Die Kandidaten 2016: Ben Carson

US Wahl Logo DDNeben Donald Trump führt gerade ein weiterer Außenseiter die Umfragen für die republikanischen primaries an: Ben Carson. Gegenüber dem schillernden Immobilienmogul könnte Carson kaum unterschiedlicher sein. Aus ärmsten Verhältnissen stammend, arbeitete sich der Afroamerikaner im Selbststudium bis nach Harvard vor, wurde Neurochirurg und einer der profiliertesten Experten auf seinem Gebiet. Seine Lebensgeschichte „Gifted Hands“ ist ein Bestseller und eine Inspirationsquelle für seine Fans. Carson selbst hat eine sehr ruhige, fast einschläfernde Art. Er kann nicht gerade große Reden schwingen. Verglichen mit Trumps lauter Angeberei sieht er beinahe bescheiden aus, und entsprechend geprägt ist auch das Narrativ der Berichterstattung. Carson gilt als intellektueller Außenseiter, der leise und sanft spricht und sich selbst sehr zurücknimmt. Dieses Bild dürfte nicht wenig zu seinen Umfrageerfolgen beigetragen haben, ist jedoch alles andere als zutreffend.

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„Ben Carson at CPAC 2015“ by Gage Skidmore. Licensed under CC BY-SA 2.0 via Commons

Carson betrat die politische Bühne relativ spät. Zum ersten Mal geriet er 2013 in das Scheinwerferlicht einer bundesweiten Aufmerksamkeit, als er beim National Prayer Breakfast in Anwesenheit Obamas eine harsche Kritik der „political correctness“ abgab und sich mit stark sozialkonservativen Positionen in die Herzen der republikanischen Partei sprach. Seine starke Religiosität (er ist Mitglied der Seventh-Day-Adventists, einer religiösen Splittergruppe, die eine sehr wörtliche Auslegung der Bibel praktiziert), seine erzkonservativen Ansichten (etwa die Feindschaft zur Homoehe) und seine konservativen innenpolitischen Positionen (etwa die Ablehnung von Obamacare oder der Legalisierung von Cannabis) haben ihn zu einem glaubwürdigen Vertreter von republikanischen value voters gemacht (mehr dazu siehe hier). Entsprechend wurden nach seiner Rede auch schon Stimmen laut, die seine Kandidatur für die Präsidentschaft forderten. Sein Rücktritt von allen medizinischen Funktionen erlaubte es ihm, sich künftig auf seine politische Karriere zu konzentrieren, die er mit seinen Büchern „One Nation“ und „A More Perfect Union“ unterfütterte.

Während seine Positionen auf dem Gebiet der sozialkonservativen Positionen relativ klar sind, sind sie besonders auf dem ökonomisch-fiskalischen Feld sowie in der Außenpolitik deutlich nebulöser. Carson sprach sich etwa für eine Flat-Tax und gegen ein progressives Steuersystem aus, während er auf außenpolitischem Gebiet hauptsächlich die übliche Unterstützung von Israel und Gegnerschaft zum Iran ausgibt, ohne allzu konkret zu werden. Unklar war lange Zeit auch seine Position zum Waffenbesitz: während er vor seiner Kandidatur noch Aussagen machte, die sich als Befürwortung von Waffenregulierung deuten ließen, hat er seither erklärt, sich nur unklar ausgedrückt zu haben: Während die vielen Opfer von Schusswaffen schrecklich seinen, sei es nicht so schrecklich wie die Bevölkerung wehrlos gegenüber möglichen Tyrannen zu lassen. Damit befindet sich Carson auch auf diesem Gebiet inzwischen klar im republikanischen Mainstream.

Bevor ich mich einer tiefergehenden Analyse von Carsons Positionen, Stil und Erfolg zuwende, möchte ich einen Disclaimer voranstellen. Ich empfinde Ben Carson als den mit Abstand moralisch abstoßendsten Kandidaten der republikanischen primaries, noch vor Trump. Ich hoffe die Gründe hierfür im Folgenden deutlich zu machen, möchte aber nicht versuchen die Illusion aufzubauen, ihn mit demselben Abstand betrachten zu können wie etwa Marco Rubio.

Eine erste Auffälligkeit bei Carson, die noch weit über Trumps offensives Ignorieren politischer Gegebenheiten hinausgeht, ist seine völlige Realitätsferne und offensichtliche Unwissenheit auf vielen Gebieten. Für einen Präsidentschaftskandidaten sind Carsons Wissenslücken wahrlich alarmierend. So ist ihm offensichtlich nicht klar, wie der Mechanismus des debt ceiling funktioniert, was jedem halbwegs informierten Zeitungsleser spätestens seit, nun, 2013 bekannt sein müsste. Gefragt, wie seine Haushaltspolitik aussehen würde, war als einzige konkrete Aussage zu entlocken, dass er alle Budgets unterschiedlos um 3% bis 4% kürzen würde. Warum das völlig irrsinnig ist, hat Jordan Weissman hier erklärt. Auch die Funktionsweise der Geldpolitik oder die grundlegende Problematik von wirtschaftlicher Ungleichheit entgehen ihm völlig. Der Steuersatz seiner Flat-Tax (10%) beruht nicht auf irgendwelchen ökonomischen Überlegungen oder Berechnungen, sondern stammt aus der Bibel. Das ist kaum weiter als Herman Cain 2012, dessen 9-9-9-Steuertarif 2012 wohl direkt aus dem Computerspiel SimCity übernommen wurde.

Natürlich stellen auch andere Kandidaten unmögliche Pläne auf, ob man Jeb Bushs 4%-Wachstums-Plan oder Rubios unbezahlbare Steuerkürzungen hernimmt. Aber bei diesen Kandidaten (und ja, auch bei Trump) hat man wenigstens das Gefühl, dass sie aus politischer Berechnung handeln und wissen, dass es in der Realität des Weißen Hauses anders aussehen wird. Carson weiß aber eindeutig nicht, wovon er spricht. Das macht ihn unter den Kandidaten einzigartig.

Die Probleme mit Carson enden aber nicht hier. Denn seine leise und teils schlicht undeutliche Art zu sprechen, ohne besondere Höhen und Tiefen, erweckt den Eindruck eines fast schon gleichmütig-heiteren Kandidaten, der ähnlich Bernie Sanders auf Seiten der Democrats für einen positiven Wahlkampf ohne den tiefen Griff in die Schmutzkiste auskommt. Nichts könnte ferner von der Wahrheit sein, auch wenn es eine schöne Geschichte ist. Carsons Wortwahl steht der von Trump in nichts nach und ist vielleicht sogar noch schlimmer. So bezeichnete er Obamacare als „die schlimmste Katastrophe für die Amerikaner seit der Sklaverei“, erklärte das System der progressiven Besteuerung zum „Sozialismus“, benutzt völlig inflationär Hitler- und Nazivergleiche (unter anderem für political correctness, die er mit der SA-Hetze von 1933 gleichsetzt), warnt vor der Erklärung des Ausnahmezustands durch Obama wenn die Republicans die Wahl 2016 verlieren, geht davon aus dass die biblische Apokalypse bald bevorsteht und vieles mehr. Auch seine angebliche Bescheidenheit ist schlichtweg eine Erfindung der Spin-Doktoren. Betrachtet man etwa dieses Interview mit Fox-News oder seine vielzitierten Kommentare zum Massaker in Oregon erkennt man schnell, wie ungeheuer eingebildet Carson ist und wie wenig Gespür er dafür hat, wie seine Worte außerhalb der Filterblase ankommen.

Und genau das ist das Problem. Bisher findet Ben Carson ausschließlich innerhalb der Filterblase statt, quasi in einer Echokammer der republikanischen Radikalen (etwas, das mit Abstrichen auch für Bernie Sanders auf der Linken gilt). Würden seine Äußerungen mit derselben Rigorosität analysiert, geprüft und bewertet werden wie dies bei ernsthaften Kandidaten – Hillary Clinton, Jeb Bush, Marco Rubio et al – der Fall ist, seine Kandidatur wäre dead in the water. Stattdessen aber profitiert Carson davon, eine gute Projektionsfläche abzugeben. Einerseits kontrastiert er schön mit den anderen Kandidaten und kann sich das Mäntelchen des Outsiders umhängen, der, frei von der Korrumpierung des politischen Prozesses, ohne Rücksicht auf political correctness sprechen kann. Dafür besteht offensichtlich großer Bedarf. Gleichzeitig macht es eine Wahl Carsons aber unvorstellbar. Selbst in den primaries dürfte sein Appeal beschränkt sein, denn hinter der ruhigen Fassade steht effektiv ein Extremist mit toxischen und teils menschenverachtenden Positionen.

Ben Carson ist ein Wolf im Schafspelz, oder besser eine Natter. Weil er für so viele seiner giftigen Ideen so lange einen Freischein in den Medien bekommen hat, sind diese Ideen tief in die republikanischen primaries eingesunken. Die Nation debattiert nun ernsthaft, ob die Überlebenschancen im Falle eines Massakers besser sind, wenn man à la Carson den Schützen direkt angreift, und ob dies als Sicherheitspolitik ausreicht. In sämtlichen Medien wurden Argumente vorgebracht, ob der Holocaust erst dadurch möglich gemacht wurde, dass die Juden keine Feuerwaffen hatten. Nicht nur wird damit verhindert, dass über ernsthafte Lösungen gesprochen wird. Irgendetwas von dem Irrsinn bleibt immer auch hängen. Der unvermeidliche Niedergang Carsons in den Umfragen kann daher gar nicht schnell genug kommen. Noch mehr als Trump verkörpert er alles, was faul ist im demokratischen Prozess der USA, was an giftigen und ekligen ideologischen Unterströmungen durch die Gesellschaft läuft.

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  • sol1 18. Oktober 2015, 09:27

    Ob er wohl davon profitiert, daß „brain surgery“ in Amerika ähnlich wie „rocket science“ für intellektuell raffinierte Angelegenheiten steht?

    Oder beeindruckt es sein bibeltreues Publikum, wie in seinem Studium sich das Wort aus Psalm 127 bewahrheitet hat, daß es der Herr deinen Seinen im Schlaf gibt?

  • Stefan Sasse 18. Oktober 2015, 13:25

    Klar profitiert er davon. Dazu gibt er einen herrlichen Kronzeugen gegen den Rassismus der Republicans ab, und er vertritt (wie beschrieben) sehr gut die bibeltreuen Republicans. Klar.

  • Stefan O. W. Weiß 20. Oktober 2015, 10:48

    Mit gefällt Carson recht gut und an seinen Statements finde ich nicht viel zu kritisieren. Das Problem bei ihm liegt meines Erachtens darin, daß er ein Außenseiter im politischen System ist; er hat einfach nicht die Kenntnis und nicht die Erfahrung, wie man es machen muß, um seine Ziele dann im politischen Alltag – annähernd – zu verwirklichen. Mir erscheint er als eine Art republikanischer Jimmy Carter, ein netter Mann mit den besten Absichten, aber einfach unfähig. :))

    • Stefan Sasse 20. Oktober 2015, 16:33

      Ein netter Mann? Dieser Typ lehnt es ab, Muslime Präsident werden zu lassen, will die Trennung von Kirche und Staat aufheben, vergleicht alles und jeden mit Hitler, etc. etc. Von Jimmy Carter ist der meilenweit entfernt, und ich bin kein Carter-Fan.

      • Stefan O. W. Weiß 20. Oktober 2015, 18:51

        Äußerungen amerikanischer Politiker erscheinen uns oft anstößig, weil sie gegen die ungeschriebenen Tabus der deutschen Öffentlichkeit verstoßen. Im amerikanischen Kontext dagegen ergeben sie durchaus einen Sinn. Darum kommen mir seine Äußerungen wohl weniger skandalös vor als Ihnen.
        Mit Carter hat er eben gemein, dass er in der Politik ein Amateur ist. Er hat nie ein hohes politisches Amt bekleidet, hat kein Netzwerke, keine Beziehungen, etc. Wie das Autofahren lernt man Politik nur durch die Praxis. Die Lektüre der Straßenverkehrsordnung reicht nicht.

        • Dennis 20. Oktober 2015, 21:59

          @ Stefan O.W. Weiß.

          Ich glaube nicht, dass der Vergleich mit Carter sehr stimmig ist. Carter ist aus einer klassischen politischen Karriere heraus Präsident geworden. Das heißt soviel wie: Vorher (oder jedenfalls mit Unterbrechung vorher) entweder Congressman, Senator oder Governor oder jedenfalls eine andere hohe Position im Staatsdienst. Für Carter trifft Governor zu, wie z.B. auch für Bill Clinton oder auch Roosevelt (beide Roosevelts).

          Noch zu Carters Zeiten wäre keiner auf die Idee gekommen, darin einen Makel zu sehen. Erst die um sich greifende Politikverachtung, die ja auch in D mit Händen zu greifen ist, macht Bewerber, die mit Politik bisher nichts zu tun gehabt haben wollen bzw. diesen Sachverhalt aggressiv bewerben, für weite Kreise der Wählerschaft interessant. Hinzu kommt: Je schräger und verrückter der Auftritt desto besser. Irak und Iran nicht unterscheiden zu können wird nicht unter Eignungsmangel verbucht, eher im Gegenteil. Politik als Konsumprodukt, der Unterhaltungswert ist von großer Bedeutung.

          • Stefan O. W. Weiß 21. Oktober 2015, 06:36

            Ich sehe das ähnlich. Allerdings, die Politikverdrossenheit bzw. die Politikerverdrossenheit vieler Amerikaner (und auch Deutscher) hat ja durchaus gute Gründe. Im Prinzip hätte ich daher gegen einen Außenseiter gar nichts einzuwenden, befürchte lediglich, daß der sozusagen am Apparat scheitern wird, weil ihm eben die Praxis, die Routine fehlt, mit diesem zu arbeiten.

            • Stefan Sasse 21. Oktober 2015, 19:05

              @Dennis: Exakt.
              @Stefan O W Weiß: Die Äußerungen Carsons sind auch in den USA extrem skandalös und wurden ausgiebig in den amerikanischen Medien diskutiert – und wahrlich nicht als normale, dem Mainstream zugeordnete Äußerungen.

      • Ralf 21. Oktober 2015, 04:11

        @ Stefan Sasse

        Ich glaub, Du machst Dir da was vor. Die republikanischen Kandidaten sind allesamt rechtsextrem. Jeder einzelne. Carson ist nicht schlimmer, sondern lediglich unprofessioneller als die Kandidaten des Establishments. Und die vom Establishment gekauften Medien hassen ihn halt. Wo liegt etwa der Unterschied zwischen Carson, der findet Muslime sollten nicht Praesident werden und z.B. Rubio, der fand man duerfe in der Naehe von Ground Zero keine Moschee bauen (dabei war die Moschee noch nicht einmal eine Moschee, sondern ein Gemeindezentrum, aber lassen wir das mal)? Beide sind intolerant bis auf die Knochen, vorurteilsbeladen und lehnen offensichtlich die Religionsfreiheit ab. Und Hitlervergleiche? Die sind doch zur Normalitaet geworden. Vor kurzem verglich Hillary Clinton noch Putin mit Hitler. Der Vergleich ist historisch genauso abwegig, wie der Bloedsinn, den Carson versprueht. Der Unterschied ist, dass unsere Medien, fuer die Clinton eine Heilige ist, sowas nicht weiterverfolgen. Carson hat halt weniger Verbindungen und ist ein Aussenseiterkandidat. Also wird er von den Medien fertig gemacht, so wie in Deutschland Aussenseiter wie die LINKE oder die Piraten ja auch fertig gemacht werden. Die sind ja auch nicht gut vernetzt. Schau Dir mal an fuer was fuer eine Aussenpolitik, fuer was fuer eine Innenpolitik, fuer was fuer eine Wirtschaftspolitik Rubio oder Bush stehen. Da sind die Wahnsinnigen unter sich. Policy-maessig fallen Spinner wie Carson oder Trump da auch nicht mehr auf, auch wenn uns unsere Medien verzweifelt versuchen zu erklaeren Bush haette die Statur eines Praesidenten, waehrend Trump und Carson Clowns seien. Und ganz ehrlich, in den Politikfeldern, die wirklich zaehlen und die das Leben der Amerikaner wirklich beeinflussen wuerden, ist gerade Trump noch der Vernuenftigste (Krankenversicherung, Iran, progressives Steuersystem etc.). Leider. Und das sagt einem alles, was man ueber die Qualitaet des republikanischen Bewerberfeldes wissen muss.

        • Stefan Sasse 21. Oktober 2015, 19:10

          Naja, da sind schon Qualitätsunterschiede drin. Ich denke du machst es dir da etwas einfach. Der Unterschied zwischen Kandidaten wie Bush, Rubio und vielleicht sogar Trump zu Carson ist, dass ich Bush und Rubio jederzeit zutraue, dass es reines Wahlkampfgetöse ist. Auch Romney hat entsprechende Geräusche in Richtung Basis gemacht, genauso wie Clinton sich jetzt sehr links gibt. Das ist Teil des Spiels, und am Ende werden sie etwas mehr zur Mitte tendieren. Der Präsident kann eh nicht entscheiden ob eine Moschee da gebaut wird, weswegen das bedeutungslos ist. Aber Carson meint den Schwachsinn ernst. Er ist der echte Spinner.

          Auf der anderen Seite hast du natürlich Recht, dass sie allesamt eher rechtsradikal sind (aus unserer Perspektive). Keine Frage. Aber zu sagen es gäbe da keine Unterschiede im Spektrum ist etwas arg vereinfacht.

          • Ralf 21. Oktober 2015, 19:57

            Der Präsident kann eh nicht entscheiden ob eine Moschee da gebaut wird, weswegen das bedeutungslos ist.

            Der Praesident kann auch nicht entscheiden, ob sein Nachfolger Muslim ist. Weswegen das laut Deiner Argumentation ebenfalls bedeutungslos sein sollte.

            Der Unterschied zwischen Kandidaten wie Bush, Rubio und vielleicht sogar Trump zu Carson ist, dass ich Bush und Rubio jederzeit zutraue, dass es reines Wahlkampfgetöse ist.

            Jeb Bush gebaerdet sich sehr stark wie sein Bruder George W. Bush zuvor und umgibt sich mit den selben Ratgebern und Einfluesterern (unter anderem etwa Paul Wolfowitz). Er tritt fuer eine aggressivere Aussenpolitik, fuer starkes Auftreten, fuer Militaereinsaetze ein. Insbesondere was den Iran angeht, laesst er keine Gelegenheit aus zu erklaeren, die „militaerische Option“ liege auf dem Tisch. Und all das nach dem katastrophalen Chaos, das sein Bruder im Irak angerichtet hat. Trotzdem erklaeren die Medien Bush zum praesidialen Kandidaten. Trump, der sich hingegen am Anfang ganz alleine gegen die gesamte Riege von Republikanern gestellt hat und Obamas Deal mit den Iranern fortsetzen will, was fuer ihn politisch extrem riskant war, wird zum Clown erklaert. Wieso eigentlich?

            Bush und Rubio, die Steuerplaene aufstellen, die mit voellig aus der Luft gegriffenen Phantasiezahlen arbeiten und bei denen sich offensichtlich jeder soviel Wachstum wuenschen darf wie er moechte, auch wenn sich die Experten einig sind, dass diese Prognosen voellig absurd sind, werden von den Medien als die praesidialen Kandidaten gelobt. Trump hingegen, der ein grosses politisches Risiko einging und offen das progressive Steuersystem verteidigte und fuer die Reichsten die Steuern erhoehen will, wird zum Clown erklart. Warum eigentlich?

            Bush und Rubio, die Obamacare so schnell wie moeglich loswerden wollen und unter denen Millionen Amerikaner ihre Krankenversicherung verlieren wuerden, nennen unsere Medien ernstzunehmende praesidiale Kandidaten. Trump hingegen, der sich in der Vergangenheit fuer ein Single Payer System ausgesprochen hat, das ueberall in der westlichen Welt hervorragend funktioniert, wird zum Clown erklaert. Wieso eigentlich?

            Ja, Trump will eine Mauer um Mexiko herum bauen. Das ist offentlich komplett laecherlich. Voll unterstuetzt wird er dabei unter anderem von Ted Cruz. Letzterer wird wesentlich seltener als Clown bezeichnet. Wahrscheinlich weil er ein US-Senator ist. Die angestrebte Mauer wird keine Einwanderer aufhalten, soviel ist klar. Im schlimmsten Fall wird der Bau Arbeitsplaetze schaffen. Sollten wir in fuenf Jahren zurueckschauen und feststellen, dass das Schlimmste was der Praesident Trump in seiner Amtszeit tat war, eine sinnlose, teure Mauer zu bauen, wuerde er als einer der besten Praesidenten der amerikanischen Geschichte in die Annalen eingehen.

            • Stefan Sasse 26. Oktober 2015, 15:16

              Während ich dir sofort zustimme, dass die anderen Kandidaten mit ihrer Scheiße viel zu leicht durchkommen, betreibst du für Trump doch Rosinenpickerei. Erstens hat er einige seiner „progressiven“ Positionen bereits für die primaries entsorgt, und zum zweiten hat er neben dem Mauerbau um Mexiko noch eine ganze Menge anderen Unsinn gefordert und geredet.

              Dazu kommt, dass Trump völlig unberechenbar ist. Wenn er im Weißen Haus säße – er könnte irrsinnigen Schaden anrichten. Bei Rubio, Bush oder selbst Cruz gilt das nicht.

              • Ralf 27. Oktober 2015, 05:16

                Während ich dir sofort zustimme, dass die anderen Kandidaten mit ihrer Scheiße viel zu leicht durchkommen, betreibst du für Trump doch Rosinenpickerei.

                Geschenkt. Natuerlich betreibe ich Rosinenpickerei. Mein Punkt ist lediglich, dass Trump nicht schlimmer ist, als die anderen Kandidaten. In den meisten Feldern ist er sogar progressiver. Nur spricht da keiner drueber, weil die Medien eben ein Interesse haben an einer Story, bei der Trump der Clown und Bush der ernstzunehmende Kandidat ist.

                Dazu kommt, dass Trump völlig unberechenbar ist. Wenn er im Weißen Haus säße – er könnte irrsinnigen Schaden anrichten. Bei Rubio, Bush oder selbst Cruz gilt das nicht.

                Seriously??? Schon George W. vergessen und sein Abenteuer im Irak? Welchen Schaden fuer die Welt koenntest Du Dir vorstellen, der noch „irrsinniger“ waere als die Fortsetzung dieses Abenteuers im Iran unter seinem Bruder?

                Ein Praesident Trump (den ich mir im uebrigen nicht wuensche!!!) waere halt ein amerikanischer Berlusconi. Nicht schoen, aber auch keine Katastrophe. In die Position, in der ein Trump ist, kommt man nicht, wenn man ein wirklicher Spinner oder ein Wahnsinniger ist. Trump ist halt eine Marke. Er pflegt sein Image, weil es ihm nuetzt. Und er ist eitel. Sollte er tatsaechlich Praesident werden, haette er garantiert keine Lust als Looser des Jahrhunderts in die Geschichte einzugehen. Und wenigstens waere er nicht dem grossen Geld hoerig. Zumindest nicht in dem Mass wie ein Bush oder ein Rubio. Schon alleine das koennte enormen Schaden von uns allen abwenden.

  • Stefan Sasse 3. November 2015, 18:01

    Jonathan Chait hat auch noch einen interessanten take:
    http://nymag.com/daily/intelligencer/2015/11/ben-carson-running-for-president.html

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