Viktorianische Engländer lügen im Internet über antisemitische Quotenregelungen – Vermischtes 18.05.2019

Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Sie werden mit einem Zitat aus dem Text angeteasert, das ich für meine folgenden Bemerkungen dazu für repräsentativ halte. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist meist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels erforderlich; ich fasse die Quelltexte nicht noch einmal zusammen. Für den Bezug in den Kommentaren sind die einzelnen Teile durchnummeriert; bitte zwecks der Übersichtlichkeit daran halten.

1) When are Exit Strategies viable?

Articulating an exit strategy before operations begin often causes more harm than good. At best, it is a political tool for selling a war in advance; at worst, it creates unrealistic expectations and adversely influences the strategic calculations of all warring factions. Missed deadlines can erode public support at home and timetables can create perverse incentives for opponents to keep fighting in order to better position themselves for when the clock expires. This complicates America’s ability to achieve its goals, and paradoxically makes it that much harder to come home in the future. The downsides of exit strategies are perhaps most obvious in interventions that lead to counterinsurgency campaigns like Iraq and Afghanistan, but the same lessons apply to more traditional conventional wars and peacekeeping or humanitarian operations. The open-ended presence in South Korea runs counter to preset exit strategies, and interventions like the ones in Bosnia and Kosovo are less effective if the number-one priority is getting out as soon as possible. More recently, Libya’s continued instability lays bare the risk of intervening when there is no appetite for a prolonged presence. Besides, any prebaked exit strategy will quickly become obsolete. Things will undoubtedly change after a military intervention commences, and strategies that are based on outdated information or original goals will not work. Conditions change, goals evolve, and political objectives shift. Departures need to properly assess the realities on the ground, including the military balance and capabilities of remaining actors, as this will shape both the pace of withdrawal and determine the best — or least-bad — option available for minimizing future dangers to American interests. (David Kampf, War on the Rocks)

Das sind interessante Gedanken, finde ich. In der Diskussion zu Auslandseinsätzen ist die Betonung von Exit-Strategien besonders in der amerikanischen Debatte auffällig. Ich konnte nie wirklich artikulieren, was mich daran mit einem leichtem Unwohlsein zurückließ, bis ich den Artikel von David Kampf gelesen habe. Besonders der politische Aspekt – dass Exit-Strategien vor allem der Legitimation des Einsatzes dienen sollen – scheint mir hervorzuhebenswert.

Die Idee ist allzu häufig, dass man schnell rein und wieder rausgeht, mit minimalen Verlusten – quasi die „Weihnachten sind wir wieder zuhause“-Variante des frühen 21. Jahrhunderts. Aber dieses Versprechen ist aus vier Gründen problematisch. Einmal ist, wie Kampf richtig hervorhebt, schwer zu sagen, wie sich der Konflikt überhaupt entwickeln wird. Zweitens ist es ein bescheuertes Signal an den Gegner, eine Zeitgrenze zu setzen, die er nur abwarten muss ehe er per default gewinnt. Drittens verleitet es dazu, grobe Keile zu setzen, um das Ziel mit Brachialgewalt zu erreichen („Sie machten eine Wüste und nannten es Frieden“). Und viertens sind die Ziele, für die man ostentativ in Auslandseinsätze zielt (vor allem Friedenssicherung) eigentlich nur langfristig erreichbar.

Die Konsequenz daraus muss sein: Wenn ein Land sich für einen Auslandseinsatz entschließt, dessen Ziel nicht tatsächlich problemlos absehbar ist (und das ist selten der Fall), muss es sich darüber im Klaren sein, dass es ein Einsatz mit offenem Ende ist. Wenn das Land dazu nicht nicht bereit ist, sollte es den Einsatz erst gar nicht durchführen, weil dann entweder ein vorzeitiger Rückzug stattfindet und so mehr Schaden als Nutzen angerichtet wird, oder man sich in einem weiteren „forever war“ verstrickt, von dem wir gerade wahrlich genügend haben.

2) Joe Biden: The only conservative running for president

All of this makes Biden a conservative — not in an ideological sense, but in a temperamental one. His instincts are to resist intense partisanship, to appeal to the American people as a whole, to place his trust in institutions, to seek common ground and strike deals with his opponents, and to defer to public opinion while also balancing it with  other, higher considerations. […] That’s because this is a populist moment in American politics (and in politics throughout much of the democratic world) — and populism is profoundly unconservative. Instead of opposing demagoguery, populism weaponizes it. Instead of seeking to cool passions, populism seeks to intensify them for political gain. Instead of deferring to established norms and institutions, populism targets them for abuse because they stymie the popular will. Instead of working to defuse polarization, populism seeks to magnify it. Instead of working to build a broad-based, cross-partisan consensus in favor of the common good, populism treats electoral opponents as enemies of „the people.“ There are many reasons why Biden is struggling to maintain his early lead in the race, including his advanced age and difficulty holding his own in debates with his fellow Democrats. But the biggest reason of all may be that he is a temperamental conservative at a time when that kind of conservatism has fallen out of favor almost everywhere. (Damon Linker, The Week)

Es ist wenig verwunderlich, dass Linker zu einer solchen Charakterisierung Bidens kommt. Der Mann war Vizepräsident von Barack Obama, und es ist wenig überraschend, dass dieser sich einen Stellvertreter suchte, der seine eigene Mentalität teilte. Es ist eine der großen Tragiken von Obamas Amtszeiten, dass so weite Teile der Öffentlichkeit diese Mentalität nie verstanden oder wahrhaben wollten. Und dies auch heute nicht tun, wie man in den Diskussionen hier im Blog immer wieder sehen kann.

Ironischerweise haben sowohl Obamas als auch Bidens linke Kritiker das immer sehr gut verstanden. Vermutlich hatten sie bereits 2009 recht, als Obama den Republicans noch permanent die Hand zur überparteilichen Zusammenarbeit und dem Kompromiss ausstreckte. Er trieb das bis weit über die Grenze der Weisheit hinaus, als er noch 2013 glaubte, sie für so etwas gewinnen zu können. Wer allerdings im Jahr 2019 noch glaubt, auch nur einen Blumentopf auf diese Art gewinnen zu können, hat den Schuss nicht gehört.

Die Republicans haben die Tür längst zugeschlagen. Der Riegel liegt, um im Bilde zu bleiben, auf der Innenseite. Es ist daher nicht an den Democrats, sie wieder zu öffnen. Das kann die GOP nur alleine tun. Aber die Wahl eines Moderaten wie Biden wird dazu von sich aus nichts tun, egal wie sehr er das seinem Publikum einzureden versucht.

3) „Der Halle-Täter war eingebettet in größere Netzwerke“ (Interview mit Julia Ebner)

Können Sie beschreiben, wie die Mitglieder ihre Community selbst wahrnehmen? Als Schicksalsgemeinschaft, als Imageboard-Community, als Kameradschaft, als Volk?

Es gibt da keine einheitliche Wahrnehmung. Da sind Leute, die das Spielerische der Trollkultur oder Gaming-Szene faszinierend finden, aber auch überzeugte Ideologen, die mit politisch Gleichgesinnten reden wollen. Viele sprechen von Kameradschaft oder sogar Freundschaft und man merkt, dass sich die meisten Anerkennung, Applaus oder Zustimmung von der Community, also ihren „fellow anons“, erarbeiten wollen. […]

Welche Rolle spielen die großen Plattformen wie YouTube und Facebook? Kann man sie wie Vorfeldorganisationen des Rechtsextremismus verstehen, die Menschen mit weniger extremen Inhalten in die Szene ziehen sollen?

Ja, die Indoktrinierung findet auf kleineren Plattformen und in Gruppen statt, die eher abgeschottet werden. Auf Seiten wie YouTube und Facebook versuchen die Rechtsextremen, bekannter zu werden, die Politik zu beeinflussen und neue Mitglieder zu werben. Die werden „Normies“ genannt, Normalmenschen, die noch nicht die Wahrheit erkannt haben – die noch nicht die „red pill“ geschluckt haben. […]

Wie kommt es dann trotzdem immer wieder zu Terroranschlägen?

Die Radikalisierung hin zur Gewaltbereitschaft ist ein Nebenprodukt dieser Strategie, das macht sie so gefährlich. Viele Rechtsextreme glauben an einen unvermeidlichen Rassen-, Kultur- und Religionskrieg. Einige Untergruppen gehen weiter und wollen den Ausbruch eines Bürgerkriegs mit Terroranschlägen beschleunigen. Vor allem, wenn Mitglieder den Glauben an politische und metapolitische Mittel aufgeben, können die Ideologien schnell zu einer erhöhten Gewaltbereitschaft führen. (Jonas Schaible/Johannes Bebermeier, T-Online)

Man muss sehr vorsichtig sein, Täter wie in Halle in eine Ecke mit den Neonazi-Glatzen zu stellen, die durch ostdeutsche Straßen ziehen. Zwar teilen sie durchaus einige verquere Ideen der Springerstiefel-Fraktion, aber sie kommen aus völlig anderen Milieus und haben mit den Neonazis klassischer Prägung recht wenig Gemeinsamkeiten. Eines der größten Potenziale zur Radikalisierung dieser Subgruppe ist das angesprochene Trolling. Es handelt sich um gezielte Provokation, und es liegt in der Natur der Sache, dass diese sich beständig steigern muss. Aber dazu in näherer Zukunft ein eigener Artikel. Hier genügt der Hinweis auf das Interview.

4) Tweet


Plasberg war noch nie ein sonderlich ansprechender Zeitgenosse, aber dieser völlige Aussetzer ist die logische Konsequenz eines völlig überdrehten wie unreflektierten Bothsiderismus, ein logischer Eskalationspunkt von „mit Rechten reden“. Genau davor warne ich permanent: Die Normalisierung rechtsradikaler Talking-Points. Wo irgendwann Antisemitismus als Pro-Contra-Debatte aufgemacht wird, ständig mit dem Verweis, dass die andere Seite (also Nicht-Antisemiten) ja mit ihrem Absolutheitsanspruch auch nicht richtig liegen könnten und das ständige Positionieren zwischen zwei Polen das Maß aller Dinge ist, muss der demokratische Konsens zusammenbrechen. Es gibt einfach Themen, bei denen der Mittelweg den Tod bringt und eine Positionierung unabdingbar ist. Leute wie Plasberg wollen aber den einfachsten und bequemsten Weg gehen. Hart ist daran gar nichts, und fair noch weniger.

5) Gender quotas and the crisis of the mediocre man

Subdividing the men into leaders and followers reveals another interesting finding; there is clear evidence of a reduction in the proportion of male leaders (those at the top of the ballot) with mediocre competence. This suggests that quotas work in part by shifting incentives in the composing party ballots. Mediocre leaders are either kicked out or resign in the wake of more gender parity. Because new leaders – on average – are more competent, they feel less threatened by selecting more able candidates, which starts a virtuous circle of higher competence.While we have focused on politics, the results may also be relevant for judging gender quotas in other organisations. Quotas for company boards currently exist in roughly ten countries and are on the agenda of various countries, as well as in the European Union. Arguably, analysing the impacts of board quotas is more complex than for politics. The policies often have long implementation periods as well as “pre-announced” plans or warnings. There are also ways around the rules, such as delisting from the stock market. These factors make it difficult to identify who precisely is affected by the change and who to compare them with. Nevertheless, some lessons from political parties could still apply. Many firms have a history of male-dominated leadership and are sometimes accused of having “locker-room” mentalities and cosy selection rules. These reinforce the selection of men, and leaders may feel comfortable being surrounded by non-threatening mediocrity. Just as in politics, therefore, a quota has the potential to undercut the dominance of a mediocre elite. (Tim Besley/Olle Folke/Torsten Persson/Johanna Rickne, LSE Business Review)

Spannend, da mal eine empirische Untersuchung dazu zu sehen. Das Ergebnis ist gleichzeitig überraschend und nicht überraschend. Letztlich sind Quoten eine Art der Regulierung, und wie jede neue Regulierung setzen sie neue Wettbewerbsanreize und Druck. Das ist nichts generisch Positives oder Negatives; logischerweise kann nicht jede Quote von sich aus qualitätsfördernd wirken.

Aber in Umgebungen, in denen strukturelle Diskriminierung besteht – etwa wegen der Idee, dass Frauen normalerweise einfach andere Karrieren wie Erzieherin wählen – entsteht auf eine komplette Führungshierarchie plötzlich ein Rechtfertigungsdruck, der vorher nicht vorhanden war. Und die Notwendigkeit, die eigene Position zu beweisen beziehungsweise den eigenen Wert unter Beweis zu stellen, führt zu besseren Ergebnissen.

Es ist auch gut zu sehen, dass die häufig geäußerte Befürchtung, die Qualität nehme ab, nicht zutrifft, sondern vielmehr das Gegenteil wahr ist. Die Quote bringt sehr gute Leute nach oben. Es macht daher Sinn, auch über andere Quotenregelungen nachzudenken. Vor allem eine Migrationshintergrundquote wird ja immer wieder diskutiert und etwa bei der SPD ja auch  schon eingeführt.

But watching a full presidential Trump press conference while visiting the US this week I realised how much the reporting of Trump necessarily edits and parses his words, to force it into sequential paragraphs or impose meaning where it is difficult to detect. […] In writing about this not-especially-important or unusual press conference I’ve run into what US reporters must encounter every day. I’ve edited skittering, half-finished sentences to present them in some kind of consequential order and repeated remarks that made little sense. In most circumstances, presenting information in as intelligible a form as possible is what we are trained for. But the shock I felt hearing half an hour of unfiltered meanderings from the president of the United States made me wonder whether the editing does our readers a disservice. I’ve read so many stories about his bluster and boasting and ill-founded attacks, I’ve listened to speeches and hours of analysis, and yet I was still taken back by just how disjointed and meandering the unedited president could sound. Here he was trying to land the message that he had delivered at least something towards one of his biggest campaign promises and sounding like a construction manager with some long-winded and badly improvised sales lines. I’d understood the dilemma of normalising Trump’s ideas and policies – the racism, misogyny and demonisation of the free press. But watching just one press conference from Otay Mesa helped me understand how the process of reporting about this president can mask and normalise his full and alarming incoherence. (Lenore Taylor, The Guardian)
Ich halte es für grundsätzlich eine richtige Einstellung von Journalisten, grundlegenden good faith zu beweisen und erst einmal die bestmögliche Interpretation einer Politikeräußerung zu nutzen. Das Aus-dem-Kontext-Reißen von scheinbar skandalträchtigen Versprechern oder Satzbaufehlern (Man denke nur an „you didn’t build that„) ist uper ätzend und blockiert die Debatte mit komplettem Unfug.

Nur sehen wir im Falle Trumps jetzt schon seit drei Jahren, dass der Mann offenkundig keine Ahnung hat, von was er redet, und reine Assoziationsbrücken baut. Da seine geistige Gesundheit ebenfalls immer wieder im Mittelpunkt der Diskussion stand, mag das wörtliche Wiedergeben seiner Zitate durchaus zum Erkenntnisgewinn beitragen, wo sie etwa bei Mitch McConnell oder Paul Ryan wenig verraten hätten, was nicht durch eine sinngemäße Wiedergabe des Gesagten nicht auch hätte erreicht werden können. Trump ist eine solche Kategorie für sich selbst, dass es komplett eigene Regeln braucht, und wir sind nach mittlerweile vier Jahren (wenn man die primaries mitrechnet) nicht näher dran als zu Beginn.

7) ‘Sovereignty Doesn’t Exist in a Globalized World’: An Interview with Guy Verhofstadt

Maybe the Leave campaign was right, maybe the liberal EU is the product of yesterday?

Well, I’m more euroskeptic than the euroskeptics! There are so many things that don’t work properly in the EU. The only difference is my conclusion: I want to reinvent the union, not destroy it. The EU might become yesterday’s news—because we didn’t have the guts to reform it.

How to reform it then?

In a world dominated by civilizations, not nation-states, like China, India, and the US, Europe will mean something only if it acts together. This union has no chance to survive without reforms. […]

But doesn’t he want a French Europe, a Europe that is a projection of French power?

That’s old-style French thinking about Europe, characteristic of former French presidents. “We are pro-European, as long as France leads Europe.” That’s not the thinking of Macron. There’s a whole generation of politicians who believe that if we want to solve problems, we need a reformed Europe.

Listen, it’s a Philadelphia moment. American readers will know exactly what I mean. We are a loose confederation based on unanimity, which needs to be turned into a federation, based on decisions taken by majority. […]

Are member states ready to renounce their sovereignty?

Well, their sovereignty doesn’t exist in a globalized world. Sovereignty means that you can decide your own path. European states on their own are not able to do that.

There’s only European sovereignty, if any. Only then can we decide on the European way of life. (Michal Matlak, New York Review of Books)

Guy Verhofstadt ist mir als ALDE-Abgeordneter zwar politisch etwas fern, aber ich fühle seine Positionen zu Europa völlig nach. Das Interview ist in seiner Gänze lesenswert; ich habe hier nur einige wichtige Punkte angerissen. Was mir vor allem imponiert ist seine Synthese von liberaler Kritik am Nicht-Funktionieren bestehender Institutionen mit der Übernahme der Verantwortung, hier auch Lösungen und Lösungswillen anzubieten.

Gerade die FDP ergeht sich viel zu oft darin, zwar die Kritik zu äußern (oft genug durchaus berechtigt), aber das Korsett ideologischer Staatsfeindlichkeit nicht zu verlassen und deswegen nicht Teil des Lösung sein zu können, sondern ultimativ Teil des Problems zu bleiben. Das ständige Benennen eines Missstands, gepaart mit der beharrlichen Weigerung, ihn aufzuheben, kann aber nicht liberal sein. Es ist nur destruktiv.

8) Were the Victorians really happier than we are?

As any history undergraduate can tell you, the first task for historians is to analyse the biases in our sources and the context in which they were made. Books and newspapers can tell us an enormous amount about the values, opinions and worldviews of the people who produced them – predominantly male, middle- and upper-class publishers and writers, who wrote for a predominantly middle- and upper-class audience. If we listen to their words, we will hear much more about their confidence and optimism than we will about how the working classes felt about urban overcrowding, slum housing, child employment, unemployment, factory conditions, workhouses, domestic service, infant mortality, cholera or typhoid – let alone the feelings of British “subjects” under colonial rule abroad. It is possible that in an age where emotional expression was ruled by the stiff-upper-lip, people simply “muddled through” or “got on with it,” and that ordinary men and women “knew their place” and accepted their lot as an unavoidable fact of life – though there are a wealth of sources, from Victorian enquires into urban poverty to working-class autobiographies, that tell a very different story. But the point is that books and newspapers give us an uneven account of history, and need to be read alongside an awareness of who historically had access to literacy and publication. And we need to read them critically, by taking into account the purposes for which they were written. (Hannah Rose Woods, The New Statesman)

Als Historiker nervt mich nichts so sehr wie der „früher war alles besser“-Reflex, den so viele Leute haben. Ganz besonders nervig ist er, wenn er auf Zeiten projiziert wird, die so lange in der Vergangenheit liegen wie das viktorianische Zeitalter. Ich glaube sofort, dass man als männliches Mitglied der Upper-Class damals mehr Zufriedenheit in dem Sinne genoss, als dass die eigene Stellung in der Gesellschaft wesentlich hervorgehobener war als heute.

Aber wie Woods in ihrem Artikel völlig zurecht herausarbeitet, ist dieses „goldene Zeitalter“ eigentlich immer nur zu haben, indem man viele strukturell diskriminierte Gruppen ausklammert. Das sieht man auch in Deutschland, wo die Wirtschaftswunderzeit gerne als das verlorene Goldene Zeitalter herhalten muss. Das funktioniert natürlich nur, wenn man ignoriert, dass eine riesige Unterschicht von Gastarbeitern völlig isoliert und weitgehend entrechtet die ungeliebten niederen Tätigkeiten erledigt hat, dass Frauen nicht die gleichen Rechte hatten wie Männer oder dass Homosexuelle ins Gefängnis gesteckt und misshandelt wurden.

Da lösen sich diese goldenen Zeitalter dann immer ganz schnell auf, aber das erfordert mehr Introspektive, als es den Nostalgikern oftmals recht ist. Übrigens ist das kein Phänomen von Rechts oder Links; auch Linke sind sehr gut darin, irgendwelche sozialdemokratischen Paradiese von früher (man denke nur an die New-Deal-Folklore) zu beschwören und darüber die Schattenseiten zu vergessen.

9) Wie das Netz den Faschismus befeuert

Der Attentäter von Halle hat neben einem livegestreamten Videoclip eine Art Manifest veröffentlicht, in Kombination sind die wirksamen Elemente von Diagnose, Prognose und Motivation erkennbar. Wenn man die Videos und Manifeste der anderen Täter abgleicht, ergibt sich ein mögliches Muster, nämlich eine unheilige Dreifaltigkeit der Radikalisierung im Netz:

Vor allem mithilfe von rassistischen Verschwörungstheorien wie dem „großen Austausch“ wird die Selbstviktimisierung betrieben, die Konstruktion einer Welt, in der man sich als Opfer fühlt. Dieses Opfer-Gefühl erlaubt, noch die blutrünstigsten Taten als diejenige Form von Gewalt zu betrachten, die von den meisten Menschen als legitim betrachtet wird: Notwehr. Die Opferpose ist die Vorbereitung von Gewalt.

Alle drei Elemente der unheiligen Dreifaltigkeit der Manifesterzählungen lassen sich in drei Sätzen kondensieren: Der „weiße Mann“ in Europa solle durch Schwarze und Muslime ersetzt werden, weil diese leichter beherrschbar seien. Feminismus bringe Frauen dazu, sich nicht mehr als Gebärmaschinen für weiße Kinder zu begreifen. Gesteuert werde das alles von den Juden. Quer durch das Netz lassen sich verschiedene Kombinationen dieser Verschwörungserzählung beobachten. (Sascha Lobo, SpiegelOnline)

Lobo ist da definitiv etwas auf der Spur. Ich schreibe gerade an einem Artikel, der in eine ähnliche Richtung geht. Das Ganze passt gut zu Fundstück 3. Ich habe da auf Twitter einen Thread zum Thema Anschlag in Halle dazu geschrieben gehabt: Horst Seehofer lag tatsächlich nicht falsch damit, die Gamerszene ins Visier nehmen zu wollen. Aber an dieser Stelle erst einmal genug dazu; lest Lobos Artikel, es lohnt sich. Meiner kommt hoffentlich auch bald.

10) Tweet

Ein weiterer Bereich, wo durch Trump eine völlig neue Kategorie entstanden ist (siehe auch Fundstück 6) ist dieses Verkünden offensichtlichen Blödsinns im Brustton der Überzeugung. Vor Trump logen Politiker nicht derart offenkundig, und, vor allem, nicht in dieser Intensität. Wie geht man mit solchen Aussagen um? Entweder Don Jr. ist das dümmste Stück Mensch, das je über diesen Erdball ging (nicht auszuschließen) oder er sagt solche Dinge im vollständigen Bewusstsein, dass es kompletter Quatsch ist und für ihn ja ihn viel höherem Maße gilt.

Zu Teilen ist dieses offenkundige Lügen eine beliebte Strategie von Autokraten; man kennt das etwa aus „1984“ und geistesverwandten Diktaturen, weil sie die Anhänger zwingen, offen völligen Unsinn zu bekennen. Man bindet sie so an sich. Das mag für die Dynamiken im kultischen Anhängerlager der Trump-Fans ja durchaus gelten, aber die Medien sind nicht gezwungen, diesen Bullshit mitzumachen.

Etwas ähnliches auf Policy-Ebene statt mit diesem persönlichen Blödsinn erleben wir aktuell in der Syrienkrise, wo Trump verkündet, dass amerikanische Truppen aus der Region abgezogen werden, obwohl in Wahrheit welche HIN verlegt werden. Man weiß nicht einmal, ob er bewusst lügt oder einfach nur nicht weiß, was da in seinem Zuständigkeitsbereich abläuft. Aber auch hier haben, siehe erneut Fundstück 6, die Medien und die Gesellschaft bisher keine Antwort darauf gefunden, wie damit umzugehen ist.

 

{ 78 comments… add one }
  • Ralf 18. Oktober 2019, 15:45

    zu 1)

    Die Konsequenz daraus muss sein: Wenn ein Land sich für einen Auslandseinsatz entschließt, dessen Ziel nicht tatsächlich problemlos absehbar ist (und das ist selten der Fall), muss es sich darüber im Klaren sein, dass es ein Einsatz mit offenem Ende ist.

    Da finden wir nicht zueinander.

    Egal ob in Wissenschaft oder Wirtschaft, die erste Frage, die man gestellt bekommt, wenn man ein neues Projekt vorstellt – und ich betone, völlig zurecht – ist die nach der Exitstrategie. Was sind die definierten Ziele, die wir erreichen wollen? Und was ist unsere rote Linie, bei der wir sagen, dass wenn wir das gewünschte Resultat X bis zum Tag Y (kann man gerne auch moderat vage formulieren, wie etwa “bis Mitte nächsten Jahres”) nicht erreichen, dann gestehen wir das Scheitern des Projektes ein und beenden die Aktivitäten?

    Keine Exitstrategie zu fordern, bedeutet Ewigkeitskriege wie in Afghanistan aktiv zu provozieren. Da waren wir ja mal, um die Taliban zu besiegen. Du erinnerst Dich? Nachdem dieses Ziel gescheitert war, verschob man den Torpfosten und war jetzt plötzlich da, um Frauenrechte zu stärken. Als die afghanische Regierung dann als Konzession an die Taliban die Scharia wieder einführte und Frauenrechte in den Dreck getreten wurden, kehrten wir aber trotzdem wieder nicht heim. Stattdessen wurde der Torpfosten ein weiteres Mal verschoben. Brunnen und Schulen würden wir jetzt halt bauen. Naja, die meisten Brunnen und Schulen sind dann recht rasch von den Taliban zerstört worden. Aber wir kehrten immer noch nicht heim. Stattdessen erfanden wir laufend neue Gründe dazubleiben.

    Sowohl in der Wissenschaft als auch in der Wirtschaft hätte man den Generälen ihr Projekt vor vielen, vielen Jahren um die Ohren gehauen. Alles andere lädt schlicht zu Sunk Cost Fallacy-Trugschlüssen ein, bei denen man immer weiter in ein bereits gescheitertes Projekt investiert, weil die Beendigung des Projekt nach Eingeständnis des Scheiterns, den Verlust aller bisher getätigten Investitionen bedeutet.

    Kriege, mag Dein Konterargument sein, sind aber etwas anderes als Wissenschafts- und Wirtschaftsprojekte. Da hast Du zwar Recht, aber leider in der für Dich falschen Richtung. Der Einsatz in Wissenschaft und Wirtschaft ist nur Geld. Ein Open-End-Projekt ohne Exitstrategie wird da einfach nur ein finanzielles Fass ohne Boden. Pech für den Steuerzahler. Im Worst-Case-Szenario geht ein Unternehmen bankrott. Aber im Krieg ist der Einsatz das Leben von Soldaten und Zivilisten. Ein Fass ohne Boden ist im Fall von Kriegen ein nicht enden wollender Strang von Särgen. Moralisch muss man deshalb von Generälen und Politikern erheblich vehementer fordern, dass eine glasklare Exitstrategie formuliert wird. Das wird denen natürlich nicht passen, denn aus einem unüberlegten Abenteuer wird man nach dem Scheitern entlang zuvor definierter Kriterien, eben als der totale Versager rauskommen, der man ist. Der dem nichts gelungen ist, außer Pi mal Daumen tausend jungen Männern das Leben zu nehmen. Und genau diese Gefahr braucht es, um sicherzustellen, dass Einsätze des Heeres wirklich nur dann geschehen, wenn der Erfolg absehbar und nahezu sicher ist, das Ziel klar definiert ist und die Kriterien für das Scheitern ebenfalls klar definiert sind. Scheitern durch das Verewigisieren von Kriegen zu vertuschen, darf keine Option für Politik und Militär sein.

    • Stefan Sasse 18. Oktober 2019, 17:05

      Moment: Ein Ziel zu haben ist ja was anderes als eine Exit-Strategie. Das Ziel in Afghanistan war immer klar: Taliban besiegen, demokratische Gesellschaft aufbauen, diese in die Lage setzen, sich selbst zu verteidigen. Das Problem war das ERREICHEN des Ziels.

      • Ralf 18. Oktober 2019, 17:14

        Ein Ziel zu formulieren, macht keinen Sinn, wenn Du keine Deadline setzt. Mit dem Argument könntest Du vermutlich auch in hundert Jahren noch Krieg in Afghanistan führen. Eine Exitstrategie legt vor Beginn der Mission fest, was bis wann zu erreichen ist und gibt damit eben auch ein klares Kriterium vor, wann der Einsatz gescheitert ist. Beispielsweise hätte man als Ziel ausgeben können in 5 Jahren die Taliban zu besiegen. Nachdem das nicht geglückt ist, war der Krieg gescheitert. Zeit also, sich zurückzuziehen.

        • Ariane 18. Oktober 2019, 18:29

          Naja, ich finde, da hat Stefan schon recht, die Taliban gehen dann eben 5 Jahre in den Untergrund und warten ab.
          Ich halte das Problem sogar für noch viel gravierender: Mit einem festen (v.a. kurzen) Abzugsdatum nimmt man der Bevölkerung auch jede Motivation, eine freie, demokratische Gesellschaft aufzubauen.
          Die wissen ja auch, dass sie nach 5 Jahren dann alleine dastehen und dass die Taliban nicht nur zurückkommen, sondern aller Wahrscheinlichkeit nach auch noch jeden killen, der sich da irgendwie engagiert hat.

          • Rauschi 18. Oktober 2019, 18:39

            Mit einem festen (v.a. kurzen) Abzugsdatum nimmt man der Bevölkerung auch jede Motivation, eine freie, demokratische Gesellschaft aufzubauen.
            Ach, die brauchen eine Motivation durch externes Militär, das mit dem Ziel kam, sich für die Nichttauslieferung eines vermutlichen Terroristen zu rächen? Echt jetzt?

            Die wissen ja auch, dass sie nach 5 Jahren dann alleine dastehen und dass die Taliban nicht nur zurückkommen, sondern aller Wahrscheinlichkeit nach auch noch jeden killen, der sich da irgendwie engagiert hat.

            Der Unterschied zu jetzt, wo genau das auch passiert, ist welcher? Da macht die Anwesenheit des Militärs dann gar keinen Sinn mehr. Wir schieben ja sogar solche Leute aus Deutschland dahin zurück ab.

            War da nicht die vehemente Forderung nach Selbst-bestimmung? Gilt die hier nicht, oder wie?

            *sehr befremdet*

            • Ariane 19. Oktober 2019, 01:49

              Ach, die brauchen eine Motivation durch externes Militär

              Klar. Bzw meinetwegen können wir es auch Sicherheit oder Zuversicht nennen. Sich in solchen Ländern für Demokratie, Emanzipation, freie Bildung etc. zu engagieren ist äußerst mühselig und mit Gefahren verbunden. Da braucht es schon eine Gewissheit oder eben die Zuversicht, dass das ganze nicht nach wenigen Jahren komplett für die Katz ist und man selbst – und womöglich die ganze Familie noch dazu – nicht sofort umgebracht wird. Die Probleme hat man ja so oder so, ich denke nur, wenn der erste Schritt ist, vor dem ersten Schuss zu verkünden, nach drei Jahren wieder zu gehen, passiert der zweite Schritt (Aufbau von Demokratie) gar nicht erst, weil das von Anfang an als Selbstmordaufgabe konzipiert ist.

              Und ja, du hast absolut Recht. Das Problem gibts in Afghanistan (vllt in kleinerem Maßstab) jetzt auch. Liegt imo daran, dass die NATO sich da in einem Mittelweg verlaufen hat. Alle wollen da möglichst schnell weg, obwohl die Ziele eben nicht erreicht sind (weil mal wieder alles schwieriger ist als gedacht). Gleichzeitig kann man zu Hause aber auch nicht erzählen, dass man unerfolgreich war, denn dann müsste man nämlich die eigenen Mitarbeiter retten und den Leuten hier Asyl gewähren.
              Stattdessen tut man einfach so, als hätte man die Ziele erreicht und hofft, keiner guckt zu genau hin. Und ich denke, hier können wir uns darauf einigen, dass das nun wirklich eine blöde Lösung ist^^

              • Rauschi 19. Oktober 2019, 12:04

                Sich in solchen Ländern für Demokratie, Emanzipation, freie Bildung etc. zu engagieren ist äußerst mühselig und mit Gefahren verbunden.
                Ach so, das wird leichter, weil da Militär stationiert ist? Wie denn das? Wenn Sie für ein Selbstbestimmungsrecht eintreten, dann auch in dem Fall. Sonst heisst es nämlich „betreutes Leben“ und hat mit Eigenverantwortung nichts zu tun. Eine Einrichtung, die Demokatie verbreiten will, ist das Militär nicht und wird es auch nicht sein. Was soll das? Dafür gibt es ganz andere Massnahmen.

                Stattdessen tut man einfach so, als hätte man die Ziele erreicht und hofft, keiner guckt zu genau hin. Und ich denke, hier können wir uns darauf einigen, dass das nun wirklich eine blöde Lösung ist^
                Ziel, welches? Wer hat das ausgegeben? In Afghanistan sind wir, weil die angebliche Osama nicht ausliefern wollen (mir graust es heute noch, wenn ich überlege, was für eine absurde Begründung für den Krieg gegen ein ganzes Land!). Mittlerweile ist der Osama tot, was machen wir da? Haben die uns um Unterstützung wegen mangelnder Frauenrecht gebeten? Nicht das ich wüsste.
                Fest steht, die Lage wurde erheblich schlechter durch die Militärpräsenz, wer hat da was gewonnen und wegen welchem Ziel, hinter dem die Bevölkerung steht, wollen wir erreichen?
                Insgesamt echt absurdes Theater und dazu noch ein Klimakiller ohne Ende, das ganze Militär.
                Das Kimathema sollte doch echt dafür sorgen ,das sich alle zusammen tun und beraten, wie man das hin kriegt, weil alle als Minimum überleben wollen?
                Aber den Gedanken habe ich in Zusammenhang mit Militär noch nie gehört. Seltsam oder?

                • Ariane 19. Oktober 2019, 13:27

                  Sonst heisst es nämlich „betreutes Leben“ und hat mit Eigenverantwortung nichts zu tun. Eine Einrichtung, die Demokatie verbreiten will, ist das Militär nicht und wird es auch nicht sein. Was soll das?

                  Halt, du verdrehst mir die Worte im Mund. Die NATO ist ja nicht einmarschiert, um ein Demokratieexperiment zu starten – geschweige denn dass ich solche Aktionen begrüße. Wir reden ja über einen bestehenden Einsatz und da wurde es eben zu einem der Kriegsziele erklärt und eben eines, das man nur langfristig erreicht.

                  Bei Friedenssicherungen ist es ähnlich, die kann man auch nicht „erbombem“, sondern erfordern meistens eine langfristige Präsenz. Im Kosovo gibt es zb immer noch Truppen und wenn man in Ruanda eingegriffen hätte, hätte man auch länger dableiben müssen.

                  • Stefan Pietsch 19. Oktober 2019, 13:33

                    Halt, du verdrehst mir die Worte im Mund.

                    Liebe Ariane, das macht Rauschi bei jedem. Entweder hat sie grundsätzliche kognitive Probleme oder einen Charakterzug, der jede demokratische Debatte unmöglich macht. Schließlich geht es immer darum, den anderen verstehen zu wollen.

                    • Rauschi 19. Oktober 2019, 14:00

                      Bla blubb, von dem Kommentator, der mir immer zu verstehen gegeben hat, das er sich keine Mühe geben will, meinen Standpunkt zu verstehen.

                      Der ist gut, aber erwartbar.

                      Demokratische Debatte, was soll das denn wieder sein? Sie haben doch Ihre Unfähigkeit, eine Debatte überhaupt mit mir zu führen, eingestanden, was soll der Schmarrn?
                      Sie wissen schon, wie man das nennt?
                      [Unter einem argumentum ad hominem (lateinisch etwa „Beweis[führung] [bezogen] auf den Menschen“) wird ein Scheinargument verstanden, in dem die Position oder These eines Streitgegners durch Angriff auf dessen persönliche Umstände oder Eigenschaften angefochten wird. Dies geschieht meistens in der Absicht, wie bei einem argumentum ad populum, die Position und ihren Vertreter bei einem Publikum oder in der öffentlichen Meinung in Misskredit zu bringen und eine echte Diskussion zu vermeiden. In der Rhetorik kann ein argumentum ad hominem bewusst als polemische und unter Umständen auch rabulistische Strategie eingesetzt werden. ]
                      Jeder machen Sich sein eigenes Bild von Ihrem Charakter.

                    • popper 19. Oktober 2019, 23:19

                      Man merkt sehr deutlich, Herr Pietsch, wie Sie an @Rauschi leiden. Nicht, weil sie kognitive Probleme oder einen Charakterzug, der jede demokratische Debatte unmöglich macht hätte. Sie widerlegt und zerlegt in Debatten immer wieder auf intelligente Weise und mit Fakten ihre Argumente, und das missfällt ihnen eben sehr, wenn Sie jemand an den Eiern erwischt.

                    • Stefan Pietsch 20. Oktober 2019, 00:48

                      Lieber Herr popper, ich habe mit Rauschi überhaupt nicht gesprochen. Ich habe nur meine geschätzte Kollegin Ariane auf etwas aufmerksam gemacht, worüber allein diese Woche bereits der sehr geduldige Erwin Gabriel entnervt gestolpert ist.

                      Wenn niemand – Sie ja als am wohlgeneigtesten auch nicht – mit Rauschi diskutieren will, könnte es an der Person selbst liegen. Das war mal anders, aber ziemlich jeder ist genervt. Zumindest haben die Leute es geschrieben.

                      Ich würde mir wünschen, Sie würden sich dem zuwenden, worum es geht. Wir hatten einen hochinteressanten Ansatz, in dem Sie – das Statement ist ja nicht neu von Ihnen – geschrieben haben, dass es für die Leute ziemlich unsinnig sei, in Aktien zu investieren, da so kein Vermögen gebildet werden könnte. Dabei verstehen wir als Vermögen etwas von Substanz. Das schrieben Sie in einem Thread, die vehement die Wegnahme von Vermögen verbürgt in Unternehmensanteilen fordert.

                      Ich wüsste schon gerne Ihre Begründung, warum etwas mit einer Vermögensabgabe belegt werden soll, das nach Ihrer Bewertung überhaupt kein Vermögen ist. Allein schon argumentativ finde ich das eine weit größere Herausforderung als oben Gesagtes.

                    • Rauschi 20. Oktober 2019, 20:26

                      Das war mal anders, aber ziemlich jeder ist genervt. Zumindest haben die Leute es geschrieben.
                      Da ich heute nicht anderes als früher schreibe würde mich das dann doch wundern.
                      Jeder? Nö, nur Sie und das ich den Leuten dauernd das Wort im Mund rum dreh, hat ja nicht mal Herr Gabriel gemeint. Er unterstellt, ich würde ihn absichtlich falsch verstehen wollen, was auch nicht stimmt, denn ich frage und stelle nicht einfach fest, der Unterschied ist Ihnen aber auch stets entgangen.
                      Ich schreibe ja nie, Herr oder Frau XY hat dieses oder jenes gemeint, sondern stelle meist Fragen, ob ich die Sichtweise des Gegenübers richtig wieder gegeben habe. Darauf steht es jedem frei zu antworten, das meine Sichtweise falsch ist.
                      Jedem, ausser Ihnen, gelingt das, Sie werden immer wieder persönlich beleidigend, obwohl Sie hoch und heilig das Gegenteil versprochen haben. Ich würde auch mit Popper diskutieren, nur liegen wir meist auf der gleihcen Linie, da macht das wenig Sinn.
                      Auch jetzt wieder diese durchschaubare Manöver, sich vermeintlich eine Theorie erklären lassen zu wollen, um dann das Grundthema wieder auf einer persönlichen und nicht systemische Weise angehen zu können. Ist durchschaubar und langweilig.
                      Weil Sie noch nie einer anderen Position Recht gegeben haben. Geschweige denn das Vorhandensein einers linken Standpunktes überhaupt akteptiert haben. Sie wollen das Vorbild für korrekte Debattenführung sein? Der Witz ist gut, wirklich, selten so gelacht.
                      Jeder blamiert sich halt, so gut er eben kann.

                  • Rauschi 19. Oktober 2019, 13:54

                    Halt, du verdrehst mir die Worte im Mund. Die NATO ist ja nicht einmarschiert, um ein Demokratieexperiment zu starten – geschweige denn dass ich solche Aktionen begrüße.
                    Wo haben Sie das geschrieben? Das stand da nicht, sondern einfach:
                    [Mit einem festen (v.a. kurzen) Abzugsdatum nimmt man der Bevölkerung auch jede Motivation, eine freie, demokratische Gesellschaft aufzubauen.]
                    Das steht da und es mag ja sein, das andere Ihre Einstellung kennen, aber ich kann keine Gedanken lesen! Auch wenn ein gewisser Schwätzer das immer wieder erwartet.

                    Wir reden ja über einen bestehenden Einsatz und da wurde es eben zu einem der Kriegsziele erklärt und eben eines, das man nur langfristig erreicht.
                    Als wäre das Vorgehen nicht schlimm genug, warum sollte man diese Wende durchgehen lassen, obwohl das Ziel nach der Einstellung ja auf Ewigkeiten gewendet werden kann?
                    Nach dem Motto: Wo wir schon mal da sind, erledigen wir das in einem Aufwasch.
                    Wie und wann hat das Militär je zum Aufbau einer Demokratie beigetragen? Dafür gibt es die Diplomaie, das glatte Gegentiel von Militär, würde ich meinen.

                    Bei Friedenssicherungen ist es ähnlich, die kann man auch nicht „erbombem“, sondern erfordern meistens eine langfristige Präsenz.
                    Nein, nicht mal das. Denn nur reine Präsenz macht doch nichts besser, wenn nicht gleichzeitig andere Vermittlungsgespräche statt finden. Die in Ruanda vielleicht auch die Massaker hätten verhindern können.
                    Sich da immer auf das Militär zu verlassen, das dann auch noch mit wechseldem Ziel auf unbestimmte Zeit bleiben soll, halte ich für einen Fehler.

                    • CitizenK 20. Oktober 2019, 11:45

                      „Wie und wann hat das Militär je zum Aufbau einer Demokratie beigetragen?“

                      In Deutschland West nach ’45.

                    • Ralf 20. Oktober 2019, 12:24

                      @ CitizenK

                      Das Engagement in Syrien, Irak oder Afghanistan lässt sich nicht mit dem totalen Krieg gegen die Nazis vergleichen. Weder vom Commitment her noch von der Zahl eingesetzter Truppen, vom finanziellen und wirtschaftlichen Aufwand oder von der Bereitschaft mindestens 50 Jahre in massiver Zahl als Besatzung im Land zu bleiben. Insofern gibst Du Rauschi hier zwar eine Antwort, die rein technisch gesehen richtig ist, aber die die berechtigte und eigentliche Frage, wann einer dieser heutzutage normal gewordenen, konventionellen Militäreinsätze mit begrenztem Einsatz mal den Aufbau einer stabilen Demokratie bewirkt hätte nicht beantwortet.

                    • Ariane 20. Oktober 2019, 13:50

                      Denn nur reine Präsenz macht doch nichts besser, wenn nicht gleichzeitig andere Vermittlungsgespräche statt finden. Die in Ruanda vielleicht auch die Massaker hätten verhindern können.
                      Sich da immer auf das Militär zu verlassen, das dann auch noch mit wechseldem Ziel auf unbestimmte Zeit bleiben soll, halte ich für einen Fehler.

                      Klar, es gibt vermutlich kein Problem, dass sich mal eben fix mit ein paar Bomben lösen lässt. Sagt hier übrigens auch keiner.
                      Wenn wir uns aber Situationen angucken, mit oder ohne Militäreinsätzen, Ruanda, Jugoslawien, Mali, Libyen zb., dann gab es oft zwei Probleme. Zum Einen ein gewisser Zeitdruck, weil Massaker absehbar oder bereits in Gange waren und zum zweiten einen vernünftigen Ausgangspunkt für Vermittlungen zu finden.
                      Mit einem fixen Telefonanruf kann man nämlich genausowenig Frieden stiften wie mit einer einzelnen Bombe, die Welt ist da einfach zu kompliziert für.

                    • Rauschi 20. Oktober 2019, 15:21

                      Klar, es gibt vermutlich kein Problem, dass sich mal eben fix mit ein paar Bomben lösen lässt.
                      Sagt hier übrigens auch keiner.

                      Indirekt doch, na klar, wann habe ich hier das letzte Mal gelsen, es sollte das allerletzte Mittel sein, Militär inrgenwohin zu schicken?

                      Wenn wir uns aber Situationen angucken, mit oder ohne Militäreinsätzen, Ruanda, Jugoslawien, Mali, Libyen zb., dann gab es oft zwei Probleme.
                      Können wir mal fest halten, das Jugoslawien völkerrechtswidirg war? Ebso wir Lybien (da gab es nur das Go für eine Flugsicherheitszone) oder Syrien?

                      Zum Einen ein gewisser Zeitdruck, weil Massaker absehbar oder bereits in Gange waren und zum zweiten einen vernünftigen Ausgangspunkt für Vermittlungen zu finden.
                      Um das nochmal klar zu machen, nein, für eine intakte Regierung gibt es sowas wie eine „überraschende“ Entwickung nicht. Sogar in Jugoslawien gab es Berichterstatter vor Ort und Auseinandersetzungen, die zu militärischen Eingreifen zwingen könnten, entwicklen sich niemals über Nacht.

                      Ich halte ja viel vom Gewaltverbot des Völkerrechts, das allen hier egal ist.
                      Wie soll ich das nennen, das kein Ziel mehr ausgegeben werden soll für einen Einsatz? Freibrief für Militär? Völkerrecht, Gewaltverbot, nur in 2 Ausnahmefällen erlaubt? Kann sich jemand daran erinnern? Besonders von denen die bei der Ukraine so gerne Völkerrechtsverstoss rufen?

                      Mit einem fixen Telefonanruf kann man nämlich genausowenig Frieden stiften wie mit einer einzelnen Bombe, die Welt ist da einfach zu kompliziert für.
                      Auch mit vielen Bomben kann man keinen Frieden stiften, oder? Was soll das?
                      Es komme mir keiner mit dem 2ten Weltkrieg und Deutschland, das war Verteidiung. Welcher Fall in der aktuellen Dabatte ist damit vergleichbar? Keiner?
                      Ich halte es für erbärmlich, das heute nicht mal von den sogenannten Progressiven ein anderer Vorschlag als Militär kommt!
                      Wirklich erschütternd, ein Mittel, das auf so vielfälltige Weise gescheitert ist, wird immer wieder heraus gekramt. Lerneffekt aus der Geschichte? Keiner! Tragisch.

                    • Marc 21. Oktober 2019, 09:36

                      @Rauschi

                      Die sind halt per Hollywood und Shooter Games auf das kindliche Gut-Böse Schema getrimmt. In ihrer Welt gibt es nur gute Soldaten und gute Bomben, die das Böse auslöschen. Mit der Realität hat das halt nichts zu tun.

                      Die werden auch nicht aufwachen, wenn sie jemand auf die böse Seite stellt, sondern sie werden gemäß ihrer Doktrin den Fehler erst mal bei sich selbst suchen – wenn sie dann noch genügend Zeit zum Denken haben.

          • Ralf 19. Oktober 2019, 20:01

            Naja, ich finde, da hat Stefan schon recht, die Taliban gehen dann eben 5 Jahre in den Untergrund und warten ab.

            Wenn ein Gegner so hervorragend in der Bevölkerung vernetzt ist, dass er fünf Jahre komplett untertauchen kann, während dieser Zeit sein Bestehen stetig garantieren kann und dann so stark aus diesem Winterschlaf erwacht, dass er in kurzer Zeit das gesamte Land erobern und kontrollieren kann, dann ist das ein untrügliches Zeichen, dass man den Krieg garnicht erst beginnen sollte. Ein solcher Krieg wird nämlich zu einem blutigen Morast und die Schlachtfelder wird man mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit als Verlierer verlassen.

            Ich halte das Problem sogar für noch viel gravierender: Mit einem festen (v.a. kurzen) Abzugsdatum nimmt man der Bevölkerung auch jede Motivation, eine freie, demokratische Gesellschaft aufzubauen.

            Sehr oft hast Du in den Gesellschaften, die mit Demokratie und westlichem Rechtsstaat beglückt werden sollen, überhaupt niemanden, der Interesse an diesen Zielen hat. In Syrien z.B. haben die westlichen Alliierten verzweifelt nach demokratisch orientierten arabischen Milizen gesucht und gefunden wurden nur radikalislamische Terroristen. Ironischerweise waren Assads Truppen noch die säkularsten unter den Arabern. Würdest Du in Syrien freie Wahlen abhalten (und das selbe gilt für den Irak oder für Ägypten), würden religiöse Extremisten den Sieg davontragen und Du bekämst mehr Staaten wie Saudi Arabien. Das wäre das Ergebnis von Deiner Demokratie, nicht Frauenrechte und Coca Cola. Und dann darf man doch fragen, weshalb unsere Soldaten da sterben müssen, damit sich irgendein Despot installieren kann, der dann Frauen steinigt und Homosexuelle hinrichtet.

            Die wissen ja auch, dass sie nach 5 Jahren dann alleine dastehen und dass die Taliban nicht nur zurückkommen, sondern aller Wahrscheinlichkeit nach auch noch jeden killen, der sich da irgendwie engagiert hat.

            Du schreibst das irgendwie so, als wenn die Realität jetzt nicht die wäre, dass es rein garnichts gebracht hat, nach fünf Jahren weiter in Afghanistan zu bleiben, denn jetzt, wo die letzten Soldaten nach fast 20 Jahren abziehen werden, wird exakt das passieren, was Du oben beschreibst. Die Taliban werden zurückkommen und jeden killen, der sich für den Westen dort engagiert hat.

            Und da wäre dann meine Frage an Dich, was Du in dieser Situation empfiehlst. Nochmal 20 Jahre?

            Genau deshalb braucht man Exitstrategien. Das Desaster war frühzeitig absehbar. Dass dieser Krieg nicht zu gewinnen ist, war frühzeitig absehbar. Am Ende ging es nur noch darum, dass der Westen sein Gesicht nicht verlieren wollte. Und dass darf kein Maßstab sein, in einem Pokerspiel, in dem die Einsätze die Leben junger Menschen sind.

  • Stefan Pietsch 18. Oktober 2019, 16:05

    5) Gender quotas and the crisis of the mediocre man

    Und die Notwendigkeit, die eigene Position zu beweisen beziehungsweise den eigenen Wert unter Beweis zu stellen, führt zu besseren Ergebnissen.

    So ein Quatsch! Wenn Du ein Minimum an Ahnung hättest, wie hart der Ausleseprozess an der Spitze sich gestaltet, hättest Du Dir das gespart. Für die Spitzenpositionen in Deutschlands Unternehmen kommt nur eine sehr, sehr dünne Schicht in Frage. In Norwegen hat die Quote für Aufsichtsräte gezeigt, was sich in Deutschland bestätigte: die Quote verengt die Auswahl auf sehr wenige Frauen, die dann Multifunktionen übernehmen – also das, was man vor zwei Jahrzehnten für schädlich ansah. Nun gut, bei Frauen ticken die Uhren natürlich immer anders.

    Erstaunlich viele Frauen haben in den letzten Jahren öffentlichkeitswirksam ihren Job in DAX-Unternehmen hingeworfen. Gefördert und gefallen – Ursachenanalyse ist nicht so einfach.

    Schau‘ Dir den Öffentlichen Dienst an, da kommt kein Außenstehender auf die Idee, dass Quote nicht zu Lasten der Qualität ginge. Laut einer brandaktuellen Studie wollen für den Staat Beschäftigte lieber Freizeit statt Einkommen. Die richtige Klientel, um etwas zu rocken, würde ich sagen.

    • Stefan Sasse 18. Oktober 2019, 17:08

      Ich bin ziemlich sicher, wenn du Beschäftigten des Öffentlichen Diensts die Frage nach 40k im Jahr und 38h Woche oder 80k und 50h Woche stellst, machen die auch die 50h Woche. Aber die Frage im Öffentlichen Dienst ist halt häufig: Eine Stunde mehr Arbeit oder 200 Euro brutto im Monat. Und da fällt die Antwort leicht. Dein Problem ist einfach dein unbändiger Hass auf den Öffentlichen Dienst. Übrigens eine der Sieben Todsünden.

      • Stefan Pietsch 18. Oktober 2019, 17:17

        Ich habe mir die Studie nicht en detail angesehen. Im Grunde gehen sie immer um das Gleiche: Beschäftigte im Öffentlichen Dienst arbeiten nicht dort wegen des Geldes, sondern anderer Annehmlichkeiten. Ist in Ordnung, nur sollte niemand anderes behaupten.

      • cimourdain 20. Oktober 2019, 10:35

        Hass (odium) ist keine der sieben Todsünden. Zorn (ira) trifft es nicht, aber Hochmut (superbia) gepaart mit Geiz (avaritia) könnte schon problematisch sein.

  • sol1 19. Oktober 2019, 00:00

    5) Bernard Shaw in der Vorrede zu „Die goldenen Tage des guten König Karl“:

    „Nun sind politische Begabungen freilich eine Seltenheit, wenn auch nicht seltener bei Frauen wie bei Männern. Die ungefähr fünf Prozent geborener politischer Denker und Organisatoren, die uns die Natur liefert, werden in der modernen Zivilisation alle dringend benötigt, und wenn die Hälfte dieses natürlichen Vorrates unterdrückt wird, indem die Frauen vom Parlament und den Kabinetten ausgeschlossen bleiben, wird die soziale Maschinerie versagen und womöglich zusammenbrechen aus Mangel an genügend guter Führung. Kompetenten Frauen, deren Zahl nicht gering ist, wird der ihnen zustehende Platz durch nichtkompetente Männer weggenommen: Es gibt in Europa kein Kabinett, dem es nicht außerordentlich gut täte, wenn man seinen männlichen Schwanz abschnitte und weibliche Köpfe dafür hinsetzte.“

  • citoyen 19. Oktober 2019, 22:00

    ad 5) Gender quotas and the crisis of the mediocre man

    Hat sich irgendwer mal die Originalstudie genauer angesehen?

    Was diese Studie vor allem zeitigt ist eine Krise der empirischen Sozialwissenschaften (worunter ich auch die Wirtschaftswissenschaften dauzuzähle). Das ist allein schon die Konstruktion der Einflussvariable ‚Kompetenz‘. Wie will man diese Variable möglichst objektiv messen? Die Autoren haben sich dazu entschieden, hierfür einen Proxy aus Abweichung vom Medianeinkommen (korrigiert um brachenspezifische Komponenten, sowie Bildung und Berufserfahrung), Einstellungstest beim schwedischen Militär (nur Männer!), einem strukturierten Interview durch Psychologen (dessen Vorgehensweise nicht offengelegt ist) und Zufriedenheit der Bürger mit der Verwaltung.

    Die wissenschaftliche Unredlichkeit besteht darin, die gefundene Korrelation als Kausalität darzustellen. Meine Empfelung: Bitte solchen selbstreferentiellen Quatsch nicht allzu hoch hängen.

  • cimourdain 20. Oktober 2019, 10:56

    1) Permanente Präsenz von Besatzungstruppen mit der Begründung „Bürde des weissen Mannes“ oder moderner „Verantwortung des Westens“. Was ist der Unterschied zum Kolonialismus?
    4) Es ist nicht nur Plasberg. Das gesamte Medium politische Talkshow ist in seiner Wrestling-artigen Inszenierung die perfekte Bühne für destruktive Kommunikation. Nicht nur das Netz ( Fundstück 9) sondern auch klassische Medien befeuerten die faschismusfördernde Debattenkultur die wir jetzt haben.
    5) Die zitierte Studie setzt persönliches Einkommen von Politikern mit Kompetenz gleich. Überlege dir mal, welche unserer Abgeordneten da die Kompetenzkönige wären.

    • Stefan Sasse 20. Oktober 2019, 12:14

      1) Ich bin ja nicht für permanente Präsenz. Der Unterschied besteht aber, wo du fragst, in der Zielsetzung und der direkten Ausbeutung und Kontrolle.
      4) Wohl wahr.
      5) Danke für den Hinweis.

      • Ralf 20. Oktober 2019, 12:40

        Ich bin ja nicht für permanente Präsenz. Der Unterschied besteht aber, wo du fragst, in der Zielsetzung und der direkten Ausbeutung und Kontrolle.

        Ohne klare Exitstrategie, wenn das ständige Verschieben von Torpfosten erlaubt ist und ständig neue Ziele formuliert werden können oder wenn Ziele so vage formuliert sind, dass schlicht nie objektiv festgestellt werden kann, ob das angestrebte Ziel erreicht wurde oder nicht, provozierst Du praktisch die permanente Präsenz. Im Falle eines verlorenen Krieges, wie etwa in Afghanistan, würde nämlich ansonsten jemand sein Gesicht verlieren und tausenden Soldatenfamilien erklären müssen, dass ihre Angehörigen völlig umsonst gestorben sind. Das ist unbequem, also übernimmt lieber keiner Verantwortung und der Konflikt köchelt ohne ein realistisches strategisches Ziel weiter vor sich hin.

        Was Ausbeutung und Kontrolle angeht, die sind in der Regel die zentralen Säulen in den vom Westen (wie von allen anderen auch) geführten Konflikten. Entweder geht es darum Rohstoffe an sich zu reißen oder diese zumindest zu kontrollieren. Oder es geht darum die strategisch-militärische Position auszubauen. Da wo ein Land keinen strategischen Wert hat und wo es auch keine Rohstoffe gibt, ist der Westen (so wie alle anderen auch) auch nicht an Interventionen interessiert (siehe z.B. Ruanda, das trotz eines Genozids an über 500.000 Menschen nur Schulterzucken bei uns bewirkt hat).

        • Stefan Sasse 20. Oktober 2019, 22:02

          Die Gefahr besteht natürlich; ich rede aber nicht vom Verlängern von Desastern. Auf der anderen Seite ist es ja auch vorstellbar, dass ein Einsatz erfolgreich ist.

          • Ralf 20. Oktober 2019, 22:30

            Vorstellbar ist vieles, aber es gibt kaum positive Beispiele. Dafür zahlreiche Katastrophen.

            Und nicht vorab ein Szenario zu definieren, bei dem der Einsatz als gescheitert beurteilt werden muss, lädt geradezu dazu ein sein Scheitern schlicht nie offiziell festzustellen. An dem Punkt sind wir z.B. in Afghanistan seit 15 Jahren. Dieser Weg führt fast unausweichlich zur Verlängerung von Desastern.

            • Rauschi 21. Oktober 2019, 09:15

              @Ralf,

              sehr treffend formuliert, das ist genau mein Widerspruch an dem Konzept.
              Volle Zustimmung.

  • cimourdain 20. Oktober 2019, 16:52

    zu 7) und Nachtrag zu 1) Was Verhfstaedt als „civilizations“ bezeichnet, meint nichts anderes als imperiale Großreiche: von einer jetzt bürokratischen statt monarchischen Zentralmacht zusammengehalten, im Inneren multiethnisch und mit Suzeränität über benachbarte „Vasallenstaaten“, deren Loyalität im Zweifel zur Sicherung von Einflusssphären erzwungen wird.

  • Ariane 22. Oktober 2019, 11:57

    zu 2)
    Erstmal: ich gebe dir mit deinem Kommentar völlig recht.
    Ich habe mich allerdings auch schon bei dem Gedanken erwischt, dass Biden die Hysterie bei den Republicans vielleicht eindämmen könnte, eben weil er ein alter, weißer, langweiliger Mann ist. Sanders als (aus Republicansicht) verkappter Kommunist und Warren als Frau und verkappte Kommunistin würden aus sich heraus die Hysterie eher befeuern, egal was beim Regieren überhaupt passieren würde – ähnlich wie bei Obama.
    Das ist jetzt allerdings für mich eher ein Schönreden, wenns Biden wird (ich persönlich mag ja Warren) und kein Grund, ihn deswegen aufzustellen. „Regt die Opposition nicht auf“ ist an sich ja schon ein bescheuerter Grund und die Gefahr ist zudem noch sehr hoch, dass bei der GOP sowieso Hopfen und Malz verloren ist und für das Land wären es vielleicht verlorene Jahre. Aber ja, ich könnte mir schon vorstellen, dass mit Biden noch die Chance am größten ist, dass die GOP sich quasi selbst reinigt.

    zu 5)
    Es macht daher Sinn, auch über andere Quotenregelungen nachzudenken. Vor allem eine Migrationshintergrundquote wird ja immer wieder diskutiert und etwa bei der SPD ja auch schon eingeführt.
    Ich persönlich fände ja auch Diversity-Quoten spannend, auch wenn das praktisch oder gar juristisch vermutlich nicht mal eben umsetzbar ist. Aber Quoten an sich sind ja nicht nur dazu da, dass Frauen auch irgendwo mit rumwuseln, sondern zum Einen um strukturelle Ungleichheiten aufzubrechen (wie zb dass man lieber Leute einstellt, die einem ähnlich sind) und zweitens auch Perspektiven erweitert, weil unterschiedliche Leute logischerweise unterschiedliche Sichtweisen, Hintergründe, Meinungen etc. haben als wenn man fünf 50jährige Männer mit ähnlichem Hintergrund da hat. Und ein Gefälle gibt es ja nicht nur bei Frauen und Männern, sondern auch bei Migranten, Ostdeutschen, Arbeiterkindern, etc.
    Da sind wir dann aber wieder bei dem Problem, dass Quoten nur ein sehr grobes Hilfsmittel sind, die alleine entgegen der Hoffnungen auch wenig dazu tun, Strukturen an sich zu verändern.

    zu 9)
    Bin schon gespannt auf den Artikel! Ich hatte auch deinen Thread dazu gelesen und muss sagen, ähm ich bin ambivalent^^
    Klar, die radikalisierten gibt es auch (und vllt auch besonders) bei Gamern, aber ich finde, das verengt es fast wieder zu sehr. Wir hatten in den letzten Jahren auch Anschläge und Amokläufe, bei denen sich die Täter in Foren für Prepper also die Untergangsvorbereiter oder Incels (hier die unfreiwilligen Jungfrauenmänner oder wie die sich übersetzen) rumtrieben und vermutlich dort radikalisiert wurden. Nächstes Mal ist es vielleicht ein Autoforum. Friday for Hubraum scheint ja auch ein recht radikaler Haufen zu sein. Das scheint mir tatsächlich eher ein Problem des „special-interest-Internets“ zu sein als dass man es auf eine spezifische Gruppe verengen kann.

    • Stefan Sasse 22. Oktober 2019, 17:12

      2) Ich glaube nicht daran, dass das die Hysterie eindämmen würde. Davon abgesehen ist Biden kein sonderlich gut geeigneter Kandidat in meinen Augen.
      5) Jepp!
      9) Spannender Punkt.

      • Stefan Pietsch 22. Oktober 2019, 17:28

        Wieso hältst Du Joe Biden für keinen guten Kandidaten und wen würdest Du weshalb bevorzugen?

        • Stefan Sasse 22. Oktober 2019, 21:12

          Ich will eigentlich längst mal nen Artikel schreiben, aber so wirklich vom Hocker reißt mich keiner.
          Biden: Der ist mir wesentlich zu in alten Denkmustern verhaftet. Ich halte seinen Ansatz für aus der Zeit gefallen und ineffektiv. Wir haben acht Jahre lang mit Obama Moderation und bipartisanship und Konsensfindung probiert. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass es mit Biden besser läuft, außer du glaubst plötzlich doch, dass die GOP einfach nur auf einen weißen Präsidenten gewartet hat, um wieder vernünftig zu werden.

          Ansonsten bevorzuge ich am ehesten Warren, aber nicht so wirklich mit Herz. Zumindest aktuell nicht.

          • Stefan Pietsch 22. Oktober 2019, 23:07

            Ich verstehe da Deine Haltung nicht. In einem zivilisierten Gemeinwesen bekämpft man ein Extrem nicht mit einem anderen. Die Wahl Trumps war ein glücklicher / unglücklicher Zufall, begünstigt durch die Arroganz der Demokraten, die mit der Nominierung der umstrittensten und unbeliebtesten Kandidatin sich ebenfalls eine Frechheit gegenüber den potentiellen Wählern leisteten.

            Mit Elizabeth Warren würden die Dems ein weiteres Mal austesten, was der Wähler sich bieten lässt. In der Vergangenheit ist so eine Wette fast immer gegen die von Dir präferierte Partei ausgegangen. Ja, muss nicht, ich sehe nur nicht den gesellschaftlichen Gewinn in einem solchen Experiment.

            Ich war immer für gemäßigte Kandidaten in Demokratien. Deswegen war ich Fan von Bill Clinton (okay, wegen noch einigen anderen Gründen), von Prodi wie Schröder und Tony Blair, ich habe den Wahlsieg von Macron wie Obama gefeiert.

            Du redest von alten Denkmustern. Schau‘ Dir in Kanada Trudeau an oder Macron in Frankreich und frage Dich, wohin „neue“ Denkmuster führen.

            • Stefan Sasse 23. Oktober 2019, 11:43

              Zu deutlich besseren Regierungen als ihren jeweiligen Alternativen? Oder sind wir jetzt für eine LePen-Regierung? Davon abgesehen ist Warren kein Extremist. Spar dir den Bothsiderism.

              • Stefan Pietsch 23. Oktober 2019, 18:41

                Spar dir den Bothsiderism.

                Spar Dir Begriffe, die ich nicht verstehe. Ich habe nur eine durchschnittliche Hochschulbildung!

                Tony Blair folgte (mit einem Zwischenschritt) auf Magret Thatcher, die sich in ihren letzten Jahren immer klarer rechts positioniert hatte. Romano Prodi war die seriöse Antwort auf Berlusconi. Macron stand gegen die Spinner von der PS, Mélenchon und Le Pen. Die mittigste und vernünftigste Wahl, die zur Verfügung stand. Schröder war das weit seriösere Angebot als Oskar Lafontaine usw.

                Warren ist neben Sanders die am schwersten vermittelbare Kandidatin, eben weil sie im US-amerikanischen Spektrum so weit links steht. Du siehst das als richtige Reaktion auf den rechten Populisten Trump, ich sehe es als demokratischen Fehler. Extreme werden nicht mit Extremen bekämpft. Ups, links gibt es ja keine Extreme, ich vergaß.

                • Ralf 23. Oktober 2019, 19:29

                  Warren ist neben Sanders die am schwersten vermittelbare Kandidatin, eben weil sie im US-amerikanischen Spektrum so weit links steht. Du siehst das als richtige Reaktion auf den rechten Populisten Trump, ich sehe es als demokratischen Fehler. Extreme werden nicht mit Extremen bekämpft. Ups, links gibt es ja keine Extreme, ich vergaß.

                  Extreme gibt es links schon, bei uns daheim zum Beispiel die MLPD oder die DKP. Oder in den USA die entsprechenden kommunistischen Parteien, da es dort ja auch gibt. Aber Warren und Sanders sind keinsten Falls extrem. Beide sind linksliberale Sozialdemokraten, die ein sehr gemäßigtes Programm haben und deren Positionen in der Mehrheit die Zustimmung der Bevölkerung finden. Natürlich gibt es auch Punkte, in denen die Mehrheit etwas anderes möchte, aber diese Punkte gibt es auch bei Joe Biden. Also kein großer Unterschied.

                  Abgesehen davon ist Warren nicht “schwer vermittelbar”. Sie ist in landesweiten Umfragen die zweite Präferenz der Joe Biden-Wähler, was zeigt, dass selbst der möglicherweise eher zentristisch orientierte Teil des Elektorats kein fundamentales Problem mit der Senatorin aus Massachusetts hat. Ein Großteil der Anhänger von Joe Biden, insbesondere die signifikante Fraktion der African Americans, steht im übrigen hinter diesem Kandidaten, weil er der Vizepräsident von Obama, dem ersten schwarzen Präsidenten war, nicht weil seine politische Ausrichtung zentristisch ist.

                  Und so sind diejenigen, die gegenwärtig ob der guten Umfragewerte von Warren ausflippen nicht die potentiellen Wähler der Demokraten, sondern die Hedgefonds-Manager, CEOs, Wall Street-Banker und Techgiganten, die verzweifelt um den Verlust ihres politischen Einflusses bangen, weil scheinbar weder Warren noch Sanders mit Spenden käuflich sind …

                  https://www.politico.com/news/2019/10/23/elizabeth-warren-corporate-america-055142

                  Im übrigen ist es ein Mythos, dass sich die meisten Amerikaner einen zentristischen Präsidenten wünschen. Gut analysiert ist das zum Beispiel hier:

                  https://www.google.at/amp/s/fivethirtyeight.com/features/the-moderate-middle-is-a-myth/amp/

                  • Stefan Pietsch 24. Oktober 2019, 08:12

                    Es ist zugegeben immer wieder nervig, wie Sie – aber auch Stefan – den Linksextremismus mikroskopisch klein rechnen. Wobei Sie allein auf Ihre eigene politische Bewertung vertrauen, aber jeden analytischen Ansatz vermissen lassen.

                    Stellen wir also gegenüber: für Sie zählt bekanntlich die AfD zum rechtsextremistischen Spektrum, dazu kommt die NPD und noch ein paar Vorfeldorganisationen. Macht in Summe round about über 17%. Da kommen die von Ihnen genannten linksextremistischen Gruppierungen nicht einmal auf 2%. Klar das Problem erkannt. In der politischen Einordnung ist das schon nicht so einfach, wenn man Extremismus nicht als absolute Punkte, sondern als Abstand zu einer gedachten Mitte definiert. So wäre eine politische Forderung nach einem völligen Verbot von Abtreibungen in Deutschland zweifellos extremistisch, nicht jedoch in Irland oder gar Polen. Nun lehnen Sie ja eine solche politologische Bewertung ab, dann nehmen wir halt eine andere Einordnung.

                    Die Bundeskriminalstatistik weist insgesamt über 2.300 rechtsextremistische Straftaten, jedoch 3000 linksextremistische strafrechtliche Vergehen aus. Ursächlich hierfür ist die wesentlich höhere Anzahl an Sachbeschädigungen, während es bei den direkten Angriffen gegen Menschen ein Übergewicht bei den Rechtsextremisten gibt. Hier ist das Verhältnis ungefähr 3:1. Brandstiftung und Raub sind z.B. auch auf linker Seite sehr schwere Delikte, die mit bis zu 10 Jahren geahndet werden.
                    https://de.statista.com/statistik/daten/studie/4721/umfrage/vergleich-der-anzahl-von-rechten-und-linken-gewalttaten/

                    Nach diesen Werten ließe sich im Politischen eher eine hälftige Verteilung, bestenfalls ein leichtes Übergewicht für rechtsextreme Parteien erwarten. Haben die Linksextremen einfach viel mehr Intensivtäter in ihren Reihen? Eher nicht.

                    Also, auch an dieser Stelle scheitert Ihre Einordnung und zeigt Ihre Verniedlichung. Aktuell haben wir gewaltsame Übergriffe im Hochschulbereich. Der Wirtschaftsprofessor und Mitbegründer der AfD wurde von zahlreichen, teilweise gewaltbereiten selbsternannten Antifaschisten an der Ausübung seines Berufes gehindert. Unter Polizeischutz und nur mit Einlasskontrollen musste seine Vorlesung stattfinden. Gleichzeitig wurde bekannt, dass die Hamburger Universität zwar die umstrittene Sahra Wagenknecht und den Juso-Vorsitzenden Kevin Kühnert ein Podium bot, nicht jedoch dem FDP-Chef Christian Lindner. Das Recht zur freien Rede ist elementarer Bestandteil der modernen Demokratie. Nehmen wir die Verletzung dieses Rechts zum Maßstab, gibt es auf linker Seite weit mehr Extremismus als rechts. Wie wir es auch drehen und wenden, der politische Extremismus bildet sich zahlenmäßig in der Bevölkerung nicht so ab, wie Sie es im Tableau darstellen.

                    Sie ist in landesweiten Umfragen die zweite Präferenz der Joe Biden-Wähler, was zeigt, dass selbst der möglicherweise eher zentristisch orientierte Teil des Elektorats kein fundamentales Problem mit der Senatorin aus Massachusetts hat.

                    Das ist eine Verfälschung der Aussage der Umfrage. Es ist nicht gesagt, dass das Elektorat der Dems zentristisch organisiert ist, daran dürfen doch angesichts der vielen Wahlniederlagen in den letzten 30 Jahren erhebliche Zweifel bestehen. Es ist nicht einmal gesagt, dass die Joe Biden-Anhänger so zentristisch sind. Das ist eine Vermutung.

                    Ein Großteil der Anhänger von Joe Biden, insbesondere die signifikante Fraktion der African Americans, steht im übrigen hinter diesem Kandidaten, weil er der Vizepräsident von Obama, dem ersten schwarzen Präsidenten war, nicht weil seine politische Ausrichtung zentristisch ist.

                    Woher wissen Sie das? Haben Sie das in einer Studie gelesen oder ist das eine weitere Vermutung von Ihnen?

                    Und so sind diejenigen, die gegenwärtig ob der guten Umfragewerte von Warren ausflippen nicht die potentiellen Wähler der Demokraten, sondern die Hedgefonds-Manager, CEOs, Wall Street-Banker und Techgiganten, die verzweifelt um den Verlust ihres politischen Einflusses bangen, weil scheinbar weder Warren noch Sanders mit Spenden käuflich sind …

                    Also die Amerikaner, die ich kenne und die ob Warren ausflippen, sind weder Hedgefonds-Manager noch Wall-Street-Banker, noch hoffen sie, Politiker durch Spenden kaufen zu können.

                    Wieder schlicht eine Vermutung von Ihnen?

                    • Ralf 24. Oktober 2019, 22:39

                      Die Bundeskriminalstatistik weist insgesamt über 2.300 rechtsextremistische Straftaten, jedoch 3000 linksextremistische strafrechtliche Vergehen aus. […]

                      Nach diesen Werten ließe sich im Politischen eher eine hälftige Verteilung, bestenfalls ein leichtes Übergewicht für rechtsextreme Parteien erwarten.

                      Die Linksextremen, die Sie ansprechen, stehen nicht zur Wahl bzw. der politische Flügel dieser Linksextremen sind die MLPD und die DKP und beide sind vernachlässigbar klein.

                      Der politische Flügel der rechtsextremen Gewalttäter hingegen steht zur Wahl mit einer Partei, die im Bundestag sitzt und die sich anschickt, die stärkste Partei in Ostdeutschland zu werden.

                      Aktuell haben wir gewaltsame Übergriffe im Hochschulbereich. Der Wirtschaftsprofessor und Mitbegründer der AfD wurde von zahlreichen, teilweise gewaltbereiten selbsternannten Antifaschisten an der Ausübung seines Berufes gehindert.

                      Das hat er wohl sich selbst zu verdanken.

                      Gleichzeitig wurde bekannt, dass die Hamburger Universität zwar die umstrittene Sahra Wagenknecht und den Juso-Vorsitzenden Kevin Kühnert ein Podium bot, nicht jedoch dem FDP-Chef Christian Lindner.

                      Mir ist nicht bekannt, dass Sahra Wagenknecht umstritten ist. Meinetwegen hätte die Universität aber gerne Herrn Lindner einladen können. Im Gegensatz zu Herrn Lucke ist der FDP-Chef jemand, den man guten Gewissens auf ein Podium in einem öffentlich finanzierten Institut stellen kann. Aber ich mache nicht die Gästeliste der Uni Hamburg. Die muss schon selbst entscheiden, wen sie als Gastredner einlädt und wen nicht. Wie immer hat jeder das Recht seine Meinung zu sagen, aber niemand hat ein Recht eingeladen und gehört zu werden.

                      Das ist eine Verfälschung der Aussage der Umfrage. Es ist nicht gesagt, dass das Elektorat der Dems zentristisch organisiert ist, daran dürfen doch angesichts der vielen Wahlniederlagen in den letzten 30 Jahren erhebliche Zweifel bestehen. Es ist nicht einmal gesagt, dass die Joe Biden-Anhänger so zentristisch sind. Das ist eine Vermutung.

                      Da sind Sie schlecht informiert. Joe Biden ist der Kandidat der Zentristen. Buttigieg und Klobuchar sind die Nummer zwei und drei der Zentristen. Das rauszufinden, indem man sich zum Beispiel die im Wahlkampf vertretenen Positionen dieser Kandidaten anschaut, ist nun wirklich nicht schwer. Google wäre ein Anfang. FiveThirtyEight hat eine Vielzahl von Artikeln und Podcasts dazu. Die Washington Post oder New York Times kann man lesen. Oder Politico. Oder amerikanisches Fernsehen schauen.

                      Das Elektorat der Demokraten insgesamt ist im übrigen nicht zentristisch, sondern im Schnitt eher progressiv. Aber der Punkt ist, dass Elizabeth Warren eben Zentristen nicht abschreckt. Die Unterstützer fast aller anderen Bewerber der Demokraten nennen Warren am häufigsten als alternative Kandidatin, die sich vorstellen könnten zu wählen …

                      https://fivethirtyeight.com/features/most-2020-candidates-have-something-in-common-their-supporters-also-like-warren/

                      … und Warren wird explizit als zweite Wahl der Biden-, Buttigieg- und Harris-Unterstützer genannt:

                      https://morningconsult.com/2020-democratic-primary-2/

                      Ihre These, dass Warren eher zentristisch geneigte Wähler abschreckt, ist also nachweislich falsch.

                      Woher wissen Sie das? Haben Sie das in einer Studie gelesen oder ist das eine weitere Vermutung von Ihnen?

                      Es ist falsch, wenn Sie von einer „weiteren Vermutung“ meinerseits sprechen, denn ich habe nirgendwo vermutet, sondern klare Daten und ihre Quellen genannt.

                      Was die Tatsache angeht, dass viele African Americans Biden nicht wegen seines Programms sondern in erster Linie wegen seiner Vizepräsidentschaft unter dem ersten schwarzen Präsidenten Obama unterstützen, das ist in Umfragen belegt und gut in Untersuchungen dokumentiert worden. Wenn Sie die amerikanische Politik etwas intensiver verfolgen würden, dann wüssten Sie das auch. Wiederum muss man nicht besonders lange nach diesen Informationen suchen, aber hier wäre mal ein Anfang:

                      https://www.washingtonpost.com/politics/2019/10/08/obama-effect-has-helped-joe-biden-with-black-voters-will-it-last/

                      https://fivethirtyeight.com/features/the-front-runner/

                      Also die Amerikaner, die ich kenne und die ob Warren ausflippen, sind weder Hedgefonds-Manager noch Wall-Street-Banker, noch hoffen sie, Politiker durch Spenden kaufen zu können.

                      Wieder schlicht eine Vermutung von Ihnen?

                      Die zwei Amerikaner, die Sie kennen, sind wohl nicht der Maßstab. Zu den Gruppen, die Warren fürchten, habe ich Ihnen einen journalistisch gut recherchierten Artikel gepostet.

                    • citoyen 25. Oktober 2019, 10:39

                      > Der Wirtschaftsprofessor und Mitbegründer der AfD wurde von zahlreichen, teilweise gewaltbereiten selbsternannten Antifaschisten an der Ausübung seines Berufes gehindert.

                      Diese Aktion ds Antifa-Pöbels war vielleicht verständlich, sicher aber deplatziert, weil das eigentliche Problem viel tiefer im Wissenschaftsbetrieb selbst liegt, worauf Heiner Flassbeck in einem Kommentar hinweist.

                      Er nennt sie zwar nicht wörtlich, aber gemeint sind die wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten an deutschen Unis, die überwiegend von Dogmatikern besetzt sind, die sich in ihrem Elfenbeinturm mit quasi-Beamtenstatus ausruhen. Auf Lucke bezogen meint er:

                      Bernd Lucke beispielsweise bietet im ersten Semester nach seiner Rückkehr einen Masterkurs zur sogenannten Fiscal Theory oft the Price Level an, was nichts anderes ist als der aus Chicago kommende Versuch (hier ist ein research paper dazu zu finden), den schwerstens angeschlagenen Monetarismus doch noch irgendwie zu retten. Das ist aus meiner Sicht vollkommen irrelevant und müsste erst einmal breiter in der Wissenschaft diskutiert werden, bevor man Studenten damit zuschüttet.Doch die Entscheidung von Professor Lucke, das und nichts anderes anzubieten, fällt in der Tat unter das Rubrum Freiheit der Wissenschaft. Und die Studenten, die ihm zuhören wollen, sind, sollte man meinen, selbst Schuld.

                      Mich wundert es ehrlich gesagt nicht mehr, wenn Kritik von der Strasse kommt, wenn das Fach selbst nicht in der Lage ist, den Fachdiskurs zu führen.

                    • Stefan Pietsch 25. Oktober 2019, 11:26

                      Sie haben keines meiner Argumente verstanden. Woran liegt’s?

                      Die klassifizieren allein die DKP und die MLPD als linksextremistisch. Daraus folgt dann, dass die Anhängerschaft der LINKEN und der Grünen nicht extremistisch sein kann. Bei der AfD verhält es sich argumentativ genau umgekehrt. Dass Ihre Schlussfolgerungen nicht mit den tatsächlichen Relationen korrespondieren, weil sie den Linksextremismus aufgrund der Parteizugehörigkeit ganz klein, den Rechtsextremismus aber ganz groß gerechnet haben, zeigt den logischen Bruch.

                      Sahra Wagenknecht begründete ihren Rücktritt mit den erheblichen Widerständen in ihrer Partei. Darüber hinaus rief sie auch in der breiten Wählerschaft große Widerstände hervor. Dass Sie sich dann an der Bezeichnung „umstritten“ stören, zeigt, dass Sie eher zum Fanclub gehören als nüchtern bewerten.

                      Christian Lindner war ebenso an die Hamburger Universität eingeladen, wurde jedoch von der Uni-Leitung ausgeladen. Linke bestimmen heute, wer reden darf. Auch der frühere Innen- und Verteidigungsminister wurde von Linksfaschisten (Habermas) an einer Buchvorlesung in Göttingen gehindert.

                      Bernd Lucke hat sich nichts zuschulden kommen lassen, das seinen Beamtenstatus in Frage stellen würde. Niemand ist gezwungen, an seinen Vorlesungen teilzunehmen. Dennoch konnten diese nur unter Polizeischutz stattfinden und mussten dennoch ob der linken Gewalt abgebrochen werden. Dass Sie das verteidigen, wirft kein gutes Licht auf Sie.

                      Es gilt nicht als gesichert, dass die Democrats eine mittige Partei sind. Dazu haben sie in den letzten 30 Jahren zu oft zweiter Sieger gewesen. Wenn dann eine Kandidatin auf Platz zwei gesetzt wird, belegt das nicht ihre Akzeptanz in der Mitte der Gesellschaft. Zudem neigen Wähler typischerweise zu jenen Bewerbern, die die größten Erfolgsaussichten versprechen. Derzeit sind die aussichtsreichsten Kandidaten der Dems auf die Nominierung Joe Biden, Elizabeth Warren und Bernie Sanders. Es ist da wenig überraschend, dass Anhänger von Biden als zweite Wahl Warren favorisieren, zumal, siehe oben, Dems nicht automatisch mittig sind.

                      Zu Ihren vielen fragwürdigen Bewertungen zählt auch die Beschreibung von Bernie Sanders als gemäßigten Sozialdemokraten, wenn dieser sich selbst als Sozialisten einstuft. Entweder hat Sanders keine Ahnung von Sozialdemokratie. Oder Sie keine von der innewohnenden Radikalität.

                      Ein paar mehr Amerikaner kenne ich schon als nur zwei. Aber ich arbeite nicht in den USA, das ist richtig. Nur ist Ihre Analysefähigkeit auch nicht zwingend besser, weder in Bezug auf die USA noch auf deutsche Verhältnisse.

                    • Stefan Pietsch 25. Oktober 2019, 11:30

                      Er nennt sie zwar nicht wörtlich, aber gemeint sind die wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten an deutschen Unis, die überwiegend von Dogmatikern besetzt sind, die sich in ihrem Elfenbeinturm mit quasi-Beamtenstatus ausruhen.

                      Ach, und das gilt für Flassbeck nicht, der sich immer in den sicheren Gefilden ordentlicher öffentlicher Bezahlung aufgehalten hat? Predigt der Hamburger heute etwas anderes als vor 25 Jahren? Das ist doch immer das Gleiche, egal wie die Welt ist. Es gibt wohl im deutschen Raum keinen Professor, der sich so schwer mit der Anpassung seiner Lehre tut wie Flassbeck.

                    • Stefan Sasse 25. Oktober 2019, 21:16

                      Klar, aber Flassbeck predigt halt auch nicht die Überlegenheit des Freien Markts.

                    • Rauschi 25. Oktober 2019, 13:44

                      Es gibt wohl im deutschen Raum keinen Professor, der sich so schwer mit der Anpassung seiner Lehre tut wie Flassbeck.

                      Anpassung an was? An die Evidenz?
                      Dann braucht er keine Anpassung, ganz im Gegensatz zu den Monetaristen.

                    • Ralf 25. Oktober 2019, 19:25

                      Sie haben keines meiner Argumente verstanden. Woran liegt’s?

                      Daran dass sie falsch und realitätsverweigernd sind.

                      Die klassifizieren allein die DKP und die MLPD als linksextremistisch. Daraus folgt dann, dass die Anhängerschaft der LINKEN und der Grünen nicht extremistisch sein kann. Bei der AfD verhält es sich argumentativ genau umgekehrt. Dass Ihre Schlussfolgerungen nicht mit den tatsächlichen Relationen korrespondieren, weil sie den Linksextremismus aufgrund der Parteizugehörigkeit ganz klein, den Rechtsextremismus aber ganz groß gerechnet haben, zeigt den logischen Bruch.

                      Ich schließe nirgendwo aus, dass es möglicherweise auch bei anderen Parteien einen kleinen unbedeutenden Teil an Linksextremen gibt – selbst für die FDP schließe ich das nicht aus – aber diese kleine Fraktion, so sie denn überhaupt existiert, ist in diesen Parteien nicht richtungsangebend. Bei der MLDP und der DKP hingegen ist diese Fraktion richtungsangebend, während die Demokraten, so sie denn dort überhaupt existieren, in der Minderheit sind. Deshalb sind Grüne, LINKE und FDP keine linksextremen Parteien.

                      Bei der AfD und bei der NPD sind die Rechtsextremen hingegen klar richtungsangebend. Leute wie Meuthen, Weidel und Gauland haben längst die Kontrolle über den Apparat verloren und fungieren nur noch als bürgerlicher Grüßaugust, ähnlich den bürgerlichen Wasserträgern der NSDAP in den frühen Dreißiger Jahren. Die NPD fuhr zuvor übrigens die gleiche scheinbürgerlich-spießige Strategie, um die hässliche Fratze ihrer Nazi-Bodentruppen zu verbergen. Die AfD ist nur erfolgreicher, weil sie sich – genauso wie die NSDAP damals – ein paar bekannte bürgerliche Gesichter geschnappt hat, denen man lange Zeit die Schlechtigkeit den braunen Sumpf an die Macht bringen zu wollen nicht zugetraut hat.

                      Sahra Wagenknecht begründete ihren Rücktritt mit den erheblichen Widerständen in ihrer Partei. Darüber hinaus rief sie auch in der breiten Wählerschaft große Widerstände hervor. Dass Sie sich dann an der Bezeichnung „umstritten“ stören, zeigt, dass Sie eher zum Fanclub gehören als nüchtern bewerten.

                      Nach der Definition sind Christian Lindner, Angela Merkel und Horst Seehofer alle „umstritten“, denn die alle rufen „in der breiten Wählerschaft große Widerstände hervor„. Es wäre verblüffend, wenn Sie auch nur einen einzigen Politiker nennen könnten, der nach dieser Definition nicht umstritten ist. Wenn eine Definition, aber alle Mitglieder eines Sets beschreibt, ist sie logisch redundant und damit wertlos.

                      Solche logischen Fehler passieren übrigens meist, wenn man nicht sachunabhängig und prinzipiengeleitet definiert, sondern vorher das Ergebnis bestimmt und anschließend eine Definition zusammenbastelt, die zum gewünschten vorher festgelegten Ergebnis passt.

                      Verwandt damit ist die zirkuläre Schlussfolgerung.

                      Christian Lindner war ebenso an die Hamburger Universität eingeladen, wurde jedoch von der Uni-Leitung ausgeladen.

                      Klingt so, als hätte da jemand eingeladen, dem nicht die finale Entscheidung über die Einladung zustand. Dass ist so, als wenn Ihr Sohn oder Ihre Tochter jemanden in Ihre Wohnung einlädt, den Sie dort nicht haben wollen und Sie schmeißen den Besucher wieder raus. Ihre Wohnung, oder?

                      Bernd Lucke hat sich nichts zuschulden kommen lassen, das seinen Beamtenstatus in Frage stellen würde.

                      Er hat sich ausreichend viel zu Schulden kommen lassen, dass er als öffentliche Person in einer Universität nicht mehr tragbar ist. An einer amerikanischen Privatuniversität hätte man jemanden wie ihn wahrscheinlich schon lange an die Luft gesetzt. In Deutschland wird selbst so jemand leider durch den Beamtenstatus geschützt. Gut dass jetzt wenigstens seine Vorlesungen blockiert werden.

                      Es gilt nicht als gesichert, dass die Democrats eine mittige Partei sind.

                      Die Demokraten sind eine linksliberale Partei mit einem wachsenden progressiven Flügel sowie einer breiten Verankerung im zentristischen Elektorat. Der einzige Mensch auf diesem Planeten, der da Zweifel hat, sind Sie.

                      Wenn dann eine Kandidatin auf Platz zwei gesetzt wird, belegt das nicht ihre Akzeptanz in der Mitte der Gesellschaft. Zudem neigen Wähler typischerweise zu jenen Bewerbern, die die größten Erfolgsaussichten versprechen. Derzeit sind die aussichtsreichsten Kandidaten der Dems auf die Nominierung Joe Biden, Elizabeth Warren und Bernie Sanders. Es ist da wenig überraschend, dass Anhänger von Biden als zweite Wahl Warren favorisieren

                      Das ist Unsinn. Konventionell gibt es verschiedene Fahrspuren („Lanes“) in den Parteien (z.B. „progressiv“ = Castro, „wirtschaftlich links“ = Sanders, Warren; „zentristisch“ = Biden, Buttigieg, Klobuchar) und die Befürworter einer gewissen Richtung bevorzugen normalerweise den Cluster an Kandidaten, der ihren Einstellungen am besten entspricht. So wie in Deutschland enttäuschte CDU-Wähler auch eher zu verwandten Parteien, z.B. der FDP, überlaufen als zu ideologiefernen Parteien, also z.B. der LINKEN. In den USA ist es hingegen so, dass Warren über das gesamte demokratische Spektrum hinweg geschätzt zu werden scheint. Anders wäre nicht erklärlich, dass z.B. Buttigieg-Wähler Elizabeth Warren als ihre zweite Wahl angeben. Auch Ihr Mehrheitsargument führt in die Irre, den Joe Biden wäre die wesentlich naheliegendere Alternative für diese Wähler, da Biden sowohl einen höheren Bekanntheitsgrad als Warren hat und auch noch in landesweiten Umfragen führt.

                      Mir drängt sich der Eindruck auf, dass Sie sich hier mit Verzweiflung an ein gescheitertes Argument klammern, weil Ihr Eingeständnis sich geirrt zu haben bedeuten würde anzuerkennen, dass eine betont linksliberale Politikerin den Zeitgeist trifft. Menschlich ist das verständlich, aber der Debatte hilft es nicht.

                      Zu Ihren vielen fragwürdigen Bewertungen zählt auch die Beschreibung von Bernie Sanders als gemäßigten Sozialdemokraten, wenn dieser sich selbst als Sozialisten einstuft. Entweder hat Sanders keine Ahnung von Sozialdemokratie. Oder Sie keine von der innewohnenden Radikalität.

                      Auch die französischen Sozialdemokraten bezeichnen sich als Sozialisten. Was nun?

                      Sieht so aus, als sei der Begriff „Sozialismus“ nur sehr vage definiert. Es kann sich also jeder aus dem Begriff das herausholen, was er will. Gleichzeitig werden Debatten, die diesen unscharfen Begriff ohne klare Erläuterung verwenden, was gemeint ist, wertlos und unsachlich.

                    • popper 26. Oktober 2019, 15:59

                      Der Wirtschaftsprofessor und Mitbegründer der AfD wurde von zahlreichen, teilweise gewaltbereiten selbsternannten Antifaschisten an der Ausübung seines Berufes gehindert. Unter Polizeischutz und nur mit Einlasskontrollen musste seine Vorlesung stattfinden. Gleichzeitig wurde bekannt, dass die Hamburger Universität zwar die umstrittene Sahra Wagenknecht und den Juso-Vorsitzenden Kevin Kühnert ein Podium bot, nicht jedoch dem FDP-Chef Christian Lindner. Das Recht zur freien Rede ist elementarer Bestandteil der modernen Demokratie.
                      Ein exemplarisches Beispiel für ihre Masche Wirklichkeit zu ignorieren, zu verdrehen oder gleich zu erfinden. „Teilweise „gewaltbereite Antifaschisten“ behaupten Sie, weil Sie das „schupsen“ in ihrer Hauspostille DIE WELT ganz ohne klare Fakten zu liefern, das so berichtet. Wobei ihre Begriffe wie „zahlreiche“ und „teilweise“ nur ablenken und zeigen dass Sie ihrer quantitativen Zuordnung nicht trauen, sie ja auch gar nicht kennen können. Sie waren ja nicht dabei. Oder kennen Sie jeden einzelnen Studenten. Und ist für Sie jeder, der Nazischwein raus ruft ein Antifaschist? Oder benutzen Sie ihre verblasene Kategorisierung eher als versteckte Zensur. Und bemühen obendrein als Placebo hehre Ideale wie die Freiheit der Wissenschaft und die freie Meinungsäußerung.

                      Lucke bietet im ersten Semester einen Masterkurs zur sogenannten „Fiscal Theory oft the Price Level“ an. Aus meiner Sicht ein Versuch, den schwerstens angeschlagenen Monetarismus doch noch irgendwie zu retten. Das fällt zweifelsohne unter das Rubrum Freiheit der Wissenschaft. Aber müssen Studenten sich das anhören? Nein, müssen sie nicht. Sie können die Vorlesung auch nutzen, um den Professor ablehnen, weil er ein als Vertiefungsveranstaltungen getarntes Seminar über abseitige Nischenthemen anbietet. Sie könnten auch erst gar nicht hingehen. Zumal eine sachliche Auseinandersetzung auch in Fächern wie der Volkswirtschaftslehre, wo sie dringend notwendig wäre, praktisch nie an den deutschen Universitäten stattfindet und regelmäßig in einem trögen Mainstream suhlt. Das ist dann eher Freiheit der Forschung als Leere, wie es ein renommierter Ökonom es nannte.

                      Und bei Lindner erwecken Sie den Eindruck, er hätte im Gegensatz zu Wagenknecht nicht sprechen dürfen. Dabei kommt natürlich das Adjektiv „umstrittene“ zum Einsatz, um beim Leser den doppelten Eindruck zu erwecken, hier sei mit ungleichem Maß gemessen worden. Tatsache ist, dass Wagenknecht vom studentischen ‚Arbeitskreis für alternative Ökonomik zu einer wissenschaftlichen Diskussionsveranstaltung eingeladen war. Die völlig anderen Regeln unterliegt, als eine politische Veranstaltung, zu der die liberale Hochschulgruppe LHG Hamburg bei der Hochschule angefragt hatte und deshalb routinemäßig abgelehnt wurde, weil die Hochschule keine Räume für parteipolitische Veranstaltungen zur Verfügung stellt.

                    • Stefan Sasse 26. Oktober 2019, 16:14

                      Wer eine Vorlesung nicht hören will, geht nicht hin. Das heißt nicht, dass man nicht gegen Lucke protestieren können sollte. Zur Freiheit der Wissenschaft gehört auch auszuhalten, dass ein paar Studenten Sprechchöre abhalten. Dafür haben Professoren ihre ganzen Privilegien. Dieses Mimimimimimi geht mir gehörig auf den Keks.

                    • Stefan Pietsch 27. Oktober 2019, 10:37

                      Wenn demnächst ein paar Störenfriede in Deinem Unterricht Krach machen, wirst Du das auch aushalten müssen, schließlich geht Dir dieses Mimimi gehörig auf den Keks.

                      Es gibt tatsächlich Menschen, die das anders sehen, die meinen, ein Unterricht solle störungsfrei und in Ruhe ablaufen. Was für eine alberne Vorstellung für jemanden, der nichts dagegen hat, wenn im Unterricht die Smartphones klicken.

                    • popper 28. Oktober 2019, 14:52

                      Es gibt wohl im deutschen Raum keinen Professor, der sich so schwer mit der Anpassung seiner Lehre tut wie Flassbeck.

                      Woraus schließen Sie das, und Anpassung an was? Ihre Worte sind wiedermal ziemlich verräterisch, weil Sie suggerieren, das Wesentliche einer Wirtschaftstheorie /-lehre sei die Anpassung an mainstreamverseuchte Realitäten in deutschen Universitäten und Instituten. Sind es nicht gerade die Neoklassik und der sich in Teilen daran anschließende Neoliberalismus, die mit konstruktivistischen Modellen eine Realität schaffen, die mit den tatsächlichen Gesetzesmäßigkeiten kapitalistischer Wirtschaftsstrukturen nicht das Geringst mehr zu tun haben. Wo der empirische Wahrheitsgehalt gar nicht mehr zur Debatte steht, sondern einfach nur intellektuelle Unterwerfung eingefordert wird. Wo Marktmechanismen nur noch simuliert werden, die den Einzelnen zwingen , unreflektiert zu handeln. Weil menschliches Nachdenken und deren Anwendung einen angeblich verheerenden Eingriff in ökonometrisch gehätschelte „Marktgesetze“ bedeutet. Die für jeden eine ökonomische Identität erzwingt, die in zum Sklaven mystifizierter Mächte macht. Ob es sich sich um die Omnipotenz des Marktes im hayekschen Sinne handelt oder um eine in grotesker Weise überbewertete Digitalisierung handelt, mit ihrer Vision einer den Menschen anleitenden und bevormundenden KI, die den Homo sapiens sapiens zum retardierenden Klickäffchen degradiert. Das alles wird uns nicht davon befreien, unser Denken auf die einfachen und wesentlichen Sachverhalte der Ökonomie zu lenken. Und darin, Herr Pietsch, ist Flassbeck einer Meister seiner Zunft. Daran ändert sich nichts, wenn Sie das hier mit ideologischen Scheuklappen zu werten suchen. Übrigens am 02. November veranstaltet Makroskop in Nürnberg einen Kongress, wenn Sie Zeit haben kommen Sie vorbei, es erwarten sie dort viele Erkenntnisse darüber, was deutschen Professoren an Pluralität der Lehre fehlt.

                    • Stefan Pietsch 28. Oktober 2019, 15:30

                      Flassbecks ewige Lehre ist, der Staat habe eine expansive Finanzpolitik zu betreiben, die Notenbank für billiges Geld zu sorgen und die Löhne stark steigen. Die Lehre ist unabhängig von der jeweiligen konjunkturellen Lage und von staatsspezifischen Problemen.

                      Ob nun in Griechenland und Italien die Wirtschaft ob überbordender Bürokratiekosten, einem nicht funktionierenden Rechtssystem und historisch ungekannt hoher Staatsschulden darben, ob die Zinsen in manchen Ländern längst so negativ sind, dass selbst progressiven und expansiv denkenden Ökonomen Zweifel kommen, oder mancherorts hohe Löhne die Wirtschaft niedergedrückt haben – immer das gleiche Mantra.

                      Die sich selbst als neoliberal bezeichnende Zunft in Deutschland ist da wesentlich anpassungsfähiger und damit überzeugender. Wer immer die gleichen Antworten gibt, gibt fast immer die falschen. Oder um mit einem Bonmot zu enden: auch eine kaputte Uhr geht zweimal am Tag richtig.

                    • Stefan Sasse 28. Oktober 2019, 18:38

                      Während auf der anderen Seite der deutsche ökonomische Mainstream durch seine der jeweiligen Wirtschaftslage angepassten pragmatischen Lösungen auffällt, die so gar nicht ideologisch verbohrt sind.

                    • Stefan Pietsch 28. Oktober 2019, 20:05

                      Da schreibe ich so viel und Du liest so viel – und verstehst dann doch wenig. Wenn ein bekennender neoliberaler Wirtschaftsprofessor plötzlich für Staatsverschuldung plädiert, dann ist das so überraschend als würde Flassbeck für Lohnzurückhaltung eintreten. Ersteres haben wir vor einigen Monaten bei Michael Hüther (IW) erlebt, letzteres noch nicht.

                      Auch Straubhaar überrascht immer wieder, Flassbeck wie gesagt nicht. Aber gut, für Dich ist ohnehin alles gleich, gibt nichts zu bemerken, gehen Sie weiter.

                    • Rauschi 29. Oktober 2019, 14:43

                      Flassbecks ewige Lehre ist, der Staat habe eine expansive Finanzpolitik zu betreiben, die Notenbank für billiges Geld zu sorgen und die Löhne stark steigen. Die Lehre ist unabhängig von der jeweiligen konjunkturellen Lage und von staatsspezifischen Problemen.
                      Tut mir leid, aber die Aussagen stimmen alle nicht, so was Doofes würde doch niemand von sich geben.
                      Nein, Flassbeck sagt, wenn sich niemand anders verschuldet, muss es der Staat tun, weil ein Teilnehmer immer die Finanzierungswünsche der anderen auffangen muss. Bislang war es das Ausland, das fällt aus. Er sagt sogar explizit, es wäre ihm lieber, das würden die Unternehmen wieder machen, denn die erwirtschaften mit den Krediten meist auch etwas Reales.
                      Billiges Geld der Notenbank? Noch nie gehört, auf gar keinen Fall in so einer plumpen Form!
                      Löhen sollen analog der Produktivität und der Zielinflation steigen, wenn beides niedrig ist, steigen die auch nicht. Wer die Fakten so verdreht wie Sie, der will einen angesehen Professor verleumden. Kein sympathischer Zug.

                  • Stefan Pietsch 25. Oktober 2019, 11:33

                    Diese Aktion das Antifa-Pöbels war vielleicht verständlich

                    Daran ist nichts verständlich, so man sich selbst auf dem Boden des Grundgesetzes befindet und sich als Demokraten beschreibt. Was das eigene Ich dann in Frage stellt.

                    Vielleicht bezeichnen wir demnächst ja das Abfackeln von Asylbewerberheimen als „verständlich“?

                    • popper 26. Oktober 2019, 20:08

                      Vielleicht wurde es helfen, wenn Sie auch einmal konstatieren würden, dass die Idee des Grundgesetzes von seiner Wirklichkeit erheblich abweicht. Ich glaube, dass die wenigsten wissen, dass unsere Verfassung keine echte Gewaltenteilung hat. Deutschland kennt nur zwei organisatorisch voneinander unabhängige Träger der Staatsgewalt, die Legislative und die Exekutive. In dem gegenwärtigen deutschen Staatsaufbau ist die Judikative in die Exekutive integriert – der gesamte Justizapparat untersteht der Regierung. Die Justizminister arbeiten in Bund und Ländern unter dem Dach einer Regierung, deren Mehrheitsentscheidungen ausgesetzt und zur Regierungsloyalität verpflichtet.

                    • Stefan Sasse 27. Oktober 2019, 12:18

                      Blödsinn.

                    • Stefan Pietsch 27. Oktober 2019, 10:31

                      So ein Quatsch. Justizminister dürfen Richtern nicht einmal ihre Arbeitszeit vorschreiben, so ein früheres Urteil. Für Richter wie Anwälte (ja, die sind auch Teil der Judikative, Herr popper!) gilt die Unabhängigkeit. Kein Anwalt kann belangt werden, weil er einen Mandanten vertritt, kein Richter für ein vermeintliches Fehlurteil zur Rechenschaft gezogen werden.

                    • popper 27. Oktober 2019, 11:23

                      So ein Quatsch
                      Ist keine Argumentation, sondern Zeichen ihrer Ignoranz. Alles weitere ist wieder einmal Strohmann-Argumentation. Sie widersprechen, wo nichts behauptet wurde, um den Anschein zu erwecken, damit seien meine Hinweise zur Gewaltenteilung in Deutschland widerlegt. Entweder Sie nehmen dazu Stellung oder sparen sich weitere Kommentare.

                • Ralf 23. Oktober 2019, 21:40

                  Den Artikel schicke ich Ihnen als Beleg noch hinterher. Ist gerade ganz frisch veröffentlicht worden und enthält folglich sehr aktuelle Zahlen:

                  Aus den Daten geht hervor, dass Elizabeth Warren nicht nur mit großem Abstand die am häufigsten erwogene Alternativkandidatin der Joe Biden-Unterstützer ist (Bernie Sanders ist hier übrigens auf dem dritten Platz). Sie ist auch mit signifikantem Vorsprung die am häufigsten erwogene Alternativkandidatin der Buttigieg-Unterstützer. Pete Buttigieg gilt nach Joe Biden als die größte Hoffnung der Zentristen im Rennen und spricht durch sein junges Alter und seine offen gelebte Homosexualität ein völlig anderes Publikum an als der ehemalige Vizepräsident. Die dritte „Größe“ der Zentristen ist Amy Klobuchar. Hier sind Warren und Biden praktisch in einem statistischen Gleichstand bei der Nennung als erwogener Alternativkandidat durch die Klobuchar-Fans:

                  https://fivethirtyeight.com/features/most-2020-candidates-have-something-in-common-their-supporters-also-like-warren/

                  All das widerspricht diametral Ihrer These, dass Elizabeth Warren vom demokratischen Elektorat als irgendwie extrem oder außenseiterhaft betrachtet wird.

                  • Stefan Pietsch 24. Oktober 2019, 10:35

                    All das widerspricht diametral Ihrer These, dass Elizabeth Warren vom demokratischen Elektorat als irgendwie extrem oder außenseiterhaft betrachtet wird.

                    Wie oben geschrieben: das setzt voraus, dass das Elektorat der demokratischen Partei Mainstream verkörpert.

                    • Ralf 24. Oktober 2019, 22:40

                      Ist oben beantwortet.

                • Stefan Sasse 23. Oktober 2019, 22:22

                  Klar gibt es die. Und Warrens Positionen sind sicherlich links vom Mainstream. Ich verbitte mir nur für sie (und Sanders) die Gleichsetzung mit Trump. Weder von Warren noch Sanders ist eine Gefährdung der Demokratie, massive Grundrechtseinschränkungen und grassierende Korruption zu erwarten. DAS ist Bothsiderismus, und ich bin mir sicher, du weißt das inzwischen und stellst dich nur absichtlich blöd.

                  • Stefan Pietsch 24. Oktober 2019, 10:32

                    Reden wir jetzt von Politik oder Person? Trumps Positionen zu Außenhandel, Migration, Steuern und Armee sind wahrscheinlich eher konsensfähig als die „Pläne“ von Elizabeth Warren.

                    Dass es nicht nur und nicht vor allem darauf ankommt, welche Person eine bestimmte Politik exekutieren soll, ist meine Rede! Sie wurde in der Vergangenheit heftig von links angefeindet. Natürlich halte ich eine Elizabeth Warren von ihrer Persönlichkeit weit besser für das Präsidentenamt geeignet als Trump. Aber es geht um Trennung. So wie Trump 2016 eine Zumutung für seriöse Mitte-Amerikaner war, so ist es in ähnlicher Weise Elizabeth Warren. Man muss sich schon dreimal umdrehen um für sie ihr Kreuz zu machen.

                    Ich halte die Taktik, „nicht schlimmer als Trump“ für keine gute.

                    Kannst Du mir belegen, dass „Bothsiderismus“ schon vor 10 Jahren ein feststehender Begriff war? Dann nehme ich das in meinen Wortschatz auf. Andernfalls stelle Dich bitte auf mein Begriffsvermögen ein. Ich bin nicht jemand, der, wenn er einen Text liest, gleichzeitig Begriffe googeln muss.

                    Nur zur Klarstellung: ich wehre mich auch in meiner Profession gegen die regelmäßige Einführung neuer Fachbegriffe wie „Topline“, wenn man Umsatz meint.

                    • Stefan Sasse 24. Oktober 2019, 19:24

                      Ich war nur verwundert weil wir den Begriff seit mittlerweile einem Jahr recht freizügig verwenden und du dich bisher nicht beklagt hast.

                • popper 25. Oktober 2019, 21:49

                  Nach Berlusconi kam zwar Prodi, wurde aber kurz darauf wieder durch Berlusconi ersetzt. Die neoliberale Alternative war Monti. Und Schröder war keine seriöse Alternative zu Lafontaine, sondern wäre ohne die Hilfe Lafontaines nie Bundeskanzler geworden. Wie unseriös Schröder war, konnte man daran sehen, dass er sich nach der Wahl nicht an Absprachen hielt und die SPD mit der der menschenverachtenden Agenda 2010 (insbesondere. Hartz IV) absehbar in die Tonne trat. Unseriös war auch seine Nähe zu Marschmeyer, für den er die Riesterrente ins Leben rief und der sich bedankte mit einer astronomischen Summe von zwei Millionen Euro, für die Rechte an Schröders Biografie. Insoweit sind ihre Elogen das Gegenteil von seriös.

              • popper 27. Oktober 2019, 15:31

                Sie sagen Blödsinn, Herr Sasse. Was bitte, ist an meinen Ausführungen Blödsinn? Offensichtlich sind ihre Kenntnisse mangelhaft. Für einen Pädagogen ziemlich peinlich.

  • Stefan Pietsch 27. Oktober 2019, 10:58

    @Ralf

    Wo verstecken sich denn die ganzen Linksextremisten Ihrer Ansicht nach (Sie haben ja so viel Phantasie)? Sind Linksextremisten weit weniger in Parteien aktiv als die Rechtsextremisten? Und wie kommt es dass Sie politisch ungefähr 18% Rechtsextremisten zählen, jedoch nur so 1-2 Prozent Linksextremisten, Extremismusforscher das aber ganz anders einordnen? Nichts beantwortet, aber meine Fragen sind falsch.

    Nach der Definition sind Christian Lindner, Angela Merkel und Horst Seehofer alle „umstritten“

    Nein. Die Führungsrolle all dieser Politiker war sehr lange in ihren Parteien unumstritten, bei Lindner ist es das immer noch. Und auch der Kurs fand immer die große Unterstützung weit über die Parteimitglieder hinaus tief in die Wählerschaft. In allen Parteien gibt es umstrittene Spitzenpolitiker. Diese sind es jedoch nicht (oder waren es nicht).

    Der Punkt ist, Sie können sich nicht von ihrer naturwissenschaftlichen Logik in 0 und 1 lösen. Menschen bestehen aber nicht nur aus Nullen und Einsen.

    Klingt so, als hätte da jemand eingeladen, dem nicht die finale Entscheidung über die Einladung zustand.

    Es geht um den fehlenden einheitlichen Maßstab einer Leitung. Das macht sie politisch.

    Er hat sich ausreichend viel zu Schulden kommen lassen, dass er als öffentliche Person in einer Universität nicht mehr tragbar ist.

    Das haben Sie nicht zu bestimmen, das sollten Sie irgendwann einmal akzeptieren. Es gibt viele Studenten, die offensichtlich seine Vorlesungen hören wollen. Es ist die Schwäche von Euch Linken, die Verweigerung des Diskurses mit Moral ersetzen zu wollen.

    Der einzige Mensch auf diesem Planeten, der da Zweifel hat, sind Sie.

    Oh, dann haben die Democrats die meisten Wahlen der letzten 30 Jahre gewonnen? Da ist mir doch tatsächlich etwas entgangen…

    So wie in Deutschland enttäuschte CDU-Wähler auch eher zu verwandten Parteien, z.B. der FDP, überlaufen als zu ideologiefernen Parteien, also z.B. der LINKEN.

    Stimmt halt so nicht laut den regelmäßigen Wählerwanderungen.

    Mir drängt sich der Eindruck auf, dass Sie sich hier mit Verzweiflung an ein gescheitertes Argument klammern, weil Ihr Eingeständnis sich geirrt zu haben bedeuten würde anzuerkennen, dass eine betont linksliberale Politikerin den Zeitgeist trifft.

    Sorry, von Demokratie scheinen Sie wenig zu verstehen (siehe oben) und anscheinend können Sie noch so viel amerikanisches Fernsehen anschauen, ohne Wichtiges zu erkennen. Joe Biden wurde nun seit Monaten als Frontrunner unter Feuer genommen. Das hat seinem Ansehen geschadet, das ist normal (war hier mit Friedrich Merz im CDU-Streit um den Vorsitz genauso). Warren lief sehr lange unter dem Radar und musste sich auch noch keiner Kampagne desjenigen mit dem größten Sprachrohr stellen: dem amerikanischen Präsidenten.

    Wird ein Politiker in der Öffentlichkeit unter Feuer genommen, steigen meist nicht seine Beliebtheitswerte, sondern fallen tendenziell. Im Laufe der Zeit pendelt sich das oft (auf einem etwas niedrigeren Niveau als zu den Glanzzeiten) ein. Aber aus Warren Rising zu schließen, es gäbe einen betont linksliberalen Zeitgeist, ist politik- und geschichtsvergessen.

    Auch die französischen Sozialdemokraten bezeichnen sich als Sozialisten. Was nun?

    Wollen Sie wirklich die Selbstbeschreibung eines Politikers durch Ihre eigene ersetzen?

    • Ralf 27. Oktober 2019, 14:30

      Wo verstecken sich denn die ganzen Linksextremisten Ihrer Ansicht nach

      Offensichtlich nicht in Parteien, die eine Chance haben politischen Einfluss in Deutschland auszuüben. Und das ist großartig.

      Völlig anders sieht es hingegen bei den Rechtsextremen aus, die in einer immer stärker werdenden Partei in deutschen Landtagen und im Bundestag versammelt sind und die (wie in den Dreißiger Jahren) bereits erste Avancen von bürgerlichen Parteien zur Regierungsbildung bekommen.

      Es ist also kristallklar, woher die Gefahr für unsere Demokratie kommt. Nicht von links, sondern von rechts.

      Nein. Die Führungsrolle all dieser Politiker war sehr lange in ihren Parteien unumstritten, bei Lindner ist es das immer noch.

      Verschieben Sie nicht schon wieder die Torpfosten. Ihre Definition von „umstritten“ umfasste oben noch alle Politiker, die „in der breiten Wählerschaft große Widerstände hervor[rufen]„. Also nicht nur in der Stammwählerschaft der eigenen Partei. Nach der Definition sind Lindner, Merkel und Seehofer alle umstritten.

      Aber selbst wenn Sie die Wählerschaft hier nur auf die relativ treuen „Stammwähler“ reduzieren, kann überhaupt kein Zweifel bestehen, dass etwa Angela Merkel hochumstritten in der CDU ist. Fragen Sie doch mal Herrn Gabriel zum Thema. Und es kann nach dem Abservieren Seehofers durch Markus Söder nach dem gescheiterten letzten Landtagswahlkampf in Bayern auch kein Zweifel daran bestehen, dass Seehofer in der CSU hoch umstritten ist. Bei Lindner ist die Analyse etwas schwieriger. Die FDP hat nämlich kaum Stammwähler. Da laufen die Wähler, die die Liberalen normalerweise in Betracht gezogen hätten, eben einfach weg. Gegenwärtig hat die FDP in Umfragen gerade noch deutlich einstellige 6-8%. Da passt es, das Etikett „umstritten“ draufzukleben.

      Der Punkt ist, Sie können sich nicht von ihrer naturwissenschaftlichen Logik in 0 und 1 lösen. Menschen bestehen aber nicht nur aus Nullen und Einsen.

      Danke für den Hinweis. Mir ist nicht klar, wo ich behauptet habe, Menschen bestünden aus Nullen und Einsen.

      Es geht um den fehlenden einheitlichen Maßstab einer Leitung. Das macht sie politisch.

      Der einheitliche Maßstab war scheinbar, dass gesellschaftliche Diskussionen gefördert, eindeutig parteipolitische Propagandaveranstaltungen hingegen vermieden werden. Als Steuerzahler sage ich danke für diesen Maßstab.

      Das haben Sie nicht zu bestimmen, das sollten Sie irgendwann einmal akzeptieren.

      Ich bestimme das ja auch nicht. Schließlich bin ich garnicht in Hamburg. Aber ich freue mich, dass Menschen, die direkt betroffen und vor Ort sind, das bestimmen und damit den immensen gesellschaftlichen Schaden, den Lucke durch seine weitere Vorlesungstätigkeit dem Ansehen der Universität und unseren öffentlichen Institutionen zufügt, zumindest begrenzen.

      Oh, dann haben die Democrats die meisten Wahlen der letzten 30 Jahre gewonnen? Da ist mir doch tatsächlich etwas entgangen…

      Da ist Ihnen tatsächlich etwas entgangen. Schön, dass ich Sie aufklären darf.

      In den letzten dreißig Jahren, also zwischen Oktober 1989 und Oktober 2019 haben sieben Präsidentschaftswahlen stattgefunden:

      1) November 1992 –> Sieger Bill Clinton (D)
      2) November 1996 –> Sieger Bill Clinton (D)
      3) November 2000 –> Sieger George W. Bush (R)
      4) November 2004 –> Sieger George W. Bush (R)
      5) November 2008 –> Sieger Barack Obama (D)
      6) November 2012 –> Sieger Barack Obama (D)
      7) November 2016 –> Sieger Donald Trump (R)

      In dem von Ihnen ausgewählten Zeitraum, haben also viermal die Demokraten gewonnen und nur dreimal die Republikaner.

      QED

      Stimmt halt so nicht laut den regelmäßigen Wählerwanderungen.

      Das stimmt im Westen sehr wohl. Nur im Osten stimmt das nicht, weil dort sowohl die FDP als auch häufig die SPD lediglich Splitterparteien sind. Aber auch im Osten wandern Wähler am ehesten zu verwandten Parteien. Bei den scharf rechten Parteiverbänden der CDU dort, geht es meist in Richtung AfD.

      Joe Biden wurde nun seit Monaten als Frontrunner unter Feuer genommen. Das hat seinem Ansehen geschadet, das ist normal

      Muss nicht so sein. Wer von allen unter Feuer genommen wird, dem wird dadurch zugestanden Frontrunner zu sein. Das erhöht die Aufmerksamkeit, die man bekommt und zementiert die Dominanz, des bereits vorne stehenden Kandidaten. Trump war vor vier Jahren z.B. unter Dauerfeuer und hat von jedem negativen Artikel über ihn noch ein Stück weiter profitiert, weil die enorme mediale Konzentration auf seine Person allen anderen Kandidaten den Sauerstoff abgeschnitten hat.

      Elizabeth Warrens Umfragewerte sind nach der letzten TV-Debatte, bei der sie im Zentrum stand und von allen Seiten angegriffen wurde, übrigens leicht angestiegen.

      Aber aus Warren Rising zu schließen, es gäbe einen betont linksliberalen Zeitgeist, ist politik- und geschichtsvergessen.

      Mit Geschichte hat das hier wenig zu tun, insofern kann ich die hier auch nicht vergessen haben. Aus dem jetzt seit vielen Wochen langsamen, aber stetigen Anstieg Warrens in den Umfragen darf man hingegen sehr wohl Schlüsse ziehen.

      Wollen Sie wirklich die Selbstbeschreibung eines Politikers durch Ihre eigene ersetzen?

      Nein. Ich hab ja schließlich kein Problem damit, dass sich sowohl die französischen Sozialdemokraten als auch der Sanders-Flügel der Demokraten selbst als Sozialisten bezeichnen. Meinetwegen könnten sie sich auch als Marsmänner bezeichnen.

      Ich schauen nur auf das Programm und bewerte das Programm.

      Der der sich ständig an Begriffen verbeißt, sind doch Sie, nicht ich.

      • Stefan Pietsch 27. Oktober 2019, 15:25

        Linksextremisten gibt es in Ihrer Argumentation nur deswegen nicht, weil Sie es so definiert haben. In dem ganzen Austausch haben Sie keine Quelle, kein sonstiges Argument eingeführt, dass Ihre These stützt. Das kann man kaum überzeugend nennen. Deswegen Punkt hier. 18% Rechtsextremismus, 2% Linksextremismus sind Verhältnisse, die man nicht unbedingt ernst nehmen muss in einer Debatte.

        Verschieben Sie nicht schon wieder die Torpfosten.

        Können Sie mir einen Gefallen tun? Verzichten Sie auf diesen Ausdruck. Ich hasse ihn, ich lehne ihn ab, schon weil er im Vokabular sehr seltsam anmutet. Torpfosten haben etwas mit Fußball zu tun, und da sind sie üblicherweise fest montiert.

        Ich schrieb:
        Sahra Wagenknecht begründete ihren Rücktritt mit den erheblichen Widerständen in ihrer Partei. Darüber hinaus rief sie auch in der breiten Wählerschaft große Widerstände hervor.

        Will heißen: Sahra Wagenknecht war in ihrer eigenen Partei keine unumstrittene Anführerin (wenn sie es überhaupt war). Ein gewichtiger Teil der Wählerschaft (mindestens eine große Minderheit, in ihrem Fall wahrscheinlich sogar eine Mehrheit) assoziiert mit ihrem Namen eher negative Charakteristika. Das trifft bzw. traf auf keinen der von Ihnen genannten Politiker zu. Dass sich dies im Spätherbst der Karriere etwas ändern mag, kann die Gesamteinschätzung kaum umkehren.

        Der eigentliche Sachverhalt war ja, dass eine aktive Spitzenpolitikerin von ganz links (Wagenknecht ist gegenwärtig im Hauptberuf Fraktionsvorsitzende der LINKEN) genauso an der Uni sprechen darf wie ein Studienabbrecher im ganz linken Spektrum, nicht jedoch ein mittig-rechter Politiker. Und das Muster setzt sich ja mit de Maiziere fort, dessen Buchlesung von linken, selbsternannten Antifaschisten blockiert wurde. So können wir nicht miteinander umgehen!

        Mir ist nicht klar, wo ich behauptet habe, Menschen bestünden aus Nullen und Einsen.

        Zitat:
        [Wenn eine Definition, aber alle Mitglieder eines Sets beschreibt, ist sie logisch redundant und damit wertlos.]

        Aber ich freue mich, dass Menschen, die direkt betroffen und vor Ort sind, das bestimmen und damit den immensen gesellschaftlichen Schaden, den Lucke durch seine weitere Vorlesungstätigkeit dem Ansehen der Universität und unseren öffentlichen Institutionen zufügt, zumindest begrenzen.

        Studenten, welche die Vorlesungen für Kommilitonen stören, sind nicht betroffen, sondern nur Störer und haben das Wesen einer Universität (Gemeinschaft der Lehrer und Schüler, später Gesamtheit der Wissenschaften) nicht verstanden. In solchen Fällen sollte eine Exmatrikulation erwogen werden.

        In dem von Ihnen ausgewählten Zeitraum, haben also viermal die Demokraten gewonnen und nur dreimal die Republikaner.

        Fakt ist, dass zwei Demokraten und zwei Republikaner zu Präsidenten gewählt wurden. Angesichts dessen, dass in der Geschichte der USA die Abwahl eines Präsidenten zur Halbzeit ein sehr ungewöhnlicher Akt ist – seit dem Roosevelt wurden von den 13 Amtsinhabern nur 3 (Ford, Carter, Bush) nicht wiedergewählt – und das Pendel immer hin und her geschwungen ist, kann das kaum der Master sein. Allerdings, das muss ich einräumen, ist der Verhältnis im Kongress seit 1981 auch ausgewogen. Also okay, im historischen Maßstab waren die Dems bisher so mittig wie ihre rechte Konkurrenz.

        Muss nicht so sein. Wer von allen unter Feuer genommen wird, dem wird dadurch zugestanden Frontrunner zu sein.

        Schauen Sie sich die Kurven von Joe Biden an. Seine Popularität erhielt einen sehr nachhaltigen Einschlag, als er von Harris in zwei (davon eine wesentlich) heftigst angegriffen und ihm Rassismus unterstellt wurde. Auch Trumps Angriffe haben nachhaltige Wirkung. Ähnliche Attacken in der Stärke musste Warren noch nicht durchleben, aber sie werden kommen.

        Nur zur Klarstellung: Sollte das Duell Trump ./. Warren lauten, sind meine Sympathien genauso verteilt wie bei einem Kandidaten Biden.

        Aus dem jetzt seit vielen Wochen langsamen, aber stetigen Anstieg Warrens in den Umfragen darf man hingegen sehr wohl Schlüsse ziehen.

        Ähnliche Kurven haben wir in jedem Wahlkampf. Und nur mal zur Erinnerung: wir sind noch Monate vor den Primaries. Sagt Ihnen eigentlich der Name Howard Dean etwas?

        • Ralf 27. Oktober 2019, 16:54

          Linksextremisten gibt es in Ihrer Argumentation nur deswegen nicht, weil Sie es so definiert haben.

          Ich habe nirgendwo geschrieben oder behauptet, dass es keine Linksextremisten gibt. Linksextremisten haben, anders als Rechtsextremisten, aber keinerlei Einfluss auf die Politik in Deutschland und sind folglich ein ganz wesentlich geringeres Problem.

          Können Sie mir einen Gefallen tun? Verzichten Sie auf diesen Ausdruck.

          Wenn Sie das stört, verzichten Sie eben auf den rhetorischen Trick ständig Bewertungsmaßstäbe hin und her zu verschieben, wie es gerade passt. Dann wirft man Ihnen das auch nicht mehr in Diskussionen vor.

          Ein gewichtiger Teil der Wählerschaft (mindestens eine große Minderheit, in ihrem Fall wahrscheinlich sogar eine Mehrheit) assoziiert mit ihrem Namen eher negative Charakteristika. Das trifft bzw. traf auf keinen der von Ihnen genannten Politiker zu.

          Das trifft mindestens auf Angela Merkel und Horst Seehofer ganz sicher zu. Nochmal: Befragen Sie Herrn Gabriel zum Thema. Oder hören Sie sich im Osten unter CDU-Unterstützern die Meinung zur Bundeskanzlerin an. Und wenn das gesamte Elektorat zur Analyse herangezogen wird, dann ist Herr Lindner nach Ihrer Definition ebenfalls extrem „umstritten“. Es hat ja einen Grund, dass der FDP gegenwärtig die Wähler davonlaufen.

          Zitat:
          [Wenn eine Definition, aber alle Mitglieder eines Sets beschreibt, ist sie logisch redundant und damit wertlos.]

          Mir ist unklar, wo ich in diesem Zitat behaupten soll, die Menschen bestünden aus Nullen und Einsen.

          In solchen Fällen sollte eine Exmatrikulation erwogen werden.

          Ich verlasse mich darauf, dass die Universität mit Augenmaß handelt.

          Also okay, im historischen Maßstab waren die Dems bisher so mittig wie ihre rechte Konkurrenz.

          Ja, im historischen Maßstab.

          Seit einigen Jahren bewegt sich das Elektorat insgesamt jedoch nach links. Die Ehe für alle hat z.B. seit einigen Jahren eine klare Mehrheit der Amerikaner hinter sich, während die Diskrimierung von Homosexuellen etwa in der Armee deutlich abgelehnt wird. Die Legalisierung von Marihuana wird immer beliebter. Seit Trump Präsident ist, hat die staatlich organisierte Krankenversicherung Obamacare einen sehr soliden Support in der Bevölkerung. In der jungen Generation wird Sozialismus mittlerweile positiver eingeschätzt als Kapitalismus. Es gibt Mehrheiten für die Medicare-For-All-Idee (, wenngleich auch nicht für jede denkbare Implementation dieses etwas vagen Konzepts). Es gibt deutliche Mehrheiten für eine Vermögenssteuer, wie Warren sie anstrebt. Es gibt Mehrheiten für kostenfreie Community-Colleges. Und so weiter, und so weiter …

          Gleichzeitig findet kaum noch jemand die gegenwärtigen Republikaner mittig. Wäre auch schwierig jemanden als mittig zu bezeichnen, der sich nicht empört, wenn Parteifreunde Kinder in Käfige sperren, Gefangenen Zahnpasta und Seife verweigern, Eltern ihre Kinder wegnehmen, oft ohne Möglichkeit sie später wieder zusammenzuführen, Menschen einer gewissen Herkunft pauschal als Vergewaltiger beschimpfen, offen Korruption, Selbstbereicherung und Nepotismus betreiben, öffentliche Ämter zur Beschädigung von politischen Gegnern nutzen, die Presse als Feinde des Volkes deklarieren, wissenschaftliche Daten des staatlichen Wetterdienstes im Handstrich mit einem schwarzen Filzstift ergänzen, damit sie im Einklang mit parteipolitischen Behauptungen stehen und und und …

          Den bei Weitem größten Überlapp hat die Mitte deshalb gegenwärtig mit den Demokraten, während es – im Augenblick – praktisch fast keinerlei Überlapp mehr zwischen Mitte und Republikanern gibt. Deshalb konnte in Alabama ein Demokrat zum Senator gewählt werden. Deshalb wählen die wohlhabenden Vororte, die früher mal ein zentraler Bestandteil der GOP-Basis waren, heute überwiegend demokratisch (siehe beispielsweise die letzten Midterms). Und deshalb würden sogar Menschen mit so fundamental unterschiedlichen politischen Ansichten wie Sie und ich in einem Duell Warren gegen Trump für die selbe Kandidatin stimmen – wie Sie ja selber schreiben. Alles ein Zeichen dafür, dass die Mitte heute nur noch von den Demokraten vertreten wird.

          Ähnliche Kurven haben wir in jedem Wahlkampf. Und nur mal zur Erinnerung: wir sind noch Monate vor den Primaries. Sagt Ihnen eigentlich der Name Howard Dean etwas?

          Sie erwähnen oben den Anstieg von Harris und das Einsacken von Biden nach der zweiten Debatte. Beides war nur von kurzer Dauer, wie das eigentlich fast immer so ist. Langfristig bedeutende Wählerbewegungen passieren fast nie bruchhaft plötzlich, sondern bauen sich über Wochen und Monate auf. Man muss also auf den langfristigen Trend schauen. Und der zeigt bei Warren nach oben. Bei Biden nach unten. Und Harris spielt keine Rolle mehr.

  • Stefan Pietsch 27. Oktober 2019, 11:11

    @popper

    Es ist ein No-Go, eine Vorlesung mit politischen Pamphleten zu stören. Da gibt es nichts zu diskutieren. Lucke hat dies im Vorlesungsraum angeboten, aber nach den Regeln. Eine Person handgreiflich zu bedrängen, noch dazu in einem eigentlich geschützten Raum wie dem einer Universität ist für jeden Demokraten absolut inakzeptabel. Und wenn dies Studenten machen, gehören sie exmatrikuliert, da ihnen die Grundvoraussetzungen für ein Hochschulstudium abgehen.

    Und ist für Sie jeder, der Nazischwein raus ruft ein Antifaschist?

    Im Zweifel ist er ein Straftäter und die gehören vor den Kadi.

    Aber müssen Studenten sich das anhören? Nein, müssen sie nicht.

    Richtig. Es muss niemand hingehen. Aber die, die es tun, sollten ungestört zuhören können. Die Störenfriede sind die Antidemokraten, nicht der Professor.

    Zumal eine sachliche Auseinandersetzung auch in Fächern wie der Volkswirtschaftslehre, wo sie dringend notwendig wäre, praktisch nie an den deutschen Universitäten stattfindet und regelmäßig in einem trögen Mainstream suhlt.

    Das war schon vor 30 Jahren Unsinn und ist es heute noch. Wissen Sie, wogegen zu meiner Zeit die Linken in den Vorlesungen Rabatz gemacht haben? Gegen den Keynesianismus. Und im ASTA gab es eine „männerfeindliche Zone“, bezahlt aus Steuermitteln. Diskriminierung muss halt schon sein.

    Tatsache ist, dass Wagenknecht vom studentischen ‚Arbeitskreis für alternative Ökonomik zu einer wissenschaftlichen Diskussionsveranstaltung eingeladen war.

    … moderiert vom prominenten Parteikollegen Fabio De Masi. Scherzkeks. Daneben durfte auch der Juso-Chef und Studienabbrecher Kevin Kühnert auftreten, zu welchem Thema weiß ich gerade nicht. Wahrscheinlich „Vom Kapitalismus zu einem funktionierenden Kommunismus“ oder so ähnlich.

    • popper 27. Oktober 2019, 13:54

      Erster Absatz dacor.

      Die Störenfriede sind die Antidemokraten, nicht der Professor.

      Lucke ist Gründer einer ausländerfeindlichen und eurofeindlichen Partei, zudem ein neoliberaler Hardliner und z.B. Mitinitiator des Hamburger Appells, der von der INSM mit einer Anzeigenserie propagandistisch unterstützt wurde. Ob er ein Demkrat ist, steht nicht zur Debatte. Die Sudenten sind mit Sicherheit keine Antidemokraten, nur weil sie ihr Recht zur freien Meinungsäußerung in einer Vorlesung wahrnrhmen. Das mag ihnen nicht gefallen, ändert aber nichts.

      Das war schon vor 30 Jahren Unsinn und ist es heute noch

      Vor 30 Jahren sagt absolut nichts zu heute. Tatsache ist, dass mäkroökonomische Vorlesungen heute auf der Grundlage der weltweit verbreitetsten Ökonomie-Lehrbücher der Gegenwart – N. Gregory Mankiws „Makroökonomik“ gelehrt werden. In Deutschland von Blanchard und Illing. Obwohl moderne Volkswirtschaft sich fundamental von einer reinen Tauschwirtschaft unterscheiden, wird die Geldmengensteuerung und das Sparen als Voraussetzung für Investitionen gelehrt. Kritische Stimmen sind seit vielen Jahren aus dem Universitätsalltag und Beratungsinstituten verschwunden, es dominiert der neoklassische/neoliberale Mainstream. Was da passiert ist hat Keynes einmal treffend formuliert: „The difficulty lies not in the new ideas, but in escaping from the old ones“

      …moderiert vom prominenten Parteikollegen Fabio De Masi. Scherzkeks.

      Die Frage war, warum die Veranstaltung von Linder nicht und die von Wagenknecht stattfinden durfte. Weil Lindner parteipolitisch agieren wollte und Wagenknecht als Fachfrau über Ökonomie dikutierte. Sie möchten das mit ihrem Hinweis auf de Masi gerne in die Schmuddelecke politischer Agitation stellen, ihnen dann nur wieder ähnlich sieht. Die Moderation liegt nahe, denn de Masi hat Volkswirtschaftslehre an der Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik studierte, mit dem Abschluss Diplom-Volkswirt. Ist also Fachmann und insoweit als Moderator hervorragend geeignet. Der Scherzkeks sind Sie, Herr Pietsch.

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