Grenzen des Wettbewerbs – Die Telekom macht ernst

Die Telekom macht ernst. In der neuesten Firmenankündigung wurde verkündet, dass künftig Volumentarife verkauft werden sollen, wie sie im Mobilfunkmarkt bereits üblich sind. Ab einer bestimmten Datenvolumenmenge soll die Leitung auf 384Kbits/s reduziert werden. Für all diejenigen, die auf einen nostalgischen Ausflug in die Zeiten des 56k-Modems gerne verzichten können, ist das eine mehr als schlechte Nachricht, und sie zeigt uns gleichzeitig ein riesiges Problem mit Wettbewerb auf: der Telekommunikationssektor galt lange als Musterbeispiel der Privatisierung, mit massiv fallenden Preisen für Kunden. Jetzt schlägt das Pendel in die entgegengesetzte Richtung, ohne dass es dafür einen Grund etwa in einer Ressourcenverknappung gäbe. Was passiert?

Die ursprüngliche rasende Expansion des Telekommunikationssektors nach der Telekom-Privatisierung und der Öffnung des Markts, der vorher fest in den Händen der staatlichen Post gelegen hatte, basierte vor allem auf zwei Faktoren: der vorherigen Misswirtschaft der staatlichen Behörde Telekom, die sich unter anderem auf die Korruption des Postministers Schilling gründete (dessen Entscheidung, weniger leistungsfähige Kupferkabel anstelle von Glasfaserkabel zu legen wohl eng mit der Kupferfirma verbunden war, die seine Frau besaß), und dem Dot-Com-Boom und einer damit einhergehenden Blase, die zu massiven Überinvestitionen in das Netz führte.

Diese Blase und der Jubel der Dot-Com-Jahre, in denen Internetfirmen ins Unendliche zu wachsen schienen, sorgte dafür, dass wesentlich mehr Kabel für Flatrate-Tarife verlegt wurden, als der Markt an potenziellen Kunden hergab. Nach dem Ende der Sause und der Pleite zahlreicher Akteure konnten die verbliebenen Player am Markt lange von diesen Überkapazitäten leben und traten in einen ruinösen Preiskampf ein, der für den Kunden zu stetig fallenden Preisen führte. Flatrates wurden erst erschwinglich, dann Standard. 2003 war Schluss mit den damals noch beliebten Volumen-Verträgen; die Flatrate regierte unangefochten, zum Nutzen der Kunden.

Allein, seither hat sich das Datenvolumen im Netz verfielfacht. Die Smartphones haben ganze Demographien ans Netz gebracht, die sonst eher wenig unterwegs gewesen wären, während gleichzeitig allein durch die natürliche Alterung der Gesellschaft mehr und mehr Menschen einen eigenen Anschluss erhielten. Dies machte neue Ausbauten ins System erforderlich, die im Gegensatz zu früher, als man von der Substanz des Booms und der Telekom hatte leben können, selbst bezahlt werden mussten.

Gleichzeitig waren die Einnahmen für Telefonie und SMS durch die stets verfügbare Internet-Flat praktisch vollständig eingebrochen. Es ist ein klarer Trend erkennbar, der zu einem Gleichgewicht auf dem Markt führt. Bereits seit Jahren unterscheiden sich die Flatrate-Angebote kaum mehr voneinander. Die wegen den immer höheren Datenumsatzes nötigen Netzinvestitionen aber fressen die kleiner werdenden Gewinne auf.

Damit bleiben nur zwei Alternativen. Entweder weniger Gewinne akzeptieren oder die Einnahmen erhöhen. Und hier kommt die Volumina-Beschränkung ins Spiel, und die Aufgabe der Netzneutralität (die vermutlich nur eine Frage der Zeit war). Sie verknappen künstlich ein Gut und schaffen neue Angebote, die vorher überhaupt nicht notwendig waren und es rein technisch nicht sind. Das ist, als müssten Autofahrer Maut bezahlen, sobald sie auf den Autobahnen schneller als 80 fahren wollen. Oder die linke Fahrspur benutzen. In gestaffelten Angeboten.

Dieser Wunsch seitens der Unternehmen ist nachvollziehbar, aber erklärbar ist er nur durch ein faktisches Ende des Wettbewerbs, von dem der Kunde bislang massiv profitiert hatte. Die Datenvolumenbeschränkungen können nämlich nur unter einer Prämisse erfolgreich installiert werden: alle Anbieter ziehen mit. Gäbe es einen Anbieter, der weiterhin im Sinne der Netzneutralität unbeschränkte Flatrates anbietet, so müssten diesem theoretisch die Kunden zulaufen. In einer Wettbewerbssituation ist dies der Fall.

Jedoch ist damit nicht zu rechnen. Die Entscheidung der Telekom dürfte als Dammbruch gewertet werden, dem die anderen Unternehmen in einer Art informeller Absprache folgen werden. Es erspart Investitionen ins Netz, die für einen Wettbewerb notwendig wären und erhöht gleichzeitig die Gewinnmargen, ohne dass irgendetwas Neues geschaffen und verkauft wird. Stattdessen wird das alte Produkt künstlich verknappt und verschlechtert.

Es besteht kein ernsthafter Grund für die Unternehmen, nicht in dieses Kartell einzutreten, und die hohen Infrastrukturkosten halten mögliche Billiganbieter als Wettbewerber fern, wie dies bereits seit längerem auf dem Strommarkt zu beobachten ist. Auch hier existiert kein ernsthafter Wettbewerb, auch hier finden künstliche Verknappungen statt. Diese Situation aufzulösen wäre an und für sich die Aufgabe eines als Nachtwächter agierenden Staates, der im liberalen Geist stets dafür sorgen muss, dass Wettbewerb stattfindet.

Doch wie soll er das tun? Er kann natürlich selbst in die Netze investieren und den Unternehmen so bessere Tarife ermöglichen, aber das wäre lediglich eine versteckte Finanzierung durch den Steuerzahler und keineswegs sinnvoll. Es würde nur dann eine Alterantive darstellen, wenn der Staat selbst Netze und Dienste bereitstellt, aber das tut er seit der Telekomprivatisierung (glücklicherweise) nicht mehr. Eine Möglichkeit wäre vielleicht, durch ein Gesetz die Drosselung zu verbieten.

Die Alternative für das Unternehmen bestünde dann in drei Wegen: entweder werden in den Verträgen Bandbreiten garantiert und diese besser auf die Benutzer zugeschnitten, wir erleben eine Rückkehr zu normalen Flatrates oder die Unternehmen schalten das Internet für ein Überschreiten des Volumens ab. Letzteres wäre ein so radikaler Schritt, verglichen mit einer Volumendrosselung, dass die Wahrscheinlichkeit eines Mitbewerbers, der ausschert und andere Tarife bietet, höher ist. So oder so dürfte die Netzpolitik in dieser Fragestellung vor einer ernsten Herausforderung stehen, während die Kunden mit real deutlich steigenden Kosten konfrontiert sein werden.

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  • Kirkd 22. April 2013, 14:15

    Ich kapier das nicht ganz. Könnte die T auch ohne Volumenbegrenzung für alle Flatrates anbieten? Oder müsste sie dafür in Infrastruktur investieren? Wenn letzteres der Fall ist, verstehe ich aber nicht, wo jetzt das Wettbewerbsproblem ist, denn dann ist eine indirekte Preiserhöhung doch die logische Konsequenz. Was sollte die T denn Deiner Meinung nach tun?

  • Theophil 22. April 2013, 14:40

    Das ist auch mein Einwand. Soweit ich weiß, ist die Nutzung von Flatrates extrem ungleich verteilt. Wenige Nutzer verursachen einen Großteil der Kosten für Netze & Bandbreite, die auf alle Nutzer umgelegt werden. Eine Drosselung für Vielnutzer ist also effektive Umverteilung „von oben nach unten“ und nicht Scheitern des Wettbewerbs.

    Die eigene Meinung zu dieser Art der Umverteilung sollte konsistent sein mit z.B. der Meinung zur Umverteilung von Einkommen.

  • Kirkd 22. April 2013, 15:01

    Eine Flatrate ist ja per se ein eher seltenes Phänomen im Wettbewerb. Die meisten infrastrukturgebundenen Dienstleistungen gibt es nicht als Flatrate. Eine BahnCard 1000 lohnt für die wenigsten Nutzer, genauso ein Saisonticket für die Skiregion. Auch das Jahresabo des örtlichen Nahverkehrsanbieter lohnt nur für die, die jeden Tag den Nahverkehr nutzen. Diese Leistung hat aber schon einen relativ normierten Nutzungsumfang, wodurch der gleiche Preis für alle durchsetzbar ist. Strom, Abwasser, Müll, Flugreisen, gibt es nicht als Flatrate. Ausnahme sind Strassen.

  • userin2006 22. April 2013, 15:04

    Telekom Entertain soll so werden wie spotify . Damit hätte die Telekom einen eindeutigen Wettbewerbsvorteil. Sie wird ihre Eigene Filme und Musik anbieten ohne Datenpaket-Begrenzung.
    Alle anderen die dies nicht tun werden schön zur Kasse gebeten. Und da das schland, nicht wie in den Niederlanden und anderen Staaten, die Netzneutralität nicht gesetzlich verankert hat, gute Nacht Deutschland. ich möchte diesen Faden nicht weiterspinnen sonst muss ich mich noch überg….

  • techniknörgler 22. April 2013, 16:20

    „Damit bleiben nur zwei Alternativen. Entweder weniger Gewinne akzeptieren oder die Einnahmen erhöhen. Und hier kommt die Volumina-Beschränkung ins Spiel, und die Aufgabe der Netzneutralität (die vermutlich nur eine Frage der Zeit war). Sie verknappen künstlich ein Gut und schaffen neue Angebote, die vorher überhaupt nicht notwendig waren und es rein technisch nicht sind.“

    Aber natürlich ist es technisch notwendig. Irgendwie muss ein Ausbau ja finanziert werden.

    “ Das ist, als müssten Autofahrer Maut bezahlen, sobald sie auf den Autobahnen schneller als 80 fahren wollen. Oder die linke Fahrspur benutzen. In gestaffelten Angeboten. Dieser Wunsch seitens der Unternehmen ist nachvollziehbar, aber erklärbar ist er nur durch ein faktisches Ende des Wettbewerbs, von dem der Kunde bislang massiv profitiert hatte.“

    ??? Wie kommt man darauf? Solche gestaffelten Angebote sind im Wettbewerb absolut üblich: Es ermöglich auch Kundenkreist mit weniger Kaufkraft anzusprechen, gleichzeitig aber von Kunden mit mehr Kaufkraft einen höheren Umsatz zu erzielen. Wäre dies unzulässig, dann gäbe es nur ein Einheitsangebot, das teurer wäre als das billigste Angebot von heute. Definitiv kein Fortschritt. Und wer mehr Leistung will, zum Beispiel eine höhere Datenübertragunsgrate, der soll für die Investitionen auch stärker zur Kasse gebeten werden, als jemand der dies nicht tut.

    Im übrigen sind Falt Rates Mischkalkulationen. Zwar ist das Angebot an Kapazitäten nicht knapper geworden, aber diese werden immer stärker genutzt, auch im Durschnitt, also vom Durchschnittskunden. Dadurch ändert sich die Mischkalkulation. Es ist also mit nichten so, dass sich am Verhältnis Nachfrage/Angebot nichts geändert hätte – sonst wären keine neuen Investitionen notwendig.

    “ Die Datenvolumenbeschränkungen können nämlich nur unter einer Prämisse erfolgreich installiert werden: alle Anbieter ziehen mit. Gäbe es einen Anbieter, der weiterhin im Sinne der Netzneutralität unbeschränkte Flatrates anbietet, so müssten diesem theoretisch die Kunden zulaufen.“

    Kommt darauf an, zu welchem Preis. Wenn das Angebot besser ist, dann stimmt natürlich die Aussage.

    „In einer Wettbewerbssituation ist dies der Fall.“
    Was ist in einer Wettbewerbssituation der Fall? Das es ein gutes Flat Rate Angebot gibt, dass alle anderen verdrängt? Nein, dies hängt vom Verhältnis Angebot/Nachfrage ab.

    Ich denke hier liegt der ursprüngliche Fehler:

    “ Jetzt schlägt das Pendel in die entgegengesetzte Richtung, ohne dass es dafür einen Grund etwa in einer Ressourcenverknappung gäbe.“

    Aber dich, den gibt es offenbar. Ressourcenverknappung sollte natürlich eher durch das Verhältnis Angebot/Nachfrage ersetzt werden, denn es kann nicht nur an einem Rückgang des Angebotes liegen, sondern auch an verstärkter Nachfrage?

    Worüber regen sich die Marktkritiker und Netzaktivisten hier eigentlich auf? Das die Investitionen für verstärkter Nachfrage eher von denen finanziert werden sollen, welche die Investitionen danach auch am stärksten Nutzen? Träumt man eher von einer Subventionierung über Steuergelder? Oder einer Quersubventionierung durch Internetnutzer, die keine heavy user sind?

    Ich glaube letzteres. Eine solche Quersubventionierung abzulehne ist aber keien Abzocke. Im Gegenteil, eine solche Quersubventionierung ist eine Abzocke der moderaten Internetnutzer.

    Mit Netzneutralität hat die Frage der konkreten Tarifgestalltung bezüglich des Volumenpreises oder eines Flat-Rate-Preises nichts zu tun.

    Das die Netzneutralität hier nicht gesetzlich vorgeschrieben ist, hilt natürlich bei der Verwischung diese zwei Themenkomplexe. Man sollte im Hintergrund behalten, dass der durchschnittliche Netzaktivist eher heavy user ist und daher auch seine eigenen Interessen verfolgt. Da ist man genauso wenig uneigennütziger, idealistsicher Kämpfer wie die alten Staatsmonopolisten oder ihre Konkurenten. Das kaufe ich denen bei der Frage der Netzneutralität ab. Bei der Verklärung der Flat-Rate zum einzig fairen und akzeptablen Preismodell nicht.

  • techniknörgler 22. April 2013, 16:22

    PS: Schade das die Edit-Funktion nicht funktioniert?

    • Jan Falk 22. April 2013, 18:24

      Schauen wir uns an, danke für den Hinweis.

  • techniknörgler 22. April 2013, 16:35

    “Damit bleiben nur zwei Alternativen. Entweder weniger Gewinne akzeptieren oder die Einnahmen erhöhen. Und hier kommt die Volumina-Beschränkung ins Spiel, und die Aufgabe der Netzneutralität (die vermutlich nur eine Frage der Zeit war). Sie verknappen künstlich ein Gut und schaffen neue Angebote, die vorher überhaupt nicht notwendig waren und es rein technisch nicht sind.”

    Aber natürlich ist es technisch notwendig. Irgendwie muss ein Ausbau ja finanziert werden.

    ” Das ist, als müssten Autofahrer Maut bezahlen, sobald sie auf den Autobahnen schneller als 80 fahren wollen. Oder die linke Fahrspur benutzen. In gestaffelten Angeboten. Dieser Wunsch seitens der Unternehmen ist nachvollziehbar, aber erklärbar ist er nur durch ein faktisches Ende des Wettbewerbs, von dem der Kunde bislang massiv profitiert hatte.”

    ??? Wie kommt man darauf? Solche gestaffelten Angebote sind im Wettbewerb absolut üblich: Es ermöglich auch Kundenkreise mit weniger Kaufkraft anzusprechen, gleichzeitig aber von Kunden mit mehr Kaufkraft einen höheren Umsatz zu erzielen. Wäre dies unzulässig, dann gäbe es nur ein Einheitsangebot, das teurer wäre als das billigste Angebot von heute. Definitiv kein Fortschritt. Und wer mehr Leistung will, zum Beispiel eine höhere Datenübertragunsgrate, der soll für die Investitionen auch stärker zur Kasse gebeten werden, als jemand der dies nicht tut.

    Im übrigen sind Fkat Rates Mischkalkulationen. Zwar ist das Angebot an Kapazitäten nicht knapper geworden, aber diese werden immer stärker genutzt, auch im Durschnitt, also vom Durchschnittskunden. Dadurch ändert sich die Mischkalkulation. Es ist also mit nichten so, dass sich am Verhältnis Nachfrage/Angebot nichts geändert hätte – sonst wären keine neuen Investitionen notwendig.

    Flat Rates gingen solange gut, wie nicht alle ihre Ansprüche voll ausnutzen. Das ist die Natur von Flat Rates. Und so lange die Kosten oder Unannehmlichkeiten (auch emotional) einer Einzelerfassung der in Anspruch genommenen Dienstleistung für den Kunden oder das Unternehmen größer sind als bei einer Flat Rate, gibt es letztere. Dabei handelt es sich um eine Quersubventionierung durch der Vielnutzern durch die Wenignutzer (hier gemessen am Datenvolumen, nicht die im Internet verbrachten Zeit). Hält sich diese im Rahmen, da die Vielnutzer nicht viel mehr Mehrkosten erzeugen als die Wenignutzer, ist die Flat Rate ein angenehmes und gerne angebotenens, wie auch vom Kunden gerne genutztes Instrument der Bezahlung, dass viele Vorteile, vor allem Kostensicherheit bietet. Verursachen heavy user aber plötzlich deutlich höhere Kosten, da für ihre Ansprüche verstärkt höhere Investitionen notwendig sind, änder sich die Situation. Der Markt passt sich an.

    ” Die Datenvolumenbeschränkungen können nämlich nur unter einer Prämisse erfolgreich installiert werden: alle Anbieter ziehen mit. Gäbe es einen Anbieter, der weiterhin im Sinne der Netzneutralität unbeschränkte Flatrates anbietet, so müssten diesem theoretisch die Kunden zulaufen.”

    Kommt darauf an, zu welchem Preis. Wenn das Angebot besser ist, dann stimmt natürlich die Aussage.

    “In einer Wettbewerbssituation ist dies der Fall.”

    Was ist in einer Wettbewerbssituation der Fall? Das es ein gutes Flat Rate Angebot gibt, dass alle anderen verdrängt? Nein, dies hängt vom Verhältnis Angebot/Nachfrage, sowie den Kosten und Unannehmlichkeiten der Einzelerfassung ab.

    Ich denke hier liegt der ursprüngliche Fehler:

    ” Jetzt schlägt das Pendel in die entgegengesetzte Richtung, ohne dass es dafür einen Grund etwa in einer Ressourcenverknappung gäbe.”

    Aber doch, den gibt es offenbar. Ressourcenverknappung sollte natürlich eher durch das Verhältnis Angebot/Nachfrage ersetzt werden, denn es kann nicht nur an einem Rückgang des Angebotes liegen, sondern auch an verstärkter Nachfrage.

    Worüber regen sich die Marktkritiker und Netzaktivisten hier eigentlich auf? Das die Investitionen für verstärkter Nachfrage eher von denen finanziert werden sollen, welche die Investitionen danach auch am stärksten Nutzen? Träumt man eher von einer Subventionierung über Steuergelder? Oder einer Quersubventionierung durch Internetnutzer, die keine heavy user sind?

    Ich glaube letzteres. Aber eine solche Quersubventionierung abzulehnen ist keine Abzocke. Im Gegenteil, eine solche Quersubventionierung ist eine Abzocke der moderaten Internetnutzer.

    Mit Netzneutralität hat die Frage der konkreten Tarifgestalltung bezüglich des Volumenpreises oder eines Flat-Rate-Preises nichts zu tun.

    Das die Netzneutralität in Deutschland nicht gesetzlich vorgeschrieben ist, hilft natürlich bei der Verwischung diese zwei Themenkomplexe. Man sollte im Hintergrund behalten, dass der durchschnittliche Netzaktivist eher heavy user ist und daher auch seine eigenen Interessen verfolgt. Da ist man genauso wenig uneigennütziger, idealistsicher Kämpfer wie die alten Staatsmonopolisten oder ihre Konkurenten. Das kaufe ich denen bei der Frage der Netzneutralität ab. Bei der Verklärung der Flat-Rate zum einzig fairen und akzeptablen Preismodell nicht.

    Bei der Netzneutralität geht es nämlich um die Vermischung zweier unterschiedlicher Dienstleistungen, der Übertragung von Daten und ihrem Inhalt. Die Marktposition bei der einen Dienstleistung soll zur Bevorzugung bestimmte Inhaltsangebote genutzt werden. Dies kann evt. einen Missbrauch von Marktmacht darstellen und ist etwas grundsätzlich anderes als die Frage der Abrechnung des Datenvolumens (unabhängig vom Inhalt).

  • Stefan Sasse (@StefanSasse) 22. April 2013, 16:48

    Ich akzeptiere den Punkt mit der Umverteilung und dass das halbwegs Sinn macht. Wie sieht es mit den Eintrittshürden in den Markt aus?

    • Theophil 22. April 2013, 18:36

      Die sind natürlich real. Aber Kabelfernsehbetreiber machen aggressiv Werbung mit günstigen Tarifen und für kleine Volumina gibt es auch LTE.

      • techniknörgler 23. April 2013, 13:43

        Yep, solche Eintrittshürden gibt es. Über die natürlichen Monopole wacht eine Aufsichtsbehörde und zwar aus gutem Grund. Bei einem natürlichen Monopol funktioniert kein Markt vernünftig, das geht aus der Begriffsdefinition hervor.

        Entsprechend ist dieses Nadelör, die letzte Meile, welche das relevante natürliche Monopol in diesem Fall darstellt, ein viel umstrittenes Eisen. Der Eigentümer, meistens die Telekom, möchte natürlich Konkurenten möglichst hohe Preise aufbürde, um ihre eigene Wettbewerbssituation zu stärken. Das könnte die Telekom ohne die hier notwendige und gerechtfertigte Regulierung, aber die Bundesnetzagentur macht ihr hier einen Strich durch die Rechnung. Es ist nicht so, dass ein Inhabe eines natürliche Monopoles daraus keinen Gewinn schlagen dürfte, da aber die Korrektur durch Konkurenz fehlt, wacht hier eine Behörde, dass es nicht zum Missbrauch kommt. Mehr als die Unkosten sind nur in sofern erlaubt, wie sich die Rendite (als Prozentsatz der Investitionskosten) in einem angemessenen Rahmen hält. Etwas Rendite ist erlaubt, damit Investitionen rentabel bleiben, aber die Ausnutzung der Monopolstellung soll unterbunden werden.

        Den Konkurenten der Telekom gehen die genehmigten Entgelte für die letzte Meile natürlich viel zu weit, man wünscht sich möglichst niedrige Obergrenzen durch die Bundesnetzagentur. Der Telekom gehen die Beschränkungen natürlich immer zu weit. Das gehört zum PR getöße.

  • Stefan Sasse (@StefanSasse) 22. April 2013, 19:01

    Verstehe ich euch dann richtig dass ihr Netzneutralität als Konzept ablehnt?

    • Kirkd 22. April 2013, 19:23

      Nein, ich halte Netzneutralität für sinnvoll. Aber ich sehe nicht, was das mit dieser Flatrate zu tun hat.

  • userin2006 22. April 2013, 19:30

    Ich verstehe eure Diskussion nicht, es ist reinstes Profitdenken, die Einschränkung der freien Wahl von Medieninhalten und die Datenüberwachung, körperlich betrachtet würde ich jeden von euch den Kopf schütteln und dabei sagen „Hallo noch jemand zu Hause “ Weltanschauung kommt von Welt anschauen.

  • Theophil 22. April 2013, 19:44

    Netzneutralität im Sinne dass die Netzbetreiber nicht zwischen Arten übertragener Daten diskriminieren sollten?

    Schwierig. Einerseits kann es natürlich Missbrauch sein, da einzugreifen, oder schlimmstenfalls Zensur. Aber es kann auch für die Funktionsfähigkeit bestimmter Dienstleistungen (VoIP, Video, Videotelefonie) vorteilhaft sein, dass deren Datenpakete bevorzugt transportiert werden, im Vgl z.B. zu normalem Websurfen.

  • Marc 22. April 2013, 21:24

    Die Netzneutralität wird verletzt, da die Telekom ihr Angebot (Video on demand, …) auch bei einer Drosselung weiterhin ungehindert durchleiten wird. Es geht daher auch nicht um eine echte Knappheit an Bandbreite, sondern mittels eines eleganten Wegs sich Konkurrenten im Bereich HD-Multimedia & Co vom Hals zu halten. In Zukunft wird man dazu gezwungen, die Extra-Angebote von Telekom anzunehmen, da die Konkurrenz einfach ausgebremst wird.

  • Isidor 23. April 2013, 00:09

    Jahrelang hat man es zugelassen, dass TK-Anbieter die Maximalgeschwindigkeit ihrer Internetzugaenge als Teil der Produktbezeichnung verwenden duerfen, obwohl nur eine Geschwindigkeit meist in der Groessenordnung der Haelfte tatsaechlich garantiert wurde. Kein Wunder also, dass diese Luecke im Wettbewerbsrecht irgendwann aggressiver ausgeschlachtet wird. Serioeser waere es wohl, wenn die neuen Vertraege als 384kbps mit schnellerem Zusatzvolumen und Zusatzdiensten angeboten wuerden. Aber dafuer waere wohl ein Stueck Regulierung notwendig. Ansonsten kann man annehmen, dass Anbieter von Produktvergleichsplattformen in die Bresche springen und einen Ueberblick verschaffen darueber, wo man noch echte Flatrates in einer bestimmten Geschwindigkeit bekommt. Aber dadurch wird es Einsteigern noch schwerer gemacht, gleich einen Anbieter zu finden, der auch die erwartete Leistung bringt – heikel, wenn die Vertragslaufzeiten lang sind.

  • Skalg 23. April 2013, 04:14

    Joa also wenn man sich die Obergrenzen anschaut, dann sind die relativ großzügig, dem durchschnittlichen Nutzer wird die Änderung nicht wehtun, vor allem da sie vorerst nur für Neuanmeldungen gilt.
    Aber kontrolliert nicht die Telekom eh die Mehrheit der Netze? Es wäre halt auch vorstellbar, dass kleinere Anbieter weiterhin unbegrenzte Flatrates anbieten, bis die Telekom die Gebühren für sie erhöht. Das wird sich aber alles erst mit der Zeit zeigen.

  • techniknörgler 23. April 2013, 13:51

    Hier finden sich die Volumenbegrenzungen

    http://www.heise.de/newsticker/meldung/Bandbreiten-Drossel-Telekom-kappt-Festnetz-Flatrates-1847224.html

    Sie gehen von 75 GB bis zu 400 GB. Kein Vergleich mit den Beschränkungen im Mobilfunk. Alles ab 200 GB trifft im privaten Bereich wirklich nur die ganz starken heavy user…

    Nichts gegen heavy user, nur sollen sie es halt selber bezahlen. Und es wäre nett, wenn mich die heavy user nicht mit Krawall-Rhetorik im heise-foren-stil angehen würden (keine Kritik an Mitdiskutanten hier).

  • Isidor 23. April 2013, 15:48

    Das Praedikat „Heavy User“ koennte man auch z.B. dadurch erzielen, dass man in einem Mehrpersonenhaushalt die Leitung aufteilt unter mehreren Benutzern, welche, wie heutzutage immer ueblicher, Internet-Streaming statt Fernseh-Kabel/-Schuessel oder -Antenne nutzen. Wenn man als Normalanwender (jemand, der nicht taeglich mitverfolgt, was sich netzpolitisch aendert) nun einen Internetzugang anhand der angegebenen Geschwindigkeit aussucht, ohne zu wissen, dass diese nur fuer ein Volumenkontingent gilt, kommt irgendwann die unangenehme Ueberraschung, dass die angestrebte Nutzung nicht mehr moeglich ist.

    Nichts dagegen, dass jemand, der mehr Ressourcen verbraucht als ein anderer, auch mehr bezahlt als der andere. Aber die Flatrate wurde von TK-Unternehmen jahrelang als die uebliche Verkaufsform fuer Internetzugaenge durchgesetzt, und damit wurden auch andere Abrechnungsformen verdraengt. Daher waere es meines Erachtens das mindeste, was man jetzt erwarten kann, dass bei einer derartigen Degradation der bereitgestellten Leistung auch potentielle Kunden ueber den Nachteil aufgeklaert werden. Letztendlich schafft das auch laengerfristig ein besseres Bewusstsein unter Anwendern darueber, wie viel Volumen ueberhaupt noetig ist. Bei Strom und Wasser kann man das schliesslich auch lernen…

  • B-N-D 24. April 2013, 07:34

    Der Artikel wäre etwas seriöser, wenn sich auf die in der angegebenen Quelle gemachten Aussagen bezogen worden wäre (Deckelung beginnt bei 75Gbyte, laut Telekom reicht dies „neben dem Surfen im Netz und dem Bearbeiten von Mails … für zehn Filme in normaler Auflösung plus drei HD-Filme, plus 60 Stunden Internetradio, plus 400 Fotos und 16 Stunden Online-Gaming.“)
    So kommt es mir vor, dass einfach mal wieder gegen einen Big-Player gewettert werden muss.

    Das einzig diskussionswürdige Argument gegen diese Deckelung ist die Netzneutralität. Aber wird diese wirklich gefährdet? Der Telekomdienst „Entertainment“ fordert von dem Kunden auch Mehrkosten, die dann eine Daten-Flatrate für dieses Angebot beinhaltet.
    Wenn man auf andere Unterhaltungs-Quellen zurückgreifen will, könnte man sich also für die 200GB Variante entscheiden, die eine 50 Mbit-Leitung bietet. Damit ließen sich pro Tag über 6Gbyte-Daten herunterladen. Jeden Tag, 31mal im Monat!

    Ganz ehrlich, meine Studentenzeit mit einem fragwürdigen 24/7-Internet-Download sind vorbei. Heute brauche ich einen Tarif, der mich schnell am Feierabend und am Wochenende ins Netz bringt. Internetradio, Social Media, Youtube-Videos (gerne mal HD) und ab und an ein Spielfilm im Stream. Warum soll ich für diejenigen mitzahlen, die den ganzen Tag nicht vom Rechner wegkommen und mehr über Download-Portale herunterladen, als sie Zeit haben überhaupt zu konsumieren? Oder warum soll ich für jene mitbezahlen, die einen Internetzugang mit vielen Teilnehmern belasten, um Kosten zu sparen?
    Was ist daran falsch, dass ich für einen schnellen Zugang aber wenig Nutzungszeit weniger zahlen will, als ein Nerd, der den Dienst viel intensiver nutzt?

    Allerdings bedingt natürlich meine Argumentation auch, dass die Tarife der Telekom den Wenignutzern entgegenkommen.

    Viele Grüße!

    Burkhard-Norbert

    • Isidor 24. April 2013, 10:46

      Ihre Argumentation basiert im wesentlichen darauf, dass _Sie_ fuer sich entschieden haben, keine echte Flatrate mehr zu benoetigen, und diese Entscheidung gerne fuer alle anderen Telekom-Kunden mittreffen wollen. Dabei wird ausser acht gelassen, dass es auch Nutzer geben koennte, die bewusst einen Flatrate-Vertrag abschliessen (in einer idealen Welt wuerde sogar jeder Nutzer den Vertrag lesen und entscheiden, ob er die zugesicherte Leistung haben moechte).

      Wenn Sie Wenignutzer sind und hoffen, guenstiger wegzukommen, wieso fragen Sie Provider nicht an nach einem „Light-Tarif“, der nur das wirklich benoetigte Volumen beinhaltet? Wieso wartet man stattdessen ab und hofft, dass das Produkt fuer Vielnutzer, das man bezahlt, obwohl man es nicht braucht, irgendwann verstuemmelt wird, um dann der eigenen Zielgruppe zu genuegen?

      Ich kenne auch niemanden, der mit den Stadtwerken einen Vertrag ueber Strom und Fernwaerme abschliesst, und dann darauf hofft, dass die Stadtwerke die Lieferung von Fernwaerme fuer alle Kunden einstellt, nur weil er sie selbst nicht braucht. Wieso versucht man so etwas im TK-Bereich? Wieso nicht verschiedene Angebote haben fuer verschiedene Nutzungsprofile?

  • userin2006 24. April 2013, 08:28
  • techniknörgler 29. April 2013, 02:57

    Ich habe hier einen ausführlicheren Kommentar geschrieben:

    Flatrate Ade – neues Marktgleichgewicht oder Marktversagen?

    http://83273.homepagemodules.de/t6207f14-Flatrate-Ade-neues-Marktgleichgewicht-oder-Marktversagen.html#msg95998

  • der andere Andreas 30. April 2013, 11:50

    Hi,

    evtl. wurde das argument schon gebracht und ich habe es übersehen.
    1. Bandbreite ist keine stückware – kann also nicht beliebig produziert gelagert und verbraucht werden. Der durchschnittliche traffic auf dem netz (backbone + letzte meile) ist relativ egal, der entscheidende punkt ist die möglche spitzenlast.
    wenn alle deutschen am anfang des monats ihr volumen nutzen wollen wäre das netz immer noch überlastet und wenn am ende des monats kein volumen mehr übrig ist wären überkapazitäten vorhanden. Ein volumentarif ist entsprechend eine denkbar schlechte idee eine knappheit der ressource bandbreite zu regulieren. Flatrates wären ironischer weise genau das richtige um spitzenlasten zu regulieren, da jedem benutzer nur ein bestimmter prozentsatz der maximal möglichen leitungskapazität zugesprochen werden könnte.
    während normale downloads zwar noch zeitlich verlagert werden könnten ist dies bei streaming-angeboten (gewollterweise) selten so.

    2. Die verletzung der netzneutralität erfolgt nicht durch die einführung von volumentarifen sondern dadurch, dass der rosa riese seine eigenen streaming angebote von den begrenzungen ausnimmt. Die Telekom verursacht also selbst hohen traffic auf ihrem eigenen netz und bestraft dafür die mitbewerber / alle anderen. Das könnte eben auch als ausnutzung der monopolstellung als inhaber des netzes interpretiert werden – niemand der kein eigenes netz betreibt kann dagegen konkurrieren.

    3. Der artikel wäre deutlich ansprechender wenn die aufgestellten behauptungen mit zahlen belegt oder auf entsprechendes material verwiesen werden könnte. Zumindest ein disclaimer, dass man keine zahlen als diskussionsbasis hat wäre wünschenswert gewesen.

    ansonsten trotzdem gut geschrieben 🙂

  • Willis 16. Dezember 2013, 04:11

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