Ein (fast) familiäres Potpourri deutschen Irrsinns

Das Zusammentreffen eines Jubiläums mit den kalendarischen Feiertagen führte am Wochenende zu einem Clash of Cultures der besonderen Art. Da saß die Mitte der Gesellschaft zusammen, ein Manager eines mittelständischen Unternehmens, eine nach Spanien ausgewanderte Millionärin, Durchschnittsverdiener, Berufsanfänger, eine Alleinerziehende mit zwei kleinen Kindern und Rentner. Bekanntlich zähle ich Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger nicht zwingend zur Mitte der Gesellschaft, von daher fehlte nichts. Es bleibt in solchen Runden nicht aus, dass die wesentlichen Felder der aktuellen Politik gestreift werden und der Blick von außen führt manchmal zu der Frage, ob wir Deutschen nicht ein bisschen irre sind.

Eines vorweg: In den heutigen Tagen kommt man um einen Schuss Fremdenfeindlichkeit in keiner Diskussion umhin, es wäre weltfremd das zu negieren. Zarte Gemüter sollten also an dieser Stelle aufhören zu lesen. Die Flüchtlingsbewegungen der letzten Jahre schaffen einen neuen Begriff von Internationalität, die fast im Wochentag stattfindenden Terrorakte von Islamgläubigen haben längst das Sicherheitsempfinden der Menschen in den alten Industriestaaten beschädigt. Das Referendum zur Verfassungsreform in der Türkei, welches das Land zwischen Europa und Asien in eine Autokratie, manche meinen sogar Diktatur, überführen soll, hat jedermann in Westeuropa vor Augen geführt, dass die meisten unter uns lebenden Türken in der modernen westlichen Welt, deren Determinanten Demokratie und Rechtsstaat sind, nie angekommen sind. Die rechtliche Fiktion der Doppelstaatsbürgerschaft hat sich als Schimäre erwiesen, ein Instrument naiver Idealisten zur Protegierung von Hinterwäldlern. Die Mehrheit der hier lebenden Migranten mit türkischen Wurzeln möchten anscheinend aus der sicheren Entfernung eines gefestigten Rechtsstaates ihre Landsleute in ein Mega-Gefängnis schicken.

Brandaktuelle Studien von gewerkschaftsnahen bis arbeitgeberorientierten Forschungsinstituten ermitteln als Folgen der Armutsmigration der letzten Jahre, was für nüchtern denkende Zeitgenossen nie wirklich in Frage stand. Die von der Regierung ausgegebene Parole „Wir schaffen das“ ist nur eine Worthülse, getränkt mit dem Saft des Gutmenschentums, aber ohne jeden Realitätsbezug. Die Aufnahme von rund 3 Millionen Migranten seit 2011 führen die gesellschaftlichen Sicherungssysteme an die absolute Belastungsgrenze und darüber hinaus. Sie verschärfen die Spannungen im Land erheblich und schaffen ein neues, dauerhaftes Armutspotential, in dem sich Träumer von einer besseren Welt auf Jahre hinaus staatlich subventioniert austoben können. Hier decken sich wissenschaftliche Bewertung und die Einschätzung von ausländischen Beobachtern auf das Land, in dem es aus wettertechnischen Gründen so wenige freundliche Gesichter gibt.

Schlimme Folgen hat die Konzentration der staatlichen Stellen auf das Notfallmanagement vor allem für jene Bürger, welche sich in die Hände des Rechtsstaates begeben und auf die Fairness einer liberalen Gesellschaft vertrauen. So musste es der Manager erleben, dass die Jurisprudenz mancherorts vor dem Ansturm von Verfahren kapituliert hat. Gerichtstermine wurden in den letzten Monaten mit der Begründung abgesagt, aus Krankheits- wie Überlastungsgründen sehe sich das Gericht nicht in der Lage, Verfahrenstermine zu nennen und Urteile zu fällen. Unternehmen und Bürger werden der rechtlichen Willkür überlassen.

Schlimmer als bei unternehmerischen Forderungsausfällen ist diese Kapitulation des Rechts für in Bedrängnis geratene Familien und ihren Streitigkeiten. So scheiterte die Beziehung der Eltern der beiden Kinder, das Paar trennte sich, der Mann zog in die Nähe von Luxemburg und verdient dort überdurchschnittlich. Wie nicht wenige Väter entzieht er sich jedoch seiner Unterhaltspflicht und überlässt seine Kinder ihrem Schicksal. Der Fall wurde erst dem Jugendamt übergeben, wo sich jedoch die Beamten in Untätigkeit sonnten. Wo das Problem sei, schließlich wohne die Mutter im eigenen Haus, Unterhaltsvorschuss werde auch gewährt und ein kleines Vermögen von etwas über 10.000 EUR sei auch vorhanden. Mit der Bequemlichkeit der Staatsbediensteten verfielen Monat für Monat Unterhaltsansprüche, während die kleinen Kinder um den ihnen zustehenden Lebensstandard gebracht wurden.

Seit über einem halben Jahr liegt die Unterhaltsklage beim zuständigen Familiengericht, das trotz Zahlung der Gerichtsgebühr bisher keine Möglichkeit fand, einen Kammertermin festzusetzen. Die personellen Kapazitäten ließen dies nicht zu. Der Staat missachtet damit gleich mehrere Grundrechte eines jeden deutschen Bürgers und tritt den Schutz von Ehe und Familie mit Füßen. An dieser Stelle kündigt der Staat den Vertrag mit dem Bürger auf und verliert seinen moralischen Anspruch Steuern zu erheben.

Doch genau an dieser Stelle wissen Behörden und Parteien zu klotzen, gierig wie nie zuvor greift der Fiskus auf das zu, was des Bürgers ist. Die Abgabenlast für jene, die noch Lust auf Arbeit haben, setzt auch international neue Maßstäbe. 10% der Einkommensbezieher zahlen inzwischen den Spitzensteuersatz, der einstmals Millionären vorbehalten war und nun bereits über Facharbeitergehälter gezogen wird. Die neue, einfache Definition: reich ist, wer Geld hat. Von den Zugewanderten arbeitet erwartungsgemäß kaum jemand, 3 von 4 Syrier beispielsweise beziehen auch Jahre nach der Flucht Hartz-IV. Bei den übrigen Migranten, die nicht aus Europa stammen, sieht es nicht besser aus. Politischer Idealismus trifft auf harte Realität.

Trotz dieser skandalösen Zustände im Steuersystem denkt keine Partei daran, die Missstände anzugehen. Selbst die zu früheren Zeiten mit dem Steuersenkungsmantra angetretene FDP verspricht Entlastung bestenfalls in homöopathischen Dosen. Da sollten sich genügend potentielle Regierungspartner finden. Die Millionärin zahlt keine Einkommensteuer mehr, da sie bereits frühzeitig ihr Vermögen gemacht hat. Umso mehr wird sie von den Ideen einer Vermögensteuer bedroht. Erst Maximalsteuern zahlen, dann mit einer neuen Bestandssteuer abgezockt werden, das sieht nicht nach steuerlicher Gerechtigkeit aus. Merke: vermögend ist der, welcher eine schwarze Zahl auf dem Konto stehen hat, nicht derjenige, der in Millionenhöhe vom Staat alimentiert wird.

Theoretisch haben sogar Millionäre, selbst wenn sie – wie z.B. Flüchtlinge in Deutschland – keine Sozialbeiträge (mehr) zahlen, Anspruch auf die ortsüblichen Sozialleistungen. So sieht es EU-Recht vor. Doch Behörden tun sich stets schwer, wenn sie mit Arbeit und Forderungen nach Praktikabilität konfrontiert werden. Die Politik, insbesondere wenn sie mit besten Absichten überladen ist, hilft da nicht, Sprüche müssen da reichen. So verlangt die öffentliche Gesundheitskasse in Spanien einen Nachweis der staatlichen Kasse in Deutschland, dass hier kein paralleler Leistungsanspruch besteht. Der Verweis, dass es im Land der Erbsenzähler keine vergleichbare Kasse gibt, führt lediglich zu einem Achselzucken: „No es mi problema“. Den Anwalt für das diplomatische Vermittlungsverfahren muss der Bürger aus eigener Tasche bezahlen, das ist nicht im Preis der Steuern inbegriffen.

Man muss sich die Schockgeschichten vorzugsweise auf rechtsradikalen Seiten nicht zu Eigen machen. Aber es versteht sich von selbst, dass fast alle Migranten der letzten 3 Jahre die Leistungen des Gesundheitswesens ohne eigene Zuzahlung erhalten. Der Gegenwert hierfür dürfte mindestens auf dem gleichen Niveau wie dem deutschen Durchschnitt von 4.200 EUR per anno liegen. Viel Geld, das ein Arbeitnehmer nur aufbringt, wenn er monatlich 2.400 EUR nach Hause bringt. So zumindest der Satz pro Einwohner. Da jedoch nur rund jeder Zweite erwerbstätig ist und ein Teil nur geringfügig arbeitet, ist es eher der doppelte Betrag. Warum diese Auflistung? Die Alleinerziehende musste in den letzten Monaten mehrere hundert Euro für Vorsorge- und analytische Untersuchungen aufbringen, ohne dass sich hierfür eine gesetzliche Kasse für zuständig gesehen hätte. Schutz von Ehe und Familie?

Dem Durchschnittsverdiener am Tisch wird derweil jede Bezahlung nach Leistung verweigert („gleiches Geld für gleiche Leistung“) und mit absurd hohen Abgaben gequält, während die Vorgesetzen im sozialen Tuttifrutti-Land die Kollegen zum organisierten Krankfeiern auffordern. Den Rest gibt es, wenn morgens im üblicherweise verspäteten Zug in die Metropole ausschließlich Biodeutsche vor sich hinschnarchen. Frauen mit offen praktizierenden muslimischen Glauben finden sich dort jedenfalls nicht. Nur die Rentnerin äußert sich zufrieden, hat ihr doch die Regierung auf Witwenpension, Blümrente durch geringfügige Einmalzahlung und großzügige Krankenversicherung nach Beamtenrecht einen Lebensstandard, der deutlich über dem eines Durchschnittsverdieners liegt.

Es ist bei solchen Fakten und Vergleichen nicht einfach, die deutschen Verhältnisse zu verteidigen. Das System, und das ist nicht neu, belohnt denjenigen, der auf Kosten anderer lebt und bestraft denjenigen, der eigenverantwortlich handelt. Wir Deutschen sind ein genügsames Völkchen, das wenig murrt. Wir erklären uns mit vielen solidarisch und haben ein permanent schlechtes Gewissen, wenn es uns besser geht als anderen. Wir fühlen uns für jeden Missstand verantwortlich, weisen aber Verantwortung nie anderen zu. Doch wir leben in einer Nabelschau, wo wir den eigenen Irrsinn nicht mehr erkennen mögen. Wenn andere nationales Eigeninteresse reklamieren, wollen wir jedem mühseligem und Beladenem einen Schutzraum mit Vollversorgung bieten (Forderung der Grünen Jugend). Wir fordern von anderen nichts, beschimpfen uns aber immer selbst.

Leider merkt man es selbst als letztes, wenn man sich zum Affen macht.

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  • bevanite 18. April 2017, 21:45

    Weiß nicht genau, an wen und über was konkret dieser etwas zusammenhanglose Rant gehen soll. Insgesamt klingt mir das aber zu sehr nach dem alten Mantra „Wer ist Schuld daran, dass es Euch so dreckig geht? Die Ausländer!“. Daher auf die Schnelle erstmal ein paar Anmerkungen:

    Das Referendum zur Verfassungsreform in der Türkei, welches das Land zwischen Europa und Asien in eine Autokratie, manche meinen sogar Diktatur, überführen soll, hat jedermann in Westeuropa vor Augen geführt, dass die meisten unter uns lebenden Türken in der modernen westlichen Welt, deren Determinanten Demokratie und Rechtsstaat sind, nie angekommen sind.

    Das Ergebnis ist zweifellos eine Katastrophe, war allerdings ebenso knapp wie die Entscheidung über den Brexit oder die österreichischen und amerikanischen Präsidentschaftswahlen. „Die meisten unter uns lebenden Türken“ haben sich an dieser Abstimmung übrigens nicht beteiligt: die Wahlbeteiligung der Deutsch-Türken lag unter 50 Prozent. Das kann man nun natürlich verschieden interpretieren. Möglicherweise ist einem Großteil der hier lebenden „Deutsch-Türken“ (faktisch sind es Deutsche mit einer türkischen Familiengeschichte) die Politik in der Türkei schlichtweg wumpe. Oder sie haben sich einfach der hiesigen Politikverdrossenheit angepasst. In beiden Fällen würde es aber eher für einen positiven Effekt der Integration sprechen.

    Was nun das Lager betrifft, das für die Verfassungsänderungen gestimmt hat, gäbe es auch einiges zu sagen. „Migranten“ sind eben keine homogene politische Wählergruppe, es finden sich dort auch wie in der alteingesessenen Bevölkerung Liberale, Konservative, Sozialisten, Nationalisten und Unpolitische. Für die Sympathisanten der AKP gilt nun das Gleiche, das auch für die hiesigen Identitären gilt: Man muss ihnen politisch entgegentreten.

    Die rechtliche Fiktion der Doppelstaatsbürgerschaft hat sich als Schimäre erwiesen, ein Instrument naiver Idealisten zur Protegierung von Hinterwäldlern.

    Wie kommen Sie auf die irrsinnige Idee, dass die doppelte Staatsbürgerschaft etwas damit zu tun hat? Hat Erdogan die eingeführt? Glauben Sie ernsthaft, das Ergebnis wäre ohne die Staatsbürgerschaftsreformen anders ausgefallen? Meine Vermutung ist, dass es dann im Gegenteil eher mehr als weniger AKP-Anhänger in Deutschland geben würde. Im übrigen beleidigen Sie mit den „Hinterwäldlern“ ganz dreist eine ganze Reihe von Menschen, die im Gegensatz zu Ihnen schon das bürokratische Vergnügen hatten, einen Antrag für die deutsche Staatsbürgerschaft zu stellen, vom bosnischen Kriegsflüchtling über die polnische Hochschulabsolventin/Putzfrau bis hin zu Ihrem möglichen Stamm-Dönerverkäufer um die Ecke. Aber das nur am Rande.

    Sie beklagen weiterhin den fehlenden Schutz von Familien, sind aber vermutlich gegen die Familienzusammenführung von Flüchtlingen oder regen sich darüber auf, wenn Sozialhilfeempfänger zu viele Kinder bekommen (in einem früheren Artikel hier). Da einfach auf die Kräfte des Marktes zu vertrauen, halte ich für weitaus naiver als die Forderung nach einer doppelten Staatsbürgerschaft. Viele Menschen würden ohne staatlichen Support noch tiefer abstürzen als sie es jetzt schon sind. Sie scheinen mir da sehr weit weg von den gesellschaftlichen Realitäten in jenen Schichten zu sein, mit denen Sie kein Kontakt haben. Mit Verlaub, aber da kommt mir doch immer wieder dieses Zitat vom ollem Marx in den Sinn: „Die bürgerlichen Redensarten über Familie und Erziehung, über das traute Verhältnis von Eltern und Kindern werden um so ekelhafter, je mehr infolge der großen Industrie alle Familienbande für die Proletarier zerrissen … werden“.

    Ihren letzten Absatz haben Sie in der ersten Person Plural geschrieben, aber von wem reden Sie da eigentlich konkret? „Für jeden Missstand verantwortlich“ – wo hilft denn Deutschland konkret den Opfern des Bürgerkriegs im Jemen? Wie haben sich deutsche Regierungen zu den Boko Haram-Massakern in Nigeria oder dem Völkermord in Darfur verhalten?

    Soviel erstmal zum Anfang.

    • In Dubio 18. April 2017, 22:09

      Ich denke, diese von mir skizzierten Debatten haben an dem langen Wochenende so oder ähnlich hunderttausendfach stattgefunden. Interessant ist für mich in solchen Diskussionen auch, wie sich Menschen verändern, die ich sehr lange kenne. Die Millionärin z.B. stand zu Beginn ihrer beruflichen Karriere eher den Grünen nahe und hatte bezüglich Migration eine durchaus liberale Haltung. So wenig ich mit der AfD anzufangen weiß, sie ist Symptom für schwellende Brennpunkte in der Europa- wie Migrationspolitik. Leider bin ich Fatalist: die Verhältnisse gepaart mit unserer Mentalität und den enormen Beharrungskräften machen jede Veränderung praktisch unmöglich. Wir sind auf dem Weg zu einer immobilen Gesellschaft.

      Zum Referendum schreibe ich noch ausführlicher, wie gesagt ein Potpourri an Themen, die noch detaillierter abgearbeitet werden.

      Im übrigen beleidigen Sie mit den „Hinterwäldlern“ ganz dreist eine ganze Reihe von Menschen, die im Gegensatz zu Ihnen schon das bürokratische Vergnügen hatten, einen Antrag für die deutsche Staatsbürgerschaft zu stellen

      Wieso sollte gerade die Beantragung einer Staatsbürgerschaft einfach sein? Im Gegensatz zur Steuererklärung (Einwand von Ihnen?) oder einem Befreiungsantrag im Sozialrecht ist die Veränderung der Nationalität ein einmaliger und sehr schwerwiegender Akt.

      Sie beklagen weiterhin den fehlenden Schutz von Familien, sind aber vermutlich gegen die Familienzusammenführung von Flüchtlingen (..)

      Falsche Vermutung. Ich habe ganz zu Beginn der Flüchtlingskrise bereits kritisiert, dass Politik wie Anhänger offener Grenzen übersehen, dass nicht einfach Alleinstehende kommen, sondern am Ende ein Mehrfaches durch Familiennachzug steht. Die heutigen Einschränkungen sind Ergebnis und Folge völlig unbedachter Handlungsweisen, die nun wiederum zu weiteren enormen Rechtsverletzungen führen. Das ist, das sollte in der Vergangenheit überdeutlich geworden sein, nicht mein Verständnis eines ordentlichen Rechtsstaates und einer professionellen Politik, die ich bei einer Steuer- und Abgabenquote von über 50% einfordere – und verlangen kann.

      (..) oder regen sich darüber auf, wenn Sozialhilfeempfänger zu viele Kinder bekommen (in einem früheren Artikel hier).

      Das ist eine Legende, die nicht stimmt. Ich habe lediglich kritisiert, dass die Fertilisation asymmetrisch zum Einkommen verläuft.

      Ihren letzten Absatz haben Sie in der ersten Person Plural geschrieben, aber von wem reden Sie da eigentlich konkret?

      Die Ansichten der Mehrheit, die sich konkretisiert in Umfragen finden. Ich habe mich neulich bei einem solchen Online-Portal angemeldet und dabei (wenig überraschend) festgestellt, dass ich in den meisten gesellschaftlichen Fragen andere Antworten präferiere wie die Mehrheit. 😉

  • Kirkd 19. April 2017, 07:46

    Zu Deinen Befindlichkeitsexkursionen werde ich nicht Stellung nehmen. Letztlich kann man sich immer in seine eigene Subjektivität hineinsteigern und unterstellen, dass es sich bei Allen genauso anfühlt.

    Was die Effektivität der Justiz angeht, möchte ich deine Einzelfallbeobachtungen mal ein wenig einordnen. Ja, die Justiz hat seit den Tagen der „Schlanker Staat“ Reformen in den 90ern einen beachtlichen Verfahrensrückstand. Das betrifft nicht so sehr den Durchschnitt, aber den Rückstand an bestimmten Kammern mit Unterbesetzung/krankheitsbedingten Ausfällen, was dem Bürger in der Tat nicht zu vermitteln ist. Das Unvermögen, solche Ausfälle zu kompensieren, ist in der Tat skandalös, zumal in Zivilsachen ein erheblicher Teil der Kosten durch Gerichtsgebühren gedeckt werden kann. Im internationalen Vergleich sind die Verfahrensdauern in Zivilsachen durchschnittlich. Sie haben sich allerdings in den letzten Jahren wieder verbessert, was allerdings nicht auf eine verbesserte Ausstattung sondern auf sinkende Verfahrenszahlen in Zivilsachen zurückzuführen ist.
    Anders sieht die Lage in Sozial- und Verwaltungssachen aus. Die Sozialgerichtsbarkeit hat die stärkere Pauschalierung von Leistungen durch die Hartz-Reformen nie akzeptiert, weshalb hier seit 10 Jahren sehr hohe Fallzahlen bestehen. In Verwaltungssachen gibt es nun tatsächlich eine stärkere Auslastung durch die hohe Zahl an Asylverfahren. Im internationalen Vergleich ist die deutsche Verwaltungsgerichtsbarkeit nicht sehr schnell, aber vergleichsweise bürger- und unternehmensfreundlich (was die Zahl der Verfahren natürlich nicht gerade senkt).

    • In Dubio 19. April 2017, 08:22

      Welcher „schlanke Staat“?!? Deutschland hat eine höchsten Abgabenlasten der entdeckten Welt. Der Staatsanteil ist in der OECD weit überdurchschnittlich. Welcher „schlanke Staat“?!?

      Es ist dem Bürger egal, aus welchen Gründen Verfahren hängen. Das ist auch nicht seine Sache. Der Staat erfüllt seine originären Aufgaben (innere und äußere Sicherheit, Rechtsstaatlichkeit) nicht, damit ist die Sache erledigt. Weder Sozialleistungen zu verteilen noch den Bedürftigen der Welt ein Heim zu bieten ist originäre Staatsaufgabe!

      Es ist richtig, dass Deutschland im internationalen Vergleich immer noch gut darstellt. Aber sind italienische oder gar indische (durchschnittlich 10 Jahre Verfahrensdauer in Zivilsachen!) Verhältnisse tatsächlich der Maßstab?

      • Kirkd 19. April 2017, 09:48

        Unter dem Motto „schlanker Staat“ wurden in den 90ern zahlreiche Stellen in Verwaltung und Justiz gestrichen. Deshalb hat Deutschland in diesen Bereichen heute eine im internationalen Vergleich niedrige Stellenzahl. Die Schweiz, bekanntlich ein Land mit niedrigerer „Staatsquote“ als Deutschland, hat in diesen Bereichen beispielsweise deutlich mehr Beschäftigte. Und ja, da stimme ich Dir zu, dass es ist nicht gut ist, dass der Staat seinen Aufgaben nur unzureichend nachkommt. Nur benenne ich hier auch den Reiter. Es waren nun einmal Vertreter eines „Schlanken Staates“, die gerne über die hohe „Staatsquote“ klagen, die diesen Rückbau der staatlichen Verwaltung propagiert und vorangetrieben haben.

        Die deutsche Staatsquote ist im internationalen Vergleich deshalb so hoch, weil der Staat im Bereich Gesundheit und Rente mehr staatliche Leistungen anbietet als andere Staaten, nicht aber wegen seiner teuren Verwaltung. Teilweise ist das schlicht eine Berechnungsfrage. Um beim Beispiel Schwiez zu bleiben: die betriebliche 2. Säule,, die in der Schwiez die Hauptalterssicherung garantiert, fällt nicht unter Staatsquote (obwohl sie für alle Arbeitnehmer verpflichtend ist).

        • In Dubio 19. April 2017, 10:33

          Tatsächlich wurde seit den 1990er Jahren Steuern und Abgaben verstärkt von Investitionen aus den Bereichen Sicherheit wie Rechtspflege in den sozialen Bereich umverteilt. Nachvollziehen können Sie das am Sinken der Investitionsquote und dem stetigen Anstieg der Sozialquote. Wählerbestechung funktioniert nunmal über Sozialversprechen und nicht durch die Zusage von Rechtssicherheit.

          Die Schweiz gibt bezogen auf das BIP mehr für Gesundheit aus als Deutschland. Die zweite Säule in der Schweiz fällt deswegen nicht in die Staatsquote, weil die Gelder der Verfügungsgewalt des Staates entzogen sind. Das ist bei der deutschen Rentenversicherung anders.

          Der deutsche Staat verteilt entsprechend der Ausgaben seine Bediensteten. So beklagen wir uns über den Kostendruck im Gesundheitswesen und in der Pflege, blenden aber völlig aus, dass Deutsche wesentlich länger im Krankenhaus sind als z.B. Skandinavier und dadurch der zeitliche Druck erzeugt wird. Wären Deutsche im Schnitt beispielsweise 5 Tage weniger in stationärer Behandlung, verbliebe mehr Zeit für die Patienten. Aber dazu müssten wir ja unser Verhalten ändern und das geht gar nicht.

          Ich weiß nicht, wie die Fehlzeiten in der Schweiz aussehen. Hier war es tatsächlich so, dass zwischen den Jahren (upps, was für eine Zeit…) die örtliche Arbeitsagentur außerplanmäßig schließen musste, weil so viele öffentlich Bedienstete erkrankt waren. Und da meine Schwägerin in der Rechtspflege arbeitet, habe ich unzählige, für private Unternehmen unglaubliche Geschichten behördlicher Arbeitsverweigerung. Und Faulheit. 😉

          • Stefan Sasse 19. April 2017, 12:43

            Wenn Personal fehlt, muss man das einstellen, und zwar rechtzeitig. Gibt ja nicht gerade ein Reserve-Arbeitslosenheer von Richtern, Lehrern und Polizisten. Und KirkD hat schon Recht, dass das mit der Ideologie einhergeht, der Staat dürfe ja nicht zu viele Leute beschäftigen. Mit der Staatsquote hat das ja per se erst mal wenig zu tun; die kommt ja noch von ganz anderen Faktoren her.

            • In Dubio 19. April 2017, 15:42

              Was kritisierst Du? Offensichtlich ist der Staat zu einer ordentlichen Personalplanung nicht fähig, überall wird über Personalmangel geklagt. Allerdings hat allein der Bund in den vergangenen 10 Jahren seinen Headcount um knapp 3.000 auf rund 16.000 erhöht, das ist ein Plus von über 20%. Das gilt nicht für jeden EU-Staat, Schweden hat in der Zeit sein Personal konstant gehalten, Großbritannien sogar deutlich reduziert. Und meine Kritik ist nicht der Personalstand als solcher, sondern dass der Staat seine eigentlichen Aufgaben vernachlässigt, um alles andere zu erledigen. Aber wenn mir der Staat keine Rechtssicherheit gewährt, regeln wir die Sachen bald wieder per Faustrecht. Und sparen dafür dann hoffentlich Steuern.

          • Kirkd 19. April 2017, 15:09

            „Tatsächlich wurde seit den 1990er Jahren Steuern und Abgaben verstärkt von Investitionen aus den Bereichen Sicherheit wie Rechtspflege in den sozialen Bereich umverteilt.“

            Das deckt sich im Ergebnis mit meinem Aussagen. Ich muss aber noch einmal der von Dir unterstellten Kausalität widersprechen. In Verwaltung und Rechtspflege wurde nicht gespart, um Mehrausgaben im Gesundheitskosten zu decken. Die Begründung des bürgerlichen Lagers war der „Schlanke Staat“ (denn es sollte ja auch im Gesundheitswesen eingespart werden, nur haben Seehofer und später Schmidt dort nicht so tatkräftig gekürzt wie in andere in Rechtspflege und Verwaltung).

            • In Dubio 19. April 2017, 15:30

              Gut, dann kritisieren wir möglicherweise das Gleiche: dass originäre Staatsaufgaben zu Lasten des Sozialen vernachlässigt werden.

              1991 lag die Abgabenquote bei 38,3%, heute bei 39,6%. Im Vergleich zu Kohls Zeiten zahlt also jeder Erwerbstätige (!) einen Tausender zuviel an den Staat. Irgendwie sieht ein schlanker Staat für mich anders aus.

              • Kning 19. April 2017, 16:20

                Den Personalmangel ist der Staat selbst Schuld. Noch immer zählt im öffentlichen Dienst noch immer der Höchste erreichte Hochschulabschluss. Für Bachelorabsolventen mit Berufserfahrung ist ein Wechsel in die Beamtenlaufbahn / öffentlichen Dienst gehaltlich derart uninteressant das die jeweiligen Behörden Kunstgriffe unternehmen, um irgendwie Fachkräfte zu gewinnen.
                Allein im Bauamtder Stadt Köln fehlen 50 Bauingenieure. Also geht die Stadt hin und gründet eine Gesellschaft außerhalb der Stadt, die die Ingenieure zu Marktpreisen beschäftigt. Natürlich ist die Stadt nur Teileigentümer und die Igenieuere werden dann an die Stadt verleast. So entstehen staatlich geförderte Leiharbeitsverhältnisse und der Bürger zahlt die Zeche.

                • In Dubio 19. April 2017, 16:34

                  Und? Was ist daran schuld? Sehen Sie, das Problem haben Sie in allen öffentlichen Bereichen. So hat der Staat beispielsweise in den letzten Jahren den Kita-Ausbau vorangetrieben. Natürlich wachsen Erzieherinnen nicht auf den Bäumen und warum sollten junge Menschen plötzlich überproportional den Beruf ergreifen? Zwar möchte man besser qualifiziertes Personal beschäftigen, aber Neueinstellungen dürfen nicht mehr verdienen als die Stammbelegschaft.

                  Für private Unternehmen ein Irrsinn. Nur weil ich plötzlich Bedarf an Informatikern mit Java-Kenntnissen habe, erhöhe ich deswegen doch nicht all meinen IT-Angestellten die Gehälter um 50%. Ich offeriere ein höchst attraktives Salary-Package in Anzeigen und werbe hochqualifizierte Java-Experten. Der Staat kann das nicht, da bricht sofort eine Gerechtigkeitsdebatte aus und der Personalrat legt sein Veto ein. Besser wäre doch, intern nach entsprechenden Experten zu fahnden.

  • CitizenK 19. April 2017, 08:37

    Von den in D lebenden Türkischstämmigen war nur etwa die Hälfte stimmberechtigt. Davon hat nur die Hälfte abgestimmt. Davon die – zugegebenermaßen schockierenden 63 Prozent – ergibt eine Zustimmung zu Erdogan von – grob gerechnet – 15 Prozent. So viele Feinde der Offenen Gesellschaft findet man auch unter Bio-Deutschen.

    Türkischer Nationalismus war und ist ein Problem. Wichtiger (und schwieriger) ist die Frage, wie die EU mit der Erdogan-Türkei umgehen soll.

    Ein Verbot der doppelten Staatsbürgerschaft wäre ein Rohrkrepierer: Auch die Gutintegrierten fühlten sich als Bürger 2. Klasse und solidarisieren sich eher mit der Türkei als mit D.

    Wer Rationalität statt Emotionalität von der Politik fordert, sollte diesen Grundsatz auch bei seiner Argumentation beherzigen.

  • Jens 19. April 2017, 12:55

    Hallo Herr Pietsch,

    seit 1997 ist die Sozialleistungsquote nahezu konstant

    https://tinyurl.com/omhtmtn

    Ihre Ausführung, dass sie ständig steigt ist somit falsch.

    Das die Steuerlast für die Mittelschicht, bzw. dass was davon übrig geblieben ist, gestiegen ist steht außer Frage. Blöd halt, wenn die Mittelschicht immer neoliberale Parteien CDU/CSU/FDP/SPD/GRÜNE wählt, die kontinuierlich den Spitztensteuersatz senken und die Unternehmenssteueren senken.

    https://tinyurl.com/lq4v63k

    Dennoch ist der Steueranteil am BIP ist mit bummeligen ca. 22% nahezu konstant geblieben. Wenn der Steueranteil am BIP aber nahezu konstant ist, Reiche und Unternehmen aber weniger zahlen muss ja irgendwer mehr bezahlen oder?

    https://de.wikipedia.org/wiki/Steueraufkommen_(Deutschland)

    Blöderweise wurde nicht nur die Steuern für Unternehmen und Reiche gesenkt parallel dazu wurden die Gewerkschaften entmachtet, Leiharbeit ohne equal pay eingeführt, Werksverträge ausgeweitet, KAPOVAZ eingeführt. Das ganze neoliberale Arsenal wurde auf Deutschland abgefeuert.

    Dies hat dazu geführt, dass die Reallöhne seit 1993 nicht mehr nenneswert gestiegen sind.

    https://tinyurl.com/lrb4nh8

    Merken Sie was? Die Reichen und Unternehmen werden steuerlich entlastet gleichzeitig werden die Reallöhne durch arbeitsmarktpolitische Maßnahmen gedeckelt!

    Richtig, 10 Punkte. Das nennt sich Umverteilung von unten nach oben, bzw. von der Mitte nach Oben, weil unten ist ja nix mehr.

    Wieviel Steuern zahlt den „Ihre“ Millionärin prozentual auf ihr Einkommen und wieviel ein Facharbeiter, ebenfalls ledig? Hat ihre Millonärin, die Million selbst verdient oder leistungslos geerebt wie die meisten Millionäre in Deutschland, mit mickriksten Steuern.

    https://tinyurl.com/nfcjnvv

    Wie war der Slogan der FDP. Leistung muss sich lohnen? Derzeit wird leistungsloses „verdienen“ durch erben und zinserträge steuerlich massiv bevorzugt.

    Gleichzeitig ist die Schar derer in Deutschland, die durch die gennanten Maßnahmen weniger verdienen (besser wäre hier wohl bekommen ;-)) gewachsen. Das Median Einkommen ist in Deutschland von 2000 bis 2010 gesunken.

    https://tinyurl.com/z5adl8w

    Von 1324€/Monat auf 1294€/Monat. Was soll bei diesen micker Gehältern denn noch groß besteuert werden? Wenn unten nix zu holen ist und oben politisch gewollt weniger geholt wird, bleibt nur die Mittelschicht zum auspressen. Die haben das aber so gewollt, siehe die Wahlergebnisse seit 1990. Ist eben so eine Sache mit den Mehrheitsentscheidungen nicht nur in der Türkei.

    Die Kehrseite ist, dass unser Staat kaputgespart wird, bei den Polizisten, Lehrern, Staatsanwälten, Richtern, Krankenschwestern, Pflegepersonal und Infrastruktur.

    https://tinyurl.com/m4p3jhl
    (siehe Abbildung 6: Nettoanlageinvestitionen des Staates)

    Hinzu kommen Privatisierungen in Bereichen in denen es volkswirtschaftlich einfach unsinning ist, da es dort keinen Wettbewerb geben kann.

    So im Gesundheitssytem und bei Infrastrukrur (ganz aktuell Autobahn), demnächst wahrscheinlich Schulen und Gefängnisse. Wir machen ja allen Quatsch der USA nach.

    Kurz noch zu dem wahrscheinlichen Einwand, dass der fehlende Wettbewerb gerade das Problem im Gesundheitssytem ist. Das ist Quatsch. Das wesentliche marktwirtschaftliche Element funktioniert nicht im Gesundheitssystem, nämlich die Preisfindung. Es ist (noch) unser Anspruch, dass alle die bestmögliche (wirksame) Therapie bekommen. Es begnügt sich eben bei OPs und Medikamenten niemand mit dem Dacia, alle wollen (und IMHO sollen) den Mercedes kriegen.

    In der derzeitigen Situation picken die privaten Krankenhäuse die Rosinen heraus und bieten die Dinge an, bei denenen man bei den derzeitigen, willkürlich festgelegten Preisen, den meisten Profit machen kann. Die finanziell unantraktiven aber nötigen Dinge bleiben an den Uni-Kliniken hängen.

    https://tinyurl.com/k4cg2dc
    https://tinyurl.com/kvqb9ex

    Ihr Hinweis wir müßten nur weniger ins Krankenhaus gehen ist gelinde gesagt dämlich. Es sollte zunächst mal untersucht werden, wie lange es sinnvoll ist im Krankenhaus zu bleiben. In Skandinavien sind übrigens die Wartezeiten für bestimmte OPs sehr lang.

    Ich habe auch nur einen Wasserhanhn im Haus, wieso macht es da Sinn Wasserwerke zu privatisieren, man liefert Bürger nur einem Monpol aus. Bei Schienen und Autobahnen haben wir nicht genug Platz drei nebeneinander zu bauen und der Bürger wählt die günstigste. Genau so im öffentlichen Nahverkehr. Die ganzen Privatisierungen in diesen Bereichen, widersprechen einfach der Marktwirtschaft, da es dort keinen funktionierenden wettbewerb geben kann. Das ist nur Pfründe für Vermögende sichern sichern, indem für sie Monopole geschaffen werden. Die Privaten können es auch nicht besser. Sie können es nur billiger, indem sie Löhne senken und bei der Wartung sparen, siehe das desaströse Beispiel der Bahnprivatisierung in UK.

    Kurz, die von ihnen geannten Probleme sind politisch gewollt und die Folge von unsinnigen Privatisierungen und Steuer Geschenken an die Reichen. Sie sind somit die unmittelbarer Folge einer Umverteilungspolitik von unten/mitte nach oben. Die Probleme waren schon lange existent bevor die Flüchtlinge kamen, auch wenn diese nun die Probleme scheinbar so verschärfen, dass sie auch für neoliberale Anhänger offenbar werden.

    Das so eine massive Zuwanderung extrem problematisch ist und IMHO von einem vernünftig denkenden Menschen nicht gewollt werden kann, bestreite ich nicht. Die Verantwortung dafür tragen die Flüchtlinge aber sicher nicht. Wir haben die Kriege und Stellvertreterkriege in Afgahnistan, Lybien und Irak etc. angezettelt und die ganze Region destablisiert.

    Außerdem hat Frau Merkel die Hilfsgelder für die in türkischen Lagern sitzenden Flüchtlinge reduziert, so daß diese sich an die Quelle aufmachten.

    Das sie jetzt unsere Probleme auf die Flüchtlinge schieben ist billig.

    Mit freundlichen Grüßen

    Jens

    P.S. Diesmal ganz ohne Links zu Querschuesse.de ausgekommen 😉

    • In Dubio 19. April 2017, 14:50

      Dennoch ist der Steueranteil am BIP ist mit bummeligen ca. 22% nahezu konstant geblieben.

      Wo ist der Fehler? 😉 Sie kommen drauf.

    • In Dubio 19. April 2017, 14:56

      seit 1997 ist die Sozialleistungsquote nahezu konstant

      Sehen Sie den Trend bis zur Agenda 2010? Genau.

      Wieviel Steuern zahlt den „Ihre“ Millionärin prozentual auf ihr Einkommen und wieviel ein Facharbeiter, ebenfalls ledig? Hat ihre Millonärin, die Million selbst verdient oder leistungslos geerebt wie die meisten Millionäre in Deutschland, mit mickriksten Steuern.

      Ich glaube es geht aus dem Kontext hervor, dass es sich hierbei um meine Schwester handelt. Sie hat sich bis zu ihrem 40. Lebensjahr ein eigenes Vermögen aufgebaut und dafür in verschiedenen Ländern den Höchststeuersatz gezahlt. Heute unterliegt sie, auch das geht aus dem Zusammenhang hervor, der spanischen Steuerbarkeit. Jedenfalls hat sie soviel gezahlt, dass davon einige Harzer ein Leben lang unterhalten werden können – was häufig ja auch nötig ist. 😉

      By the way: Bezieher sehr hoher Einkommen zahlen auch noch „Reichensteuer“.

      Ich schiebe die Probleme nicht auf die Flüchtlinge. Nur haben wir etwas aus edlen Motiven getan, was wir nicht können. Naivlinge nennt man so etwas.

    • In Dubio 23. April 2017, 07:04

      Ich hoffe ich habe Sie nicht verschreckt oder beleidigt.

      Sie verweisen darauf, dass die Steuerquote mit 22% weitgehend konstant und niedrig sei. Dabei bedienen Sie sich eines beliebten methodischen Tricks, wenn man die Belastung der Bürger verschleiern möchte. Wir haben aber keine Wahl, ob wir Steuern oder Abgaben zahlen möchten.

      Mehr noch gilt jedoch ein anderes Fakt: Haben Sie sich eigentlich nie gefragt, wie die Zuschüsse der Finanzminister zu den Sozial-Parafisci gezählt werden? Allein der Bundesfinanzminister überweist jährlich mit 80 Milliarden Euro ein Drittel seines Etats an die Rentenkasse. Diese 80 Milliarden Euro resultieren im wesentlichen aus Steuereinnahmen, während der Bürger auf Seite der Sozialabgabenlast geschont wird. Statistisch werden diese 80 Milliarden Euro jedoch nicht zur Steuerquote gerechnet sondern als Abgabenlast. Wenn der Staat also zunehmend Sozialausgaben auf Kosten des Steueretats leistet und dies von den Sozialkassen bezahlen lässt, vermindert er rechnerisch die Steuerquote.

      Mit diesem Trick sind Sie ins Rennen gegangen.

      • Jens 24. April 2017, 17:41

        Hallo Herr Plietsch,

        nein, ich bin nicht beleidigt. Ich wüßte auch nicht warum. Soweit alles im grünen Breich.

        Das Problem mit den Zuschüssen zur Rentenkasse ist wie mit der Henne und dem Ei.

        Wenn die Löhne mit dem BIP und dem Produktivitätsfortschritt nicht mitwachsen und zudem die vielen neuen Jobs nur schlecht bezahlt sind, leiden auch die Einnahmen der Sozialkassen.

        Vom steigenden BIP profitieren prozentual nur noch wenige wohlhabende Einzelpersonen und die Unternehmen. Und denen wurde in den letzten 20 Jahren immer wieder die Steuer gesenkt. Der prozentual verbleibende Teil der Bevölkerung muss dann prozentual und absolut immer mehr schultern.

        Ich kann in Deutschland nicht erkennen, dass wir eine höchst bequeme soziale Hängematte haben. Versuchen sie mal von Hartz4 mit Kindern zu leben. Die meisten sind auch nicht faul. Das haben die 1 Euro Jobs gezeigt. Eingeführt mit dem Ziel die Faulen von den Fleißigen zu trennen, waren binnen kürzester Zeit viel mehr Freiwille da als 1€-Jobs.

        Das Problem ist einfach, dass wir zuviele Niedriglohnjobs schaffen und unter anderem wegen der relativ billigen Arbeitskäfte nicht mehr investiert wird in Deutschland. Die Produktivität steigt nur noch mikerig in Deutschland. Dass der Staat bei der Infrastruktur spart erhöht die Produktivität auch nicht.

        Wie mit diesen micker Löhnen und gleichzeitig niedrigen Steuern für Unternehmen und Reiche unser Staat finanziert werden soll, ist doch klar, von den Resten der Mittelschicht.

        Zur Abwechslung mal ein ganz aktueller Link von Querschuesse.de
        https://www.querschuesse.de/deutschland-einsam-aber-mit-ueberschuss/#comment-100225

        Kurz die deutschen Exporterfolge, die unsere Lei(d)medien immer abfeiern und die von ihnen beklagten Missstände sind die beiden Seiten der gleichen Münze.

        • In Dubio 24. April 2017, 22:57

          Das Problem mit den Zuschüssen zur Rentenkasse ist wie mit der Henne und dem Ei.
          Wenn die Löhne mit dem BIP und dem Produktivitätsfortschritt nicht mitwachsen und zudem die vielen neuen Jobs nur schlecht bezahlt sind, leiden auch die Einnahmen der Sozialkassen.

          Das hat damit gar nichts zu tun. Wir geben heute über 1% mehr an den Staat als vor 25 Jahren. In dieser Zeit ist der Bundeszuschuss zur gesetzlichen Krankenversicherung wie Rentenversicherung deutlich gestiegen. Der Grund hierfür ist allein politisch motiviert. So beschloss die rot-grüne Bundesregierung bei Amtsantritt, den Beitrag zur Rentenversicherung von damals über 20,3% bis auf 19,1% zu senken und die Mindereinnahmen der Rentenversicherung durch die Erhöhung des Steuerzuschusses wie der Steuern („Rasen für die Rente“) auszugleichen. Einfaches Spiel rechte Tasche, linke Tasche. In den Nullerjahren wurde dann die Tabaksteuer erhöht und die Familienversicherung in der GKV (Privatversicherte profitierten nicht) durch Steuermittel unterfüttert. An diesen Beispielen erkennt man: die Steuerquote sagt gar nichts über die steuerliche Belastung. Sozialleistungen werden mit Steuerleistungen verrechnet.

          Und denen wurde in den letzten 20 Jahren immer wieder die Steuer gesenkt.

          Ziemlich viele Behauptungen bringen Sie unter ohne dies zu belegen. Und mit Sicherheit haben Sie völlig die Streichung der ganzen Ausnahmetatbestände vergessen. Wissen Sie z.B., dass die noch unter Kohl geltende Steuerfreiheit für Spekulationsgewinne (§23 EStG) ersatzlos gestrichen wurde? Wussten Sie, dass in dem von Ihnen genannten Zeitraum die Eigenheimförderung (Kosten zuletzt 10 Mrd. EUR) vollständig gestrichen wurde? Wussten Sie, dass Anteilseigner mit einer nennenswerten Beteiligung (5%) gar nicht die Abgeltungssteuer zahlen, sondern gemäß ihrem persönlichen Steuersatz besteuert werden? Wussten Sie, dass der Solidaritätszuschlag fast ausschließlich von Besserverdienenden bezahlt wird?

          Ich kann in Deutschland nicht erkennen, dass wir eine höchst bequeme soziale Hängematte haben.

          In dieser Pauschalität behauptet das niemand. Aber Sie müssen schon erklären, wie es in Deutschland mit seinem zumindest im Vergleich zu seinen europäischen Partnern boomenden Arbeitsmarkt sein kann, dass mehr Menschen dauerhaft arbeitslos bleiben als in (fast) jedem anderen OECD-Land.

          Versuchen sie mal von Hartz4 mit Kindern zu leben.

          Wissen Sie, was jemand verdienen muss, um diesen Satz zu erreichen?

          Das haben die 1 Euro Jobs gezeigt. Eingeführt mit dem Ziel die Faulen von den Fleißigen zu trennen, waren binnen kürzester Zeit viel mehr Freiwille da als 1€-Jobs.

          Das ist falsch. Die Zahl der 1€-Jobs befindet sich derzeit auf einem Tiefststand mit 90.000. Gerade in den Ländern mit gutem sozialen Netz wie Dänemark wird auf Arbeitslose weit mehr Druck ausgeübt als hierzulande, werden von den Kommunen Beschäftigungen bereitgestellt, die zwingend anzunehmen sind. Es geht nicht beides – so zumindest die sozialgeschichtliche Erfahrung: hohes Versorgungsniveau und Verzicht auf Druck. Entweder sorgen die geringen (und zeitlich begrenzten) Transfers in den OECD-Ländern dafür, dass Menschen nicht langfristig arbeitslos sind oder die Sozialbehörden besorgen den Druck. Entscheiden Sie, was Sie vorziehen.

          Das Problem ist einfach, dass wir zuviele Niedriglohnjobs schaffen und unter anderem wegen der relativ billigen Arbeitskäfte nicht mehr investiert wird in Deutschland.

          Beleg?

          Die Produktivität steigt nur noch mikerig in Deutschland.

          Gibt es für Sie keine andere Erklärung? In den 1980er und 1990er Jahren wurde ein immer höherer Anteil der Erwerbsfähigen beschäftigungslos. Die Vermutung liegt nahe, dass dies regelmäßig die weniger Produktiven waren. Seit 2006 nimmt die Erwerbstätigkeit zu, ein nicht unwesentlicher Teil der vorher Arbeitslosen wird wieder gezählt. Wenn wir der These anhängen, dass Arbeitslosigkeit auch etwas mit Produktivität zu tun hat, dann führt der Abbau von Arbeitslosigkeit im Durchschnitt zu einem Rückgang der Produktivität pro Beschäftigten.

          Dass der Staat bei der Infrastruktur spart erhöht die Produktivität auch nicht.

          Der Staat verteilt um von den Investitionen zum Sozialetat. So hätten wir die Ausgaben für den verlängerten Rentenbezug (Rente mit 63) sowie die Mütterrente auch in Straßen und Gebäude oder die digitale Infrastruktur investieren können. Haben wir bekanntlich nicht getan. Statistisch jedenfalls können Sie leicht nachweisen, dass die Sozialausgaben am Bundesetat weit schneller gestiegen sind als Investitionen – bei vergleichsweise niedriger Arbeitslosigkeit. So etwas muss man wirtschaftspolitisch erst mal hinbekommen.

          Zum Exportüberschuss schreibe ich zu einer anderen Zeit etwas, wird wohl wieder mal Zeit. 😉

          • Rauschi 25. April 2017, 08:52

            Das Problem ist einfach, dass wir zuviele Niedriglohnjobs schaffen und unter anderem wegen der relativ billigen Arbeitskäfte nicht mehr investiert wird in Deutschland.

            Beleg?

            Da kann ich weiter helfen : „Mittlerweile verdient jeder fünfte Beschäftigte in Deutschland weniger als zehn Euro in der Stunde. Neue Zahlen aus dem Arbeitsministerium zeigen einen klaren Trend. “
            Quelle: http://www.zeit.de/wirtschaft/2016-12/arbeitsmarkt-niedriglohn-anteil-beschaeftigte
            Noch Fragen?
            In den 1980er und 1990er Jahren wurde ein immer höherer Anteil der Erwerbsfähigen beschäftigungslos. Die Vermutung liegt nahe, dass dies regelmäßig die weniger Produktiven waren.
            Wieso liegt denn diese Vermutung nahe? Der Bergbau z.B. ist komplett weggefallen, da konnten Sie produktiv sein, wie sie wollten, das ändert Null. Auch andere Bereiche gibt es schlicht nicht mehr, das hat nichts damit zu tun, das dort nur unproduktive Menschen gearbeitet haben. Schon mal was von Strukturwandel gehört, ist das nicht eine viel näher liegende Erklärung? Was bei Ihnen da unterschwellig immer mitschwingt, die Arbeitslosen wollen nicht und die Arbeitgeber wollen diese Menschen zu Recht auch nicht.

            Wenn wir der These anhängen, dass Arbeitslosigkeit auch etwas mit Produktivität zu tun hat, dann führt der Abbau von Arbeitslosigkeit im Durchschnitt zu einem Rückgang der Produktivität pro Beschäftigten.
            Wieso sollte irgendjemand so einer verrückten These anhängen? Das würde bedeuten, je automatisierter und produktiver gearbeitet wird, desto mehr Menschen bleiben ohne Einkommen, die sollen aber gleichzeigt das mehr an Produktion aufkaufen? Irre, das ist das Modell der Zukunft.

            Entweder sorgen die geringen (und zeitlich begrenzten) Transfers in den OECD-Ländern dafür, dass Menschen nicht langfristig arbeitslos sind oder die Sozialbehörden besorgen den Druck. Entscheiden Sie, was Sie vorziehen.
            Wow, das nenn ich mal durchdachte Alternativen!
            Wenn ich verhungere, dann finde ich automatisch einen Job, weil die Befristung des Transfers dafür sorgt? Oder der geliebte Druck, darf ja nicht fehlen, die Abgehängten, die Arbeitslosen brauchen nur genügend Druck, dann wird das schon, weil die Wirtschaft ja wohl händeringend nach genau solchem Personal sucht.
            Ich finde ja auch, öffentliche Beschäftigung für 1Euro, die „normalen“ Unternehmen die Arbeit weg nimmt, sollte massiv gefördert werden, wo kämen wir denn hin, wenn die in Ihrer Hängematte bleiben? Oder kommen dann die Mitarbeiter der Unternehmen, die eben nicht mehr mit Aufträgen versorgt werden, noch dazu? Wer weiss, meine Glaskugel gibt da keine Auskunft.

            Zum Exportüberschuss schreibe ich zu einer anderen Zeit etwas, wird wohl wieder mal Zeit.
            Bitte ersparen Sie das dem Leser, das hat schon beim letzten Mal nicht überzeugt und ausserdem haben die „Experten“ der Finanzministers das schon erledigt:
            http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/wolfgang-schaeuble-will-donald-trump-im-streit-um-ueberschuesse-beschwichtigen-a-1143778.html

            Dann noch am Rande, wenn Sich Ihre Schwester von einer Idee (Umso mehr wird sie von den Ideen einer Vermögensteuer bedroht.) bedroht fühlt, die nur noch in Erzählungen (es war einmal…) existiert, dann würde ich zu einem Besuch beim Therapeuten raten. Weder in Spanien noch in Deutschland besteht akut die Gefahr, das die Regierung so etwas bedrohliches einführt. 😉

            Gruss Rauschi

            • In Dubio 25. April 2017, 14:39

              Noch Fragen?

              Ja. Was bedeutet das? Ist das viel oder wenig (internationale Vergleiche in Ihrem speziellen Fall ausgeschlossen, da Sie selbst in Debatten diese zurückweisen)? Was wäre, wenn die Hälfte von den relativ gering Bezahlten (immerhin über Hartz-IV-Satz und Mindestlohn) stattdessen keine Beschäftigung hätte? Immerhin ist ein wesentlicher Teil der so Beschäftigten und von Zeitarbeitsfirmen engagierten zuvor arbeitslos gewesen. Was ist mit der regionalen Betrachtung, in Westdeutschland arbeitet fast niemand zu solchen Bedingungen, vor allem nicht in Bayern, Baden-Württemberg und Hessen? In einem solchen Fall hatten die Sozialkassen nicht mehr Geld, sondern weniger. Ein starkes Indiz, dass der Anteil nicht zu hoch ist, sind die Überschüsse der Parafisci, die trotz demographischer Zusatzbelastungen sehr gut dastehen.

              Der Bergbau z.B. ist komplett weggefallen, da konnten Sie produktiv sein, wie sie wollten, das ändert Null. Auch andere Bereiche gibt es schlicht nicht mehr (..).

              Wir haben aber nicht vor allem ehemalige Bergbauer und Näherinnen in der Arbeitslosenstatistik, sondern überproportional Menschen ohne Berufsausbildung, häufig sogar ohne qualifizierten Schulabschluss. Ein relativ hoher Anteil der Hartz-IV-Empfänger hat entweder nie oder seit 10 Jahren und mehr nicht gearbeitet.

              Was bei Ihnen da unterschwellig immer mitschwingt, die Arbeitslosen wollen nicht und die Arbeitgeber wollen diese Menschen zu Recht auch nicht.

              Dann machen Sie das das nächste Mal an einem konkreten Beispiel fest, statt regelmäßig „Gefühle“ zu äußern. Das ist nämlich etwas, gegen das ich mich nicht verteidigen kann und daher latent unfair.

              Wieso sollte irgendjemand so einer verrückten These anhängen?

              Ein nicht geringer Anteil der Wissenschaft sowie die Praktiker der Bundesagentur und der Jobcenter. Also Leute, die mit der Materie so wenig zu tun haben. 😉

              Das würde bedeuten, je automatisierter und produktiver gearbeitet wird, desto mehr Menschen bleiben ohne Einkommen, die sollen aber gleichzeigt das mehr an Produktion aufkaufen? Irre, das ist das Modell der Zukunft.

              Haben Sie sich nie gefragt, warum eigentlich die Produktivität permanent steigt, obwohl kaum ein Mensch Jahr für Jahr mehr leistet? Und das alles bei steigender Erwerbstätigkeit oder – um Sie nicht zu reizen – ohne dass die geleisteten Arbeitsstunden zurückgehen würden?

              Wow, das nenn ich mal durchdachte Alternativen!

              Gut, beschleunigen wir das Ganze: nennen Sie einfach ein OECD-Land, das hohe Sozialleistungen zahlt und gleichzeitig keinen Druck auf Arbeitslose ausübt. Sollte Ihnen das nicht möglich sein, sollten Sie Ihre Annahmen hinterfragen.

              Bitte ersparen Sie das dem Leser, das hat schon beim letzten Mal nicht überzeugt und ausserdem haben die „Experten“ der Finanzministers das schon erledigt:

              A) Weiß ich. B) Ein bisschen Autonomie über die Themenauswahl habe ich schon – zumal Sie ja anscheinend nie über gesellschaftspolitische, sondern nur wirtschafts- und finanzwirtschaftliche Themen diskutieren möchten.

              Spanien erhebt eine Vermögensteuer. Diese hängt von den Regionen ab. Auch Nicht-Spanier sind zahlungsverpflichtet, wenn sie dort ihren Lebensmittelpunkt haben. Immobilien beispielsweise werden – anders als in anderen Ländern – nach dem höchsten festzustellenden Verkehrswert besteuert.

              • Rauschi 25. April 2017, 17:17

                Wir haben aber nicht vor allem ehemalige Bergbauer und Näherinnen in der Arbeitslosenstatistik, sondern überproportional Menschen ohne Berufsausbildung, häufig sogar ohne qualifizierten Schulabschluss. Ein relativ hoher Anteil der Hartz-IV-Empfänger hat entweder nie oder seit 10 Jahren und mehr nicht gearbeitet.
                Wenn die Menschen mit Ausbildung schon im Niedriglohnbereich arbeiten, dann wird es aber natürlich eng für die ohne Ausbildung.
                „Sie haben eine abgeschlossene Berufausbildung, können aber von ihrem Lohn kaum leben: Für mehr als fünf Millionen Menschen in Deutschland ist das Realität. Laut Bundesregierung bekommt jeder fünfte Beschäftigte mit Ausbildung weniger als 10 Euro in der Stunde. Besonders hoch ist der Anteil im Osten.“
                Quelle: http://www.dgb.de/themen/++co++6aa15e0c-d657-11e6-893a-525400e5a74a

                Das ist nämlich etwas, gegen das ich mich nicht verteidigen kann und daher latent unfair.
                Tja, das Leben ist nicht fair, aber ich werde es das nächste Mal an einem Beispiel fest machen.

                Haben Sie sich nie gefragt, warum eigentlich die Produktivität permanent steigt, obwohl kaum ein Mensch Jahr für Jahr mehr leistet? Und das alles bei steigender Erwerbstätigkeit oder – um Sie nicht zu reizen – ohne dass die geleisteten Arbeitsstunden zurückgehen würden?
                Sie haben aber gerade sich selbst widerlegt, denn laut Ihrer These müssen wir ja weniger Menschen in Arbeit haben, weil ja die unproduktiven raus fliegen. Was denn nun? Ich habe ja auch nicht die Produktivitätssteigerung bestritten, sondern nur Ihre Aussage dazu:
                Wenn wir der These anhängen, dass Arbeitslosigkeit auch etwas mit Produktivität zu tun hat, dann führt der Abbau von Arbeitslosigkeit im Durchschnitt zu einem Rückgang der Produktivität pro Beschäftigten.
                Wenn also beides steigt, die Beschäftigung und die Produktivität, was heisst das dann?

                Sollte Ihnen das nicht möglich sein, sollten Sie Ihre Annahmen hinterfragen.
                Dann widerlegen Sie doch einfach meine Aussage, das Druck eben nicht dazu führt, das die Arbeitgeber, die ja offensichtlich die Menchen ohne Ausbildung nicht wollen, diese dann auf einmal einstellen. Also, wie bitte schön soll der Mechanismus funktionieren?
                Weil alle das falsche tun, wird es deswegen nicht richtig.

                zumal Sie ja anscheinend nie über gesellschaftspolitische, sondern nur wirtschafts- und finanzwirtschaftliche Themen diskutieren möchten.
                Also ob die Wirtschaft nicht immer auch mit der Gesellschaft zu tun hätte. Ausserdem habe ich schon mehr als einmal bei anderen Themen geschrieben, oder ist z.B. Erziehung neuerdings ein Wirtschaftthema?
                Bei Themen mit Moralappellen fehlt mir schlicht die Lust, nochmal dagegen zu halten, dafür finden sich genug andere. Ausserdem lassen sich erfahrungsgemäss die Menschenbilder durch Debatten nicht verändern, sondern nur durch erleben.

                Spanien erhebt eine Vermögensteuer.
                Da Ihre Schwester noch die deutsche Staatsbürgeschaft hat, bleibt immer noch der Rückweg nach Deutschland, wenn das so bedrohlich sein sollte.

                Gruss Rauschi

                • In Dubio 25. April 2017, 18:57

                  Wenn die Menschen mit Ausbildung schon im Niedriglohnbereich arbeiten, dann wird es aber natürlich eng für die ohne Ausbildung.

                  Immerhin arbeiten 4 von 5 für mehr als einen Niedriglohn. Wie bei der Armutsdebatte sollte eins nicht vergessen werden: diese Kennzahl ist vor allem ein Maß für die Ungleichheit der Einkommen denn für das faktische individuelle Einkommen. Immerhin hat der deutsche Niedriglohn ein Niveau, das in vielen OECD-Ländern Hochlohn wäre.

                  Sie haben aber gerade sich selbst widerlegt, denn laut Ihrer These müssen wir ja weniger Menschen in Arbeit haben, weil ja die unproduktiven raus fliegen.

                  Das habe ich nicht gesagt. In den 1980er Jahren feierten sich die Industriegewerkschaften, allen voran die IG Metall, dass sie erstrittene Tariferhöhungen ungleich verteilten. Die unteren Tarifgruppen wurden deutlich stärker angehoben als die oberen. Den Arbeitgebern war’s recht, erhielten sie doch die produktiveren und besser qualifizierten Mitarbeiter zu relativ niedrigen Löhnen, während sie die einfachen Tätigkeiten sukzessive wegrationalisierten oder mit der Globalisierung in die neuen Billiglohnländer auslagerten. Linke behaupten, das eine habe mit dem anderen nichts zu tun. Fakt ist jedoch, dass in den meisten Tarifen die unteren Gruppen längst nicht mehr besetzt werden. Im IG Metalltarif erhält ein gerade Ausgelernter Stufe 5, das sind derzeit 2.600 EUR und damit ein Durchschnittseinkommen. Zum Vergleich: eine Apothekenhelferin (PTA) mit ebenso langer Ausbildung, die selbst finanziert wird, bekommt zu Beginn über 20% weniger, obwohl die Tätigkeit ähnlich anspruchsvoll ist.

                  Ich komme ja etwas in der Welt herum. In Chile habe ich jetzt das Gleiche angetroffen, was ich bereits von den USA kenne: an Baustellen, selbst in der Wüste, wird der Baustellenverkehr von orangegekleideten Arbeitern geregelt, die den ganzen Tag nichts anderes tun als Schilder hochzuhalten. Es gibt wohl kaum eine weniger anspruchsvolle und weniger produktive Tätigkeit, dennoch werden dafür Menschen beschäftigt. In Deutschland gibt es solche Jobs schon seit Jahrzehnten nicht mehr, die Arbeit wird von Baustellenampeln geregelt, die einmal teuer angeschafft und regelmäßig durch qualifiziertes Personal eingerichtet werden. Auch diese Leute bekommen mit Sicherheit keinen Lohn, der zum Unterhalt einer Familie reicht. Bei uns sitzen im Zweifel die verhinderten Schilderhochhalter auf der Couch und erhalten monatlich 800 EUR von jenen überwiesen, die produktiver sind und einen Lohn beziehen, wo dieser zu ihrer Produktivität passt.

                  Wenn also beides steigt, die Beschäftigung und die Produktivität, was heisst das dann?

                  Nochmal: widmen Sie sich doch bitte zuerst der Frage, warum die Produktivität überhaupt steigt.

                  Dann widerlegen Sie doch einfach meine Aussage, das Druck eben nicht dazu führt, das die Arbeitgeber, die ja offensichtlich die Menschen ohne Ausbildung nicht wollen, diese dann auf einmal einstellen. Also, wie bitte schön soll der Mechanismus funktionieren?

                  Wieso soll ich Ihnen eine Theorie (!) widerlegen, die Sie aufgestellt haben? Die Empirie widerlegt Sie. Der Sozialismus ist nach Ansicht vieler auch heute noch eine wunderbare Idee. Wieso sollte ich das theoretisch widerlegen? Die Geschichte hat gezeigt, dass die Ideologie nicht praktikabel ist. Punkt aus. Okay, also kennen Sie kein Land, wo hohes Versorgungsniveau ohne Druck auf die Arbeitslosen gewährt wird. Na, worüber reden wir also?

                  Da Ihre Schwester noch die deutsche Staatsbürgerschaft hat, bleibt immer noch der Rückweg nach Deutschland, wenn das so bedrohlich sein sollte.

                  Meine Schwester hat ihr Haus, ihr Auto und ihr Boot in Spanien, zumindest 2 dieser Werte lassen sich nicht einfach nach Deutschland transferieren. Und wie erwähnt hat sie in vielen Ländern Einkommensteuern bezahlt, unter anderem in Spanien. Naheliegenderweise wird dies nicht der Mindestsatz gewesen sein. Das war der Ausgangspunkt: wenn wir schon Einkommen sehr hoch, also nahe an prohibitiven Sätzen besteuern, mit welchem Recht greift der Staat dann nochmal auf das entstandene Vermögen zu? Okay, das war keine Frage gewesen.

                  • Rauschi 25. April 2017, 19:38

                    Immerhin hat der deutsche Niedriglohn ein Niveau, das in vielen OECD-Ländern Hochlohn wäre.
                    Dann viel Spass in Tschechien, da wäre 8,50 sicher ein super Lohn, allerdings sind dort auch die Preise andere als bei uns, also ist das nur sehr bedingt vergleichbar. In Irland, das ja immer als Vorbild erwähnt wird, liegt der allerdings einiges höher, wie kann das sein, das dort nicht alle auf der Strasse stehen?

                    Das habe ich nicht gesagt.
                    Doch das haben SIe muss ich das nochmal zitieren?
                    Wenn wir der These anhängen, dass Arbeitslosigkeit auch etwas mit Produktivität zu tun hat, dann führt der Abbau von Arbeitslosigkeit im Durchschnitt zu einem Rückgang der Produktivität pro Beschäftigten.
                    Ein Abbau der Arbeitslosigkeit bei gleichzeitiger Erhöhung der Produktivität ist nach dieser These ausgeschlossen.
                    Woher die Steigerung kommt? Ich frage mal die Glaskugel. Die meint, es könnte am Einsatz von Maschinen und der Erführung des Computers liegen. Ist aber nicht immer zuverlässig, diese Kugel, aber die Schätzung ist zumindest einleuchtend.

                    Bei uns sitzen im Zweifel die verhinderten Schilderhochhalter auf der Couch und erhalten monatlich 800 EUR von jenen überwiesen, die produktiver sind und einen Lohn beziehen, wo dieser zu ihrer Produktivität passt.
                    Wie konnte ich das nur übersehen, bei uns ist alles genau so, wie es gehört. Jeder verdient, was er bekommt und die fauelen Säcke werden von den anderen ausgehalten (dabei werden doch Mitarbeiter ohne Ausbildung händeringend gesucht). Das ist übrigends ein Beispiel für das oben erwähnt, ist das konkret genug? Woher kommen die 800 Euro, der HartzIV Satz ist knapp über 400?

                    Okay, also kennen Sie kein Land, wo hohes Versorgungsniveau ohne Druck auf die Arbeitslosen gewährt wird.
                    Ich habe gar nicht gesucht, weil mir der Wirkzusammenhang immer noch nicht einleuchtet, egal, wer das macht.
                    Aber eine OECD Studie empfiehlt, keinen Druck auszuüben, was sagt Ihnen das?
                    „Sollte der Staat Druck auf Arbeitslose machen? Auf keinen Fall, sagt der Ökonom Daniel Oesch, Autor einer neuen Studie über die Zufriedenheit von Jobsuchenden. “
                    Quelle: http://www.zeit.de/wirtschaft/2012-09/arbeitslosigkeit-ungluecklich

                    wenn wir schon Einkommen sehr hoch, also nahe an prohibitiven Sätzen besteuern, mit welchem Recht greift der Staat dann nochmal auf das entstandene Vermögen zu?
                    Abgesehen von einer sinnvollen Freigrenze, die ja wohl vorgesehen ist, führt grosses Vermögen zu grosser Macht und vergrössert die Ungleichheit. Allein durch die Zinsen (wer erwirtschaftet die eigentlich?) wird das ständig mehr, auf Kosten der produktiven Arbeit von jemand anderem, aber diese Alimentierung ist in Ordnung? Nur Bedrohung sehe ich da nicht, die betrifft wohl eher die zukünftigen Rentner, denn die können nicht entkommen:
                    „Die Zahl der Menschen, die über 65 Jahre alt sind und Grundsicherung beziehen, hat sich seit 2003 von etwa 258.000 auf 536.000 mehr als verdoppelt. “
                    Quelle: http://www.zeit.de/wirtschaft/2016-05/altersarmut-deutschland-politik-medien-armut-panik
                    Ich will aber hier keine Debatte über eine Vermögenssteuer führen.

                    Gruss Rauschi

                    • In Dubio 25. April 2017, 20:38

                      Deutschland hat die niedrigsten Lebensmittelpreise der westeuropäischen Staaten, ebenso ist das Mietniveau vergleichsweise niedrig. Wieso sollte man dann den in Bautzen gezahlten „Niedriglohn“ mit den einer Mailänderin vergleichen? Oder warum sollten 900 EUR in Aue weniger wert sein als 1.700 Euro in München? Am Ende ist das verfügbare Einkommen das Gleiche, nur dass die Münchnerin als begütert zählt und die Dame aus Aue als armutsgefährdet.

                      Die meint, es könnte am Einsatz von Maschinen und der Einführung des Computers liegen. Ist aber nicht immer zuverlässig, diese Kugel, aber die Schätzung ist zumindest einleuchtend.

                      Oh, wir nähern uns dem Punkt! Wenn also die üblichen Produktivitätsgewinne durch die Erneuerung oder Erweiterung des Kapitalstocks (volkswirtschaftlich ausgedrückt) erzielt werden und diese Investitionen üblicherweise von Unternehmen getätigt werden – wieso rechnen Gewerkschaften und Linke diese eigentlich als Rendite des Arbeitnehmers zu? Produktivitätssteigerungen entstehen auch durch Akkumulation von Wissen: wenn ich auf eine Controller-Position einen 30-jährigen mit Masterabschluss setze, so wird mir dieser mehr bringen als die bisherige Amtsinhaberin, die mit ihrem Abschluss auf der Controller-Akademie mir zwar Routinereports nach Vorgaben erstellt, aber eben nicht mehr. Hier wird Arbeit nicht wegrationalisiert, sondern Produktivitätssteigerungen zur Qualitätsverbesserung genutzt. Das ist das Typische, nicht der Abbau von Arbeitsplätzen.

                      Doch das haben SIe muss ich das nochmal zitieren?
                      Wenn wir der These anhängen, dass Arbeitslosigkeit auch etwas mit Produktivität zu tun hat, dann führt der Abbau von Arbeitslosigkeit im Durchschnitt zu einem Rückgang der Produktivität pro Beschäftigten.

                      Das haben Sie falsch interpretiert. Simplifiziertes Beispiel: Techniker A erledigt 10 Aufträge (=Produktivität). Der Unternehmer stellt einen weiteren Techniker (B) ein, der bisher arbeitslos war. Aufgrund längerer Erwerbslosigkeit ist sein Wissen veraltet, er erledigt nur 8 Aufträge (Kriterium Qualität wird nicht beachtet). Die durchschnittliche Produktivität sinkt folglich auf 9 Aufträge pro Kopf. Durch den Einsatz schnellerer Autos oder einer verbesserten Auftragslogistik der Disposition steigt die Produktivität von Techniker A auf 12 Aufträge, die von Techniker B auf 9 Aufträge. In der Summe haben wir nun mit 10,5 Aufträgen pro Kopf eine höhere Produktivität als in der Ausgangssituation, obwohl der eingestellte Langzeitarbeitslose eine unterdurchschnittliche Produktivität aufweist. Das war gemeint.

                      dabei werden doch Mitarbeiter ohne Ausbildung händeringend gesucht

                      Eben nicht, nur hat Deutschland einen relativ hohen Anteil an Geringqualifizierten.

                      Woher kommen die 800 Euro, der HartzIV Satz ist knapp über 400?

                      Ja, für den Langzeitarbeitslosen, der gleichzeitig noch obdachlos und ohne Krankenversicherungsschutz ist. Also kaum jemand, denn Obdachlose erhalten selten ALG-2. Für alle anderen beträgt der Transferleistungssatz im Durchschnitt so 800 EUR, das ist somit der Betrag, den ein jemand verdienen müsste, zuzüglich der darauf lastenden Steuern und Sozialversicherungsbeiträge. Selbst Niedriglöhner sind damit lohnenswerter für Staat und Gesellschaft als Couchpotatos.

                      Ich habe gar nicht gesucht, weil mir der Wirkzusammenhang immer noch nicht einleuchtet, egal, wer das macht.

                      Dann suchen Sie bitte mal, dann hätten wir eine interessante Debatte. So eher nicht.

                      Sollte der Staat Druck auf Arbeitslose machen? Auf keinen Fall, sagt der Ökonom Daniel Oesch, Autor einer neuen Studie über die Zufriedenheit von Jobsuchenden.

                      Die Fragestellung haben Sie möglicherweise nicht so verstanden. Ich wäre auch zufriedener, hätte ich keinerlei Zeitdruck in meiner Arbeit. Ob ich deswegen schneller und besser arbeiten würde? Sehr fraglich.

                      Abgesehen von einer sinnvollen Freigrenze, die ja wohl vorgesehen ist, führt großes Vermögen zu großer Macht und vergrößert die Ungleichheit.

                      Ein Millionär besitzt ein großes Vermögen, große Macht und verursacht Ungleichheit? Echt? Das ist der Gegenwert, den ein Beamter als Pension vom Staat bekommt. Meine Schwester muss damit weitgehend ihren Lebensabend bestreiten, weil sie wenig Rentenansprüche hat.

                      Allein durch die Zinsen (wer erwirtschaftet die eigentlich?)

                      Offensichtlich das Kapital – siehe oben. 😉

                      Ich will aber hier keine Debatte über eine Vermögenssteuer führen.

                      Dito, dann sind wir uns ja einig. Falscher Ort.

                    • Rauschi 26. April 2017, 07:43

                      Selbst Niedriglöhner sind damit lohnenswerter für Staat und Gesellschaft als Couchpotatos.
                      Kinder sind auch erst mal nicht lohnenswert, so rein monetär gesehen, alte Menschen kosten auch Geld, was folgt aus dieser Logik? Echt, für die Gesellschaft sind alle Arbeitslosen nicht lohnenswert, was auch immer das bedeuten soll. Wir müssten also als Gesellschaft einen Arbeitszwang einführen, was Hartz IV ja ohne Zweifel ist, das ist Ihre Aussage? Auf die Idee, das die Löhne zu niedrig sind, kommen Sie nicht, es sind im Zweifel immer die Sozialleistungen zu hoch? Und wieder ein Beispiel für Ihre Einstellung zu Arbeitslosen, ich würde von Verachtung sprechen. Was ist jetzt Ihre Erwiderung darauf?

                      Ich wäre auch zufriedener, hätte ich keinerlei Zeitdruck in meiner Arbeit.
                      Wie war die Fragestellung? Ob Druck dazu führt, das die Arbeitslosen schneller eine Arbeit finden, oder war das nicht genau Ihre Aussage?
                      Sie haben mal wieder den Artikel nicht gelesen, der Autor will nicht, das die Unzufriedenheit der Arbeitslosen aufhört, das geht nämlich gar nicht, sondern nicht noch unnötig gesteigert wird.
                      „Unsere Studie bestätigt, was Untersuchungen von Ökonomen schon seit fast 15 Jahre nahelegen: Menschen, die ihre Arbeit verlieren, leiden sehr darunter, sie sind unzufrieden, oft auch depressiv.“
                      Aber sicher geschieht denen das Recht, was liegen die auch faul auf der Couch herum?

                      Ein Millionär besitzt ein großes Vermögen, große Macht und verursacht Ungleichheit?
                      Wo fängt denn bei Ihnen Vermögen an, wenn Sie 800 Euro schon zu viel für Arbeitslose halten?
                      Meine Schwester muss damit weitgehend ihren Lebensabend bestreiten, weil sie wenig Rentenansprüche hat.
                      Wie kann denn das passieren, es soll auch private Rentenkassen geben, so lauten die aktuellen Gerüchte. Dann hat Sie aber immer noch mehr, als die Menschen, die wie oben schon beschrieben, von Altersarmut wirklich bedroht sind. Haus und Boot lassen darauf schliessen, das der Lebensstandard nicht gerade niedrig ist und Miete fällt somit auch nicht mehr an, aber so ein Liegeplatz, der geht natürlich ins Geld, keine Frage.

                      Allein durch die Zinsen (wer erwirtschaftet die eigentlich?)
                      Offensichtlich das Kapital – siehe oben.

                      Um mit Volker Pispers zu sprechen: Haben Sie schon mal einem Geldschein eine Schippe in die Hand gedrückt? Es arbeiten immer Menschen, die eine Rendite erwirtschaften müssen, damit die Kapitaleigner sich ohne eigene Arbeit die Zinsen „verdienen“ dürfen.
                      Oder haben wir schon Menschenlose Fabriken oder Büros? Der Computer erleichtert die Arbeit, machen müssen die aber immer noch Menschen. Schon mal was von Lohnstückkosten gehört? Wenn die sinken, werden die Gewinne bei gleichem Verkaufspreis grösser, soweit die Logik.

                      Was ich nie begreifen werde, wie Sie immer wieder ernsthaft behaupten, es stünde alles in Deutschland zum besten, ausser den Steuern. Das gehört so, das ist der Tenor Ihrer Artikel. Ungleichheit? Soziale Spaltung? Rechtsruck? Alles Ausgeburten der Linken, nicht real, oder wie?

                      Gruss Rauschi

                    • In Dubio 26. April 2017, 10:41

                      Kinder sind auch erst mal nicht lohnenswert, so rein monetär gesehen, alte Menschen kosten auch Geld, was folgt aus dieser Logik?

                      Tja, was folgt aus dieser Logik? Offensichtlich sind Sie mit dem traditionellen Lebensmuster nicht vertraut. Kinder und Jugendliche sind in der Obhut von Erwachsenen und Erwerbsfähigen, damit sie ausgebildet werden und wertvolle Mitglieder der Gesellschaft werden können – was sich tatsächlich in Wohlstandsmehrung bemisst. Das ist im Leben so, das gilt für Vereine wie Unternehmen. Menschen sind alt, wenn sie aus biologischen Gründen nicht mehr am Erwerbsleben teilhaben können, nicht, weil dies gesetzlich so vorgeschrieben ist. (Dauer–) Arbeitslose passen in dieses Schema nicht richtig rein, gell?

                      Auf die Idee, das die Löhne zu niedrig sind, kommen Sie nicht, es sind im Zweifel immer die Sozialleistungen zu hoch?

                      Nein. Solange der deutsche Arbeitsmarkt Menschen mit mittlerer und niedriger Qualifikation anzieht, sind die Löhne nicht zu niedrig. Analog gilt dies für Sozialleistungen.

                      Und wieder ein Beispiel für Ihre Einstellung zu Arbeitslosen, ich würde von Verachtung sprechen.

                      Sie haben augenscheinlich ein Problem mit Meinungen, die ihren Ansichten zuwiderlaufen. Das ist autoritär. Ich nehme lediglich die oppositionelle Position zu Ihrer ein. Das genügt Ihnen. Auf diesem Niveau können wir uns in jeder Debatte dutzendfach Verachtung und Respektlosigkeit an den Kopf werfen. Lassen Sie diese Spielchen. Ich habe in meiner Erwiderung nicht mal das Verhalten von (Dauer–) Arbeitslosen erwähnt.

                      Sie haben mal wieder den Artikel nicht gelesen

                      Wieso sollte ich? Geben Sie mir eine Motivation. Ich glaube Ihnen, dass Sie richtig zitieren können. Das genügt. Die Frage war, wo Ihr Wunschkonzert vorkommt. Bringen Sie ein Beispiel oder erklären Sie, warum es das nicht gibt. Dann können wir debattieren. In den 1980er Jahren hatten wir beides: hohes Versorgungsniveau und wenig Druck. Und eine stetig steigende Arbeitslosigkeit bei hohem Wirtschaftswachstum.

                      Unsere Studie bestätigt, was Untersuchungen von Ökonomen schon seit fast 15 Jahre nahelegen: Menschen, die ihre Arbeit verlieren, leiden sehr darunter, sie sind unzufrieden, oft auch depressiv

                      Das hat niemand in Zweifel gezogen.

                      Wo fängt denn bei Ihnen Vermögen an, wenn Sie 800 Euro schon zu viel für Arbeitslose halten?

                      Jedenfalls nicht bei 1 Million €. Zählt man alle Vermögenswerte und Ansprüche zusammen, dann haben sehr viele Durchschnittsbürger ein Vermögen von 1 Million € und mehr. Allein meine Ansprüche an die gesetzliche Rentenkasse werden sich zum Ende meines beruflichen Lebens auf 500-600.000 € belaufen.

                      Haus und Boot lassen darauf schließen, dass der Lebensstandard nicht gerade niedrig ist

                      In Spanien hat der Großteil der Bevölkerung ein Haus. Dennoch sehen vielen Linken hierzulande Spanier per se als schutzbedürftig an. Und den Skandinavier, der kein Boot besitzt, den müssen Sie mir noch zeigen.

                      Anscheinend besitzen sie kein Haus, sonst müssten Sie, dass für viele Immobilienbesitzer manchmal sehr hohe Erhaltungsinvestitionen anfallen. Übrigens reden wir nicht davon (hoffe ich), dass die Menschen generell an der Armutsschwelle leben sollen. Wir reden von Menschen, die mit ihrem Einkommen Vermögen gebildet haben, zuvor regelmäßig mit dem Spitzensteuersatz belastet worden und nun Vermögensteuer zahlen sollen, ohne über entsprechendes Einkommen zu verfügen.

                      Um mit Volker Pispers zu sprechen: Haben Sie schon mal einem Geldschein eine Schippe in die Hand gedrückt?

                      Dass Satiriker Ahnung von Arbeit hätten, wäre mir neu. Sie haben offensichtlich nie in einem Unternehmen gearbeitet, wo Anteilseigner Investitionen verweigert haben oder gar Kapital abgezogen wurde. Meine Erfahrung ist: in solchen Unternehmen ist schwer arbeiten. Und Fakt ist: Sie können heute sehr wohl in menschenlosen Fabriken und Büros produzieren.

                      Was ich nie begreifen werde, wie Sie immer wieder ernsthaft behaupten, es stünde alles in Deutschland zum besten, außer den Steuern.

                      Die Attraktivität Deutschlands auf Menschen aus West – und Südeuropa wie auch aus anderen Teilen der Welt zeigt, dass hier vieles gut läuft. Die Einkommensungleichheit ist im internationalen Vergleich unterdurchschnittlich, die Beschäftigung hoch, genauso wie der sozialer Zusammenhalt. In Frankreich hat gerade die rechtsextreme Partei über 20 % der Stimmen erhalten, dass linksextreme Lager ebenfalls fast 20 % und der Kandidat der Sozialisten, Der mit einem eher extremistischen Programm angetreten war, weitere knapp 7 %. In Summe sind das fast 50 % die in unserem Nachbarland für extreme Ansichten gestimmt haben. In Deutschland sind das unter Einbezug der AfD und der Partei die LINKE nicht mal 20 %.

          • Jens 26. April 2017, 14:21

            Hallo,

            wir drehen uns im Kreis.

            Kurz zu den 1€ Jobbern, das was ich gesagt habe stimmt sehr wohl. Die 1 € Jobs wurden eingeführt um die Faulen von den Fleißigen zu trennen. Wer einen 1€ Job ablehnt sollte Sozialleistungen gekürzt bekommen. Der Staat hatte aber nach ganz kurzer Zeit so viele Freiwillige, dass die gar nicht genug 1€ Jobs hatten. Es geht mir nicht um die absolute Anzahl sondern die Tatsache, dass die meisten Menschen in Sozialhilfe sehr wohl arbeiten möchten.

            Man sollte die Probleme weder den Ausländern in die Schuhe schieben noch angeblich faulen Sozialhilfeempfängern! Das größte Problem ist nicht Faulheit sondern die Tatsache, dass es nicht genug gut bezahlte Jobs gibt.

            Das die Bildung und Qualifzierung vieler Arbeitsloser und Schulabgänger schlecht ist, ist in der Tat ein Trauerspiel. Hier spart der Staat eben auch an der falschen Stelle. Im OECD Durchschnitt gibt der Staat bezogen auf das BIP unterdurchschnittlich viel für Bildung aus.

            Behauptungen ohne Belege:
            Der Spitzensteuersatz ist mehrfach gesenkt worden. Die Steuer auf Zinsen wurde pauschalisert auf 25%, das ist noch deutlich niedriger als der gesenkte Spitzensteuersatz und somit eine weitere Senkung des Steuersatzes für Bezieher höherer Einkommen mit zusätzlichen Zinseinkünften. Die Unternehmenssteuer wurde ebenfalls mehrfach gesenkt. Durch die tolerierten Steuertricks können isb. größere Konzerne ihre Steuerlast noch deutlicher senken. Dafür wurde im Gegenzug die Mehrwertsteuer erhöht. Dies trifft naturgemäß Bezieher kleiner und mittlerer Einkommen prozentual härter als Bezieher höherer Einkommen, die können nämlich sparen und zahlen wegen des gesenkten Steuer auf Kapitalerträge weniger Steuer. So geht Umverteilung von unten nach oben.

            Die nahezu konstante reale Lohnentwicklung seit den 1990er Jahren bei stets steigendem realen BIP und Produktivität zeigt, dass der deutsche Staat seit den 1990er Jahren konsequent von unten nach oben umverteilt.

            Da „muss“ die Mittelschicht natürlich prozentual mehr zahlen. Das ist mein Punkt. Oben werden die Steuern gesenkt und unten können die Leute von ihren Jobs nicht leben und beziehen zusätzlich zum Einkommen noch Stütze. Früher waren ca. 80% der Sozialhilfeempfänger (Alg 1und 2) auch ofiziell arbeitslos heute sind nur noch 50%. Das erklärt auch die ofizielle „sensationell“ niedrige Arbeitslosenstatistik.

            Wenn die Masse der Menschen vom steigenden BIP und steigender Produktivität der deutschen Volkswirtschaft abgekoppelt werden, ist es nur logisch, dass mehr Menschen aus Steuern und Abgaben alimentiert werden müssen! Was verstehen sie daran nicht?

            Zumal das in der Realität noch trauriger aussieht. Als Lohnempfänger gelten nämlich auch Menschen wie Herr Winterkorn. In der obersten Einkommensklasse hat es erhebliche Zuwächse gegeben, dass bedeutet für das Gros der arbeitenden Menschen sieht es noch schlechter aus, da deren Anteil an der Lohnsumme eher sinkt oder weiter stagniert.

            Das BIP ist die Summe der Löhne, Unternehmensgewinne und Zinserträge (+Mieten) es ist auf der Güterseite die Summe alle Waren und Diensleistungen.

            Wenn das BIP real steigt und die Löhne real stagnieren, bedeutet dies nichts anderes als, dass die Menschen in der BRD mehr produzieren, die Gehaltsempfänger aber prozentual immer weniger der Güter und Waren bekommen. Das ist Umverteilung von unten nach oben! Punkt, da kann es keine zwei Meinungen geben. Das Kapital (Unternehmen und Menschen mit Vermögen, das sie verleihen oder vermieten können) kriegt immer mehr ab vom Kuchen, das zeigt der Chart 3 und 4 hier eindeutig:

            https://www.querschuesse.de/deutschland-einsam-aber-mit-ueberschuss/

            Soviel dazu, dass ich hier nur Behauptungen aufstelle ohne Belege.

            Wenn sie wollen, dass der Staat weniger Sozialleistungen bezahlt, sollten sie sich überlegen wie die Menschen wieder mehr Geld verdienen können, bzw. mehr vom Kuchen abbekommen, den sie produzieren.

            Die Umverteilung von unten nach oben, kann übrigens nicht durch Lohnsteigerungen wieder gut gemacht werden, da Lohnsteigerungen oberhalb des Produktivitätszuwaches nur zu Inflation führen. Siehe unsere Diskussion aus dem anderen Thread.

            Die Umverteilung kann nur rückgänging gemacht werden indem der Staat die Vermögenden über höhere Steuern und Abgaben wieder stärker an den Kosten beteiligt, dann könnte er auch die Mittelschicht wieder entlasten, z.B. durch eine niedrigere Mehrwertsteuer, oder kostenfreie Kitas und Schulen, bei den das Kopiergeld und die diversen Fahrten- und Ausflüge ein erklekliches Sümmchen kosten.

            Mit freundlichen Grüßen

            Jens

            • In Dubio 26. April 2017, 17:17

              Sie bringen viele komplexe Themen. Aus Zeit- und Threadgründen widme ich mich nur wenigen Aspekten, im aufkommenden Bundestagswahlkampf werde ich einzelne Themen sicher näher beleuchten. Kurz: Sie liegen falsch, bringen die uralten, fragwürdigen Vorwürfe ohne Berücksichtigung der volkswirtschaftlichen Umstände. Aber das wissen Sie ja. 😉

              Die 1 € Jobs wurden eingeführt um die Faulen von den Fleißigen zu trennen.

              Vor den 1€-Jobs gab es die ABMs, sie haben diese ersetzt. Es ist ein Instrument der Arbeitsmarktpolitik und dabei nicht mal ein besonders Effektives. Mit faul / fleißig hat das nichts zu tun. In ausgebauten Sozialstaaten ist es gängige Praxis, dass Langzeitarbeitslose eben auch beschäftigt werden.

              Es geht mir nicht um die absolute Anzahl sondern die Tatsache, dass die meisten Menschen in Sozialhilfe sehr wohl arbeiten möchten.

              Das wird in der Tendenz gar nicht bestritten, mit Ausnahmen. So haben laut einer älteren DIW-Studie ältere Arbeitslose weit weniger Motivation, nochmals eine Tätigkeit aufzunehmen. Nur: was bringt’s? Langzeitarbeitslose unterscheiden sich gravierend von Kurzzeitarbeitslosen. Sie haben meist mehrere Handicaps, die einer Beschäftigung im Wege stehen, weshalb sie auch weit überproportional eine Stelle auch wieder verlieren. Dazu kommt, dass viele der Arbeit schlicht entwöhnt sind und mit einem regelmäßigen Tagesablauf Probleme haben. Diesen Menschen ist eben nicht geholfen, wenn man sie sich selbst überlässt und sie ohne Druck vor sich hinleben lässt. Ein Beispiel eines typischen Hartz-IV-Haushaltes findet sich hier. Spitze Bemerkung nebenbei: für ein Sky-Abo muss immer Geld da sein.
              http://www.spiegel.tv/filme/armut-halle-neustadt/

              Der Spitzensteuersatz ist mehrfach gesenkt worden.

              Der Spitzensteuersatz ist erst in den 1990er Jahren von 56% auf 53% gesenkt worden. Bis 2004 ging es runter auf 45% (das ist der Satz inklusive Solidaritätszuschlag), 2006 ging es hoch auf rund 48% (Reichensteuer inklusive Solidaritätszuschlag). Der Eingangssteuersatz sank in der gleichen Zeit weit gravierender und wurde auch nicht wieder erhöht. Der Unterschied zwischen 53% und 48% ist nun nicht sensationell, zumal als reich schon Einkommen zählen, die das 1,8fache des Durchschnitts ausmachen. Noch zu Kohls Zeiten war es das 2,8fache. Das bedeutet nichts anderes als dass der Tarif weiter aufgefächert wurde und die oberen Einkommen heute relativ mehr beitragen als die unteren.

              Daneben sagt der Grenzsteuersatz wenig über die tatsächliche Steuerbelastung aus. Tatsächlich ist hat die Belastung für Spitzeneinkommen seit den 1990er Jahren zugenommen, was ich vor einiger Zeit hier exerziert habe (Wiederhole ich sicher demnächst nochmal).

              Die Steuer auf Zinsen wurde pauschalisert auf 25%, das ist noch deutlich niedriger als der gesenkte Spitzensteuersatz

              Spitzeneinkommen beziehen selten Zinsen, diese sind seit langem auf sehr niedrigem Niveau. Wer bei einer Anlage 1,5% Zinsen erhält, muss hierauf knapp 25% Abgeltungsteuer und 3,5% Solidaritätszuschlag (bezogen auf die ESt) zahlen. Mit einer Nettorendite von 1,1% bleibt verbleibt damit netto zu wenig zum Erhalt des Kapitals.

              Die Unternehmenssteuer wurde ebenfalls mehrfach gesenkt.

              Die deutschen Unternehmenssteuern liegen mit rund 30% auf einem international absoluten Durchschnittsniveau.
              http://www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/europa/70564/unternehmensbesteuerung

              Durch die tolerierten Steuertricks können isb. größere Konzerne ihre Steuerlast noch deutlicher senken.

              Haben Sie nicht etwas vergessen? Erstens die Steuertricks zu präzisieren, zweitens, dass die Abstimmung auf staatlicher Ebene sehr ausgebaut wurde und Schlupflöcher schwer zu finden sind. Die Erhöhungen der Umsatzsteuer Mitte der 1990er Jahre und 2006 standen nicht im Kontext von Steuersenkungen. Immerhin wurde bei der letzten Erhöhung auch die Reichensteuer eingeführt und weitere Ausnahmetatbestände im EStG gestrichen. Dies war notwendig, weil im Bundeshaushalt ein strukturelles Defizit von 50 Milliarden Euro bestand, das eben auch in konjunkturellen Hochphasen nicht ausgeglichen werden konnte.

              Machen wir die Probe aufs Exempel, ob Unternehmen weniger Steuern zahlen und Reiche durch die Abgeltungssteuer sparen. Betrachten wir uns dazu die Zeiträume direkt nach der Wiedervereinigung, wo wir eine boomende Konjunktur hatten (1990-1993) und heute (2013-2015). Wir ziehen hierzu die Steuereinnahmen aus nicht veranlagter ESt auf den Ertrag, Vermögensteuer, Abgeltungsteuer, Körperschaftsteuer und Gewerbesteuer an. Auf die Betrachtung der selbst veranlagten Einkommensteuer verzichten wir, da der Posten nicht ganz sauber die Steuer auf Unternehmensgewinne wie selbständige Arbeit abbildet. Da jedoch die dies entsprechende Normen des EStG auch auf die der Körperschaftsteuer unterliegenden Unternehmen Anwendung findet (siehe §4 f. EStG) sind die Trends gleich. Im Zweifel machen wir die Übung halt auch unter Einbezug dieses Postens, it’s up to you! Die Zahlen kommen sauber vom Bundesfinanzministerium, das BIP vom Statistischen Bundesamt.

              Okay, genug der Vorrede. 1990 nahm Theo Waigel aus diesen Steuerarten 43,998 Mrd. EUR ein, 1991 waren es 46,591 Mrd. EUR, 1992 schon 48,089 Mrd. EUR und 1993 50,931 Mrd. EUR. Bezogen auf das gesamte Steueraufkommen waren dies 15,2%, 13,8%, 12,9% und 13,3%. Die Werte für den letzten greifbaren Zeitraum: 2013 Steuereinnahmen auf Kapital von 88,458 Mrd. EUR, 2014 von 89,035 Mrd. EUR und 2015 waren es 91,524 Mrd. EUR. Nun bezogen auf das Gesamtaufkommen an Steuern: 2013 14,3%, 2014 13,8% und 13,6%. Merken Sie was? Der Beitrag des Kapitals zum Steueraufkommen hat seit den Zeiten Kohls trotz der Steuersenkungen tendenziell zu- und nicht abgenommen.

              So nun beziehen wir das noch auf das jeweilige BIP. Die Werte
              1990 3,4%
              1991 3,3%
              1992 3,0%
              1993 3,0%

              2013 3,1%
              2014 3,0%
              2015 3,0%

              Auch hier ist eine Bevorzugung des Kapitals nicht zu erkennen. Okay, ich sehe, Sie sind noch nicht überzeugt. Nun beziehen wir das noch auf die Unternehmens- und Vermögenseinkommen. Die Werte hier:
              1990 13,4%
              1991 12,6%
              1992 12,7%
              1993 13,5%

              2013 13,1%
              2014 12,8%
              2015 12,7%

              Auch hier haben wir praktisch die gleiche Steuerbelastung wie vor über 2 Jahrzehnten. Merke: der Staat senkt keine Steuern, er zieht nur manchmal das Geld geschickter aus der Tasche.
              https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/Indikatoren/LangeReihen/VolkswirtschaftlicheGesamtrechnungen/lrvgr04.html
              http://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Standardartikel/Themen/Steuern/Steuerschaetzungen_und_Steuereinnahmen/2-kassenmaessige-steuereinnahmen-nach-steuerarten-1950-bis-2015.html

              Eine Umverteilung, so wie Sie sie sehen, hat nicht stattgefunden, der Staat belastet Unternehmen und Gewinneinkünfte heute nicht weniger als früher.

  • Rauschi 26. April 2017, 16:35

    @In Dubio
    Offensichtlich sind Sie mit dem traditionellen Lebensmuster nicht vertraut.
    Was haben denn Ihre Ausführungen mit einem wie auch immer gearteten Lebensmuster zu tun? Wie sieht das denn aus, ich steh im Regen?
    Kinder und Jugendliche sind in der Obhut von Erwachsenen und Erwerbsfähigen, damit sie ausgebildet werden und wertvolle Mitglieder der Gesellschaft werden können – was sich tatsächlich in Wohlstandsmehrung bemisst.
    Nein, sowas und aus diesen Kindern sind dann tatsächlich auch Arbeitslosen geworden, obwohl ihr primärer Daseinszweck doch die Wohlstandmehrung hätte sein sollen? Hat denen das keiner gesagt?

    Das ist im Leben so, das gilt für Vereine wie Unternehmen.
    Da ist aber bei mir was schief gelaufen, ich wurde nicht gefragt, ob ich dem Ideal entsprechen will, vor meiner Geburt, aber bei Ihnen war das sicher anders. Ich bin auch nicht Mitglied in einem Verein geworden, ich habe durch keinerlei Entscheidung zu meiner Geburt begetragen, Sie etwa?

    Menschen sind alt, wenn sie aus biologischen Gründen nicht mehr am Erwerbsleben teilhaben können, nicht, weil dies gesetzlich so vorgeschrieben ist.
    Da wird aber doch wohl anders herum ein Schuh draus: Wenn Menschen alt sind, können Sie nicht mehr am Erwerbsleben teilnehmen, und die meisten wollen das auch nicht mehr, viele müssen aber trotzdem weiter malochen, soviel dazu.

    Es ist auch nicht vorgeschrieben, das Menschen Ihre Arbeit verlieren, das passiert aber trotzdem, mache Dinge können nicht mal per Gesetz verboten werden.

    Nein. Solange der deutsche Arbeitsmarkt Menschen mit mittlerer und niedriger Qualifikation anzieht, sind die Löhne nicht zu niedrig. Analog gilt dies für Sozialleistungen.
    Der zieht Menschen an, weil es hier überhaupt noch Arbeitsplätze gibt, im Gegensatz zu Griechenland oder Portugal oder auch Spanien. Die Sozialleistungen ziehen wen an? Worauf beruht denn diese Expertise, ich soll doch immer Quellen nennen, also her damit.

    Sie haben augenscheinlich ein Problem mit Meinungen, die ihren Ansichten zuwiderlaufen.
    Sie wissen sehr wohl, das dem nicht so ist, aber wie bitte kann ich diese Aussage denn sonst übersetzen: „Selbst Niedriglöhner sind damit lohnenswerter für Staat und Gesellschaft als Couchpotatos.“
    Nicht lohneswerte Menschen, das ist eine Meinung oder eine Wertung? Das ist ganz klar eine Wertung und zwar eine Abwertung, da sehe ich keine Grautöne.

    Ich habe in meiner Erwiderung nicht mal das Verhalten von (Dauer–) Arbeitslosen erwähnt.
    Sie kennen die alle und können mir deswegen Auskunft geben? Sie wissen aber schon, das so eine Allaussage den Haken hat, das ein Gegenbeispiel Ihre Aussage widerlegt? Mal wieder widersprechen Sie Sich in einer Antwort, denn Sie geben zu, das diese Aussage stimmt:“Unsere Studie bestätigt, was Untersuchungen von Ökonomen schon seit fast 15 Jahre nahelegen: Menschen, die ihre Arbeit verlieren, leiden sehr darunter, sie sind unzufrieden, oft auch depressiv“
    Sie schreiben:
    Das hat niemand in Zweifel gezogen.
    Wenn die freiwillig arbeitlos wären, warum sollten die dann mit dem gewählten Leben unzufrieden sein und sogar depressiv werden?

    Sie haben mal wieder den Artikel nicht gelesen

    Wieso sollte ich?
    Weil Sie das bei Ihren Links auch dauernd verlangen, obwohl das oft seitenlange Ausführungen und Tabellen sind. Oft mache ich das auch, so habe ich Ihren Fehler mit den Einkommen gefunden.

    Zählt man alle Vermögenswerte und Ansprüche zusammen, dann haben sehr viele Durchschnittsbürger ein Vermögen von 1 Million € und mehr. Allein meine Ansprüche an die gesetzliche Rentenkasse werden sich zum Ende meines beruflichen Lebens auf 500-600.000 € belaufen.
    Das nenn ich aber gekonnt, den ersten Satz mit dem zweiten widerlegt, sauber! Sie sind absolut kein Durchschnittsverdiener und kommen nur auf eine halbe Million?

    Sie haben offensichtlich nie in einem Unternehmen gearbeitet, wo Anteilseigner Investitionen verweigert haben oder gar Kapital abgezogen wurde. Meine Erfahrung ist: in solchen Unternehmen ist schwer arbeiten. Und Fakt ist: Sie können heute sehr wohl in menschenlosen Fabriken und Büros produzieren.
    Ging es den Unternehmen anschliessend denn noch gut, oder sind die Pleite gegangen (das wäre dann eine echt dumme Idee der Anteilseigner gewesen)? Wenn Sie Ihr Haus nicht in Schuss halten, wird das auch irgedwann baufällig, bei Unternehmen wird das nicht anders sein.
    Was produziert ein menschenlosen Büro? Ja, wie schon geschrieben, schöne neue Welt, die Maschinen machen die Arbeit und stellen die Produkte her, die nur leider keiner kaufen kann, weil es keine Kaufkraft gibt. Was wird dann mit der Rendite, stellen die Maschinen die dann auch her?

    Die Einkommensungleichheit ist im internationalen Vergleich unterdurchschnittlich,
    Sie ist aber in Deutschland gestiegen, da nützt der internationale Vergleich nichts : „Die Einkommensungleichheit ist in Deutschland heute „weit höher“ als noch vor 20 Jahren“
    „In der Eurozone ist Deutschland das Land mit der zweithöchsten Vermögensungleichheit. “
    Quelle: https://www.heise.de/tp/features/Die-Einkommensungleichheit-ist-in-Deutschland-heute-weit-hoeher-als-noch-vor-20-Jahren-3291482.html
    Aber ich habe keine Lust mehr, dauernd erneut diese Quellen zu nennen, denn Ihre Einstellung wird keine Studie der Welt ändern. Ich finde es erschreckend, wie sich unsere Gesellschaft unsozialer und kälter wird, das sind ohne Zweifel die Folgen der neoliberalen Politik. Die weltweite Entwicklung geht leider in diese Richtung, aber immer noch hängen zu viele dieser Ideologie an, tragisch.

    Gruss Rauschi

    • In Dubio 26. April 2017, 18:07

      Der zieht Menschen an, weil es hier überhaupt noch Arbeitsplätze gibt, im Gegensatz zu Griechenland oder Portugal oder auch Spanien.

      Deutschland ist auch attraktiv für Briten, Iren, Österreicher, Osteuropäer, Asiaten und noch ein paar andere. Wie gesagt, mittleres und unteres Einkommensniveau, selten Spitzenverdiener, die kommen höchstens von Frankreich rüber.

      Die Sozialleistungen ziehen wen an? Worauf beruht denn diese Expertise, ich soll doch immer Quellen nennen, also her damit.

      Och Rauschi, ich dachte es ist Allgemeinwissen, dass Sozialleistungen wegen Erwerbslosigkeit deutlich überproportional von Ausländern und Menschen mit Migrationshintergrund bezogen werden. In Deutschland lebende Ausländer haben im vergangenen Jahr Hartz-IV-Leistungen in Höhe von rund 6,7 Milliarden Euro bezogen – etwa ein Fünftel des Gesamtvolumens. Das ist weit mehr als der Anteil an der Bevölkerung. Wenn die Kommentare nichts mit dem Oberthema zu tun haben, arbeite ich Quick & Dirty, Antworten wie die an Jens zuletzt sind die absolute Ausnahme. Sonst würde ich mich zeitlich kaputt machen.

      Nicht lohneswerte Menschen, das ist eine Meinung oder eine Wertung?

      Das ist eine volkswirtschaftliche, besser finanzwirtschaftliche Bewertung, keine sozialwissenschaftliche. Jede Familie weiß: arbeitet der Nachwuchs in den Semesterferien, entlastet dies das Budget und alle können sich mehr leisten. Nicht anders verhält es sich mit unseren Steuer- und Sozialsystemen. Jeder Euro, den ein Erwerbsloser, der kurzfristig keine Beschäftigungschancen hat, dazuverdient, entlastet die öffentlichen Haushalte.

      Das nenn ich aber gekonnt, den ersten Satz mit dem zweiten widerlegt, sauber! Sie sind absolut kein Durchschnittsverdiener und kommen nur auf eine halbe Million?

      Entweder sind Sie rechtlich oder mathematisch nicht bewandert. Das ist doch ein ziemlich einfacher Konter. Auch für mich gilt die Beitragsbemessungsgrenze, diese liegt für die Deutsche Rentenversicherung bei aktuell bei 76.200 EUR p.a. im Westen. Damit liegt man im Einkommen (im Westen) auf einem sehr durchschnittlichen Niveau. Und hierauf wird später die Rentenzahlung berechnet, höher als den von mir genannten Wert geht es nicht, selbst wenn ich 1 Million Euro im Jahr verdienen würde.

      Ging es den Unternehmen anschließend denn noch gut

      Das ist nicht die Frage. Auch Eigentümer investieren meist nur, wenn Aussicht auf Erfolg besteht. Sie merken ja damit selber: gibt es kein Kapital, kann es tatsächlich bergab gehen oder zumindest die Entwicklung stagnieren. Somit leistet Kapital einen wesentlichen Beitrag zum Unternehmenserfolg und das ohne Schippchen. Vor kurzem ist ein Kunde, ein inhabergeführtes Unternehmen, insolvent gegangen. Der Eigentümer hatte nochmal eine Kapitalspritze gegeben, womit der Betrieb immerhin zeitweise noch am Laufen gehalten werden konnte. Auch hier hatte das Kapital das Schippchen in der Hand.

      Sie ist aber in Deutschland gestiegen

      Das Fass machen wir an der Stelle nicht nochmal auf. Für die Dokumentation meiner Aussage reicht, dass die Einkommensungleichheit international gering ist. Das ist relevant für Migranten wie für junge Menschen (wozu wir beide ja nicht mehr gehören 😉 ).

      P.S.: Meine Zitierregeln sind doch eigentlich klar und sie entsprechen denen für wissenschaftliche Arbeiten. Die Aussage der Quelle darf in ihrem Gehalt nicht verfälscht werden. Das Zitat sollte das zuvor Behauptete klar belegen. Die Quelle sollte bei längeren Ausführungen unter Angabe der Seite oder des Diagramms benannt werden. Ich denke, ich halte mich üblicherweise an meine eigenen Regeln und erwarte nicht, dass meine Leser seitenlange Links studieren. So verschwenderisch sollten wir nicht mit der Zeit unserer Mitmenschen umgehen.

      Wenn wir etwas arg seltsam erscheint oder ich versuchen will, ein Argument anzugreifen, dann gehe ich auf den Link. Ich möchte dann nicht überrascht werden, dass insbesondere Aussagen der eigenen Quelle verfälscht wurden. Das empfinde ich als unehrlich. Aber das passiert in diesem Forum höchst selten. 🙂

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