Best of – Zitate von Polit-Aussteigern

Die ZEIT hat einigen Politikern, die dieses Jahr den Bundestag endgültig verlassen, einen Fragebogen zugeschickt. Teilweise kommen da echte Brüller oder interessante Sachen rum. Die Highlights:

Müntefering:

Hält sich mit seinen ultraknappen Antworten wohl für unwiderstehlich, aber irgendwie interessant ist davon nichts.

Michael Glos:

„Wer rastet, der rostet. Ich werde ein Büro in Berlin behalten, denn man soll seine Erfahrungen und seinen wirtschaftlichen Verstand nicht einfach an der Garderobe abgeben. Entsprechenden Anfragen – es sei denn, es geht um Gartenarbeit – sehe ich daher mit Interesse entgegen.“ (Auf die Frage, was er ab jetzt mache. Da blinken bei manchen wohl schon die Dollarzeichen.)

„Ich habe immer gesagt, was ich denke. Das war manchmal vielleicht unklug, aber ich war immer ehrlich.“ (Meine größte Stärke: Bescheidenheit)

„Nicht über jedes Stöckchen springen, das einem die Presse hinhält, nicht jedes Online-Interview mitmachen.“ (Sein Tipp an Parlamentsneulinge, denn böse Fragen kommen grundsätzlich nur online.)

Krista Sager:

„Wer Roland Koch schon immer für einen hochintelligenten Kotzbrocken gehalten hat, musste sich im Vermittlungsausschuss und in der Föderalismuskommission nicht wesentlich korrigieren.“

Ulrike Flach:

(Ob sie je gegen ihre Überzeugung abgestimmt hat:) „Ja, bei allen Bundespräsidentenwahlen.“

Susanne Kastner:

„Durch die Präsenz der Medien und der vielen Lobbyisten ist der Druck auf den Einzelnen größer als zu Bonner Zeiten.“ (Auf die Frage, was früher besser war. Interessant, weil auf diese Problematik sonst keiner eingeht; die schieben alles auf Internet und Twitter.)

Generell ist sehr auffällig, dass die meisten, die den Bundestag verlassen, entweder ihre Karriere politisch fortsetzen oder völlig aussteigen. Den direkten Übergang ins Lobbyistendasein, wie ihn Glos und Gerhard ansprechen, scheinen die wenigsten zu wählen. Der scheint eher den großen Verliern übrig zu bleiben als denen, die freiwillig den Bundestag verlassen. Es scheint, als ob die Wirtschaft und speziell diese Lobbyistenjobs lange nicht so attraktiv sind wie sich das oft darzustellen scheint, wenn man nicht ohnehin mit dem Rücken zur Wand steht, weil die Tage in der Politik gezählt sind. Ansonsten ist ebenfalls aufällig, dass die meisten der gehenden Abgeordneten immer noch lieber harmlose Plattitüde von sich geben. Wirklich interessante Statements kommen von den wenigsten. Gewohnheit oder Karriereplanung? Schwer zu sagen.

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  • Erbloggtes 28. Juni 2013, 16:11

    Den direkten Übergang ins Lobbyistendasein würden womöglich auch jene nicht jetzt schon verraten, die schon einen Vertrag haben. Da kommt dann angeblich zu Weihnachten ein Angebot, und im Januar 2014 fängt man in der Chefetage von xy an.

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