Oral History: Medienzugriff

Einer der faszinierenden (und ehrlich gesagt auch milde erschreckenden) Bestandteile des Älterwerdens ist die Feststellung, dass der eigene Referenzrahmen von einer jüngeren Generation nicht mehr geteilt wird und diese bei zunehmend mehr Aspekten nicht mehr weiß, wovon man eigentlich spricht. Meine Elterngeneration (spätestens) dürfte ein Leben ohne Elektrizität und fließend Wasser nicht nachvollzogen haben können, während ich selbst mir nicht vorstellen konnte, dass es einmal Familien ohne Farbfernseher gab. Ich habe mich deswegen entschlossen, diese unregelmäßige Artikelserie zu beginnen und über Dinge zu schreiben, die sich in den letzten etwa zehn Jahren radikal geändert haben. Das ist notwendig subjektiv und wird sicher ein bisschen den Tonfall „Opa erzählt vom Krieg“ annehmen, aber ich hoffe, dass es trotzdem interessant ist. Als Referenz: ich bin Jahrgang 1984, und meine prägenden Jahre sind die 1990er und frühen 2000er. Was das bedeutet, werden wir in dieser Serie erkunden. In dieser Folge soll es um den Zugriff auf mediale Erzeugnisse gehen, von Musik über Filme zu TV-Serien zu Videospielen.

Wenn ich dieser Tage ein Videospiel spielen möchte, ist die größte Frage, ob es auf Steam verfügbar ist oder ob ich die Krücke einer Plattform wie Origins oder UPlay benutzen muss. Suche ich nach einer Serie, browse ich durch die Archive von Netflix, Amazon Prime, Hulu und Apple+. Möchte ich einen Film sehen, kann ich weitgehend dieselben Formate nutzen oder auf einen der kuratierenden Medienservices wie Mubi zurückgreifen. Musik kann ich auf AppleMusic, AmazonMusic, Spotify und diversen anderen Streamingdiensten bekommen. Habe ich ein System wie Alexa oder Siri eingerichtet, kann ich das sogar per Sprachsteuerung tun.

Wenn ich in den 1990er Jahren ein Videospiel haben wollte, musste ich entweder einen spezialisierten Laden in der Nähe haben (die es heutzutage praktisch kaum mehr gibt und die auch damals nicht unbedingt häufig waren, vor allem außerhalb der Städte) oder in einen Elektronikgroßmarkt wie Media Markt oder Saturn. Ob die das entsprechende Spiel dann führten, war Glückssache. Vielleicht konnten sie es ordern. In vielen Fällen allerdings war wegen des durch einen geradezu hysterischen Jugendschutz abgeriegelten deutschen Marktes (der einen eigenen Artikel wert ist) schwierig, diese Spiele zu bekommen, für Jugendliche sowieso. Die Märkte verkauften Spiele mit dem roten „Ab 18“-USK-Label oft nicht, weil es Kassengift war, und indizierte Spiele waren im Handel praktisch nicht zu bekommen, für Jugendliche ohnehin nicht.

Wesentlich schlimmer aber war es bei Filmen und TV-Serien. Filme konnte man hauptsächlich sehen, wenn sie entweder im Kino oder im Fernsehen liefen. Außerdem waren sie in Videotheken ausleihbar. Im Kino wurden die Altersgrenzen der FSK ziemlich streng durchgesetzt, was viele Werke dem Anschauen entzog. Ich konnte zum Beispiel trotzdem dass meine Eltern dabeigewesen wären Jurassic Park nicht im Kino sehen, weil ich – begeisterter Dinosaurier-Fan, der ich war – neun Jahre alt war, als der Film 1993 um Kino lief, und die FSK-Freigabe ab 12 war. Nachdem ein Film aus dem Kino war erschien er rund ein Jahr später auf VHS-Kassette (fragt nicht) und war im Handel für rund 30 Mark erwerbbar, was real wesentlich mehr als die heutigen Kosten für einen neuen Film betrug und größtenteils unbezahlbar war. Nach drei Jahren lief er dann zum ersten Mal im Fernsehen.

Das war der wichtige Moment, denn hier konnte man mittels einer leeren VHS-Kassette und einem Aufnahmegerät den Film aufnehmen. Wir hatten eine riesige Sammlung aufgenommener Filme; massenhaft handbeschriebene VHS-Kassetten in einer großen Schublade, die immer wieder neu bespielt wurden. Manche Schätze wurden lange behalten, andere schnell wieder überspielt, wobei sich die Einschätzung meiner Eltern, was behalten werden musste, und meine eigene nicht immer deckten. Dabei nahm man auch die häufigen Werbeunterbrechungen mit auf (20 Minuten pro Stunde!), über die man dann immer spulte, wenn man sich die aufgenommenen Filme ansah. Dazu kamen Filme in festgelegten Zeitslots, die für Kinder praktisch ausschließend waren: 20.15 Uhr für Filme mit FSK-12-Freigabe, 22.15 Uhr für Filme mit FSK-16-Freigabe.

Hatte man einen Film nicht aufgenommen oder im Kino gesehen und wollte die VHS nicht kaufen, blieb nur die wesentlich günstigere Ausleihe in einer Videothek. Dabei handelte es sich um räumlich ausladende, wenngleich nicht sonderlich ästhetische Läden, in denen Filme (und gelegentlich auch CDs und Videospiele) gegen eine täglich anfallende Gebühr ausgeliehen werden konnten. Der Zugang der Videotheken war meist erst ab 18 Jahren erlaubt, weil mindestens die Hälfte der Ladenfläche dem ausladenden Porno-Angebot gewidmet war, mit dem diese Läden ihr Hauptgeschäft machten (ja, früher haben Leute für Pornos bezahlt). Erst in den späten 1990er Jahren wurde es Standard, dass Videotheken einen abgetrennten „ab 18“-Bereich für solche Dinge hatten und der Rest frei zugänglich war. Ich erinnere mich noch, dass der gemeinsame Besuch einer Videothek am frühen Samstag abend eine Art Ritual war, an dem wir als Familie den schwierigen Konsens finden mussten, einen gemeinsamen Film zu wählen, und den dann abends ansahen.

Musik konnte auf zwei Arten konsumiert werden: im Radio oder auf gekauften Tonträgern. Letztere waren zu meiner Zeit bereits CDs. Schallplatten besaß mein Vater zwar noch, aber sie waren bereits aus der Mode. CDs waren ebenfalls ziemlich teuer (üblicherweise auch um die 30 Mark) und so kaum erschwinglich. Auf einer CD befanden üblicherweise rund 15 Musiktitel des/der jeweiligen Interpret*in; bei Singles zwischen zwei und vier Titel. Diese Singles kosteten 10 bis 15 Mark. Ansonsten hatte man die Möglichkeit, das Radioprogramm passiv zu konsumieren (mit tonnenweise Werbeunterbrechungen und stündlichen Nachrichten) oder gar auf eine Kassette aufzunehmen.

Letzteres war auch eine Möglichkeit, die Musik auf CDs, die man von anderen lieh, für sich selbst nutzbar zu machen. Eine CD konnte gut auf eine Kassette überspielt werden, aber anders als CDs erlaubten Kassetten nicht, einzelne Titel anzuspielen – man musste spulen, vor und zurück, was auf Dauer die ohnehin nicht hohe Qualität ruinierte. Kasetten gab es auch noch zu kaufen, aber sie waren auf dem absteigenden Ast – dafür aber mit um die zehn Mark auch recht günstig, zumindest im Vergleich zu CDs.

Am schlimmsten aber war es, theoretisch, für TV-Serien. Diese liefen im deutschen Fernsehen wenn überhaupt in schrecklich verstümmelter Version. Die TV-Sender machten sich oft nicht einmal die Mühe, die Folgen in der richtigen Reihenfolge zu senden, oder alle davon. Sie kamen einmal in der Woche, zu unmöglichen Zeiten, und alle Folgen zu sehen war praktisch unmöglich. Das war allerdings nicht so schlimm, weil Serien, wie wir sie heute kennen, ohnehin weitgehend unbekannt waren. Die meisten waren Comedyserien, in denen jede Folge ohnehin Standalone war, oder Kinderserien, für die im Wesentlichen dasselbe galt.

Mit dem Aufstieg des Internets begann sich das radikal zu ändern. Der illegale Download ist mit Sicherheit einen eigenen Artikel wert, weswegen an dieser Stelle nur darauf verwiesen sei, dass wir in den 2000er Jahren mit der Verbreitung von CD-Brennern (und später DVD-Brennern), die das direkte Kopieren der CDs und DVDs erlaubten, genauso wie mit dem „Rippen“ (der Konvertierung von DVDs in ein auf Computern abspielbares Format) einen wesentlich verbesserten Zugriff auf Filme und Musik hatten. So verbessert, dass die Musik- und Filmindustrie damals in eine tiefe Krise gerieten, weil die Masse illegal verbreiteten Materials in einem gigantischen Ausmaß zunahm. Aber erneut, das ist einen eigenen Artikel wert; diese Zeit anarchischer Freiheit dauerte nicht allzu lange.

Zusammenfassend: der Besitz von Medien und der Zugriff darauf waren in den 1990er Jahren und auch in den 2000er Jahren wesentlich beschränkter, als es das heute ist. Für meine Kinder ist die Vorstellung, ein bestimmtes Medium nur konsumieren zu können, wenn es zu einer willkürlichen Zeit im Fernsehen oder Radio läuft, völlig fremd. Wenn sie etwas ansehen wollen, dann können sie das machen. Dasselbe gilt für Musik. Wenn meine Kinder ein Musikstück hören wollen, sagen sie das Alexa, und es läuft über die Lautsprecher, die im ganzen Haus verteilt sind. Kein Versammeln vor der sündteuren Stereoanlage im Wohnzimmer, deren Zugang sich die Familie teilen muss. Spiele können sie problemlos über den jeweiligen Onlinestore erwerben und quasi direkt spielen, ohne auch nur das Haus verlassen zu müssen. Würde ich diesen Stand meinem rund zehnjährigen Selbst erzählen, es wäre ein blankes Utopia.

Und zweifellos wird dasselbe einmal für meine Enkel gelten, wenn sie den Geschichten meiner Kinder aus diesem „Utopia“ zuhören.

{ 56 comments… add one }
  • Dobkeratops 19. November 2021, 11:15

    Schöne Idee, diese Serie. Ich bin ca. 10 Jahre älter als du, kann mich aber trotzdem in vielem wiederfinden.

    So hatte ich z.B. einen Schrank voll mit VHS-Kassetten, auf denen fein säuberlich sämtliche Folgen von Monty Python’s Flying Circus aus dem NDR aufgenommen waren, inklusive der beiden exklusiv für Deutschland produzierten Specials, die leider bei jeder mir bekannten Wiederveröffentlichung aus Gründen des Rechtegerangels fehlen.

    Widersprechen muss ich dir allerdings bei den Videospielen. Vor deiner Zeit, also in meiner Jugend, gab es da auch schon eine Art Utopia, denn zu C64- und Amiga-Zeiten hatte quasi jeder, den ich kannte, via Raubkopie Zugriff auf fast alle Veröffentlichungen. Kaum jemand wäre auf die Idee gekommen, ein Spiel im Laden zu kaufen, zumal das auch vom Taschengeld her völlig utopisch gewesen wäre. Ein Spiel kostete damals achtzig Mark, das konnte sich niemand von uns leisten. Später haben wir dann für Spiele wie die Goldbox-Serie von SSI, bei denen man neben den Disketten zwingend auch den restlichen Inhalt der Schachtel brauchte, zu mehreren zusammengelegt und uns das reihum ausgeliehen.

    • Stefan Sasse 19. November 2021, 11:30

      Das Thema Raubkopien verdient echt seinen eigenen Artikel. Natürlich, wir hatten auch keine Originalspiele bzw. sehr wenige und haben alles geteilt; mein Punkt ist eher: wenn du was Spezifisches wollte, das niemand in deinem Umfeld besaß: tough luck. So wie später einfach eMule anschmeißen ging halt nicht.

  • cimourdain 19. November 2021, 12:04

    Vorab: Willkommen in der Welt der ‚Zeitzeugen‘. Bei der Menge an ‚Boomern‘ im Forum hast du ein geneigtes Publikum.
    Zustimmung zu deiner Darstellung der mangelnden Verfügbarkeit, mit einer Ergänzung: vor Internet war es in D nur sehr begrenzt möglich, an englische Originalversionen zu kommen. Das ist schmerzhaft, was Sprachenübung betrifft. Vor allem war die deutsche Synchronisation oft grottenschlecht (Hongkong-Action-Filme), verliert inhärent (englischsprachige Komödien), manchmal ist sie sinnentstellend (‚Starship Troopers‘ verliert den satirischen Aspekt fast komplett).
    Dazu kommt noch, dass deutsche Versionen gerne zusammengeschnitten werden. (Beispiel ‚From Dusk till Dawn‘ oder ‚Robocop‘) Das geschieht manchmal eines besseren FSK-Ratings wegen, manchmal für das 90 Minuten-Format. Schnittberichte.com ist empfehlenswert, was diese Metzgerarbeit betrifft.
    Insgesamt ist die Wirkung der deutschen Zensur definitiv einen Artikel wert. Da gibt Absurditäten wie das grüne ‚Nicht-Blut‘ in Videospielen, Streisand-Effekte (z.B. ‚Jeannie‘), harte Zensur (‚Evil-Dead‘ Reihe), weiches ‚Einknicken‘ vor cancel-culture (‚Die letzte Versuchung Christi‘) und Klassiker, die im ‚Giftschrank‘ vergraben wurden (‚Alexander Newski‘ , ‚Der letzte Tango in Paris‘).
    Umso wichtiger wäre es, die freieren Zugangsmöglichkeiten, die das Internet hergibt, nicht aus politischer Opportunität nach dem Motto „Jetzt dürfen ‚wir‘ Progressiven auch mal zensieren“ aufzugeben. Denn die Motive ähneln sich frappierend, es geht immer um eine ‚saubere‘ öffentliche Moral, wo Medien ein ‚sittliches‘ Vorbild liefern sollen.

    • Stefan Sasse 19. November 2021, 13:13

      Starship Troopers war der erste Film, den ich auf Englisch gesehen habe. Ich sah danach den Deutschen, in der Hoffnung, mehr zu verstehen, und war entsetzt über die Synchro. Das war ein Schuppen-von-den-Augen-Moment.

      Die Zensur wird DEFINITIV ein eigener Artikel.

      Ich sehe nicht, wo Filme, Serien oder Spiele geschnitten werden, um einer „progressiven Moral“ zu genügen.

      • schejtan 19. November 2021, 16:24

        Das war ein Schuppen-von-den-Augen-Moment.

        Ich hatte den als ich damals noch in Deutschland mit nem Freund ein Kino gesucht habe, der Inception im englischen Original gezeigt hat; nur hat der Vorfuehrer wohl gepennt und erst mal die synchronierte Fassung angemacht. Nach 20 Minuten hat er dann umgestellt; was ein Riesenunterschied das gemacht hat.

        Was mich an deutschen Synchronisationen so nervt, ist dass die Sprecher anscheinend hauptsaechlich danach ausgewaehlt haben, dass sie moeglichst markante Stimmen haben und weniger, was sie damit auch anfangen koennen. Verglichen mit den Originalen kommen die mir immer sehr emotions- und leblos vor.

        Und von deutschen Spielesynchronisationen brauchen wir gar nicht erst reden…wenn man sich einmal an die Nolan Norths, Tory Bakers, Laura Baileys oder Ashly Burchs gewoehnt hat, will man garantiert zu den faden deutschen Versionen zurueck.

        Um aber auch mal positive Ausnahmen zu erwaehnen: Monty Python’s Holy Grail hat eine sehr gelungene deutsche Fassung; was wohl auch daran liegt, dass die Uebersetzer sich bewusst waren, dass sie es nicht eins-zu-eins uebersetzen koennen und deshalb ihr eigenes Ding gemacht haben.

        Und auch trotz einiger misslungener Uebersetzungen: Simpsons, besonders Homer.

        • Dobkeratops 19. November 2021, 18:18

          Nightmare before Christmas hat auch eine hervorragende deutsche Fassung. Die von Nina Hagen gesungene Sally ist ein absolutes Highlight und gefällt mir besser als das Original. Und der von Ron Williams gesungene Oogie Boogie ist mindestens ebenbürtig.

          Am meisten regt mich ja immer auf, wenn (vor allem im Trickfilmbereich) die deutschen Stimmen mit vermeintlichen Promis besetzt werden, die man, haha, wiedererkennen soll, statt mit Leuten, die ihr Sprecherhandwerk verstehen.
          Am Ende kommt dann sowas dabei heraus wie bei Findet Nemo wo die Sprecher (vor allem Anke Engelke) im Großen und Ganzen einen Superjob hinlegen und dann (zum Glück nur in einer Szene) plötzlich „Erkan & Stefan“ ihren Quatsch abziehen, nur weil man damals im Marketing glaubte, das würde den Film nochmal pushen. Die beiden Hansel kennt heute zu Recht niemand mehr, aber in der deutschen Synchro sind sie jetzt für immer drin.

          • Stefan Sasse 20. November 2021, 14:11

            Promis in Trickfilmen waren aber auch nur eine Phase, das wird inzwischen kaum mehr gemacht. Aus den guten Gründen, die du genannt hast.

        • Stefan Sasse 20. November 2021, 14:09

          Herr der Ringe hat eine großartige Synchro. Ansonsten fallen mir sehr, sehr wenig positive Beispiele ein. Auch die Übersetzungen sind häufig sehr mies.

      • cimourdain 20. November 2021, 00:06

        „Ich sehe nicht, wo Filme, Serien oder Spiele geschnitten werden, um einer „progressiven Moral“ zu genügen.“
        z.B. bei Disney+, wo die alten Filme editiert werden. Nicht, dass ich Figuren wie Jim Crow eine Träne nachweine, aber es geschieht.

        • Stefan Sasse 20. November 2021, 14:12

          Ah! Ich dachte nicht, dass der Mist überhaupt noch gesendet wird. Ich wüsste aber auch nicht, wie man das schneiden will, dass das sich irgendwie retten lässt. Aber ja, das wären gute Beispiele.

      • Ariane 20. November 2021, 00:56

        Starship Troopers war der erste Film, den ich auf Englisch gesehen habe.

        Bei mir war es Burning Mississippi mit französischen Untertiteln. Obwohl ich den Unterschied bei Humor tatsächlich am extremsten finde.

        Das gehört ja auch mit zum Medienzugriff, man kam sehr viel schneller an die Sachen und heute ist es völlig normal, dass man Dinge in Englisch oder einer anderen weitverbreiteten Sprache sehen kann.

    • Erwin Gabriel 19. November 2021, 22:54

      @ cimourdain 19. November 2021, 12:04

      … Streisand-Effekte (z.B. ‚Jeannie‘)

      ???

      Was ist ein Streisand-Effekt?

      • Ariane 20. November 2021, 00:50

        Wenn man etwas verbieten will und es erst dadurch weltbekannt wird. (Barbara Streisand hat wohl mal versucht, ein Foto aus dem Internet zu löschen und es tauchte überall auf (oder so))

        • Dobkeratops 20. November 2021, 08:43

          Wenn ich mich richtig erinnere, war es eine Luftaufnahme von ihrem Haus. Als sie versuchte, zu verhindern, dass es im ursprünglichen Kontext gezeigt wurde, berichteten alle über diesen Versuch, inklusive Bebilderung: „Dies ist das Bild, dessen Verbreitung verhindert werden soll.“

          • Erwin Gabriel 20. November 2021, 17:31

            Und der Zusammenhang mit „Bezaubernder Jeannie“?
            Oder bringe ich da was durcheinander …?

            • Dobkeratops 20. November 2021, 19:08

              Ja. Es geht nicht um die Serie, sondern um das Lied „Jeannie“ von Falco. Das wäre sicher aus eigener Kraft nicht solch ein Riesenhit geworden, hätten sich nicht alle möglichen Leute bis hin zur Tagesschau (!) über den vermeintlichen Skandal echauffiert.

              • Erwin Gabriel 21. November 2021, 12:18

                🙂 Verstehe …

                Hatte mich schon gewundert …

                „Bezaubernde Jeannie“ (mit „ie“) lief hier Ende der 60er Jahre (parallel zu „Flipper“, „Daktari“ etc.) und war so harmlos, dass selbst wir die schauen durften.

                Als Falco „Jeanny“ (mit „y“) brachte, war ich knapp 30 und beruflich schwer im Streß, so dass mir das Video für einige Jahre entging.

                Danke für die Aufklärung.

            • Thorsten Haupts 20. November 2021, 20:07

              Poularitätsgewinn durch öffentliche Verdammung.

  • schejtan 19. November 2021, 13:02

    Interessanter als den „Wie, ihr hattet sowas frueher nicht?“ find ich ja den umgekehrten „Wir hatten sowas nicht und deshalb brauchst du das auch nicht“ Aspekt. Wenn ich in der Heimat bin und die Kinder meiner Schwester fragen, ob sie auf meiner Switch ein bisschen Mario spielen duerfen, sag ich „Klar, warum nicht.“ Meine Eltern und in geringerem Masse meine Schwester dagegen: „Muss das sein. Wollt ihr nicht lieber was „richtiges“ spielen?“ Und irgendwann faellt dann auch der Satz „Wir hatten sowas als Kinder ja auch nicht.“

    • Stefan Sasse 19. November 2021, 13:15

      So furchtbar! Wir mussten uns den Instinkt bewusst abtrainieren.

    • Erwin Gabriel 21. November 2021, 12:20

      @ schejtan 19. November 2021, 13:02

      Und irgendwann faellt dann auch der Satz „Wir hatten sowas als Kinder ja auch nicht.“

      Noch eine Phrase hinterher: „Geschadet hat uns das nicht“.

  • Juri Nello 19. November 2021, 14:39

    Komisch, wenn Sie schon so viele VHS Kassetten hatten, hätten sie auch dort die Musik speichern können. Anno 1986 waren das knapp 8 h im Long Play Mode in ausgewogener Qualität.

    • Stefan Sasse 20. November 2021, 14:05

      Musik auf VHS? Und das dann über Fernseher laufen lassen oder wie? Haben wir nie gemacht, wusste nicht, dass das geht. Aber 1986 war ich zwei Jahre alt, da hielten sich meine Technik-Skills in Grenzen.

      • Juri Nello 20. November 2021, 19:15

        Jeder gute Videorecorder verfügte auch über Cinch-Ausgänge. Damit konnte man dessen Audio an jedem gängigen Hifi-System ausgeben lassen. Zur Not sind mir aber auch Adapterkabel bekannt.

        • Stefan Sasse 21. November 2021, 13:04

          Der Videorecorder stand im Wohnzimmer. Da hatte ich exakt null Einfluss drauf, welche Musik gespielt werden konnte. Herr über die Musikauswahl war ich im eigenen Zimmer. Hab zur Kommunion meine erste Stereoanlage gekauft (1994), mit CD-Spieler und Kassettenrecorder. Vorher nur Kassetten. Aber angesichts des Preis‘ von CDs war das auch nur eine theoretische Freiheit.

          • Thorsten Haupts 21. November 2021, 21:25

            Tja. Soviel Geld bekam man als Boomer meistens deutlich später. Ein radio-Kassettengerät (Tragbar) war das Mittel der wahl.

            • Stefan Sasse 21. November 2021, 21:53

              Naja, zu meiner Zeit waren die Dinger auch schon billiger als zu deiner. Ich hab damals 800DM bezahlt, alles Kommunionsgeld plus Taschengeldvorräte. So ein Gerät kriegst heute für 30-40 Euro.

  • Ariane 19. November 2021, 15:35

    Feine Idee, auch wenn man sich plötzlich so alt fühlt^^

    Raubkopien müsste wirklich nochmal gesondert angesehen werden, ich erinnere mich auch noch, dass gerade für Spiele oft recht komplizierte Kopierschutzsachen erdacht wurden, wir hatten so ein selbstgebasteltes Drehrad für Monkey Island und sowas. 😉

    Nicht zu vergessen, den gigantischen Speicherplatz, den man plötzlich brauchte, weil wir irgendwann einfach gesamte Festplatten kopiert haben.

    Obwohl ich gar nicht mehr sicher bin, ob der recht unbeschränkte Medienzugriff vielleicht nur ein kurzes Utopia war/ist. Ähnlich wie mit Medienartikeln, die es ne Weile frei gab und jetzt jeder sein eigenes Pay-Modell fährt, zeigt sich das ja auch im Film/Serien/Sport-Geschäft. Netflix hat zb gerade Star Trek Discovery rausgenommen, weil Paramount nächstes Jahr einen eigenen Streamingdienst in Europa macht (was vermutlich dann für alle Trek-Sachen gilt). So wie Disney seinen eigenen Kram gemacht hat. Gerade wenn die dann ernstmachen und entschiedener gegen Account-Sharing vorgehen, nähert man sich den alten Zeiten wieder an.

    • Stefan Sasse 20. November 2021, 14:08

      Genau, das Drehrad gab es theoretisch im Original mit dem Spiel mit 😀

      Ja, aber das kam erst später. Ich meine, der alte 286er hatte 40MB Festplatte. INSGESAMT.

      Mir geht es weniger um unbegrenzten Zugriff – den gibt es nicht – sondern die weitgehend erfüllte Möglichkeit, dass ich Zugriff überhaupt habe. Dass ich ggf. dafür zahlen muss ist unbestritten.

      • Erwin Gabriel 20. November 2021, 17:35

        @ Stefan Sasse 20. November 2021, 14:08

        Ich meine, der alte 286er hatte 40MB Festplatte. INSGESAMT.

        Festplatte? Verwöhnte Bälger …
        Zwei Diskettenlaufwerke 5,25 Zoll, 360 kByte: eins für’s Betriebbsystem, eins für Software.

        (Ich bin hier doch richtig in der Abteilung „Opa erzählt vom Krieg“, oder?)

        • Stefan Sasse 20. November 2021, 19:08

          Absolut. Und super gerne: mach nen Artikel für die Serie!

  • CitizenK 20. November 2021, 08:34

    Hab das auch so erlebt, obwohl ein ganzes Stück älter. Heißt wohl, dass die Veränderungen im Medienbereich sich in der 80ern erheblich beschleunigt haben?

    Medien in der Schule wären auch noch eine Betrachtung wert. Kennst du den „Medienwagen“ mit sauschwerem Röhren-TV und VHS-Recorder (rechtzeitig vorspulen!) überhaupt noch? Vor der Stunde aus dem Medienraum holen und danach wieder zurück.

    • Dobkeratops 20. November 2021, 08:57

      Den Medienwagen kenne ich auch noch. Allerdings war es an unserer Schule tatsächlich ein Betamax-Recorder, der da draufstand, nicht VHS.

      Für besondere Anlässe gab es dann noch einen speziellen Raum, wo das Bild eines auf dem Rücken liegenden Röhrenfernsehers über ein den Overhead-Projektoren nicht unähnliches Spiegelsystem von hinten auf eine größere Leinwand projiziert wurde, wie eine Art primitiver Beamer.
      Das Bild war damals trotzdem kleiner als das meines Wohnzimmer-Fernsehers heute, obwohl es sich bei dem um eins der kleinsten Modelle handelt, die zum Kaufzeitpunkt erhältlich waren.

      • Stefan Sasse 20. November 2021, 14:19

        Das gab es bei uns nicht. Inzwischen (2021) ist die ausstattung der meisten Schulen mit Beamern halbwegs akzeptabel, aber an allem anderen fehlt es meistens. Wir sind da ziemlich gut aufgestellt im Vergleich tatsächlich, sind damit aber eine ziemliche Ausnahme.

    • Stefan Sasse 20. November 2021, 14:18

      Ja.

      Ha! Im Ref standen die sogar noch rum. Schulen sind effektiv Medienmuseen.

    • Lemmy Caution 20. November 2021, 18:35

      1983 sank der Preis des Commodore 64 auf 680 Mark. Damit wurde er für die Eltern von Mittelschichts-Kids erschwinglich. Mitte der 80er hatten eigentlich die meisten meiner Freunde so ein Teil. Die Eltern fürchteten ja da schon um unseren digitalen Anschluß. Bei einigen beförderte es eher das Abdriften in die Kriminalität: Raubkopieren, ganze Tage schuleschwänzen um mit dem Kumpel im Text-Adventure ein paar Rätsel zu lösen.

      • Stefan Sasse 20. November 2021, 19:10

        „Abdriften in die Kriminalität“ finde ich etwas hart.

        • Lemmy Caution 20. November 2021, 20:33

          War etwas hart ausgedrückt. Der zentrale Verteiler der Raubkopien und Text Adventure statt Schule aficionado ist heute hoher IT Manager einer größeren Versicherung ohne je studiert zu haben 😉

  • Kning4711 20. November 2021, 11:48

    Ich bin selber Baujahr 1980 und ja, das Thema Medienverfügbarkt hat sich ganz schön verändert.

    Meine Musiksozialisierung war extrem von der meiner beiden älteren Brüder geprägt. Damals liefen zwar die Hits im Radio und man ließ fleißig den Kassettenrekorder mitlaufen, aber die Radiomoderatoren laberten immer rein und ruinierten die Aufnahme. Aus dem Umstand wurde ich aber früh mit der englischen Sprache konfrontiert, denn bei uns konnte man auch den britischen Armee-Sender BFBS empfangen und die spielten die internationalen Hits und niemand laberte dazwischen.

    Meine Brüder legten auch eine eine ausführliche VHS Heimvideothek an und waren auch recht umtriebig sich eine Kopie aus der örtlichen Videothek zu „organisieren“. Meine Eltern achteten schon auf meinen Medienkonsum (zumindest was das Fernsehen anging) und daher sah ich als 10 jähriger nicht allzu harte Streifen, wobei ich einige Filme die ab 16 waren deutlich eher sah (z.B. Indiana Jones, div. Actionfilme mit Chuck Norris oder Arnold Schwarzenegger).
    Beim Computer waren sie ahnungslos, was da der Junior so spielte und manches war sicherlich für nen 13 jährigen nicht geeignet (Doom, Wolfenstein 3d), aber Shooter waren eh nicht mein Genre. Reguliert war lediglich die Medienzeit (Max 2h PC / Fernsehen) am Tag und da musste man schon nach Qualität priorisieren, oder zu Freunden gehen, bei denen die älteren die Mediennutzung noch liberaler nahmen.

    Das Internet gab es ja so auch noch nicht und so waren Cliffhanger noch ein echtes Event – ich denke an Star Trek NextGen The best of Booth worlds, oder man Monate lang warten musste, bis die Serie die man gerade angefangen hatte weiterging. Gleichzeitig verquizzten die Privatsender Qualitätsserien im Nachmittagsprogramm (Star Trek, ER, MacGyver) so dass es eigentlich dennoch immer etwas zu entdecken gab. Computerspiele hatten meist eine bessere Qualität, da eben mal nicht so oft nachpatchen konnte und einige Spiele fesselten mich monatelang (Civilization, Tie Fighter, XCOM – Terror from the deep).

    Zudem waren internationale Musikstars im Fernsehen noch eine Seltenheit und so schaute man eben gemeinsam Wetten Dass oder die ZDF Hitparade um Stars wie Robbie Williams, Tina Turner, Michael Jackson und co mal sehen zu können.

    Seit 1997 hatte ich Zugang zum Internet und ich kann mich gut erinnern, wie spannend es war Diskussionen über Filme und Serien im Usenet zu verfolgen und zu führen.

    • Stefan Sasse 20. November 2021, 14:20

      Danke für deine Erfahrungen! Auch FSK-/USK-Freigaben wären glaube ich ein gutes Thema.

  • Thorsten Haupts 20. November 2021, 12:28

    Nebenbemerkung zum Thema Synchronisation:

    Es gab mal ne englischsprachige „Agenten“-Serie, die war eigentlich Trash. Unglaubwürdige Plots, billige Tricks, ziemlich laienhafte Schauspieler, schnell abgedreht, Low Budget.

    In der deutschen Fassung haben das deutschsprachige Drehbuch und die Sprecher daraus dann eine Art ironischer Komödie/Parodie gemacht. Das Ergebnis war als „Starsky & Hutch“ in Deutschland ziemlich populär :-).

    Gruss,
    Thorsten Haupts

    • Dobkeratops 20. November 2021, 13:43

      Ähnliches war vorher ja auch schon bei „Die Zwei“ mit Tony Curtis und Roger Moore passiert. Im Original eine durchschnittliche Serie mit sichtbar lustlosen Darstellern, in der deutschen Fassung ein selbstironischer (wenn auch zeitweise etwas alberner) Spaß.

    • Stefan Sasse 20. November 2021, 14:22

      Solche merkwürdigen Synchro-Geschichten gab’s früher gelegentlich. Der erste mir bekannte Fall wären die Erika-Fuchs-Übersetungen der Carl-Barks-Comics.

  • Derwaechter 21. November 2021, 09:49

    „Und zweifellos wird dasselbe einmal für meine Enkel gelten, wenn sie den Geschichten meiner Kinder aus diesem „Utopia“ zuhören“

    Weiss ich gar nicht. Eine wesentliche Steigerung von alles überall verfügbar, ist ja eigentlich schwer vorstellbar.

    Und teilweise nimmt die Verfügbarkeit ja sogar wieder ab, bzw. wird teurer. Gratis Zugang durch einfaches Herunterladen ist definitiv schwieriger geworden. Mehr und mehr Streaminganbieter sorgen dafür das man x Abos bräuchte, um alles sehen zu können. Paywalls gibt es immer häufiger. Hinzu kommt Geoblocking und nicht zuletzt Zensur.

    • Thorsten Haupts 21. November 2021, 12:27

      Oh, ich denke schon, dass Menschen mit einer im Gehirn implementierten Gedanken-Technik-Universalschnittstelle Dinge anders sehen werden :-).

      Gruss,
      Thorsten Haupts

      • Stefan Sasse 21. November 2021, 13:08

        Exactly my point!

      • derwaechter 21. November 2021, 19:47

        Es wird bestimmt neue Techniken geben, von denen wir z.T. noch gar nicht wissen, dass wir sie uns nicht vorstellen können.

        Ich schrieb allerdings über die Verfügbarkeit von Inhalten und ob die wirklich wesentlich besser wird, oder nicht vielleicht sogar schlechter.

    • Stefan Sasse 21. November 2021, 13:07

      Jein. „Steigerung“ ist ein schwieriges Wort, aber als Denkanstoß: wir haben vor einem Monat das Haus mit Alexa ausgestattet. Meine Kids steuern ihre Musikauswahl per Sprachbefehl. Das ist definitiv was Neues und wesentlich komfortabler und intuitiver als das alte Kuratieren von Listen und MP3.

      • derwaechter 21. November 2021, 19:42

        Mit Betonung auf „wesentlich“. Der riesige Sprung, was die Verfügbarkeit angeht, war von physischen Tonträgern aus dem Laden, zum Filesharing bzw. legalen Download und Streaming.
        Ob ich das jetzt sprachsteuere oder vom Hand finde ich nicht wesentlich.

        • Stefan Sasse 21. November 2021, 21:51

          Aktuell hast du sicher Recht, aber ich bin immer sehr zögerlich, technische Innovationen vorherzusagen.

          • derwaechter 21. November 2021, 23:32

            Das ist ja gar nicht technisch.
            Rein technisch kann doch jetzt bereits nahezu jeder Medieninhalt unmittelbar bereitgestellt werden. Die dafür notwendigen Innovationen gibt es ja schon. Mehr als „alles“ und „sofort“ geht doch gar nicht, oder?

            Die von mir angerissenen existierenden und mögliche zukünftige Einschränkungen sind nicht technischer Natur.

            • Thorsten Haupts 23. November 2021, 08:42

              Ach, der Kommerzialisierung lässt sich leicht beikommen: Man überzeuge einfach die Leute, für ihre Arbeit kein Geld mehr zu nehmen :-).

              Andernfalls ist sie genauso sicher und unvermeidbar wie der tägliche Sonnenaufgang. Nicht die Ausnahme, sondern der Regelfall. Die Ausnahme war ein weithin „wildes“ Indernet für die späten neunziger/frühen 2000 er. Und das nur aus einem einzigen Grund – fehlende Masse.

              Gruss,
              Thkorsten Haupts

              • derwaechter 23. November 2021, 11:55

                Na ja. Das sind ja nicht nur kommerzielle Faktoren (z.B. Zensur oder Jugendschutz) und es geht auch nicht nur über Bezahlungswillen. Es ist ja nicht so, dass ich alle geogeblockten Inhalte z.B. aus Deutschland hier gegen Bezahlung bekäme.

                Ausserdem meinte ich das auch gar nicht wertend. Mein Punkt war schlicht, dass es alles andere als sicher ist, dass die Verfügbarkeit von Inhalten für Sasses Kinder in 20 Jahren besser sein wird als für ihn jetzt.

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