Die Grenzen unserer politischen Sprache

Book Cover The Three Languages of Politics… bestimmen die Grenze unserer politischen Vorstellungskraft. So könnte man Arnold Klings „The Three Languages of Politics“ zusammenfassen und damit beginnt unser kleines Onlinelektüreseminar. Seine These: Wir beschreiben die Welt durch eine von drei politischen Sprachen. Jede dieser Sprachen bildet gleichzeitig eine Heuristik, mit der wir politische Probleme analysieren. Unsere politische Diskussionskultur leidet, weil wir uns nur in einer Sprache ausdrücken können und weil wir diese Sprache hauptsächlich zur Kommunikation mit unserem eigenen „politischen Stamm“ benutzen.

Arnold Kling definiert die drei Sprachen der Politik anhand der Wertachsen, die sie besonders hervorheben und die den Filter bilden, durch den ihre Sprecher die Welt verstehen. Die erste Sprache betont den Gegensatz von Unterdrücker und Unterdrücktem, die zweite den Gegensatz zwischen Zivilisation und Barbarei, die dritte den zwischen Freiheit und Zwang. Arnold Kling ordnet das erste Gegensatzpaar dem linken Spektrum zu (orig. „progressive“, deshalb P Sprache), das zweite dem konservativen (K Sprache) und das dritte dem liberalen Spektrum (orig. „libertarian“, L Sprache).

Die meisten Menschen hätten eine dominante Sprache, die ihrer politischen Grundüberzeugung entspricht. Als soziale Wesen, finden wir uns Kling zufolge in Stämmen politisch Gleichgesinnter zusammen und würden unsere politische Sprache hauptsächlich einsetzen, um mit unserem Stamm zu kommunizieren. Wir kommunizieren unsere Zugehörigkeit und heben unseren Status innerhalb des Stammes.

Wir könnten, so Kling weiter, den Ärger und Frust politischer Diskussionen erheblich senken, wenn wir lernen würden, andere politische Sprachen zu verstehen und zu sprechen. So könnten wir sehen, dass andere Sprachen und damit Sichtweisen kohärent sind und gegeben bestimmte Werte und Erfahrungen, sogar eine rationale Analyse sein könnten. Gelegentlich könnten wir diese Sichtweise sogar als richtig anerkennen und Kling gibt seinen Lesern die Aufgabe, für jede Sprache solch ein Beispiel zu finden.

Im schlimmsten Falle, fährt der Autor fort, würden wir in einer Kontroverse den Gegenüber mit dem negativen Extrem unserer eigenen Sprache identifizieren. Eine fruchtbare Diskussion um richtige Größe des Sozialstaates nach Gesichtspunkten der Gerechtigkeit und der Effizienz muss scheitern, wenn die Befürworter eines umfangreicheren Sozialstaats karikiert werden als Befürworter eines staatlich durchzusetzenden Gleichheitszwangs und die Kritiker des Sozialstaats umgekehrt für Vertreter der Unterdrücker gehalten werden.

Anstatt unsere  kognitiven Fähigkeiten zur Verbesserung unserer politischen Überzeugung einzusetzen, also zur Abwägung konträrer Meinungen und Wertvorstellungen vorgetragen in verschiedenen Sprachen, rationalisieren wir nur bereits vorhandene Meinungen. Wir vermeiden jede kognitive Dissonanz indem wir Gegenargumente wegdiskutieren. Wir konzentrieren uns auf die schwächsten Argumente des politischen Gegners anstatt auf seine stärksten.

Politische Streitigkeiten werden so endlos und fruchtlos. Kling schließt das kurze Buch mit einem Plädoyer, das für mich ein Leitbild bei der Mitgründung dieses Blogs war: Die meisten politischen Probleme sind komplex genug, dass sie sich nicht vollständig aus einem Blickwinkel verstehen lassen. Wenn dem so ist, dann wäre es weise, uns von unserer bevorzugten Sichtweise zu lösen. Wer lernt, die Vertreter anderer politischer Sichtweisen nicht als Häretiker sondern als vernünftig anzuerkennen, wird einen produktiveren, angenehmeren Zugang zur Politik entdecken.

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{ 6 comments… add one }

  • Carsten Pötter 7. Mai 2013, 11:25

    So richtig passe ich nicht in Klings Schema:
    4xP
    3xC
    2xL
    aber am Schluss ein Z

    Ich bin verwirrt. 😉

  • Theophil 7. Mai 2013, 12:24

    Da würde ich nochmal in mich gehen 🙂

    Meine Ergebnisse: 3xP 3xC 3xL und am Ende auch ein Z. Ich interpretiere das im Sinne des Buches ganz positiv. Offensichtlich bin ich ein unabhängiger Denker 😉

    • Jan Falk 7. Mai 2013, 14:18

      Meine Ergebnisse sind, wohl wenig überraschend, etwas eindeutiger: Sechs mal „progressive“ und am Ende ein „X“

    • Carsten Pötter 7. Mai 2013, 14:31

      Nein, ich akzeptiere das Ergebnis. Ist vielleicht auch nicht so falsch; merke ich insbesondere bei Wahlen. Da lässt sich bei mir auch kein roter Faden erkennen.

  • Stephan Ewald 8. Mai 2013, 11:25

    Ich habe 5P und 4L und ein X. Ich bin also definitiv nicht K ;~)

  • Stitch Jones 16. Juli 2013, 15:23

    Z bei 2p, 2c und 5l. Ich bin offenbar geradezu ein Musterfall.

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