Warum Hillary verlor, Teil 2: Was 2016 geschah

logo_general_fin_webNachdem wir im ersten Teil der Serie über die Grundlagen von Clintons Person und ihrer Kandidatur gesprochen und mein persönliches Verhältnis dazu geklärt haben, wollen wir nun direkt in die Frage einsteigen, was 2016 eigentlich geschah. In diesem Teil soll es dabei nur um die Faktoren gehen, die sich hinreichend objektiv feststellen lassen, während die Bewertung des eigentlichen Wahlkampfgeschehens Objekt folgender Teile wird. Ich habe die Artikelserie mit einem schnoddrigen Kommentar eines Journalisten zur Umfragenwahrscheinlichkeit gemacht, und eines der offensichtlichsten Themen, die hier angesprochen werden müssen, ist die Frage der Zuverlässigkeit von Umfragen. Zahllose Instititute sagten einen Sieg Clintons voraus, manche gaben Wahrscheinlichkeiten zwischen 85 und 95% an; Obama-Redenschreiber Jon Favreau versteigerte sich gar zur Aussage, Clintons Sieg sei zu 100% sicher, es gebe keine Chance für Trump. Auf diesem Sektor gibt es viele Missverständnisse. Denn die Umfragen waren ziemlich akkurat. 

Um zu verstehen, was hier eigentlich passiert ist, muss man sich klarmachen, wie die Umfragen funktionieren. Grundsätzlich werden zwei verschiedene Umfragen gemacht: nationale und einzelstaatliche. Die nationalen Umfragen geben im Endeffekt das popular vote wieder, eine für den eigentlichen Sieg (wie sich ja zeigte) irrelevante Messgröße. Die einzelstaatlichen Umfragen geben manchmal das popular vote des Staates, manchmal eine nach Counties aufgeschlüsselte Simulation der späteren Wahl wieder. Da im amerikanischen Wahlsystem in den meisten (aber nicht allen) Staaten alle Elektorenstimmen an den Sieger im Mehrheitswahlrecht gehen (first past the post), können hier kleine Schwünge einen großen Effekt haben. Neben den Umfragen der einzelnen Institute gibt es Aggregatoren wie 538, The Upshot oder The Crystal Ball, die alle Umfragen nach einem Modell zusammenrechnen und daraus einen Schnitt errechnen. Das hat den Vorteil, dass Ausreißer wie die Umfragen der Los Angeles Times ausgeglichen werden, aber den Nachteil, dass systemische Fehler reproduziert werden. Grundsätzlich sind die Aggregatoren aber deutlich präziser als die einzelnen Umfragen und sollten für die Einschätzung der Situation bevorzugt werden.

In der medialen Rezeption wurden diese verschiedenen Umfragearten ständig durcheinander geworfen. Zudem wurden die Zahlen gerne ohne die Einschränkungen genommen, mit denen sie immer kamen. Und diese Einschränkungen sind relevant: Einerseits gilt für alle Umfragen ein margin of error von mindestens (!) 3% (in den einzelstaatlichen Umfragen kann er auf 8% steigen). Andererseits werden die Staaten in unterschiedlicher Intensität und Qualität umgefragt (gepollt? geumfragt?). Staaten wie Virginia oder Pennsylvania werden beständig untersucht, während Staaten wie Idaho häufig keine aktuellen Umfragen haben. Das alles beeinflusst die Genauigkeit. Auf diese Faktoren kommen wir wieder zurück.

Abgesehen von dieser Problematik der unterschiedlichen Umfragearten kamen noch zweu wesentlich schwerwiegendere Probleme dazu. Viele Beobachter (mich eingeschlossen) verstanden schlichtweg das Konzept von „Wahrscheinlichkeit“ nicht; die meisten (mich nicht mehr eingeschlossen) verstehen das, wie am im zu Beginn zitierten Tweet sehen konnte, heute noch nicht. Eine Wahrscheinlichkeit von 80% bedeutet nicht, dass ein Ereignis sicher eintreffen wird. Es heißt, dass es das wahrscheinlichste Ergebnis ist. Aber die Leute neigen dazu, diese Dinge durcheinander zu werfen. Deswegen ist es nicht paradox zu sagen, dass die Umfragen generell ziemlich akkurat waren. Ein Beispiel: die Los Angeles Times sagte voraus, dass Trump die Wahl gewinnen werde, mit einem oder zwei Prozent Vorsprung im popular vote. Nur macht das die Umfrage trotz des „richtigen“ Ergebnisses falscher als eine Umfrage, die einen Clinton-Sieg mit drei Prozent des popular vote vorhersagte. Das ist das eine.

Das andere war, dass die Umfragewerte durch die ganze Wahlsaison – Mai bis November 2016 stark schwankten. Und genau hier lag der Hase im Pfeffer. Denn woran das lag, war überhaupt nicht klar. Wir wissen heute, dass viele Wähler unentschlossen waren und bis zum Ende ihre Entscheidung immer wieder revidierten. Dieses Argument brachte seinerzeit vor allem 538 vor, weswegen sie auch die niedrigste aller Wahrscheinlichkeiten für einen Clinton-Sieg (rund 70%) angaben. Das ist aber für Wahlen besonders in dieser polarisierten Zeit eher untypisch (und hatte Gründe in den Kandidaten, zu denen wir im nächsten Teil kommen werden), und eine alternative Erklärung kam etwa vom Umfrageinstitut YouGov. Diese Erklärung, die sich ebenfalls problemlos aus der Datenlage stützen ließ, besagte, dass die Wahrscheinlichkeit, dass Unterstützer eines Kandidaten überhaupt an einer Umfrage teilnahmen, davon abhing, welcher Kandidat gerade vorne lag. Oder anders ausgedrückt: hatte Trump schlechte Presse, verweigerten sich mehr Republicans dem Anrufer, und umgekehrt. Die Ausschläge wären damit ein statistisches Artefakt gewesen, entscheidend wäre allein der (für den Wahltag repräsentativere) Durchschnitt („revert to the mean„). Es war durchaus möglich, dass 538 falsch lag, und ich fand seinerzeit das Erklärungsmodell von YouGov überzeugender, wollte es vielleicht auch überzeugender finden. Aber es hatte eine solide Basis in der Realität und war für viele Wahlen nachgewiesen worden.

Und damit kommen wir wieder zu den Staatenumfragen zurück. Für viele der Staaten, die sich dann für das Ergebnis als entscheidend erwiesen, gab es in den anderthalb Wochen vor der Wahl keine aktuellen Umfragen mehr; für manch andere gab es zwar welche, aber diese waren schlecht und wurden (oft zurecht, weil sie falsch waren!) von den Aggregatoren nur gering gewichtet. Das wäre kein Problem, wenn die Erklärung von YouGov richtig gewesen und sich alles eh wieder am Durchschnitt ausgerichtet hätte; wenn aber 538 richtig lag (was sie taten), bedeutete das hohe Unsicherheit. 538-Chef Nate Silvler geriet mit seinem Kollegen Nate Cohn von der New York Times, dessen Upshot eine Wahrscheinlichkeit von über 90% für einen Clinton-Sieg ausgab, in einen erhitzten Streit und warf diesem vor, die Unsicherheit der aktuellen Lage nicht genügend einzubeziehen.

Das bedeutet, dass die Schwünge aller Wahrscheinlichkeit nach (mit Sicherheit werden wir es nie wissen, aber das wird mittlerweile von allen Seiten akzeptiert) echt waren. Man kann sich das Auf und Ab wie eine Runde „Reise nach Jerusalem“ vorstellen. Nur blieb die Musik in einem für Clinton maximal ungünstigen Zeitpunkt stehen. Es kann als extrem wahrscheinlich geben, dass sie die Wahl nur eine Woche vor oder nach dem eigentlichen Wahltermin gewonnen hätte (wenngleich knapp). Warum bin ich mir über das „knapp“ so sicher? Weil Trumps Sieg extrem knapp war. Wirklich, wirklich knapp. Das sieht man den Zahlen des Electoral College nicht an, weil das Bild hier verzerrt wird. Aber hätte Trump – der über 60 Millionen Stimmen auf sich vereinigte – in insgesamt drei Staaten insgesamt 77.744 Stimmen weniger bekommen, wäre er heute nicht Präsident. Das ist eine hauchdünne Mehrheit.

Und damit sind wir beim Electoral College. Das amerikanische Präsidentenwahlrecht gibt nämlich einen Dreck auf den popular vote. Üblicherweise streicht der Sieger in einem Staat auch alle Elektorenstimmen ein. Viele Staaten sind daher auch nicht umkämpft – Arkansas ist etwa so klares Republican-Territorium wie New Jersey es nicht ist. Der Fokus liegt daher auf den Staaten, die tatsächlich umschwingen können, die so genannten Battleground States. Wegen der oben beschriebenen hohen Unsicherheit 2016 gab es davon mehr als üblich, aber viele alte Bekannte waren ebenfalls dabei. Florida war so knapp wie eh und je, Virginia war heiß umkämpft, ebenso Pennsylvania und Ohio.

Die Strategie der Democrats basierte auf der Überlegenheit Clintons. In allen Umfragen genoss sie eine Mehrheit, mal stabil, mal knapp, aber immer in denselben Staaten. Diese Staaten bildeten die so genannte „Firewall“. Während Staaten an der Peripherie dieser Firewall mal in ihr Lager fielen und mal nicht (je nachdem, ob das popular vote im Schnitt deutlich über 5% auf ihrer Seite lag, was oft genug vorkam), war die Firewall selbst stabil. Dazu gehörten Staaten wie Pennsylvania, Michigan, Virginia. Die Firewall war groß genug, dass der Verlust eines oder zwei dieser Staaten immer noch für einen knappen Clinton-Sieg gereicht hätte.

Aber, und hier war Nate Silver von 538 tatsächlich der einsame Mahner in der Wüste, was viele übersahen: die Staaten korrelierten. Wenn Clinton tatsächlich Pennsylvania verlieren würde, dann würde sie sehr wahrscheinlich auch Wisconsin, Michigan, Ohio, und so weiter verlieren – und umgekehrt, wenn sie sie gewann, würde sie wahrscheinlich auch alle dieser Staaten für sich gewinnen. Sie waren in Demographie und Wahlverhalten sehr ähnlich. Aber nur der zweite Teil dieses Sachverhalts dran zu den Beobachtern durch, auch mir, die sich deswegen in falscher Sicherheit wiegten.

Seither überkompensieren die politischen Beobachter. Es hat sich ein veritabler „Rust Belt Mythos“ gebildet, ein Narrativ, in dem die weiße Arbeiterklasse aus diesen Staaten, enttäuscht von den sich auf identity politics konzentrierenden Democrats und von wirtschaftlicher Unsicherheit (economic anxiety) ergriffen, von ihrer langjährigen politischen Basis abwandten und den Populisten Trump wählten. Gerne wird in diesem Zusammenhang auch sein Chefstratege Steve Bannon erwähnt, der entsprechende Bemerkungen gemacht hatte.

Das ist aber ein Mythos. Trump wurde nicht von einer Rebellion der Blue-Collar-Arbeiter in den Städten, sondern von den Einwohnern der ländlichen Regionen an die Macht gebracht. Was überhaupt noch übrig ist von dieser früher so dominanten Schicht bleibt weiterhin demokratisch, schon allein, weil mittlerweile gut die Hälfte der Arbeiter gar nicht mehr weiß, sondern Angehörige einer Minderheit sind. Stattdessen war 2016 eine in den großen Trends völlig normale Wahl und Teil eines Realignments, das bereits seit Jahren von sich geht. In etwas, das wohl ein Muster darstellt, kam die Wahl für dieses Realignment aber an einer ungünstigen Stelle. Was ist damit gemeint?

In den letzten zwei Dekaden lässt sich eine langsanme, aber stetige Wählerwanderung beobachten. Einerseits führt diese von den Städten aufs Land und andererseits vom Süden in den Mittleren Westen, jeweils aus der Sicht der Democrats. Die einstigen Bastionen der Republicans im Sun Belt, also den ehemaligen Südstaaten, werden etwas blauer, die einstigen Bastionen der Democrats im Rust Belt, also dem Mittleren Westen, werden roter. 2016 profitierte die GOP von diesem Trend, 2018 bei den Midterms ihre Gegner.

Ein Teil dieses Trends ist auch der Wandel der Vororte: Suburbia war noch vor vier Jahren eine konservative Bastion, in der traditionelle Familienwerte gegen die gottlosen Atheisten aus den Städten verteidigt wurden. Clinton gewann eine zweistellige Prozentzahl in den Vororten und kam fast gleichauf mit den Stimmen der Republicans; 2018, beschleunigt durch Trumps extremistisches Gebahren im Weißen Haus, gewannen die Democrats diese Demographien zum ersten Mal. Nur: Das Land, also die vom wirtschaftlichen Wachstum und gesellschaftlichen Fortschritt abgehängten Counties (das Viertel der Counties, die Clinton wählten, vereinte fast 2/3 der Wirtschaftsleistung der USA auf sich), wandte sich in noch stärkerem Maße den Republicans zu. Und die gewannen mit hauchdünnem Vorsprung diesen Kampf um die Ausnutzung des Realignments – zumindest 2016, wo die Wahlbeteiligung auf dem Land über- und die der Vororte und Städte unterdurchschnittlich war. 2018 führte diese Strategie in die bereits für 2016 prophezeite Katastrophe, als dieser Faktor nicht mehr galt.

Warum also wählte das flache Land in nie dagewesenen Zahlen einen Immobilienmogul aus New York, der gegenüber den Werten dieser Bevölkerung nur Verachtung übrig hatte und dessen ganzer Lebensstil „neureiche Ostküstenelite“ schrie? Hier kommen wir auf Steve Bannon zurück, der einen längeren Trend in der GOP ausmachte: einen Wandel der Kernwähler zu einer aggressiv-reaktionären Grundhaltung, die bereits 2010 die Tea-Party-Revolution befeuert hatte (Sean McElwee bezeichnete es nicht zu Unrecht als „fear of diversity„). Trumps Strategie in den letzten anderthalb Monaten des Wahlkampfs – die einzigen, in denen Bannon eine Rolle spielte – war eine Konzentration auf die Basis und ein Aufgeben jedes Versuchs, die moderaten Amerikaner zu gewinnen. Das Mittel dazu war eine ausschließliche Konzentration auf rechte identity politics, was jeder Wahlmanager Trumps – Lewandowsky, Bannon und so weiter – auch in zahlreichen Interview seither so bestätigt hat. Diese Strategie konnte nur dann Erfolg haben, wenn die Gegenseite nicht in gleichem Maße mobilisiert wurde – wie es ja dann auch geschah.

Trumps Team zeigte sich dabei als geschickter darin, Mechanismen der alten und neuen Medien auszunutzen. Seine Wahlkampforganisation nutzte Facebookwerbung gezielt in geschlosseen Gruppen (also Facebookgruppen, für die man eine Einladung braucht und in der Gleichgesinnte einander in ihrem radikalen Weltbild bestätigen) sowie beim Abzielen auf die republikanische Basis. Sein Team selbst setzte dabei zwar auf tonal ungewöhnlich aggressive, aber im Kern klassische Wahlkampfthemen, während Dritte eine wahre Welle von Fake News über diese Zielgruppen schwemmten (die Rolle russischer Bots und Trolle in diesem Zusammenhang ist hoch umstritten und wird hier deswegen nicht weiter thematisiert; wir begegnen ihr in einem späteren Teil des Artikels wieder).

Gleichzeitig nutzte Trump eine Schwäche der traditionellen Medien gnadenlos aus: Während das republikanische Staatsfernsehen, FOX News, wie bei den Wahlen zuvor als reiner Propagandasender der GOP agierte, verhielten sich die übrigen Medien so, wie sich Medien immer verhalten. Sie nahmen an, dass zwei grundsätzlich demokratische und deswegen gleich legitime Bewerber stritten, die daher auch beide eine gleiche und faire Behandlung verdienten. Das bedeutet nicht, dass sie deswegen nicht Trump veurteilten (die meisten Medien gaben am Ende eine Wahlempfehlung für Clinton ab), aber es bedeutete einerseits, dass sie Trumps Worte stets „in good faith“ nahmen, wodurch er mit abstrusen Lügen einen Nachrichtenzyklus beherrschen konnte (eine Strategie, die er erfolgreich bis heute anwendet) und so einzelne Skandale in der schieren Masse der Skandale untergehen ließ, die ihn umgaben.

Aber genau diese Masse sorgte dafür, dass die Medien das Bedürfnis hatten, aus Fairnessgründen auch negativ über Clinton zu  berichten. Und das führte zur völligen Überbewertung des Emailskandals, der von den verantwortlichen Medien, allen voran der New York Times, bis heute nicht aufgearbeitet worden ist. Wir werden auf den Emailskandal aber noch zurückkommen. Paradoxerweise war es gerade die weit verbreitete Erwartung eines Clinton-Siegs, die die negative Berichterstattung (2016 war der negativste Wahlkampf der neuen US-Geschichte) maßgeblich mitbefeuerte. Niemand wollte sich dem Vorwurf aussetzen, zu parteiisch gewesen zu sein. Paradoxerweise hätte ein knapperer Wahlkampf, in dem Trump tatsächlich gleichauf mit Clinton gelegten hätte, mit größerer Wahrscheinlichkeit zu ihrem Sieg geführt, weil dieses Bedürfnis bei diversen Akteuren nicht so groß gewesen wäre. Es ist ein paradoxer, aber wirkmächtiger Faktor.

Clinton hatte jedoch auch strategisch zwei Nachteile. Einerseits war die Stimmung im Land auf beiden Seiten (wenngleich von rechts stärker als von links) auf einem Anti-Establishment-Zug. Daraus erklärt sich auch der Erfolg Sanders, denn der verkörperte diesen Geist sehr authentisch. Genauso Trump; während dessen Credentials hinsichtlich einer sozialkonservativen Wertepolitik, vorsichtig ausgedrückt, etwas zu wünschen übrig ließen, konnte kein Zweifel daran bestehen, dass er in den Medien, der professionellen Politik (besonders Politikberatung) und selbst in weiten Teilen der Wirtschaft verhasst war. Clinton dagegen war die Verkörperung des Establishments.

Dazu kam, dass sich Clinton effektiv um eine dritte Amtszeit Obamas bewarb. Dritte Amtszeiten derselben Partei sind in den USA so schwierig wie selten, und dass Clinton über weite Strecken des Wahlkampfs trotz dieses inhärenten Nachteils einen Vorsprung in einer Höhe genoss, der ihren Sieg gesichert aussehen ließ und der fast schon an 2008 erinnerte, zeigt eher die riesigen strukturellen Schwächen der Republicans als eine besondere Stärke von HRC und ihrer Partei. Die richtige Frage lautet daher weniger, wie es Hillary Clinton schaffte, die Wahl zu verlieren, als vielmehr, warum ihr Sieg durch die Bank das wahrscheinlichere Ergebnis war.

Die Antwort darauf ist natürlich Trump, der unbeliebteste Kandidat aller Zeiten und der radikalste Kandidat seit Barry Goldwater. Der gewann natürlich nicht im Vakuum: die hier im Blog schon oft analysierte Radikalisierung der GOP hatte dazu geführt, dass sein schärfster Konkurrent im Wahlkampf Ted Cruz war, selbst einer der unbeliebtesten Politiker, die die Partei aufzubieten hatte.

Der letzte unbestrittene Faktor in der Wahl ist die Unbeliebtheit BEIDER Kandidaten. Nie zuvor standen bei einer Wahl Kandidaten zur Auswahl, die beide Beliebtheitswerte deutlich unter 50% aufwiesen. Trump war zwar stets unbeliebter als Clinton und erreichte nie auch nur annähernd die 50%; Clinton selbst aber startete den Wahlkampf im Sommer 2016 mit soliden Beliebtheitswerten um die 60%-Marke. Wie sie diesen Vorteil verspielte, wird noch zu untersuchen sein; dass er bestand, ist aber zweifelsfrei zu sehen. Diese Unbeliebtheit beider Kandidaten erlaubte es vielen Wählern, Trump unter der „pox on both your houses„-Haltung zu wählen, auf die er 2018 so dezidiert nicht bauen konnte.

Am Ende siegte dann bekanntlich Trump, 306 zu 232. Die Firewall war gebrochen worden, mit Siegen um 0,7% (in Wisonsin und Pennsylvania) und 0,2% (in Michigan), mit den eingangs erwähnten 77.744 Stimmen. 2016 war eine ungeheur knappe Wahl. Trumps Sieg scheint aus der Rückschau häufig wie ein unvermeidlicher Juggernaut, aber das war er nie. Es brauchte eine Kombination vieler Faktoren, die alle zum genau richtigen Zeitpunkt zusammenfielen, damit Trump trotz der vielen inhärenten Nachteile, denen er ausgesetzt war, siegen konnte. Im nächsten Teil der Serie werden wir uns der Frage widmen, welche Faktoren für Clintons Niederlage nicht ausschlaggebend waren – auch wenn sie beständig genannt werden.

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  • schejtan 4. Januar 2019, 08:34

    „Andererseits werden die Staaten in unterschiedlicher Intensität und Qualität umgefragt (gepollt? geumfragt?).“

    Andererseits werden die Umfragen in den Staaten in … durchgefuehrt 🙂

    Was den Vergleich der unterschiedlichen Prognosenmodelle angeht: Da sie alle mit Wahrscheinlichkeiten arbeiten, laesst sich anhand eines Ergebnisses ueberhaupt nicht beurteilen, welches besser ist. Solche Modelle lassen sich nur durch Wiederholung ueberpruefen, weshalb diese Diskussion schon ein wenig muessig ist.

    • Stefan Sasse 4. Januar 2019, 09:31

      Wiederholen kann man nicht.

      • schejtan 4. Januar 2019, 13:47

        Ja, genau das ist mein Punkt 😉

        • Stefan Sasse 4. Januar 2019, 14:14

          Du schaust ja auch nur auf die Gesamtwahrscheinlichkeit. Bei den Einzelergebnissen gibt es drastische Unterschiede. Und die kann ich sehr wohl bewerten.

          • schejtan 5. Januar 2019, 09:50

            Klar, ich kann mir die Ergebnisse in den einzelnen Bundesstaaten angucken und schauen, wie nah die Umfragen an den tatsaechlichen Stimmverteilungen dran waren. Mir ging es auch explizit um die Modelle, die Siegeswahrscheinlichkeiten angeben und die haeufig so interpretiert werden, dass sie richig sind, wenn der Kandidat mit ueber 50% Wahrscheinlichkeit auch gewinnt. Das ist ja, wie du selber weiter unten anmerkst, nicht der Fall. Zusammen mit der nicht moeglichen Ueberpruefung halt ich solche Modelle daher fuer nutzlos und Diskussionen ueber diese Modelle allein (!) aufgrund der Gesamtwahrscheinlichkeiten, die es nach der Wahl ja zur Genuege gab, ebenso.

            • Stefan Sasse 5. Januar 2019, 20:52

              Nein, da missverstehst du das Problem. Dass Leute nicht verstehen, was Wahrscheinlichkeiten sind und wie sie funktionieren, ist ja nicht die Schuld des Modells.

              • schejtan 8. Januar 2019, 09:54

                Das Problem liegt glaub ich auch eher daran, wie solche Modelle kommmuniziert werden. Gerade da viele Menschen, auch solche mit statistischer Erfahrung, grosse Probleme haben, die richtig zu interpretieren, ist es doch gerade wichtig, sie nicht einfach auf ein „Hillary gewinnt zu soundso viel Prozent“ zu reduzieren. Wenn es dann naemlich doch nicht eintrifft fuehrt das ja auch zu der von dir haeufig bemaengelten Skepsis gegenueber Experten und den Medien.

                • Stefan Sasse 8. Januar 2019, 14:42

                  Kein Widerspruch! Deswegen schreibe ich ja so ellenlange Erklärartikel. Auch auf die Gefahr hin, dass einem dann als Reaktion bloß Stereotype an den Kopf geworfen werden.

  • derwaechter 4. Januar 2019, 08:56

    „Eine Wahrscheinlichkeit von 80% bedeutet nicht, dass ein Ereignis sicher eintreffen wird.“

    Sie bedeutet, dass von 5 solchen Wahlen Trump eine gewinnen würde, oder?

    • Stefan Sasse 4. Januar 2019, 09:32

      Exakt.

      • derwaechter 4. Januar 2019, 10:02

        Danke. Vielleicht sollte man das dann einfach mal so ausdrücken. Für mich klingt das auf jeden Fall weniger abstrakt.

        Noch besser mit konkreten Vergleichen unter denen das Publikum sich auch etwas vorstellen kann. z.B. so:
        Mit anderen Worten sagten die Umfragen, dass es wahrscheinlicher ist, dass Trump gewinnt (1 zu 4) als das man mit einem Wurf eine Sechs würfelt (1 zu 5)

        Oder Trump hatte so große Chancen Präsident zu werden, wie der BVB in den letzten zehn Jahren Meister zu werden 😉

        • Stefan Sasse 4. Januar 2019, 10:34

          Von mir kriegst du keine Fußballmetaphern. Vade retro, satanas!

          • derwaechter 4. Januar 2019, 10:43

            Das ist auch wieder so ein Beispiel für elitäre Hochnäsigkeit. Und dann meckern wenn der kleine Mann auf der Straße das falsche wählt… 🙂

          • Stefan Pietsch 4. Januar 2019, 10:55

            Du weißt, dass der BVB ein Fußballverein, pardon, Fußball-Aktiengesellschaft ist? Wow!

            • derwaechter 4. Januar 2019, 12:18

              @stefan Pietsch Verstehe den Kommentar nicht. Was willst du mir, oder Stefan?, damit sagen?

              • Stefan Pietsch 4. Januar 2019, 12:23

                Das war eine Spielerei zwischen Stefan und mir, nichts weiter. Sein Zitat war erste Sahne: Weiche von mir, Satan!

                • Stefan Sasse 4. Januar 2019, 14:10

                  Kulturelle Osmose, ich konnte nichts dagegen tun.

                • derwaechter 4. Januar 2019, 15:31

                  Jetzt verstehe ich.

  • R.A. 4. Januar 2019, 09:54

    Schöne Darstellung, der ich weitgehend folgen kann. Insbesondere bei der Bewertung von Umfragen.

    Wo mir noch Belege fehlen ist die Rust-Belt-Frage. Sicher hatte Trump auch in diesen Staaten seine Hauptbasis bei den ländlichen Wählern. Aber das heißt ja nicht, daß nicht die Bluecollars in den Städten letztlich den Umschwung bewirkt haben können – dazu reicht ja schon, daß sie nicht wie früher für die Dems mobilisiert werden konnten.
    Ich kenne die Einzelergebnisse nicht und die bräuchte man um zu entscheiden, ob der Rust-Belt-Mythos nicht doch wahr ist.

    Im Vergleich zu Europa würde es mich aber nicht überraschen, daß die ähnlich wie die SPD „ergrünte“ Demokratische Partei bei ihren alten Stammwählern in der Arbeiterschaft Zuspruch verliert. Und das umgekehrt Trumps traditionalistische Industriepolitik dort Wähler findet.

    Skeptisch bin ich auch bei der Darstellung der Medien. Ich kann mir nicht vorstellen, daß eine noch stärkere Anti-Trump-Positionierung der US-Journalisten HRC zum Wahlsieg verholfen hätte. Das wäre vielleicht eher kontraproduktiv gewesen. Das „so einzelne Skandale in der schieren Masse der Skandale untergehen ließ“ funktioniert ja nur, weil in der heutigen Empörungskultur jede Kleinigkeit skandalisiert wird. Und wenn dann wirklich mal ein Skandal mit Substanz kommt, bleibt keine Steigerungsmöglichkeit mehr und die Mediennutzer tun echte und aufgebauschte Skandale gleichermaßen mit einem Schulterzucken ab.

    • Stefan Sasse 4. Januar 2019, 10:32

      Auf den Rust-Belt komme ich noch.

      Genauso auf die Wählergruppen.

      Ich will auch nicht mehr Trump-Bashing, aber das wird in Teil 5 Thema sein.

    • Ralf 4. Januar 2019, 14:19

      Sicher hatte Trump auch in diesen Staaten seine Hauptbasis bei den ländlichen Wählern. Aber das heißt ja nicht, daß nicht die Bluecollars in den Städten letztlich den Umschwung bewirkt haben können – dazu reicht ja schon, daß sie nicht wie früher für die Dems mobilisiert werden konnten.

      Genau dieser Aspekt kommt mir in dem Text auch zu kurz. Michigan wurde zum Beispiel wegen des niedrigen Turnouts unter Afroamerikanern in Wayne County verloren, das bevölkerungsreichste, urbane County im Bundesstaat, um Detroit herum. Politische Verschiebungen darf man sich generell nicht strikt binär vorstellen, in der simplen Form, dass blaue Counties rot werden. Stattdessen verschieben sich graduell die Wahlergebnisse auf der gesamten Achse. Dabei werden tiefblaue Counties leicht blau, leicht blaue Counties werden zu Tossups, Tossups werden zu leicht roten Counties und leicht rote Counties werden zu tiefroten Counties. Und diese Verschiebungen sind das Produkt von politischen Überläufern (Wählern, die zuvor die Dems gewählt hatten, jetzt aber ihr Kreuz bei der GOP machen) und Wahlverweigerern (vormals demokratische Wähler, die nicht mehr ausreichend mobilisiert sind, noch zur Wahl zu gehen und folglich am Wahltag zuhause bleiben). Die Demokraten haben im Rust Belt an beide Gruppen Unterstützer weggeblutet. Dabei war der Trend, dass der mittlere Westen immer republikanischer wird ein sehr langfristiger, der viele Jahre vor Trump begonnen hatte und somit nix mit dem konkreten GOP-Kandidaten per se zu tun hatte. Aber die Unbeliebtheit und die politische Inkompetenz von HRC verstärkten diesen Trend in einer Weise, die zeitlich auf die Wahl 2016 begrenzt war. 2018 kam es dann zu dem erwarteten „Revert-To-The-Mean“. Der mittlere Westen wird nach wie vor röter, ist aber eben im Durchschnitt immer noch eher demokratisch (wenn auch relativ schwach). Deswegen konnten die Demokraten dort in den Midterms letztes Jahr wieder siegen.

  • Stefan Pietsch 4. Januar 2019, 09:59

    Eine sehr detaillierte und fundierte Analyse. In einem widerspreche ich jedoch grundsätzlich. Die meisten Demoskopen berichten vor Wahlen von einem hohen Anteil Unentschiedener, die sich im Wahltag selbst in einer post-ante-Betrachtung praktisch in Luft auflösen. Tatsächlich geben in Nachbefragungen die meisten an, sich bereits länger entschieden zu haben.

    Gerade bei so unterschiedlichen Kandidaten wie Trump auf der einen und Clinton auf der anderen Seite erscheint es äußerst unwahrscheinlich, dass potentielle Wähler dauernd pendeln würden. Vor einigen Jahren habe ich eine Stunde geopfert, um an einer ausführlichen Straßenbefragung teilzunehmen. Zwar zeigte das Muster meiner Antworten einen klaren Trend auf meine Einstellungen, dennoch bemühte ich mich, einzelnes abzumildern und nicht zu hart zu bewerten. Es ist ein übliches Phänomen: wir versuchen, unseren Mitmenschen sympathisch zu erscheinen und wählen deswegen Einstellungen, Antworten und Reaktionen, die vermeintlich auf sie zu passen scheinen. Aber bereits das ist eine Verfälschung der tatsächlichen Einstellungen, die ja durch die Demoskopie herausgefunden werden sollen.

    Die Schwankungen in den Umfragen könnten genau auf diesen Faktor zurückgeführt werden. Wenn einer sagt, als Mächtigem sei es ihm möglich und erlaubt, auch ungefragt Frauen zwischen die Beine zu fassen, werden sich in einer anschließenden Befragung wahrscheinlich weniger Personen outen, diesen Menschen dennoch zu wählen – entweder, weil sie insgeheim ebenso denken oder weil es einfach zu trivial ist als dass es die grundsätzliche Werteübereinstimmung wegwischen könnte.

    In den damaligen Tagen habe ich mich intensiv mit einem E-Mail-Freund ausgetauscht, der kein Parteigänger Trumps, wohl aber ein erbitterter Gegner der Clintons ist. „Haben wir nicht auch ab und zu so gedacht?“ war noch das Harmloseste.

    Das Erstaunliche ist ja, Hillary Clinton holte fast exakt die gleiche Stimmenzahl wie Barack Obama 2012 (65.853.516 : 65.910.437), aber weit weniger Wahlmänner (227 : 332). Die Wahlbeteiligung jedoch hatte sich leicht von 59% auf 60% erhöht, was allein dem republikanischen Bewerber zugute kam, der 2 Millionen Stimmen mehr erreichte als noch 4 Jahre zuvor. Das zeigt: bei Wahl mit geringer Beteiligung kommt es auf die Mobilisierung an, nicht darum, vermeintlich Unentschiedene zu überzeugen.

    • Stefan Sasse 4. Januar 2019, 10:34

      Wo kommt denn die Idee mit den nicht existierendne Untentschiedenen her?

      Stimme dir aber bei Mobilisierung zu, das spielt in meiner Analyse ja auch eine hervorgehobene Rolle.

      • Stefan Pietsch 4. Januar 2019, 10:59

        Ich dachte, das hätte ich ausführlich erläutert. Bei Wahlnachbefragungen wird auch häufig die Frage gestellt, wann sich jemand entschieden habe. Die dort ermittelten Werte lassen sich nicht mit jenen plausibilisieren, wonach noch eine Woche vor einer Wahl die Hälfte unentschieden sei.

        • Gandsy 4. Januar 2019, 13:00

          Der Anteil der Wähler, die sich erst am Wahltag entschieden haben war mit 12.5% der viert-höchste seit 1972.

          https://fivethirtyeight.com/features/the-invisible-undecided-voter/

          • Stefan Pietsch 4. Januar 2019, 13:06

            Umfragen vor Wahlen sprechen meist noch 1 Woche vor dem Urnengang von 30-50 Unentschiedenen. Davon sind die 12,5% Welten entfernt. Das war exakt mein Argument. Ich sehe es skeptisch, wenn, wie im Artikel geschildert, die Umfragewerte der Spitzenkandidaten gravierend schwanken. Im Artikel wurde behauptet, das sei auf den hohen Anteil Unentschiedener, die umkämpfte Gruppe, zurückzuführen. Ich bezweifle nicht, das es das gibt, ich bezweifle, dass es signifikant ist.

        • Stefan Sasse 4. Januar 2019, 14:09

          Mir geht’s mehr um die Quelle. Das ist das erste Mal, dass ich das höre.

    • Ralf 4. Januar 2019, 14:29

      Im Grunde läuft Ihre Erklärung des Wahlergebnisses 2016 auf den „Shy Trump“-Wähler-Effekt hinaus, der zwar plausibel klingt, aber weitestgehend widerlegt wurde. Siehe z.B. hier:

      https://fivethirtyeight.com/features/shy-voters-probably-arent-why-the-polls-missed-trump/

  • Ant_ 4. Januar 2019, 11:42

    In Bezug auf die Schwünge, die genau richtig für Trump lagen was den Wahltermin angeht, halte ich die Einschätzung von Nate Silver sehr interessant: Dass Comey höchstwahrscheinlich sehr viel zu diesem Schwung beigetragen hat – ich hoffe/vermute, das wird auch noch kommen? Oder möchtest du dich nicht im klein/klein verlieren?
    Was die „lessons learnt“ angeht: 538 sind jetzt auch schon sehr lange auf dem Zug, dass die klassische „Gefahr“ für Umfragen usw. jetzt halt Überanpassung ist, und der Fehler jetzt halt in die andere Richtung wiederholt wird. Was ich grad unzusammenhängend im Kopf habe: Hast du vor, einen „Primer“ Artikel oder so für die Europawahl zu schreiben?

    • Stefan Sasse 4. Januar 2019, 14:09

      Oh, glaub mir…Comey kommt.

      Nein, dafür kenne ich mich zu wenig aus.

    • Ralf 4. Januar 2019, 14:39

      Comey ist Nate Silvers Lieblingsthema, aber die Argumentation, dass Clinton wegen Comey die Wahl verloren hat, ist schon einigermassen abstrus. Die Argumentation ist so ähnlich als wenn man in ein komplett mit Wasser gefülltes Fass aus einem winzigen Fingerhut noch einmal zwei, drei Tropfen Wasser von oben hineingießt und das anschließende Überlaufen kausal mit diesen zwei, drei Tropfen Wasser erklärt. Dabei wird dieser winzigen Menge Wasser eine fast magisch höhere Bedeutung beigemessen, als den 50 Litern, die zuvor bereits im Fass gewesen waren. Und keiner fragt mehr, wieso dieses Fass eigentlich zuvor bereits so voll gewesen war.

      Ja, Comey hat zu Clintons Niederlage einen Beitrag geleistet, so wie dutzende andere Faktoren auch. Am Ende hat HRC die Wahl aber nicht wegen eines schlecht getimeten Brief des FBI-Chefs verloren, sondern weil sie es nicht geschafft hat, die Wähler davon zu überzeugen, dass sie ein besserer Präsident als Donald Trump wäre.

      • Stefan Sasse 4. Januar 2019, 15:43

        Stimme ich dir überhaupt nicht zu, aber das kommt in Teil 5 zur Sprache.

  • Erwin Gabriel 4. Januar 2019, 17:20

    Ich habe mir im Nachhinein natürlich nicht soviele Gedanken wie Du darüber gemacht, warum die Umfragren „falsch“ waren. Wie irgendwann schon mal erwähnt, hatte ich den Wahlkampf eher in amerikanischen Online-Foren als in den bekannten Zeitungen verfolgt, von denen ein es sehr früh und mit für mich plausiblen Begründungen bereits während der Primaries einen Sieg für Donald Trump voraussagte.

    Mein Eindruck war, dass die etablierten (Ostküsten-)Medien sahen, was sie sehen wollten, und so interpretierten, dass ihr Ergebnis herauskam. Und mir kommt es ein bisschen so vor, als geschieht im Rückblick das Gleiche, nur mit dem Unterschied, dass man das Ergebnis ja nun kennt.

    Schau Dir hierzulande einen der üblichen, grün-wählenden „Wohlstands-Yuppis“ an und vergleiche ihn mit einem durchschnittlichen AfD-Wähler – das sind Galaxien, die in der Wahrnehmung der Welt zwischen denen liegen.

    Das (nach meiner Wahrnehmung) wichtige Motiv „Schnauze voll“ bzw. „den Sumpf austrocknen“ wird immer noch nicht nicht ausreichend berücksichtigt, weil die bestimmenden Eliten nicht nur in der Politik, sondern auch in den Medien, gar nicht erkennen (können?), wie weit sie sich von Otto Normalverbraucher entfernt haben.

    Meines Wissens hat keine Umfrage des amerikanischen Wahlkampfs im Vorfeld diese Grundstimmungen erfasst, weil man sich auf den Wettstreit zwischen Reps und Dems konzentriert hat. Der ist aber nur ein Symptom.

    • Stefan Sasse 5. Januar 2019, 08:47

      Was du beschreibst ist eine confirmation bias fallacy. Klar gab es Leute, die den Sieg Trumps vorausgesagt haben. Regel der 300 Millionen und so. Und im eigentlichen Wahlkampf gibt es nur zwei Kandidaten, da fällt die Wahl leicht. Relevant ist die Begründung. Wenn du zwar das Ergebnis richtig erwischst, aber deine Begründung Müll ist, dann bist du eigentlich schlechter als die, deren Analyse gut ist aber die das Ergebnis knapp verfehlen (wie die Umfragen). Und das Gerede von der Blase, Ostküstenelite, blabla gehört da dazu. Clinton hätte fast gewonnen, sie hat über zwei Millionen mehr Stimmen, und so weiter. Wir werden sehen warum sie nicht gewann, aber es liegt nicht an diesen Narrativen.

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