Die Jugend von heute

Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten soll. Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, verschlingen bei Tisch die Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.

– Sokrates zugeschriebenes Zitat, um 420 v. Chr.

Mein letzter Artikel hat starke Reaktionen hervorgerufen. Besonders häufig wart dabei eine: die Jugend von heute lerne nicht mehr richtig, beherrsche Rechtschreibung und Formales nicht mehr, kenne nicht den Wert der Disziplin und so weiter und so fort. Diese Argumentationslinie ist uralt. Wenn mich nicht alles täuscht beklagen sich schon auf den ersten sumerischen Keilschriften Schreiberlinge mittleren Alters über die Jugend von heute; zumindest Klagen über die verlotterte Sexualmoral der Frauen und den verderblichen Einfluss von Einwanderern auf dieselbe sind aus Babylon überliefert. Ich möchte an der Stelle in offizieller Funktion Entwarnung geben: The Kids Are Alright, wie es so schön heißt.

Bereits 2013 habe ich detailliert beschrieben, warum die Testergebnisse zu den Rechtschreibfähigkeiten der Grundschüler falsch interpretiert werden. Ich kann aus der Praxis berichten, dass Rechtschreibung und Formales kein epidemieartiges Problem darstellt. Manche sind besser, manche sind schlechter, ein paar Fehler macht jeder, unleserlich ist nichts. Die Arbeiten, in denen ich Abzug wegen mangelnder Rechtschreibung geben muss, lassen sich an einer Hand abzählen. An dieser Front ist also kein großes Problem.

Gerne wird auch anhand drastischer Beispiele geschildert, welch gewaltige Einbußen es im mathematischen Verständnis gibt. Und zwar ist es wahr, dass hier deutlicher Verbesserungsbedarf gegenüber manchen anderen Nationen besteht, aber gleichzeitig ist es auch wahr, dass diejenigen die glauben, im mythischen „Früher“ sei es signifikant besser gewesen, irren. Damals hat nur keiner gemessen.

Auch in Geschichte gab es jüngst eine dramatische Erkenntnis: nur 60% der Schüler wissen etwas mit dem Begriff „Auschwitz“ anzufangen! Das klingt erst einmal dramatisch. Nur hatte ein großer Teil der befragten Schüler das Thema noch gar nicht im Unterricht gemacht, und selbst dann ist das Abfragen von „Wofür steht Auschwitz-Birkenau?“ keine Messlatte für Wissen über den Holocaust. Nur letzteres wurde nicht gefragt, stattdessen tat man genau das, was das Schulsystem verzweifelt abzustoßen versucht: stures Faktenwissen, ohne zu überprüfen, ob ein kritisches Verständnis existiert. In der Gesamtbevölkerung wissen zudem 87%, für was es steht, was stark darauf schließen lässt, dass die Quote unter Schulabsolventen deutlich höher liegt. Auch hier: keine Panik.

Dieses Muster zieht sich durch alle Fächer und alle Schularten. Die Alarmismen zeugen deutlich häufiger von profunder Unkenntnis über die Funktionsweise des Schulsystems und grundlegende didaktische Konzepte.

Zudem sind die Befürchtungen auch immer dieselben. Sie alle wurzeln in einem Kulturpessimismus, den zu hegen und pflegen das größte Plässier der jeweiligen Elterngeneration darstellt. Arbeitgeber beklagen sich immer über die angeblich unzureichenden Fähigkeiten der Auszubildenden. Die Formen und Moral der Jugend sind immer irgendwie schlechter als früher. Früher wurde immer noch mehr gelerrnt als heute, oder zumindest das richtige. Die Jugend ist immer respektloser als die vorangegangene.

Dabei fällt mir vor allem auf, dass keine Generation je so brav, so angepasst, so konservativ war wie die aktuelle. Die meisten Probleme in der Schule habe ich mittlerweile nicht mehr mit den Schülern, sondern mit deren Eltern. Die Hausordnungsverstöße, die die größten Probleme bereiten, dürften Lehrern vor dreißig, vierzig Jahren als schlechter Witz erschienen sein. Ich erinnere mich noch an meine eigene Schulzeit, wie schwer es Referendare bei uns oft hatten und wie schlecht wir sie behandelten. Selbst von den Klassen mit dem schlimmsten Ruf, bei denen Unterricht wirklich anstrengend war, habe ich im Referendariat stets Unterstützung erfahren, wenn jemand hinten drin saß. Die Schüler von heute sind die nettesten und besten, die es je gab.

Gleichzeitig ist das fachliche Niveau der Lehrer höher als je zuvor, weil die Ausbildung deutlich praxisorientierter und anspruchsvoller ist. Heutige Lehramtsstudenten haben es bereits deutlich schwerer als ich, und ich bin gerade mal 33. Meine Kinder bekommen im Kindergarten eine zielgerichtete und auf empirischer pädagogischer Forschung beruhende Förderung, die zu meiner Zeit völlig unvorstellbar war. Sozialarbeiter kümmern sich um Problemfälle, die früher einfach aus dem System gefallen wären, Inklusion bringt Kinder in das System, die früher in Verwahrungsstätten gepackt wurden. Das wirkt sich auf den Durchschnitt negativ aus, aber für die Gesellschaft ist ein riesiges Plus, das nur in den Spengler’schen Untergangsszenarien der Alten, die von der „Jugend von heute“ stöhnen, nicht vorkommt und auch nicht vorkommen darf.

Von daher: die Jugend von heute ist in guter Verfassung. Um sie mache ich mir keine Sorgen. Unsere Gesellschaft erfährt von ganz anderer Seite ihre größte Gefährdung. Diese Seite können die Kritiker der heutigen Jugend jederzeit ausführlich betrachten, wenn sie einfach mal in den Spiegel sehen.

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  • Jens 1. Januar 2018, 12:17

    Würde mir auch eher Sorgen um die Erziehungskompetenz der Eltern machen.

    Die Eltern haben durch doppelte Berufstätigkeit und zunehmende Alleinerziehung weniger Zeit für die Erziehung der Kinder.

    Die offenen Ganztagsschulen sind nach meinem Empfinden hier eine Mogelpackung und helfen nicht.

    Frohes neues Jahr.

    Jens

    • Stefan Sasse 1. Januar 2018, 19:22

      Sie sind eine Notlösung. Das wird vermutlich graduell besser werden.

  • Stefan Pietsch 1. Januar 2018, 12:31

    Wie wäre es, würde ich die Beschäftigungschancen Geringqualifizierter nach den Jobprofilen von jungen IT-Experten bemessen? Ziemlich neben der Spur. Du beurteilst die Qualität der heutigen Schülergeneration anhand von Oberstufenschülern der Gymnasien, die in ein bis zwei Jahren über die allgemeine Hochschulreife verfügen sollen.

    Ich finde es da auch arg lässig anzuführen, dass Du lieber ein paar Rechtschreibfehler korrigierst. In ein bis zwei Jahren ist da niemand mehr, der Rechtschreibfehler korrigiert, welche die Schule nunmehr schon seit 11 Jahren nicht ausbügeln konnte. Dann steht nur noch die Blamage in Bewerbungsschreiben, in fachlichen Einschätzungen zu beruflichen Themen, in Uniarbeiten und Präsentationen. Weil da Lehrer waren, die lieber ein paar Rechtschreibfehler korrigierten als Kompetenzen zu vermitteln, die schon vor 5-8 Jahren vermittelt hätten werden müssen, aber nie Wert darauf gelegt wurde.

    Und es ist ja beruhigend, wenn das Problem nicht die Schule ist, sondern nur Kinder aus bildungsfernen Schichten abgehängt sind. Dann ist ja alles in Ordnung, puh, Glück gehabt.

    • Ariane 1. Januar 2018, 14:40

      Naja, diese Rechtschreibstudie wird bei Viertklässlern durchgeführt. Und ja, sie haben aktuell mehr Fehler drinnen, weil sie fremdere Wörter benutzen.
      Das sagt meiner Meinung nach aber wenig darüber aus, ob die Rechtschreibfähigkeiten im Alter von 16-20 immer noch schlechter sind oder gleichbleibend oder besser.

      Im Übrigen machst du denselben Fehler, den du Stefan vorwirfst und kommst plötzlich mit Uniarbeiten und Präsentationen. Außerhalb von Akademikerkarrieren ist es nicht unbedingt erforderlich, jede obskure Kommaregel und jedes griechische Fachwort auswendig herunterzuleiern. Mal ganz abgesehen von der Frage, ob das Gewinnen von Buchstabierwettbewerben die herausragende Zukunftskompetenz ist.^^

      Mit dem Abgehängtsein des Prekariats ist das so eine Sache. Ich finde schon, dass es für alle Arten von Problemen mehr Hilfsangebote und Möglichkeiten gibt. Aber Schule/Staat kann eben nicht alles ausgleichen und mein Gefühl ist, dass sich die Welten wieder mehr trennen. Früher wurden alle Kinder zur Schule geschickt und fertig. Heutzutage gibt es für ehrgeizige und reichere Eltern 123 Zusatzangebote, die ihre Kinder nutzen können, Möglichkeiten, die Kinder ärmerer/ungebildeteren Familien nicht haben. Und – ähnlich wie bei deinem Lieblingsthema Heiratsmarkt ^^ – es gibt weniger Vermischungen. In ärmeren Stadtvierteln sind die Schulen, Vereine, Freizeitangebote häufig schlechter als in reichen Stadtvierteln. Dadurch entstehen Unterschiede, die schwieriger zu überbrücken sind. Zusätzlich zu dem Nachteil, dass sich die unterschiedlichsten Menschen gar nicht mehr kennenlernen, weil die Architektin mit ihren Kindern ganz woanders lebt und arbeitet als der Klempner mit seiner Familie.

      • Stefan Pietsch 1. Januar 2018, 18:22

        Mein Punkt ist, dass ich bei den heute 30jährigen, zu denen Du und Stefan symptomatisch zählen, eine unglaubliche Arroganz und fehlende Demut gegenüber früheren Generationen an den Tag legen. Zwar ist es das Vorrecht der Jugend, die Welt aus den Angeln heben zu wollen, aber meist passiert das am Ende durch Aufbau auf den Erkenntnissen der Alten.

        Gleichzeitig ist das fachliche Niveau der Lehrer höher als je zuvor, weil die Ausbildung deutlich praxisorientierter und anspruchsvoller ist.

        Das ist ein interessantes Phänomen. Zwar stellen Praktiker allenthalben fest, dass Uniabsolventen heute eher Fachidioten sind als früher, zu spezialisiert, zu wenig allgemeine Lebensbildung, aber im Bildungsbereich ist das Niveau höher. Da Stefan gerade Anfang 30 ist, wird es ihm schwerfallen, selbst vergleichen zu können. Wenn er sich theoretisch Kollegen überlegen fühlt, die doppelt so alt sind wie er, so ist auch das ein normales Phänomen. Das an der Uni erlernte Wissen veraltet in den meisten Fakultäten innerhalb von 4-7 Jahren. Als ich die ersten 4 Jahre Berufsleben und meinen ersten Job hinter mir hatte, konnte ich bestenfalls noch auf 5-10 Prozent des Erlernten zurückgreifen. Das andere war entweder vergessen oder veraltet. Mit Mitte 30 zu behaupten, man wäre Älteren theoretisch überlegen, zeigt, dass man selbst nicht in den Rückspiegel schaut.

        Stattdessen versucht Schule heute, die Schüler zum eigenständigen Denken und Arbeiten zu erziehen

        Solche Sätze kann nur jemand schreiben, der mit einer gehörigen Portion Arroganz auf Zeiten blickt, die er selbst nicht erlebt hat. Leute wie ich wurden zu einer gewissen Gesellschaftskritik erzogen, meinen Habermas habe ich auch gelesen. Und ich habe viel vom Systemvergleich gelernt, mit dem Ergebnis, dass ich, kaum drei Jahre aus der Schule, nicht verstanden habe, warum die DDR nun nicht so wirtschaftlich erfolgreich war, wie wir das im kritischen Gesellschaftsunterricht gelernt haben. Das versorgt mich seither mit einer gehörigen Portion Skepsis wenn Leute meinen, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben.

        Ich für meinen Teil korrigiere lieber ein paar Rechtschreibfehler mehr, wenn ich im Gegenzug eine qualitativ hochwertige Arbeit bekomme, die inhaltlich mehr zu bieten hat als eine reine Wiedergabe dessen, was ich den Schülern in den Wochen vorher beigebracht habe.

        Das war der Satz, auf den ich Bezug genommen habe. Abgesehen davon, dass dieser Satz bereits im Jahr 1983 galt, ist mein Anspruch an Oberstufenschüler an dieser Stelle doch ein Stückchen höher: Ich erwarte tatsächlich, dass zumindest ein Gymnasium beides leistet, tadellose Rechtschreibkenntnisse und eigenständiges Denken. Denn wer sollte denn sonst über solche Fähigkeiten verfügen?

        Es ist darüber hinaus schon bemerkenswert, wie sehr bekennende politisch Linke die Benachteiligung von Menschen als vernachlässigenswert betrachten, sobald sie die Anstrengungen des Staates nicht auf einfache Umverteilung von Einkommen und Vermögen konzentrieren, sondern das Personal messbare Leistung erbringen muss. Als Konservativer (der ich nicht bin) könnte ich sagen, das muss die Familie richten und wenn sie es nicht tut, Pech gehabt. Als jemand, der an gesellschaftlichen Ausgleich glaubt, ist das weit ungenügend.

        Es ist eine originäre staatliche Aufgabe, Benachteiligte im Bildungsbereich bestmöglich zu fördern. Bevor der Staat sich in alle denkbaren Lebensbereiche einmischt, muss er seine Hausaufgaben machen. Eigenbescheinigungen der Form wir sind die Besten aller Zeiten sind da nichts anderes als Selbstbetrug.

        • Stefan Sasse 1. Januar 2018, 19:26

          „Praktiker“ beten ihre Vorurteile herunter, wie sie es immer getan haben. Welcher dieser „Praktiker“ weiß denn überhaupt, was das Curriculum auf dem jeweils aktuellen Stand gerade ist?

          Ich rede hier nicht davon, Habermas vom Lehrer erklärt zu bekommen. Und der Vorwurf der Arroganz, zu wissen was richtig ist, von dir ist ja wohl Realsatire, oder?

          • Stefan Pietsch 1. Januar 2018, 19:49

            Du selber referenziert doch auf die angeblichen Vorteile einer praxisnahen Ausbildung, schätzt aber nicht die Praktiker. Das sind Leute, die das theoretische in Produkte und Leistungen verarbeiten müssen. Wenn diese Praktiker also sagen, der Output sei Müll, dann werden damit keine Vorurteile gepflegt, sondern aufgezeigt, dass der Weg von Theorie bis Verwendung inakzeptabel weit ist.

            Ja, ich bin in meinem Leben oft mit dem Vorwurf der Arroganz konfrontiert worden und das bin ich sicher auch in einigen Bereichen. Snobismus trifft es manchmal auch. Der Unterschied ist: Du willst Deine Arroganz nicht wahrhaben. Wenn wir unsere eigenen Fehler kennen , können wir dagegen an oder Sie so akzeptieren. Aber wenn man sie verleugnet, fehlt die Möglichkeit der Selbstreflektion.

        • Ariane 1. Januar 2018, 20:00

          Mein Punkt ist, dass ich bei den heute 30jährigen, zu denen Du und Stefan symptomatisch zählen, eine unglaubliche Arroganz und fehlende Demut gegenüber früheren Generationen an den Tag legen.

          *hüstel* Während dir Arroganz natürlich völlig fremd ist. 😉

          Mit Mitte 30 zu behaupten, man wäre Älteren theoretisch überlegen, zeigt, dass man selbst nicht in den Rückspiegel schaut.
          Oh nein, mein Lieber. Wir behaupten das nicht. Deine Generation behauptet das wieder und wieder und alles, was nach ihnen kommt, ist sowieso nur noch Schrott, also bevor du jemand anderem Arroganz vorwirfst, vielleicht lieber nochmal nachdenken.

          Und dass man später im Leben nur noch einen Bruchteil dessen gebraucht, was man in der Schule lernt, ist immer so. War früher so, ist heute so, wird auch immer so bleiben. Deswegen wird heute ja versucht, weniger Faktenwissen und Auswendiglernen zu üben, sondern Kompetenztraining (oder wie das genau heißt) einzubauen. Als ich mit der Schule fertig war, konnte ich sehr gut französisch, das Periodensystem auswendig herunterbeten und sogar die Grundform einer Pyramide berechnen, hatte aber keinen Plan, an was man alles denken muss, wenn man von zu Hause auszieht. ^^

          Ich weiß da ehrlich gesagt gar nicht so sehr, was du erwartest? Ist ja klar, dass die Schule keine perfekten, fertigen Erwachsenen ausspuckt und alles gleichzeitig geht auch nicht. Das liest sich bei dir allerdings, als wenn die heutigen Schulabgänger sowohl weniger Faktenwissen (ob nun Rechtschreibung oder Geschichtsdaten oder sonstwas) haben als auch weniger Kompetenzen. Also ist heutzutage alles einfach nur schlechter?

          • Stefan Pietsch 2. Januar 2018, 10:23

            Wie ich bereits erwähnte ist mir Arroganz nicht fremd. Problematisch ist es eher, wenn man sich dem nicht bewusst ist.

            Wir behaupten das nicht. Deine Generation behauptet das wieder und wieder und alles, was nach ihnen kommt, ist sowieso nur noch Schrott, also bevor du jemand anderem Arroganz vorwirfst, vielleicht lieber nochmal nachdenken.

            Nein, Ariane. Du verwendest nun wiederholt den Trick etwas vorzuwerfen, nach dem zu selbst argumentierst. In Deinen Argumenten kommt nichts Altes vor, keine Achtung vor älteren Sichtweisen, Produkten, Lebensformen. Auch keine Andeutung, dass man schon in wenigen Jahren die Dinge wieder ganz anders betrachten kann. Ich argumentiere nicht so, ich bilde längere, Entwicklungsreihen. Das Leben ist Trial & Error.

            Beispiel Erziehungswesen: ich bin kein Freund davon, Kinder im Alter von 0-3 Jahren prinzipiell in staatliche Einrichtungen zu geben (konservativ). Ich bin durchaus der Ansicht, dass bereits sehr frühzeitig, beginnend spätestens mit dem dritten bis vierten Lebensjahr, zurückgebliebene Kinder erheblich unter staatlicher Aufsicht gefördert werden müssen (progressiv-modern). Beides habe ich kontinuierlich vertreten. Bei Euch ist mir so etwas nicht erinnerlich, es gibt nur das Hier und Heute.

            Deswegen wird heute ja versucht, weniger Faktenwissen und Auswendiglernen zu üben, sondern Kompetenztraining (oder wie das genau heißt) einzubauen.

            Das heißt so, ja. Nur habe ich auch nicht in der Sekundar- und Oberstufe vor allem auswendig gelernt. Wir waren damals auch nicht völlig dumm, Ariane. Schau‘ ich habe allgemeine Studiengänge absolviert mit wenig Spezialisierungsgraden. Heute bekommst Du Uniabsolventen des Lehrgangs Marketing im E-Commerce. Wer braucht so etwas? Das sind nichts anderes als Fachidioten, getrimmt auf einen sehr selektiven Bereich. Und da frage ich nicht, warum solche Leute keine exorbitanten Einstiegsgehälter und keine wesentlichen Einkommenssteigerungen erzielen. Sie sind nicht schlauer oder kompetenter als ein Abiturient, nur dass er älter ist. Meine Tochter hatte während ihres Studiums in jedem Semester zig Klausuren. Ich hatte während des gesamten Grundstudiums (4 Semester) gerade 13 (oder 16?). Wer ist hier getrimmt?

            Das liest sich bei dir allerdings, als wenn die heutigen Schulabgänger sowohl weniger Faktenwissen (ob nun Rechtschreibung oder Geschichtsdaten oder sonstwas) haben als auch weniger Kompetenzen. Also ist heutzutage alles einfach nur schlechter?

            Zu meiner Schulzeit gingen gut 20% der Schüler aufs Gymnasium, wovon 11-13 Prozent am Ende studierten. Heute sind es teilweise 50% Gymnasiasten und 27% Studierende. Also, entweder sind die Deutschen binnen anderthalb Generationen viel gescheiter geworden. Oder das Bildungsniveau wurde radikal abgesenkt. Wozu tendierst Du?

            Ich kann Dir sagen, was (konservative) Bildungsforscher meinen. Heute besuchen Jugendliche die weiterführende Schule, die damit völlig überfordert sind, vom Lehrbetrieb aber der Bequemlichkeit halber durchgeschleppt werden. Und das setzt sich an der Hochschule fort. Welcher Lehrer will schon seinen Schülern die Zukunft durch schlechte Noten verbauen? In einen Fächern lässt sich nachweisen, dass der Notenschnitt sich im Zeitablauf deutlich verbessert hat bei mehr Studenten. Wir werden halt alle schlauer, nur im realen Leben merkt man davon nix.

            Eine der beliebtesten Formen heute, eine Liebesbeziehung zu beenden, ist die WhatsApp-Nachricht. Geht es noch feiger?

            • Ariane 2. Januar 2018, 16:58

              In Deinen Argumenten kommt nichts Altes vor, keine Achtung vor älteren Sichtweisen, Produkten, Lebensformen. Auch keine Andeutung, dass man schon in wenigen Jahren die Dinge wieder ganz anders betrachten kann.

              Ich glaube, du missinterpretierst das. Die Tatsache, dass ich keine Lobeshymnen auf etwas Altes singe, heißt ja nicht unbedingt, dass ich davor keine Achtung habe. Mal abgesehen davon, dass Du mich durch Deine provokanten Thesen häufig zur Gegenargumentation zwingst. Also löst du das sozusagen aus, wenn du behauptest, heutige und nachfolgende Generationen wären dümmer, naiver, arroganter oder sonst irgendwie schlechter^^
              Genauso würdest Du Dir vermutlich erstaunt die Augen reiben, wenn Du wüsstest, wieviele konservative Sichtweisen in mir schlummern, kommt ja nicht von ungefähr, dass wir uns in einigen Punkten manchmal erstaunlich einig sind 😉

              Wir waren damals auch nicht völlig dumm, Ariane.

              Das glaube ich auch nicht. Alleine schon deshalb, weil ich schulische Leistungen nur bedingt mit Intelligenz verknüpfe. Ich glaube nicht mal, dass die Leute vor 500 Jahren dümmer waren, obwohl die meisten damals nicht lesen und schreiben konnten.
              Nötiges Wissen wandelt sich nun mal ständig und deswegen wussten frühere Generationen einfach andere Dinge und nicht zwangsläufig weniger. So weiß meine Oma zb wie man Socken stopft und schlägt die Hände über’m Kopf zusammen, weil ich weder Socken stopfen noch stricken kann. Dafür freut sie sich, dass ich ihr einen Videorekorder anschließen und die Bedienung erklären kann. Ist ja sinnlos, deswegen mich oder meine Oma mal eben für dümmer zu erklären.
              Und so ist das in der Schule auch, da man nicht allen alles beibringen kann, werden zwischendurch neue Prioritäten gesetzt und andere Dinge wieder weggeworfen. Ich fands zum Beispiel schade, dass griechische Sagen und Cäsars Kriege nur noch zufällig in Latein vorkamen und sonst nirgends mehr, dafür gab es dann eben andere Dinge, die man früher nicht hatte.
              Stefan hat hier ja auch schon häufiger erwähnt, dass Geschichtsunterricht nicht mit Ende des zweiten Weltkriegs aufhört und dafür ist wahrscheinlich auch irgendetwas gestrichen worden, was meine Generation ausführlicher behandelt hat.
              Das ist ja durchaus vernünftig und das Abendland geht nun mal nicht gleich unter, wenn die Menschen den Untergang Trojas nur noch aus miesen Kinofilmen kennen.

              Heute sind es teilweise 50% Gymnasiasten und 27% Studierende. Also, entweder sind die Deutschen binnen anderthalb Generationen viel gescheiter geworden. Oder das Bildungsniveau wurde radikal abgesenkt. Wozu tendierst Du?

              Darauf ist Stefan ja auch schon eingegangen, natürlich wurde das Bildungsniveau zwischenzeitlich gesenkt. Was aber übrigens nicht zwingend im Umkehrschluss heißt, dass früher nur die Intelligenten aufs Gymnasium gingen und der Rest Dummköpfe waren. Die Idee, dass jeder den bestmöglichen Schulabschluss machen sollte, ist ja noch nicht so alt und das führt automatisch dazu, dass größere Unterschiede ausgeglichen werden müssen. Siehe meine Familie: ich komme nicht aus einer alten Bildungsbürgerfamilie, es gab keine vollausgestattete Bibliothek mit Klassikern und am Abendbrottisch wurde nicht über Goethe diskutiert. Folglich muss das Gymnasium Rücksicht auf Kinder nehmen, die nicht schon mit gewissem Vorwissen anlanden. Genauso halte ich meine Eltern + Geschwister auch nicht für dümmer als mich, es war aber in den 70ern noch ganz normal, dass Kinder aus einfachen/normalen Verhältnissen die Haupt- oder Realschule abschließen und dann eine dazupassende Lehre absolvieren. Das ist im Übrigen auch der Grund, warum ich regelmäßig die Krise bekomme, wenn Schulabschlüsse als Grad für Intelligenz hergenommen werden.

              Natürlich kann man nun weinen, dass mittlerweile jeder dahergelaufene Dösbaddel oder Jugendlicher aus einfachen Verhältnissen Abitur machen kann. Aber wollen wir wirklich wieder dahin zurück, dass die höheren Bildungsgrade nur für sehr wenige erreichbar sind? Die eben nicht nur (vielleicht) intelligenter sind, sondern auch qua Geburt die besseren Vorraussetzungen haben? Ich bin ganz froh, dass ich die Möglichkeit hatte, Abitur zu machen und zu studieren und bin mir übrigens sehr bewusst, dass ich das bei gleicher Intelligenz 20 Jahre früher sicherlich nicht hätte machen können.

              • Stefan Pietsch 2. Januar 2018, 18:56

                Mal abgesehen davon, dass Du mich durch Deine provokanten Thesen häufig zur Gegenargumentation zwingst.

                Das ist ja der Sinn der Sache. 🙂 Provokante Formulierungen sollen den argumentativen Kampf zuspitzen und zum Kern der Sache führen. In der Mathematik nutzen wir hierzu ja schließlich auch die Mittel der Interpolation, Extrapolation oder Divergenzrechnung. Nur reflektierst Du auch ohne Provokationen nur auf das Hier und Heute – so wie Stefan in seinen Artikeln.

                Wir waren damals auch nicht völlig dumm, Ariane.
                Ich glaube nicht mal, dass die Leute vor 500 Jahren dümmer waren, obwohl die meisten damals nicht lesen und schreiben konnten.

                Falsche Antwort. Die Menschen waren vor 500 oder auch nur vor 100 Jahren „dümmer“. Der IQ steigt von Generation zu Generation, was an verschiedenen Faktoren liegt.
                http://www.spektrum.de/quiz/wie-veraenderte-sich-der-durchschnittliche-iq-seit-den-letzten-100-jahren/693353

                Ich halte die heutige schulische und universitäre Ausbildung für schlechter, was objektiv leicht nachvollziehbare Gründe hat, Du hast einen Teil davon erwähnt. Die schulischen Einrichtungen müssen heute Defizite ausgleichen, die es noch in den Siebziger und Achtzigerjahren in dieser Form nicht gab. Die Selektion war stärker, was einen entsprechenden Leistungsdruck erzeugte u.ä. Dazu kommt der Trend zu immer stärkerer Spezialisierung, was aber an den Bedürfnissen von Wirtschaft und Gesellschaft vorbeigeht. Von einem Hochschulabsolventen erwartet man nunmal, dass er sehr allgemein und breit denken kann und nicht, dass er tiefe Theoriekenntnisse einer Branche und eines Unternehmensbereichs besitzt. Dies lässt sich relativ schnell vermitteln, die Fähigkeit jedoch, sich zu einem praktischen Problem eine theoretische Landkarte zu erstellen, die lässt sich im Unternehmen nicht mehr leicht erlernen. Es ist also nicht verwunderlich, dass sich Personalchefs so stark wie nie darüber beklagen, was ihnen der staatliche Ausbildungsbetrieb liefert.

                Das ist ja durchaus vernünftig und das Abendland geht nun mal nicht gleich unter, wenn die Menschen den Untergang Trojas nur noch aus miesen Kinofilmen kennen.

                Ich habe in 13 Schuljahren dreimal Römische Geschichte (einmal freiwillig) und ebenfalls dreimal die 1000jährige Geschichte der Nazidiktatur gelernt. Ich denke, man kann davon jeweils einen Exkurs streichen ohne an die griechische Geschichte gehen zu müssen.

                Darauf ist Stefan ja auch schon eingegangen, natürlich wurde das Bildungsniveau zwischenzeitlich gesenkt.

                Was nicht zwingend ein Vorteil ist, führt es doch leicht zur Überforderung jener, für die bestimmte Schulformen nicht gemacht sind.

                Die Idee, dass jeder den bestmöglichen Schulabschluss machen sollte, ist ja noch nicht so alt und das führt automatisch dazu, dass größere Unterschiede ausgeglichen werden müssen.

                Immerhin älter als Du zu denken scheinst. Schon in den Siebzigerjahren kämpften Schüler um den bestmöglichen Abschluss. Ich selbst musste gegen meine eigene Grundschullehrerin kämpfen, die mich nicht für das Gymnasium geeignet sah. Es war übrigens die Gleiche, die mir das Abitur, später das Studium, danach das Examen nicht zutraute. Erst eine einwöchige Einschätzungsrunde verschaffte mir den Zutritt zur weiterführenden Schule, was ich unbedingt wollte.

                Die Verachtung von Bildung findest Du wie früher auch in bestimmten Milieus, so wie ich das bezüglich muslimischer Migranten und ostdeutscher Männerwirtschaften beschrieb. Und genau dort, wo Bildung verachtet wird, haben wir Probleme. Übrigens zählt zur Bildung auch zwingend die Rechtschreibung, die in manchen Jugendkreisen verachtet wird. Es ist ein gesellschaftlicher Fehler, solchen Geringschätzungen Vorschub zu leisten.

                P.S.: Was ist ein Videorekorder?

                • Ariane 2. Januar 2018, 22:12

                  P.S.: Was ist ein Videorekorder?
                  Aus geheimnisvollen Gründen genau die Technologie, die Senioren sich zutrauen, während sie modernere Lösungen vehement ablehnen, immerhin hat man so dankbare Abnehmer für den Krams aus dem Keller^^

                  Falsche Antwort. Die Menschen waren vor 500 oder auch nur vor 100 Jahren „dümmer“.

                  Ähm ja, aber wenn du deinen Link genau durchliest, wird dort nur gesagt, dass die Menschen bei IQ-Tests besser abschneiden, was nicht zwangsläufig heißt, dass sie heutzutage wirklich schlauer sind. Außerdem widerspricht das ja deiner These, dass alle nach dir Geborenen dümmer sind.^^

                  Es ist also nicht verwunderlich, dass sich Personalchefs so stark wie nie darüber beklagen, was ihnen der staatliche Ausbildungsbetrieb liefert.

                  Ja also was denn nun? Eben hast du dich beklagt, dass heute mehr eigenständiges Problemlösen unterrichtet wird und weniger Rechtschreibregeln. Jetzt weinst du, dass heutige Schulabgänger das auch nicht mehr können. Also können sie mittlerweile weder das eine noch das andere?

                  Ich habe in 13 Schuljahren dreimal Römische Geschichte (einmal freiwillig) und ebenfalls dreimal die 1000jährige Geschichte der Nazidiktatur gelernt. Ich denke, man kann davon jeweils einen Exkurs streichen ohne an die griechische Geschichte gehen zu müssen.

                  Ich weiß nicht, was dafür reingenommen wurde, ich kann nur berichten, dass es bei uns schon nicht mehr vorkam. Jedenfalls keine Sagen, nur kurz Demokratie, Stadtstaaten, Athen, fertig. Fand ich persönlich schade und hätte ich jederzeit gegen ein Jahr Philosophie oder Biologie getauscht, aber heißt ja nicht zwangsläufig, dass dieses Wissen nun notwendig ist. Und irgendwann gab es wohl mal eine Konferenz, in der beschlossen wurde, dass das rausfliegt. Und das war dann übrigens deine Generation oder noch die davor, die das beschlossen hat.

                  Und genau dort, wo Bildung verachtet wird, haben wir Probleme. Übrigens zählt zur Bildung auch zwingend die Rechtschreibung, die in manchen Jugendkreisen verachtet wird. Es ist ein gesellschaftlicher Fehler, solchen Geringschätzungen Vorschub zu leisten.

                  Also zum Einen halte ich es für viel zu kurz gesprungen, von Bildungsverachtung zu sprechen. Auch meine Großeltern oder Eltern haben Bildung nicht verachtet, es war einfach nicht üblich, dass quasi jeder das Ziel Abitur hatte, sondern eben üblicher zehn Jahre zur Schule zu gehen und dann eine Lehre zu machen. Genauso findet auch bei Migranten häufig schon nach einer Generation eine Anpassung statt.

                  Und zweitens musst du dich auch mal entscheiden. Eben sagst du noch, du findest es nicht gut, wenn alle den höchsten Bildungsabschluss anstreben, weil das Spitzenniveau so nicht gehalten werden kann und jetzt beschwerst du dich, dass Migranten von sonstwo oder sonstwer Bildung „verachten“ und gar nicht mehr höhere Bildungsabschlüsse anstreben.
                  Alles zusammen geht einfach nicht. Entweder schraubt man die Anforderungen ans Abitur so hoch, dass nur die absolut klügsten, fleißigsten und(!) die mit dem besten Background Abitur machen können. Und erklärt dann alle Zurückgebliebenen einfach mal pauschal zu Bildungsverweigerern.
                  Oder man sagt, man möchte möglichst vielen Kindern mit unterschiedlichstem Hintergrund einen guten Schulabschluss ermöglichen und dann macht man Abstriche beim Spitzenniveau. Dieser Weg wurde mit der Bildungsoffensive eingeschlagen und ich unterstütze das.

                  • Stefan Pietsch 4. Januar 2018, 15:59

                    Eben hast du dich beklagt, dass heute mehr eigenständiges Problemlösen unterrichtet wird und weniger Rechtschreibregeln. Jetzt weinst du, dass heutige Schulabgänger das auch nicht mehr können.

                    Ich meckere darüber, dass die Basics vernachlässigt werden. Dazu gehören sowohl Rechtschreibung als auch alt-griechische Geschichte. Jemand, der in einem Fachgebiet die Basics nicht beherrscht, kann am Ende auch keine Probleme lösen.

                    Der durchschnittliche Hauptschüler hat nach der Abschluss der 9. Klasse einen Wissenstand in Mathematik und Deutsch, der vergleichbar mit einem durchschnittlichen Viertklässler ist. Da frage nicht nur ich mich, was die Schule in den 5 Jahren macht. Oder schafft unsere Gesellschaft insgesamt soviel Bildungsausschuss?

                    Ich weiß nicht, was dafür reingenommen wurde, ich kann nur berichten, dass es bei uns schon nicht mehr vorkam. Jedenfalls keine Sagen, nur kurz Demokratie, Stadtstaaten, Athen, fertig.

                    Dann frage ich mich auch hier, was Schule mit unserer Zeit macht. Von Dir zu mir ist schließlich nur noch wesentlich der Mauerfall und die Wiedervereinigung gekommen.

                    Okay, was macht heute Schule um Gottes Willen mit Philosophie?!? Sind die Kultusminister völlig durchgeknallt?

                    Und das war dann übrigens deine Generation oder noch die davor, die das beschlossen hat.

                    Ich halte nichts von deutschen Behörden und Beamten. Hatte ich das bereits mal erwähnt?

                    Also zum Einen halte ich es für viel zu kurz gesprungen, von Bildungsverachtung zu sprechen.

                    Ich habe das nun mehrmals erläutert. Ich sprach nicht von Bildungsverachtung in Generationen, sondern in bestimmten Milieus. Bezüglich ostdeutschen Männern habt ihr das eher etwas locker genommen, bezüglich muslimischen und arabischen Migranten ignoriert. Fakt ist: diese Gruppen sind tatsächlich seit Generationen weit überproportional Schulversager. Da Du das Argument „liegt in den Genen“ mit Sicherheit nicht akzeptieren würdest, bleibt nicht so viel.

                    Genauso findet auch bei Migranten häufig schon nach einer Generation eine Anpassung statt.

                    Hier fehlt Dir die Differenzierung.

                    Eben sagst du noch, du findest es nicht gut, wenn alle den höchsten Bildungsabschluss anstreben, weil das Spitzenniveau so nicht gehalten werden kann und jetzt beschwerst du dich, dass Migranten von sonstwo oder sonstwer Bildung „verachten“ und gar nicht mehr höhere Bildungsabschlüsse anstreben.

                    Nein, das habe ich nicht gesagt. Allein schon nach meinem christlichen Glauben sollen Menschen versuchen, das Optimum aus ihrem Leben zu machen. Das schreibe ich immer wieder. Und es war bis in die Siebzigerjahre verbreitet, sich aus kleinen Verhältnissen hocharbeiten zu wollen, durch Bildung. Davon zeugen z.B. zahlreiche Politikerkarrieren der heute 50-70jährigen. Irgendwann ist das verloren gegangen, bei den jungen Politikern der linken Parteien SPD und LINKE gibt es in führenden Positionen zahlreiche Ewigkeitsstudenten.

                    Aber es ist durchaus natürlich, dass nicht jeder das Abitur des Standards von 1980 oder 1986 erreicht. Dann gibt es mehrere Möglichkeiten, von denen ich den bayrischen Weg für den sinnvollsten halte, nämlich den Ehrgeiz und Leistungsdruck anregen und jenen, die es nicht schaffen, attraktive Optionen zu bieten. Die deutsche Politik hat sich außerhalb Bayerns für einen Weg entschieden, der beispielsweise in den USA für Zwei-Klassen-Menschen sorgt: gut ausgebildete Akademiker (mit hohen Bildungsschulden), Analphabeten für die einfachsten Tätigkeiten. Eine richtige Bildungsmittelklasse gibt es kaum. Die Digitalisierung stellt uns vor neue, alte Herausforderungen, einer solchen Spaltung weitgehend entgegenzuwirken. Wir sind dabei, die gleichen Fehler immer wieder zu machen.

                    Oder man sagt, man möchte möglichst vielen Kindern mit unterschiedlichstem Hintergrund einen guten Schulabschluss ermöglichen und dann macht man Abstriche beim Spitzenniveau.

                    Du übersiehst etwas Fundamentales: Du entwertest die Abschlüsse damit und sorgst dafür, dass selbst die Guten, diejenigen, die es auch früher geschafft hätten, heute weniger in den Händen haben. Du darfst die Leute nicht für blöd erklären: in Unternehmen weiß man sehr wohl, dass in den letzten 25 Jahren die Niveaus deutlich abgesenkt wurden. Diese Bewertung trifft dann alle. Schau’s Dir anhand der USA an, wohin Deine Vorstellungen führen: die College- und Uniabschlüsse sind wenig wert, wenn sie nicht an Elitehochschulen erreicht wurden. Und diese Schulen können sich wiederum nur besonders Wohlhabende oder die Talentiertesten (über Stipendien) leisten. Ist das Deine Vorstellung von Bildung?

    • Stefan Sasse 1. Januar 2018, 19:22

      Als ob viele Leute heute perfekte Rechtschreibung hätten!

      • Stefan Pietsch 1. Januar 2018, 19:51

        Du hast ja selbst behauptet, darauf wäre „früher“ ungebührlich Wert gelegt. Nun argumentierst Du gegen Deinen eigenen Vorwurf.

    • Erwin Gabriel 2. Januar 2018, 19:11

      @ Stefan P.

      Ich befürchte, Sie werfen die beiden Themen Bildung und Jugend in den gleichen Topf.

      Machen Sie sich nicht zum allgemeingültigen Maßstab; ich vermute, dass Sie auch innerhalb Ihrer Altersgruppe in Ausdruck und Rechtschreibung im vorderen Zehntel liegen, wie die meisten, die hier schreiben. Insofern hat sich seit meiner Schulzeit nicht so viel geändert.

      Was ich beim Thema „Bildung“ als bedeutenden Unterschied empfinde, ist die enorme Abhängigkeit des Lernerfolgs vom Einsatz der Eltern (sei es durch eigenen Einsatz, sei es durch Finanzierung von Nachhilfe). Wer sich nur auf die Schule verlässt, kriegt später Probleme.

      es grüßt
      E.G.

  • Ariane 1. Januar 2018, 13:14

    Schöner Artikel, vielen Dank dafür. Und Frohes Neues natürlich 🙂

    Ich bin ja keine Lehrerin, sondern irgendwie sowas wie die coole, noch nicht so alte irgendwie-Verwandte und da in meinem Umfeld seit 20 Jahren nur noch Jungs geboren werden, habe ich auch nur mit männlichen Kindern/Jugendlichen praktische Erfahrung. Ich bin aber immer wieder erstaunt, wie offen und lieb und einfach zu händeln die sind.^^

    Was mir über die Feiertage aufgefallen ist: In jedem Haushalt wurde sich beschwert, dass sie kein GTA, Counterstrike oder sonst ein Spiel für Ältere haben dürfen (was ja auch richtig ist). Aber sie haben gejammert und das dann akzeptiert. Während wir früher lustig Raubkopien umher getauscht haben und gegenüber Erwachsenen nie nicht erzählt hätten, dass wir manchmal was mit Ballern spielen^^
    Wäre heute technisch vermutlich schon gar nicht mehr machbar, aber ich hab schon das Gefühl, dass (bisher) gar nicht so extrem heimliche Bereiche entstehen. Obwohl bei vielen Eltern das technische Verständnis bei „keine Ballerspiele“ dann oft leider schon aufhört^^

    • Stefan Sasse 1. Januar 2018, 19:24

      Mich ärgert das immer total wenn die Eltern sich nicht mit dem Zeug beschäftigen. Da erzählen dir Achtklässler, dass sie GTA spielen, ich frag die, woher sie es haben – zum Geburtstag von den Eltern. Und die gleichen Eltern beschweren sich dann über moderne Medien.

      • Ariane 2. Januar 2018, 20:06

        Jep. Das geht bei uns allerdings noch, zuviele Experten in der Familie, die man fragen kann. Aber mittlerweile gucken sich die Kinder dann einfach alles auf Youtube an. Und damit du weißt, was in den nächsten Jahren auf dich zukommt: Mein Cousin war mit seinem Sohn auf der GamesCom und anstatt sich alles anzusehen und zu testen, standen die stundenlang in einer Schlange, um Autogramme von berühmten (aber uns völlig unbekannten) Youtubern zu bekommen 😀

  • popper 2. Januar 2018, 12:06

    @Stefan Pietsch:

    “ja, ich bin in meinem Leben oft mit dem Vorwurf der Arroganz konfrontiert worden und das bin ich sicher auch in einigen Bereichen. Snobismus trifft es manchmal auch. Der Unterschied ist: Du willst Deine Arroganz nicht wahrhaben. Wenn wir unsere eigenen Fehler kennen, können wir dagegen an oder Sie so akzeptieren. Aber wenn man sie verleugnet, fehlt die Möglichkeit der Selbstreflexion.“

    Hier spricht angeblich ein Praktiker, der den Müll wegräumt, den die Theoretiker verursachen. Das klingt gut, bedeutet aber gar nichts, solange man nichts darüber erfährt, was Pietsch konkret meint. Auf die Schule trifft das jedoch nicht zu. Hier fungieren Theoretiker über die Praktiker.

    Pietsch ist selbstredend ein großer Verfechter von Pisa-Studien, so dass man anhand einer Nutzenanalyse erörtern sollte, was tatsächlich hinter dieser von der OECD als Wirtschaftsorganisation in Auftrag gegebenen Initiative, die alle drei Jahre durchgeführt wird, tatsächlich steckt. Dabei ist zunächst die Absicht der OECD zu sehen: Die Erzielung nachhaltigen Wirtschaftswachstums. Die Auftragnehmer sind fünf transnationale Bildungsdienstleister, wovon vier private Unternehmen sind, die mit dem Verweis auf Betriebsgeheimnisse sich dem wissenschaftlichen Diskurs entziehen. Gestaltungs- und Deutungshoheit verbleiben bei den Betreibern, sodass auch hier kein demokratischer bzw. nationaler Diskurs stattfindet.

    Bei der Pisa-Bewertung mathematischer Grundbildung haben Unterrichtspläne keinerlei Bedeutung mehr. Bereits der Terminus ‚Grundbildung‘ macht entsprechend der Erläuterungen Pisa-Verantwortlicher deutlich, dass im Rahmen von Pisa, mathematische Kenntnisse und Fähigkeiten, wie sie im traditionellen Curriculum der Schulmathematik definiert werden, nicht im Vordergrund stehen. D.h. im Klartext, man fragt nach Leistungszielen, die Schülerinnen und Schüler gar nicht verfolgen. Es bleibt die Frage, was für einen Sinn das macht? „Pisa“ behauptet einfach, eine globalisierte andere Lernkultur sei der klassischen Bildung und traditionellen Vermittlung von Fachwissen überlegen. Nachweis? Fehlanzeige!

    Es geht um Funktionalisierung und Universalisierung, mithin um eine ‚ökonomische Globalisierung‘ und damit Auflösung föderaler und zu guter Letzt auch nationaler Bildungssysteme. Daraus resultiert die Transformation von Selbstbestimmung und Kulturidentität in funktionale Basiskompetenzen. Anstelle von Individualisierung und Differenzierung tritt Normierung und Vereinheitlichung. Die Schulbildungsmisere ist nicht mehr nur fühlbar, sie ist endlich messbar geworden. Was bleibt aber von dem Genauigkeitsanspruch, den Pisa behauptet? Leider nicht viel. Pisa ist lediglich ein teurer Zufallszahlengenerator, der den Eindruck erweckt, man komme damit im internationalen Vergleich an empirisch fundiertes Steuerungswissen. Ein Begriff, den der Leiter des 2009 durchgeführten Pisa-Durchgangs als Illusion bezeichnete.

    Die American Evaluation Association (AEA) warnt nach mehr als zwei Dekaden Testerfahrung vor einer Testresultat-gesteuerten Bildungspolitik und weist darauf hin. „Obwohl solche Testungen seit mehr als zwei Jahrzehnten durchgeführt werden, haben sie weder die Qualität der Schulen verbessert noch Ungleichheiten in den Leistungen verringert, noch haben sie das Land in moralischer, sozialer oder ökonomischer Sicht vorangebracht.“

    Gewinner dieser Propagierung ist die empirische Bildungsforschung, was man sehr schön an deren Programme, Stellen und Finanzierung ablesen kann. Die Fördergelder sprudeln geradezu. Aber was steckt an Erkenntnisgewinn dahinter. Auf dem Tisch liegen lediglich Zahlen und damit Skalen, Intervalle, Ranglisten. Dieser statistische Apparat liefert, Mittelwerte, Standardabweichungen, Korrelationen usw. Das Ergebnis ist, es sammeln sich große Mengen Daten an, die aber zunächst nur Zahlen sind. Worin besteht deren Realitätsgehalt oder genauer gesagt deren Realitätsbeschreibungsvermögen. Stehen die tatsächlich so völlig außer Frage oder verbirgt sich dahinter der politische Wunsch dem ganzen Prozess eine Art quasinaturwissenschaftlicher Dignität zu verleihen.

    Diese Art der Forschung erarbeitet ihre Begriffe/Konzepte und/oder Ergebnisse parthenogenetisch, notfalls auch ohne jede Anleihen bei der bemessenen Realität oder Bezügen zu ihr. Eine Widerlegung der Ergebnisse dieser ausufernden Vergleichsuntersuchungen, das wissen sind sich die Pisa-Gläubigen und der darin involvierten Firmen genau, ist praktisch, wenn nicht sogar generell ausgeschlossen. Die Sache ist ja wegen des Verweises auf Betriebsgeheimnisse verschlossen. Sollte Kritik einmal nicht folgenlos bleiben und aufpoppen, reibt sich die Forschungsindustrie die Hände über Folgeaufträge, die dann genau in der beschriebenen Art bearbeitet werden.

    Wo man Bildungsforschung bisher klassisch mit der Disziplin der Pädagogik assoziierte, tummeln sich inzwischen Zahlenfetischisten, Psychologen und Psychometriker, was sich auch sprachliche auf das Nachdenken über die Schulbildung auswirkt. Ökonometrie und Psychometrie setzen den Begriffsrahmen und die ideellen Folien. Der größte Teil, der zur Durchsetzung der sogenannten Optimierung des Systems durch Reformen ersonnen wurde, kommt nicht aus dem originären Ideenhaushalt der Pädagogik. Er basiert nicht auf der vorhandenen Erfahrung mit didaktischen Denk- und Handlungsformen, sondern wurde aus der angewandten Betriebswirtschaftslehre und einer „pädagogischen“ Psychologie importiert. Beides sind völlig fremde Universalrezepte, beide werden blind auf die spezifischen Voraussetzungen der Schule übertragen.

    So dokumentiert die Sprache der Schul-Reform weitgehend die des Business. Priorität haben Qualitätsentwicklung und -kontrolle, Organisations-, Produkt- und Personalentwicklung. Schulmarketing und Intrapreneurship, der Schüler bereits als eigener Unternehmer. Verbunden ist das Ganze mit einem tendenziellen Zuständigkeitswechsel für die Bildungsforschung. Von der Pädagogik hin zur Psychologie führt zu einem Verblassen der Inhalte der Schulbildung, sodass davon in den Forschungsberichten kaum noch geredet wird – als seien in erster Linie die statistischen Begriffe zu erforschen und Zahlen auszubreiten, anstatt Schülerinnen und Schüler und deren Bildung zu erfassen. Hinzu kommt, dass die Testfragen heute regelmäßig jeder Diskussion entzogen unter Verschluss bleiben. Umso pompöser kommt die Statistik daher, mit zum Teil unangemessenen und auch unter Experten umstrittenen Verfahren.

    Was festzuhalten bleibt ist, dass die Lehrerinnen und Lehrer in ihrer schweren Arbeit durch diese Tests nicht unterstützt, sondern unter Druck gesetzt und behindert werden. Die genuine Tradition der verantwortlichen Lehrperson, die Lernprozesse individuell gestaltet, wird durch diese Fehlentwicklung konterkariert. Natürlich können und sollen Mängel der Schulsysteme nicht in Abrede gestellt werden, Tatsache bleibt, dass sie durch eine von Testergebnissen geleitete Bildungspolitik doch eher verstärkt werden. Selbst die Ergänzung durch neue Tests werden die systemischen Mängel nicht bearbeitet und möglicherweise beseitigt. Man muss leider auch hier konstatieren, dass der Neoliberalismus auch hier ganze Arbeit geleistet hat. Die Testpäpste samt ihrer Adlaten haben bis dato genug Zahlenmaterial gesammelt, um für die nächsten Jahre sinnfreie Bedarfs-Statistiken zu ihrer Selbstvergewisserung zu generieren. Zumal deren Aussagekraft und Relevanz selbst in angeblich „harten Faktenfächern“ wie Mathematik mehr als fragwürdig sind. Und wer dann noch immer IT-gläubig hofft, die Digitalisierung werde Schüler zu logisch und komplex denkenden Individuen machen, begibt sich freiwillig in die „Diaspora“ selbstverschuldeter Unmündigkeit. Dort lernen sie dann nur noch die Klicks zu bedienen, die sie ins Nirwana des vorprogrammierten Erfolgs begleiten.

    Beste Grüße und alles Gute im neuen Jahr
    Ihr popper

  • CitizenK 2. Januar 2018, 15:48

    @ In Dubio

    Konsens: Das Überraschungsmoment bzw. der DDR hab ich auch erlebt. Da dort kein Profitzwang bestand, musste die Umwelt dort doch besser geschützt sein? Die (damals noch geschmuggelten) Videos haben mich schockiert. Das war aber ein gesellchaftliches Phänomen, nicht nur ein schulisches.

    Dissens: Bei der Rechtschreibung sollte die kommunikative Funktion im Vordergrund stehen, nicht die Duden-Kenntnis als Statussymbol. Wenn viele Wörter falsch geschrieben sind, beeinträchtigt dies das Lesen und damit das Verständnis.

    Auch mich stören willkürliche Groß-/Kleinschreibung und falsch geschriebene Wörter sehr. Seit ich aber einen Professor und einen erfolgreichen Consultant mit Legasthenie kennengelernt habe, versuche ich das nicht mehr so wichtig zu nehmen. Wenn Personaler wegen eines Rechtschreibfehlers einen Bewerber gleich aussortieren (nicht selten der Fall), ist das engstirnig und kontraproduktiv.

    Die Lehrer: Die Siebziger waren links-ideologisch geprägt (und Sie dadurch offenbar traumatisiert). Das ist vorbei. Das U-Material für Wirtschaft und Gesellschaft kommt oft aus dem INSM-Umfeld. Im Langzeit-Vergleich gibt es viel mehr Lehrer, die Schüler fördern wollen, die für die Schüler da sind und nicht umgekehrt wie früher oft.

    @ popper

    Deinen eloquent geschriebenen Verriss von PISA und anderen Tests kann ich nicht nachvollziehen. Textverständnis und Rechenfertigkeit sind doch wirklich wichtige Kultur- (oder meinetwegen Zivilisations-) Fähigkeiten, auf denen alles andere aufbaut. Auch die Problemlösungsaufgaben in den Tests sind meist gut gestellt. Schule soll nicht nur, aber halt auch für die Arbeitswelt vorbereiten. Was daran ist so schlimm?

    • popper 2. Januar 2018, 16:47

      Auch die Problemlösungsaufgaben in den Tests sind meist gut gestellt.

      Wenn Sie die Intensionen von PISA wirklich verstanden hätten, wäre ihr Hinweis nicht so ausgesprochen nebulös. Und reiten Sie doch bitte nicht auf Begriffen herum, meine Auffassung dazu kennen Sie. Meine Ausführungen zu PISA sind Fakten, die Insidern hinreichend bekannt sind. Jetzt nennen Sie ihre.

      • CitizenK 2. Januar 2018, 18:51

        @ popper

        Verstehe die Frage nicht. Für „Intension“ liefert das DWDS die Bedeutungen „Anspannung, Eifer, Kraft“. Das ergibt in unserem Kontext keinen Sinn, schon gar nicht im Plural.

        Oder war „Intentionen“ gemeint? So wörtlich wollte ich meine These, die Rechtshreibung nicht zu überschätzen, nun doch nicht verstanden wissen.

        • popper 2. Januar 2018, 20:08

          @Citizen

          Damit legen Sie offen, das es mit IHREM mathematischen Denken nicht weit her ist. Sie haben schon richtig gelesen. Mit Intension ist sehr genau beschrieben, was ich oben zum Ausdruck bringen wollte: nämlich die innere Anspannung und den Eifer, mit denen Neoliberale bei der Sache sind, wenn es um ihr Vorhaben bei PISA geht. Der intellektuelle Kurzschluss befindet sich insoweit auf ihrer Seite. Googeln Sie mal unter Intension und Logik, Sie könnte bestimmt ihr Repertoire an gewonnenen Einsichten mehren.

          • CitizenK 2. Januar 2018, 21:18

            Mit meinem mathematischen Denken ist es in der Tat nicht weit her. Ob ich deshalb die „Intension(en)“ der OECD immer noch nicht verstehe? Hilf mir auf die Sprünge:

            „Intension“ als Gegenstück zu „Extension“ ist ein Terminus aus der Logik : „…besteht die Intension eines Begriffes aus der Gesamtheit der Merkmale oder Eigenschaften …, die den Dingen, die er umfasst, faktisch gemeinsam sind oder die die Schnittmenge ihrer notwendigen Merkmale ausmachen“.

            Welche Schnittmenge welcher Merkmale im Kontext von OECD/PISA meinst Du?

            • popper 2. Januar 2018, 23:15

              @CitizenK

              Für auf einem Auge absichtsvoll Blinde und auf beiden Ohren Taube, wäre jede weitere Erklärung verlorene Zeit. Da Sie aber erkennbar den Unterschied von Intension und Extension verstanden haben, ist Hoffnung. Dennoch – am Verständnis der Ähnlichkeit zwischen Intention (sein Streben auf etwas richten) und der Intension (von innen heraus zu einer Sache angetrieben werden), müssen Sie noch arbeiten. Mehr Hilfestellung wäre bereits ein Affront gegen ihr eigenes Denkvermögen. Und führt vom von mir adressierten Thema weg. Zumal ich dazu bisher nur unsubstantierte Unkenrufe vernommen habe.

              • CitizenK 4. Januar 2018, 13:40

                @ popper

                Unter Arroganz „versteht man seit der frühen Neuzeit den Habitus von Personen, die ihren eigenen Wert, ihren Rang oder ihre Fähigkeiten unrealistisch hoch einschätzen.“

    • Stefan Sasse 2. Januar 2018, 18:10

      Ich möchte auch noch mal betonen dass ich von Rechtschreibung im vertretbaren Rahmen rede. Mal hin und wieder ein Fehler passiert halt, das ist nicht dramatisch. Permanent Groß- und Kleinschreibung verwechseln macht einen Text unlesbar.

    • Stefan Pietsch 4. Januar 2018, 16:30

      Das Überraschungsmoment bzw. der DDR hab ich auch erlebt.

      Dieses „Überraschungsmoment“ hat für unnötig hohe Kosten bei der Wiedervereinigung gesorgt. Selbstbetrug ist nie gut.

      Bei der Rechtschreibung sollte die kommunikative Funktion im Vordergrund stehen, nicht die Duden-Kenntnis als Statussymbol.

      Sprache ist eine Konsensbildung. Wenn jeder schreibt wie er will, geht das Verständnis für Sprache verloren. Am Ende steht weniger. Duden-Kenntnisse helfen bei der Konsensbildung, Tablets und Smartphones nicht, selbst bei Leuten wie mir (Arroganz-Anfall) passiert dann viel Mist beispielsweise durch Autokorrekturen.

      Hier beteiligt sich seit Monaten jemand, der sich selbst für „sehr intelligent“ und „hoch gebildet“ erklärt, so dass selbst sein angeblicher Bildungsabschluss mehrfach Erwähnung finden musste. Das verhindert nicht, sozial inkompatibel und ohne Benehmen zu sein. Schlechte Ausdrucksformen, große grammatikalische Defizite und ebensolche Rechtschreibmängel runden das Bild eines schwierigen Menschen ab. Und dann haben wir einen Kandidaten, der Begriffe bestenfalls googelt und sie im Baukastensystem zusammensetzt und dessen Ziel es eben nicht ist, verständlich zu sein. Auch dieser Mensch vergisst seine Umgangsformen, sobald er kommunikativ auf Widerspruch stößt.

      Ich versuche zur alten Rechtschreibform zurückzukehren, was weitere Probleme aufwirft. Aber wahrscheinlich kommt es auf die nicht mehr an nach dem Chaos, was die Kultusminister und ihre Beamten angerichtet haben.

      Die Siebziger waren links-ideologisch geprägt (und Sie dadurch offenbar traumatisiert).

      Können Sie’s mir verdenken? Ich habe Staatsdiener nur als faul, ideologisch verblendet und ohne Ahnung von der Zukunft erlebt. Es gibt nur eine Beamtengruppe, vor der ich durchgehend Respekt habe: Polizisten. Heute erlebe ich stinkenfaule Richter, die Recht nach der eigenen Convenience sprechen.

      Meine Grundschullehrerin bezweifelte jedes Potential. Wäre es nach ihr gegangen, wäre ich nicht aufs Gymnasium (trotz nachgewiesener Befähigung). Ich habe ein sehr schlechtes Namensgedächtnis, aber nach über 40 Jahren kenne ich noch ihren Namen. Mein Schuldirektor in der Oberstufe (Jahre zuvor mein Biologie- und Physiklehrer, ein Mensch, den ich hoch geachtet habe) war Mitte der Achtzigerjahre der Überzeugung, dass der Trend zum Studium nur vorübergehend sei, später würden wieder Berufsbildung mehr geachtet. Er irrt bis heute. Bei der Berufsberatung riet man mir von meinem Studiengang ab, zu geringe Aussichten. Bei meiner Frau und meiner Tochter übrigens das Gleiche, meine Frau hat das die Verschwendung von Lebenszeit gekostet. Der Englischlehrer meiner Tochter konnte Generationen von Schülern für die Sprache versauen, kein Elternprotest trug Früchte, bis er vor einigen Jahren in den hochbezahlten Vorruhestand verabschiedet wurde. Ihr Physiklehrer ließ Klausuren schreiben, die auf anderen Lehrbüchern als den Unterrichtsmaterialien aufbauten. Zu meiner Zeit gab es, wie Sie zu Recht schreiben, viele linksgerichtete bis reine Idealisten des Kommunismus. Und auf der anderen Seite drohte mir ein Alt-Nazi. Tolle Alternativen der staatlichen Ausbildungsanstalten.

      Im Langzeit-Vergleich gibt es viel mehr Lehrer, die Schüler fördern wollen, die für die Schüler da sind und nicht umgekehrt wie früher oft.

      Woher wissen Sie das? Ich habe jetzt wieder etwas mit Schule zu tun. Was ich erlebe: Lehrer, die sich das Leben einfach machen, in dem sie notwendigen Konflikten aus dem Weg gehen.

      • Stefan Sasse 4. Januar 2018, 17:39

        Was ich bei den Litaneien über schlechte Lehrer immer nicht verstehe: das stimmt ja alles, aber das passiert in praktisch jedem Beruf, ohne dass die Leute gefeuert oder sonstwie neutralisiert werden. Man denke nur mal an die Bankenbranche…

        • Stefan Pietsch 5. Januar 2018, 10:22

          Wie kommst Du darauf?

          Die meisten Unternehmen bemühen sich, Minderleister loszuwerden, schließlich schädigen sie am Ende alle. Im Top-Management ist die durchschnittliche Verweildauer mit teilweise 2 Jahren weit geringer als die die durchschnittliche Betriebszugehörigkeit (rund 10 Jahre). Nach Deiner Argumentation gibt es also an der Spitze die meisten Pfeifen.

          Die Finanzindustrie hat über 20 Jahre lang die besten Mathematiker und Informatiker von den Unis geholt. Diese Leute haben durch die Bank eine weit überdurchschnittliche Auffassungsgabe und Einsatzbereitschaft. Ich will hier nicht die globale Finanzkrise aufrollen, aber sie wurde auch verursacht, weil der Staat mit seiner Regelsetzung das Eingehen von Risiken übermäßig begünstigte und die Risikovorsorge vernachlässigte. Bis auf Ausnahmen handelten die Investmentbanker im Rahmen der gesetzlichen Regelungen, weshalb es trotz zahlreicher Anklagen nur zu wenigen Verurteilungen kam. Und die Verurteilungen betrafen fast ausnahmslos die Geschäftsführungen im Rahmen der Organhaftung, nicht Angestellte wegen Fehlverhaltens oder unethischen Verhaltens.

          • Stefan Sasse 5. Januar 2018, 20:31

            – Sehr häufig haben Vorgesetzte nicht die geringste Ahnung (aber praktisch immer eine starke Meinung) wer Minder- und er Mehrleister ist.
            – Leute loszuwerden ist, wie du oft genug beklagst, nicht einfach.
            – Beharrungskräfte sind schon immer sehr stark gewesen.
            – Neue Leute gibt es auch nicht immer, vor allem wenn die Stelle etwas spezifischere Kenntnisse erfordert, so dass eine Pfeife behalten in der Kalkulation eventuell neue Leute anzulernen schlägt
            – Vorgesetzte beschützen Trottel, weil sie ihnen nicht gefährlich werden
            – Vorgesetzte beschützen Trottel, weil sie sie persönlich mögen
            – Vorgesetzte beschützen Trottel, weil sie selbst Trottel sind
            usw.

            Es gibt viele Gründe. Auch wenn das in deine Regenbogenwelt unternehmerischer Effizienz nicht passt.

      • CitizenK 4. Januar 2018, 22:59

         @ Stefan Pietsch

        „Woher wissen Sie das?“

        Aus eigenem Erleben und eigener Erfahrung. Nach einer kaufmännischen Lehre (so hieß das damals), Studium und einigen Jahren „in der Wirtschaft“ ging ich -mit einem Dünkel und Vorurteilen gegenüber faulen Beamten – in den Schuldienst (Berufliche Schule in BW) und war überrascht und beschämt, wie engagiert da gearbeitet wird. Die Vergleichsmöglichkeit mit der Privatwirtschaft hatte ich ja.

        Uns war bewusst: Wir werden gut bezahlt und sind sozial sehr gut abgesichert, dafür wollen und müssen wir etwas leisten. Und das taten wir. Unfähig oder unwillig waren nur ganz, ganz wenige. Wie wohl in jedem Beruf, wie Stefan Sasse richtig anmerkt.

        Natürlich kenne auch ich hanebüchene Fälle von unfähigen Lehrern. Das Beamtenrecht und ein unguter Corpsgeist verhindern oft, dass sie aus dem Klassenzimmer genommen werden. Da könnte und müsste man was ändern. Aber deshalb so über „die Lehrer“ zu reden, wie Sie das tun, das ist falsch und ungerecht.

        • Stefan Pietsch 5. Januar 2018, 10:06

          „Woher wissen Sie das?“
          Aus eigenem Erleben und eigener Erfahrung.

          Okay, akzeptiert.

          Mein Vater war Postbeamter. Zu Beginn meines Studiums habe ich regelmäßig während der Semesterferien bei der Post als Austräger gejobbt. Die Haltung der Beamten war eine andere als die von Ihnen geschilderte. Erstens fanden diese Beamten, dass ihnen ihre Sonderrechte schlicht zustehen. Und zweitens beklagten sie sich regelmäßig über ihr verhältnismäßig geringes Entgelt im Vergleich zur Privatwirtschaft. Und regelmäßig führten die Leute aus diesem Bereich eine Vorruhestandsregelung für sich herbei.

          Die Verantwortungsethik, die Sie zeichnen, treffe ich verhältnismäßig selten an, auch nicht in der Privatwirtschaft.

          Zu meinem erweiterten Bekanntenkreis gehört auch ein Lehrer. Es ist der Sohn des Alt-Nazi-Lehrers und pflegt, wie auch seine einkommens- und mittellose Schwester, die gleichen Ansichten („Nur tote Juden …“). Der Sohn hat bis zu seinem 35.sten Lebensjahr auf Lehramt studiert (Sport und Geschichte). Nach seinem Langzeitstudium fand er fast zwei Jahre keine Anstellung, bevor er auf einer der Nordseeinseln seine erste Stelle antreten konnte. In der ersten Woche klappte er aufgrund des unerwarteten Stress bewusstlos zusammen, sein alter Herr holte ihn ab. Die nächsten Jahre hangelte er sich von Aushilfsstelle zu Aushilfsstelle. Mit Mitte Vierzig fand er eine Anstellung bei einer Schule hier im Umkreis. Eine Verbeamtung scheiterte mehrmals, auch, weil er das Arbeiten nicht erfunden hatte. Der ihm wohlgesonnene Direktor zog als eine sehr letzten Amtshandlung vor der Pensionierung die Verbeamtung durch, Grund: der ehemalige Langzeitstudent sei Familienvater mit zwei kleinen Kindern.

          Seit der Verbeamtung weist er überdurchschnittliche Fehlzeiten wegen Krankheit auf. Die Monate bis zur vorzeitigen Pensionierung werden schon von ihm gezählt. Auch dieser Beamte ist ein absoluter Gewinn für den Staat, motiviert aus guten Gründen.

          Solche Karrieren gibt es in der Privatwirtschaft nicht. Und so etwas macht wütend, da man selbst mit seinen Steuergeldern für solche Leute zahlt.

          • popper 5. Januar 2018, 12:44

            @Pietsch

            Solche Karrieren gibt es in der Privatwirtschaft nicht.

            Wirklich nicht?? Herr Barzel bekam eine „Apanage“ von 250.000.- DM p.a. fürs Nichtstun. Herr Kohl hatte einen Beratervertrag bei Kirsch fürs Nichtstun… usw. Haben Sie schon mal genau hingeschaut, warum bei hochdotierten Managern das Wort Leistung so gut wie keine Erwähnung findet. Die würden nämlich bei der Berechnung ihrer Nutzenfunktion in große Schwierigkeiten kommen, ihr Gehalt mit realer wertschöpferischer Leistung zu rechtfertigen. Da bedient man sich dann lieber einer Metaebene, die sich von der Metaphysik kaum noch unterscheidet.

          • CitizenK 15. Januar 2018, 18:09

            Ein McKinsey-Mann hat die gleichen Erfahrungen gemacht wie ich, ein paar Etagen höher und ein paar Jahre später:

            „ZEIT: Sind Beamte faul?
            Muschter: Nein, das Vorurteil habe ich kassiert. Ich hätte nie gedacht, dass es so viele motivierte, mutige Beamte gibt. Die wollen den Bürgern helfen, die brennen für die Sache.“

            DIE ZEIT Nr. 3/2018 „Es könnte nochmal knallen“, Interview mit Sebastian Muschter.

  • Erwin Gabriel 2. Januar 2018, 18:44

    Ich habe noch nicht so richtig verstanden, worum es in dem Artikel geht.

    Die Überschrift lässt „Jugendliche“ vermuten, aber hauptsächlich wird über Bildung gesprochen – aus meiner Sicht sind das zwei unterschiedliche Themen.

    Was die Jugendlichen angeht, sehe ich an vielen Stellen gegenüber Älteren eine „kulturelle“ Arroganz, die ich früher auch hatte: Meine Eltern hatten keine Ahnung und fast genauso wenig Toleranz, was Mode, Klamotten, Sprache etc. anging. So etwas finde ich OK.

    Und wenn Jugendliche, die in der Regel noch keine wichtigen Herausforderungen hatten und dementsprechend noch nicht wirklich im Leben gescheitert sind, sich (auch intellektuell) für unbesigbar halten, finde ich das auch im Rahmen. Auch ich habe, 17- und 18-jährig, meinem Vater der Welt erklärt; ich hatte sie noch nicht gesehen, aber mein Verstand funktionierte gut genug, um mir Gewissheit zugeben.

    Was ich unter aller Kanone finde, ist das oft aggressive, laute und rüde, bestenfalls desinteressierte Verhalten jüngerer gegenüber älteren Menschen (nicht auf die Altersgruppe unter zwanzig beschränkt). Es ist Monate her, dass ich gesehen habe, dass jemand (außer meinen Kindern) Älteren ein Bus oder Bahn einen Sitzplatz anbietet; und derjenige, der das tat, war über 30 und hatte einen Migrationshintergrund.

    Vortritt lassen, Türen aufhalten, Hilfe anbieten etc. ist offenbar nicht mehr zeitgemäß.

    • Erwin Gabriel 2. Januar 2018, 18:47

      Nachtrag:

      Was Rechtschreibung etc angeht, sind die meisten Menschen (unabhängig von ihrem Alter) nicht auf meinem Niveau, bzw. icht auf dem Niveau der Diskutanden auf dem Blog hier. Ist aus meiner Einschätzung heraus keine Altersfrage, sondern hat eher damit zu tun, ob man viel oder wenig liest.

      Viele Grüße
      E.G.

      • Logos 4. Januar 2018, 22:26

        Was Rechtschreibung etc angeht, sind die meisten Menschen (unabhängig von ihrem Alter) nicht auf meinem Niveau, bzw. icht auf dem Niveau der Diskutanden auf dem Blog hier.
        Das entbehrt nicht eines gewissen unfreiwillig selbstironischen Momentes.

        • Erwin Gabriel 5. Januar 2018, 10:40

          @ Logos

          Sie haben Recht – das fehlende „n“ ist mir selbst in dem Moment aufgefallen, als ich den Text abgeschickt habe. Vermutlich brauche ich bald eine neue Tastatur. Aber ich weiß offensichtlich, wie man das Wort „nicht“ richtig schreibt. Deswegen halte ich die Aussage (die Sie einschließt) dennoch für zutreffend.

          Es grüßt
          E.G.

    • Erwin Gabriel 2. Januar 2018, 19:02

      Nachtrag 2:

      Über Schule kann ich nicht viel Gutes berichten. Einen Lehrer wie Herrn Sasse, der sich (wie im vorigen Beitrag zum Thema Games, Serien und Filme beschrieben) derart intensiv mit Themen auseinander setzt, habe ich weder für mich noch für meine Kinder ein einziges Mal erlebt. Sehr oft gab es aber Unterrichtsausfälle, und die Bemühungen des Schuldirektors, all das auf die Eltern dere Schüler abzuwälzen (bis hin zur Aufforderung an die Eltern, wer Zeit habe, könne sich ja gerne melden und selbst vor die Klasse stellen, um eine Betreuung bei Unterichtsausfall sicherzustellen), grenzten ans Unverschämte. Da er auch dazu neigte, Schüler einzuschüchtern, haben diese schon bei den Eltern Druck gemacht, man möge sich doch bitte nicht beschweren.

      Ein Teil der Lehrer (also nicht alle) kam eher nachlässig bis schlampig gekleidet in die Schule, zwei liefen in Pantoffeln durch die Flure, alles in allem keine Vorbilder.

      Dass eine meiner Töchter mit englisch und spanisch den sprachlichen Zweig wählte, und zwei Jahre vor dem Abitur auf den Mathe-Kurs umgebucht wurde, weil die Spanisch-Lehrerin die Schule verließ und kein Ersatz gefunden werden konnte, war natürlich auch nicht so der Hit und hat den NC meiner Tochter ziemlich verhagelt.

      Aber das ist das Problemfeld „Bildung“, nicht „Jugend“, deswegen höre ich hier mal lieber auf.

    • Stefan Pietsch 2. Januar 2018, 19:22

      Ich neige ja nicht dazu, die jüngere Generation in Schutz zu nehmen, dennoch: schon vor über zwei Jahrzehnten sind mir diese Unhöflichkeiten häufig begegnet. Ich habe es mehr als einmal erlebt, dass z.B. ein Blinder (!) durch ein ganzes Zugabteil gehen konnte, ohne dass sich einer der schwer beschäftigten Berufspendler erhoben hätte. Der Punkt ist eher, dass Begriffe wie Höflichkeit und Wertschätzung irgendwo in unserer Geschichte diskreditiert wurden. In anderen Ländern trifft man die systematische Unhöflichkeit nämlich so nicht an.

  • Stefan Sasse 2. Januar 2018, 20:46
  • Logos 4. Januar 2018, 11:06

    @Pietsch
    “ja, ich bin in meinem Leben oft mit dem Vorwurf der Arroganz konfrontiert worden und das bin ich sicher auch in einigen Bereichen. Snobismus trifft es manchmal auch. Der Unterschied ist: Du willst Deine Arroganz nicht wahrhaben. Wenn wir unsere eigenen Fehler kennen, können wir dagegen an oder Sie so akzeptieren. Aber wenn man sie verleugnet, fehlt die Möglichkeit der Selbstreflexion.“

    Und? Was machen sie? Von einem „dagegen angehen“ ist bei ihnen nichts zu erkennen. Machen sie von der Möglichkeit zur Selbstreflexion Gebrauch? Nein, im Gegenteil: sie projizieren ihre Fehler, ihr Unvermögen und Versagen doch ständig auf andere!

    Dass sie arrogant ist das eine – viel schlimmer aber ist die Tatsache, dass sie dies völlig ungerechtfertigt sind:
    Wenn sie denn wenigstens besondere Einsichten und Ausführungen, die auf eine höhere Intelligenz schließen ließen, zu bieten hätten, dann ließe sich das ja noch hinnehmen.

    Aber ihre Binsenweisheiten, Banalitäten und groben Unwahrheiten sind eine Schande für jeglichen intellektuell Anspruch und nichts, was auch nur ansatzweise als Basis für Arroganz geeignet wäre. Ihre Halbwahrheiten, Scheinerkentnisse und ideologisch haarsträubenden Mantren sind doch Ausdruck gröbster Denkfaulheit. Das ist kein Grund für Arroganz, sondern Zeugnis intellektuellen Totalversagens.

    Auch trifft es Arroganz oftmals nicht richtig: sie sind von Hybris befallen, obwohl sie himmelschreiend inkompetent sind. Gleichzeitig geben sie sich völlig beratungsresistent, wenn sie von Personen, die es besser wissen als sie, in Form stichhaltiger Argumente belastbarer Fakten eines Besseren belehrt werden. Dunning-Kruger lässt grüßen!

    Dass sie bis dato nicht in der Lage waren, auch nur einen Teil meines „kapitalistischen Manifestes“ [1] zu widerlegen, spricht für sich. Von meinen Ausführungen zur verachtenswerten und asozialen Ideologie des Neoliberalismus ganz zu schweigen.

    [1] http://www.kritisches-netzwerk.de/forum/das-kapitalistische-manifest-was-kapitalisten-kommunisten-und-andere-endlich-begreifen-sollten

    • Stefan Pietsch 4. Januar 2018, 16:41

      Wie praktisch jeder hier sehe ich in einer Debatte mit Ihnen keinen Nährwert – weder für mich, noch für das Forum. Zumindest hier scheint mir die Mehrheit zu folgen. 😉

      Ich finde es ungewöhnlich, einem angeblich Studierten sagen zu müssen, dass wir „Sie“ groß schreiben, wenn wir jemanden direkt ansprechen. Sätze mit „Dass“ zu beginnen, zeugt nicht von gutem Satzbau. Überhaupt erscheint Ihr Sprachschatz ungewöhnlich limitiert und einem Akademiker nicht angemessen – soweit ich das beurteilen kann. Kurz: niemand, mich eingeschlossen, hat Interesse an Ihren Thesen (die Sie für Argumente und Fakten halten), nicht an ihrer Rhetorik, nicht an Ihrem sozialen Benehmen. In dem einen Fall, wo ich mich ausführlich mit Ihren Kommentaren auseinandergesetzt habe, blieb (neben den erwähnten Defiziten) nichts als absolute Unlogik. Die Anfangsthese passte nicht zur Hauptthese und beides passte nicht zur Schlussfolgerung.

      Es gibt also keinen Grund mit Ihnen zu debattieren.

  • popper 5. Januar 2018, 11:14

    „…Und dann haben wir einen Kandidaten, der Begriffe bestenfalls googelt und sie im Baukastensystem zusammensetzt und dessen Ziel es eben nicht ist, verständlich zu sein. Auch dieser Mensch vergisst seine Umgangsformen, sobald er kommunikativ auf Widerspruch stößt…“

    Ich teile die Ausführungen von @Logos nicht. Sie gehen an der Sache vorbei und taugen nicht als Argumentationsform, in welchem Diskurs auch immer. Dennoch – der o.g. Kommentar zeigt sehr deutlich, dass Pietsch den „Balken“ im eigenen Auge permanent verleugnet. Dabei ist sein Modus Operandi ist immer derselbe. Er hatte – darauf bezieht sich sein Hinweis – in einem Disput behauptet, es gäbe keine ’normlogische Selbstevidenz‘. Hier habe die Person: „wie so oft Fachbegriffe aus verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen einfach nach dem Baukastenprinzip zusammengeschraubt… Den Sinn versteht ja eh keiner.“ Diesen Sachverhalt verallgemeinert er dann dahingehend, die betreffende Person google bestenfalls, da bei ihr der Wille zur Verständlichkeit ohnehin nicht vorhanden sei und sie bei Widerspruch ihre Umgangsformen vergesse.

    Tatsache ist, dass Juristen genau das geschrieben haben: >i>“Es gibt dementsprechend keinen normlogischen, selbstevidenten oder sonst wie zwingenden Vorrang einer prinzipiell historischen Interpretation, die die Verfassung an die Gedankenwelt der Gründergeneration zurückbindet…“ (s. Verfassungsblog, Warum die Ehe für alle vor dem BVerfG nicht scheitern wird, Uwe Volkmann).

    Das interessiert Pietsch nicht im Geringsten, und ich würde darauf wetten, dass er jetzt, entweder mit allen sprachlichen und rhetorischen Winkelzügen darauf repliziert oder vom Streitgegenstand abweicht, wenn er es nicht sogar, wie meistenfalls in prekären Situationen, vorzieht, das Ganze einfach auszusitzen. Und es wird ihn, gerade wegen seines Mangels an Selbstevidenz, nicht daran hindern, auf seinen Verunglimpfungen zu beharren. Da nun praktisch alle im Forum Pietschs Reaktionen und seine Art des Umgangs kennen, stellt sich die Frage, ob jemand, der immer wieder sexistische Anspielungen und/oder andere auf despektierliche Weise zu belehren sucht, wirklich berufen ist, sich wie ein Gockel aufzuplustern und nicht einmal erkennen will, dass sein Vorwurf: „Auch dieser Mensch vergisst seine Umgangsformen, sobald er kommunikativ auf Widerspruch stößt…“ mit Getöse auf ihn zurückfällt.

    • Stefan Pietsch 5. Januar 2018, 11:51

      Es ist immer wieder amüsant, wie Sie sich selbst widerlegen.

      Er hatte – darauf bezieht sich sein Hinweis – in einem Disput behauptet, es gäbe keine ’normlogische Selbstevidenz‘.

      Tatsächlich hatten Sie behauptet, normlogische Selbstevidenz sei ein ganz üblicher, verbreiteter Begriff in der Rechtswissenschaft. Jedoch konnte keiner von uns eine Quelle dazu finden, schon gar nicht ein höchstrichterliches Urteil, wo solche Begriffe immer mal auftauchen, noch in BGB- oder Grundgesetzkommentaren. Das ist schon erstaunlich.

      Nun führen Sie als Beleg einen Verfassungsblog an. Da steht jedoch nicht das von Ihnen Behauptete:
      Es gibt dementsprechend keinen normlogischen, selbstevidenten oder sonst wie zwingenden Vorrang einer prinzipiell historischen Interpretation, die die Verfassung an die Gedankenwelt der Gründergeneration zurückbindet…“

      Es zeigt, Ihr Ziel ist nicht, sich verständlich auszudrücken. Der Verfassungsblog schreibt von irgendeinem Vorrang, sei er normlogischer oder selbstevidenter Form. Da steht aber nichts von einer normlogischen Selbstevidenz, wie von Ihnen behauptet. Sie haben einfach zwei Adjektive genommen, das eigentliche Subjektiv („Vorrang“) gestrichen und eins der Adjektive zum neuen Subjektiv gemacht. Genauso hätten Sie auch von der selbstevidenten Normlogik schreiben können, das hätte den gleichen, nämlich keinen Sinn ergeben.

      Sie haben gerade nochmal bewiesen, dass Sie tatsächlich

      1. Begriffe googeln
      2. Die Begriffe im Baukastenverfahren zusammensetzen.

      Immerhin sind Sie diesbezüglich zurückhaltender geworden, was ich wohlwollend feststelle.

      • popper 5. Januar 2018, 17:58

        Auf ‚Pietsch‘ 05. Januar 2018, 11:51 gab es von mir eine Replik. Wo ist die geblieben?

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