Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Die „Fundstücke“ erhalten ausführlichere und thematisch gegliederte Hinführungen zu verschiedenen Artikeln aus den Weiten des Netzes dar. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels empfohlen; ich übernehme keine Garantie für die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Zusammenfassungen. Für den Bezug in den Kommentaren sind nummerierte Zwischenüberschriften eingezogen, bitte auf die referieren. Dazu gibt es die „Resterampe“, in der ich nur kurz auf etwas verweise, das ich zwar bemerkenswert fand, aber zu dem ich keinen größeren Kommentar abgeben kann oder will. Auch diese ist geordnet (mit Buchstaben), so dass man sie gegebenenfalls in den Kommentaren referieren kann.
Fundstücke
1) Klimaschutz
Das Bundesverfassungsgericht hat das Klimaschutzprogramm 2023 für verfassungswidrig erklärt und wesentlich einschneidendere Klimaschutzmaßnahmen gefordert. Ich habe schon länger prophezeit, dass das so kommen wird. Einerseits sind die deutschen Klimaschutzmaßnahmen offensichtlich unzureichend, um die propagierten Ziele zu erreichen; die Politik sagt dies ja auch offen (weswegen das BVerfG nicht eben auf unsicherer Beweislage ruht). Andererseits steht das Ganze in einem offensichtlichen Ziel- und Normenkonflikt. Ein Zielkonflikt, weil gleichzeitig Schuldenbegrenzung und massive Klimaschutzmaßnahmen ohne Steuererhöhungen erreicht werden sollen, ein Normenkonflikt, weil einschneidende Maßnahmen in einer möglichst freiheitlichen Grundordnung geschehen sollen. Das ist die Quadratur des Kreises.
In der Welt schreibt Axel Bojanowski vor allem unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten: solange der Rest der Welt nicht mitziehe, würden deutsche Maßnahmen nur zu Industrieabbau führen. Ich halte das für zu kurz gesprungen, denn Klimaschutz und Wirtschaftswachstum schließen sich nicht automatisch aus, auch Klimaschutz und energieintensive Branchen sind, wenn man die Energie denn „grün“ gewinnt, kein Widerspruch. Ich halte seine These, es sei „zerstörerisch, daraus ein verfassungsrechtliches, nationales Prinzip abzuleiten, anstatt das Klimaproblem in globalen Verhandlungen zu lösen – als spieltheoretisches Problem ist es anders gar nicht lösbar“ für pure Fantasie. Es wird niemals globale Verhandlungen geben, in denen alle Staaten verbindlich eine Einigung treffen. Aktuell schon gleich dreimal nicht, denn wir verabschieden uns von jener wertebasierten Weltordnung, die dafür erforderlich wäre; unter dem Beifall der Welt übrigens. Wer also effektiven Klimaschutz auf eine globale Einigung verschiebt, der sagt nur, dass er keinen will. Dass das ein derzeit unlösbares Problem ist, steht auf einem anderen Blatt.
2) CDU und LINKE
In der ZEIT hat Nora Zabel (ich habe mit ihr im Podcast gesprochen) einen Grundsatzartikel veröffentlicht, in dem sie für ihre Heimat Mecklenburg-Vorpommern die CDU auffordert, sich gegenüber der LINKEn zu öffnen und eine Koalition in Betracht zu ziehen. Angesichts der Mehrheitsverhältnisse seien das durch die CDU-Beschlüsse ausgeschlossene Blau-Schwarz und Rot-Schwarz-Rot vermutlich die einzigen Alternativen. Sie begründet dies ausgerechnet mit Adenauer: dessen kompromisslose Haltung gegenüber der fünften Kolonne aus Moskau 1952 überträgt sie auf die heutige AfD, die genauso Handlanger Moskaus sei wie die damalige SED, während die heutige LINKE sich in den Jahren der Regierungsbeteiligung abgeschliffen und zu einer normalen linken Partei gemausert habe, mit der man sich einigen könne (und Schwesig als Konservative mit Verwurzelung im Land (!) blocke den Rest erfahrungsgemäß eh).
Die CDU steht tatsächlich vor einem Scheideweg. Sie hat nur drei Optionen: Neuwahl bis der Arzt kommt, eine Koalition mit der LINKEn als schwächstem Glied oder einer Koalition mit der AfD als stärkstem Glied und Ministerpräsidenten. Dass keine dieser Optionen attraktiv ist, ist auch Nora klar, die das im Artikel auch entsprechend ausdrückt. Aber nur eine dieser Optionen ist demokratieverträglich. Egal, wie abscheulich man sie auch finden mag.
3) Nathan der Weise in einfacher Sprache
Nachdem wir letzthin diskutiert haben, ob es zwingend das schriftliche Dividieren braucht, sind wir jetzt bei Nathan dem Weisen angelangt, dem berühmten Lessing-Drama. Die FAZ weiß im Untergang-des-Abendslandes-Modus darauf hinzuweisen, dass das auch in der Oberstufe zunehmend in einfacher Sprache unterrichtet werden würde. Ich kenne persönlich zwar niemanden, der das tun würde, aber ich würde niemals die penible Recherche der FAZ infragestellen. Was ich weiß ist, dass wir jahrelang in der 11. Klasse Nathan unterrichtet haben und vorletztes Jahr als Fachschaft beschlossen haben, es sein zu lassen. Der Text ist einfach sprachlich zu schwer. Die Schüler*innen verstehen einfach nicht, was da steht. Ich lasse einfach mal kurz dieses Beispiel da:
Tempelherr.
Mein frommer, lieber Mann! gebt Euch zufrieden.
Deswegen komm ich nicht; deswegen will
Ich nicht den Patriarchen sprechen. Noch,
Noch denk ich über jenen Punkt, wie ich
Gedacht, und wollt‘ um alles in der Welt
Die gute Meinung nicht verlieren, deren
Mich ein so grader, frommer, lieber Mann
Einmal gewürdiget. Ich komme bloß,
Den Patriarchen über eine Sache
Um Rat zu fragen …
Klosterbruder. Ihr den Patriarchen?
Ein Ritter, einen Pfaffen?
(Sich schüchtern umsehend.)
Tempelherr. Ja; die Sach‘
Ist ziemlich pfäffisch.
Klosterbruder. Gleichwohl fragt der Pfaffe
Den Ritter nie, die Sache sei auch noch
So ritterlich.
Tempelherr. Weil er das Vorrecht hat,
Sich zu vergehn; das unsereiner ihm
Nicht sehr beneidet. Freilich, wenn ich nur
Für mich zu handeln hätte; freilich, wenn
Ich Rechenschaft nur mir zu geben hätte:
Was braucht‘ ich Euers Patriarchen? Aber
Gewisse Dinge will ich lieber schlecht,
Nach andrer Willen, machen; als allein
Nach meinem, gut. Zudem, ich seh nun wohl,
Religion ist auch Partei; und wer
Sich drob auch noch so unparteiisch glaubt,
Hält, ohn‘ es selbst zu wissen, doch nur seiner
Die Stange. Weil das einmal nun so ist:
Wird’s so wohl recht sein.
Da sind Neologismen aus dem 18. Jahrhundert drin, Wortspiele, deren Grundlage heute niemand mehr kennt, Ideen und Konzepte, die schlichtweg eine große Breite an Hintergrundwissen erfordern. Dazu ist es natürlich eine lyrische Sprache. Ich muss wissen, was „die Stange halten“ heißt, was ein „Pfaffe“ ist. Und selbst ich lese die eingangs hier zitierte Ansprache des Tempelherrn zwei- oder dreimal, ehe ich sicher bin, was der von mir will. Wir haben versucht, neue Zugänge zu finden, aber das Ding ist einfach, die Schüler*innen haben die nicht. Ich kann das natürlich weiter im Unterricht besprechen und so tun, als hätten sie es deswegen verstanden oder etwas davon mitgenommen. Aber das tut leider nicht viel.
4) Kanada in die EU
In der Welt findet sich ein Plädoyer, Kanada in die EU aufzunehmen. Ich nehme das mal als eine literarische Zuspitzung und weniger als eine reale Forderung. Ich kenne diese Art von Argumentation noch, als es hieß, man solle Israel wegen seiner westlich-demokratisch-liberalen Orientierung in die EU aufnehmen, das war genauso virtue signalling wie jetzt mit Kanada und ungefähr genauso nachhaltig. Worin Valentin Weimer aber Recht hat ist, dass die EU engere Verbindungen zu Ottawa suchen sollte. Das muss ja nicht in Form eines EU-Beitritts sein, der ob der geografischen Verhältnisse auch albern wäre, aber die Kooperation innerhalb der NATO, das Nutzen der speziellen Verbindung mit dem UK und engere Handelsbeziehungen helfen ja alle und sind ein Win-Win.
5) Die moralische Dimension der Epstein-Files
Alan Posener stellt in der Welt die Frage, ob die Epstein-Files nicht ein Beleg für toxische Männlichkeit seien, die wir zu wenig im Griff haben. Besonders eine Frage, die er aufwirft, finde ich sehr bedenkenswert: Empören sich viele nicht auch nur deswegen so ohne eigene Schuld, weil sie nicht mächtig genug waren, eingeladen zu werden? Also quasi: was hättest du, lieber Mann, getan, wenn du die Möglichkeiten gehabt hättest, die Epstein Trump, Gates und Musk einräumte? Er denkt diesen unangenehmen Gedanken ziemlich konsequent und erwähnt in einem Nebensatz etwas, das mir besonders auffällt: dass wir vielleicht so viel besser als die muslimischen Männer eben nicht sind. Das würde in diesem Kontext auch Sinn machen: denn die westlichen Männer sind eben weitgehend im besten Sinne machtlos: sie haben keine Gewalt mehr über die Körper von Frauen, anders als dies muslimische Männer tun. Möglicherweise wäre also weniger die überlegene liberale Kultur, sondern vielmehr die rohe Macht entscheidend. Ein unangenehmer Gedanke.
6) A propos Muslime
Im letzten Welt-Artikel für dieses Vermischte äußerst sich Poseners Kollege Till Reimer zur Integrationsdebatte: scharf greift er all jene an, die immer noch mit grobem Pinsel und undifferenziert alle Muslime beleidigen; emphatisch erklärt er, dass der Islam selbstverständlich zu Deutschland gehöre. Gleichzeitig wehrt er sich aber gegen simple Dichothomien und verortet die Mehrzahl der Muslime in der „konservativen Mitte“, wodurch natürlich eine Prämisse angelegt wird, die dem eigenen Selbstbild entgegenkommt, aber mit der Realität auch ungefähr so viel zu tun hat wie grüne Multi-Kulti-Vorstellungen aus den 2000er Jahren. Ich glaube, auch mit diesem Versuch einer konservativen Vereinnahmung ist der Sache wenig geholfen; genauso lange wie Multi-Kulti gibt es ja das gegenläufige Luftschloss, dass die Muslime ein Wählendenreservoir sein könnten, das problemlos an christdemokratische Milieus andockbar ist (weil Familienwerte und so). Man muss diese Leute einfach als Muslime ernstnehmen, die eine eigene Identität haben, statt immer zu hoffen, dass sie sich in nicht allzuferner Zukunft in in Lokalkolorit getauchte Versionen des eigenen Lagers wandeln werden.
Resterampe
a) Der Leiter von Yad-Vashem erklärt, dass Antisemitismus mittlerweile verbindendes Element aller Extreme sei. Links, Rechts, Islamistisch, egal. Weil wir letzthin die Debatte hatten.
b) Die Skandale von Katharina Reiche würden bereits für drei grüne Minister*innen reichen. Merkwürdig still ist es da bei Springers.
c) The End of the Nuclear-Arms-Control Era. Tom Nichols hat sehr differenzierte und informierte Gedanken zu den aktuellen außenpolitischen Desastern der Trump-Administration.
d) Reza Pahlavi – der Moderator des Übergangs. Es ist schon ein bisschen sich reimende, ironische Geschichte, dass die Springerpresse für einen neuen Schah Pahlavi trommelt. Ich habe inhaltlich nichts zu sagen, mangels Sachkenntnis.
f) Sales of A SONG OF ICE AND FIRE surpass 100 million. Verdientermaßen.
g) Wait but Why hat eine interessante Taxonomie der amerikanischen Wählendenschaft heute.
h) BBC hat was zu einem Typen, der in China im Hotel Sex hatte und drei Wochen später das Video davon auf einer Pornohomepage gefunden hat. Dieses Land, echt.
Fertiggestellt am 06.02.2026



Zu 5:
Also bitte, das ist doch keine Frage. Erst vorletztes Jahr hatten wir den Prozess um das, was Gesine Pelicot angetan wurde. Das waren keine superreichen und supermächtigen Männer, sondern nur Männer, die dachten, sie könnten ohne Konsequenzen ihrem Werk nachgehen. Und das benennt auch schon die Gemeinsamkeit: Freiheit von Konsequenzen.
Das ist bei vielen ähnlich gelagerten Fällen doch immer gleich: Missbrauch in der Kirche oder Familie? Die Täter (korrekt gegendert) haben keine Konsequenzen zu fürchten.
Meines Wissens wurde das auch schon in Studien festgestellt, dass Menschen Grenzüberschreitungen wagen, wenn sie keine Konsequenzen zu fürchten haben. Im Falle vom sexuellen Missbrauch haben wir immer auch die Tatsache des durchaus korrekten Vorwurfs im Raum, dass den Opfern, zumeist Frauen, seltener Männer, nicht geglaubt wird oder sie aus Scham oder Angst schweigen.
Es ist ja nicht so, als hätte es in den vergangenen Jahrzehnten keine Vorwürfe gegen Epstein und seinen Zirkel gegeben, aber weiblichen Opfern wurde schlicht nicht geglaubt, oder sie wurden sogar als unzurechnungsfähig weggesperrt.
Wenn ich in den öffentlichen Diskussionen also hören muss, dass man doch dieses oder jenes nicht moralisieren dürfe, dann schwingt für mich immer mit, dass es sich bei denjenigen um Menschen handelt, die keine inhärent Moral besitzen. Bei denen lohnt sich vielleicht immer ein genauerer Blick, würde ich meinen.
Ja, das ist ein guter Punkt.
zu 2) DDR
Der Osten Deutschlands erstaunt mich inzwischen nicht mehr.
Manuela Schwesig als Ministerpräsidentin in einem Bundesland ist für mich nach allem, was zu dem Russengemauschel rund um Nord-Stream herausgekommen ist, eine Landesveräterin an der Bundesrepublik und direkt auch allen EU Staaten. Sie müsste nach meinem Rechtsverständnis im Knast sitzen.
Frau Zabel kann natürlich innerhalb der CDU Forderungen stellen, aber ich hoffe, dass die West-CDU da nun eine klare Linie fährt. Im Osten hat man sich offenbar innerlich aus der Bundesrepublik verabschiedet. Hier ein sehr interessantes Gespräch -> https://www.youtube.com/watch?v=XRxhr7rmfI8
Ich und viele Westdeutsche haben sich inzwischen aber auch verabschiedet. Die Deutschen lebten zu einem Grossteil ihrer Geschichte nicht in einem Land.
Meine grösste Sorge ist inzwischen, dass von Deutschland gegen Polen nach den Teilungen Ende des 18. Jahrhunderts und den Ereignissen im September 1939 nie wieder ein 2-Frontenkrieg ausgehen darf.
Nicht jedes politische Projekt ist erfolgreich und für mich ist das Projekt „Deutsche Einheit“ gescheitert. Bei einer 2 Staaten Lösung stehen für mich polnische Sicherheitsinteressen ganz oben auf der Agenda. Das heisst, die Polen hätten über neu zu gestaltende Deutsche Demokratische Republik II ein sehr starkes Mitspracherecht.
Meine Position ist sicher radikal, aber ich denke, dass ich da im Westen nicht alleine bin.
„2 Staaten Lösung“
Eine DDR 2.0 als russisches Protektorat zwischen D und Polen? Lemmy!
Eine Zwei-Staaten-Lösung scheint mir nun auch recht weit hergeholt.
Obwohl ich Lemmy zustimmen würde, dass Ost UND West sich da voneinander entfernen, verabschiedet ist vielleicht zuviel, eine Separationsbewegung sehe ich jetzt nicht.
Aber schon, dass man (oder ich) da mit Unverständnis raufsieht und dem Gefühl, da passieren Dinge, die ich absolut nicht verstehen oder nachvollziehen kann. Umgekehrt ist das vermutlich höchst ähnlich.
Eher eine BRD 2.0, die sich durch einen „antiputinistischen Schutzwall“ vor der Einflussnahme von „Ostagenten“ schützt.
Da gehe ich mit, nur halt ohne Anführungszeichen.
Ich bin ja für ein Polnisches Protektorat.
Das geht bei denen alle in eine Richtung. Auch das Ronzheimer Interview. Die Besserossis machen „die Treuhand“ dafür verantwortlich, dass deren dollen Betriebe nicht wettbewerbsfähig waren. Unter der UdSSR hatten sie bereits Sonderkonditionen und sie blicken bis heute verächtlich auf ihre polnischen Nachbarn. Wenn wie Merkel eine von denen regiert, dann geben sie gnädigst der BRD noch mal eine Chance. Wenn die abtritt, werden sie aus Hass vor den „Wessis“ voll-Nazis. Die erklären sich zu Revolutionären. Bis sehr kurz vor Toreschluss fand der Widerstand gegen die russische Besetzung in Polen statt. Sie selber fühlten sich lange noch wohl.
Die führen immer das grosse Wort von Freiheit im Mund, aber man versteht überhaupt nicht so recht, was die eigentlich wollen. Mit einer modernen offenen Gesellschaft im 21. Jahrhundert hat das jedenfalls nichts zu tun.
Nach dem Angriffs Russlands auf die Ukraine 2014 sahen sie endlich ihre Stunde kommen. Die Russen stecken Ukrainer in Konzentrationslager und sie sind dann mit ihrer Untertanen-Mentalität nett zu den Russen und sahen den Rubel rollen. Beim Vollangriff wehrten sich die Ukrainer.
Schwingen grosse Reden von wegen sozialschmarrotzenden Assylanten. Wenn man sich aber mal anschauen würde, wer Gelder in die Sozialkassen einzahlt und wer davon Gelder bezieht… Ihr Traum von Helmut nimm uns bei der Hand und führe uns ins Wirtschaftswunderland hat sich nicht erfüllt und jetzt haben sie innerlich mit der Bundesrepublik gebrochen.
In der BRD wird das Thema verdrängt. Ich denke, dass diese Gebiete so einfach nicht in ein Land gehören.
Schwesig: so was von.
d) Ich habe in meinem Leben mit einigen Exil-Iranern beruflich zusammengearbeitet und auch privat Verbindungen. Ich hatte über die Jahre immer den Eindruck, dass die hoffen, die USA würde das Mullah Regime irgendwie wegbomben. Mir erschien dies immer als eine Ausnutzung der USA. Nach dem Massaker zu Anfang dieses Jahres verstehe ich deren Positionen viel besser. Ein Volksaufstand kann eigentlich diese modernen Autokratien kaum wegfegen. Die grösste Hoffnung existiert aktuell auf Kuba. Air Canada fliegt keine Touristen mehr nach Havanna, weil da wg Trumps brutalem Ölboykott einfach nicht mehr genug Kerosin da ist. Irre!
Ich habe eine ca 600 seitige Landesgeschichte des Irans in Englisch, die ich unbedingt bald dann mal lesen will. Es gab in der europäischen Geschichte mehr Anknüpfungspunkte als viele hier gemeinhin denken. Der Iran des alten Schahs hatte einige wirklich widerwärtige Charasterika. Es wurde viel gefoltert und die Mullahs übernahmen den Inlandsgeheimdienst. Andererseits ist der Iran historisch noch vor Marokko und Tunesien, dass islamische Land mit den tiefsten Verbindungen zu westlich-aufklärerischen Denken. Die Moscheen sind dort leer und sie werden regiert von hardcore Islamisten. Das macht keinen Sinn! Der aktuelle Schah erscheint mir sehr vernünftig und man kann ihn nicht in Sippenhaft für die Fehler seines Vaters verantwortlich machen.
Ein Monarch als einigende Kraft erscheint mir für die komplexe Aufgabe eines reboots des Nationbuildings keine schlechte Idee. Die Aufgabe unserer „Deutsche Einheit“ haben wir unterschätzt und ist aus meiner Sicht gescheitert. Pahlewi will auch nicht als absoluter Monarch regieren sondern eine konstitutionelle Monarchie.
Ich wüsste nicht, was gegen einen Beitritt Israels oder Kanadas in die EU spricht. Die EU ist ein Staatenverbund, der nicht durch geografische Verhältnisse begrenzt sein muss. Alleine die europäischen Übersee-Territorien oder auch der USA beweisen ja das Gegenteil.
Weil die Überseeterritorien zu einem Staat in Europa gehören! Keiner würde auf die Idee kommen, Australien in die EU aufzunehmen.
In der EBU ist Australien drin, wie man an dem ESC Theater sieht.
1) Klimaschutz
Ein Zielkonflikt, weil gleichzeitig Schuldenbegrenzung und massive Klimaschutzmaßnahmen ohne Steuererhöhungen erreicht werden sollen, ein Normenkonflikt, weil einschneidende Maßnahmen in einer möglichst freiheitlichen Grundordnung geschehen sollen. (..)
Ich halte das für zu kurz gesprungen, denn Klimaschutz und Wirtschaftswachstum schließen sich nicht automatisch aus, auch Klimaschutz und energieintensive Branchen sind, wenn man die Energie denn „grün“ gewinnt, kein Widerspruch.
Du formulierst selbst den Widerspruch. Neunzig Prozent aller Investitionen entfallen auf private Haushalte und Unternehmen. Das ist eine internationale Faustformel, die auch für Deutschland gilt. Auch wenn der Staat eine vereinbarte Schuldenbremse ignorieren kann, die Bürger können es nicht. Sie müssen sich den Strom, eine Haussanierung und ein neues Auto leisten können. Und das können sie immer weniger, gerade auch, weil der Staat mit seinen hohen Steuern die Luft zum Atmen nimmt.
1990 lag der weltweite Anteil der in der EU erzeugten CO2-Emissionen bei 15 Prozent. Heute sind es 7 Prozent. Die gravierende Reduzierung hat die europäischen Bürger Billionen gekostet, allein für die Deutschen summieren sich die Kosten auf einen Billionenbetrag. Im gleichen Zeitraum sind die globalen Emissionen von 22 Milliarden Tonnen auf 38 Milliarden Tonnen gestiegen. Effekt für das Klima? Jedes Kind erkennt, dass die Einsparungen an einer Stelle gar nichts bringen.
Der Klimaschutz ist ein klassisches spieltheoretisches Problem. Und es ist festzustellen, dass die meisten Menschen eher die Erderwärmung in Kauf nehmen als auf Wohlstand zu verzichten. Die deutsche Klimapolitik ist so national bis nationalistisch, wie Politik nur sein kann. Wir haben beschlossen, uns aus idealistischen Motiven arm zu machen. Die Welt folgt uns dabei nicht.
Ich verstehe nicht, wie man dermaßen einfache Mathematik nicht erkennen kann. Ohne die Reduzierung wäre es noch mehr. Das erkennt zwar nicht jedes Kind, aber genau dafür haben wir ja studiert, nicht?
Ja, wenn wir Deutschen Selbstmord begehen, wäre das irgendwie auch gut fürs Klima. Nicht messbar, aber theoretisch.
Es kann aber auch anders sein: CO2-Emissionen entstehen durch Verbrennungsprozesse fossiler Rohstoffe. Hans-Werner Sinn hat das schon vor zwanzig Jahren skizziert: Bei einem gegebenen Angebot an Rohöl und sinkender Zahl an Konsumenten fällt der Preis für Rohöl, was das Verbrennen wiederum attraktiver für die übrigen Konsumenten macht. Es bringt nichts, partiell Nachfrage rauszunehmen, wenn das Angebot gleich bleibt. Zugestanden, dafür habe ich ja Ökonomie studiert.
Aber Kinder verstehen: Wenn Mama eine Schokolade gekauft hat und die Schwester nicht zulangt, bleibt umso mehr Schokolade für mich!
Die Dänen kriegen beides hin: Klimaschutz und Wohlstand. Und sind dabei noch glücklicher als wir.
https://www.derstandard.de/story/3000000296897/warum-daenemark-weltweit-beim-klimaschutz-am-besten-abschneidet
Ach, sind jetzt wieder mal die Dänen in? Ein kleines Völkchen im Norden.
Die Welt folgt uns dabei nicht.
Was den Ausbau erneuerbarer Energien betrifft, folgt uns die Welt nicht, sondern hat uns teilweise überholt.
Ein paar Zitate von Ember.
„China accounted for more than half of the global increase in wind and solar power in 2024“
„India overtook Germany to become the world’s third largest generator of electricity from wind and solar in 2024“
„The EU’s electricity transition reached a major milestone in 2025, with wind and solar generating more power than fossil fuels“
„Japan remained the fourth-largest solar generating country globally in 2024, but lags far behind on wind“
„Record renewables growth helped push clean power past 40% of global electricity in 2024, bringing the world to the brink of a new era of declining fossil generation „
In China liegt der Anteil der Erneuerbaren am Strommix bei 30 Prozent, in Deutschland zwischen 54 und 64 Prozent.
Wenn Sie sich die Entwicklungskurven von ausgereiften Staaten mit hohem Anteil regenerativer Energieträger ansehen – die Skandinavier und die Balten – so können Sie erkennen, dass sich die Ausbaukurve nach dem Erreichen eines Sättigungspunktes, der zwischen 40 und 55 Prozent liegt, immer weiter abflacht.
Die Länder, die schon heute zu 100 Prozent auf Erneuerbare setzen, sind:
Äthiopien, Albanien, Buthan, der Kongo, Lesotho, Nepal. Die sind uns wirklich Lichtjahre voraus. Das erste EU-Land ist Dänemark, weit hinter Uruguay z.B. Dann folgen ausschließlich kleine europäische Länder. Deutschland kommt als erstes großes Flächenland in der EU, noch vor dem Sonnenstaat Spanien mit sehr kräftigen Winden und vor der Insel Großbritannien. Also, so schlecht sind wir nicht. Nur war unsere Energiewende maßlos teuer.
Die Sache ist: kein großes Industrieland, schon gar nicht mit wenig Küste und dafür viel Inland, kann ausschließlich auf Erneuerbare setzen. Und das tut auch keiner. Die Atomkraft bleibt alle eine wichtige Grundlastenergie.
Die Fakten sind da eindeutig.
In China wächst der Anteil der erneuerbaren rasant.
Laut chatgpt f 2025: 36 bis 40%. Dazu gibt es aber bisher nur Schätzungen. Neu hinzugebaut 2025 > 80%. In ersten Jahreshälfte sogar 91%.
Ich bin dafür, die deutsche Energieversorgung zu überdenken, nur nicht mit dem China-Argument.
Interessant für Argumente gegen Regenerative Energien ist oft triggernometry, wobei ich da nicht mit allem übereinstimme: https://www.youtube.com/watch?v=oxijK1oILkc
Die Sache ist die, Lemmy: Von niedriger Basis aus sind Wachstumsraten immer gigantisch. Deutschland erlebte nach dem Krieg ein „Wirtschaftswunder“, China hatte von 1980 bis 2015 sehr hohe Zuwächse, Start-ups verdoppeln und verdreifachen oft in den ersten Jahren ihren Umsatz, derAusbau regenerativer Energien nimmt bis zu einer Quote von 40-50 Prozent am Strommix rasant zu. Fünfzig Prozent übrigens will China erst 2030/2031 erreichen.
Dieses Schema ist immer zu sehen, auch in Skandinavien, auch im Baltikum. Wir können Wetten abschließen, dass sich nach 2030 auch in China der Ausbau stark abflachen wird. Denn weder wird das Land der Mitte Kernenergie noch Kohle als grundlastfähige Energieträger aufgeben. Das machen nur Deutsche.
Deutschland kann nicht auf 100% Regenerative gehen. Weder können wir die Windkraft noch viel weiter hochziehen, weil dazu die Offshore-Flächen wie bei den kleinen Küstenländern (z.B. auch Uruguay) fehlen. Noch können wir auf Grundlastträger verzichten. Da wir uns ja von der Kernenergie verabschiedet haben, bleiben noch Kohle und Gas.
SP: Von niedriger Basis aus sind Wachstumsraten immer gigantisch.
LC: Ich habe mich offenbar nicht gut ausgedrückt.
„80% der 2025 hinzugebauten Infrastruktur zur Energieerzeugung ist regenerativ“ hat nichts mit irgendeiner Basis weiter in der Vergangenheit zu tun. Das ist einfach ein Anteil einer Teilmenge bezogen auf einen Zeitraum.
[Cool: ChatGpt hat Matlab genutzt, dass offenbar Graphiken in Text erzeugen kann. Ich bezahl nix an die. Man kann vielleicht in den queries in Zukunft schreiben: „und erzeuge eine Matlab Grafik. Dann kriegt man das öfter oder immer.]
Zubauzahlen fuer 2025:
Solar █████████████████████████████████ 57,8%
Wind ██████████ 21,8%
Kohle ███████ 17,1%
Wasser █ 1,5%
Atom ▏ 0,3%
Gas <1% (in Kohle enthalten)
Zu Kohle habe ich noch gefunden, dass trotz des recht starken Ausbaus der Kohlekraftwerke verschiedene Prognosen von einem Peak Kohle irgendwann bis 2030 ausgehen.
Atom und Kohle sieht China als Mittel der Energie-Sicherheit. Die haben ja – anders als wir – kein europäisches Verbundsnetz im Rücken. Die Kraftwerke gehen immer nach einem time-lag ans Netz. Die Planung der 2025 ans Netz gegangenen Kohlekraftwerke hat vor vielen Jahren begonnen. Ich würde erwarten, dass in den nächsten Jahren sich das Verhältnis von Kohle und Atom bei der neu ans Netz gehenden Kapazität Richtung Atom verschieben wird. Die Regenerativen werden aber voraussichtlich sehr stark bleiben. China stellt die Anlagen ja auch selber her. 82% für Wasser, Wind, Solar ist ohne jeden Zweifel beträchtlich und das bezieht sich wie gesagt nicht auf Ausgangswerte in der Vergangenheit.
Cool!
Ich habe mich anscheinend nicht deutlich ausgedrückt: Entscheidend ist nicht die Ausbaugeschwindigkeit, sondern der Anteil. Das gilt im Hinblick auf das Argument, man solle sich ein bestimmtes Land zum Vorbild nehmen. Welches Land hat abseits kleiner Inseln und hohem Küstenanteil ein so hohes Niveau an regenerativen Strom wie Deutschland? Keins.
Einschränkung: Windkraft. Wasserkraft zählt nicht.
Dass der Ausbau immer schwieriger und teurer wird und sich dann die Kurven abflachen ist klar, weil zunehmend Speicher gebaut werden müssen, sowie Backup-Kraftwerke, Verteilernetze und sowas. Ob das die Ursache für das Abflachen der Kurven ist weiß ich nicht. Ich weiss auch nicht, welche Länder Sie meinen. Ich habe mal für Schweden geschaut, und dort erhöht sich die alternative Stromerzeugung recht gleichmässig. Der relative Anteil flacht ein wenig ab, aber nur weil der Strombedarf leicht ansteigt.
Zu ihren Dritte Welt-Ländern mit 100% erneuerbaren, möchte ich gerne Norwegen (96%) und Brasilien (85%) hinzufügen. Beide Länder besitzen Unmengen an Gas- und Oelvorkommen, exportieren das Zeug aber lieber, weil man damit mehr Geld machen kann, als es daheim zu verbrennen. Ganz offensichtlich sind die Wind und Sonne doch billiger. Beide Länder sind zwar mit Wasserkraft gesegnet, bauen aber trotzdem intensiv Sonne und Wind aus.
Die Sache ist: kein großes Industrieland, schon gar nicht mit wenig Küste und dafür viel Inland, kann ausschließlich auf Erneuerbare setzen.
Wieviel große Industrieländer mit wenig Küste gibt es denn überhaupt? Da fällt mir nur Russland ein. Vielleicht haben sie Recht und 100% erneuerbare Stromerzeugung wird nicht gehen. Darüber können wir aber auch noch reden, wenn Industrie, Verkehr, Wärme elektrifiziert wurde und der Strom dafür zu 80% erneuerbar ist. Bis dahin ist es erstmal noch ein sehr weiter weg.
Wo sehen Sie denn die großen Speicher? Also nicht in Deutschland, sondern in anderen, vorbildlichen Staaten? Perfekt wäre, wenn sie irgendwie vergleichbar mit Deutschland wären. Also nicht Spanien oder die Schweiz, die mit riesigen Wasserkraftwerken den aus der Windkraft gewonnenen Strom storen.
In Deutschland sieht es so aus, dass wir seit der Abschaltung der letzten Kernkraftwerke in den sonnen- und windarmen Zeiten massiv Strom aus Frankreich, Polen, Tschechien und sogar Schweden importieren.
Ob das die Ursache für das Abflachen der Kurven ist weiß ich nicht.
Das ist das Gesetz der Ökonomie.
Bei der Windkraft liegt Deutschland in allen Statistiken teilweise meilenweit vorn. Und Sie können erkennen, dass sich auf hohem Volumen der Zuwachs in der EU immer weiter abgeflacht hat. Ich hatte auch mal eine Grafik, die die Entwicklung des Ausbaus der Windkraft in der EU nach Mitgliedsländern zeigte. Diese habe ich vor Jahren in einem Artikel verwendet. Egal ob Sie Dänemark, Schweden, Litauen oder Island nehmen: Erst steigen die Kurven steil an, bis sie an einem Wendepunkt in eine Sättigungsphase übergehen.
Deutschland hat 1.200 km Küste, Schweden 8.000 km+. In Deutschland kommen 0,0042 Quadratkilometer Landfläche auf einen Einwohner, in Schweden 38.400 Quadratmeter. Wind- und Solarparks brauchen enorm viel Fläche. Finden Sie Schweden und Deutschland wirklich vergleichbar?
Zu ihren Dritte Welt-Ländern mit 100% erneuerbaren, möchte ich gerne Norwegen (96%) und Brasilien (85%) hinzufügen.
Dito zum Vorgesagten. Die meisten Norweger leben in drei Städten, hauptsächlich Norwegen. Riesige Küstenstrecken (Offshore), riesige, menschenleere Landflächen, enorme Winde. Brasilien besitzt ähnlich lange Küsten wie Schweden. Brasilien ist ein Schwellenland, Schweden ein hoch entwickeltes Industrieland.
Brasilien setzt gerade zu 15 Prozent auf Windkraft, trotz der großen Küste. Den Hauptanteil trägt – wie auch in Spanien und der Schweiz – die Wasserkraft mit 55 Prozent davon. Ja, dann braucht man wenig Kohle, weil Wasserkraft ist grundlastfähig.
Wieviel große Industrieländer mit wenig Küste gibt es denn überhaupt?
Polen ist ähnlich strukturiert. Der Punkt ist aber, dass selbst die Staaten mit viel Küste nicht allein auf regenerative Energieträger setzen. Meist liegt der Anteil deutlich unter dem Deutschlands. Hier werden immer kleine Insel- und Küstenstaaten als vorbildlich angeführt. Litauen oder Island sind kein Vergleich.
Wo sehen Sie denn die großen Speicher?
Es gibt unzählige Anfragen bei für Batteriespeicher bei den deutschen Netzbetreibern. Deren Umfang übersteigt deutlich die notwendige Leistung und Kapazität um ganz Deutschland einen Tag mit Strom zu versorgen. Die werden nicht alle genehmigt oder gar gebaut, aber das Potential und das wirtschaftliche Interesse ist da. Diese Kurzzeitspeicher helfen auch bei längeren Dunkelflauten, weil man mit Backup-Kraftwerken nicht mehr die maximale Leistung abdecken muss, sondern lediglich die mittlere Tagesleistung.
In Deutschland sieht es so aus, dass wir seit der Abschaltung der letzten Kernkraftwerke in den sonnen- und windarmen Zeiten massiv Strom aus Frankreich, Polen, Tschechien und sogar Schweden importieren.
Stimmt. Und wenn, wir Wind haben, exportieren wir in diese Länder. Und wenn, wie jetzt , in der Schweiz ein Atomkraftwerk ausfällt exportieren wir in die Schweiz.
In den letzten Wochen (sowohl Januar, als auch Februar), haben wir trotzt fehlender Sonne und nur mässigem Wind, im Mittel mehr Strom exportiert, als importiert. Die Nachbarn Belgien, Schweiz und Oesterreich mussten Strom importieren. Polen in den letzten Wochen ebenfalls .
Strom grenzübergreifend zu handeln nützt jedem und ist nicht schlecht. Wir brauchen ein Stromnetzt für ganz Europa! Dann würden sich solche Diskussionen erübrigen.
So. Anfragen bauen. Toll. Sorry für die Ironie. Das Verhältnis von Anfragen zu konkreten Aufträgen bewegt sich im Wirtschaftsleben zwischen 1:10 und 1:1000. Deswegen sollten wir in Diskussionen nur auf Fakten gehen. Was existiert konkret und was wird gebaut.
Und wenn, wir Wind haben, exportieren wir in diese Länder.
Wenn sie’s nicht wollen, weshalb der Strompreis dann extrem niedrig ist und häufiger unter Null fällt. Das sieht nicht wirtschaftlich aus.
Nur, was ist denn mit dem Argument, weshalb wir unsere Kernkraftwerke überhaupt abgeschaltet haben? Nichts bleibt davon übrig.
Strom grenzübergreifend zu handeln nützt jedem und ist nicht schlecht.
Das sagen unsere Anrainer nicht.
„Das sagen unsere Anrainer nicht.“
Trump ist nicht unser Anrainer.
Der Artikel ist zwar inzwischen 10 Jahre alt, was aber nur zeigt, wie lange das Problem schon schwelt:
Der Übergang von Atomkraft zu Wind- und Solarenergie überfordert Deutschlands Stromnetz. Tschechien, Polen, die Niederlande, Belgien und Frankreich haben darunter zu leiden. „Wenn im Norden ein starker Wind weht, bekommen wir ihn ab, dann haben wir den Blackout,“ sagte Tschechiens Ständiger Vertreter bei der EU.
Um den, häufig unerwarteten, Stromflüssen — so genannte Ringflüsse — ein Ende zu bereiten, nehmen die Länder das Problem nun selbst in die Hand. Aus Sorge um die Stabilität seiner eigenen Stromnetze und um Strom exportieren zu können, installiert Tschechien derzeit Blockadevorrichtungen, die 2016 in Gebrauch genommen werden sollen.
„In der Vergangenheit, mit Kohle- und Atomkraftwerken, war das Stromsystem extrem planbar. Jetzt mit immer mehr erneuerbaren Energien ist das System nicht mehr so leicht planbar. Dies kann zu einer Herausforderung in der Binnenmarktdebatte werden,“ sagte Joanna Maćkowiak Pandera vom deutschen Think Tank Agora Energiewende.
„Wir haben den Deutschen gesagt, entweder ihr baut euer Stromnetz aus, oder wir sperren euch aus,“ sagte ein EU-Diplomat Journalisten in Brüssel.
https://www.politico.eu/article/mitteleuropa-zittert-im-deutschen-wind/
Und die Leute heißen allesamt nicht Trump.
Aktueller:
„In der Vergangenheit, mit Kohle- und Atomkraftwerken, war das Stromsystem extrem planbar. Jetzt mit immer mehr erneuerbaren Energien ist das System nicht mehr so leicht planbar. Dies kann zu einer Herausforderung in der Binnenmarktdebatte werden,“ sagte Joanna Maćkowiak Pandera vom deutschen Think Tank Agora Energiewende.
„Wir haben den Deutschen gesagt, entweder ihr baut euer Stromnetz aus, oder wir sperren euch aus,“ sagte ein EU-Diplomat Journalisten in Brüssel.
Die negativen Folgen dessen hat man im Dezember gesehen, als in Deutschland kein Strom aus erneuerbaren Quellen produziert werden konnte (Dunkelflaute). Das hat auch die Strompreise in Südschweden stark ansteigen lassen – zum Ärger der dortigen Energieministerin.
Schwedens Energieministerin Ebba Busch äußerte sich in diesem Zusammenhang kritisch in Richtung Deutschland. Laut der Zeitung Aftonbladet ist sie „sauer auf die Deutschen“, weil diese das Land nicht in Strompreiszonen eingeteilt und die Atomkraft abgeschaltet haben. Die hohen Strompreise in Südschweden seien aber auch das Ergebnis der stillgelegten Atomkraft dort. Schweden will den Anteil der Kernenergie im Strommix aber bis 2030 auf 50 Prozent erhöhen.
https://www.merkur.de/wirtschaft/sauer-auf-die-deutschen-eu-erwaegt-intervention-in-deutsche-energiewende-forderung-nach-niedrigeren-strompreisen-zr-93517531.html
Man muss schon blind und taub sein, um dieses jahrelange Lamento nicht wahrzunehmen. Es ist falsch zu behaupten, die deutschen Anrainer würden sich über unsere Energiewende freuen. Im Gegenteil: Vehement wurde in Brüssel auf die Deutschen, damals Ampel regiert, eingeredet, die Atommeiler weiterlaufen zu lassen.
„Der Artikel ist zwar inzwischen 10 Jahre alt…“
Verarschen kann ich mich alleine.
Oje, bei Ihnen wurde nicht nur das Lehren von Benehmen versäumt, sondern auch, dass man andere ausreden lassen sollte bzw. komplett lesen. Das haben Sie offensichtlich versäumt:
aktueller:
Und der Artikel ist von 2025. D.h. das Ärgernis „deutsche Energiewende“ ist für unsere Nachbarn ein dauerhaftes Ärgernis.
Und jetzt ist Schluss. Ich habe keinen Bock mich mit jemanden auszutauschen, der nicht ein Minimum an Manieren besitzt.
„… bei Ihnen wurde nicht nur das Lehren von Benehmen versäumt…“
Zur Erinnerung – deine Sprache ist:
„Irgendjemand muss Ihnen endlich richtig aufs Maul hauen. So, dass es richtig weh tut.“
2) CDU und LINKE
Die CDU steht tatsächlich vor einem Scheideweg. Sie hat nur drei Optionen: Neuwahl bis der Arzt kommt, eine Koalition mit der LINKEn als schwächstem Glied oder einer Koalition mit der AfD als stärkstem Glied und Ministerpräsidenten. (..) Aber nur eine dieser Optionen ist demokratieverträglich.
Das ist wieder die Überheblichkeit aus dem Lehnsessel. Was für eine Regierung soll das sein, von konservativ bis linkspopulistisch? Da können wir das Wählen doch gleich sein lassen. Es ist nicht Aufgabe von Politikern und Parteien zu richten, was demokratisch ist und was nicht. Das ist die vornehme Aufgabe der Bürger und im Zweifel des Verfassungsgerichts.
Und das habe ich schon 2012 mit Blick auf die Wahlen in Lettland gesagt. Damals beabsichtigten die Parteien, durch eine All-Parteien-Koalition von rechtsnationalistisch bis kommunistisch zu bilden um so den Wahlsieger der russischen Minderheit von der Regierung fernzuhalten. Wörtlich sagte ich damals, die Letten bräuchten anscheinend Nachhilfe in Demokratie.
Inzwischen gilt das die für deutsche Politik. Es ist gute Übung in Demokratien mit Verhältniswahlrecht, dass der Auftrag zur Regierungsbildung an die stärkste Fraktion geht, schon gar, wenn sie mit deutlichem Abstand gewinnt. Nur in selten Ausnahmefällen kommt der Zweitplatzierte zum Zug – und immer mit einem unguten Gefühl, siehe zuletzt in Spanien.
Zu Schwesig hat Lemmy bereits das Notwendige geschrieben. An Vaterlandsverräterei macht der SPD-Politikerin schwer jemand etwas vor. Erik Holm ist mit Sicherheit kein Extremist.
„Erik Holm ist mit Sicherheit kein Extremist.“
Natürlich ist er das. Die AfD ist in MV ein ebensolcher brauner Sauhaufen wie im Rest der Republik.
„Wörtlich sagte ich damals, die Letten bräuchten anscheinend Nachhilfe in Demokratie.“
Das brauchten sie nicht, und schon gar nicht von dir.
Mittlerweile ist diese Partei nämlich bei der Wahl an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert:
https://en.wikipedia.org/wiki/2022_Latvian_parliamentary_election
) Nathan der Weise in einfacher Sprache
Warum lernen wir andere Sprachen? Warum beschäftigen wir uns mit fremden Kulturen? Weil wir verstehen lernen wollen.
Ist Nathan der Weise Lernstoff der Haupt- oder Realschule?
Jupp. Ich würde das Ding auch nicht in einfacher Sprache machen, ich halte da wenig von. Ich würde es entweder ganz oder gar nicht machen. Aber wir sollten uns nicht drüber täuschen, welche Hürden das hat.
Einige Schulen fahren gut mit dem Mittelweg: Die Botschaft (und die zeitgeschichtliche Bedeutung!) kommt in einfacher Sprache gut rüber. Dazu exemplarisch ein oder zwei Passagen im Original.
Ich erinnere mich (damals, Stefan war ja so nett, im Podcast darauf hinzuweisen, dass ich jetzt uralt bin :P)
in den Fremdsprachen haben wir das in der Oberstufe oft aufgeteilt also zb Shakespeare („wie es euch gefällt“ hatten wir) erstmal in Deutsch zu lesen, damit wir den Inhalt kennen und nicht sofort in den sprachlichen Fallen steckenbleiben.
Shakespeare fand ich mit 16 – selbst im englischen Original – deutlich leichter als Schiller oder Goethe zu lesen.
Ebenfalls korrekt!
Genauso wie man erstmal Lektürehilfen lesen sollte.
Genau, das sind alles vorstellbare Wege.
b) Die Skandale von Katharina Reiche würden bereits für drei grüne Minister*innen reichen. Merkwürdig still ist es da bei Springers.
Die Nutzung des eigenen Dienstwagens für „private“ Anlässe sind kein Rücktrittsgrund. Auch in Unternehmen sehen Verträge ausdrücklich die private Nutzung vor. Baerbock und Lauterbach flogen 2024 mit der Flugbereitschaft von Berlin nach Frankfurt, um das dritte, unbedeutende Gruppenspiel der deutschen Mannschaft gegen die Schweiz zu sehen. Das wäre, schon wegen der Heuchelei der grünen Politikerin, weit eher ein Rücktrittsgrund. Denn die Flugbereitschaft ist eindeutig nicht für private Zwecke.
i) Die Sorgen der Menschen, was Gerechtigkeitsfragen angeht, decken sich nicht wirklich mit dem, was man in den Medien so liest.
Das Problem der Deutschen ist, dass sie die Ungleichheit völlig falsch einschätzen. Und das ist dann noch gepaart mit meinen Gleichheitsverständnis, das sich auf dem Niveau Russlands bewegt.
https://www.welt.de/wirtschaft/article191505589/Ungleichheit-Zwei-Gruppen-sind-die-Gewinner-der-deutschen-Billionen-Umverteilung.html
Vor einigen Jahren erbrachte eine Umfrage, wonach die Deutschen das Maß der Einkommensungleichheit ähnlich justierten wie in den USA. Ein Grund ist die Unfähigkeit zwischen Einkommens- und Vermögensungleichheit zu unterscheiden. Und bei der Einschätzung der Vermögensungleichheit kommt die Unfähigkeit hinzu, die eigenen Rentenansprüche in die eigene Vermögenskalkulation einzubeziehen.
Eine gleiche Gesellschaft, noch dazu ethnisch multikulturell zusammengesetzt, ist eine arme Gesellschaft. Wohlstand und Freiheit bedingen Ungleichheit im Einkommen und Vermögen. Die meisten Völker dieser Welt kommen damit gut zurecht. Die Deutschen nicht. Sie beklagen, dass sich Leistung nicht lohnen würde, wenden sich aber nicht gegen eine extreme Abgabenlast und wundern sich über wirtschaftliche Stagnation.
Ich finds unendlich witzig, dass wo es deine Interessen abdeckt natürlich dem Mehrheitswillen gefolgt werden muss, aber wenn die Ansichten der Mehrheit deinen widersprechen, dann verstehen es alle völlig falsch.
Du, wenn die Deutschen im Sozialismus leben wollen und Parteien das verfassungskonform hinbekommen – herzlich gern. Ich muss das ja dann nicht hier miterleben.
1) Axel Bojanowski ist ein notorischer Lügner, der sich gerade eine Rüge vom Presserat eingefangen hat:
https://www.lobbycontrol.de/aus-der-lobbywelt/presserat-ruege-irrefuehrende-berichterstattung-der-welt-ueber-ngos-123791/
d) Nicht angesprochen wird im Kommentar, daß unter Reza Pahlavis die ethnischen Minderheiten, insbesondere die Kurden, unterdrückt wurden und sich nun Ultranationalisten um ihn scharen.
Angesprochen wird das in diesem Podcast aus der letzten Woche:
https://taz.de/Nach-den-Protesten-gegen-das-Regime/!6151445/
b) „Die Gästeliste ist nicht offiziell bekannt.“
Mittlerweile schon:
https://fragdenstaat.de/artikel/exklusiv/2026/01/reiche-gaesteliste-alpentreffen/
Da graust es der Sau, wie das Amt mit Privatem verquickt wird.
5) „Aber die Art dieser Korruption ist geschlechtsspezifisch.“
Und deswegen wundert es einen auch nicht, wie groß die Überschneidungen des Epstein-Netzwerks mit dem Backlash gegen MeToo sind.
2) Ich denke, es ist auch eine Frage der Notwendigkeit. Die CDU ist eigentlich keine Partei, die dauerhaft ohne gangbare Machtoptionen funktionieren kann.
Ich kann mir gut vorstellen, dass man das eventuell ähnlich wie die SPD lösen könnte, da gab und gibt es ja die Vorgabe „in Landesparlamenten ja, im Bund nein“ auch mit dem simplen Vorteil, dass die großen ideologischen Grabenkämpfe auf den untergeordneten Ebenen eine kleinere Rolle spielen.
2) Ja absolut, ich kann mir auch vorstellen, dass das ein Problem der Masse ist.
Da sind Neologismen aus dem 18. Jahrhundert drin, Wortspiele, deren Grundlage heute niemand mehr kennt, Ideen und Konzepte, die schlichtweg eine große Breite an Hintergrundwissen erfordern.
Und ich finde es auch absolut wichtig, dass es Teil des Deutschunterrichts ist, da einen Zugang zu ermöglichen, auch zu anderen Textgattungen.
Ich kann das auch nicht mal schnell so weglesen wie alles andere: News-Artikel, Essays oder moderne Romane.
Das sind ja wichtige Skills, die Konsequenz ist aber letztendlich, dass man selbst so ein gesamtes Werk in eine moderne Lesart überführt, BEVOR man überhaupt dazu kommt, sich mit dem Inhalt auseinanderzusetzen.
Das ist ziemlich sicher nicht machbar, wenn die Vorgabe ist, dass man in einem Jahr fünf Werke aus drei Gattungen durchziehen soll. (am Ende kippt Goethe hintenüber und das geht ja auch nicht!^^)
5) Alan Posener stellt in der Welt die Frage, ob die Epstein-Files nicht ein Beleg für toxische Männlichkeit seien, die wir zu wenig im Griff haben
[…]Also quasi: was hättest du, lieber Mann, getan, wenn du die Möglichkeiten gehabt hättest, die Epstein Trump, Gates und Musk einräumte?
Hm tja. Ach was?
Zu dieser Menge an Menschen, die da wirklich reingehörten, gibts doch 100x mal mehr Männer, die sich nichts sehnlicher gewünscht haben als auch so eine Eintrittskarte zu bekommen und genausoviele Artikel wie erstrebenswert es als Lifegoal ist, in diese elitären Zirkel der Leistungsträger hineinzukommen.
Und das ist was für sexuell potente, rebellische Overperformer. Nichts für Menschen, die nach Regeln spielen, Rücksicht nehmen, ihre Zeit damit verplempern über Gefühle nachzudenken (sowohl eigene als auch die anderer Menschen – Gott bewahre!) etc.
Ich finde auch Masins ersten Kommentar dazu bedenkenswert, denn ich glaube das Mindset funktioniert auf unterschiedlichen Ebenen, ob im Top-Elite Zirkel oder Normalso wie im Fall Pelicot. Das ist schon ein Kick, sämtliche (gerade körperliche/sexuelle) Grenzen zu durchbrechen und sich darauf zu verlassen, damit durchzukommen.
2) Jo.
2) Genau, man muss sich halt im Klaren sein, was man da tut und warum. Ich sag ja auch nicht, dass das komplett ohne sein soll.
5) Jo.
3) Ein paar Gedanken dazu
i) Das Genre „Versdrama“ ist sprachlich anspruchsvoller als andere und entsprechend ist die „Verfremdung“ durch eine geänderte Version gravierender.
ii) Wie schaffen es andere Länder, auf ihren weiterführenden Schulen die jeweiligen Klassiker im Original zu lesen (Danke an LemmyC für den Hintergrund in der Diskussion zum Buch von Bob Blume) , obwohl diese z.T. deutlich älter sind?
iii) Verwandt: Wieso machen die Schulbuchverlage keine „zweisprachigen“ Versionen mit Übersetzung in moderne Sprache
iv) Generell muss man bei „easy reader“ genau ansehen, was es ist. Moderne Sprache ist etwas anderes als „Einfache Sprache“ und „Leichte Sprache“ ist ein ganz eigenes Thema
v) „Pfaffe“ ist jetzt kein so veraltetes Wort, das kam auch noch im frühen 21. Jahrhundert in Zeitungsartikeln vor. Konkret: Wie willst du einen Artikel über Joachim Gauck schreiben ohne das Wort „pfäffeln“ zu verwenden?
vi) (nicht persönlich nehmen) Wenn deine Schüler mit dieser konkreten Stelle nichts anfangen können, ist es weniger ein Versäumnis des Deutsch- als vielmehr des Geschichtslehrers, Er hat versäumt, ihnen zu vermitteln, wie zentral im MA der Kampf um die Deutungshoheit zwischen geistlicher und weltlicher Macht war. Damit ist es super-verständlich: Der Tempelritter möchte geistlichen Rat, aber keinen Präzedenzfall. Deshalb drückt er sich so verklausuliert und unverbindlich aus, wie nur irgend möglich.
ii) Ich kann mir nicht vorstellen, dass das ein deutsches Problem ist. ich meine über Shakespeare hab ich das schon oft auch von englischen Muttersprachlern gelesen, obwohl ich da quasi null in der allgemeinen Debatte drin bin.
v) Funfact: wenn man das Wort pfäffeln googelt, erhält man Tipps zum Waffelbacken, also ich würde das jetzt nicht zwingend als allgemein gebräuchlichen Ausdruck bezeichnen 😀
Aber ich finde das Beispiel gut, weil es auch ein bisschen die regionalen Unterschiede zeigt: ich weiß, was es heißt, ich kenne es aber auch hauptsächlich aus alten Texten. Ich verbinde es auch eher mit südlicheren, katholisch geprägten Gegenden.
Genauso muss man hier vielleicht erklären, was und wann überhaupt dieser Martinstag ist, während das woanders in Deutschland vielleicht genauso bekannt ist wie Ostern.
ii) Nicht das Problem ist „deutsch“ sondern diese Art „Lösung“: Die Sprache ist schwierig, also lassen wir es.
v) Regional ist ein ganz anderes Thema, in (oberbayrischen) Heimatgeschichten habe ich auch „pfaffeln“ für das Zusammenbinden von Getreide zu Garben nach der Ernte gelesen.
Aber bleib doch bei meiner konkreten Frage: Gibt es für dich moderne Worte, die die Rhetorik des Ex-BuPrä Gauck besser beschreiben als „Pfaffe“ (oder das ebenfalls altertümliche „salbadern“) ? Wenn nicht, dann wäre das ein Signal für Sprachverarmung – und das fände ich doppelplusungut.
3i) Korrekt, deswegen sehe ich da auch wenig Wert drin.
ii) Die machen das ziemlich ähnlich.
iii) Weil i)
iv) Richtig!
v) Ich kann dir nur aus meiner Erfahrung sagen, dass das wenig bekannt ist.
vi) lol, nein, sorry. Das MA kommt in Klasse 7 oder Klasse 8. Das ist auf anderem Abstraktionsniveau und das wissen die in 11/12 meistens nicht mehr.
Das Alter des Textes ist ja offensichtlich nur ein Faktor unter vielen.
In der Blütezeit von Spaniens „Goldenen Zeitalters“ (Siglo de Oro) 1550 bis 1650 entstanden dort viele Theater zur Unterhaltung.
Der Dichter und Dramatiker Lope de Vega schrieb für die dann viele Stücke. Es gab Bedarf nach Material, zu dem möglichst vielen Personen Zugang finden konnten, d.h. klare Handlung, Fokus auf Liebe, Ehre, Konflikte, verständliche Sprache (auch wenn poetisch), unterhaltsam und emotional. Der ein Jahr später geborene Luis de Gongora schrieb dagegen Lyrik für den intelektuellen Teil der Oberschicht. Er benutzt sehr komplexe, künstliche Sprache, viele lateinische Strukturen, zahlreiche Mythologie-Anspielungen. Somit war er schon für seine Zeitgenossen schwer zu verstehen. Für die Verständlichkeit dieser Autoren für einen heutigen Leser potentiert sich die Evolution der Sprache mit den Besonderheiten des jeweiligen Autors. Ein heutiger Leser mit guten Spanisch-Kenntnissen kann Lope de Vega recht gut lesen, für Luis de Gongora benötigt er viele Erläuterungen.
In der klassischen Französischen Literatur ist Marcel Proust (geboren 1871) viel schwerer zu lesen als Jean de La Fontaine (1621), Stendhal (1783) oder Victor Hugo (1802), weil Proust einen auf künstlerische Effekte abzielenden Stil benutzte. Ich will jetzt nicht sagen, dass sich Victor Hugo für mich easy-peasy wegliest, aber er hatte das Ziel, auch von nicht so gebildeten Leuten gelesen zu werden. Das challenge seiner Hauptwerke liegt stark auch in der Länge. Die aktuelle Taschenbuchausgabe von Les Miserables hat etwa 1.650 Seiten mit kleiner Schriftgrösse, die ästhetisch aufwendigeren Ausgaben oder meine kindle-Version haben über 2000 Seiten.
Übersetzungen des Buches erschienen schon im französischen Erscheinungsjahr(!) 1862 auf Englisch, Deutsch, Niederländisch, Spanisch und Dänisch sowie nur ein paar Jahre später auf Italienisch, Russisch, Polnisch, Griechisch, Armenisch und Türkisch. Das Buch war ein fast schon globales Medienereignis mit angeschlossenem Hype.
Letztes Wochenende ist bei mir der Les-Miserables-Rausch ausgebrochen. Ich beschäftigte mich da gerade mit dieser neuen neoreaktionären Geistesströmung um Curtis Yarvin, Hans-Hermann Hoppe, Nick Land, etc. Ich fand das alles faszinierend, aber irgendwann kam in mir das Gefühl hoch, ich würde mich mit Perry Rhodan beschäftigen und in mir entstand der Drang nach Zivilisation. Ich komme aber auf die Neoreaktionären zurück. Bisher begeistert mich Les Miserables wie ich es nie vermutet hätte. Das Buch lässt sich gut timeboxen. Es hat 365 Kapitel.
Wir leben leider in einer ziemlich barbarischen Zeit.
Le Rhin (Der Rhein) von Victor Hugo hat viel komplexere Satzstrukturen als Les Miserables. Im Rhein Buch entwickelt er Ideen zum deutsch-französischen Verhältnis gegen Mitte des 19. Jhdt. Es richtet sich eher an Intelektuelle. In dem Hauptwerk Les Miserables entwickelt er seine Sichtweise auf soziale und politische Machtstrukturen in der Zeit nach der Französischen Revolution. Er zielte stark darauf ab, dass dies auch nicht so gebildete Leute lesen.
Zu 1) Das Bundesverfassungsgericht hat das Klimaschutzprogramm 2023 für verfassungswidrig erklärt und wesentlich einschneidendere Klimaschutzmaßnahmen gefordert.
Das beste, was dem BVerfG passieren kann, ist, dass die Politik es ignoriert. Das schlimmste, was ihm passieren kann, ist, dass die Politik dieses Urteil unter Berufung auf selbiges effektiv umsetzt.
Wer also effektiven Klimaschutz auf eine globale Einigung verschiebt, der sagt nur, dass er keinen will.
Wer also effektiven Klimaschutz auf die nationale Ebene eines Staates verschiebt, der sagt nur, dass er keinen will. Und er sagt darüberhinaus, dass er für diese Zielverfehlung die nationale Wirtschaft ruinieren muss.
Gruss,
Thorsten Haupts
Nein. Der Verfassungsgeber hat ja die Bedeutung des Klimaschutzes gerade noch einmal bekräftigt. Das müssen wir schon ausbaden, was wir uns selbst eingebrockt haben. Viel Spaß!
Ja, das beste ist immer, wenn die Politik unliebsame BVerfG-Urteile ignoriert, schon klar.
… denn die westlichen Männer sind eben weitgehend im besten Sinne machtlos: sie haben keine Gewalt mehr über die Körper von Frauen, anders als dies muslimische Männer tun. Möglicherweise wäre also weniger die überlegene liberale Kultur, sondern vielmehr die rohe Macht entscheidend. Ein unangenehmer Gedanke.
Nein. Das Wesen liberaler Gesellschaften – Machtbeschränkung, individuelle Freiheit. Die Anthropologie von Männern und Frauen hat sich seit 5000 Jahren nicht geändert, weshalb und wie auch? Geändert haben sich die Rahmenbedingungen des Handelns, genau deshalb bin ich gegen die Masseneinwanderung von Leuten, die diesen Schritt nie vollzogen haben.
Gruss,
Thorsten Haupts
Wie sollte denn deiner Meinung nach unsere Regierung auf die Klimakrise reagieren?
6)
Der Typ heißt doch Till-Reimer Stoldt. „Reimer“ gehört zum etwas ungewöhnlichen Vornamen von vorgestern, klingt aber halt nach edel; Irrtum wegen altertümlicher Sprache, womit 3) bei der Gelegenheit schon mal verifiziert wäre.
Und der Link geht dann nicht zum Stoldt, Till-Reimer, sondern zum Posener, Alan Carl, womit man ja auch wieder fremdelt.
5) Ja, dieser Herr Ghislaine Maxwell war schon ein sehr toxisch männlicher Kerl. Posener will mit dieser BS-Vokabel von dem Grundproblem einer Kaste unkontrollierbarer Machtmenschen ablenken. In dieser konkreten Sache sollte er sich nämlich eingestehen, dass jeder noch so versponnene Pizzagate-QAnon-Verschwörungstheoretiker näher an der Wirklichkeit lag als er und andere professionelle Politikdeuter. Diese Wirklichkeit ist, dass Leute ganz oben – egal ob Politik, Tech-Oligarchen oder Hochadel, egal ob populistisch, konservativ oder progressiv, egal ob männlich, weiblich, divers – kein „moralisches Problem“ damit hatten, dass in ihren Kreisen ein Kinderhändler Orgien angeboten hat. Und diese Geisteshaltung kannst und solltest du berücksichtigen, wenn mal wieder von einem internationalen „Eliten“treffen (Wie dieses Wochenende in München) berichtet wird.
… kein „moralisches Problem“ damit hatten, dass in ihren Kreisen ein Kinderhändler Orgien angeboten hat.
Wie gross sind diese „Kreise“ und welchen prozentualen Anteil daran haben die Arschlöcher, von denen wir wissen oder begründet vermuten können, dass sie von Epsteins Missbrauchsorgien wussten. Die Prozentzahl liegt weit unter 1, sogar weit unter 0,1, was Ihre wuchtige Pauschalverurteilung zu einer reinen Diffamierung ohne Grundlage macht. Der Vergleich mit der Pizzagate-QAnon-Schwurbelei setzt dem die Krone auf. Glückwunsch, Sie sind damit vollständig kulturell assimiliert in die „Social Media“-Blasen und können mit MTG einen Verein aufmachen.
„Ja, dieser Herr Ghislaine Maxwell war schon ein sehr toxisch männlicher Kerl.“
Sie war perfekt angepaßt an ein toxisch-männliches Umfeld.
„…dass jeder noch so versponnene Pizzagate-QAnon-Verschwörungstheoretiker näher an der Wirklichkeit lag als er und andere professionelle Politikdeuter…“
Habe ich irgendetwas nicht mitgekriegt, und es gibt doch die „Deep Underground Military Bases“ (D.U.M.B.)?
3) Nathan der Weise in einfacher Sprache
Ich weiss nicht, wie mein 16/7 jähriges Selbst auf diesen Unterrichtsstoff reagiert hätte. Vielleicht hätte ich den Lehrer für übergeschnappt erklärt oder ich hätte mich da reingefuchst. Komplexe Dinge, die mit Geschichte zu tun hatten, konnten mich faszinieren.
Im Grunde wäre es aber eine gute Vorbereitung auf meine beruflichen Aktivitäten. Ich arbeite ja mit in fachchinesisch kommunizierenden Leuten, die Arbeitsmittel für Versicherungen, Banken, Behörden, Forschungsteams, etc automatisiert haben wollen. Da muss ich mir einen Überblick in Expertenzeug verschaffen, von dem ich immer erstmal wie ein Ochs vorm Berg stehe. Auf der IT-Seite ist die Dokumentation von oft jahrzehnte-alten Projekten auch zunächst immer so verworren wie dieser Lessing Text.