Wenn das Wachstum ausbleibt, sinken die Verteilungsspielräume und der Neid wächst. In dieser Phase der Missgunst befindet sich ein Deutschland, dessen Gesellschaft rapide altert und die Menschen nicht einsehen wollen, dass sie sich ändern müssen, wollen sie wohlhabend bleiben. Die Auswirkungen sind überall zu spüren: Der Finanzminister kommt weder mit Rekordeinnahmen noch mit Billionen Schuldenprogrammen aus, die Beamten kosten die Hälfte der Steuereinnahmen, die Krankenkassen verlangen einstmals als irrsinnig angesehene Beiträge und die Arbeitslosenzahlen bewegen sich trotz Rückgang der Erwerbstätigen Richtung Norden. Ein Staat, der mit dem Geld der Bürger nicht auskommt, hat zwei Optionen. Seltsamerweise scheidet die Kürzung von Leistungen für die Politikerkaste immer aus. So bleibt nur die Suche nach immer neuen Einnahmequellen. Und da gibt es keine Gefangenen.
Eigentlich ist dieser Artikel als ausführliche Intervention an einen sehr geschätzten Kommentator gedacht. Da das Thema der Erhöhung der Erbschaftsteuer immer wieder emotionalisiert, lohnt es sich, ausführlicher zu debattieren.
[Eine große Mehrheit sieht den deutschen Sozialstaat als nicht mehr finanzierbar an. Da verstehen die einfachen Bürger mehr vom Geld und Finanzen als die meisten Politiker.]
Genau deswegen will eine Mehrheit eine Anhebung der Erbschaftssteuer, damit der Sozialstaat wieder finanzierbar wird.
Nun, das ist erstmal die Verquickung zweier Umfragen, die nichts miteinander zu tun haben. Fast zwei Drittel der Deutschen sehen die Ausgabengrenzen im Sozialen längst überschritten. Sie verstehen, dass immer in ihre Tasche gelangt wird, wenn es gilt, Millionen anderer Menschen im Land zu finanzieren. Und sie wissen, ihre Mittel sind endlich. Ja, eine Mehrheit der Deutschen befürwortet eine höhere Erbschaftsteuer und selbst der Autor dieser Zeilen hat damit kein grundsätzliches Problem. Aber doch nicht bedingungslos!
Wir erleben es wieder dieser Tage: Die Gewerkschaft Verdi stellt verhältnismäßig prekär arbeitende Mitglieder und sympathische Erzieherinnen ins Schaufenster, um absurde Lohnforderungen zu begründen, von denen erstens der Staat über Steuern und Sozialbeiträge und zweitens graue Stubenhocker in den Behörden. Und so macht es auch die Politik. Um Verständnis für Steuererhöhungen zu werben, werden edle Gründe vorgeschützt. Berlin möchte das Klima schützen, dafür sorgen, dass Menschen von ihrer Arbeit leben können, die Bürger vor Altersarmut bewahren und, natürlich, für „soziale Gerechtigkeit“ sorgen.
Mit derartigen Argumenten hat die Politik bereits die Grundlagen unserer Gesellschaft angegriffen, ohne dass die Bürger es bisher gemerkt haben. Die Konsequenzen werden beklagt und populistisch instrumentalisiert. So wird über die angebliche Vermögensungleichheit lamentiert und unterschlagen, dass die Politik diese über Jahrzehnte aktiv erzeugt hat. Die Bürger wurden enteignet um ihnen eine renditeschwache Umlagerente anzudrehen, dann mussten seit 1990 die Vermögen mit den Zonendeutschen geteilt werden und als das fast vergessen war, durften über vier Millionen praktisch mittellose Migranten einwandern, mit denen nun geteilt werden muss. Auch ein sehr reicher Mensch verliert sein Vermögen, wenn er es immer wieder mit anderen Menschen teilen muss.
Besonders perfide ist eine relativ neue Methode der Steuereinwerbung. Die Steuerzahler als Wähler werden mit dem Versprechen geködert, sie seien ja gar nicht gemeint. Es würde nur mega reiche Menschen treffen. Die kennen sie gar nicht. Inzwischen besitzen die Deutschen einen reichhaltigen Erfahrungsschatz an gebrochenen Versprechen der Politik. Beispiele gefällig?
a) Der Staat greift inzwischen über drei Klimaabgaben auf die Bürger zu. Neben der längst nicht mehr wahrgenommenen sogenannten „Ökosteuer“ von Rot-Grün 1998 ist es nach dem europäischen EU-ETS (Zertifikatehandel) noch die eigens von Berlin kreierte CO2-Abgabe auf Heizöl, Benzin und Gas. Auf die jeweils zugesagte Umlage warten die Bürger bis heute, die Einnahmen von 20 Milliarden Euro wandern ungebremst in den Steuersäckel.
b) Die deprimierend hohen Stromkosten sollten durch eine pauschale Umlage auch für private Haushalte gemindert werden. So steht es im Koalitionsvertrag. Aber Papier, selbst digitales, ist geduldig.
c) Längst in Vergessenheit geraten, der Solidaritätszuschlag, der vor dreißig Jahren zur Finanzierung der Einheitskosten erstmalig erhoben wurde. Hier erprobte die SPD die Strategie, Stimmen damit zu gewinnen, in dem die Steuer nur auf sehr wenige Steuerpflichtige begrenzt wird.
Die SPD hat nun einen Vorschlag unterbreitet, die Erbschaftsteuer so zu gestalten, dass 98 Prozent der Bürger außer Ansatz bleiben und sich das erwartete hohe Aufkommen auf die übrigen 2 Prozent verteilt. Die geistige Verwandtschaft mit dem Staatssozialismus wird hier offensichtlich. Die Begründung ist immer die Gleiche, man möchte nicht Omas klein‘ Häuschen belasten. Ja, warum eigentlich nicht?
Die Erbschaftsteuer hat heute ein Aufkommen von 13 Milliarden Euro, was historisch sehr viel ist. Ganz besonders viel ist es, wenn man bedenkt, dass in Österreich (oft als soziales Vorbild genannt) gar keine Erbschaftsteuer anfällt und in manchen Kantonen der Schweiz ebenso wenig. Stellt sich die Frage, welches Aufkommen die SPD eigentlich mit ihren Beschränkungen erzielen will. Viel kann es nicht sein. Aus Erfahrung wäre das aber eine gefährliche Annahme. Im Streit, viel Steueraufkommen oder viele Bürger von einer Steuer verschonen, haben sich Linke meist für das Geld entschieden.
Die meisten Einnahmen, nebst Kompensation des Wegfalls aufgrund der Begünstigungsklausel für bedürftige 98 Prozent der Bevölkerung, versprechen sich die sozialdemokratischen Erbschleicher von den Nachfolgern von Firmengründern. Die haben ja auch sonst keine Probleme, bekanntlich reißen sich junge Menschen darum, endlich Chef zu werden.*)
Bei der Vorstellung ihrer Ideen ließ die 15-Prozent-Partei dann auch eine entscheidende Lücke. Mit welchem Prozentsatz der Abgabe denn zu rechnen sei, das überlässt man als Verhandlungsmasse mit einem (potentiellen) Koalitionspartner. Folglich lässt sich nur spekulieren, was als Einnahmepotential in der Box wäre. Gehen wir mal von einer Verdoppelung aus, bestenfalls. Denn die Verteilungsfetischisten wollen ja selbst keine Unternehmen erben, schon gar keine Schrottimmobilien, sondern nur vermutet solvente Bürger weiter melken. Das soll über eine gestreckte Zahlungspflicht passieren, eventuell zwanzig Jahre. Damit würde die eigentlich als Vermögensabgabe gedachte Erbschaftsteuer zu einer faktischen Erhöhung der Ertragsteuer, allerdings auch fällig ohne Erträge.
Was das alles mit dem ursprünglichen Umverteilungsgedanken von Vermögensteuern zu tun hat? Gar nix, das ist ja der Clou. Das lassen sich nur Linke auf Parteitagen aufbinden, damit ihnen richtig warm ums Herz wird. Es ist alles Camouflage. Die Erbschaftsteuer gehört zu den Steuerarten, die gedacht sind, die Unterschiede zwischen Besitzenden und Habenichtsen einer Gesellschaft etwas einzuhegen. Dazu müssen aber zwei Grundbedingungen alternativ erfüllt sein.
I. Dem Vermögenden wird ein Wertgut weggenommen und Wenigerbesitzenden gegeben. Das ist bekanntlich nicht die Intension der SPD. Schließlich will man ja keine überschuldeten Bruchbuden in Staatshand überführen, sondern Milliarden Einnahmen generieren. Und Aufbauhelfer für gefallene Unternehmer war der Staat noch nie.
II. Der Staat erhebt Vermögensteuern, um den Bürgern mehr Mittel zu lassen, selbst Vermögen zu bilden. Eins lässt sich mit Fug und Recht über den deutschen Staat sagen: Er hat nicht das geringste Interesse daran, dass es seinen Bürgern besser geht. Jetzt heulen alle Linken auf, der Staat ist Wohltäter, was denn sonst? Wenn er das wäre, warum sind die Deutschen im internationalen Vergleich relativ arm und besitzen so wenig?
Punkt II. verdient noch weiter ausgeführt zu werden. Hätte der deutsche Staat Interesse daran, seine Bürger zu Besitzern zu machen, würde er die Einkommensteuer auf ein international übliches Niveau senken. Wenn die Bürger die Hälfte und mehr ihres Einkommens an den Staat abführen müssen, wird es nur mit hohen Einkommen möglich, überhaupt Vermögen zu bilden, sich ein Eigenheim zu leisten und private Altersvorsorge zu betreiben. Entsprechend leben die Deutschen selten in den eigenen vier Wänden und besitzen wenig Vermögen in Geld und Aktien.
Die Absicht der SPD ist nicht, dies zu ändern. Im Gegenteil. Die Sozialdemokraten wollen Vermögen vernichten und nicht erhalten. Sie finden das provokant? Stellen Sie sich an Stelle des Staates sich selbst vor. Dazu kommen wir auf den Kommentar am Anfang zurück. Die These lautet, mit einer höheren Erbschaftsteuer ließe sich die Ausgabendynamik im Sozialsystem bewältigen.
Zum einen: Schon diese Annahme ist eher für das Poesiealbum von Teenagern mit betriebswirtschaftlichem Dachschaden geeignet denn als politische Handlungsanweisung. Selbst eine Verdoppelung der Erbschaftsteuer um 13 Milliarden Euro würde gerade den heutigen Steuerzuschuss an die Gesetzlichen Krankenkassen ausgleichen. Das ist weniger als ein Prozent des gesamten Sozialetats. Das ist so als würden Sie auf einem DIN A-4-Blatt unten in der Ecke ein kleines Kreuz machen. Merkt keiner.
Der Sinn jeder Vermögensteuer und damit auch der Erbschaftsteuer ist die Wegnahme von Vermögen. Nach allen Erwartungen soll dies für den akuten Verbrauch an irgendwie Bedürftige verwandt werden. Das ist so als würden Sie Ihr Haus verkaufen um mit dem Geld eine Weltreise zu bezahlen. Macht kaum ein Mensch. Der Staat schon, zugegeben.
Das Schlusswort soll dem Sozialstaat gelten, den die meisten Deutschen für nicht mehr finanzierbar halten, by experience. Es ist zwar international üblich, das BIP als Standard-Bemessungsgrundlage zu verwenden. Dies hat Erhebungsgründe. Aber tatsächlich wird der gesamte Sozialstaat in unserem Land über die Einkommen aus Arbeitnehmerentgelten und Gewinnen bezahlt, von den Renten und Pensionen bis zu den Sprachkursen für zurückgebliebene Migranten. Diese Größe nennt man „Volkseinkommen“. Das ist die Zahl, die für die Finanziers des Staates spürbar ist. Die Belastung der Löhne, Gehälter und Gewinne mit Sozialabgaben (1,34 Billionen Euro) liegt bei 42 Prozent. Da wird verständlich, warum die meisten das nicht mehr für leistbar halten.
*) Wer hier die Ironie nicht liest, dem ist nicht zu helfen.



Manche glauben tatsächlich «Neid» sei ein Argument. Ist es nicht.
PS: Am wirklich lustigsten ist die Aussage, dass die Menschen einsehen sollen, dass sie ärmer werden müssen, damit «sie wohlhabend bleiben». Ab da kann man sich eigentlich den Rest sparen.
@ DerDieDas 12. Februar 2026, 09:26
Manche glauben tatsächlich «Neid» sei ein Argument. Ist es nicht.
Nicht das einzige, nicht für jeden, aber ja.
Oooch, für Lehrer hat das „Argument“ auch was Gutes: Wir können das Genörgel um unsere „Privilegien“ (Gehälter, Pensionen -versteuert natürlich) damit ach als Neid-Debatte abtun. Wir müssen für das Geld immerhin was tun: Studieren, jede Menge Prüfungen, Unterrichten, Elternarbeit…) Ohne eigene Anstrengungen Zigmillionen steuerfrei kassieren jedenfalls nicht.
Genau das.
@ CitizenK 13. Februar 2026, 08:25
@ Stefan Sasse 13. Februar 2026, 12:43
Oooch, für Lehrer hat das „Argument“ auch was Gutes: Wir können das Genörgel um unsere „Privilegien“ (Gehälter, Pensionen -versteuert natürlich) damit ach als Neid-Debatte abtun.
Oh, ein „What about …“. Wie (wenig) überraschend. ^^
Ich hatte meine Aussage extra einschränkend formuliert; ich kenne genug Leute, die ausgesprochen missgünstig auf die höhere Einkommen oder den höheren Wohlstand anderer reagieren. Es gibt Studien, die nahelegen, das (nicht nur, aber auch) Deutsche neidischer sind als andere Bevölkerungen; es wird aufgefasst als grundsätzlich (!) negative Einstellung gegenüber „Reichen“.
Wir müssen für das Geld immerhin was tun: Studieren, jede Menge Prüfungen, Unterrichten, Elternarbeit…)
Au weia.
Nein, natürlich nicht. Aus Ausbildungen, Studium, weiterführende Qualifizierungen usw. lassen sich nicht die geringsten Ansprüche auf Rente oder Pension ableiten – wie auch. Selbst die Lasten des beruflichen Alltags haben, zumindest für Arbeiter und Angestellte, nichts mit Ansprüchen auf Altersversorgung zu tun, sondern sind mit dem Gehalt abgeglichen. Für die Höhe der Renten sind (anders als bei den Pensionen) ausschließlich die geleisteten Beiträge in die Rentenversicherung ausschlaggebend.
Ohne eigene Anstrengungen Zigmillionen steuerfrei kassieren jedenfalls nicht.
Arbeiter und Angestellte müssen ihre Altersvorsorge weitgehend selbst finanzieren, Beamte ihre in der Regel höheren Pensionen nicht.
Die Standardrente (45 Beitragsjahre bei Durchschnittsverdienst; die tatsächliche Durchschnittsrente beträgt etwa 1650 Euro) liegt in Deutschland derzeit bei knapp 1.835 Euro. Dafür flossen (kaufkraft-bereinigt, kumuliert) über 420.000 Euro in die Rentenkasse.
Die Durchschnittspension (die Kennziffer „Standardpension“ lässt sich mangels Vergleichbarkeit nicht ermitteln) liegt bei 3.416 Euro, also etwa doppelt so hoch wie die Durchschnittsrente. Um eine Rente in Höhe der Durchschnittspension ausbezahlt zu bekommen, müssten knapp 800.000 Euro in die Rentenkasse geflossen sein. Ich habe hier Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteile zusammengefasst, weil auch die Arbeitgeberanteile vom Arbeitnehmer erwirtschaftet werden müssen.
Arbeiter und Angestellte müssen 45 Jahre arbeiten, die Renten-Haltelinie liegt bei 48%. Der Höchstruhegehaltsatz liegt für Beamte derzeit bei 71,75%; dieser Anspruch wird nach „nur“ 40 Dienst Jahren erreicht. Spätestens wenn es in die höheren Laufbahnen geht, können die geldwerten Vorteile in Sachen Altersversorgung von Beamten die Millionengrenze locker knacken.
Das, was gegenüber Lehrern an Missgunst über diese Fakten hinausgeht (Arbeitszeiten, Ferien, Arbeitsplatz-Sicherheit etc.), lasse ich gerne als „Neid“ (aufgrund von Ahnungslosigkeit / charakterlichen Schwächen) gelten.
um unsere „Privilegien“ (Gehälter, Pensionen -versteuert natürlich) damit ach als Neid-Debatte abtun. Wir müssen für das Geld immerhin was tun: Studieren, jede Menge Prüfungen, Unterrichten, Elternarbeit…) Ohne eigene Anstrengungen Zigmillionen steuerfrei kassieren jedenfalls nicht.
Thema verfehlt. Lehrer kann/könnte jeder werden, Erbe nicht.
@ CitizenK 13. Februar 2026, 15:45
Thema verfehlt.
Zum einen überheblich und unhöflich, zum anderen unzutreffend. Ich habe nicht auf Stefan Pietschs Beitrag geantwortet, sondern auf Deine Gleichsetzung von Neid.
Lehrer kann/könnte jeder werden, Erbe nicht.
Diese Aussagge ist zutreffend, aber irrelevant.
Im Zusammenhang mit Deinen anderen Aussagen zu Thema hier impliziert sie außerdem zwei Thesen:
Zum einen: Die Pensionen des Lehrers sind „verdient“. Die Schieflage im Vergleich zu nicht verbeamteten Jobs habe ich aufgezeichnet. Und ich habe (anekdotische, aber bei vier Töchtern unvermeidbare Erfahrung) Lehrer kennengelernt, die richtig toll waren, und andere, die ich ob ihres pädagogischen Unvermögens, ihres Desinteresses und der mangelnden Beherrschung ihres Fachgebiets am liebsten aus der Schule geprügelt hätte.
Das zweite wäre der Schluss, dass der Staat, nur weil nicht jeder Erbe werden wird, auf das Erbe freien Zugriff hat. Bleiben wir höflich: Das sehe ich anders.
Mag sein, dass der Staat sich über entsprechende Gesetze das Recht herausnehmen kann, beliebig auf das Eigentum anderer zuzugreifen. Aber ich erlebe den Staat stets als eine Institution, die sich eine zusätzliche Aufgabe nach der anderen aufhalst, dafür nach immer mehr Geld und nach immer mehr Beamten verlangt, ohne diese Aufgaben ansatzweise schultern zu können (was dazu führt, dass man glaubt, noch mehr Geld und noch mehr Beamte zu benötigen).
Und Steuern sind Steuern: Was immer mit neuen Steuereinnahmen passiert, wird nichts zu tun haben mit der Begründung, die man anbrachte, um sie zu erheben.
Nimm’s mir nicht übel, aber was Du im Verhältnis Beamte zu normalen Arbeitnehmern forderst, ist nichts anderes als: Soziale Gerechtigkeit. Etwas, von dem Du immer behauptest, dass es das nicht gibt, nicht geben kann. Warum dann aber nicht auch im Verhältnis Erben zu Nichterben?
Und da haben wir über zwei Aspekte noch gar nicht geredet: Das „Privatisieren“ von Erben, die als Leistungserbringer für die Gesellschaft ausfallen. Gunter Sachs wäre vielleicht ein nützliches Mitglied der Gesellschaft geworden. Philipp Rosenthal, Andrew Carnegie und Bill Gates vererb(t)en ihren Kindern nur relativ kleine Beträge aus diesem Grund.
Aber auch einige Etagen darunter gibt es negative Folgen, weil Erben die Immobilienpreise noch weiter hochtreiben, so dass Normal- und sogar Gutverdiener keine Chance mehr haben auf Wohneigentum. Was von links bis rechts zu recht kritisiert wird. Auch das eine Frage der Sozialen Gerechtigkeit.
@ CitizenK
Wie soll ich darauf antworten? Mit „Thema wieder verfehlt“? Ich habe ein paar Zahlen geliefert (auf die Du wenig überraschend nur mit einem Strohmann reagiert hast). Gefordert habe ich nichts.
Und ich bleibe bei meiner Aussage, dass es „soziale Gerechtigkeit“ nicht gibt bzw. dass sie nichts ist außer einer subjektiven Wahrnehmung.
Zum Rest äußere ich mich lieber nur oberflächlich. Diese ganze Erben-Diskussion (= jemandem etwas wegnehmen, nur weil er es hat; es geht ja überhaupt nicht ums Umverteilen, da wir von Steuern reden, sondern nur ums Kleinkriegen von Wohlstand) ist albern, da von den Vertretern der These der Kreis der Betroffenen stets kleingezogen wird. Es geht nicht darum, die Welt besser zu machen (etwa, alles, was über dem weltweiten Durchschnittseinkommen liegt, in Deutschland wegzusteuern und an geschätzt 4-6 Mrd. bedürftigere Menschen zu verteilen). Es geht, wenn Du so willst, um die wohlhabendere Nachbarschaft. Und so sehr sich die vielen Fanatiker darum bemühen, Argumente fürs Wegnehmen zu finden, scheint sie nicht zu interessieren, was anschließend mit dem eingesackten Geld passiert – egal, Hauptsache, es ist erst mal weggenommen.
Was den potentiellen „Wert“ der Privatiers angeht – deren Nutzen ist schon recht hoch, weil sie ihr Geld verjubeln und vielen anderen Menschen den Lebensunterhalt sichern. Der von Dir angesprochenen möglichen gesellschaftlichen Wert setze ich jedenfalls deutlich niedriger an als Du. Mit einer vernünftigen (Aus- und Weiter-)Bildungspolitik ließe sich in Deutschland pro Jahr deutlich mehr erreichen als mit einer Hundertschaft an Milliardären.
Und dass die Menschen, die Wohneigentum geerbt haben oder in den nächsten 20 Jahren erben werden, schuld daran sein sollen, dass das Häuslebauen unbezahlbar geworden ist, ist eine beleidigend dämliche Aussage. Zu diesem Thema habe ich mich hier über Jahre immer wieder halbwegs kompetent geäußert, und Du hast über Jahre mitdiskutiert. Das solltest Du inzwischen deutlich besser wissen.
PS: Bill Gates will seinen Kindern knapp 1% seines Vermögens vermachen. Das läuft immer noch auf den Gegenwert eines dreistelligen Millionenbetrags pro Nachwuchs hinaus – sehr zurückhaltend.
„Überheblich und unhöflich“
Tut mir leid, dachte der ironische Grundton in meinem Beitrag im Zusammenhang mit Lehrern sei erkennbar.
„Gefordert habe ich nichts“
Dann kann das so bleiben? Dann bist Du weniger kritisch als ich.
Warum sorgen Sie eigentlich die paar sehr reichen Erben, nicht aber die Millionen in den Sozialsystemen, die Jahre, Jahrzehnte und nicht selten ein ganzes Leben von der Allgemeinheit alimentiert werden, obwohl sie arbeiten könnten? Es ist ein Wesenszug, dass das Leben ungerecht ist. Der (deutsche) kann daran nichts ändern, im Gegenteil, er hat nach dem Empfinden seiner Bürger die Verhältnisse immer weiter verschlechtert. 1990 lag die Sozialausgabenquote bei 24 Prozent, heute bei 31 Prozent, während sich gleichzeitig das Empfinden der Bürger, dass es im Land gerecht zuginge, stetig verschlechterte.
Erben ist ungerecht. Das weiß ich am Besten. Meine Frau und ich haben mit um die Sechzig noch keinen einzigen Cent im Leben geerbt. Meine Frau stammt dabei aus einer wohlhabenden Frankfurter Kaufmanns- und Bäckerfamilie, die es über Immobilienbesitz zu einem Millionenvermögen gebracht hat. Doch von diesem hat sie nie etwas gesehen, weil es sich unter den Erben anders verteilte. So hat eine engere Verwandte hauptsächlich profitiert, die im normalen Leben einem mittelmäßigen Job in Frankfurt nachgeht, wodurch sie niemals zu nennenswertem Vermögen gekommen wäre. Doch sie ist Millionärin und hat ausgesorgt.
Gerecht? Nein. Aber der Staat ist der letzte, der daran etwas ändern könnte. Ich habe früh in der Wirtschaftsprüfung gelernt, dass es nur unglücklich macht, auf andere zu schauen. In meinem Leben habe ich berufsbedingt unzählige Gehälter gesehen, einige auch über meiner Gewichtsklasse. Wer da vergleicht, macht den falschen Job.
@ Stefan Pietsch 14. Februar 2026, 10:52
Warum sorgen Sie eigentlich die paar sehr reichen Erben, …
Solange ich dieser Wegnehm-Diskussion – nicht nur hier und heute, sondern die gesamte öffentliche Debatte der letzten Jahre – folge, fällt mir immer wieder Folgendes auf: Es werden in der Regel sehr konkrete Forderungen entwickelt, mit klaren Konzepten, Grenzwerten, Ausnahmen, mit Summen- und Prozentangaben. Wenn es darum geht, was mit den Mehreinnahmen geschehen soll, lässt sich das zusammenfassen mit „irgendwie etwas Gutes tun“; konkreter wird es nicht.
Es geht offenbar stets nur um „Geld einnehmen (aber bitte nicht bei mir selbst)“. Der Soli ist ein gutes Beispiel dafür. Angekündigt für eine Dauer von zwei Jahren zum „Aufbau Ost“ hat man dann damit den Irakkrieg finanziert, den Haushalt saniert, und Jahrzehnte später wurde eine „
Reichen-Wohlhabenden-Steuer“ daraus.Sehe ich ähnlich. Es wird ein absolutes Allgemeinziel vorgegeben, ohne zu argumentieren, wie dies genau erreicht werden soll und wie man es den Bürgern erleichtern will, selbst Vermögen zu bilden. Und so bleibt eben nur „Wegnehmen“. Gleichzeitig folgt man dem schon beim Soli praktizierten Modell, eine weitere Reichensteuer zu implementieren, die genau auf den Neidimpuls der Menschen zielt. Wie das wirkt, sieht man auch am Soli: Bei seiner Teilabschaffung 2020 befürwortete eine große, breite Mehrheit die Totalabschaffung für alle Steuerzahler. Das hat sich gewandelt, der Soli und das Interesse an seiner Abschaffung sind aus dem Blick geraten. Da nur noch wenige Steuerzahler betroffen sind, hat die vollständige Abschaffung keine Priorität oder wird gar abgelehnt.
Wie gesagt, ich würde sehr gerne eine Umstrukturierungsdebatte führen. Aber das passiert nicht – von keiner Seite.
@ CitizenK 14. Februar 2026, 06:23
Tut mir leid, dachte der ironische Grundton in meinem Beitrag im Zusammenhang mit Lehrern sei erkennbar.
An „Thema verfehlt“ konnte ich keine Ironie erkennen.
Dann kann das so bleiben?
Nein. Mir wäre es lieber, der Staat hätte ein System, dass seine Überlebensfähigkeit besser sicherstellt. Die Herausforderungen der Finanzpolitik unseres Staates liegen meiner Meinung nach deutlich auf Seiten der Effizienz und der Ausgaben, nicht der Einnahmen.
Ist von meiner Seite keine Neiddebatte; wie hoch Deine Pension wird, ist mir egal. Ich möchte z.B. auch nicht den Sozialhilfe-Empfängern oder Geflüchteten ihre Ansprüche für Krankenversorgung oder Renten streichen. Ich möchte nur nicht, dass der Staat diese Kosten in die von Arbeitgebern und Arbeitnehmern finanzierten Sozialversicherungen schiebt; da gehören sie nicht hin.
So mal als Muster für die Richtung meiner Denke.
Beim letzten Punkt sind wir uns einig. Was mich aber wirklich fasziniert: Über den Punkt „Soziale Gerechtigkeit“ diskutieren wir seit Jahren und haben uns keinen Millimeter angenähert.
Du: Es geht ums Wegnehmen
Ich: Es geht um Chancengleichheit
Dabei ist diese auch ein offizielles Ziel der von Dir favorisierten Partei (Pathetisch: Johannes Vogel am Beginn der Ampel).
Ist das kein gemeinsamer Wert? „Das Leben ist halt ungerecht“ ist mir einfach zu schlicht.
Du hast Dir die Mühe gemacht, die Unterschiede zwischen Beamten und Angestellten in der Wirtschaft aufzuzeigen. Folgt daraus wirklich keine Forderung nach Veränderung?
Es geht um Chancengleichheit
Sie lassen stets die Frage offen, wie Sie das erreichen wollen. Wie Erwin Gabriel richtig bemängelt, halten Sie sich nur beim Wegnehmen auf. Wenn ich argumentiere, Sie müssen den Bürgern mehr lassen, dass sie sich tatsächlich auch selbst etwas aufbauen können, mithin Chancen nutzen, hauen Sie mir Eigennutz um die Ohren.
Wenn Sie mit einer Erbschaftsteuer umverteilen wollen, dann begnügen Sie sich mit Theorien und ignorieren die Fakten. So stellte das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) fest:
Tatsächlich reduzieren Erbschaften und Schenkungen die Vermögenskonzentration, da sich die Vermögensmasse zwischen den Generationen und dabei in aller Regel von wenigen zu vielen verschiebt. (..) Der umverteilende Effekt von Erbschaften und Schenkungen lässt sich unter anderem aus der Differenz der Gini-Koeffizienten der Nettovermögen mit und ohne den kapitalisierten Wert von Erbschaften und Schenkungen darstellen.
Genauso ignorieren Sie, dass Erbschaften für die Vermögensbildung der Bürger elementar sind, gerade für mittlere Einkommensbezieher. Sie wollen die Erbschaftsteuer zu einer Vielfach-Millionärssteuer und Unternehmensabgabe umbauen, ohne klarzumachen, wie damit Ihr Ziel erreicht werden soll. Vor allem wollen Sie mit Ihrer Vorliebe für eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes Menschen mit höherem und hohem Einkommen den Weg zur eigenen Vermögensbildung verbauen oder zumindest erschweren.
Was hat das alles mit der von Ihnen propagierten „Chancengleichheit“ zu tun? Das sieht doch mehr nach dem Ziel aus, „arm fühlen wir uns alle besser“.
Nur mal als Gedanke reingeworfen, weil es den Vorschlag ja durchaus gibt: du nimmst das gesamte Aufkommen der Erbschaftssteuer und zahlst allen Bürger*innen zum 18. Geburtstag Summe X als Startkapital aus. Ich will gar nicht sagen, dass das eine brillante Idee wäre, aber es wäre immerhin mal eine. Und der Staat hat keinen Cent mehr als vorher, um irgendwelche Programme zu finanzieren.
Und? Was ist die Konsequenz? Vorschläge ohne Konsequenz sind unsinnig.
Man kann dem Gedanken etwas abgewinnen unter dem Aspekt der Chancengleichheit. Doch die Kehrseite der Medaille kauft ja kein Linker. Die Menschen haben Verantwortung für ihr Leben und dafür stattet der Staat sie als Goodwill einmalig mit einem ordentlichen Startkapital aus (das er von Bürgern holt, die vorher sehr viel geleistet haben). Aber wer’s verbaselt, kann dann nicht auf die Solidarität der Gesellschaft hoffen.
Wenn Du das nicht kaufst, vergiss es.
Natürlich bezahlen wir Beamten unsere in der Regel höheren Pensionen selbst: durch den Verzicht auf höhere Gehälter. Die sind Gehaltsbestandteil, schlicht und einfach. Der selektive Blick hier ist, Trommelwirbel, Neid.
Die Argumente der Beamten zur Verteidigung ihrer unfassbaren Privilegien ändern sich auch nie. Nehmen wir, weil es sich anbietet, mal einen durchschnittlichen Lehrer, der 3.240 Euro Pension bezieht. Da die meisten sich vorzeitig pensionieren lassen, könnten sie als Rentner nur einen Anspruch von vielleicht 1.800 Euro erwarten. Der Unterschied beträgt also 1.440 Euro. Nun gehen wir von einer Ruhestandszeit von 25 Jahren aus, womit sich der Unterschiedsbetrag auf 432.000 Euro multipliziert.
Dazu kommen aber weitere Vergünstigungen, vom Wegfall der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung bis zur privaten Krankenversicherung. Betrachten wir für unsere Vergleichsrechnung nur die Unterschiede im Rentenalter, die während der aktiven Zeit verdient werden müssen. Im Vergleich der Kosten für die GKV versus Privatversicherung kommen noch einmal 200.000 Euro obendrauf, womit sich der Vorteil, der einem pensionierten Lehrer im Ruhestand zufließt, auf 630.000 Euro summiert.
Gehen wir nun davon aus, dass dieser Lehrer 35 Jahre arbeitet, so beträgt der monatliche Entgeltvorteil unter Verzicht auf Barwertberechnungen (ich bin kein Versicherungsmathematiker) auf 1.500 Euro monatlich. Der Unterschied bei der privaten Versicherung veranschlagen wir mit 100 Euro und der Wegfall der Arbeitslosenversicherung (Risiken der Arbeitslosigkeit bei Normalsterblichen außer Ansatz) nochmals auf 100 Euro. Das macht in Summe 1.700 Euro, die der Lehrer angeblich dazu verdient.
Lehrergehälter liegen im Schnitt bei gut 7.550 Euro. Das bedeutet, eigentlich ist der verbeamtete Lehrer der Gemeinschaft 9.250 Euro wert, im Durchschnitt, im Jahr 111.000 Euro. In den Niederlanden werden Lehrer im Schnitt mit 76.000 Euro vergütet, in Großbritannien mit 54.000 Euro (hierzu wurde aus der OECD-Statistik jeweils Lehrer mit 15 Jahren Berufserfahrung „Upper Secondary“ genommen).
Ich weiß nicht, welche Vorstellungen Ihr von einem „fairen“ Gehalt genau habt, aber Eure Vorstellungen sind völlig absurd.
Und dabei ist mir noch ein Fehler unterlaufen: Der monatliche fiktive Entgeltbetrag ist ja noch um die gesparten Rentenbeiträge von 785 Euro zu erhöhen. Damit addiert sich das theoretische Gehalt eines Lehrers, der seine Ansprüche selbst verdienen müsste, auf über 120.000 Euro. Und das, liebe Leute, liegt noch weit über den Schweizern mit 116.000 Euro.
Ihr redet Euren Wert absurd schön.
Ich nicht. Deshalb hab ich ja den Vergleich gebracht.
Sie und Stefan glauben, übrigens wie früher auch mein Vater, dass Sie als Beamte völlig unterbezahlt sind und die Privilegien tatsächlich verdienen. Das haben Sie ja bekräftigt.
Hab ich nicht. Eher das Gegenteil.
Das haben Sie geschrieben.
Wir müssen für das Geld immerhin was tun: Studieren, jede Menge Prüfungen, Unterrichten, Elternarbeit…) Ohne eigene Anstrengungen Zigmillionen steuerfrei kassieren jedenfalls nicht.
Ich habe nie behauptet „unterbezahlt“. Die verdienen gut. Aber nicht ZU gut und nicht atemberaubend.
Das ist ein Euphemismus bei einem umgerechneten Bruttoentgelt im deutlich sechsstelligen Bereich. Stefan, so werden im Mittelstand schon Geschäftsführer und Vorstandsmitglieder vergütet. Das sind die Relationen.
Stimmt doch. Erben müssen GAR NICHTS leisten. Das ist doch mein Punkt: Wenn die Debatte um eine Erbschaftssteuer eine NEIDdebatte ist, dann ist es die um die Beamtenpensionen AUCH.
Ich bin für eine Debatte über beide – sagen wir: Privilegien.
Wenn Sie das so sehen, sollte der Staat im Erbfall ausnahmslos jedes Unternehmen übernehmen. Dann werden wir ja sehen, was die typische Leistung von Unternehmenserben ist. Und wer dann überhaupt noch in Deutschland Unternehmen gründet.
@ Stefan Sasse 14. Februar 2026, 09:47
Natürlich bezahlen wir Beamten unsere in der Regel höheren Pensionen selbst: …
Definitiv nicht. Losgelöst von der teilweise vielen Arbeit, die beispielsweise mit dem Lehrerberuf verbunden sind, erwirtschaftet kein Beamter Geld; prinzipbedingt.
Die sind Gehaltsbestandteil, schlicht und einfach.
Wenn ich Dir sage, dass die vielen Milliarden Doller, die beispielsweise ein Elon Musk besitzt, schlicht und einfach Folgen seiner „Gestandsbestandteile“ sind, nickst Du dann auch?
Der selektive Blick hier ist, Trommelwirbel, Neid.
Um Rente in Höhe der Pension eines Oberstudienrats zu erhalten, müsste ein Arbeitnehmer lange 63 Jahre ein Gehalt oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze verdienen und entsprechend in die Rentenversicherung einzahlen. Dann wären etwa 1.200.000 Euro in die Rentenkasse eingezahlt worden (kumuliert, heutige Kaufkraft, aus Faulheit ohne Zinseinflüsse berechnet).
Bezogen auf 40 Jahre á 12 Monate entspricht das einem „Gehaltsbestandteil“ von 2.500 Euro netto im Monat – als Ausgleich für Verzicht auf „höhere Gehälter“? Das kannst Du sicherlich besser beurteilen als ich, ich verstehe zu wenig von Wirtschaft und Finanzen.
Aber noch einmal: Deine Pension ist mir egal. Mir geht es darum, dass sich der Staat auf diese Weise langsam selbst abwürgt.
Ob Beamte Geld erwirtschaften oder nicht ist für diese Frage völlig egal. Ein Personalchef bei Daimler erwirtschaftet auch kein Geld, prinzipbedingt, und wird dennoch ein recht großes Gehalt einfahren können.
Der Vergleich macht wenig Sinn, weil Musk kein Gehalt in irgendeinem relevanten Sinn hat. Dem Mann gehören Unternehmen und Assets. So einen Vergleich würdest du mir nie durchgehen lassen. Vergleiche sind sinnvoll für Abteilungsleitende und Ähnliches. Abgeschlossenes Hochschulstudium, dann in einem Unternehmen arbeiten. Leute mit sechsstelligen Gehältern. Die gibt es ja. Das wäre die sinnvolle Vergleichskategorie.
Die Summe klingt richtig, und genau das meine ich. Das würde dann ein Monatsgehalt von um die 9000€ bedeuten (über den Daumen gepeilt), im Jahr also rund 120.000€. Das sind Gehälter, wie sie in der freien Wirtschaft auf so einem Qualifikationslevel durchaus erreichbar sind.
Ist das eine Anregung, eher VermögensABGABE statt Vermögenssteuer?
@ CitizenK 12. Februar 2026, 12:04
Ist das eine Anregung, eher VermögensABGABE statt Vermögenssteuer?
Finger in die Wunde gelegt: Mit welchen Begründungen der Staat auch immer nach mehr Geld verlangt – er setzt das frisch eingesammelte Geld (ob neue Steuern oder neue Schulden) prakisch nie so ein wie angekündigt.
Das können Sie kaum daraus lesen.
Die Erbschaftsteuer ist eine spezielle Form der Vermögensabgabe. Wer ihre Erhebung befürwortet – erst Recht, wenn er möchte, das solche Steuern ein höheres Gewicht bekommen – sollte dann auch entsprechend argumentieren und die Parteien es umsetzen. Eine Erbschaftsteuer so gestalten zu wollen, dass sie de facto eine zusätzliche Besserverdienerabgabe für Selbständige ist, ist Rosstäuscherei. Wenn der Staat etwas wegnehmen will, dann soll er das Tun und nicht den Bürgern einfach Knüppel zwischen die Beine werfen.
Zudem, wer behauptet, mit Vermögensteuern die Ungleichheit bekämpfen zu wollen, der soll dann auch entsprechend handeln und den Bürgern den eigenen Vermögensaufbau erleichtern. Die Instrumente dafür sind niedrigere Steuern für die oberen 60 Prozent, da nur sie in marktwirtschaftlichen Gesellschaften tatsächlich relevant Vermögen bilden können, sowie Erleichterungen beim Erwerb von (Wohn-) Eigentum (niedrigere Steuern auf Erwerb, Verkauf von Bauland aus öffentlicher Hand etc.).
Sehr schräge Argumentation.
Erstens: Die bestehenden – rasant gewachsenen Vermögen – sind trotz dieser „Knüppel“ entstanden. Die können also kaum dafür herhalten
Zweitens: Der Staat soll also erstmal auf Steuern verzichten – um sie dann später – vielleicht – zu erheben?
Klar interessengeleitete Argumentation führt zu solchen logischen Verrenkungen.
Zu Erstens: Das folgt ihrer Sichtweise, wie Sie es früher geäußert haben. So lange noch jemand Wasserski hinter einer Yacht herlaufen kann, gibt es noch genügend Geld. Was Sie ausblenden, sind elementare Wohlstandsfragen, mit denen ich Sie immer konfrontiere, wo Sie sich aber im Sinne der drei Affen verhalten:
a) Warum besitzen die Deutschen im EU-Vergleich relativ wenig Vermögen, im internationalen (USA, Kanada, Australien, GB, Schweiz, Singapur usw.) ohnehin?
b) Warum ist die Eigenheimquote einer der niedrigsten überhaupt?
c) Warum sind die Deutschen selten selbständig, aber häufiger Beamte?
d) Warum investieren sie ihr Geld in praktisch renditenlose Kapitallebensversicherungen und Sparanlagen?
e) Warum gibt es hierzulande relativ wenige Millionäre und Milliardäre (international Ergebnis von einer Entrepreneurs-Gesellschaft)?
f) Warum schwören sie auf ein Umlagesystem, das vielen kaum mehr als die Einzahlungen erbringt, statt den Staat zu beauftragen die Rentenbeiträge an der Börse zu investieren?
Um es in Deutschland zu Wohlstand zu bringen, muss man schon sehr überdurchschnittlich verdienen. Ja, das schaffen einige, aber relativ wenige. In Deutschland ist Wohlstand erst spürbar, wenn jemand im Einkommen im Spitzenbereich der obersten zehn Prozent liegt. In vielen Ländern, und da müssen wir nicht in die USA oder die Schweiz schauen, ist das bereits zu sehen, wenn sie zu den oberen 40-50 Prozent zählen. In Spanien, Italien, Niederlande.
Zu Zweitens: Erfolgreiche Menschen, Organisationen und Staaten haben nicht nur klare Zielvorstellungen, sondern auch einen dafür geeigneten Werkzeugkasten. Was ist Ihr Ziel, wenn Sie eine Erhöhung der Erbschaftsteuer befürworten? Was wollen Sie damit erreichen? Normalerweise, und so steht es in vielen Verfassungen, haben liberale Gesellschaften das Ziel, den Wohlstand und das Vermögen ihrer Bürger zu mehren. Bei Ihnen zumindest scheint mir das nicht der Fall.
a) Stimmt so nur teilweise, wenn man die Rentenansprüche mit einbezieht. Ihre eigene Argumentation, immer wieder.
b) Gute Frage. Hängt auch mit a) zusammen.
c) Mentalität, Risikoaversität. Trotzdem wurde D eines der eichsten Länder der Welt.
d) Siehe c). Wahrscheinlich eine Spätfolge von Inflation und Währungsreform.
e) Nach dieser Liste steht D auf Platz 6 von 50 Staaten. https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_L%C3%A4nder_nach_Anzahl_an_Million%C3%A4ren
f) Ich „schwöre“ nicht darauf, jedenfalls nicht als einzige Säule. Es war sicherlich ein Fehler, hier Ländern wie Schweden nicht rechtzeitig gefolgt zu sein. Die Anläufe in den 70ern wurden zerredet.
a) Das gilt auch unter Einbezug der Rentenansprüche. Die Anwartschaften mindern lediglich die sehr große Vermögensungleichheit. Unter Berücksichtigung der Ansprüche gegen den Staat wird der Gini der Vermögensgleichheit auf ein international durchschnittliches Niveau abgesenkt. Die Deutschen liegen beim Medianvermögen von gerade 106.000 Euro nur auf Platz 15, also in der Größenordnung von Griechenland. Selbst wenn die Anwartschaften berücksichtigt werden (die ja auch in den anderen Mitgliedsländern existieren), ist da nicht viel Verbesserung. An die Schweiz mit fast 400.000 Euro Median (!) kommen wir schon gar nicht heran. Und die Frage an Sie ist: Warum nicht?
b) Nicht unbedingt. Das hängt mit der sehr speziellen Baulandausweisung des Staates, seiner hohen Gebühren und der hohen Anforderungen ab. All das verursacht hohe Kosten und treibt die Preise und zwar so, dass Bauen nur für einen sehr kleinen Teil der Bevölkerung erschwinglich ist. Und das ist vom Staat gemacht.
c) Dann brauchen wir uns aber nicht zu beklagen, wenn ein paar Bürger, die das anders machen (und dafür überdurchschnittliche Risiken eingehen!) vermögender werden. Warum sollen sie dann etwas davon abgeben? Ja, das Argument. Es ist uralt, so wie der Wohlstand. Dieser beruht auf alten Technologien, was ein Teil unserer Probleme ist. Wir haben halt wenig junge, begeisterungsfähige Menschen, die in die Unternehmenswelt reinspringen.
d) Siehe c). Dann soll man sich aber auch gefälligst nicht beklagen und Umverteilung einfordern.
e) Nicht die absolute Menge, sondern pro 100.000 Einwohner, lieber CitizenK. Natürlich hat ein „reiches Land“ mehr Millionäre als Äthiopien. Sortieren Sie es nach Anteil an der Gesamtbevölkerung, kommen wir auf Platz 16 – hinter Ländern wie den Niederlanden, Belgien, Norwegen, Neuseeland, Irland, Schweiz ohnehin. Sind wir wirklich so egalistisch, dass wir reichere Menschen in unserer Gesellschaft nicht ertragen?
f) Warum setzt dann kaum ein anderes Industrieland so einseitig auf ein Umlagesystem? Wir wissen doch spätestens seit Ende der Achtzigerjahre, dass diese monokulturelle Sichtweise ins Verderben führen würde.
[]
In Deutschland wächst die Zahl der Superreichen rasant – 3.900 Menschen besitzen nun fast ein Drittel des gesamten Finanzvermögens. Nur zwei Länder der Welt haben noch mehr Superreiche als Deutschland. In Deutschland leben inzwischen rund 3.900 sogenannte Superreiche – das sind Menschen mit einem Finanzvermögen von mehr als 100 Millionen Dollar. Innerhalb eines Jahres (!) stieg die Zahl der Superreichen um 500 Personen, das Vermögen dieser Gruppe wuchs um 16 Prozent.
Diese 3.900 Superreichen, auch „Ultra High Net Worth Individuals“ (UHNWI) genannt, besitzen laut dem neuen „Global Wealth Report 2025“ der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) zusammen knapp drei Billionen Dollar. Das sind rund 27 Prozent des gesamten Finanzvermögens in Deutschland.
(Tagesschau online 24.06.2025)
In Deutschland wächst die Zahl der Superreichen rasant
An dieser Stelle gehören Vergleichszahlen hin: Die Zahl der „Superreichen“ hat von 2000 bis 2024 um X Prozent zugenommen, in der EU (Schweiz, USA etc.) dagegen nur um Y Prozent. So haben Sie ein Null-Argument.
@ CitizenK 13. Februar 2026, 08:31
Die bestehenden – rasant gewachsenen Vermögen – sind trotz dieser „Knüppel“ entstanden.
Sehr schräge Argumentation.
Um hier mal
Christian Lindnerden Beelzebub selbst sinngemäß zu zitieren: Über viele Jahre hat die Niedrigzinspolitik der europäischen Regierungen dazu geführt, dass Geldanlagen im Wert steigen. Davon profitieren nur diejenigen, die schon was haben – nicht die kleinen Leute und Sparer.Die Regierungen haben so verhindern wollen, dass ihre zu weiten Teilen schuldenfinanzierten Haushalte aus dem Ruder laufen. Fun Fact: Der Anteil an sozialen Ausgaben liegt hierzulande über 50%.
Vereinfacht ausgedrückt haben die europäischen Regierungen also die „Reichen“ „reicher“ gemacht, um die weniger Reichen besser versorgen zu können. Nun sag mir bitte, auf welchen Knopf man drücken muss, um dieses Dilemma aufzulösen.
• Ich habe kein grundsätzliches Problem mit einer Erbschaftssteuer, aber durchaus mit den Grenzwerten.
• Eine Vermögenssteuer lehne ich deshalb ab, weil sie an die Substanz geht und weil die Erträge aus Vermögen bereits versteuert werden.
Grundsätzlich stört mich an der Diskussion, dass sie sich nur darum zu drehen scheint, wie der Staat seine selbstgewählten Aufgaben finanzieren kann. Nicht diskutiert wird, warum der Staat mit seinen enormen Mitteln nicht klarkommt, und warum sich alles (0b Soziales oder Infrastruktur) als immer schlechter werdend anfühlt, ob wohl die ausgegebenen Geldmittel ständig steigen, und ob die vom Staat selbstgewählten Aufgaben die richtigen sind.
Diese Fragen könnte man beantworten, ohne zuerst zu überlegen, wem man wieder in die Tasche greift.
Ich hab schon sehr oft gesagt, dass es mir um den strukturellen Aspekt geht und man das gerne aufkommensneutral machen kann.
Das hat nur keiner der Befürworter vor. Nicht die SPD, nicht die Grünen und schon gar nicht die LINKE. Und deswegen, Stefan, steigen Leute wie Erwin und ich an der Stelle immer aus. Gerechtigkeitsargumente sind da ja dann doch immer nur Camouflage.
Und das wäre der Punkt, an dem etwa CDU und FDP gefragt wären.
Wieso? Es gibt in Deutschland keine Diskussionsstrukturen über die reine Neujustierung der Steuerarten zueinander. Und der Politik ist da ohnehin nicht zu trauen, da sie das immer zu einem Mehr nutzt. Siehe zuletzt die Neugestaltung der Grundsteuer, die wundersamer Weise das Aufkommen für die Kommunen drastisch erhöht hat. Dumm gelaufen. 🙂
Und wieso die FDP? Sie ist keine relevante Kraft mehr in diesem Land.
Sie hat es ja vorher auch nicht gemacht, ist mein Punkt.
Ich beteilige mich seit über vierzig Jahren an politischen Diskussionen. Die Deutschen haben eine unfassbare Liebe zu ihrem Staat, die ihresgleichen in der Welt sucht. Eine Debatte über die Abwägung von Steuern zueinander ist hier völlig unmöglich. Nicht zuletzt CitizenK zeigt dies als typischer Deutscher. Sein Impuls bei dem Gedanken, der Staat müsse im Gegenzug für Mehreinnahmen bei der Erbschaftsteuer auch die Einkommensteuer senken – sogar und besonders für die oberen 60 Prozent – löste bei ihm einen richtigen Schock aus: Was, der Staat soll in Vorleistung treten?!? Kein Vorwurf an ihn persönlich, sondern an die deutsche Mentalität, weshalb sie mir in den Jahrzehnten so fremd geworden ist.
Ich weiß nicht, in welchem Land du deine Debatten führst, aber ich kenne niemanden, der den Staat liebt oder gar Steuern. Mit wem auch immer ich rede ist gegen Regulierung und gegen Steuern.
Wir kennen uns inzwischen anderthalb Jahrzehnte, ähnlich lang kenne ich CitizenK. In dieser langen Zeit hat keiner von Euch beiden je für niedrigere Steuern plädiert, egal ob wir in einer Boomphase waren oder, wie jetzt, in einer ein Jahrzehnt währenden Stagnation stecken. Wofür Ihr aber immer wieder gestritten habt, waren Steuererhöhungen, angefangen beim Spitzensteuersatz für die oberen 10 Prozent über bestimmte Verbrauchs- und Luxussteuern, Vermögensteuern ohnehin. Einfach dumm gelaufen, wenn man nie eine Situation antrifft, wo weniger mehr wäre? Stefan, veralbere mich nicht. Und vor allem nicht Dich selbst!
Ich verstehe nicht, dass die Freibeträge im SPD Vorschlag auf 1 Mio hochgesetzt werden. In den westlichen Speckgürteln und Städten wird eine Menge an Immobilien vererbt, die sehr hohe Preise erzielen. Das war die Generation für die Bauen noch vergleichsweise günstig war, die real sehr gut verdient haben, überdies eine gute Betriebsrente beziehen (höhere Angestellte) und die gerne an 50sten Geburtstagen über ihre Fahrten nach Luxemburg berichteten (Selbstständige). Ich hätte die Freibeträge auf 100k begrenzt und gut ist. Das Ganze dann noch gegenüber dem Osten gut kommunizieren und hoffen, dass sich da vielleicht doch noch ein paar berappeln.
Die Kinder von solchen Eltern sind sowieso meist vergleichsweise gut abgesichert. Gerechtigkeit gibts da sowieso nicht. Eltern, die im Alter psychisch schwierig werden, Alzheimer bekommen oder einen Schlaganfall erleiden, sind sicher belastend, manche aber überhaupt nicht. Hier eine wirkliche Gerechtigkeit zu schaffen ist nicht praktikabel.
Für Unternehmen würde ich hohe Freibeträge ansetzen, wenn die weitergeführt werden.
Das Thema Kürzungen im Sozialstaat wird kommen. Nur steckt das tief in unserer Identität. Wirklich schockierend für mich wie sozial progressiv ein in ganz Europa bekannter Schriftsteller wie Victor Hugo Mitte des 19. Jhdts sein Hauptwerk auflud.
Die Sprachkurse für Neueinwanderer sind eine absolute Katastrophe. https://www.youtube.com/watch?v=aJvV7cHT3gg
Da setzt sich eine Gruppe pendantischer Germanisten zusammen und erstellt ein Konzept, das nichts mit der Realität nichts zu tun hat. Die Germanisten kennen sehr gute Konzepte, um die deutsche Grammatik zu spezifizieren, aber man lernt eine Sprache nicht, indem man die Spezifikation liest, sondern indem man Texte liest, einem Deutschsprecher zuhört, auf Deutsch redet oder in Deutsch schreibt. Es gibt schon eine Schule zum Erlernen von Deutsch: https://www.youtube.com . Man fängt hier an: https://www.youtube.com/@EasyGerman . Von da gibts eine Menge Wege.
Gerechtigkeit, ah ja, mal wieder. Das liebste Kampfwort aller Linken, wenn ihnen sonst nichts sinnvolles einfällt.
Wessen Gerechtigkeit noch gleich?
1. Ich betreibe Politik nicht als Kampfsport. Das machst Du!
2. Ich werde vermutlich einen hohen 6-stelligen Betrag erben. Ich bemühe mich aber seit Jahren, mir selbst eine vernünftige Altersversorgung aufzubauen, u.a. weil ich es für sehr unangenehm halten würde auf den Tod meiner Eltern zu arbeiten. Ich habe jahrelang als Angestellter in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt und mir als Selbstständiger eine fond/etf-basierte Rürup Rente besorgt, in die ich sehr viel eingezahlt habe. Man kann das ja steuerlich absetzen.
3. Wessen Gerechtigkeit?
Mein persönliches Verständnis von Sozialer Gerechtigkeit, du ganz kleiner Fiffi. Leute wie du gehen mir auf die Nerven.
Ich verstehe nicht, dass die Freibeträge im SPD Vorschlag auf 1 Mio hochgesetzt werden.
Der Grund ist doch simpel: Wie der Soli soll die Erbschaftsteuer zu einer Neidsteuer umgebaut werden. Neid verkauft sich in Deutschland gut.
Hab grade die Lebensgeschichte von Carl Schurz gelesen. Der musste sehr schnell Englisch lernen, um in den USA politisch wirken zu können. Er hat es auf die von Dir empfohlene Weise getan: Bücher, Zeitungen, Wörterbuch. Ohne YT und Apps. Heute um Größenordnungen leichter.
P.S. Hab dabei gelernt, dass Korruption und Vetternwirtschaft schon im 19. Jahrhundert („Grantism“) in den USA ein großes Problem war.
Carl Schurz stammte ganz aus der Nähe, wo ich aufgewachsen bin. Kann sein, dass ich gegen eine Mannschaft aus Liblar in der D, C, B Jugend Fussball gespielt habe. Bin mir aber nicht sicher.
Sprachenlernen ist mehr 10-Kampf. D.h. ich mache auch 1 bis 3 Stunden die Woche Video-Konferenz Kurse mit Lehrer, schreibe kurze Texte, nehme von mir gesprochene Texte auf. Manchmal generiere ich vorher die Lautschrift des Textes in IPO (International Phonetic Alphabet) mit KI, was für Französisch gerade als Anfänger super-hilfreich ist.
Wörterbücher sind zu langsam. Zum Lesen kindle oder LinguaVerbum app: https://www.youtube.com/watch?v=2tIl9FP4-Rw
Top of the notch set up, um Les Miserables zu lesen:
1. Kindle Version gekauft. Achten, dass dies keine gekürzte Version ist. Kostet 1 Euro 50 oder so.
2. Taschenbuch für 10 Euro gekauft. Das Taschenbuch für das Inhaltsverzeichnis und weil es das Ausmass des Projektes darstellt. Les Miserables ist ein sehr, sehr, sehr dicker Schinken.
3. Epub Version von gutenberg.org runtergeladen und auf LinguaVerbum hochgeladen.
4. Auf youtube gibt es mehrere Kanäle, die das audio bereitstellen. Da liest einer vor. Ist quasi Audio-book.
Beim Hören und Lesen gibt es 2 modes: fast und deep.
Im Fast-mode reicht es 80% zu verstehen. Dafür eignen sich gute kabellose Kopfhörer/Handy und kindle.
Im Deep-Mode geht es darum, alles zu verstehen. In LinguaVerbum kann man sich schnell per Mausklick einzelne Wörter oder ganze Sätze übersetzen lassen. Ausserdem werden unbekannte Wörter gespeichert. Hab zwischendurch mit Anki Vokabeln gelernt, bin aber wieder davon weg. Das hat Vor- und Nachteile. Wenn du jeden Tag Texte liest oder hörst, lernt man die auch einfach so. Problem bei Anki ist, dass sich da zu viele Vokabeln ansammeln. Wichtig ist auch, dass man sich Sätze mit notiert, in denen die Vokabel verwendet wird.
V.a. sollte man die Sprache nicht nur konsumieren, sondern auch produzieren. Für jeden Kurs bereite ich das Material minutiös 1 bis 3 Stunden vor. Ich sage oft im Kurs, dass ich vorbereitet bin. Andere Kursteilnehmer gucken dann oft erleichtert. Im Kurs entferne ich mich oft von meinen Aufzeichnungen, um spontan zu sprechen.
Zum Schreiben benutze ich viel das Tool Reverso, weil es mich auf Grammatik/Ausdrucksfehler aufmerksam macht und Alternativen für die Formulierungen aufzeigt.
Wenn ich einem französischen Substantiv ein falsches Geschlecht zuordne ist das nicht schlimm. Wird bis zu meinem Lebensende so sein. In Spanisch kann man das meist am Wort erkennen. Ausser bei einigen wenigen Ausnahmen, die ich kenne.
Wenn ich ein Verb falsch konjugiere, ist das auch kein Drama. Ich lerne keine langen Listen aufwendig. Wenn man aber schon eine Sprache mit supervielen Konjugationen wie Spanisch beherrscht, ist man da ganz gut drin.
Wenn ich Lust habe, lese ich in meiner Französisch Grammatik. Ist informativ, aber ich vergesse das oft auch schnell wieder. Es gibt aber auch keine grammatischen Konstruktionen, die mich wirklich überraschen, weil ich das alles schon gelesen habe.
Es gibt eine Menge guter online gratis-Tests für Grammatik und Wortschatz. Die nutze ich, wenn ich Lust habe.
Am wichtigsten aber: Massiv viel Input, d.h. viel Hören und Lesen.
Ab B1 Niveau kann man die Fremdsprache dann in seinen normalen Medienkonsum integrieren. Je mehr man in diesem Intermediate Level aufsteigt, desto schneller versteht man Texte und Audio.
Bei librairie Mollat gibts oft super-interessante Interviews mit Autoren von neuen Büchern. Nun gibts ein neues Buch über KI.
https://www.youtube.com/watch?v=hF6YasEcHRo
Aus Erfahrung weiss ich, dass das in aller Regel top-notch ist.
Also lade ich mir das in LinguaVerbum und gehe das heute abend in deep mode durch. LinguaVerbum erzeugt mir den Text. Also habe ich Audio und Text.
In der inhaltlichen Dimension sind das auch 2 Fliegen mit einer Klappe: Französisch UND KI, über das ich mich ja sowieso informieren will und muss.
@ Lemmy Caution 12. Februar 2026, 15:46
Gerechtigkeit gibts da sowieso nicht.
Korrekt. „Gerechtigkeit“ ist nur eine subjektive Wahrnehmung. Wenn also Personen oder Parteien von „Gerechtigkeit“ reden, versuchen sie immer, ihre eigene, seher subjektive Sicht durch eine Formulierung objektiv aussehen zu lassen.
Victor Hugo hat im 19. Jhdt die These vertreten, dass die starken Schultern die Alleinschuld haben, wenn die schwachen Schultern zusammenbrechen. Hugo war nicht interessiert an Klassenkampf im Sozialistischen Sinne, aber ihm war ein Sozialer Ausgleich schon als Royalist wichtig. Der Alleinschuld-These stimme ich nicht zu und unser Sozialstaat ist im internationalem Vergleich sehr teuer, aber ich halte ihn für schützenswert.
Ein ganzer Beitrag nur, um auf meine Einwurf zu antworten? Ich fühle mich ein wenig geehrt, befürchte aber, dass Sie hier Perlen vor die Sau geworfen haben. Zum einen, weil ich beim Thema Erbschaftssteuer eigentlich keine Ahnung habe, zum anderen, weil mein Einwurf nicht wirklich etwas damit zu tun hatte. Mir ging es eher darum, dass der Mehrheitswille der Bevölkerung grundsätzlich kein gutes Argument in einer Sachdiskussion ist. Und noch viel weniger ist die Mehrheitsmeinung, ein Argument für die Ahnungslosigkeit von Politikern, die die Mehrheitsmeinung nicht teilen. Ich selber gehe grundsätzlich davon aus, dass Politiker im Allgemeinen besser informiert sind, als ein durchschnittlicher Bürger, der ja weder Zeit noch andere notwendige Ressourcen hat sich umfänglich über alle möglichen Themen zu informieren.
Zum Text selber; das Hauptziel der Reform der Erbschaftssteuer ist gar nicht so sehr Mehreinnahmen für den Staat zu generieren, sondern Vermögen gerechter zu versteuern und Chancengleichheit herzustellen. Die soziale Mobilität geht seit Jahren in Deutschland zurück. Das Einkommen von Menschen korreliert stark mit dem Vermögen ihrer Eltern. In Deutschland wird außerdem mehr Geld vererbt, als durch Arbeit erwirtschaftet. Hinzu kommt, dass die Erbschaftststeuer in ihrer jetzigen Form wahrscheinlich verfassungswidrig ist (zumindest sieht das die Bundesrechtsanwaltskammer so). Ganz offensichtlich gibt es hier Reformbedarf.
Was ihre Kritik am Vorschlag der SPD angeht, sehe ich das zum Teil allerdings sehr ähnlich. Wieso sollte jemand, der Omas Haus erbt darauf keine Steuern zahlen? Der „Lebensfreibetrag“ liegt bei einer Million Euro? Um die Chancengleichheit zu verbessern sollte der viel niedriger sein. Der Grund warum der so hoch ist scheint mir rein populistischer Natur zu sein, ala je höher, desto weniger Leute betrifft es und desto weniger Widerstand gibt es in der Bevölkerung. Klar, die Familien-Clans (Quandt, Porsche … ) sind Extrembeispiele, dafür wie sich Unternehmensimperien über Generation hinweg vererben lassen. Auf die soziale Mobilität haben diese aber gar keine Auswirkungen. Da spielt dann viel mehr eine Rolle, ob jemand grundsätzlich Immobilien und Wertpapiere besitzt. Der arme Teil der Bevölkerung tut das nicht.
Auch Ihre Kritik an der Versteuerung von vererbten Unternehmen teile ich. Eine bessere Alternative erscheint mir Gewinne aus dem Verkauf von Unternehmens-Anteilen zu versteuern, bzw. den ausgeschütteten Gewinn. Aber genau fehlende Versteuerung von geerbten Unternehmensanteilen ist ja womöglich verfassungswidrig. Falls dem so ist, müssen also vererbte Unternehmen irgendwie versteuert werden.
Was haben die gerechter gemacht, wenn sie den Freibetrag für Kinder als Erben von 400k auf 1000k erhöht haben? Den hätte ich erhöht.
Sehen Sie es als großes Kompliment. Mit wenigen Worten bringen Sie meinen Kopf so zum rotieren, dass mir unheimlich viel dazu einfällt. Danke dafür!
Ich fand die Konstellation Ihrer Argumentation so interessant, nämlich das (Volks-) Vermögen auf den Kopf zu hauen um die ausufernden Sozialkosten finanzieren zu können. Wahrscheinlich haben Sie es nicht so gemeint, aber argumentativ so konzipiert. Und damit haben Sie mir Futter gegeben. 😉
Zum Text selber; das Hauptziel der Reform der Erbschaftssteuer ist gar nicht so sehr Mehreinnahmen für den Staat zu generieren, sondern Vermögen gerechter zu versteuern und Chancengleichheit herzustellen.
Okay, aber dann soll man das doch machen und nicht eine Neidsteuer nebst Einkommensteuerzuschlag kreieren.
Wenn die Menschen wenig von ihrem Einkommen behalten, dann können sich sich auch wenig aufbauen. Umfragen zeigen, dass die große Mehrheit findet, Leistung würde sich nicht lohnen. Das merkt jeder mit Blick auf seinen Lohnzettel. Wer Mittelverdiener ist und sich Überstunden auszahlen lässt oder eine Gehaltserhöhung erhält, findet am Monatsende gerade 30-38 Prozent davon auf dem Konto. Da bekommt jeder einen dicken Hals.
Noch etwas zum Vermögen durch Erben: Ich hatte vor Jahren dazu einen Artikel geschrieben. Studien zeigen, dass Erbschaften rund ein Drittel zum eigenen Vermögen beitragen. Das gilt über alle Einkommensgruppen hinweg. Bei den oberen Einkommensbeziehern ist es etwas weniger. Heißt: Erbschaften sind generell sehr wichtig für die eigene Vermögensbildung. Wenn Sie das ändern wollen, dann dürfen Einkommen nicht so hoch belastet werden. Zu dieser Ehrlichkeit können sich die Steuerfetischisten aber nicht durchringen.
ine bessere Alternative erscheint mir Gewinne aus dem Verkauf von Unternehmens-Anteilen zu versteuern, bzw. den ausgeschütteten Gewinn.
Das geht so nicht. Mittelständische, inhabergeführte Unternehmen sind selten komplexe Konzerngruppen, wo man einfach Unternehmensanteile verkaufen kann. Viele sind ja auch in der Rechtsform der Personengesellschaft geführt. Und wenn Anteile verkauft werden sollen, wer soll sie übernehmen? Doch der Staat richtigerweise. In Deutschland haben wir ja bestimmte Erfahrungen mit dem Staat als Anteilseigner. Die Unternehmen werden immer weniger wert. 🙂
Die Unternehmenssteuern sind im internationalen Vergleich sehr hoch. Das macht Investieren in Deutschland uninteressant. Es ist alles nicht so einfach.
[]
«Im Steuermix liegt das Gewicht stark auf der Arbeitsbesteuerung. Der Beitrag, den Steuern auf Grundeigentum, auf Kapitaleinkünfte und Unternehmensgewinne sowie auf den Verbrauch zum Gesamtsteueraufkommen leisten, ist hingegen deutlich geringer als in anderen OECD-Ländern». Beispiele:
– Steuern auf Unternehmensgewinne: D 6 % vs. 12 % OECD-Durchschnitt (!)
– Steuern auf Grundeigentum: D 2 % vs. 5 % OECD-Durchschnitt (!)
– Arbeitnehmerseitige Sozialversicherungsbeiträge D 17 % vs. % 10 OECD-Durchschnitt (!)
– Immobilienbestand von mehr als 299 Wohnungen gilt automatisch als Betriebsvermögen und ist damit von der Erbschaftsteuer befreit!.
– Die Steuerfreibeträge für Schenkungen an Familienangehörige gehören zu den höchsten im OECD-Raum.
-Die großzügigen Befreiungen von der Erbschaft- und Schenkungsteuer für Betriebsvermögen einschließlich Aktien resultieren zudem in Steuervergünstigungen von bis zu 10 Mrd. € jährlich, die stark regressiv sind.
(Quelle: OECD-Wirtschaftsberichte: Deutschland 2025, S. 49 – 51.)
Sie wissen nicht, dass in diesen Auswertungen das Gros der Gewinnsteuern, nämlich die Einkünfte aus Gewerbebetrieb im Einkommensteuerrecht, nicht berücksichtigt sind? Tja, ist eine Bildungslücke, die jeder hat, der diese Auswertung publiziert. Bei der OECD selbst könnten Sie das jedoch nachlesen.
[]Dass «unsere Sozialausgaben steigen» ist eine komplette Lüge: «Sozialausgaben liegen gemessen am BIP unter dem Niveau von 2015» ZON online 4. September 2025.
@ DerDieDas 13. Februar 2026, 11:49
Dass «unsere Sozialausgaben steigen» ist eine komplette Lüge: «Sozialausgaben liegen gemessen am BIP unter dem Niveau von 2015» ZON online 4. September 2025.
Das ist ein möglicher Maßstab, aber nicht der einzige.
Von 2002 bis 2022 sind die Ausgaben für Soziales um 26% über den Inflationsausgleich hinaus gestiegen; auch der Anteil an den Staatsausgaben hat sich leicht erhöht.
Das ist eine andere Sichtweise als Deine, aber deswegen bezichtige ich Dich nicht gleich, ein Lügner zu sein.
Die Sozialausgaben liegen seit dem Jahr 2020 über 30 Prozent und damit auf einem historischen Peak. zum Vergleich: Zum Zeitpunkt der Wiedervereinigung waren es 24 Prozent, der Anteil ist also um fast ein Drittel gestiegen. Stellen Sie sich vor, Sie könnten von Ihrem mittleren Einkommen von sagen wir 5.000 Euro monatlich 300 Euro mehr für sich behalten! Wäre das nicht toll?
Auch das könnte für Sie interessant sein: Bundesfinanzen: „Sozialausgaben in den vergangenen drei Jahrzehnten verdoppelt.“
[Klipp und klar: Beleidigungen lasse ich mir nicht gefallen. Eventuell fliegt dann der ganze Kommentar raus.]
Erbschaftssteuer (..):
– Die mittlere Erbschaft (Median) beträgt je nach Jahr zwischen 30.000 und 40.000 € → weit unterhalb der Freibeträge, die für Kinder und Ehepartner 400.000 bzw. 500.000 € betragen.
– Laut DIW-Analyse sind gerade einmal 3,4 % (!) der Erbschaften (und Schenkungen) größer als 400.000 €.
– Die SPD wwill die Freibeträge anheben, auf eine Million € für Privatvermögen und fünf Millionen € für Betriebsvermögen – Unabhängig vom Grad der Verwandtschaft!
– Nur 3,4 % der Erbschaften sind größer als 400.000 €, ca. 1 Prozent aller Erbschaften (und Schenkungen) dürften größer als eine Million € sein → Mit dem SPD-Vorschlag müssen 99 % der Erben keine Steuer mehr bezahlen
– Würden Erbschaften wie normales Einkommen behandelt, fiele für Großerben darauf der Reichensteuersatz von 45 % an. Aber: Für enge Verwandte selbst greift heute höchstens ein Steuersatz von 30 % ab einem Erbe von 26 Millionen €!
Auch hier: Es fehlen Position und Argument, die das untermauern.
Der Median der Erbschaften ist für diese Diskussion völlig uninteressant. Relevant ist, wie sich die Erbschaften auf die Bürger, gestaffelt nach Einkommens- und Vermögensgruppen (in Dezilen betrachtet) verteilen.
Ich weiß, jetzt sind Sie enttäuscht, aber Erbschaften reduzieren die Vermögensungleichheit. Das ist ein nicht zu bestreitender Fakt.
Wie Sie aus der DIW-Studie erkennen können, machen Erbschaften durch die Bank einen wesentlichen Teil der Vermögensbildung aus, egal ob es die oberen oder unteren Einkommensbezieher betrifft. Das zerhaut Ihre Vorurteile total, gell?
Nur zwei knappe Ergänzungen zu der Debatte:
1) Die deutsche Vermögensungleichheit ist nicht etwa so hoch, weil die Vermögenden vermögender werden, sondern weil das deutsche Medianvermögen auf dem Stand von Portugal liegt, sprich, es gibt sehr viel mehr Wenigvermögensbesitzer als woanders. Der Hauptgrund dafür dürfte in zwei verlorenen Weltkriegen liegen.
2) Erbschaftssteuer wird auf bereits versteuertes Einkommen oben drauf gesattelt. Und das betrachte ich ganz offen schlicht als Raub. Denn von dieser Steuer nicht betroffen ist, wer vor seinem Tod sein Geld auf Luxus-Weltreisen verjubelt. Wer es dagegen zurücklegt, um es seinen Kindern oder seiner Witwe zukommen zu lassen, wird dafür bestraft. Nun kann ich nicht verhindern, dass eine Gesellschaft das trotzdem so beschliesst – sie ist mächtiger als ich und hat ggf. bewaffnete Räuberbanden zu ihrer Verfügung – aber ich werde das niemals anders behandeln als Raub und jeden Versuch gutheissen und ggf. decken, sich dem zu entziehen, auf welche Weise auch immer.
Gruss,
Thorsten Haupts
ad 1): Nein, das stimmt nicht, schließlich waren auch andere europäische Länder von dem Vernichtungsfuror der Nazis betroffen. Aber es gibt eine Reihe Faktoren, weshalb die Deutschen abgehängt wurden.
1. Wiedervereinigung. Wir haben 15 Millionen Habenichtse übernommen, die 1990 praktisch bei Null starteten. Das drückt das Medioneinkommen.
2. Deutschland setzt als Altersversorgung so stark wie kaum ein anderes Land auf ein sehr renditenschwaches Umlageverfahren. Ich hatte das vor kurzem aufgezeigt: Hätten wir nach 1990 die Rentenbeiträge an der Börse angelegt, könnten heute 3-4fach höhere Renten gezahlt werden.
3. Aufgrund politischer Maßnahmen besitzen die Deutschen wenig Wohneigentum. Auch das drückt den Median enorm.
4. Die Deutschen haben jahrzehntelang in renditenschwache Produkte ihr Sparvermögen angelegt.
5. Seit 2015 sind über vier Millionen mittellose Migranten nach Deutschland genommen.
6. Die Selbständigenquote ist niedrig. Aus dem Angestelltenverhältnis werden weniger Menschen wohlhabend denn als Unternehmer.
1, 2 und 5 gebe ich Ihnen, trotzdem gewichte ich die Verluste aus zwei Weltkriegen höher.
Die Berechtigung der anderen Punkte kann ich nicht beurteilen, ohne mich ein paar Tage lang in europäisch und international vergleichbare Zahlen zu wühlen, sofern die Daten entsprechend korrekt aufbereitet überhaupt auffindbar sind.
Gefühle bringen uns nicht weiter. Nach dem glorreichen 1000jährigen Reich war ja nicht nur Deutschland total zerstört. Der Rest Europas – egal ob Großbritannien, Frankreich, Spanien, Österreich, Benelux – war es auch. Deswegen legten die USA den Marschall-Plan auf, der eigentlich European Recovery Program hieß. Die Mittel flossen nicht nur nach Deutschland, sondern vielen europäischen Staaten, im wesentlichen als Kredite, zu. Woher soll also der Vorsprung in der Vermögensbildung gekommen sein, wenn ganz Europa von der immensen Zerstörung des Krieges betroffen war?
Sogar hauptsächlich in andere Staaten, ursprünglich war das gar nicht für Deutschland gedacht. Deutschland profitierte viel mehr von den geänderten Importregeln ab 1950.
Nach dem glorreichen 1000jährigen Reich war ja nicht nur Deutschland total zerstört. Der Rest Europas – egal ob Großbritannien, Frankreich, Spanien, Österreich, Benelux …
Total zerstört waren nur Teile der Sowjetunion, selbst Deutschland war es nicht. Am stärksten in Mitleidenschaft gezogen ware Finnland und Frankreich, Spanien war vom WK II gar nicht betroffen, Grossbritannien nur marginal (was seine Industrie und Infrastruktur betraf). Genau das spiegelt sich übrigens in der europäischen Median-Vermögensverteilung.
https://www.bpb.de/kurz-knapp/zahlen-und-fakten/sozialbericht-2024/553236/vermoegen-im-europaeischen-vergleich/
1) Auch guter Punkt.
2) Es gibt kein Land, in dem in im Durchschnitt 3-4fache Renten Deutschlands an die Bevölkerung gehen. Warum nicht? Diese Lücke in der Argumentation ist so groß wie ein Scheunentor.
3) Ja, das ist unzweifelhaft korrekt. Liegt aber auch an der Mentalität der Deutschen, nicht nur an der Politik (bzw. die Politik ist ja auch Ausfluss dieser Mentalitäten). Bei uns hat Wohneigentum nicht dieselbe Stellung wie etwa im UK oder den USA. Und Mieten ist nicht so scheiße wie dort, unter anderem wegen stärkeren Mieterschutzes.
4) Korrekt.
5) Auch richtig.
6) Auch richtig, sorgt aber gleichzeitig dafür, dass wir eine viel geringere Unterklasse von prekären Selbstständigen haben, die ihr Leben lang an der Armutsgrenze leben und dann im Alter gar keine Absicherung haben.
ad 1): Das ist statistisch so. Würde man nur den Median Münchens nehmen, stellten wir uns reicher.
ad 2): Sowohl in dem Artikel als auch über die Jahrzehnte habe ich nie die Position vertreten, die Rente solle allein aus Kapitalvermögen fließen. Ich kann das ja immer noch dazu schreiben. In Deutschland haben wir das eine Extrem, dass ein großer Teil der Rentner nur die gesetzliche Altersvorsorge als Absicherung besitzt. Und das ist durch das hohe Abgabenniveau erzwungen. Nehmen wir die Schweiz, die ja immer gerne als Beispiel dient: Dort zahlen die Bürger 5 Prozent ihres Arbeitnehmerentgelts (also 10 Prozent gesamt) in das steuerliche Umlagesystem ein. Hier sind es über 19,6 Prozent. Warum so viel? Was viele längst vergessen haben: 1998 beschloss die neue rot-grüne Bundesregierung eine Ökosteuer auf Benzin, mit der die Rentenbeiträge aus Steuermitteln künstlich abgesenkt werden sollte („Rasen für die Rennte“). Tatsächlich wurde der Beitragssatz danach um einen Prozentpunkt vermindert.
Mit den knapp zehn Prozentpunkten Unterschied haben die Eidgenossen genügend finanzielle Freiheiten, die zwei weiteren, wesentlich ertragreicheren und kapitalgedeckten Säulen zu füttern. Die Grundrente der Schweiz dagegen reicht nur für die Basisversorgung.
ad 3): Die meisten Deutschen wünschen sich Wohneigentum. Nur ist ihnen dies nicht möglich aufgrund politischer Beschränkungen. Das habe ich häufiger ausgeführt. Linke Politiker haben sich in den letzten Jahrzehnten dazu verstiegen, diese natürlichen Wünsche des Menschen lächerlich zu machen und weiter zu beschränken. In Erinnerung ist mir die Äußerung einer linken Berliner Politikerin, die die Vorteile des Mieten herausgestrichen hat. Und die Politik ist darauf gerichtet, den Bürgern das Einfamilienhaus zu verleiden – entweder durch Verbote oder durch Zusatzbelastungen.
ad 6): Nein. Erst Anfang der Siebzigerjahre setzte in Deutschland die große Verbeamtenwelle ein. Das Angestelltenverhältnis wurde attraktiver, gerade durch die Ausweitung der Arbeitnehmerschutzrechte. Aber Selbständige sind nicht automatisch arm. Die Selbständigkeit bietet aber weit mehr Potential, wohlhabend zu werden. Risiko und Chance. Meine Mutter z.B. war mit Anfang Zwanzig eine kleine Ladenangestellte in Frankfurt. Mit dem ersten Kind hörte sie auf um sich als Schneiderin selbständig zu machen. Das Ziel war nicht Reichtum, sondern die Möglichkeit, sich um ihr(e) Kind(er) kümmern zu können. Mit sehr, sehr viel Arbeit und Fleiß (bis in die Nächte hinein) brachten meine Eltern es zu Wohlstand aus sehr kleinbürgerlichen Verhältnissen – mein Haus, mein Auto, mein Boot.
2) Alles nett, aber die Frage bleibt unbeantwortet: wie viel kriegt ein durchschnittlicher Schweizer Rentner? Ich wage die Behauptung, dass der Unterschied zu uns recht gering ist.
3) Jo, die Linken haben als Zielgruppe halt auch Leute, die nie Wohneigentum werden kaufen können, einfach weil die Kohle fehlt, egal welche Regulierungen gelten. Aber grundsätzlich: ja, Deutschland ist da konservativer als viele andere Staaten, das wollte ich zum Ausdruck bringen.
6) Natürlich sind Selbstständige nicht automatisch arm, mein Punkt ist nur, dass viele Selbstständige halt nicht eben super verdienen. Man muss halt aufpassen, nicht in Klischees zu reden. Das ist eine große, diverse Gruppe.
2) Aus dem Steuersystem: Das Minimum zu Leben. Aber das ist bei der umlagefinanzierten Rente in Deutschland ja meist nicht anders. Deswegen doch die harten Debatten über die Haltelinie von 48 Prozent. Das hat doch einen substanziellen Hintergrund. Nur, diese Basis schaffen unsere Nachbarn mit 10 Prozent Abzügen, wo wir knapp das Doppelte brauchen. Die Schweizer Rente wird deswegen üppig, weil sie dann eben noch 10 Prozent übrig haben, mit denen sie Rendite machen können. That’s the Point!
3) Die Frage ist die nach dem Warum. Da legt Ihr die Hände abwechselnd auf die Augen, die Ohren und den Mund. Da die Linken eher einen regelnden und zuteilenden Staat (siehe auch die Debatten über Sozialwohnungen) befürworten, sind hohe Abgaben die oberste Priorität. Das Ergebnis ist dann, dass die Menschen wenig für sich behalten. Das sagt jede Statistik, deswegen müssen Linke ja das Kinderspiel spielen: Bin nicht da!
6) Der Spagat in der Selbständigkeit ist deutlich größer. Und das wollen viele politisch nicht. Doch wer größere Einkommensspreizung nicht akzeptiert und sie durch hohe Abgaben und üppige Sozialtransfers bekämpft, bekommt eben auch nicht die Dynamik. Mein immerwährendes Thema: Verantwortung für die eigenen Entscheidungen.
2) Die Schweizer haben ja aber auch ein Beitragssystem (Säule 1) und eine verpflichtende Kapitaldeckung FÜR BESCHÄFTIGTE, während in Deutschland eben auch Leute aus der Rentenversicherung abgedeckt werden (Mindestrente), die deutlich drunter liegen. Ich bin zu wenig Experte für eine vertiefte Diskussion, aber allein die Zahlen deuten für mich darauf hin, dass deine Brille zu rosarot ist: die Schweiz strebt 60% Bruttoeinkommen an, wir 48% Nettoeinkommen. Das ist doch völlig vergleichbar! Ich bezweifle gar nicht, dass mehr Säulen besser sind und so, mir geht es gerade nur um die Idee, dass die Resultate in einem krass besseren System münden.
Ich zitiere mal:
„Während die erste Säule in der Schweiz eine am Existenzminimum ausgerichtete
Grundversorgung sicherstellen soll, orientiert sich die erste Säule in Deutschland – die
gesetzliche Rentenversicherung – an der Sicherung eines angemessenen Lebensstan-
dards im Alter. Dieses Ziel wird in der Schweiz erst durch das Zusammenspiel von ers-
ter und zweiter Säule erreicht. Die erste Säule übernimmt damit im deutschen System
Funktionen, die in der schweizerischen Alterssicherung erste und zweite Säule gemein-
sam haben. Die immer wieder angestellten Systemvergleiche tragen diesem Unterschied
nicht immer Rechnung. Das gilt insbesondere für den Vergleich der Beitragsbelastung
in den staatlichen ersten Säulen. Der fällt zwar auf den ersten Blick für die Schweiz mit
insgesamt 10,1 Prozent bei Arbeitnehmern deutlich günstiger aus als für die Rentenver-
sicherung in Deutschland mit 19,5 Prozent. Ein solcher Vergleich ist aber nicht zulässig,
da in der Schweiz die Lebensstandardsicherung erst durch das Zusammenspiel zwischen
erster und zweiter Säule erreicht wird. Es sind also den 10,1 Prozent weitere 7,5 bis 9
Prozent aus der zweiten Säule hinzuzurechnen. Im Ergebnis ist deshalb in der Schweiz
der für die Sicherung des Lebensstandards erforderliche Gesamtbeitrag nicht viel nied-
riger als in Deutschland. “
https://www.bundestag.de/resource/blob/412786/f538e7b532ae732c8953308ef918353b/WD-6-008-08-pdf.pdf
Du vergleichst eine Fantasie.
3) Naja, Leute, die Sozialwohnungen kriegen können, werden nie Wohneigentum erwerben. That’s just a fact. Da laufen einfach Sachen durcheinander: wir brauchen mehr Sozialwohnungen, und die muss der Staat stellen, aber der Mittelschicht hilft das erstmal nicht – da wären andere Maßnahmen nötig. Andere Probleme, andere Lösungen.
6) Korrekt. Und die Deutschen wollen diese Dynamik eben nicht, weil sie die Einkommensspreizung nicht wollen.
Schön gegoogelt. Aber das ist die Welt der deutschen Rentenverteidiger. Es ist nicht die Realität.
Die erste Säule ist eine Art steuerfinanzierte Rente. Alle zahlen ein, alle bekommen das gleiche Minimum. Dieses wird allerdings schon mit 10 Prozent-Zahlungen (hälftig Arbeitnehmer und Arbeitgeber) erreicht. In Deutschland schaffen wir mit rund 20 Prozent (vergiß die Ökosteuer nicht) 48 Prozent. In der Schweiz sorgt die zweite Säule, dass das Niveau auf rund 60 Prozent gehoben wird. Das sind Meilen vom deutschen Niveau, Stefan. Das ist ein Viertel mehr. Ob ich 1.500 Euro Rente bekomme oder knapp 400 Euro mehr, ist für Durchschnittsrentner ein enormer Unterschied. Um auf 60 Prozent zu kommen, müssen die Schweizer aber lediglich 16,8 Prozent aufwenden, drei Prozentpunkte weniger als die Deutschen. Diese gesparten drei Prozent (1.800 Euro bei einem Durchschnittsverdiener von 60.000 Euro im Jahr) kann er dann in die dritte Säule investieren. Und deswegen bekommen unsere Nachbarn auch ungleich höhere Renten.
Wie sieht das statistisch aus? Ich habe mir die OECD-Zahlen gegriffen: Deutschland gibt für die staatliche Vorsorge 12 Prozent des BIP aus. In der Schweiz sind es lediglich 7,2 Prozent und selbst im OECD-Mittel gerade 9 Prozent, also ein Viertel weniger als das deutsche Niveau. Auch in den Niederlanden sind es gerade 7,8 Prozent. Ganz anders das Bild bei der privaten Vorsorge: Deutschland 0,7 Prozent, OECD 1,7 Prozent, Schweiz 5,8 Prozent. In Summe geben die Schweizer also nicht weniger als die wir für die Altersvorsorge aus, nur eben anders. Und das führt zu den völlig anderen Ergebnissen.
Der Ertrag der Rente wird in Relation zum letzten Einkommen gemessen. Anders als bei den Einzahlungen (=wir geben sehr viel aus), wo wir Deutschen im oberen Drittel liegen, liegen wir bei den Auszahlungen (=Erträgen; Pension Replacement Rates) im unteren Drittel. In Deutschland liegt dieser Quotient tatsächlich nur noch bei 42 Prozent für Durchschnittsverdiener, für Topverdiener geht es auf 30 Prozent ganz tief runter. Die Zahlen im Vergleich:
Deutschland: 42 Prozent
Schweiz: 55 Prozent (nur Mandatory!)
Niederlande: 74 Prozent
OECD: 52 Prozent
Wir liegen also, obwohl wir 3 Prozentpunkte mehr als im Mittel für die staatliche Rente aufwenden, bei den Auszahlungen 10 Prozentpunkte unter dem Mittel. Stefan, das sind Lichtjahre! Nur damit wir auf OECD-Level kommen, müssten bei uns die Auszahlungen bei gleichen Einzahlungen wie OECD bei 2.265 Euro statt 1.500 Euro liegen. Unser System ist für Durchschnittsverdiener um 765 Euro schlechter im Monat. Wovon redest Du?? Und wir reden nur von Durchschnitt, an dem staatliche Leistung gemessen wird, nicht die Benchmark der Tops. Verstehst Du wirklich nicht, warum ich die staatlichen Leistungen in Deutschland so mies finde? Weil sie es sind. Das ist die objektive Wahrheit.
3) Eben. Wir kümmern uns mehr um die (angeblich) Benachteiligten, als um die normalen Bürger, ihre Wünsche und Sehnsüchte. Kein Mensch, kein Unternehmen, kein Staat hat unendliche Mittel. Jeder muss Prioritäten setzen. Wer sie nicht setzt, hat auch Prioritäten, was zu den schlechtesten aller Lösungen führt. Das ist der deutsche Staat. Er will alles und leistet deswegen auf allen relevanten Politikfeldern besonders wenig. Das Geld, was wir zusätzlich für staatlichen Wohnungsbau ausgeben, fehlt dann den Bürgern für die eigene Wohnung.
6) Deswegen sind mir meine Landsleute über die Jahre so fremd geworden, weshalb ich hier nicht meinen Ruhestand verbringen möchte. Das ist eine der zahlreichen Gründe.
1) Spannende Idee. Aber das liegt doch schon drei Generationen zurück? Und: wenn das stimmt, belegt es nicht einmal mehr, wie zentral dieses Vererben für das Bilden von Vermögen ist und wie wenig das mit irgendwelchen Leistungen zu tun hat? Was kann ich denn dafür, ob meine Urgroßeltern ausgebombt wurden?
2) Das ist ein Frame, den man machen kann (ich bin dir dankbar für das ehrliche „betrachte ich“). Ich würde dir das Gegending sagen: ob du deinen Nachfahren was hinterlässt oder nicht ist dein Privatding. Du kannst alles rausballern oder ihnen was hinterlassen. Und die Erbschaftssteuer ist echt nicht hoch! Den Erben bleibt ja immer noch der Großteil. Du kannst das auch als Transaktionskosten verbuchen.
„zahlst allen Bürger*innen zum 18. Geburtstag Summe X als Startkapital aus“
Diesen Vorschlag habe ich gerade eben auch bei Timothy Garton Ash gelesen, in einem Essay zur Frage, wie wir die liberale Demokratie gegen die Populisten verteidigen könn(t)en: Ein mit Steuergeldern finanziertes Grunderbe. („The future of liberalism -What should come after liberalism? A better liberalism.“ Prospect Magazine, 15 Feb)
Er zitiert darin auch Ralf Dahrendorf mit seiner Forderung nach Chancengleichheit für alle.
Nochmal auch an Sie die Frage: Was folgt aus dem Vorschlag? Als Startkapital erhält jeder Bürger aus den Zahlungen fleißiger Steuerzahler einen Betrag X als gleiche Chance. Und wenn der Empfänger die großzügige Zuwendung seiner Mitbürger verspielt, was dann?
Dann hat er seine Chance verspielt.
Dazu gibt’s übrigens schon in der Bibel Parabeln.
Darauf können wir uns verständigen. Eigentlich auch einmal ein gutes Gefühl. 🙂
Genau. Wie gesagt, das ist nur sehr grob skizziert, aber das wäre was Vorstellbares.
Das ist nur eine Idee. Ehrlich gesagt halte ich nicht viel davon. Wer legt die Summe fest, und Milliardskinder kriegen die obendrauf? Auch T. G. Ash hält Bildung für wichtiger für die Chancengleichheit.
Mir geht es auch mehr darum zu zeigen, dass es strukturelle Ideen gäbe, die dem Staat (anders als Investitionen in Bildung) nicht mehr Mittel zur Verfügung stellen wrüden.
Ja, wat wolle se denn? Wenn es Ihnen darum geht, einfach ein paar Achtzehnjährigen einen Zuschuss zum Führerschein zu geben, werden Sie in diesem Land keine Mehrheiten finden. Sie scheuen wie alle Linken die Konsequenzen. Sie sagen „gebt ihnen doch Chancen!“ und wenn’s daneben geht, zahlen halt wieder die Besserverdiener. Das ist Ihr Verständnis von Solidarität. Wenn Sie nicht mehr haben, beenden wir das hier.
„betrachte ich ganz offen schlicht als Raub…ggf. decken, sich dem zu entziehen, auf welche Weise auch immer.“
Sie sehen das als eine nachträgliche Erhöhung der Einkommensteuer. Ein solcher Furor, obwohl es sich nicht um die eigene Leistung (die mal vorausgesetzt) handelt?
„sollte der Staat im Erbfall ausnahmslos jedes Unternehmen übernehmen“
Nein, das ist ganz gewiss nicht die Konsequenz. Das Thema war „Neiddebatte“.
Nein. Sie haben zwei völlig unterschiedliche Sachbereiche zusammengebunden:
Erben müssen gar nichts leisten. Das ist doch mein Punkt: Wenn die Debatte um eine Erbschaftssteuer eine Neiddebatte ist, dann ist es die um die Beamtenpensionen auch.
Sie vergleichen (Firmen-) Erben und Beamte und Sie behaupten, entweder leisten beide (adäquat) für das, was sie bekommen oder keiner. Stefan nennt so etwas „What about -ism“. Egal.
Sie versteigen sich wie so oft zu Absurdem: Kunden entscheiden bei Unternehmen, was sie verdienen so wie es Geschäftsführungen bei gut bezahlten Mitarbeitern tun. Es geschieht rein freiwillig. Bei Beamten ist das höchstens eine theoretische Fiktion. Tatsächlich hat kein Bürger als Wähler Einfluss auf die gesamten Vergütungen noch kennt man denjenigen und sein Gehalt persönlich. Es wird über Zwangsabgaben, notfalls mit Gewalt eingetrieben, eingezogen. Ist für Sie alles das Gleiche, denn auch der Kunde bekommt eine Pistole vorgehalten um bei einem bestimmten Laden, den er nicht persönlich auswählt, überteuerte Produkte zu kaufen. Schon einmal vorweg: In Ihrer Gerechtigkeitswelt will ich niemals leben.
Nun, Sie behaupten, Firmenerben würden nichts (adäquates) leisten. Denn meine Position ist glasklar: Beamte sind tendenziell überbezahlt. Die Leitung und Entwicklung eines Unternehmens ist derart leistungslos, dass es nur wenige Menschen machen wollen. Anders als für Jobs im Staatsdienst stehen die Bewerber nicht Schlange. Wenn es total leistungslos ist, kann man nichts dagegen einwenden, wenn das Vermögen eingezogen wird. Dann aber generell.
Sie befürworten ja einen Staat, der sich die Rosinen rauspickt. Schaffen es Erben, ein schief stehendes Unternehmen in die Gewinnzahlen zu bringen, bekommen sie nach Ihrem Gerechtigkeitsverständnis nicht nur hohe Gewinnsteuern aufgedrückt, sondern auch noch hohe anteilige Erbschaftsteuern. Wenn es schief geht – auch. Der Staat gewinnt nach Ihrer Vision immer. Das ist wie dieser SPD-Politiker, der vor einigen Jahren dafür sorgte, dass CFDs im Gewinnfalle zu versteuern seien, bei Verlusten aber nicht. Genial!
Es werden ja nicht nur Unternehmen vererbt. Dass es dafür besondere Regelungen braucht, bestreitet niemand. Nur mal die Portale von Maklern im Luxus-Immobilienbereich gucken oder einen Bericht von der „Boot“ in Düsseldorf. Da geht es nicht um den Erhalt von Arbeitsplätzen – oder allenfalls in Yacht-Werften.
Wenn die öffentlich Beschäftigten so überbezahlt sind, warum hat der Staat dann Mühe, Bewerber zu finden? Von „Schlange stehen“ kann keine Rede sein. Ich kenne das: Bei Hochkonjunktur hat man uns belächelt bis bespöttelt, in Krisenzeiten kriegen wir den Neid ab.
Wir reden generell über die Sinnhaftigkeit der Besteuerung von Erbschaften ohne Ausgleich bei der Einkommensteuer bei den oberen 50 Prozent (die Bürger, die während ihres Erwerbslebens relevant Vermögen bilden können – wenn man sie lässt) und im Speziellen über die angebliche Leistungslosigkeit von Firmenerben. Deswegen ist es nicht zulässig, da auszubüxen. Sie haben behauptet, es wäre keine Leistung ein Unternehmen zu übernehmen (obwohl hunderte zu einem symbolischen Preis von 1 Euro zum Kauf stehen).
Was hat nun die Boot in Düsseldorf damit zu tun? Gar nix.
Der Staat ist der einzige Sektor, der in den letzten 15 Jahren Personal aufgebaut hat. Und auch in 2025 galt der Staat bei jungen Leuten (die eigentlich Unternehmer werden sollen!) als besonders beliebt. Der Staat hat keine Mühe, Personal zu finden, vielleicht mit Ausnahme in der Gehaltsgruppe über 110.000 Euro. Das hat aber damit zu tun, dass der Staat die darunter liegenden Entgeltgruppen besonders gut bezahlt. Ansonsten kenne ich diese pauschale Abwehr von meinem Vater. Das erste Mal habe ich das glaube ich 1972 gehört. Verschonen Sie mich also mit so etwas. Das sind keine Argumente für die gehobenen Debatten, die wir hier versuchen zu führen.