Der blutige Kampf der Kulturen

Die Attentate der letzten Wochen und Monate machen selbst Lebenserfahrene und Weitgereiste sprachlos. Und irgendwann wütend. Eine Blutserie zieht sich durch Westeuropa, Frankreich, Belgien und zunehmend Deutschland stehen im Zentrum. Allein das Land der Willkommenskultur wurde binnen einer Woche Ziel von 4 Anschlägen. Die Attentate bei Würzburg, am vergangenen Freitag in München und nun in wenigen Stunden in Ansbach und Reutlingen mögen sich im Anlass unterscheiden, sie alle haben jedoch einiges gemeinsam.

Einigen Lesern wird es bekannt sein: während der 2. Intifada habe ich für einige Zeit für ein israelisches Unternehmen gearbeitet. Auf meinen Geschäftsreisen 2000 – 2002 habe ich erleben müssen, wie sich eine zivile Gesellschaft unter dem Dauerbeschuss des Terrors im Zeitraffertempo radikalisiert hat. Ich habe damals viel diskutiert und musste verstehen, dass selbst intelligente, weltoffene Menschen ein fundamentales Bedürfnis nach Sicherheit haben. Wenn Palästinenser prinzipiell eine Bedrohung darstellen, dann wird man nicht mit ihnen zusammenleben können. Die Mauer war die logische Konsequenz.

Nun sind die Selbstmordanschläge in Deutschland angekommen. In einem Regionalzug bei Würzburg ging ein 18jähriger Flüchtling aus Afghanistan mit einer Axt auf Mitreisende los und tötete dabei 4 Menschen. Eine Spezialeinheit erschoss den jungen Mann, der eins nicht im Sinn hatte: aufgeben. Die Ironie dabei: der Afghane hatte gute Ausbildungschancen und Aufnahme in einer Pflegefamilie gefunden.

Am frühen Freitagabend wurde dann das ganze Land dann durch den Amoklauf eines jungen Deutsch-Iraners erschüttert, der in Münchens City sein eigenes Ballerspiel abhielt, 9 Menschen erschoss, bevor er sich selber richtete. Die bayrische Landeshauptstadt befand sich für Stunden im Ausnahmezustand, der öffentliche Nahverkehr wurde wegen des vermuteten Terroranschlags eingestellt. Ein einzelner Amokläufer legte das Partyleben der Millionenstadt lahm.

Während die Republik am Wochenende dabei war, die Ereignisse medial aufzuarbeiten, sprengte sich am Sonntagabend zur besten Sendezeit ein 27jähriger Syrer vor einem Musikfestival in Ansbach in die Luft und verletzte dabei 12 Menschen. Nur die fehlende Eintrittskarte des Mannes verhinderte, dass Konzertbesucher starben. Der Attentäter war vor 2 Jahren als Flüchtling gekommen, sein Antrag war jedoch 2015 abgelehnt worden. Seit dem befand er sich im rechtlichen Status der Duldung, da nicht in Kriegsgebiete abgeschoben werden kann. Während seines Aufenthalts in Deutschland war der junge Mann bereits zu einer Plage der Gesellschaft und mit Kleindelikten und Belästigungen auffällig geworden.

Ebenfalls am Sonntag tötete ein 21jähriger Asylbewerber seine schwangere Frau auf offener Straße mit einer Machete. Danach ließ er nicht etwa ab, sondern verletzte weitere Menschen. Der Mörder konnte nur durch einen Autofahrer gestoppt werden. Die Nationalität des Täters wird inzwischen von Spiegel Online verschwiegen, da der Amoklauf als Beziehungstat eingestuft wird. Auch hier handelt es sich um einen syrischen Flüchtling.

Deutschland im Jahr 2016 fühlt sich an wie Israel 2001. Wir haben in den letzten Tagen Verhältnisse wie im Nahen Osten, wo jeder Knall auch einen Schuss oder eine Explosion bedeuten kann. In Politik und Medien wollen einige die neue Qualität von Kriminalität und Terror noch nicht wahrnehmen. Die Vorgänge von Ansbach und Reutlingen waren noch nicht öffentlich, da wusste Michael Spreng bereits, was nicht Ursache der hiesigen Kriegsverhältnisse ist: die Willkommenskultur. Es ist übrigens der selbe Blogger, der noch vor kurzem einen EU-Beitritt der Türkei vehement gefordert hatte, weil Europa die Osmanen mehr brauche als umgekehrt. Und das war vor der Flüchtlingskrise und dem schmutzigen Flüchtlingsdeal. Und die Nachdenkseiten ordnen den Terror als Restrisiko unserer offenen Gesellschaft ein. Genauer muss man das wohl als ein relativ großes Restrisiko islamistischer Herkunft bezeichnen. Und diese Analyse kommt von Bloggern, die vom Staat andererseits verlangen, noch das unbedeutendste Konto in einer Steueroase aufzustöbern und Unternehmen mit ungezählten bürokratischen Auflagen zu drangsalieren. Liberal ist für manche halt Auslegungssache.

Anhänger der Willkommenskultur klammern sich noch an die Unterscheidung von Amoklauf und Terroranschlag, obwohl beides spätestens seit der Anschlagsserie in Paris im November 2015 und der dem Attentat in Nizza längst Hand in Hand geht. Die Freunde des Multikulti-Allerlei werden mit ihren Situations- und Lebenslügen konfrontiert. Niemand im Berliner Basislager des Kanzleramtes wie der grünen Frontfrauen Claudia Roth und Katrin Göring-Eckardt („Uns werden Menschen geschenkt“) konnte sich vorstellen, dass potentielle Attentäter auch mit den Flüchtlingstrecks kämen. Bei einigem guten Willen (von deutscher Seite) müssten sich die Flüchtlinge leicht integrieren lassen.

Inzwischen wird offenbar, dass es mit den gut gebildeten Zuzüglern zur Stärkung der deutschen Alterssicherung nichts wird. Eher erhält die Fraktion der sozial Bedürftigen wie der Frustrierten neuen Zulauf. Nach neuesten Schätzungen können nur 10% der Flüchtlinge für den hiesigen Arbeitsmarkt als qualifiziert gelten. Das toppt selbst die pessimistischsten Erwartungen der heftigsten Kritiker der Asylpolitik. Deutschland hat sich ein Millionenheer an Menschen eingehandelt, die hier nie ankommen werden, da sie die Grundvoraussetzungen für das Leben im Westen nicht erfüllen und auf absehbare Zeit nicht erfüllen können. Der wichtigste Integrationsmotor, der Arbeitsmarkt, die Wirtschaft fällt aus. Stattdessen diskutieren wir über Burkinis in öffentlichen Bädern als Mittel der Integration. In Bayern streitet eine angehende Juristin um ihr „Recht“, mit Kopftuch Gerichtssitzungen mit leiten zu dürfen. Die Streiterin für Liberalität in Deutschland hat sich nur sehr leicht mit einem Tweet als Anhängerin einer türkischen Diktatur von Erdogans Gnaden demaskiert.

Wenn die Täterprofile der letzten Tage eins zeigen, dann dass Menschen mit einem gewissen kulturellen Hintergrund, die bisher nur eine chauvinistische Gesellschaft, Krieg und Zerstörung, Frauenverachtung und Judenhass sowie das Recht des Stärkeren kennengelernt haben und unter solchen Lebensbedingungen sich behauptet haben, nur bedingt integrationsfähig sind. Es sind keine Menschen gekommen, deren Köpfe man füllen und denen man ein Wertesystem vermitteln konnte. Flüchtlinge sind Menschen, die bereits kulturelle Prägungen haben und nach Werten leben. Nur sind diese leider nicht so einfach mit unseren libertären Gesellschaften in Einklang zu bringen. Wenn über 20% der im Westen lebenden Muslime die Scharia als das für sie maßgebende Rechtssystem anerkennen, dann haben wir uns gerade ein Pulverfass an gesellschaftlichen Jahrhundertproblemen importiert, Selbstmordattentäter inklusive.

Leider lassen sich anders als in einem Computerspiel die Bedingungen nicht mit einer Reset-Taste auf die Standardeinstellungen zurückbringen. Wir werden auf lange Sicht mit nicht lösbaren Problemen leben müssen. Sie sind nicht lösbar, das hat zumindest die Erfahrung gelehrt. Wir haben uns entschieden, Menschen aufzunehmen, die hier die Zustände Syriens, Irans und Ostanatoliens errichten wollen, aber nicht unter dem Schutz des Rechtsstaates liberale, innovative Unternehmen aufbauen wollen. Wir haben dabei nicht verstanden, dass unsere einzige Attraktion für viele Menschen aus dem islamischen und arabischen Raum in unserem immensen Wohlstand besteht, unsere Überzeugungen jedoch weitgehend nicht geteilt, ja verachtet werden.

Es wäre ehrlich, dies zuzuerkennen. Und es wäre aufrecht, würden Angela Merkel, Katrin Göring-Eckardt und Michael Spreng den Bürgern dieses Landes erklären, dass sie nun mit Attentats- und Terrorwellen rechnen müssten, dass sie sich in ihrer bisher so fast grenzenlosen Freiheit bescheiden müssen um ihre Neumitbürger nicht unnötig zu provozieren. Und sie sollten erklären, dass der Preis für unser gutes Gewissen die Akzeptanz von neuen Diktaturen wie das Sultanat des Recep Tayyip Erdoğan sind.

Den anderen Weg werden wir als Gesellschaft nur unter Druck beschreiten. Das ist die israelische Lösung. Auf Deutschland übersetzt geht das in die Richtung, die der stellvertretende FDP-Vorsitzende und Jurist Wolfgang Kubicki skizzierte. Dazu gehören Strafen bei fehlender Integration. Entziehung des Sorgerechts bei Kindern. Abschiebung abgelehnter Asylbewerber in unsichere Herkunftsstaaten. Auch hier lehrt die Geschichte, dass dies die wahrscheinlichere Alternative ist. Einfach, weil keine Gesellschaft lange Terror aushält, egal ob liberal oder nicht. Anders als von den Grünen gewollt, werden wir Migranten zwingen sich anzupassen. Oder sie werden des Landes verwiesen. Wir werden dies tun unter Preisgabe unserer bisherigen freiheitlichen Werte. Weil es nicht anders geht.

In einer idealistischen Gesellschaft kann niemand leben.

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  • Stefan Sasse 25. Juli 2016, 11:59

    Caveat: Ich habe die Nachrichtenlage zu diesen Bluttaten nicht genau genug erfolgt, als dass ich alle Details kennen würde, daher bitte im Zweifel korrigieren.

    Und eine Frage vorneweg: ist politisches Asyl eigentlich dauerhauft oder auch an die Änderung der Zustände im Herkunftsland gebunden? Weil es scheint mir schon in reichlicher Schildbürgerstreich Asylanträge abzulehnen und dann die Leute aber eh hier behalten zu müssen. Das ist das doofste vorstellbare Ergebnis.

    Für mich sieht es so aus, als ob ein weiteres verbindendes Element für alle diese Morde sei, dass die Täter jeweils ernsthafte psychologische Störungen haben. Abgesehen vom iranischen Hintergrund des Münchner Täters etwa gibt es genau nichts, was sich mit der Willkommenspolitik verbinden ließe. Stattdessen sind die Parallelen zu den deutschen Mördern von Erfurt und Winnenden deutlich stärker. Auch der Axtmörder war ja wohl reichlich gestört, und Leute, die im Liebeswahn ihre ehemalige Partnerin attackieren gibt es auch hier. Da unter den Flüchtlingen Traumata naturgemäß weit verbreitet sind, sollten daher vorsichtig sein das allzu vorschnell auf die kulturelle Schiene zu schieben.

    Aber: ausschließen kann man das natürlich genausowenig. Es braucht detaillierte Untersuchungen der jeweiligen Tathergänge und Motive. Auf Twitter fragte jemand neulich ob das Phänomen überhaupt so neu sei oder ob das Neue nicht vielmehr darin bestünde dass Nachrichten (à la sexueller Übergriff im Schwimmbad) die früher in den Regionalnachrichten verblieben wären durch soziale Netzwerke und 24/7-Nachrichtenzyklus nun breiteres Publikum finden.

    Erneut: ich möchte weder zur einen noch zu der anderen Seite neigen. Mir scheint es eher, als ob wir es gerade schlicht nicht wüssten. Und solange wir das nicht tun, sollten wir uns auch vor Überreaktionen hüten.

    • In Dubio 25. Juli 2016, 13:57

      Ist politisches Asyl eigentlich dauerhaft oder auch an die Änderung der Zustände im Herkunftsland gebunden?

      Okay, dazu ein paar grundsätzliche Erläuterungen. Asyl ist ein sogenanntes Individualrecht und ist grundgesetzlich geschützt. Es steht einer Person und nicht einer Gruppe zu. Mit der Gewährung von Asyl ist die Aufnahme in die Gesellschaft verbunden. Dem erfolgreichen Asylbewerber steht der volle Schutz des Grundgesetzes, der Nutzen des Sozialstaates sowie später die Staatsbürgerschaft zu. Daneben steht der Flüchtlingsstatus, der durch völkerrechtlichen Vertrag (Genfer Flüchtlingskonvention) bestimmt ist. Es ist kein grundrechtlicher Schutz, steht dafür einer Gruppe mit einem Merkmal (Kriegsgebiet) zu. Dieser Status ist leichter zu erringen, mit weniger Rechten verbunden und verfällt mit den Fluchtursachen.

      Die meisten Flüchtlinge begehren aus naheliegenden Gründen Asyl. Insbesondere Minderjährige kämpfen um die Anerkennung, da sie nur dann ihre Familien nachholen können. Nur bei Zuerkennung von Asyl genießt die Familie im Gesamten Aufnahme und dauerhaften Aufenthalt. Erfahrene Betreuer argumentieren genau andersherum. Der Antrag auf Asyl löst rechtlich ein Ja oder Nein aus. Bei Ablehnung droht, anders als beim Flüchtlingsstatus, die sofortige Abschiebung. Verstehst Du jetzt, warum ich Eltern so heftig verurteile, die ihre Kinder in die Drucksituation bringen, für die Familie erstreiten zu müssen mit dem persönlichen Risiko, bei Volljährigkeit sofort abgeschoben zu werden?

      Selbstmordattentäter leiden immer unter psychischen Störungen, die ja erst instrumentalisiert werden können. Das ist kein Merkmal und deswegen hier kein Argument.

      Der Unterschied zu „normalen“ Westeuropäern liegt zum einen darin, dass ein selbstmordgefährdeter Jugendlicher selten auf den Gedanken gekommen ist, mit einer Axt erst andere zu morden um sich dann erschießen zu lassen. Zum anderen sind Täter wie in Winnenden sehr selten. Innerhalb weniger Tage haben wir aber nun mehrere solcher gestörten und gemeingefährlichen Fälle. In Relation zum Anteil in der Bevölkerung sind schon 2 Syrer und ein Afghane als Amokläufer extrem viel. Das lässt sich nicht übersehen.

      Und natürlich gibt es hier Leute, die ihren (Ex-) Partner richten. Nur setzen auch diese normalerweise nicht zu einem Amoklauf an, sondern richten sich bestenfalls selbst.

      Die echte Gefahr, Stefan, ist, dass wir schon bald nicht mehr zu solchen nuancierten Betrachtungen fähig sein werden. Genauso wie ich die Scharfmacher fürchte, besorgen mich die Verharmloser. Denn erst die verschärfen ein grundsätzliches Problem und sorgen für die verschärfte Gegenreaktion. Wie gesagt, ich habe in Israel (und den USA) erlebt, was solche Attentate aus einer Gesellschaft machen. Wir sind nicht davor gefeit.

      • Kirkd 25. Juli 2016, 14:06

        Nein, es gibt jede Menge Selbstmordattentäter, die dies in voller Absicht und bei vollem Bewusstsein machen, instrumentalisiert oder nicht. Und natürlich gibt es Amokläufe auch bei Westeuropäern, genause wie es stille Selbstmorde bei Flüchtlingen gibt.

        • In Dubio 25. Juli 2016, 14:10

          Ja, nur setzen Sie das bitte in Relation zum Bevölkerungsanteil. Auf das Münchener Attentat müssten so 40-80 gleichartige von Deutschen folgen. Bei den beiden „syrischen“ Anschlägen lassen sich die Relationen schon nicht mehr darstellen. Na denn, gute Nacht.

          • Kirkd 25. Juli 2016, 14:19

            Wenn wir schon bei Hobbystatistik sind, könnten wir auch fragen, warum das eigentlich so oft in Bayern passiert. Aber ich betreibe keine Hobbystatistik.

            • In Dubio 25. Juli 2016, 14:25

              Gute Frage warum Bayern. Vielleicht, weil das Land die meisten Flüchtlinge aufgenommen hat?

        • Erwin Gabriel 25. Juli 2016, 17:40

          Dass die Bundesregierung im Rahmen des Syrien-Konflikts diese schlecht organisierte, ungeordnete und unkontrollierte Zuwanderung zuließ, war ein Riesenfehler. Nicht falsch verstehen: Wir brauchen angesichts der Altersstruktur in unserer Bevölkerung dringend junge Menschen. Aber wir brauchen sie mit Verständnis und Akzeptanz unserer Sprache, unserer Gesellschaft, und unserer Kultur.

          Ohne erfolgreich abgeschlossenen Integrations- und Sprachunterricht (ja, so etwas kann man testen) dürfte keine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung erfolgen. Und die, die wir aufnehmen, obwohl wir sie nicht brauchen, dürfen gerne unsere Gäste sein, und sollen sich dann bitte auch so benehmen. Das sehe ich bei vielen, aber bei weitem nicht bei allen.

          Soweit ich das erkennen kann, beschränkt sich bei vielen Neuankömmlingen die Integration darauf, das anzunehmen, was ihnen in den Kram passt (etwa ein offenerer Umgang mit Frauen aus unserer Gesellschaft), aber abzulehnen, was nicht in ihren Kram passt (etwa ein offener Umgang unsererseits mit Frauen aus ihrer Gesellschaft). Das ist zwar praktisch, aber nur zu dulden, solange sie damit nicht gegen unsere Gesetze verstoßen.

          In jedem Falle belegen die von Stefan P. genannten Zahlen, dass der Islam (Ausnahme: säkular erzogene Türkischstämmige) sehr „fordernd“ ist. Er ist nicht, wie für die meisten von uns der christliche Glaube, ein entfernter Verwandter, der einen nicht die Bohne interessiert, und den man bestenfalls zu Weihnachten und zu Hochzeiten einlädt, sondern das strenge Familienoberhaupt, das uneingeschränkt das Sagen hat. Das ist ein derart großer kultureller Unterschied, dass wir so schnell nicht verstehen werden, was in diesen Köpfen passiert, und den wir auch nicht in ein paar freundlichen, offenen Gesprächen wegsabbeln können.

          • In Dubio 25. Juli 2016, 19:02

            Wir brauchen angesichts der Altersstruktur in unserer Bevölkerung dringend junge Menschen.

            Das ist nur kein Argument für die Gewährung von Asyl und Flüchtlingsstatus. So betrachtet ist es ein dummes politisches Argument (das betrifft Göring-Eckardt und Konsorten).

            Am gestrigen Artikel von Michael Spreng hat mit die zur Schau gestellte Abgeklärtheit aufgeregt. Der Gipfel war die P.S.-Bemerkung, die Großteil der Opfer seien selbst Ausländer. Damit verkauft er sein Publikum für dumm. Erstens waren die Opfer willkürlich ausgewählt, zweitens richtet sich der Terror von Islamisten meist gegen Glaubensbrüder. Aber auch das häufig eher zufällig.

            • Erwin Gabriel 26. Juli 2016, 05:15

              >> >>Wir brauchen angesichts der Altersstruktur in unserer Bevölkerung dringend junge Menschen.<< <>Das ist nur kein Argument für die Gewährung von Asyl und Flüchtlingsstatus. So betrachtet ist es ein dummes politisches Argument (das betrifft Göring-Eckardt und Konsorten).<<

              Ich habe den "Bedarf an jungen Menschen" nicht als Argument für Asyl benutzt, ich sprach von Zuwanderung (die sich ja sehr schnell aus der Asyl-Gewährung entwickeln kann).

      • Stefan Sasse 25. Juli 2016, 16:00

        Erstmal danke für die Erläuterung mit Asylrecht das war mir bisher nicht klar. Da wundern mich auch die Extremreaktionen nicht. Weitere Verständnisfrage: sind diese Unterschiede in den Herkunftsländern überhaupt geläufig?

        Ich wäre allerdings weiterhin sehr vorsichtig mit Aussagen zum Amoklaufverhalten von „normalen Westeuropäern“. Auch da gehen manchmal Leute mit Äxten und Messern aufeinander los. Und ich stimme dir zu dass sowohl Scharfmacher als auch Verharmloser problematisch sind. Aber aktuell ist es noch zu früh um schon die großen Schlüsse zu ziehen.

        • In Dubio 25. Juli 2016, 16:38

          Sind diese Unterschiede in den Herkunftsländern überhaupt geläufig?

          Bei manchen Medienberichten hat man schon das Gefühl, dass es ein gewisses juristisches Halbwissen gibt. Doch selbst wenn nicht, ist das nicht schlimm. Zumindest in Deutschland vergehen Wochen, wenn nicht Monate, bis ein Asylantrag gestellt wird. In dieser Zeit werden die angehenden Asylbewerber von NGOs wie staatlicher Seite betreut. Hierbei wird der richtige rechtliche Weg zu einem Aufenthaltsrecht diskutiert. Das ist auch in Ordnung, schließlich ist das Ausländerrecht kompliziert.

          Ich bin mit dem Thema über eine Reportage über jugendliche Asylbewerber aufmerksam geworden. Einer war ein 17jähriger Afghane, der seine Betreuerin drängte, endlich einen Asylantrag zu stellen. Da Bewerber aus Afghanistan jedoch nur Chancen auf ein zeitweises Bleiberecht nach der Genfer Konvention haben, nicht jedoch nach Artikel 16 GG, hätte ein Antrag den Jungen in eine prekäre rechtliche Situation gebracht. Ohne Antrag hat er Chancen, länger in Deutschland zu bleiben und irgendwann einen dauerhaften Aufenthaltsstatus zu bekommen. Allerdings entfällt der Familiennachzug. Wenn er 18 ist, ist das ohnehin obsolet. Deswegen sitzen die Familien im Herkunftsland auf glühenden Kohlen und üben via Smartphone und E-Mails Druck auf die Kinder aus.

          Noch 2, 3 solcher Attentate in den nächsten Wochen und Deutschland brennt. Dann werden erst Landesregierungen in MeckPomm und Berlin weggefegt und der Vorwahlkampf zur Bundestagswahl in dunkles Licht getaucht. Und ich habe keine Lust darauf, dass in ein paar Jahren ein Netanjahu hier regiert.

          • Stefan Sasse 26. Juli 2016, 14:08

            Ich frag nur deswegen, weil viele von denen wegen der absurdesten Fehlinformationen herkommen – 6000 Euro Willkommensgeld, eigener BMW, lauter so Scheiße. Da scheint es mir gewagt zu behaupten, die wüssten dort über die Winkelzüge des Asylrechts Bescheid. Dass sich das hier mit Sicherheit schnell ändert, klar. Aber stellen die die Anträge nicht praktisch automatisch wenn sie herkommen? So oder so scheinen deine Ausführungen eigentlich nur den Schluss zuzulassen, dass es da echt dringender Reformen bedarf.

            • In Dubio 26. Juli 2016, 14:25

              Ich gebe Dir soweit Recht, dass die wenigsten über die Winkelzüge des Ausländerrechts Bescheid wissen. Wie gesagt, das brauchen sie auch nicht.

              Rechtsstaat braucht Zeit. Du bewegst Dich auf CSU-Linie, wenn Du Schnellverfahren forderst. Gibt’s allerdings auch in der Schweiz. Wahrscheinlich liegen die Bayern gar nicht so daneben.

              • Stefan Sasse 26. Juli 2016, 18:16

                Ne ich fordere keine Schnellverfahren, um Gottes Willen. Aber wenn ich dich richtig verstanden habe ist das Problem ja dass Asyl eine Ja/Nein-Entscheidung für immer darstellt. Da bräuchte es vielleicht einen rechtsverbindlichen Sidetrack für Flüchtlinge.

                • In Dubio 27. Juli 2016, 09:49

                  Niemand bekommt in einem Rechtsstaat obligatorisch eine Rechtsvertretung, solange er selbst geschäftsfähig ist. Jedem Bürger steht es frei, sich vor Behörden und Gerichten selbst zu vertreten.

                  Hier kommt wieder Dein paternalistisches Staatsverständnis durch. 😉

        • Erwin Gabriel 26. Juli 2016, 05:30

          >>Weitere Verständnisfrage: sind diese Unterschiede in den Herkunftsländern überhaupt geläufig? <<

          Meine Frau ist Maklerin, und sie hat in einer größeren Stadt bei einem größeren Objekt mit vielen günstigen Wohnungen oft Kunden mit Migrationshintegrund. Sie meint, dass viele sich anfangs so garnicht auskennen, aber meist jemanden dabeihaben, der sich auskennt (und der wohl in der Regel Prozente kriegt).

          Auch in unserem nicht mehr ganz so kleinen Dorf gab es einen "Vorzügler", der sich viel Sympathie erwarb, als er der Feuerwehr beitrat. Inzwischen rennt er mit den (meist ziemlich schüchternen bzw. eingeschüchterten) jungen männlichen Flüchtlichen aus Arabien, die auch bei uns das Gros ausmachen, durch die Gegend und erklärt Ihnen die Welt. In dieser Runde ist er nun definitiv der Boss.

          • Stefan Sasse 26. Juli 2016, 14:09

            Auch so ein spannendes Subthema, wie deren Armut und Unwissen ausgebeutet werden.

      • Erwin Gabriel 25. Juli 2016, 17:00

        Wikipedia sagt:

        • Anerkannte Flüchtlinge und Personen, denen Asyl im Sinne von Art. 16a GG gewährt wurde, erhalten eine Aufenthaltserlaubnis…, welche eine unbeschränkte Erlaubnis zur Erwerbstätigkeit beinhaltet, einen Reiseausweis für Flüchtlinge, genießen Freizügigkeit im Bundesgebiet wie deutsche Staatsangehörige, haben Anspruch auf integrations-fördernde Maßnahmen und uneingeschränkten Anspruch auf soziale Leistungen wie deutsche Staatsangehörige. Ihre Familienangehörigen (Ehepartner und minderjährige Kinder bzw. die Eltern minderjähriger anerkannter Flüchtlinge), die sich in Deutschland aufhalten, erhalten ohne individuelle Prüfung denselben Status und der Familiennachzug aus dem Ausland ist erleichtert. Sie genießen Erleichterungen bei der Vorlage von Dokumenten des Heimatstaates, können bereits nach drei Jahren (normalerweise: fünf Jahre) ein unbefristetes Aufenthaltsrecht erhalten und grundsätzlich unter Hinnahme von Mehrstaatigkeit eingebürgert werden.

        Heißt: noch nicht mit beiden Füßen, aber mit einem Fuß in der Tür.

        Es gibt auch eine abgeschwächte Form des Asyls (subsidiärer Schutz).

      • Blechmann 26. Juli 2016, 01:20

        >“Dem erfolgreichen Asylbewerber steht der volle Schutz des Grundgesetzes, der Nutzen des Sozialstaates sowie später die Staatsbürgerschaft zu. Daneben steht der Flüchtlingsstatus, der durch völkerrechtlichen Vertrag (Genfer Flüchtlingskonvention) bestimmt ist. Es ist kein grundrechtlicher Schutz, steht dafür einer Gruppe mit einem Merkmal (Kriegsgebiet) zu.“

        Aber Asyl gilt nur für politisch Verfolgte, 2-3% der Emigranten kriegen das, und der Flüchtlingsstatus gilt nur für angrenzende Staaten. Ein Kriegsflüchtling kann nicht erstmal ins Nachbarland fliehen und von da sich den Staat aussuchen, in den er gerne weiterreisen will.

        Diese Advokatenkniffe halte ich aber für irrelevant. Der Punkt ist, dass unsere Eliten die Massenmigration wollen. Wer es bis Deutschland schafft, der kann auch bleiben, wenn er sich ein bisschen anstrengt. Die paar Hanseln, die abgeschoben werden, sind Brotkrumen für die Einwanderungs-Gegner.

        • In Dubio 26. Juli 2016, 09:05

          Der Punkt ist, dass unsere Eliten die Massenmigration wollen.

          Wer sollen diese ominösen Eliten sein?

          • Stefan Sasse 26. Juli 2016, 14:12

            Das frag ich mich auch. Schwanke noch zwischen Illuminaten und Goldman Sachs. Berat mich mal.

            • In Dubio 26. Juli 2016, 14:22

              Wie wär’s mit Dir? Bist Du Elite?

              Oder ich. Weniger als 13% der Deutschen haben einen vergleichbaren Bildungsabschluss. Im Einkommen gehöre ich zu den obersten 3%. Ich leite seit Jahren Menschen. Ich bin überdurchschnittlich gebildet, intelligent und kulturell informiert.

              Fühle ich mich als Elite? Mit solchen Fragen beschäftige ich mich Null Komma Null. In jedem Fall bin ich, das ist kein Geheimnis, gegen die Massenimigration.

              • Blechmann 26. Juli 2016, 23:48

                >“Fühle ich mich als Elite? Mit solchen Fragen beschäftige ich mich Null Komma Null. In jedem Fall bin ich, das ist kein Geheimnis, gegen die Massenimigration.“

                Gut. Ich korrigiere. Die überwiegende Mehrheit der Eliten ist für die Massenmigration. Und die Illuminaten bestimmt auch.

          • FrageZeichen 26. Juli 2016, 15:32

            zu den „ominösen“ Eliten: So sehr ist es doch kein Geheimnis. Die Massenimmigration wird beispielsweise seit Jahrzehnten von den verschiedensten Arbeitgeberverbänden vorangetrieben.
            Ziel: Lohndumping.

            Eine Verstärkung des Angebotsüberhangs an Sklaven hierzulande führt naturgemäß zu einem Druck auf die Preise für Sklaven.

            Also: So „ominös“ sind diese Eliten überhaupt nicht.

            Menschen, die die einfachsten Schlußfolgerungen in diesem Zusammenhang nicht mehr zustandebringen, gehören wohl eher nicht zu den „Eliten“.

            • Stefan Sasse 26. Juli 2016, 18:17

              Das heißt du als cleverer Schlüssezieher bist mit den Arbeitgeberverbänden verbündet? Man lernt nie aus.

              • FrageZeichen 26. Juli 2016, 21:27

                Na ja, so viele Elite bin ich doch überhaupt nicht. Das wirkt nur so wegen des niedrigen geistig-intellektuellen Gesamtniveaus hier in D. 🙂

                Aber zu deiner Info: Die NDS versuchen nun seit über 10 Jahren die Zusammenhänge zwischen Lobbyismus und den zugehörigen Einflüssen auf die Politik darzustellen. (Samt Drehtüreffekten; s.aktuell Barroso). Ich erinnere nur an die vielen Artikel zur INSM.
                Wer jetzt immer noch nicht weiß, wer mit „Eliten“ (im weiter oben angeführten Zshg von Blechmann) gemeint ist, dem kann man wohl kaum noch weiterhelfen.
                Alternative Begriffe dafür: Großkapitalisten, Erbadel, Geldadel, Oberschicht+Komplizen mit Einfluß. Und wer es konkreter haben will, der kann gerne bei den zugehörigen Organisationen einige bekannte Namen recherchieren. Allerdings wäre das eher die Arbeit von Journalisten.
                Die Ottonormalos dafür zu kritisieren, dass diese keine Details nennen können, ist ja wohl echt zu billig. Wer hier ist schon Angehöriger des Geldadels oder einer deren Komplizen?

          • Blechmann 26. Juli 2016, 23:45

            Wirtschaftseliten, Machteliten und Funktionseliten.

            Firmenbesitzer, Chefs und Manager. Politiker, Richter und Beamten. Politikberater und Wirtschaftswissenschaftler.

            Wie war das mit den 90% die keinen Einfluss auf die Gesetzgebung in den USA haben? Wäre mal interessant aufzudröseln, wer die übrigen 10% sind. 🙂

            • In Dubio 27. Juli 2016, 09:56

              Ich stelle fest: Topjournalisten gehören für Sie nicht zur Elite, dafür kleine Imbissbudenbesitzer. Promianwälte, Wissenschaftler und kulturell herausragende Köpfe sind für Sie alles keine Elite.

              Ich stelle fest, Sie verwenden Elite als Kampfbegriff, denn mit einer wissenschaftlich-objektiven Einordnung hat das nichts zu tun. Das ist okay, ich tue das mit dem Linken-Begriff ja auch. Allerdings können wir darauf keine Diskussion aufbauen, was spannend hätte werden können. 😉

              • Blechmann 27. Juli 2016, 22:28

                Ich glaube für eine konstruktive Diskussion mit Ihnen, muss man ihrer Sicht der Dinge zumindest nahe stehen.

                Die Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Medienbesitzer und Medienmacher fallen selbstverständlich unter Wirtschaftseliten und Funktionseliten. Wobei ich davon ausgehe, dass Ihnen das klar ist. Und die Bemerkung mit dem Kioskbesitzer ist nicht sehr originell.

                • In Dubio 28. Juli 2016, 09:03

                  Nein, ganz im Gegenteil: es ist sinnvoll, in der Debatte mit mir ein gewisses Maß an Konfliktbereitschaft mitzubringen. Nur so lässt sich ein Sachverhalt von allen Seiten beleuchten.

                  Sie nehmen einen Begriff ohne Abgrenzung. Hätten Sie geschrieben, mehrere Wirtschaftsverbände hätten sich in der Vergangenheit so geäußert, wäre das absolut richtig gewesen. So ist es die Zusammenfügung eines bewusst verwaschen verwandten Begriffs mit einem eindeutigen Statement. So funktioniert Populismus. Das eine ist nicht greifbar, das andere nicht beweisbar. Macht eine knackige Aussage.

    • Kirkd 25. Juli 2016, 14:02

      Herr Hermann scheint ja sehr zufrieden festzustellen, dass man nun endlich einen „echten“ islamistischen Anschlag habe. Die wichtige Frage für die Ermittlungen wird nun: war der IS der passende Echoraum für die psychischen Probleme des Täters, oder war der Täter schon immer Islamist?

      • In Dubio 25. Juli 2016, 14:08

        Als ich für den Artikel geforscht habe, stellte ich sehr erschrocken fest: auf der relevanten Wikipediaseite sind fast ausschließlich Terrorakte mit islamistischen Hintergrund aufgeführt.

        Relevant sind nicht IS, Al-Qaida oder Mohammed. Entscheidend ist das kulturelle Umfeld, dem ein Mensch aufgewachsen ist. Dieses prägt entscheidend. Der Glaube, ein Mensch mit Werteprägung ließe sich einfach neu konditionieren, ist aus meiner Sicht an Naivität und Lebensfernheit nicht zu überbieten.

        • Kirkd 25. Juli 2016, 14:17

          Wikipedia ersetzt die konkrete Tataufklärung nicht.

          Auch im Islam wird niemand derart konditioniert, dass ein Amoklauf unabwendbar ist und daher muss ich ihn auch nicht umkonditionieren. Die Frage ist, wieso wird diese Person mit diesem kulturellen Hintergrund Amokläufer und so viele andere Menschen mit vergleichbaren kulturellen Hintergrund nicht?

          • In Dubio 25. Juli 2016, 14:25

            Sie haben die Begriff „konditionieren“ ganz anders verwandt als ich ihn genutzt habe. Wer erwartet, dass ein kleiner muslimischer Prinz, der schon von Frauen hofiert werden musste, zu einem Feministen wird, versteht nichts von kultureller Prägung.

            Sie kehren das Problem um. In jeder Gesellschaft halten sich die meisten Bürger an die Normen, selbst in Diktaturen. Die Frage lässt sich also nur im Benchmark zu anderen Bevölkerungsgruppen stellen.

            • Kirkd 25. Juli 2016, 17:19

              Nur was hilft es, wenn man die Frage nach der Tat nicht stellt? Normalerweise ist es eher eine linke Unsitte, Verbrechen nur als Funktion sozialer Umstände zu betrachten, aber das scheint dann wohl die liberalkonservative Variante dieser Schule der Kriminologie zu sein.

              • In Dubio 25. Juli 2016, 19:25

                Ich rede ja nicht von den sozialen Umständen, sondern den kulturellen. Die Wertevermittlung in frühester Kindheit durch das Elternhaus prägt uns mehr als alles andere.

                • Kirkd 26. Juli 2016, 13:50

                  Und diese Wortklauberei ändert an meinem Argument was? Zur Erinnerung: Mein Argument war, dass das nicht erklärt, warum der eine zum Täter wird und der andere mit den gleichen Voraussetzungen nicht.

                  • In Dubio 26. Juli 2016, 14:08

                    Auch im Islam wird niemand derart konditioniert, dass ein Amoklauf unabwendbar ist und daher muss ich ihn auch nicht umkonditionieren. Die Frage ist, wieso wird diese Person mit diesem kulturellen Hintergrund Amokläufer und so viele andere Menschen mit vergleichbaren kulturellen Hintergrund nicht?

                    Okay, dann beginnen wir nochmal mit Ihrem Statement. Allerdings kann ich bei dieser Präzision nichts damit anfangen, schließlich habe ich keines davon im Artikel behauptet. Ich verteidige nicht etwas, was ich nicht gesagt habe.

                    Nur was hilft es, wenn man die Frage nach der Tat nicht stellt? Normalerweise ist es eher eine linke Unsitte, Verbrechen nur als Funktion sozialer Umstände zu betrachten (..)

                    Ich sehe schon einen deutlichen Unterschied zwischen sozial und kulturell. Zum sozialen Umfeld gehören z.B. nicht religiöse Erziehung, Wertevermittlung und Traditionen. Als sozialen Bereich definiert man anders jedoch Einkommensverhältnisse, Milieus oder Bildung. Einkommen kann man ändern, gelernte Werte weit weniger.

                    Nehmen wir 100 spanische und 100 asiatische Migranten, so erzielen diese in allen westlichen Gesellschaften ein höheres Einkommen, bessere Bildungsniveaus und weisen einen geringeren Anteil an Intensivtätern auf.

                    Wenn Sie jetzt sagen, das liegt aber eben am sozialen Umfeld, da sie weniger Bildung und Einkommen haben, stellt sich wiederum die Frage, warum es ihnen über Generationen nicht gelingt, sich in diesen Aspekten anzupassen. Und spätestens dann sind Sie bei kulturellen Aspekten.

  • Ant_ 25. Juli 2016, 12:01

    Ist schon witzig, wie Sie ganz offensichtlich ein Problem mit Menschen haben, die Ihrer Vorstellung nach ihre Wertvorstellungen zu 100% dem Rest der Gesellschaft aufdrücken wollen und dann …. genau dasselbe für sich positiv dargestellt fordern.

    • In Dubio 25. Juli 2016, 13:59

      Tue ich das? Zeige ich nicht nur Konsequenzen von Handlungen auf?

  • Kirkd 25. Juli 2016, 13:34

    Die Ereignisse sind in der Tat bedrückend und ich befürchte wie Stefan, dass eine Gesellschaft irgendwann einen breaking Point erreichen kann.

    Den Sprung zur Willkommenskultur kann ich direkt nicht ziehen. Alle Täter waren schon vor der „Willkommenskultur“ in Deutschland“. Das hervorstechendste Merkmal sehe ich nicht in der Religion, von der wir noch gar nicht wissen, wie ausgeprägt sie denn bei den einzelnen Tätern war, sondern in den psychischen Problemen und bei mehreren Tätern in der strafrechtlichen Vorgeschichte. Zudem beim Fall des abgelehnten Asyls ohne Abschiebung die komplette Perspektivlosigkeit des Täters, der sehr deutlich aufzeigt, warum „konsequente Abschiebung“ keine Lösung ist. Die tatsächlich relevante Entscheidung ist die der Aufnahme. Wen man aufnimmt, mit dem muss man leben, denn die Praxis zeigt seit Jahrzehnten, dass Abschiebung zwar auf dem Papier gut klingt, aber nur in einem Bruchteil der Fälle tatsächlich möglich ist.

    Aber natürlich ist das für „Willkommenskultur“ wichtig. Denn wenn solche Probleme schon bei länger im Land verweilenden Mitmenschen auftreten können, dann besteht eine solche Gefahr noch mehr ohnehin schon traumatisierten Flüchtlingen. Eben jene traumatischen Erfahrungen sind aber der Grund, warum überhaupt ein Asylrecht besteht. Man kann soviele Wohlstandsflüchtlinge abweisen wie man will, aber wer nicht auch traumatisierte Menschen aus echter Not abweisen will, der muss sich Klaren sein, dass Integration auch Sorge und Behandlung von Problemen beinhaltet, die gravierender sind, als die des Durchschnittsbewohners deutscher Sofaumgebungen.

    • In Dubio 25. Juli 2016, 14:04

      Wenn Sie den Zeitpunkt der „Willkommenskultur“ mit der Verkündigung durch die Politik meinen, haben Sie recht. Tatsächlich begann die Flüchtlingswelle 2014 und Deutschland hat bereits da große Aufnahmebereitschaft gezeigt. Die Attentäter von Würzburg, Ansbach und Reutlingen kamen in diesem Zeitraum.

      Natürlich muss die Ablehnung von Asyl Konsequenzen haben. Wenn ich ein Individualrecht gewähre, dem ein Bewerber nicht entspricht, muss dieser abgeschoben werden können. Seine Perspektive darf dann nicht das alles entscheidende Kriterium sein.

      • Kirkd 25. Juli 2016, 14:10

        Das ist in der Theorie absolut richtig. Hilft nur nichts, wenn das Herkunftsland den Abzuschiebenden nicht zurücknimmt und das ist in der Praxis das Problem. Es ist nicht so, als würde man nicht schon seit zwei Jahrzehnten konsequent abschieben wollen, die Debatten sind schon lange geführt worden. Und für den, der in diesen Zustand der unfreiwilligen Staatenlosigkeit (nicht rechtlich gemeint) fällt, kommt die Perspektivlosigkeit ins Spiel, ob es mir gefällt oder nicht.

        • In Dubio 25. Juli 2016, 14:13

          Es ist nicht so, als würde man nicht schon seit zwei Jahrzehnten konsequent abschieben wollen, die Debatten sind schon lange geführt worden.

          Ach ja? Deswegen haben wir Abschiebequoten im einstelligen Prozentbereich? Oder ist es nicht eher das gesellschaftliche Klima, wo wir ernsthaft über „sichere“ Herkunftsländer diskutieren?

          • Kirkd 25. Juli 2016, 14:21

            Ja, genau es den von mir genannten Gründen sind die Abschiebequoten so niedrig.

            • In Dubio 25. Juli 2016, 14:22

              Oh nein! Andere Länder haben deutlich höhere Quoten, ohne Diktaturen zu sein oder die Menschenrechte zu missachten.

  • FrageZeichen 25. Juli 2016, 18:37

    @Pietsch
    Schöne Zusammenfassung der ganzen Misere. Aber sie können sich glücklich schätzen. Sie haben auch mit zu denjenigen gehört die frühzeitig vor dem Massenmigrationsschwachsinn gewarnt haben. Insofern gesehen waren sie (und auch meine Wenigkeit) richtig gelegen.
    Auch ihre Prognose zur Integrationsfähigkeit der „Neuzugänge“ ist natürlich richtig.
    Eine Kleinigkeit haben sie dabei allerdings wieder mal vergessen: Wir haben bereits einen millionenfachen Überschuß an qualifizierten Fachkräften hierzulande. Es besteht schlicht kein Bedarf an ausländischen Analphabeten. Es besteht auch kein Bedarf an ausländischen Akademikern. Auch Akademiker sind hierzulande bereits im Überfluß vorhanden. Temporäre Lücken kann man desweiteren bereits seit Jahren problemlos über den europäischen Binnenmarkt auffüllen.

    Für mich bleibt bei dem ganzen Wahnsinn eine zentrale Frage übrig: Warum wird die blonde Murkserin nicht endlich zur Verantwortung gezogen?

    • In Dubio 25. Juli 2016, 18:51

      Aber Sie können sich glücklich schätzen. Sie haben auch mit zu denjenigen gehört die frühzeitig vor dem Massenmigrationsschwachsinn gewarnt haben. Insofern gesehen waren Sie (und auch meine Wenigkeit) richtig gelegen. Auch ihre Prognose zur Integrationsfähigkeit der „Neuzugänge“ ist natürlich richtig.

      Nur: was habe ich davon? Und sollte es mir etwas bedeuten? Mir geht es eben nicht um Rechthaberei. Wir haben uns entschieden, wie wir uns entschieden haben. Nun müssen wir mit den Konsequenzen leben.

      • FrageZeichen 25. Juli 2016, 19:03

        Es geht auch überhaupt nicht um Rechthaberei.

        Es geht um folgende Frage: Wer ist zu realistischen Einschätzungen bzgl gesellschaftlicher Gesamtzusammenhänge fähig?

        Merkel ist es offensichtlich nicht.

        Deshalb muß ein funktionierendes System in der Lage sein
        entsprechende personelle Konsequenzen zu ziehen.

        Leider wird stattdessen über eine weitere Demontage der Verfassung diskutiert. Das ist doch schon etwas seltsam, oder?

        Man möchte fast schon eine Vorhersage machen: Eventuell nutzt man (wie beim Reichstagsbrand) ein weiteres Ereignis um (ähnlich wie in Frankreich) die Verfassung de facto außer Kraft zu setzen? Ist das vielleicht Ziel dieser ganzen Politik?

        • Erwin Gabriel 26. Juli 2016, 05:35

          Zu Ihrem letzten Absatz:

          Wenn man sich anschaut, welche Gesetzte zu Fußballmeisterschaften verabschiedet werden, bin ich geneigt, Ihnen zuzustimmen.

          Es grüßt
          E.G.

        • Stefan Sasse 26. Juli 2016, 14:14

          „Man möchte fast schon eine Vorhersage machen: Eventuell nutzt man (wie beim Reichstagsbrand) ein weiteres Ereignis um (ähnlich wie in Frankreich) die Verfassung de facto außer Kraft zu setzen? Ist das vielleicht Ziel dieser ganzen Politik?“

          Geht’s auch eine Stufe kleiner?

          • FrageZeichen 26. Juli 2016, 21:33

            „Geht’s auch eine Stufe kleiner?“

            Das musst du die handelnden Akteure fragen. Tatsache ist, dass dieses System nun schon seit langer Zeit in Salamitaktikmanier von oben geputscht wird.

            Der deutsche Michel scheint diese Erkenntnis aber verschlafen zu haben.

  • Tim 25. Juli 2016, 19:45

    Menschen mit psychischen und/oder sozialen Defekten – gefährlich. Wenn solche Menschen auf aggressive Ideologien stoßen – gefährlicher. Wenn Medien und Gesellschaft kranke Täter auch noch ständig in naivster Weise heroisieren („Amok!“, „Terror!“), wird es katastrophal.

    Von heute auf morgen können wir das Problem nicht beseitigen. Aber wir sollten anfangen, mordende Geisteskranke, Versager und Perverse überall auch als solche zu bezeichnen. Gleichzeitig müssen wir idiotische Ideologien ebenfalls klar benennen und früh bekämpfen. Immer noch impfen viele Eltern ihren Kindern absurde alte Geschichten von Geistern ein, die das Weltgeschehen bestimmen. Dagegen müssen Kinderhorte und Schulen im 21. Jahrhundert ankämpfen.

    • FrageZeichen 25. Juli 2016, 19:57

      Da bist du jetzt aber brav der offiziellen Propagandaleitlinie auf den Leim gegangen.
      Die „kleinen Leute“ sind aber viel harmloser als man denkt. Die ganze Gewalt geht vom Westen aus und jetzt erntet man die Ergebnisse dieser bösen Saat.
      Insofern gesehen ist es schon dumm, wenn man Ursachen und Symptome nicht auseinanderhalten kann.

      • Marc 25. Juli 2016, 20:16

        Die ganze Gewalt geht vom Westen […]

        Nein, die Gewalt geht von den Eliten aus, sei es Osten, Westen oder von Marsianern. Du und Pietsch seid die besten Propagandisten, deren Kriegsbotschaften zu verbreiten.

      • Tim 25. Juli 2016, 20:18

        @ Fragezeichen

        Du scheinst davon auszugehen, daß nur psychopathische bzw. soziopathische Muslime Gewalttaten im obigen Sinn begehen. Das ist aber natürlich nicht der Fall. In den USA gab und gibt es z.B. genügend christlich geprägte Irre, die Abtreibungskliniken und ihr Personal angreifen. Nationalistische und rassistische Gewalttaten mit pathologischer Färbung gibt es ebenfalls zuhauf.

        Das Problem ist, daß in solchen Fällen eine Ideologie dem persönlichen Defekt (psychischer oder sozialer Art) in gewisser Weise einen Sinn geben oder zur Tat ermuntern kann. Eine explosive Kombination.

        Deine Deutung („Die ganze Gewalt geht vom Westen aus“) finde ich nicht besonders hilfreich, da sie in typischer Weise neokolonialistisch ist. Der Westen sollte sich und sein Wirken weder in positiver noch in negativer Weise überhöhen. Die Welt wächst zusammen, aber viele Probleme sind noch immer hausgemacht. Überall.

    • Erwin Gabriel 26. Juli 2016, 05:42

      Ich denke schon, dass ein Aspekt auch eine Frage von Religion und die Kultur ist.

  • Ralf 25. Juli 2016, 23:38

    Wenn die Täterprofile der letzten Tage eins zeigen, dann dass Menschen mit einem gewissen kulturellen Hintergrund, die bisher nur eine chauvinistische Gesellschaft, Krieg und Zerstörung, Frauenverachtung und Judenhass sowie das Recht des Stärkeren kennengelernt haben und unter solchen Lebensbedingungen sich behauptet haben, nur bedingt integrationsfähig sind.

    Genau das selbe haette man ueber die deutsche Kriegsgeneration schreiben koennen. Die hat mit dem Zweiten, und teilweise sogar noch mit dem Ersten Weltkrieg auch nur Zerstoerung, Leid und Krieg gesehen. Das Frauenbild dieser Generation war abscheulich. Der Judenhass fuehrte zum Holocaust.

    Trotzdem hat sich diese Generation nach 1945 unter der Fuehrung der Amerikaner blitzschnell umgewoehnt. Aus den Moerdern und Mitlaeufern des Dritten Reiches wurden die soliden Demokraten der Bundesrepublik. Kultur scheint nicht ganz so in Stein gemeisselt zu sein, wie Sie uns das weismachen wollen.

    Nun sind die Selbstmordanschläge in Deutschland angekommen. In einem Regionalzug bei Würzburg ging ein 18jähriger Flüchtling aus Afghanistan mit einer Axt auf Mitreisende los und tötete dabei 4 Menschen. […]

    Am frühen Freitagabend wurde dann das ganze Land dann durch den Amoklauf eines jungen Deutsch-Iraners erschüttert, der in Münchens City sein eigenes Ballerspiel abhielt, 9 Menschen erschoss, bevor er sich selber richtete. […]

    Während die Republik am Wochenende dabei war, die Ereignisse medial aufzuarbeiten, sprengte sich am Sonntagabend zur besten Sendezeit ein 27jähriger Syrer vor einem Musikfestival in Ansbach in die Luft und verletzte dabei 12 Menschen. […]

    Ebenfalls am Sonntag tötete ein 21jähriger Asylbewerber seine schwangere Frau auf offener Straße mit einer Machete.

    Die Liste, die Sie hier praesentieren und wie Sie sie interpretieren, ist nicht redlich. Das faengt schon damit an, dass Sie alle vier obigen Vorfaelle in die Rubrik „Selbstmordanschlag“ gruppieren und als Gemeinsamkeit die islamische Kultur der Taeter hervorheben. Das sollten wir naeher untersuchen:

    (a) Selbstmord:

    Von den vier von Ihnen genannten Taten, passt mindestens die letzte ueberhaupt nicht ins Bild. Dort hat es sich aktuellen Erkenntnissen nach um eine Beziehungstat gehandelt. Es gibt keinerlei Erkenntnisse darueber, dass der Taeter beabsichtigte sich selber umzubringen. Beim Amoklauf von Wuerzburg und beim Amoklauf in der Muenchener City ist ebenfalls unklar, ob die Taeter vor Beginn der Sache wirklich mit dem Leben abgeschlossen hatten oder ob sie im Affekt oder nach einer spontanen Entscheidung starben. Der Taeter von Muenchen orientierte sich nach Erkenntnissen der Polizei wohl an dem Massaker von Winnenden, sowie an der Bluttat im norwegischen Oslo und Utøya. In ersterem Fall erschoss sich der Amoklaeufer, in letzterem Fall liess sich der Verantwortliche festnehmen. Was David S. und Riaz A. wollten, oder ob sie ueberhaupt diesbezueglich feste Plaene hatten, laesst sich nicht mehr feststellen. Riaz A. hinterliess eine Nachricht, die manche als Abschiedsbrief interpretieren, andere nicht. Einzig und allein die Tat in Ansbach faellt zweifelsfrei in das „Genre Selbstmordanschlag“.

    (b) Anschlag:

    Bei einem Anschlag handelt es sich laut Wikipedia um eine ideologisch motivierte Gewalttat gegen Menschen. Auch hier faellt der Mord von Reutlingen durch’s Raster. Von einer ideologisch motivierten Tat wird hier nicht ausgegangen. Vielmehr handelte es sich um ein Beziehungsdrama. Auch der Axtangriff in Wuerzburg wirkte nicht geplant und folgte eher dem Schema eines spontanen Amoklaufs. Unter den fuenf Verletzten sind vier (vermutlich asiatisch aussehende) Touristen aus Hongkong. Das sieht nun wirklich nicht nach politischem Kalkuel aus (angeblich wollte er Deutschland bestrafen), sondern nach einem voellig wahllosen Aussuchen der Opfer. Man sollte dabei sehr vorsichtig sein, jeden Moerder, der vor seinem Verbrechen „Allahu Akbar“ ruft, zum Terroristen zu adeln. Viel wahrscheinlicher ist in solchen Faellen, dass psychisch gestoerte und ausser Kontrolle geratene Angreifer im letzten Moment noch versuchen ihrer Tat irgendeinen Sinn zu geben und deshalb zur naechstbesten Phrase greifen, ohne dass dahinter eine wirklich ideologische Haltung steht.

    Der Amoklauf des Muencheners David S. passt eher ins vorgefertigte Schema. Seine Tat war wohl zumindest teilweise politisch motiviert. Er versuchte offensichtlich gezielt Auslaender zu erschiessen. Allerdings grenzt sich der Fall dieses rechtsextremen Moerders dann doch recht stark gegen das (vermutlich) religioes motivierte Attentat von Ansbach ab und passt auch sonst nicht in den Kontext, den Sie in Paris, Nizza und Bruessel suchen.

    Auch mit Hinblick auf einen „Anschlag“ ist also das gestrige Selbstmordattentat, der einzige Vorfall, auf den Ihre Schablone moeglicherweise wirklich passt (auch hier wird allerdings noch ermittelt und wir sollten weitere Ergebnisse abwarten).

    (c) Auslaendische Taeter aus islamischer Kultur

    Wir wissen nicht viel ueber die Religioesitaet der Taeter, die Sie oben nennen. Laut einer aktuellen Spiegel-Meldung war noch nicht einmal der Attentaeter von Ansbach, bei dem es sich noch am ehesten um einen islamistisch motivierten Angreifer handelt, besonders bekannt dafuer religioes zu sein. Auch bei dem Wuerzburger Taeter ist keine ausgiebige Beschaeftigung mit dem Islam, geschweige denn ein intensiver Kontakt zum IS nachgewiesen worden. Fuer die Beziehungstat in Reutlingen ist ein religioeser Kontext ohnehin nicht gegeben. Anders als Sie das in Ihrem Artikel darstellen, kommen solche Verbrechen uebrigens auch unter Deutschen staendig vor. Wie Hagen Rether mal so treffend anmerkte, nennt man die Tat dann halt „Familiendrama“. Gerade im vergangenen Mai verletzte in Frankenthal ein Mann seine Freundin mit dem Messer und warf anschliessend das gemeinsame Baby aus dem Fenster, das bei dem Sturz zu Tode kam. Wieso hat es dieser Vorfall eigentlich nicht in Ihre Liste geschafft?

    Am allerwenigsten allerdings passt David S. in ihr Schema. Sie weisen ausdruecklich daraufhin, dass der junge Mann Halbiraner war. Was Sie geflissentlich verschweigen, ist dass sich David S. als deutscher Nationalist empfand, ein gluehender Verehrer der AfD war und den Rechtsextremen Anders Breivik bewunderte. In einem von der Polizei als authentisch eingestuften Video, das den Angreifer auf dem Dach des OEZ-Parkhauses zeigt, kommt es zu einer Konversation des Taeters mit einem Anwohner. David S. bruellt dabei „Scheiss Tuerken“ und „Ich bin Deutscher“. Der Angreifer zog genau am fuenften Jahrestag der rechtsextremen Breivik-Attacke los und toetete wohl gezielt Auslaender. Unter den 9 Erschossenen waren drei Tuerken, drei Kosovo-Albaner und ein Grieche. Die gesamte Tat ist vom Motiv her dem rechtsextremen Massaker in Norwegen oder meinetwegen den Morden des NSU wesentlich naeher als den islamistischen Anschlaegen in Bruessel oder Paris, zu denen Sie verzweifelt einen Kontext herzustellen versuchen. David S. war auch kein Fluechtling. Er wurde in Muenchen geboren.

    Der schlimmste Amoklauf in der juengeren Geschichte, der es merkwuerdigerweise auch nicht in ihre Liste geschafft hat, obwohl er fast 15-mal soviele Menschenleben gefordert hat wie alle von Ihnen aufgefuehrten Taten zusammengenommen, ist uebrigens der Mord an 150 Unschuldigen durch das gezielte zum Absturz bringen einer Germanwings-Maschine im Mai 2015. Der Pilot war Deutscher. Vielleicht passte der Fall deshalb nicht in Ihren Erzaehlstrang.

    Zusammengefasst: Ihre Beispiele sind willkuerlich zusammengetragen, passen inhaltlich nicht zueinander und stuetzen folglich nicht Ihr Narrativ vom kulturell verdorbenen Araber, der in Deutschland islamistischen Terror plant. Das gesagt, heisst natuerlich nicht, das alles in Ordnung ist. Viele Fluechtlinge sind vom Krieg traumatisiert und fuer viele wird es schwierig werden in Deutschland Fuss zu fassen und aufzusteigen. Das macht einige sicher empfaenglich fuer islamistische Verfuehrer, so wie deutsche Sekten sich ihre Opfer auch in erster Linie unter den Verlierern in der Gesellschaft suchen, die keinen Halt mehr haben. Davon dass sich die Fluechtlinge alle leicht intergrieren liessen, bei einigem gutem Willen (von deutscher Seite), wie Sie das oben so sarkastisch ausdruecken, kann ueberhaupt keine Rede sein. Ich kenne auch keinen, der das behauptet haette. Dass die Integration von einer Million Menschen eine enorme Herausforderung ist, war immer klar. Dass es Chancen gibt, aber auch Risiken, war auch immer klar. Aber Artikel wie der Ihrige, leisten einen enormen Beitrag dazu, dass das Projekt am Ende fehlschlaegt. Das aergert mich. Man stelle sich vor, was etwa ein syrischer Fluechtling, der praktisch pauschal zum extremistischen Gefaehrder abgestempelt wird denkt, wenn er solche Zeilen liest. Will man wirklich Teil einer Gesellschaft werden, die so ueber einen denkt? Und wie fuehlt es sich an, wenn man eine Strassenbahn oder ein Konzertgelaende betritt und alle angstvoll auf den mitgebrachten Rucksack starren oder lieber das Abteil wechseln. So wird letztlich ein Keil zwischen Deutsche und Einwanderer getrieben. Und dann kommen die kriminellen Verfuehrer, vor denen wir wirklich Angst haben sollten und empfangen die Abgewiesenen mit offenen Armen.

    Kein guter Deal fuer uns als Gesellschaft!

    • Erwin Gabriel 26. Juli 2016, 08:05

      >> Das Frauenbild dieser Generation war abscheulich. <<

      Das entsprach dem damaligen Stand der Zeit, und war in den USA nicht anders.

      In Deutschland erfuhren Frauen im Allgemeinen erstmals unter Adolf Hitler ein höheres Maß an Selbstständigkeit und Wertschätzung, weil die Männer für den Krieg gebraucht wurden; die Frauen sollten helfen, die (Kriegs-)Produktion aufrecht zu erhalten.

      Als nach dem Krieg wieder Männer für Jobs zur Verfügung standen, wurde wie in den USA für die Frauen "Kinder, Kirche, Küche" propagiert. Das richtete sich stets nach den Bedürfnissen der Herrschenden (oder des Marktes :-).

      • Stefan Sasse 26. Juli 2016, 14:15

        Das mit der Würdigung im Nationalsozialismus ist ein Mythos, das hält genauerer Überprüfung nicht stand. Wurde in einer Reihe aktuellerer Werke widerlegt.

        • Erwin Gabriel 27. Juli 2016, 12:14

          Hallo Herr Sasse,

          vielleicht reden wir aneinander vorbei, vielleicht habe ich mich einfach nur unscharf ausgedrückt..

          Die Situation der Frauen im Dritten Reich ist mit der heutigen sicherlich nicht vergleichbar – wenn das Ihr Punkt ist, stimme ich Ihnen gerne zu.

          Aber es gab im Dritten Reich Freiräume für Beruf und Selbstständigkeit, die es vorher nicht gab (sicherlich den Erfordernissen der Kriegsindustrie geschuldet). Pilotinnen wie Käthe Paulus, Hanna Reitsch, Elly Beinhorn, Beate Uhse oder eine Rgisseurin wie Leni Riefenstahl hätten zwei Jahrzehnte vorher diese Selbstständigkeit nicht erringen können. Für Otto-Normalfrau, deren Mann daheim saß, hat sich sicherlich weniger geändert.

          Nach dem Krieg, im Adenauer-Biedermeier, wurden die Frauen – wiederum aus wirtschaftlichen Gründen – zurück an den Herd gebeten. Das Thema war wohl eher, wie man sich in Zeiten des Frauenüberschusses (viele Männer waren im Krieg gestorben) einen Mann angelt. Schillernde Frauenfiguren wie die oben genannten werden Sie aus dieser Zeit kaum finden.

    • In Dubio 26. Juli 2016, 08:59

      Wieder haben Sie sich ausführlich Zeit genommen, meinen Artikel zu würdigen. Vielen Dank dafür. Allerdings haben Sie die Stoßrichtung überhaupt nicht aufgenommen. Sie steht meist zusammengefasst am Ende des Artikels, um Klarheit zu schaffen.

      Die Argumentation ist nicht, dass uns Islamisten überrollen. Die Argumentation ist, dass ein Wesensmerkmal islamistischen Terrors, den man aus dem Nahen Osten kennt, hier angekommen ist. Die Argumentation ist, dass es kaum Zufall zu nennen ist, dass innerhalb weniger Tage 3 in den letzten beiden Jahren hier angekommene Flüchtlinge Terror verbreiten. Und es rundet das oberflächliche Bild – ja, genau, darauf weise ich hin (!) – ab, dass die Millionenmetropole München für Stunden von einem einzigen Attentäter lahm gelegt wurde, der einen Migrationshintergrund hat. Mein Argument ist, wir verlieren die Fähigkeit zur Nuancierung, wenn das in diesem Tempo weitergeht. Sie scheinen dagegen darin kein Problem zu sehen. Wenn es in den nächsten Wochen zu weiteren solcher Vorgänge kommt, nun ja, bedauerliche Einzelfälle.

      Der Terror seit Paris richtet sich gegen unser Alltagsleben. Das ist die neue Qualität. Wer bitte hat bisher befürchtet, auf einem Bahnhof oder Regionalzug mit der Axt erschlagen zu werden? Wer konnte bisher in einem größeren Dorf wie Ansbach damit rechnen, bei einem kleinen Event in die Luft gesprengt zu werden?

      Ja, das Germanwings-Unglück fehlt. Aber das war 1 (!) Deutscher und es kam dazu, weil vorgeschriebene Aufsichtsprozeduren versagt haben. Sie kehren die Verhältnisse um: Sagen wir, es sind 300.000 Syrer im Land und noch weniger Afghanen. Wenn zwei davon Amok läuft, dann entspricht das über 500 Amoklaufenden Deutschen. Das sind die Relationen. Sie werden kaum behaupten, dass in den letzten 7 Tagen 500 Deutsche wahllos auf zig ihrer Mitmenschen losgegangen sind. Und noch eine Relation: In Deutschland werden gerade so 800 Morde pro Jahr begangen. Da fallen die Toten der Attentäter ganz schön ins Gewicht.

      Ich habe auch nicht die Einzeltaten von Flüchtlingen gegeneinander thematisiert. Auch das ist nicht der Punkt. Wenn (meistens) ein Mann in einem Familiendrama Amok läuft, dann sind die Beteiligten meist klar. Der Täter von Reutlingen hat sich anders verhalten. Zudem hat er sich in den letzten beiden Jahren nicht als gesellschaftlich kompatibel gezeigt (vornehm ausgedrückt).

      Viele der Kriegsheimkehrer hatten große Schwierigkeiten, sich in der zivilen Gesellschaft zurecht zu finden. Aber sie kamen immerhin in ein kulturell bekanntes Umfeld, in dem sie aufgewachsen waren. Unsere Elterngeneration war ganz anders geprägt als wir das sind, ihre Werte waren andere. Die Angst vor Inflation, die Abneigung gegen militärische Interventionen, die Ablehnung jeden Rechtsextremismus ist nur in Deutschland so verbreitet und hat mit unserer Geschichte zu tun. Geschichte, die von Menschen geschrieben wurde, die längst tot sind. Und Sie wollen erzählen, das habe nichts mit kultureller Prägung zu tun? Mein Vater ist seinen Hass auf Juden nie losgeworden, er konnte ihn nicht begründen. Die Polen hat er gehasst, weil sie den flüchtenden Deutschen Schlimmes angetan haben. Und der Hunger auf der Flucht und der Nachkriegsjahre haben ihn nie vergessen lassen. Ich denke Sie unterschätzen maßlos die kulturelle Prägung.

      Davon dass sich die Flüchtlinge alle leicht integrieren ließen, bei einigem gutem Willen (von deutscher Seite), (..), kann überhaupt keine Rede sein. Ich kenne auch keinen, der das behauptet hätte.

      Oh, da hätten Sie letztes Jahr einigen Grünen-Politikern aufmerksam lauschen sollen. Der Tübinger Oberbürgermeister Palmer ist heute ein Outlaw der Partei, weil er beständig darauf hinweist. Soll ich Ihnen die Zitate bringen?

      Dass es Chancen gibt, aber auch Risiken, war auch immer klar.

      Es ist bis heute nicht klar, wo die Chancen liegen sollten. 80% der Flüchtlinge gelten für die BfA als nicht vermittelbar. Das Unsicherheitsempfinden in der Bevölkerung hat dramatisch zugenommen. Bitte, die Vorteile sollten ziemlich bald zum Vorschein kommen.

      Die Realität spricht eindeutig dagegen. Jede (!) westliche Gesellschaft hat erhebliche soziale Probleme mit den Gruppen von Menschen, die wir letztes Jahr in großer Zahl ins Land gelassen haben. Im Schnitt gelten ein Viertel als nicht integrierbar. Der Terror in Europa kommt aus diesen Viertel und aus arabisch und afrikanisch stämmigen Gruppen. Vergleichbares lässt sich weder über zugwanderte Nord- oder Südamerikaner, EU-Ausländer oder Asiaten behaupten. Sie alle sind im Gegensatz zu Muslimen und Arabern in wenigen Jahren integriert. Aber das ist ein Fakt, das Sie beharrlich ignorieren.

      Die Angst der Bürger ist die Konsequenz der Ereignisse. Können Sie einem Überlebenden von 9/11 verübeln, wenn er vor Hochhäusern Angst hat?

      • Ralf 26. Juli 2016, 19:16

        Mein Argument ist, wir verlieren die Fähigkeit zur Nuancierung

        Genau das Gegenteil ist Fall. Sie verwischen doch eben gerade die Nuancen zwischen vier voellig unterschiedlichen Faellen, mit voellig unterschiedlicher Motivlage, mit voellig unterschiedlichen Konsequenzen, mit voellig unterschiedlichen Taeterprofilen. Ihr Punkt ist doch, dass mit den Fluechtlingen der Terror nach Deutschland gekommen sein soll und dass der Terror letztlich eine Folge der mangelnden Integrationsbereitschaft der arabischen Einwanderer ist, und dass die mangelnde Integrationsbereitschaft wiederum in der speziellen Kultur der islamischen Laender begruendet ist. Gibt das Ihren Standpunkt richtig wider?

        Falls ja, hier meine Antwort: Um zu zeigen, wie dramatisch die Ereignisse geworden sind, weisen Sie auf den kurzen Zeitraum von nur wenigen Tagen hin, in denen die vier angesprochenen Delikte geschehen sind. Dieses Zeitfenster ist aber voellig willkuerlich gewaehlt. Nehmen Sie ein beliebiges Zeitfenster von vier Tagen aus dem Mai oder dem April diesen Jahres und Sie haben ueberhaupt keine Tat mehr in Deutschland, die Sie diskutieren koennten. Nur weil Sie Ihr enges Zeitfenster voellig willkuerlich auf ausgerechnet die letzten Tage legen, sieht es so aus, als passiert in Deutschland fast jeden Tag ein Anschlag durch einen Auslaender. Ihr methodischer Ansatz ist in etwa so, als wenn Sie 100 Dartpfeile blind und wahllos auf eine Wand werfen und anschliessend dort wo per Zufall die meisten Pfeile haengen geblieben sind, eine Zielscheibe um die zufaellige, statistische Haeufung herummalen. Voilà! Ohne grosse sportliche Leistung sehen Sie aus wie ein Dartchampion.

        Dazu kommt, dass moeglicherweise die Haeufung von Delikten innerhalb weniger Tage gar kein Zufall ist. Amok- ebenso wie Terrortaten rufen erfahrungsgemaess manchmal Trittbrettfahrer auf den Plan. Wer weiss, ob es zu der Zahl der Faelle ueberhaupt gekommen waere, wenn die Medien nicht so einen enormen Hype um die Anschlaege veranstaltet haetten. Genau hierin liegt die Gefahr dieses staendigen Dramatisierens von Ereignissen.

        Aber zurueck zu den Nuancen. Um Ihren Standpunkt – falls ich ihn denn richtig verstehe – zu belegen, brauchen Sie eine grosse Zahl von Attentaten, die wie eine Welle ueber die Bundesrepublik kommen, und fuer die eingewanderte Integrationsverweigerer verantwortlich sind. Und genau an diesem Punkt scheitert Ihre Argumentation. Ihre „Welle“ ist schon mal von Anfang an nicht besonders hoch: Gerade mal vier Faelle. Im Vergleich dazu sind alleine heute zwei Faelle in den Medien:

        In Berlin marschierte ein deutscher Mann in ein Krankenhaus, erschoss einen Arzt und dann sich selbst:

        http://www.spiegel.de/panorama/justiz/berlin-arzt-angeschossen-taeter-toetet-sich-selbst-a-1104799.html

        In Japan erstach ein geistig Umnachteter 19 Insassen eines Behindertenheimes, um „Japan und den Weltfrieden zu retten“:

        http://www.spiegel.de/panorama/justiz/tokio-offenbar-tote-und-verletzte-bei-messerangriff-a-1104689.html

        Beides tragische Faelle, wie sie leider jeden Tag irgendwo vorkommen. Nix besonderes fuer Leute, die regelmaessig Zeitung lesen. Aber selbst die vier Faelle, die Sie in Ihrem Argumentationskorb haben, fallen bei genauerer Betrachtung auseinander.

        Am offensichtlichsten gilt das ausgerechnet fuer den Fall, der den groessten Opferzoll forderte. Der Taeter dort war weder Araber noch Einwanderer. Er war in Muenchen geboren und aufgewachsen. David S. war kein „Integrationsverweigerer“. Er identifizierte sich voll als Deutscher. So sehr, dass er zum deutschen Nationalisten wurde, zum AfD-Unterstuetzer, zum Breivik-Bewunderer. Man mag die Ursache fuer seinen Amoklauf in psychischen Problemen, in dem Mobbing, dem er ausgesetzt war, in sozialen Stoerungen etc. suchen. Aber eben nicht in fehlender Integration. Dieser Fall passt schlicht und ergreifend hinten und vorne nicht in Ihr Narrativ.

        Und schon besteht Ihre „Welle von Taten“ nur noch aus drei Faellen. Einer davon ist aber kein „Anschlag“, wie in meinem urspruenglichen Post bereits ausgefuehrt, sondern eine Beziehungstat. Ein Familiendrama halt, wie es staendig in Deutschland passiert. Ich hatte (relativ wahllos) einen Fall aus dem letzten Mai erwaehnt, in dem ein deutscher Mann auf seine Freundin einstach und anschliessend das gemeinsame Baby aus dem Fenster warf. Das Kind starb. Diese Faelle sind furchtbar, genauso wie die Machetenattacke in Reutlingen, aber sie passieren in einem grossen Land mit 80 Millionen Einwohnern staendig. Die Meldungen darueber schaffen es nur normalerwiese nicht in die grossen Medien oder in die Tagesschau. Gerade dann nicht wenn die Opfer ueberleben oder nur leicht verletzt wurden. Auch der Fall von Reutlingen waere kein grosses Medienereignis gewesen, waere der Taeter nicht zufaelligerweise aus Syrien gekommen und die Tat zufaelligerweise in einem Zeitrahmen geschehen, in dem auch einige andere Ereignisse mit Einwanderern in Verbindung gebracht wurden. Aber als Familientragoedie, die weder religioes, noch nationalistisch noch kulturell inspiriert war, und die mit Integration nichts zu tun hat, passt der Fall ebenfalls nicht in Ihr Narrativ.

        Bleiben also noch zwei Faelle. Einer davon ist aber ein typischer Amoklauf, der sehr wahrscheinlich keinen wirklichen ideologischen Hintergrund hatte. Der Taeter gehoerte im Integrationsspektrum auch eher zu denen, die besser integriert waren, wie Sie ja selber schreiben. Auch das widerspricht dem Bild, das Sie zu malen versuchen, denn gerade die Integrationsverweigerung (oder -unfaehigkeit) soll ja der Grundstein fuer all die begangenen Taten sein. Amoklaeufe haben im uebrigen auch keine Nationalitaet. Ich hatte den deutschen Piloten aus dem letzten Jahr bereits genannt. In den USA haben wir alle paar Wochen ein Schul- oder Collegemassaker. Die Taeter sind fast nie Muslime oder Araber. Im uebrigen haette auch die Tat von Wuerzburg nie den Sprung in die grossen Medien gemacht, wenn der Angreifer nicht ausgerechnet aus Afghanistan gekommen waere. Ein Irrer, der Fahrgaeste mit einer Axt attackiert ohne jemanden zu toeten, ist normalerweise nicht aufregend genug, um eine Nennung in der Tagesschau zu rechtfertigen. Aber dadurch, dass die grossen Medien selektiv diese Ereignisse hypen, immer speziell dann wenn ein Auslaender verantwortlich ist, wird der falsche Eindruck geschaffen, dass Auslaender staendig Attentate begehen. Dieser falsche Eindruck zieht sich auch wie ein roter Faden durch Ihre Argumentation.

        Wie dem auch sei. Am Ende bleibt fuer Ihre „Welle“ nur ein einziger Fall uebrig, der von Ansbach. Gestorben ist dabei gottseidank nur einer und zwar der Attentaeter selbst. Die Tragik dieser „Welle“ haelt sich in Grenzen.

        • In Dubio 27. Juli 2016, 10:27

          Ich hatte bereits im Teaser vorangestellt, dass sich die Vorgänge durchaus in den Motiven unterscheiden. Für das Sicherheitsgefühl und damit auch für die Einstellung gegenüber Migranten wird das bei anhaltendem Terror aber für die Bevölkerung unerheblich sein. Damit werden Wahlen entschieden und Gesellschaften verändern sich.

          Ihr Punkt ist doch, dass mit den Flüchtlingen der Terror nach Deutschland gekommen sein soll und dass der Terror letztlich eine Folge der mangelnden Integrationsbereitschaft der arabischen Einwanderer ist, und dass die mangelnde Integrationsbereitschaft wiederum in der speziellen Kultur der islamischen Länder begründet ist. Gibt das Ihren Standpunkt richtig wider?

          Nicht in der Härte, obwohl ich nichts gegen Härte habe. Aber wenn die Simplifizierung hilft, akzeptiert für den Moment – mit dem Recht zum Widerspruch.

          Dieses Zeitfenster ist aber völlig willkürlich gewählt.

          Ja. Das interessiert die Wissenschaft, aber nicht die politische Einschätzung. Ich habe dezidiert keine wissenschaftliche Bewertung abgegeben.

          Amok- ebenso wie Terrortaten rufen erfahrungsgemäß manchmal Trittbrettfahrer auf den Plan.

          Dann hoffe ich, dass sich die Trittbrettfahrer in Frankreich und Deutschland nicht gegenseitig hochschaukeln. Und wenn doch, was gedenken Sie dagegen zu empfehlen? Keep calm?

          Um Ihren Standpunkt – falls ich ihn denn richtig verstehe – zu belegen, brauchen Sie eine große Zahl von Attentaten, die wie eine Welle über die Bundesrepublik kommen, und für die eingewanderte Integrationsverweigerer verantwortlich sind.

          Dann erweitern Sie das um die im Artikel angesprochenen Länder Belgien und Frankreich und Sie haben eine hinreichende Grundgesamtheit. Wenn es Ihnen um statistische Betrachtungen geht.

          Dieser Fall passt schlicht und ergreifend hinten und vorne nicht in Ihr Narrativ.

          Zugestanden. Mit der Ausnahme, dass sein Migrationshintergrund (arabisch) in das Raster passt. Ich bin kein Rassist, bitte beachten Sie das. Aber für das Sicherheitsgefühl ist das Detail nicht ganz unwichtig. Das sollten gerade solche Leute verstehen, die ständig Symbolpolitik fordern, um ein diffuses Gerechtigkeitsgefühl zu bedienen.

          Ein Familiendrama halt, wie es ständig in Deutschland passiert. (..) Diese Fälle sind furchtbar, genauso wie die Machetenattacke in Reutlingen, aber sie passieren in einem großen Land mit 80 Millionen Einwohnern ständig.

          Hier haben Sie meinen Einspruch nicht registriert. Dieser Fall ist nicht wegen dem Familiendrama besonders, sondern weil in der Folge zahlreiche weitere, unbeteiligte Personen verletzt wurden. Und, dass es sich auf offener Straße ereignete. Das sind die Unterschiede zu den Standardfällen.

          Sie beachten nicht meine Trennung: ich führe keine Fälle auf, wo Asylbewerber in üblichen zwischenmenschlichen Streitereien verwickelt sind. Selbst die Dramen in Asylbewerberheimen samt Schutzgelderpressungen führe ich nicht zur Argumentation an, da es unredlich wäre.

          Bleiben also noch zwei Fälle.

          Und die beiden haben es in sich. Auf der einen Seite ein Abgelehnter, der trotzdem geduldet wurde. Eigentlich ein Beispiel für die Forderung nach schneller, konsequenter Abschiebung. Aus subjektiver Sicht ist das Attentat hier noch leichter nachvollziehbar.

          Ganz anders bei dem 18jährigen, der im Würzburger Regionalzug Amok lief, nachdem er sich in einer Art Schnellverfahren radikalisiert hat. Wenn hier schon Integrationsbemühungen scheitern, wo dann nicht? Dieser Täter hatte gute Aussichten in der Gesellschaft, eine Entwicklung mit Aufwärtstrend. In einer solchen Situation läuft praktisch niemand Amok.

          Die Täter [in den USA] sind fast nie Muslime oder Araber.

          Ja. Aber schauen Sie mal, welche Integrationsleistung die amerikanische Gesellschaft Zuwanderern abverlangt. Vor Jahren schrieb mal ein bekannter Autor: die haben gar keine Zeit sich zu radikalisieren, weil sie ihren Lebensunterhalt verdienen müssen. In Deutschland kann eine arabische oder muslimische Großfamilie Jahrzehntelang leben, ohne geregelten Arbeiten nachgehen zu müssen. Da bestehen enorme Radikalisierungsmöglichkeiten und -potentiale.

          • Ralf 28. Juli 2016, 01:42

            Ich hatte bereits im Teaser vorangestellt, dass sich die Vorgänge durchaus in den Motiven unterscheiden. Für das Sicherheitsgefühl und damit auch für die Einstellung gegenüber Migranten wird das bei anhaltendem Terror aber für die Bevölkerung unerheblich sein. Damit werden Wahlen entschieden und Gesellschaften verändern sich.

            Ja, das ist richtig. Aber wenn es in der Gesellschaft zu pauschalen Einschaetzungen basierend auf Bauchgefuehl und Emotionen statt Fakten kommt, sollten wir das doch nicht hier auch noch unterstuetzen, sondern lieber die Rueckkehr zur Rationalitaet einfordern. Denn Rationalitaet wird dringend erforderlich sein, wenn wir die Probleme, die Sie zurecht ansprechen, loesen wollen.

            Das wird schon dadurch deutlich, dass Sie heute die Liste von Anschlaegen, die ich Ihnen gestern zerpflueckt habe, erweitern wollen. Jetzt sollen die Morde in Belgien und Frankreich auch noch dazugezaehlt werden. Leider passen allerdings auch die nicht in Ihr obiges Szenario vom kulturfremden Taeter, der sich nicht integrieren kann oder will und deshalb in den Terror abrutscht. Die Taeter von Belgien und Frankreich sind nicht „integrationsinkompatibel“ gewesen. Sie kamen nicht aus kulturell arabisch und religioes islamisch gepraegten Gemeinschaften, die sich in der schnelllebigen Welt des Westens nicht zurechtfinden konnten. Vielmehr handelt es sich bei dieser Klientel um Schwerstkriminelle, nicht selten dazu kampferprobte Kriegsverbrecher, die mit dem erklaerten Ziel Menschen zu ermorden zu uns gekommen sind. Viele davon sind nicht in Syrien oder in Afghanistan, sondern bei uns im Westen geboren und aufgewachsen – oft als Kinder von Eltern, die selber nicht mehr oder kaum noch religioes waren. Mein Eindruck ist, die Mehrzahl dieser Taeter hat sich – in oft rasend schneller Zeit – entsozialisiert und radikalisiert. Westliche Praegung wird dabei in kuerzester Zeit abgelegt. Da posiert ein Maedchen gestern noch im Bikini auf Facebook. Ein paar Wochen spaeter laeuft sie nur noch in der Burka herum. Da trinkt ein Mann Alkohol, nimmt Drogen, isst Schweinefleisch, feiert Parties. Ein paar Wochen spaeter begeht er ein Attentat im Namen Allahs. Viele derer, die schon laenger dabei sind, haben ohnehin alle Bruecken zu unserer Gesellschaft abgebrochen, kaempfen irgendwo in Syrien, im Irak, und wenn sie verwundet werden und damit fuer den IS nicht mehr nuetzlich sind, werden sie hierher geschickt, um ein Selbstmordattentat zu begehen. Mit Integrationsproblemen und kultureller Unterschiedlichkeit zu uns hat das alles nichts zu tun.

            Aber hier geht es um mehr als nur um Wortklauberei und Definitionen. Hier geht es ganz konkret, um die Frage, was geschehen muss, um den Zyklus der Gewalt endlich zu beenden. Und wenn wir wirklich ueber konkrete Loesungsansaetze sprechen wollen, dann duerfen wir die verschiedenen Taten und Delikte nicht miteinander verwischen.

            Um etwa solchen Taetern, die die Massaker von Paris und Bruessel verbrochen haben beizukommen, braucht es eine ganze Palette von Reaktionen (die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollstaendigkeit). Erstens muss der Islamische Staat mit militaerischen Mitteln restlos besiegt werden, damit dieses Projekt seine Strahlkraft auf die zumeist jungen, arabischen Maenner in unserer Gesellschaft verliert. Zweitens braucht es eine viel engere Kooperation von Geheimdiensten, vielleicht sogar eine totale Zentralisierung innerhalb der EU, so dass Informationen nicht zwischen den zahllosen, im gegenseitigen Wettbewerb miteinander stehenden Diensten verloren gehen. Drittens braucht es internationale Anstrengungen die Finanzstroeme, die den Terroristen zugute kommen, endlich abzuwuergen. Mehr Transparenz im Finanzsystem ist nicht nur fuer die Bekaempfung von Steuerkriminalitaet sinnvoll. Viertens braucht es eine Internet-Strategie, die einschlaegige Webseiten wirksam und schnell aus dem Netz nimmt, um die Propagandamaschinerie abzuschalten. Ich verstehe nicht, dass wir zuschauen, wie sich jeder Teenager problemlos Bombenbauanleitungen aus dem Internet herunterladen kann. Fuenftens muessen wir uns endlich einen besseren Ueberblick verschaffen, wer da eigentlich im letzten Jahr in den Massentrecks zu uns gekommen ist. Das Nehmen von Fingerabdruecken muss z.B. beschleunigt werden, um die Fluechtlinge wenigstens identifizieren zu koennen. Da hat es Faelle gegeben, wo einige Kleinkriminelle unter verschiedenen Namen immer wieder, manchmal sechs, sieben Mal, festgenommen worden sind, teilweise sogar im Gefaengnis sassen, und die Behoerden das nicht gemerkt haben. Mir ist voellig unverstaendlich, wie es moeglich ist, dass scheinbar noch nicht einmal im Gefaengnis die Fingerabdruecke genommen worden sind. Sechstens brauchen wir echte Integrationsangebote an die gefaehrdete Generation junger Menschen. Einfach „jeder ist seines Glueckes Schmied“ zu rufen und Schulversager und Hauptschulabsolventen sich selbst zu ueberlassen, ist keine Loesung. Sozialarbeiter in Schulen zu schicken, Nachhilfeangebote zu machen, Ganztagsschulen einzurichten ist teuer. Aber es zahlt sich langfristig fuer uns alle aus, wenn aus den Betroffenen spaeter anstaendige Menschen werden, mit Berufsperspektive und Zugang zur Mittelklasse. Besser jedenfalls als dabei zuzuschauen, wie sie zu unser aller Nachteil in Kleinkriminalitaet, Armut und Terror abrutschen (was im uebrigen neben dem menschlichen Leid, das verursacht wird, dann auch jede Menge Geld kostet).

            Aber all diese oben beschriebenen Massnahmen werden keinen Amoklauf verhindern. Genau deshalb muessen wir differenzieren. Um einen Amoklauf zu verhindern, brauchen wir eine intensivere psychologische Betreuung, gerade der Menschen, die einschlaegig auffallen. Der Attentaeter von Ansbach etwa hatte bereits zwei Selbstmordversuche hinter sich. Viele Fluechtlinge, die zu uns gekommen sind, sind von Krieg und Elend und Verlust traumatisiert. Die Menschen werden das aufarbeiten muessen. Viele koennen das nicht alleine. Und wir brauchen bessere Praeventionsnetzwerke. Freunde des Angreifers von Muenchen haben, soweit ich das in der Presse mitbekommen habe z.B. gemerkt, dass der junge Mann in immer duesterere Gedanken abrutschte. Moeglicherweise muessen wir fuer solche Faelle Ansprechpartner schaffen, so dass potentielle Gewalttaeter rechtzeitig identifiziert werden koennen. Ich weiss, dass das nicht einfach ist und einen 100%igen Schutz wird es auch nie geben. In Schulen muesste auch viel offensiver ueber solche Dinge gesprochen werden. Und vielleicht sind Schulen auch in der Verantwortung wirksamere Mobbing-Praeventionsprogramme anzubieten. In den USA ist das z.B. ziemlich populaer. David S., der Moerder von Muenchen, wurde auch deshalb zum Taeter, weil er wohl ueber Jahre gehaenselt und erniedrigt wurde. Lehrer muessen fuer so etwas einen Blick entwickeln und notfalls Eltern und die beteiligten Jugendlichen zum Gespraech rufen.

            Vielleicht weiss Stefan Sasse, da mehr dazu, aber wird in einer Schulkonferenz eigentlich ueberhaupt jemals ueber solche Themen gesprochen? Fragen sich die Schulen eigentlich, ob es unter ihrer Schuelerschaft moeglicherweise auch potentielle Taeter geben koennte? Und wenn ja, wer da in Frage kaeme? Und macht man da was, um Praevention zu bewirken? Gibt es Plaene, wie man mit so einer Situation umgeht? Gibt es Angebote? Oder hofft einfach nur jeder, dass schon nix passieren wird?

            Wie dem auch sei, die Ansaetze Terroranschlaege zu verhindern und die Ansaetze Amoklaeufe zu verhindern, sind einfach grundverschieden. Ein Vermengen dieser Taten macht keinen Sinn, auch wenn man dadurch eine sexy Ueberschrift fuer einen Artikel bekommt. Wir sollten stattdessen versuchen die Probleme zu loesen. Und das erfordert Nuancierung.

            • In Dubio 28. Juli 2016, 09:42

              Vielleicht ist Ihnen aufgefallen, dass ich mir die Positionen nicht zu eigen gemacht habe? Sie verlangen in anderen Fragen Ihren Mitmenschen auch nicht komplexes, differenziertes Denken ab, wohlwissend, dass die meisten damit überfordert sind. Ich habe die Gefahren aufgezeigt, die mit der aktuellen Entwicklung einhergehen.

              Unbestreitbar haben binnen Jahresfrist die Zahl der irgendwie islamistisch motivierten Taten gravierend zugenommen. Diese Explosion der Gewalt lässt sich kaum mit sozialen Verhältnissen erklären, die schon sehr lange sind wie sie sind. Dann schon eher mit der Nichtbeachtung eines Gewaltpotentials und Desintegration, die schon immer da war. So habe ich in früheren Beiträgen ausgeführt, wie viele dieser Jungen heute noch erzogen werden, was für ein Frauenbild 3-6jährigen vermittelt wird, wie die ethnische Abschottung läuft. Und Sie können nicht behaupten, das läge an der Mehrheitsgesellschaft, wenn die Probleme in durchaus unterschiedlichen Ländern mit immer dem gleichen Personen- und Kulturkreis auftauchen. Bitte gehen Sie in Ihrer Argumentation ab und zu auf den von mir mehrfach angesprochenen Punkt ein.

              Den IS vernichten? Und dann? Vor 15 Jahren war es Al Qaida. Inzwischen fehlen dem Terrornetzwerk die finanziellen Mittel, die Führungspersonen und die Rekruten. Die Maßnahmen im Krieg gegen den Terror waren an dieser Front sehr erfolgreich.

              Dann gibt es halt ein neues Krebsgeschwür. Heute ist das der Islamische Staat, der über ein eigenes Staatsgebiet verfügt, Abgaben erhebt, Einnahmen daraus generiert. Das ist keine Frage internationaler Finanzströme.

              Denken Sie bitte in empirischen Beispielen. Alle Ihre Vorschläge funktionieren nur, wenn es auf der Gegenseite eine Bereitschaft gibt. Angebote unterbreiten. Schön. Und was, wenn diese nicht angenommen werden? Psychologische Betreuung. Das setzt voraus, dass jemand betreut werden möchte. Und was, wenn nicht?

              Israel betreibt längst ein ethnisches Scanning. Arabisch und muslimisch Aussehende werden intensiveren Kontrollen in der Öffentlichkeit unterzogen. Auch das funktioniert hervorragend gegen Amokläufer. Warum fehlt das Profiling in Ihrer Auflistung? Und wo die Forderung nach konsequenter Abschiebung?

              Frankreich erwägt nun ganz neue Maßnahmen, so dass der Konsum islamistischer Internetseiten unter Strafe gestellt wird.

              Mobbing unter Kindern gibt es, seit dem es Kinder gibt. Das soll plötzlich ursächlich für die Zunahme solcher Taten sein?

              • Ralf 29. Juli 2016, 01:40

                Diese Explosion der Gewalt lässt sich kaum mit sozialen Verhältnissen erklären, die schon sehr lange sind wie sie sind. Dann schon eher mit der Nichtbeachtung eines Gewaltpotentials und Desintegration, die schon immer da war. […]

                Mobbing unter Kindern gibt es, seit dem es Kinder gibt. Das soll plötzlich ursächlich für die Zunahme solcher Taten sein?

                Die sozialen Verhaeltnisse moegen schon lange so sein, wie sie sind und Mobbing unter Kindern mag es auch schon immer gegeben haben. Aber verschiedene Faktoren haben sich in den vergangenen Jahren dramatisch veraendert und so ist ein voellig neuer Kontext fuer die „alten Probleme“ entstanden.

                Durch den Irakkrieg ist z.B. der gesamte Nahe Osten destabilisiert worden. Das Zusammenbrechen von staatlicher Kontrolle hat das Land in einen blutigen Buergerkrieg gestuerzt. Der Arabische Fruehling bewirkte dann spaeter eine weitere Destabilisierung der Region. Der Buergerkrieg griff auf Laender wie Syrien und Libyen ueber. Der sich – zumindest in seinen Anfangsmonaten – rapide ausbreitende Islamische Staat wirkte wie ein „erfolgreiches Projekt“ und seine Strahlkraft stiftete wohl die Identitaet, die viele Verlierer mit arabischen Wurzeln hier bei uns im Westen nicht finden konnten.

                Wohl zum ersten Mal in der Geschichte der BRD sind Deutsche, mit auslaendischen oder nichtauslaendischen Wurzeln, in signifikanten Zahlen in ein Buergerkriegsgebiet gezogen, um sich dort einem Terrorregime anzuschliessen. Das mag es in deutlich geringerem Masse bei PKK- oder UCK-Anhaengern auch frueher mal gegeben haben, aber wie gesagt nicht in diesem Ausmass. Jetzt stellt sich die Frage, wohin mit diesen Leuten? Wie koennen wir feststellen, ob sich Rueckkehrer auch wirklich von ihrer Hassideologie abgewendet haben? Und was machen wir mit denen, bei denen wir vermuten, dass sie sich nicht losgesagt haben, denen wir wegen ihrem deutschen Pass aber trotzdem nicht die Einreise verwehren koennen?

                Dazu kommt die Tatsache, dass die Konflikte im Nahen Osten und in Nordafrika millionen Menschen zur Flucht gezwungen haben. Schutzsuchende standen ploetzlich in Zahlen vor den Toren Europas, die einen geordneten Einwanderungsprozess bzw. Pruefungen auf Asylrecht nicht mehr moeglich machten. Als eine humanitaere Katastrophe kurz bevor stand, wurden bei uns die Schleusen geoeffnet. Die Alternative waere gewesen, die Fluechtlinge den ueberforderten Regierungen in Ungarn, Griechenland oder Serbien zu ueberlassen, denen auch nichts anderes uebrig geblieben waere als die Menschen letztlich mit roher Waffengewalt in Massenlager einzuferchen, in denen es nur eine Frage der Zeit gewesen waere bis Seuchen, Hunger und Konflikte zu den ersten Toten fuehren. Ich bin stolz, dass die Bundesrepublik da aktiv eingegriffen hat. Aber der Preis war, dass bei dem Chaos der folgenden Masseneinreise kaum Personalien ueberprueft werden konnten und dass wie so leider garnicht feststellen konnten, wer denn da nun eigentlich zu uns kommt. Dass damit potentielle Probleme verbunden sind, ist richtig. Die Alternativen, die wir gehabt haetten, bewerte ich allerdings nicht als rosiger. Ich bin froh, dass uns Nachrichten von Kindern, die in konzentrationslageraehnlichen Zustaenden an Cholera sterben, erspart geblieben sind.

                Aber die hohen Fluechtlingszahlen haben noch einen weiteren Effekt gehabt. Die immer weiter nach rechtsaussen driftende AfD schuerte gemeinsam mit der NPD Hass. Die Zahlen von rechtsradikalen Angriffen auf Unterkuenfte von Migranten und Asylbewerbern nahm erschreckend zu. Auch gut integrierte Auslaender, wurden rein aufgrund ihres Aussehens auf der Strasse offen angepoebelt oder angegriffen. Ist es wirklich so verwunderlich, wenn die Betroffenen, denen diese Ablehnung, denen dieser Hass entgegenschlaegt, sich dann aus der Gesellschaft zurueckziehen? Wenn sie sich entsozialisieren? Und selbstverstaendlich sind die so unter Druck Geratenen dann wesentlich empfaenglicher fuer Rattenfaenger aller Art.

                Wenn wir ueber laengere Zeitraeume zurueckschauen, gibt es einen weiteren Faktor, der sich massiv veraendert hat und zwar das Internet. Wir vergessen heute schnell, dass es noch garnicht solange her ist, dass jeder Zugang zum globalen Netz hat. Frueher war es einfach nicht moeglich, oder zumindest sehr schwierig, fuer den Durchschnittsbuerger an Waffen oder Bombenbauanleitungen zu kommen. Auch die Radikalisierung von Menschen, die anfaellig sind fuer einfache Propaganda, waere ohne das Internet nicht denkbar. Erst durch das Internet, erst durch Foren auf einschlaegigen Seiten finden Hassprediger und ihre Anhaenger oft zueinander. Und das ist nicht nur ein Problem fuer die Terrorabwehr. Im Internet findet sich einfach ALLES, selbst Unvorstellbares. Der Kannibale von Rothenburg fand im Internet ein Opfer, das sich umbringen und aufessen lassen wollte. Die Amoklaeufer der Zukunft finden ihre Vorbilder glorifiziert dargestellt und beginnen sich nach aehnlichem „Ruhm“ zu sehnen. Das Internet vergisst auch nichts. Frueher hatten Nachrichten eine kurze Halbwertszeit. Wer konnte sich im Dezember noch daran erinnern, was im Januar passiert war? Sobald eine Nachricht aus der Tagesschau, aus dem Spiegel, aus dem Radio raus war, war sie mehr oder minder permanent verschwunden. Die einschlaegigen Seiten im Internet aber bestehen weiter fuer immer. Und das ist ein Riesenproblem. Wie konnte David S. zum Beispiel so ein grosser Fan von Anders Breivik werden? David S. war zum damaligen Tatzeitpunkt gerade einmal 13 Jahre alt. Seine Faszination mit dem rechtsextremen Moerder enstand vermutlich erst Jahre spaeter. Die Informationen dazu zog er mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit aus dem Internet.

                Das ganze vermischt sich mit ganz normalem Aufbegehren von Teenagern gegen die Elterngeneration. Diese Elterngeneration, gerade bei hier schon seit laengerem lebenden Auslaendern, hat sich oft eingewoehnt und ist angepasst. Religion spielt keine grosse Rolle mehr und auch zur urspruenglichen Kultur gibt es immer weniger Bezug. Teenager, die sich in ihrer Entwicklung von den Eltern naturgegeben abgrenzen wollen, suchen den Widerstand, sehnen sich nach mehr Tradition. Insbesondere dann, wenn sie das Gefuehl haben, hier eigentlich nicht willkommen zu sein, suchen sie wohl woanders Halt. In dieser Phase sind manche junge Menschen fuer die Botschaften der Hassprediger aufgeschlossener.

                All die obigen Punkte zusammengenommen, bewirken dann ein Klima, das deutlich anders ist, als es noch vor 10 Jahren war. In diesem neuen, anderen Klima kann es durchaus eine grosse Rolle spielen, ob zusaetzliche Faktoren wie Mobbing oder soziale Probleme bei denen hinzukommen, die ohnehin schon fuer gefaehrliche Botschaften empfaenglich sind. Aus meiner Sicht lohnt es sich diese Probleme anzugehen.

                Israel betreibt längst ein ethnisches Scanning. Arabisch und muslimisch Aussehende werden intensiveren Kontrollen in der Öffentlichkeit unterzogen. Auch das funktioniert hervorragend gegen Amokläufer. Warum fehlt das Profiling in Ihrer Auflistung?

                Rassisches Profiling ist nun wirklich das letzte was wir brauchen. Letzten Endes wuerde das bedeuten, eine riesige Gruppe Menschen unter Generalverdacht zu stellen und wieder und wieder und wieder oeffentlich zu demuetigen und zu erniedrigen. Hier in den USA wird das sehr intensiv mit Schwarzen gemacht. Ich hab mich mal mit einem farbigen Kollegen darueber unterhalten. Man kann sich kaum vorstellen, wie verletzend und ehrabschneidend das fuer die Betroffenen ist, staendig auf offener Strasse von der Polizei angehalten, durchsucht, verdaechtigt zu werden. Weisse Passanten gehen derweil vorbei und schauen veraechtlich auf den „vermeintlichen Dieb“ herab. Wenn wir nach neuen Wegen suchen uns, die die wir fuer unsere Gesellschaft doch begeistern wollen, die die wir doch in unsere Gesellschaft integrieren wollen, zu entfremden, dann ist rassisches Profiling der schnellste Weg. Nein. Eine faire Gesellschaft muss alle ihre Mitglieder gleich behandeln und darf nicht millionen Menschen wegen dunkler Haare oder dunkler Hautfarbe unter Generalverdacht stellen. Wenn mehr Kontrolle notwendig ist, dann muessen wir eben alle laenger in den Schlangen am Flughafen stehen. Dann muss halt mehr Personal eingestellt werden.

                Und wo die Forderung nach konsequenter Abschiebung?

                Ich bin absolut fuer konsequente Abschiebung, allerdings muessen dafuer auch die Voraussetzungen geschaffen werden. Wie gegenwaertig etwa eine Abschiebung nach Syrien aussehen sollte, kann ich mir nicht vorstellen.

                Frankreich erwägt nun ganz neue Maßnahmen, so dass der Konsum islamistischer Internetseiten unter Strafe gestellt wird.

                Das ist keine wirkliche Loesung. Das Gebot, dass Strafen in einem angemessenen Verhaeltnis zur Schwere der Tat stehen muessen, erfordert dass das blosse Anschauen von Internetseiten nicht mit langjaehrigen Haftstrafen geahndet werden kann. Und eine „symbolische Geldstrafe“ haelt moegliche Terroristen nicht ab. Ich denke wir muessen uns stattdessen fragen, wieviel Freiheit wir im Internet eigentlich wirklich brauchen. Ich bin gegen den Ueberwachungsstaat, wenn es um persoenliche Kommunikation wie Telefon oder meinetwegen Email geht. Aber ich denke nicht, dass der Rest des Internets zur rechtslosen Zone mit Narrenfreiheit verkommen darf. In einem Internetforum oder -blog wie z.B. hier etwas zu schreiben ist nichts anderes als sich auf einen oeffentlichen Platz zu stellen und eine Rede zu halten. Was auf einem oeffentlichen Platz strafbar ist, sollte folglich auch im Internet strafbar sein. China kann Webseiten wie Facebook oder Twitter fuer sein Staatsgebiet komplett abschalten. Ich verstehe nicht, weshalb wir das selbe nicht mit Seiten machen koennen, die Anleitungen zum Bombenbau verbreiten oder die neue Rekruten fuer den Terrorismus anwerben. Meinetwegen koennten wir eine Behoerde mit 100 Beschaeftigten schaffen (der Vorschlag wird Ihnen gefallen 😀 ), die 24 Stunden am Tag nichts anderes machen, als einschlaegige Internetseiten zu loeschen. Das waere wesentlich effektiver, als Teenager mit Gerichtsverfahren zu ueberziehen, die im Endeffekt dann doch nutzlos waeren. Viele der Terroristen in der letzten Zeit haben sich uebrigens ausgerechnet im Gefaengnis radikalisiert. Der Nutzen von drakonischen Haftstrafen fuer das „auf die falschen Seiten surfen“ waere also wohl auch aus Sicherheitsgruenden letztlich kontraproduktiv.

                Dann gibt es halt ein neues Krebsgeschwür.

                So darf man nicht denken. Wir muessen halt die globalen Probleme, die diesen Planeten plagen irgendwann loesen. Zumindest duerfen wir keine neuen Probleme mehr schaffen. Der Irakkrieg, eine der Hauptursachen fuer die derzeitige desolate Lage, war zum Beispiel voellig unnoetig. Die Wunden, die dadurch aufgerissen sind, werden Jahre brauchen zu verheilen. Wenn es um andere Themen geht, sind Sie immer einer der ersten, der sagt, dass Menschen eben mit den Konsequenzen ihrer Lebensentscheidungen leben muessen. Wer Poker spielt und sich verschaetzt, zahlt einen hohen Preis. Der Westen hat mit dem Irakkrieg Poker gespielt. Ich lade Sie ein, sich selbst treu zu bleiben und anzuerkennen, dass wir nun die Suppe, die wir uns selbst eingebrockt haben, auch ausloeffeln muessen. So ist nunmal das Leben.

  • Blechmann 26. Juli 2016, 01:00

    „Genau das selbe haette man ueber die deutsche Kriegsgeneration schreiben koennen. Die hat mit dem Zweiten, und teilweise sogar noch mit dem Ersten Weltkrieg auch nur Zerstoerung, Leid und Krieg gesehen. Das Frauenbild dieser Generation war abscheulich. Der Judenhass fuehrte zum Holocaust.

    Trotzdem hat sich diese Generation nach 1945 unter der Fuehrung der Amerikaner blitzschnell umgewoehnt. Aus den Moerdern und Mitlaeufern des Dritten Reiches wurden die soliden Demokraten der Bundesrepublik. Kultur scheint nicht ganz so in Stein gemeisselt zu sein, wie Sie uns das weismachen wollen.“

    Eine oberflächliche Analogie. Das Frauenbild von 1914 in Deutschland und England dürfte dasselbe gewesen sein. Genauso der Judenhass. Deutsche Auswanderer in die USA sind gegenüber Engländern oder Franzosen in keiner Weise auffällig gewesen. Nicht der Judenhass führte zum Holocaust (sowenig wie der Ukrainerhass der Russen zum Holodomor) sondern die Machtergreifung Hitlers. Die Unterschiede waren strukturell nicht kulturell.

    • Ralf 26. Juli 2016, 05:34

      Eine oberflächliche Analogie. Das Frauenbild von 1914 in Deutschland und England dürfte dasselbe gewesen sein. Genauso der Judenhass. Deutsche Auswanderer in die USA sind gegenüber Engländern oder Franzosen in keiner Weise auffällig gewesen. Nicht der Judenhass führte zum Holocaust (sowenig wie der Ukrainerhass der Russen zum Holodomor) sondern die Machtergreifung Hitlers. Die Unterschiede waren strukturell nicht kulturell.

      Das Frauenbild mag aehnlich gewesen sein in Deutschland und in England in 1914, aber ist heute ein ganz anderes, viel liberaleres (in beiden Laendern). Es mag in den 30er Jahren auch in Grossbritannien Judenhass gegeben haben (, wenngleich ich bestreite, dass er so verbreitet war wie in Deutschland), aber nach Kriegsende sind diese Gefuehle verschwunden. Selbst vormals ueberzeugte Nazis reihten sich in der uebergrossen Mehrheit in das Heer der bundesrepublikanischen Demokraten ein. Innerhalb spaetestens einer Generation war eine offenere, liberalere Gesellschaft entstanden. Eine deutliche kulturelle Veraenderung. Eine „Machtergreifung“ waere heute undenkbar. Das kulturelle Umfeld existiert dafuer schlicht und ergreifend nicht. In den 30er Jahren war Hitlers Aufstieg hingegen moeglich. Auch weil die kulturellen Gegebenheiten in der Gesellschaft andere waren.

  • Blechmann 26. Juli 2016, 02:00

    „Den anderen Weg werden wir als Gesellschaft nur unter Druck beschreiten. Das ist die israelische Lösung. “

    Da bin ich nicht so sicher. Die USA und Israel sind andere Gesellschaften als die deutsche. Kämpferischer. Das sind ja nur Nadelstiche, ein paar Tote hier, ein paar dort. Damit wird man sich arrangieren.

    Bisher sehe ich das Problem immer noch darin, dass (fast) jeder Emigrant der die EU erreicht, nach Deutschland kommt. 1-2 Mio Muslime pro Jahr, das geht 10-20 Jahre, aber nicht auf Dauer. Nicht ohne die Gesellschaft nach US-Vorbild umzuwandeln.

    Wie steht eigentlich die Zählung für 2016 bisher? Ich hab gegoogelt aber nix gefunden.

  • Ant_ 26. Juli 2016, 13:46

    Nun gut, dann jetzt nach Beobachtung der Diskussion und einiger Zeit mal eine exaktere Reaktion:
    Ihr letzter Satz ist Unsinn. Jede Gesellschaft ist zwangsläufig eine idealistische, weil sie immer implizite Ziele am Ende einer Zweck-Mittel-Rationalität aufweisen muss, und die einzige Alternative zu einer Zweck-Mittel-rationalen Entscheidungsfindung wäre der Münzwurf.
    Und wie genau ist denn bitte Ihre eigene Position zu Ihrem letzten Absatz: Finden Sie es bedauerlich, dass der westliche Liberalismus ihrer Einschätzung nach lediglich ein „Gut-Wetter“ Liberalismus ist/war? (genauso wie dies auch m.M.n. mit Kapitalismus, EU, usw. der Fall ist) Oder kann man sich Liberalität immer nur so lange als ein angenehmes Bonbon leisten, wie die aktuelle Sicherheits-/Wirtschafts-/politische Lage den Raum dafür hergibt, und es halt immer nur auf Zeit wirklich gut geht?
    Ich trickse damit jetzt vielleicht auch ein wenig insofern ich keine Lust habe, mich mit Ihnen über die anderen Aspekte Ihres Artikels auseinander zu setzen.

    • In Dubio 26. Juli 2016, 14:14

      Ihr letzter Satz ist Unsinn. Jede Gesellschaft ist zwangsläufig eine idealistische, (..)

      Teilt irgendjemand als Sie selbst diese gesellschaftstheoretische Betrachtung? Ich glaube eher, 98% steigen beim ersten Erklärungssatz aus. Tatsächlich sind doch die gesellschaftlichen Verhältnisse in jeder Demokratie das Ergebnis einer Vielzahl von Kompromissen, die fern von jedem Ideal liegen.

      Der moderne Liberalismus steht immer für Leitplanken, Regeln und Ordnung. Was wir mit der Flüchtlingskrise in Deutschland erleben haben, war die Suspendierung aller Regeln und Aufhebung des Ordnungsrahmens. Wie schon an anderer Stelle erwähnt, das Idol der Liberalen ist zum einen Odysseus. Nur weil er sich selbst fesselte, konnte das Optimum erreichen.

      • Ant_ 26. Juli 2016, 14:45

        Einen Idealzustand nicht zu erreichen ist nicht gleichbedeutend damit, kein Ideal zu haben. Und selbst wenn wir davon ausgehen, dass gesellschaftliche Entscheidungen multipolar ausgehandelt werden und dabei die verschiedensten Ideal eine Rolle spielen, gibt es trotzdem Tendenzen – wie sonst sollten wir beispielsweise sagen können „Die Türkei bewegt sich nach dem gescheiterten Coup aufgrund von Erdogans Reaktion eindeutig in eine authoritäre Richtung“.

        Jede Gesellschaft braucht Ideale, nach denen sie strebt – und das Streben, ein Ideal umzusetzen ist Idealismus. Auch wenn Sie jetzt erwidern, dass wir unmöglich eine *eindeutige* Richtung ausmachen können bei der Komplexität aller Parteien, die bei gesellschaftlichen Entscheidungen Einfluss nehmen – auch diese Parteien haben Vorstellungen und Ideale, die sie umsetzen wollen – handeln also idealistisch. Das ist nebenbei kein *notwendiger* Gegenpol zur Orientierung an realen Umständen und Tatsachen – der Realismus von Konservativen ist ja gerade auch ein Idealismus, nur mit anderem Inhalt.

  • HE 28. Juli 2016, 13:28

    Und wie passt jetzt ins Bild, dass der in Deutschland aufgewachsene und mit unseren Werten sozialisierte Muenchner Attentaeter offenbar rechtsextreme Motive hatte und scheinbar gezielt auf Tuerken gefeuert hat?

    • FrageZeichen 28. Juli 2016, 14:22

      Das passt ganz einfach ins Bild. Offenbar hat die Integration nicht so ganz geklappt. Der Junge hat ausländisch ausgesehen und war aufgrund weiterer Eigenarten in der „Hackordnung“ noch unterhalb der Türken abgerutscht. Und bekanntlich bekommt so jemand die meiste Gewalt ab. Denn die Gewalt wird bekanntlich immer nach unten durchgereicht. Nach oben kriecht der „Deutsche“ ja fleißig.

      Der Amokläufer rächt sich dann an der Gesellschaft indem er „mal zurückschlägt“. Solche Gewalt ist dann auf einmal ganz ganz ganz schlimm.

      Wie heißt es so schön? Eine Gesellschaft bekommt die Kinder die sie verdient.
      Oder ging der Spruch anders?

      • HE 28. Juli 2016, 15:46

        Mir ist nicht ganz klar, worauf Sie hinaus wollen? Er wurde ja in Deutschland geboren, als Sohn einer deutschen Mutter, inwiefern da von gescheiterter Integration geredet warden kann, ist mir nicht ganz klar. Ausserdem klingt es, als waeren bei Ihnen jetzt ploetzlich die in Deutschland lebenden Tuerken am Amoklauf Schuld?

        • FrageZeichen 28. Juli 2016, 16:10

          „Er wurde ja in Deutschland geboren, als Sohn einer deutschen Mutter …“
          Das nützt so jemanden auch nichts, wenn er wie ein Ausländer (iranischer Vater) aussieht. Er ist dann für die Einheimischen ein Ausländer und wird entsprechend behandelt.

          “ ….inwiefern da von gescheiterter Integration geredet warden kann, ist mir nicht ganz klar.“
          Er war ein Außenseiter. Sein auländisches Aussehen und andere Eigenheiten haben das offensichtlich verstärkt. Und dieses Problem hat weitestgehend die gesamte ausländische Community hierzulande.
          Das sie das nicht verstehen ist mir schon klar. Sie müssen sich eben mit den Leute beschäftigen. Das haben sie bisher unterlassen. Warum? Weil sie diese Menschen ignoriert (also ausgegrenzt) haben.

          „Ausserdem klingt es, als waeren bei Ihnen jetzt ploetzlich die in Deutschland lebenden Tuerken am Amoklauf Schuld?“
          Das wurde allerdings sehr deutlich weiter oben anders beschrieben. Die Gewalt die in diesem hierarchischen System nach unten durchgedrückt worden ist hat zu einer Gewaltexplosion (ganz unten beim Amokläufer) geführt. Sie sollten versuchen das Gelesene auch zu verstehen. Auch wenn sie darüber vielleicht etwas länger nachdenken müssen.

          • HE 28. Juli 2016, 16:33

            Dann habe ich Sie nur falsch verstanden, sehe das Recht ähnlich.

  • chriwi 10. August 2016, 10:53

    „Es wäre ehrlich, dies zuzuerkennen. Und es wäre aufrecht, würden Angela Merkel, Katrin Göring-Eckardt und Michael Spreng den Bürgern dieses Landes erklären, dass sie nun mit Attentats- und Terrorwellen rechnen müssten, dass sie sich in ihrer bisher so fast grenzenlosen Freiheit bescheiden müssen um ihre Neumitbürger nicht unnötig zu provozieren. “

    In meinen Augen zeigt dieser Absatz das ganze Problem. „Attentats- und Terrorwellen“ haben zu wie vielen Toten geführt. Ich habe mehr Angst jeden Tag mit dem Fahrrad am Straßenverkehr teilzunehmen, als Opfer irgendeines Attentäters zu werden. Auch das Festmachen auf Muslime ist absurd.
    „Wenn über 20% der im Westen lebenden Muslime die Scharia als das für sie maßgebende Rechtssystem anerkennen, dann haben wir uns gerade ein Pulverfass an gesellschaftlichen Jahrhundertproblemen importiert, Selbstmordattentäter inklusive.“
    Wie wahrscheinlich ist eine solche Prognose. Genausogut kann ich sagen, wir alle sind Nazis und werden eine neue Terrorherrschaft über Europa aufbauen, weil wir Deutsche sind. Viele der 20% leben schon lange hier. Warum sollten sie sich auf einmal radikalisieren?
    Wir machen uns komischerweise über Brevik und die NSU auch keine Sorgen.

    Damit sage ich nicht, dass wir das Problem nicht Ernst nehmen sollten. Aber man sollte es nicht überdramatisieren. Wieviele Menschen leben friedlich hier? Was kann man bei der psychologischen Betreuung und der Integration verbessern? Wie können wir die Ängste der Bevölkerung abmildern, damit wir uns nicht radikalisieren? Das sind einige der Fragen die wir uns stellen sollten.

    • In Dubio 10. August 2016, 13:14

      „Attentats- und Terrorwellen“ haben zu wie vielen Toten geführt. Ich habe mehr Angst jeden Tag mit dem Fahrrad am Straßenverkehr teilzunehmen, als Opfer irgendeines Attentäters zu werden.

      Ich habe vor ziemlich wenig Angst, was auch damit zu tun hat, dass mir in meinem Leben noch nie etwas Schlimmes körperlich passiert ist. Ich habe auch keine Angst, vergewaltigt zu werden, es gibt aber sehr viele Frauen, die das abends haben. Henryk M. Broder hat dazu neulich die passenden Worte gefunden. Wer im Dritten Reich kein Jude, Homosexueller, Zigeuner war, im richtigen Moment richtig grüßte und sich sonst mit Kritik zurückhielt, hatte gute Chancen, nicht belangt und erst recht nicht im einem KZ zu landen.

      Auch das Festmachen auf Muslime ist absurd.

      Suchen Sie bitte mal auf Wikipedia nach Terrorattentaten. In der Spalte „Politische Ausrichtung“ finden Sie fast ausschließlich „islamistisch“.

      Wir machen uns komischerweise über Brevik und die NSU auch keine Sorgen.

      Sie haben doch die Relationen aufgemacht. Wieviel Personen waren das in wie vielen Jahren? Allein ein Monat im Jahr 2016 fängt die islamistisch motivierten Taten toppt die Morde dieser Rechten. Und wir veranstalten einen Jahre dauernden Prozess gegen eine NSU-Verantwortliche. Wie müsste daran gemessen ein Prozess gegen Islamisten aussehen?

      Was kann man bei der psychologischen Betreuung und der Integration verbessern?

      Fragen Sie die Leute auf der Straße: keine Sozialleistung, stattdessen Registrierung und Pflicht zum eigenen Broterwerb. Beste Integration!

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