, für Auftragsspitzen wie einfache Sonderaufgaben (Lager aufräumen, Sonderreinigungen u.ä.) Personal zeitlich eng befristet rekrutieren zu können, sind sehr begrenzt. Im Grunde zahlen Leiharbeiter den Preis für die Bequemlichkeit der alten Belegschaften. Wenn Du das nicht willst – ändere das Arbeitsrecht.

            Wieso schlecht bezahlt? Leiharbeiter erhalten trotz schlechterer Leistungen und Qualifikation den Lohn beim Leihbetrieb. Was hast Du Dir denn vorgestellt?

            • Stefan Sasse 20. November 2018, 05:50

              Leiharbeiter leben wegen ständiger Unsicherheit prekär. Dass das nicht attraktiv ist ist ja wohl klar. Zudem erhielten sie jahrelang sehr schlechte Bezahlung. Was beides für die Qualität der Angestellten bedeutet muss ich dir als Marktwirtschaftler hoffentlich nicht erklären.

              • R.A. 20. November 2018, 09:16

                „Leiharbeiter leben wegen ständiger Unsicherheit prekär.“
                Jein.
                Es gibt Branchen (insbesondere EDV), da werden Leiharbeiter sehr gut bezahlt und brauchen sich keine Sorgen wegen Unsicherheit zu machen.

                Meine persönliche Erwartung ist, daß die klassischen Dauerarbeitsplätze ohnehin keine Zukunft haben. Aufgabe der Politik sollte nicht sein, die immer mehr bröckelnde alte Arbeitswelt festzubetonieren. Sondern Wege zu finden, daß man auch mit wechselnden Aufgaben und Arbeitgebern ausreichend Sicherheit und Lebensstandard haben kann.

                • Stefan Sasse 20. November 2018, 10:39

                  Um die Branchen geht es ja aber nicht, weil Leute, die sich eine Sorgen machen müssen und gut bezahlt sind stellen nicht die unmotivierte Unterschicht, die Stefan kritisiert hat.

                  Und ich hoffe du hast Unrecht. ^^

              • Stefan Pietsch 20. November 2018, 13:29

                Der Großeteil der Leiharbeiter war zuvor (länger) arbeitslos. Ist das auch unsicher? Nochmal: Leiharbeiter zahlen den Preis des hohen Kündigungsschutzes.

                Interims Management ist auch Zeitarbeit. Um diese Leute und ihre Jobunsicherheit sorgst Du Dich aber nicht. Auch nicht um die der Kleinunternehmer. Warum diese Einseitigkeit? Deine Argumente gelten schließlich für alle.

                Natürlich ist mir klar, warum die Qualität oft schlecht ist. Dein Argument war jedoch, Leiharbeit sei günstig für Unternehmen. Das war sie nie.

                • Stefan Sasse 20. November 2018, 14:57

                  Naja, da lässt du schon einiges aus. Leiharbeiter waren nicht günstiger als der jeweils günstigste eigene Mitarbeiter, aber sie sparten eine Menge Opportunitätskosten, weil die Leiharbeiter ja nur Anspruch auf ein vergleichbares Grundgehalt, nicht aber auf die zahlreichen Zusatzleistungen etc. haben. Anders als du hatte ich während der Hochzeit der Leiharbeit in den 2000ern tatsächlich eine ganze Menge Arbeitserfahrung in richtig echten Produktionsbetrieben sammeln können, und wo immer Leiharbeiter waren, hatten die a) weniger Gehalt, und zwar deutlich und b) einen deutlich schlechteren Status als die Stammbelegschaft. Ging uns als Ferienjobbern und Werksstudenten aus verwandten Gründen ja ähnlich.

      • Erwin Gabriel 21. November 2018, 23:20

        @ popper 19. November 2018, 15:11

        Die größten Transferempfänger pro Arbeitslosen sind die Unternehmen, denen man goldene Brücken baut, damit sie temporäre Beschäftigungsverhältnisse mit hoher Fluktuationsmechanik anbieten. Wenn die Zeitspanne der Tranferleistung ausläuft, beendet man das Beschäftigungsverhältnis und beginnt mit dem Nächsten einen Transferzyklus.

        Wenn ich die Leute in den Jobs wie Oberhemden wechseln kann, was bedeutet, dass das Individuum keinen Unterschied am Ergebnis bringt, scheinen die Anforderungen an den Job nicht so hoch zu sein. Wenn der Typ, den ich über Zeitarbeit einkaufe, wirklich toll und produktiv wäre, würde ich ihn fest einstellen.

        Ist nur meine subjektive Wahrnehmung

        • Floor Acita 22. November 2018, 12:18

          Ich nehme an, dass wir deshalb damals Auszubildende nicht übernommen, intern aber weitergeführt, nach 2 Wochen ein Angebot über die 100% Tochter / Leiharbeitsfirma gemacht um sie dann auf diesem Weg auf dem selben Arbeitsplatz wieder eingesetzt haben – weil wir dachten sie machen keinen guten Job? Nicht etwa um Urlaubs- und Weihnachtsgeld zu sparen…

          Das ist nur ein Minimalbeispiel wie mit Hartz 2 Schindluder getrieben wurde. Der erklärte Anlass war schliesslich den Unterschied zwischen selbständig und scheinselbständig zu verwischen… Massenhaft 1 Mann Unternehmen die das Gleiche gemacht haben wie abhängig Beschäftigte zuvor waren also eine weitere Folge…

          • Stefan Pietsch 22. November 2018, 13:51

            Nach Ihrer Argumentation ist auch das Steuerrecht sinnlos, weil es viele gerade zum Betrug und Umgehung einlädt. Ein wesentliches Argument umschiffen Sie mit Ihrem Hinweis, wie Sonderzahlungen vermieden werden können. Gibt allerdings noch andere Möglichkeiten dazu, das ist kein spezielles Argument Pro oder Contra Leiharbeit.

            Der Großteil der Leiharbeiter war zuvor (länger) arbeitslos. Das ist der Punkt, wo so viele herumschiffen. Ist es gesellschaftlich wirklich besser, diese Menschen arbeitslos zu belassen, wenn sie nicht gleich den Topjob bekommen? Leute wie Ralf beantworten diese Frage mit einem eindeutigen Ja. Also, bevor jemand schlecht verdient unter schlechten Arbeitsbedingungen – was auch immer das heißen mag – soll er gar nicht verdienen und im Einkommen noch schlechter dastehen. Ich halte das keineswegs für sozial.

            Fragen Sie bei Amadeus Fire und anderen Leiharbeitsfirmen an, was die für eine gleichgerichtete Qualifikation verlangen. Sie werden staunen, die dort verlangten Stundensätze liegen ungefähr ein Dreifaches über dem Stundensatz Ihrer besseren Leute in dem jeweiligen Bereich. Und dann gehen Sie in die Annual Reports dieser Unternehmen und Sie werden feststellen, die verdienen sich keine goldene Nase. Damit hätte sich das Argument der Lohndrückerei und der Profitgier erledigt.

            Leiharbeitskräfte markieren den unteren Rand der Qualifikationspyramide in den meisten Professionalitäten. Wäre das nicht so, wären sie entweder fest angestellt oder würden als Freelancer überdurchschnittlich verdienen. Und auf den unteren Bereich eines Angebots greifen Unternehmen nur dann zurück, wenn alle anderen Formen sich als unwirtschaftlich oder sonst nicht tragfähig herausgestellt haben.

            Die Versuche Anfang der Nullerjahre, Scheinselbständigkeit auszuschließen, hatten dazu geführt, dass gut bis bestens verdienende Selbständige um ihre Existenz fürchten mussten. Tatsächlich sortieren sich längst Spezialisten um Weltkonzerne herum, die ihre Leistungen selbständig, aber auch zu sehr hohen Preisen anbieten. Diese Menschen werden alles andere als ausgebeutet und bedürfen nicht des staatlichen Schutzes.

          • Erwin Gabriel 23. November 2018, 14:39

            @ Floor Acita 22. November 2018, 12:18

            Das ist nur ein Minimalbeispiel wie mit Hartz 2 Schindluder getrieben wurde. …

            Das mag sein, dass es Firmen gibt, die damit Schindluder betrieben haben, das will ich gar nicht bestreiten. Aber das gilt für jedes Gesetz: dass es nicht jeden Fall abdecken kann. Es gibt ja auch Steuerhinterzieher oder Sozialbetrüger; deswegen Steuern oder Sozialhilfe abzuschaffen, wäre der falsche Weg.

            • Floor Acita 24. November 2018, 07:13

              Ich hatte ja nur auf Ihre Aussage geantwortet, kompetente, „toll und produktiv“e Leute würden fest eingestellt, ich hatte keine statistischen Angaben gemacht.

              Interessanter finde ich, dass Sie jetzt nach Stefan Pietsch ebenfalls das Argument bringen „Es gibt ja auch Steuerhinterzieher oder Sozialbetrüger; deswegen Steuern oder Sozialhilfe abzuschaffen, wäre der falsche Weg.“ Interessant nicht deswegen weil mein Beispiel eine Anwendung der Gesetzeslage dargestellt hat und damit per Definition keinen Betrug. Nein, interessant deswegen, weil die tatsächliche Steuerdebatte eigentlich ganz anders verläuft. Da wird Steuerbetrug schonmal als „normative Kraft des Faktischen“ verkauft und darauf hingewiesen, dass Steuergesetze unnötig seien, da sie nichts bringen, ähnlich verläuft die Argumentation wenn es um Umweltschutzgesetze geht. Und gerade bei Sozialhilfe wird regelmässig von konservativer Seite auf Betrug verwiesen… Stefan Sasse scheint mit seiner Annahme konservativer identity politics nicht ganz falsch zu liegen…

              • Erwin Gabriel 24. November 2018, 11:42

                @ Floor Acita 24. November 2018, 07:13

                Ich hatte ja nur auf Ihre Aussage geantwortet, kompetente, „toll und produktive“ Leute würden fest eingestellt, ich hatte keine statistischen Angaben gemacht.

                Deswegen entkräftet Dein Beispiel meine allgemeine Aussage nicht.

                weil mein Beispiel eine Anwendung der Gesetzeslage dargestellt hat und damit per Definition keinen Betrug.

                OK, den Punkt habe ich übersehen; mein Argument sticht also nicht.

                Wenn wir statt „Steuerhinterziehung“ „Ausnutzung von Steuerschlupflöchern“ und statt „Sozialbetrug“ auf „unnötiges Abgreifen von sozialen Leistungen“ gehen, passt es besser.

                Der dahinterliegende Gedanke, dass es quer durch die Gesellschaft immer wieder Leute gibt, die ein gut gemeintes Gesetz für sich ausnutzen, was der Intention der Gesetze keinen Abbruch tut, bleibt aber gültig.

              • Erwin Gabriel 24. November 2018, 11:45

                Da wird Steuerbetrug schon mal als „normative Kraft des Faktischen“ verkauft …

                Und gerade bei Sozialhilfe wird regelmäßig von konservativer Seite auf Betrug verwiesen.

                Steuerbetrug gibt es von links und rechts, von grün, gelb und blau; da entscheidet nicht die politische Ausrichtung, sondern eher die Gelegenheit (und Schwächen in der Persönlichkeit). Ich kenne viele Konservative, mit der Auslegung der Steuergesetzgebung (und erst recht mit der Verwendung „ihres“ Geldes) so ihre Probleme haben. Ich kenne niemanden, der Steuerbetrug gut heißt. Steuerbetrüger gelten als „Betrüger“ bei rechts oder links.

                Bei Sozialhilfebetrug ist das nicht viel anders. Ausschlaggebend sind auch hier Gelegenheit und Persönlichkeit, nicht die politische Ausrichtung. Und von der breiten Bevölkerung, ob politisch rechts oder links, wird auch das als „Betrug“ eingestuft.

                … Stefan Sasse scheint mit seiner Annahme konservativer identity politics nicht ganz falsch zu liegen…

                Natürlich gibt es konservative identity politics. Früher nannte man das „Werte“, und es wurde nicht aus Prinzip abfällig darüber geurteilt. Das gibt es natürlich auch auf linker Seite, selbst wenn die Werte heute deutlich moralisierender vorgebracht werden.

                Aber Dein Beispiel ist ein schlechtes Beispiel dafür, weil der allergrößte Teil der Bevölkerung, ob politisch links, mittig oder rechts eingestellt, Sozial- und Steuerbetrug gleichermaßen verurteilt.

                • Stefan Sasse 24. November 2018, 12:22

                  Natürlich gibt es konservative identity politics. Früher nannte man das „Werte“, und es wurde nicht aus Prinzip abfällig darüber geurteilt. Das gibt es natürlich auch auf linker Seite, selbst wenn die Werte heute deutlich moralisierender vorgebracht werden.

                  HAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHA

    • Blechmann 20. November 2018, 18:58

      Die skandinavischen Länder sind anders als Deutschland solidarische Gesellschaften. Da werden Arbeitslose anständig bezahlt und ihre Kinder nicht auf die Hauptschule geschickt. Weiß nicht, ob die als positives Beispiel für liberalistische Politik taugen. Wenn Deutschland ein Problem mit einem „bestimmten Personenkreis“ hat, so verfügt es doch auch über reiche historische Erfahrung wie man „problematische Personenkreise“ mit Menschen zweiter Ordnung entsorgen kann. Allerdings muss man zugeben ist die Linke auch da schon als Störenfried aufgetreten. Das Problem ist wie immer die Machtfrage.

  • Erwin Gabriel 19. November 2018, 14:17

    6) Gehört ein Millionär zur Mitte?

    … Merz … zähle sich zur „gehobenen Mittelschicht“…

    Da hätte ich ihn auch verortet. Ihm geht’s gut, er lebt in Wohlstand.

    „Ein mittlerer deutscher Haushalt besitzt nach Befragungen der Europäischen Zentralbank 60 000 Euro. Da sticht der Millionär Merz heraus. „Er gehört zu den obersten ein Prozent in Deutschland“, sagt Markus Grabka.

    Ich sehe schon, ein wichtigtuerischer Schlaukopf mit Statistikwissen und ohne Lebenserfahrung.

    Wenn 99 Leute je 1 Euro besitzen, einer dagegen besitzt 5 Euro, zu bildet der das obere 1 „reiche“ Prozent ab. Wenn 99 Leute je 1 Mrd. Euro besitzen und einer besitzt 5 Mrd. Euro, dann sind die anderen Milliardäre eben arm? Soweit die Statistik. Auweia.

    Mein Haus in der Nähe von Hamburg hat seit dem Bau vor 12 Jahren seinen Wert knapp verdoppelt. Im Vergleich 2006 bin ich also deutlich reicher geworden. In der Praxis habe ich damals in einem neuen Haus gewohnt, und heute wohne ich in einem 12 Jahre alten Haus, an dem man ständig irgendwelche Kleinigkeiten richten muss.

    Ich glaube, die reichsten Deutschen liegen so bei 25 Mrd. Euro. Das ist reich. Mit ein oder zwei Millionen, ob sie nun in Immobilien oder im eigenen Unternehmen stecken, kannst Du keine großen Sprünge machen, die sind gebunden.

    Ausgehend vom „statistischen Durchschnittsbesitz“ von 60.000 Euro festzulegen, wer oder was „reich“ ist, ist vollkommen abstrus und albern. Um es mit Wikipedia zu sagen: „Was man unter Reichtum versteht, hängt von subjektiven und zum Teil höchst emotionalen bzw. normativen Wertvorstellungen ab.“

    Es geht mit einem Wort nur um eines: Sozialneid

    • Stefan Sasse 19. November 2018, 15:01

      „Ich sehe schon, ein wichtigtuerischer Schlaukopf mit Statistikwissen und ohne Lebenserfahrung.“

      Der Artikel ist doch gar nicht über dich?

      Aber Spaß beiseite, du verschiebst halt die Torpfosten bis es dir passt. Merz ist reich. Er ist nicht superreich, aber jeder Millionär in Deutschland ist reich. Dass das überhaupt bezweifelt wird zeigt die Blase, in der ihr lebt.

      • derwaechter 19. November 2018, 15:53

        V.a. da er m.W. Einkommensmillionär ist. Nicht „nur“ ein Haus hat das im Wert gestiegen ist.

      • Erwin Gabriel 21. November 2018, 23:51

        Stefan Sasse 19. November 2018, 15:01

        [„Ich sehe schon, ein wichtigtuerischer Schlaukopf mit Statistikwissen und ohne Lebenserfahrung.“]
        Der Artikel ist doch gar nicht über dich?

        Autsch.
        Ich bin halt ein wichtigtuerischer Schlaukopf ohne Statistikwissen, aber mit Lebenserfahrung 🙂

        Merz ist reich.

        „Reich“ ist wieder so so ein, subjektiver, moralisch befrachteter und subjektiver unscharfer Begriff, mit dem ich nicht viel anfangen kann. Frau Klatten, die Albrechts – von mir aus. Aber Leute, die 2 Millionen Euro besitzen, in die gleiche Tüte zu stecken wie Leute, die 25.000 Millionen Euro besitzen, ist mir suspekt.

        Vermögensmillionär bin ich fast selbst, zumindest in 7 Jahren, wenn mein Haus abbezahlt sein wird (falls ich mich solange im Job halten kann). Das hat nicht viel zu sagen, wenn man die Hütte nicht verkauft; und wo soll man hin, wenn man es tut?

        Einkommensmillionär (das März einer ist, lief anfangs an mir vorbei) ist zugegeben eine andere Nummer.

        Er ist nicht superreich, …

        Einverstanden

        … aber jeder Millionär in Deutschland ist reich.

        Auweia. Definiere Millionär.

        Dass das überhaupt bezweifelt wird zeigt die Blase, in der ihr lebt.

        Du musst nicht „Ihr“ zu mir sagen, Du kannst gerne beim „Du“ bleiben …

        Im Ernst, die eine oder andere Blase lasse ich mir gerne vorhalten (gegen Merkel bin ich inzwischen immer dabei; sollte sie zufällig mal das Richtige tun, hat sie vorher garantiert das Falsche versprochen und dabei den Wähler belogen).

        Aber beim Einkommen? Eher nicht. Ich verachte niemanden, nur weil er ordentlich Geld verdient, und verachte auch niemanden, der das nicht tut. Dazu ist mein eigener beruflicher Lebenslauf viel zu durchwachsen.

        Mich ärgert nur ziemlich, dass in Deutschland Erfolg fast nie gegönnt, sondern fast immer beneidet wird. Eine der unangenehmsten „deutschen“ Eigenschaften …

        • Floor Acita 22. November 2018, 12:29

          „„Reich“ ist wieder so so ein, subjektiver, moralisch befrachteter und subjektiver unscharfer Begriff“

          Seit wann das?
          Ernsthaft, wenn ihr jeder Qualifikation eine Moralisierung unterstellt ist Debatte irgendwann gar nicht mehr möglich.
          Rassismus darf man nicht sagen, Sexismus darf man nicht sagen, toxische Maskulinität darf ich nicht sagen – toxische Femininität wird erst selbst eingebracht, wird did dann versucht zu definierennist auch das wieder nur moralisieren und jetzt darf man auch niemanden mehr reich nennen und mit Trump zu vergleichen ist „billig“?

          Aber ihr seit irgendwie die Kämpfer GEGEN political correctness???

          „Dass Du Dich selbst ernst nehmen kannst, wenn Du so etwas schreibst, werde ich nie verstehen.“

          • Stefan Pietsch 22. November 2018, 13:26

            „Reich“ ist wieder so so ein, subjektiver, moralisch befrachteter und subjektiver unscharfer Begriff“
            Seit wann das?

            Schon immer. Dazu müssen Sie sich nur die Reichtumsbegriffe der Forscher ansehen, die pendeln um einige hunderttausend. Oder die Definitionsversuche der Partei die LINKE. Seit einiger Zeit verwenden Wagenknecht & Co. die Metapher von „den Superreichen“, was auch immer das sein soll – worin wieder der Sinn liegt. „Superreich“ sind immer die anderen, aber nicht der Kleinhausbesitzer, der statistisch nämlich bereits zu den oberen 10% und damit als „reich“ im Vermögen zählt. Oder der Spezialist, der 80.000€ im Jahr erhält und damit zu den Einkommensreichen zählt.

            Aber vielleicht können Sie eine klare, nachvollziehbare, objektive Begriffsdefinition liefern? Wäre immerhin im Rang einer hohen Wissenschaftlichkeit.

            „Toxische Maskulinität“ sind ja gerade Wortschöpfungen der Political Correctness und des Geschlechterkampfes. Und natürlich darf man Rassismus und Sexismus verwenden, aber nicht für Banalitäten, die mit dem jeweiligen Wortsinn wenig bis nichts zu tun haben.

            • Stefan Sasse 22. November 2018, 21:50

              Du machst das echt unironisch, oder? Einige Kommentare vorher habt ihr noch selbst die Unterscheidung zwischen „reich“ und „superreich“ aufgemacht, wenngleich mit anderen Begriffen. Dann sagst du, die ganzen Begriffsdefinitionen die du nicht magst sind Wortschöpfungen der Gegner und damit wertlos, wirfst und politische Korrektheit vor und erschaffst gleichzeitig Regeln, welche Wörter wann wie verwendet werden dürfen. Du. Machst. Exakt. Was. Du. Uns. Vorwirfst.

              • Stefan Pietsch 22. November 2018, 23:14

                Irrtum, nicht ich habe die Unterscheidung aufgemacht. Ich habe gezeigt, wie die LINKE und Teile der Linken arbeiten – und das ist kein bisschen seriös. Achte mal darauf, Wagenknecht spricht heute oft von „den Superreichen“. Ich habe nichts dagegen, wenn Merz als „reich“ bezeichnet wird. Das ist er fraglos im umgangssprachlichen wie im statistischen Sinne. Wenn wir an „reich“ jedoch politische Forderungen und Konsequenzen knüpfen, müssen wir schon präzise sein. Da geht es munter durcheinander, Einkommen, Vermögen, Milliardäre, Anwendung der Vermögensteuer. Das ist ein einziges munteres Potpourri.

                Aber ich halte absolut nichts von so Wortschöpfungen, die vor allem gesellschaftliche Diskreditierungen einleiten. So to say.

                Vor einem Jahr hatte ich ein Gespräch mit jemanden, der mit Friedrich Merz in Urlaub war. Damals deutete nichts darauf hin, dass der enorm erfolgreiche Jurist noch einmal in die Politik zurückkehren würde. Der Bekannte meinte, er sei der Politik allein schon finanziell total entrückt. So kann man sich irren.

                • Stefan Sasse 23. November 2018, 13:33

                  Da widerspreche ich dir nicht.

                • Erwin Gabriel 24. November 2018, 11:48

                  @ Stefan Pietsch 22. November 2018, 23:14

                  Aber ich halte absolut nichts von so Wortschöpfungen, die vor allem gesellschaftliche Diskreditierungen einleiten. So to say.

                  Fette Zustimmung!

                  • Stefan Sasse 24. November 2018, 12:22

                    Ich auch nicht, deswegen benutze ich solche auch nicht.

                    • Floor Acita 25. November 2018, 00:35

                      Exactly!

            • Floor Acita 24. November 2018, 07:40

              „„Toxische Maskulinität“ sind ja gerade Wortschöpfungen der Political Correctness“

              Das ist schon sehr kreativ … „Wortschöpfungen der Political Correctness“? Faktisch korrekte, aber politisch inkorrekte Aussagen waren in der Sowjetunion verboten oder geächtet, daher stammt der Begriff. Es geht also um die Unterdrückung von Sprache/Wörtern. Deshalb ja auch die beliebte Antwort der politically incorrect warrior „man wird ja wohl noch sagen dürfen“.

              Daher nehme ich mir auch das Recht bestimmte Statements zu verbreiten… Man wird ja wohl noch sagen dürfen, dass Merz reich ist. Man wird ja wohl noch sagen dürfen, dass Leute wie die Quandts superreich sind. Man wird ja wohl noch sagen dürfen, dass Leute die Frauen zu aufreizende Kleidung zu tragen vorwerfen sexistisch sind. Man wird ja wohl noch sagen dürfen, dass Leute die sich öffentlich um den Schutz „unserer“ Frauen vor Migranten sorgen aber gleichzeitig Gewalt gegen Frauen im Allgemeinen verharmlosen bigott sind. Man wird ja wohl noch sagen dürfen, dass Leute die Menschen nicht individuell, sondern nach Herkunftsland beurteilen Rassisten sind. Man wird ja wohl noch sagen dürfen, dass Leute die Begriffe wie Zigeuner und Neger verwenden und darauf bestehen dies sei nicht verletzend, dann aber zutiefst getroffen sind wenn sie jemand als Rassist bezeichnet entweder was an der Klatsche haben oder einfach nur Arschlöcher sind. Man wird ja wohl noch sagen dürfen, dass Vergleiche einer Person mit einer anderen sehr wohl auch differenziert / auf konkrete Teilaspekte bezogen sein können und keine Beleidigung darstellen. Man wird ja wohl noch sagen dürfen, dass Verhaltensweisen welche die freie Entfaltung von Männern unterdrücken, falls die konkrete Persönlichkeit nicht dem zugeschriebenen Klischee entspricht toxisch sind. Und zu guter letzt wird man ja wohl noch sagen dürfen, dass Leute die andere als „grenzdebil“ qualifizieren das gleiche Urteil hinnehmen müssen wird das Prinzip der political correctness nicht verstanden. Es sei denn -Achtung Öffnung- diese wird offen neu definiert und diese Definition zur Diskussion gestellt, ähnlich wie es andere Autoren mit toxischer Maskulinität oder Femininität getan haben. Es sei denn natürlich die vermeintlichen pooitically incorrect warrior sind in Wahrheit nur social unjustice warrior, dann hat sich die ganze Diskussion allerdings erledigt…

              • Stefan Sasse 24. November 2018, 09:23

                Bamm.

              • Erwin Gabriel 24. November 2018, 12:10

                @ Floor Acita 24. November 2018, 07:40

                Man wird ja wohl noch sagen dürfen, dass Leute die Frauen zu aufreizende Kleidung zu tragen vorwerfen sexistisch sind.

                Ist es gesellschaftlich akzeptiert oder zumindest aus Deiner Sicht in Ordnung, dass Leute nackt durch die Gegend rennen? Wäre es grundsätzlich nachvollziehbar oder verständlich, wenn andere Leute darauf reagieren? Wäre das Problem bereits dadurch gelöst, dass die betreffende Person sich Strümpfe anzieht, oder sich einen Hut aufsetzt?

                Wäre es nachvollziehbar, dass es einen Bereich zwischen „ganz nackt“ und „ordentlich angezogen“ gibt, den man – je nach Erziehung, persönlichen Einstellungen oder Situation – als „schicklich“ bzw. „unschicklich“, als „angemessen“ oder „nicht angemessen“ bezeichnen kann?

                Man wird ja wohl noch sagen dürfen, dass Leute die Menschen nicht individuell, sondern nach Herkunftsland beurteilen Rassisten sind.

                Können Statistiken rassistisch sein?

                Man wird ja wohl noch sagen dürfen, dass Vergleiche einer Person mit einer anderen sehr wohl auch differenziert / auf konkrete Teilaspekte bezogen sein können und keine Beleidigung darstellen.

                Depends…

                Der Klassiker: Hitler war Vegetarier. Wenn mir einer erklärt, dass er Vegetarier sei, und ich würde antworten, dass Adolf Hitler auch Vegetarier gewesen sei, würde ich zwar die Wahrheit sagen. Dennoch würde ich der andere angegriffen fühlen – wie ich finde, zu Recht; Hitler wurde nicht deswegen bekannt, weil er Vegetarier war. Es gäbe haufenweise passendere Beispiele.

                Auch ein Vergleich beispielsweise von Friedrich März und Donald Trump passt nicht. Selbst wenn beide genug verdienen, um nicht in die Politik gehen zu müssen, und es trotzdem taten, ist Donald Trump nicht deswegen so unglaublich bekannt, sondern für sein überaus schlechtes Benehmen. Auch hier gäbe es haufenweise passendere Beispiele.

                • Floor Acita 25. November 2018, 00:43

                  Wenn ein Mann mit freiem Oberkörper durch die Gegend rennt gibt das in der Regel in ein und der selben Situation keinen Skandal in der einer Frau bereits ein zu tiefer Ausschnitt, ein zu kurzes T-Shirt zu enge Hosen etc etc etc vorgeworfen werden, ganz zu schweigen von freiem Oberkörper. Selbst dann, und das ist das eigentlich Bittere, wenn die selbe Frau Opfer eines Gewaltverbrechens geworden ist…

              • Stefan Pietsch 24. November 2018, 15:03

                Daher nehme ich mir auch das Recht bestimmte Statements zu verbreiten…

                Können Sie gerne, gegen die ersten beiden Punkte ist auch nichts zu sagen.

                Man wird ja wohl noch sagen dürfen, dass Leute die Frauen zu aufreizende Kleidung zu tragen vorwerfen sexistisch sind.

                Menschen kleiden sich, wenn sie sich kleiden, mit bestimmten Motiven. Wenn ich Anzug trage – übrigens in meiner Freizeit und im Urlaub ziehe ich auch Jakett an zum Leidwesen meiner Frau – dann will ich über mich etwas ausdrücken. Zukünftig ist also jede gewerkschaftliche oder generell „linke“ Veranstaltung ein Kombatat von Sexisten, wenn von „Schlipsträgern“ die Rede ist. Sie können sich vorstellen, dass ich mit der Interpretation nicht konform gehe. Zurück: ich glaube, jede Frau, die trägerlos und äußerst gewagt Ihre üppige Oberweite an einem normalen Tag präsentiert und nicht zahllose Männerblicke auf sich zieht, wäre in höchstem Maße irritiert.

                Man wird ja wohl noch sagen dürfen, dass Leute die Begriffe wie Zigeuner und Neger verwenden und darauf bestehen dies sei nicht verletzend, dann aber zutiefst getroffen sind wenn sie jemand als Rassist bezeichnet entweder was an der Klatsche haben oder einfach nur Arschlöcher sind.

                Doch. Ersteres ist eine Beschreibung, letzteres Beleidigungen gemäß Strafgesetzbuch und da hört der Political Correctness-Spaß definitiv auf.

                Man wird ja wohl noch sagen dürfen, dass Verhaltensweisen welche die freie Entfaltung von Männern unterdrücken, falls die konkrete Persönlichkeit nicht dem zugeschriebenen Klischee entspricht toxisch sind.

                Ganz meine Meinung und deswegen lehne steht mir das Recht zu, wenn jemand A sagt, aber B mein, im Zweifel mit grenzdebil oder „typisch weibliche Verhaltensweise“ zu umschreiben. 🙂

                • Floor Acita 25. November 2018, 00:58

                  „Menschen kleiden sich, wenn sie sich kleiden, mit bestimmten Motiven. Wenn ich Anzug trage – übrigens in meiner Freizeit und im Urlaub ziehe ich auch Jakett an zum Leidwesen meiner Frau – dann will ich über mich etwas ausdrücken. Zukünftig ist also jede gewerkschaftliche oder generell „linke“ Veranstaltung ein Kombatat von Sexisten, wenn von „Schlipsträgern“ die Rede ist. Sie können sich vorstellen, dass ich mit der Interpretation nicht konform gehe. Zurück: ich glaube, jede Frau, die trägerlos und äußerst gewagt Ihre üppige Oberweite an einem normalen Tag präsentiert und nicht zahllose Männerblicke auf sich zieht, wäre in höchstem Maße irritiert.“

                  Ähnlich wie bei der Wahldebatte auch – vielfältige Motivationen können zum selben Ergebnis führen. Ich jedenfalls masse mir nicht an, die Motivation(en) jeder Frau zu kennen, auch nicht des subsets „die trägerlos und äußerst gewagt Ihre üppige Oberweite an einem normalen Tag“ präsentieren.

                  Wie bei Ihrem Anzug ist auch die Kleidung einer Frau Ausdruck des eigenen Stils und zwar individuell und keine (zwangsweise) non-verbale Kommunikation oder gar Aufforderung/Einladung zu gesellschaftlicher Reaktion, auch und gerade nicht des subsets mit ding-dongs zwischen den Beinen…

                  Und wie Sie aus meiner Aussage ableiten „zukünftig“ wäre „jede gewerkschaftliche oder generell ‚linke‘ Veranstaltung ein Kombatat von Sexisten, wenn von ‚Schlipsträgern‘ die Rede ist“, bleibt mir vollkommen schleierhaft…

                  „Doch. Ersteres ist eine Beschreibung“

                  Exakt. Eine rassistische Beschreibung…

                  • Stefan Pietsch 25. November 2018, 15:13

                    Ähnlich wie bei der Wahldebatte auch – vielfältige Motivationen können zum selben Ergebnis führen. Ich jedenfalls masse mir nicht an, die Motivation(en) jeder Frau zu kennen, auch nicht des subsets „die trägerlos und äußerst gewagt Ihre üppige Oberweite an einem normalen Tag“ präsentieren.

                    Ich auch nicht. Deswegen ist ja nichts dagegen zu sagen, sich das anzusehen. Denn sicher haben Schaufenster auch andere Aufgaben als Käufer in die Läden zu locken. Man weiß so wenig über Motivationen…

                    Wie bei Ihrem Anzug ist auch die Kleidung einer Frau Ausdruck des eigenen Stils

                    Klar, und es gibt das Geschmacklose. Wenn Männer ihre Bierplautze als echte Errungenschaft vor sich hertragen, zerreißen sich auch viele das Maul ohne dass sich diesem Missstand bisher je ein Blogger angenommen hätte – schon gar nicht linke Blogger, deren bevorzugtes Ziel alte, weiße Männer sind.

                    • Floor Acita 26. November 2018, 10:53

                      Der Versuch sich vom Vorwurf latenten Sexismus freizusprechen indem man Frauen mit Schaufenstern vergleicht ist … kreativ.

                      Sicher werden Frauen je nach Art und Weise des Blicks unterschiedlich reagieren und die meisten haben tolerierende bis positv/beheiternde Reaktion auf einen schamhaft Kurzen sowie den unter sichtbarer Anstrengung kavalierhaften Versuch dann doch aber Blickkontakt zu halten.

                      Aber „ein explizites Recht“ darauf gibt es tatsächlich nicht obwohl es manche Männer so verteidigen als ginge es um deren Unversehrtheit….

                      Und auch hier unterschätzen Sie die Komplexität des Themas und der Motivation. Denn gerade beimüppiger Oberweite ist es vielleicht gar nicht so einfach passende, doch preisgünstige, angemessene, doch amgenehme, luftige im Sommer, warmhaltende im Winter zu finden. Aber über derartige Problematik machen sich die meisten Männer oft keine Gedanken…

                      „Wenn Männer ihre Bierplautze als echte Errungenschaft vor sich hertragen, zerreißen sich auch viele das Maul ohne dass sich diesem Missstand bisher je ein Blogger angenommen hätte – schon gar nicht linke Blogger, deren bevorzugtes Ziel alte, weiße Männer sind.“

                      Nach allem was ich uier in den letzten Jahren gelesen habe und Sie nicht über mich wissen können, bin ich eher als Sie dieser „Gefahr“ ausgesetzt 🙂

                      Ich spreche mich tatsächlich auch sehr oft dagegen aus, selbst wenn Trump nach Figur, Frisur oder Hautfarbe beurteilt wird. Die Sache ist halt nur die, halte ich lieber ein paar dumme Sprüche aus, oder habe ich ein höheres Risiko Opfer einer Gewalttat, eines sexuellen Übergriffs oder gar einer Vergewaltigung zu werden? Halte ich lieber ein paar dumme Sprüche aus, oder habe ich bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt, eine Wohnung zu finden, die Begegnung mit Polizei und Justiz zu ersparen oder aber zu überleben? Und so gibt es noch zahllose Beispiele inwieweit (alte) weisse Männer privilegiert sind. Dumme Sprüche, Sarkasmus und „the butt of a joke“ zu sein ist halt kein gesellschaftlich drängendes, Leib, Leben oder Gesundheit betreffendes oder gar bedrohendes Thema.

                      Und dennoch ist es unfair, dennoch schmerzt es – es sind jedoch im Allgemeinen nicht Linke die anderen Leuten Emotionen, „snowflakeism“ oder gar Opfer zu werdenzum Vorwurf machen. Es ist ironisch bis traurig, dass Sie selbst tatsächlichOpfer zusein scheinen,nicht von linken Bloggern, sondern von Konzeptenderen Analyse sie vehement ablehnen und nicht erkennen, wie befreiend der Feminismus eigentlich sein kann, gerade auch für weisse Männer wie uns beide. Aber leider verstellen die selben Konzepte diesen Blickwinkel. Schade, denn wir leben ja, wenn ich mal Anleihen bei Ihrem co-Autor nehmen darf, in der nerdstream Epoche und „Nerds rule the world“ oder wie es IGN sagen würde „Nerd’s the new cool“…

                      Alte Zwänge sind also … vor allem alt!

                    • Stefan Pietsch 26. November 2018, 12:44

                      Der Versuch sich vom Vorwurf latenten Sexismus freizusprechen indem man Frauen mit Schaufenstern vergleicht ist … kreativ.

                      Oh, Kreativität bekomme ich nun auch nicht dauernd vorgeworfen. Ich finde den Vergleich jedoch durchaus treffend. Wenn Gutbetuchte Samstag Mittags in der Frankfurter Goethestraße ihren Royce mit offenem Verdeck abstellen, dann tun sie das kaum, um nach einem ausgiebigen Shoppen bei Vutton und Bulgari möglichst schnell die Taschen einladen und abbrausen zu können. Das ist natürlich eine Vermutung, nur habe ich noch keinen solchen RR-Besitzer erlebt, der es lästig fand, ein Kompliment über sein schönes Auto zu bekommen.

                      Ich habe besagte Frauen immer angeschaut, auch das, was so attraktiv präsentiert wird. Allerdings bin ich nie negativ (oder überhaupt) deswegen angesprochen worden. Dafür schaue ich bei Lesben weg, das gleicht sich also aus. Es ist jedenfalls, und das ist mein eigentlicher Punkt, nichts, woraus es sich ein Thema zu machen lohnt. Wer sich daran stört, dass sein RR bewundert wird, sollte ihn in der Garage lassen. Oder sich ein dezenteres Auto kaufen.

                      Ich bin schon deswegen nicht in Gefahr einer Bierplatze, weil ich im Jahr bestenfalls 3-4 Gläser Bier trinke. Der Hefekonsum ist also überschaubar. Und wo war das Thema, dass Top-Manager heute immer schlank und top gestylt sein müssen? Das ist doch ein Diskriminierung aller Übergewichtigen, die nicht noch morgens um 6 oder abends um 20 Uhr 5 km Joggen können und sich bei der Pizza nicht zurückhalten. Alles kein Thema, aber was Frauen anziehen.

                      Die Sache ist halt nur die, halte ich lieber ein paar dumme Sprüche aus, oder habe ich ein höheres Risiko Opfer einer Gewalttat, eines sexuellen Übergriffs oder gar einer Vergewaltigung zu werden?

                      Genau das sollten wir nicht vermischen. Sexy Kleidung lädt noch lange nicht zu einer Vergewaltigung ein, wohl aber zum Hinschauen und auch dem ein oder anderen Kommentar – wenn das auch nicht Gentlemen’s like ist. Aber es gibt schon weit unangenehmere Bemerkungen im öffentlichen Raum, dazu braucht man sich nur auf einen Parkplatz zu stellen.

                      Ich schrieb es schon einmal: leider gehörte ich zu der Spezies, die laut Gesetz nicht diskriminiert werden kann und deswegen keinen politischen Schutz genießt: Leider Mann, leider bio, leider gutverdienend, leider mittleren Alters, leider hetero, leider nicht übergewichtig, leider verheiratet, leider gebildet, leider Führungskraft. Würde nur eines dieser Kriterien fehlen, hätte ich die Meute der Gutmenschen auf dem Hals. 🙂

                    • Floor Acita 26. November 2018, 17:54

                      „Genau das sollten wir nicht vermischen. Sexy Kleidung lädt noch lange nicht zu einer Vergewaltigung ein“

                      Sie missverstehen aber auch ständig meine Imtention. Ich wollte dar gar nichts gleichsetzen, mir ging es darum, dass privilegiert zu sein doch eigentlich, für einen selber etwas positives ist, gerade nichts negatives oder etwas für das man sich schämen muss.

                      „Leider Mann, leider bio, leider gutverdienend, leider mittleren Alters, leider hetero, leider nicht übergewichtig, leider verheiratet, leider gebildet, leider Führungskraft.“

                      Wieso leider? Als Mann hat man eine geringere Chance Opfer eines sexuelle Übergriffs zu werden, als cis-gender ein geringeres Depressions-Risiko, als Gutverdiener einen grösseren Handlungsspielraum, im mittleren Alter weniger Gebrechen als Alte und mehr Lebenserfahrung, Selbstbewusstsein und Weitblick als Jung-Spunde, als hetero grössere Partnerauswahl, weniger Hürden, als schlanker/in Form eine höhere Lebenserwartung, geringeres Herzinfarkt-Risiko, robusteres Abwehrsystem, als Verheirateter ein statistisch besseres Sexualleben und geordnete Verhältnisse, als Gebildeter bessere Chancen im Job, auf Beförderung, auf Gehaltserhöhung, als Führungskraft mehr Gestaltungsspielraum. Das sind doch alles positive Dinge! Alles Vorteile. Ja, vielleicht muss man sich den ein oder anderen dummen Spruch mehr anhören und es kommen einem keine linken (Blogger) zur Seite, aber ist das nicht im Prinzip ein kleiner Preis für all die anderen benefits? Sie sollten das mit mehr Selbstbewusstsein angehen und sich nicht dafür schämen oder entschuldigen ein gutes Leben zu haben?!

          • Erwin Gabriel 22. November 2018, 19:47

            @ Floor Acita 22. November 2018, 12:29

            Rassismus darf man nicht sagen, Sexismus darf man nicht sagen, toxische Maskulinität darf ich nicht sagen – toxische Femininität wird erst selbst eingebracht, wird dann versucht zu definieren, ist auch das wieder nur moralisieren …
            Ich wusste nicht, dass es auch darum geht…

            … und jetzt darf man auch niemanden mehr reich nennen …

            Das habe ich weder verlangt noch gemeint. Aber dieses Einsortieren nach „arm = hat weniger als ich“ und „reich = hat mehr als ich“ finde ich – wie sag ich’s politisch korrekt – intellektuell nicht besonders anspruchsvoll formuliert; das gilt für „jeder Millionär ist reich“ ebenfalls. Wer so denkt und spricht, nimmt sich offenbar zu wichtig.

            … und mit Trump zu vergleichen ist „billig“

            Du hast Recht – „billig“ war der falsche Begriff.

            Wenn Der amerikanische Präsident sich durch irgendetwas von anderen Leuten abhebt, ist es sein zum Würgen schlechtes Benehmen, seine Arroganz und Egozentrik, seine Großspurig- und Großkotzigkeit. Das einem Friedrich März anzuhängen, ist derart dumpf, grob, unpassend und unhöflich, dass ich nicht vermutet hätte, diese Offensichtlichkeit ausführen zu müssen.

            Auch wenn man bei der Gleichsetzung März – Trump „nur“ auf eine vermutete Zugehörigkeit zur Klasse oder den Reichtum abhebt, liegen nicht nur Welten zwischen März und Trump, sondern man heftet dennoch unterschwellig dem CDU-Kandidaten alle miesen Eigenschaften des „Pussy-Grabblers“ an.

            „Billig“ ist nicht das rechte Wort. Passender wäre „schäbig“.

            • CitizenK 22. November 2018, 21:34

              „…dumpf, grob, unpassend und unhöflich…“

              Das zielt wohl auf mich. Deshalb zur Klarstellung:
              Ich habe Merz und Trump nicht „gleichgesetzt“ – wie kommst Du darauf? Kein Wort davon. Ich habe lediglich nach der Motivation gefragt, warum jemand, der in der Privatwirtschaft erfolgreich und reich geworden ist, unbedingt Präsident oder Kanzler werden will.

              Das staatliche Salär kann es nicht sein, das ist in beiden Fällen im Vergleich zu niedrig. Das Engagement in der Privatwirtschaft legt aber nahe, dass (viel) Geld und Vermögen für sie sehr wichtig ist, sonst hätten sie was anderes gemacht. Und ich habe darauf hingewiesen, dass frühere Kanzler – außer Schröder – offenbar anders motiviert waren. Merkel, Kohl oder Schmidt kann man manches vorwerfen, aber starkes Interesse an materiellem Reichtum kann ich bei denen nicht erkennen.

              Was daran ist „billig“ oder „schäbig“?

              • Erwin Gabriel 23. November 2018, 09:04

                @ CitizenK 22. November 2018, 21:34

                Ich habe Merz und Trump nicht „gleichgesetzt“ – wie kommst Du darauf?

                So: „Wie bei Trump, nur in kleinerem Maßstab.“

                Vielleicht bin ich mit „schäbig“ zu weitgegangen – sorry. Aber „billig“ lasse ich stehen, weil Trump-Vergleiche nur einen Zweck haben.

                Ich habe lediglich nach der Motivation gefragt, …

                Du hast die Frage ja auch spekulativ beantwortet.

                … warum jemand, der in der Privatwirtschaft erfolgreich und reich geworden ist, unbedingt Präsident oder Kanzler werden will.

                Schon wieder die Gleichsetzung mit Trump 🙂

                Ich vermute auch, dass Geld bzw. egoistische Motive nicht die Triebfedern sind, zumindest nicht die dominierenden. Ich vermute eher den Wunsch, helfen zu wollen, als „Standesbewusstsein“. Aber das ist von meiner Seite auch Spekulation.

        • Stefan Sasse 22. November 2018, 13:05

          Verzeihung, der war zu verlockend 😉

          Ich möchte das noch mal klarmachen: genauso wie es bei den Flüchtlingen ausschließlich um gefühlte Sicherheiten geht – was ihr ja immer und immer wieder zurecht feststellt – geht es hier um gefühlten Reichtum. Da könnt ihr mit euren Statistiken einpacken.

          Mir geht es auch gar nicht um das Erfolg gönnen sondern die Überzeugung, wie wichtig die meisten Leute bestimmte Themen nehmen. ^^

          • Erwin Gabriel 22. November 2018, 22:19

            @ Stefan Sasse 22. November 2018, 13:05

            Verzeihung, der war zu verlockend

            Wenn es nur darum ging, mir sportlich einen mitzugeben bzw. mich auf die Palme zu bringen – Glückwunsch, gelungen.
            Te absolvo 🙂

            Ich möchte das noch mal klarmachen: genauso wie es bei den Flüchtlingen ausschließlich um gefühlte Sicherheiten geht – was ihr ja immer und immer wieder zurecht feststellt – geht es hier um gefühlten Reichtum. Da könnt ihr mit euren Statistiken einpacken.

            Den Punkt muss ich Dir lassen.

            Auf einen Unterschied zwischen den beiden Themen „gefühlte Sicherheit“ und „gefühlter Reichtum“ möchte ich dennoch hinweisen: Während „Sicherheit“ oder besser die Sicherheit bedrohende „Gewalt“ (ob von rechts oder links, ob von „Flüchtlingen“ oder „Sport-Fans“) eine reale und statistisch hinterlegte Bedrohung für mich oder jeden anderen darstellen (können), betrifft mich das Geld anderer Leute nicht. Ob ein Friedrich März eine Million oder zehn Millionen Euro besitzt, verändert mein Leben und das anderer Leute genauso wenig wie seine Haar- oder Hautfarbe.

            Mir geht es auch gar nicht um das Erfolg gönnen sondern die Überzeugung, wie wichtig die meisten Leute bestimmte Themen nehmen.

            Jetzt will ich auch mal moralisieren.

            Ist jemand automatisch ein besserer Mensch, weil er mehr Geld hat? Das kann man wohl kaum so ableiten. Also kann auch niemand automatisch ein besserer Mensch sein, weil er weniger Geld hat (Eigenschaften wie Gier oder Rücksichtslosigkeit findet man halt gleichermaßen bei „armen“ und bei „reichen“ Menschen).

            Wer also andere Menschen verurteilt, weil sie mehr (oder auch weniger) Geld haben, verurteilt Menschen nach genauso schwachsinnigen Kriterien wir Haut- oder Haarfarbe. Und dann liegt es eben an anderen Beweggründen – in diesem Land ist es in der Regel der Neid. Das kann ich als Argument genauso wenig gelten lassen bzw. verurteile es genauso wie Rassismus oder Frauenfeindlichkeit.

            E.G.

            • Stefan Sasse 23. November 2018, 13:32

              So war’s gedacht.

              Naja, ob irgendjemand in Berlin in den Weihnachtsmarkt rast spielt für mich auf dem schwäbischen Land auch keine Rolle. Das nehme ich nicht als qualitative Unterscheidung. Beides ist gefühlt, und beide Gefühle sind nachvollziehbar. Alles andere ist persönliche Prioritätensetzung.

              Stimme dir völlig zu, was das Geld angeht.

    • Stefan Pietsch 19. November 2018, 15:51

      Da wird einiges durcheinander geworfen. Soweit Sie sich auf Vermögen beziehen, ist jemand mit einer Million Euro zwar statistisch reich, weil er zu den oberen 10% der Vermögenden zählt, jedoch nicht wirklich. Doch Friedrich Merz bezifferte sein aktuelles Einkommen mit einer Million Euro, damit gehört er zweifellos zu den oberen 1% der Einkommensbezieher und ist damit Upper Class.

    • Blechmann 20. November 2018, 17:54

      „Wenn 99 Leute je 1 Mrd. Euro besitzen und einer besitzt 5 Mrd. Euro, dann sind die anderen Milliardäre eben arm? Soweit die Statistik. Auweia.“

      Ja sicher sind die arm. Was glaubst du was ein Brötchen kostet, wenn 99% der Leute Milliardäre sind?

      • Erwin Gabriel 21. November 2018, 23:54

        @ Blechmann 20. November 2018, 17:54

        Du weißt doch, was ich meine. Ich kann statistisch jedes gewünschte Ergebnis herauskriegen, wenn ich die Eckpunkte und die Methodik festlege.

  • kirkd 19. November 2018, 14:30

    Merz nutzt das altbekannte Muster: Mitte ist da , wo man selbst steht. Kein Wunder in einem Land, in dem wohlhabende Unternehmer unter „Mittelstand“ firmieren.

    • Stefan Sasse 19. November 2018, 14:59

      Jupp.

    • CitizenK 19. November 2018, 16:28

      Die Spitzen-Einkommen und Spitzen-Vermögen werden statistisch doch gar nicht erfasst. M.W. endet die Einkommens-Statistik bei 18T€ monatlich, also bei etwa 220T€ p. a.

      Darüber können „Mittelschichtler“ wie Merz doch nur lachen.

      Und sein Einkommen ist nicht mal der wesentliche Punkt. Seine AR-Posten und seine Verbindung in die Finanzwelt und der damit verbundene Einfluss sind viel wichtiger.

      • Stefan Pietsch 19. November 2018, 16:43

        Das kommt darauf an, welche Studie Sie nehmen. Im Panel des DIW sind diese Vermögen unterrepräsentiert, bei der Erhebung des Statistischen Bundesamtes sind sie exkludiert, bei der Deutschen Bundesbank dagegen sind sie erfasst.

        Es besteht in der öffentlichen Wahrnehmung ein großes Unwissen, was zu den Aufgaben eines Aufsichtsrates gehört. Anders als viele meinen, verantwortet der Aufsichtsrat nicht die Geschäftspolitik. Dafür ist der Vorstand bzw. die Geschäftsführung zuständig.

        Welche Geschäfte beispielsweise ein Unternehmen tätigen darf, ist in der Satzung oder dem Gesellschaftervertrag festgelegt. Dies ist die Grundlage für die Tätigkeit der Geschäftsleitung. Wer dies ändern, einschränken oder erweitern möchte, muss dies an die Gesellschafterversammlung oder die Hauptversammlung adressieren. Meist sind für Änderungen bestimmte Quoren festgeschrieben.

        All das tut der Aufsichtsrat nicht, sondern er überwacht den Geschäftsverlauf nach wirtschaftlichen Kriterien. Auch hier: wer das ändern möchte oder nur kritisiert, muss sich dann an den Gesetzgeber wenden. Um ein solches Mandat bewirbt sich Friedrich Merz wahrscheinlich demnächst.

        • CitizenK 19. November 2018, 19:05

          Immerhin wählt der Aufsichtsrat die Vorstandsmitglieder (aus). Personen sind auch hier Programm. Den Einfluss des AR auf die Geschäftspolitik sollten Sie nicht klein reden.

          Merz strebt den CDU-Vorsitz ja vor allem an, um Kanzler zu werden. In der Geschichte der BRD der erste Kanzler, der so ausgeprägte wirtchaftliche Interessen hat. Auch wenn die AR-Mandate ruhen: die Kontakte bleiben. Naiv anzunehmen, die würden nicht genutzt.

          • Stefan Pietsch 19. November 2018, 20:49

            Ja und? Der Rahmen der Geschäftsleitung sind der Rechtsrahmen und Satzung / Gesellschaftervertrag. Neben einer absolut einwandfreien Vita gehört die Fähigkeit, hoch komplexe Organisationen führen zu können, zu den wichtigsten Kriterien bei der Personalausweis. Schon in dieser Kategorie gibt es auf dem Markt eine sehr kleine Auswahl. Und über den Erfolg entscheiden wirtschaftliche Kriterien. Was erwarten Sie noch mehr? Ich meine, nicht von Robotern und Computern, sondern von Menschen?

            Man kann nicht behaupten, dass es in der deutschen Politik ein Übermaß ökonomischer Kompetenz gäbe. Und man kann nicht behaupten, die deutsche Politik hätte, beginnend mit dem Jahr 2005, eine klar erkennbare Linie gehabt, gerade im wirtschaftspolitischen Bereich. Für beides gilt Friedrich Merz als Hoffnungsträger. Wenn Ihnen das nicht wichtig ist – okay, das ist dann Ihr Maßstab. Ich persönlich ziehe nach einer so langen Phase der Dominanz der Sozialpolitiker und dem auf Verteilung gerichteten Wirtschaftskurs eine andere Akzentuierung vor. Zumindest unter diesem Kriterium scheint Merz das beste aller Angebote.

          • R.A. 20. November 2018, 15:55

            „In der Geschichte der BRD der erste Kanzler, der so ausgeprägte wirtchaftliche Interessen hat.“
            Würde ich nicht sagen. Schröder hat mindestens so ausgeprägte wirtschaftliche Interessen.
            Der Unterschied ist, daß Merz schon vorher Millionär war und das Kanzleramt fast ein ehrenamtliches Engagement für ihn ist.
            Während Schröder hinterher Millionär wurde, als er sich von Putin für geleistete Dienste auszahlen ließ.

            • Stefan Sasse 20. November 2018, 15:57

              lol ja ne is klar. Nicht dass ich ne Lanze für Schröder brechen will, aber die Idee reicher Leute, die quasi als Ehrenamt ohne Bereicherung einen Staat lenken sollte man echt endlich mal ad acta legen. Merz ist für euch eine letztlich undemokratische Projektionsfläche.

              • R.A. 20. November 2018, 16:23

                „aber die Idee reicher Leute, die quasi als Ehrenamt ohne Bereicherung einen Staat lenken“
                Die vertrete ich nicht, so war das auch nicht gemeint.
                Es ist völlig ehrenwert, wenn jemand mit politischer Betätigung sein Geld verdient, und kein Pluspunkt, wenn jemand auf dieses Geld nicht angewiesen ist.

                Aber man kann schon klar sagen, daß Merz nicht ins Kanzleramt will, um sich zu bereichern. Sondern er verzichtet damit auf viel Geld.

                • CitizenK 20. November 2018, 17:43

                  Stellt sich die Frage nach der Motivation. Wie bei Trump, nur in kleinerem Maßstab. Eitelkeit? Qua Politik Vorteile für die eigene Klasse herausholen – Steuersenkungen zum Beispiel?

                  Es gibt ja diese Menschen, die aus Verantwortung für das Gemeinwesen einen One-Dollar-Job übernehmen. Bei Merz sehe ich allerdings keine Anzeichen dafür.

                  • Erwin Gabriel 22. November 2018, 00:10

                    @ CitizenK 20. November 2018, 17:43

                    Stellt sich die Frage nach der Motivation.

                    Wie bei allen anderen Kandidaten auch. Jeder hat eine Motivation.

                    Wie bei Trump, nur in kleinerem Maßstab.

                    Autsch, der war aber billig.

                    Eitelkeit?

                    Vielleicht, ein bisschen. Vielleicht auch verletzter Stolz, eine Prise Rache, zwei Prisen Rechthaberei, eine große Handvoll Selbst- oder gar Machtbewusstsein, eine weitere Handvoll Erkenntnis (oder die Vermutung), vom verbliebenen Rest der Klügste zu sein – es wird von allem ein bisschen dabei sein.

                    Qua Politik Vorteile für die eigene Klasse herausholen – Steuersenkungen zum Beispiel?

                    Linke Denke. Ich sehe nicht, dass März die Vorteile der „eigenen Klasse“ im Blick hat, um die „eigene Klasse“ zu stärken oder zu bereichern.

                    Wiederum hat das wohl nichts mit Steuersenkungen zu tun. Den Gedanken, dass ein jeder (nicht nur die eigene Klasse) niedrige Steuern mehr finanziellen Spielraum hat, ist ja grundsätzlich nichts Schlimmes.

                    Es gibt ja diese Menschen, die aus Verantwortung für das Gemeinwesen einen One-Dollar-Job übernehmen. Bei Merz sehe ich allerdings keine Anzeichen dafür.

                    Um aus einem 1.000.000-Euro-Mio-Job in einen 100.000-Euro-Job zu gehen, erfordert schon eine gewisse Portion Idealismus. Wenn er nur auf sich schauen würde, bliebe er in der Industrie.

                  • R.A. 22. November 2018, 10:22

                    „Stellt sich die Frage nach der Motivation. “
                    Es ist allgemein eine interessante Frage, nach der Motivation von Politikern zu fragen.

                    Aber in diesem Kontext finde ich das merkwürdig. Das heißt ja eigentlich: Wenn es Merz nicht um Geld geht, muß man nachhaken.
                    Was bedeutet: Man unterstellt, daß es Politikern erst einmal um die persönlichen Einkünfte geht. Und daß man weitere Motivation gar nicht abfragen muß, wenn man „normale Geldgier“ unterstellen kann.

                    Das ist kein Weltbild, dem ich mich anschließen würde.

                    • Floor Acita 22. November 2018, 12:32

                      Ausser wenns gegen Linke geht, dann wird erstmal Falschheit und moralische Kategorie angenommen, selbst wenn diese ausdrücklich bestritten wird…

                    • Stefan Sasse 22. November 2018, 13:09

                      Rechte identity politics, ich sag’s immer wieder. Reine Projektion.

                    • CitizenK 22. November 2018, 12:56

                      „….interessante Frage, nach der Motivation von Politikern zu fragen.“

                      Find‘ ich auch. Denn die Motivation bleibt ja nicht ohne Auswirkungen auf die Amtsführung.

                      Wenn ein ehemaliger „Vollblutpolitiker“ wie Merz (Fraktionschef mit weiteren Ambitionen) in die Privatwirtschaft wechseln, dann noch mehr. Wie Schröder damals auch.

                      Bei beiden dürfte eine Kränkung eine Rolle gespielt haben, wurden sie doch von der gleichen (von ihnen als medioker eingeschätzten) Frau aus ihrer einflussreichen Position gedrängt und aus ihrer politischen Laufbahn geworfen.

                      Menschlich vielleicht verständlich, aber sollen wir solchen Mimosen unser Land anvertrauen?

                      Ob man von Geld-Gier sprechen kann, weiß ich nicht. Das Interesse daran ist aber offenbar größer als das an der Gestaltung des Gemeinwesens. Das ist bei Merkel anders und war es auch bei Kohl, Schmidt und bei allen ihren Vorgängern.

                      Für die Frage nach der Motivation von Trump wurde weiter oben kritisiert. Aber: Warum will ein 70jähriger Multi-Millionär unbedingt Präsident werden – das halte ich nach wie vor für eine interessante Frage. Politisch und psychologisch.

                    • Stefan Sasse 22. November 2018, 13:10

                      Sense of entitlement.

                    • Erwin Gabriel 22. November 2018, 23:10

                      @ Floor Acita 22. November 2018, 12:32

                      Ausser wenns gegen Linke geht, dann wird erstmal Falschheit und moralische Kategorie angenommen, selbst wenn diese ausdrücklich bestritten wird…

                      Falschheit nicht.
                      Moralisieren an Stellen, wo Pragmatismus weiterhilft: Nur allzu häufig.

                    • Erwin Gabriel 23. November 2018, 09:08

                      @ Stefan Sasse 22. November 2018, 13:09

                      Rechte identity politics, ich sag’s immer wieder. Reine Projektion.

                      Linke identity politics, ich sag’s immer wieder. Keine Reflektion.

                • Stefan Sasse 20. November 2018, 17:49

                  Ja, das würde ich unterschreiben.

              • Erwin Gabriel 21. November 2018, 23:59

                @ Stefan Sasse 20. November 2018, 15:57

                Merz ist für euch eine letztlich undemokratische Projektionsfläche.

                lol zurück.

                Dass Du Dich selbst ernst nehmen kannst, wenn Du so etwas schreibst, werde ich nie verstehen.

            • Blechmann 20. November 2018, 17:16

              Dafür hatten die US-Geheimdienste keine Infos über ihn aus DDR-Zeiten, so dass er nicht immer springen musste, wenn die USA das Stöckchen hinhalten, weswegen uns der Irakkrieg erspart geblieben ist.

    • R.A. 20. November 2018, 09:25

      „Mitte ist da , wo man selbst steht.“
      Das liegt daran, daß fast alle da stehen.
      Mittelschicht ist in Deutschland DIE allgemeine Lebenseinstellung.

      96% der Deutschen rechnen sich selber zur Mittelschicht. Nur 1% zur Oberschicht und 3% zur Unterschicht.
      Da paßt Merz absolut rein, auch mit seinem aktuellen Einkommen ist noch nicht bei den obersten 1%.

      • Stefan Sasse 20. November 2018, 10:41

        Wie schon gesagt – Selbstverortung und soziologische Analyse sind zwei Paar Stiefel. Und wo Merz sich sieht ist herzlich egal, wo seine Wähler ihn sehen ist relevant.

  • Stefan Pietsch 19. November 2018, 15:29

    ad 4
    Man muss mit einem gehörigen Maß kindlicher Naivität gesegnet sein, um dauerhaft links sein zu können. Der Unterschied zwischen Linken und Kindern: letztere werden irgendwann erwachsen. Oder links.

    Die Verschuldungsregeln des Maastricht-Vertrages werden von Linken gemeinhin als nicht geeignet verworfen, weil sie seit Einführung des Euros häufig gebrochen wurden. Als noch die alten Schuldenregeln des Grundgesetzes galten, wonach die Kreditaufnahme nicht höher sein durfte als die Summe der Investitionen, wurde auch diese Norm zahlreich verletzt. Protest der Linken ist nicht überliefert, in Vergessenheit geraten sind diese Regelbrüche im linken Lager allemal. Sie haben erst zur heute geltenden Schuldenbremse geführt, die offensichtlich als Regelwerk funktioniert.

    Als Ökonom konnte man sich leicht mit der alten Regel anfreunden, für Investitionen Schulden zu erlauben. Allein, ökonomische und politische Vernunft waren schon immer zweierlei Dinge. Wenn es also den Kritikern der Schuldenbremse, fast allesamt im linken Spektrum beheimatet, Ernst wäre mit ihren Absichten, würden sie als vernünftige und erfahrene Menschen Konsequenzen aus der Geschichte ziehen. Eine solche Konsequenz wäre, die Buchhaltung und Bilanzierung des Staates der von Unternehmen anzupassen, wie es schon seit Fords Zeiten in den USA praktiziert wird. In einer solchen Bilanzierung gibt es keine Ausgaben und Einnahmen, sondern Aufwendungen und Erträge. Der Unterschied: die Verauslagungen des Staates würden der Periode zugeordnet, zu der sie gehören. Investitionen müssten abgeschrieben werden und damit sollten bilanziell auch die dafür aufgenommenen Schulden getilgt sein, sonst hat der Staat hohen Verbindlichkeiten lediglich Schrottwerte gegenüber stehen.

    Auf den zweiten Blick wird klar, warum weder Fiskalpolitiker noch Linke eine solche ordentliche Rechnungslegung des Staates je wollten. Plötzlich würden die jahrzehntelang gegebenen Sozialversprechen mit einem Preis versehen. So müssten die Rentenversprechen mit rund 8 Billionen Euro abgezinst in die Bilanz eingestellt werden. Deutschland hätte auf einen Schlag eine weit höhere Staatsverschuldung als offiziell ausgewiesen, mit der jedes Unternehmen sofort zum Konkursverwalter gehen müsste. Jedes weitere Versprechen an die heutige Rentnergeneration müsste sofort als Schuld eingestellt werden und würde in dem Jahr das Defizit des Staates erhöhen. Eine solch seriöse Finanzpolitik wünscht sich kein echter Linker, weshalb von ökonomischer Vernunft geschwubbelt wird, während es doch vor allem darum geht, die Staatstätigkeit und den Konsumhunger der bestechlichen Wählerschaft gegen unendlich zu dehnen. So, wie es halt von 1970 bis 2005 praktiziert wurde.

    • Erwin Gabriel 22. November 2018, 00:12

      @ Stefan Pietsch 19. November 2018, 15:29

      Der Unterschied zwischen Linken und Kindern: letztere werden irgendwann erwachsen. Oder links.

      Gehässig, aber gut 🙂

      Merke ich mir, um ein paar Kumpels zu ärgern. Danke

      • Floor Acita 22. November 2018, 12:35

        Aber linke College Kids und lila Haarpracht tragende Feministinnen sind die Überheblichen in der Debatte…

        • Stefan Sasse 22. November 2018, 13:09

          Klar! Aber die argumentieren ja auch GEGEN einen. ^^

        • Erwin Gabriel 24. November 2018, 12:21

          @ Floor Acita 22. November 2018, 12:35

          Aber linke College Kids und lila Haarpracht tragende Feministinnen sind die Überheblichen in der Debatte…

          Du trägst lila Haare 🙂
          (Sorry – um es mit Stefan Sasse zu sagen: Der war zu verlockend)

          Ich hatte doch zugegeben, dass der gehässig war….

          Mit lila-haarigen Feministinnen habe ich wenig Kontakt. Die wechseln immer die Straßenseite, wenn sie mich sehen.

          Zu den College-Kids: Ja. War ich selber mal, und meine vorlaute Klappe habe ich nicht vergessen. Jetzt sind meine Töchter (je jünger, je feministischer, und eine davon mit pinken Haaren) im College-Alter, und zahlen mir heim, was ich damals meinem Vater antat.

          Tut gelegentlich bös weh.

          Es grüßt
          E.G.

  • Ralf 19. November 2018, 20:47

    Jens Spahn hat sich als deutlich rechts von Merkel positioniert und sie so kritisiert, aber diese Aussagen oben verkomplizieren das Bild deutlich.

    ???

    Was verkompliziert sich denn da? Hattest Du damit gerechnet, dass Jens Spahn seine eigene Beziehung – so wie Frau Kramp-Karrenbauer – in eine Linie mit Polygamie und Inzest stellt?

  • Ralf 19. November 2018, 21:04

    Gewinnt die Bewegung an Anhängern und Einfluss, können wir davon ausgehen, dass da was dran ist.

    So einfach ist das leider nicht. Von Wagenknechts Aufstehen kann man ja halten was man will, aber die Bewegung ist von den Mainstream-Medien in bekannter Manier bereits kaputt geschrieben worden, bevor sie auch nur eine Chance hatte sich zu entfalten. Da ist jeglicher Boden, auf dem die Bewegung hätte wachsen können verbrannt worden. Aus dem Ausbleiben von Wachstum kann man unter solchen Bedingungen nichts mehr schließen …

    • Stefan Pietsch 19. November 2018, 21:12

      Es ist ja klar, dass Anhänger (sehr) linker Konzepte immer Erklärungen für das eigene Scheitern finden, die immer bei Dritten zu finden sind. Tatsächlich haben die Öffentlich-Rechtlichen wie auch Printmedien wie der SPIEGEL (großes Interview mit Sahra Wagenknecht) die Bewegung nicht runtergeschrieben oder runtergeredet. Nur, was soll aus einer Organisation werden, bei der man schon engagiert ist, wenn man auf der Couch auf „Mitmachen“ klickt? So bekommt man keine schlagkräftige Einheit.

      Der konservative Autor Wolfram Weimer hat sich wiederum sehr positiv geäußert. Aber wahrscheinlich hat er damit auch die Bewegung nur runtergeschrieben…

    • Stefan Sasse 20. November 2018, 05:51

      Nach der Logik dürfte die AfD maximal 2% der Stimmen haben.

      • Ralf 20. November 2018, 20:53

        Die AfD und die Zielgruppe von Aufstehen kommen aus unterschiedlichen Milieus. Die AfD-Anhänger sind überwiegend ungebildete, testosterongeschwängerte Wutbürger, die weder an Fakten interessiert sind noch allzu viel lesen. Was Zeitungen wie der Spiegel schreiben, kriegen die garnicht mit. Und wenn sie es mitkriegen, dann als vorgekautes und vorbewertetes Paket („Fake-News der Lügenpresse“) in den sozialen Medien, was den eigenen Standpunkt eher stärkt als dass es den Standpunkt in Frage stellt.

        Ganz anders ist das bei der Zielgruppe von Aufstehen. Diese Bewegung kann überhaupt nur erfolgreich sein, wenn sie deutlich bis in die Mitte hineinstrahlt. Und gestandene Sozialdemokraten überzeugt, die seit Gerhard Schroeder heimatlos geworden sind. Aber diese Klientel ist nicht ungebildet. Diese Menschen lesen. Sie lesen vor allem Zeitungen wie den Spiegel oder die SZ. Und wenn Aufstehen unter Aufbringung aller Sturmgeschütze kaputt geschrieben wird, erstickt das in der Praxis jegliche Möglichkeit einer Lebensfähigkeit für ein solches Projekt im Keim.

        Das alles mal ganz abseits der Frage, ob Aufstehen eine gelungene Idee ist. Es gibt da durchaus gute Ansätze. Es gibt aber auch ohne Zweifel Probleme. Aber die Mainstreampresse ist an einer fairen, objektiven Debatte schlicht nicht interessiert. Es geht vielmehr darum den politischen Gegner zu erledigen. Wie seit Jahren schon.

        • Stefan Sasse 20. November 2018, 21:57

          Okay, aber da beschreibst du doch eine Kernproblematik: #Aufstehen konkurriert um eine recht kleine Wählergruppe gebildeter, links orientierter Wähler, die in den Grünen eigentlich ein naheliegendes Zuhause hat. Für wen soll die Bewegung denn nun sein? Die Rhetorik appelliert eher an AfD-Wähler.

          Und ich finde die Berichterstattung über die Bewegung jetzt nicht so dramatisch, das war schon wesentlich schlimmer.

          • Floor Acita 22. November 2018, 12:48

            Mich spricht die #aufstehen Rhetorik auch nicht an, aber die Grünen orientieren sich an einer anderen Einkommensgruppe und ich meine als Zielgruppe die ich mir wünschen würde nicht Arbeitslose, sondern das Heer an gig economy, new media oder auch gut ausgebildete Leiharbeiter die früher unter „Facharbeiter“ wesentlich besser verdient hätten, aber auch sicherer gewesen wären was Familienplanung etc. anbelangt. Aber durchaus auch Facharbeiter selbst, denen erst mal Dinge unterstellt werden oft aus Zwischenschichten heraus by the way, die eher auf sie selbst zutreffen… Und Stichwort Rhetorik „Männerhorden in die Pampa schicken“ spricht mich ehrlich gesagt auch nicht unbedingt an…

            • Stefan Sasse 22. November 2018, 13:10

              Mein Gefühl ist halt dass das die Zielgruppe sein sollte, aber nicht ist. Policy ja, aber politics nein. Weißt was ich meine?

  • Floor Acita 20. November 2018, 19:38

    Zu 3)

    Die Frage der Sicherheit ist sicher keine links/rechts Frage, nein. Der Artikel legt das ja sehr gut dar, indem er ausdrücklich auch Fälle von Gewalt gegen Muslime, brennende Asylbewerberheime, „steigenden rechtsextremen Gewalt gegen Ausländer und Andersdenkende“, gewaltbereiten Hooliganismus etc. benennt und den #caravan aus Honduras nicht als Gefahr, sondern als Ergebnis mangelnder Sicherheit qualifiziert und den Artikel damit beginnt.

    Das Problem ist aber, dass das „subjektive Sicherheitsempfinden“ und die reale Sicherheitslage nicht immer Hand in Hand gehen und erstes von allerlei Vorbehalten und Stereotypen beeinflusst wird. So gibt es mehrere Untersuchungen nachdem Amerikaner, gleich welcher Hautfarbe, Teenager dunklerer Hautfarbe als älter und bedrohlicher warnehmen als sie sind und als vergleichbare Teenager hellerer Hautfarbe – selbst auf Retouchen / 1:1 Vergleich.

    Jesse Jackson sagte einmal, dass der schlimmste Effekt von Rassismus für ihn persönlich sei, dass er Angst empfinde höre er in der Nacht Schritte hinter sich, drehe er sich aber um und sehe einen Weissen empfinde er Erleichterung.

    Dazu passt R.A.s Reaktion und vor allem das von ihm angesprochene AfD meme. Ich kenne etliche Frauen und Männer die des Nachts Angst, nicht nur in Parks, haben und zwar definitiv von rechten Gruppen. Frauen die Kopftuch tragen (ein Kollege erzählt mir oft von dem mulmigen Gefühl seit 2015 als offen praktizierender Muslim in seiner Wohngegend und vor allem die Blicke seiner Frau gegenüber), weil sie dunkle Hautfarbe haben oder Juden sind – ein jüdischer Bekannter von mir ist 2006 inmitten des Sommermärchens mehrmals Opfer rechtsradikaler Hooligans geworden, jüdische Schulen und Kindergärten erhalten seit Jahrzehnten Morddrohungen aus dem rechten Lager und die 2,4% Zunahme antisemitischer Gewalt seit 2015 geht auch zu >90% auf ermutigte rechtsextreme Täter zurück.

    Laren Southern läuft stundenlang durch Paris und filmt …was? Paris eben, kleine Märkte, Passanten, Dönerbuden. Erst viel mir gar nichts auf – m.E sieht Paris seit 25 Jahren so aus wie es aussieht, dann sah ich eventuell auf was sie hinaus wollte. Anzeichen kulturellen Wandels? Vielleicht, im Rahmen, wie gesagt wenn man Paris nicht kennt. Aber eine Bedrohung des Westens? Oder gar eine bedrohliche Sicherheitslage? Nada, nichts, aber auch gr nichts…

    Und das ist das Problem, der Staat hat sich um reale Fälle zu kümmern, sonst kann es nur übel enden. Wir können auch keine erhöhten Polizeiaufgebote stellen sobald ein Zirkus in der Stadt ist, weil die Leute Angst vor Clowns haben.

    Setzen wir fremd mit bedrohlich gleich haben wir ein Problem und genau das ist das Konzept von „law and order“ und führt, siehe USA, zu einer völlig ineffektiven Verreilung von Ressourcen, die zu einem Anstieg realer Gewalt führt und zu einer bedrohlicheren Sicherheitslage insgesamt…

  • Erwin Gabriel 24. November 2018, 12:38

    @ Floor Acita 20. November 2018, 19:38

    Setzen wir fremd mit bedrohlich gleich haben wir ein Problem und genau das ist das Konzept von „law and order“ und führt, siehe USA, zu einer völlig ineffektiven Verreilung von Ressourcen, die zu einem Anstieg realer Gewalt führt und zu einer bedrohlicheren Sicherheitslage insgesamt…

    Eingeschränkte Zustimmung.

    Auf der einen Seite gibt es eine überdurchschnittliche Kriminalität, auch bestimmte Formen von Gewaltkriminalität, durch die Zugewanderten (ich hatte dazu irgendwo hier einige Zahlen veröffentlicht). Auf der anderen Seite darf dass nicht dazu führen, alle Zugewanderten zu verurteilen, denn der weitaus größte Teil verhält sich offenbat korrekt.

    Ich vermute aber, dass die eingeschränkte Fähigkeit des Staates zur Strafverfolgung da eine große Rolle spielt. Würde der Staat hart und konsequent gegen alle Gewalttäter vorgehen, wären die Sorgen der Bevölkerung wohl deutlich kleiner.

    Speziell in den USA sehe ich ein großes Problem in der vergleichsweise unsachlichen, blutrünstigen Berichterstattung, die gezielt Ängste schürt, um Reichweite zu bekommen. In Kanada, mit einer vergleichbaren Waffendichte wie die USA gesegnet, gibt es deutlich weniger Gewalt.

    • Stefan Sasse 24. November 2018, 21:46

      Die Bevölkerung weiß doch aber gar nicht, wie hart die Polizei tatsächlich vorgeht. Das ist ja alles gefühlt. Wenn die das performen und verkünden und das geglaubt wird kann die Realität sein, und umgekehrt kannst du eine hoch aggressive Polizei haben der trotzdem keiner vertraut (schau mal nach Russland!).

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