Die SPD ist, wieder mal, in der Krise. Die Analyse ist klar: sie muss sich auf ihre Wurzeln besinnen und die arbeitende Mitte in den Blick nehmen. Die Stupidität sowohl der Partei als auch der Analysen ist bemerkenswert.
Shownotes:
Wer keine Visionen hat, braucht auch keinen Arzt mehr
Im Artikel wird argumentiert, dass die Krise der SPD tiefer liege als einzelne Wahlniederlagen oder programmatische Korrekturen. Es wird beschrieben, die Partei verstehe ihre eigenen Niederlagen nicht ausreichend und laufe deshalb Gefahr, „den falschen Kurs umso entschlossener fortzusetzen“.
Zentral sei ein Verlust ideologischer Orientierung. Die SPD habe sich in den vergangenen Jahren zunehmend an ein nach rechts verschobenes politisches Klima angepasst, etwa in der Migrations- und Sozialpolitik. Diese „Realpolitik“ führe jedoch nicht zu neuen Mehrheiten, sondern zu einem Profilverlust. Die gleichzeitige Bewegung „nach links“ in der Steuerpolitik und „nach rechts“ in anderen Feldern erscheine als widersprüchlich und lasse die Partei „diffus und unentschlossen“ wirken.
Besonders kritisch wird die Berufung auf die „arbeitende Mitte“ gesehen. Der Begriff sei umkämpft und werde inzwischen oft moralisch aufgeladen, wodurch sozialdemokratische Perspektiven geschwächt würden.
Im Kern wird festgestellt, die SPD verfüge über kein eigenes politisches Narrativ mehr. Ohne Vision bleibe sie reaktiv und verliere weiter an Bedeutung. Eine „ideologische Neubestimmung“ sei notwendig, könne jedoch nicht kurzfristig erfolgen, sondern erfordere einen längeren intellektuellen Erneuerungsprozess.
Wie die Wohnungskrise existenziell wurde
Im Artikel wird erklärt, dass die heutige Wohnungskrise nicht nur Ergebnis von Marktkräften, Zuzug oder teuren Baustoffen sei, sondern wesentlich auf politische Weichenstellungen der vergangenen Jahrzehnte zurückgehe. Im Zentrum steht eine neue Studie, die die Wohnförderung seit den 1960er-Jahren auswertet. Demnach habe der Staat früher vor allem den Bau günstiger Wohnungen gefördert, also den sozialen Wohnungsbau und andere Formen der Objektförderung. Seit den 1980er- und vor allem seit den Hartz-Reformen sei der Schwerpunkt jedoch auf die Subjektförderung verschoben worden: Statt bezahlbare Wohnungen zu schaffen, zahle der Staat immer stärker Wohngeld und Kosten der Unterkunft an Mieter.
Der Artikel argumentiert, dass diese Politik kurzfristig Bedürftigen helfe, langfristig aber die Mieten mit nach oben treibe, weil Vermieter die staatliche Zahlungsbereitschaft einkalkulierten. Gleichzeitig sei der Bestand an Sozialwohnungen dramatisch geschrumpft. Die Schlussfolgerung lautet, dass eine nachhaltige Lösung nur gelingen könne, wenn der Staat beides gleichzeitig tue: Bedürftige unterstützen und wieder dauerhaft erschwinglichen Wohnraum schaffen. (Caterina Lobenstein und Vivien Serve, DIE ZEIT)
Hört auf, die Hausfrauen-Ehe zu belohnen!
Im Kommentar wird argumentiert, dass die beitragsfreie Mitversicherung von Ehepartnern in der gesetzlichen Krankenversicherung ein „Privileg“ sei, das abgeschafft werden sollte. Anlass ist ein möglicher Reformvorschlag der Bundesregierung, wonach bislang kostenlos mitversicherte Ehepartner künftig einen Mindestbeitrag zahlen müssten – mit Ausnahmen etwa für Eltern kleiner Kinder oder pflegende Angehörige.
Die Autorin führt aus, dass diese Regelung den Staat jährlich Milliarden koste und zugleich „falsche Anreize“ setze. Sie begünstige insbesondere die klassische „Hausfrauen-Ehe“, weil es sich für viele – meist Frauen – finanziell kaum lohne, mehr zu arbeiten, da dann eigene Beiträge anfallen würden. Dadurch werde Erwerbsarbeit strukturell unattraktiver gemacht.
Zudem wird kritisiert, dass auch gutverdienende Haushalte von der Mitversicherung profitierten, was sozialpolitisch „ungenau“ sei. Insgesamt wird gefordert, solche Fehlanreize abzubauen und mehr Menschen in reguläre Beschäftigung zu bringen. Die Maßnahme wird als notwendiger Schritt dargestellt, auch wenn ergänzende Reformen – etwa bei Steuern und Kinderbetreuung – ebenfalls erforderlich seien.
Diese „Reformen“ sind fantasielos und führen nur zu einem Verschiebebahnhof beim Geld
Im Kommentar wird argumentiert, dass Vorschläge wie die Abschaffung des Ehegattensplittings oder eine Erhöhung der Mehrwertsteuer keine echten Reformen seien, sondern lediglich Geld innerhalb des Systems verschöben. Fatina Keilani kritisiert, dass solche Maßnahmen die arbeitende Mitte zusätzlich belasteten, ohne die grundlegenden Probleme des Landes zu lösen. Die von Lars Klingbeil in Aussicht gestellten Entlastungen von einigen hundert Euro im Jahr erscheinen ihr angesichts steigender Kosten für Mieten, Energie, Gesundheit und Konsum als bedeutungslos.
Der Text betont, dass Bürger in Deutschland bereits auf vielfältige Weise belastet würden: durch Einkommensteuer, Mehrwertsteuer, Kfz- und Energiesteuer, Kapitalertragsteuer sowie Abgaben auf Immobilien und Erbschaften. Statt neuer Belastungen brauche es daher vor allem spürbare Entlastung für diejenigen, die arbeiten und den Staat finanzieren.
Als eigentliche Reformperspektive fordert der Kommentar niedrigere Steuern, weniger Bürokratie und geringere Staatsausgaben. Kritik richtet sich besonders gegen einen Sozialstaat, der aus Sicht der Autorin Fehlanreize setze und zu viele Mittel an die Falschen verteile. (Fatina Keilani, WELT)
Wie man ein Wohnwunder schafft – und wie nicht
Im Artikel wird beschrieben, dass die heutige Wohnungskrise kein naturgegebenes Problem sei, sondern politisch verursacht und prinzipiell lösbar wäre. Am Beispiel der frühen Bundesrepublik wird gezeigt, dass unter Konrad Adenauer durch massiven staatlichen Einsatz ein „Wohnungswunder“ erreicht worden sei: Millionen Wohnungen seien gebaut, Mieten reguliert und Wohnen als zentrale soziale und demokratische Aufgabe verstanden worden.
Es wird dargestellt, dass diese Politik bewusst ideologische Grenzen überschritten habe – etwa als Ludwig Erhard trotz marktwirtschaftlicher Überzeugungen an Mietpreisregulierungen festhielt. Wohnen habe als Grundlage für sozialen Frieden und wirtschaftlichen Erfolg gegolten.
Im Gegensatz dazu habe sich die Politik seit den 1980er-Jahren zunehmend vom sozialen Wohnungsbau entfernt. Unter Helmut Kohl sei der Markt liberalisiert, Gemeinnützigkeit abgeschafft und staatliche Förderung in Richtung Wohngeld verschoben worden. Dadurch seien Investoren und Renditeinteressen stärker geworden, während günstiger Wohnraum zurückging.
Der Text argumentiert, dass heutige Parteien ideologisch blockiert seien: Zwar werde „bauen, bauen, bauen“ gefordert, doch wirksame Eingriffe in Mietpreise würden abgelehnt. Insgesamt werde die Wohnungspolitik als vernachlässigt beschrieben, obwohl steigende Mieten das Vertrauen in die Demokratie gefährden könnten.
Ehegattensplitting: Wenn politische Kommunikation die Realität verlässt
Im Kommentar wird argumentiert, dass die Debatte über das Ehegattensplitting die historische und verfassungsrechtliche Grundlage des Modells verfehle. Es wird betont, das Splitting sei kein „Privileg“, keine „Subvention“ und auch kein arbeitsmarktpolitischer Anreiz, sondern die steuerliche Konsequenz der Ehe als „wirtschaftliche Verantwortungsgemeinschaft“. Das Bundesverfassungsgericht habe mehrfach klargemacht, dass die Ehe steuerlich nicht künstlich in zwei Einzelpersonen aufgespalten werden dürfe.
Weiter wird beschrieben, die heutige Behauptung, das Splitting halte Frauen von Vollzeitarbeit ab, verkehre Ursache und Wirkung. Eingeführt worden sei es 1958 gerade deshalb, um Familien mit ungleicher Erwerbsverteilung nicht zu benachteiligen. Ausschlaggebend für Teilzeit seien vielmehr Kinderbetreuung, Löhne, Pendelzeiten und Care-Arbeit, nicht die Steuerlogik. Das Splitting bilde Realität ab, es erzeuge sie nicht – „ungefähr so logisch wie dem Thermometer die Schuld am Fieber zu geben“.
Insgesamt wird kritisiert, politische Kommunikation ersetze historische Genauigkeit durch verkürzte Erzählungen und mache aus einer verfassungsrechtlich begründeten Regelung einen bequemen Sündenbock.
Sozialdemokraten bleiben wohl stärkste Kraft
Im Bericht wird beschrieben, dass die Sozialdemokraten bei der Parlamentswahl in Dänemark trotz deutlicher Verluste erneut stärkste Kraft geworden seien. Die Partei von Mette Frederiksen habe laut Hochrechnungen rund 22 Prozent der Stimmen erreicht – deutlich weniger als bei der vorherigen Wahl und das schwächste Ergebnis seit dem Zweiten Weltkrieg.
Es wird ausgeführt, dass die bisherigen Regierungsparteien – Sozialdemokraten, Venstre und Moderaterne – ihre Mehrheit verloren hätten. Weder das linke noch das rechte Lager verfüge über eine klare Mehrheit im Parlament. Beide Blöcke lägen unter der notwendigen Sitzanzahl, sodass komplizierte Koalitionsverhandlungen erwartet würden.
Besonders betont wird, dass kleinere Parteien sowie die Abgeordneten aus Grönland und den Färöern entscheidend für die Regierungsbildung sein könnten. Ob Frederiksen eine dritte Amtszeit antreten könne, sei daher offen.
Insgesamt wird die Wahl als offen und politisch fragmentiert beschrieben, mit unklaren Mehrheitsverhältnissen und hoher Bedeutung möglicher Bündnisse aus der politischen Mitte.
Im Text wird die These vertreten, dass die Politik gegenwärtig an einem Mangel an echten Reformideen leide. Es wird beschrieben, dass unter „Reformen“ meist nur „kleinteilige, komplizierte“ Maßnahmen verstanden würden, die an den eigentlichen Problemen vorbeigingen. Als historischer Vergleich wird Henri III. angeführt, dessen Reformen zwar formal gewesen seien, aber die eigentlichen Krisen nicht gelöst hätten.
Zentral wird argumentiert, die entscheidende politische Ebene sei heute Europa. Nationale Politik erscheine zunehmend wirkungslos, weshalb Wähler enttäuscht reagierten. Während demokratische Parteien zögerlich agierten, trete die radikale Rechte international vernetzt auf und vermittle den Eindruck von „Macht“, auch wenn dies als „Bluff“ beschrieben wird.
Als Lösung wird eine tiefere europäische Integration vorgeschlagen: eine kleinere, aber eng verbundene Union zentraler Staaten mit gemeinsamer Verfassung, Regierung und Finanzpolitik. Parallel werden konkrete Reformfelder genannt, etwa Klima-, Migrations- und Gesellschaftspolitik sowie Investitionen in Innovation, Wissenschaft und Kultur.
Insgesamt wird gefordert, Politik müsse wieder visionärer werden. Die Bewältigung globaler Krisen könne nicht durch nationale Detailpolitik erfolgen, sondern erfordere größere, strukturelle Antworten.
„Wir rechnen mit einem Shitstorm epischen Ausmaßes“
Im Interview wird die Lage der gesetzlichen Krankenversicherung als „sehr ernst“ beschrieben. Die Kommission rechne bis 2030 mit einer wachsenden Finanzierungslücke; ohne Reformen müssten die Zusatzbeiträge stark steigen. Ferdinand Gerlach sagt, man stehe „mit dem Rücken an der Wand“ und müsse schnell handeln, um das Versorgungsniveau zu halten.
Vorgeschlagen werden 66 Maßnahmen mit einem Volumen von 42 Milliarden Euro ab 2027. Genannt werden höhere Bundesmittel, aber auch Einschnitte und neue Abgaben: weniger Kassenleistungen für Cannabisblüten, Homöopathie und Hautkrebsscreenings, strengere Regeln bei Operationen, Einsparungen in Kliniken und höhere Herstellerabschläge für die Pharmaindustrie. Zudem solle die beitragsfreie Mitversicherung von Partnern weitgehend entfallen, das Krankengeld etwas sinken und Zahnersatz geringer bezuschusst werden.
Besonders auffällig sind die Konsumsteuern: Softdrinks mit viel Zucker sollen teurer werden, ebenso Tabak; eine Zigarettenpackung könne dann 11,50 Euro kosten. Gerlach erwartet deshalb einen „Shitstorm epischen Ausmaßes“, hält die Vorschläge aber für notwendig und zumutbar.
Wie die SPD die Arbeiter verlor
Der Text beschreibt die SPD als festgefahren in einer Zeitschleife: Wahlniederlagen, gefolgt von floskelhaften Versprechen eines dringend nötigen Wandels, der jedoch selten kommt. Historisch wird aufgezeigt, dass die Partei erst erfolgreich war, wenn sie wirtschaftliche Kompetenz zeigte, nicht nur soziale Gerechtigkeit.
Seit Gerhard Schröder kam es zu innerparteilichen Konflikten und einer Abwanderung der traditionellen Arbeiterbasis, während sich die Mitgliedschaft akademisch und öffentlich-dienstlich ausprägte. Dadurch verlor die SPD zunehmend das Vertrauen der „normalen Leute“ und wendete sich von ihren Wurzeln ab. Traditionelle „Kümmererpartei“-Rufe scheinen heute oft leer zu wirken, und Wähler wenden sich teils an AfD.
In der Gegenwart werden neue Reform- und Agenda-Pläne diskutiert (u.a. von Klingbeil und Böhning), um mutigere Konzepte durchzusetzen. Die Kernfrage bleibt, ob die SPD bereit ist, echte, umsetzbare Reformen anzupacken statt nur zu reden.
Aber erste Vorschläge lösen eher die Haushaltsprobleme des Staates – nicht die der Bürger.
Der Text verwebt historische Feminismus-Deutungen (Lorenz von Stein 1876, August Bebel 1879) mit moderner Reformdebatte in der Regierungskoalition.
Stein sah die Hausarbeit der Frau ökonomisch bedeutend, Bebel kritisierte diese Sicht als Unterdrückung und forderte Gleichberechtigung, Wahlrecht, Bildung und Verstaatlichung von Haus- und Erziehungsarbeit.
Diese beiden Perspektiven spiegeln heute zentrale Debatten wider: Soll die Ehe als Solidargemeinschaft über Ehegattensplitting und steuerliche Regelungen gestärkt oder abgeschafft werden? Wie weit soll der Staat in die Aufteilung von Haus- und Erwerbsarbeit eingreifen?
Kritik am Ehegattensplitting: Gegner sehen Ungerechtigkeiten, Befürworter betonen soziale Solidarität. Die Debatte zur Abschaffung des Splittings bleibt komplex, da auch Modelle wie Zusammenveranlagung Vorteile und Nachteile haben.
Ein Artikelargumente gegen eine Fokussierung auf Splitting: Reformen sollten weniger auf Privilegien der Ehe basieren, sondern strukturelle Fragen von Erwerbsbeteiligung, Familienarbeit und dem Arbeitsmarkt adressieren.
Vorschläge und Diskussionen in der Koalition umfassen Rentenreform (Ziel: Anpassung des Renteneintritts an Beitragsjahre, Förderung der Erwerbsbeteiligung), Maßnahmen zur Entlastung der Krankenkassen (Kostenfreiheit der Mitversicherung kritisch bewertet), sowie Debatten um Mehrwertsteuer und Finanzierungsfragen.
Abschließend kritisiert der Text, dass Reformen nicht nur Haushalts- bzw. Einnahmenseite betreffen dürfen, sondern konkrete Auswirkungen auf Gleichberechtigung, Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie Demografie zeigen müssen. Ein schneller, kohärenter Reformkalender wird gefordert, um die Reformen glaubwürdig durchzusetzen.
Geringverdiener? Minus 200 Euro. Millionär? Plus 14.000 Euro.
Im Artikel wird beschrieben, dass das Entlastungsversprechen der Bundesregierung bei genauerer Betrachtung ins Gegenteil umschlagen könne. Zwar solle die Einkommensteuer für kleine und mittlere Einkommen sinken, zugleich stünden aber eine höhere Mehrwertsteuer sowie weitere Reformen im Raum. Laut einer Analyse des Netzwerks Steuergerechtigkeit führe genau diese Kombination dazu, dass Menschen mit niedrigen Einkommen im Schnitt sogar rund 200 Euro pro Jahr verlören, während das reichste Prozent um etwa 14.000 Euro entlastet werde.
Erklärt wird das damit, dass Geringverdiener ohnehin kaum Einkommensteuer zahlten und von deren Senkung daher wenig hätten. Eine höhere Mehrwertsteuer treffe sie dagegen besonders hart, weil sie fast ihr gesamtes Einkommen für Konsum ausgäben. Besserverdienende würden weniger belastet, da sie einen kleineren Teil ihres Einkommens verbrauchten und zusätzlich von Unternehmenssteuersenkungen profitierten. Die Autorin legt nahe, dass das Versprechen, „unten zu entlasten“ und „oben stärker heranzuziehen“, so „nicht eingelöst, sondern umgekehrt“ werde.
Warum die Partei die Oppositionsrolle nicht fürchten müsste
Im Gastbeitrag wird argumentiert, dass sich die SPD in einer tiefen Vertrauenskrise befinde, weil sie über Jahre das Gespür für ihre eigene „Mission“ verloren habe. Es wird beschrieben, dass langes Mitregieren die Partei zwar staatstragend gemacht habe, sie aber zugleich davon entfernt habe, grundlegende politische Fragen zu stellen. Viele Wähler hätten sich deshalb von ihr abgewandt.
Als zentrale Antwort fordert der Autor eine klare inhaltliche Neuausrichtung. Reformpolitik solle „vom Ende her gedacht werden“ und sich konsequent am Wohl der kommenden Generation orientieren. Besonders hervorgehoben werden dabei Bildung, Rente, Pflege und Gesundheit. Es wird betont, dass junge Menschen derzeit überfordert würden, während ihre Startbedingungen unzureichend seien.
Die SPD solle ihre verbleibende Regierungszeit nutzen, um „alle Kinder mitzunehmen“ und konkrete Verbesserungen etwa in Schulen, frühkindlicher Förderung und sozialer Infrastruktur zu erreichen. Bürokratieabbau und bessere Chancen für Kinder aus einfachen Verhältnissen gelten dabei als zentral.
Zugleich wird die Oppositionsrolle nicht als Gefahr, sondern als Chance dargestellt: Dort könne die Partei ihr Profil schärfen und wieder glaubwürdig werden. Ein „schneller Weg zurück“ sei jedoch unrealistisch; notwendig sei eine langfristige inhaltliche Erneuerung.
Die Regierung muss die Wut aushalten
Im Leitartikel wird argumentiert, dass die Bundesregierung vor einem möglichen „Agenda-Moment“ stehe, der tiefgreifende Reformen des Sozialstaats einleiten könne. Besonders Lars Klingbeil habe mit Vorschlägen wie längerer Lebensarbeitszeit, weniger Teilzeit oder der Abschaffung des Ehegattensplittings einen ungewöhnlich weitreichenden Reformkurs angedeutet, der auch von Friedrich Merz positiv aufgenommen worden sei.
Es wird betont, dass die Lage der Sozialversicherungen ernst sei und die Politik „die Größe der Aufgabe“ erkannt habe. Allerdings seien viele Vorschläge bislang nur Ankündigungen. Entscheidend werde sein, ob politische Mehrheiten organisiert und Widerstände überwunden werden könnten. Reformen dieser Art würden zwangsläufig Proteste auslösen, sowohl von Interessengruppen als auch von Bürgern, sobald konkrete Einschnitte drohten.
Der Text verweist auf historische Parallelen zur Agenda-Politik von Gerhard Schröder: Diese habe zwar politisch geschadet, sei aber wirtschaftlich erfolgreich gewesen. Eine ähnliche Konfliktsituation drohe nun erneut.
Als zentrale Hürde wird Markus Söder beschrieben, der als Vetospieler zentrale Reformen blockieren könne. Gleichzeitig müsse sich die SPD auf Konflikte mit Gewerkschaften einstellen.
Insgesamt wird gefordert, dass die Regierung die „Wut aushalten“ und Reformen konsequent umsetzen müsse. Scheitere dies, drohten wirtschaftliche Probleme und eine weitere Schwächung der politischen Mitte.
Im Artikel wird beschrieben, dass die schwarz-rote Koalition mit einer Reihe unpopulärer Sozialstaatsreformen zugleich das Land modernisieren und die eigene Handlungsfähigkeit beweisen wolle. Ausgangspunkt sei unter anderem die geplante Abschaffung der beitragsfreien Mitversicherung für Ehepartner ohne eigenes Einkommen. Fachleute begrüßten dies als ökonomisch sinnvoll, während Gewerkschaften, Linke und AfD vor Belastungen für Millionen Haushalte warnten.
Der Text schildert das Grunddilemma solcher Reformen: Im Abstrakten erscheine Veränderung vernünftig, konkret gelte oft die Devise „nicht auf meine Kosten“. Merz und Klingbeil betrieben deshalb eine „Flucht ins Regieren“, getrieben von Haushaltslöchern, schwacher Konjunktur und politischem Druck nach schlechten Wahlergebnissen.
Zugleich heiße es, dass die SPD sich mit Reformen wieder als Partei der „arbeitenden Mitte“ profilieren wolle, während die CDU akzeptiere, dass auch Besserverdienende belastet werden müssten. Als größte Hürde erscheine die CSU, die zentrale Einschnitte ablehne. Der Artikel deutet an, dass das Vorhaben nur gelingen könne, wenn beide Koalitionsparteien den politischen Preis dieser Zumutungen aushielten.
Resterampe
- Giovanni di Lorenzos Rant
- Potentialanalyse
- Alsleben verteidigt das Ehegattensplitting und die kostenlose GKV
- Unrealismus der Idee, Splitting befördere Teilzeit
- Zahlenkorrektur Rentiers
- Robert Pauschs Twitter-Thread
- Klingbeil will Geringverdienende entlasten
- Jörg Kukies könnte wohl die SPD retten
- Das Land schreit nach Zumutungen
- Höhere Mehrwertsteuer laut CDU gerechteres Steuersystem
Transkript
00:00:00.69
Stefan Sasse
Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von den Bohrleuten.
00:00:04.85
Stefan Sasse
Die SPD hat die Wahlen in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg ziemlich krachend verloren.
00:00:09.75
Stefan Sasse
In Baden-Württemberg sind sie knapp an der 5%-Hürde vorbeigeschrammt, mit 5,5% noch im Landtag vertreten.
00:00:16.77
Stefan Sasse
In Rheinland-Pfalz haben sie nach 35 Jahren die Ministerpräsidentenamt verloren an Gordon Schnieder, der jetzt nicht unbedingt als ein Ausbund von Charisma und Bekanntheit bekannt war.
00:00:29.31
Stefan Sasse
Das heißt, hier ist wieder einmal das große Hobby sämtlicher Politikbeobachtenden losgetreten worden, nämlich die Frage, was ist das Problem der SPD?
00:00:40.85
Stefan Sasse
Und die SPD selbst macht das ja auch sehr gerne.
00:00:44.07
Stefan Sasse
Nach jeder Wahl findet eigentlich diese schmerzhafte Introspektive statt, in der man sich fragt, warum sind wir in der Situation, in der wir sind?
00:00:53.87
Stefan Sasse
Und das Problem ist, dass das eine sich unglaublich im Kreis drehende Debatte ist und dass die Antworten, die die SPD gerade darauf gibt, einfach wirklich komplett bescheuert sind.
00:01:05.74
Stefan Sasse
Und zwar so bescheuert, dass wir zu dem Folgentitel gekommen sind, dass die SPD schon irgendwie die dümmste Partei in Deutschland ist.
00:01:12.66
Stefan Sasse
Und zu erklären, warum das so ist und unser Unverständnis darüber zum Ausdruck zu bringen, dafür habe ich die Trash-Kolumnistin der Herzen eingeladen, Hanno Ariane.
00:01:22.83
Ariane
Hallo, Arja.
00:01:23.85
Ariane
Hallo, Stefan.
00:01:24.67
Ariane
Hallo, liebe HörerInnen.
00:01:26.37
Ariane
Es ist noch früh am Morgen, das muss man dazu betonen.
00:01:29.49
Ariane
Kein Trinkspiel würde sich anbieten.
00:01:32.30
Ariane
Jedes Mal, wenn jemand hart arbeitet, in der Mitte sagt.
00:01:35.82
Ariane
Aber dann würden wir zehn Minuten nur schaffen.
00:01:38.73
Stefan Sasse
Ja, das ist tatsächlich das Trinkspiel für die heutige Episode, die arbeitende Mitte.
00:01:43.45
Stefan Sasse
Wenn von der die Rede ist, dann müsst ihr einen Schluck eures Lieblingsgetränks nehmen.
00:01:47.71
Stefan Sasse
Und warum die hart arbeitende Mitte oder die arbeitende Mitte, beide Begriffe sind quasi an der Stelle austauschbar zu verwenden.
00:01:54.81
Stefan Sasse
Das ist die aktuelle Analyse, die die SPD selbst unternommen hat und die man aber auch in diversen Zeitungen von FAZ über Zeit, zu Spiegel, zu Welt und so weiter lesen kann.
00:02:05.93
Stefan Sasse
Die SPD muss die arbeitende Mitte in den Blick nehmen und das ist eine ziemlich innovative und sehr kreative Problemlösung.
00:02:15.74
Stefan Sasse
Und ihr merkt vielleicht schon hier die Ironie, die ich habe.
00:02:19.24
Stefan Sasse
Es gibt einen Journalisten, der heißt Robert Pausch und der hat
00:02:23.82
Stefan Sasse
gesagt, schon im Juni 2024 übrigens, weil da dieselbe Analyse ausgegeben worden ist, dass die SPD irgendwie ständig die arbeitende Mitte in den Blick nehmen will.
00:02:33.74
Stefan Sasse
Und er hat das mal nachrecherchiert, wie das Journalisten und Journalistinnen so gerne tun.
00:02:38.16
Stefan Sasse
Und er hat festgestellt, 2015, im Februar 2015, hat die SPD aus einem Umfragetief heraus beschlossen, wir wollen die arbeitende Mitte stärker in den Blick nehmen, sagt die damalige Generalsekretärin Jasmin Fahimi.
00:02:51.22
Stefan Sasse
Dann ein paar Monate später, in einem Strategiepapier, soll die arbeitende Mitte in den Blick genommen werden.
00:02:57.03
Stefan Sasse
2016 beschließt der SPD-Parteikonvent, die arbeitende Mitte mehr in den Blick zu nehmen.
00:03:01.09
Stefan Sasse
2017 sagt Martin Schulz, dass die hart arbeitende Mitte stärker in den Blick genommen werden muss.
00:03:06.41
Stefan Sasse
Dann hat man die Wahl 2017 verloren.
00:03:08.35
Stefan Sasse
Die Lösung war, laut dem damaligen Generalsekretär Lars Klingbeil, die arbeitende Mitte mehr in den Blick zu nehmen, was auch Manuela Schwesig betont hat.
00:03:16.47
Stefan Sasse
Man muss die arbeitende Mitte in den Blick nehmen.
00:03:20.89
Stefan Sasse
2019 hat man dann diverse Strategiedebatten geführt gehabt.
00:03:24.36
Stefan Sasse
Andrea Nahles, damalige SPD-Chefin, sagt, Trommelwirbel, die arbeitende Mitte muss in den Blick genommen werden.
00:03:30.16
Stefan Sasse
2020 kamen Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken zu der Lösung, dass, jetzt neuer Ansatz, die arbeitende Mitte mehr berücksichtigt werden muss.
00:03:39.59
Stefan Sasse
Olaf Scholz kam mit einer ganz neuen Strategie, nämlich statt linker Illusionen die arbeitende Mitte in den Blick zu nehmen.
00:03:45.67
Stefan Sasse
Und man kann das Ganze weiter treiben.
00:03:46.90
Ariane
Vielen Dank.
00:03:48.53
Stefan Sasse
Die Frage, die ich jetzt an der Stelle stellen würde, ist, entweder macht die SPD das nie oder sie versagt darin einfach grundsätzlich.
00:03:59.11
Stefan Sasse
Aber ich halte das auch ehrlich gesagt für reines Wortklimbim.
00:04:03.91
Stefan Sasse
Möglicherweise glauben die das selbst, wenn sie das sagen.
00:04:07.57
Stefan Sasse
Aber für mich ist das ganz große Problem an der Stelle, dass überhaupt nicht klar ist, wer damit überhaupt gemeint ist.
00:04:16.20
Stefan Sasse
Die schlimmere Form ist eigentlich nur noch, wir müssen uns wieder mehr auf die Arbeiterklasse oder auf die Arbeiter konzentrieren.
00:04:23.38
Stefan Sasse
Und es ist dann auch immer ganz klar,
00:04:26.14
Stefan Sasse
Das muss auch mit bedacht werden, wenn irgendjemand arbeitet, gendert, dann ist das schon ein Signal dafür, dass er vogue ist und das ist dann auch das Problem der SPD sozusagen.
00:04:37.46
Stefan Sasse
Das führt, und das mache ich jetzt als letzten Aufschlagpunkt, zu diesen ganzen Analysen, die sozusagen uns mitteilen, warum ist die SPD in der Krise und daran mangelt es wirklich nicht.
00:04:51.18
Stefan Sasse
Und ich glaube, wir sind uns auch relativ einig, diese Partei ist in einer Krise und die ist in einer Dauerkrise.
00:04:56.76
Stefan Sasse
Die sind seit 2005 oder 2006 in der Krise und kommen da einfach ums Verrecken nicht mehr heraus.
00:05:05.62
Stefan Sasse
Ich glaube, so 2021, 2022, das war so eine absolute Ausnahme aus der Region, wo sie ganz kurz im Olaf Scholz-Fieber waren.
00:05:14.03
Stefan Sasse
Aber letzten Endes gibt es hier ein Problem und die Frage ist, was ist dieses Problem eigentlich?
00:05:19.83
Stefan Sasse
Und ich habe das Gefühl, die Partei steht sich unglaublich selbst im Weg und geht da gar nicht so clever vor.
00:05:27.86
Stefan Sasse
Aber jetzt wäre ich mal interessiert an deiner Einschätzung zu der Thematik.
00:05:31.08
Ariane
Ja, ich muss sagen, ich bin da schon einen Schritt weiter.
00:05:34.17
Ariane
Die haben sich einfach aufgegeben.
00:05:35.91
Ariane
Ganz ehrlich, die können auch gerne sterben gehen, weil eine Sozialdemokratie, die sich als Partei so ein bisschen aufgegeben hat, braucht dann auch keiner mehr.
00:05:42.41
Ariane
Also das finde ich seit Minimum zehn Jahren.
00:05:48.60
Ariane
Die Scholz-Dinger, das war ja irgendwie so die Regel, die die Ausnahme bestätigt.
00:05:54.82
Ariane
Aber das ist schon ein langes Siegtum irgendwie.
00:05:59.95
Ariane
Und ich finde, ich musste mich wirklich ein bisschen überwinden, als du gesagt hast, lass mal über die SPD reden, weil das macht eigentlich echt keinen Spaß mehr.
00:06:07.68
Ariane
Wir können wahrscheinlich selber die Debatten von unseren letzten fünf Jahren irgendwie aufwärmen, weil da wenig Bewegung drin ist.
00:06:17.94
Ariane
Und das ist…
00:06:21.83
Ariane
Ja, man kommt da nicht so raus.
00:06:23.71
Ariane
Also es ist ja, wie gesagt, auch immer, ich gucke mir auf diese Nachwahlanalysen nicht an, weil man löst die Art arbeitende Mitte wieder in den Blick.
00:06:31.73
Ariane
Und aufhören, wo links zu sein.
00:06:34.71
Ariane
Mir fällt nichts einziges ein, wo die SPD das überhaupt ist.
00:06:38.19
Ariane
Aber das ist, ja, wie gesagt, ich habe das Gefühl, die drehen sich seit 15 Jahren minimum im Kreis und wissen nicht, was sie wollen.
00:06:52.47
Ariane
man kann ja nicht mal sagen, sie probieren mal was aus, merken das klappt nicht, gehen in die andere Richtung oder so, sondern das ist ein langes Sichtum, das man da anguckt und das ist es langweilt mich ein bisschen, ich habe eigentlich wenig Geduld, mir das jetzt nochmal fünf Jahre oder so anzugucken.
00:07:11.39
Stefan Sasse
Ich muss ehrlich sagen, ich hatte es noch im Hinterkopf von unserem letzten Podcast, da meintest du, wir müssten mal wieder auf die SPD gucken, also von daher bist du eigentlich schuld an der Folge.
00:07:19.45
Ariane
Ja, das war
00:07:20.19
Stefan Sasse
Aber es ist wirklich diese aktuelle Situation, in der ich schlichtweg nicht verstehe, was in den Köpfen dieser Leute vorgeht.
00:07:29.65
Stefan Sasse
Du bist jetzt als Partei offensichtlich in einer Krise.
00:07:34.69
Stefan Sasse
Die Leute wählen dich nicht mehr und aus letzten Endes schon so ein bisschen den Punkten, die du gerade nennst, ich wüsste einfach nicht warum.
00:07:41.29
Stefan Sasse
Es kommen dann auch immer wieder diese Aussagen, es wäre schon irgendwie blöd, wenn es die Sozialdemokratie untergeht oder sowas, ja, Deutschlands älteste Partei, für die Demokratie ist das eigentlich gar nicht so cool und so weiter und ich dem und so, ja, aber…
00:07:54.18
Stefan Sasse
Für wen sind sie denn?
00:07:55.66
Stefan Sasse
Also ich habe immer so das Gefühl, die SPD ist eine Partei auf der Suche nach einer Gruppe, die sie wählt.
00:08:01.26
Stefan Sasse
Und diese Gruppe wird von dieser Partei so lächerlich groß definiert, dass sie im Endeffekt bedeutungslos ist.
00:08:12.16
Stefan Sasse
Also diese Partei versucht irgendwie für gefühlt so 80 bis 90 Prozent der Deutschen ein attraktives Programm zu haben.
00:08:20.54
Stefan Sasse
Und das ist halt einfach quatschig.
00:08:23.20
Stefan Sasse
Und wenn du für 80 bis 90 Prozent ein Programm hast, dann hast du für niemanden ein Programm.
00:08:27.68
Stefan Sasse
Und das scheint mir da nicht wirklich verstanden zu sein.
00:08:32.95
Ariane
Das ist ja mit der Arbeit in der Mitte auch so.
00:08:33.21
Stefan Sasse
Ja, wenn…
00:08:34.65
Ariane
Wer ist denn das?
00:08:36.19
Ariane
Will man dem helfen?
00:08:37.39
Ariane
Sorry, ich muss ja hier mal kurz betonen, ich wäre tatsächlich, ich habe die SPD oft gewählt, ich bin auch typisches Arbeiterkind sozusagen, obwohl niemand in der Täche gearbeitet hat, weil heute gibt es diese Arbeiterklasse leider meistens nicht mehr oder vielleicht nicht leider, das ist eigentlich ein guter Fortschritt.
00:08:55.59
Ariane
Ich habe kein abgeschlossenes Studium, ich verdiene weniger als das Durchschnittsgehalt.
00:08:58.99
Ariane
Ich arbeite in einem Handwerksbetrieb,
00:09:01.65
Ariane
Ich gehöre ebenso zur Arbeit in der Mitte, wie vermutlich du sowieso, aber Friedrich Merz gehört da irgendwie auch schon mit rein.
00:09:08.61
Stefan Sasse
Wer gehört denn nicht zur arbeitenden Mitte?
00:09:11.67
Stefan Sasse
Und auch zur hart arbeitenden Mitte?
00:09:14.27
Stefan Sasse
Ich meine, klar, wir wissen, wer gemeint ist letzten Endes.
00:09:17.13
Stefan Sasse
Die Grundsicherungsempfänger, irgendwelche linken Studierenden, die da auf der Straße dann für irgendwelche Wokensachen demonstrieren oder so, die fallen raus.
00:09:25.84
Stefan Sasse
Aber das sind ja nicht viele Leute.
00:09:28.24
Stefan Sasse
Und witzigerweise sind gerade in diesen Segmenten viele SPD-Welt unterwegs.
00:09:33.14
Ariane
Vielen Dank.
00:09:34.15
Stefan Sasse
Also, nee, ich glaube, es ist natürlich nicht ganz so albern, wie wir gerade tun, weil dieser Begriff der arbeitenden Mitte oder auch der hart arbeitenden Mitte, da steckt ja schon was drin von Leuten, die du nicht drin haben möchtest.
00:09:47.75
Stefan Sasse
Also ganz besonders alles, was irgendwie Transferhilfen, Transferleistungen empfängt, ist sozusagen aus dieser Mitte ausgeschlossen.
00:09:56.69
Stefan Sasse
Die dürfen nicht mitmachen.
00:09:59.24
Stefan Sasse
Die sind nicht drin.
00:10:01.48
Stefan Sasse
Und ich glaube, es ist auch immer so ein ganz, ganz leicht, ich weiß gar nicht, wie… Ja, richtig.
00:10:08.57
Ariane
Aber Rentner schon, die waren ja immerhin mal die Arbeitendenmitte.
00:10:12.46
Ariane
Das ist natürlich schon ein Problem.
00:10:16.71
Stefan Sasse
Ich glaube, weil wir die Debatte gerade auch wieder haben, die Beamten und Beamtinnen sind auch irgendwie raus, auch wenn die hart arbeiten.
00:10:22.91
Stefan Sasse
Die sind böse, sind aber gleichzeitig auch eine zentrale Wählergruppe der SPD.
00:10:28.50
Stefan Sasse
Also von daher, es ist so ein Sammelbegriff.
00:10:33.52
Stefan Sasse
Das ist aber bei diesem Mitte oder auch, was die CDU und FDP immer gerne verwenden, dieses bürgerlich, wer ist denn das eigentlich nicht?
00:10:40.38
Stefan Sasse
Aber gleichzeitig ist auch immer so relativ klar, wer da drin sein soll.
00:10:43.90
Stefan Sasse
Das ist so unser Team.
00:10:45.38
Stefan Sasse
im Endeffekt.
00:10:47.04
Stefan Sasse
Nur, dass es eben in dem Fall mittlerweile sehr, sehr unklar ist, wer hier eigentlich angesprochen werden soll.
00:10:55.27
Stefan Sasse
Sollen das jetzt die Malocher sein oder fallen eben auch, fällt auch so ein Friedrich Merz rein, der ja auch sehr hart arbeitet und sich definitiv als Mitte definiert.
00:11:04.01
Stefan Sasse
Also meint die SPD den oder meint die den nicht?
00:11:06.21
Stefan Sasse
I don’t know.
00:11:07.95
Stefan Sasse
Das sind ja solche grundsätzlichen Standortbestimmungen, die hier schon gar nicht mehr klar sind.
00:11:13.44
Stefan Sasse
Und
00:11:14.14
Stefan Sasse
Das ist der Punkt, was ich meine mit der Breite deiner Leute.
00:11:17.10
Stefan Sasse
Du kannst nicht ein Wirtschaftsprogramm machen, das sich auf der einen Seite an die Friseurin richtet und auf der anderen Seite an die hart arbeitende Mitte bei Goldman Sachs.
00:11:27.20
Stefan Sasse
Das funktioniert nicht.
00:11:28.48
Stefan Sasse
Das sind einfach völlig unterschiedliche Zielgruppen an der Stelle.
00:11:31.30
Stefan Sasse
Du kannst nicht den hart arbeitenden Unternehmer ansprechen und den hart arbeitenden Mensch, der an der Maschine dieses Unternehmens steht, gleichzeitig ansprechen.
00:11:40.94
Stefan Sasse
Das funktioniert nur in der absolut basalsten Marktwirtschaftsrhetorik, aber diese Leute haben völlig unterschiedliche Interessen, die haben völlig unterschiedliche Relevanzgebiete.
00:11:51.35
Stefan Sasse
Wenn ich irgendwie am Arbeitsrecht rumspiele, wenn ich zum Beispiel den Kündigungsschutz anfasse oder sowas, die schauen da doch fundamental unterschiedlich drauf, die werden nie auf die gleiche Art und Weise draufgucken.
00:12:02.79
Stefan Sasse
Und da kannst du noch so sehr sagen, wenn wir den Kündigungsschutz lockern, dann bringt das mehr Arbeitsplätze oder sowas oder schafft Wirtschaftswachstum etc.
00:12:09.88
Stefan Sasse
Das mag ja schon sein, aber als der eine Arbeiter an der Maschine ist, mir ist das relativ egal, da hätte ich gerne Kündigungsschutz.
00:12:15.65
Stefan Sasse
Also von daher…
00:12:17.18
Stefan Sasse
Das sind ja einfach nicht vereinbare Dinge.
00:12:20.60
Stefan Sasse
Das ist zu breit.
00:12:22.04
Stefan Sasse
Genauso, wenn ich sage, ich mache Politik für die hart arbeitenden Studienräte auf der einen Seite und für die gerade leider Gottes wegen der wirtschaftlichen Lage arbeitslos gewordenen Menschen, die gerade noch für Lieferando irgendwas ausgefahren haben.
00:12:40.12
Stefan Sasse
Das sind einfach unterschiedliche Bereiche und da kriegen wir ein
00:12:46.16
Stefan Sasse
Das ist alles sehr, sehr ungenau.
00:12:48.91
Stefan Sasse
Und das ist nicht mal das Hauptproblem, das die Partei gerade hat, diese unglaubliche begriffliche Unschärfe, die hier abläuft.
00:12:58.17
Stefan Sasse
Denn wir haben auf der anderen Seite auch noch die Verantwortungspathologie, wenn ich das mal so ausdrücken darf, die die SPD hat.
00:13:06.47
Stefan Sasse
Das haben die ja schon seit den Kriegskrediten 1914.
00:13:10.63
Stefan Sasse
Wenn das Vaterland ruft, sozusagen, also wenn man ganz tapfer Opfer in Kauf nehmen muss und bisherige Überzeugungen ignorieren und über Bord werfen für das große Ganze, dann ist die SPD immer bereit.
00:13:23.100
Stefan Sasse
Da sind die da.
00:13:25.100
Stefan Sasse
Und
00:13:27.24
Stefan Sasse
Genau das sehen wir jetzt auch.
00:13:28.92
Stefan Sasse
Und deswegen komme ich zu der Überschrift für diese Episode, die dümmste Partei Deutschlands.
00:13:34.20
Stefan Sasse
Wie zur Hölle kannst du auf die Idee kommen, dass es für dich ein gutes politisches Konzept ist, rauszugehen und zu sagen, wir machen jetzt Steuererhöhungen, Leistungssenkungen und so weiter und so fort.
00:13:50.77
Stefan Sasse
Es wird richtig hart schmerzhaft werden, Leute.
00:13:53.37
Stefan Sasse
Alles wird scheiße, wählt uns.
00:13:57.14
Stefan Sasse
mir ist völlig unklar, was zur Hölle ist hier die Message und Schröder hat das schon mal gemacht, im Endeffekt.
00:14:05.18
Stefan Sasse
Und Schröder hatte wenigstens noch den Sinn und Verstand dazu zu sagen, dass wir dann wenigstens irgendwie wieder Wirtschaftswachstum und keine Ahnung was kriegen.
00:14:13.85
Stefan Sasse
Aber das ist ja in der aktuellen Message nicht mal mehr drin.
00:14:16.99
Stefan Sasse
Die SPD sagt ja gerade einfach nur noch, wir müssen total hart den Gürtel enger schneiden.
00:14:22.86
Stefan Sasse
Und die machen das auf eine Art und Weise, dass die Opposition dagegen die CDU und CSU sind.
00:14:29.22
Stefan Sasse
Also die schaffen es, die unpopulärsten Maßnahmen vorzuschlagen, die man sich vorstellen kann, das Ehegattensplitting abzuschaffen.
00:14:36.14
Stefan Sasse
Leute, das ist der Vorschlag, den die fucking SPD bringt, völlig ohne Not.
00:14:42.01
Stefan Sasse
Und dann sagt der Markus Hüther, das können wir auf gar keinen Fall machen.
00:14:44.73
Stefan Sasse
Da werden ja hier die Leute total krass belastet und das gibt es mit uns hier nicht.
00:14:48.71
Stefan Sasse
Und ich denke mir so, seid ihr dumm?
00:14:51.17
Stefan Sasse
Also wer zur Hölle sagt denn, ich wähle die SPD, damit sie das Ehegattensplitting abschafft?
00:14:56.99
Stefan Sasse
Ersatzlos, letzten Endes.
00:14:59.67
Stefan Sasse
Also das ist eine Kommunikation, die ist derart hirnverbrannt.
00:15:05.96
Stefan Sasse
Die Zustimmungswerte zu dieser Regierung sind absolut unterirdisch, also sowohl zu CDU als auch zu SPD.
00:15:12.38
Stefan Sasse
Die sind katastrophal.
00:15:13.96
Stefan Sasse
Und die Lösung ist zu sagen, jetzt tun wir euch richtig weh und machen, was ihr hasst.
00:15:21.01
Stefan Sasse
Und ich möchte hier an der Stelle überhaupt nicht darauf eingehen, auf die Fragestellung, ob das nötig ist gerade oder nicht.
00:15:26.13
Stefan Sasse
Das mag durchaus sein, das soll hier gar nicht das Thema sein.
00:15:29.87
Stefan Sasse
Mein Ding ist mehr so, warum genau glaubt ihr, dass es eure Aufgabe ist, das rauszubringen, unilateral in diese Koalition?
00:15:38.19
Stefan Sasse
Weil von der CDU höre ich das nicht.
00:15:40.77
Stefan Sasse
Die können sich hinstellen, was die CDU vorschlägt, by the way, nur um das mal kurz zu kontrastieren.
00:15:45.21
Stefan Sasse
Wir schaffen auf der einen Seite das Ehegattensplitting ab,
00:15:48.36
Stefan Sasse
Und diese Krankenkassenleistungen und den ganzen Kram, das sind also diese Hauptdebatten, in die das gerade geht und erhöhen die Mehrwertsteuer.
00:15:57.76
Stefan Sasse
Während die CDU sagt, wir entlasten euch steuerlich.
00:16:03.23
Stefan Sasse
Leute.
00:16:03.55
Ariane
Also ich muss auch sagen, du hast diesen historischen Rahmen schon gut gemacht.
00:16:08.32
Ariane
Die SPD ist einfach eine suizidale Partei.
00:16:12.02
Ariane
Das ist tatsächlich scheint in ihrer DNA angelegt zu sein.
00:16:18.22
Ariane
Ich hatte auch schon gesagt, das ist ein klassischer SPD-Move und es ist auch, das wird auch gar nicht mehr hinterfragt.
00:16:25.37
Ariane
Wie gesagt, die Hauptstadtpresse fragt das Einzige, was die SPD retten kann.
00:16:29.19
Ariane
Also diese Reformen sind ja sowieso immer schmerzhaft.
00:16:31.97
Ariane
Die Arbeit in der Mitte ist immer hart arbeiten und Reformen immer schmerzhaft.
00:16:35.95
Ariane
Das ist das Einzige, was die SPD retten kann, was ich schon vollkommen absurd finde.
00:16:39.51
Ariane
Warum?
00:16:40.11
Ariane
Wer sagt das?
00:16:42.10
Ariane
Macht keinen Sinn, aber die SPD rennt los und erzählt das auch.
00:16:45.33
Ariane
Ich finde das total irre.
00:16:46.72
Ariane
Und was du auch gesagt hast, das Problem ist ja, finde ich auch immer gut, die Leute sind zu Opfern bereit.
00:16:53.05
Ariane
Ach so, weiß ich nicht von, aber okay, irgendwer erzählt das.
00:16:57.47
Ariane
Was ja vielleicht sogar so wäre, wenn es um einen höheren Zweck ging.
00:17:02.95
Ariane
Aber da kommt ja gar nichts mehr.
00:17:04.59
Ariane
Das hat nur noch einen Selbstzweck, dass es schmerzhaft ist.
00:17:08.34
Ariane
als wenn wir alle in den nächsten BDSM-Club eingetreten sind oder so.
00:17:12.52
Ariane
Das ist total irre.
00:17:14.68
Ariane
Weil, wird unser Gesundheitssystem besser?
00:17:17.73
Ariane
Nee.
00:17:18.64
Ariane
Werden unsere Städte lebenswerter, Stadtbild und so?
00:17:21.29
Ariane
Macht das schon mal wieder auf?
00:17:22.51
Ariane
Wird die Bibliothek verschönert?
00:17:24.03
Ariane
Nee, auch nicht.
00:17:26.10
Ariane
Gibt es mehr Kinderbetreuung, weil anscheinend jetzt alle Mütter Lifestyle Teilzeit machen?
00:17:31.91
Ariane
Auch nicht.
00:17:32.59
Ariane
Also das hat ja keinen Zweck mehr, außer es könnte sonst noch beschissener werden.
00:17:38.33
Ariane
was fragwürdig ist, ein bisschen.
00:17:42.41
Ariane
Aber das ist, wie gesagt, das finde ich vollkommen suizidal.
00:17:45.55
Ariane
Ich finde es auch merkwürdig, dass grundsätzlich gar nicht mehr in Frage gestellt wird, sondern alle rennen einfach los und wundern sich, dass die Leute das gar nicht so geil finden.
00:17:56.87
Ariane
Und ich möchte, das ist, ich glaube, es ist gar nicht von der SPD direkt, weil das Ehegattensplitting ist ja eine Sache,
00:18:04.22
Ariane
Das Wegfallen der Familienversicherung ist die nächste Sache.
00:18:05.62
Stefan Sasse
Vielen Dank.
00:18:09.27
Ariane
Und das sind, und anscheinend, dafür muss man eine ganze Artikel lesen, das sind für die, die das heute betrifft, 225 Euro im Monat.
00:18:19.75
Ariane
Das ist scheiß wie Geld.
00:18:21.49
Ariane
Müssen, vielleicht nicht für einen Friedrich Merz, aber das ist scheiß wie Geld.
00:18:26.44
Ariane
Für etwas, was komplett unverzichtbar ist.
00:18:29.64
Ariane
Erzapp, da fände ich es besser, die Zahnarztleistungen rauszunehmen.
00:18:32.74
Ariane
Da kannst du dich noch zwei Wochen mit Schmerzen in den nächsten Monat retten.
00:18:37.11
Ariane
Ich weiß auch nicht, ob es eine Lösung gibt für Leute, die das einfach nicht haben.
00:18:40.75
Ariane
Hat die Frau dann keine Versicherung mehr?
00:18:43.59
Ariane
Muss sie das selber zahlen, werden wir wie in den USA?
00:18:48.58
Ariane
Weiß keiner.
00:18:49.42
Ariane
Interessiert auch überhaupt nicht.
00:18:51.18
Ariane
Wie gesagt, dass das wie mit dem Ehegattensplitting ist, wird einfach ersatzlos gestrichen.
00:18:56.84
Ariane
Und ja, wie du auch sagst, das ist strategisch.
00:19:00.68
Ariane
Ich habe auch gesagt, wieso lasst ihr das nicht die CDU machen?
00:19:03.50
Ariane
Die erzählt doch immer Herbst der Reform.
00:19:05.24
Ariane
Ja, dann sollen die sich doch mal hinstellen.
00:19:06.96
Ariane
Und die SPD kann sagen, ne, er findet mir scheiße.
00:19:10.76
Ariane
Und sie haben aber andere Ideen für die arbeitende Mitte, die sie auch nicht so großartig haben.
00:19:16.22
Ariane
Also das ist, ja, wie gesagt, da muss man schon sagen, das ist zwar auch so eine Phrase,
00:19:25.14
Ariane
Sie hat das Ohr nicht mehr bei den Leuten.
00:19:27.74
Ariane
Weil ich kenne jetzt wenig Leute, die nicht in den Schlaf finden, weil sie sich so dringend schmerzhaftere Formen wünschen.
00:19:36.01
Ariane
Wie gesagt, das ist vollkommen absurd.
00:19:37.75
Ariane
Alle hoffen höchstens, es trifft nicht sie.
00:19:41.67
Stefan Sasse
Ja, die schmerzhaften Reformen, die hätte man immer gern bei anderen.
00:19:44.61
Stefan Sasse
Das hört man da auch immer raus.
00:19:45.95
Stefan Sasse
Das sind andere Leute, die das haben.
00:19:49.97
Stefan Sasse
Diese Schmerzen, die hat man nie selbst.
00:19:53.51
Stefan Sasse
Das ist so eine…
00:19:53.72
Ariane
Nur die SPD kann das natürlich auch nicht.
00:19:58.10
Stefan Sasse
diese, ich finde es zum Beispiel unglaublich bezeichnend, wir haben, anders angefangen, sorry, wir haben definitiv eine Situation, in der das Land und nicht diese Partei spezifisch in der Krise ist.
00:20:14.41
Stefan Sasse
Wir haben den Krieg in der Ukraine, wir haben jetzt diesen Krieg im Iran, nochmal vielen Dank dafür, Donald Trump, also das ist wirklich
00:20:22.85
Stefan Sasse
Oh, unglaublich.
00:20:25.59
Stefan Sasse
Und das sollte man, by the way, auch Jens Spahn damit permanent belästigen.
00:20:31.25
Stefan Sasse
Das wäre auch nochmal was.
00:20:32.89
Stefan Sasse
Also bist du jetzt glücklich, Jens?
00:20:36.31
Stefan Sasse
Ist das das, was du erreichen wolltest, da mit deinem Mager-Kuschelkurs?
00:20:40.61
Stefan Sasse
Also das könnte man dem gerne auch mal als Mühlstein um den Hals hängen, diesen ganzen Idioten.
00:20:44.53
Stefan Sasse
Aber anyways,
00:20:47.17
Stefan Sasse
Der Punkt ist, wir haben offensichtlich eine Lage, die ist desaströs mit wenig Aussicht auf Besserung aktuell.
00:20:54.64
Stefan Sasse
Von daher, ja, da wird zwangsläufig irgendwas passieren müssen.
00:20:57.82
Stefan Sasse
Das ist gar nicht die Frage.
00:20:59.84
Stefan Sasse
Worum es uns heute geht, ist die Politik dieser Umsetzung.
00:21:03.58
Ariane
Ja.
00:21:04.10
Stefan Sasse
Es spricht die Frage, wie zur Hölle gehst du damit um?
00:21:08.53
Stefan Sasse
Wie kommst du da hin, an diesen Punkt?
00:21:11.99
Stefan Sasse
Und ja, diese Reformen, die man da machen müsste, die werden zwangsläufig schmerzhaft.
00:21:17.39
Stefan Sasse
Alles ist immer schmerzhaft.
00:21:18.59
Stefan Sasse
Also wenn der Benzinpreis um 5 Cent steigt, das ist schmerzhaft.
00:21:22.96
Stefan Sasse
Also von daher…
00:21:24.46
Stefan Sasse
Das ist erstmal eine Nullaussage.
00:21:26.48
Stefan Sasse
Das sind die Dinger immer.
00:21:27.76
Stefan Sasse
Was ich nicht verstehe, ist quasi, wenn du hinstehst als die sozialdemokratische Partei Deutschlands, wie kannst du deine eigene Klientel in die Kniekehle treten?
00:21:40.43
Stefan Sasse
Also die Geringverdienenden, für die du angeblich Politik machen möchtest, für die auch unser Herr Klingbeil angeblich Politik machen möchte.
00:21:49.85
Stefan Sasse
Ich kann auch den an der Stelle nochmal zitieren, der sagt, manchmal führt schon allein, dass eine Waschmaschine kaputt geht, dazu, dass viele in Existenznöte kommen.
00:21:58.75
Stefan Sasse
Wir wollen dafür sorgen, dass Menschen, die jeden Tag schuften, mehr Geld in der Tasche haben und dafür werden wir jetzt kämpfen.
00:22:06.08
Stefan Sasse
Und gleichzeitig machen sie genau das, was du gerade sagst.
00:22:08.32
Stefan Sasse
Da einfach mal so, 250 Euro im Monat.
00:22:11.74
Stefan Sasse
Das sind übrigens die Reparaturkosten für die Waschmaschine, Lars.
00:22:17.20
Stefan Sasse
Also die treten den Leuten wirklich hart in die Kniekehle und sagen so, hier, habt Schmerzen.
00:22:25.18
Stefan Sasse
Wir machen das für euch.
00:22:26.64
Stefan Sasse
Und dann machen sie diesen…
00:22:28.83
Stefan Sasse
Die aktuelle Debatte, wir senken die Einkommenssteuer und erhöhen die Mehrwertsteuer.
00:22:33.95
Stefan Sasse
Wie viel regressiver soll es denn noch werden?
00:22:36.99
Stefan Sasse
Wir kommen nochmal auf die Mehrwertsteuer, weil das ist wirklich noch bekloppter als alles andere.
00:22:41.87
Stefan Sasse
Aber allein diese Kombo,
00:22:44.21
Stefan Sasse
Die Leute, von denen die SPD hier spricht, unsere schuftenden Leute, die sich keine Waschmaschine leisten können, die zahlen eh fast keine Einkommenssteuer.
00:22:53.90
Stefan Sasse
Die zahlen Mehrwertsteuer mit jedem fucking Einkauf.
00:22:57.40
Stefan Sasse
Also von daher, ihr tretet denen hart in die Kniekehle.
00:23:01.92
Stefan Sasse
Und was ich überhaupt nicht höre von der SPD, wären schmerzhafte Reformen für Leute, die sechsstellige Jahresgehälter verdienen.
00:23:10.96
Stefan Sasse
Für Leute, die ausschließlich von Vermögenseinkünften leben.
00:23:15.24
Stefan Sasse
Für Leute, dass man die Kapitalertragssteuer deutlich hochsetzt beispielsweise.
00:23:21.66
Stefan Sasse
Da kann man sagen, hier, wir machen jetzt eine schmerzhafte Reform, Kapitalertragssteuer ist künftig 50%.
00:23:26.60
Stefan Sasse
Das wäre eine schmerzhafte Reform, das könnte die SPD vorschlagen.
00:23:28.10
Ariane
Ja.
00:23:29.15
Stefan Sasse
Warum machen die das?
00:23:30.93
Stefan Sasse
Ich will auch gar nicht sagen, dass das sinnvoll wäre, also sachlich sinnvoll.
00:23:35.29
Stefan Sasse
Mir geht es hier mehr um die grundsätzliche Message.
00:23:37.67
Stefan Sasse
Warum muss ich als jemand, der für, was weiß ich, 2.500 brutto im Monat an der Nettokasse sitzt, warum muss ich schmerzhafte Reformen erleiden, während nach den aktuellen Plänen die obersten 1% 14.000 Euro im Jahr Steuern geschenkt kriegen?
00:23:56.67
Stefan Sasse
Das ist doch behämmert und ich kann ja gerne diese Argumentation bringen als CDU oder als FDP, dass diese Steuerreformen dann das Wirtschaftswachstum in Fesseln und hast du nicht gesehen, das ist ja völlig fair, das machen die immer, aber ich kann das so nicht als SPD tun, wie dumm kannst du sein quasi,
00:24:17.40
Stefan Sasse
die Schmerzen für die eigene Klientel unilateral rauszuhauen, ohne dass es quasi ein Verhandlungskompromiss oder sonst irgendwas ist und nicht mal was als Gegenleistung verlangen, eine Vermögensabgabe.
00:24:34.07
Stefan Sasse
oder sonst irgendwas.
00:24:35.61
Stefan Sasse
Die CDU sagt einfach, ja nö, mit uns gibt es keine Steigerung des Spitzensteuersatzes und die SPD sagt, ja gut, dann halt nicht.
00:24:40.97
Stefan Sasse
Dann kommt eben nur die Abschaffung des Ehekattensplittings und der beitragsfreien Mitversicherung und so weiter und so fort.
00:24:41.15
Ariane
Ja.
00:24:47.75
Stefan Sasse
Ich könnte an der Stelle ja noch weiter auflisten.
00:24:50.73
Stefan Sasse
Das ist dumm, dumm, dumm auf einer politischen Ebene.
00:24:54.54
Stefan Sasse
Einfach komplett hirnverbrannt.
00:24:58.24
Stefan Sasse
Ihr wollt doch gewählt werden.
00:25:02.56
Stefan Sasse
Eigentlich ging es uns ja darum, dass wir die arbeitende Mitte mehr in den Blick nehmen und quasi dafür sorgen, dass die künftig wieder die SPD wählen.
00:25:11.39
Stefan Sasse
Aber wenn du denen quasi ins Ginnick trittst, ich verstehe es einfach nicht.
00:25:16.77
Stefan Sasse
Es ist mir völlig unbegreiflich, was diese Leute sich denken.
00:25:20.74
Ariane
Also das fände ich auch merkwürdig.
00:25:23.02
Ariane
Ich habe das Gefühl, man hat dieses Tabu, das die CDU vorgegeben hat, einfach übernommen.
00:25:29.28
Ariane
Was ich nicht verstehe, weil wie gesagt, man kann es ja scheiße finden, aber es taucht bei der SPD nicht mehr auf.
00:25:37.73
Ariane
Einfach diese Idee, also die FDP war ja früher auch so, einfach dieses, es gibt keine Steuererhöhung.
00:25:43.17
Ariane
Punkt.
00:25:43.51
Ariane
Für Rauchtef schon gar nicht oder für Vermögen oder für Erbschaftsteuer, bla bla bla.
00:25:48.67
Ariane
Und die SPD hat das einfach übernommen.
00:25:50.99
Ariane
Die ist nicht mehr in der Lage, grundsätzlich anzuzweifeln, ob das eine Idee ist.
00:25:58.57
Ariane
Sie kann ja dann sagen, wir haben uns das mal angeguckt.
00:26:00.82
Ariane
Nee, ist keine Idee oder so.
00:26:02.04
Ariane
Aber ich habe das Gefühl, man hat dieses Tabu komplett übernommen.
00:26:05.92
Ariane
Das ist was überhaupt nicht man will.
00:26:10.29
Ariane
Die hart arbeitende Mitte, hö, hö, hö.
00:26:11.83
Ariane
Also jedenfalls mit der Familienversicherung.
00:26:13.75
Ariane
Es ist überhaupt kein Problem, hey, die zahlen ja 250 Euro monatlich.
00:26:17.66
Ariane
Aber es wird nicht einmal darüber diskutiert, über die Beitragsbemessungsgrenze.
00:26:21.88
Ariane
Wer richtig viel verdient, hat da einen Bonus.
00:26:24.44
Ariane
Das mag ja Gründe geben, wenige.
00:26:26.83
Ariane
Aber das ist zum Beispiel was, wo man an der anderen Seite ansetzen könnte.
00:26:32.41
Ariane
Und das taucht nicht mal auf.
00:26:34.15
Ariane
Und wie du auch sagst, es taucht nicht mal, das ist ja das, wo ich gesagt habe, okay, das kriegt die SPD oft noch gut hin, was zu verhandeln.
00:26:42.56
Ariane
Aber es taucht als Verhandlungsmasse nicht mehr auf.
00:26:44.98
Ariane
Man hat nichts.
00:26:46.78
Ariane
Man könnte ja losgehen zur CDU und sagen, Mensch, hier…
00:26:50.48
Ariane
Wenn wir, keine Ahnung, ganz ehrlich, ich habe deutlich gelesen, die wollen den 8-Stunden-Tag.
00:26:56.16
Ariane
Das haben sie auch aufgegeben, diese 8-Stunden-Tags-Regel, einfach so, ohne dass sie was dafür haben.
00:27:03.12
Ariane
Also du musst halt deine Sachen dann gegen andere Dinge eintauschen können.
00:27:07.62
Ariane
Die SPD hat ein Konzept vorgelegt über die Reform der Errschaftssteuer.
00:27:13.43
Ariane
Und hat es in die Schublade gelegt und wieder vergessen.
00:27:16.45
Ariane
Dann lauf doch damit los und sag hier, dann wollen wir das haben.
00:27:20.50
Ariane
Das tut sie nicht.
00:27:20.84
Stefan Sasse
Und erneut, wir reden ja hier nicht über Eintauschen gegen irgendwelchen random Scheiß, sondern Eintauschen gegen Dinge, die in der aktuellen Krise auch helfen würden.
00:27:21.26
Ariane
Sie läuft überhaupt nicht los.
00:27:22.64
Ariane
Es gab zwei Artikel, da hat man sich das mal angeguckt und danach hat man nie wieder drüber geredet.
00:27:26.74
Ariane
Das ist total witzlos.
00:27:38.41
Stefan Sasse
Also das ist der Teil, den ich nicht verstehe, weil ich kann ja problemlos, genauso wie es die CDU schafft, ihren eigenen Dauerbrenner Steuern senken.
00:27:46.18
Stefan Sasse
Ach,
00:27:46.58
Stefan Sasse
Was?
00:27:47.12
Stefan Sasse
Die SPD möchte die Steuern, die CDU möchte die Steuern senken.
00:27:50.22
Stefan Sasse
Das ist ja der Wahnsinn.
00:27:51.38
Stefan Sasse
Das habe ich ja noch nie gehört von denen.
00:27:53.22
Stefan Sasse
Also das ist ja das Rezept, das sie immer machen.
00:27:55.64
Stefan Sasse
Warum zur Hölle kann die SPD das nicht auch tun?
00:27:58.48
Stefan Sasse
Also warum können die nicht sagen, hier Erbschaftssteuer, Vermögensabgabe etc.
00:28:03.18
Stefan Sasse
Und das ist Punkt eins, der mir völlig unklar ist an der Stelle.
00:28:06.62
Stefan Sasse
Warum wird da nicht eingetauscht?
00:28:08.46
Stefan Sasse
Und Punkt zwei ist, warum gibt es keine kommunikative Arbeitsteilung in dieser Koalition?
00:28:14.48
Stefan Sasse
Weil es ist ja grundsätzlich schon sinnvoll, dass quasi diese Only Nixon can go to China-Ding, dass nicht die CDU die harten Sozialkürzungen vorgibt, sondern die SPD.
00:28:26.60
Stefan Sasse
Und wo ist die Gegenleistung der CDU?
00:28:29.28
Stefan Sasse
Wo stehen die hin und tun ihre Klientel weh?
00:28:32.62
Stefan Sasse
Also wie kannst du das nicht koordiniert machen, dass der Lars Klingbeil und der Friedrich Merz beide hinstehen und sagen, so Leute, hier, wir sind die große Koalition, die ihr alle haben wolltet.
00:28:43.60
Stefan Sasse
Nein, die schwarz-rote Koalition, die ihr alle haben wolltet.
00:28:46.73
Stefan Sasse
Und das ist die Lage.
00:28:48.13
Stefan Sasse
Und wir müssen jetzt leider Gottes wegen der Arschlöcher in Iran, in Washington, in Moskau,
00:28:55.35
Stefan Sasse
Und vielleicht werden wir Glück haben, auch noch bald in Beijing, müssen wir jetzt zwangsläufig krasse Maßnahmen ergreifen.
00:29:01.84
Stefan Sasse
Und die werden uns allen wehtun und hier haben wir wirklich ein Paket des allen, für alle Scheiße.
00:29:06.38
Stefan Sasse
Das hier ist der große Scheiße-Sandwich für alle.
00:29:09.04
Stefan Sasse
Die könnten, wenn sie wollten, sogar noch die Grünen mit ins Boot nehmen.
00:29:11.14
Stefan Sasse
Die sind ja genauso blöd.
00:29:12.18
Stefan Sasse
Die würden ja auch mitmachen, wenn sie da Bock drauf hätten.
00:29:16.26
Stefan Sasse
Ist nicht nötig, aber wäre machbar.
00:29:19.46
Stefan Sasse
Ich meine, das wird ein ganz eigenes Thema, das ist nur am Rande, was sind denn die großen Vorschläge der Grünen in der aktuellen Krise?
00:29:25.17
Stefan Sasse
Ein zeitlich befristetes Tempolimit.
00:29:28.80
Stefan Sasse
What?
00:29:29.24
Ariane
Vielen Dank.
00:29:29.84
Stefan Sasse
Okay, also von daher, das ist vielleicht auch mal wieder eine eigene Folge wert.
00:29:38.16
Stefan Sasse
Aber von daher auch hier, I don’t get it.
00:29:43.91
Stefan Sasse
Und das sind eben diese ganzen Geschichten.
00:29:48.41
Stefan Sasse
Und ich finde es wirklich, um wieder darauf zurückzukommen, Ehegattensplitting, Leute, das ist…
00:29:56.99
Stefan Sasse
eine linke Forderung schon sehr, sehr lange.
00:30:01.31
Stefan Sasse
Dass man das umstellt.
00:30:02.85
Stefan Sasse
Von einem Ehegattensplitting auf ein Familiensplitting.
00:30:06.43
Stefan Sasse
Und das hat man effektiv nie als ein großes Wahlkampfthema etabliert.
00:30:09.93
Stefan Sasse
A, weil es keine Mehrheiten dafür gibt und B, weil es super, super unbeliebt ist.
00:30:14.54
Stefan Sasse
Und jetzt schaffen die das, die eine Hälfte davon, den wirklich unbeliebten Part, nämlich die Abschaffung des Ehegattensplittings, die vorzubringen,
00:30:23.64
Stefan Sasse
den anderen Teil, nämlich die Einführung eines Familiensplittings wegzulassen und das quasi unilateral vorzubringen.
00:30:29.70
Stefan Sasse
Und ich denke, why?
00:30:32.32
Stefan Sasse
Wer zur Hölle kommt auf diese Ideen?
00:30:35.31
Stefan Sasse
Die wollen einfach nicht gewählt werden, oder?
00:30:38.61
Stefan Sasse
Also das ist einfach so bekloppt.
00:30:43.22
Stefan Sasse
Und wir haben beide eine Theorie, was die antreibt.
00:30:48.24
Stefan Sasse
Wir haben jetzt hier schon ein paar Mal gesagt, wir verstehen das nicht, was die tun, aber wir haben eine Idee, was es sein könnte, was der motivierende Faktor für diese Leute innerhalb der SPD ist.
00:31:01.27
Stefan Sasse
Ariane, magst du das mal vorstellen?
00:31:02.90
Ariane
Genau, unsere Theorie ist, dass sie tatsächlich zu viel, wir haben das Hauptstadtpresse genannt, zu viel Hauptstadtpresse lesen, die diese Narrative, die wir jetzt erwähnt haben, quasi so ein bisschen erfunden haben.
00:31:16.66
Ariane
Dieses, das Einzige, was hilft für die SPD, sind, dass sie große Reformen ankündigt und so.
00:31:22.33
Ariane
Und die muss man ja auch sagen,
00:31:27.18
Ariane
Ebenfalls in dieser Hauptstadtpolitik Presseblase leben.
00:31:31.08
Ariane
Ich liebe das auch, wenn die Hauptstadtpresse dann immer ankommt und sagt, die SPD hat den Kontakt zu den Arbeitern verloren und dann einen sozial romantisch verklärten Kitschartikel schreibt über die Arbeiter.
00:31:46.28
Ariane
Angsthaft, ich sehe vor meinem Auge jedes Mal die Zeche aus der Kohle, die Köln.
00:31:52.81
Ariane
Wie heißen die Kohlekompel?
00:31:53.91
Ariane
Ich kenne die gar nicht mehr.
00:31:55.11
Ariane
Aber die gibt es heute einfach nicht mehr.
00:31:57.47
Ariane
Die sind weg, die sind in einem Dienstleistungsprekariat verschwunden.
00:32:01.85
Ariane
Die Hauptstadtpresseleute kennen die vielleicht noch als ihre polnische Putzfrau.
00:32:09.53
Ariane
Oder keine Ahnung, da wo sie ihren Kaffee kaufen vielleicht.
00:32:11.99
Ariane
Aber das ist so.
00:32:12.71
Ariane
Ich meine, ich höre auch in einer Gegend, die früher mal allein Zentrum der Arbeiterschaft war.
00:32:18.72
Ariane
die gibt es nicht mehr.
00:32:19.58
Ariane
Das waren Werften und das ganze Kling-Bim und keine Ahnung, Stahlwerke hatten wir ja auch, weil man das wie mit Schiffen rumtransportiert hat.
00:32:26.86
Ariane
Das gibt es nicht mehr.
00:32:29.24
Ariane
Und das ist, glaube ich, und ich habe das Gefühl, die verstärken sich diese Narrative immer so ein bisschen gegenseitig.
00:32:34.84
Ariane
Die haben ja auch immer eine große Freude für die arbeitende Mitte und schmerzhaftere Form, bla bla.
00:32:39.76
Ariane
Und das ist, die schreiben, Mensch, das Einzige, was Deutschland jetzt helfen kann, ist die schmerzhaftere Form.
00:32:45.37
Ariane
Lars Klingbeil liest das.
00:32:48.23
Ariane
und rennt los ohne nachzudenken oder mal jemanden zu fragen, der andere Dinge tut und macht das.
00:32:55.10
Ariane
Und der kriegt ja auch Lob.
00:32:56.64
Ariane
Ich fand das Wahnsinn, wie das Presseecho davon war.
00:33:01.06
Ariane
In diesen normalen Spiegelzeit, Weltfahrt, die fanden das geil.
00:33:10.36
Ariane
Aber, ja, ich glaube, das sind die einzigen.
00:33:15.06
Stefan Sasse
Ja.
00:33:15.90
Ariane
Und es ärgert mich, weil die CDU, die hat ja so ein bisschen eigentlich denselben Druck, die sind aber noch klug genug und machen einfach gar nichts.
00:33:24.42
Ariane
Warten, bis die SPD losrennt und sagen, nee, finden wir scheiße, wir wollen gerne Steuersenkung.
00:33:30.99
Stefan Sasse
Ich sage ja, das ist das, was ich überhaupt nicht verstehe, dass man das dann nicht wenigstens koordiniert innerhalb dieser Koalition und der Arbeitsteilung macht, dass man diesen Schmerz teilt, also diesen politischen Schmerz, den man da auf sich auflädt.
00:33:44.96
Stefan Sasse
Das kann man ja der SPD wahrlich nicht vorwerfen.
00:33:46.73
Stefan Sasse
Also was Sie hier sagen im Endeffekt zur Bevölkerung, das laden Sie sich selbst auch auf, schmerzhafte Reformen.
00:33:53.19
Stefan Sasse
Die sind für die SPD schmerzhaft.
00:33:55.51
Stefan Sasse
Die sind existenzbedrohend für diesen Laden und sie machen es trotzdem.
00:33:59.57
Stefan Sasse
Und rein theoretisch gesehen würde ich an der Stelle sowas wie Bewunderung fühlen wollen.
00:34:05.74
Stefan Sasse
Aber ich finde es nur noch suizidal, wie du vorher auch gesagt hast.
00:34:08.18
Stefan Sasse
Das ist einfach dumm.
00:34:09.80
Stefan Sasse
Es ist wirklich dumm, weil nichts dem Ganzen entgegensteht.
00:34:14.72
Stefan Sasse
Und wir haben nichts davon, wenn die sich killen.
00:34:17.72
Stefan Sasse
Wenn die CDU und die SPD eine unglaublich unpopuläre Politik machen,
00:34:21.88
Stefan Sasse
Und die SPD verliert nochmal 5-6% Stimmen, die CDU 2-3-4, wo gehen die denn hin?
00:34:28.30
Stefan Sasse
Die wählen ja nicht FDP oder Grüne.
00:34:31.03
Stefan Sasse
Verstehst du, was ich meine?
00:34:32.39
Stefan Sasse
Das ist, das hilft uns nicht mehr, also uns als Demokratie.
00:34:37.37
Stefan Sasse
Das ist einfach nur blöd.
00:34:40.17
Stefan Sasse
Und das ist das, was ich einfach nicht verstehen kann.
00:34:44.10
Stefan Sasse
Das ist so unglaublich kurzfristig.
00:34:45.72
Stefan Sasse
Und
00:34:46.68
Stefan Sasse
Du hast ja schon darauf hingewiesen mit dieser Hauptstadtpresse und das Faszinierende finde ich, in der Hauptstadtpresse finden wir einen Beitrag nach dem anderen, dass diese Leute ja quasi in einer Blase leben und dass sie den Kontakt zu den Menschen verloren haben und hast du nicht gesehen.
00:35:05.17
Stefan Sasse
Und das wird dann aber immer auf diese Gender und Vogue-Thematik geschoben.
00:35:08.97
Stefan Sasse
Aber
00:35:10.07
Stefan Sasse
Diese Leute haben auch keinerlei Kontakt zur Realität.
00:35:14.83
Stefan Sasse
Es gibt keine große Gruppe in Deutschland, die schmerzhafte Reformen haben möchte.
00:35:20.20
Stefan Sasse
Dafür gibt es keinerlei Constituency.
00:35:23.60
Ariane
Ja.
00:35:25.40
Stefan Sasse
Ja, davor haben die Leute Schiss, das wollen die nicht.
00:35:28.36
Stefan Sasse
Und die werden diejenigen mit Sicherheit nicht mit Wahlstimmen belohnen, die ihnen wehtun.
00:35:36.72
Stefan Sasse
Die werden sich rächen.
00:35:38.26
Stefan Sasse
Und es gibt mindestens zwei Parteien im aktuellen Bundestag, es gibt genau zwei Parteien im aktuellen Bundestag, die sofort sagen werden, wählt uns und dann passiert das nicht.
00:35:46.83
Stefan Sasse
Und das sind die Linki und die AfD.
00:35:49.07
Stefan Sasse
Und die eine von den beiden lügt.
00:35:53.10
Stefan Sasse
Ja, weil die AfD würde noch viel krasseren Scheiß machen.
00:35:57.08
Stefan Sasse
Und die andere Partei ist, ja, ist halt die Linke.
00:36:02.02
Stefan Sasse
Mit allem, was da dran hängt.
00:36:03.79
Stefan Sasse
Das wäre wahrscheinlich auch ein eigener Podcast, das will ich an der Stelle gar nicht erst so geben.
00:36:06.34
Ariane
Ja, aber ich möchte Sie einmal kurz loben, weil es mir neulich wieder aufgefallen ist.
00:36:07.21
Stefan Sasse
Ja.
00:36:10.42
Ariane
Und das ist etwas, da hat die SPD das Feld der Linken total überlassen.
00:36:14.69
Ariane
Und das ist boot on the ground.
00:36:16.99
Ariane
Also jedes Mal, wenn ich Reportagen lese, ich hatte neulich einen Clip, irgendein Schrottemobil in Bremen, habe ich angeguckt, ob wir da auch mit rumwuseln, aber die war so schrottig, die rufen uns gar nicht mehr an.
00:36:28.87
Ariane
Und wer läuft da mit rum?
00:36:30.39
Ariane
Eine Politikerin von der Linken, die die Leute da berät.
00:36:33.82
Ariane
Neulich lese ich was, da ging es um Feldarbeiter.
00:36:38.32
Ariane
Da ist irgendeine Gewerkschaft unterwegs und jemand von den Linken, der die Leute berät.
00:36:43.32
Ariane
Und das hat die Linke tatsächlich besser, dass sie diese Boots on the ground macht.
00:36:48.20
Ariane
Vollkommen, hilft ihnen ja nicht, weil sie leider dann wieder, es fehlt ihnen.
00:36:53.71
Ariane
Eigentlich, das ist was, wo ich denke, das könnte die SPD, glaube ich, besser.
00:36:57.69
Ariane
Weil die Linke hat nicht das Standing, das in eine allgemeine Politik zu überführen.
00:37:03.56
Ariane
Es versandet dann, lass mal irgendwen enteignen und entwärt das schon.
00:37:07.68
Ariane
Und Juden sind doof vielleicht noch.
00:37:09.90
Ariane
Und das ist aber, dieses Boot on the Ground können die besser.
00:37:15.32
Ariane
Und das ist was, glaube ich, was ein bisschen fehlt.
00:37:17.88
Ariane
Dieses Funktionierige der SPD ist ein Problem.
00:37:22.06
Ariane
Ja, ich habe dich unterbrochen, du darfst jetzt weiter.
00:37:23.65
Stefan Sasse
Nee, also ich bin da völlig bei dir.
00:37:25.29
Stefan Sasse
Es wäre für die Demokratie tatsächlich, glaube ich, nicht besonders gut, wenn dieses Potenzial der SPD wegfallen würde.
00:37:31.12
Stefan Sasse
Nur dieses Potenzial wird aktuell eben überhaupt nicht genutzt, wie du es sagst.
00:37:35.96
Stefan Sasse
Also das ist ein rein theoretisch vorhandenes Potenzial.
00:37:38.36
Stefan Sasse
Das ist wie, klar bräuchten wir eine liberale Partei in Deutschland, aber die FDP ist es halt nicht.
00:37:42.70
Ariane
Ja.
00:37:42.85
Stefan Sasse
Und genauso, es wäre echt schön, wenn wir eine sozialdemokratische Partei hätten, aber wir haben keine.
00:37:47.69
Stefan Sasse
Was wir haben, ist die SPD.
00:37:48.95
Stefan Sasse
Und auch hier ist es natürlich ein Klischee, dass ich das sage, aber es stimmt halt auch einfach irgendwo.
00:37:56.96
Stefan Sasse
Das ist ein echtes Problem an der Stelle.
00:37:59.54
Stefan Sasse
Und nochmal zurück zu der Hauptstadtpresse und diesem Verlust sozusagen von diesen Vorstellungen.
00:38:06.02
Stefan Sasse
Da werden unglaublich unreflektiert immer irgendwelche Klischees wiedergekäupt.
00:38:11.89
Stefan Sasse
Und ich meine, ja, der ganze Woke-Kram ist nicht populär milde ausgedrückt.
00:38:19.17
Stefan Sasse
Der Weglasch dagegen und natürlich auch die organisierte Kampagnenarbeit mehrerer Akteure an der Stelle hat da je Übriges dazu geleistet und die Tatsache, dass die eigentlichen Vertreter diese Richtung sie komplett aufgegeben haben, hat natürlich auch nicht geholfen.
00:38:33.06
Stefan Sasse
Das wäre dann mal wieder was für die Folge mit den Grünen im Endeffekt.
00:38:36.88
Stefan Sasse
Die machen das ja gar nicht mehr und die SPD sowieso nicht.
00:38:40.44
Stefan Sasse
Also wie man das der SPD um den Teil
00:38:40.73
Ariane
Sowieso nicht jedes Mal muss ich lachen, wenn das kommt.
00:38:43.56
Stefan Sasse
Ich verstehe gar nicht, woher das kommt.
00:38:45.74
Stefan Sasse
Und das führt mich dann zu diesen völlig bekloppten Analysen, die
00:38:48.77
Ariane
Und der Witz ist übrigens, muss ich noch mal kurz betonen, es gibt keine Partei in ganz Deutschland, die mehr getan hat für die Gleichstellung der Frau.
00:38:57.88
Ariane
Dieses vocal Thema war mal sehr wichtig in der SPD.
00:39:03.12
Ariane
Also es ist ja nicht so, dass man sagt, das war schon immer scheiße.
00:39:05.78
Ariane
Bitte.
00:39:07.34
Stefan Sasse
Nee, überhaupt nicht.
00:39:07.60
Ariane
Bitte.
00:39:08.82
Stefan Sasse
Und wie gesagt, das führt dann zu solchen Analysen.
00:39:11.46
Stefan Sasse
Ich habe es natürlich gelesen, der Jörg Kukis, also dieser Finanzfachmann, das ganz, ganz große Problem für die SPD, der ist jetzt wieder zu irgendeiner Investmentbanking-Firma gegangen, weil er nicht Finanzminister werden konnte.
00:39:26.64
Stefan Sasse
Was nachvollziehbar ist, selbstverständlich war das die richtige Entscheidung, da Lars Klingbeil hinzusetzen.
00:39:30.91
Stefan Sasse
Also, das ist schon wieder der nächste Punkt.
00:39:32.76
Stefan Sasse
Hauptstadtpresse und ihre Liebe für irgendwelche Fachleute als Minister.
00:39:37.68
Stefan Sasse
I don’t get it.
00:39:39.30
Stefan Sasse
Es ist ein… Es funktioniert nie.
00:39:41.72
Stefan Sasse
Diese Außenseiter mit Fachkenntnissen, vergesst es endlich.
00:39:45.38
Stefan Sasse
Minister ist kein Job, wo wir Fachkenntnisse brauchen.
00:39:48.14
Stefan Sasse
Minister ist ein Job, wo wir Politik-Experten brauchen.
00:39:52.24
Stefan Sasse
Aber anyways…
00:39:53.65
Ariane
Und Klartextredner, der zweite im Bund ist Boris Busterius.
00:39:54.58
Stefan Sasse
Ja, genau.
00:39:57.40
Stefan Sasse
Da wird dann verkündet, dass die SPD gerade in einer schlechten Lage ist, weil Leute wie Jörg Kukis keinen Platz in der Partei haben, als ob das Wahlvolk schreien würde, wir brauchen Investmentbanker, die eine wichtige Rolle in der SPD spielen.
00:40:10.06
Stefan Sasse
Klar wäre das gut, wenn diese Kompetenzen da wären, das stelle ich überhaupt nicht in Frage, aber die Vorstellung, dass das politisch erfolgreich wäre, ist kompletter Humbug.
00:40:20.28
Stefan Sasse
Also ja, du brauchst diese Leute und die SPD hat einen riesen Fehler gemacht, dass sie es nicht geschafft haben, den zu binden.
00:40:24.90
Stefan Sasse
Gar keine Frage.
00:40:27.04
Stefan Sasse
Aber daran steht und fällt sozusagen nicht ihr Wahlerfolg.
00:40:31.72
Stefan Sasse
Und was mich in den letzten Tagen am allermeisten angebläht hat,
00:40:35.61
Stefan Sasse
ist der Giovanni di Lorenzo, also dieses Urgestein von der Zeit.
00:40:40.39
Stefan Sasse
Der hat so einen ganz, ganz tollen Klartextbeitrag gehabt, den liebt die Hauptstadtpresse ja auch.
00:40:47.03
Stefan Sasse
Wenn irgendjemand das sagt, was seit Jahren alle sagen und dann wird so getan, als wäre das irgendwie radikal neu.
00:40:54.28
Stefan Sasse
Und auch da kann ich mal wieder so zitieren, ein Befund von brutaler Einfachheit.
00:40:58.34
Stefan Sasse
Die SPD hat aufgehört, die einfachen Leute zu verstehen und zwar nicht aus Versehen, sondern aus Verachtung.
00:41:02.92
Stefan Sasse
Und jetzt pass auf, die Beispiele.
00:41:05.20
Stefan Sasse
Warum hat die SPD aufgehört, die Leute zu verstehen?
00:41:09.08
Stefan Sasse
Beispiel Nummer eins, Enkelkinder, die dürfen das Wort Indianer nicht mehr sagen.
00:41:15.73
Stefan Sasse
Es gibt keinen einzigen SPD-Politiker, der sich je zu Indianern geäußert hat.
00:41:20.54
Ariane
Doch, sagt man Gabriel hat mal geweint bei Winnetou.
00:41:24.04
Ariane
Er hat sich geäußert.
00:41:24.18
Stefan Sasse
Ja, schon.
00:41:27.48
Stefan Sasse
Und zum anderen hat, das war so ein Thema in so einem Kindergarten, ja, mit, wie heißt’s, mit so Faschingskostümen und so weiter.
00:41:42.01
Stefan Sasse
Und das ist in Berlin passiert, natürlich ist das in Berlin passiert, wo da die entsprechende Kritik kam, in einer fucking Kita und die Giffey,
00:41:52.63
Stefan Sasse
Da gibt es auch quasi ein Statement dazu und die hat gesagt, ja, das findet sie blöd, die Leute sollen sich als Indianer verkleiden dürfen.
00:41:59.24
Stefan Sasse
Also von was redet die Lorenzo hier eigentlich?
00:42:01.58
Stefan Sasse
Dann als nächstes hat die Bundesgartenschau eine Gruppe von Rentnern gebeten, keinen Tanz mit Sombreros aufzuführen, weil das eben so eine Appropriation gegenüber mexikanischer Kultur ist.
00:42:14.65
Stefan Sasse
Ist die Bundesgartenschau neuerdings eine SPD-Organisation?
00:42:18.21
Stefan Sasse
Hat nichts mit der SPD zu tun.
00:42:20.63
Stefan Sasse
Und dann zuletzt das ZDF gendert.
00:42:24.95
Stefan Sasse
Ist das ZDF neuerdings die SPD?
00:42:26.70
Ariane
War das nicht der CDU-Sender?
00:42:28.97
Stefan Sasse
Ja, das kommt noch erschwerend hinzu.
00:42:31.22
Stefan Sasse
Das macht überhaupt so ein dubbes Geschwätz.
00:42:35.64
Stefan Sasse
Und da wird dann quasi gesagt, das zeigt uns die Krise der SPD.
00:42:38.42
Stefan Sasse
Das hat doch überhaupt nichts mit denen zu tun.
00:42:42.60
Stefan Sasse
Innerhalb der SPD
00:42:42.88
Ariane
Das wissen auch nur Leute wie Giovanni Di Lorenzo, die den ganzen Tag auf Twitter rumhängen.
00:42:46.94
Stefan Sasse
Richtig, das ist das Problem.
00:42:48.08
Ariane
Die hart arbeitende Mitte arbeitet ja hart.
00:42:50.12
Ariane
Ich habe keine Ahnung, ob irgendwo in der Kita in Berlin eine Indianer-Debatte losgebrochen ist.
00:42:56.92
Stefan Sasse
Wen zur Hölle interessiert das, wenn das nicht quasi dann in der Bild hochgejazzed wird oder sowas, ja?
00:43:01.86
Stefan Sasse
Also wie gesagt, das sind Medienphänomene grundsätzlich erstmal und erneut, ich möchte hier überhaupt nicht sagen, dass Leute, die grundsätzlich zum Kernwählenden Klientel der SPD gehören, dass die das toll fänden, wenn in der Kita keine Indianerkostüme mehr benutzt werden können.
00:43:15.85
Stefan Sasse
Klar finden die das scheiße.
00:43:16.99
Stefan Sasse
Das finden praktisch alle scheiße.
00:43:18.49
Stefan Sasse
Da würde ich auch sagen, hey Leute, I see your point, weil
00:43:22.71
Ariane
Lass mal die Kirche durch.
00:43:24.21
Stefan Sasse
Ja genau, lasst mal die Kirche im Dorf, also übertreibt mal an der Stelle nicht.
00:43:28.08
Stefan Sasse
Aber die Vorstellung, dass das das Problem der SPD sein könnte, ist völlig bekloppt.
00:43:33.41
Stefan Sasse
Weil die stehen doch da dafür gar nicht.
00:43:36.69
Stefan Sasse
Das ist nicht deren Thema.
00:43:39.01
Stefan Sasse
Wenn überhaupt, würde das die Krise der Grünen erklären.
00:43:42.57
Stefan Sasse
Nur die Grünen sind nicht in der Krise.
00:43:44.77
Stefan Sasse
Die sind aktuell bei 15 Prozent in den Umfragen.
00:43:50.28
Stefan Sasse
Das ist nicht das Thema.
00:43:52.78
Stefan Sasse
Das macht überhaupt keinen Sinn.
00:43:54.40
Stefan Sasse
Wir leben in einer totalen Parallelwelt.
00:43:57.66
Stefan Sasse
in der immer durcheinander geschmissen wird, was möchte ich spezifisch für eine Politik haben und sehen und was ist die Politik, die Partei XYZ fahren müsste.
00:44:10.34
Stefan Sasse
Das ist wie diese ganzen Leute, die der CDU empfehlen, doch mal bitte wie die AfD zu werden.
00:44:15.22
Stefan Sasse
Das ist nicht zwingend das, was die CDU-Wählenden haben wollen.
00:44:18.82
Stefan Sasse
Und genauso ist es bei der SPD auch.
00:44:21.52
Stefan Sasse
Du kannst doch nicht, als so ein Giovanni Di Lorenzo oder als so ein FAZ-Journalist, da willst du doch völlig andere Politiken haben, als die hart arbeitende Mitte haben möchte.
00:44:35.13
Stefan Sasse
Erneut, du kannst als Partei nicht für all diese Leute das Zeug im Gepäck haben.
00:44:41.29
Stefan Sasse
Du kannst…
00:44:42.63
Stefan Sasse
Überhaupt nur diese ganzen disparaten Gruppen in dein Parteizelt sozusagen reinbringen, indem du einen kulturellen Kit hast, der das Ganze zusammenbringt.
00:44:54.10
Stefan Sasse
Ja, wenn ich zum Beispiel die CDU angucke, einfach nur auf Policy-Ebene sozusagen, sind deren Sachen für eine relativ kleine Schicht in Deutschland.
00:45:03.03
Stefan Sasse
Aber die haben ein wesentlich größeres Wählendenpotenzial, weil sie es eben schaffen, mit diesem konservativen, gesellschafts-, kulturpolitischen und so weiter, da spricht wahnsinnig viele Leute an, die dann eben gegebenenfalls bereit sind, zurückzustecken.
00:45:16.40
Stefan Sasse
Weil die Vorstellung, dass Wählende allein aufgrund ihrer wirtschaftlichen Interessen entscheiden, ist halt kompletter Bullshit.
00:45:22.08
Stefan Sasse
Wahlen sind Identitätswahlen.
00:45:24.43
Stefan Sasse
Und
00:45:25.84
Stefan Sasse
Was ist denn die Identität der SPD?
00:45:28.26
Stefan Sasse
Da sind wir wieder beim Thema.
00:45:29.90
Stefan Sasse
Diese arbeitende Mitte, das ist eine Worthülse.
00:45:33.84
Stefan Sasse
Der entspricht nichts.
00:45:35.08
Stefan Sasse
Ich weiß gar nicht, wer da dabei sein soll.
00:45:37.22
Stefan Sasse
Bei der CDU weiß ich immer, ob ich gemeint bin.
00:45:40.32
Stefan Sasse
Wenn die CDU irgendwelche solchen Begriffe verwendet, die Bürger oder sonst irgendwas, die bürgerliche Gesellschaft,
00:45:48.05
Stefan Sasse
Oder wenn die eben von den echten Deutschen, das ist ja AfD oder sowas, aber du weißt, was ich meine.
00:45:53.29
Stefan Sasse
Die verwenden ja auch solche Begriffe.
00:45:55.05
Stefan Sasse
Ich bin gerade bloß ein bisschen blank, welche das sind.
00:45:57.67
Stefan Sasse
Aber jede Partei verwendet im Normalfall irgendwelche Begrifflichkeiten.
00:46:01.32
Stefan Sasse
Und ich weiß, bei der CDU oder bei der FDP bin ich gemeint oder nicht.
00:46:06.12
Stefan Sasse
Wollen die mich in ihrem Team haben, in ihrer Wählerkoalition oder wollen die mich nicht drin haben?
00:46:11.24
Stefan Sasse
Bei denen weiß ich das.
00:46:12.14
Stefan Sasse
Und die CDU, die ist nicht für mich.
00:46:14.83
Stefan Sasse
Nee, das ist nicht mein Laden, sozusagen.
00:46:18.65
Stefan Sasse
Da passe ich nicht rein vom Habitus her und so weiter.
00:46:21.45
Stefan Sasse
Die wollen mich nicht und ich will die nicht.
00:46:23.17
Stefan Sasse
Und das ist total okay.
00:46:24.99
Stefan Sasse
Und bei der SPD habe ich überhaupt keine Ahnung, meinen die mich oder meinen die mich nicht.
00:46:28.13
Stefan Sasse
Wollen die mich oder wollen die mich nicht?
00:46:28.86
Ariane
Jetzt kommt meine steile These.
00:46:30.88
Ariane
Der Letzte, der das gut konnte, war Gerhard Schröder.
00:46:33.17
Stefan Sasse
Aber klar, der konnte das absolut machen.
00:46:34.50
Ariane
Er konnte das perfekt.
00:46:35.54
Ariane
Ich glaube, der hat auch noch, und das ist genial, ich glaube, das war gegen die Grünen gerichtet, der hat auch noch die Currywurst als Kraftriegel der deutschen Arbeiterschaft.
00:46:44.27
Ariane
Das ist genial.
00:46:45.57
Ariane
Der konnte das richtig gut.
00:46:47.29
Ariane
Ich glaube, auch die richtige Krise der SPD kam danach, wo irgendwelche Leute wie die heute noch durch die Talkshows erst auf
00:46:54.58
Ariane
Was der SPD am besten helfen würde, ist, wenn sie die Vorsitzenden, die sie schon seit 100 Jahren nicht mehr hat, irgendwo auf eine Insel ohne Kommunikationsmöglichkeit packen würde.
00:47:04.60
Ariane
Das wäre voll hilfreich, weil diese ganzen Leute wie Müntefering und Gabriel, das sind doch immer nur die Männer von Nahles, hat man nie wieder was gehört.
00:47:13.47
Ariane
Und Schröder konnte das.
00:47:14.81
Ariane
Der hatte dieses Schnodderige, dem hast du richtig angemerkt, dass der ja keine Ahnung von einer alleinerziehenden Mutter, die als Bussfrau gearbeitet hat, aufgezogen ist.
00:47:23.60
Ariane
Der konnte das.
00:47:24.62
Ariane
Der hatte dieses Schnodderige.
00:47:27.82
Ariane
Und das hat die SPD überhaupt nicht mehr.
00:47:30.39
Stefan Sasse
Nude, das ist nicht
00:47:30.70
Ariane
Weil sie auch, sie mag, sie…
00:47:34.71
Ariane
Die will auch keinem weh tun.
00:47:35.95
Ariane
Und du musst das ernsthaft, was wir noch gar nicht angesprochen haben, als Bärbel Bas einmal bei den Jusos natürlich erzählt hat, dass die deutschen Arbeitgeber vielleicht sowas wie der Feind sind oder die Gegner, ich weiß gar nicht mehr, was sie genau gesagt hat, hat sie einen auf den Deckel bekommen.
00:47:54.10
Ariane
Und es war nie wieder was zu sehen und zu hören.
00:47:57.09
Ariane
Nie wieder!
00:47:58.58
Ariane
Merz und seine Buddies laufen wochenlang vor jedes Mikrofon und erzählen, das große Problem der deutschen Wirtschaft ist, dass die Leute alle faul sind.
00:48:06.20
Ariane
Die einen arbeiten gar nicht mehr, sind arbeitslos und faul.
00:48:09.58
Ariane
Die anderen sind in Lifestyle-Teilzeit.
00:48:12.24
Ariane
Jeder, der sich noch zur Arbeit schleppt, feiert ständig krank.
00:48:15.96
Ariane
Und es kam nichts.
00:48:17.32
Ariane
Das Erste, was jetzt kam, ist Lars Klingmeil, der erstmal gegen Lifestyle-Teilzeit anreden will, weil er erkannt hat, das größte Problem sind Mütter, die nicht arbeiten.
00:48:28.39
Ariane
Oder Frauen insgesamt.
00:48:30.31
Ariane
Aber das ist ja Wahnsinn.
00:48:32.83
Ariane
Ernsthaft, es wäre ja klug, wenn sie substanziell was sagt, aber es wäre ja vielleicht auch einfach gut gewesen, wenn sie einfach auch vor jedes Mikrofon rennen und sagen, hey, das ist vielleicht Bullshit.
00:48:42.76
Ariane
Tun sie nicht.
00:48:44.06
Ariane
Es gibt ganz viele Dinge, wo ich auch gar nicht weiß, ob die SPD da überhaupt eine Meinung zu hat.
00:48:49.46
Ariane
Also anscheinend stimmen sie ja zu, weil das Erste, was ich lautstark gehört habe, ist Lasting, weil wir müssen mehr arbeiten, hauptsächlich Frauen, Mütter.
00:48:59.76
Stefan Sasse
Du bringst…
00:49:00.46
Ariane
Und wie gesagt, das fehlt halt ein… Das kann die CDU auch.
00:49:05.03
Ariane
Ich bin ein großer Fan von Karl-Josef Laumann.
00:49:07.81
Ariane
Nicht so, dass die CDU diese Leute nicht hat.
00:49:11.41
Ariane
Und das ist aber bei der SPD, weil… Und da kommen wir nochmal zurück zur Hauptstadtpresse.
00:49:17.38
Ariane
Weil von wem kriegt sie denn auf die Fresse, wenn Bärbel Bas bei den Jusos mal sowas sagt?
00:49:22.12
Ariane
Das geht durch die Presse.
00:49:23.36
Ariane
Und die reagiert sofort darauf.
00:49:25.56
Ariane
Es ist halt echt…
00:49:27.40
Ariane
Das Problem.
00:49:28.72
Ariane
Und ich glaube, wenn die SPD, das wird der Hauptstadtpresse nicht gefallen, aber wenn die halt wirklich genauso viel vor jedes Mikro geladet sind und jedes Mal, wenn Merz und seine Buddies erzählen, die sind alle froh, wenn er irgendwas anderes erzählt hätte, dann wäre das zumindest bei irgendwelchen Leuten auch gut angekommen.
00:49:43.88
Stefan Sasse
Ja, dann stellt euch doch hin, das ist auch sowas, ich habe das auch in den Shownotes verlinkt, weil mir das aufgefallen ist.
00:49:54.43
Stefan Sasse
Und zwar hat irgendjemand, das ist auch so eine Mini-Twitter-Debatte, die da am Rande lief, als an und für sich gar nicht wirklich wichtig.
00:50:00.81
Stefan Sasse
Und zwar hat der Türmer, das ist glaube ich auch ein SPD-Mensch, der hat bei Lanz verkündet und
00:50:06.46
Ariane
Ob das ist der User-Chef?
00:50:08.13
Stefan Sasse
Ja, genau.
00:50:09.02
Stefan Sasse
Und der macht als Einziger, glaube ich, was einigermaßen, der hat sich in der Sendung leider Gottes auch blamiert, weil er das Ehegattensplitting nicht richtig verstanden hat.
00:50:16.79
Stefan Sasse
Also von daher auch hervorragend, wirklich.
00:50:19.85
Stefan Sasse
Aber er hat auch etwas gemacht, das an und für sich ziemlich clever ist.
00:50:23.05
Stefan Sasse
Er hat nämlich gesagt, und ich zitiere das jetzt, es gibt in Deutschland 900.000 Menschen, die machen keinen Finger krumm, die leben ausschließlich von gewaltigen Kapitalerträgen, für die sie selbst nie gearbeitet haben.
00:50:33.52
Stefan Sasse
So, und das ist genau die Angriffslinie, die ihr erfahren müsst, Leute.
00:50:36.97
Stefan Sasse
Dann sagst du, ja, es gibt Lifestyle-Teilzeit.
00:50:39.51
Stefan Sasse
Es gibt Leute, die hier in Deutschland zu wenig arbeiten und das sind diejenigen, die quasi hier einfach leistungslos erben, die grundsätzlich nicht arbeiten müssen, die quasi sagen können, ja, ob ich den Job jetzt habe oder mit wie vielen Stunden, das ist quasi für mich persönlicher Spaß oder sowas.
00:50:53.30
Stefan Sasse
Und wenn dann wieder so jemand kommt…
00:50:56.08
Stefan Sasse
wie Friedrich Merz oder sowas und der sagt, ja, ich arbeite total gerne und deswegen müssen wir die Rente bis 70 erhöhen, muss er einfach sagen, ja, aber du Arschloch hast halt auch einen Job, in dem man das machen kann.
00:51:03.86
Stefan Sasse
Also einfach, und ich glaube, das ist auch das, was du meinst, diese Schnottrige sozusagen, wo man da drauf geht und ich fand das so lustig, weil der Beitrag, den ich verlinkt habe in den Shownotes, der kommt von so einem Liberalen.
00:51:16.11
Stefan Sasse
Und der hat sich diese Aussage angeguckt und nimmt die dann auseinander von dem Türmer.
00:51:21.14
Stefan Sasse
Und der sagt, ja, erst einmal, das sind keine 900.000, sondern es sind 878.000.
00:51:26.54
Stefan Sasse
Und von denen sind 270.000 ja Rentner.
00:51:30.82
Stefan Sasse
Und 243.000 sind auch Erwerbstätige.
00:51:34.04
Stefan Sasse
77.000 sind arbeitslos.
00:51:36.71
Stefan Sasse
Die können also unter Umständen später auch wieder arbeiten.
00:51:39.83
Stefan Sasse
Und dann haben wir noch 57.000, die studieren noch, weil sie unter 25 sind.
00:51:45.61
Stefan Sasse
Und dann eben so, ja, ja, und das Geile ist halt, und da denke ich mir, wie kann man nicht solche Vorlagen hernehmen, also bitte, zwingt doch bitte die CDU hinzustehen und von mir aus die FDP, wenn die noch irgendjemand für relevant hält, hinzustehen und
00:51:45.71
Ariane
Sind das jetzt Leute, die von ihrem Vermögen leben?
00:52:04.82
Stefan Sasse
öffentlich zu begründen, warum Leute unter 25, die quasi alleine von Zinskapitalerträgen leben können, warum das total in Ordnung ist.
00:52:15.62
Stefan Sasse
Oh, das möchte ich, bitte macht es.
00:52:17.80
Stefan Sasse
Zwingt die da dazu, quasi das zu sagen.
00:52:20.26
Stefan Sasse
Und das muss man gar nicht weiter kommentieren, das kannst du einfach stehen lassen.
00:52:23.72
Stefan Sasse
Genauso, ja, und dann haben wir da quasi diese Erwerbstätigen, die müssten gar nicht arbeiten, aber die arbeiten trotzdem, obwohl sie eigentlich so viel Geld haben.
00:52:29.03
Ariane
Das ist ja auch genau dasselbe.
00:52:29.93
Ariane
Ja, total.
00:52:31.22
Stefan Sasse
Ja, das würde ich einfach mal so stehen lassen, weil das ist genau das, das möchte ich hören, wenn ich 40.000 Euro brutto im Jahr verdiene, dass da quasi derjenige, der da nebenher in seiner eigenen Anwaltskanzlei arbeitet, aber das eigentlich mehr so als Hobby macht, der ist quasi genauso wie ich.
00:52:48.99
Stefan Sasse
Das ist eine winning political message.
00:52:52.67
Stefan Sasse
Und warum zur Hölle nutzt du das nicht aus und argumentierst damit und machst da mal ein klares Feindbild auf?
00:53:00.48
Stefan Sasse
Diese Leute, diese 900.000, die von Kapitalerträgen leben, ich glaube, die Zahl derer, die die SPD wählen, ist in einem überschaubaren Rahmen.
00:53:08.22
Stefan Sasse
Die kannst du angreifen.
00:53:10.00
Stefan Sasse
Und es ist total egal, ob das jetzt sachlich gerechtfertigt ist.
00:53:16.58
Stefan Sasse
Das ist Jacke wie Hose.
00:53:18.10
Stefan Sasse
Hier geht es darum, dass du genau so ein Ziel hast.
00:53:21.34
Stefan Sasse
Das ist die Lifestyle-Teilzeit.
00:53:24.84
Stefan Sasse
Und da müssen wir ansetzen.
00:53:27.22
Stefan Sasse
Und so weiter und so fort.
00:53:28.26
Stefan Sasse
Dann hast du mal Gegner, gegen die du arbeiten kannst.
00:53:31.58
Stefan Sasse
Ich habe da einen eigenen Artikel drüber geschrieben gehabt, was du gerade sagst mit der Bärbel Bas.
00:53:35.98
Stefan Sasse
Ich bin da total bei dir.
00:53:38.30
Stefan Sasse
dass das ist, was die machen müssen.
00:53:42.01
Stefan Sasse
Sie brauchen ein Feindbild, einen Gegner, gegen den sie arbeiten können.
00:53:47.14
Stefan Sasse
Die CDU hat das, Stichwort Lifestyle-Teilzeit.
00:53:51.30
Stefan Sasse
Das ist völlig klar, wer da damit gemeint ist.
00:53:52.98
Stefan Sasse
Das ist ziemlich brillant als politische Kommunikation.
00:53:57.12
Stefan Sasse
Alles, was Lifestyle ist, das ist so dieses grün-woke-Milieu oder sowas, die da rumhängt.
00:54:02.96
Stefan Sasse
Das sind die Leute, die eh nicht richtig arbeiten und so.
00:54:05.81
Stefan Sasse
Und da sind wir wieder bei Gerhard Schröder.
00:54:07.43
Stefan Sasse
Der hätte das verstanden.
00:54:08.45
Stefan Sasse
Der hätte auch eine Debatte um Lifestyle-Teilzeit machen können.
00:54:11.61
Stefan Sasse
Aber die wäre halt anders aufgezogen gewesen.
00:54:13.87
Stefan Sasse
Und das ist das, was mich zu deinem Schröder-Kommentar bringt.
00:54:17.37
Stefan Sasse
Das Ding ist halt, die SPD ist diese Partei nicht mehr.
00:54:19.41
Stefan Sasse
Und die hat diese Leute nicht mehr.
00:54:20.61
Stefan Sasse
Also der Schröder war halt ein Prolet.
00:54:24.11
Stefan Sasse
Und der hat das auch gelebt.
00:54:26.36
Stefan Sasse
Das ist wie Donald Trump.
00:54:27.86
Stefan Sasse
Donald Trump ist zwar Milliardär, aber der ist prolet.
00:54:31.70
Stefan Sasse
Der kann das unglaublich glaubhaft machen.
00:54:33.74
Stefan Sasse
Deswegen ist das auch völlig sinnlos, wenn Linke darauf hinweisen, wie reich der Mann ist und dass dem sein Wörtergefresse bei McDonalds ziemlich weird ist und dass er so einen schlechten Geschmack hat.
00:54:43.67
Ariane
Die Anfang an Arten kann das auch richtig gut.
00:54:44.64
Stefan Sasse
Das ist ja genau der Teil, der ihn attraktiv macht.
00:54:44.87
Ariane
Die Anfang an Arten.
00:54:47.65
Stefan Sasse
Und das war bei Schröder genau das Gleiche.
00:54:50.03
Stefan Sasse
Weil wenn…
00:54:54.59
Stefan Sasse
Über den weiß ich zu wenig.
00:54:55.51
Stefan Sasse
Aber das Ding ist sowohl, und ich mache jetzt diesen Verklärung, der mag ein bisschen weird sein, aber sowohl bei Trump wie auch bei Schröder.
00:55:01.33
Stefan Sasse
Das Ding ist quasi, dessen Aufsteiger oder sowas, in dem kann ich mich als Otto-Normalverbraucher erkennen.
00:55:10.01
Stefan Sasse
Das ist, wenn ich Bundeskanzler wäre, dann würde ich auch da sitzen und sagen, gib mir mal eine Flasche Bier und die Currywurst ist der Kraftriegel der Politik.
00:55:18.77
Stefan Sasse
Das ist so ein Style, das musst du aber leben.
00:55:23.27
Stefan Sasse
Also ich könnte das nicht machen.
00:55:24.77
Stefan Sasse
Ich weiß zwar, dass das als Message sozusagen funktioniert, aber wenn ich jetzt plötzlich Bundeskanzler wäre, ich könnte das überhaupt nicht glaubhaft machen, weil so lebe ich nicht.
00:55:33.57
Stefan Sasse
Das ist nicht mein Lifestyle.
00:55:35.97
Stefan Sasse
ich verkörpere das nicht, der Schröder hat das verkörpert und jemand wie Lars Klingbeil oder Andrea Nahles oder sowas, die verkörpern das halt auch nicht, die verkörpern was anderes und das kannst du auch nicht künstlich erschaffen und diese Leute, ja genau, und
00:55:48.47
Ariane
Das merken die Leute sofort.
00:55:49.37
Ariane
Das ist wie Angela Merkel, die irgendwo in den Bratwurst beißt.
00:55:53.12
Stefan Sasse
Oh Gott, ja, oder bei der WM jubelt oder so.
00:55:58.10
Stefan Sasse
Das ist nicht glaubhaft.
00:55:59.06
Stefan Sasse
Und das Ding ist, du kannst es nicht erschaffen.
00:56:01.29
Stefan Sasse
Das heißt, der Ratschlag kann an der Stelle nicht sein, quasi mach das.
00:56:06.85
Stefan Sasse
Weil das macht keinen Sinn.
00:56:07.99
Stefan Sasse
Und an der Stelle sind diese ganzen Artikel ja auch korrekt.
00:56:11.58
Stefan Sasse
Das ist die SPD nicht mehr.
00:56:14.84
Stefan Sasse
Das ist nicht die Gruppe Leute, die die noch ansprechen.
00:56:19.54
Stefan Sasse
Die brauchen eine andere Gruppe.
00:56:21.68
Stefan Sasse
Ich muss mir quasi überlegen, wen sprechen wir denn überhaupt an?
00:56:24.73
Stefan Sasse
Wer ist zur Hölle nochmal unsere Zielgruppe?
00:56:27.23
Stefan Sasse
Für wen wollen wir eigentlich Politik machen?
00:56:30.25
Stefan Sasse
Und das musst du dann eben auch entsprechend verkaufen.
00:56:34.07
Stefan Sasse
Und das passiert aber aktuell nicht.
00:56:36.77
Stefan Sasse
Und
00:56:36.96
Ariane
Und die Schmerzen dann auch ertragen.
00:56:41.16
Ariane
Das ist ja auch das Problem, wie du auch sagst.
00:56:43.72
Ariane
Es ist diese 900.000 arbeitslosen Vermögensmenschen, die wählen die SPD auch nicht.
00:56:50.23
Ariane
Das Gleiche haben wir oft mit der Welt.
00:56:52.59
Ariane
Die SPD kann sich in ihr Schwert stürzen und die Welt steht da und sagt, ihr Linken, ihr seid die Vaterlandsverräter.
00:56:59.07
Ariane
Da wird nie jemand kommen und sagen, jetzt finden wir die aber gut.
00:57:02.97
Stefan Sasse
Nein, die werden sie nie liebhaben.
00:57:05.63
Stefan Sasse
Und das vielleicht als Schlusswort an der Stelle.
00:57:08.45
Stefan Sasse
Ich habe 2017, also vor mittlerweile, rechen, rechen, rechen, neun Jahren, habe ich einen Grundsatzartikel geschrieben über die Probleme der SPD und der ist heute noch genauso wahr.
00:57:18.79
Stefan Sasse
Und da stand es auch drin.
00:57:20.07
Stefan Sasse
Die müssen endlich aufhören, von der konservativen Presse geliebt werden zu wollen.
00:57:26.35
Stefan Sasse
Das wird nicht passieren.
00:57:27.83
Stefan Sasse
Und
00:57:31.93
Stefan Sasse
haben.
00:57:32.36
Stefan Sasse
Weil der Spiegel und die Zeit haben nie jemanden lieb.
00:57:35.08
Stefan Sasse
Und schon gar keine linken Parteien.
00:57:36.82
Stefan Sasse
Weil die müssen sich ja immer gegen den Vorwurf verteidigen, dass sie zu links sind.
00:57:39.76
Stefan Sasse
Die werden immer auf die draufschlagen.
00:57:42.06
Stefan Sasse
Ihr werdet diese Liebe, die ihr so haben wollt, und sorry, das ist wirklich desperate,
00:57:47.58
Stefan Sasse
Und das weiß jeder, der mal daten war, wenn du desperate bist, dann wirst du beim Daten keinen Erfolg haben.
00:57:52.21
Ariane
No.
00:57:52.24
Stefan Sasse
Und deswegen dieser Dating-Versuch der SPD mit verschiedenen wählenden Klientels, der funktioniert so nicht.
00:58:00.16
Stefan Sasse
Und ihr müsst eben ganz klar sagen, hey, das bin ich sozusagen, ihr seid quasi unsere Gegner, wir machen Politik für XYZ.
00:58:11.92
Stefan Sasse
Und dieses XYZ kann eine relativ große Gruppe sein.
00:58:15.79
Stefan Sasse
In den besten Zeiten haben sie 40% der Bevölkerung erreicht.
00:58:19.67
Stefan Sasse
Aber sie werden nicht 70, 80 oder 90% erreichen.
00:58:24.01
Stefan Sasse
Und die müssen sich aber wirklich überlegen, was sie eigentlich tun wollen und für wen sie da da sind.
00:58:30.17
Stefan Sasse
Und da muss man dann eben ganz klar sagen an bestimmten Stellen, diese Leute erreichen wir nicht.
00:58:35.85
Stefan Sasse
Das ist unmöglich.
00:58:36.75
Stefan Sasse
Die haben andere Parteien, die sich um sie kümmern.
00:58:39.79
Stefan Sasse
Das ganze progressive Bürgertum hat die Grünen, die brauchen keine SPD.
00:58:43.50
Stefan Sasse
Genauso die kleinen Leute, diese konservativen Spießbürger sozusagen.
00:58:49.76
Stefan Sasse
Da kannst du teilweise drum kämpfen mit der CDU, aber deren natürliche Heimat ist die CDU.
00:58:55.22
Stefan Sasse
Wir wollen gar nicht erst anfangen von den ganzen Rechtsextremen.
00:58:59.05
Stefan Sasse
Die haben die AfD.
00:59:00.76
Stefan Sasse
Die werden euch nicht wählen.
00:59:02.06
Stefan Sasse
Also was ihr tun müsst, ist natürlich ein Angebot machen an die eigenen Leute, dass die nicht abwandern.
00:59:07.30
Stefan Sasse
Also von daher, die entsprechenden Geräusche machen müsst ihr schon.
00:59:10.46
Stefan Sasse
Mit hier auf Sozialhilfeempfänge und so weiter und so fort.
00:59:15.26
Stefan Sasse
Die sind übrigens auch keine Gruppe, die sie wählen, weil Leute, die Transferleistungen empfangen, sind da.
00:59:20.76
Ariane
Die wählen einfach nicht.
00:59:22.40
Stefan Sasse
Die wählen zum einen zum Großteil nicht.
00:59:24.26
Stefan Sasse
Viele haben auch die deutsche Staatsbürgerschaft nicht.
00:59:27.38
Stefan Sasse
Von daher, das ist keine Klientel.
00:59:28.58
Stefan Sasse
Das ist nett, wenn ihr für die Politik macht, aber es ist nichts, was euch hilft sozusagen.
00:59:32.94
Stefan Sasse
Also überlegt euch mal überhaupt, wer ist eure Zielgruppe und dann macht doch gezielt Politikangebote für die, aber nicht das, was ihr gerade tut.
00:59:42.99
Stefan Sasse
Also das ist einfach wirklich dumm.
00:59:46.21
Stefan Sasse
Und das ist offensichtlich blöd, finde ich.
00:59:49.07
Stefan Sasse
Also
00:59:49.28
Ariane
Es geht ja auch gar nicht um reale Politik, aber was wir auch neulich geschrieben haben, du brauchst halt diese Identität.
00:59:55.33
Ariane
Ich finde es auch immer geil, wie die immer sagen, die SPD ist die Partei der Transferleistungsempfänger.
01:00:01.35
Ariane
Was alle denken, außer die Transferleistungsempfänger.
01:00:01.36
Stefan Sasse
Ja, das ist gut.
01:00:06.30
Ariane
weil die wissen das leider gar nicht.
01:00:08.16
Ariane
Und die würden dem auch nicht zustimmen.
01:00:11.22
Ariane
Aber du brauchst ja diese Identität.
01:00:12.92
Ariane
Und das ist halt auch das mit dem Feindbild.
01:00:16.24
Ariane
Die entsteht immer aus Abgrenzungen.
01:00:18.82
Ariane
Wenn du sagst, wir sind hier für alle und jeden.
01:00:21.50
Ariane
Und dieses…
01:00:23.87
Ariane
Das ist auch das, wie gesagt, du musst das ja nicht.
01:00:26.41
Ariane
Wie gesagt, die Transferleistungsempfänger, die wählen dich ja eh nicht.
01:00:29.63
Ariane
Aber wenn du sagst, wir sind für die kleinen Leute gegen Missstände, dann musst du halt die ein bisschen zu pampern und nicht hinlaufen und sagen, nee, hier kürzen wir noch was.
01:00:38.48
Ariane
Sonst musst du eine andere Identität wählen.
01:00:40.42
Ariane
Du kannst halt nicht die auf der einen Seite und diese Leute, die dreimal im Jahr auf eine Kreuzfahrt gehen, gleichzeitig meinen.
01:00:49.28
Ariane
Also wie gesagt, du musst für jemanden sein, aber auch gegen jemanden.
01:00:53.64
Ariane
Die musst du dann wirklich aufgeben.
01:00:56.64
Ariane
Und über Konzerne haben wir jetzt noch gar nicht geredet.
01:00:59.09
Ariane
Jeder Branchen-Dings, was die CDU gerne haben wollte, hat die SPD mitgemacht.
01:01:04.11
Ariane
Das Erste, was jetzt passiert in der Iran-Krise, ist, dass die Luftverkehrssteuer gesenkt wird.
01:01:08.80
Ariane
Ist nur Zufall, aber es ist so geil irgendwie.
01:01:11.30
Ariane
So, ja, das ist genau der richtige Move in der jetzigen Krise.
01:01:15.76
Stefan Sasse
Ja, ich glaube, wir können noch endlos weitermachen und uns aufregen.
01:01:18.84
Stefan Sasse
Das war eine sehr rantige Folge.
01:01:20.38
Stefan Sasse
Von daher, ich danke dir, dass du es mit durchgestanden hast.
01:01:24.10
Stefan Sasse
Wer noch weiter Interesse hat an zahlreichen Analysen aus der Hauptstadtpresse, unter anderem oder weitgehend, findet in den Shownotes massenhaft Artikel zu dem Thema.
01:01:33.99
Stefan Sasse
Denn die Krise der SPD ist einfach ein Dauerbrenner, der nicht müde wird, diskutiert zu werden.
01:01:40.59
Stefan Sasse
Wir sehen uns das nächste Mal zu einem anderen Thema wieder, Ariane.
01:01:43.82
Stefan Sasse
Ich danke dir.
01:01:45.23
Ariane
Ja, danke dir auch, Stefan und allen HörerInnen.


