Mitch McConnell schreibt Reportagen beim Spiegel über den Niedergang der SPD in der Steinzeit – Vermischtes 07.06.2019

Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Sie werden mit einem Zitat aus dem Text angeteasert, das ich für meine folgenden Bemerkungen dazu für repräsentativ halte. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist meist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels erforderlich; ich fasse die Quelltexte nicht noch einmal zusammen. Für den Bezug in den Kommentaren sind die einzelnen Teile durchnummeriert; bitte zwecks der Übersichtlichkeit daran halten.

1) Yes, Of Course Mitch McConnell Is a Hypocrite

And McConnell was actually one of the more restrained voices among Republicans. The rest of the caucus was routinely quoted as saying, essentially, fuck you, Obama, we’ll never consider one of your Democratic hacks. Either way, though, the official excuses didn’t say anything about the president and Senate being of different parties, even if that was the obvious subtext. The official excuse was that it was a nigh unbreakable tradition of the Senate to never fill a Supreme Court position that opened up in an election year, full stop. Why does anyone bother defending McConnell on this? I’m not sure. McConnell has practically built his entire career on hypocrisy, and he’s never really tried to hide it. He just shrugs, says what he needs to say, and moves on. I don’t think he really expects or cares if anyone takes him seriously, but treats public explanations as mere tedious parts of his job. In reality, he believes that whoever’s in power should do whatever they can to get their way, and it’s naive to think there are any other considerations. He doesn’t need anyone’s defense on this score. (Kevin Drum, Mother Jones)

Mitch McConnell ist ein Mensch, wenn man den als Charakter in ein politisches Drama schreiben würde, würde sich jeder über den flachen Bösewicht aufregen und ihn eindimensional finden. Der Typ ist so offenkundig ein zynischer Lügner und skrupelloser Intrigant, dass ständig Journalisten und andere Beobachter auf ihn hereinfallen, obwohl wir mittlerweile eine Dekade Erfahrung mit ihm haben sollten, bleibt verblüffend. Es zeigt auch deutlich, wie weit man mit genügend Destruktiv-Willen kommt. McConnell zerlegt die demokratische Ordnung der USA, aber weil er etwas anderes sagt, schafft er, das einfach als Teil der parteipolitischen Auseinandersetzung zu normalisieren.

Die größte Gefahr für die liberalen Demokratien weltweit liegt deswegen auch weniger in Figuren wie Trump; sie liegt in Figuren wie McConnell, die in der Lage sind, den ganzen Prozess soweit zu verbiegen, dass er nur noch ein Schatten seiner selbst ist. Und es gibt keinen guten Ausweg. Wenn die Democrats je die Kontrolle zurückerlangen – was angesichts der Machenschaften McConnells und seiner Spießgesellen zunehmend schwieriger wird – haben sie nur zwei beschissene Möglichkeiten: die Regeln weiter einhalten wie bisher und von McConnell bis zur Bedeutungslosigkeit geblockt zu werden, oder es ihm gleich zu tun und mit massiver politischer Gewalt die Brechstange auszupacken.

2) Assange Indicted Under Espionage Act, Raising First Amendment Issues

Julian Assange, the WikiLeaks leader, has been indicted on 17 counts of violating the Espionage Act for his role in obtaining and publishing secret military and diplomatic documents in 2010, the Justice Department announced on Thursday — a novel case that raises profound First Amendment issues. The new charges were part of an expanded indictment obtained by the Trump administration that significantly raised the stakes of the legal case against Mr. Assange, who is already fighting extradition proceedings in London based on an earlier hacking-related count brought by federal prosecutors in Northern Virginia. […] Justice Department officials did not explain why they decided to charge Mr. Assange under the Espionage Act — a step also debated within the Obama administration but ultimately not taken. Although the indictment could establish a precedent that deems actions related to obtaining, and in some cases publishing, state secrets to be criminal, the officials sought to minimize the implications for press freedoms. (Charlie Savage, New York Times)

Ich lasse das hauptsächlich als Fundstück für die Fans des gepflegten Bothsiderismus da, und diejenigen die immer noch der Überzeugung sind, dass Obama und Clinton irgendwie schlimmer sind als Trump und seine cronies. Unter Obama war der Umgang mit Whistleblowern und dem gesamten außenpolitischen Programm wahrlich nicht das Gelbe vom Ei, aber er war um Längen besser als unter Trump. Nur interessiert es bei letzterem keine Sau. Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich’s gänzlich ungeniert, und den meisten Kritikern war es halt am Ende doch wichtiger, Obama zu kritisieren, als dass es ihnen um die Sache gegangen wäre.

3) Betrug, Eitelkeit, Versagen

Aber schon der Titel, „Der Fall Relotius“, ist falsch. Zutreffender wäre „Der Fall Spiegel“ gewesen. Der neue Report widerlegt nämlich die bis dahin verbreitete Version, das Magazin sei Opfer des raffinierten Tricksers Relotius geworden. Der Bericht ist vielmehr ein erschütterndes Dokument über das Verständnis von Journalismus in einem der führenden deutschen Medienhäuser, aber auch in den Ausbildungsstätten der Branche. So heißt es dort: „Die Reportage wurde zur ‚Königsdisziplin‘ erklärt. Journalistenschüler lernten, … Widersprüchliches und Sperriges wegzulassen, schwarz-weiß zu erzählen, Grautöne zu meiden, die Wirklichkeit der Dramaturgie unterzuordnen.“ Oder auch: „Die Erzählweise, die in Reportageseminaren, zum Beispiel dem des ‚Reporterforums‘, gelehrt wurde und wird, bedient sich dabei aus dem Werkzeugkasten des Films, der Comics und der Literatur, also der Fiktion.“ Und schließlich steht dort noch: „Sie [Die Reporter] erzählten dann auch aus ihren Reportagen solche Beispiele, die dann eben mal mehr und mal weniger die wahre Geschichte verfälschten. Aber Einigkeit bestand immer, dass das erlaubt sei.“ […] Das Gesellschaftsressort entwickelte sich zu einem ganz eigenen Kosmos im deutschen Journalismus. Kaum ein preisgekrönter Schreiber, kaum eine ausgezeichnete Autorin, die nicht Angebote dieses Ressorts bekam. Und die wenigsten schlugen aus. Das Gesellschaftsressort des Spiegel war das Zentrallabor der deutschen Schönschreiber, der Olymp der schreibenden Branche. So sahen sie sich selbst, und so wurden sie von außen gesehen. […] Journalismus und Literatur begannen zu verschmelzen. Und niemand intervenierte. In den Redaktionen nicht, in den Ausbildungsstätten nicht, in den Preis-Jurys nicht und auch nicht im wissenschaftlichen Raum. Die Frage, ob das Blatt vor lauter Reportagen und Porträts überhaupt noch ein Nachrichtenmagazin sei, wurde mit Verweis auf die gelegentlichen Scoops der investigativen Kollegen abgebügelt.(Horand Knaup/Hartmut Palmer, taz)

Ich bin absolut kein Fan des Reportagestils, deswegen ist die hier geäußerte Kritik natürlich Wasser auf den Mühlen. Homestories, Berichte aus der Provinz und der ganze Kram mögen zwar gute Literatur sein, aber sie etablieren auf der anderen Seite halt auch bequeme Narrative, auf die dann ständig zurückgegriffen wird. Die gerinnen dann innerhalb kürzester Zeit zum Klischee. Mir wäre es deutlich lieber, wenn der Spiegel sich eine Redaktion für Datenjournalismus gönnen würde. Der hat zwar seine ganz eigenen Probleme, aber der Erkenntnisgewinn ist trotzdem wesentlich größer, und dieser Fokus ist ein wesentlicher Punkt, warum ich so viel englischsprachige Medien lese und so wenig deutsche. Aber das ist letztlich natürlich Geschmackssache.

4) „Man muss den Leuten sagen, dass apokalyptische Zustände auf sie zukommen“ (Interview mit Lisa Badum (Grüne) und Lukas Köhler (FDP))

Wenn man Flüge und Schifffahrt da nicht einbeziehen kann – kann man sie überhaupt kontrollieren?

Badum: Das ist ehrlicherweise sehr schwierig. Ein Problem ist, dass sich beide aus dem Pariser Abkommen herausgezogen haben und jetzt eigene Regeln machen, die nicht ausreichen. Der internationale Flugverkehr erzeugt etwa 2 bis 5 Prozent der weltweiten Emissionen…

Köhler: … und Schiffsverkehr 5 bis 8 Prozent, je nach Rechnung.

Badum: Man könnte sagen: Schiffe dürfen bestimmte Grenzwerte nicht überschreiten oder müssen mit bestimmten Kraftstoffen fahren, sonst dürfen sie nicht in die EU einfahren. Aber einfache Lösungen gibt es nicht.

Köhler: Würde man die 24 weltweiten Emissionshandelssysteme verbinden, könnte man viel abdecken. Aber das dauert. Und vorher? In den aktuellen Schiffsflotten gibt es quasi keine Schiffe, die mit Erdgas fahren, die man überhaupt auf grünen Wasserstoff umstellen könnte. Das ist ein Problem. Die internationale Luftfahrt verpflichtet sich im System Corsia darauf, alle zusätzlichen Emissionen über den Stand heute hinaus zu kompensieren. Aber Lisa hat recht: Es wäre gelogen, wenn ich eine einfache Antwort verspräche. […]

Wie schnell könnte man die anderen Bereiche über den EU-Emissionshandel regeln? Der funktioniert über Handelsperioden. Die nächste startet 2021, die danach erst 2030. Das wäre ganz schön spät.

Köhler: Bis dahin sollten wir nicht warten. Wir haben aber auch keine Zeit für ineffiziente Maßnahmen wie eine CO2-Steuer. Wir wollen eine Koalition der Vernünftigen schmieden, mit Frankreich und den Beneluxstaaten, und zusammen den Emissionshandel ausweiten. Wenn das nicht gelingt, würden wir Artikel 24 der EU-Handelsrichtlinie anwenden und einseitig die Ausweitung für Deutschland vornehmen.

Badum: Die Diagnose stimmt. Wir Grünen glauben nur, dass wir schneller vorankommen, wenn wir über eine Anpassung der Abgaben auf CO2 gehen.

Köhler: Wie soll das schneller gehen? Meinen Vorschlag könnte man in sieben Monaten umsetzen. Wir können das Konzept in einem Monat beschließen, vielleicht zwei, weil wir noch mit Frankreich verhandeln müssen. Dann muss die EU-Kommission die Ausweitung sechs Monate prüfen. Fertig.

Badum: Wenn es durchgeht. Was keiner weiß. Einem Rechtsgutachten des Umweltministeriums zufolge ist es nicht möglich, Raffinerien und Verkehrsbetriebe zu verpflichten, diese Zertifikate zu kaufen. Damit ist dein Plan im Eimer. (Jonas Schaible, T-Online)

Wo wir gerade bei verschiedenen Journalismusmodellen sind, die T-Online-Redaktion zeichnet sich auch kontinuierlich durch grandiose Artikel und Reportagen aus, und ich sage das nicht nur, weil Deliberation-Daily-Alumni Jonas Schaible da arbeitet. Gerade obiges Interview ist um so viel interessanter als die üblichen Plattformen zum Absondern von Phrasen und Gewinnen von „Gotcha!“-Momenten. Es gab früher im Öffentlich-Rechtlichen auch einige solche Formate, die hauptsächlich der Diskussion und dem Erkenntnisgewinn gewidmet waren, aber die schmutzige Wahrheit ist natürlich, dass die Zielgruppe dafür nicht sonderlich groß ist, und seit die ÖR mit den Privaten zu konkurrieren haben und die Quote nicht mehr ignorieren können, ist für so was kaum mehr Platz. Hier könnte man durchaus das Internet mehr nutzen und solche Formate entsprechend etablieren.

Zum eigentlichen Interview: Wenig überraschend neige ich der grünen Sichtweise mehr zu, aber ich finde es ermutigend zu sehen, dass die beiden grundsätzlich miteinander kooperieren und diskutieren können, obwohl sie sich nicht einig sind. Diese demokratische Kultur in Deutschland, in der der parteipolitische Schlagabtausch ritualisiert bleibt und hinter den Kulissen das Tagesgeschäft erledigt wird, ist viel wert und sollte deutlich mehr Wertschätzung erhalten, als sie aktuell genießt.

5) Jeder, der fliegt, ist einer zu viel

Tatsache ist aber: Allein im vergangenen Jahr haben die Passagierzahlen im deutschen Luftverkehr um 5,4 Prozent zugenommen. Seit 1990 gab es einen weltweiten Zuwachs an Passagieren von 100 Prozent – in Deutschland sogar 250 Prozent. Die Klimazerstörung durch das Fliegen ist fast so gravierend wie die des Autoverkehrs. Wenn wir so weitermachen wie bisher, wird der Flugverkehr im Jahr 2050 für fast ein Viertel aller globalen Emissionen verantwortlich sein. Das prognostiziert die Europäische Umweltagentur. Angesichts dieser Zahlen und Prognosen ist es absurd, die Klimawirkung des Fliegens zu relativieren. Im Gegenteil: Das ungebremste und unregulierte Wachstum der Flugindustrie wird über kurz oder lang alle anderen Anstrengungen zur Reduktion der CO2-Emissionen auffressen. […] Doch selbst in Ländern wie Großbritannien sind 15 Prozent der Bevölkerung für 70 Prozent der Flüge verantwortlich. Es sind bildungsbürgerliche, weltoffene, oft auch politisch progressiv scheinende und grün-links-wählende Menschen, die auf ruinöseste Weise den Planeten bereisen. Dass diejenigen, die den Klimaschutzdiskurs bestimmen, so viel fliegen, erklärt vielleicht auch, warum Klimapolitiker so wenig tun, den Flugverkehr einzuschränken. Und das viele Fliegen lässt sich eben nicht durch punktuelle und symbolisch aufgeladene Nachhaltigkeitspraktiken wie bio-vegane Ernährung, Fahrradfahren oder Ökostrom – so sinnvoll diese auch sind – ausgleichen. (Anne Kretzschmar/Matthias Schmelzer, Die Zeit)

Bei aller Liebe: jeder, der einmal einen Flughafen betreten hat, sieht, dass Geschäftsreisen den mit Abstand größten Teil des Flugverkehrs ausmachen. Hier kann man wieder einmal mit marktwirtschaftlichen Maßnahmen ansetzen. Streicht man die steuerliche Begünstigung des Flugverkehrs, schafft seine steuerliche Absetzbarkeit bei Geschäftsreisen ab und erlaubt eine (vielleicht sogar subventionierte) Absetzbarkeit von Zügen, können die Unternehmen beweisen, wo Leute wirklich fliegen müssen und sich gegenseitig im Wettbewerb darin überbieten, ihre Mitarbeiter CO2-neutral von A nach B zu schicken.

Für Otto-Normalverbraucher wird schon alleine die Kostensteigerung, die sich über CO2-Zertifikate (siehe Fundstück 4) und eine gerechtere Besteuerung des Flugverkehrs (Stichwort Kerosinsteuer) ergibt das Problem lösen: Fliegen wird wieder reines Luxusgut, und angesichts seiner verheerenden CO2-Bilanz sollte es das auch sein. Und ja, das ist für grün-links wählende Menschen wie mich ein gewisses Problem.  Ich bin gerne Kosmopolit und Weltbürger, und das ist schwieriger, wenn man eben nicht zum Austausch über das Wochenende nach London fliegen kann. Aber was will man machen?

6) Sparmodell: Lehrer in den Sommerferien nicht beschäftigen

Der Freistaat spart sich mit der Methode viel Geld: Er stellt zusätzliche Lehrer vier Wochen nach Schulbeginn oder später befristet als Vertretungslehrer ein und lässt ihre Verträge mit dem Beginn der Sommerferien enden. Die Ferien bekommen die Lehrer also nicht bezahlt. Etwa 800 bayerische Lehrer melden sich deshalb jedes Jahr Anfang August arbeitslos. Neben Bayern ist diese Praxis nur noch in Baden -Württemberg üblich – dort sind es 1.800 Lehrer. […] Nur Baden-Württemberg und Bayern sind laut der Lehrergewerkschaft GEW „weiter absolut hartnäckig“, diese Länder seien praktisch „nicht umstimmbar.“ Als gutes Beispiel nennt die GEW-Bundesvorsitzende Marlies Tepe dagegen Rheinland-Pfalz: Dort gilt seit diesem Schuljahr die Regelung, dass alle Vertretungslehrer, die vor dem 1. März eines Jahres einen Vertrag abgeschlossen haben und mindestens bis Schuljahresende beschäftigt sind, auch in den Sommerferien bezahlt werden. Laut einem Sprecher des Bildungsministeriums in Mainz ist das „ein Stück Gerechtigkeit und gibt den Lehrkräften Planungssicherheit“. (Maximilian Burkhardt, BR24)

Was das ganze Modell so unglaublich bescheuert macht ist, dass es nicht mal signifikant Geld einspart. Es ist ein Paradebeispiel für „Rechte Tasche, linke Tasche“. Das Geld fällt nicht im Bildungshaushalt an, der anderen Rechtfertigungsregeln im Parlament unterliegt, sondern im Sozialhaushalt, der vom Verteilungskampf immunisierter ist. Es ist aus politischer Sicht klar, warum das gemacht wird, aber für die Betroffenen ist es ein Desaster. Es wäre ja schlimm genug, wenn die Lehrer sich jedes mal für das finanziell ruinöse und persönlich entwürdigende Sommerloch arbeitslos melden müssten, aber oft genug ist es ja nicht nur eine Frage von einem Monat ALG-I. Die Betroffenen leben in großer Unsicherheit, ob sie im September überhaupt einen neuen Job bekommen, und müssen dann oft kurzfristig (ein oder zwei Wochen umziehen). Diese Dauerumzüge quer durch Baden-Württemberg machen das Aufbauen von Beziehungen oder Familien praktisch unmöglich, sind wahnsinnig teuer und nervenaufreibend. Es ist einfach ein Unding, wie das Land mit seinen Leistungsträgern umgeht.

7) Pädagogik zum Gruseln

Schlechten offenen Unterricht gibt es tatsächlich zuhauf – so wie es schlechten Frontalunterricht gibt, wo der Lehrer oder die Lehrerin über die Köpfe der Kinder hinweg redet. Ein Lehrer, der nur auf die Eigenmotivation seiner Schülerinnen und Schüler setzt und die Klasse bloß moderiert, hat seinen Job nicht verstanden. Doch verstehen sich tatsächlich so viele deutsche Pädagogen, wie Winterhoff behauptet, als passive „Lernbegleiter“? An wie vielen Schulen sind die Noten wie auch die Hausaufgaben komplett abgeschafft? Und wo ist der offene Unterricht die durchgehende Unterrichtsmethode? Glaubt man den Ergebnissen der empirischen Bildungsforschung sowie den Unterrichtsbeobachtungen durch die Schulinspektionen der Länder dürfte eher das Gegenteil der Fall sein: danach beherrscht der traditionelle Lehrervortrag (insbesondere nach der Grundschule) weiterhin den Schulalltag. […] Nicht redigieren ließ sich der düstere pädagogische Pessimismus, der das ganze Werk des Autors durchzieht. Kinder und Jugendliche sind demnach rein lustbetonte Wesen, die eine kurze Leine benötigen. Wenn Erwachsene den Kindern erklären, warum sie etwas lernen sollen, dann ist das laut Winterhoff im Grundschulalter „schädlich“; dass Schüler ihre Leistungen im Unterricht selbst einschätzen „Unsinn“; Hausaufgaben: „Frühestens wenn das Kind vierzehn Jahre alt ist, können sich die Eltern darauf verlassen, dass es sich aus eigenem Antrieb an den Schreibtisch setzt.“ […] Bleibt die Frage nach den Ursachen des Winterhoffschen Erfolgs. Warum kaufen Eltern, Lehrerinnen und Erzieher seine Bücher? Warum folgen sie den verschwurbelten Gedanken eines Psychiaters, dessen wichtigster Therapievorschlag darin besteht, in den Wald zu gehen? Der Kinder als „Monster“ bezeichnet und tatsächlich behauptet, mehr als die Hälfte von ihnen seien psychisch gestört. (Martin Spiewak, Die Zeit)

Sarrazin, Winterhoff, Precht, Hüther – sie schreiben alle denselben Mist. Bar jeder Sachkenntnis, aber unter der Fahne der heiligen Empörung und mit dem moralinsauer tropfenden erhobenen Zeigefinger. Und dabei verstecken sie sich immer hinter irgendwelchen scheinbaren fachlichen Qualifikationen, ob „Hirnforscher“ Spitzer oder „Kinderpsychiater“ Winterhoff. Es ist reiner Kulturpessismus, aber das verkauft sich immer wie geschnitten Brot, egal zu welcher Zeit. Wann auch immer wir in den letzten 100 Jahren schauen, was sich in dem Segment verkauft, es finden sich Bestseller, die bejammern wie schrecklich mittlerweile alles ist und warum die aktuelle Jugend, das Land oder die Familie zerstört werden (gerne auch alles zusammen). Und es ist nie was dahinter. Man sollte diese Typen einfach ignorieren, aber angesichts der riesigen Plattformen, die sie leider genießen, ist das praktisch unmöglich.

8) Die Selbstzerstörung der SPD

Jetzt wäre es unredlich, das alles nur dem armen Gerhard Schröder und seiner unglücklichen Agenda zuzuschreiben. Zumal die Reformen so richtig erst 2003 starteten. Das kann 1999 also nicht erklären. Zum Auseinanderdriften dürfte ebenso beigetragen haben, dass durch die Tarifflucht von Betrieben seit Mitte der Neunzigerjahre immer mehr Beschäftigte nicht mehr nach Tarif bezahlt wurden; oder dass es keine Steuer mehr auf Vermögen gab, was kurz vor Rot-Grün kam. Und dass es in der Krise bis 2005 immer mehr Arbeitslose gab, die per Definition dann natürlich auch weniger Geld haben. Nur macht es all das erstens für diejenigen auch nicht besser, die nun einmal just zu Zeiten des Sozi-Kanzlers auf die eine oder andere Art zu spüren bekamen, dass sie (relativ) ärmer wurden. […] Selten ist de facto so viel Geld von unten nach oben verteilt worden wie – unter Sozi-Kanzler Schröder. Und das alles, ohne dass das ökonomische Versprechen eingelöst wurde, wonach dank der Reformen am Ende alle mehr Einkommen haben. Heute kriegen trotz wirtschaftlicher Erholung viel mehr Leute nur einen Niedriglohn als vor der Agenda-Zeit. Aufstieg durch Verzicht? Von wegen. (Thomas Fricke, SpiegelOnline)

Ich bleibe dabei. Es war nicht die Agenda2010 unter Schröder, die der SPD das Genick brach. Die Partei hätte das durchaus überleben können. Was ihr das Genick brach war ihr wirrer Versuch, 2005-2009 die CDU rechts überholen zu wollen. Es ist diese Phase des selbstzerstörerischen Leerlaufs danach, die sie herunterzog. Das sieht man ähnlich ja auch bei Labour: Nicht unter Tony Blairs Reformen trieb die Partei weg, sondern im ideenlosen Managment des Niedergangs danach. In beiden Fällen war es der Partei nicht möglich, die negativen Folgen ihrer Reformen aufzufangen.

Ich glaube, die aktuelle Todesspirale der CDU fußt auf einem ähnlichen Problem. Nicht die Flüchtlingsentscheidung von 2015 per se ist das Problem, sondern das ideenlose Managment danach, die Unfähigkeit, die Folgen aufzufangen und ein neues Narrativ darum zu schnüren. Aber mittlerweile hat sich das in beiden Fällen so festgefressen, dass ein Umsteuern kaum mehr möglich scheint. „SPD erneuern“ ist ja inzwischen schon die Pointe eines Witzes.

9) Die Mit-uns-nicht-zu-machen-Partei

Wenn man erst beteuert, etwas nicht zu tun, und es dann halbherzig doch umsetzt – dann hat man in einem einzigen politischen Akt Gegner und Anhänger gleichermaßen vor den Kopf gestoßen. Eine Kunst, die die SPD besser beherrscht als irgendjemand sonst. […] Der Satz „Das wird es mit der SPD nicht geben!“ müsste eigentlich immer lauten: „Das wird es so mit der SPD nicht geben, aber bisschen abgewandelt halt schon.“ […] Es würde mich nicht wundern, wenn das nächste Wahlprogramm der SPD überschrieben sein wird mit dem Mantra „Mit uns nicht zu machen!“ Dabei ist doch viel wichtiger zu sagen, was eigentlich zu machen wäre. Versprechen zu brechen gehört seit Erfindung demokratischer Politik zu den wiederkehrenden Ärgernissen, das ist nicht neu. Aber etwas anderes hat sich dramatisch verändert in den letzten Jahren. Nämlich die Welt. „Das ist mit der SPD nicht zu machen“, bedeutet, öffentlich und lautstark rote Linien zu ziehen. Zugleich ist viel persönliche Überzeugung in diesem Satz vorhanden, er mutet an, als proklamiere jemand eine direkt aus der Seele der Partei herausgewrungene Unumstößlichkeit. Doch die Welt befindet sich 2019 in einer Epoche des heftigen und überraschenden Wandels. (Sascha Lobo, SpiegelOnline)

Passend zu Fundstück 8 hier noch dieser Artikel von Sascha Lobo; ich denke, der spielt mit in dieses Problem der Ideenlosigkeit hinein, das ich angesprochen habe. Die SPD geriert sich seit Jahren nur noch passiv als Verteidiger und Blockierer. Und blockiert und verteidigt wird zudem ein Status Qui, der immer Richtig frappant fand ich das bei den Kommunalwahlen hier in Stuttgart, wo die ganze SPD-Plakatkampagne in der ersten Hälfte des Wahlkampfs daraus bestand, OB Kuhn vorzuhalten, was er alles nicht geschafft hat. Aber wer wählt denn einen kleinen, meckernden Wadenbeißer? Das ist eine Wahlkampagne, die Splitterparteien üblicherweise fahren, aber sicherlich nicht ein schwerfälliger Tanker wie die SPD. Es ist ein einziges Trauerspiel.

10) A White Man’s Republic, If They Can Keep It

That the Republican effort to increase white political power might be motivated by partisanship rather than racism is little solace. Segregationist Democrats might not have insisted on disenfranchising black voters after Reconstruction had those voters not been staunch Republicans. Whether motivated by partisanship or racism, though, the result is the same. If the Roberts Court does not draw a line here, this will not be the last step toward reestablishing a white man’s government it will be asked to take. […] The census case is not ultimately about administrative procedure; it is, more fundamentally, about whether the Trump administration can use the federal government for the explicit purpose of increasing white political power. The Trump administration, and by extension, the conservative masses, are already on board, convinced by years of right-wing propaganda that all the opposition’s victories at the ballot box are suspect. Those elements of the Republican establishment that funded and conceived of the census scheme are all in, as well. The only remaining question is whether, and to what extent, the high court is willing to ratify this step toward white man’s government. It is not the first time it has been asked to do so. […] Trump’s victory settled the question of whether the GOP would seek to expand its base by diversifying it, or rely on the imposition of white political hegemony over a changing electorate. This is a counter-majoritarian strategy that, in the long run, relies on abandoning the pretense of liberal democracy in favor of something else: A white man’s republic, if they can keep it. (Adam Serwer, The Atlantic)

Dieses Fundstück wiederum passt gut zu Fundstück 1. Die Republicans haben keinerlei Problem, die gesamte Macht des Staates auszunutzen um ihre Minderheitsregierung noch ein Weilchen mehr am Leben zu erhalten. Und das schneidet massiv in die Rechte von Minderheiten. Wie Serwer ja schon richtig sagt ist es bedeutungslos, ob sie dabei wirklich von rassistischen Motiven motiviert sind oder einfach nur in Kauf nehmen, dass Minderheiten so massiv geschadet wird; Fakt ist, dass ein rassistisches Regime entsteht, das die Interessen einer bestimmten Kaste durchsetzen soll.

11) Die Steinzeitfrau jagte wohl auch: Archäologin räumt mit Klischees auf (Interview mit Brigitte Röher)

Bis heute wird das Bild des Jägers und der Sammlerin herangezogen, um ein unterschiedliches Verhalten der Geschlechter zu erklären. Was ist da dran?

Brigitte Röder: Die Idee, dass Männer von Natur aus Jäger seien, ist ein Klischee. Das Bild vom mutigen Jäger, der einem Mammut auflauert, finden wir in vielen Schulbüchern, Museen, Romanen oder Filmen. Der Mann soll seit Urzeiten die Familie ernährt haben, während sich die Frau um Kinder und Haushalt gekümmert habe. […]

Woher kommt dann dieses Bild vom Mann als Jäger und der Frau als Sammlerin?

Die Geschlechterrollen, die für die Urgeschichte gezeichnet werden, sind ungemein stereotyp. Stets erscheinen die Männer als Ernährer, die mobil waren, Handel oder Bergbau betrieben und sämtliche Innovationen kreierten. Ihnen stehen die ewigen Hausfrauen und Mütter am Herdfeuer gegenüber. Diese Rollenteilung geht auf Idealvorstellungen der bürgerlichen Gesellschaft des 18. und 19. Jahrhunderts zurück. Damals wurde das Geschlechter- und Familienmodell neu konstituiert und für universal erklärt. Es wurde auch festgelegt, welchen «Geschlechtscharakter» Männer respektive Frauen haben. Noch heute gilt dieses bürgerliche Geschlechtermodell vielfach als ursprünglich – und wird auf die Urgeschichte projiziert.

Wie lebten die damaligen Menschen wirklich?

Historisch und ethnografisch ist eine unglaubliche Vielfalt an Geschlechtermodellen, Familien-, Verwandtschafts- und Haushaltsformen belegt. Wer für archäologische Befunde Analogien sucht, müsste also ein breites Spektrum in Betracht ziehen. Interessanterweise fokussieren die meisten Interpretationen aber auf das, was wir von der bürgerlichen Gesellschaft kennen. Etwa die Idee, dass in jedem Pfahlbau eine Kernfamilie wohnte. Studien der Universität Basel zeigen jedoch, dass diese Idee falsch ist. Die Siedlungen waren erstaunlich kurz bewohnt, manche nur acht oder zwölf Jahre. Die Gruppen müssen sich immer wieder aufgeteilt und neu zusammengesetzt haben. Die Vorstellung von Bauernfamilien, die über Jahrhunderte im selben Dorf gelebt haben, muss aufgegeben werden. (Annika Bangerter, Aargauer Zeitung)

Die angeblich so natürliche Geschlechteraufteilung der Steinzeit ist eines der härtesten Klischees überhaupt. Allan und Barbara Pease haben da mit ihrem Dauerbestseller „Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken“ Millionen mit gemacht, und viele andere haben es ihnen gleichgetan. Der Blödsinn findet sich auch in diversen Sach- und Schulbüchern, und da Steinzeit üblicherweise ein Thema ist, das vor allem junge Kinder gelehrt bekommen und für das sie sich interessieren, werden die dadurch entsprechend mitgeprägt.

Ich finde es auch gut, wie offen Röher damit umgeht, dass wir wenig über die Geschlechterverhältnisse wissen. Die archäologische Beweislage gibt einfach nicht viel her; ein emanzipiert-egalitäres Steinzeitsystem zu fantasieren hilft daher auch nicht weiter. Der für mich wichtigste Punkt ist, dass es im Endeffekt um die Projektion der eigenen Wertvorstellungen auf die Vergangenheit geht – ein sehr häufiges Problem, wenn man sich mit der Geschichte beschäftigt.

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  • R.A. 7. Juni 2019, 08:29

    1.) „die Regeln weiter einhalten wie bisher“
    Manche Regeln haben die Demokraten eingehalten, andere eben nicht. Insbesondere war Obamas Regierungszeit dadurch definiert, daß von Anfang an kompromißlos die eigene Politik durchgedrückt wurde ohne die Rücksichtnahmen und Gespräche mit der Opposition, die bei Clinton und Bush noch üblich waren.
    In Folge haben dann die Republikaner auch eskaliert. Und im aktuellen Hysterie-Modus ist nicht abzusehen, daß eine der beiden Seiten wieder zur Vernunft findet.

    Daraus ist aber nicht zu schließen, daß man künftig mit allen schmutzigen Mitteln arbeiten sollte. Es hilft nur Abrüsten und Deeskalieren, das wird mittelfristig auch von den Wählern honoriert.

    3.) Der Knackpunkt bei den Spiegel-Problemen ist, daß sie nicht wirklich neu sind. Von Anfang an wurden dort die Reportagen auf Wirksamkeit getrimmt und Objektivität untergeordnet. Daß dann auch noch ein paar Fakten frisiert oder dazu erfunden wurden ist gar nicht die entscheidende Wende (obwohl das natürlich Tabubrüche sind, die dem Spiegel jetzt zu Recht auf die Füße fallen).
    Aber die klassischen Medien kommen eben im Zeitalter des Internets nicht mehr so leicht durch mit solchen Methoden und werden sich neu erfinden müssen. Wenn sie nicht vorher untergehen.

    4.) „ich finde es ermutigend zu sehen, dass die beiden grundsätzlich miteinander kooperieren und diskutieren können“
    Das ist schön – aber leider die Ausnahme. Solche Gespräche sind mit Grünen üblicherweise nicht möglich, weil die viel zu selten echte Ahnung von ihren Themen haben und immer gleich ins Emotionale abrutschen.

    5.) “ jeder, der einmal einen Flughafen betreten hat, sieht, dass Geschäftsreisen den mit Abstand größten Teil des Flugverkehrs ausmachen.“
    Das ist falsch. Und zeigt wieder einmal, wie sehr subjektive persönliche Erfahrungen täuschen können.
    Selbst in Frankfurt machen die Geschäftsreisen nur ein Drittel der Fluggäste aus – und dort werden relativ wenig Charter-Urlaubsflüge abgefertigt im Vergleich zu anderen Flughäfen.
    https://de.statista.com/statistik/daten/studie/312107/umfrage/frankfurt-flughafen-anteil-geschaeftsreisende/

    „Fliegen wird wieder reines Luxusgut“
    Das entspricht der typischen grünen Feudal-Logik: Es geht darum, die Privilegien der Elite wiederherzustellen und den Pöbel unten zu halten.
    Da ist es dann völlig ok, wenn grüne Aktivisten Langstreckenflüge machen, Hauptsache die kleine Angestellte darf nicht mehr billig nach Malle.
    Siehe auch E-Autos und Bio-Fraß, der grüne Lebensstil ermöglicht soziale Distinktion.

    6.) „Es ist ein Paradebeispiel für „Rechte Tasche, linke Tasche“.“
    Der Knackpunkt ist, daß die Taschen verschiedenen Leuten gehören. Von den Einsparungen profitiert der Landeshaushalt, die Kosten fallen letztlich beim Bund an.
    Ist natürlich insgesamt ein völliger Irrsinn und extrem ungerecht gegenüber den Betroffenen.

    8.) Der Artikel ist ein typisches Beispiel der linken Lügenpropaganda gegen die Agenda.
    „Selten ist de facto so viel Geld von unten nach oben verteilt worden wie – unter Sozi-Kanzler Schröder.“
    Das ist völliger Unsinn. Unterm Strich wurden und werden nach den Umsortierungen der Agenda MEHR Sozialleistungen ausbezahlt als vorher. Auch sonst sind die Sozialausgaben in den letzten 20 Jahren beständig gewachsen, sowohl unter Schröder wie unter der GroKo.

    „Heute kriegen trotz wirtschaftlicher Erholung viel mehr Leute nur einen Niedriglohn als vor der Agenda-Zeit.“
    Das ist technisch richtig und trotzdem politisch verlogen. Denn diese Niedriglöhner haben vor der Agenda noch weniger bekommen – da waren sie nämlich arbeitslos.

    „Es war nicht die Agenda2010 unter Schröder, die der SPD das Genick brach. “
    Es war nicht die Agenda, sondern die Tatsache, daß ein Teil der SPD die Lügen von linksaußen übernommen und die eigene Partei damit demontiert haben. Auch sämtlich späteren Parteierfolge mit mehr Umverteilung wurden in erster Linie durch die eigenen Genossen denunziert und konnten damit nie wählerwirksam werden.

    11.) „Die angeblich so natürliche Geschlechteraufteilung der Steinzeit ist eines der härtesten Klischees überhaupt.“
    Weil es eben zwar nur Hypothese, aber die bei weitem plausibelste ist.
    Über die Steinzeit in Europa wissen wir in der Tat recht wenig. Aber viel über Gesellschaften, die in historischer Zeit noch als Jäger und Sammler lebten. Und da ist die Arbeitsteilung/Spezialisierung zwischen den Geschlechtern völlig übliche Normalität.
    Richtig ist aber wohl, daß die moderne Kleinfamilie nicht in die Vergangenheit zurückprojeziert werden kann. Auch da haben wir genug Beispiele aus anderen Epochen und Gesellschaften – die übliche Form ist eine Sippenstruktur mit beständiger Flexibilität. Alleine schon weil zu oft Elternteile früh ausfielen und die Kinder von Verwandten aufgezogen werden mußten.

    • Stefan Sasse 8. Juni 2019, 05:39

      1) Was du über Obama schreibst ist schlicht gelogen. Und die Crux ist ja gerade, dass es NICHT honoriert wird, was dein Beitrag ja zur Genüge zeigt.
      3) Stimmt.
      5) Danke für die Infos. Anekdotische Evidenz ist die beste Evidenz 😛
      6) Das ist mir total klar, deswegen macht es institutionell ja Sinn. Ich will nur den Irrsinn für das Gesamtsystem hervorheben, wie du ja treffend bemerkst.
      8) Ich stimme dem Artikel ja auch nicht zu; ich wollte ihn als Absprungpunkt für meine Kritik nutzen.
      11) Das Problem ist: eben nicht. Es gibt Gesellschaften, die eine solche Teilung haben, und es gibt welche, die sie nicht haben. Es gibt eine wahnsinnige Breite verschiedener Gesellschaftsformen.

  • Martin 7. Juni 2019, 11:36

    11) Kannst Du denn Literatur empfehlen, die die historische Entwicklung der Geschlechterrolen nachzeichnet und auch erklärt, aus welchen Gründen sich in den verschiedenen Zeiten die Rollen jeweils änderten?

  • derwaechter 7. Juni 2019, 12:51

    zu 1.)
    Podcast empfehlung zu Mitch . https://www.npr.org/podcasts/510311/embedded?t=1559911829932

    Mitch McConnell has been described as „opaque,“ „drab,“ and even „dull.“ He is one of the least popular – and most polarizing – politicians in the country. So how did he win eight consecutive elections? And what does it tell us about how he operates?

    • Stefan Sasse 8. Juni 2019, 05:46

      Der Typ ist schon spannend, auf diese Eichmann-Art.

      • derwaechter 8. Juni 2019, 20:55

        Ganz so weit würde ich vielleicht doch nicht gehen. Aber NPRs Empedded ist wirklich gut und McConell ein spannendes Thema. Wie soweise NPR meine nr 1 Quelle zur Amerikanischen Politik ist.

  • derwaechter 7. Juni 2019, 13:21

    «Doch selbst in Ländern wie Großbritannien sind 15 Prozent der Bevölkerung für 70 Prozent der Flüge verantwortlich.
    Es sind bildungsbürgerliche, weltoffene, oft auch politisch progressiv scheinende und grün-links-wählende Menschen, die auf ruinöseste Weise den Planeten bereisen.
    Dass diejenigen, die den Klimaschutzdiskurs bestimmen, so viel fliegen, erklärt vielleicht auch, warum Klimapolitiker so wenig tun, den Flugverkehr einzuschränken.»

    Diese Verallgemeinerungen und logischen Brüche gehen mir auf die Nerven. Ohne Zweifel gibt es die „grün-links“ Menschen die auch viel Reisen. Aber weder sind alle die viel Reisen „grün-links“ noch reisen alle „grün-linken“ viel und schon gar nicht kann man so einfach schlussfolgern, dass „diejenigen, die den Klimaschutzdiskurs bestimmen, so viel fliegen„
    Und die letzte Schlussfolgerung setzt dem ganzen die Krone auf. Wahrscheinlich fahren die genannten Klimapolitiker auch viel Frachtschiff und das erklärt die mangelnde Regulierung der internationalen Schifffahrt …

    • Stefan Sasse 8. Juni 2019, 05:48

      Selbstverständlich ist das die übliche Invektive, wie ihr ja auch Stefan und Erwin so gerne fröhnen, aber das Problem existiert natürlich trotzdem. Flüge machen in meiner individuellen CO2-Bilanz auch einen großen Anteil aus. Ich bin dieses Jahr zweimal geflogen bisher, damit allein habe ich mehr CO2 emittiert als die meisten Hartzer. Und ich habe für beide Flüge zusammen keine 200 Euro ausgegeben (hin und zurück), das ist eigentlich Irrsinn.

      • derwaechter 8. Juni 2019, 20:51

        Klar. Aber im Zitat geht es ja nicht darum dass reiche mehr fliegen als Arme (alles andere wäre auxhnkonisch, so billig ist fliegen dann auch wieder nicht)

      • Erwin Gabriel 12. Juni 2019, 14:50

        @ Stefan Sasse 8. Juni 2019, 05:48

        Selbstverständlich ist das die übliche Invektive, wie ihr ja auch Stefan und Erwin so gerne fröhnen …

        Schön, dass Du uns gemeinsam aufführst 🙂

  • Stefan Pietsch 7. Juni 2019, 19:59

    5) Jeder, der fliegt, ist einer zu viel

    In der Tendenz haben wir ein Sinken von Geschäftsreisen, weil zunehmend Alternativen für den Austausch zur Verfügung stehen. In den letzten 10 Jahren haben Unternehmen in Videokonferenzen und andere Formen der digitalen Kommunikation investiert. Der klar gegenläufige Trend ist bei der Touristik zu beobachten, das Volumen von privat Reisenden wächst stark. Das betrifft insbesondere Formen der Städtereisen wie Kreuzfahrten, die eben meist nicht von deutschen Häfen ablegen – zumal die Grünen den Häfen das Leben auch schwer machen.
    https://www.fvw.de/biztravel/news/abta-studie-zahl-der-geschaeftsreisen-sinkt-doch-kosten-bleiben-gleich-200154

    In den Relationen hast Du Dich auch böse verhauen. Die Statistik ist zwar von 2011, aber zeigt doch die Verhältnisse auf.
    https://de.statista.com/statistik/daten/studie/235530/umfrage/geschaefts-und-urlaubsreisen-in-der-eu/

    7) Pädagogik zum Gruseln

    Winterkorn hat bei den Erzieherinnen, die ich kenne, einen guten Ruf und findet viel Zustimmung – wohl kaum, weil diese seine Beobachtungen ablehnen. Hüther ist ein hoch angesehener Ökonom. Du musst nicht alles verächtlich machen, was Deiner eigenen Agenda widerspricht.

    8) Die Selbstzerstörung der SPD

    Politik hat etwas mit Personen zu tun. Wähler haben Vertrauen zu Politikern, nicht Parteien. Du kannst das regelmäßig beim Politbarometer und anderen Politikerrankings beobachten. Verändern sich die Zustimmungswerte des Spitzenpersonals erheblich, verändern sich auch die Parteiwerte. Parallel zum Aufstieg der Grünen ist Robert Habeck zum beliebtesten Politiker aufgestiegen.

    Die SPD regierte auf Bundesebene mit charismatischen Persönlichkeiten und hohen Vertrauenswerten. Beides war bei Nahles desaströs – was sowohl Du als auch Ariane anfangs nicht sehen wollten. Als die SPD mit Peer Steinbrück einen populären Frontmann hatte, wurde dieser politisch kastriert. Dennoch holte er das beste Ergebnis seit Schröders Abwahl.

    Das letzte Hoch der italienischen Sozialdemokraten gab es mit Matteo Renzi, dem niemand Charisma bestritten hätte. Zuvor war es mit Romano Prodi auch eine Persönlichkeit mit Strahlkraft.

    Also, die SPD sollte mal wieder an der Herausbildung von Persönlichkeiten arbeiten. Eine total introvertierte Spitzenfrau wie Katarina Barley ist eine absolute Zumutung.

    • Stefan Sasse 8. Juni 2019, 05:51

      5) Wäre ja super. Ich bin eh immer wieder fasziniert davon, wie viel Geld Unternehmen für völlig sinnlose Reisen verbrennen.
      7) Ich nehm mir künftig ein Beispiel an dir 😉 Aber ernsthaft, natürlich gibt es auch Leute, die dem zustimmen. Ich habe mich auch schon mit Lehrerkollegen über Spitzer gestritten. Aber in meinen Augen sind das gefährliche Scharlatane, und es ist meine Bürgerpflicht, vor denen zu warnen.
      8) Schadet nicht, aber Personen alleine können halt auch nichts machen. Die können nur in einem gesunden System operieren.

      • Stefan Pietsch 8. Juni 2019, 09:43

        Die Reisekosten sind unter ständiger Beobachtung des Managements. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt eine Erhöhung erlebt habe. Die mir bekannten Reisekostenrichtlinien sehen seit langem den Zug als bevorzugtes Transportmittel vor, für alle anderen bedarf es Begründungen und Genehmigungen. Car Policys wurden abgespeckt, junge Leute verzichten ohnehin – gerade in Städten – auf die Option. Und woher willst ausgerechnet Du als Lehrer wissen, welche Reise völlig sinnlos ist?

        Ich habe kein Argument von Dir gelesen, warum Hüther und Winterkorn Scharlatane wären. Sarrazin landete mit einem Buch einen Bestseller.

        Hallo? Nur wegen der genannten Personen waren die sozialdemokratischen Parteien damals stark. Als die Personen verschwanden oder politisch verbrannt waren, verloren sie auch die Macht. In Italien haben sich die Machtverhältnisse wegen Salvini gedreht.

        • Rauschi 8. Juni 2019, 11:37

          Sarrazin landete mit einem Buch einen Bestseller.
          Deswegen hat der Recht?
          Ich hab da auch noch einen, der das geschafft hat:
          [Mein Kampf ist eine politisch-ideologische Programmschrift Adolf Hitlers. Sie erschien in zwei Teilen. Hitler stellte darin seinen Werdegang zum Politiker und seine Weltanschauung dar. Das Buch enthält Hitlers Autobiografie, ist in der Hauptsache aber eine Kampf- und Propagandaschrift, die zum Neuaufbau der NSDAP als zentral gelenkter Partei unter Hitlers Führung dienen sollte.
          Der erste Band entstand nach dem gescheiterten Putsch am 9. November 1923 gegen die Weimarer Republik während der folgenden Festungshaft Hitlers 1924 und wurde erstmals am 18. Juli 1925, der zweite am 11. Dezember 1926 veröffentlicht.[1] Vor allem der erste Band wurde bis 1932 in der Weimarer Republik zu einem viel diskutierten Bestseller. ]
          https://de.wikipedia.org/wiki/Mein_Kampf

          Lesenswerte Lektüre?

    • Rauschi 8. Juni 2019, 11:52

      Du musst nicht alles verächtlich machen, was Deiner eigenen Agenda widerspricht.

      Warum sollte er nicht das gleiche Recht dazu habem wie Sie sich heraus nehmen? Thema Klimawandel und Teil 1 und 2 sind offensichtliche Belegge, das Sie das machen.

      Winterkorn hat bei den Erzieherinnen, die ich kenne, einen guten Ruf und findet viel Zustimmung – wohl kaum, weil diese seine Beobachtungen ablehnen. Hüther ist ein hoch angesehener Ökonom.
      Wie war das mit der letztgültigen Erkenntnis und den notwendigen Zweifeln? Bitte, guten Ruf? Autoritätsargument, das Sie aber an anderer Stelle nicht gelten lassen?
      Ausser dieser mutmasslichen Autorität können Sie in der Sache doch gar nichts beitragen, oder können Sie die Fragen aus dem Artikel beantworten?
      Das liest sich nämllich sehr bekannt, nach Strohmann aufstellen und auf den zu recht eindreschen. Nur ohne Bezug zur Realiät.
      Es gibt sehr viel erfolgreichere, freiheitliche Schulen und Unterrichs-methoden als die Disziplinsmethode. Könnte man wissen, wenn man sich mit den Thema befasst und nicht nur bashen will.
      Sachdiskussion? Fehlanzeige.
      Beitrag zur neuen Schule:
      https://youtu.be/Ju0IpK1dSLA

  • Rauschi 8. Juni 2019, 11:34

    Zu 2)
    Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich’s gänzlich ungeniert, und den meisten Kritikern war es halt am Ende doch wichtiger, Obama zu kritisieren, als dass es ihnen um die Sache gegangen wäre.
    Sie sind doch das klassische Beispiel für dieses Vorgehen.
    Sie machten den (für mich nicht nachvollziehbaren Vorwurf), er hätte nur über die Sauereien einer Seite berichtet. Diesen Vorwurf können Sie fast jedem Journalisten machen, oder haben Sie jemals einen Betrag eines Hartz IV Beziehers ind der FAZ gelesen?
    Eigentlich fordern Sie da klassisches Bothsiderismus, Du darfst das nur, wenn Du auch das berichtetest. Kann man fordern ist aber maximal weltfremd.

    Was soll das überhaupt, hilft das irgendwie in der Sache weiter, sind die Chancen für die Demokraten mittlerweile besser? Schlimmer als Trump ist auch wirklich schwierig, was aber hat das mit der Sache Assange zu tun?
    Macht es die Einschätzung, das er Folterspuren aufweist, weniger schlimm? Sie waren und sind doch für die Haft von Assange, sind also irgendwie keinen Schnatz besser als Trump.

    • Stefan Sasse 9. Juni 2019, 05:52

      Mir geht’s auch nicht um Assange, sondern darum, dass die Leute alle aufschreien wenn Obama ihn nicht begnadigt und dann merkwürdig ruhig sind wenn er unter Trump der Spionage angeklagt wird.

      • Rauschi 9. Juni 2019, 09:46

        Welche Leute?
        Nochmal, was unterscheidet Dich jetzt von Trump, der in verhaftet hat, was Du befürwortest?
        Was ist an Deiner Haltung nicht Bothside?
        Wie realistisch ist überhaupt die Haltung, die Presse müsse immer beide Seiten zeigen? Welches Presseorgan macht das?

        • Stefan Sasse 9. Juni 2019, 19:28

          Verlange ich doch gar nicht?

          • Rauschi 10. Juni 2019, 09:09

            Doch, es war genau Dein Vorwurf, Assange hätte Dinge über Russland (was genau blieb unklar) nicht veröffentlicht und deswegen wäre ien kein Journalist. Soll ich das echt noch raus suchen, ist noch nicht so lange her.

          • Rauschi 11. Juni 2019, 07:23

            Verlange ich doch gar nicht?
            na ja, offensichtlich schon, sonst wäre das ja kein Kriterium für Journalismus:
            [Julian Assange ist vor allem ein erfolgreicher Selbstdarsteller. Er ist kein Journalist und sicherlich kein Märtyrer der Pressefreiheit. Seine Veröffentlichungen waren schon immer sehr selektiv. Assange veröffentlichte nie etwas, das den Feinden des Westens geschadet hätte, und er behielt sehr bewusst Informationen über Trump unterm Deckel. Wäre er prinzipiengetrieben, hätte er diese 2016 auch veröffentlicht. Stattdessen arbeitete Wikileaks konzertiert mit der Trump-Wahlkampfzentrale zusammen. Spätestens da, aber eigentlich schon lange vorher, wurde er zum politischen Akteur.]
            http://www.deliberationdaily.de/2019/04/rubin-gewalttaeter-reformieren-das-grundgesetz-unter-dem-existenzminimum-vermischtes-22-04-2019/
            Wobei mir immer noch unklar ist, wo die mit der Trump-Wahlkampfzentrale zusammen gearbeitet haben, bzw, ob das mehr ist als das Gerücht, Trump würde von Russland gesteuert.

            • Erwin Gabriel 12. Juni 2019, 14:58

              @ Rauschi 11. Juni 2019, 07:23

              Wobei mir immer noch unklar ist, wo die mit der Trump-Wahlkampfzentrale zusammen gearbeitet haben, bzw, ob das mehr ist als das Gerücht, Trump würde von Russland gesteuert.

              Es haben sich mehrere Personen (u.a. Schwiegersöhnchen) aus Trumps Umfeld öfter mit dubiosen russischen Stellen getroffen – angebliche Geschäftstermine, nur wurde aus den Geschäften irgendwie nichts. Indizien für eine Zusammenarbeit gibt es reichlich, die Wahrscheinlichkeiten sind hoch, aber die finalen Beweise, dass der Führer was gewußt hat, fehlen halt.

  • Ralf 8. Juni 2019, 14:21

    zu 8)

    Ich bleibe dabei. Es war nicht die Agenda2010 unter Schröder, die der SPD das Genick brach. Die Partei hätte das durchaus überleben können. Was ihr das Genick brach war ihr wirrer Versuch, 2005-2009 die CDU rechts überholen zu wollen. […] In beiden Fällen war es der Partei nicht möglich, die negativen Folgen ihrer Reformen aufzufangen.

    Das Problem mit der Agenda 2010 ist, dass ihr „Wirken“ einzig und allein auf den „negativen Folgen“ basiert, die Du beklagst. Deshalb kann man auch die „negativen Folgen“ nicht „auffangen“, weil das die Agenda 2010 im Kern abschaffen würde.

    Das Prinzip der Agenda 2010 ist Angst. Den Menschen soll Angst gemacht werden. Gab es früher noch ein soziales Auffangnetz, wo der, der sich einigermassen hochgearbeitet hatte, langfristig in der Mittelklasse aufgefangen wurde, fällt man heute mit Hartz IV ins Bodenlose. Gestern noch geschätzter Arbeiter kannst Du schon morgen in der Armut sitzen. Du wärst verrückt, wenn Dir das nicht die Panik in die Knochen jagen würde. Und so werden Menschen schnell bereit alles, ja wirklich alles zu tun, um nur irgendwie den Totalabsturz zu vermeiden. Menschen schleppen sich krank zum Arbeitsplatz aus Angst sonst ihren Job zu verlieren. Menschen nehmen Ausbeutung und Mobbing hin aus Angst sonst ihren Job zu verlieren. Menschen akzeptieren furchtbare Niedriglohnkonditionen aus Angst sonst in Hartz IV zu versinken. Das ist der „Erfolg“, den die Agenda 2010 bewirkt hat. Es ist ein Produkt der Angst. Und wenn Du den Menschen mit Modifikationen an Hartz IV die Angst nimmst, dann „funktioniert“ Hartz IV nicht mehr.

    Deshalb gab es für die Sozialdemokraten nie die reale Option Arbeitsmarktpolitik wieder menschlich zu machen, ohne Hartz IV inhaltlich ersatzlos zu streichen. Die Alternativen waren immer Arbeitszwang, Armut, Niedriglohn und ein bisschen niedrigere Arbeitslosigkeit auf der einen Seite und Fairness, Menschlichkeit, Respekt vor der Lebensleistung und ein bisschen höhere Arbeitslosigkeit auf der anderen Seite. Die SPD hat sich in diesem Spektrum klar für Arbeitszwang, Armut und Niedriglohn positioniert und ihre Haltung wieder und wieder und wieder bestätigt. Müntefering, Steinmeier, Steinbrück, Schulz, Nahles, Scholz und Co sind alle Mittäter in diesem Spiel und klar liegt bei denen ein Teil der Verantwortung. Aber der, der die SPD auf die Rutschbahn in die Bedeutungslosigkeit gestellt hat mit seinem Ur-Verrat an der Kernvision der Sozialdemokratie, ist dennoch Gerhard Schröder. Es war Schröder, der aus der SPD, der Partei des Aufstiegs des kleines Mannes, die Partei des Abstiegs des kleinen Mannes gemacht hat. Die heutigen Wahlergebnisse und der Kollaps der deutschen Sozialdemokratie sind das laute Echo und die erwartbare Konsequenz der damaligen Entscheidungen.

    • Hias 8. Juni 2019, 22:31

      Das Prinzip der Agenda 2010 ist Angst. Den Menschen soll Angst gemacht werden.

      Ich gebe Dir bei der Bewertung von Hartz IV durchaus Recht, auch dass es hauptsächlich darum ging, den Menschen Angst zu machen. Aber was ich nicht sehe ist, dass man deswegen die SPD nicht mehr gewählt hat.
      Erstens, alle machen den Leuten Angst. Die Grünen wegen der Umwelt, die AfD wegen der Flüchtlinge, die Union wegen des Terrors und die FDP wegen der Steuern. Trotzdem wählt man die Parteien.
      Und zweitens, ich glaube es ist auch so ne Eigenart der SPD, Schuld zu sein. Vielleicht einfach, weil sie nie ihren Namen geändert hat. Das die Kommunisten mit den Nazis gestreikt haben, das interessiert keinen mehr. Dass die Konservativen in den 1930er Jahren umgefallen sind, auch nicht. Aber immer noch wirft man der SPD die Zustimmung zu den Kriegskrediten 1914 vor.
      Und drittens, ich glaube was den Niedergang angeht, da ist die Erklärung viel einfacher. Die Leute interessieren sich nicht mehr in dem gleichen Ausmass wie vor 20/30 Jahren für soziale Themen (siehe auch hier: https://www.econstor.eu/bitstream/10419/60047/1/634173936.pdf) und die Hauptvorantreiber (SPD / Linke) dieser Themen sind einfach stinklangweilig: Langweilige Führungspersonen, trockene Sprache, komplizierte Modelle. Man darf ja bei alledem nicht vergessen, dass die LINKE ja nicht mal ansatzweise durch den Verlust der SPD hinzugewonnen hat. Und die Grünen links zu nennen, ist für manche Landesverbände schon ein Hohn.

      Die Wahrheit ist glaub ich einfacher: Die SPD ist wie die Deutsche Bahn. Auf der einen Seite sorgt sie durch ihre Verzweigungen bis in die kleinsten Kommunen und Regionen dafür, dass es in diesem Land läuft. Beide haben einiges erreicht und erbringen eigentlich immer wieder erstaunlich gute Ergebnisse. Aber beide haben kein richtiges Aushängeschild und wenn dann macht es meistens durch Pleiten, Pech und Pannen von sich reden. Beide machen ständige Kurswechseln und schaffen es auch immer wieder ihre Wähler / Kunden zu enttäuschen.
      Aber beiden ist man auch erstaunlich unverzeihlich. Verspätungen, die man Flixbus oder der Lufthansa durchgehen lassen würde, werden der Bahn auf die Sekunde genau vorgerechnet. Gleiches gilt für die Verfehlungen der SPD, siehe Kriegskredite, Bluthund Noske und Radikalenerlass.

      • Ralf 9. Juni 2019, 00:21

        Die SPD stand noch in den 80ern und 90ern in der Blüte. Trotz Kriegskrediten 1914. Heutzutage hat sie nur noch ein Drittel ihrer Wähler, Tendenz fallend. Und ihre Führungspersonen waren auch früher nicht gerade super aufregend (Hans-Jochen Vogel, Johannes Rau, Rudolf Scharping …). Während die sozialen Themen in unserer heutigen Zeit eigentlich spannender geworden sind durch neuartige Ausbeutungsmodelle (z.B. Uber), dramatische Ausweitung des Niedriglohnsektors, Leiharbeit, Bankenkrise und ganz aktuell Wohnungsnot.

        Ich gebe Dir bei der Bewertung von Hartz IV durchaus Recht, auch dass es hauptsächlich darum ging, den Menschen Angst zu machen. Aber was ich nicht sehe ist, dass man deswegen die SPD nicht mehr gewählt hat.
        Erstens, alle machen den Leuten Angst. Die Grünen wegen der Umwelt, die AfD wegen der Flüchtlinge, die Union wegen des Terrors und die FDP wegen der Steuern.

        Ja, die anderen Parteien machen den Wählern auch Angst. Aber deren jeweilige Programme bieten einen Weg zur Beseitigung der Ursache der Angst an. Die Grünen wollen die Umweltprobleme lösen, damit man keine Angst mehr haben muss. Die AfD will die Flüchtlinge abschieben, damit man keine Angst mehr haben muss. Die CDU will die Menschen stärker abhören und belauschen, damit man vor dem Terror keine Angst mehr haben muss. Und die FDP verspricht die Steuern zu senken, damit man vor Belastungen keine Angst mehr haben muss.

        Nur die SPD hat ein Projekt, dessen Kernzweck es ist den Menschen Angst zu machen, zum zentralen Pfeiler ihrer Politik gemacht. Sie bietet keine Lösung an, wie man den Menschen die Angst nehmen könnte, sondern erklärt seit fast zwei Jahrzehnten, warum die Menschen auch in Zukunft mit Angst leben sollen.

        • Hias 11. Juni 2019, 21:42

          Die SPD stand noch in den 80ern und 90ern in der Blüte. Trotz Kriegskrediten 1914. Heutzutage hat sie nur noch ein Drittel ihrer Wähler, Tendenz fallend. Und ihre Führungspersonen waren auch früher nicht gerade super aufregend (Hans-Jochen Vogel, Johannes Rau, Rudolf Scharping …). Während die sozialen Themen in unserer heutigen Zeit eigentlich spannender geworden sind durch neuartige Ausbeutungsmodelle (z.B. Uber), dramatische Ausweitung des Niedriglohnsektors, Leiharbeit, Bankenkrise und ganz aktuell Wohnungsnot.

          Naja, der Vergleich mit den 1980er ist natürlich schwierig, immerhin hatten wir damals gerade erst ein Vier-Parteien-Parlament. Aber selbst in den 1990er hat sich nicht viel geändert. Was übrigens gleich ist, Blüte hin, Blüte her, von 1982 bis 1998 hat die SPD keine BTW gewonnen. Der Unterschied ist halt nur, damals war sie dann in der Opposition und damals waren die Vorfeldorganisationen (z.B. Gewerkschaften) noch stark und auch Vorfeldorganisationen der SPD. Das ist den beiden Volksparteien komplett weggebrochen, währen die Grünen hier dazugewonnen haben.

          Ja, die anderen Parteien machen den Wählern auch Angst. Aber deren jeweilige Programme bieten einen Weg zur Beseitigung der Ursache der Angst an.
          Ne, sie bieten Maßnahmen an, gegen die Angst, nicht gegen die Ursachen. Aber die sind nie genug. Irgendwo pustet immer einer CO2 raus oder schleicht sich ein Flüchtling über die Grenze oder bastelt ein Muslime an ner Bombe. Von Steuersenkungen gar net erst zu reden.
          Nur die SPD hat ein Projekt, dessen Kernzweck es ist den Menschen Angst zu machen, zum zentralen Pfeiler ihrer Politik gemacht. Sie bietet keine Lösung an, wie man den Menschen die Angst nehmen könnte, sondern erklärt seit fast zwei Jahrzehnten, warum die Menschen auch in Zukunft mit Angst leben sollen.
          Es war nicht das Ziel der SPD Angst zu verbreiten, sondern die Arbeitslosigkeit zu senken und dazu den „faulen Sozialschmarotzern“ in den Arsch zu treten (was übrigens auch ziemlich viele in der Kernklientel der SPD gut fanden, solange ihre eigene Firma nicht von Massenentlassung gesprochen hatte).
          Und natürlich versuchte die SPD wieder (zumindest teilweise) die Angst zu nehmen. Mindestlohn, Grundrente, etc, das sind alles Versuche ein bisschen die Angst zu nehmen. Klar, es ist kein Zurückdrehen von Hartz IV. Aber wie soll das aussehen? 1:1 die Zeit davor?

      • CitizenK 10. Juni 2019, 14:10

        Stimmt. Weil man von der SPD mehr erwartet (hat?) als von den Schwarzen oder Blau-Gelben. Bei denen ist man höchstens mal punktuell positiv überrascht.

        Die Bahn muss für den dutzendfachen „Notarzteinsatz am Gleis“ (für den sie nun wirklich nichts kann) Entschädigung zahlen, sich die Verspätungen anrechnen lassen. Zwar gibt es schwerwiegende Management-Fehler zu kritisieren, aber ein großer Teil davon geht auf die Markt-Ideologisierung: Streichung der Nachtzüge, Konzentration auf milliardenteure Prestigeprojekte. Strukturelle Benachteiligung durch Treibstoff- und Mehrwertsteuer, hoch-subventionierte Regionalflughäfen.

        • Hias 11. Juni 2019, 21:49

          Stimmt. Weil man von der SPD mehr erwartet (hat?) als von den Schwarzen oder Blau-Gelben. Bei denen ist man höchstens mal punktuell positiv überrascht.

          Deswegen wählen die einen nach wie vor die Union und die FDP, weil man von denen nichts mehr erwartet und die anderen wählen die SPD (und auch die LINKE) nicht mehr, weil man von denen zwar was erwartet, aber das kriegt man eh nicht.
          Und Grüne und AfD wählt man rein aus der Angst vor der ganz großen Klima/Flüchtlings-Katastrophe.
          Es deucht mir, dass dies eine ziemlich bescheuerte Entwicklung für den eher linken Teil der Bevölkerung ist und auch keine gute Entwicklung für dieses unseres Land ist.

    • Erwin Gabriel 11. Juni 2019, 18:10

      zu 8)
      @ Ralf 8. Juni 2019, 14:21

      Das Prinzip der Agenda 2010 ist Angst.

      Mit dem gleichen Recht, mit der gleichen Methodik kann ich genauso einseitig behaupten, dass das stetige Aushöhlen der Agenda und die ständige Suche nach ‚Gerechtigkeitslücken‘ Bequemlichkeit, Faulheit und Nichtstun fördern soll.

      • CitizenK 11. Juni 2019, 18:30

        Unter einer Voraussetzung: Wenn es die Jobs – passgenau – da gewesen wären, vielleicht. Die war aber nicht gegeben. Die Berichte auch von Qualifizierten mit Hunderten Bewerbungen sind Legion.

        Dann sind da noch die Menschen mit gesundheitlichen und/oder familiären Handicaps. Und selbst Peter Hartz wollte einen deutlich höheren Satz. Den Mindestlohn hat der DGB verhindert, das kann man Schröder nicht anlasten.

        • Erwin Gabriel 12. Juni 2019, 15:10

          Intention der Agenda 2010 war ganz klar, dafür zu sorgen, dass die Leute in stärkerer Eigeninitiative ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen. Wieso soll jemand eine gewisse Position, ein bestimmtes Gahalt garantiert bekommen. Weil er das unter bestimmten Umständen einmal erreichen konnte?

          In meinem Arbeitsumfeld gibt es keine Garantien; ich habe im Laufe meiner Karriere in Düsseldorf, Frankfurt, Gütersloh, Hamburg, Hannover, München und Stuttgart arbeiten müssen – nicht jedesmal war der Job- und Ortswechsel mit finanziellen verbesserungen verbunden. Hätte ich auf die Umzüge verzichtet, wäre ich arbeitslos geworden.

          Nun mag nicht jeder umziehen, wegen der Kinder, der Eltern, der Frau, den Umständen, der Gewohnheit. Aber das ist ein persönliches Problem, keines, für das die Gesellschaft gerade stehen sollte. Dass es unterm Strich genug Härtefälle gab, will ich aber nicht bestreiten.

          Aber Ziel der Agenda war nicht, Angst zu verbreiten, sondern einen Teil der Verantwortlichkeit dorthin zu packen, wo er hingehört – auf die eigenen Schultern.

          • CitizenK 12. Juni 2019, 17:23

            Angst verbreiten war nicht das Ziel, aber das Ergebnis. Die Arbeitslosenhilfe hat ja keine Garantie gegeben, sondern den Fall halt gebremst. Nicht zu vergessen, es gab die Bedürftigkeitsprüfung! Ich musste, längst volljährig, ein genaues Verzeichnis des Einkommens und Vermögens meiner Eltern einreichen, als ich die ALH gebraucht habe für ein paar Monate.

            Die sogenannten Zumutbarkeitskriterien wurden lange vor der Agenda heftig diskutiert. Schwierig.

            • Erwin Gabriel 13. Juni 2019, 09:30

              @ CitizenK 12. Juni 2019, 17:23

              Angst verbreiten war nicht das Ziel, aber das Ergebnis.

              Bei einigen sicherlich. Ich habe es eher als Ansporn wahrgenommen (und wollte nie wieder in dieser beschissenen Schlange stehen und von abgestumpften, überheblichen Sachbearbeitern zugelabert werden).

              Die Arbeitslosenhilfe hat ja keine Garantie gegeben, sondern den Fall halt gebremst.

              Meiner Einschätzung nach war das Ziel, Betroffene schneller in einen neuen Job zu drängen, selbst wenn der nicht ganz so gut bezahlt war wie die letzte Stelle oder einen Umzug erforderte. Der lange Bezug von ‚ALG I‘ hat halt viele veranlasst, zu lange auf eine vergleichbare Stelle zu hoffen. Als die nicht kam, waren sie zu lange aus dem Geschäft, und die Abstriche waren, wenn es überhaupt was gab, noch größer. Da kannte ich einige von.

              Die sogenannten Zumutbarkeitskriterien wurden lange vor der Agenda heftig diskutiert. Schwierig.

              Zustimmung. Man kann sich nur aussuchen, was man falsch macht, da es keine regel gibt, die für alle gleichermaßen gut ist.

      • Ralf 12. Juni 2019, 19:28

        Mit dem gleichen Recht, mit der gleichen Methodik kann ich genauso einseitig behaupten, dass das stetige Aushöhlen der Agenda und die ständige Suche nach ‚Gerechtigkeitslücken‘ Bequemlichkeit, Faulheit und Nichtstun fördern soll.

        Selbstverständlich hast Du das Recht zu behaupten, was Du willst. Aber wenn Deine Behauptung eine gelungene Analogie zu meinem Punkt oben sein soll, dann liegst Du schrecklich schief.

        Dass das Ziel der Agenda 2010 war, den Menschen Angst zu machen, ist unbestreitbar. CitizenK schreibt weiter unten, Angst sei nicht das Ziel, sondern nur das Ergebnis gewesen. Aber das ist Augenwischerei. Angst war die grundlegende Voraussetzung für das „Ergebnis“. Angst vor dem Totalabsturz hat Menschen in Niedriglohnjobs getrieben, hat Kranke sich zur Arbeit schleppen lassen, hat Menschen Mobbing und Ausbeutung hinnehmen lassen. Ohne Angst wäre nichts von alledem passiert. Deshalb war Angst hier nicht nur ein passives Resultat, eine ungewollte Nebenwirkung sozusagen, sondern die zentrale Absicht und Wirkungstriebkraft hinter Hartz IV.

        • CitizenK 12. Juni 2019, 20:03

          In der Zeit vor der Agenda-Einführung: Arbeitslose Ingenieure aus Norddeutschland (Emden? Oldenburg) wurden nach Stuttgart zu Daimler geholt. Sie kamen mit der Mentalität der Schwaben nicht zurecht. Einige Zeit später waren sie wieder weg – lieber in der „Heimat“ arbeitslos.

          In den Kommentaren immer wieder der Hinweis, dass es in den USA selbstverständlich sei, auch tausende Kilometer einem Job hinterher zu ziehen.

          Was ist wem nicht zumutbar – dem Arbeitnehmer der Umzug oder den Beitrags-/Steuerzahlern die Alimentation? Ernst gemeinte Frage.

          Es ist

          • Ralf 12. Juni 2019, 20:57

            Was ist wem nicht zumutbar – dem Arbeitnehmer der Umzug oder den Beitrags-/Steuerzahlern die Alimentation? Ernst gemeinte Frage.

            Die Frage, was zumutbar ist, ist eine faire Frage. Aber unabhängig von der Antwort, lass mich vorneweg sagen, dass es keinen Sinn macht Menschen in Jobs zu zwingen, in die sie nicht wollen. Auf qualitätsträchtigen Jobs, also wie Dein Ingenieur im Daimler-Beispiel, kann kein Arbeitgeber jemanden gebrauchen, der unmotiviert, uninspiriert, uninteressiert ist. Das sieht bei Kik an der Kasse anders aus. Aber dann müssten wir uns nicht darüber unterhalten, ob dem Ingenieur ein anderer Ingenieursjob zumutbar ist, sondern ob dem Ingenieur jeder Job zumutbar ist. Vor dem Schwimmbad fegen. Das Bahnhofsklo putzen. Warum eigentlich bei Prostitution eine Grenze ziehen, wenn jemand, der für sich selber sorgen kann, auch für sich selber sorgen soll?

            Nun zur Frage der Zumutbarkeit. Ein Bekannter von mir hat seinen Job verloren. Seine Familie ist in ziemlich Schwierigkeiten. Seine Frau hat jahrelang Arbeit in ein Projekt gesteckt, sich etwas aufgebaut, verdient aber mehr schlecht als recht. Die Kinder sind am Heimatort verankert, haben all ihre Freunde dort. In das Haus ist unheimlich viel Arbeit und Herzblut geflossen. Am Ort wird der Bekannte wohl keine Arbeit mehr finden. Er müsste wahrscheinlich für Umzüge innerhalb von ganz Deutschland zur Verfügung stehen. Bei seinem Alter vielleicht sogar offen sein dafür das Land zu verlassen. Das würde bedeuten seine Familie zurückzulassen. Oder seine Familie zu entwurzeln. Um dann irgendwo einen wahrscheinlich auch nicht mehr so toll bezahlten kleinen Job anzunehmen. Ist dem Bekannten zuzumuten umzuziehen?

            Auf der anderen Seite gibt es ungebundene, kinderlose Singles, die in Norddeutschland gerade arbeitslos geworden sind. Ist denen ein Umzug nach Stuttgart zuzumuten? Ich denke ja. Aber neun von zehn würden in einer solchen Lage auch sowieso umziehen. Wie Du ja selber sagtest, war auch die Arbeitslosenhilfe kein bequemes Kissen, auf dem man sich ausruhen konnte. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand, der durch eine aufwändige Ausbildung gegangen ist, sich hochgearbeitet hat und ein paar Jahre in einem gut bezahlten Job gearbeitet hat, freiwillig den Rest seines Lebens mit einem Bruchteil dessen leben wollen würde, was er haben könnte, wenn er umzieht. Wenn da im Süden wirklich Top-Jobs sind, dann werden die auch auf natürliche Art und Weise gefüllt werden, ohne dass eine Arbeitsagentur die Peitsche schwingt.

            Tatsächlich ist mit Top-Jobs aber mittlerweile nicht mehr viel los. Heutzutage ist der Großteil neuer Stellen befristet. Leiharbeit greift um sich. Projekte werden outgesourct. Freelancer beuten sich selber aus. Und das sind dann eben nicht die stabilen Top-Jobs, für die jemand sein gewachsenes Umfeld, seine Nachbarn, seine Freunde, seine Familie aufgeben würde und ans andere Ende von Deutschland ziehen würde.

            • Stefan Sasse 13. Juni 2019, 05:31

              Meinem Gefühl nach ist das eine Frage des Typs. Manche Leute sehen nichts dabei, quer durch die Weltgeschichte zu ziehen, um Jobs und Chancen wahrzunehmen. Für andere ist das der totale Alptraum.

              • Ralf 13. Juni 2019, 06:01

                Sicher ist das auch eine Frage des Typs.

                Worum es mir ging, ist dass es aber eben auch unabhängig vom Typ Umstände gibt, die ein Umziehen unzumutbar machen. Kinder, die man nicht nach Belieben urplötzlich aus ihrem Umfeld reißen kann. Ehepartner, die beruflich gebunden sind. Eltern, die alt oder gar pflegebedürftig sind.

                • CitizenK 13. Juni 2019, 06:11

                  Der Typ, der freiwillig umzieht, ist politisch doch kein Thema. Ralfs Kriterien sind menschlich sehr nachvollziehbar. Hier zeigt sich, ob die Marktwirtschaft das Prädikat „sozial“ wieder verdient.

                  • Stefan Pietsch 13. Juni 2019, 07:53

                    Also der Typ, der in einem Alter ist, wo er nur noch bundesweit einen Standardjob bekommt, eventuell auch ins Ausland gehen müsste und betreuungspflichtige Kinder hat, ist doch eher selten anzutreffen.

                    Hier werden gleich zwei Kriterien kreiert und damit dem Leistungsempfänger selbst die Entscheidung überlassen, ob er sich als anspruchsberechtigt sieht. Erstens darf er auch nach Jahren entscheiden, ob eine Stelle zu seinem Anforderungsprofil passt, obwohl man mit ein paar Jahren aus dem Job als „ungelernt“ gilt. Und zweitens, ob die Nähe zum Heimatort noch akzeptabel ist. Im Zweifel entscheidet also ein Transferempfänger, wie viel er von der Solidargemeinschaft zu bekommen hat. Das geht dann leicht in Höhen, die deutlich über dem Wert eines Einfamilienhauses auf dem Land liegen.

                    Kein anderes Land hat so seine Sozialsysteme aufgebaut. Eine solche Konzeption ist schlicht Unsinn.

                    • CitizenK 13. Juni 2019, 08:42

                      Wieder dieser wirtschaftsliberale Tunnelblick.

                      Nicht der Anspruchsberechtigte legt diese fest, sondern es geht darum, politisch (demokratisch legitimiert) Kriterien festzulegen zum Ausgleich zwischen Individual- und Gesamtinteressen. Diese sollten im Gesetz bzw. in den Richtlinien/Handlungsanweisungen der Fallmanager bei der AA stehen.

                      Kriterien wie Ralf sie genannt hat, stehen schon in den Richtlinien bei der Vergabe von Studienplätzen und der Einstellung von Studienreferendaren. Und dann wird abgewogen. Und das ist gut so, weil menschlich.

                    • Stefan Pietsch 13. Juni 2019, 09:16

                      Das haben wir. Härtefallklauseln, lange Zahlungen von Arbeitslosengeld ohne die persönlichen Verhältnisse anpassen zu müssen. Aber die heutigen Regeln dienen auch dem Schutz der Arbeitslosen. Wer nach einem Jahr keinen neuen Job gefunden hat, dessen Chancen verschlechtern sich dramatisch. Das frühere Arbeitslosengeld hat eine Sicherheit suggeriert, die es nie wirklich gab und die Menschen in eine Falle gelockt. Das haben sowohl die Zahlen (Deutschland hatte eine unfassbar hohe Zahl an Langzeitarbeitslosen) als auch Studien zu den Anspruchslöhnen von Arbeitslosen gezeigt. Wer mehr als 12 Monate arbeitslos ist, auf den muss der Druck erhöht werden, soll er nicht dauerhaft zum Sozialfall werden.

                      Jedenfalls, was Ralf vorschlägt, ist genau das: wenn jemand nach seiner persönlichen Einschätzung nicht mehr arbeiten kann, hat er ggf. Ansprüche gegen die Solidargemeinschaft i.H.v. sechsstelligen Beträgen. Der Punkt ist ja auch: siedelt sich irgendwann nach 4-8 Jahren Arbeitslosigkeit ein neues Unternehmen in der Gegend an, wird es kaum auf den Langzeitarbeitslosen zurückgreifen. Da die Qualifikation jahrelang brach lag, gilt er als geringqualifiziert. Sowohl seine Chancen als auch seine Einkommensmöglichkeiten sind stark reduziert.

                      Das ist weder im individuellen, noch im Interesse des Gemeinwohls. D’accor?

                • Stefan Sasse 13. Juni 2019, 12:55

                  Völlige Zustimmung. Ich wollte nur deutlich machen, dass ich auch als Single nicht nach Hamburg ziehen wöllte.

            • R.A. 13. Juni 2019, 08:15

              „Am Ort wird der Bekannte wohl keine Arbeit mehr finden.“
              Und in der Region auch nicht?
              Er ist also in eine Gegend gezogen und hat sich dort fest verwurzelt mit Hausbau etc., in der es exakt nur eine Beschäftigungsmöglichkeit für seine Qualifikation gab?

              Dann bleibt halt die Option des Wochenendpendelns. Nicht schön, aber zumutbar.
              Auf jeden Fall kann er eigentlich nicht erwarten, daß seine Mitmenschen ihn mit seinem Hausbau und dem merkwürdigen Projekt seiner Frau dauerhaft alimentieren.

            • Erwin Gabriel 13. Juni 2019, 09:59

              @ Ralf 12. Juni 2019, 20:57

              … lass mich vorneweg sagen, dass es keinen Sinn macht Menschen in Jobs zu zwingen, in die sie nicht wollen.

              Nein, es macht keinen Sinn, jemanden in einen Job zu zwingen, den er nicht will. Aber das ist wiederum ein persönliches Problem des Betroffenen. Wenn ich aus der Arbeitslosigkeit heraus einen Job angeboten bekomme, den ich beherrsche, der vielleicht sogar meiner Qualifikation und meiner Gehaltsvorstellung entspricht, den ich aber nicht will, ist das einzig und allein mein Problem. Ich kann in solch einem Fall schwerlich erwarten, dass mich die Gesellschaft über das Minimum hinaus unterstützt.

              Auf qualitätsträchtigen Jobs, also wie Dein Ingenieur im Daimler-Beispiel, kann kein Arbeitgeber jemanden gebrauchen, der unmotiviert, uninspiriert, uninteressiert ist.

              Da sollte sich der Arbeitnehmer, der aus der Arbeitslosigkeit heraus diese Chance erhält, wirklich Mühe geben.

              Das sieht bei Kik an der Kasse anders aus. Aber dann müssten wir uns nicht darüber unterhalten, ob dem Ingenieur ein anderer Ingenieursjob zumutbar ist, sondern ob dem Ingenieur jeder Job zumutbar ist. Vor dem Schwimmbad fegen. Das Bahnhofsklo putzen.
              Wenn ein Ingenieur für mehrere Jahre nicht entsprechend tätig ist, wird ein Gutteil der technischen Entwicklung an ihm vorbeigelaufen sein. Auch sind die gesellschaftlichen Veränderungen groß genug, dass er mögliche gelernte Führungsqualitäten nur noch eingeschränkt einsetzen kann (gilt ähnlich für Journalisten, Ärzte etc – ohne ständige Weiterqualifizierung, nur mit seinem ursprünglichen Schulwissen abgehängt). Dann muss er ‚runter‘.

              Ob er Taxi fährt, Burger brät, bei Kik an der Kasse sitzt, vom Bereichsleiter zum Abteilungsleiter oder Teamleader zurückgestuft wird, hängt sicherlich sehr stark von seinem Engagement, seinem Auftreten, seiner eigenen Weiterbildung ab.

              Warum eigentlich bei Prostitution eine Grenze ziehen, wenn jemand, der für sich selber sorgen kann, auch für sich selber sorgen soll?

              Oder Auftragskiller …
              Bleiben wir lieber sachlich

              Nun zur Frage der Zumutbarkeit. Ein Bekannter von mir hat seinen Job verloren. Seine Familie ist in ziemlich Schwierigkeiten. Seine Frau hat jahrelang Arbeit in ein Projekt gesteckt, sich etwas aufgebaut, verdient aber mehr schlecht als recht. Die Kinder sind am Heimatort verankert, haben all ihre Freunde dort. In das Haus ist unheimlich viel Arbeit und Herzblut geflossen.

              Verstehe ich alles, wie auch zuvor das Thema sozialer Abstieg durch niedrigere Arbeiten, Zumutungen durch Veränderungen der Lebenssituation. Es ist und bleibt seine/ihre Entscheidung. Aber wenn ihm das private Umfeld wichtiger ist als die Fähigkeit, sich bzw. die eigene Familie ernähren zu können, ist und bleibt das eine private Entscheidung, für die die Gesellschaft nicht zur Kasse gebeten werden sollte.

              (Zur Einordnung: Ich wurde immer wieder zu Berufs- und Ortswechseln gezwungen; ich bin umgezogen, solange es ging, und als es mir für die Kinder nicht zumutbar schien, fing ich an zu pendeln)

              Ich bezweifle nicht die Dramatik solcher Umstände und Situationen – die kenne ich aus eigener Erfahrung selbst. Ich bezweifle nur die Verantwortung der Gesellschaft, dafür aufzukommen.

              • CitizenK 13. Juni 2019, 13:51

                Für die Dramatik schwieriger Umstände kommt die Gesellschaft auch an anderer Stelle auf, bei Krankheit zum Beispiel. Den Job zu verlieren bei schwierigen Familiären Situationen kann sehr krank machen.

                • Stefan Pietsch 13. Juni 2019, 14:12

                  Arbeitslosigkeit ist keine Krankheit und schon gar nicht auf Dauer. Ich fände es echt toll, wenn einer der linken Streiter für mehr Großzügigkeit in der sozialen Hängematte sich mal mit dem jahrzehntelangem Fakt auseinandersetzen würde, dass in Deutschland selbst in wirtschaftlich prosperierenden Zeiten die Langzeitarbeitslosigkeit spitzenmäßig hoch ist.

                  • Ralf 14. Juni 2019, 04:37

                    Gerne. Das liegt an zwei fatalen Entwicklungen: Globalisierung und Automatisierung.

                    • Stefan Pietsch 14. Juni 2019, 07:30

                      Für Ihre Verhältnisse bei einem Ihrer Lieblingsthemen eine sehr knappe Kommentierung. Das lässt wohl darauf schließen, dass Sie selbst auch keine plausible Erklärung für die Verbindung Ihrer Ansichten mit der Realität haben.

                      Automatisierung gab es, seit der erste Pflug erfunden wurde. Dennoch ist die Langzeitarbeitslosigkeit seit 1500 nicht etwa kontinuierlich gestiegen. Wenn die Globalisierung der Grund wäre, stellte sich die Frage, warum Länder wie Dänemark, Niederlande oder die Schweiz, die weit mehr von der weltweiten Vernetzung „gebeutelt“ wurden, weit weniger Langzeitarbeitslose haben. Ohne Globalisierung wären die Helvetier ein seltsames Bergvolk und nicht eine der reichsten Nationen der Welt.

                      Tatsächlich sind die statistisch feststellbaren Ursachen eher auf Punkte gerichtet, die Sie nicht so mögen. Die typischen Problemfälle der Arbeitsagenturen sind Schulabbrecher, Alleinerziehende und Migranten. Die Debatte hakt an der Stelle, weil alle drei Gruppen zu Ihrem Streichelzoo gehören und deswegen nicht das Problem sein können. Deutschland hat immer noch einen relativ hohen Anteil von Schulabbrechern und solchen ohne weitere Ausbildung. Seit der Wiedervereinigung hat sich der Anteil der Alleinerziehenden verdoppelt, schon immer ein sicherer Garant für Armut und Arbeitslosigkeit. Und Deutschland hat einen ziemlich hohen Anteil integrationsunwilliger Migranten, was sich nicht selten mit der ersten Gruppe schneidet.

                      Es sind diese drei Gruppen, die von jeder Sozialmaßnahme weitgehend betroffen oder begünstigt sind. Umgekehrt ist es gelungen, ältere Erwerbsfähige Stück für Stück aus Hartz-IV zu lösen, offensichtlich ein Erfolg der arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen.

                      Die Wahrheit ist: kein anderer Sozialstaat versucht es mit dem Kanon aus hohen Ersatzleistungen und Verzicht auf Druck. Entweder ein Staat hat besonders hohe Transferleistungen, dann stehen Beschäftigungslose unter einem permanenten Rechtfertigungsdruck. Oder die Leistungen sind ohnehin niedrig, dann sorgt die Einkommenssituation dafür, dem Erwerbslosen existenziellen Druck zu erzeugen. Beides wollen Sie nicht, ergo folgt daraus, Sie wollen Menschen vom Erwerbsleben ausschließen. Doch was die dauerhafte Abstinenz mit solchen macht, können Sie immer wieder im Privatfernsehen betrachten. Das ist die Gesellschaft, die Sie wollen. Hartz-IV hat Erfolge beim Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit gehabt – Erfolge, wie sie die Arbeitsmarktstatistik Jahrzehnte nicht kannte. Ich finde es alles andere als sozial, Menschen ein Leben ohne jede Beschäftigung zu wünschen – so wie Sie es aus politischer Ideologie heraus tun.

                    • Ralf 14. Juni 2019, 16:45

                      Für Ihre Verhältnisse bei einem Ihrer Lieblingsthemen eine sehr knappe Kommentierung. Das lässt wohl darauf schließen, dass Sie selbst auch keine plausible Erklärung für die Verbindung Ihrer Ansichten mit der Realität haben.

                      Eine knappe Kommentierung bedeutet in der Regel, dass die Antwort sehr einfach und so offensichtlich ist, dass es eigentlich keiner vertieften Erklärung bedarf.

                      Die typischen Problemfälle der Arbeitsagenturen sind Schulabbrecher, Alleinerziehende und Migranten.

                      […]

                      Seit der Wiedervereinigung hat sich der Anteil der Alleinerziehenden verdoppelt, schon immer ein sicherer Garant für Armut und Arbeitslosigkeit.

                      Ich empfehle die folgende Lektüre der Bundeszentrale für politische Bildung:

                      http://www.bpb.de/politik/innenpolitik/familienpolitik/246750/erwerbsmuster-armut-und-familienpolitik?p=all

                      Dabei werden einige Punkte klar, die allen Ihren Annahmen fundamental widersprechen.

                      1) Anders als in anderen europäischen Ländern ist die Beschäftigungsquote unter Müttern in Deutschland für Alleinerziehende und für Mütter in Paarbeziehungen gleich. Es ist also mitnichten so, dass sich alleinerziehende Mütter bei uns in die „soziale Hängematte“ (Ihr Begriff, nicht meiner!) legen (siehe Schaubild 1).

                      2) In mehr als drei Viertel der Familien, in denen zwei Menschen in einer Paarbeziehung miteinander leben, gibt es nur einen Partner, der in Vollzeit arbeitet, während der andere Partner entweder in Teilzeit arbeitet (46,4%) oder garnicht erwerbstätig ist (31,0%) (siehe Tabelle 1). Es ist also mitnichten der Fall, dass Menschen in Paarbeziehungen soviel tüchtiger wären, als Alleinerziehende. Sobald das Geld reicht, zieht sich meist einer der beiden Partner aus dem Arbeitsleben teilweise oder vollständig zurück.

                      3) Selbst unter den Alleinerziehenden arbeiten in Deutschland grob ein Drittel in Vollzeit, ein Drittel in Teilzeit und ein Drittel ist erwerbslos bzw. wenn man sich die Zahlen genau anschaut, ist die Zahl der Erwerbslosen im Vergleich zu den anderen Gruppen die geringste (Tabelle 2). Auch aus diesen Zahlen spricht nicht mangelnde Tüchtigkeit oder Lust auf Hängematte.

                      Ein Land, das Sie positiv hervorgehoben hatten, war Dänemark. In der Tat hat Dänemark ein wesentlich geringeres Problem mit Armut unter Alleinerziehenden. Das ist auch leicht erklärt, denn drei Viertel aller dänischen Alleinerziehenden arbeitet in Vollzeit (siehe Tabelle 2). Wie aus dem Text hervorgeht, eine logische Folge der sehr bürgerfreundlich ausgebauten Kinderbetreuung, die solche Zahlen dort möglich macht. Also ein klares Signal an uns, die Kinderbetreuung auszubauen. So Sie denn Dänemark folgen wollen. Ein anderes Land, das Sie positiv hervorgehoben hatten, sind die Niederlande. Aus der Tabelle 2 wird auch klar warum. Dort ist die Zahl der erwerbslosen Alleinerziehenden knapp halb so hoch wie bei uns und dafür arbeiten wesentlich mehr Menschen in dieser Gruppe in Teilzeit (siehe Tabelle 2). Auch hier gibt der Text Aufschluss, weshalb das so ist. Folgendes Zitat fasst es besser zusammen, als ich es sagen könnte: „Teilzeitarbeit wird steuerlich stark gefördert und sozial gut abgesichert. Ermöglicht wird dieses abgesicherte flexible Modell durch ein gut ausgebautes System der Kinderbetreuung, das auf die Bedürfnisse Teilzeitbeschäftigter zugeschnitten ist.„. Also wieder, ganz ähnlich wie mit Dänemark, können Sie hier eine Handlungsanweisung herauslesen. Falls Sie immer noch den Niederlanden nacheifern wollen.

                      Was die Schulabbrecherquoten angeht, da kann man sich hier informieren:

                      https://ec.europa.eu/eurostat/statistics-explained/index.php?title=Archive:Early_leavers_from_education_and_training/de&oldid=372029

                      Kurz zusammengefasst zeigt die Abbildung 1 die Abbrecherraten in diversen europäischen Ländern. Da ist Deutschland mit gegenwärtig etwa 10% nicht glorreich, aber auch nicht furchtbar weit entfernt von Ihren Lieblingsländern Niederlande (ungefähr 8%) und Dänemark (ungefähr 7%). Besser als alle drei ist übrigens Griechenland mit ungefähr 6%. Wie auch immer, stark unterschiedliche Schulabbrecherraten zwischen Deutschland und Niederlande/Dänemark sind sicherlich nicht der Grund für Unterschiede im Armutsrisiko.

                      Umgekehrt ist es gelungen, ältere Erwerbsfähige Stück für Stück aus Hartz-IV zu lösen, offensichtlich ein Erfolg der arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen.

                      Ja, da war man so erfolgreich, dass man die älteren Arbeitslosen aus der Arbeitslosenstatistik genommen hat. Wahrscheinlich sind die Politiker einfach zu bescheiden …

                      Tatsächlich hat sich sehr wenig geändert für die älteren Langzeitarbeitslosen. Zwar arbeiten heute viel mehr Ältere als früher. Das liegt aber nicht daran, dass Überfünfzigjährige vernünftige Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben, sondern daran, dass Frühverrentungsprogramme abgebaut wurden und Firmen, denen die Fachkräfte fehlen, seltener interessiert sind, die Alten freizusetzen. Dazu auch noch in einer Zeit in der die Wirtschaft blüht.

                      Umgekehrt haben diejenigen, die ihren Arbeitsplatz erstmal verloren haben, nur noch miserable Chancen erneut etwas Vernünftiges zu finden. Das war früher so. Und das ist jetzt so. Nachlesen kann man das hier:

                      https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/arbeitslosigkeit-aelterer-mit-50-keine-chance-mehr-gilt-das-immer-noch-a-1129828.html

                      Dass es heute zahlenmäßig wahrscheinlich weniger ältere Arbeitslose gibt als um die Jahrtausendwende, dürfte im übrigen in erster Linie damit zu tun haben, dass diese Menschen nun in Rente sind. Nicht dass mit Hartz IV deren Vermittlung in sozialversicherungspflichtige Jobs geklappt hätte. Und die meisten Betroffenen dürften mangels Beitragszahlungen wohl in der Armutsfalle sein. Ein erheblicher Teil dürfte darüber hinaus bereits gestorben sein. Immerhin wäre jemand, der im Jahr 2002 sechzig Jahre alt war, heute stolze 77.

                    • Stefan Pietsch 14. Juni 2019, 19:19

                      @Ralf

                      Sie haben mich wieder fundamental falsch verstanden. Ich möchte eine faktenbasierte – nicht anhand logischer Ketten, nicht anhand von Anekdoten – Erklärung, warum Deutschlands Arbeitslosigkeit sowohl historisch als auch im internationalen Vergleich rekordniedrig ist, gleichzeitig die Erwerbstätigkeit so hoch wie noch nie in der Geschichte und auf der anderen Seite die Langzeitarbeitslosigkeit – also die größte Schnittmenge zu ALG-2-Empfängern – immer noch einer der höchsten der OECD.

                      Sie werfen etwas ohne Beleg hin und drehen dann den Spieß um, konzentrieren sich darauf mir zu darzulegen, warum meine Erklärungen nicht gelten. Das war nicht die Ausgangsfrage. Sie haben keine Antwort auf meine Frage geliefert.

                      90% der Alleinerziehenden sind arm oder lebend armutsgefährdet. Hier war nicht davon die Rede, sie wären faul. Sie verschwenden Ihre Energie auf das Falsche. In Ihren Zahlen finden Sie selbst die Erklärung. Nur ein Drittel arbeitet Vollzeit. Doch mit Teilzeitbeschäftigung – die kann bei 5 Stunden im Monat liegen – bekommen Sie kein Kind durch, zumal die typische Alleinerziehende 2 Kinder hat. Ohne Partner hat ein Elternteil einen um 12.000€ (so ungefähr) höheren Bedarf, sie muss also Pi mal Daumen ca. 18.000€ vor Steuern gegenüber einem Paar mehr erwirtschaften – als Vollzeitkraft. Das schaffen die wenigsten.

                      Sie behaupten, ältere Arbeitslose seien einfach aus der Statistik getilgt. Falsch, denn es gelten die internationalen Standards der IAB zum Vergleich. Darauf hat die Bundesregierung keinen Einfluss. Sie behaupten auch, die Älteren seien halt in die Rente gerutscht und vergessen, dass es heute mehr Erwerbsfähige im Alter zwischen 50 und 64 gibt als vor 20 Jahren. Es bleibt jedoch der Fakt, dass der Anteil der älteren Menschen unter den Hartz-IV-Empfängern gesunken ist, aus welchen Gründen auch immer.

                      Ich habe mehrere Beispielländer mit unterschiedlichen Strukturen geführt. Der Punkt ist, dass es eine deutsche Besonderheit geben muss, warum hier die Langzeitarbeitslosigkeit trotz bester Bedingungen nicht abnimmt.

                      Der Gag kommt ja zum Schluss. 7% Abbrecherquote sei nicht viel niedriger als 10%. Jetzt fangen Sie auch schon mit der mathematischen Schätzung an. Das sind fast ein Drittel weniger! Ein Drittel ist sehr viel und wesentlich. In Zahlen bedeutet das bezogen auf die Gesamtzahl der Erwerbsfähigen enorm viel. Bei über 50 Millionen Erwerbsfähigen sind das mindestens 1,5 Millionen erwachsene Menschen Unterschied (!) und liefert ebenfalls eine prägnante Erklärung für das, was Sie so laissez faire abtun.

                      Zusammengefasst: Ich möchte keine Annahmen, ich möchte Fakten, die aus Ihrer Sicht relevant sind und den Unterschied ausmachen. Und ich möchte gerne wissen, wo es das Sozialsystem gibt, das Sie begehren. Ich warte seit ich blogge auf Antworten zu diesen Fragen. Scheinbar haben Linke ein Problem mit den Fakten.

                    • Ralf 14. Juni 2019, 21:31

                      Nun, ich habe Ihnen einen Haufen Fakten gepostet. Vielleicht sollten Sie die erst mal zur Kenntnis nehmen. Schließlich geht daraus hervor, dass ein Großteil Ihrer Annahmen falsch ist. Das müssten Sie doch eigentlich interessant finden.

                      Und dann wiederholen Sie das Problem, dass in Deutschland zu viele Alleinerziehende nicht in Vollzeit arbeiten, ohne den eigentlich wichtigeren Teil zu wiederholen, dass wir dann eben die Kinderbetreuung anbieten müssen, die Dänemark auszeichnet, wenn wir genau wie die Dänen auch mehr Alleinerziehende in Vollzeit haben wollen. Oder wir müssen Teilzeitarbeitende besser stellen und fördern, so wie in den Niederlanden, damit Alleinerziehende in Teilzeit vor Armut geschützt sind. Nur so wird es funktionieren. Nicht nur das Problem beschreiben, sondern auch Lösungen anbieten. Insbesondere wenn die Lösungen so gut erprobt sind.

                      Aber Sie hatten ursprünglich nach der Ursache für die hohe Langzeitarbeitslosigkeit gefragt. Und die ultimative Ursache sind eben die Globalisierung und die Automatisierung. Diese beiden Prozesse sind die Grundübel, die unsere Gesellschaft befallen haben. Durch die Globalisierung und die Automatisierung sind schlicht und ergreifend Arbeitsplätze weggefallen, die nicht ersetzt worden sind. Insbesondere Arbeitsplätze für Menschen mit geringer bis mittlerer Qualifikation sind eliminiert worden und die Betroffenen haben kein Potential mehr auf dem verbliebenen Arbeitsmarkt. Ist eben nicht jeder ein extrem anpassungsfähiger, wissbegieriger Lerntyp, der sich flexibel an jede Änderung anpasst. Und das lässt sich auch nicht ändern. Menschen sind keine Roboter, die man nach Belieben umprogrammieren kann, wenn man alte Verhaltensmuster nicht mehr mag.

                      Dazu ist mit Hartz IV ein Armutskreislauf in Gang gesetzt worden. Ein Teufelskreis, der immer nur mehr Armut produziert. Man hat Menschen aus der Mittelschicht abstürzen lassen und diese Menschen haben – das lässt sich in unzähligen Studien zeigen, angefangen mit der Marienthal-Studie – resigniert. Die Menschen in Hartz IV geben die Hoffnung auf, desintegrieren sich aus der Gesellschaft. Kinder, die in den entsprechenden Familien aufwachsen, haben kein Vorbild mehr, das morgens zur Arbeit fährt, sondern ein Vorbild, das ihnen sagt und vorlebt, das es sich nicht lohnt sich im Leben anzustrengen, weil man am Ende ja doch verliert. Wer im Klima der Hoffnungslosigkeit aufwächst, wird wenig überraschend selbst hoffnungslos. Die Schulabbrecher, die Sie nun beklagen, sind das Produkt von Hartz IV. Und Hartz IV ist das Produkt von Massenarbeitslosigkeit. Und die Massenarbeitslosigkeit ist das Produkt von Globalisierung und Automatisierung. So schließt sich der Kreis.

                    • Stefan Pietsch 14. Juni 2019, 23:27

                      Nun, ich habe Ihnen einen Haufen Fakten gepostet.

                      Nein, haben Sie nicht. Sie haben schön herumargumentiert, dass Alleinerziehende doch auch fleißig wären, was die Zahlen hergäben, ohne auf das Problem einzugehen, dass diese überproportional in der Hartz-IV-Statistik zu finden sind. Es ist da erstmal egal, ob wir zu wenig Betreuungseinrichtungen haben (These), wir können keine Erzieherinnen schnitzen. Viele Einrichtungen würden das gern ob des Ausbildungsmülls, der sich heute bewirbt. In Zeiten von extrem hoher Nachfrage werden mehr Bewerber abgelehnt. Weil Sie manche Menschen einfach nicht auf Kinder loslassen können.

                      Jedenfalls löst weder Ihr Vorschlag, den Transfersatz zu erhöhen noch selbst gegen Dauerverweigerer keine Sanktionen zu verhängen, irgendein Problem. Dass in Deutschland Frauen mit Kindern weniger arbeiten, hat viel mit Mentalitäten zu tun, wie Studien immer wieder zeigen. Viele Teilzeitbeschäftigte wollen (!) gar nicht Vollzeit arbeiten.

                      Und die ultimative Ursache sind eben die Globalisierung und die Automatisierung. Diese beiden Prozesse sind die Grundübel, die unsere Gesellschaft befallen haben.

                      Nochmal, vergleichen Sie statt zu wiederholen. Was macht den Unterschied aus? Oder können Sie das nicht?

                    • Rauschi 15. Juni 2019, 11:36

                      Ich möchte eine faktenbasierte – nicht anhand logischer Ketten, nicht anhand von Anekdoten – Erklärung, warum Deutschlands Arbeitslosigkeit sowohl historisch als auch im internationalen Vergleich rekordniedrig ist, gleichzeitig die Erwerbstätigkeit so hoch wie noch nie in der Geschichte und auf der anderen Seite die Langzeitarbeitslosigkeit – also die größte Schnittmenge zu ALG-2-Empfängern – immer noch einer der höchsten der OECD.

                      Da Ralf zahlreiche Quellen angibt, ist es wohl eine Frechheit, von anekdotischen Erklärungen zu schreiben. Er hat, im Gegensatz zu Ihnen, nur Fakten berichtet.
                      Wobei Ihr letzer Satz nicht stimmt, denn
                      1) ist der Satz mit 15,5% nur geringfügig (10%) höher als der EU 28 Schnittvon 14,1%
                      2) Ausserdem sind Italien 20,3% und Griechenland 33,7% neben Litauen und Estland viel weiter vorne, obwohl es dort gar keine Hängematte gibt.
                      Italien:
                      [Einfache Arbeitslosenunterstützung- Um die einfache Arbeitslosenunterstützung ( indennità ordinaria) zu erhalten, müssen Sie mindestens ein Jahr gearbeitet und mindestens zwei Jahre zuvor schon Beitragszahlungen geleistet haben. Die Zahlungen erfolgen maximal 180 Tage (sechs Monate) und beginnen ab dem achten Tag nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses, vorausgesetzt dass der Antrag in den ersten sieben Tagen gestellt wird. Anträge können jedoch auch in den ersten 90 Tagen nach Beendigung der Arbeit noch eingereicht werden. Die Leistungen betragen während der ersten drei Monate etwa 30% Ihres durchschnittlichen Gehalts, können aber eine bestimmte Grenze nicht überschreiten. Diese betrug im Jahr 2002 932,82€.]
                      https://www.justlanded.com/deutsch/Italien/Landesfuehrer/Jobs/Arbeitslosenunterstuetzung
                      Griechenland:
                      [In Griechenland bekommen laut einem Zeitungsbericht 90 Prozent der Arbeitslosen kein Geld mehr vom Staat. In mehr als 350.000 Familien hat niemand einen Job.]
                      https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/griechenland-hunderttausende-familien-ohne-arbeitslosen-geld-a-1126521.html
                      Die OECD interessiert da weniger, denn die EU Länder sind viel sinnvollere Vergleichsländer als einfach nur EU Länder.
                      Quelle: http://www.sozialpolitik-aktuell.de/tl_files/sozialpolitik-aktuell/_Politikfelder/Europa-Internationales/Datensammlung/PDF-Dateien/abbX22.pdf

                      Sie werfen etwas ohne Beleg hin und drehen dann den Spieß um, konzentrieren sich darauf mir zu darzulegen, warum meine Erklärungen nicht gelten. Das war nicht die Ausgangsfrage. Sie haben keine Antwort auf meine Frage geliefert.
                      Ohne Beleg? Was belegen die Quellen denn nach Ihrer Meinung?
                      Die Intention der Ausgangsfrage ist ja schon falsch, da die Aussage, siehe oben, schlicht nicht stimmt.

                      Sie behaupten auch, die Älteren seien halt in die Rente gerutscht und vergessen, dass es heute mehr Erwerbsfähige im Alter zwischen 50 und 64 gibt als vor 20 Jahren.
                      Das hat er erwähnt, ändert aber doch nichts an der Aussage, das die meisten nicht durch Arbeit aus der Hartz Falle raus kommen, hat die Untersuchung
                      https://statistik.arbeitsagentur.de/Statischer-Content/Arbeitsmarktberichte/Personengruppen/generische-Publikationen/Langzeitarbeitslosigkeit.pdf gezeigt
                      Nochmal, vergleichen Sie statt zu wiederholen. Was macht den Unterschied aus? Oder können Sie das nicht?
                      Weil Sie ja ununterbrochen neue Argumente vorbringen und nicht seit mindestens 3 Jahren das Mantra, die Langzeitarbeitlosen benötigten mehr Druck, wiederholen?
                      [Allerdings sind ältere Menschen im rentennahen Alter häufiger als andere Altersgruppen von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen, weil sie deutlich schlechtere Chancen als jüngere haben, aus der Arbeitslosigkeit heraus wieder eine Beschäftigung zu finden. Neben dem Alter ist das Risiko der Langzeitarbeitslosigkeit besonders für diejenigen Menschen hoch, die über (mehrere) sogenannte vermitt-lungshemmende Merkmale verfügen. Dazu können beispielsweise die alleinige Betreuung eines minderjährigen Kindes, eine geringe berufliche Qualifikation, sprachliche Defizite, gesundheitliche Einschränkungen oder ein Migrationshintergrund zählen. Allein geringqualifizierte Personen haben ein doppelt so hohes Risiko langzeitarbeitslos zu werden, wie andere Personengruppen. Auch Menschen aus strukturschwachen Regio-nen, wie etwa Süditalien oder Andalusien, unterliegen besonderen Beschäftigungsrisiken.]
                      http://www.sozialpolitik-aktuell.de/tl_files/sozialpolitik-aktuell/_Politikfelder/Europa-Internationales/Datensammlung/PDF-Dateien/abbX22.pdf
                      Nochmal die Frage, werden die Menschen durch Druck wieder jünger? Oder haben dann weniger Hemmnisse? Oder werden attraktiver für Arbeitgeber durch den Druck?
                      Falls Sie eine der Fragen bejahen, dann bitte mit Begründung.

                    • Ralf 15. Juni 2019, 11:48

                      Nein, haben Sie nicht. Sie haben schön herumargumentiert, dass Alleinerziehende doch auch fleißig wären, was die Zahlen hergäben, ohne auf das Problem einzugehen, dass diese überproportional in der Hartz-IV-Statistik zu finden sind

                      Sie haben von sozialer Hängematte gesprochen. Und versuchen Sie bitte nicht uns weiszumachen, Ihnen wäre nicht bewusst, welche Assoziationen Sie damit wecken. Man muss im Zusammenhang mit „Hängematten“ also fragen, wer sich eigentlich typischerweise in eine solche Hängematte legt? Die Antwort ist einfach: Faulenzer legen sich in Hängematten. Es gibt keinen anderen Grund sich in eine Hängematte zu legen als zum faulenzen. Hängematten sind zum faulenzen gemacht.

                      Wer also sind die Faulenzer? Sie machen drei Hauptgruppen aus, die den Sozialstaat belasten: Alleinerziehende, Migranten und Schulabbrecher. Das sind also Ihre Faulenzer. Und da ist es nicht „herumargumentiert“, sondern sehr konkret zum Thema gesprochen, wenn ich auf Zahlen und Fakten hinweise, die Ihre Argumentation der Unwahrheit überführen.

                      Es ist da erstmal egal, ob wir zu wenig Betreuungseinrichtungen haben (These), wir können keine Erzieherinnen schnitzen.

                      Was zur Frage führt, wie sich die Dänen Erzieherinnen schnitzen. Die scheinen ja irgendwas richtig zu machen, was uns offensichtlich nicht gelingt.

                      Dass in Deutschland Frauen mit Kindern weniger arbeiten, hat viel mit Mentalitäten zu tun, wie Studien immer wieder zeigen. Viele Teilzeitbeschäftigte wollen (!) gar nicht Vollzeit arbeiten.

                      Das glaube ich Ihnen unbesehen. Das zeigt ja auch die Tatsache, dass es noch nicht einmal 15% Doppelverdienerhaushalte gibt, in denen beide Partner in Vollzeit arbeiten (Tabelle 1 unter meinem BPB-Link oben). Aber Ihre Studien müssten dann nach der Frage, ob die Menschen gerne in Teilzeit arbeiten würden, noch eine zweite Frage stellen. Nämlich ob die Menschen gerne in Armut leben würden. Und dann müssten, die Studien diejenigen, die geantwortet haben, dass sie gerne in Teilzeit arbeiten würden und die aber auch geantwortet haben, dass sie nicht in Armut leben wollen fragen, welches der beiden Ziele ihnen wichtiger ist, falls beides zugleich nicht zu haben ist. Wenn die Alternativen also lauten „Teilzeit und Hartz IV“ oder „Vollzeit und anständiges Einkommen“.

                      Kinderlose werden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit „Vollzeit und anständiges Einkommen“ wählen. Und wenn Sie eine gute Kinderbetreuung anbieten können, werden auch Menschen mit Kindern in der übergroßen Mehrheit nicht mehr freiwillig „Teilzeit und Hartz IV“ bzw. „erwerbslos und Hartz IV“ wählen.

                      Und damit sollte dann klar sein, in welche Richtung wir gehen müssen.

                      Nochmal, vergleichen Sie statt zu wiederholen. Was macht den Unterschied aus? Oder können Sie das nicht?

                      Dann vergleiche ich mal. Als 16jähriger habe ich mein Berufspraktikum bei einem großen Chemiekonzern gemacht. Das Leben brummte in der Firma, die größenmäßig praktisch einer Kleinstadt entsprach. Die Straßen waren voller Arbeiter. Manchmal musste man sich durch das Gedränge kämpfen. Auf den Straßen fuhr ein LKW nach dem anderen. In der Kantine stand man oft eine halbe Stunde lang in der Schlange. Manchmal bekam man keinen Sitzplatz mehr, weil einfach zu viele Menschen um die wenigen Sitzgelegenheiten kämpften. 10 Jahre später war ich im Rahmen eines Nebenjobs in dem selben Betrieb. Die Straßen waren leer. Nur hin und wieder kam einmal ein Mensch vorbei. Der Pförtner langweilte sich am Eingang. Kaum ein Auto, kaum ein LKW in Sicht. Viele Gebäude standen leer. Das Gelände hatte das Flair einer Geisterstadt.

                      Was also ist passiert in diesen 10 Jahren? Das ist mein Vergleich. Haben wir in diesen 10 Jahren einen massiven Anstieg an Alleinerziehenden, Migranten und Schulabbrechern gesehen, deren Schuld es ist, dass die Straßen im Betrieb jetzt leer sind? Was ist die Ursache für den Niedergang? Die Antwort ist Globalisierung und Automatisierung.

                      Und jetzt nochmal zu Ihrer Frage, was den Unterschied ausmacht. Wieso haben wir so viele Schulabbrecher und Alleinerziehende in Armut?

                      Gehen wir zuerst zu den Alleinerziehenden. Unser Versagen hier ist unser mangelndes Angebot an die, die gerne Vollzeit arbeiten würden sowie an die, die gerne Teilzeit arbeiten würden. In den Niederlanden ist praktisch die Hälfte der Alleinerziehenden in Teilzeit, während die Armutsquote in dieser Gruppe nur etwa halb so hoch ist wie bei uns. Weil das System eben so ausgerichtet ist, dass es Alleinerziehende in Teilzeit fördert und unterstützt. Unser System ist anders ausgerichtet und Alleinerziehende in Teilzeit fallen folglich ungefähr doppelt so oft in die Armut als in den Niederlanden. In Dänemark hingegen sind drei Viertel der Alleinerziehenden in Vollzeitbeschäftigung. Solche Zahlen können Sie nur erreichen, wenn Sie eine breite, effiziente, bezahlbare Kinderbetreuung landesweit anbieten können. Dänemark scheint das zu können. Deutschland nicht. Da ist Ihr Vergleich.Wenn Sie weniger Alleinerziehende in Hartz IV haben wollen, dann bauen Sie die Kinderbetreuung aus und richten Sie das Steuersystem so aus, dass die Mehrheit der Menschen in Teilzeit von ihrem Einkommen ordentlich leben kann.

                      Am allerwenigsten habe ich Verständnis für Ihre Klagen über Schulabbrecher. Die sind das ziemlich direkte Produkt der Reformen, die Sie laut beklatscht und applaudiert haben. Diese Reformen haben ein Milieu aus Armut und Hoffnungslosigkeit geschaffen, aus dem nun Arme und Hoffnungslose hervorgehen. Er sind die Reformen, die Sie bejubelt haben, die diese jungen Menschen kaputt gemacht und ihnen die Zukunft geraubt haben. Aufstieg aus den Armutsmilieus ist außer in seltenen Ausnahmefällen (oder in irgendwelchen Theoriekonstrukten) praktisch nicht realisierbar. Das zeigen auch die Studien ganz klar. Armut ist erblich. Hoffnungslosigkeit ist erblich. Resignation ist erblich. Und so ist auch klar, was wir tun müssen, wenn wir wirklich in Zukunft weniger Schulabbrecher haben wollen. Wir müssen dafür sorgen, dass Menschen in Zukunft nicht mehr aus der Mittelschicht in diese Milieus abrutschen können.

                      Sie sehen, wenn Menschen in einem System versagen, müssen entweder die Menschen schuld sein oder das System muss schuld sein. Wenn die Menschen schuld sind, dann passt Ihr „Hängematten-Vergleich“. Dann sind die Menschen Faulenzer. Aber dem widersprechen die Zahlen. Also kann nur das System schuld sein. Deutschland ist strukturell so ausgerichtet, dass es die Probleme produziert, die Sie beklagen. Andere Länder haben die Nase vorn, z.B. was die Armutsvermeidung bei Alleinerziehenden angeht. Zeit dass wir von deren Erfolgen lernen.

                    • Stefan Pietsch 15. Juni 2019, 18:48

                      Ich möchte bei diesem Thema nicht aus dem Auge verlieren, worum es geht, denn die Fragen bleiben für mich unbeantwortet.

                      Zur Klarstellung vorneweg: Sie schneiden aus zwei Kommentaren etwas zusammen und stellen es wie eine Aussage dar. Das verfälscht mein Anliegen: Ich fände es echt toll, wenn einer der linken Streiter für mehr Großzügigkeit in der sozialen Hängematte sich mal mit dem jahrzehntelangem Fakt auseinandersetzen würde, dass in Deutschland selbst in wirtschaftlich prosperierenden Zeiten die Langzeitarbeitslosigkeit spitzenmäßig hoch ist.

                      Ich meine damit nicht, dass Sozialleistungsempfänger generell faul seien. Es richtet sich gegen politische Forderungen, es im sozialen Netz bequem zu machen, nämlich hohe Transfers zu gewähren und keinen sozialen Druck auszuüben. Und trotz mehrfacher Aufforderung bleiben Sie die Antwort schuldig, wo Ihr Wunschmodell gegeben ist. Fair wäre, entweder Beispiele zu nennen oder zuzugeben: das gibt es nicht.

                      Ich bin nicht der Überzeugung, dass eine Charaktereigenschaft wie Faulheit mit Einkommen oder Bildung korreliert. Ich habe auch nie geschrieben noch irgendwo behauptet, Sozialleistungsempfänger seien faul. Es wäre für jede Debatte also nützlich, hätten Sie das im Hinterkopf und benötigten keine Klarstellung. Sie arbeiten sich an Dingen ab, die kein Streitpunkt zwischen uns darstellen, und das ziemlich breit. Umgekehrt ignorieren Sie die Bereiche, wo wir tatsächlich sehr streiten könnten.

                      Auf meine einfache Frage, warum in Deutschland die Langzeitarbeitslosigkeit besonders hoch ist, hatten Sie eine laxe Antwort: Globalisierung und Automatisierung. Das müsste jetzt Ihre Storyline sein. Konsequenterweise müssten Sie jetzt aufzeigen, wo Deutschland von beidem weit stärker gebeutelt ist als alle anderen Länder. Doch Sie brechen ab.

                      Stattdessen arbeiten Sie sich an den Schwerpunkten ab, die ich – weil Sie wenig lieferten – gebracht habe. Wir haben keinen Streitpunkt, dass ein weiterer Ausbau der vorschulischen Einrichtungen Alleinerziehenden helfen würde. Doch uns mangelt es an Kapazitäten. So ziemlich jeder Bereich, der auf qualifiziertes Personal angewiesen ist, klagt inzwischen über personelle Engpässe. Wir könnten beim Wechsel oder besser Ausgebildeten höhere Gehälter anbieten, alles kein Dissens. Doch tatsächlich haben der Staat als Hauptarbeitgeber und Gewerkschaft nicht mehr zu bieten als Tariferhöhungen. Die Bezahlung von Erzieherinnen unterscheidet sich allein bezüglich Ausbildung und Alter. Es ist lebensfremd, von einer solchen Leistungsuniformität auszugehen. Doch alle Beteiligten verweigern leistungsgerechte Entgelte z.B. durch Tarifzulagen oder Boni. Das demotiviert die Guten und gibt keine Anreize für Talente. Es ist ein Witz staatlicher, sich sozial nennender Einrichtungen, dass es keinen Unterschied in der Bezahlung macht, ob eine Erzieherin von Eltern geschätzt und von Kindern gesucht wird.

                      Nur, wollen Sie damit sagen, dass höhere Hartz-IV-Leistungen die Situation verbessern? Das ist doch einigermaßen absurd. Dann verlieren Sie sich, was Studien eigentlich an Motivforschung betreiben müssten. Das hilft nur auch an keiner Stelle weiter, insbesondere, wenn Sie auf die Überschrift schauen – Sie erinnern sich? Und wenn Sie sich schon aufhalten, so schauen Sie leider nicht, wie eigentlich Alleinerziehende den erhöhten Mittelbedarf gegenüber einem Paarhaushalt erwirtschaften sollen. Ist das für Sie ein so nachrangiges Argument?

                      Sie fragen nach dem Vergleich Deutschland Niederlande. Warum kommen Sie nicht auf das Einfachste, die Abgabenbelastung? Während jemand im unteren Einkommensbereich in Deutschland bereits mit 45% belastet ist, sind es in der Niederlanden 15%-Punkte weniger! Ein Niedrigverdiener mit 20.000€ Jahreseinkommen darf also bei unseren Nachbarn 3.000€ mehr behalten. Da kann auch eine Alleinerziehende besser über die Runden kommen.

                      Dann driften Sie weiter ab ins Anekdotenhafte. Auch das hilft uns hier kein Stück. Die Fabrikhallen sind heute leer aber es sind so viele Menschen wie noch nie erwerbstätig. Das macht die Menschen nicht zu Hartz-IV-Empfängern. Zum Schluss kippen Sie völlig ins Philosophische ab, bar den Fakten. Deutschland konnte tatsächlich kontinuierlich seine Abbrecherquoten verringern, nur sind andere besser. Ich las mal, dass Deutschland mit so 7% ohne weiterführenden Abschluss weitgehend den Boden erreicht haben könnte. Ich kann das nicht beurteilen.

                      Es ist an der Stelle schon erstaunlich: Sie wollen der Menschheit regulativ weitgehend das Reisen verbieten, kommen aber nicht auf die Idee einer Verpflichtung für jeden jungen Menschen, einen Abschluss vorzulegen. Warum nicht? CO2-Emissionen mögen schlecht sein, doch jeder Mensch ohne Ausbildung verursacht den Gesellschaften Kosten im hohen sechsstelligen Bereich und stempelt sie zu Versagern. Hier ist doch viel mehr Reglementierung angesagt als wo Menschen wirklich selbst entscheiden können, ob sich Mobilität lohnt.

                      Finden Sie also, dass Sie nur ansatzweise eine Erklärung geliefert haben, warum in Deutschland die Langzeitarbeitslosigkeit höher ist als in den Niederlanden, Dänemark, der Schweiz und vielen anderen Staaten, obwohl die Gesamtarbeitslosigkeit niedriger ist? Ganz zu schweigen davon, dass Sie sich aus meiner Sicht kein bisschen an Ihre eigene Storyline von der Automatisierung und Globalisierung gehalten haben. Wollen wir es nochmal versuchen oder geben Sie auf? 😉

                    • Ralf 15. Juni 2019, 22:51

                      Während jemand im unteren Einkommensbereich in Deutschland bereits mit 45% belastet ist, sind es in der Niederlanden 15%-Punkte weniger! Ein Niedrigverdiener mit 20.000€ Jahreseinkommen darf also bei unseren Nachbarn 3.000€ mehr behalten.

                      Niemand im unteren Einkommensbereich wird mit 45% belastet.

                      Aber ich stehe brüderlich an Ihrer Seite, wenn Sie die Steuern im unteren Einkommenssegment senken wollen und wir die Steuern im oberen Segment dafür kompensierend erhöhen. Das könnte vielen Alleinerziehenden in der Tat ermöglichen sich mit einer Teilzeitbeschäftigung aus der Armutsfalle zu befreien und wäre auch für jene in Hartz IV Ansporn sich eine Arbeit zu suchen.

                    • Stefan Pietsch 16. Juni 2019, 08:22

                      Wieso ausgleichen?!? Das tun andere Länder auch nicht. Sie können sich nicht einzelne Punkte aus einem System herauspicken, gefällt mir, und tragende Teile ignorieren. Cherry Picking nennt man das doch im Angelsächsischen. Und Sie wissen ja, welches Ansehen solche Leute genießen… 😉

                    • Rauschi 16. Juni 2019, 08:45

                      Ich fände es echt toll, wenn einer der linken Streiter für mehr Großzügigkeit in der sozialen Hängematte sich mal mit dem jahrzehntelangem Fakt auseinandersetzen würde, dass in Deutschland selbst in wirtschaftlich prosperierenden Zeiten die Langzeitarbeitslosigkeit spitzenmäßig hoch ist.
                      Stmmmt einfach nicht, ist schlicht falsch, wie hier belegt. Die zahlen mit höheren Werten haben gar keine Hängematte, wie erklären Sie das?
                      siehe hier:
                      http://www.deliberationdaily.de/2019/06/mitch-mcconnell-schreibt-reportagen-beim-spiegel-ueber-den-niedergang-der-spd-in-der-steinzeit-vermischtes-07-06-2019/#comment-80629

                    • Ralf 16. Juni 2019, 11:34

                      Wieso ausgleichen?!? Das tun andere Länder auch nicht. Sie können sich nicht einzelne Punkte aus einem System herauspicken

                      Naja, ich nehme den Smiley, den Sie an’s Ende Ihres Posts gesetzt haben, mal als Eingeständnis, dass Ihnen selber klar ist, dass Sie hier kein sinnvolles Argument formuliert haben. Niedrige Steuern für Wohlhabende sind im übrigen kein tragendes Teil eines gesellschaftlichen Systems. Sie sind es nicht, waren es nicht und werden es nie sein. Das wird schon dadurch demonstriert, dass diese Steuern in der Vergangenheit dramatisch viel höher waren und die entsprechenden Gesellschaften nicht etwa zusammengebrochen sind, sondern die Blütezeit ihres Lebens hatten.

                    • Stefan Pietsch 16. Juni 2019, 13:24

                      Der Smiley hat bei mir mehrere Bedeutungen. Neben der klassischen, humoristischen soll es signalisieren, dass jemand mir ob einer prägnanten Formulierung oder Zuspitzung nicht böse sein soll. Ich diskutiere (und opfere Zeit) mit Menschen, die ich schätze. Es spielt keine Rolle, welche Meinung derjenige hat. Und Ihre ist ja des Öfteren ziemlich schräg. 🙂

                      Sie argumentieren oft, eine Gesellschaft müsse zusammen gehalten werden. Erstaunlicherweise bemühen Sie das Argument aber nur „nach unten“. Wenn die LINKE*) sich sorgt, dass man es nicht zulassen dürfe, das jemand mit Vollzeit nicht von seiner Arbeit leben könne, dann gilt das Argument der Integration und des Respekts vor der Leistung doch auch für die 400.000 am anderen Ende der Skala. Denn um gerade 400.000 Aufstocker ging es zentral bei der Argumentation für den Mindestlohn bis 2014. Das bedeutet, die politischen Angebote für die oberen 1% der Gesellschaft dürfen sich nicht darin erschöpfen, sie besonders zu schröpfen. Sondern ihnen steuerliche Verhältnisse zu bieten, die sie weder von dem Großteil der Gesellschaft noch im internationalen Vergleich übermäßig abkoppeln.

                      Ich denke, diesen Aspekt haben Sie zu wenig im Blick. 😉

                      *) Ihre bisher bevorzugte Partei. Ich habe jedoch das Gefühl, dies würde inzwischen in Richtung der Grünen kippen.

                  • Rauschi 14. Juni 2019, 05:08

                    Wir haben also eine Hängematte?
                    Bei der Bennung ist ja klar, was für Sie die Ursache ist.
                    Worüber wollen Sie dann noch diskutieren?
                    Alles eine Frage des Menschenbildes.
                    Wie allerdings die hohe Langzeitarbeitslosigkeit und der „Fachkräftemangel“ zusammen passen, ist mir schleierhaft. Jetzt sollen sogar nicht EU Bürger kommen dürfen, um einfache Jobs zu übernehmen. Weil die EU Bürger wegen der Verhältnisse hier nicht mehr so gerne nach Deutschland kommen. Migration über den Arbeitsmarkthebel, super Idee.
                    Als könnten die Arbeitslosen nicht qualifiziert werden, wenn das gewollt wäre. Da gab es aber mehr als einen Fall, das nicht mal die Ausbildung zur Alternpflegerin von der ARGE übernommen wurde, dabei ist das auf jeden Fall ein Beruf mit Zukunft.
                    Ein gewisses Mass an Arbeitslosen ist gewollt, bei Vollbeschäftigung hätten die Arbeitnehmer ja zuviel Verhandlungsmacht.

                    • CitizenK 14. Juni 2019, 06:50

                      Mag sein, aber der DGB hat Interesse an Verhandlungsmacht, hat der Agenda aber zugestimmt und damals den Mindestlohn verhindert.

                    • Stefan Sasse 15. Juni 2019, 05:39

                      Größte Fehleinschätzung, die sich der Laden je geleistet hat. Das haben die inzwischen ja auch eingesehen.

                    • Erwin Gabriel 14. Juni 2019, 11:37

                      @ Rauschi 14. Juni 2019, 05:08

                      Wir haben also eine Hängematte?

                      Zum Teil, durchaus.

                    • Rauschi 14. Juni 2019, 14:18

                      @Erwin Gabriel
                      Zu welchem?
                      Da ganz viele Aussagen von Herrn Pietsch in Bezug auf Ausbildung nicht stimmen, einfach mal hier nachlesen.
                      https://statistik.arbeitsagentur.de/Statischer-Content/Arbeitsmarktberichte/Personengruppen/generische-Publikationen/Langzeitarbeitslosigkeit.pdf
                      Bei den meisten ist es schlicht das Alter (über 55) oder keine Ausbildung (Helfer)
                      [Von den 1,34Millionen Abgängenaus Langzeitarbeitslosig-keit nahmen 172.000 (13Prozent) eine Beschäftigung auf dem 1.Arbeitsmarkt (einschließlichSelbständigkeit)auf, 10.000mündeten in eine beruflichen Ausbildungein, 48.000 (4Prozent) nahmen eine Beschäftigung am 2.Ar-beitsmarktauf, 245.000 (18Prozent) trateneine sonstige Maßnahmeanund 825.000 (62Prozent)gingen in Nichter-werbstätigkeit(z.B. Rente oder Krankheit)bzw. Sonstiges ab…
                      An diesen Strukturen der Abgänge wird vor allem deutlich, dass Langzeitarbeitslosigkeit nur in vergleichsweise weni-gen Fällen durchArbeitsaufnahme beendet wird. Während bei allen Arbeitslosen in gut jedem vierten Fall die Arbeits-aufnahme (1. Arbeitsmarkt bzw. Selbständigkeit) der Grund für das Ende der Arbeitslosigkeit ist, ist es bei Langzeitarbeitslosen nur in gut jedem achten Fall der Grund ]

                      Was mich immer brennend interessiert:
                      Wie viel Druck soll es denn bitte noch sein, reichen 100% Kürzung nicht?
                      Haben die durch den Druck dann eine gewünschte Ausbildung? Erhöhen sich die Chancen auf Arbeitdurch den Druck?
                      Sinken die Anforderungen der Arbeitgeber durch den Druck?
                      Werden die jünger durch den Druck?
                      Warum eigentlich kommen keine EU Bürger mehr hierher? Wenn doch alles so rosig ist und die Fachkräfte so gesucht sind. Was sich aber nie in den Gehältern wieder findet.
                      Ich halte die These für ziemlichen daneben, gehört aber zu einem gewissen Menschenbild wohl dazu.
                      Tragisch, für unser Gesellschaft tragisch, das dieses so stark verbreitet ist.

                    • Erwin Gabriel 15. Juni 2019, 19:17

                      @ Rauschi 14. Juni 2019, 14:18

                      [Soziale Hängematte? Zum Teil ja]

                      Zu welchem?

                      Andersherum gefragt: Sind Sie der Meinung, dass ALLE ausbezahlten Sozialleistungen JEDEN der Empfänger in VOLLER Höhe zu Recht erreichen?

                      Bei den meisten ist es schlicht das Alter (über 55) oder keine Ausbildung (Helfer)

                      Nun gut; ich habe mit 50 meinen Job verloren, mich in Selbstständigkeit versucht, es nicht mit ausreichendem Erfolg geschafft, und mich im Alter von 55 Jahren wieder beworben – von Hamburg aus nach Gütersloh, Hagen, München, Stuttgart (es wurde dann Gütersloh). Und ich bin eher unauffällig – kein hyperintelligenter cool-eloquenter Adonis, bei dem jeder HR-Manager in Ohnmacht fällt. Aber, zugegeben, ich bin auch kein Dachdecker oder Stahlarbeiter.

                      Ausbildung und Wissen halte ich für die deutlich wichtigeren Kriterien. Aber hier hat jeder ein gerüttelt Maß an Eigenverantwortung, sich auf dem Laufenden zu halten. Selbst in meiner angestellten Position muss ich mich weiterbilden, weil das Unternehmen von mir erwartet, dass ich mich halbwegs auf dem Stand der Technik bewege. Um wieviel mehr bin ich als Arbeitsloser (nur zum Lästern: mit viel Zeit) verpflichtet, mich weiterzubilden?

                      Verstehen Sie mich bitte nicht falsch: Ich verstehe die Schwierigkeiten, die viele haben, die Beschränkungen, denen sie unterliegen, auch viele Ungerechtigkeiten des Systems.

                      Aber ich lese von Ihnen nie, dass ein Arbeitsloser eine Eigenverantwortung hat, sich selbst weiterzuentwickeln. Ihre Aussagen lesen sich (leicht übertrieben formuliert) stets so, als sei ein ungerechtes System am Werk, dass all die schuldlos arbeitslos Gewordenen absichtsvoll benachteiligt und in ihr elendes Schicksal zurückstupst. Und das widerspricht meiner Lebenserfahrung.

                    • Erwin Gabriel 15. Juni 2019, 19:26

                      @ Rauschi 14. Juni 2019, 05:08

                      Ein gewisses Mass an Arbeitslosen ist gewollt, bei Vollbeschäftigung hätten die Arbeitnehmer ja zuviel Verhandlungsmacht.

                      Bei allem Respekt – diese Sicht ist weltfremd. Sie werden keinen Arbeitgeber finden, der Personal braucht und einen Bewerber nicht einstellt, damit die ‚Verhandlungsmacht‘ nicht zu groß wird.

                      Es gibt einen erheblichen Fachkräftemangel. In der Bauindustrie ist fast jedes dritte Unternehmen von Abwerbe-Versuchen betroffen. In solchen Fällen verdient der umgeworbene Kollege immer ein gutes Stück mehr als zuvor (unabhägig davon, ob nun der neue oder der alte Chef das höhere Gehalt zahlen).

                    • Rauschi 16. Juni 2019, 08:41

                      Andersherum gefragt: Sind Sie der Meinung, dass ALLE ausbezahlten Sozialleistungen JEDEN der Empfänger in VOLLER Höhe zu Recht erreichen?

                      Och habe schon des öfteren geschrieben, das das überhaupt kein Kriterium sein darf, das es gibt in jedem System Missbrauch.
                      Das sind im Schnitt 3%, das solle unser Gesellschaft aushalten können und nciht die 97%, die ehrlich sind, so brachial behandeln (mögliche 100% Kürzung der Bezüge).

                      Aber ich lese von Ihnen nie, dass ein Arbeitsloser eine Eigenverantwortung hat, sich selbst weiterzuentwickeln.
                      Selbst, wenn das möglich wäre (vom Hartz Satz ist das schicht unmöglich), was würde es nützen? Stehen dann weniger Jahre ohne Arbeit im Lebenlauf? Ich hatte gschrieben, das ich es unverständlich finde, das die ARGE eine Ausbildung nicht bezahlt, was ist das für Sie? Ist jemand, der einen Beruf richtig gelernt hat nicht immer einem vorzusziehen, der sich nur weiter gebildet hat?
                      Wenn es an der Ausbildung liegen sollte, woher kommen die Zahlen der über 55jährigen?

                    • Rauschi 16. Juni 2019, 08:53

                      Bei allem Respekt – diese Sicht ist weltfremd. Sie werden keinen Arbeitgeber finden, der Personal braucht und einen Bewerber nicht einstellt, damit die ‚Verhandlungsmacht‘ nicht zu groß wird.
                      Ach so, es gibt keine Interessenvertretung der Arbeitgeber (BDI etc,)? Das muss jeder kleine Unternehmer selbst verhandeln?
                      Es gibt einen erheblichen Fachkräftemangel.
                      Wenn es einen Fachkräftemangel geben würde(konjunktiv), dann würden
                      1) die Löhne steigen (auch derjenigen, die noch nicht abgeworben wurden, damit die nicht abgeworben werden können) und
                      2) auch Arbeitlose über 55 wieder angestellt, weil die sicher Fachwissen haben.
                      Handwerker werden seit Jahrzenten schlecht bezahlt, wundert sich jemand, das weniger junge Menschen das erlernen wollen?
                      Was bei Ihnen auffällt, es sind immer persönliche Gründe, die Sie vorbringen. Nie liegt es an der Politik oder am System, wenn etwas schief läuft.
                      (Naja, bis auf das Migrationsthema)

                      Was ist denn Ihre Theorie, warum es zu den beiden Punkten nicht kommt? Zufall?

                  • CitizenK 14. Juni 2019, 17:33

                    „….wenn einer der linken Streiter für mehr Großzügigkeit in der sozialen Hängematte….“

                    Ich fühle mich gemeint und erzähle die Geschichte von Frau O., die ich eine Zeitlang durch den Bürokratie-Dschungel von Hartz4 gelotst habe. Ich Stichworten: Russlanddeutsche, passable Sprachkenntnisse, aber mangels (anerkannter) Ausbildung Putzkraft in einer Klinik. Sparmaßnahme – halbe Kolonne entlassen. Statt auf der Lohnliste der Klinik in der der ARGE – und in der AL-Statistik. Keine Chance auf einen Job – und öfter krank.

                    Die Krankenzimmer jetzt flüchtiger geputzt, die Putzkräfte wegen Überlastung wahrscheinlich auch bald ausgemustert und nicht mehr arbeitsfähig. Super effizient. Vielleicht halten die genannten anderen Länder die Leute im Job – und kriegen dafür sogar eine Leistung.

                    • Stefan Pietsch 14. Juni 2019, 19:38

                      Ich drücke mich anscheinend wirklich unverständlich aus. Ich möchte wissen, was den Unterschied im internationalen Kontext ausmacht.

                      Vielleicht haben wir einfach die falschen Migranten aufgenommen? Jedenfalls bin ich in dieser Frage kein bisschen an Anekdoten interessiert, sondern allein an Fakten und Benchmarks. Anscheinend ist die harte Klarstellung notwendig.

                    • CitizenK 14. Juni 2019, 21:36

                      Ihre Kritik am Massentourismus und am Qualitätsverlust (Venedig, Louvre) teile ich. Die Knappheit müsse „mit einem Preis versehen“ werden, kann man diskutieren. Man könnte aber auch über Losverfahren oder Kontingente (Ralf) nachdenken.

                      Sie scheuen aber (wie der berühmte Teufel das Weihwasser) das Eingeständnis, dass „der Markt“ das nicht geregelt kriegt – und das Problem eben durch hoheitliche Eingriffe geregelt werden müsste.

                      Wenn Sie wirklich an Fakten interessiert sind, dann besorgen Sie sich die Personalschlüssel in dänischen, niederländischen und finnischen Kliniken, Kindergärten, Schulen und anderen Sozialeinrichtungen.

                      Dass Klinikzimmer nicht mehr so sauber sind wie früher, weiß ich aus eigener Erfahrung. Die Standards werden gesenkt um betriebswirtschaftlich Kosten zu sparen und Kosten der Allgemeinheit in Form von Arbeitslosigkeit aufzubürden – und den Betroffenen und ihren Familien viel Leid zuzufügen. Das gilt für einfache Tätigkeiten. Um einen Briefkasten zu finden, muss ich mittlerweile meilenweit laufen. Sonntagsleerung gibt es in meiner Großstadt an einer (!) Stelle. Leistungen bei der Abfallentsorgung werden gestrichen, die Gebühren aber nicht gesenkt. Als ich Kind war, kam der Arzt nach Hause – heute schleppen die Eltern fiebrige Kinder in überfüllte Wartezimmer. Uns geht es gut?

                    • Stefan Pietsch 14. Juni 2019, 23:18

                      Man könnte aber auch über Losverfahren oder Kontingente (Ralf) nachdenken.

                      Wieso?!? Wir zahlen, was uns etwas wert ist. Ein großes Problem des Massentourismus ist, dass zu viele zu zu niedrigen Preisen reisen wollen. Muss es der Junggesellentruppe ernsthaft ermöglicht werden, ihre Veranstaltung in Barcelona zu machen, obwohl sie allein an F&S interessiert sind? Ich kenne Kreuzfahrtpassagiere, die können Sie nach Rom (!) bringen, die erwägen ernsthaft an Bord zu bleiben weil das Essen da üppig ist. Muss man solche Menschen zu Discountpreisen an die Ewige Stadt schippern?

                      Wenn Sie allein diesen Teil der Reisenden exkludieren – diejenigen, die kein echtes Interesse haben – haben Sie genügend Kapazitäten für den Rest. Das ist das Problem und es ist an der Zeit, auch auf linker Seite der Politik echtes Problembewusstsein zu entwickeln als Ideologien zu folgen.

                      Wenn Sie wirklich an Fakten interessiert sind, dann besorgen Sie sich die Personalschlüssel

                      Was für ein Unsinn! Sie wollen verkaufen, dass wir einen hohen Anteil Langzeitarbeitslose haben, weil der Personalschlüssel in Pflegestationen nicht passt?! Wir reden hier von 2-3 Millionen Menschen, selbst bei großzügiger Auslegung fehlen in Pflegeberufen gerade ein Bruchteil davon. Und mit Sicherheit (!) wollen Sie von den meisten Langzeitarbeitslosen keine Minute gepflegt werden.

                      Nochmal: nach Jahren des Wartens erwarte ich bei der Erklärung des Phänomens Langzeitarbeitslosigkeit auch von linker Seite mehr als Anekdoten und kleinkalibrige Argumente.

                    • Rauschi 15. Juni 2019, 11:44

                      Nochmal: nach Jahren des Wartens erwarte ich bei der Erklärung des Phänomens Langzeitarbeitslosigkeit auch von linker Seite mehr als Anekdoten und kleinkalibrige Argumente.
                      Ein andere als Ihre, die Hängematte wäre zu bequem? Die nicht stimmt, siehe oben? Was liegt ihnen besonders an dieser Gruppe, wir haben eine rekordniedrige Arbeitslosigkeit und angeblich Fachkräftemangel.
                      Was sollte mich eine Gruppe wie die LA interessieren, die zu dem oben genannten Problem (Fachkräfte) keine Lösung .
                      beitragen?
                      Haben Sie eine Lösung anzubieten? Ich wäre ja für verhungern lassen, spart doppelt. Mit den 100% Sanktionen sind wir auf dem besten Weg dahin.

                    • Ralf 15. Juni 2019, 16:44

                      Wir reden hier von 2-3 Millionen Menschen, selbst bei großzügiger Auslegung fehlen in Pflegeberufen gerade ein Bruchteil davon. Und mit Sicherheit (!) wollen Sie von den meisten Langzeitarbeitslosen keine Minute gepflegt werden.

                      Es ist richtig, dass ich von einem Großteil unserer Langzeitarbeitslosen keine Minute gepflegt werden will. Allerdings stellen sich da dann zwei dringende Fragen:

                      Erstens, warum wollen Sie diese Menschen dann unbedingt mit Hartz IV und Arbeitszwang in Jobs prügeln, obwohl Sie ja selber sagen, dass deren Arbeitsqualität und -moral katastrophal sein wird und jeder Kunde, der bei Sinnen ist, einen Riesenbogen um diese Klientel machen wird?

                      Und zweitens, wie sind diese Menschen eigentlich so nutzlos geworden? Ein typischer Bürger der Mittelschicht hat etwas zu verlieren, hat Status, Prestige, Ansehen. Stolz präsentiert man sich im gut geschnittenen Anzug, prahlt mit der Fernreise oder paradiert den erst halbabbezahlten BMW durch die Straße. Die Augen eines typischen Bürgers der Mittelschicht sind nach oben gerichtet. Ein höheres Gehalt, ein besseres Auto, eine größere Wohnung werden angestrebt. Die größte Sorge eines typischen Bürgers der Mittelschicht ist, dass es die eigenen Kinder später mal nicht besser haben könnten. Deshalb betreiben bürgerliche Eltern eifrig die Aufnahme des Nachwuchses ins Gymnasiums, kontrollieren Hausaufgaben, bestürmen Lehrer, wenn die Noten am Ende des Schuljahres nicht stimmen. Manchmal mit Anwalt im Schlepptau.

                      Demgegenüber haben Sie den Hartz IV-Empfänger, von dem Sie nicht gepflegt werden wollen. Derjenige, der den ganzen Tag auf der Couch sitzt und trinkt. Der sich nicht mehr wäscht. Dem egal ist, ob seine Kinder in die Schule gehen, ob sie Hausaufgaben machen, ob sie im Unterricht noch mitkommen. Dessen Kinder die Schulabbrecher sind, die Sie weiter oben beklagen. Der raucht und sich ungesund ernährt und dessen Kinder bereits in jungen Jahren übergewichtig sind. Der sich resigniert ins Schicksal ergeben hat, keinerlei Interesse mehr am Leben hat, keinerlei Hoffnung hat irgendwann nochmal in die Gesellschaft zurückzufinden. Der nicht mehr wählt oder sein Kreuz bei der AfD macht, um es „denen da oben mal so richtig zu zeigen“. Wie ist der so geworden?

                      Anfang der Siebziger Jahre gab es Vollbeschäftigung. Arbeitslose existierten fast nicht. Wohlstand wurde aufgebaut. Auch der kleine Arbeiter stieg auf. Wir hatten eine starke Mittelschicht. Auch die Eltern des Hartz IV-Empfängers, von dem Sie nicht gepflegt werden möchten, waren mit hoher Wahrscheinlichkeit Teil dieser Mittelschicht und hatten ein Interesse am Fortkommen ihres Sohnes oder ihrer Tochter. Wie ist dann so ein bestürzender Abstieg möglich?

                      Die Antwort ist sehr wahrscheinlich, dass der Betroffene irgendwann dank der Globalisierung und/oder der Automatisierung seine Arbeit verloren hat. Dass er eines der vielen Schicksale war, das zur sich verhärtenden Massenarbeitslosigkeit seit Mitte der Siebziger Jahre beitrug. Anfangs hat er sich vielleicht noch beworben, aber als immer mehr Menschen auf einen immer hoffnungsloseren Arbeitsmarkt geschwemmt wurden, war wohl irgendwann klar, dass er nichts mehr finden würde. Mit dem verlorenen Einkommen war ein Großteil seines Status weg, aber der Sozialstaat half denen, die sich zuvor einmal ausreichend hoch gearbeitet hatten, doch soweit, dass man nicht ins kalte Nichts abstürzte.

                      Ja, dem Betroffenen konnte man nicht mehr wirklich helfen. Zu alt. Falsche Qualifikationen. Vielleicht auch zu wenig Flexibilität. Aber aus den Kindern konnte man noch etwas machen. Die Kinder waren noch nicht verloren. Solange die Eltern noch Teil der unteren Mittelschicht waren, würden sie wenigstens auf eine bessere Zukunft ihres Nachwuchses drängen. Viel konnte man dem zwar nicht mehr bieten. Kein Auto mit 18. Keine eigene Wohnung für den Studenten. Wahrscheinlich auch keine Markenjeans oder Stereoanlage mehr. Aber man konnte wenigstens noch die Zugehörigkeit zur Gesellschaft bieten. Ein bürgerliches Umfeld. Noch war nicht alles verloren.

                      Und dann kam Hartz IV und damit das Ende. Der Totalverlust von allem, wofür man je gelebt und gearbeitet hatte. Menschenwürdiges Einkommen weg. Auto weg. Ersparnisse weg. Wohnung weg. Umzug ins Asozialen-Viertel. Die Kinder nicht mehr von bürgerlichen Nachbarn sondern von Kriminellen und Drogendealern umgeben. Miserable Problemschulen. Überforderte Lehrer. Dazu der totale Gesichtsverlust in der Gesellschaft. Verlust von Freunden. Vielleicht eine Trennung. Isolation. Resignation.

                      Und so werden wertvolle, hart arbeitende Menschen wie Sie und ich zu solchen, von denen Sie sich nicht mehr pflegen lassen wollen. Es ist Zeit diesen Teufelskreis endlich zu durchbrechen und zumindest dafür zu sorgen, dass nicht noch mehr Opfer in dieses kranke System stürzen und neben ihrer eigenen Zukunft die Zukunft ihrer Kinder zerstört sehen.

                    • Stefan Pietsch 15. Juni 2019, 19:02

                      Erstens, warum wollen Sie diese Menschen dann unbedingt mit Hartz IV und Arbeitszwang in Jobs prügeln, obwohl Sie ja selber sagen, dass deren Arbeitsqualität und -moral katastrophal sein wird und jeder Kunde, der bei Sinnen ist, einen Riesenbogen um diese Klientel machen wird?

                      Wie gehabt, Sie missverstehen mich. Ich habe nie so argumentiert. Ich weiß, dass die Menschen, die in Hartz-IV sind, sehr häufig mehrere Handicaps haben, die einer dauerhaften Arbeitsaufnahme entgegenstehen. Daran gilt es zu arbeiten und da sind wir nicht gut. Und manchmal zählt dazu auch Druck.

                      Und zweitens, wie sind diese Menschen eigentlich so nutzlos geworden?

                      Ihre Formulierung trifft den Sachverhalt nicht. Der Anteil jener, die nie etwas anderes als Hartz-IV gesehen haben, ist außerordentlich hoch, wie hoch habe ich jedoch nicht griffbereit. Sie waren also immer schon so, in dieser Form nutzlos. Die Frage ist, wie konnte es dazu kommen?

                      Ihre Geschichten kenne ich – und schätze sie meist. An dieser Stelle nicht, denn Sie vernebeln. Die meisten Migranten, die fast 50% der Transferempfänger ausmachen haben hier nicht ihre Arbeit wegen der Automatisierung und Globalisierung verloren. Sie hatten oft keine, zumindest keine stabile. Sie erzählen Geschichten, die auf Einzelfälle zutreffen mögen, aber nicht die Lage beschreiben. Das liefert keine seriöse Grundlage.

                    • Stefan Pietsch 15. Juni 2019, 20:16

                      Interessant ist, dass in den Niederlanden als auch der Schweiz der Anteil der Alleinerziehenden signifikant niedriger ist. In Deutschland liegt der Wert bei 16% und ist in den letzten 10 Jahren nochmals um 1%-Punkt gestiegen, in den Niederlanden dagegen haben wir nur 12,8% und in Dänemark einen signifikanten Rückgang auf 20%.
                      https://ec.europa.eu/eurostat/web/income-and-living-conditions/data/database

                      1996 lebten 1,3 Millionen Kinder unter 18 Jahren bei Alleinerziehenden, dagegen 7,7 Millionen bei Mutter und Vater. 2017 ist die Zahl der Kinder in Alleinerzieherhaushalten auf 1,6 Millionen gestiegen, der in der traditionellen Beziehung dagegen auf 5,7 Millionen gesunken. Viel mehr Kinder leben heute also bei Alleinerziehenden, viele klassische Elternbeziehungen wurden aufgelöst. Wir reden hier vom Vergleich mit 1996, nicht 1960.
                      https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Haushalte-Familien/_inhalt.html#sprg233990

                      Haben Sie dafür eine (sinnvolle) Erklärung?

                    • Ralf 15. Juni 2019, 23:20

                      In Deutschland gibt es also 16% Alleinerziehende, in den Niederlanden 13% und in Dänemark 20%. Was soll ich Ihnen da jetzt erklären? Deutschland liegt nach den Zahlen, die Sie angeben, ziemlich genau in der Mitte Ihrer Vorbildländer. Von einer wie auch immer gearteten Korrelation dieser Zahlen mit dem Erfolg in der Armutsbekämpfung kann keine Rede sein.

                      Und warum diese Zahlen irgendwo gerade leicht steigen oder irgendwo gerade leicht fallen, ist möglicherweise nur statistisches Rauschen. Bei sich verfestigenden Trends kann man natürlich genauer hinschauen. Dabei sollte man aber beachten, dass sich Menschen und Gesellschaften stetig verändern. Was heute noch Mode war, kann morgen schon wieder out sein. Ansichten und Gesellschaftsmodelle, die heute hip sind, sind morgen vielleicht schon wieder verpönt. Beziehungen und Ehen sind dabei im Westen insgesamt fragiler geworden, weil Trennungen gesellschaftlich akzeptierter und oft wirtschaftlich möglich sind. Aber diese Faktoren sind in ländlichen Gesellschaften möglicherweise weniger stark ausgeprägt als in urbanen und mit Sicherheit gibt es da auch große regionale Unterschiede. Dazu kommen temporäre Schwankungen. Die USA sind zum Beispiel im bestimmten Bundesstaaten gerade dabei Abtreibungen de facto vollständig zu verbieten. In einer Zeit, in der andere Bundesstaaten die liberalste Phase in der Geschichte von Amerika durchleben. Und diese Schwankungen im Stimmungsbild sind in einem kontinuierlichen Fluss.

                      Mit anderen Worten, es ist unmöglich klar zu beantworten, warum gerade jetzt in Deutschland 16% Alleinerziehende, 13% Alleinerziehenden in den Niederlanden und 20% Alleinerziehenden in Dänemark gegenüberstehen.

                      Einen Punkt kann man noch anfügen. Ich kenne Ehen aus meinem persönlichen Freundeskreis, die an der beruflichen Flexibilität, die heute erwartet wird, gescheitert sind. Da hat jemand einen vielversprechenden Job fern von der Familie angenommen, während Ehefrau und Kinder zurückblieben. Man hat sich versprochen, das zu schaffen. Und dann ist die Ehe an der Entfernung zerbrochen. So etwas hat es früher nicht gegeben. Und Geschichten wie diese sind mit Sicherheit nicht besonders selten.

                    • CitizenK 16. Juni 2019, 06:08

                      @ Ralf

                      Gut dargestellt. Die Literaturgeschichte zeigt, dass das alte Familienmodell die Menschen eher weniger glücklich gemacht hat. Wirtschaftslibealismus und konservatives Familienmodell geht halt nicht zusammen.

                    • Stefan Pietsch 16. Juni 2019, 09:18

                      In Deutschland gibt es also 16% Alleinerziehende, in den Niederlanden 13% und in Dänemark 20%. Was soll ich Ihnen da jetzt erklären?

                      Wenn Sie die Zahlen studieren – ich habe Sie, zugegeben kompliziert, verlinkt, so werden Sie feststellen, dass in religiös geprägten Ländern die Quote der Alleinerziehenden niedriger ist, so in Griechenland oder Italien z.B., dagegen in den skandinavischen Ländern deutlich höher. Glaube bietet also einen nicht unwichtigen gesellschaftlichen Kitt.

                      Aber das ist nicht der Punkt. Sie können den Fakt nicht wegdiskutieren, dass Alleinerziehende einen höheren Aufwand haben, um den gleichen Lebensstandard wie ein Paar zu erreichen. Und dieser Unterschied ist enorm. Reicht es einer verheirateten Frau mit 2 Kindern, als Sachbearbeiterin zu einem mittleren verfügbaren Haushaltskommen zu gelangen, benötigt eine Alleinerziehende dazu ein gehobenes Gehalt.

                      Ich hatte das schon früher gefragt und wie das bei Linken so üblich ist – wo eine Frage das Weltbild erschüttert, wird sie ignoriert – was wollen Sie dagegen tun? Sollen Alleinerziehende eine regelmäßige Zulage aus öffentlichen Kassen erhalten? Oder akzeptieren wir, dass ohne Partner zu sein eine selbst gewählte Situation ist? Sagen Sie’s mir, wozu Sie tendieren. Und machen sich angreifbar.

                      Nur mal so: wer ein Kind in die Welt setzt, muss sich bewusst sein, dass er / sie für 18 Jahre und mehr Verantwortung für einen anderen Menschen übernimmt. Das lässt sich nicht so einfach abschieben wie ein One-Night-Stand.

                      Mit jemanden ein Kind zu zeugen und nach 1, 2 Jahren (oder nicht selten noch in der Schwangerschaft) zu sagen, ach, jetzt gefallen mir seine / ihre Marotten nicht mehr, da trenne ich mich doch – zeigt nur Unreife. Sie stützen das ja, wenn Sie schreiben, heute fallen Trennungen leichter. Fragt sich, ob das ein Vorteil oder ein Nachteil ist.

                    • Ralf 16. Juni 2019, 11:55

                      was wollen Sie dagegen tun? Sollen Alleinerziehende eine regelmäßige Zulage aus öffentlichen Kassen erhalten? Oder akzeptieren wir, dass ohne Partner zu sein eine selbst gewählte Situation ist?

                      Wie fast immer im Leben gibt es nicht nur zwei Möglichkeiten, nicht nur schwarz und weiß. Der ideale Weg, um ein Problem zu lösen, liegt meist bei einem Grauton in der Mitte.

                      Selbstverständlich kann die Gesellschaft eine erwerbslose Alleinerziehende wirtschaftlich nicht so gut stellen, wie eine Erwerbslose, die mit einem Vollzeitverdiener verheiratet ist. Und Menschen, die in Teilzeit arbeiten, werden immer ein bisschen weniger verdienen als Menschen, die in Vollzeit arbeiten. Niemand bestreitet das.

                      Aber die Gesellschaft kann die besonderen Herausforderungen für Alleinerziehende abfedern und dafür sorgen, dass für die meisten zumindest ein Leben in der unteren Mittelschicht möglich ist. Das können Sie dann „regelmäßige Zulage aus öffentlichen Kassen“ nennen, wenn Sie möchten.

                      Praktisch würden das etwa Steuersenkungen im unteren Einkommenssegment sein, gegenfinanziert durch Steuererhöhungen im oberen Einkommenssegment. Und oder ein deutlicher Ausbau eines staatlich subventionierten Kita-Netzes, so dass jede Mutter, die einen Kita-Platz sucht, auch einen findet. Und oder eine Erhöhung des Kindergeldes. Im Prinzip gibt es unendlich viele Möglichkeiten, wie man die Unterstützung von Alleinerziehenden praktisch ausgestalten kann.

                      Und um das noch ganz klar zu sagen. Auch ich finde, dass viele Ehen heute ohne wirklich schwerwiegende Gründe scheitern. Das ist traurig, aber es ist eben der Preis, den wir für eine liberale, offene Gesellschaft zahlen, in der die Menschen die Freiheit haben ihr Leben so zu leben, wie sie möchten. Diese liberale Gesellschaft will ich um jeden Preis erhalten. Wenn der Preis dafür ist, dass meine Steuern hochgehen, damit Kinder von Alleinerziehenden nicht in Armut aufwachsen müssen und dass ihre Mütter auch ein Stück vom Leben haben, dann sehe ich diesen Steuererhöhungen mit freudiger Erwartung entgegen.

                    • Stefan Pietsch 16. Juni 2019, 13:11

                      Wie fast immer im Leben gibt es nicht nur zwei Möglichkeiten, nicht nur schwarz und weiß.

                      Das ist richtig, aber falsch in Bezug auf Ihre Meinung. Denn wen Sie nur ein Stück weit zuerkennen, dass der Staat nicht alles ausgleichen kann oder soll, erkennen Sie an, dass ein hoher Anteil Alleinerziehender auch tendenziell zu mehr Armut, Armutsgefährdung und Kinderarmut führt. Ich sehe jedoch nicht, wo sich dies bisher in Ihrer Argumentation abgebildet hat.

                      Wieso reden Sie eigentlich immer von Gegenfinanzierung? Das Ziel muss doch sein, durch geeignete politische Maßnahmen mehr Alleinerziehende aus der Armutsfalle zu führen, sei es, dass sie eine Beschäftigung aufnehmen, sei es, dass ihnen mehr verbleibt. In der Tendenz erhöht eine solche Politik jedoch selbst das Aufkommen an Steuern und Sozialabgaben. Sie scheinen immer zwanghaft dem Impuls zu folgen, diejenigen, die Sie für wohlhabend halten, stärker zur Kasse zu bitten. Die Gründe und Motive dazu wechseln zwar bei Ihnen, da beweisen Sie Phantasie. Aber die Art ist am Ende doch das, was man gemeinhin als populistisch bezeichnet.

                      Gehe ich recht in der Annahme, dass Sie vor dem Versuch kapitulieren, eine nachvollziehbare und belegbare Linie zu zeichnen, warum Langzeitarbeitslosigkeit in Deutschland höher ist als in fast allen OECD-Ländern? Das wäre schade, denn auf so etwas warte ich von eingefleischten Linken (Sie sehen es hoffentlich nicht als Beleidigung, so gesehen zu werden) seit über einem Jahrzehnt.

                    • CitizenK 16. Juni 2019, 13:42

                      Sie haben einen tiefsitzenden Groll gegen Alleinerziehende: SELBER SCHULD, dass du nicht geheiratet hast/dich getrennt hast/verlassen wurdest.

                      Ob dieser Groll nun in Ihrer Steuer-Aversion („ich muss für die zahlen“) wurzelt oder im Ärger darüber, dass diese Menschen sich etwas leben bzw. sich herausnehmen, was Ihnen in der Kindheit als schlecht oder gar böse vermittelt wurde, sei dahingestellt.

                      Jedenfalls verträgt er sich nicht mit Ihrer immer wieder vorgetragenen Haltung, sich nichts vorschreiben lassen zu wollen. Und: Die wenigsten Alleinerziehenden sind das freiwillig, ihnen ist ein Unglück widerfahren.

                      Das Entscheidende aber: Es geht um die Kinder, die für das Verhalten Ihrer Eltern nichts können. Und spätestens hier sollte das religiöse und/oder das finanzielle Ressentiment verstummen.

                      In der Familientherapie wurde seit den 70er Jahren die Auffassung vertreten, eine bewältigte Trennung sei auch für die Kinder wesentlich besser als eine schlechte Beziehung. Inzwischen wird das wieder hinterfragt: Eine der Moden, der Wellenbewegungen, von denen Ralf spricht.

                    • Stefan Pietsch 16. Juni 2019, 13:13

                      Ergänzend: eine zwischenmenschliche Beziehung nicht beim ersten Krisensymptom aufzugeben, hat etwas mit Verantwortungsgefühl zu tun. Das gilt für Arbeitsverhältnisse ebenso wie für Freundschaften und erst recht Ehen und eheähnliche Verhältnisse. Schnelle Trennungen sind nicht ein Zeichen von Liberalität, sondern von menschlicher Unreife.

                    • Stefan Pietsch 16. Juni 2019, 14:01

                      Und: Die wenigsten Alleinerziehenden sind das freiwillig, ihnen ist ein Unglück widerfahren.

                      Woher wissen Sie das? Es gibt seit fast drei Jahrzehnten einen kontinuierlichen Trend zur Versingelung, das lässt sich statistisch an den Haushaltsgrößen ableiten. Gibt es also einen Trend zu unverschuldet allein bleiben? Das ist mit Verlaub totaler Blödsinn. Singles sind oft freiwillig allein, Menschen mit Kindern aber ohne Partner nicht? Das ist doch heftig schräg.

                      Wenn Sie sich die Studien ansehen, was Trennungen mit Kindern machen, sie vieler Lebenschancen berauben, dann können Sie kaum anders argumentieren. Sie kommen doch auch immer um die Ecke, man dürfe Kindern nicht ihre Chancen nehmen. Das gilt plötzlich nicht?

                      Jedenfalls hatte ich vor so 10 Jahren eine Langzeitstudie gelesen, wo die Lebensläufe verglichen wurden. Quintessenz: Trennungskinder sind noch lange im Erwachsenenleben gezeichnet, weniger bindungsfähig, weniger Einkommen. Selbst eine streithafte elterliche Beziehung ist der Trennung erbringt für den Nachwuchs bessere Ergebnisse als wenn Trennung und Alleinerzieherhaushalt stehen.

                      Daraus lässt sich nur schlussfolgern, dass Eltern, die sich wegen oberflächlicher Differenzen oder nur wegen einer neuen Liebe trennen, sich unverantwortlich gegenüber ihren Kindern verhalten. Das mag zum eigenen Lebensglück vielleicht zu rechtfertigen zu sein. Aber wie gesagt, wer Kinder hat, hat eine höhere Verantwortung.

                      Das hat mein Bild geprägt. Und wenn Ihnen Kinder, die sich nicht wehren können, wichtiger sind als Erwachsene, die ihre Entscheidungen überblicken können müssen, dürften Sie kaum anders urteilen. Aber, den meisten geht es eben nicht um Kinder, sondern die Selbstverwirklichung von wahlberechtigten Bürgern.

                    • CitizenK 16. Juni 2019, 18:01

                      „Und wenn Ihnen Kinder, die sich nicht wehren können, wichtiger sind als Erwachsene“

                      Ich habe das Gegenteil geschrieben.

                    • Ralf 16. Juni 2019, 15:42

                      Wieso reden Sie eigentlich immer von Gegenfinanzierung?

                      Ich kann nicht glauben, dass mir ein Wirtschaftsliberaler diese Frage stellt. Verkehrte Welt … *kopfschüttel*

                      Gehe ich recht in der Annahme, dass Sie vor dem Versuch kapitulieren, eine nachvollziehbare und belegbare Linie zu zeichnen, warum Langzeitarbeitslosigkeit in Deutschland höher ist als in fast allen OECD-Ländern?

                      Also ich hab mir jetzt mal die Mühe gemacht mir die Langzeitarbeitslosenstatistiken von Eurostat anzusehen. Ich nehme die Tabelle von hier …

                      https://ec.europa.eu/eurostat/web/lfs/data/main-tables

                      … und zwar suche ich mir das Datenset „Long-term unemployment rate by sex (sdg_08_40)“ heraus. Man kann in der Tabelle zwar nach Geschlechtern sortierte Daten anzeigen, aber der Default sind „alle Bürger“ („sex: Total“ links oben). Auf diese Werte beziehe ich mich im folgenden.

                      Gezeigt wird die Langzeitarbeitslosenrate (= Langzeitarbeitslose als Prozentsatz der potentiell wirtschaftlich aktiven Bevölkerung, also alle die, die arbeiten plus alle die, die im arbeitsfähigen Alter sind, aber arbeitslos sind). Die Tabelle zeigt Werte für alle Jahre zwischen 2007 und 2018, aber ich nenne mal nur die Werte aus 2007 und aus 2018 für ausgewählte westeuropäische Länder:

                      Dänemark 0,6% in 2007 –> 1,1% in 2018
                      Deutschland 4,9% in 2007 –> 1,4% in 2018
                      Frankreich 3,3% in 2007 –> 3,8% in 2018
                      Italien 2,9% in 2007 –> 6,2% in 2018
                      Niederlande 1,5% in 2007 –> 1,4% in 2018
                      Österreich 1,3% in 2007 –> 1,4% in 2018
                      Finnland 1,5% in 2007 –> 1,6% in 2018
                      Schweden 0,8% in 2007 –> 1,2% in 2018
                      Schweiz nicht gemessen 2007 –> 1,7% in 2018

                      Vielleicht möchten Sie kurz mal darlegen, wo diese Zahlen hergeben, dass Deutschland eine signifikant höhere Langzeitarbeitslosigkeit hat als Ihre Vorbildländer Schweiz, Niederlande und Dänemark bzw. gegenüber anderen großen westeuropäischen Ländern.

                      Singles sind oft freiwillig allein, Menschen mit Kindern aber ohne Partner nicht? Das ist doch heftig schräg.

                      Ich kenne einige Alleinerziehende und nicht einer davon ist gerne allein. Alleinerziehende haben wesentlich größere Schwierigkeiten wieder einen Partner oder eine Partnerin zu finden. Erstens sind sie wirtschaftlich ein Kostenfaktor, was sie für viele unattraktiv macht. Zweitens haben sie wesentlich weniger Möglichkeiten jemanden kennenzulernen, weil a) Ausgehen Geld kostet und Haushaltsgeld für diese Gruppe meist sehr knapp ist und b) man nicht einfach abends ausgehen und sich in Bars rumtreiben kann, wenn man ein Kind zuhause hat, das Aufsicht benötigt. Drittens limitiert ein Kind Freizeitaktivitäten unheimlich. Man kann nicht mehr einfach mal ins Kino gehen oder zu zweit in einen Kurzurlaub fahren. Immer muss man einen Babysitter finden und bezahlen können, weshalb man meist zuhause bleibt. Auch das macht einen nicht gerade attraktiver für einen ungebundenen Partner. Dazu kommt viertens, dass viele gerade junge Menschen eben nach einer Beziehung suchen und nicht nach einer Familie mit Kindern. Und wenn schon mit Kindern, dann mit eigenen Kindern und nicht mit Kindern von irgendwem. All das macht die Partnersuche für Alleinerziehende sehr, sehr schwierig. Aus deren Alleinsein zu schließen, denen würde das Alleinsein gefallen, ist absurd.

                      Ebenso wie der Vergleich mit überzeugten Singles. Letztere genießen die Freiheit von Abenteuer zu Abenteuer ziehen. Etwas was sich Alleinerziehende weder leisten können noch etwas, was Alleinerziehende in ihrer Rolle in der Regel suchen. Ganz im Gegenteil. Alle Alleinerziehende, die ich kenne, wünschen sich nichts mehr als ein bisschen Stabilität in ihrem Leben sowie eine liebende Vaterfigur für ihre Kinder.

                    • Stefan Pietsch 16. Juni 2019, 16:39

                      Ich kann nicht glauben, dass mir ein Wirtschaftsliberaler diese Frage stellt.

                      Selbst wenn wir uns im Unternehmen über Investitionen unterhalten, geht es im Business Case nicht um die Frage der Gegenfinanzierung. Wesentlicher Bestandteil ist die Amortisationsdauer. Analog habe ich argumentiert. Kalt ökonomisch könnte ich also höchstens fragen, wenn die Verbesserung der ökonomischen Bedingungen von Alleinerziehenden z.B. durch mehr Kinderbetreuung oder Abgabenerleichterungen nicht am Ende zu mehr Einnahmen des Staates führt, warum sollten wir das dann machen? Es rechnet sich nicht.

                      Gehe ich Recht in der Annahme, dass Sie vor der beschriebenen Aufgabe kapitulieren? Denn jetzt feilschen Sie darum, ob der Eingangsfakt /-these überhaupt stimmt.

                      Okay, was passiert, wenn ein Land in eine tiefe Rezession oder gar Depression rutscht? Richtig, die Arbeitslosigkeit steigt. Wie geht es weiter, wenn die Rezessionsphase anhält? Die Langzeitarbeitslosigkeit (>1 Jahr) wird zunehmen, mehr Menschen werden dauerhaft ohne Beschäftigung bleiben. So haben die Langzeitquoten der europäischen Krisenländer über das letzte Jahrzehnt an Fahrt gewonnen.

                      Der umgekehrte Fall: ein langanhaltender Boom, die Erwerbstätigkeit befindet sich nahe der Vollbeschäftigung, in zahlreichen Branchen sind Arbeitskräfte knapp. Das ist die Situation in Deutschland, 10 Jahre Wachstums- und Joblokomotive in der EU und der Eurozone. Was erwarten Sie? Doch wohl, dass es praktisch keine Langzeitarbeitslosen gibt, denn als erwerbsfähigzählt nach internationalem Standard nur, wer in der Lage ist eine gewisse Zahl an Stunden in der Woche zu arbeiten.

                      Gut, jetzt haben Sie eine interessante Kennziffer gegriffen, nämlich der Bezug auf die Gesamtzahl der Erwerbsfähigen. Das ist dann eine funktionierende Vergleichsgröße, wenn sich dieser Pool als stabil erweist. Jetzt schauen Sie sich mal Ihre Kurve an: In den Jahren 2012 bis 2014 tut sich praktisch gar nichts, obwohl die Konjunktur da sehr gut läuft, besser meiner Erinnerung nach als 2018. Doch von 2015-2018 sinkt die Kurve deutlich. Wenn ich mir die absoluten Zahlen ansehen würde (die ich gerade nicht griffbereit habe, doch wenn Sie zweifeln, tun wir das gerne) gehe ich stark davon aus, dass diese stabil geblieben sind, vielleicht noch ein leichter Rückgang. Allerdings sind in dem Zeitraum zunehmend Migranten auf den Arbeitsmarkt gekommen und zählen als erwerbsfähig. Vielleicht werden sie arbeitslos, da sie jedoch neu gezählt werden, sind sie noch nicht langzeitarbeitslos. Das jedenfalls korrespondiert mit der extrem hohen Zahl an Erwerbstätigen.

                      Eine Kennziffer sagt selten die ganze Wahrheit. Deswegen zieht man mehrere heran. Eine wäre die absolute Zahl der Langzeitarbeitslosen, die anzeigen würde, ob es einen harten Kern verfestigter Langzeitarbeitslosigkeit gibt. Wie gesagt, können wir suchen. Schneller war ich mit dem Bezug auf die gesamten Arbeitslosen. Was würden Sie nach der beschriebenen Situation erwarten? Doch wohl, dass es in Bezug auf die gesamten Arbeitslosen sehr wenig Langzeitarbeitslose gibt. Alles andere wäre ein klarer Fingerzeig, dass sich hier etwas sehr verfestigt hat. Nun, die OECD-Zahlen zeigen das ganz deutlich: Deutschland hat hier eine Quote von 42%, weit überdurchschnittlich. Der OECD-Mittelwert liegt bei 31%, viele Staaten mit einer höheren Gesamtarbeitslosigkeit liegen weit darunter. D.h., in diesen Ländern dreht sich der Arbeitsmarkt schneller. Vielleicht schneller raus, aber in jedem Fall schneller rein – und zwar alle.
                      https://data.oecd.org/unemp/long-term-unemployment-rate.htm

                      Für Deutschland gilt sowohl das Erwartbare als auch das international Übliche nicht. Und meine Frage bezieht sich immer noch darauf: warum nicht?

                      Zur Erklärung noch dazu gesagt: OECD und Eurostat greifen bei den nationalen Werten auf den gleichen Datenpool zu, der von den Behörden und beauftragten Stellen gemeldet wird. Ich bin bei der OECD etwas geübter und finde die Aufbereitung besser. Das ist aber der einzige Grund.

                      Ich kenne einige Alleinerziehende und nicht einer davon ist gerne allein.

                      Soso. Die Singles, die ich kennengelernt habe, waren das meist auch nicht. Meiner Beobachtung nach tun sich jüngere Menschen heute jedoch schwerer Bindungen einzugehen und dann noch langfristige. Das erscheint mir als weit schwerwiegenderer Grund.

                      Jedenfalls, wenn man die typische Alleinerziehende statistisch beschreiben müsste, dann wäre sie deutlich über 30 mit 2 Kindern, gebildet. Fand ich interessant, entsprach nicht meinen Erwartungen. Nun, es gibt mehrere Phasen im Leben: während der Schulzeit, heute verlängert durch Ausbildung und Studium, lernen die meisten ihren ersten dauerhaften Partner kennenlernen, mit dem sie etwas aufbauen, Haus, Kinder. Dann scheitert die Beziehung, zu 2/3 der Fälle eingeleitet durch die Frau. So ist es zumindest bei den Ehen. Es spricht wenig dagegen, dass es bei den Beziehungen ohne Trauschein anders ist.

                      Wenn man also eine typische Dauer einer längeren Beziehung nimmt, dann kommen viele Beziehungsgeschädigte in ihren Dreißigern auf den Markt, die anderen haben erst gar keine Langzeitbeziehung hinbekommen.

                      Ein 32jähiger hat da gerade noch einmal die Chance, mit einer Anfang / Mitte Zwanzigjährigen noch einmal neu anzufangen – ohne Kinder und ohne Haus. Tun die meisten aber nicht, sie suchen sich zumeist gleichaltrige Partner, so die Statistik.

                      Mit Anfang / Mitte 30 ist man nicht mehr taufrisch und hat eine Geschichte. Entweder man findet als Mann dann noch eine Gleichaltrige ohne Kinder, dann wird es allerdings mit dem Kinderwunsch knapp. Die Beziehung muss sich ja erst noch verfestigen und dann tickt die Uhr. Kurz gesagt, der Markt verengt sich für beide Seiten.

                      Beziehungsschädigung samt Enttäuschung, gestiegene Erwartungen, Zeitdruck, engerer Markt – keine gute Komposition, den perfekten, fehlerfreien Partner zu finden. Eine Frau in ihren Dreißigern macht mit Sicherheit nicht weniger Abstriche an ihren Erwartungen. Wenn Sie Erklärungen für das angeblich unfreiwillige Singledasein suchen, betrachten Sie das mal unter dem Aspekt.

                      Die Alleinerziehenden, die ich kenne, trennten sich aus guten Gründen: Der Ex-Partner und Vater der Kinder war nicht perfekt. Das kommt vor.

                      Noch etwas: Die Trennungsrate hat in den letzten Jahren insgesamt zugenommen, was vor allem an der zunehmenden materiellen Unabhängigkeit der Frauen liegt. Aber wenn sich Scheidungen in bestimmten Familien über Generationen hinweg häufen, dann herrscht in diesen Familien meist ein Klima, in dem der Faktor Emotion besonders negativ ausgeprägt ist. Die Kinder aus solchen Elternhäusern haben zum Beispiel gelernt, dass Partner streiten, sich aber nicht wieder versöhnen. Deshalb fühlen sich solche Menschen in Beziehungen häufig hilflos; sie sind davon überzeugt, immerzu Konfrontation aushalten zu müssen. Sie kennen es schlicht nicht anders. Folglich suchen sie die Schuld oft beim anderen, werden in ihrer Not beleidigend und verletzend. Treffen solche Persönlichkeiten aufeinander, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass die Beziehung nur wenige Monate oder Jahre überdauert. Spätestens wenn die Kinder kommen, nimmt das Zusammengehörigkeitsgefühl dann rapide ab.
                      https://www.geo.de/magazine/geo-wissen/523-rtkl-familie-praegung-das-erbe-der-eltern

                    • Stefan Pietsch 16. Juni 2019, 17:05

                      Ich hab’s. Weitgehend wie erwartet: nach der Einführung von Hartz-IV ist die Langzeitarbeitslosigkeit erstmal schnell gesunken, bis 2008. Da hatten wir nochmal gegenüber Vorjahr einen Rückgang um 400.000, was mit für das damalige Jobwunder verantwortlich war. Doch während sich danach die Arbeitslosigkeit weiter abbaute und zunehmend einen leergefegten Arbeitsmarkt hinterließ, ging es mit der Langzeitarbeitslosigkeit nicht mehr so schnell voran. In den folgenden 10 Jahren nahm der Ausgangswert 2009 von 1,1 Millionen Langzeitarbeitslosen nur noch um so 280.000 auf zuletzt 852.000 ab. Seit 2014 sank die Langzeitarbeitslosigkeit nur noch in sehr kleinen Schritten von jährlich 40.000 – 50.000.

                      Knapp 200.000 haben seit 4 Jahren und mehr nicht gearbeitet. 570.000 sind zurückgekehrt, waren also nur kurz beschäftigt. Wir haben einen sehr harten Kern dauerhaft nicht vermittelbarer oder unwilliger Personen. Über die Motive lässt sich bei den Zahlen nur mutmaßen, dazu müssen weitere Studien herangezogen werden.

                      Das ist der Kern der Hartz-IV-Empfänger. Ich sehe in den Zahlen keinen Anhaltspunkt für ihre Kernforderungen, die ALG-2-Sätze zu erhöhen und auf Druck zu verzichten. Eher ist zu überlegen, mit welchen neuen Strategien man sich diesem harten Kern von 700.000 – 800.000 Langzeitarbeitslosen nähert.
                      https://statistik.arbeitsagentur.de/nn_31892/SiteGlobals/Forms/Rubrikensuche/Rubrikensuche_Suchergebnis_Form.html?view=processForm&resourceId=210358&input_=&pageLocale=de&topicId=1348848&region=&year_month=201712&year_month.GROUP=1&search=Suchen

                    • Rauschi 16. Juni 2019, 18:11

                      Ich sehe in den Zahlen keinen Anhaltspunkt für ihre Kernforderungen, die ALG-2-Sätze zu erhöhen und auf Druck zu verzichten. Eher ist zu überlegen, mit welchen neuen Strategien man sich diesem harten Kern von 700.000 – 800.000 Langzeitarbeitslosen nähert.
                      Meine Frage, was genau dieser Druck bewirken soll, ist immer noch nicht beantwortet.
                      Ihre Aussage, (die höchste Langzeitarbeitslosigkeit in der OECD) stimmt immer noch nicht, auch in Ihren Chart sind 16 Länder schlechter.
                      wegen 700 bis 800000 so einen Aufwasch, es ist nicht zu fassen.
                      In Italien und Griechenland gibt es ga rkeien Hängematte und trotzde viel mehr Langzeitarbeitlose. Würde bedueten, Ihr Druck wirkt nicht, kann auch gar nicht wirken.
                      Im Übrigen, auch ich verwende Zeit, hier zu schreiben. Das Sie meine Fragen einfach ignorieren, spricht nicht für Ihren angeblich so hohen Anstand.
                      Wie müssten die Zahlen denn aussehen, damit Sie einen Anhaltspunkt sehen könnten?

  • HIas 8. Juni 2019, 21:55

    zu 4.) „Badum: Man muss den Leute sagen, dass apokalyptische Zustände auf sie zukommen…“
    und zu 5.) Für Otto-Normalverbraucher wird schon alleine die Kostensteigerung, die sich über CO2-Zertifikate (siehe Fundstück 4) und eine gerechtere Besteuerung des Flugverkehrs (Stichwort Kerosinsteuer) ergibt das Problem lösen: Fliegen wird wieder reines Luxusgut, und angesichts seiner verheerenden CO2-Bilanz sollte es das auch sein. Und ja, das ist für grün-links wählende Menschen wie mich ein gewisses Problem. Ich bin gerne Kosmopolit und Weltbürger, und das ist schwieriger, wenn man eben nicht zum Austausch über das Wochenende nach London fliegen kann. Aber was will man machen?

    Super Idee, erstens den Leuten so richtig Angst zu machen und zweitens die Zeit damit zu verschwenden sich aufs Angst machen zu konzentrieren und die Lösung ist, alles teurer zu machen. Wenn man diesen Weg weitergeht, braucht man sich nicht zu wundern, wenn die AfD als DIE Anti-Grünen-Partei weiter gedeihen wird.
    Und dein Satz, dass man eben fürs Wochenende nicht nach London fliegt zeigt wunderbar das Problem der grüntypischen Verzichtsdenkweise: Ich kann nicht fliegen, dann geht’s halt nicht. Dass Du mit der Bahn in unter 7 Stunden in London wärst (sogar mit nem petit dîner in Paris) und damit sehr wohl für ein Wochenende nach London kannst, hast Du wahrscheinlich gar nicht aufm Schirm.
    Anstatt nur darüber zu reden, was man verbieten und abschalten muss um das Klima zu retten, sollte man mal lieber über Investitionen in die Alternativen reden. Über europaweite Hochgeschwindigkeitstrassen, die Flüge unter 600/700/800 km uninteressant machen. Über alternative Antriebe für Schiffe. Längst werden LNG-fähige Dieselmotoren verbaut, man fährt die halt mit Schweröl, weil es billiger ist. Ein Bürgschaftsprogramm für europäische Werften, dazu ein paar Subventionen erlauben und ein knallhartes Datum, ab dem kein Schiff, das mit Schweröl angetrieben wird, mehr in einen europäischen Hafen anlegen darf.
    Wenn man in der Klimapolitik wirklich was erreichen will, dann kann man das wunderbar mit europäischer Verkehrspolitik und wenn man schlau ist auch mit europäischer Industriepolitik koppeln und daraus ein Zukunftsprojekt machen. Aber dazu darf man sich nicht darauf beschränken den Leuten nur Angst zu machen.

    • Ralf 8. Juni 2019, 22:09

      Es fährt nur kein Mensch mit der Bahn in 7 Stunden nach London, wenn man in einer Stunde für den gleichen Preis von Frankfurt aus fliegen kann. Dabei bin ich ein großer Fan des Ausbaus des Hochgeschwindigkeitsschienennetzes und Stefan Sasse wahrscheinlich auch. Aber diese Technologien werden sich nur entfalten können, wenn flankierend die Subventionen für den Flugverkehr eingestellt werden und sich die von Flugzeugen verursachten Umweltschäden deutlich im Preis des Flugtickets widerspiegeln. Wir können die Debatte natürlich gerne positiver gestalten und statt von „Verzicht“ von „Transformation“ reden. Aber ob das die AfD aufhält zum Gegenpol der Grünen zu werden, ist mehr als fragwürdig …

      • Hias 8. Juni 2019, 22:54

        Und warum nicht? Mir gings dabei darum aufzuzeigen, dass es Alternativen gibt. Nicht so gute, aber trotzdem Alternativen. Und ich fahre gerne mit der Bahn, wo es irgendwie machbar ist und selbst dann, wenn fliegen nicht nur kürzer sondern auch noch billiger wäre.

        Natürlich sollte der Flugverkehr seine externalisierten Kosten zahlen, aber es geht darum, Alternativen zu entwickeln, nicht bloß den Leuten den Luxus zu verleiden. Ich bin eher der Meinung, du hast die Leute dann gewonnen, wenn die sich denken: „Cool, dann kann ich in drei Stunden mitm Zug nach Kroatien ans Mittelmeer. Da kann ich ja übers Wochenende hinfahren. Oder in vier Stunden an die Ostsee nach Polen oder an den Atlantik oder nach Südfrankreich“. Wenn die nur daran denken, dass die Politik ihnen den Malle-Urlaub vermiesen will, dann wird das nichts.
        Aber gut, ich gebe auch zu, ich bin Sozi und aktuell gewinnen die Grünen. Vielleicht haben Sie ja doch Recht.

        • Ralf 8. Juni 2019, 23:57

          Aber gut, ich gebe auch zu, ich bin Sozi und aktuell gewinnen die Grünen. Vielleicht haben Sie ja doch Recht.

          Ich befürchte, das wird ein langweiliger Streit. Wir liegen eigentlich garnicht weit auseinander und sind uns selbst über den Weg einig … 😉

          Es gibt selbstverständlich überhaupt keinen Grund nicht für moderne Technologien und attraktive Alternativen zum Flugverkehr zu werben. Nur muss man – das sagen Sie ja selbst – die Flugpreise eben trotzdem belasten. Wir beide können da gerne einen Pakt schließen und uns versprechen, dass wir das in der Öffentlichkeit nicht laut sagen und stattdessen eine bunte Kampagne für die Bahn starten. Aber ich nehme an, irgendwer – spätestens in der AfD – wird wohl merken, dass das Flugticket nach Mallorca plötzlich doppelt soviel kostet. Und irgendwer wird dann die Frage gestellt bekommen warum …

          • CitizenK 10. Juni 2019, 14:15

            „Fünf Mark für einen Liter Benzin“ hat die Grünen damals aus dem Bundestag gekegelt. Inzwischen ist das Umwelt-Bewusstsein gestiegen, aber ob der Grünen-Hype die anstehenden Kostensteigerungen überstehen wird, bezweifle ich.

            Auch in Heidelberg sind die Grünen stärkste Fraktion. Jetzt soll der Anwohner-Park-Schein (ohne Recht auf einen Platz) von gut 50 auf über 500 Euro pro Jahr steigen. Ich bin gespannt.

            • Ralf 10. Juni 2019, 14:36

              Deswegen reden wir ja über Alternativen. Es geht nicht nur darum den Flugverkehr zu verteuern, sondern auch darum neue attraktive Alternativen z.B. mit der Bahn anzubieten. Es geht nicht nur darum die Städte autofrei zu machen, sondern eben dafür einen exzellenten öffentlichen Nahverkehr anzubieten.

              • CitizenK 10. Juni 2019, 14:48

                Ja, aber das dauert. Planung, Bürgerbeteiligung/ggf. Klagen und Berufungsverfahren, Fehlende Planungs- und Produktionskapazitäten bei Bau, Gegenkampagnen (der Diesel-Partei) usw.

                Aber selbst die Dinge, die man sofort machen könnte, werden allenfalls „angedacht“:
                – Diesel-Subvention schrittweise abschaffen
                – MwSt-Satz der Bahn
                – Kerosinsteuer
                -Suventionsende für defizitäre Regionalflughäfen
                -Agrar-Subentionen schrittweise umbauen
                usw.

                Stattdessen wird geredet und manifestiert und rufen einzelne Städte den „Klima-Notstand“ aus – rein symbolisch, ohne irgendwelche konkrete Maßnahmen. Man fasst sich an den Kopf.

                • Ralf 10. Juni 2019, 16:24

                  Mehr konkrete Aktivität setzt den Druck des Wählers voraus. Der war bisher nicht gegeben. Die dramatischen Verluste bei der Großen Koalition und die immer stärker werdenden Grünen sind möglicherweise das Signal, auf das wir gewartet haben.

                  • CitizenK 10. Juni 2019, 16:51

                    Hoffen wir, dass die Wähler bereit sind, die Konsequenzen zu akzeptieren. Noch bin ich skeptisch.

                    • Ralf 10. Juni 2019, 16:56

                      Die Menschen merken ja mittlerweile, was um sie rum passiert. Die Mega-Dürre letztes Jahr zum Beispiel. Und es entstehen Schäden für die Menschen. Das wird auch die Bereitschaft zur Transformation befördern. Zumindest bleibt das zu hoffen …

                    • Stefan Sasse 10. Juni 2019, 20:53

                      Jepp.

              • CitizenK 11. Juni 2019, 06:00

                In Schweden geht es schon: Fliegen runter und Bahn rauf. Und die Entfernungen sind dort größer als hier.

                • Hias 11. Juni 2019, 22:32

                  Naja, das ist kein schwedisches Phänomen. Schweden hat seit den 1990er die Hochgeschwindigkeitsangebote der Bahn ausgebaut, daher kommt das. Das Phänomen hat man überall, wo solche Strecken etabliert werden, angefangen von der ersten TGV-Strecke Paris-Lyon, bis hin zur Schnellfahrstrecke Köln-Frankfurt, die den Flugverkehr zwischen den beiden Städten vollständig ersetzt hat.
                  Tatsache ist, dass die Hochgeschwindigkeitsstrecken in D immerhin die Zahl der Flugpassagiere innerhalb des Landes in Grenzen hält.
                  https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2019/03/PD19_081_464.html

          • Hias 11. Juni 2019, 22:12

            Es geht nicht darum, es den Leute nicht zu sagen, es geht darum, was ist mein Ziel. Und ich habe den Eindruck, da sind wir beide doch etwas auseinander.
            Mein Ziel wäre es, dass man innerhalb Europas nicht mehr fliegen muss, weil genügend gleich gute Alternativen existieren und zwar quer über den ganzen Kontinent. Für Deutschland würde das z.B. bedeuten, dass man zwischen zwei deutschen Großstädten maximal 3 Stunden unterwegs ist. Natürlich sollte ich dieses Ziel dann mit ner Steueranpassung beim Kerosin flankieren. Aber das ist doch nicht mein primäres Ziel. Denn wenn man in 3 Stunden von Rostock nach München komme, dann fliegt da kein Mensch mehr. Dann sind mir die paar Flüge nach Malle auch egal.

            • Erwin Gabriel 12. Juni 2019, 15:14

              @ Hias 11. Juni 2019, 22:12

              Denn wenn man in 3 Stunden von Rostock nach München komme, dann fliegt da kein Mensch mehr. Dann sind mir die paar Flüge nach Malle auch egal.

              Da stimme ich sogar zu. Aber es ist nicht nur der Staat, der das schnelle Schienennetz verpennt; es gibt genügend politische Kräfte, die es verhindern würden, wenn der Staat es plant.

            • R.A. 12. Juni 2019, 15:24

              „Denn wenn man in 3 Stunden von Rostock nach München komme, dann fliegt da kein Mensch mehr.“
              Wahrscheinlich. Aber ob das der Umwelt weiterhilft ist fraglich.
              Denn für das sehr geringe Passagieraufkommen zwischen Rostock und München könnte ein Flugzeug durchaus das ökologisch günstigste Verkehrsmittel sein – weil der Bau von Bahnschnelltrassen auch eine Menge Ressourcen verschlingt und ein ICE für viel mehr Passagiere konzipiert ist als ein kleiner Flieger.

              „Dann sind mir die paar Flüge nach Malle auch egal.“
              Ich habe keine Zahlen da – aber ich könnte mir vorstellen, daß „die paar Flüge nach Malle“ mehr Flugmeilen verursachen als der komplette innerdeutsche Flugverkehr.

              • Hias 13. Juni 2019, 13:55

                Denn für das sehr geringe Passagieraufkommen zwischen Rostock und München könnte ein Flugzeug durchaus das ökologisch günstigste Verkehrsmittel sein – weil der Bau von Bahnschnelltrassen auch eine Menge Ressourcen verschlingt und ein ICE für viel mehr Passagiere konzipiert ist als ein kleiner Flieger.

                Der Ausbau dürfte sich immer lohnen. Erstens werden Bahnstrecken sehr lange benutzt, zweitens ist die Strecke für den Güterverkehr ziemlich wichtig (zum einen vom Seehafen Rostock, zum anderen als Alternativroute für die Güter aus Hamburg) und drittens ist das Passagieraufkommen deutlich höher als man denkt (Sommerurlauber und Kreuzfahrer ab Warnemünde).

                Ich habe keine Zahlen da – aber ich könnte mir vorstellen, daß „die paar Flüge nach Malle“ mehr Flugmeilen verursachen als der komplette innerdeutsche Flugverkehr.
                Danke für den Anstoß da nachzuschauen. Zunächst mal, sind es tatsächlich deutlich mehr Flüge, als ich erwartet habe.
                Innerhalb Deutschlands: ca.312.000 Flüge; 23,8 Mio Passagiere; 109 Mio Flug-km
                Deutschland-Mallorca: ca. 32.000 Flüge; 4,9 Mio. Passagiere; 44 Mio Flug-km
                Also nur gut ein Zehntel der Flüge aber fast halb so viele Flug-km. Da zeigt sich auch das Problem schon sehr schön. Die innerdeutschen Flüge machen zwar fast 28% der Flüge von deutschen Flughäfen aus, aber nur gut 7,5% der Flug-km. Tatsächlich machen alleine die Flüge nach Spanien (176 Mio. Flug-km) und in die Türkei (106 Mio. Flug-km) mehr Flugkilometer aus als alle innerdeutschen Flüge gemeinsam.
                Tja, damit dürfte klar sein, dass man an einer drastischen Verteuerung von Flügen nicht vorbeikommt, wenn man im Verkehrssektor deutlich CO2 einsparen will. Für ein Hochgeschwindigkeitsnetz wäre ich aber trotzdem.
                Quelle: https://www.destatis.de/DE/Themen/Branchen-Unternehmen/Transport-Verkehr/Personenverkehr/Publikationen/Downloads-Luftverkehr/luftverkehr-ausgewaehlte-flugplaetze-2080610187004.pdf?__blob=publicationFile&v=2
                (S.34, S.114 und S. 118)

  • CitizenK 11. Juni 2019, 08:03

    @ Rauschi

    Du kennst Dich doch in der Schweiz aus: Wie funktioniert aktuell die Rückerstattung über die Krankenkassen? Bei Wikipedia sind Zahlen nur bis 2013 zu finden.

    • Rauschi 11. Juni 2019, 09:56

      @citizen
      Ich steh gerade auf dem Schlauch, welche Rückerstattung?
      Ich arbeite zwar in der Schweiz, lebe aber in Deutschland und bin auch dort steuerpflichtig. Ich kann deswegen zu Regelungen, die für Menschen mit Wohnsitz Schweiz gelten, nicht viel sagen.

      • CitizenK 11. Juni 2019, 10:12

        Die Frage bezog sich auf die Lenkungsabgabe.

        • Stefan Pietsch 11. Juni 2019, 11:01

          Die Abgabe erzielte 2018 ein Volumen von 1,2 Milliarden Schweizer Franken. Zweidrittel davon werden zwischen Wirtschaft und Bevölkerung zurückverteilt, zuletzt waren das 76,80 CHF pro Kopf.

          Die Werte liegen weit jenseits dessen, was eine Steuer nach den Wünschen der FfF-Bewegung in Deutschland ergeben würde. In der Schweiz entfällt ein wesentlicher Teil der Rückerstattung auf die Unternehmen, dies ist vom Bundesumweltministerium bisher nicht so vorgesehen, wobei der öffentlich bekannt gewordene Entwurf außerordentlich vage ist. Unternehmen, die am Emissionshandel teilnehmen, sind von der Abgabe befreit.
          https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/klima/fachinformationen/klimapolitik/co2-abgabe/rueckverteilung-der-co2-abgabe.html

          Pro Kopf entfallen auf Eidgenossen mit 4,5 Tonnen pro Kopf nur die Hälfte des CO2-Konsums wie auf Deutsche (8,9 Tonnen). Dies liegt ganz wesentlich am Energiemix. Rund 60% des Stroms werden aus Wasserkraft gewonnen, 32% aus der Kernenergie. Zusammen mit den Erneuerbaren produziert die Schweiz damit fast gänzlich CO2 frei.
          https://www.strom.ch/de/energiewissen/produktion-und-handel/produktion-strommix

          In Deutschland hat die Wasserkraft gerade einen Anteil von 3%, die Kernenergie von 13%. Wer behauptet, Deutschland sei mit seinem Ausstieg aus der Atomkraft und der Weigerung, große Staudämme zu bauen, auf dem ökologischen Holzweg, hat wahrscheinlich Recht.
          https://www.stromauskunft.de/strompreise/strommix-in-deutschland/

          Seit 1990 konnten sowohl die Helvetier als auch die Deutschen ihren CO2-Verbrauch um 25% senken. Doch Abgabe und Emissionshandel wirken ganz offensichtlich: seit 2010 sanken die Pro-Kopf-Emissionen in unserem Nachbarland um knapp 18%, während sie hierzulande nur um 6% zurückgingen – trotz großzügiger Förderung Erneuerbarer Energien.
          https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Länder_nach_CO2-Emission

          • CitizenK 11. Juni 2019, 11:34

            Danke für die Info und die Zahlen. Die Rueckzahlung ist wichtig für die Akzeptanz.

            BTW ist der globale Anteil der Eidgenossen viel geringer und die machen dastrotzdem. Und die sind ja auch nicht blöd.

            • Stefan Pietsch 11. Juni 2019, 12:43

              Die Höhe einer Steuer ist auch wichtig für ihre Akzeptanz. Deutsche Umweltaktivisten begründen ihre Forderungen stets mit der Vorbildfunktion. Die Schweizer tun das nicht, die machen einfach und kommen erstaunlicherweise zu wesentlich besseren Ergebnissen. Wir wissen dafür, wie etwas möglichst teuer und ineffizient geht. Vielleicht versuchen wir es doch mal mit dem Gegenteil?

              Jedenfalls, zahlt ein 4-Personen-Haushalt heute 1.500€ für den Klimaschutz (Strompreis + Ökosteuer). Bekommen haben wir dafür – nichts. Die gesamte Energiepolitik der letzten 20 Jahre atmet den Geruch der Grünen, war von der Ökopartei maßgeblich konzipiert inklusive all dessen, was nicht geht. Ich halte es nicht für vernünftig, solchen Leuten eine Kehrtwende zu überantworten.

              • Rauschi 12. Juni 2019, 08:24

                Die Höhe einer Steuer ist auch wichtig für ihre Akzeptanz.
                [Sie beträgt ab 2018 96 Franken pro Tonne CO2. Die CO2-Abgabe ist auf den Rechnungen für Brennstoffkäufe ausgewiesen.]
                Umgerechnet also 106 Euro. Da es dort aber einen Ausgleich gibt, der dafür sorgt, das Sparsamkeit belohnt wird, ist es allgemein anerkannt. Nicht wegen der absoluten Höhe.
                Haben Sie nicht geschrieben, es müsste zwangsläufig Verlierer geben, sonst wirkt das nicht? Hier muss es aber Gewinner geben, sonst würde es nicht wirken. Schiesslich haben die ja defacto reduziert, ganz ohne das Allheilmittel Emissionshandel, wie kann denn das sein?

                • Stefan Pietsch 12. Juni 2019, 08:54

                  [Sie beträgt ab 2018 96 Franken pro Tonne CO2. Die CO2-Abgabe ist auf den Rechnungen für Brennstoffkäufe ausgewiesen.]
                  Umgerechnet also 106 Euro.

                  96 Franken entsprechen derzeit 85€. Das steht sowohl im Text, als auch in einem früheren Kommentar und lässt sich leicht durch Google-Eingabe feststellen. Solche Fehler sollten dann doch nicht unterlaufen.

                  • CitizenK 12. Juni 2019, 09:11

                    Bitte nicht so pingelig. Am Inhalt ändert das nichts.

                    • Stefan Pietsch 12. Juni 2019, 09:21

                      Doch es ändert sehr viel. Erst einmal inhaltlich: zwischen 106€ und 85€ liegen 21€, das ist bereits ein Wert, der überhaupt als Einstieg für eine CO2-Steuer in Erwägung gezogen wird. 106€ liegt weit näher an den von der FfF-Bewegung vorgeschlagenen 180€ als gerade mal der hälftige Wert.

                      Rauschi behauptet als angebliche Elektroingenieurin von sich, gut mit Zahlen zu können und seit vielen Jahren in der Schweiz zu arbeiten. Jedem könnte man abnehmen, beim Umrechnungskurs Fehler zu machen, nicht jedoch jemanden, der angeblich jeden Tag zwischen beiden Welten pendelt. Es ist daneben die gleiche Teilnehmerin, die als einzige Probleme hatte – als angebliche Elektroingenieurin – eine Strommenge als Stromverbrauch zu erkennen und deswegen laut „Täuschung“ rief.

                      Diese Person meine ich. Das wäre ungefähr so, als könnte ich Eigenkapital und Anlagevermögen nicht auseinander halten.

                    • Rauschi 12. Juni 2019, 10:58

                      liegen 21€, das ist bereits ein Wert, der überhaupt als Einstieg für eine CO2-Steuer in Erwägung gezogen wird.
                      Sorry, falsch umgerechnet. Da sie ja das Rechengenie sind und die zweimaligen falschen Zahlen zur Wählerpräferenz auch immer korrigerit haben, verbitte ich mir jeden Hinweis Ihrerseits auf Fehler. Solange Sie Ihren nicht zugeben, werde ich da auch nicht. Ausserdem ändert es nichts am Inhalt meiner Aussage, es gibt keinen Emmisionshandel und trotzdem erzeugen die weniger CO2, was nach Ihrer Aussage ja ausgeschlossen sein müsste. Auch die Zwangverlierer gibt es nicht. That’s life.

                      Es ist daneben die gleiche Teilnehmerin, die als einzige Probleme hatte – als angebliche Elektroingenieurin – eine Strommenge als Stromverbrauch zu erkennen und deswegen laut „Täuschung“ rief.
                      Warum Sie immer wieder die Unwahrheit schreiben, keine Ahnung. Ich habe Sie nach Ihrer Quelle gefragt und sogar den Unterschied erklärt.
                      [Da habe ich dann noch einen:
                      Auf der Habenseite steht ein Anteil der Erneuerbaren von 14%.
                      14%? Wie bitte, wo recherchieren Sie Ihre Sachen?] Sie schreiben sogar selbst:
                      [Sie hatten mir nicht Täuschung, sondern falsche Zahlen vorgehalten. ]
                      Den Unterschied, den Sie bei den Emissionen aber übersehen, denn da nehmen Sie nur den Stromverbrauch und nicht die Primärenergie. Habe ich mit Zahlen belegt.

                      Diese Person meine ich. Das wäre ungefähr so, als könnte ich Eigenkapital und Anlagevermögen nicht auseinander halten.
                      Sie sollten sich etwas zurück halten, denn es waren schon mehrfach Werte falsch, die sie geannt haben.
                      Sind Sie zu feige, mich direkt anzusprechen? Oder was soll diese Person? Werden wohl wieder zu viele Fragezeiche für eine Antwort, ist mir aber auch egal, auf Ihre Meinung lege ich keinen gesteigerten Wert mehr.

                    • Rauschi 12. Juni 2019, 11:00

                      Was sind die versprechen eines Herrn Pietsch wert?
                      [Es ist ohne Frage kein guter Stil, jemanden die Profession zu bestreiten. Natürlich auch nicht Ihnen. Das war eine gezielt gesetzte Gemeinheit und daher nicht akzeptabel. Dafür kann ich mir nur entschuldigen. Ich werde es nicht mehr tun.]
                      http://www.deliberationdaily.de/2018/08/glanz-und-elend-der-sozialdemokratie-teil-6-die-zwickmuehle/#comment-68338

                    • Stefan Pietsch 12. Juni 2019, 11:14

                      Sie liegen regelmäßig daneben, wenn es um Ihre angebliche Profession geht. Es geht eben nicht darum, dass jedem von uns Fehler unterlaufen.

                      Bezüglich meiner Angabe, umweltökonomische Kompetenz zu besitzen, haben Sie gegiftet. Ich kann es beweisen und die Artikelserie liefert zahlreiche Informationen aus diesem Bereich, die man nicht so durch Nebenbei-Googlen erhalten kann.

                      Vom Großteil der hier Aktiven wissen wir, aus welchem Bereich sie kommen. Im Laufe der Debatte hat sich immer wieder gezeigt, dass die Leute mehr Ahnung von der behaupteten Materie haben. Einige Kommentatoren wissen das inzwischen auch von mir. Von Ihnen weiß niemand irgendetwas, jedenfalls nichts Überprüfbares, außer was Sie behaupten. Doch genau in diesen Bereichen unterlaufen Ihnen immer ganz bemerkenswerte Fehler. Auch bei diesem letzten Austausch können Sie nach einem Tag nur bringen, was Sie zusammengegoogelt haben, nachdem Sie zuvor auf meinen Kommentar mit zahlreichen Informationen nur allgemeine Einwände vorgebracht haben.

                      Niemand lässt sich gerne ein X für ein U vormachen. Wer in einem anderen Land länger lebt, hat einen sehr engen Bezug zu der Währung, als Tourist rechnet man ständig um. Angebliche Zahlenaffinität und angebliches Arbeiten in der Schweiz und dann so ein Bug? Das wäre so, als würden Sie auf 10 x 10 „150“ antworten und nicht sofort merken, dass die Relationen überhaupt nicht passen.

                      Liefern Sie einen Beweis, dass Sie Elektroingenieurin sind und in der Schweiz in herausgehobener Position arbeiten. Ansonsten lassen Sie es auf etwas zu verweisen, woran doch erhebliche Zweifel bestehen müssen. Ihr Verhalten, Ihr Argumentieren, Ihre vielen Fehler passen nicht dazu.

                    • Rauschi 12. Juni 2019, 11:43

                      Es geht eben nicht darum, dass jedem von uns Fehler unterlaufen.
                      Auch darum geht es, Sie geben nicht mal Fehler zu, die nichts mit Ihrem Job zu tun haben.
                      Was ist mit Ihrem Versprechen? Heissse Luft?
                      Nur weil es Ihnen nicht passt, das ich dauernd auf Ihre Fehler hinweise, finde ich es eine der übelsten Maschen, mir meinen Beruf abzusprechen.
                      Aber auch das juckt mich nicht mehr, denn ich habe Sie ja auch schon gefragt, warum sie so einem Vollpfosten ohne Manieren keine Antwort geben können.
                      A
                      Da kam: heisse Luft oder nada.
                      Von Daher ist es mir egal, für was oder wen Sie mich halten, wenn jemand ohne Ausdbildung Sie so vorführen kann, sagt das doch was über Sie und nicht über mich.
                      Als wären alle Menschen mit einer gewissen Ausbildung gleich im Auftreten, vor allem gegenüber jemandem wie Ihnen, der bislang noch jedem hier die Expertise abgesprochen hat.
                      Ich werde mich zu diesem Thema nicht mehr einlassen, sondern immer wieder nur Ihr Versprechen posten.

                      Liefern Sie einen Beweis, dass Sie Elektroingenieurin sind und in der Schweiz in herausgehobener Position arbeiten. Ansonsten lassen Sie es auf etwas zu verweisen, woran doch erhebliche Zweifel bestehen müssen. Ihr Verhalten, Ihr Argumentieren, Ihre vielen Fehler passen nicht dazu.
                      Welchen Schuss haben Sie denn nicht gehört?
                      Sie haben die Zahlen bewusst so geschrieben, das der Unterschied nicht klar war.
                      [Primärenergie Schweiz:
                      Die meiste Energie wird in der Schweiz verbraucht in Form von Erdölbrennstoffen und Treibstoffen (50,6%), gefolgt von Elektrizität (25,0%), Gas (13,5%) und Holz (4,4%).]
                      Folglich sind nur 25% Emissionsfrei, der Rest (bis auf Holz) wohl eher nicht.
                      Zusammen mit den Erneuerbaren produziert die Schweiz damit fast gänzlich CO2 frei. liest sich aber ganz anders.
                      Dann glauben Sie doch von mir aus, ich wäre Putzfrau, wenn Ihnen das lieber ist. Umso peinlicher für Sie, das so jemand Ihre Fehler aufdeckt.
                      Sie haben nicht mal auf die bewiesene Expertise mit der Brennstoffzelle gehört, was soll ich da noch machen?
                      Siehe oben, gerade wenn ich so eine Lusche sein sollte, umso besser für Sie, widerlegen Sie mich doch einfach mit Zahlen und Fakten, nicht mit Strohmännern.
                      Nur Zu, ich habe damit keinerlei Problem.

                      Sie können doch auch googeln, dann her mit den Beweisen, die Sie immer nur behaupten, aber nie belegen.

                    • Stefan Pietsch 12. Juni 2019, 11:52

                      Es steht Ihnen jederzeit frei, über Stefan den Beweis zu liefern, dass Sie sind, was Sie seit Jahren vorgeben zu sein. Soweit müssen Sie damit leben, dass zumindest ich Ihnen das nicht mehr glaubt.

                      Ich hatte meinen Spaß, nun können Sie wieder mit sich selbst diskutieren.

                    • Rauschi 12. Juni 2019, 12:00

                      Warum sollte ich?
                      Damit Sie was machen, das nicht mehr anzweifeln? Warum sollte ich darauf Wert legen?

                    • Stefan Pietsch 12. Juni 2019, 12:05

                      Das steht Ihnen natürlich auch frei. Nur damit müssen Sie akzeptieren, dass ich Ihnen Ihre Behauptungen nicht abnehme. Jemand, der sich eine solche Mühe macht, seine Identität vollständig zu verschleiern, wird dafür Gründe haben, die nicht unbedingt zu respektieren sind.

                      Damit sind die Fronten ja geklärt.

                    • Rauschi 12. Juni 2019, 12:08

                      Soweit müssen Sie damit leben, dass zumindest ich Ihnen das nicht mehr glaubt.
                      Als wenn Sie das je getan hätten. Lenken Sie doch nicht wieder von Ihren nachgewiesenen Fehlern ab.
                      Nicht mehr glaubt? Nichglauben wie an
                      die Folgen des Klimawandels? So wie an der Ehrlichkeit von Pazifisten? So wie an der Profession von jedem ausser Ihnen hier? So wie an die Unfehlbarkeit des Neoliberalismus? So wie an die Überlegenheit der Akademiker?
                      Dann will ich Sie nicht abhalten, glauben Sie eben nicht, macht mir nicht das geringste aus.
                      Warum sollte auch ausgerechnet das mich treffen? Sie glauben meine Motive nicht, das reicht doch völlig.
                      Sie wollten doch nie ernsthaft disskutieren, wie Ralf so treffend fest gestellt hat. Sie gehen nämlich nie auf die Gegenseite ein. So wird das nur ein Monlog mit Zwischenrufen, aber keine Diskussion. Wer’s braucht.

                    • Rauschi 12. Juni 2019, 12:15

                      Nur damit müssen Sie akzeptieren, dass ich Ihnen Ihre Behauptungen nicht abnehme.
                      So what? Wenn ich ein Laie wäre, dann steht Ihnen doch der gesamte Blog frei, meine Behauptungen zu widerlegen.
                      Aber so in echt, nicht nur behauptet, sondern mit Quellen.
                      So überzeugend, wei Sie das bei der Brennstoffzelle gemacht haben, wird das aber nichts.
                      Sie machen sich langsam lächerlich, darauf herum zu reiten, sieht für mich nach Sandkasten aus.
                      Wäre nur noch zu beweisen, das Ihre Förmchen schöner sind.
                      Dann bringen Sie doch erst mal einen Beleg, das Sie der sind, für den Sie Sich ausgeben. Sie wurden hier auch schon widerlegt, als es um Steuerangelegenheiten ging. Nicht von mir, aber auch das kam schon vor.
                      Mir persönlich ist das egal, selbst wenn Sie Professor wären, würde ich auf Fehler hinweisen. So eine seltsame Autoritätshörigkeit wie bei Ihnen spricht aber eher dagegen, dass Sie selbst eine sind.

                  • Erwin Gabriel 12. Juni 2019, 15:16

                    Ich bin bei Citizen K

                    Der genaue Wert ändert nichts an der Richtung der Diskussion.

                    • Rauschi 13. Juni 2019, 06:13

                      Merci, aber die Antwort ist noch offen.
                      Eigentlich sollte das Konzept nach den Ausführungen von Herrn Pietsch nicht funktionieren, tut es aber doch.
                      Das sollte der Experte dann schon erklären können und nicht wieder mit solchen Strohmännern ablenken.

                      *schönen Gruss von der Putzkolonne*

          • Rauschi 11. Juni 2019, 11:54

            Seit 1990 konnten sowohl die Helvetier als auch die Deutschen ihren CO2-Verbrauch um 25% senken. Doch Abgabe und Emissionshandel wirken ganz offensichtlich: seit 2010 sanken die Pro-Kopf-Emissionen in unserem Nachbarland um knapp 18%, während sie hierzulande nur um 6% zurückgingen – trotz großzügiger Förderung Erneuerbarer Energien.
            Wie kann der Link die Aussage belegen, die Senkung wäre durch die Abgabe und den E-Handel verursacht?
            Gar nicht?

            Wer behauptet, Deutschland sei mit seinem Ausstieg aus der Atomkraft und der Weigerung, große Staudämme zu bauen, auf dem ökologischen Holzweg, hat wahrscheinlich Recht.
            Es gibt sehr viele kleine Wasserkraftwerke, die aber überhaupt nicht gefördert werden, obwohl gerade diese grundlastfähig sind. Ein Schelm, wer böses dabei denkt.
            Im Übrigen steigt auch die Schweiz aus der Atomkraft aus, was soll uns das sagen?

            Zusammen mit den Erneuerbaren produziert die Schweiz damit fast gänzlich CO2 frei.
            Den Strom, nur den Strom, bei der Gesamtenergie sieht das wieder ganz anders aus. Oder haben Sie den Unterschied zwischen Erzeugung und Verbrauch schon wieder vergessen?
            [Die meiste Energie wird in der Schweiz verbraucht in Form von Erdölbrennstoffen und Treibstoffen (50,6%), gefolgt von Elektrizität (25,0%), Gas (13,5%) und Holz (4,4%).

            Die Produktion von Elektrizität erfolgt in der Schweiz hauptsächlich mit Wasserkraft (59,9%), Kernkraft (33,5%) und konventionell-thermischen Anlagen (2,3%, nicht-erneuerbar).

            Der mittlere Energieverbrauch pro Person ist seit 1990 um 14,5% zurückgegangen. Aber als Folge der gleichzeitigen Zunahme der Wohnbevölkerung um 23,4% ist die Gesamtmenge der genutzten Energie in der gleichen Periode um 5,5% angestiegen.
            Zurzeit ist in der Schweiz unter dem Namen «Energiestrategie 2050» eine Energiewende im Gange. Sie hat zum Ziel, schrittweise aus der Kernenergie auszusteigen.]
            https://www.eda.admin.ch/aboutswitzerland/de/home/wirtschaft/energie/energie—fakten-und-zahlen.html

            • CitizenK 11. Juni 2019, 12:33

              Dass AKWs kein CO2 emittieren, wissen auch wir Atomkraftgegner. Muss man das wirklich immer noch oder immer wieder sagen: Das Problem ist die Unfall-Gefahr (GAU), die Terrorgefahr und die Endlagerung. Auch die Schweiz hat noch kein Endlager bzw. will es direkt an der deutschen Grenze bauen – na vielen Dank auch.

              Wenn man das verseuchte Gebiet um Tschernobyl mal auf Deutschland überträgt, bleibt nicht mehr viel bewohnbares übrig. (Wenn wir dann fliehen wollen – könnten wir die Erfahrung machen wie jetzt die Menschen aus Syrien und Afrika). Schlimm genug, dass wir auf Franzosen und Belgier keinen Einfluss haben.

          • R.A. 11. Juni 2019, 12:07

            „Seit 1990 konnten sowohl die Helvetier als auch die Deutschen ihren CO2-Verbrauch um 25% senken.“
            1990 ist ein in Deutschland sehr beliebter Ausgangspunkt für CO2-Vergleiche. Aber ziemlich unbrauchbar (deswegen ist er so beliebt bei gewissen Leuten).

            Denn die Werte von 1990 beinhalten noch voll die Emissionen der besonders schmutzigen DDR-Industrie. Die kurz nach 1990 in sich zusammenbrach.
            Wenn man diesen Effekt rausrechnet, sind die deutschen CO2-Reduzierungen lächerlich gering und ziemlich peinlich im internationalen Vergleich. Und noch peinlicher ist, daß wir für diesen minimalen „Erfolg“ um Größenordnungen mehr Geld rausgeblasen haben als in vergleichbaren Ländern.

            • Stefan Pietsch 11. Juni 2019, 12:44

              Das war schon bei Kyoto extra so gewählt. Wie ich schrieb, wollte man damit den Deutschen und den Osteuropäern entgegenkommen.

          • Rauschi 12. Juni 2019, 11:25

            Seit 1990 konnten sowohl die Helvetier als auch die Deutschen ihren CO2-Verbrauch um 25% senken.

            Offizielle Angaben:
            [Der Treibhausgasausstoss in der Schweiz hat zwischen 1990 und 2017 um 12 % abgenommen. Das Ziel, diesen bis 2020 um 20 % zu senken, wird möglicherweise nicht erreicht….
            Die Treibhausgasemissionen auf Schweizer Territorium sind seit 1990 um 12% gesunken. Die innerhalb der Schweiz 2017 in die Atmosphäre ausgestossene Menge an Treibhausgasen entspricht 47,2 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten (nicht eingerechnet ist der internationale Flug- und Schiffsverkehr). Dies entspricht einem Treibhausgas-Ausstoss von 5,6 t pro Kopf (davon CO2: 4,5 t)…
            Zwischen 1990 und 2017 haben sich die Emissionen der verschiedenen Treibhausgase in der Schweiz wie folgt verändert:
            der CO2-Austoss ist leicht zurückgegangen (14%). ]
            https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/klima/inkuerze.html#-1439031040

            Sieht für mich nach knapp der Hälfte der Angabe oben aus, liegt aber sicher nur an meiner Rechenschwäche und der fehlenden Profession. Kann ja nicht anders sein.

            • Stefan Pietsch 12. Juni 2019, 11:39

              … vor allem, wenn Sie sich nicht mit meiner Quelle beschäftigen. Die Zahl ist ja nicht aus den Fingern gesogen. Menschen mit Stärke in Mathe würden so etwas tun. Menschen mit ausgeprägter Matheschwäche nehmen nur das, was sie sich zusammengoogeln.

              • Rauschi 12. Juni 2019, 11:58

                😛

              • Rauschi 13. Juni 2019, 06:17

                Als unbedarfte Putzfachkraft frage ich dann nochmal nach:
                Die Höhe einer Steuer ist auch wichtig für ihre Akzeptanz.
                [Sie beträgt ab 2018 96 Franken pro Tonne CO2. Die CO2-Abgabe ist auf den Rechnungen für Brennstoffkäufe ausgewiesen.]
                Umgerechnet also 85 Euro (Umrechnungskurs 1:1,12, Buchkurs, beim ersten Mal multipliziert statt dividiert). Da es dort aber einen Ausgleich gibt, der dafür sorgt, dass Sparsamkeit belohnt wird, ist es allgemein anerkannt. Nicht wegen der absoluten Höhe.
                Haben Sie nicht geschrieben, es müsste zwangsläufig Verlierer geben, sonst wirkt das nicht? Hier muss es aber Gewinner geben, sonst würde es nicht wirken. Schiesslich haben die ja defacto reduziert, ganz ohne das Allheilmittel Emissionshandel, wie kann denn das sein?

                Die Frage ist immer noch nicht beantwortet, wie kann die Abgabe wirken, obwohl alle von Ihnen genannten Voraussetzungen nicht gegeben sind? Als Fachmann können Sie das sicher erklären.

                Als Absolvent der Klötzchenschule können Sie mir bitte nochmal die Formel aufschrieben, auf der die Summe von 4500 Euro beruht? Denn auch mit Zeitstrahl komme ich auf 900, ist aber sicher mein Fehler:
                [Was haben Sie jetzt gemacht? In der ersten Periode nach der Steuerreform zahlen Sie 100 Euro „zuviel“ Steuern, in der zweiten kommen weitere 100 dazu, folglich zahlen Sie bereits 200 Euro zuviel. Und jetzt werden Sie ablesen können, dass Sie nach 10 Jahren 1000 Euro zu viel Steuern entrichten. Sie zahlen aber nicht nur in t+10 1.000 Euro Zuviel, sondern haben in den Vorperioden weitere 4.500 Euro zu viel bezahlt. Das ist Mathematik der gehobenen Sekundarstufe, wieder einmal haben Sie ein grundsätzliches Verständnisproblem mit Mathematik, die über Grundschule hinausgeht sowie mit relativen Zahlen. Wie gesagt, für Elektroingenieure mehr als ungewöhnlich.]
                http://www.deliberationdaily.de/2017/06/die-spd-der-solidaritaetszuschlag-und-die-fiskalische-kompetenzluecke/#comment-54516
                Die Frage lautet, wie viel wurde nach 10 Perioden zu viel gezahlt, wenn pro Periode 100 Euro zu viel gezahlt wurden. Darauf erhielt ich diese Antwort und zwar mehrfach mit dem Hinweis, das ich zu blöde (ungebildet) wäre, die einfache Rechnung nachzuvollziehen. Bis heute haben Sie das nicht richtig gestellt oder die Formel gepostet, denn auch ein Zeitstrahl ist nur die graphische Darstellung einer Formel und für diesen ultra einfachen Rechenweg (10*100) vollkommen überflüssig.

                Eher ungewöhnlich, seinen Lösungsweg nicht Preis zu geben, für jemanden, der den ganzen Tag mit Zahlen arbeitet und der selbsternannter Experte für alles ist. Jedenfalls ist es nach meiner Erinnerung noch nie vorgekommen, dass Sie das Fachwissen einer anderen Person anerkannt hat. Oder kann sich jemand daran erinnern?
                Das Sie mit Quellen aufgewartet hätten, die Insiderwissen in Bezug auf Jura oder Ökonomie vermuten lassen, muss auch an mir vorbei gegangen sein, oder was soll der absurde Vorwurf des Googelns? Quellen für Ihre Aussagen sind dann auch eher selten und zeigen oft nicht das, was angedeutet wird. Wie oben die Zahlen zum CO2 Ausstoss. Der Wikipedia Link führt auf eine Seite, auf der die gemachten Aussagen gar nicht belegt werden.

            • Stefan Pietsch 12. Juni 2019, 11:42

              Ach so, wissen Sie, wo Sie wieder Ihren Bug reingebaut haben? Ich habe geschrieben, dass die Pro-Kopf-Emissionen sich um 25% reduziert hätten. Sie reden von den gesamten Emissionen.

              Unterlaufen Profis solche Fehler permanent, dass sie Pro-Kopf und Gesamt verwechseln?

              • Rauschi 12. Juni 2019, 11:56

                Seit 1990 konnten sowohl die Helvetier als auch die Deutschen ihren CO2-Verbrauch um 25% senken.
                Von pro Kopf steht da nichts.
                Bei Deutschland steht aber:
                [Die Treibhausgas-Emissionen in Deutschland sind 2017 gegenüber dem Vorjahr um 0,5 Prozent gesunken. Das entspricht einer Minderung um 27,5 Prozent im Vergleich zum internationalen Referenzjahr 1990. ]
                https://www.umweltbundesamt.de/daten/klima/treibhausgas-emissionen-in-deutschland#textpart-1

                Einmal pro Kopf (Schweiz) und einmal Gesamt (Deutschland), wird aber im Kommentar auf die gleiche Stufe gestellt.
                Unterlaufen Profis solche Fehler permanent, dass sie Pro-Kopf und Gesamt verwechseln?

                Oh doch, ich habe die Quelle gelesen, die schweizer Stromproduzenten, eine ganz neutrale Quelle, quasi ein Minsterium.

                • Stefan Pietsch 12. Juni 2019, 12:03

                  Von pro Kopf steht da nichts.

                  Okay, ich vergaß: Neben einer ausgeprägten Rechenschwäche zeichnet Sie ja noch eine ausgeprägte Leseschwäche aus. Sie haben unvollständig zitiert. Erstens stand das bereits im Absatz vorher. Zweitens sagt das die Quelle. Mehr noch aber lautet der vollständige Absatz:

                  Seit 1990 konnten sowohl die Helvetier als auch die Deutschen ihren CO2-Verbrauch um 25% senken. Doch Abgabe und Emissionshandel wirken ganz offensichtlich: seit 2010 sanken die Pro-Kopf-Emissionen in unserem Nachbarland um knapp 18%, während sie hierzulande nur um 6% zurückgingen – trotz großzügiger Förderung Erneuerbarer Energien.

                  Ergo: es ist die gesamte Zeit von Pro-Kopf-Emissionen die Rede. Wie konnten Sie das überlesen?

                  • Rauschi 12. Juni 2019, 12:21

                    Ergo: es ist die gesamte Zeit von Pro-Kopf-Emissionen die Rede. Wie konnten Sie das überlesen?
                    Sie können doch lesen, oder?
                    [Die Treibhausgas-Emissionen in Deutschland sind 2017 gegenüber dem Vorjahr um 0,5 Prozent gesunken. Das entspricht einer Minderung um 27,5 Prozent im Vergleich zum internationalen Referenzjahr 1990. ]
                    Gesamthaft, nicht pro Kopf, steht da eindeutig.
                    Dieser Wert in der Schweiz :
                    [Der Treibhausgasausstoss in der Schweiz hat zwischen 1990 und 2017 um 12 % abgenommen. Das Ziel, diesen bis 2020 um 20 % zu senken, wird möglicherweise nicht erreicht.]
                    woher kommen die 25%?

        • Rauschi 11. Juni 2019, 12:09

          @citizen
          Für Basel Stadt gibt es hier Infos:
          https://www.aue.bs.ch/energie/stromspar-fonds/hintergruende.html
          Was das aber wieder mit der Krankenkasse zu tun hat, ist mir immer noch unklar.

          • CitizenK 11. Juni 2019, 12:20

            Danke. Nach meinen Informationen (Wikipedia) wird die Rückzahlung mit den KK-Beiträgen verrechnet, weil dies der administrativ einfachste Weg ist.

            • Rauschi 12. Juni 2019, 08:19

              Das wird mit den Prämien verrechnet.

              Genial finde ich die Rückzahlung an die Unternehmen. Wo es bei uns enorm viele Ausnahmen von der EEG Umlage gibt, richtet sich die Rückzahlung dort nach der AHV Zahlung (vergleichbar der Rentenversicheurng).
              [Rückverteilung an die Unternehmen

              Die Einnahmen aus der CO2-Abgabe, die von der Wirtschaft entrichtet wurden, werden an alle Arbeitgeber, proportional zur abgerechneten AHV-Lohnsumme ihrer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, zurückverteilt.
              Die AHV-Ausgleichskassen verteilen die Gelder im Auftrag des BAFU, indem sie den jeweiligen Betrag verrechnen oder auszahlen.]
              https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/klima/fachinformationen/klimapolitik/co2-abgabe/rueckverteilung-der-co2-abgabe.html
              Das heisst, wer seine Mitarbeiter gut bezahlt, bekommt auch mehr zurück, als der jenige, der dies nicht macht. Ein Anreiz zur guten Bezahlung, sozusagen. 😉

  • Erwin Gabriel 11. Juni 2019, 17:49

    8) Die Selbstzerstörung der SPD

    @ Stefan Sasse

    Ich bleibe dabei. Es war nicht die Agenda2010 unter Schröder, die der SPD das Genick brach. … Es ist diese Phase des selbstzerstörerischen Leerlaufs danach, die sie herunterzog.

    Zustimmung.

    Ich glaube, die aktuelle Todesspirale der CDU fußt auf einem ähnlichen Problem. Nicht die Flüchtlingsentscheidung von 2015 per se ist das Problem, …

    Es gab zwei „Flüchtlingsentscheidungen“: Die Entscheidung, die 100.000 aus Budapest aufzunehmen, war OK: Da gab es ein Narrativ, da konnte man helfen, das hätte man locker bewältigt.

    … sondern das ideenlose Management danach, die Unfähigkeit, die Folgen aufzufangen und ein neues Narrativ darum zu schnüren.

    Zustimmung – mein Reden seit Jahren: Die anschließende Grenzöffnung für jeden hatte kein Narrativ bzw. nur das, dass eine hilf- und tatenlose Merkel die Tür nicht wieder zukriegt. Es war kein Ende abzusehen, keine Möglichkeit der Bewältigung, nur in Worthülsen gepackte Ratlosigkeit, die erst der damalige österreichische Außenminister Sebastian Kurz beendete.

    So doktert man bis heute konzeptlos an Gesetzen herum (man muss den Abzuschiebenden auf der einen Seite vorher Bescheid sagen, bevor man kommt, kann sie aber, wenn man sie antrifft, ins Gefängnis sperren – ich neide denen, die solche verqueren Gesetze machen, die Drogen).

    Aber schön, dass Du es endlich einsiehst 🙂

    • CitizenK 11. Juni 2019, 18:45

      Angesichts der Not konnte man schon ratlos sein. Die Balkan-Route einfach zu schließen hielt man aus humanitären Gründen für „unmöglich“.

      Kurz hat das beendet, wohl wahr. Weil er sich wie die Merkel-Kritiker „von traurigen Kinderaugen nicht verführen“ ließ. Familien auf freiem Feld auf dem nackten Boden im Regen – Norbert Blüm hat das dokumentiert.

      Paradoxerweise hat das Merkel dann politisch sehr entlastet. Aber zu Spott und Häme ist kein Anlass.

    • Stefan Sasse 11. Juni 2019, 19:48

      Mein Problem ist weniger, die politische Dynamik nicht einzusehen, die ist mir ziemlich klar. Das Problem ist, dass ich die Politik nicht falsch fand. Unser Dissens liegt dort.

    • Erwin Gabriel 12. Juni 2019, 14:07

      @ CitizenK, Stefan Sasse

      Meine Wahrnehmung ist die, dass man bei etwa 65 Millionen Flüchtlingen weltweit und bei ca. 1 Milliarde Menschen weltweit mit Asylanspruch nach europäischem Recht (Verfolgung aus religiösen, politischen, rassischen, Gender- oder anderen Gründen) nicht sagen kann, dass wir die alle nach Deutschland holen – und darauf liefe es hinaus. Das können wir einfach nicht leisten.

      • Stefan Sasse 12. Juni 2019, 20:01

        Das fordert wahrlich auch kein Mensch.

        • CitizenK 12. Juni 2019, 20:05

          Außerdem wollen die nicht alle nach D. Aber zugegeben: Auch nicht alle, die wollen, können kommen.

          • Erwin Gabriel 14. Juni 2019, 11:48

            @ CitizenK 12. Juni 2019, 20:05

            Aber zugegeben: Auch nicht alle, die wollen, können kommen.

            Du hast das besser formuliert als ich – das ist, was ich meinte.

        • Erwin Gabriel 14. Juni 2019, 11:47

          @ Stefan Sasse 12. Juni 2019, 20:01

          Das fordert wahrlich auch kein Mensch.

          „Keine Obergrenze“ ist eine solche Forderung (gewesen). Du hast das immer gefordert, und es gibt genug, die das noch tun.

          • Stefan Sasse 15. Juni 2019, 05:40

            Das ist nicht dasselbe wie „alle sollen herkommen“.

            • Rauschi 16. Juni 2019, 09:00

              Das macht welchen Unterschied?
              Keine Obergrenz heisst: Alle, die wollen, sollen kommen dürfen.
              Was denn bitte sonst?

  • Erwin Gabriel 11. Juni 2019, 18:05

    11) Die Steinzeitfrau jagte wohl auch: Archäologin räumt mit Klischees auf (Interview mit Brigitte Röher)

    Die angeblich so natürliche Geschlechteraufteilung der Steinzeit …

    Warum siehst Du solche Themen immer ideologisch? Alles, was Kraft bzw. den Einsatz von Gewalt erfordert (etwa Jagd oder Krieg), lag natürlich im Aufgabenbereich des Mannes; die Frau war da bestenfalls unterstützend tätig.

    Auch klar: Wo nicht gejagt wurde, etwa wo es Landwirtschaft gab, gab es sicherlich eine andere Arbeitsteilung. Das Steinzeit-Leben war viel zu hart, als dass Mann nur seinem Beruf ‚Jäger‘ nachging, während Frau nur Kinder und Küche (bzw. Feuerstelle) hütete.

    • Stefan Sasse 11. Juni 2019, 19:49

      Landwirtschaft ist halt körperlich wesentlich fordernder als die Jagd, da kommt schon mal der Knackpunkt. Aber weil du diese Themen immer ideologisch betrachtest, sprichst du von „natürlichen“ Aufgabenbereichen, als würden alle Männer mit Riesenmuckis geboren.

      • derwaechter 12. Juni 2019, 07:04

        Nature vs nurture, Natur oder Kultur. Das ist eine lange und vielschichtige Diskussion. Aber dass Männer Frauen körperlich in der Regel überlegen sind, lässt sich nicht wegdiskutieren.
        Und ganz unideologisch würde es mich doch sehr wundern, wenn sich das nicht auf historisch auf Rollenverteilungen ausgewirkt hätte.
        Ob, und wenn ja was, wir daraus für die heutige Zeit mitnehmen sollten ist eine andere Frage.

        • Stefan Sasse 12. Juni 2019, 07:54

          Sie sind das, all else being equal. Ja. Aber nicht ALLE Männer sind ALLEN Frauen körperlich überlegen. Das dürfte auch Steinzeitgesellschaften aufgefallen sein. Die Annahme, dass die über Kontinente hinweg elaborierte Gesellschaftssysteme entwickelt haben, die dafür sorgen, dass alle Männer konstant allen Frauen überlegen sind, ist wesentlich weniger wahrscheinlich, als dass du für körperlich anstrengende Aufgaben die körperlich geeignetsten Leute hernimmst. Aber erneut, mein Punkt ist ein anderer: wir können die Frage nicht wirklich klären, und die Beweislage ist alles, aber nicht eindeutig. Das Gerede von „natürlichen“ Rollenverteilungen ist widerlegt. Es mag durchaus sein, dass in den meisten Gesellschaften Männer diese Jobs übernahmen. Aber es ist eben kein Naturgesetz.

          • derwaechter 12. Juni 2019, 14:14

            Natürlich nicht.

            Das Raisonnement finde ich allerdings etwas haarspalterisch. Wenn tatsächlich überwiegend ein bestimmte Rollenverteilung besteht, könnte man die schon „natürlich“ nennen. Naturgesetze im eigentlichen Sinn gibt es ja bei gesellschaftlichen Phänomen nie. Wie auch?

            Aber wie gesagt, viel wichtiger ist die Frage, ob man daraus was für die Gegenwart ableiten kann/soll.

            • Stefan Sasse 12. Juni 2019, 20:01

              Darin zumindest stimmen wir überein.

            • Dennis 13. Juni 2019, 09:28

              Zitat derwaechter:
              „Wenn tatsächlich überwiegend ein bestimmte Rollenverteilung besteht, könnte man die schon „natürlich“ nennen.“

              Ganz richtig, aber es geht noch weiter. Für die nicht überwiegende Rollenverteilung gilt das Label der Natürlichkeit auch. Es muss nur vorkommen können und schon ist das Ding natürlich. „Ausnahmsweise“ und/oder „unwahrscheinlich, aber möglich“ sind auch natürlich, wie zum Beispiel beim Lotto den Jackpot abräumen.

              „Ausnahmsweise“ hat im Übrigen historisch die Eigenschaft, dass es sich statistisch ausbreiten kann und den Ausnahmecharakter verlieren kann (bitte das „kann“ beachten^).

              Zitat:
              „Naturgesetze im eigentlichen Sinn gibt es ja bei gesellschaftlichen Phänomen nie. “

              Doch. Sie gelten im gesamten Universum ab Urknall und ohne Ausnahme. Der Punkt ist der, dass auch komische gesellschaftliche Phänomene (respektive: vorläufig komisch) nicht gegen Naturgesetze verstossen (können), also NATÜRLICH sind. Die Phänomene muss es nur tatsächlich GEBEN, also in der Wirklichkeit angetroffen werden können, und die Sache ist geritzt.

              Zitat:
              „Aber wie gesagt, viel wichtiger ist die Frage, ob man daraus was für die Gegenwart ableiten kann/soll.“

              Ja, gute Frage. Eine Antwort jedenfalls (es mag noch tausend andere geben) IMHO: Sich nicht durch den dümmerlichen Propagandabegriff „natürlich“, insofern selbiger in Debatten gewollt-falsch angewendet wird, verrückt machen lassen^.

              Das Palaver über angebliche „Unnatürlichkeit“ heißt in der Regel lediglich: Gefällt mir nicht; und das ist durchaus etwas anderes.

              • derwaechter 13. Juni 2019, 10:46

                Ich meinte damit, dass es bei gesellschaftlichen Phänomen keine Gesetzmässigkeiten gibt die so 100% gelten wie z.B. in der Physik.

                Wen man den Begriff Natürlich so weit definiert, dass er alles umfasst was existiert wird er allerdings ziemlich unscharf.
                Aber auch hier ist die Frage, was und ob man daraus etwas normativ ableitet entscheident.

          • Erwin Gabriel 12. Juni 2019, 14:43

            @ Stefan Sasse 12. Juni 2019, 07:54

            Sie sind das, all else being equal. Ja. Aber nicht ALLE Männer sind ALLEN Frauen körperlich überlegen.

            Da kratzt Du aber wirklich alle Krümel zusammen, die auf dem Teppich herumbröseln. Ohne Quatsch, da kommt dann wieder der Linke in Dir durch.

            Dass Ausnahmen die Regel bestätigen, hast Du schon mal gehört? 🙂

            Das Gerede von „natürlichen“ Rollenverteilungen ist widerlegt.

            „Gerede“? Du hast in jeder Gesellschaft eine natürliche Rollenverteilung, die sich aus den natürlichen Gegebenheiten ergibt. Dazu gehört beispielsweise, dass Frauen die Kinder kriegen, nicht die Männer. Schau Dich bei Indio-Völkern oder bei Menschenaffen um. Da gibt es auch Außenseiter und Exemplare, die nicht in den Standard passen. Aber es gibt eben auch den Standard.

            Dass diese Rollenverteilung in einer Jäger- und Sammler-Gesellschaft der Steinzeit anders aussehen mag als in einer landwirtschaftlichen (oder industriellen) Gesellschaft, habe ich ja schon herausgestellt. Und das die ‚typische Rollenverteilung‘ der Unterordnung der Frau unter den Mann, die Du im Kopf hast (und mir nicht das erste Mal als Ideologie unterstellst), in den germanischen oder keltischen Gesellschaften so nicht gegeben war und erst mit den Religionen des einen Gottes in Europa Einzug hielt, ist mir auch klar. Aber davon ist ja nicht die Rede.

            Erheiterte Grüße
            E.G.

        • Erwin Gabriel 12. Juni 2019, 14:20

          Zustimmung

      • Erwin Gabriel 12. Juni 2019, 14:19

        @ Stefan Sasse 11. Juni 2019, 19:49

        Landwirtschaft ist halt körperlich wesentlich fordernder als die Jagd, da kommt schon mal der Knackpunkt.

        Fordernder ja, aber da zählt grundlast und Ausdauer mehr als Spitzenleistung, wie bei der Jagd oder im Krieg.

        Aber weil du diese Themen immer ideologisch betrachtest, …

        🙂 Dein Ernst? Das sagt der Richtige …

        … sprichst du von „natürlichen“ Aufgabenbereichen, als würden alle Männer mit Riesenmuckis geboren.

        Was für eine sinnlose Aussage.

        Es sollte unbestritten sein, dass der durchschnittliche Mann mehr Kraft als die durchschnittliche Frau aufbringen kann. Das ist ’natürlich‘, von der Natur vorgegeben. Willst Du das leugnen?

        • Stefan Sasse 12. Juni 2019, 20:02

          Dein Ernst? Das sagt der Richtige …
          Ich hab exakt deine Worte zitiert, aber ich glaube, dein Ironiedetektor ist ziemlich fies kaputt.^^

          • Erwin Gabriel 14. Juni 2019, 11:52

            @ Stefan Sasse 12. Juni 2019, 20:02

            Ich hab exakt deine Worte zitiert, aber ich glaube, dein Ironiedetektor ist ziemlich fies kaputt.^^

            Ja, wenn es bei meiner Aussage stimmt und bei Deiner nicht, hat der eine Fehlfunktion.
            Ich hab’s zumindest mit Humor genommen…

            Es grüßt
            E.G.

  • Stefan Pietsch 16. Juni 2019, 18:05

    @CitizenK

    Ihnen sind die Erwachsenen wirklich wichtiger als Kinder??

  • CitizenK 16. Juni 2019, 18:23

    Sie deuten einen klaren, eindeutigen Satz ins Gegenteil um. Warum tun Sie das?

    • Stefan Pietsch 16. Juni 2019, 18:30

      Nochmal, deswegen frage ich nach. Ich will meine Diskussionspartner nicht missverstehen. Sie haben geschrieben:

      „Und wenn Ihnen Kinder, die sich nicht wehren können, wichtiger sind als Erwachsene“
      Ich habe das Gegenteil geschrieben.

      Kurz: Ich sage, wenn Ihnen Kinder wichtiger sind. Sie antworten, Sie meinen das Gegenteil.

      Meine Frage bezieht sich darauf, ob wir uns missverstanden haben.

      • CitizenK 16. Juni 2019, 19:08

        Ich schrieb am 16.06.2019 um 13:42 Uhr:

        „Das Entscheidende aber: Es geht um die Kinder, die für das Verhalten Ihrer Eltern nichts können. Und spätestens hier sollte das religiöse und/oder das finanzielle Ressentiment verstummen.“

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