Linke Wirtschaftsmythen (1): Die Lohnentwicklung prägt Inflation und Wachstum

Mit diesem Beitrag möchte ich eine neue Reihe über populäre linke Wirtschaftsmythen eröffnen, die oft keynesianischen Theorien entliehen sind, diese aber meist verbogen haben. Solche Theorien mögen durchaus einen realwirtschaftlichen Ursprung gehabt haben. Sie basieren jedoch ausschließlich auf nationalökonomischen Modellen, die durch die Globalisierung längst überholt sind. Im ersten Teil wende ich mich der sehr breit propagierten Annahme zu, die Lohnentwicklung seit Taktgeber für das Wirtschaftswachstum. Steigende Lohneinkommen führen zu wirtschaftlicher Prosperität – so die Theorie.

Moderne Verfechter keynesianischer Wachstumstheorien, davon gibt es zugegebenermaßen nicht mehr viele, vertreten die Ansicht, dass das Lohnwachstum das Wachstum der Ökonomie bedingt. Der frühere Finanzstaatssekretär Heiner Flassbeck vertritt diese Auffassung offensiv in seinen Seminaren und Internetbeiträgen. In einem Vortrag vom November letzten Jahres, überschrieben mit dem Titel „Warum die Rettung Europas nicht gelingen kann“, erhebt der Volkswirt aus Hamburg in dieser Frage drei zentrale Vorwürfe an die deutsche Politik:


 

  1. Die hiesige Lohnpolitik habe mit ihrer Zurückhaltung dafür gesorgt, dass das gemeinsame Inflationsziel von 1,9% nicht erreicht werden konnte und die Eurozone deshalb unter Spannung steht.
  2. Das geringe Lohnwachstum behindert das Wirtschaftswachstum.
  3. Deutschland hat sein Arbeitslosenproblem, aufgebaut seit den 1970er Jahren, auf die EU-Partnerländer exportiert.

Es versteht sich von selbst, dass mich diese Behauptungen skeptisch machten, widersprechen sie doch stark klassischen Wachstums- und Geldtheorien. Zudem benennt der ökonomische Spiritus Rector von Oskar Lafontaine ausgerechnet Frankreich als Vorbild, was schwer nachzuvollziehen ist, leidet unser Nachbarland seit langem unter Wachstumsschwäche und hoher Arbeitslosigkeit. Aber als akademisch Vorgebildeter bin ich auch einer gewissen Neutralität und wissenschaftlichen Neugierde verpflichtet. Also habe ich mich mit den genannten Parametern bewaffnet und versucht, die genannten Zusammenhänge herzustellen.

Zur Verfügung standen mir die Daten von 33 OECD-Ländern, für die ich mir die Werte für die Entwicklung der Produktivität, der Durchschnittslöhne, der Inflation, des Bruttoinlandsprodukts pro Kopf (GDP per capita) sowie der Arbeitslosenquoten heruntergeladen habe. Als den zu untersuchenden Entwicklungszeitraum habe ich 2005 – 2015 gewählt, hierin sind verschiedene Konjunkturzyklen enthalten. Die Angaben von Chile, Litauen und der Türkei habe ich ausgeklammert, da die Daten auf der OECD-Seite nicht vollständig sind.

Nach knapp 30 Minuten seines Vortrags geißelt Flassbeck die deutsche Politik, durch die unterdurchschnittliche Entwicklung der Produktivlöhne habe Deutschland sich weniger geleistet als möglich gewesen wäre. Er verwendet dafür aber nicht die dafür gebräuchliche Kennzahl der Lohnstückkosten, sondern bildet einen weitgehend unbekannten Index, der „Ratio of Compensation per employee to real GDP per person employed“. Der Begriff der Compensation ist in der angelsächsischen Fachliteratur weitgehender als der der Wages (Löhne). Unter Compensation können auch die Arbeitgeberanteile zu den Sozialversicherungen bis hin zu Transfers fallen, wenn auch letztere meist als „social benefits“ bezeichnet werden. Der Nenner, bezeichnet als „GDP per person employed“ enthält dagegen schon einen Teil dessen, was durch die Kennzahl erst gemessen werden soll. Der Anstieg des Pro-Kopf-Produkts bildet natürlich auch den Lohnanstieg ab. Am Ende steht das, was Flassbeck zeigen will: Die Lohnstückkosten (so bezeichnet er die Kennzahl) entwickeln sich unterhalb der von der EZB vorgegebenen Inflationsrate von 1,9%.

Mir standen die erwähnten Rohdaten zur Verfügung, Ratios bilden wir später. Inflation ist aus Ökonomensicht kein Selbstzweck, der Wegfall von Preissteigerungen beeinflusst nicht automatisch die Wachstumsmöglichkeiten. Inflation führt zur Verzehrung von realen Preisen, weshalb dieser Aspekt immer kritisch gesehen wird. Aber, die langsame Inflationierung der Erzeuger- und Anbieterpreise ermöglicht die Anpassung an veränderte Bedingungen. Da Löhne in Rechts- und Sozialstaaten typischerweise nicht sinken können, können stagnierende Löhne Unproduktivitäten kompensieren. Außerdem bietet eine geringe Preisinflation einen Sicherheitsabstand zu den als gefährlich eingestuften Deflationstendenzen, wo Güter immer billiger werden und so zur Kaufzurückhaltung führen.

Wages OECD

Chart 1: Wages OECD

Allerdings erscheint nicht einseitig, warum die Lohnstückkosten eine Wachstumstendenz zeigen sollten. Da die Lohnstückkosten die Frage beantwortet, was bekommt ein Arbeitgeber für sein Geld (Lohn / Produkteinheiten), bedeutet ein Anstieg dieser Kennzahl, dass Arbeit unabhängig vom Produkt immer teurer wird, während Arbeitnehmer für ihr Geld immer weniger arbeiten müssen. Das wirkt nicht gerade fair. Einen weiteren Aspekt gilt es im Auge zu behalten. Gewerkschaften begründen ihre Lohnforderungen stets mit der Formel: Produktivitätszuwachs + Inflation + Umverteilungskomponente. Lassen wir das Klassenkampfthema weg, so reduziert sich die Formel auf die Stabilität der Lohnstückkosten plus Inflation. Bei einer Produktivitätssteigerung von 1% und einer Inflation in gleicher Höhe läge der Lohnanspruch daher bei einem Plus von 2%.

Productivity OECD 1

Chart 2: Productivity OECD

Aber gibt es überhaupt einen Zusammenhang zwischen der Entwicklung der Lohnstückkosten den allgemeinen Preissteigerungen? Blickt man auf die OECD-Zahlen, so muss eine solche Beziehung negiert werden. So sanken im OECD-Mittel die Lohnstückkosten seit 2005 um 3%, während die Preise um 23% anstiegen. Die USA, Belgien, Israel und Australien verzeichneten eine absolute Stabilität der Lohnstückkosten, ihre Preise inflationierten jedoch zwischen 21 und 30 Prozent. In Deutschland legte die Lohn-/ Stück-Relation um 4% zu, die Preise dagegen um 16%. Auch die Schweiz kennt einen solchen statischen Zusammenhang nicht, dort stiegen die Produktivlöhne deutlich schneller als die Produktpreise. Das EU-Mitgliedsland Finnland blieb weit unter den vulgär-keynesianischen Erwartungen, das änderte jedoch nichts an einer hohen Inflation.

Fazit I: einen Zusammenhang zwischen Lohnstückkosten und Inflation gibt es nicht.

Aber Heiner Flassbeck macht die deutsche Lohnzurückhaltung auch verantwortlich für die Wachstumsschwäche der Eurozone. Auch hier gilt die Frage: gibt es tatsächlich einen (positiven) Zusammenhang zwischen Löhnen und Prosperität? Diese These steht im Zentrum der heutigen keynesianischen Interpretation. Steigende Löhne, so die Theorie, führen zu höherer Nachfrage und bedingen damit erst das Wachstum. Ich habe schon häufig Zweifel an dieser These angeführt, da sie Keynes Konjunkturtheorie zu einem langfristigen Wachstumsmodell verklärt. Daher war ich gespannt, ob diese Annahme wenigstens ein Körnchen Wahrheit enthält.

GDP per capita

Chart 3: GDP per capita

Dazu wählen wir zwei Betrachtungsweisen. Im einen stellen wir auf die prozentualen Lohnsteigerungen ab, im zweiten setzen wir diese in Beziehung zur Produktivität und vergleichen beides mit dem Wirtschaftswachstum. Der erste Blick geht wieder auf den Querschnitt aller OECD-Staaten. Über alle versammelten Industrieländer stiegen die Löhne um magere 5%, während die Wirtschaft trotz tiefgreifender Rezession 2008 /2009 um 31% zulegte (pro Kopf). Die rückläufigen Lohnstückkosten bestätigen das Bild. In den USA konnten sich die Arbeitnehmer über ein Plus von 9% freuen, die Gesamtwirtschaft dagegen wuchs um 26%. Ähnlich verhielt es sich in Deutschland, wo das BIP sogar um 44% pro Kopf zulegte. Selbst das von Flassbeck gelobte Frankreich sieht mit Lohnsteigerungen von 10% und 5% bei den Lohnstückkosten keine positive Korrelation zur allgemeinen Wirtschaftsentwicklung.

Eher lässt sich der umgekehrte Zusammenhang herstellen. Staaten mit stabilen Lohnstückkosten und moderaten Steigerungen der Arbeitnehmerentgelte gewinnen mehr Wohlstand und ernten höhere Beschäftigung als solche Volkswirtschaften, die den Empfehlungen und Theorien Flassbecks folgen. Dies lässt sich am Beispiel Spaniens zeigen. Dort stiegen die Löhne nur moderat und das Wirtschaftswachstum fiel mit 24% ordentlich aus. Warum aber war dann die Austerität erforderlich? Die Erklärung liefert die Verengung der Perspektive auf die Abschnitte bis 2010 und später. Stiegen die Löhne bis zum Ende der Nuller-Jahre um starke 10% und damit deutlich schneller als die Produktivität (6%), so verursachte die einsetzende Rezession einen Dämpfer und ließ die Entgelte um 4% schrumpfen. Im Ergebnis konnte damit 2013 die wirtschaftliche Talfahrt gestoppt werden. Leider lassen sich Verwerfungen am Arbeitsmarkt nicht so zügig kompensieren, erst seit 2014 sinkt wieder die Arbeitslosigkeit.

Fazit II: Die Annahme, dass steigende Löhne Wirtschaftswachstum verursachen, ist Nonsens.

Somit bleibt der Vorwurf, Deutschland habe mit seinen Agenda-Reformen lediglich die hiesige Arbeitslosigkeit exportiert, in dem stagnierende Löhne deutsche Produkte verbilligt hätten. Nach dem bisher Festgestellten sind schon zu Beginn Zweifel angebracht, denn wie gezeigt verteuern (oder verbilligen) sich Produkte nicht in Relation zu den Löhnen.

Gehen wir einen Schritt weiter und betrachten die Entwicklung der Lohnstückkosten in Bezug zur Arbeitslosenquote. Auch wenn sich hier kein völlig einheitliches Bild zeigt, so fällt doch auf, dass stabile Lohnstückkosten zu einer gesunden Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt führen. Im OECD-Mittel sanken wie beschrieben die Produktivlöhne leicht und genauso ging trotz einer Weltwirtschaftsrezession und der Staatsschuldenkrise in Europa die Arbeitslosigkeit insgesamt zurück. In Deutschland sank die Erwerbslosigkeit sogar trotz leicht zunehmender Lohnstückkosten auf ein Langzeittief. Das entgegengesetzte Bild zeigen die europäischen Krisenländer, die bis 2010 sich schnell wachsender Löhne erfreuten, nur um in den Jahren danach mit hoher Arbeitslosigkeit und fallenden Entgelten bitter zu bezahlen.

Fazit III: Ein „Export“ von Arbeitslosigkeit hat nicht stattgefunden.

Overview OECD figures 2005-2015 adjusted

Chart 4: Overview

Zusammenfassend hat sich keine von Heiner Flassbecks verbreiteten Theorien durch empirische Daten bestätigen lassen. Auch wenn mich das Ergebnis nicht überrascht hat, war ich doch erstaunt, wie absolut dieses Gesamturteil ausfallen muss. Globalisierung und die Internationalisierung des Kaufverhaltens der Konsumenten wirken stärker auf wirtschaftspolitische Ergebnisse als vermutet.

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  • Kirkd 15. August 2016, 15:52

    Wirtschaftswachstum und Produktitivitätswachstum bringen nichts, wenn der Arbeitnehmer am Ende nichts davon hat. Die Formel Produktivitätswachstum plus InflationsZIEL als langfristiger Massstab für Lohnerhöhungen ist im internationalen volkswirtschaftlichen Mainstream gut gelitten.

    • In Dubio 16. August 2016, 07:38

      Es gibt durchaus einen Unterschied, was wünschenswert und was vernünftig ist. Die Orientierung an einem imaginären Inflationsziel ist offensichtlich nicht vernünftig.

      Es bringt auch nichts, wenn ein Teil der Arbeitnehmer höhere Löhne bekommt und ein wachsender Teil arbeitslos wird. Die Entwicklung Spaniens ist hier ein Menetekel.

      • Kirkd 16. August 2016, 08:41

        Natürich ist die Orientierung an einem inflationsziel vernünftiger als die Orientierung an der Inlfation, weil letzteres selbstverstärkend wirkt und einen Inflationskreislauf erzeugt. Die 70er Jahre lassen grüssen.

        Spanien hat sich ja auch weder vor der Krise noch während der Krise auch nur Ansatzweise an dem von mir genannten Massstab orientiert, insofern verstehe ich den Verweis auf Spanien in diesem Zusammenhang nicht.

        • In Dubio 16. August 2016, 08:47

          Für Ihre Sichtweise finden Sie in den langfristigen Daten kaum Unterstützung. Im Trend lässt sich die Aussage treffen, dass die Wirtschaftsentwicklung am besten ausfällt und die Erwerbstätigkeit stabil bleibt, wenn die Löhne entlang der Produktivität steigen. Größere Steigerungsraten, beispielsweise um Inflationsraten erhöht, bergen das Risiko zunehmender Arbeitslosigkeit. Damit ist keinem gedient.

  • Tim 15. August 2016, 16:05

    Moderne Verfechter keynesianischer Wachstumstheorien, davon gibt es zugegebenermaßen nicht mehr viele

    Das würde ich so nicht unterschreiben. Man nennt sich heute vielleicht nicht mehr „Keynesianer“, aber unter der Haube ist man eben doch einer – die Abwrackprämie läßt grüßen. Sogar das EEG wurde ja teilweise keynesianisch begründet. Der Irrglaube, daß man mit massiver staatlicher Ausgabenlenkung nachhaltiges Wachstum erzielen kann, zieht sich doch in unterschiedlichster Verbrämung von links nach rechts.

    Dabei wird natürlich übersehen, daß alle westlichen Gesellschaften (Ausnahme vielleicht: die Schweiz) seit Jahrzehnten ein Keynes-Ausgabenprogramm auf Speed fahren. Seit vielen Jahren jetzt ja auch mit immer gefährlicherer Unterstützung durch die Zentralbanken.

    Keynes ist leider keinesfalls tot. Der Witz an der Sache ist bloß, daß Keynes heute selbst sicher kein Keynesianer mehr wäre.

    • In Dubio 16. August 2016, 07:42

      Sie sollten nicht den Fehler von vielen anderen begehen. Konjunkturpolitik und Wachstumspolitik sind zwei unterschiedliche paar Schuh, welche die meisten gleichzeitig anziehen wollen. Auch neoliberale Ökonomen bestreiten nicht die richtigen Ansätze von Keynes – in der kurzfristigen Konjunkturpolitik. In diesem Sinne war die Abwrackprämie durchaus ein passendes Instrument. Das ist es aber nicht, um eine grundsätzliche Wachstumsschwäche zu beheben.

      • Tim 16. August 2016, 08:58

        Auch neoliberale Ökonomen bestreiten nicht die richtigen Ansätze von Keynes – in der kurzfristigen Konjunkturpolitik.

        Aber nur, wenn der Stimulus einen erheblichen Teil der Staatsausgaben ausmacht. Da die westlichen Staaten heute aber besinnungslos Geld ausgeben, dürfte man z.B. in Deutschland einen meßbaren Kurzfristeffekt wahrscheinlich erst bei Paketen in der Größenordnung von 50 oder 100 Mrd. Euro haben.

        • In Dubio 16. August 2016, 09:15

          Genau das ist meine Standardkritik an keynesianischen Ideen. Der Brite entwickelte seine Theorien, als der Staatsanteil bei 10-15 Prozent lag, ein Stimulus in bereits geringer Höhe haute da voll rein. Bei 50% sieht die Geschichte schon anders aus. Die Keynesianer haben sich selbst ideologisch erwürgt.

          • Tim 16. August 2016, 10:50

            Ist ja auch das irre Konzept der Zentralbanken: If it doesn’t work – more of the same.

  • schejtan 15. August 2016, 17:21

    Ich habe mir mal die Rohdaten auch mal angeschaut. Die zur Lohnentwicklung kann man hier finden:

    https://stats.oecd.org/Index.aspx?DataSetCode=AV_AN_WAGE

    Die zum BIP hier:

    https://data.oecd.org/gdp/gross-domestic-product-gdp.htm

    Produktivitaet hier (mann muss hier ein bisschen mit den Einstellungen spielen und umrechnen, um ungefaehr die vom Autor genannten Zahlen zu erhalten):

    http://stats.oecd.org/Index.aspx?DataSetCode=PDB_GR#

    Dazu moechte ich feststellen:

    Wenn man die inflationsbereinigten Loehne und die inflationsbereinigte Produktivitaet betrachtet, ist es kein Wunder, dass sich da kein Zusammenhang zwischen der Inflation und diesen Groessen feststellen laessst. Und wenn man dann das BIP betrachtet, sollte man da vielleicht auch das inflationsbereinigte und nicht das nominale nehmen.

    • Fel 16. August 2016, 07:49

      Jetzt komm hier nicht mit irgendwelchen Fakten! Das irritiert doch nur.

      • In Dubio 16. August 2016, 08:41

        Es stehen sehr, sehr viele Fakten im Artikel. Da kann sich jeder bedienen.

    • In Dubio 16. August 2016, 08:31

      Ich habe den Inflation Forecast genommen, der indexiert ist:

      Inflation forecast is measured in terms of the consumer price index (CPI) or harmonised index of consumer prices (HICP) for euro area countries, the euro area aggregate and the United Kingdom. Inflation measures the general evolution of prices. It is defined as the change in the prices of a basket of goods and services that are typically purchased by households. Projections are based on an assessment of the economic climate in individual countries and the world economy, using a combination of model-based analyses and expert judgement. The indicator is expressed in annual growth rates.

      Die Steigerungsraten wurden von mir auf 2005 indexiert.

      • schejtan 16. August 2016, 11:23

        Es geht mir im Wesentlichen um Fazit 1: „Fazit I: einen Zusammenhang zwischen Lohnstückkosten und Inflation gibt es nicht.“

        Fuer den Beleg dieser Behauptung geben sie die Inflationsraten und die Lohnsteigerungen fuer einige Laender an und schliessen aus dem grossen Unterschied, dass es keinen Zusammenhang zwischen diesen Groessen gibt. Das Problem: Ihre Zahlen stimmen jedenfalls mit denen aus diesem Link

        https://stats.oecd.org/Index.aspx?DataSetCode=AV_AN_WAGE

        aus der Reihe „In 2015 constant prices at 2015 USD PPPs“ ueberein. Ein wenig googlen, zum Beispiel hier:

        http://www.economicshelp.org/blog/glossary/current-prices-constant-prices/

        zeigt, dass „constant prices“ im Wesentlichen inflationsbereinigt bedeutet. Und dass die inflationsbereinigten Loehne weniger steigen, als die Inflation selber ist trivial.

        Die Zahlen sprechen eher fuer das Gegenteil Ihres Fazits; da sich die inflationsbereinigten Loehen kaum aendern, ergibt sich eben eine Korrelation zwischen Inflation und Loehnen.

        Im zweiten Teil vergleichen Sie dann die Lohnsteigungsraten mit den Veraenderungen im BIP, und kommen hier zu dem Schluss, dass das BIP schneller waechst als die Loehne. Ein Blick auf den Infokasten in diesem Link:

        https://data.oecd.org/gdp/gross-domestic-product-gdp.htm

        zeigt, dass es sich bei diesen Zahlen um das BIP in „current prices“, also nicht inflationsbereinigt handelt. Sie vergleichen also eine inflationsbereinigte Groesse mit einer nicht inflationsbereinigten Groesse; das erscheint mir nicht sehr sinnvoll und es ist auch kein Wunder, dass sich dann die grossen Unterschiede ergeben.

        • In Dubio 16. August 2016, 11:53

          Okay, ich habe im letzten Chart nun auch die Löhne inflationieren lassen. Ihr Einwand war durchaus berechtigt.

          Allerdings bleibt es bei dem Fazit: zwischen Löhnen und Inflationsraten besteht kein messbarer Zusammenhang. Und das ist eine zentrale These von Heiner Flassbeck, dass nämlich die niedrige Lohnentwicklung die hiesigen Preise nicht so getrieben hätte, dass Deutschland das Inflationsziel von 1,9% erreichen konnte.

          • Jens 16. Februar 2017, 13:58

            Hallo Herr Pietsch,

            ihren Artikel habe ich mit Interesse gelesen.

            Ich verstehe aber nicht, was sie mit ihrer Kritik an der von Flassbeck verwendeten Kennzahl sagen wollen:
            Zitat:
            “ Unter Compensation können auch die Arbeitgeberanteile zu den Sozialversicherungen bis hin zu Transfers fallen, wenn auch letztere meist als „social benefits“ bezeichnet werden. Der Nenner, bezeichnet als „GDP per person employed“ enthält dagegen schon einen Teil dessen, was durch die Kennzahl erst gemessen werden soll. Der Anstieg des Pro-Kopf-Produkts bildet natürlich auch den Lohnanstieg ab. Am Ende steht das, was Flassbeck zeigen will: Die Lohnstückkosten (so bezeichnet er die Kennzahl) entwickeln sich unterhalb der von der EZB vorgegebenen Inflationsrate von 1,9%“
            1. Auch Wikipedia bezeichnet dies so

            https://de.wikipedia.org/wiki/Lohnst%C3%BCckkosten

            dort LSK(nominal)

            2. Was wollen sie damit sagen, dass der pro Kopf Anstieg natürlich auch den Lohnanstieg abbildet??? Das ist doch gerade die These, dass die Entwicklung der Löhne mit der Inflation korreliert. Was haben sie dann daran auszusetzen, dass er einen Indikator verwendet, der genau diesen Lohnanstieg berücksichtigt?

            3. Was soll der Hinweis zu den social benefits, auch Lohnnebenkosten genannt? Wenn diese Berücksichtigt werden ist der Vergleich doch besser, da man ansonsten Äpfel mit Birnen vergleicht, wenn in einem Land die Arbeiter diese vom ausbezahlten Lohn selber bezahlen müssen und im anderen diese vom Arbeitgeber bezahlt werden muss man dies doch berücksichtigen. Genau das macht Flassbeck

            Kurz ihre Kritik an dem von Flassbeck verwendeten Indikator finde ich nicht zutreffend oder unverständlich.

            Friederike Spiecker verwendet als Indikator

            (Bruttoeinkommen aus unselbstständiger Arbeit je geleisteter Arbeitsstunde der Beschäftigten)

            dividiert durch

            (REALES Bruttoinlandsprodukt je geleisteter Arbeitsstunde der Erwärbstätigen)

            Die Veränderung dieses Wertes korreliert atemberaubend gut mit der Inflationrate und zwar in der Zeitreihe von 1971 bis 2013 für die Länder
            Deutschland, EWU, Frankreich, USA und Japan!!!!

            Hier gezeigt:
            https://makroskop.eu/2014/04/abo-artikel-deflation-kein-thema-der-lohnpolitik/

            Abgesehen von den verwendeten Indikatoren hilft evt. auch eine Betrachtung der groben – ich nenne sie mal – Rahmenparameter.
            Das die Löhne zwischen 2005 und 2010 stagniert bzw. real gesunken sind ist ein Fakt z.B. hier

            https://de.wikipedia.org/wiki/Mittleres_Einkommen
            (auch wenn hier die Zeitreihe bei 2010 endet)

            Wenn in einer Währungsunion in einer Region die Löhne real sinken und in einer anderen steigen und in beiden Regionen gleichzeitig die Produktivität steigt, verlagert sich auch in der neoliberalen Welt die Produktion in die Region mit den sinkenden Löhnen, denn das ist einfach Angebot und Nachfrage.

            Fakt ist, dass in Deutschland bis weit in die 2010er Jahre hinein die Löhne stagniert sind. Im Süden hingegen sind sie gestiegen. Sowohl bei uns als auch im Süden ist die Produktivität weiter gestiegen. Folglich MUSS der Produktionsstandort Deutschland günstiger geworden sein! Wieso dadurch NICHT Arbeitsplätze nach Deutschland verlagert werden, würde ich gerne von Ihnen wissen. Ich sage dass muss in einer funktionierenden Marktwirtschaft sogar so sein.

            In Frankreich ist die Produktivität sogar höher als bei uns
            http://www.manager-magazin.de/politik/deutschland/arbeitsproduktivitaet-in-frankreich-hoeher-als-in-deutschland-a-999056.html

            Ein weiteres Indiz, dass Deutschland über Lohndumping Arbeitsplätze vom Süden der EWU importiert.

            Mit freundlichen Grüßen

            Jens

            • In Dubio 16. Februar 2017, 14:39

              Ich verstehe aber nicht, was sie mit ihrer Kritik an der von Flassbeck verwendeten Kennzahl sagen wollen:

              Meine Kritik richtet sich wie im Text ausgeführt daran, dass Flassbeck eine ziemlich unübliche Kennzahl verwendet, ohne sein Vorgehen zu erläutern oder nur transparent zu machen. Das ist Kritik an der Wissenschaftlichkeit, denn es erschwert das Verständnis und die Nachvollziehbarkeit. Es bleibt unklar, was Flassbeck mit „Compensation“ meint.

              Das ist doch gerade die These, dass die Entwicklung der Löhne mit der Inflation korreliert.

              Die Korrelation ist nicht selbstverständlich. Es ist eine Begründung für Lohnforderungen, tatsächlich ist die Inflationsentwicklung von zahlreichen Faktoren jenseits der Löhne geprägt. Anders lässt sich die geringe Preisentwicklung gerade in Deutschland seit 2010 kaum erklären.

              Was soll der Hinweis zu den social benefits, auch Lohnnebenkosten genannt?

              Wie gesagt, ich weiß nicht, was Professor Flassbeck mit „compensation“ meint, da er es nicht erläutert. So sind wir alle bei genauer Betrachtung auf Mutmaßungen angewiesen. Kein gutes Zeugnis für einen Wissenschaftler. Dazu zählt: Flassbeck scheint sich ein Ziel gesetzt zu haben, was in der Analyse herauskommen muss – nicht, was er untersuchen will. Seine Grundthese ist, das Wachstum und Inflation durch die Entwicklung der Löhne determiniert sind. Aber schon ein Laie muss sich bei der Entwicklung der letzten Jahre mit deutlichen Lohnsteigerungen in Deutschland und rückläufigen Einkommen in Südeuropa fragen, ob die These so stimmen kann.

              Das die Löhne zwischen 2005 und 2010 stagniert bzw. real gesunken sind ist ein Fakt z.B. hier

              Die Stagnation lässt sich nur bei Reallohnbetrachtung behaupten.

              Wenn in einer Währungsunion in einer Region die Löhne real sinken und in einer anderen steigen und in beiden Regionen gleichzeitig die Produktivität steigt, verlagert sich auch in der neoliberalen Welt die Produktion in die Region mit den sinkenden Löhnen, denn das ist einfach Angebot und Nachfrage.

              Beschäftigung und Produktion haben sich im Euro-Raum seit der Finanzkrise spürbar nach Deutschland verlagert und es gibt trotz sinkender Löhne keine Tendenzen, dass die Investitionen in Italien und Griechenland zunehmen würden. So einfach ist die neoliberale Welt nicht. 🙂

              In Frankreich ist die Produktivität sogar höher als bei uns

              Nützlicher sind inzwischen Regionsbetrachtungen. Die deutsche Exportindustrie ist fast ausschließlich in Westdeutschland angesiedelt, dort sind Löhne und Produktivität höher als in Frankreich. Nur die Einbeziehung der ehemaligen DDR in die Betrachtung verschiebt das Bild. Das kann man allerdings auch irreführend wahrnehmen, denn weder hatte Frankreich eine Wiedervereinigung zu stemmen nebst Integration planwirtschaftlich arbeitender Betriebe, noch gibt es eine regionale Schlagseite der exportlastigen Produktion – und die steht ja vor allem im internationalen Wettbewerb. Die Strände vor Stralsund konkurrieren nur bedingt mit Nizza.

              • Jens 16. Februar 2017, 19:04

                Lassen wir die Diskussion ob die Kennziffer üblich ist oder nicht, das ist wissenschaftlich betrachtet auch nicht wirklich relevant.

                Ich verstehe dennoch nicht, was sie an der Kennziffer stört. Die Entwicklung des Wertes:

                Bruttoeinkommen aus unselbstständiger Arbeit je geleisteter Arbeitsstunde dividiert durch reales Bruttoinlandsprodukt je Arbeitsstunde korreliert sehr sehr gut mit der Inflation und zwar, wie gesagt, für mehrere Länder über weit längere Zeitreihen als die von Ihnen verwendeten.

                Wie können sie dann sagen Löhne haben nichts mit der Inflation zu tun? Das dieser Wert ungewöhnlich ist reicht nicht als Gegenargument, zumindest mir nicht.

                Ich finde den Bezug auf eine Arbeitsstunde sehr sinnvoll, da Unternehmen ihre variablen Kosten üblicherweise auch auf eine Arbeitsstunde beziehen. Dass man die Bruttolöhne durch eine inflationsbereinigte Leistung dividieren muss ist eigentlich klar, ansonsten hat man ja die Inflation wieder aus den Löhnen herausgerechnet. Ich kann wirklich nicht erkennen, was an diesem Wert nicht stimmen soll.

                Was soll ihr Satz „Am Ende steht das, was Flassbeck zeigen will: Die Lohnstückkosten (so bezeichnet er die Kennzahl) entwickeln sich unterhalb der von der EZB vorgegebenen Inflationsrate von 1,9%.“ bedeuten? Wollen Sie sagen er hat ihn hingetrickst, dann hat er die Werte der anderen Länder höhergetrickst? Wenn er nicht getrickst hat, ist den Zahlen denoch zu entnehmen, dass in Deutschland irgend etwas anders gelaufen ist, als im Süden Europas.

                Also, was ist an dem von Fredrike Spieker und Herrn Flaßbeck herangezogenen Wert ist falsch, wieso ist er nicht geeignet?

                Ihr Hinweis, dass dort compensations und nicht wages steht ist nichtsstagend. Wenn man deutsche Werte mit angelsächischen vergleicht sind die compensations nichts anderes als Löhne plus Lohnnebenkosten, dass muss man so machen sonst vergleicht man Äpfel mit Birnen.

                Die von Flassbeck gezeigte Diagramm Minute 30 ist IMHO deswegen auch korrekt.

                Außerdem kann man sehr einfach einen kausalen Zusammenhang zwischen Lohnentwicklung und Inflation erkennen: „Auf einigermaßen wettbewerblich organisierten Märkten sind die Lohnstückkosten die entscheidenden Preistreiber, weil erstens ein Unternehmer Kostensteigerungen, die nicht durch Produktivitätszuwächse gedeckt sind, in den Preisen weitergeben muss, um nicht dauerhaft in die Verlustzone zu geraten, und weil gesamtwirtschaftlich gesehen die Löhne die Kostenkomponente schlechthin sind.“ Zitat von Fredericke Spieker aus

                https://makroskop.eu/2013/03/zur-lohnrunde-2013-teil-1/?success=1

                Zu ihrem Zitat:“ Beschäftigung und Produktion haben sich im Euro-Raum seit der Finanzkrise spürbar nach Deutschland verlagert..“

                Stimmen sie damit Flassbeck zu, dass deutsche Lohnzurückhaltung, Arbeitsplätze vom Süden nach Deutschland importiert hat? Falls nicht, also wenn es nicht deutsche Lohnzurückhaltung war, was war es dann, dass die Verlagerung der Arbeitsplätze getriggert hat?

                Zitat weiter : “ …und es gibt trotz sinkender Löhne keine Tendenzen, dass die Investitionen in Italien und Griechenland zunehmen würden. So einfach ist die neoliberale Welt nicht. :-)“

                Da bin ich ganz bei Ihnen. Die ganzen Reformen im Süden haben neben den Löhnen auch die Sozialausgaben reduziert. Jetzt fehlt die Nachfrage, die Unternehmen haben auf Grund der reduzierten Nachfrage ihre Maschienen nicht ausgelastet, warum sollten sie investieren?

                Ich verweise hier auf die Umfrage der EZB bei Unternehmen warum sie nicht mehr investieren (ich glaube von 2015).

                https://www.ecb.europa.eu/pub/pdf/other/eb201508_focus02.en.pdf

                Auf Seite 3 im linken oberen Chart sind die drei erst genannten Gründe für mangelnde Investitionen a) week demand b) poor outlook c) over capacity alle ein Indiz für die von mir geschilderten Zusammenhänge die Eurozone betreffend.

                Diese teilweise nötigen Reformen mit Austerität zu paaren ist IMHO dämlich. Das hat schon Brüning versucht und kurz danach waren die Nazis an der Macht.

                Ich stimme Flassbeck zu, der Euro OHNE finanziellen Ausgleich über Sozialkassen, Länderfinanzausgleich (was auch immer) kann nur funktionieren, wenn die Lohnsteigerungen in allen Ländern an den jeweiligen Produktivitätsfortschritt in den Ländern gleichermaßen angepasst werden, also grob Inflationsziel plus länderspezifischen Produktivitätszuwachs, ansonsten kommt es immer zur Verlagerung von Arbeitsplätzen von einem Land in ein anderes.

                Wenn es ganz dicke kommt, sprengt dass nicht nur den Euro sondern die EU gleich mit. Die europafeindlichen Parteien haben überall Zulauf und im Süden Europas grassiert die Arbeitslosigkeit. Griechenland hat Lohnsenkungen hinter sich, die größer sind als die Lohnsenkungen in Deutschland unter Brüning, dort herrscht Elend. Wirtschaftspolitisch sehe ich ein Versagen der europäischen Elite auf allen Ebenen.

                Der Witz für mich ist, dass Neoliberale und Flassbeck eigentlich das gleiche sagen. Mit nur einem „klitzekleinen“ 😉 Unterschied.

                https://youtu.be/JkYZrn93EIo

                Herr Sinn nennt es Inflation und Flassbeck Lohnentwicklung. Herr Sinn sagt, dass in Deutschland die Inflation mehrere Jahre 4% sein müßte damit der Süden mit nur 2% Inflation aufholen könnte. (Nur als Rechenexempel, er fordert dies nicht) Herr Flaßbeck meint Deutschland müßte mehrere Jahre Lohnsteigerungen von 5% haben, damit der Süden aufholen könnte. Von Fredericke Spieker ?wissen wir? (ok Sie nicht 😉 ), dass das eine vom anderen abhängt. Die Frage an Herrn Sinn und die Vertreter seiner Denkrichtung müßte doch sein, wie könnte Deutschland den eine höhere Inflation erreichen als sein Nachbarn?

                Nun, als Deutschlands Löhne stagnierten war auch die Inflation in Deutschland niedriger als im Süden der EWU. Vielleicht würden Deutschland ja mehr Inflation haben, wenn es seine Löhne stärker steigen läßt als der Süden der EWU.

                Gruß Jens

                • In Dubio 17. Februar 2017, 14:26

                  Mich stört, dass es eine nicht erklärte Kennziffer ist. Sie erklärt sich auch nicht durch den üblichen Gebrauch. Ich habe den Begriff auch gegoogelt und landete einzig bei Flassbecks Quelle. Warum hat Flassbeck sein Vorgehen nicht transparent gemacht, sondern seinen Zuhörern etwas vorgeknallt, wo sie nicht erkennen konnten, was das wirklich ist? Ich habe mir die Stelle selbst mehrmals angesehen und wurde nicht schlau, was er wirklich zeigt. Wie soll das ein Zuhörer, der nicht einfach zurück spulen kann?

                  Wie können sie dann sagen Löhne haben nichts mit der Inflation zu tun?

                  Ich habe dazu die Werte aller OECD-Länder – und nicht nur von Flassbeck ausgewählte – genommen: Inflation, Wages, Productivity. Da müssten sich ja Relationen und Korrelationen aufzeigen lassen, schließlich soll der Sachverhalt eindeutig sein. Das Ergebnis haben Sie gelesen. Warum komme ich nicht annähernd dahin, wo Flassbeck gelandet ist?

                  Wollen Sie sagen er hat ihn hingetrickst, dann hat er die Werte der anderen Länder höhergetrickst?

                  Nein, soweit würde ich bei einem anerkannten Wissenschaftler nicht gehen. In seinem Vortrag ist er aber semi-wissenschaftlich vorgegangen, das war keine Fachvorlesung, wie sie VWL-Studenten erleben. Und in dem Vortrag wollte er etwas zeigen, von dem er vorher bereits überzeugt war. Wie gesagt, meine Herangehensweise war anders, ich habe die Ausgangsthese naiv ausgelegt und anhand der genannten Parameter überprüft. Machen Sie doch die Probe aufs Exempel, holen sich die Werte für Deutschland von destatis und schauen, ob Inflation und Lohnentwicklung irgendwie zusammenpassen, trendmäßig oder sonstwie.

                  Ihr Hinweis, dass dort compensations und nicht wages steht ist nichtsstagend.

                  Sagen Sie mir, was Compensation ist. Der Begriff ist vieldeutig. Im Arbeitsrecht bedeutet er das Zielgehalt, inklusive beispielsweise Tantieme, Firmenwagen, Pensionszusagen und Arbeitnehmersozialbeiträge. Die OECD kennt vor allem Earnings und Wages, kaum Verwendung findet die Compensation als Kompendium aus Bruttolohn und Arbeitgebersozialbeitrag, bezogen als Anteil an der Bruttowertschöpfung. Der Durchschnittswert liegt jedoch nur bei rund der Hälfte. Das bedeutet, die Bruttowertschöpfung eines Landes setzt sich zu anderen Hälfte aus anderen Komponenten zusammen. Selbst wenn ich mich nur auf die rein makroökonomische Perspektive einlasse: warum sollte am Ende stehen, dass die Löhne die Inflation determinieren? Ich weiß ja gar nicht, wie sich die anderen Faktoren entwickeln?

                  „Auf einigermaßen wettbewerblich organisierten Märkten sind die Lohnstückkosten die entscheidenden Preistreiber, weil erstens ein Unternehmer Kostensteigerungen, die nicht durch Produktivitätszuwächse gedeckt sind, in den Preisen weitergeben muss, um nicht dauerhaft in die Verlustzone zu geraten, und weil gesamtwirtschaftlich gesehen die Löhne die Kostenkomponente schlechthin sind.“

                  … nur entspricht das nicht der mirkoökonomischen Lehre. Flassbeck referiert nämlich nur auf den Grenzproduzenten, das gilt aber selbst in der Theorie des Polypols nicht. Dort sind die Anbieter Preisnehmer (ein Begriff, der in der Makroökonomie nicht vorkommt). Lassen sich externe Erhöhungen der Erzeugerpreise beim Endabnehmer nicht durchsetzen, so reduziert der Unternehmer seine Marge. Diese Effekte ließen sich in der Vergangenheit oft beobachten: bei der Euroeinführung stiegen die Verbraucherpreise signifikant, obwohl es keinen Impuls von der Lohnpolitik gab. Die letzte Mehrwertsteuererhöhung wurde auch nicht vollständig an den Verbraucher weitergegeben, während die Erhöhung Mitte der 1990er Jahre zu weit mehr als 100% überwälzt wurde. Mein Hauptvorwurf: Flassbeck und andere haben eine rein nationalökonomische Perspektive, Konkurrenz durch ausländische Anbieter kommt in ihren Modellen nicht vor. So wird ein Großteil der deutschen Automobile eigentlich in Drittländern gefertigt. Warum sollten deren Preise in Deutschland die hiesige Lohnentwicklung widerspiegeln?

                  Die ganzen Reformen im Süden haben neben den Löhnen auch die Sozialausgaben reduziert.

                  Nehmen wir Italien. Dort ist der Durchschnittslohn mit gut 34.000 EUR seit 2011 stabil. Das ist sowohl im Euroraum ein hoher Wert als auch erstaunlich, angesichts der langanhaltenden Krise. Die Preise inflationierten in diesem Zeitraum kaum.

                  Ich bin immer etwas zurückhaltend, wenn mir jemand nicht den wahren Tenor seiner Quelle wiedergibt:
                  Uncertainty surrounding structural and fiscal policies in some euro area Member States was also reported as a
                  significant brake on investment. Respondents stressed also structural rigidities and regulatory constraints including high labour costs, employment regulations, “red tape”, zoning laws3 and product market rigidities as factors limiting investment in the euro area at the present time. Among the firms investing more outside the euro area than within, labour market regulations, labour costs and “red tape” were frequently cited as the strongest constraints together with weak growth prospects and policy uncertainty.

                  Die Gründe heben sehr stark auf eine bessere Angebotspolitik ab, das ist das Gegenteil, was Sie darstellen.
                  Asked about the policy changes needed to encourage further investment in the euro area, respondents principally cited reforms focusing on national labour and product markets and greater fiscal harmonisation. Respondents suggested that policies aimed at enhancing employment flexibility and reducing the risks (and costs) associated with hiring on a permanent basis are increasingly required in an environment of greater demand volatility.

                  Was Sie beschreiben ist, dass der Euro nach den Bedingungen von Maastricht nicht funktioniert. Das ist aber das einzige, was demokratische Legitimität besitzt. Somit plädieren Sie für ein Ende des Euro. Das ist die Konsequenz.

                  • Jens 18. Februar 2017, 20:34

                    Der Unterschied ihrer Berechnung zu der von Flassbeck ist, dass sie mit einem Durchschnittswert für die Löhne arbeiten. FLassbeck arbeitet mit den Löhnen und Lohnnebenkosten pro Stunde und verwendet bei den produzierten Gütern das BIP pro Arbeitsstunde, sie hingegen das Gdp pro Einwohner.

                    Damit ist Flassbecks herangehensweise zielführender, da die Lohnstückkosten nur auf das bezogen werden, was auch eine Aussage über die Kosten und Produktivität der Betriebe pro Stunde macht. Weil beim Vergleich der Wettbewerbsfähigkeit exakt diese variablen Kosten pro Stunde der Knackpunkt sind. Es interessiert bei den Lohnstückkosten nicht wieviele Menschen in dem Land leben sondern wie viele Arbeitsstunden die Menschen die einer Erwerbstätigkeit nachgehen auch benötigt haben um die Summe aller Güter und Dienstleistungen herzustellen.

                    Und die Entwicklung dieser Zahl korreliert verdammt gut mit dem BIP-Deflator (Inflation).

                    Wenn ich Ihnen irgendwie eine email schicken könnte, würde ich ihnen etwas dazu schicken.

                    Zu ihrem Hinweis, dass die Arbeitslosigkeit gesunken ist, kann ich nur sagen kein Wunder, so wie diese Statistik mittlerweile frisiert ist. Seit Einführung von Hartz4 hat sich so gut wie nichts getan. Wir verteilen die Arbeit immer nur um. Zwar sind in den letzten Jahren die insgesamt geleisteten Arbeitsstunden leicht gestiegen aber es sind auch ja auch ein „paar“ Leute zugewandert. Die Arbeitsstunden pro Kopf sind weiterhin rückläufig.

                    http://www.querschuesse.de/deutschland-leiharbeiter-medianer-bruttolohn-und-mehr/

                    Zitat:“20,4% Niedriglöhner (4,110 Millionen) selbst bei sozialversicherungspflichtigen Vollzeitbeschäftigten, ein Hammer, denn die Millionen geringfügig Beschäftigten sind in dieser Zahl noch nicht einmal enthalten! Ausschließlich geringfügig Beschäftigte gab es Stand Dezember 2015 auch noch 5,005 Millionen in Deutschland, welche allesamt Niedriglöhner sind, zusammen mit den 4,110 Millionen sozialversicherungspflichtigen Vollzeitbeschäftigten ergeben sich über 9 Millionen Niedriglöhner!!“

                    Hinzu kommen noch die Arbeitslosen. In der Summe waren wir da vor Hartz4 auch schon.

                    Das ist die traurige Wahrheit, die unsere Presse tot schweigt und lieber Jubelmeldung an Jubelmeldung über den Exportweltmeister Deutschland schreibt.

                    Sehr schön auch der Faktencheck zu der Jubelmeldung im Spiegel von 2015.

                    http://www.querschuesse.de/deutschland-laeuft-heiss-der-faktencheck/

                    Da läuft gar nix heiß!

                    Im übrigen hat Griechenland seine Löhne sehr wohl massiv gesenkt

                    http://www.nachdenkseiten.de/?p=21187

                    Gerade Deutschland zeigt, dass die neoliberale These, dass eine Senkung der Lohnkosten Arbeitsplätze schafft total falsch ist. Obwohl wir real unsere Löhne gesenkt haben. Haben wir unter dem Strich keine Arbeitspätze geschaffen, zumindest wenn man die Arbeitsstunden als Massstab nimmt. Dafür haben wir jetzt einen total aufgeblähten Niedriglohnsektor, und sogar eine Kopie der englischen Zero Hour Contracts eingeführt. Nennt sich KAPOVAZ.

                    http://www.annotazioni.de/post/1597

                    Und trotz dieser entsozialisierung unserer Gesellschaft kann Deutschland nicht seine Schulden tilgen, und dass bei einem Exportüberschussanteil am BIP von knapp 9%!!! Das ist schlicht unglaublich!

                    Und jetzt eifert notgedrungen die ganze EU Deutschland nach. Die EU ist nun ebenfalls Nettoexporteur. Damit sind die 2. (EWU) und 3. (China) größte Volkswirtschaft Nettoexporteure. Hinzu kommt noch Japan 4. größte, Südkorea und andere. Nennenswerte Exportdefizite hat nur noch die USA und UK, die andern Volkswirtschaften mit Defiziten sind unbedeutend klein. Kein Wunder dass die USA und UK als deindustralisiert gelten und zumindest die USA bis zur Halskrause verschuldet ist.

                    Das neoliberale Wirtschaftsmodell hat weltweit die Handelströme völlig aus dem Ruder geworfen. Es ist kollosal gescheitert. Für mich kein Wunder dass die USA Trump wählen und UK den Brexit. Nicht das dass etwas bringt, aber es ist ein Zeichen der Unzufriedenheit.

                    Zitat: „Ich bin immer etwas zurückhaltend, wenn mir jemand nicht den wahren Tenor seiner Quelle wiedergibt:“

                    Das ist gelinde gesagt frech oder zeugt von schlechten englisch Kenntnissen
                    „also“ heißt auch/außerdem/ferner.

                    Der von ihnen zitierte Punkt, wurde erst an VIERT Stelle genannt. Zuerst genannt ist
                    „Overall, demand factors
                    in terms of weak current demand and weak growth
                    prospects were CONSISTENTLY cited as the main
                    constraints on euro area investment at the present time.“

                    Für das Wort consistently schlage ich ihnen dict leo vor

                    dict.leo.org/englisch-deutsch/

                    „immer wieder/durchweg/einheitlich“

                    Die Frage ist doch warum, obwohl die Firmen ihren Punkt nur an vierter Stelle gennant haben, gerade auf diesem herumgeritten wird und das offensichtliche (weak demand) niemand sehen will?

                    Offenbar ist es wie bei einer Glaubensgemeinschaft, die auch nicht vom Glauben lässt, wenn die Fakten dagegen sprechen. Obwohl sich in der EU trotz mittlerweile 8 Jahren an Reformen keine Erfolge einstellen, wird in der neoliberalen Kirche weiter an den Erfolg der von ihr verabreichten Medizin geglaubt auch wenn empirisch rein gar nichts dafür spricht. Und der gesunde Menschenverstand sagt, es können nicht alle Länder Deutschlands Beispiel folgen, es können nicht alle ihre Probleme über Export lösen, außer wir finden jemanden auf dem Mond.

                    Und sein Probleme über den Export zu lösen ist exakt, dass was Deutschland derzeit macht.

                    Mit freundlichem Gruß

                    Jens

                    • In Dubio 20. Februar 2017, 11:12

                      Der Unterschied ihrer Berechnung zu der von Flassbeck ist, dass sie mit einem Durchschnittswert für die Löhne arbeiten. FLassbeck arbeitet mit den Löhnen und Lohnnebenkosten pro Stunde und verwendet bei den produzierten Gütern das BIP pro Arbeitsstunde, sie hingegen das Gdp pro Einwohner.

                      Ich habe nun auch mit den Zahlen von AMECO gerechnet und die Ratio gebildet – wobei das nicht einfach, weil in der Darstellung mit vielen Datensätzen auch irritierend und daher fehleranfällig ist. Resultat: es gibt keinen statistischen Zusammenhang zwischen Compensation noch Löhnen mit der Preisinflation. Sollten Sie aus den Zahlen der AMECO – und zwar über die Gesamtheit der OECD – etwas anderes herauslesen können, schicken Sie mir bitte die Originaltabellen mit Weiterberechnung. Dann wäre eine neue Basis zur Debatte.

                      Zu ihrem Hinweis, dass die Arbeitslosigkeit gesunken ist, kann ich nur sagen kein Wunder, so wie diese Statistik mittlerweile frisiert ist.

                      International arbeiten wir mit den Zahlen von ILO. Der Vorwurf des Frisierens ist so alt wie die Arbeitslosenstatistik, das hilft uns nicht weiter, daher arbeite ich in Debatten immer mit harmonisierten Zahlen.

                      Wir verteilen die Arbeit immer nur um. Zwar sind in den letzten Jahren die insgesamt geleisteten Arbeitsstunden leicht gestiegen aber es sind auch ja auch ein „paar“ Leute zugewandert.

                      Vor allem muss die hohe Frauenerwerbsquote verarbeitet werden, die andernfalls die Arbeitslosenzahl treiben würde. Das vergessen Sie. EU-Ausländer wandern wieder ab, wenn sie keine Arbeit finden. Mit den Frauen ist das nicht so einfach. Und Frauen arbeiten weit häufiger Teilzeit, was den Anstieg erklärt.

                      20,4% Niedriglöhner (4,110 Millionen) selbst bei sozialversicherungspflichtigen Vollzeitbeschäftigten, ein Hammer, denn die Millionen geringfügig Beschäftigten sind in dieser Zahl noch nicht einmal enthalten! Ausschließlich geringfügig Beschäftigte gab es Stand Dezember 2015 auch noch 5,005 Millionen in Deutschland, welche allesamt Niedriglöhner sind, zusammen mit den 4,110 Millionen sozialversicherungspflichtigen Vollzeitbeschäftigten ergeben sich über 9 Millionen Niedriglöhner!!

                      Wow, Deutschland ein Land voll Arbeitsloser! Ihre Zahlen genommen, hatten wir eher eine Arbeitslosenquote von 20%, das hat sich tatsächlich noch nicht herumgesprochen. Sie gehen sehr pauschal mit den Zahlen um.

                      Im übrigen hat Griechenland seine Löhne sehr wohl massiv gesenkt

                      Ich sprach nicht von Griechenland, sondern Italien. Hellas ist wirklich ein Sonderfall, in den Wirtschaftsstrukturen eher ein Drittweltland.

                      Und trotz dieser Entsozialisierung unserer Gesellschaft kann Deutschland nicht seine Schulden tilgen, und dass bei einem Exportüberschussanteil am BIP von knapp 9%!!! Das ist schlicht unglaublich!

                      Viele Ausrufezeichen erhöhen nicht die Seriosität. Zu den Schulden, weiter unten.

                      Die EU ist nun ebenfalls Nettoexporteur.

                      Geringfügig. Sie beklagen, dass die Südländer sich verschulden mussten, um die Importe zu bezahlen. Selbst wenn wir das für einen Moment so stehen lassen (wogegen es viel zu sagen gäbe), so bedeutet das, dass eine Entschuldung nur durch eine Umkehrung gelingen kann. Das scheint Ihnen aber auch nicht zu behagen.

                      Nennenswerte Exportdefizite hat nur noch die USA und UK, die andern Volkswirtschaften mit Defiziten sind unbedeutend klein. Kein Wunder dass die USA und UK als deindustralisiert gelten und zumindest die USA bis zur Halskrause verschuldet ist.

                      Aha. In der zweiten Hälfte der 1990er Jahre konnten sich die USA in absoluten Zahlen entschulden, obwohl sie weiterhin Handelsbilanzdefizite aufwiesen. Ähnlich UK. Binnen 8 Jahren verdoppelten die USA dann unter Obama ihre Schuldenlast, ohne dass die Importe einen nur vergleichbaren Trend gezeigt hätten (siehe hierzu auch den zweiten Teil der Serie). Da gibt es nicht mal statistische Korrelationen zu Ihrer These.

                      Das ist gelinde gesagt frech oder zeugt von schlechten englisch Kenntnissen

                      Sie haben behauptet, die Rezession in den Südländern wäre Resultat geringer Nachfrage. Als Beleg präsentieren Sie eine Umfrage, die für den gesamten Euroraum gilt. Und dort sind vielfältige Gründe genannt und sehr einseitige, angebotsseitige Politikempfehlungen. Dazu beziehen Sie die Begründung „Nachfrage“ auf die nationalen Verhältnisse. Nur wenige Unternehmen produzieren heute für einzelne nationale Märkte, das Unternehmen, für das ich derzeit arbeite, hat Schnupfen, wenn China hüstelt. Klar ist das Nachfrage, aber das hat ziemlich wenig mit Deutschland im Besonderen zu tun.

                      Obwohl sich in der EU trotz mittlerweile 8 Jahren an Reformen keine Erfolge einstellen

                      Das kann man auch anders sehen.

                      Ich bin demnächst bis Mitte März in Urlaub, ich werde mich daher ab jetzt kurz halten.

                    • Jens 27. Februar 2017, 19:48

                      Hallo nochmal,

                      erst mal wünsch ich ihnen einen schönen Urlaub, bzw. einen schönen Urlaub gehabt zu haben.

                      Unter dem folgenden Link finden sie eine OpenOffice/LibreOffice Calc datei. Die sollte sich auch in Excel öffnen lassen.

                      https://web.tresorit.com/l#xv4FFBGFWS7TngNJ4fqJkg

                      Ich habe, wie sie, ebenfalls die Ameco Datenbank herangezogen.

                      http://ec.europa.eu/economy_finance/ameco/user/serie/SelectSerie.cfm

                      Ich habe für mehrere Länder, unter anderem EU15, Deutschland (erst West dann Gesamt), Frankreich, USA und Japan die Berechnung von Flassbeck nachvollzogen. Hierbei habe ich das gebildet, was bei Wikipedia

                      „Lohnstückkosten als volkswirtschaftlicher Indikator“ bezeichnet wird.

                      https://de.wikipedia.org/wiki/Lohnst%C3%BCckkosten

                      Dieser Hinweis, um dem Argument vorzubeugen das wäre ungebräuchlich.

                      Als Lohnkosten habe ich das herangezogen, was in der AMECO als Compensation (UWCD) bezeichnet wird. Scheinbar ist der Begriff doch nicht so ungebräuchlich, wenn er in der AMECO Datenbank gleich mehrfach verwendet wird. 😉

                      Er ist dort wie folgt definiert

                      „Domestic concept, included are residents as well as non-residents working for resident producer units.
                      Compensation of employees includes wages and salaries (D.11) and employers‘ social contributions (D.12). “

                      Also Löhne plus Lohnnebenkosten und zwar die Löhne der im Land wohnenden plus die Gastarbeiter.

                      Diesen Wert habe ich durch das reale BIP (GDP at constant prices) (OVGD) geteilt. Die so gebildeten Werte sind damit die eingangs erwähnten Lohnstückkosten.

                      Von diesem Wert habe ich Änderungsrate berechnet und mit der Änderungsrate des BIP-Deflators verglichen.

                      Der Bip-Deflator wird in der AMECO Datenbank als Price-Inflator (PVGD) bezeichnet. Er ist ein Maß für die Inflation

                      Die Änderung der Lohnstückkosten und die Inflation korrelieren unglaublich gut für die Zeiträume von 1961 bis 2016!

                      Sie finden die Diagramme im ersten Reiter „Diagramme“. Sie müssen bis Zeile 60 runterscrollen. Die Ameco Original-Daten sind in weiteren Reitern ebenso die Zwischenrechnungen. Das finden sie schon, Zellschutz ist aus, sie können also alle Rechnungen nachvollziehen. Makros habe ich keine verwendet, sie können diese also deaktivieren. Ist besser bei Daten aus dem Internet 😉

                      Ich habe mir erlaubt bei den Werten für Deutschland, EU15 und EU12 jeweils bis 1990 die Werte von „West-Germany“, bzw. EU-15/12 with West-Germany einzutragen und ab 1991 mit Gesamtdeutschland weiterzurechnen. Dadurch hat man längere Zeitreihen. Von 1990 auf 1991 ist die Änderungsrate dann aber nicht ganz korrekt.

                      Die so gebildeten Lohnstückkosten spiegeln die Lohnstückkosten der gesamten Volkswirtschaft wieder, da im Zähler die Löhne plus Lohnnebenkosten stehen und im Nenner das reale BIP steht (Summe aller Güter und Dienstleistungen).

                      Ich habe auch noch untersucht, wie die Änderung der reinen Löhne mit der Inflation korrelieren. (Ist nicht in der Tabelle). Das ist auch schon ziemlich gut, aber dividiert durch das reale BIP ist die Korrelation nochmal deutlich besser.

                      Kurz. Die volkswirtschaftlichen Lohnstückkosten korrelieren verdammt gut mit der Inflation.

                      Nochmal zu der Umfrage der EZB. Ich habe NICHT gesagt, dass die Nachfrage schlecht ist, weil nur im Süden die Nachfrage schlecht ist. Ich sage die Nachfrage ist schlecht, weil im Süden die Löhne und Gehälter gekürzt werden und in Deutschland ist die Binnennachfrage mau, weil wir die Löhne über 10 Jahre gekürzt haben. Deswegen ist die Umfrage so bemerkenswert. Weil CONSISTENTLY alle von schwacher Nachfrage gesprochen haben. Nach neoliberaler Theorie müssten die Firmen jetzt aber investieren wie blöde, da wir liberalisiert haben wie die Teufel, aber Pustekuchen. Ein weiterer Beleg, dass die Neoliberale Wirtschaftstheorie höchstens als Religion taugt, da sie empirisch kleiner Überprüfung standhält! Liberalisierung senkt die Löhne und damit die Nachfrage. Der einzig positive Aspekt kann nur noch vom Ausland kommen, da man seine Lohnstückkosten gegenüber diesem gesenkt hat. Das funktioniert ja mittlerweile auch für die EU „gut“.

                      Das kann aber nicht für alle Länder der Welt gleichzeitig funktionieren. Außer wie produzieren alle für den Mond oder Mars!

                      Im Gegenzug haben wir ein Herr von Niedriglöhnern geschaffen. Deutschland hat mit Abstand die meisten Niedriglöhner in der EU!

                      http://www.querschuesse.de/deutschland-225-aller-arbeitnehmer-sind-niedriglohnempfaenger/

                      Das ist ein völlig beknacktes Wirtschaftskonzept!

                      Und weil die Nachfrage so schwach ist und Arbeit so billig investieren die Firmen nicht.

                      https://www.kfw.de/PDF/Download-Center/Konzernthemen/Research/PDF-Dokumente-Volkswirtschaft-Kompakt/VK-Nr.-102-Februar-2016-Produktivit%C3%A4t.pdf

                      Langfristig hilft aber nur ein starkes Produktivitätswachstum um die Einkommen und die Lebensverhältnisse zu verbessern. Das kann man schon an der von Ihnen erwähnten Faustformel Lohnzuwachs = Inflation plus Produktivitätszuwachs erkennen! Nach Abzug der Inflation bleibt nur das Produktivitätswachstum übrig, was die Volkswirtschaft real auf die Marktteilnehmer verteilen kann.

                      Neoliberalismus aber hemmt die Löhne und indirekt so auch das Produktivitäswachstum, was man wunderbar an den Meistern und Erfindern der Liberalisierung erkenne kann. Die USA und die UK. Die haben ein noch größeres Herr an Billiglöhnern, aber trotzdem sind Mexiko und andere noch billiger und deswegen sind die USA und UK auch in weiten Teilen deindustrialisiert. Durch Lohndumping ist nichts zu gewinnen!

                      Und nur vom Harre schneiden und sich gegenseitig Burger auf den Teller legen kann eine Volkswirtschaft nicht funktionieren. Soviel zu der Theorie der „Dienstleistungsgesellschaft“. Humbug hoch zehn. Viele hochwertige Dienstleistungen werden für die Industrie erbracht, zieht diese weg, sind auch die hochwertigen Dienstleitungen weg.

                      Lesen sie mal was sich hinter Obamas Job Wunder wirklich verbirgt.

                      http://www.querschuesse.de/usa-arbeitsmarktbericht-dezember-2016/

                      Mit freundlichen Grüßen

                      Jens

                  • Jens 1. März 2017, 10:32

                    Moin,

                    ich habe nochmals mit den Amec0 Daten herumgespielt.

                    Unter diesem Link

                    https://web.tresorit.com/l#xv4FFBGFWS7TngNJ4fqJkg

                    finden sie nach wie vor die Calc Tabelle, sie enthält die Ameco original Daten und meine eigene Berechnungen.

                    Wie gesagt betrachtet Flassbeck die Änderungsrate der Lohnstückkosten
                    = nominal Löhne+Lohnnebenkisten/ BIP at constant prices und vergleicht dies mit der Änderung des BIP-Deflators.

                    Die Korrelation ist für dutzende Länder über Zeiträume von 1960 bis 2016 schlicht phänomenal! Wie sie im Reiter „Digramme Lohnstückosten“ ersehen können.

                    Nun der BIP-Deflator ist nichts anderes als die GDP at current prices / GDP at constant prices.

                    Da Flassbeck seine Lohnstückkosten definiert als Löhne und Lohnnebenkosten / GDP at constant prices könnte man ja sagen das ist ja auch kein Wunder.

                    Denn einerseits ist das GDP die Summe aller Waren und Dienstleistungen aber anderseits ist es ja auch die Summe der Löhne, Gewinne und Zinserträge einer Volkwirtschaft. Man könnte also einen Kreisschluß vermuten, da ja bei der einen Berechnung ein Summand aus dem Zähler der anderen Berechnung steht.

                    Ich habe deswegen vom GDP at current prices die Compensations abgezogen, also genau die anderen Summanden genommen.
                    Dann habe ich geschaut wie Änderung dieses Wertes mit der Änderung des BIP-Deflators korreliert.

                    Die Digramme finden sie im Reiter
                    „GDP minus Compensations vs Inflation“. Fazit obwohl das (GDP . Compensations) rund 50% am gesamten GDP ausmacht korreliert die Änderung dieses Teil des GDP gar nicht oder nur sehr schlecht mit der Inflation.

                    Kurz der Teil des GDP der nichts mit den Löhnen oder Lohnstückkosten zu tun hat hat rein gar nichts mit der Inflation zu tun, der Teil der die Löhne bzw. die Lohnstükkosten bettift, trifft den nagel aber genau auf den Kopf.

                    Damit ist eindeutig gezeigt, dass die Änderung der Lohnstückkosten die Infaltion triggern!

                    Sie sollten den Titel ihres Blogs ändern. „Linke Wirtschaftsmythen die keine Mythen sind.“

                    Freundliche Grüße Jens

  • DDD 16. August 2016, 08:11

    Schöner Beitrag, allerdings hätten die Zeitreihen gerne länger sein können.

    Was mich an Flassbecks behaupteten Zusammenhängen stört ist, dass sie auch zeitlich nicht hinhauen. In seinem letzten Beitrag auf oekonomenstimme behauptet er (mal wieder), dass Deutschland durch „Lohndumping“ seine Leistungsbilanz gesteigert hat und dadurch Arbeitslosigkeit exportiert habe. Deutschlands Leistungsbilanz stieg aber schon seit 2003, die Arbeitslosigkeit sank aber noch jahrelang in den Ländern, mit denen D einen Leistungsbilanzüberschuss hatte.

  • Ant_ 16. August 2016, 08:23

    Zu diesem Thema eine weitere Kritik von den linken Spinnern bei der Financial Times:

    https://www.ft.com/content/c730daf0-62c4-11e6-8310-ecf0bddad227#axzz4HQNHsw00

    Zwei Zitate:
    „First, as Paul Krugman taught us all more than 20 years ago, it makes little sense to apply the concept of competitiveness to countries, which can’t go out of business, unlike companies, which can. National prosperity depends not on competitiveness but on productivity.“

    Und jetzt alles im Chor: Der Staat ist kein Unternehmen. Der Staat ist kein Unternehmen. Der Staat ist kein Unternehmen.

    „The policy implications of this analysis are considerable. They undermine the core of the eurozone policy programmes shared by the European Commission, the European Central Bank and the International Monetary Fund, to the extent these focus on labour market liberalisation designed to make wages more flexible.

    If any structural reforms ought to be prioritised, it is product market reforms that would make goods and services cheaper — as the IMF’s own research department has been arguing for years. It also means that aggregate demand stimulus is crucial to ensure that any increase in wage flexibility has a positive rather than a negative effect. In the eurozone, that means greater leeway for fiscal deficit spending in a recession, debt restructuring to make such deficit spending more possible and more effective, and banking policy, again including restructuring, that restores credit flow to damaged economies.“

    • In Dubio 16. August 2016, 08:40

      Was ist das? Weniger als 4 dürftige eigene Zeilen Kommentar? Der Staat ist kein Unternehmen, sonst hieße er Unternehmen. Verschwendung kann man sich jedoch nirgends wirklich leisten und Wohlstandsverluste sind Wohlstandsverluste.

      Menschen konkurrieren miteinander. Das fängt im Babyalter an und hört kurz vorm Sterbebett auf. Also konkurrieren auch Staaten miteinander. Oder kennen Sie ein einziges demokratisches Land, wo es der Regierung und den Bürgern egal ist, wie wohlhabend sie sind?

      • Ant_ 16. August 2016, 12:16

        Ja, Menschen konkurrieren miteinander.
        Sie haben nur anscheinend nicht verstanden, warum Freihandel eine gute Sache ist: Staaten konkurrieren eben nicht um einen fixierten Kuchen, und wenn ein Staat produktiverer wird als ein anderer, bekommt der dann mehr davon ab.
        Staat 2 importiert dann einfach Produkte aus dem Sektor, in dem Staat 1 produktiver ist, dadurch erhöht sich die Kaufkraft der Bevölkerung. Die Industrie 1 von Staat 1 ist erfolgreicher, Industrie 1 von Staat 2 geht aus dem Geschäft. Das ist dann weg. In der Gesamtrechnung über beide Parteien ist diese Produktion jetzt *für alle* effizienter geregelt – es gibt Wohlstandszuwächse auf beiden Seiten.

        Handel ist kein Nullsummenspiel, anders als Sie implizieren – und das ist übrigens die klassische liberale Position in dieser Debatte ;).

        Und natürlich kann sich niemand Verschwendung leisten (wollen). Ich denke nur, dass Ihre Einschätzung, was staatliche Verschwendung ist, stark von meiner divergiert – gerade eben weil für Staaten andere Regeln gelten als für nicht-regulative Agenten die einfach nur zwischen gleichen auf einem Markt miteinander konkurrieren. Das kann ja auch keiner wollen – würde ein Staat „wegkonkurriert“ werden, wären die Menschen ja immer noch da.

        • In Dubio 16. August 2016, 12:25

          Ich habe nicht von einem festen Kuchen gesprochen. Nehmen Sie doch mal ein paar der Länder, die derzeit Probleme haben: Frankreich oder Italien. Beide Länder verlieren nicht absolut an Wohlstand. Sie stagnieren und bereits da sind die Folgen schlimm. Sie äußern sich in höherer Arbeitslosigkeit und relativem Wohlstandsverlust.

          Und so verschwinden Länder, anders als Unternehmen natürlich nicht vom Markt. Die Menschen in nicht-konkurrenzfähigen Volkswirtschaften können nur nicht mehr so am internationalen Warenaustausch teilnehmen. Schauen Sie nach Russland: Die Leute haben nicht weniger auf dem Konto, aber die von ihnen begehrten Westwaren sind oft nicht mehr erschwinglich oder erst gar nicht verfügbar. Aber natürlich gibt es Russland noch.

          Dafür geht es den Asiaten immer besser. Der globale Kuchen wächst. Nur halt nicht für alle.

          • Ant_ 16. August 2016, 17:53

            Nun gut, dann mal hinab in die Diskussion der Differenzierung!

            Mein erster allgemeiner Punkt, dass Freihandel alle Teilnehmer immer begünstigt, indem er das Gesamtsystem effizienter macht, heisst auf Italien und Frankreich gemünzt: Beide Länder wären noch sehr viel schlechter dran, wenn es in den letzten 20 Jahren nicht den Aufstieg in Asien, v.a. China gegeben hätte, der indirekt eine Kaufkrafterhöhung der Bevölkerung dargestellt hat. Das ist ja auch Tragik an wirklich rein protektionistischen Forderung von Populisten, nicht nur Trump: Die reale Kauftkraft der bereits Gebeutelten würde es am schlimmsten erwischen.

            In Bezug auf Italien kann ich nur sagen: seit der Einführung des Euros nicht signifikant gewachsen zu sein bei gleichzeitiger Inflation bedeutet notwendigerweise, dass der absolute Wohlstand sinkt. (Kontrafaktisch zu „wenn man gewachsen wäre und der Rest des Systems gleich geblieben wäre“, aber auch weniger exotisch im Vergleich zum Vorjahr)

            Was die problematischen Folgen eines Produktivitätsabfalls angeht, zwei Erwiderungen:
            1. Die sinnvolle Reaktion von Regierungen darauf, dass ein industriesektor im Begriff ist, international unkompetetiv zu werden, lautet: Versuchen, neue Beschäftigungsmöglichkeiten zu ermöglichen, bei denen man entweder einen internationalen Vorteil hat (z.B. London), oder die international nur marginal konkurrieren (Services).
            2. Denjenigen, die dann immer noch mehr Kosten als Nutzen von der zunehmenden Globalisierung haben, muss geholfen werden. Die Effizienzgewinne, und vor allem auf die Kosten im Gesamtsystem werden asymmetrisch verteilt, und das ist ein Problem weil zunehmend die politische Durchsetzbarkeit an eben dieser asymmetrischen Verteilung scheitert (z.B. Brexit)

            Mein Punkt an dieser Stelle ist dann vor allem: Jedes Land, das stagniert wie die von Ihnen angegebenen Beispiele ist eine Tragöde – nicht nur für das Land und dessen Bürger, sondern genauso für alle anderen Teilnehmer. Sie werden nur nie ein gutes Bild der Gesamtsituation und der Entwicklung haben, wenn sie einfach nur allgemeines Lohnniveau, Inflation usw. komisch über/gegeneinander legen und dann der Meinung sind, irgendetwas relevantes rauszukriegen. Das war auch die Stoßrichtung meines ersten Kommentars: Indem Sie auf der gleichen Ebene, mit gleichen Instrumenten, Denkstrukturen usw. wie Herr Flassbeck arbeiten, geben Sie ihm zumindest insoweit recht, als dass Sie dessen Metrik usw. für relevant erachten, anstatt zur Differenzierung aufzurufen. Das hätte dann natürlich den Nachteil, dass man keine eindeutigen, einfachen Antworten mehr bekommt – weder für die eine, oder für die andere politische Seite. Das ist allerdings die Kritikrichtung, die ich an dieser Stelle sowohl Herrn Flassbeck als auch Ihnen entgegen bringen würde.

            • In Dubio 16. August 2016, 20:52

              Ich fürchte wir bekommen keinen richtigen Streit hin. Auch ich sehe Freihandel grundsätzlich als vorteilhaft an.

              Die sinnvolle Reaktion von Regierungen darauf, dass ein Industriesektor im Begriff ist, international unkompetetiv zu werden, lautet: Versuchen, neue Beschäftigungsmöglichkeiten zu ermöglichen, bei denen man entweder einen internationalen Vorteil hat (z.B. London), oder die international nur marginal konkurrieren (Services).

              Italienische Unternehmen sind beispielsweise durchaus wettbewerbsfähig, nur haben die Unternehmer des Landes kein Interesse, auf dem Stiefel zu investieren oder zu produzieren. Selbst die industrielle Ikone FIAT verlagert nun die Firmenzentrale in die Niederlande. Man kann in Italien gut seine Produkte verkaufen, da die Bevölkerung wohlhabend ist. Aber warum sollte man dort Produktionsstätten unterhalten?

              Denjenigen, die dann immer noch mehr Kosten als Nutzen von der zunehmenden Globalisierung haben, muss geholfen werden.

              Nein! Länder wie Italien oder Frankreich können sehr wohl, sie wollen nicht: Politik, Gesellschaft, Workforce.

              • Ant_ 17. August 2016, 09:00

                Italien: Stimmt – aber es kann nicht jedes Land Autos bauen und dann exportieren.
                Zu dem zweiten Punkt: Ich würde das anders formulieren:
                Länder wie Italien oder Frankreich *könnten* sehr wohl, sie wollen nicht.
                Meine Einschätzung ist: Das ist total legitim – es gilt immer noch das Primat der Politik, nicht der Wirtschaft, und nicht zu wollen muss ein genauso legitimes Ergebnis des politischen Prozesses eines Landes sein, als zu wollen (darüber, was genau Sie mit dieser nebulösen Formulierung genau implizieren, fange ich jetzt mal gar nicht an 😉 )
                Wenn die Konditionen für ein Land nicht dergestalt sind, dass eine zunehmende Öffnung attraktiv erscheint, dann wird diese nicht passieren. Und das ist eigentlich aus liberaler Sicht auch total unproblematisch, weil diese Staaten sich innerhalb der liberalen Freihandelstheorie schon selbst mehr als genug abstrafen, indem sie auf die Vorteile verzichten – da muss man als souveräner Liberaler nicht mit Schaum vorm Mund daneben stehen und sich darüber aufregen, dass das Budget von Frankreich schon wieder, und die Produktivität und Bürokratie von Italien immer noch…! – das zu ändern ist die Aufgabe der jeweiligen Politik des Landes, und wenn sich dann entschieden wird, lieber die jetzige Situation zu ertragen, und nichts zu ändern, dann muss das wie gesagt auch legitim sein. Wenn die politische Elite dann eine Öffnung durchsetzen möchte, muss man halt die Parameter im Land so gestalten, dass das möglich ist – mit Sozialstaat usw.

                • In Dubio 17. August 2016, 15:30

                  Auch die italienischen Mittelständler flüchten. Die Kaffeeautomatenhersteller haben weitgehend ihre Produktion ausgelagert, obwohl die Azurris etwas vom Kaffee versehen. Und an Fiat hängen viele Zuliefererfirmen, die heute weniger Grund denn je haben, im Land zu bleiben. Bleiben noch die Designer, da ist Made in Italy noch ein Qualitätsmerkmal.

                  Das Problem ist: die Leute wollen Wachstum und Erwerbsarbeit wie in den USA, der Schweiz oder Deutschland, aber zu den nie bewährten Konditionen in Bella Italia und Fronkreich. Es ist ja nicht so, dass Gesellschaft und Politik sagen, sie wollen das so. Für die Italiener sind die Deutschen an allem Schuld, selbst für die desaströse Lage ihrer Banken.

        • Blechmann 18. August 2016, 21:23

          >Sie haben nur anscheinend nicht verstanden, warum Freihandel eine gute Sache ist

          Allerdings ist das auch eine These für die es statistisch-empirisch keinen Beleg gibt. Ich habe eine Betrachtung von Niall-Fergusson dazu gelesen, wo er den Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum und Freihandel für die Zeit um 1900 auf längere Zeiträume betrachtet. Und wiewohl er an der These selbst festhält, Freihandel=Wirtschaftwachstum, muss er zugeben, dass sie sich statistisch nicht belegen lässt.

          Ebenso wenig lässt sich die These, dass der Euro Deutschland und den anderen Euro-Ländern nützt, statistisch erhärten. Das wird lediglich logisch abgeleitet. Jedenfalls habe ich noch keine derartige Statistik gesehen, die das Wachstum der Euro-Länder mit den Euro-Muffeln vergleicht. Vielleicht kennt jemand eine.

        • Jens 1. März 2017, 12:25

          Ich stimme ihnen soweit zu, dass Handel kein Nullsummenspiel ist und sich Freihandel prinzipiell/eigentlich für beide Seiten lohnt.

          Allerdings unter drei Bedingungen.
          1) Die Währungen müssen fair zueinander stehen
          2) Mittelfristig müssen die Handelsbilanzen ausgeglichen sein
          3) Es darf keine Subventionen geben

          Ich denke zu 1 muss nicht viel erläutert werden, da sonst die Preise verzerrt sind.

          2) Ist ebenfalls zwingend nötig, da nur so eine ständig steigende Verschuldung des Partners mit negativer Handelsbilanz verhindert werden kann, denn eine negative Handelsbilanz geht IMMER mit einer Verschuldung einher. Erst einmal unabhängig davon, ob sich die Bürger, der Staat oder die Unternehmen verschulden.

          3) Der dritte Punkt ist eigentlich auch klar, da Subventionen die Preise verzerren. Sie sind mit ein Grund weshalb Afrika nicht aus dem Quark kommt. Es produziert sehr viel Agrarprodukte. So kann zum Beispiel Burkina Faso seine Baumwolle nicht zu fairen Preisen verkaufen, da Amerika seine Baumwollfarmer subventioniert. Gleiches gilt für die EU die Hühnerklein in Afrika verschleudert.

          De facto wird keiner der drei Punkte eingehalten, weshalb es auch keinen wirklichen Freihandel gibt.

          Und Ricardo mit einen komperativen Vorteilen kann ich nur zustimmen. Nur werden seine Vorrausetzungen häufig übersehen. Er ging von Vollbeschäftigung aus und dass die Arbeiter von einem Land nicht in das andere wechseln können. Außerdem ging er noch vom Goldautomatismus aus, der auf Dauer ausgeglichene Handelsbilanzen schlußfolgerte.

          Definition Goldautomatismus:
          https://de.wikipedia.org/wiki/Goldautomatismus

          Im Prinzip sagt Ricardo, wenn alle Arbeit haben, ist es besser alle machen, dass was sie am effektivsten können und tauschen dann die Waren ein die sie benötigen. Solange alle Arbeit haben stimmt das auch, denn dann werden insgesamt die meisten Waren produziert.

          Nur, in den USA haben nicht alle Arbeit und die Handelsbilanz ist sein Jahrzehnten chronisch negativ. Seit 1987 sind es kumuliert 14.000Mrd. fast 3/4 des aktuellen BIPs. Dafür sind in der USA nun die Bürger und der Staat bis über beide Ohren verschuldet und das Spiel geht nur weiter, weil die FED die eigenen Staatsanleihen kauft/e.

          In den USA gibt es immer weniger Jobs

          http://www.querschuesse.de/usa-arbeitsmarktbericht-dezember-2016/

          Das ganze erinnert eher an ein Schneeballsystem, dass nur am laufen gehalten wird, weil die USA Geld drucken wie blöde.

          Die Länder die in die USA exportieren erhalten nur noch grüne Zettel als Gegenwert, das ist eigentlich unsinning, dass sieht mittlwereile auch Prof. Sinn so

          https://www.youtube.com/watch?v=JkYZrn93EIo

          Er spricht von kalligrafischen Produkten, die wir im Gegenzug erhalten. Er spricht zwar „nur“ von den Exporten in den Süden der EU, dass gilt aber zunehmend auch für Exporte in die USA.

          Das alles hat mit einem Freihandel, wie ihn Ricardo annahm rein gar nichts mehr zu tun.

          Und irgendwelche Sonderklagerechte von Großkonzernen auf entgangene Gewinne habe ich da noch gar nicht erwähnt.

  • Kirkd 16. August 2016, 09:00

    Keynes hat in dieser Frage übrigens einen unerwartetet Verbündeten: Paul Kirchhof (zB in einem leider nicht online verfügbaren FAZ Artikel vom 1.12.2014): Der Staat ist Garant der Freiheit, nicht Subjekt der Freiheit.

    • In Dubio 16. August 2016, 09:19

      Kenne ich. Daran ist nichts auszusetzen. Nur damit wir uns nicht falsch verstehen: ich lehne den Staat nicht ab und in diesem Thread geht es nicht um den Staat, sondern Lohn- und Wirtschaftstheorien. Als ich den Vortrag von Flassbeck damals in voller Länge gesehen hatte, war ich sehr interessiert, seine Thesen anhand umfangreicher, nicht handservierter Daten zu überprüfen. Und ganz ehrlich: ich hätte erwartet, dass zumindest Tendenzen erkennbar gewesen wären. Der sehr gegenteilige Befund hat mich in der Form dann doch überrascht.

  • popper 16. August 2016, 11:42

    @In Dubio
    Dieser ganze Sermon muss leider unter der Rubrik: „Lügen mit Zahlen“ abgehakt werden. Sie sind nicht einmal ansatzweise in der Lage zu abstrahieren und den Vortrag Flassbecks in DEN Sachzusammenhang einzuordnen, den er tatsächlich vorgibt. Dieser behandelt ausschließlich die Frage: „Warum die Rettung EUROPAS nicht gelingen kann“. Ihre OECD Daten in Ehren, aber diese sind als Widerlegungskonstrukt makroökonomischer Zusammenhänge un der Krise Europas (genauer EWU), wie Flassbeck sie herausarbeitet, vornehm ausgedrückt, untauglich. Sie widerlegen auch den logischen Zusammenhang zwischen Lohn, Preis und Inflation nicht. Es sei denn , man glaubt angesichts der enormen Programme und Aufkäufe der EZB und damit verbundener Ausweitung ihrer Bilanz, die Geldmengenausweitung verursache Inflation. Aber, der Monetarismus ist, soweit Sie es noch nicht wissen sollten, mausetot. Nur ganz resistente Neoliberalis glauben gegen alle Logik weiter daran.

    Gerade der Neo- Merkantilismus Deutschlands zeigt auf exemplarische Weise, dass niedrige Löhne Arbeitslosigkeit exportieren. Wir stellen mehr her als wir verbrauchen und andere stellen weniger her, weil sie mehr kaufen. Und das noch auf Pump. 250 Mrd. per anno verschuldet sich das Ausland bei uns, um unsere Waren zu kaufen. Das verstärkt sich noch, indem wir im Ausland produzieren und dadurch die Warenströme zusätzlich verschleiern. Der ganze Süden; mittlerweile auch Frankreich zeigen doch auf eklatante Weise, dass niedrige Löhne, insbesondere bei einem hohen Anteil des Binnenmarktes an der Wertschöpfung, zu Arbeitslosigkeit führen. Schon deshalb sind ihre Vergleiche anhand des Datenmaterials der OECD sinnentleert und grob irreführend. Sie zeigen Korrelationen auf, wo stringente Kausalitäten gefragt sind. Wer, wie Sie glaubt, das Nebeneinanderstellen von Zahlenmaterial enthalte Fakten, macht sich die Welt, wie er sie gerne hätte, und nicht wie sie ist. Insoweit liefern Sie wiederholt einen mageren Beitrag zum Verständnis ökonomischer Zusammenhänge. Und ihre ideologischen Versatzstücke werden auch durch permanentes Wiederholen nicht besser. Die Wiederholung ermüdet nur den Leser ihrer Elaborate. Ihr Scheitern als Neoliberaler ist offensichtlich, da jede Form konstruktivistischer Heilslehre aka Hayek und Konsorten sich selbst ad absurdum führt. Auch wenn Untote noch etwas länger leben.

    • In Dubio 16. August 2016, 11:58

      Ich wollte am Schluss des Artikels noch den Hinweis geben, dass ich mich nicht mit Theorien ohne Empiriebezug auseinandersetzen werde. Unter diesen Aspekt fällt Ihre Kommentierung. Theorien sind dazu da, die Wirklichkeit zu erklären, diese Betrachtung bleibt bei Ihnen wie gehabt völlig außen vor.

      Ich habe nüchtern Flassbecks Behauptungen anhand der von ihm genannten Zusammenhänge überprüft. Ganz simpel, wie es jeder Abiturient können müsste. Schließlich behauptet Flassbeck selber in seinem Vortrag – und das mehrmals: das ist im Grunde alles ganz einfach.

      • popper 18. August 2016, 08:16

        @In Dubio
        schreibt: „Ich habe nüchtern Flassbecks Behauptungen anhand der von ihm genannten Zusammenhänge überprüft.“

        Mit Verlaub, genau das haben Sie nicht getan, denn Flassbeck bezieht seine Daten von „Eurostat“ und der AMECO Database der Europäischen Kommission. Sie stellen dem sebst frisierte Daten der OECD gegenüber und konstruieren einen Widerspruch. Nur, das widerlegt nicht im Geringsten die Daten von Eurostat und AMECO. Auch haben Sie keine Zusammenhänge überprüft, sondern nach ihrem persönlichen Gusto interpretiert. D.h., ihr theoretischer Ansatz ist: Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Damit wird ihre ganze Argumentation unwissenschaftlich. Einem Abiturienten, der seine Prüfungsaufgabe mit persönlichen Vorstellungen und Meinungen konterkariert würde man ein grobes Verfehlen des Themas vorwerfen.

        In ihrem Falle kommt hinzu, dass Sie aus Mangel an empirischer Erfahrung in ökonomischen Fragen zu Fehlinterpretationen neigen bzw. systemimmanente Zusammenhänge einfach leugnen. Spätestens seit Kant wissen wir, dass theoriefreies Erkennen nicht möglich ist. Die scheinbar selbstverständlichen Wahrnehmungsvorgänge wie Sehen, Hören und Fühlen beruhen ja bereits auf vorformatierten neurologischen Bahnungen, sodass wir im ontologischen Sinne immer nur das erkennen können, was wir mittels unserer körperlich-geistigen Einstellungen zu erkennen fähig sind. Insofern leben wir permanent in der Spannung zwischen Wissen und Nichtwissen. Wissen (-schaft) findet eben nicht in den Köpfen einzelner Menschen statt, sondern in den Selektionsprozessen der wissenschaftlichen Anschlusskommunikation. Unter diesem Aspekt bilden ihre Kommentare/Treads keinen gültigen Erkenntniswert oder etwa die Grundlage für einen sinnstiftenden Diskurses. Im Gegenteil, Sie outen sich ständig als profaner „Streithansel“, dessen Spezifikum darin kulminiert, stets das Primat des ersten Gedankens zu generieren. Sich aber fortwährend in subalternen Denkschablonen verheddert und in randständiger Betriebsblindheit endet. Eigentlich sehr schade, zumal ihr intellektueller Impetus einiges von dem verspricht, was er dann aufgrund unwissenschaftlicher „Irrlichterei“ bedauerlicherweise dann doch nicht halten kann.

        Das werden Sie teilweise als Abweichung vom Thema interpretieren. Ich denke auch das gehört dazu.

        • In Dubio 18. August 2016, 08:35

          Googlen Sie bitte mal „Ratio of Compensation per employee to real GDP per person employed“. Sie werden nur 1 bis 2 zielgenaue Treffer erhalten. Im Vortrag selber redet Flassbeck dagegen von Lohnstückkosten. Das passt aber mit seiner Grafik nicht überein. Die Lohnstückkosten in Deutschland (+4%) und Frankreich (+5%) sind nämlich ziemlich gleichlautend seit 2005 gestiegen.

          Falls Sie es nicht wissen: OECD und Eurostat beziehen die Zahlen aus den gleichen Quellen. Im Falle Deutschlands sind das vor allem das Statistische Bundesamt und das SOEP des DIW. Beide Institutionen verfolgen keine eigenen Erhebungen. Sollte man wissen, wenn man mitreden will.

          • popper 19. August 2016, 10:20

            @In Dubio
            schreibt: „Im Vortrag selber redet Flassbeck dagegen von Lohnstückkosten. Das passt aber mit seiner Grafik nicht überein.“

            Da haben Sie teilweise recht, was aber nichts an der Richtigkeit der Grafik ändert. Diese bildet indexiert die Löhne der einzelnen Länder ab. Und zeigt, dass nur Frankreich sich an das Inflationsziel gehalten hat. Dabei geht es nicht um eine kurzfristige Betrachtung 2005-2016, sondern über den gesamten Zeitraum seit Beginn der Währungsunion bis heute. Allerdings versucht Frankreich seit geraumer Zeit den „deutschen Weg des Lohndumpings“ zu kopieren. Mit fatalen wirtschaftlichen Folgen. Sollten Sie jetzt wieder behaupten, es gäbe kein Inflationsziel der EZB, dann schauen Sie bitte hier: https://www.ecb.europa.eu/ecb/tasks/monpol/html/index.de.html . Übrigens Deutschland hatte zu DM-Zeiten genau dieses Inflationsziel und bei Einführung des Euro darauf bestanden, dass die EZB dem folgt.

            • Stefan Pietsch 19. August 2016, 10:26

              Diese bildet indexiert die Löhne der einzelnen Länder ab.

              Nein, tut es nicht. Sonst wäre von Wages und nicht von Compensation die Rede. Habe ich allerdings bereits im Artikel erläutert, von daher: Wiederholung.

              Allerdings versucht Frankreich seit geraumer Zeit den „deutschen Weg des Lohndumpings“ zu kopieren. Mit fatalen wirtschaftlichen Folgen.

              Sie vergessen: zu Beginn seiner Präsidentschaft probierte es Hollande mit Steuererhöhungen, mehr Arbeitsschutz und Nachfragepolitik. Erst vor so 12 / 18 Monaten änderte er seinen Kurs, wobei die meisten Gesetze noch gar nicht in Kraft sind. Die schlechte Wirtschaftslage ist also seiner anfänglichen sozialistischen Politik geschuldet.

              • popper 19. August 2016, 19:00

                @Stefan Pietsch
                Es ist für Ihren Diskussionsstil bezeichnend, dass Sie einleitende Formalien herausgreifen, die für den Streitgegenstand unerheblich sind und dazu nutzen vom Thema abzulenken. Denn Flassbecks Sachschilderung ist absolut logisch. Nur ein notorischer Ignorant bestreitet das.

                Dasselbe gilt für Ihre Analyse der wirtschaftlichen Entwicklung in Frankreich. „Sozialistische Politik“ ist eine sinnentlerte Worthülse. Und ist nichts weiter als Ihr laienhafter Versuch mit ominösen Langzeitwirkungen ökonomische Abfolgn zu leugnen, die anhand der von Flassbeck genannten Datenzuordnungen logisch nicht zu bestreiten sind. Aber das hat bei Ihnen ja Methode. Ein sachlicher Diskurs ist das nicht.

                Denn, der Rückgang der Reallöhne und damit der Realeinkommen führt zu einem Rückgang der Nachfrage, was verhindert, dass der neoklassische Nexus (also eine Ausweitung der Beschäftigung über eine Substitution von Kapital durch Arbeit) überhaupt zum Zuge kommt. Auch die Idee, dass zeitgleich mit dem Reallohnrückgang die Beschäftigung steige und es deshalb nicht zu einem Rückgang der Realeinkommen insgesamt komme, ist falsch, da der Ausgangspunkt ja bereits eine Unterauslastung der Kapazitäten war; die Unternehmen brauchen erst mal ein positives Absatzsignal, bevor sie Leute neu einstellen. Vermutlich ist daher in punkto Beschäftigung das Gegenteil des Angestrebten der Fall: Nach der Lohnsenkung dürfte die Beschäftigung unmittelbar sinken, wie in Südeuropa ja exemplarisch zu beobachten war/ist. Das zu relativieren oder zu bestreiten wäre schlicht albern.

                Jetzt können Sie wieder Satzrudimente rauspicken und dazu ihren „Senf“ absondern. Anstatt sachbezogen auf Argumente antworten.

    • In Dubio 16. August 2016, 12:02

      Zu dem Aspekt der Exportüberschüsse und die damit verbundenen linken Mythen komme ich im zweiten Teil der Serie. Gedulden Sie sich also bitte. 😉

  • Beate 16. August 2016, 18:19

    Haben wir mit Hans Werner Sinn nicht schon einen Scharlatan zuviel in Deutschland.

    Lohnsenkungen schaffen keine Arbeitsplätze.

    Das „Deutsche Jobwunder“ der letzten Jahre ist weniger den Hartz-Re

    formen als vielmehr dem demografisch bedingten Rückgang der Bevöl

    kerung im Erwerbsalter, der Verteilung der Arbeit auf mehr Köpfe und
    rekordmäßigen Exportüberschüssen zu verdanken.

    Staatliche Ausgabenkürzungen oder Lohnsenkungen veringern die gesamtwirtschaftliche Nachfrage und schaffen keine Arbeitsplätze.

    Ich gehe davon aus, dass sie wissen dass Wettbewerbsfähigkeit eine relative Größe ist , abhängig von der
    Lohnstückkostenentwicklung wird sich die Wettbewerbsposition innerhalb einer Währungsunion verschieben.
    Produktivität ist eine absolute Größe, Zuwächse der Produktivität die verteilungsneutral auf Kapital und
    Arbeit aufgeteilt werden ändern die Wettbewerbsposition nicht da die Lohnstückkosten gleich bleiben.
    Lohnsenkungen in einem Land innerhalb einer Währungsunion entsprechen in ihrer Wirkung einer
    Wechselkursmanipulation.
    Eine Wechselkursmanipulation macht nur Sinn, wenn durch die Auslandsnachfrage im Inland ein sich selbst
    tragender Aufschwung initiiert wird.
    Nettoexporte erhöhen die gesamtwirtschaftliche Nachfrage.
    Nur deshalb steigt die Beschäftigung.
    Und genau deshalb wird die Produktion von Gütern für den Export im Inland Arbeitsplätze entstehen lassen.
    Es werden zusätzliche Einkommen geschaffen und Unternehmen können ihre wirtschaftliche Lage verbessern.
    Ein sich selbst tragender Aufschwung ist bis heute in Deutschland nicht in Sicht.
    Die Löhne sind real kaum gestiegen, was sich an den desaströsen Einzelhandelsumsätzen in Deutschland
    zeigt.
    Die Entwicklung der realen Einzelhandelsumsätze in Deutschland (blau) und in UK (rot) von Januar 1990 bis
    Mai 2016 für UK und bis April 2016 für Deutschland als Index 1990=100. Während es in Deutschland um
    müde +3,3% aufwärts ging seit 1990 bis April 2016, ließen es sich die Briten gut gehen, mit einem Anstieg
    von +91,4%!!
    http://www.querschuesse.de/uk-reale-einzelhandelsumsaetze-mai-2016/
    Die Erklärung für die stagnierenden Einzelhandelsumsätze in Deutschland ist einfach: Werden Ressourcen
    inkl. Arbeit dazu verwendet, Güter zu produzieren, die dann ins Ausland geliefert werden, kann die heimische
    Bevölkerung diese Güter nicht konsumieren oder – im Fall von Investitionsgütern – für weitere Produktion
    einsetzen.
    Das Land trägt die Kosten der Produktion von Gütern, die es selber im Inland nutzen könnte, die aber Will ein Lnd irgendwann in der Zukunft die Früchte seiner Exporte geniessen, muß es mehr und mehr
    importieren.
    Das heißt Deutschland muß ein Leistungsbilanzdefizit hinnehmen.
    Da der Staat den Haushalten und Unternehmen nicht vorschreiben kann sich zu verschulden wird der Staat
    sich verschulden müssen mehr als 3% des jährlichen Bruttoinlandsproduktes und mehr als 60% des
    Bruttoinlandsproduktes. Mit diesen Kriterien ist das unmöglich!

    Keiner konnte mir bisher die Frage beantworten, wie die durch die Exportüberschüsse entstehenden riesigen Geldvermögen auf die Bevölkerung verteilt werden.

    • In Dubio 16. August 2016, 21:05

      Erstmal: herzlich willkommen!

      Der Artikel beschäftigt sich mit Thesen, die linke Ökonomen (und ihre Anhänger) pflegen. Wie Heiner Flassbeck meinte: das ist ganz einfach. Und so habe ich einfach überprüft. Sie haben beides: den Vortrag von Flassbeck, der die relevanten Punkte in den ersten 40 Minuten abhandelt und den Zahlen der OECD, die ich weitgehend unbearbeitet gegenüberstelle. Ich wäre da schon interessiert zu sehen, wo sich empirische Belege für die angeführten Thesen finden.

      Zu den Exportüberschüssen komme ich noch, Geduld.

      Ein sich selbst tragender Aufschwung ist bis heute in Deutschland nicht in Sicht.

      Wie definieren Sie selbsttragend?

      Die deutschen Löhne und Lohnstückkosten sind in den letzten 10 Jahren schneller gestiegen als in Großbritannien. Die Briten haben nur noch so 15% Anteil des produzierenden Gewerbes an der sektoralen Verteilung. In Deutschland trägt der industrielle Bereich noch 28% zum volkswirtschaftlichen Erfolg bei. Großbritannien exportiert deswegen nicht so stark, weil Finanzdienstleistungen und Beratungsleistungen nicht in die Import-/Exportbilanz eingehen.

      Keiner konnte mir bisher die Frage beantworten, wie die durch die Exportüberschüsse entstehenden riesigen Geldvermögen auf die Bevölkerung verteilt werden.

      Nee? Ist ganz einfach und lässt sich an den Lohnstatistiken nach Branchen ablesen.

      • Beate 17. August 2016, 12:54

        Das statistische Bundesamt meldet 0,4% Wachstum für das letzte Quartal.

        Es ist davon auszugehen , dass wir NullWachstum längst erreicht haben.

        Das Ausland ist nicht verschuldungsfähig.

        Ein sich selbsttragender Aufschwung kommt nur zustande wenn die Unternehmen mehr investieren.

        Werfen Sie einen Blick auf die Entwicklung des Einzelhandelsumsatzes in Deutschland.

        Warum sollten Unternehmen so blöd sein zu investieren?

        Mit schlecht bezahlten Leiharbeitern kriegt man keinen sich selbst tragenden Aufschwung in Deutschland hin.

        • In Dubio 17. August 2016, 15:20

          Das sind aber von Ihrer Seite Knieschuss-Hinweise:

          Die deutsche Wirtschaft wächst weiter: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) war im zweiten Quartal 2016 – preis-, saison- und kalenderbereinigt – um 0,4 % höher als im ersten Quartal 2016. Zum Jahresbeginn 2016 hatte es einen kräftigen Anstieg des BIP von 0,7 % gegeben. (..)

          Im Vorjahresvergleich hat sich das Wirtschaftswachstum ebenfalls erhöht: Das preisbereinigte BIP stieg im zweiten Quartal 2016 um 3,1 % und damit so stark wie seit fünf Jahren nicht mehr.

          Die amtlichen Statistiker jubeln und Sie bescheinigen Deutschland Nullwachstum. Das geht wohl kaum zusammen. Sie behaupten ein selbsttragender Aufschwung benötige Unternehmensinvestitionen, das ist aber schon wegen der Y-Formel (Volkseinkommen) nicht richtig.

          Und auch mit dem Konsum sind die Statistiker zufrieden. Die Lohneinkommen steigen seit 6 Jahren schneller als die Gewinn- und Kapitaleinkünfte und es reicht Ihnen nicht?

        • Stefan Sasse 18. August 2016, 06:52

          0,4% Wachstum im Jahr wären scheiße. Im Quartal ist es okay. Nichts zum ausflippen, aber auch nicht gerade schlecht. Als Jahrestrend macht das 1,6% Wachstum.

          • FrageZeichen 18. August 2016, 07:11

            Wenn man glaubt, es ginge nicht mehr dümmer, dann kommt der Sasse auch schon mit einem Kommentar daher.

            Und jetzt zu den Tatsachen: Die genannten Daten zum „Wirtschaftswachstum“ bringen seit Jahren deutlich die desolate Situation des Westens zum Ausdruck. Die Zahlen liegen einfach unterhalb der Fehlertoleranz. Wir haben kein Wachstum. Es herrscht Stagnation.

            In Deutschland ist beispielsweise die komplette Binnenwirtschaft „im Arsch“. Lediglich die aufgepumpten Exportzahlen verzerren das gesamtwirtschaftliche Bild. Auch diese sind (im Kontrast zu den Aussagen der Mainstreampropaganda) jedoch kein Grund zum Jubeln.
            Ganz im Gegenteil: Außenwirtschaftliche Ungleichgewichte führen zu ganz neuen Problemen. Die (nach wie vor) bestehende und eskalierende „Eurokrise“ ist direkter Ausdruck davon.
            Auf der einen Seite hat man dann überschuldete Nationen und auf der anderen Seite Gläubiger die ihre Schulden nicht mehr eintreiben können.
            Die Folgen für Deutschland: Irgendwann ist das Geld dann weg (Schuldenschnitt) und die Waren hatte man ja schon vorher verloren. Tolles Exportmodell. Wie nennt man so etwas? Dumm gelaufen.

            Ansonsten: Immer blond bleiben. Der Endsieg ist nah.

            • In Dubio 18. August 2016, 08:09

              Brauchen Sie wie ein ungezogener Junge in regelmäßigen Abständen eins hinter die Löffel? Sie wissen längst, dass wir gegen persönliche Herabwürdigungen ziemlich intolerant reagieren. Zeigen Sie zur Abwechslung mal, dass Sie ein intelligentes Wesen sind.

              Die privaten Konsumausgaben liegen mit 54% des BIP auf dem Niveau der Anfang der 1970er Jahre, der Willy-Zeit. Zusammen mit den Konsumausgaben des Staates bewegen wir uns auf dem Level zur Zeit der Wiedervereinigung. Der Anstieg der Exportquote ging zu Lasten der Investitionsquote, nicht wie Sie suggerieren, der Konsumausgaben. Da kann man sich durchaus fragen, warum es so unattraktiv ist, in Deutschland zu investieren.

              Einfach sich mit Zahlen und Fakten beschäftigen, statt in die Luft zu blubbern.

              • FrageZeichen 18. August 2016, 09:00

                Ich denke eher, dass sie immer wieder mal eines mit dem Löffel brauchen. Der Rest der Mannschaft mag auf ihre Nebelkerzen und den neoliberalen Neusprech hereinfallen. Bei mir schaffen sie das nicht.

                Und warum wird in D wohl nicht investiert? Weil die Märkte hier „im Arsch“ sind. Eben deswegen. Wo kein signifikates Wachstum mehr zu erwarten ist, da wird auch nicht investiert. Nicht mal diesen einfachen Zusammenhang scheinen sie verstehen zu können.

                Zu den steigenden privaten Konsumausgaben: Ist ihnen vielleicht schon mal aufgefallen, dass in vielen Ballungszentren die Mieten ziemlich massiv gestiegen sind? Anscheinend nicht. Vielleicht können sie sich jetzt einen Reim auf die ganze Geschichte machen.
                Mit Wirtschaftswachstum hat das alles nichts zu tun. Bestenfalls in der idiotischen marktwirtschaftlichen Sichtweise. Ich nenne das: Bubble Economy.

                Sie sollten sich also selbst mit ihrem Geblubbere etwas zurückhalten. Es ist die dämliche Wirtschaftspolitik ihrer Gilde die für die katastrophalen Zustände innerhalb Europas verantwortlich ist.

                • Wolf-Dieter Busch 20. August 2016, 14:37

                  @FrageZeichen – Stefan Pietsch ist zugute zu halten, dass er dir Gelegenheit zu Gegenaufklärung gibt. Nutze sie, statt zu schimpfen.

                  @Stefan Pietsch – wegen der Länge des Artikels sehe ich mich nicht imstande zu sachlicher Stellungnahme (bis auf ein paar allgemeine Bemerkungen weiter unten). Eine vertane Chance.

                  • FrageZeichen 21. August 2016, 21:09

                    Tja, noch hat man die Möglichkeit aufklärerisch zu wirken. Auch wenn es kaum jemanden interessiert.
                    Allerdings sieht das Establishment so etwas überhaupt nicht gerne. Der Kampf gegen die Meinungsfreiheit wird nachhaltig von etablierter Seite (CDU/CSU/SPD) vorangetrieben.
                    Der Bürgerrechtsabbau schreitet voran. Niemand problematisiert das. Das sind wahrlich sehr schlimme Vorboten auf das was kommt. Die Faschisten sind wieder unter uns. Diesmal (wie von einigen vorhergesagt) im Gewand des „anständigen“ Bürgers. Der Faschist gehört heute dem RotGrünSchwarzGelben-Spektrum an.
                    Hauptproblem dieser Leute ist nicht die Unfähigkeit und Dummheit der antidemokratischen Führungsmannschaft, sondern die fehlende bedingungslose Zustimmung zum vollblonden Merkel-Regime.

    • Blechmann 18. August 2016, 21:54

      >Lohnsenkungen schaffen keine Arbeitsplätze.

      Ich denke, dass tun sie unter Umständen schon. Jedenfalls am unteren Ende der Skala. Ein Arbeitsplatz ist definiert als eine Tätigkeit die einen 10 Stunden pro Woche beschäftigt und wo man 500Euro im Monat für bekommt (zu faul die echten Zahlen zu googeln). Zwingt man jetzt Leute, die vorher 1000Euro Arbeitslosengeld bekamen, für 1000 Euro zu arbeiten, ist das eine Lohnsenkung, denn die gehen jetzt in die Lohnstatistik ein. Außerdem haben sie eine Arbeitsplatz.

      Die Lohnsenkung ändert die Definition von „Arbeitsplatz“, eine Tätigkeit die vorher kein Arbeitsplatz war, ist nun einer. Nicht jede Lohnsenkung schafft Arbeitsplätze, es hängt davon ab, wie die Lohnsenkung zustande kam, das ist ja nur eine statistische Größe.

  • FrageZeichen 16. August 2016, 19:16

    Da hat der Herr Pietsch diesmal eine völlig irreführende Phantomdebatte angezettelt. Obigen Artikel kann man getrost in die Tonne klopfen.
    Es geht längst nicht mehr um Keynesianismus oder Neoliberalismus. Beide Konzepte (die zudem oft genug parallel weltweit von den Regierungen eingesetzt worden sind) sind gescheitert. Die Profitraten in den gesättigten Märkten sinken und damit destabilisiert sich das „Kartenhäuschen Marktwirtschaft“ immer weiter. Letzteres ist die Diskussion.
    Wenn man schon von „linken Theorien“ zur Wirtschaftspolitik reden möchte, dann muß man über dieses idiotische marktwirtschaftliche System reden.
    Die Keynesianer möchten doch nur durch nachfrageorientierte Politik dieses gescheiterte System (eben die Marktwirtschaft) stabilisieren. Genau so wie die Trottel von der angebotsorientierten Seite.
    Beide Seiten gehören damit dem konservativen Spektrum an. Beide jagen einer Irrlehre hinterher und wollen diese um jeden Preis retten.

  • R.A. 17. August 2016, 10:35

    Eine sehr schöne Darstellung, vielen Dank.

    Nur ein Detail:
    > zu den als gefährlich eingestuften Deflationstendenzen,
    > wo Güter immer billiger werden und so zur
    > Kaufzurückhaltung führen.
    Für diese beliebte These gibt es m. W. bis heute keine echten Belege.

    Natürlich gibt es diesen Effekt manchmal im Einzelfall: Wenn ich genau weiß, daß ein bestimmtes Produkt in kurzer Zeit deutlich billiger sein wird, und ich auch bis dahin warten kann – dann schiebe ich den Kauf auf.

    Aber generell gilt das eben überhaupt nicht. Die Leute kaufen die Sachen dann, wenn sie sie brauchen.
    Man sieht die Widerlegung der These sehr anschaulich im EDV-Bereich.
    Dort gibt es seit Jahrzehnten eine sehr zuverlässige und hohe Deflation: Ziemlich jedes Gerät wird im nächsten Jahr billiger sein und mehr können als heute. Und das wissen die Kunden auch. Und kaufen trotzdem heute, weil sie das Zeug halt brauchen.

    Einige Prozent allgemeine Deflation wären also für die Konjunktur völlig unschädlich. Jedenfalls was die Konsumseite betrifft.
    Die impliziten Lohnerhöhungen könnten dagegen ein Problem werden.

    • Ant_ 17. August 2016, 10:52

      „Einige Prozent allgemeine Deflation wären also für die Konjunktur völlig unschädlich.“

      Aha. Und wie würde die dann aufhören, wenn sie einmal da ist? Bei Inflation wissen wir ja, dass dann die Zentralbank die Zinsen erhöhen kann und dadurch Inflation einfangen kann. Das geht nicht bei Deflation. Dadurch entsteht dann über implizite Lohnerhöhung ein Teufelskreis, aus dem man nur sehr schwer rauskommt. Sie können sich ja mal Japan anschauen, die das seit fast 20 Jahren versuchen. (…keine echten Belege..)
      Das Hauptargument an dieser Stelle ist noch nicht einmal, dass einmal Deflation kommt, und dann wir alle sofort tod!, sondern dass die Risiken unterschiedlich verteilt sind mit auf der einen Seite gut zu händelnder Inflation, und sehr schwer in den Griff zu kriegender Deflation. 4-5% Inflation in einem Jahr zu haben ist kein Problem ( ich sage nicht angenehm, aber kein Problem). 4-5% Deflation sehr sehr wohl.

      • In Dubio 17. August 2016, 15:13

        Im Artikel sollte kurz und neutral dargestellt werden, wozu Inflation vorteilhaft sein könnte. Inflation ist kein Selbstzweck, wenn sie nicht da ist wie derzeit, ist das auch kein zwingendes Problem. Zum solche Einordnungen heute nicht mehr so leicht zu treffen sind. Einige Güter inflationieren rasant, während Rohstoffe sich verbilligen. Ist das gut oder schlecht? Eher ersteres.

  • Rauschi 18. August 2016, 09:16

    @In Dubio

    ich habe den Eindruck, Sie haben den Tenor des Vortrages nicht ganz erfasst, sonst stünde da nicht eine Aussage wie:
    Steigende Lohneinkommen führen zu wirtschaftlicher Prosperität – so die Theorie.
    Steigende Lohneinkommen sind eine Bedingung für Wachstum, aber nicht die Ursache derselbsen. Die steigende Produktion muss ja irgendwo verkauft werden, wenn nicht im Inland, so im Ausland, denn es muss immer Kunden geben, sonst macht eine Poduktionsausweitung keinen Sinn. Was jetzt genau mit wirtschaftlicher Prosperität gemeint ist, sollten Sie schon erläutern, eines reines Wachstum des BIP kann es ja wohl nicht sein, oder?

    Da die Lohnstückkosten die Frage beantwortet, was bekommt ein Arbeitgeber für sein Geld (Lohn / Produkteinheiten), bedeutet ein Anstieg dieser Kennzahl, dass Arbeit unabhängig vom Produkt immer teurer wird, während Arbeitnehmer für ihr Geld immer weniger arbeiten müssen. Das wirkt nicht gerade fair.
    Hä, wie ist das gemeint? Wieso arbeitet denn ein AN weniger, weil er mehr Geld bekommt, der logische Zusammenhang ist mir echt unklar. Was ist denn fair für ein seltsamer Begriff in diesem Zusammenhang, nicht fair für wen, den kleinen Preis?

    Aber als ich diesen Satz las, war alles zu Ende:
    Nach dem bisher Festgestellten sind schon zu Beginn Zweifel angebracht, denn wie gezeigt verteuern (oder verbilligen) sich Produkte nicht in Relation zu den Löhnen.
    Das bedeutet, der Lohn hat keinen Einfluss auf den Preis, hurra, dann gibt es weder zu hohe noch zu niedrige Löhne, dann sollte doch alles in Butter sein, oder? Dann würde ich nur gerne wisssen, wie uns die Agenda 2010 dann beim Abbau der Arbeitslosigkeit geholfen haben soll, oder wie das in Südeuropa gelingen soll.
    Sind die Preise nach Gutdünken festgelegt, also der reinen Willkür unterworfen?

    Wie Sie auf diese Schlussfolgerung kommen, bleibt dem geneigten Leser leider auch erborgen:
    Globalisierung und die Internationalisierung des Kaufverhaltens der Konsumenten wirken stärker auf wirtschaftspolitische Ergebnisse als vermutet.
    Was sind wirtchaftspolitische Ergebnisse, entweder ist es eine wirtschaftliche Entwicklung oder eine politische, wie der Konsument aber die Politik anderer Staaten beinflusst, das ist mir ein Rätsel.

    Gruss Rauschi

    • In Dubio 18. August 2016, 12:22

      Sie haben den Tenor des Vortrages nicht ganz erfasst

      Oh, den habe ich doch im Artikel vorweggenommen. Heiner Flassbeck wollte zeigen, dass Frankreich sich in der Eurozone vorbildlich verhalten habe, während Deutschland mit einer zurückhaltenden Lohnpolitik den Zusammenhalt gefährdet und sein Arbeitslosenproblem exportiert habe. Dazu hat er Behauptungen aufgestellt, die sich um Lohnstückkosten, Löhne, Inflation und Arbeitslosigkeit kreisen. Dafür habe ich die relevanten Größen genommen und sie einfach nebeneinander gestellt – ohne mit komplizierten Ratios zu rechnen.

      Steigende Lohneinkommen sind eine Bedingung für Wachstum, aber nicht die Ursache derselben.

      Hier behauptet Flassbeck anderes und nur das habe ich dargestellt.

      Die steigende Produktion muss ja irgendwo verkauft werden, wenn nicht im Inland, so im Ausland, denn es muss immer Kunden geben, sonst macht eine Poduktionsausweitung keinen Sinn.

      Ja? Sie meinen also, die ganze Welt kauft seit 12 Jahren wie verrückt Smartphones im Wert von durchschnittlich 300-700 EUR, weil Apple & Co. ihre Löhne erhöht haben?

      Hä, wie ist das gemeint? Wieso arbeitet denn ein AN weniger, weil er mehr Geld bekommt, der logische Zusammenhang ist mir echt unklar.

      Das liegt aber nicht an der Komplexität der Formel. Wenn AN für 10 PE genau 10 GE erhält, so bedeutet dies Lohnstückkosten von 1. Wird der Lohn auf 12 GE erhöht, ohne das der AN eine höhere Produktivität erzielt, so steigen die Lohnstückkosten auf 1,2 (12/10). Der Arbeitgeber muss also mehr für das Gleiche bezahlen. Das finden Sie fair?

      Das bedeutet, der Lohn hat keinen Einfluss auf den Preis

      Ihr Problem ist, dass die Preisentwicklungen von den HK her definieren. Das entspricht weder der Theorie (Preistheorie) noch der Empirie. Es ist sozialistischer Unsinn. Wäre Ihr Gedankenmodell zutreffend, so würde nicht regelmäßig jedes Vierte bis Dritte Unternehmen im Verlust operieren noch wäre es möglich, dass Unternehmen Umsatzsteuererhöhungen nicht überwälzen. Beides ist Realität.

      Ergebnisse der Wirtschaftspolitik sind Preisentwicklungen, Löhne, Wirtschaftswachstum – nicht nur, aber sehr viel. Globalisierung und Internationalisierung verringern den Einfluss der Wirtschaftspolitik auf das Marktgeschehen – zumindest auf die Seite der Nachfrage. So mutiert die Wirtschaftspolitik seit dem Mauerfall zur Angebotspolitik, ganz schrecklich für Vulgärkeynesianer, die die Welt von der Nachfrage erklären. So wie Sie.

      • schejtan 18. August 2016, 13:37

        „Ja? Sie meinen also, die ganze Welt kauft seit 12 Jahren wie verrückt Smartphones im Wert von durchschnittlich 300-700 EUR, weil Apple & Co. ihre Löhne erhöht haben?“

        Also bitte, das behauptet doch niemand…es geht doch darum, dass die Menschen auch genuegend Geld haben, um sich sowas leisten zu koennen.

        „Globalisierung und Internationalisierung verringern den Einfluss der Wirtschaftspolitik auf das Marktgeschehen – zumindest auf die Seite der Nachfrage. So mutiert die Wirtschaftspolitik seit dem Mauerfall zur Angebotspolitik,“

        Das mag vielleicht fuer einzelne Volkswirtschaften gelten, global muss die Nachfrage ja trotzdem ansteigen, um mehr Produkte verkaufen zu koennen. Ohne den Wohlstandsgewinn zum Beispiel in den Schwellenlaenden koennte man dahin ja auch nichts exportieren.

        • In Dubio 18. August 2016, 14:04

          Also bitte, das behauptet doch niemand…es geht doch darum, dass die Menschen auch genügend Geld haben, um sich sowas leisten zu können.

          Nein, das Argument war anders. Rauschi hat behauptet, (hohe) Löhne seien notwendig, damit Unternehmen überhaupt ihre Produkte verkaufen können. Daher sollte eine auf Erhöhung zielende Lohnpolitik betrieben werden. Ich behaupte, das ist eben nicht notwendig.

          Das Geschäftsmodell der innovativsten und profitabelsten Unternehmen funktioniert derart, Produkte und Geschäftsstrategien mit teuren Spezialisten zu entwickeln, diese in Billiglohnländern fertigen zu lassen und durch die Masse an Kunden in Schwellenländern Wachstum zu erreichen.

          Was das mit den Löhnen der westlichen Arbeiter zu tun hat? Eben, gar nichts. Im Westen brauchen Sie Know-how, Innovation und Unternehmergeist. Da das rare Eigenschaften sind, brauchen die Beschäftigten sich um hohe Löhne keine Sorgen zu machen.

          Das mag vielleicht fuer einzelne Volkswirtschaften gelten, global muss die Nachfrage ja trotzdem ansteigen, um mehr Produkte verkaufen zu können.

          Sie steigt aus zwei Gründen – und die haben nichts mit Nachfrage- oder Lohnpolitik zu tun: Erstens sind durch den Wegfall des globalen Staatssozialismus weltweit Milliarden neue Konsumenten und Billigarbeiter dazugekommen. Der einzelne mag sich (noch) wenig leisten können. Es reicht um jenen hohe Einkommen und Gewinne zu bescheren, die wissen, was gebraucht wird. Dazu bedarf es Innovationsfähigkeit. Und zweitens, sprießen die Unternehmen und damit die Arbeitsplätze in zahlreichen Schwellenländern aus dem Boden, weil die Menschen hungrig nach Wohlstand sind und nicht erst nach dem Arbeitszeitschutzgesetz fragen, wenn ihnen Arbeit angeboten wird. Die Selbständigenquote ist in den Tigerstaaten mit über 20% wesentlich höher als in Westeuropa. Ohne Unternehmer keine Arbeitsplätze, so geht die Formel.

      • Rauschi 18. August 2016, 13:51

        Dafür habe ich die relevanten Größen genommen und sie einfach nebeneinander gestellt – ohne mit komplizierten Ratios zu rechnen.

        Also muss jeder Zusammenhang möglichst kompliziert sein, damit er richtig ist? Nichts desto trotz hat er die von Ihnen behauptete Aussage nicht gemacht und nicht unterstellt.

        Ja? Sie meinen also, die ganze Welt kauft seit 12 Jahren wie verrückt Smartphones im Wert von durchschnittlich 300-700 EUR, weil Apple & Co. ihre Löhne erhöht haben?
        Ich würde ja nach Kopfinhalt vom Himmel rufen, wenn es nicht so traurig wäre. Ich meine das? Wo habe ich das geschrieben, das der Hersteller eines Produktes die Mitarbeiter seines Unternehmens möglichst so gut bezahlen soll, das nur diese seine Produkte kaufen können? Abgesehen von der geringen Stückzahl der Produkte, die sich nur an die eigenene Mitarbeiter verkaufen lassen, ist das ein Nonsens, den ich nie behauptet haben, sondern nur Sie.
        Ne, die Produkte verkaufen sich durch irgendeinen Feenzauber, an der Kaufkraft kann es nicht liegen, das ist so ein modernes Märchen. Es liegt irgendwie an der Globalisierung, wie genau, können auch Sie mir nicht erklären, aber es kommt ja wie bei allen Märchen darauf an, die Moral darin zu erfassen, gelle?

        Das liegt aber nicht an der Komplexität der Formel. Wenn AN für 10 PE genau 10 GE erhält, so bedeutet dies Lohnstückkosten von 1. Wird der Lohn auf 12 GE erhöht, ohne das der AN eine höhere Produktivität erzielt, so steigen die Lohnstückkosten auf 1,2 (12/10). Der Arbeitgeber muss also mehr für das Gleiche bezahlen. Das finden Sie fair?
        Es ging um Ihre Aussage, das der AN weniger arbeitet, er stellt immer noch 10 PE her, also, wo arbeitet er weniger? Wenn der AG clever ist, erhöht er die Preise, dann bleibt sein Gewinnanteil gleich, so what?
        Sie wollen doch mit Zahlen und Fakten argumentieren, was hat da das fair zu suchen? Ist es fair, das einige reich geborgen werden und andere nicht? Das Leben ist nicht fair, soviel steht fest.

        Das entspricht weder der Theorie (Preistheorie) noch der Empirie. Es ist sozialistischer Unsinn.
        Wie erklärt denn die Preistheorie steigende Preise, nur durch Angebot und Nachfrage, die dann den besten Preis finden? Oder habe ich was verpasst? Dann kann es aber keine Preiserhöhungen geben, warum sollte bei gleicher Menge ein Kunde auf einmal bereit sein, mehr zu zahlen? Oder der Verkäufer mehr fordern, wenn andere das nicht tun? Wenn die Käufer aber bei steigenden Preisen nicht mindestens genauso viel nachfragen wie vorher wird sein Umsatz und sein Gewinn sinken, woher soll denn die zusätziche Kaufkraft kommen, vom gesparten, oder wie?

        So mutiert die Wirtschaftspolitik seit dem Mauerfall zur Angebotspolitik, ganz schrecklich für Vulgärkeynesianer, die die Welt von der Nachfrage erklären. So wie Sie.
        Zum Schluss zum Mitschreiben: Ich argumentiere nicht so, ich wiederlege lediglich Ihre Aussagen.
        Wie erklären Sie die Welt? Ach ja, Maschinen kaufen Maschinen, es gibt immer das Ausland und alle sollten mehr exportieren als importieren, Regeln sind einzuhalten und so weiter.
        Dem stimme ich nicht zu und zwar auf rein logische Basis.

        Gruss Rauschi

        • In Dubio 18. August 2016, 14:37

          Nichts desto trotz hat er die von Ihnen behauptete Aussage nicht gemacht und nicht unterstellt.

          Ab so Minute 38. Wenn die Löhne gesenkt werden, sinkt der BIP. Logischerweise gilt die Aussage auch umgekehrt.

          Ne, die Produkte verkaufen sich durch irgendeinen Feenzauber, an der Kaufkraft kann es nicht liegen, das ist so ein modernes Märchen.

          Okay, also durch Lohnerhöhungen kann ich nicht dafür sorgen, dass meine Produkte besser vermarktet werden können und nicht durch Feenzauber. Jetzt haben Sie sich mal Ihre Begründungen zerschlagen, wozu Lohnerhöhungen gut sein sollen. Ich dachte, damit wollten Sie argumentieren? Offensichtlich falsch gedacht.

          Das volkswirtschaftliche Wachstum der westlichen Industrieländer kommt spätestens seit den 1990er Jahren nicht mehr aus Binnenkonjunkturen, sondern entweder aus dem Exportgeschäft, Ausweitung der Verschuldung auf Kosten wirtschaftlicher Solidität oder aus innovations- und unternehmerfähigkeit. Die USA, die Schweiz, Singapur oder Hongkong fallen unter letzteres, Deutschland ist eine Mischung aus 1 und 3. Frankreich, Italien und Japan haben es auf dem Weg probiert, den Vulgärkeynesianer empfehlen und damit nicht erfolgreich.

          Es ging um Ihre Aussage, das der AN weniger arbeitet, er stellt immer noch 10 PE her, also, wo arbeitet er weniger?

          Es ist doch nicht so schwer, mich korrekt zu zitieren:
          Da die Lohnstückkosten die Frage beantwortet, was bekommt ein Arbeitgeber für sein Geld (Lohn / Produkteinheiten), bedeutet ein Anstieg dieser Kennzahl, dass Arbeit unabhängig vom Produkt immer teurer wird, während Arbeitnehmer für ihr Geld immer weniger arbeiten müssen.

          Klar, wenn ich 12 statt 10 GE bekomme für die gleiche Arbeit, verdiene ich entweder ohne wirkliches Zutun mehr oder ich kann mir die Reduzierung meiner Arbeitsleistung leisten. Genau das ist insbesondere in (West-) Deutschland in den 1970er und 1980er Jahren passiert. Dann gab es jährlich ein paar Arbeitslose mehr und die Gewerkschaften haben gefragt: wo ist das Problem, verkürzen wir die Arbeit weiter.

          Wenn der AG clever ist, erhöht er die Preise, dann bleibt sein Gewinnanteil gleich, so what?

          Ach ich vergaß: (Preis-) Wettbewerb ist von vorgestern und die, die Verluste machen, sind einfach nur zu doof. Fair ist ein Begriff aus der Gewerkschaftswelt, da heißt es „Gerechtigkeit“.

          Dann kann es aber keine Preiserhöhungen geben, warum sollte bei gleicher Menge ein Kunde auf einmal bereit sein, mehr zu zahlen?

          Sind sie ja nicht. Selbst Apple – und das ist eine Ausnahmeerscheinung – hat erhebliche Probleme, Preiserhöhungen durchgesetzt zu bekommen, die über normale Inflationstrends hinausgehen. Computer wurden hier schon angesprochen, aber ich vergaß, die werden ja nicht in Europa gebaut (nicht mehr). Sorry. Meine Schuhe kosten auch seit Jahren weitgehend das Gleiche und vor 2 Monaten musste Adidas das Trikot der Deutschen Fußballnationalmannschaft unter dem Preis von 2014 verramschen. Die scheinen alle nix von Ihrer Empfehlung zu halten.

          Wie erklären Sie die Welt?

          Das sollten Sie langsam mitbekommen haben. Angebotsbedingungen sind lokal, Nachfragekonditionen global. Demgemäß sollte sich vernünftige Wirtschaftspolitik ausrichten.

          • Rauschi 19. August 2016, 07:25

            @In Dubio
            Ab so Minute 38. Wenn die Löhne gesenkt werden, sinkt der BIP. Logischerweise gilt die Aussage auch umgekehrt.
            Diese Aussage wird nicht gemacht, also, was soll das?

            Okay, also durch Lohnerhöhungen kann ich nicht dafür sorgen, dass meine Produkte besser vermarktet werden können und nicht durch Feenzauber. Jetzt haben Sie sich mal Ihre Begründungen zerschlagen, wozu Lohnerhöhungen gut sein sollen. Ich dachte, damit wollten Sie argumentieren? Offensichtlich falsch gedacht.
            In Ihrer Welt kann ein Unternehmer als entweder die Löhne erhöhen, oder eine Marketingstrategie entwerfen? In meiner Welt geht beides, aber selbst bei besten Marketing werde ich keine Kunden finden, wenn die keine Kaufkraft haben. Bedarf erzeugt keine Nachfrage.
            Wieso habe ich meine Begründung zerschlagen, ich habe lediglich Ihre widerlegt?

            Das volkswirtschaftliche Wachstum der westlichen Industrieländer kommt spätestens seit den 1990er Jahren nicht mehr aus Binnenkonjunkturen, sondern entweder aus dem Exportgeschäft, Ausweitung der Verschuldung auf Kosten wirtschaftlicher Solidität oder aus innovations- und unternehmerfähigkeit. Die USA, die Schweiz, Singapur oder Hongkong fallen unter letzteres, Deutschland ist eine Mischung aus 1 und 3. Frankreich, Italien und Japan haben es auf dem Weg probiert, den Vulgärkeynesianer empfehlen und damit nicht erfolgreich.
            Das sind ja wieder solche bahnbrechenden Erkenntnisse, das ich nur staunen kann. Es gibt Export ohne Unternehmenstätigkeit, es braucht nicht mal den Handel dazu? Wenn das kein Feenzauber ist, dann aber mindestens Voodoo, das ist nicht mehr vulgär, das ist magisch. Sie wissen das genau woher, das es so war, wie wäre es mit Belegen für Ihre Behauptung?

            Klar, wenn ich 12 statt 10 GE bekomme für die gleiche Arbeit, verdiene ich entweder ohne wirkliches Zutun mehr oder ich kann mir die Reduzierung meiner Arbeitsleistung leisten. Genau das ist insbesondere in (West-) Deutschland in den 1970er und 1980er Jahren passiert. Dann gab es jährlich ein paar Arbeitslose mehr und die Gewerkschaften haben gefragt: wo ist das Problem, verkürzen wir die Arbeit weiter.
            Sie verdrehen immer wieder die Reihenfolge, wie Lohnerhöhungen zustande kommen. Erst werden die Mitarbeiter produktiver, dann fordert die Gewerkschaft mehr Geld und dann zahlt der AG eventuell mehr, so rum ist die Reihenfolge. Also, erst erstellt der AN 12WE/10GE, dann irgendwann zahlt der AG auch für 12WE 12 GE, nicht umgekehrt, aber das ist ja sicher fair, um diesen unpassenden Ausdruck zu verwenden. Es gibt ja auch keine Überstunden und Arbeitslose, die für den Abbau derselben sorgen könnten? Ach nee, die haben ja diesen doofen Kündigungsschutz, wenn der AG zu dämlich ist, eine Befristung in den Vertrag zu schreiben, deswegen kann da leider niemand angestellt werden.
            Warum arbeiten wir nicht alle für 1 Euro, damit die Wirtschaft endlich brummt und wir alle Waren ins Ausland verkaufen können? Immer diese Besitzstandwahrer, ein echtes Ärgernis.

            Ach ich vergaß: (Preis-) Wettbewerb ist von vorgestern und die, die Verluste machen, sind einfach nur zu doof. Fair ist ein Begriff aus der Gewerkschaftswelt, da heißt es „Gerechtigkeit“.
            Entschuldigung, bevor ein Unternehmen pleite geht, weil es unter Herstellungskosten verkauft, wegen „Preiswettbewerb“, muss wohl zuerst an eine Preiserhöhung gedacht werden, oder nicht? Seit wann machen Sie Sich Gewerkschaftsausdrücke zu eigen? Wie oben geschrieben, zahlt der AG ja nicht aus Spass und Tollerei mehr Geld, sondern weil er mehr für sein Geld bekommt. Ausserdem haben Sie doch geschrieben, das die Löhne keine Auswirkung auf die Preise haben, also, wo ist das Problem?

            Sind sie ja nicht. Selbst Apple – und das ist eine Ausnahmeerscheinung – hat erhebliche Probleme, Preiserhöhungen durchgesetzt zu bekommen, die über normale Inflationstrends hinausgehen. Computer wurden hier schon angesprochen, aber ich vergaß, die werden ja nicht in Europa gebaut (nicht mehr). Sorry.
            Das spricht ja dann deutlich für meine These, das die Menschen tatsächlich auch das Geld brauchen, um mehr zu zahlen und das eben nicht vorhanden ist. Wie Sie mit Ihrer These von Angebot und Nachfrage allerdings überhaupt jemals Preiserhöhungen begründen, das bleibt aber Ihr Geheimnis.

            Angebotsbedingungen sind lokal, Nachfragekonditionen global. Demgemäß sollte sich vernünftige Wirtschaftspolitik ausrichten.
            Dem wäre dann noch ein Blubb hinzuzufügen, das ist inhaltlich auf der gleichen Stufe. Konkret heisst das was? Eine vernünftige Wirtschaftspolitik kann ja nur die lokalen Bedingungen ändern, hat also nach Ihrer Darstellung keinen Einfluss auf die wichtigen Nachfragekonditionen? Sollte sich also am besten aus allem raus halten, ist das die Aussage?

            Gruss Rauschi

            • In Dubio 19. August 2016, 08:36

              Diese Aussage wird nicht gemacht, also, was soll das?

              Natürlich wird sie gemacht. Der erklärte Makroökonom Heiner Flassbeck nimmt in einem andere ironisierenden, semi-wissenschaftlichen Vortrag das Wort BIP oder GDP nicht in den Mund, nicht mal, als er eine Kennziffer darauf präsentiert. Redet er deswegen nicht von der wirtschaftlichen Entwicklung?

              Flassbeck sagt, werden die Löhne gesenkt, fragen die Leute weniger Produkte nach und die Unternehmen produzieren weniger. Das ist seine Behauptung in der Passage. Und wozu führen nun geringere Produktion und Konsum aus makroökonomischer Sicht? Was ist das? Ein Rückgang des BIP vielleicht? Gibt es noch andere Möglichkeiten?

              In Ihrer Welt kann ein Unternehmer als entweder die Löhne erhöhen, oder eine Marketingstrategie entwerfen?

              Ähm, Sie haben gerade den Begriff „vermarkten“ fehlgedeutet. Vermarkten steht für verkaufen. Hat nichts mit Marketingkampagnen zu tun, sondern nur mit „Markt“.

              Wieso habe ich meine Begründung zerschlagen, ich habe lediglich Ihre widerlegt?

              Wenn das Ihre Absicht war, haben Sie Ihre Möglichkeiten gleich mit minimiert. Wenn Umsatz / Ergebnis nicht durch höhere Löhne gesteigert werden können, dann sind wir schnell bei der Angebotspolitik. Ich vermute, da wollten Sie nicht hin. Apple hat beste Entwicklungsbedingungen in den USA (deswegen sitzen dort die teuren Leute), billige Produktionskonditionen in Taiwan (deswegen weiß man dort über die neuesten Entwicklungen Bescheid) und einen weltweiten Absatzmarkt, der noch nicht gesättigt ist. Das steigert Umsatz und Ergebnis.

              Es gibt Export ohne Unternehmenstätigkeit, es braucht nicht mal den Handel dazu?

              Woraus lesen Sie das? Wenn Sie schon so auf eine Interpretation Wort für Wort setzen, dann sollten Sie sich an Ihren eigenen Maßstab halten.

              Erst werden die Mitarbeiter produktiver, dann fordert die Gewerkschaft mehr Geld und dann zahlt der AG eventuell mehr, so rum ist die Reihenfolge.

              Darum ging es nur gar nicht. Sie versuchen ein Fass aufzumachen, das gar nicht im Keller steht. Es ging im Artikel darum, dass von Vulgärkeynesianern es als positiv angesehen wird, wenn die Stücklohnkosten steigen. Das ist auf Anhieb nicht einsichtig und Sie haben zur Einsichtigkeit nicht beigetragen. In Ihrem Milieu nennt man das „Nebelkerzen“.

              Wie oben geschrieben, zahlt der AG ja nicht aus Spass und Tollerei mehr Geld, sondern weil er mehr für sein Geld bekommt.

              Das ist ja gerade nicht der Fall, wenn die Lohnstückkosten steigen.

              Ausserdem haben Sie doch geschrieben, das die Löhne keine Auswirkung auf die Preise haben, also, wo ist das Problem?

              Vielleicht weil sie Auswirkungen auf die Ertragslage eines Unternehmens (Umsatz ./. Kosten) haben? Was ist übrigens Umsatz? Menge * Preis. Wenn Sie die Preise erhöhen, könnte es dazu kommen, dass die Menge runtergeht. Dann bleibt der Umsatz gleich. Wenn Sie dagegen höhere Kosten haben, könnten sie ein veritables Problem bekommen. Vielleicht sollten Sie sich ab und zu mit etwas BWL statt nur Pseudo-Makroökonomie beschäftigen?

              Wie Sie mit Ihrer These von Angebot und Nachfrage allerdings überhaupt jemals Preiserhöhungen begründen, das bleibt aber Ihr Geheimnis.

              Das war Ihr Ansatz, nicht meiner. Tatsächlich haben wir bei den meisten Produkten Preiserhöhungen nur bei Innovationen (schon mal etwas von Josef Schumpeter gehört?) und neuen Produktzyklen. Oder in Bereichen, wo es saisonale Knappheiten oder Konjunkturen gibt (Tourismus, Freizeitangebote).

              Eine vernünftige Wirtschaftspolitik kann ja nur die lokalen Bedingungen ändern, hat also nach Ihrer Darstellung keinen Einfluss auf die wichtigen Nachfragekonditionen?

              Äh, ja. Angebots- und Nachfragepolitik sind zwei paar Schuhe. Unter Angebotspolitik fällt vieles, was Sie als Neoliberalismus geißeln: Moderate Steuern, wenig Bürokratie, qualifizierte Arbeitskräfte, gute Infrastruktur. Schon bei der nachfrageorientierten Autoprämie haben wir das Phänomen, dass davon weitreichend Produzenten aus dem Ausland profitieren. Nationales Steuergeld dafür einzusetzen, dass in Asien mehr Autos hergestellt werden, scheint keine vernünftige Wachstumsstrategie zu sein.

              • Rauschi 19. August 2016, 11:01

                @In Dubio
                Flassbeck sagt, werden die Löhne gesenkt, fragen die Leute weniger Produkte nach und die Unternehmen produzieren weniger.
                Sie sagen also, dem wäre nicht so, egal, was die Menschen gerade verdienen, es wird immer gleich viel nachgefragt? Dann brauchen wir keine Diskussion über Wirtschaftspolitik zu führen, das läuft ja offensichtlich immer automatisch richtig.

                Ähm, Sie haben gerade den Begriff „vermarkten“ fehlgedeutet. Vermarkten steht für verkaufen. Hat nichts mit Marketingkampagnen zu tun, sondern nur mit „Markt“.
                Deswegen wird Ihre Aussage auch nicht sinnvoller, halten denn die höheren Löhne den Unternehmer vom verkaufen ab, oder wie soll ich das :“ Okay, also durch Lohnerhöhungen kann ich nicht dafür sorgen, dass meine Produkte besser vermarktet werden können und nicht durch Feenzauber.“ verstehen?

                Apple hat beste Entwicklungsbedingungen in den USA (deswegen sitzen dort die teuren Leute), billige Produktionskonditionen in Taiwan (deswegen weiß man dort über die neuesten Entwicklungen Bescheid) und einen weltweiten Absatzmarkt, der noch nicht gesättigt ist. Das steigert Umsatz und Ergebnis.
                Wissen Sie, was mir am besten gefällt, in Ihrer gesamten Betrachtung gibt es gar keinen Kunden, da gibt es Entwickler, Produzenten, aber keine Kunden, trotzdem läuft alles super, obwohl Sie weiter oben geschrieben haben, die könnten die Preise nicht erhöhen. Der Absatzmarkt ist noch nicht gesättigt, wie kann das sein, es verdienen doch Ihrer Meinung nach die Minderleister jetzt schon zu viel, gibt es da echt noch Luft? Ob ein Markt gesättigt ist, darauf kommt es doch gar nicht an, sondern, ob genug Kaufkraft zu Markträumung zu guten Verkaufskonditionen vorhanden ist. Für 1 Euro bekommen Sie die überall los, dann wäre der Markt gesättigt, ist das neuerdings das Primärziel der Unternehmen, nicht Gewinnmaximierung, sondern Markträumung?

                Das ist ja gerade nicht der Fall, wenn die Lohnstückkosten steigen.
                Das ist richtig, aber das ist ja genau das, was Flassbeck anmahnt, damit die anderen Euroländer aufholen können, müssen sich die Kosten hier erhöhen und die Hersteller damit an Wettbewerbsvorteil verlieren. Haben Sie eigentlich bei dem Vortrag auch zugehört, worum es geht und was eine Währungsunion ist?

                Ausserdem haben Sie doch geschrieben, das die Löhne keine Auswirkung auf die Preise haben, also, wo ist das Problem?
                Vielleicht weil sie Auswirkungen auf die Ertragslage eines Unternehmens (Umsatz ./. Kosten) haben? Was ist übrigens Umsatz? Menge * Preis. Wenn Sie die Preise erhöhen, könnte es dazu kommen, dass die Menge runtergeht. Dann bleibt der Umsatz gleich. Wenn Sie dagegen höhere Kosten haben, könnten sie ein veritables Problem bekommen.

                Sie könne das Kind auch Klaus nennen, das ändert doch nichts an meiner Aussage, das Ihre Behauptung, die Preise hätten nichts mit den Löhnen zu tun, einfach falsch ist. Jedes Unternehmer will und muss primär Gewinn machen und wird die Preise so wählen, das genau das passiert. Sonst müssen die Leistungen gesteigert werden oder Mitarbeiter entlassen, das muss ich Ihnen ja wohl nicht schreiben?

                Wie Sie mit Ihrer These von Angebot und Nachfrage allerdings überhaupt jemals Preiserhöhungen begründen, das bleibt aber Ihr Geheimnis.
                Das war Ihr Ansatz, nicht meiner.

                Falsch das war Ihre Aussage: „Ihr Problem ist, dass die Preisentwicklungen von den HK her definieren. Das entspricht weder der Theorie (Preistheorie) noch der Empirie.“
                Was soll denn die Preistheorie sein, wenn nicht das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage?

                Tatsächlich haben wir bei den meisten Produkten Preiserhöhungen nur bei Innovationen
                Was war nochmal die Begründung für die Inflation, die ja nun nachweisslich die Preise mitbestimmt? Jedes Jahr 2% Innovation wäre ja erfreulich, aber was ist die letzte Neuerung, an die Sie sich erinnern?

                Unter Angebotspolitik fällt vieles, was Sie als Neoliberalismus geißeln: Moderate Steuern, wenig Bürokratie, qualifizierte Arbeitskräfte, gute Infrastruktur.
                Wann habe ich das jemals als neoliberal gegeisselt, was Sie aufzählen? Bei Ihnen ist ja alles gleich, was irgendwie nicht neoliberal ist, also immer drauf, egal, ob die Aussage passt oder nicht.
                Nein, das kostet mich zu viele Nerven, mich erneut mit Ihnen auseinander zu setzen, ich überlasse Ihnen das Spielfeld, viel Spass damit.
                Gruss Rauschi

                • In Dubio 19. August 2016, 13:01

                  Sie sagen also, dem wäre nicht so, egal, was die Menschen gerade verdienen, es wird immer gleich viel nachgefragt?

                  Nein, aber weder habe ich Einfluss auf die Finanzdispositionen meiner Kunden noch interessiert mich diese. Wenn jemand 20% weniger verdient, dann wird er trotzdem meine Wohnung mieten, meinen von mir gebauten BMW kaufen und das Steak in meinem Laden kaufen. Möglicherweise wird er aber auf den Urlaub verzichten und seine Sparanstrengungen auf Null fahren. Aber: darauf habe ich keinen Einfluss. Warum sollte es mich kümmern?

                  Ansonsten: wenn der bayrische Kunde nicht mehr kauft, dann der aus Niedersachsen oder aus China oder Indien. Und spätestens da ist egal, wie sich die deutschen Löhne entwickeln.

                  Deswegen wird Ihre Aussage auch nicht sinnvoller, halten denn die höheren Löhne den Unternehmer vom verkaufen ab, oder wie soll ich das.

                  Nein, das habe ich auch nicht behauptet. Es Ihr respektive Flassbecks Argument, dass die Leute verdienen müssen um zu kaufen. Ansonsten geht es mit der Wirtschaft bergab (siehe ab Minute 38. 😉 ).

                  Wissen Sie, was mir am besten gefällt, in Ihrer gesamten Betrachtung gibt es gar keinen Kunden, da gibt es Entwickler, Produzenten, aber keine Kunden, trotzdem läuft alles super.

                  Und? Wo ist das Problem? Vielleicht lesen Sie den Artikel nebst Überschrift nochmal von Beginn an. Er beschäftigt sich damit, was Linke, nicht Stefan Pietsch (!), behaupten. Ich habe dargelegt, was daran falsch ist. Setzen Sie sich bitte damit auseinander und nicht damit, was Sie vermuten, was ich meinen könnte.

                  Ob ein Markt gesättigt ist, darauf kommt es doch gar nicht an, sondern, ob genug Kaufkraft zu Markträumung zu guten Verkaufskonditionen vorhanden ist.

                  Es ist Ihnen wohl nicht einsichtig, dass Land Rover, Armani, Pelikan oder Evian sich um eins am wenigsten scheren: Markträumung? Die meisten Unternehmen haben nicht vor, an jedermann zu verkaufen und Jedermann als Kunden zu haben. Wird in der Makroökonomie nicht gelehrt, ist aber dennoch so.

                  Das ist richtig, aber das ist ja genau das, was Flassbeck anmahnt, damit die anderen Euroländer aufholen können, müssen sich die Kosten hier erhöhen und die Hersteller damit an Wettbewerbsvorteil verlieren.

                  Gut, dass wir mal wieder einen Bezug zum Artikel haben. Richtig, und was habe ich gezeigt? Dass eine solche Empfehlung hohe Risiken und Nebenwirkungen birgt:
                  Staaten mit stabilen Lohnstückkosten und moderaten Steigerungen der Arbeitnehmerentgelte gewinnen mehr Wohlstand und ernten höhere Beschäftigung als solche Volkswirtschaften, die den Empfehlungen und Theorien Flassbecks folgen.

                  Übersetzt: okay, die Südländer haben über ihre Verhältnisse gelebt und haben deswegen hohe Arbeitslosigkeiten und kein Wirtschaftswachstum. Um sie aus der Misere zu befreien, sollten wir ihnen entgegenkommen.

                  Sie könne das Kind auch Klaus nennen, das ändert doch nichts an meiner Aussage, das Ihre Behauptung, die Preise hätten nichts mit den Löhnen zu tun, einfach falsch ist.

                  Ich diskutiere mit Ihnen nicht über Theorien oder Empiriebezug. Was meinen Sie, warum ich die Tabellen veröffentlicht habe? Damit der Artikel bunter wirkt? Sie können sich Zahlen auch selbst bei OECD, Eurostat oder Statistischem Bundesamt ziehen, um eine Korrelation zu belegen. Ich warte da sehr gespannt. Nur argumentieren Sie mit mir nicht nach dem Muster: Wenn das und das der Fall ist, dann muss C eintreten. So können Sie alles beweisen, auch, dass es den Weihnachtsmann gibt. Glauben Sie an den Weihnachtsmann?

                  Jedes Unternehmer will und muss primär Gewinn machen und wird die Preise so wählen, das genau das passiert.

                  Ich glaube, wir brauchen doch etwas Theorie. Kennen Sie den Begriff monopolistischer Märkte? Und wissen Sie, was ein Preisnehmer ist? Auf solchen Märkten mit vielen Anbietern nehmen diese den Preis als Datum. Stellen Sie sich einen Wochenmarkt vor: der Verkäufer von Tomaten hat zur Sicherheit ein paar mehr Leute eingestellt, denen er einen höheren Lohn bezahlt. Rauschi sagt: kein Problem, dann wird er natürlich einen höheren Preis verlangen. Schöne Theorie. Falls Sie mir nicht glauben, machen Sie den Test. Aber erhöht der Tomatenverkäufer seinen Preis, wird er kaum verkaufen, die Kunden werden sofort zur Konkurrenz gehen. So etwas nennt man übrigens Preissensibilität oder „die Nachfragekurve ist preiselastisch“.

                  „Ihr Problem ist, dass die Preisentwicklungen von den HK her definieren. Das entspricht weder der Theorie (Preistheorie) noch der Empirie.“
                  Was soll denn die Preistheorie sein, wenn nicht das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage?

                  Und wo kommen da die HK vor?

                  Was war nochmal die Begründung für die Inflation, die ja nun nachweisslich die Preise mitbestimmt?

                  Nochmal: Sie reden dauernd von Preiserhöhungen, die erklärt werden sollen. Ich sehe dazu keinen Bedarf. Und der Brötchenverkäufer erhöht auch dann seine Preise, wenn die Löhne stabil bleiben.

                  Jedes Jahr 2% Innovation wäre ja erfreulich, aber was ist die letzte Neuerung, an die Sie sich erinnern?

                  Meinen Sie eine, die von Linken uneingeschränkt begrüßt wurde? Keine seit Erfindung des Telefons, das die Buschtrommel abgelöst hat. Ansonsten: Selbstfahrende Autos, kernlose Trauben, Highspeed-Internet, Torlinientechnik. Wenn Ihnen das nicht spektakulär genug ist, nehmen Sie das http://www.deliberationdaily.de/2015/12/der-preis-eines-menschenlebens-verhandelt-by-gilead-science/. Wir haben heute eine Entwicklungsgeschwindigkeit, wie seit Jahrzehnten nicht.

                  Wann habe ich das jemals als neoliberal gegeisselt, was Sie aufzählen?

                  Oh, haben Sie mir nicht gesagt, dass Steuersenkungen wegen der vielen Staatsaufgaben nicht möglich sind? Es sei denn, Sie nennen eine Abgabenquote von über 50% des Volkseinkommens moderat. Schön, in Ihnen eine Freundin für Angebotspolitik gefunden zu haben.

                  Nein, das kostet mich zu viele Nerven, mich erneut mit Ihnen auseinander zu setzen, ich überlasse Ihnen das Spielfeld, viel Spass damit.

                  Was soll ich nun damit anfangen? Hab‘ ich irgendwann man gesagt, die Debatte mit Ihnen sei wegen Ihrer Uneinsichtigkeit ermüdend?

              • schejtan 19. August 2016, 11:19

                „Tatsächlich haben wir bei den meisten Produkten Preiserhöhungen nur bei Innovationen (schon mal etwas von Josef Schumpeter gehört?) und neuen Produktzyklen. Oder in Bereichen, wo es saisonale Knappheiten oder Konjunkturen gibt (Tourismus, Freizeitangebote).“

                Was ist denn mit Allerweltsprodukten wie Broetchen? Deren Preise steigen ja auch, und genau die Preissteigerung solcher Produkte wird ja im Wesentlichen mit der Inflation gemessen. Wie begruenden sie diesen Preisanstieg?

              • schejtan 19. August 2016, 11:28

                Bevor der Einwurf kommt, dass Broetchenpreise nicht steigen, hier noch die Statistik:

                http://de.statista.com/statistik/daten/studie/301712/umfrage/entwicklung-der-verbraucherpreise-fuer-frische-broetchen-in-deutschland/

                Ich haette, nie gedacht, dass ich jemals „Broetchenpreise Deutschland“ google… 😉

                • Stefan Pietsch 19. August 2016, 12:14

                  Okay, Punkt für Sie. 🙂 Wobei ich mich frage, wie man bei meinem Brötchenpreis (0,30 €) eine Preiserhöhung von 2,1% feststellt – das sind 0,63 Cent. Aber wird schon richtig sein.

                  • schejtan 19. August 2016, 13:55

                    Das Wunder der Statistik…

  • Wolf-Dieter Busch 18. August 2016, 17:12

    tl;dr

    Randbemerkung zur Überschrift – jedes Wirtschaftsleben setzt zwingend Zirkulation von Geld voraus. Die stetige Vermögens-Umverteilung von unten nach oben wirkt dem entgegen aus zwei komplementären Gründen:

    Erstens, offensichtlicher Grund: dass „unten“ weniger Geld zum Zirkulieren da ist, spürt nicht nur der Hartz-IV-ler, sondern auch der Kioskbesitzer um die Ecke. Dass sinkender Lohn hier kontraproduktiv wirkt, liegt auf der Hand.

    Dass steigende Löhne alleine die Wirtschaft nicht hoch bringen, liegt am zweiten, weniger offensichtlicher Grund: Geld kann sich nur dann „vermehren“, wenn es nicht unterm Kopfkissen, sondern als Investition in den Produktionsprozess einfließt und als Zins zurückkehrt: Kreislauf G⇒W⇒G‘ (K. Marx).

    Der Zwang zu Geld-Vermehrung ist nicht als Charakterschwäche zu missdeuten, sondern Grundvoraussetzung für jedes zur Erstkommunion angelegte Sparbuch. Die Preisfrage lautet, ob die Welt für die stete Geld-Vermehrung nicht „zu klein“ geworden ist. Mein Tipp: Yep. Sie ist.

    • popper 18. August 2016, 20:39

      @Wolf-Dieter Busch
      schreibt: „Geld kann sich nur dann „vermehren“, wenn es nicht unterm Kopfkissen, sondern als Investition in den Produktionsprozess einfließt und als Zins zurückkehrt: Kreislauf G⇒W⇒G‘ (K. Marx).“

      Geld vermehrt sich nicht durch den Zins. Der Zins ist auch nicht Ertrag aus irgendwelchen Produktionsprozesses, sondern eine Stromgröße, die zwar Bestandsgrößen verändert, aber nicht das Nettogeldvermögen. Und Investitionen setzen auch keinnicht Ersparnis voraus, sondern umgekehrt wird ein Schuh daraus. Nur Schulden erhöhen das Nettogeldvermögen und bleibt doch immer null. Ganz einfach würde Flassbecks sagen…

      Gruß popper

      • Wolf-Dieter Busch 19. August 2016, 13:32

        Muss ich das verstehen?

        • popper 20. August 2016, 21:46

          @Wolf-Dieter-Busch
          Verstehen könnte Sie daran hindern gequirllten Unsinn über Geld und Zins zu schreiben.

          Gruß
          popper

          • Wolf-Dieter Busch 20. August 2016, 22:01

            Gequirlten Unsinn? Danke für den Hinweis.

          • Wolf-Dieter Busch 20. August 2016, 22:09

            Spaß beiseite. Der Zins ist das Revenue in Marx‘ Kapital-Analyse und nichts anderes. Dazu gibt es jede Menge zu sagen, beispielsweise dass es heute nicht mehr die dominante Wirtschaftsform ist, sondern abgelöst durch Ponzi. Deutlich erkennbar am Nullzins bzw. Negativzins.

            Die globale Netto-Geldmenge ist ein eigenes Kapitel, zu dem ich mangels Fachkenntnis nichts sage. Nur so viel: den Globus umkreist mehr Geld, als demselben Warenwert gegenüber steht.

  • R.A. 18. August 2016, 17:17

    > Die stetige Vermögens-Umverteilung von unten nach oben
    > wirkt dem entgegen …
    Würde sie vielleicht – wenn es sie gäbe.
    Gibt es aber nicht.
    Die angebliche „Umverteilung von unten nach oben“ ist ein ganz hartnäckiger Mythos und wäre einen eigenen Blogbeitrag wert.
    Belege dafür gibt es natürlich nicht – was da an „Studien“ zirkuliert beruht eigentlich immer nur auf statistischen Tricks/Täuschungen, d.h. dem Vergleich entsprechend gewählter aber untypischer Zeitpunkte.

    Gerade im aktuellen Sozialstaat wird aber massiv von oben nach unten umverteilt, was ja in Maßen auch richtig ist.

    • FrageZeichen 18. August 2016, 19:01

      Selbstverständlich wird von „unten“ nach „oben“ umverteilt. Nur das „unten“ eben nicht dort ist, wo viele es vermuten: Bei den Sozialleistungsempfängern.

      „Unten“ ist dort, wo die abhängig Beschäftigten (vor allem die mittelmäßg- bis schlechtbezahlten) nach allen Regeln der Kunst abgezockt werden.
      Wir haben hierzulande eine der größten Steuern- und Abgabenlasten auf Arbeitseinkommen im weltweiten Vergleich!

      Deutlicher: Die „kleinen Leute“ machen die Arbeit und die „oberen Zehntausend“ schmarotzen überdurchschnittlich von den Ergebnissen dieser Arbeit. Nach wie vor sind die leistungslosen Einkommen die großen Profiteure im ganzen Umverteilungsspiel.
      Daneben profitieren auch die Sozialleistungsempfänger. Auch die beziehen (ähnlich wie die Kapitalisten) leistungslos Einkommen.
      Es gibt die Umverteilung von „unten“ nach „oben“ also sehr wohl. Man kann diese auch (in jeder Volkswirtschaft weltweit) ganz einfach über die Einkommens-/Vermögensverteilung nachweisen.
      „Die Reichen noch reicher machen und die Armen noch ärmer.“ Das ist die Politik weltweit und auch hierzulande.

      • Wolf-Dieter Busch 18. August 2016, 19:18

        @FrageZeichen – danke. Bildhaftes Beispiel: Paris Hilton hat – qua Geburt, ohne dafür gearbeitet zu haben – ein höheres Vermögen als sämtliche Hotelangestellten bei Hilton.

        • Stefan Pietsch 19. August 2016, 10:21

          Paris Hiltons Vermögen wird auf 90 Millionen US-$ geschätzt. Selbst aufgebautes Vermögen. Ihr Jahreseinkommen betrug letztes Jahr ca. 10 Millionen US-$, selbst verdient und nicht durch die Hilton-Holding. Fakt ist, Paris Hilton hat einen Namen geerbt, daran kann aber kein Erbschaftsteuergesetz etwas ändern. Und dieser Name hat ihr die Möglichkeiten gegeben, zu einem IT-Girl zu werden. Allerdings trifft das auch auf Kim Kardashian zu – ohne reiche Eltern. Gerüchten zufolge soll Paris Hilton übrigens enterbt sein. Und in den USA gibt es keinen Pflichtanteil. Sie sehen: es lohnt sich, die Beispiele sorgfältig auszusuchen. 🙂

          Es ist meistens so: wer reich erbt, aber nichts kann, kann häufig mit dem Vermögen leben. Seine Kinder aber nicht mehr. Vermögen zu erhalten und zu mehren ist auch keine sehr verbreitete Fähigkeit. Die Zahl der verarmten Lotto-Millionäre gibt darüber beredetes Zeugnis.

          • Wolf-Dieter Busch 19. August 2016, 13:24

            @Stefan Pietsch – danke für die Antwort … ich habe ihr nicht generell abgesprochen, dass sie arbeitet. Als Model arbeitet sie z. B. konkret an ihrer Figur. Nicht-trivial. Andere Beispiele für arbeitstätige Millionenerben wären Gunter Sachs selig oder der Philip Reemtsma. Und, übrigens, Arbeit ist in meiner Werte-Welt nicht mit Moral bestückt. Ich schätze die Faulheit.

            Trotzdem dies: Paris‘ „Einstiegs“-Vermögen ist nicht ihr Arbeitsprodukt, sondern Erbmasse, ebenso wie laufendes Einkommen aus diesem; dies ist in der gleichen Größenordnung wie dessen sämtlicher Hilton-Mitarbeiter in summa. Dem wirst du wohl nicht widersprechen.

            • Stefan Pietsch 19. August 2016, 13:31

              Was Paris Hilton hat, hat sie aus eigenem Vermögen. Dass sie in vermögenden Verhältnissen aufgewachsen ist, das Doing gelernt hat, kann man weder ihr noch den Eltern vorwerfen. Und es ist durch keine politische Maßnahme zu verhindern oder zu beschränken. Ganz abgesehen davon, ob es überhaupt wünschenswert wäre. Also, worüber diskutieren wir eigentlich? Dass sie als Teenager Klamotten für 5.000 Dollar das Stück getragen hat?

              Den zweiten Absatz verstehe ich inhaltlich überhaupt nicht. Paris Hiltons Vermögen ist wie dargestellt selbst erarbeitet, bei 10 Millionen Dollar Jahreseinkommen und einem Steuersatz von 20-25 Prozent nicht unrealistisch.

              dies ist in der gleichen Größenordnung wie dessen sämtlicher Hilton-Mitarbeiter in summa.
              Den Satz verstehe ich noch weniger. Was hat die Erbmasse (die sie nicht bekommt) oder ihr Einkommen mit dem der Hilton-Mitarbeiter zu tun?

              • Wolf-Dieter Busch 19. August 2016, 13:47

                Was ihr Vermögen aus geerbtem Hotel-Imperium mit der Summe der Vermögen sämtlicher Hilton-Mitarbeiter zu tun hat? Gar nichts! Sondern es war ein bildhaftes Beispiel.

                Verfolge den Thread rückwärts. Länglich, aber lohnt sich: ich behauptete Umverteilung unten⇒oben; R.A. widersprach mit Argument „Sozialstaat“; FrageZeichen führte gegen R.A. leistungsloses Einkommen an; ich dankte mit Beispielfall P. Hilton und verglich ihr Vermögen bildhaft mit der Vermögenssumme sämtlicher Hilton-Mitarbeiter.

                War das jetzt schlimm von mir?

                Dass Hilton darüber hinaus noch mehr Geld verdient, ist niemals mein Gegenstand gewsesen.

                • Stefan Pietsch 19. August 2016, 13:54

                  Okay, verstanden. Allerdings ist es durchaus problematisch, eine allgemeine These zu personalisieren. Denn bei Paris Hilton wird freiwillig umverteilt: die Teenies mit kleinem Taschengeld huldigen einer hübschen Millionärin, wodurch die wieder ein Millioneneinkommen bezieht.

                  • Wolf-Dieter Busch 19. August 2016, 14:01

                    Freiwillig ist buchstäblich jeder Kaufvorgang.

                  • Wolf-Dieter Busch 21. August 2016, 10:40

                    Nachsatz – nur wegen ihres – hm – eigenwilligen Outfits habe ich keinerlei Ressentiments gegen Hilton. Wenn sie auftritt, schau ich halt woanders hin, es gibt so schöne Ecken auf der Welt …

    • Blechmann 18. August 2016, 22:12

      „Die Einkommensungleichheit in Deutschland hat sich nach Angabe der OECD seit 1995 verstärkt und seit dem Jahr 2000 haben Einkommensungleichheit und Armut in Deutschland stärker zugenommen als in jedem anderen OECD-Land.“

      https://de.wikipedia.org/wiki/Einkommensverteilung_in_Deutschland

      Diese linken Statistiktrickser von der OECD *grummel*.

      • Stefan Pietsch 19. August 2016, 08:44

        Sie hätten mal auf den Link achten sollen und nicht so schlampig argumentieren, wenn Sie sich schon Sekundärquellen bedienen: Der Link ist von 2008! Inzwischen behauptet kein ernstzunehmender Ökonom, die Einkommensungleichhheit habe in Deutschland nach 2005 noch zugenommen. Genau deswegen stellen ja Linke inzwischen auf die Vermögensungleichheit ab. Irgendeine Ungleichheit muss man ja anprangern, so ist das Geschäft.

        • Blechmann 22. August 2016, 09:18

          Ja, genau, der Wiki-Artikel ist von 2008. Wie konnte mir das nur entgehen. *Augenroll*

        • Jens 1. März 2017, 12:38

          Es stimmt. Die Einkommenungleichheit nimmt seit 2008/2009 nicht mehr zu.
          In den Jahren 2003 bis 2007 sind die Reallöhne bei steigendem BIP und steigender Produktivität SOGAR gesunken! In den Jahren vor 2003 haben die Reallöhne stagniert trotz steigender Produktivität und steigendem BIP.

          Kein ernstzunehmender Ökonom behaptet, dass seit 2008 die Rückstände aus den Jahren 2003 bis 2007 und davor wieder aufheolt werden.
          Die Einkommensungleichgewichte verharren auf desatrösem Niveau.

          Deswegen reden die Neoliberalen jetzt ja auch davon dass die Einkommenunterschiede nicht größer werden. Irgendwie muss man seine verquere Ideologie ja auf recht erhalten.

          http://www.querschuesse.de/deutschland-reallohnindex-q3-2016/

          Ich veweise auf Cahrt zu Arbeitsproduktivität und Reallohn!

          Gruß Jens

          • In Dubio 1. März 2017, 13:50

            Ja, wen interessiert noch 2003? Damals befand sich Deutschland übrigens in einer tiefen Rezession, es ist normal, dass in einer solchen Phase die Reallöhne sinken. Zudem stimmt zwar Ihr statistischer Vergleich, wir haben es aber nicht mit Personenidentitäten zu tun.

            Deutschlands Einkommensungleichheit liegt unter dem OECD-Mittel, das ist ein Fakt. Dagegen nehmen die Deutschen in Befragungen die Einkommensverhältnisse wahr als wären wir in den USA. Das ist eine Verschiebung von Realitäten.

            Anmerkung: Ich akzeptiere renommierte Think Tanks wie Datensammelstellen wie das Statistische Bundesamt, OECD oder Eurostat als Quellen. Blogs, welche meist nur solche Daten weiterverarbeiten, sind für mich als Quellen nicht akzeptabel, weil sie nicht wissenschaftlichen Grundsätzen genügen. „Querschüsse“ ist interessant, ich darf aber schon fragen, warum Sie so einseitig auf eine Quelle zurückgreifen. Das zeugt von Voreingenommenheit. Gut, das ist Teil einer Debatte, aber deswegen darf ich es anmerken.

            • Jens 1. März 2017, 15:41

              Moin,

              zum Thema Voreingenommenheit. Ich lese ja auch Ihre Seite und hatte auch schon einen Link auf die Seite von der KFW verwendet. Außerdem lese ich so ziemlich alle sogenanten Qualitätsmedien (FAZ, Welt, Zeit, Spiegel, Frankfurter Rundschau) und Makroskop.eu. Falls ihr Vorwurf Richtung Filterblase geht, fühle ich mich nicht angesprochen.

              Aber es stimmt schon ich verlinke Querschüsse recht häufig. Das hat den einfachen Grund, dass ich faul bin. Es gibt nicht allzuviele Seite wie Querschüsse, die Daten so auf bereiten. Abgesehen davon trennt Querschüsse IMHO Meinung und Fakten recht sauber.

              Die Charts von Querschüsse sind alle Faktenbasiert, die Kommentare und Meinungen im Text muß man nicht teilen, das mindert die Qualität der Charts aber nicht. Warum sollte ich die Charts nicht verlinken, wenn sie stimmen? Teilweise gibt es sie auch auf Statista, aber nicht so hübsch aufbereitet.

              Zurück zum Thema. Das die Situation hier besser ist als in den USA, übrigens nicht nur bei der Einkommensungleichheit auch bei der Bildung und der sozialen Sicherheit, bestreite ich nicht. Ich war oft genug dort.

              Der Trend in Deutschland geht aber leider zu Verhältnisen wie in den USA. Gegenüber 2003 sind die Einkommen ungleicher geworden.
              Die soziale Sicherheit hat sich durch Hartz4 in Richtung US-Verhältnise verschoben.

              Durch Leiharbeit ohne eqal pay, Ausdehnung der Werkverträge und KAPOVAZ haben sich die Kräfteverhältnise zu Ungunsten der Gewerkschaften entwickelt. Bei den Bildungsausgaben hinkt Deutschland hinter, alles ein Trend Richtung US-Verhältnisse.

              http://ec.europa.eu/eurostat/statistics-explained/index.php/File:Public_expenditure_on_education_(excluding_early_childhood_educational_development)_as_a_share_of_GDP,_2012_(%C2%B9)_(%25)_YB16-de.png

              Ist nicht von Querschüsse 😉

              Wer sich mal mit Lehrern aus Problemstadteilen unterhält kriegt das Grausen. Wir tun da einfach zu wenig. Es ist meine feste Meinung Deutschland muss viel mehr für Bildung tun. Zuviele Menschen ohne Schulabschluss, zuviele können nicht richtig Deutsch und keinen Dreisatz etc. Kurz bei der Bildung geht es auch Richtung US-Verhältnise.

              Mein Ansatz ist nicht das hier alles schlecht ist, aber es ist deutlich schlechter als es sein müßte.

              Am erbärmlichsten sind die 1,5 Mio Menschen, davon 0,5 Mio Kinder die regelmäßig an die Tafeln gehen. So was habe ich in meiner Jugend nur aus Berichten aus den USA gehört. Suppenküchen in Deutschland, das ist einfach niederschmetternd. Das ist ein Riesenschritt in Richtung US-Verhältnisse.

              Das bisschen Wachstum, das wir zur Zeit haben, wird daran nichts ändern.

              Gruß Jens

              P.S. Hatten Sie schon Gelegenheit sich die Calc tabelle von meinem Tresorit link anszuschauen? Da war ich mal nicht faul sondern habe mir die Daten aus der Amecodatenbank geholt und selbst bearbeitet.

              • In Dubio 2. März 2017, 00:55

                Ich lese ja auch Ihre Seite

                Das ist nicht meine Seite, sondern die von Stefan Sasse. 🙂 Soviel Ordnung muss sein. Und ich freue mich, dass Sie hier bei uns sind.

                Aber es stimmt schon ich verlinke Querschüsse recht häufig. Das hat den einfachen Grund, dass ich faul bin.

                Die einzige Rechtfertigung, die ich in diesem Zusammenhang akzeptiere. 😉 Keine Frage, Querschüsse arbeitet, so wie ich es schon in der Vergangenheit gesehen habe, seriös. Dennoch ziehe ich andere Quellen vor, das bin ich aus früheren Studienzeiten so gewohnt.

                Das die Situation hier besser ist als in den USA, übrigens nicht nur bei der Einkommensungleichheit auch bei der Bildung und der sozialen Sicherheit, bestreite ich nicht.

                Das war keine Replik auf Sie persönlich, da Sie die Verhältnisse nicht gleichgesetzt haben. Aber eine wissenschaftliche Studie basierend auf Befragungen (ifo war es glaube ich) kam zu der Auswertung, dass die Deutschen die Ungleichheit in Deutschland mit einem Gini angeben, der fast dreimal so hoch ist wie tatsächlich und damit auf US-Niveau. Die Frage: woher kommt diese Wahrnehmung, durch Erleben wohl nicht. Eher verzerrt die Berichterstattung die wahren Verhältnisse.

                Gegenüber 2003 sind die Einkommen ungleicher geworden.

                Das ist ein schlechter Referenzpunkt. Unstreitig lässt sich sagen, dass die Ungleichheit zwischen Mitte der 1990er Jahre und 2005 erheblich zugenommen hat. Das war aber vor Hartz-IV. Nach einer Phase der Stagnation bzw. leichten Rückgangs hat sie 2013 wieder leicht zugenommen. Ein Jahr als Referenz reicht jedoch nicht, dies kann auf statistische Besonderheiten oder Erfassungsfragen zurückgeführt werden können.

                Die soziale Sicherheit hat sich durch Hartz4 in Richtung US-Verhältnisse verschoben.

                Definitiv nicht. In Amerika wird die Sozialhilfe oft nur zeitlich befristet gezahlt. Die Abschaffung der Arbeitslosenhilfe war die Angleichung an internationale Verhältnisse, wonach eine staatliche Leistung nach Bedürftigkeit nunmal nur in einem System gezahlt wird und nicht in zweien.

                Durch Leiharbeit ohne eqal pay, Ausdehnung der Werkverträge und KAPOVAZ haben sich die Kräfteverhältnisse zu Ungunsten der Gewerkschaften entwickelt.

                2003 stand die deutsche Politik vor der Alternative, den Kündigungsschutz aufzuweichen oder andere Formen der Arbeitsflexibilisierung einzuführen. Da den Deutschen der Kündigungsschutz heilig ist (anderen Ländern – auch den dortigen Arbeitnehmern – nicht), war der Weg klar. Man kann im Leben nicht alles haben. Die Stellung der Gewerkschaften ist in Deutschland traditionell stark. Sie kontrollieren über die Mitbestimmung die Unternehmen mit und bestimmen auch die Lohnpolitik in Unternehmen, in denen sie gar nicht organisiert sind. Das ist grenzwertig in Bezug auf Artikel 9 Grundgesetz, der die negative Koalitionsfreiheit garantiert.

                Es ist meine feste Meinung Deutschland muss viel mehr für Bildung tun.

                Schön. Sagen Sie das mal den Koalitionären von Union und SPD, sagen Sie das der LINKEN, die es goutiert haben, dass allein in dieser Legislaturperiode nun Jahr für Jahr ein zusätzlicher zweistelliger Milliardenbetrag dafür verbrannt wird, dass verdiente Beschäftigte früher in Rente gehen können und gutsituierte Frauen ihr Altersgeld aufgestockt bekommen. Das Geld hätte man wahrlich besser einsetzen können.

                Suppenküchen in Deutschland, das ist einfach niederschmetternd. Das ist ein Riesenschritt in Richtung US-Verhältnisse.

                Darüber können wir reden.

                Hatten Sie schon Gelegenheit sich die Calc tabelle von meinem Tresorit link anszuschauen? Da war ich mal nicht faul sondern habe mir die Daten aus der Amecodatenbank geholt und selbst bearbeitet.

                Das war eine absolute Fleißarbeit, das Thema liegt Ihnen offensichtlich am Herzen. Ich bin es überflogen und Sie verdienen natürlich eine Replik. Nur stecke ich in einem Dilemma: Vor Monaten hatte ich mich in das Thema eingearbeitet, wie Sie selbst wissen ist das Thema nicht trivial. Derzeit denke ich jedoch eher an gute Filmclips und Bilder zu produzieren als an Kommentare zu schreiben. 😉 Ich genieße die Sonne Chiles, während es in Deutschland nasskalt ist. Ich bin erst Mitte März zurück und meine Lust, in das Thema erneut einzusteigen, ist begrenzt. Ich werde Ihnen dennoch aus meinem Urlaub eine Antwort schicken, denn selbst wenn Ihre Werte stimmen (wovon ich ausgehe), so gibt es immer eine alternative Sichtweise.

                • Jens 2. März 2017, 11:55

                  Na, da werde ich jetzt aber neidisch. Chile!!

                  Viel Spass und weiterhin schönen Urlaub. Genießen Sie ihren Urlaub die Replik kann warten. Das drängt ja wirklich nicht.

                  Viele Grüße

                  Jens

  • popper 18. August 2016, 19:15

    @In Dubio
    Ihre Ausage: Ab so Minute 38. Wenn die Löhne gesenkt werden, sinkt der BIP. Logischerweise gilt die Aussage auch umgekehrt.“ dokumentiert ihre Unverfrorenheit und Unseriosität. Ich habe mir den Vortrag Flassbecks von Minute 34 bis zur 41 angehört. Flassbeck erwähnt nicht ein einziges Mal das BIP und stellt auch nicht die von Ihnen behauptete Relation her. Im übrigen stimmt auch ihr Umkehrschluss nicht. Es sei denn man verwechselt wie Sie Löhne mit Einkommen. Festzustellen bleibt allerdings, dass Sie sich nicht entblöden frech falsche Tatsachenbehauptungen aufzustellen, indem Sie Flassbeck einfach Aussagen unterstellen, die er nicht gemacht hat. Ich muss insoweit „Rauschi“ zustimmen. Sie haben die Kernaussagen des Vortrags weder verstanden noch zitieren Sie vorliegend korrekt daraus. Man fragt sich, was Sie mit einer derartigen Rabulistik bezwecken. Ich bleibe deshalb bei der wiederholten Feststellung, dass ihre Elaborate keinen ernsthaften Beitrag zu einem sachlichen Diskurs liefern.

    • FrageZeichen 18. August 2016, 19:44

      Pietsch hat schon immer sehr viele Nebelkerzen geworfen um die wahren Verhältnisse hierzulande via Desinformation zu verschleiern.
      Die diversen Thesen von Flassbeck sind allerdings nicht (wie Pietsch das weiter oben meint) „links“. Flassbeck möchte lediglich die Binnenkonjunktur stärken. Und das geht nun mal durchaus über die Löhne. Vor allem über die in der Exportindustrie. Würden die Löhne dort höher sein, dann hätte das positive Auswirkungen auf die Binnenkonjunktur. Gleichzeitig würde man vermutlich das Außenhandelsungleichgewicht reduzieren können (da die mit den höheren Löhnen natürlich auch ausländische Waren gekauft würden und außerdem die Wettbewerbsfähigkeit der ausländischen Waren steigen würde).
      Insofern gesehen liegt Flassbeck natürlich prinzipiell richtig.

      Nur: Auch die Löhne werden (trotz aller Marktverzerrungen und Preiskartelle) tendenziell durch Angebot und Nachfrage festgelegt. Und hierzulande existiert nun mal ein massives Überangebot an Sklaven. Dieses wurde ja auch noch mal durch den Import von illegalen Migranten vergrößert.
      Insofern gesehen sind einige Forderungen von Flassbeck (Thema „Lohnzurückhaltung“) schon äußerst skurril.
      Oder deutlicher: Kannst ja mal demnächst zum Chef gehen und sagen: „Chef, ich will mehr Geld. Das wäre auch gut für die Volkswirtschaft.“ 🙂

      • popper 18. August 2016, 20:47

        @FrageZeichen
        Skurril ist leider, dass Sie ziemlich gut anfangen und zum Schluss wieder alles vergeigen.

  • FrageZeichen 18. August 2016, 19:26

    Der Zinseszinseffekt ist aktuell nicht das primäre Problem.

    Problem ist: Es fehlen Wachstumsmärkte. Die etablierten Märkte sind gesättigt.

    Der letzte Anker (Asien etc.) geht anscheinend langsam in die Sättigungsphase. In der Marktwirtschaft bedeutet diese Tendenz zur Stagnation (=>sinkende Profitraten) immer auch: Das System wird dann instabil.
    Denn: Es fehlt ja nicht nur an der notwendigen Profitrate um die Betriebe aufrechterhalten zu können. Viel schwerer wiegt das Phänomen, dass durch Marktsättigung und Überproduktion viele Betriebe nicht mehr kostendeckend arbeiten können. Diese Tatsache hat dann wiederum die bekannten Auswirkungen auf den Sklavenmarkt usw. usf.
    Ich möchte den Teufelskreis hier nicht noch mal ausbreiten.

    Wir haben ein Problem mit dem Wirtschaftssystem. An dieser Erkenntnis führt kein Weg vorbei. Weder die Nebelkerzen des Herrn Pietschi noch die Borniertheit eines Flassbecks (Motto: „Die Beschäftigten sollen doch einfach mehr Lohn verlangen.“).

    • Wolf-Dieter Busch 19. August 2016, 05:58

      @FrageZeichen – ist alles vernünftig, was du sagst.

      Insbesondere darf sich die Warenproduktion nicht an Bedarf orientieren, sondern zwingend an Profit (andernfalls kein Kredit, also objektiver Zwang).

      Die Warenproduktion muss aus diesem Zwang zu Profit herausgeführt werden mit dem Ziei: das Primat ist der Bedarf.

      Entwürfe dazu haben wir gesehen in den Planwirtschaften der ehemals sozialistischen Staaten. Deren Scheitern war wirtschaftlich bedingt, und zwar weil diese sich im Kalten Krieg militärisch pleite gerüstet haben.

      Leider bin ich kein Volkswirtschaftler, halte es aber für überprüfenswert, ob die Planwirtschaften ohne den äußeren Druck des Kalten Krieges nicht stabiler gewesen wären. Mein Tipp wäre: ja, keine Schweinezyklen, sondern stabile Wirtschaft.

  • R.A. 18. August 2016, 20:05

    > Selbstverständlich wird von „unten“ nach „oben“ umverteilt.
    > Nur das „unten“ eben nicht dort ist, wo viele es vermuten
    OK, das ist natürlich auch ein schöner Trick – einfach mal „unten“ umdefinieren.
    Nach allen normalen Maßstäben ist im Rahmen einer solchen Umverteilungsdiskussion „unten“ natürlich dort, wo Vermögen/Einkommen am geringsten sind. Aber wenn man die Sozialhilfeempfänger da einfach mal wegläßt, dann kann man natürlich beliebige Umverteilungen behaupten.

    > Wir haben hierzulande eine der größten Steuern- und Abgabenlasten
    > auf Arbeitseinkommen im weltweiten Vergleich!
    Richtig. Das nennt man „linke Politik“. Und die Belastung ist so hoch, weil eben so viel von oben nach unten umverteilt wird. Wird dann Sozialstaat genannt.

    > die „oberen Zehntausend“ schmarotzen überdurchschnittlich
    > von den Ergebnissen dieser Arbeit.
    Da sind wir dann bei den uralten Marx-Phantasien von wegen „Mehrwert“.
    Hat nichts mit Umverteilung zu tun, und die „oberen Zehntausend“ spielen bei den eigentlichen Finanzströmen in Deutschland ohnehin nur eine Nebenrolle. Weil es eben um Dimensionen mehr Normalverdiener gibt als „Superreiche“.

    > Nach wie vor sind die leistungslosen Einkommen die großen
    > Profiteure im ganzen Umverteilungsspiel.
    Wirklich „leistungslos“ sind in Summe gar nicht viele Einkommen. In der Regel findet man die dort, wo jemand es geschafft hat Steuergelder für sich abzuzweigen.

    > „Die Reichen noch reicher machen und die Armen noch ärmer.“
    Auch so ein Mythos. Im langfristigen Vergleich sind die „Armen“ aber deutlich reicher geworden als der Zuwachs bei den „Reichen“ – der Abstand schrumpft mit jeder Generation.

    • FrageZeichen 18. August 2016, 21:09

      >> Wir haben hierzulande eine der größten Steuern- und Abgabenlasten
      >> auf Arbeitseinkommen im weltweiten Vergleich!
      >Richtig. Das nennt man „linke Politik“. Und die Belastung ist so hoch, weil
      >eben so viel von oben nach unten umverteilt wird. Wird dann Sozialstaat
      >genannt.
      Eben nicht. Das Geld wird primär von den Sklaven genommen. Für die wirklich Reichen hat man eine Unzahl an Steuerschlupflöchern bereitgestellt (Stiftungsmodelle, niedrige Kapitalertragssteuer etc.).
      Denn: Es ist ja unbestritten, dass hierzulande die Steuern und Abgaben auf Arbeitseinkommen exorbitant hoch sind, während gleichzeitig dieses Land für die Reichen ein Schlaraffenland darstellt. Letzteres ist weniger bekannt.
      Mit Sozialstaatlichkeit hat das wohl alles wenig zu tun. Eher mit asozialer Politik. Politik gegen die Mehrheit des Volks. Antidemokratisch und schäbig. Das ist die Politik von CDU/CSU und SPD.
      s.dazu http://www.welt.de/wirtschaft/article129134877/Arbeitnehmer-sind-das-Melkvieh-der-Nation.html

    • Wolf-Dieter Busch 19. August 2016, 06:20

      @R.A. – „einfach mal ‚unten‘ umdefinieren“ – nö, darüber herrscht Konsens. Also bitte!

      „Marx-Phantasien von wegen ‚Mehrwert‘“ – der „Mehrwert“ ist Begriff aus Marx‘ Analyse des Wirtschaftskreislaufs G⇒W⇒G‘. Keine Phantasie, sondern dem Disput zugänglich.

      „die ‚Oberen Zehntausend‘ spielen bei den eigentlichen Finanzströmen in Deutschland ohnehin nur eine Nebenrolle“ – wir sprechen aber über die Welt. Die Rolle der „Oberen Zehntausend“ bei den Finanzströmen ist durchaus dominierend (Drain, Reservoir, also keine Zirkulation)!

  • Blechmann 18. August 2016, 21:02

    >wie gezeigt verteuern (oder verbilligen) sich Produkte nicht in Relation zu den Löhnen.

    Ich hatte angenommen, dass wenn die Löhne erhöht werden auch die Preise steigen (Lohn-Preis-Spirale), sei im Prinzip unumstritten.

    • Stefan Pietsch 19. August 2016, 08:59

      Erklären Sie bitte mal, warum die Umsatzsteuererhöhung Mitte der 1990er Jahre nicht vollständig auf die Verbraucher überwälzt wurde. Eine Abgabenerhöhung, die immerhin für jeden galt. Die damalige Erhöhung spiegelte sich nicht gleichlautend im Steueraufkommen wieder.

  • Marc 22. August 2016, 00:08

    Am 08.06.16 schrieben sie in ihrem Artikel „Dichtung und Wahrheit: Einkommensverteilung in Deutschland“

    Doch auch hier stehen die Klassenkämpfer längst auf verlorenem Posten. Tatsächlich sind die Arbeitnehmerentgelte in der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR) seit der Finanzkrise um 24% gestiegen, [..]

    Das würde gut zur Preissteigerung passen. In der OECD-Tabelle sind jedoch die Löhne im vergleichbaren Zeitraum nur um 9% gestiegen. Holla die Waldfee! Gibt es für jede Art der Lohnentwicklung eine Extra-Tabelle?

    • In Dubio 22. August 2016, 10:54

      Wow, Respekt! Sie haben etwas gefunden, was tatsächlich Fragen aufwirft. Mehr, hier liegt die Begründung versteckt, warum es Heiner Flassbeck mit dieser seltsamen Kennzahl probierte.

      Tatsächlich verwende ich zur Darstellung der Stücklohnkosten die Entwicklung der Durchschnittslöhne. Der Hamburger Volkswirt abstrahiert aus der anderen, der makroökonomischen Perspektive und wählt als Größenordnung eine Summe, die nicht Gewinn- oder Vermögenseinkommen ist. Ähnliches habe ich zur Darstellung des von Ihnen herausgekramten Fakts gemacht.

      Eine umfangreiche Darstellung habe ich mir gespart, da sie nicht weiterführend ist. Und – nichts an dem (falschen) Sachverhalt ändert. Lohn- und Preisentwicklung haben statistisch nichts miteinander zu tun. Zu diesem Ergebnis käme man nämlich auch, würde man die Zahlen von AMECO auf einen anderen Zeitraum als 2001 indexieren und weitere Staaten als die von Flassbeck aufgeführten in die Betrachtung einbeziehen würde. Und nur darum ging es mir.

      Also, gute Beobachtung.

      • popper 22. August 2016, 13:37

        @In Dubio
        Wenn ihre Behauptung stimmt: „Lohn- und Preisentwicklung haben statistisch nichts miteinander zu tun“

        Was bedeutet diese Aussage dann volkswirtschaftlich. Denn das ist doch der Punkt, den Flassbeck diskutiert. Sie wählen eine Perspektive und behaupte, Flassbeck liege falsch. Obwohl Sie wissen, daß das nur pure Kasuistik ist.

      • Marc 22. August 2016, 21:33

        Wenn Herr Flassbeck eine Kennzahl auf einer Lohnkennzahl entwickelt, die sie selbst verwenden, ist das pöse, da es ja auch andere Möglichkeiten der Messungen von Lohnänderungen gibt, mittels denen sich Flassbecks gefundene Korelatione nicht zeigen lassen und das soll der Beweis sein, dass die Korrelation nicht vorhanden sei? Ähm, nein, ist es nicht. Sie widerlegen nicht Flassbeck Korrelation, sondern sie zeigen, dass es andere Wege der Ermittlung der Lohnstückkosten gibt, in denen sich der Effekt nicht zeigt.

        Im übrigen zeigen sie mit den OECD Zahlen, dass ihr Artikel „Dichtung und Wahrheit: Einkommensverteilung in Deutschland“ eine Trickserei ist. Wenn die Durchschnittslöhne laut OECD bei uns kaum nennenswert steigen, aber die gesamtwirtschaftlichen Entgelte hingegen schon, kann das nur auf ungleiche Verteilung zurück geführt werden.

        Ich finde es gut, dass mit empirischen Zahlen argumentiert wird. Man kann sehr schön zeigen, mit welchen Tricks die widersprüchlichen Aussagen produziert werden.

        • In Dubio 23. August 2016, 08:05

          Wir wollen nochmal festhalten: Flassbeck verwendet in seinem Vortrag eine Kennzahl, die er selbst kreiert hat und die international keine Verwendung findet. Mit dieser Kennzahl will er belegen, dass die angebliche Lohnzurückhaltung in Deutschland der Eurozone in ihrem Bestand geschadet hätte. Er erläutert die Ratio in seinem Vortrag den Zuhörern jedoch nicht, begründet sie nicht, nennt sie nur „Lohnstückkosten“.

          Wenn ich offen in zwei Schritten die Lohnentwicklung in der OECD anhand der Durchschnittslöhne und der Entwicklung der Produktivität sowie danach die Relation aufzeige, so trickse ich. Vielleicht erklären Sie mir, warum Sie das Vorgehen von Flassbeck überzeugend, meines jedoch nicht transparent empfinden?

          Im Übrigen habe ich Artikel jeden Schritt erläutert, wie ich vorgehe und warum. All das finden Sie bei Flassbeck nicht. Jedenfalls sind die Durchschnittslöhne sicher eine bessere Reverenz als eine irgendwie zusammengepampte makroökonomische Größe, die mikroökonomische Relationen darstellen soll.

          • Marc 23. August 2016, 22:35

            Vielleicht erklären Sie mir, warum Sie das Vorgehen von Flassbeck überzeugend, meines jedoch nicht transparent empfinden?

            Ich habe nicht geschrieben, dass ich das Vorgehen von Flassbeck überzeugend finde, da ich mich in die Thematik zu wenig eingearbeitet habe. Ich sagte nur, dass sie mit ihrem Vorgehen Flassbeck nicht widerlegen.

            Jedenfalls sind die Durchschnittslöhne sicher eine bessere Reverenz als eine irgendwie zusammengepampte makroökonomische Größe, die mikroökonomische Relationen darstellen soll.

            Inflation ist eine mikroökonomische Größe? Das ist meine Überzeugung, ja, aber sie als Neoliberaler müssen zwingend an einen allgemeinen Preisvektor glauben und das wäre makroökonomisch.

            • popper 24. August 2016, 17:12

              @Marc
              Das ist ja nun wirklich mal ein relevanter Beitrag. „Pietsch“ lebt ja nur in einer Welt von Überzeugungen, die weder empirisch noch theoretisch Bestand haben. Und hinzu kommt seine intellektuelle Unendlichkeit, die er dazu nutzt andere hinters Licht zu führen. Lobbyisten neoliberaler Couleur haben schon genug. Da kann man sich den Mist, den Pietsch hier verzapft, ersparen.

              Also: das Angebots-/ Nachfrage-Diagramm der Mikroökonomie, welches Heerscharen von Studenten beigebracht wurde/wird ist erst dann als analytisches Instrument für gesamtwirtschaftliche Probleme anwendbar, wenn das relevante Preissystem bestimmt wurde – sonst nicht. Diese Notwendigkeit der Existenz des gleichgewichtigen Preissystems kann nicht mit Rückgriff auf einen ‚deux ex machina‘ (oder Auktionator) postuliert werden. Der Auktionator als Vorstellung mag ja ganz spassig sein, was Not tut ist jedoch die Deklarierung des Verfahrens, mit dessen Hilfe dieses Gleichgewicht zu erreichen wäre. Man braucht da nicht lange zu raten: da gibt es Nichts. Absolut Nichts! Null! Nada! Der Übergang zu dem gesamtwirtschaftlichen Modell hebelt die Grundlage des einzelwirtschaftlichen Modells schlichtweg au. Es gibt nämlich in der Makroökonomie kein ‚ceteris paribus‘!

              • Marc 26. August 2016, 12:26

                @popper

                Neoliberale müssen daher den „Schleier“ der Geldneutralität postulieren, ansonsten können sie, so wie sie sagen, die Modelle nicht auf die Makroebene hieven. Dann müsste jedoch auch der Monetarismus funktionieren. Wenn eines jedoch die Krise und das Quantitative Easing der Notenbanken eines gezeigt hat, dann dass er nicht funktioniert und sogar noch vielmehr: Die Aktienmärkte spielten jedesmal verrückt, die realwirtschaftlichen Preise reagierten fast gar nicht. Vieles spricht also für marktspezifische Preisvektoren.

                Ich möchte es mal so formulieren. Der Neoliberalismus benötigt einen perfekten unverzerrten Preisraum, während er in der Realität ein relativistischer Raum ist, welcher durch Ungleichverteilung verzerrt wird.

  • chriwi 22. August 2016, 11:15

    „Zusammenfassend hat sich keine von Heiner Flassbecks verbreiteten Theorien durch empirische Daten bestätigen lassen. “
    Ich kann deinen Argumenten irgendwie nur teilweise folgen. Ich hoffe du hast die Analyse detailierter gemacht als dargestellt. So muss man Daten bereinigen. Beispielsweise
    „In Deutschland sank die Erwerbslosigkeit sogar trotz leicht zunehmender Lohnstückkosten auf ein Langzeittief. “
    Zwar nimmt die Zahl der Erwerbstätigen zu, die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden stagniert (Stand 2014).
    Weiterhin ist die Definition von Erwerbstätigkeit in Ländern unterschiedlich. Die Messung des BIP wurde neulich erst innerhalb der Eurozone angepasst. Nur einige Punkte die hoffentlich berücksichtigt wurden.
    Flassbeck vergleicht zudem, soweit ich weiß, verschiedene Perioden, hier ist es nur eine dargestellt und zwar verkürzt. Die Zeiträume ändern sich (Export von Arbeitslosigkeit ist nur 2015 dargestellt).
    Die Schwächung innerhalb Europa argumentiert er über ein immenses Importdefizit von Deutschland. Wir exportieren über 6% mehr als wir importieren.
    Das muss die Wirtschaft der anderen Länder irgendwann schwächen. Denn ins Ausland können sie nichts verkaufen (zu teuer). Im Innland wird die heimische Produktion von Importprodukten verdrängt.
    Will man Flassbeck also widerlegen, sollte man sich meiner Ansicht nach die Kennzahlen aus der Realwirtschaft ansehen. Das BIP ist da schlecht geeignet. Das sind nur einige von vielen Punkte die mir aufgefallen sind. Ich finde die Argumente von Flassbeck durchaus schlüssig, würde solide Gegenargumente gerne lesen und verstehen. Dazu sehe ich hier aber zu viele methodische Fehler.

    • In Dubio 22. August 2016, 13:35

      Den Anspruch des Artikels hatte ich gleich zu Beginn definiert. Du hast ihn in der Zusammenfassung nochmal wiedergegeben. Das Ziel war nicht, eine eigene Theorie zu entwerfen, sondern zu überprüfen, ob es einen Zusammenhang zwischen Lohnentwicklung, Inflation und Wirtschaftsentwicklung gibt. Heiner Flassbeck selbst gibt keinen wissenschaftlichen Vortrag, er adressiert sein politisches Sendungsbewusstsein stetig mit Sarkasmus gegen Andersdenkende. Das ist unterhaltsam und rhetorisch kurzweilig. Menschlich sympathisch und wissenschaftlich seriös ist es nicht.

      Zwar nimmt die Zahl der Erwerbstätigen zu, die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden stagniert (Stand 2014).

      Seit dem Tief Anfang des Jahrtausends nimmt das Arbeitsvolumen beständig zu. Beide Aussagen berühren aber bestenfalls indirekt den Fakt, dass die Arbeitslosigkeit im betrachteten Zeitraum rückläufig war.

      Weiterhin ist die Definition von Erwerbstätigkeit in Ländern unterschiedlich.

      Für den Vergleich von Arbeitslosenzahlen nehme ich immer die harmonisierten Zahlen von ILO, die von internationalen Organisationen wie OECD und Eurostat maßgebend sind.

      Flassbeck vergleicht zudem, soweit ich weiß, verschiedene Perioden, hier ist es nur eine dargestellt und zwar verkürzt.

      Das ist richtig und bildet sich in den Graphen deshalb gut ab. Ich verwende meist größere Zeiträume, wenn ich allgemeine Zusammenhänge kenntlich machen will. Übrigens auch beruflich. Mehr-Perioden sind vorteilhaft, um Trends zu erkennen. Auch hier: für die eigentliche Aufgabe – Zusammenhänge zwischen volkswirtschaftlichen Größen zu entdecken – ist dies nicht wirklich von Relevanz. Interessierte können sich die Graphen aus den aufgeführten Zahlen selbst zeichnen.

      Die Zeiträume ändern sich (Export von Arbeitslosigkeit ist nur 2015 dargestellt).

      Flassbeck argumentiert, die Senkung der Arbeitslosigkeit in Deutschland wäre auf Kosten der EU-Partner gegangen. Er belegt aber diese behauptete Vernetzung nicht statistisch. Ich weise darauf hin, dass es bestenfalls einen Zusammenhang zwischen den nationalen Stücklohnkosten und den Arbeitslosenquoten gibt. Danach hätten aber die Südländer ihre Arbeitslosigkeit selbst verursacht und nicht importiert.

      Die Schwächung innerhalb Europa argumentiert er über ein immenses Importdefizit von Deutschland. Wir exportieren über 6% mehr als wir importieren.

      Was dabei unterschlagen wird: wir importieren auch viel mehr als alle anderen EU-Partner – sowohl in absoluten als auch in relativen Zahlen. Wenn Deutschland seine Verkäufe in die USA und nach China steigert, so berührt das nicht die EU-internen Terms of Trade.

      Griechenland importiert in großem Umfange Waren aus China und Russland. Aus Deutschland werden Medikamente und Investitionsgüter wie Maschinen bezogen. Diese Importprodukte kann Griechenland nicht einfach durch einheimische Erzeugnisse substituieren. Im Gegenteil: Als Athen 2015 kurz vor dem Staatsbankrott stand, sagten hiesige Pharmaunternehmen die weitere Belieferung zu Selbstkosten zu. Hellenische Händler nutzten die nicht marktgerechte Preissetzung zu zusätzlichen Gewinnmargen.

      Bei dieser Detailbetrachtung fällt es schwer zu behaupten, Deutschlands Exporte nach Griechenland gründeten auf niedrigen Lohnstückkosten.

      • popper 22. August 2016, 13:54

        @In Dubio
        schreibt:
        „Als Athen 2015 kurz vor dem Staatsbankrott stand, sagten hiesige Pharmaunternehmen die weitere Belieferung zu Selbstkosten…
        …Bei dieser Detailbetrachtung fällt es schwer zu behaupten, Deutschlands Exporte nach Griechenland gründeten auf niedrigen Lohnstückkosten.“

        Der erste Satz ist kein Faktum, das zur Verallgemeinerung dienen könnte. Insoweit ist die Konklussion des zweiten Satzes, vornehm ausgedrückt, willkürlich. Sie suggerieren mit ihren Hinweisen, ihre Argumentation sei stringent. Das ist sie mitnichten. Sie schließen aus einem Einzelfall auf alle Fälle. Einfach unseriös!

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