Wann kommen endlich Games und Serien in den Bildungsplan?

Es gibt zahllose Felder aus denen ersichtlich wird, dass in den Kultusministerien „Neue Medien“ eher als eine kleine methodische Auflockerung, vielleicht gar als ein zweistündiger Methodenschwerpunkt zu Anfang oder Ende des Schuljahrs gesehen werden. Doch diese Passivität gegenüber der Wandlung des kompletten Bildungsbegriffs, der uns ins Haus steht, erstreckt sich nicht nur auf den Methodenteil, wo immer noch viel zu sehr davon ausgegangen wird, dass die OHP-Folie das höchste an medialer Unterstützung ist, was ein Lehrer so gebrauchen kann. Auch in den Bildungsplänen ist eine erschreckende Ignoranz gegenüber medialen Formen zu erkennen. Ich will dies an zwei Beispielen konkret machen: Videospiele und TV-Serien.

Beide finden in der schulischen Welt überhaupt nicht statt, werden eher als frivole Freizeitaktivitäten gesehen, die Zeit von den seriösen Schultätigkeiten abziehen. Der Beschäftigung mit Goethe, Schiller und den Regeln der deutschen Grammatik also. Denn ist das eherne Gesetz aller selbst ernannten Verteidiger von Bildung und Kultur, dass nur ernstgenommen werden kann, was keinen Spaß macht.

Ich weiß dass das überzogen klingt, und natürlich ist es wenigstens in Teilen eine Zuspitzung. Der Bildungsplan enthält ja als einen von vielen Stichpunkten unter „ferner liefen“ (nicht abirelevant und daher meist unter den Tisch fallend) auch den Punkt „Filmanalyse“. Und wenn man das wenige didaktische Material dazu anschaut, dürfen die Schüler dann auch anhand klassischer Komödien aus den 1970er und 1980er Jahren lernen, welche verschiedenen Kameraeinstellungen es so gibt.

Aber letztlich läuft es darauf hinaus, dass es sich um Nebenaktivitäten handelt, die mehr zähneknirschend aufgenommen wurden, weil es halt der Vollständigkeit halber hineinmuss. Die Vermittlung des klassischen bildungsbürgerlichen Kanons spielt immer noch die erste (und zweite, und dritte) Geige. Ich erinnere mich noch, dass ich während des Referendariats in einer Diskussion um den Nutzen des Lesens von Klassikern im Unterricht verschnupft von der Ausbilderin gebeten wurde, doch noch einmal zu reflektieren, warum ich Deutsch unterrichten wolle, weil ich der Lektüre klassischer Dramen nicht die gebührende Referenz erwies.

Für mich ist es wichtig, dass die Schüler die Möglichkeit bekommen, das ganze theoretische Wissen um Leitmotive, Charakterentwicklung, Dialoganalyse etc. auch praktisch anzuwenden. Und man mag zwar im Philologenverband immer noch dem Leitbild des Matura-Schülers anhängen, der in der väterlichen Bibliothek in seiner Freizeit (Tweetjacket tragend) den ledergebundenen Goethe aufschlägt, aber das geht an der Realität völlig vorbei.

Der mit Abstand größte Kontakt, den die meisten Leute mit Erzählungen haben, ist nicht das gedruckte Buch. Und ich schreibe hier bewusst nicht „Jugendliche“ oder „Schüler“, denn ist ja nicht gerade so, als ob das später schlagartig besser wäre, nur weil die Leute älter sind. Nein, den meisten Narrativen begegnene die Menschen heute im Fernsehen, und hier zunehmend in Form lang laufender Dramenserien, sowie in Videospielen (noch immer mit stark männlicher Schlagseite, aber das bessert sich langsam).

Es macht daher keinen Sinn, diese „neuen Medien“ (die neu zu nennen nach über 30 Jahren auch nur die Berufsneanderthaler fertigbringen) im Unterricht nur als winzigen Nebenaspekt vorkommen zu lassen. Der ständige Bildungssnobismus hat zwar mittlerweile für einige wenige, ausgewählte Filme einen Weg an die Randzone des Bildungskanons erlaubt (Hitchcock!), aber Serien kommen überhaupt nicht vor, und neuere Produkte überwiegend auch nicht. Videospiele, auf der anderen Seite, werden scheinbar nicht einmal als erzählendes Medium wahrgenommen.

Das ist deswegen ein Problem, weil wie zwar in der Schule durchaus erfolgreich Fähigkeiten der Literaturanalyse vermitteln, dieses Wissen aber habituell auf die Klassiker beschränkt bliebt – die kein Schüler je freiwillig in die Hand nimmt (Ausnahme immer der geneigte Leser dieses Artikels, versteht sich). Zuverlässig sind zwei Fragen, die ich jedes Schuljahr bekomme, ob ich die Dinger denn in meiner Freizeit selbst lesen würde und ob irgendjemand die zur Zeit des Autors freiwillig gelesen habe. Es ist völlige Verschwendung, Schülern Methodenwissen an die Hand zu geben, das diese danach nicht wieder gebrauchen können.

Dabei ist das vermittelte Methodenwissen überaus wertvoll, denn es kann Anwendung in den Bereichen finden, in denen die Schüler auch später noch Narrativen ausgesetzt sein werden. Und das sind nach Lage der Dinge Filme, TV-Serien und Videospiele.

Ich unterrichte bereits seit einigen Jahren vergleichsweise umfrangreich Filmanalyse im Rahmen des Deutsch-Unterrichts. Ich benutze zudem Filme gerne als Beispiele, um literarische Konzepte deutlich zu machen. Beides hat nichts mit zu geringen Ansprüchen an das fachliche Niveau zu tun. So eignet sich kaum etwas so sehr wie Filme, um den Unterschied zwischen „Was geschieht?“ und „Worum geht es?“ deutlich zu machen, also die Abgrenzung zwischen einer Inhaltsangabe und einer Interpretation.

Ein Beispiel: Im Film „The Avengers“ geschieht, dass Loki sich eines mächtigen Artefakts versichert und im Bündnis mit einer außerirdischen Macht die Erde zu unterwerfen versucht, was ein Team von Superhelden verhindern muss. Es geht darum, dass man seine eigenen Egoismen und Vorurteile überwinden und lernen muss, im Team zu arbeiten.

„The Avengers“ ist sicherlich nicht gerade hohe Kunst, aber es eignet sich beispielhaft, um Konzepte deutlich zu machen. Dafür brauche ich aber keine spezifischen Methoden oder Bildungsplaninhalte, das kann ich in einem kurzen Kommentar erklären. Viel relevanter ist, solcherart erworbenes Methodenwissen, das die Schüler im Allgemeinen auf „Faust“ oder den „Steppenwolf“ anwenden müssen, auch auf Filme oder TV-Serien anzuwenden. Das hat zwei Effekte.

Effekt 1 ist, dass die Schüler in die Lage versetzt werden, tiefere Bedeutungsebenen solcher Medien überhaupt zu erschließen. Ein von mir jährlich aufs Neue beobachteter Effekt ist, dass sie überhaupt nicht auf die Idee kommen, diese an klassischer Literatur erschlossenen Fähigkeiten auch auf andere Bereiche anzuwenden (das betrifft im Übrigen auch in der Freizeit konsumierte Belletristik). Das aber bedeutet häufig, dass die Schüler rein passive Konsumenten der jeweiligen Medien bleiben. Selbst bei vergleichsweise einfachen, massentauglichen Werken bleibt die Rezeption üblicherweise auf das Verständnis des Plots beschränkt.

Effekt 2 ist, dass die Schüler in die Lage versetzt werden, gute Werke von schlechten zu unterscheiden. Wie bei jedem anderen Unterhaltungsmedium auch – ob Bücher, Popmusik, Spiele – sind 90% aller veröffentlichten Produkte entweder schlecht oder harmlose Massenware, die keine höheren Ziele als reinen Eskapismus verfolgen. In der Lage zu sein, die restlichen 10% zu erkennen und als das zu genießen, was sie eigentlich sind, ist eine zweite wichtige Fähigkeit, die im Rahmen des normalen Unterrichts überhaupt nicht erschlossen wird, weil der immer auf absoluter Hochkultur beschränkt bleibt statt sich in die Niederungen der (anspruchsvollen) Popkultur zu begegeben.

Und das ist ein wichtiger Punkt: es geht nicht um Arthouse-Filme, Stummfilmklassiker oder solche Dinge. Ich rede von völlig normalen Blockbustern und Serienerfolgen. Aber es gibt eben einen Unterschied zwischen der neuesten Adam-Sandler-Komödie und „Star Wars: The Last Jedi“. Es gibt einen Unterschied zwischen „Big Bang Theory“ und „Breaking Bad“.

Ich konnte den Erfolg dieser Maßnahmen letzte Woche live verfolgen. Ich war mit drei Klassen auf Exkursion im Kino (Star Wars: The Last Jedi, englische Originalversion), und wir haben den Film danach im Unterricht besprochen. Zwei der drei Klassen habe ich seit drei Jahren in Deutsch, die dritte gar nicht. Auf meine Frage, worum es ging (Antwort hier), konnte letztere keine Antwort geben. Die Idee, die im Deutschunterricht gelernten Fähigkeiten auf den Kinobesuch anzuwenden, kam ihnen gar nicht. Für sie bestand eine klare Trennung zwischen dem Kinobesuch – der fast schon unter Freizeit verbucht wurde – und Unterricht.

Die Klassen, mit denen ich das schon länger trainiere, konnten sofort diverse gute Antworten geben. Effektiv sahen sie einen anderen Film. (Ein ehemaliger Abiturient erzählte mir kürzlich, dass er und sein Freund seit der Besprechung im Unterricht keine schlechten Serien oder Filme mehr sehen könnten, ohne dass es ihnen sofort auffiele. Mission erfolgreich. :))

Noch wesentlich ausgeprägter sind die beschriebenen Effekte bei Videospielen. Das Medium ist jünger, und es richtet sich (noch) an ein jüngeres Zielpublikum, weswegen es noch seltener als Filme oder Serien in anspruchsvolles Territorium vorstößt. Die Idee, Videospiele überhaupt als narrative Medien zu begreifen – anstatt die erzählte Geschichte als rein verbindendes Element für die Gameplay-Sequenzen zu sehen – kommt den meisten Konsumenten gar nicht.

Effekt 1 ist daher häufig selbst bei bestem Willen schlicht nicht erreichbar. Effekt 2 dagegen ist umso gewichtiger.

Denn wie bei Filmen und Serien auch kann ein höheres Niveau nur dann erreicht werden, wenn die Konsumenten dies einfordern, und einfordern können sie es nur, wenn sie wissen, was ihnen bisher fehlt.

Die ständige bewusste Trennung zwischen komplexer, analysewürdiger Hochkultur auf der einen Seite, die für die meisten Schüler (und späteren Erwachsenen) untrennbar mit „Schule“ verbunden wird, und der auf reinen eskapistischen Konsum ausgelegten Populärkultur auf der anderen Seite, die in der Schule allenfalls als Belohnung nach einer Klausur oder zum Zeittotschlagen vor den Ferien benutzt wird, zerstört jegliche Möglichkeit, Effekt 2 auf breiter Basis zu erreichen.

Es ist daher notwendig, dass sich die Schule diesen Werken ebenfalls annimmt und den Schülern eine völlig neue Welt der Rezeption von Popkultur öffnet. Dazu ist es auf der einen Seite nötig, die snobistischen Vorbehalte gegen die Popkultur loszuwerden. Das ist die Aufgabe der Lehrer. Dazu ist es auf der anderen Seite nötig, die Vorstellung loszuwerden, das in der Schule gelernte sei anrüchig und dürfe keinesfalls in die Freizeit vordringen. Das ist die Aufgabe der Schüler.

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  • Patrick 26. Dezember 2017, 10:10

    wo unterrichtest du? Ich bin ausschließlich in einer Oberstufe untrwegs, und da behindert mich der Lehrplan doch ziemlich, weil ich in 12/13 viel Zeit verbringe, Literatur um 1800 bzw 1900 für das Abitur aufzubereiten. Und selbst Literatur von 1945 bis zur Gegenwart bedeutet dann gerne 1954.

    Das bedeutet dann immer, dass Ausfälle die (wenigen) Stunden streichen, in denen ich zusätzlich moderne Inhalte einbringen möchte.

    So geht es übtigens auch in anderen Fächern mit anderen Vorzeichen, z.B. in Wirtschaft für Dinge jenseits neoliberaler Arbeitsmarktpolitik.

    • Stefan Sasse 26. Dezember 2017, 15:30

      Praktisch ausschließlich Oberstufe. Und die Probleme die du beschreibst kenne ich nur zu gut.

  • Stefan Pietsch 26. Dezember 2017, 13:06

    Ich weiß nicht, wo Deine Schwerpunkte liegen. Wenn heute Viertklässler kaum ausreichende Mathematik- und Deutschkenntnisse haben, liegen unsere Probleme sicher wo anders als das Oberstufenschüler nicht genügend Kompetenzen besitzen, gute von schlechten Videospielen zu unterscheiden. Es gibt heute Teile der Jugend, die Avatare für reale Erscheinungen halten. Die Aufmerksamkeitsspanne von Jugendlichen ist binnen 10 Jahren von 25 Sekunden auf unter 5 Sekunden gefallen. Das ist das Niveau von Fischen, ursächlich die blinkenden Smartphones und Tablets. Und es gibt heute nicht wenige junge Reisende, die den Nachmittag ihrer Backpacker-Reise damit verbringen, auf Instagram bearbeitete Fotos ihrer Reise zu posten.

    Vor einiger Zeit hatte ich Mitte 20jährige junge Frauen in meinem Team. Anspielungen auf Filmklassiker wie „Vom Winde verweht“ („Verschieben wir’s auf morgen“) verstanden sie nicht, sie hatten solche Kunstwerke nie gesehen.

    Seit einigen Jahren beschäftige ich mich mit der Erstellung von Filmen, mein Ziel ist, meinen Urlaubsfilmen einen semiprofessionellen Anstrich zu geben. Ich arbeite dabei mit professionellen Programmen wie Premiere Elements, After Effects und Blender. Obwohl ich eine große IT-Affinität habe, musste ich erst die völlig unterschiedlichen Konzeptionen wie beispielsweise 3D-Darstellungen lernen und begreifen. Eines meiner Highlights ist eine animierte Kamerafahrt an einem Kreuzfahrtschiff lang, die tatsächlich nur auf einer Bildoberfläche stattfand.

    Doch um solches zu lernen, bedarf es vieler Basics. Was will ein 20jähriger mit einer Bildbearbeitung, wenn er RGB für einen russischen Geheimdienst hält? Vor kurzem habe ich es erlebt, dass eine 10jährige sich ein Fliegerprogramm auf ihrem Tablet installierte. Nun brauchte sie lediglich gemäß dem Kurs das Tablet zu halten und konnte fliegen. Nein, konnte sie nicht. Sie versteht nichts von der Erdkugel, sie weiß nicht, was der Nordpol ist, wie man einen Kompass bedient, was die Himmelsrichtungen sind. Auf dieser Basis ziehen wir Idioten heran, aber keine Menschen, die später in der Lage sind, nicht nur modernste Technik zu bedienen, sondern sie zu entwickeln. Eine App kann ein Äffchen bedienen, doch Strukturen zu erkennen, dazu bedarf es neben Intelligenz auch enorm viel Wissen.

    Ich betrachte heute Filme anders und mich langweilen diese zu Filmen gewordene Computerspiele. Die Landschaften in den Star Wars Produkten sind kein Stückchen echt, die Filmkunst ist überschaubar. Wie schwierig war es dagegen noch, solche Klassiker wie Lawrence von Arabien oder Once Upon A Time in The West zu schaffen. Von neueren Werken sind am interessantesten die Phantasien von Christopher Nolan, während andere Künstler wie David Fincher längst ins Serienfach abgewandert sind, wo weniger mit Computertricks, dafür mehr mit Bildgestaltung und Geschichtenerzählung gearbeitet wird. Nur die Basics hier, die studiert man am besten an den Klassikern.

    • Patrick 26. Dezember 2017, 14:55

      Ach ja, das gute alte Argument, dass es wichtigeres gibt. Was es nämlich immer gibt. Wichtig ist dabei anscheinend, eine dreistündige Schmonzette zu kennen, ganz offembar aber nicht, zu wissen, dass David Fincher sehr viele digitale Effekte einsetzt, mitunter sogar ganze Straßenzüge digital erstzen lässt.

      • Stefan Pietsch 26. Dezember 2017, 15:15

        Für einen angeblichen Lehrer haben Sie ein sehr rechthaberisches und aggressives Gemüt. Meinen Sie wirklich, die richtige Profession zu haben?

        Ja, ich glaube tatsächlich, Menschen sollten Grundsätzliches der Fotografie wie Licht und Farben lernen, bevor man sich mit Stilrichtungen beschäftigt. Und ja, ich glaube, Rechnen und Schreiben zu können ist wesentlicher als eine App zu bedienen. Da lasse ich mich auch kaum belehren.

        David Finchers uniquer Stil zeigt sich nicht darin, Straßenzüge digital entstehen zu lassen. Das machen normalerweise darauf spezialisierte Studios. Die Besonderheiten sind seine Lichtspiele, Spiegelungen und stilisierten Farbkombinationen.

        • Stefan Sasse 26. Dezember 2017, 15:34

          Ja, dass die Grundschulen inzwischen kein Lesen und Schreiben, dafür aber App-Bedienung beibringen halte ich auch für einen Skandal. Was, machen sie gar nicht? Ups. Hab mich kurzfristig von einer Wagenladung ausgelutschten Kulturpessimusmus‘ mitreißen lassen.

          • Stefan Pietsch 26. Dezember 2017, 17:57

            Ich denke, Du weißt besser über die Kompetenzschwächen deutscher Grundschüler Bescheid als ich. Und ich denke Du weißt besser als ich, dass Konzentrationsfähigkeit, Aufmerksamkeit und Disziplin Voraussetzung für Schulerfolge sind. Und ich denke Du weißt besser als ich, dass ein Kernproblem heutiger Schüler die großen Aufmerksamkeitsdefizite sind.

            Wenn Du das alles weißt, warum machst Du das so lächerlich?

            • Stefan Sasse 27. Dezember 2017, 10:14

              Weil alles was du sagst so nicht ganz stimmt.
              1) Die Kompetenzschwächen deutscher Grundschüler werden völlig übertrieben.
              2) Konzentrationsfähigkeit, Disziplin und Aufmerksamkeit sind wichtig, haben aber nichts damit zu tun, welche Bildungsplaninhalte ich habe. Und auch hier sind sie bei weitem nicht alles.
              3) Schüler heute haben auch nicht so viel mehr Aufmerksamkeitsdefizit als früher.

    • Stefan Sasse 26. Dezember 2017, 15:32

      Du bietest mir im Endeffekt ein Anschauungsbeispiel für das Problem. Nur weil etwas alt ist, ist es nicht gut. „Vom Winde Verweht“ wird künstlerisch nicht durchs Alter anspruchsvoller. Das Ding sollte besser im Orkus landen; interessant ist es nur unter filmhistorischen Gesichtspunkten. Und der restliche Rant gegen die „Jugend von heute“ – geschenkt. The kids are alright.

      • Stefan Pietsch 26. Dezember 2017, 18:06

        Jupp, Vom Winde verweht hat 1940 nur deswegen 13 Nominierungen und 8 Oscars gewonnen, weil es ja sonst keine Filme gab. Für die meisten Filme heutzutage wird nicht mehr viel ins Casting investiert, Schauspielkunst ist heute nicht mehr notwendig wo Action und Digital Effects alles andere platt machen.

        Was Du nicht zu schätzen weißt: noch 1990 musste viel mehr Aufwand in Darsteller, Kameraführung und Drehbuch investiert werden, weil Fehler in der Erstellung sich nicht mehr am Computer glattbügeln ließen. Doch was soll ich mir im Kino heute Rechnerleistung ansehen, die von Intel kommt und wo kaum ein Zuschauer Ahnung hat, wie diese bereitgestellt noch welches Wissen in Schnittprogrammen steckt?

        • Ariane 26. Dezember 2017, 18:22

          Also naja, heute wie damals gehen doch sehr selten Menschen ins Kino, weil sie sich so unheimlich für Schnitt-Technik begeistern können. Das, was die Leute anzieht, sind in erster Linie die Geschichten und dann vielleicht noch Darsteller/Charaktere etc. Zählt für Vom Winde verweht, Titanic, Herr der Ringe oder sonstwas. Hab ich jetzt mal willkürlich gewählt, weil die meines Wissens alle viele Auszeichnungen hatten.

          • Stefan Pietsch 26. Dezember 2017, 18:30

            Ach so, deswegen werden nur noch Franchises und Remakes verfilmt? Das sagt dann wirklich etwas über die Fantasielosigkeit der Jugend aus, zumindest nach Deiner Argumentation. Geschichten werden in Hollywood nicht mehr erzählt, weshalb die Kreativen zu Netflix und Amazon Prime flüchten.

            • Ariane 26. Dezember 2017, 18:36

              *hüstel* Meine Beispiele hier irgendwo in einer anderen Antwort waren Harry Potter und Game of Thrones. Beides weder Franchise noch Remake, sondern durchaus gute eigene Erzählungen (ohne jetzt total revolutionär zu sein, aber das gibts ja eh höchst selten)

              Ich glaube auch nicht, dass es keine guten Filme mehr gibt, da kann Stefan aber eher weiterhelfen. Ich war seit jeher Buch- und/oder Seriennarr und kenne mich daher mit Filmen nicht so aus.

              • Stefan Pietsch 26. Dezember 2017, 18:54

                So etwas wie Harry Potter wird heute Franchise genannt. Game of Thrones ist eine Serie, keine Hollywood-Adaption.

                Klar gibt es noch gute Filme, nur sind die keine Kassenschlager mehr. Ich wollte beispielsweise dieses Jahr in zwei von der Kritik gelobte und anspruchsvolle Filme gehen. Selbst in einer Großstadt wie Frankfurt war dies in den Top-Kinos nicht möglich.

                • Ariane 26. Dezember 2017, 21:51

                  So etwas wie Harry Potter wird heute Franchise genannt. Game of Thrones ist eine Serie, keine Hollywood-Adaption.

                  In Wahrheit sind Potter, Game of Thrones und übrigens auch Vom Winde verweht sämtlich Bücher, die dann nochmal auf andere Art verarbeitet worden sind. Deine Unterscheidung zwischen Hochkultur und „fantasieloses anspruchsloses Zeug“ (oder für was du Potter oder Game of Thrones auch immer hältst) ist absolut künstlich.

                  • Stefan Pietsch 27. Dezember 2017, 08:38

                    Also es hat schon was, dass Du wiederholt an einem jahrzehntealten Beispiel – die Harry Potter-Serie wurde vor 16 Jahren aufgelegt – belegen willst, wie modern und innovativ die Jugend im Kino ist – oder wie antiquiert Rollenbilder sind. Du negierst Entwicklungen, die Kunstschaffende, Fachjournalisten und nicht zuletzt die Studios selbst seit sehr langem konstatieren. Wirklich umsetzbar sind beim Film nur noch Franchise-Formate wie Avengers, Star Wars, Transformers, Jurassic World etc., die oft frappierende Ähnlichkeiten mit Computerspielen besitzen, aber auch James Bond, Mission Impossible, Bourne. Und Filme mit sehr schmalem Budget wie die Independent, die allerdings zunehmend von Streaming-Anbietern gekauft werden und es gar nicht ins Kino schaffen. Nur originell ist daran gar nichts. Und Top-Darsteller benötigt man für solche Sachen wie zuletzt Star Wars auch nicht. Niemand aus der Branche bestreitet diese langjährige Entwicklung. Du bestreitest sie.

                    Game of Thrones ist eine Serie, die in Europa fast ausschließlich bei Streaming-Diensten wie Sky läuft. Und die veröffentlichen keine Einschaltquoten noch Abrufzahlen. Wir wissen also überhaupt nicht, von wie vielen Menschen diese Serien gesehen werden und ob viele die Titel nur vom Namen nach kennen. Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, so sagte man früher. Dazu ist es ein einziges Genre und dazu ein sehr spezielles.

                    Meine Serien der letzten Wochen waren The Night Manager, Mindhunter, Line of Duty, Westworld, Crossing Lines und Manhunt. Allesamt anspruchsvoll, allerdings auch, ohne breite Erwähnung zu finden – von Ausnahmen abgesehen. Allerdings auch nicht alle brandaktuell. Du kannst nicht belegen, dass es heute noch eine ähnlich breite Schicht gibt, die auch anspruchsvolles Fernsehen und Theater konsumiert, weil diese Sachen weitgehend aus dem messbaren Bereich verschwunden sind. So bleiben uns nur Mutmaßungen, und mit denen arbeitest Du wie Stefan ja ganz heftig.

                    Es gibt aber Indizien und die sprechen für den Rückzug von Qualität aus dem öffentlichen Raum und dorthin, wo dafür mehr Geld bezahlt wird und das wirtschaftliche Risiko überschaubar ist. Wir können uns nun auf den Standpunkt zurückziehen, jeder solle doch sehen und dort Zerstreuung finden, was ihm gefällt. Oder wir können Menschen in Qualität bilden. Dazu gehört aber, einem komplexen Aufbau folgen zu können und die Machart des Endprodukts einschätzen zu können. Verachtung für Goethe und das Hohelied auf den hohen intellektuellen Anspruch passen da nicht so recht zusammen.

                    • Stefan Sasse 27. Dezember 2017, 10:21

                      Ich weiß nicht, wo du im Allgemeinen unterwegs bist, aber die von dir genannten Serien haben sehr wohl zahllose Besprechungen gefunden. Davon abgesehen: Mindhunter war ziemlich uninspirierte Durchschnittsware mit absolut gräuslichen Dialogen, und Westworld war…auch nicht gut.

                    • Stefan Pietsch 27. Dezember 2017, 10:44

                      Klar siehst Du davon zahlreiche Besprechungen. Nur bewegt sich das nicht auf dem Niveau, wie Ihr immer nur Game of Thrones anführen könnt.

                      Woran machst Du die Qualität einer Serie fest? Allein an Deiner persönlichen Meinung? Danach ist Game of Thrones für mich auch Mist.

                    • Stefan Sasse 27. Dezember 2017, 10:53

                      Das ist der Kern meines Artikels: ich plädiere für die Anwendung der Literaturanalyse auf Filme, Serien und Games. Und dann kriege ich da klare Maßstäbe, die über „gefällt mir nicht“ hinausgehen. Ob mir was gefällt ist eine Sache; ob etwas künsterlischen Gehalt hat eine andere. Ich würde mir nie einen Michelangelo ins Wohnzimmer hängen, aber ich erkenne dass es künstlerische Qualität hat. Genauso höre ich freiwillig kein Mozart oder lese Goethe, aber ich sehe die Qualität.

                    • Ariane 27. Dezember 2017, 15:02

                      Also es hat schon was, dass Du wiederholt an einem jahrzehntealten Beispiel – die Harry Potter-Serie wurde vor 16 Jahren aufgelegt – belegen willst, wie modern und innovativ die Jugend im Kino ist

                      Das will ich doch gar nicht. Ich ärgere mich nur, dass du hier einen sehr sehr alten Liebesfilm als Hochkultur ansiehst und neuere Sachen oder andere Erzählformen pauschal als fantasielosen Mist geißelst.
                      Und natürlich entstehen heute auch noch gute Geschichten und etwas von Netflix finanziertes kann genauso gut oder sogar besser sein als etwas aus Hollywood. Du siehst, ich renne einfach gegen deine Begrenzung an, die mir komplett willkürlich erscheint. Es wird halt auch mehr. Werden ja immer noch Bücher geschrieben und in Hollywood Filme gedreht, aber Geschichten werden nun auch in Serien erzählt oder in Computerspielen verwurschtelt. Und ja, darunter ist auch viel Müll, aber das ist immer so. Genausowenig ist jede Uraltproduktion aus Hollywood automatisch große Kunst^^

                    • Stefan Sasse 27. Dezember 2017, 15:47

                      Erinnert mich auch an die unsägliche Kultur, Kinder mit Uraltkram zu traktieren, der eigentlich nur noch historisch interessant ist. Wilhelm Busch, Struwwelpeter, Erich Kästner, Pippi Langstrumpf, Hauff, Brüder Grimm, etc.

                    • Stefan Pietsch 27. Dezember 2017, 16:12

                      Wofür? Gibt es nicht genügend Unterrichtsstoff? 1980 hatte man auch kein Verlangen, dass Monopoly und Risiko im Unterricht besprochen und gelehrt wird. Ja, auch damals hat man sporadisch Filme im Unterricht gesehen, das war nicht gerade gut. Manche Freakshow hätte ich mir persönlich gerne erspart.

                      Ich denke, Schule sollte Hunger auf das Leben machen. Wieso sollte man sich für die Mona Lisa interessieren, wenn man in der Schule nichts von ihr gehört hat? Mich hat Römische Geschichte so wahnsinnig fasziniert, dass ich mich bis heute damit beschäftige und häufig in der Ewigen Stadt war.

                      Der Punkt ist, Stefan: die Lust auf Mozart, Michelangelo und griechische Kunst kommt nach der Schule. Jemand, der nie davon gehört hat, wird nie danach suchen.

                    • Stefan Sasse 28. Dezember 2017, 08:26

                      Dabei wären beide Spiele sehr spannende Unterrichtsgegenstände.

                      Ich glaube, du malst dir ein sehr rosiges Bild davon, wie Schule Schüler für bestimmte Sachen interessiert. Aber klar, vielleicht interessiert es dich. Ich sag ja auch nicht, dass du solche Inhalte komplett aus dem Bildungsplan schmeißen sollst.

                    • Stefan Pietsch 27. Dezember 2017, 16:19

                      Ich ärgere mich nur, dass du hier einen sehr sehr alten Liebesfilm als Hochkultur ansiehst und neuere Sachen oder andere Erzählformen pauschal als fantasielosen Mist geißelst.

                      Wo, Ariane, wo? Vom Winde verweht ist ein Klassiker der Filmgeschichte, der darüber hinaus ein Bild der Sitten während des Bürgerkrieges vermittelt. Was ist dagegen Fifty Shades of Grey außer einem Schundroman und seine Verfilmung?

                      Und natürlich entstehen heute auch noch gute Geschichten und etwas von Netflix finanziertes kann genauso gut oder sogar besser sein als etwas aus Hollywood.

                      Das behaupte ich ja durchaus auch. Nur wird das Gute nicht mehr die Verbreitung finden. Du bekommst bei Netflix (wie auch in anderen Branchen) mundfertig Serien vorgesetzt. Es obliegt allein Deinem Enthusiasmus, Kunst zu entdecken, die jenseits der Berechnungen des Algorithmus für Deinen cineastischen Geschmack liegen. Aber was ist, wenn dieser Enthusiasmus nie geweckt wurde?

                      Wer Ingenieurswissenschaften studiert, der fängt auch nicht mit dem wasserstoffbetriebenen Motor an.

                    • Ariane 27. Dezember 2017, 20:54

                      Wo, Ariane, wo? Vom Winde verweht ist ein Klassiker der Filmgeschichte, der darüber hinaus ein Bild der Sitten während des Bürgerkrieges vermittelt. Was ist dagegen Fifty Shades of Grey außer einem Schundroman und seine Verfilmung?

                      Klar, nach 1940 Vom Winde verweht gab es noch 50 Shades of Grey und sonst wurde absolut gar nichts mehr erfunden *augenroll*

                      Das behaupte ich ja durchaus auch. Nur wird das Gute nicht mehr die Verbreitung finden. Du bekommst bei Netflix (wie auch in anderen Branchen) mundfertig Serien vorgesetzt. Es obliegt allein Deinem Enthusiasmus, Kunst zu entdecken, die jenseits der Berechnungen des Algorithmus für Deinen cineastischen Geschmack liegen. Aber was ist, wenn dieser Enthusiasmus nie geweckt wurde?

                      Äh, wo genau ist der Unterschied jetzt zum Kino, da wird einem doch auch mundfertig etwas vorgesetzt und auch 1940 liefen nicht nur die absoluten hochkulturellen Superklassiker im Kino, sondern jede Menge Schund.
                      Bei Netflix ist nur die Auswahl größer und da das mit den Algorithmen noch nicht so prall läuft, muss man da genauso sorgfältig auswählen.

                    • Ariane 27. Dezember 2017, 21:22

                      Erinnert mich auch an die unsägliche Kultur, Kinder mit Uraltkram zu traktieren, der eigentlich nur noch historisch interessant ist. Wilhelm Busch, Struwwelpeter, Erich Kästner, Pippi Langstrumpf, Hauff, Brüder Grimm, etc.

                      Jep. Gerade im Nachwort von Dr. Sleep von King gelesen, dass er die Theorie hat, dass man nichts so sehr verklärt wie das erste Gruseln im Buch oder Film, gerade wenn das „Ersterlebnis“ als Jugendlicher war. Hat er recht und so eine nostalgische Verklärung spielt da eben häufig mit rein. Und man blickt auf das Fantum der nächsten Generation vermutlich immer mit Befremden, für Youtuber-Begeisterung bin ich mittlerweile auch schon zu alt.^^

                    • Stefan Pietsch 27. Dezember 2017, 22:05

                      Welcher Klassefilm aus dem abgelaufenen Jahr ist Dir noch in Erinnerung? Pacific Rim 2?

                      Die meisten Filme, die ich favorisiere, sind zwischen Ende der 1950er und Ende des letzten Jahrtausends entstanden. Das ist ein ziemlicher breiter Fundus. Übrigens sehe ich mir lieber White House Down als Transformers 8 an. Bei ersterem sind wenigstens Schweiß und Blut echt. 😉

                      Nun, ich bekomme meine Kinoauswahl nicht mundfertig serviert. In meiner bevorzugten Fernsehzeitschrift TV Spielfilm aus dem Verlag Milchstraße („Cinema“) gibt es die Filmbesprechungen aller angelaufenen Werke. Daneben gibt’s noch in Onlinemedien Highlight-Darstellungen. Bei Netflix werde ich penetrant auf das hingewiesen, was angeblich meinem Geschmack entspricht. Da ist Sky schon schwieriger.

                    • Stefan Pietsch 27. Dezember 2017, 22:07

                      Es ist schon witzig: Du und Stefan konzentriert Euch auf einen Zeitraum von 15 Jahren, werft aber anderen vor, nur im Jahr 1940 zu leben, obwohl ich argumentativ einen weit größeren Zeitraum abgedeckt habe.

                    • Ariane 28. Dezember 2017, 08:36

                      Welcher Klassefilm aus dem abgelaufenen Jahr ist Dir noch in Erinnerung?

                      Fragst du mich?? 😮
                      Ich hab keine Ahnung, ich bin doch kein Filmmensch, aber Dunkirk und der letzte Star Wars sollen doch gut sein, ich hab die aber noch nicht gesehen. Ich hänge generell immer etwas hinterher^^

                      Es gab aber neue Staffeln bei GoT, The Expanse, Lucifer, Stranger Things und The Travelers, damit meine Mutter und ich über die Festtage was gucken können, was wir beide mögen. Und bestimmt noch mehr, was ich nicht spontan im Kopf hab. Ohne dass ich sage, dass das jetzt alles absolute Hochkultur ist, aber ich hab eben nicht das Gefühl, als wenn nur noch Schund gedreht werden würde.^^

                    • Stefan Pietsch 28. Dezember 2017, 14:29

                      Ist Dir nicht der Gedanke gekommen, dass Deine Mutter möglicherweise kulturell aufgeschlossener als Du bist?

                      Als Ein Herz und eine Krone in die Kinos kam, war Deine Mutter wahrscheinlich nicht mal geboren. Sie kennt den Film, weil sie ihn in ihrer Kindheit im Fernsehen gesehen hat, möglicherweise öfters. Wahrscheinlich ist sie cineastisch jedoch nicht in den Fünfzigerjahren stecken geblieben. Sie deckt damit heute ein breites Spektrum ab, während Du Dich erfreust, dass Ältere und Kinder die Codes Deiner 10-Jahres-Kohorte nicht kennen.

                      Wieso meinst Du eigentlich, etwas tagesaktuelles sehen zu müssen, um „modern“ zu sein? Dunkirk übrigens handelt von einer Zeit, als es keine Tablets gab, aber jede Menge Fliegerbomben. Hast Du Dich nicht gefragt, was den Film von Christopher Nolan „modern“ macht, den Film Dünkirchen von 1958 aber alt?

                      Der letzte Jedi ist ein Blockbuster und hat alles, worüber ich mich aufrege. Stets die gleiche Geschichte, die seit 1978 erzählt wird. Fast der gesamte Film spielt vor einer grünen Wand, Schauspieler und Leistung sind bestenfalls durchschnittlich. Nur kommt es eben auf all das nicht an, sondern dass Fans die „Codes“ finden.

                    • Stefan Sasse 28. Dezember 2017, 19:03

                      Weder erzählt TLJ dieselbe Geschichte wie seit 1977 (als Star Wars ins Kino kam, worauf du vermutlich rauswillst) noch ist er vor der grünen Wand entstanden, was du wüsstest wenn du dich damit beschäftigstest.

                    • Stefan Pietsch 28. Dezember 2017, 14:40

                      Ich glaube, Du gibst Dich einer Illusion hin. Du unterrichtest ausschließlich die Creme, darüber gibt es kaum etwas, darunter die Masse. Welche großen Defizite dort bestehen, zeigt jede Studie auf, sie zeigt, wie sehr deutsche Schüler manchmal sogar den Anschluss verlieren. Das Problem ist nicht, dass Kinder und Jugendliche nicht richtig spielen können und schlechte nicht von guten Serien unterscheiden. Das Problem ist eher, dass davon schon zu viel in ihrer Welt ist. Für Monopoly musstest Du Spielkameraden suchen und sie überreden, mit Deinen Interessen zu gehen. Für Good Games Empire ist das nicht erforderlich.

                      Natürlich interessiert mich, wie Kinder lernen, es ist ein aktuelles „Projekt“ von mir, am lebenden Objekt. Aber es unterscheidet sich nicht wirklich, wie ich oder wie meine Kinder gelernt haben.

                    • Ariane 28. Dezember 2017, 19:11

                      Ist Dir nicht der Gedanke gekommen, dass Deine Mutter möglicherweise kulturell aufgeschlossener als Du bist?

                      Nein. Aus dem einfachen Grund, dass du aufgrund eines einzelnen Beispiels diese Theorie aufwirfst, wohingegen ich sehr genau weiß, dass es dutzende Genres und Filme gibt, die mir gefallen aber meine Mutter im Leben nicht ansehen würde.^^

                      Wieso meinst Du eigentlich, etwas tagesaktuelles sehen zu müssen, um „modern“ zu sein?

                      Also du treibst mich wirklich in den Wahnsinn! Du hast doch explizit nach dem letzten Jahr gefragt und ich hab keine Ahnung, weil ich eben kein Filmmensch bin und von diesen zwei Filmen auch nur gehört habe, dass die gut sein sollen. Und natürlich können auch alte Filme gut sein, bestimmt sogar alte Liebesfilme. Aber auch modernere Sachen und sogar! Serien oder Spiele können künstlerisch anspruchsvoll und für den Unterricht geeignet sein und wir diskutieren hier nur deswegen noch rum, weil du das bestritten hast und den Untergang des Abendlands daran festmachst, dass 25jährige keine Filmzitate aus Vom Winde verweht erkennen. ^^

                    • Stefan Pietsch 28. Dezember 2017, 19:54

                      Stimmt! Erstaunlich, im Kino wirkte es so.
                      https://www.youtube.com/watch?v=ye6GCY_vqYk

                    • Stefan Sasse 29. Dezember 2017, 12:36

                      Es gibt eine Reihe faszinierender Videos auf Youtube auf denen erklärt wird, dass wir ein völlig falsches Verständnis von CGI haben. Oft genug sehen wir überhaupt nicht, wenn etwas CGI ist, und manchmal halten wir Dinge für CGI, die echt sind. Transformers etwa verwendet deutlich mehr practical effects als man gemeinhin annimmt. Kann bei Interesse gerne ein paar verlinken.

                    • Stefan Pietsch 28. Dezember 2017, 20:07

                      Also du treibst mich wirklich in den Wahnsinn!

                      Oh, das wollte ich nicht, auch wenn ich gerne provoziere. Verzeih‘.

                      Was ist alt? Forrest Gump ist aus heutiger Sicht ein alter Film, doch was ist dann erst Das Apartment? Gerade sehe ich übrigens 007: Leben und Sterben lassen, einer meiner Lieblings-Bonds bis hin zum legendären Bootsrennen in den Sümpfen von Louisiana.

                      Serien oder Spiele können künstlerisch anspruchsvoll und für den Unterricht geeignet sein und wir diskutieren hier nur deswegen noch rum, weil du das bestritten hast

                      Genau das habe ich ja nicht und dies mehrmals klargestellt (siehe Wahnsinn oben). Nur sehe ich nicht, was dies in der Schule und im Unterricht zu suchen hätte. Und ich sehe nicht, warum man Kindern und Jugendlichen Spiele Online-Spiele beibringen sollte.

                      Ich rede davon, dass Kinder sich kaum noch konzentrieren können, und dann wird die Idee entwickelt, selbst in der Schule Zerstreuungsmöglichkeiten zu bieten. Das halte ich dezidiert für die falsche Richtung.

                    • Stefan Sasse 29. Dezember 2017, 12:38

                      Du missverstehst die Intention. Es geht explizit NICHT um „Zerstreuungsmöglichkeiten“, das ist genau der gedankliche Fehler, den ich in meinem Artikel geißle. Stattdessen heben wir Dinge, die bisher NUR als Zerstreuung gesehen werden, auf das Niveau der Literaturkritik. Statt künstliche Grenzen zu errichten, machen wir die Übergänge fließend – und begeistern Schüler so hoffentlich auch für anspruchsvollere Formen.

                    • Maniac 3. Januar 2018, 09:27

                      Insgesamt interessante These von Stefan Sasse, der ich glaube zustimmen zu können. Da ich mich da aber etwas auskenne, möchte ich einwerfen, dass Brettspiele sicherlich ein Bereich wären, dem man sich in diesem Zusammenhang durchaus mal annähern könnte. Monopoly und Risiko gehören als reines Zerstreuungsmaterial aber lediglich unter den von Stefan Sasse genannten „historischen“ Gesichtspunkten dazu. Beides sind keine guten Spiele, auch wenn sie natürlich unglaublich (materiell) erfolgreich sind.

                      Gruß, M.

                    • Stefan Sasse 3. Januar 2018, 16:48

                      Ist halt extrem schwierig umzusetzen.

                  • Stefan Sasse 27. Dezember 2017, 10:20

                    Nein, ist völlig klar. Eines davon ist mehrere Jahrzehnte alt und daher gut.

              • Stefan Sasse 27. Dezember 2017, 10:17

                Natürlich gibt es auch weiterhin gute Filme, und weiterhin gute Geschichten. Das Niveau ist sogar eher besser geworden.

                • Stefan Pietsch 27. Dezember 2017, 10:41

                  Nicht im Kino. Oder meinst Du, Hollywood könnte einen Braindrain künstlerisch Schaffender ohne Qualitätseinbußen verkraften?

                  • Stefan Sasse 27. Dezember 2017, 10:51

                    Klar auch im Kino. Es ist dir vielleicht bisher nicht aufgefallen, aber die Leute überqueren ständig die Grenze. Nur weil du mal ne Serie machst, kannst du ja nicht plötzlich keine Kinofilme mehr machen. Manche Leute bewegen sich in die eine Richtung, andere in die andere. Serienregisseure wie Michelle McLaren oder Rian Johnston bewegen sich zu Kinofilmen, Kinoregisseure wie David Fincher machen mal Serien. Und wieder retour. Das ist kein Brain Drain, das ist ein zweites Standbein für die Filmkunst.

                    • Stefan Pietsch 27. Dezember 2017, 15:46

                      Es ist dir vielleicht bisher nicht aufgefallen, aber die Leute überqueren ständig die Grenze.

                      Ein paar Regisseure vielleicht noch. Aber selbst David Fincher hat sich bei Netflix verpflichtet. Sein letzter Kinofilm war Gone Girl aus dem Jahr 2014. Zahlreiche Drehbuchautoren wurden von den Streaming Diensten abgeworben, weil diese inzwischen bessere Bedingungen bieten. Und viele dieser Beschäftigten sind keine Freelancer, sondern Festangestellte, mit Grenzüberquerung ist da nicht viel. Das meine ich mit Brain Drain.

                      Mal eine Auswahl des Kinoprogramms diese Woche im zentralen Lichtspieltheater in Frankfurt:

                      Star Wars – Franchise
                      Dieses bescheuerte Herz – immerhin deutsche Tragikomödie
                      Jumanji – Remake
                      Pitch Perfect 3 – Fortsetzung
                      Daddy’s Home 2 – Fortsetzung
                      Zwischen zwei Leben – Abenteuerfilm
                      Flatliners – Remake
                      Paddington 2 – Fortsetzung
                      Bad Moms 2 – Fortsetzung
                      Mord im Orient Express – Remake
                      Fack Ju Göhte 3 – Inzwischen eine Triologie der immer gleichen Geschichte.

                      Originell ist an diesem Programm mit zur besten Jahreszeit gar nichts. Zugegeben, ich habe noch drei Spartenfilme unter den Tisch fallen lassen, das ändert aber nichts am Gesamtbild. Dafür musste ich dieses Jahr z.B. auf Detroit von der Oscar-Preisträgerin Kathryn Bigelow, weil es einfach nicht attraktiv genug war. Im Februar hoffe ich auf den neuen Spielberg The Post mit Tom Hanks und Meryl Streep. Vielleicht finden sich ja genügend Zuschauer.

                      Ich würde einfach noch gerne gute Filme im Kino erleben, das ist schließlich ein kulturelles Ereignis. Stattdessen habe ich mich vergangene Woche in einem Kinosaal mit lauter Kindsköpfen wiedergefunden.

        • Stefan Sasse 27. Dezember 2017, 10:16

          Jaja, früher, als Filme noch gut waren…

    • Ariane 26. Dezember 2017, 18:17

      Vor einiger Zeit hatte ich Mitte 20jährige junge Frauen in meinem Team. Anspielungen auf Filmklassiker wie „Vom Winde verweht“ („Verschieben wir’s auf morgen“) verstanden sie nicht, sie hatten solche Kunstwerke nie gesehen.

      Das ist ja schon fast wieder süß. Du weißt aber schon, dass spezielle Kulturreferenzen mehr über die eigene Generation als über die Qualität des Produkts aussagen oder? Außer dass die Leute Scarlet und Rhett heißen, wüsste ich auch nichts über „Vom Winde verweht“ und du müsstest vermutlich bei Harry Potter oder Game of Thrones-Anspielungen häufiger passen als ich. Deswegen ist nicht gleich eine Sache Hochkultur und die andere sinnentleerter Dreck^^

      Und die Unterschiede beziehen sich meistens nicht mal auf die Geschichten sondern auch häufig auf die Erzählweisen. Ich habe zb „Ein Herz und eine Krone“ Heiligabend geguckt (notgedrungen) und mal abgesehen davon, dass ich das nicht so spannend fand, tue ich mich auch mit der altmodischen Langsamkeit arg schwer. Im Gegenzug ist mir schon häufiger aufgefallen, dass ältere Generationen mit so „neumodischem Kram“ wie Rückblicken oder unterschiedlichen Wahrnehmungsebenen Probleme haben und etwas Hilfestellung brauchen, damit sie nicht erst nach einer Stunde feststellen, dass gerade eine Szene aus der Vergangenheit erzählt wird.

      Ansonsten halte ich nichts davon, dass die Jugend von heute irgendwie dümmer oder sonstwas ist. Das unterscheidet sich von Generation ohne dass eine schlauer als die andere ist. Und gerade sowas wie Himmelsrichtungen oder Produktionsketten (Weizen->Mehl->Brot) lernen Kinder heute eher in Computerspielen, was gar nicht so doof ist, denn da kann man das Wissen meist gleich anwenden, während man sonst so im realen Leben selten praktische Anwendungen für Himmelsrichtungen hat.

      • Stefan Pietsch 26. Dezember 2017, 18:47

        Ich bin ein ausgesprochener Cineast. Damit decke ich von Frank Capras Ist das Leben nicht schön? und Billy Wilders Manche mögen’s heiß über Hitchcocks Der unsichtbare Dritte bis zur Harry Potter-Serie viele Generationen Film ab. Wofür Du dagegen plädierst, ist Eindimensionalität. Wer von den Jüngeren kann denn mit den Hitlisten der besten Filme überhaupt etwas anfangen, wenn man nur ein Jahrzehnt Kinogeschichte im Blick hat?

        Kannst Du Dich an die letzte gelungene Komödie erinnern? Ich nicht. Eine der letzten wahrlich originellen Experimente war The Artist aus dem Jahr 2012. Künstlerisch wertvoll, kommerziell eine Katastrophe. Sagt das eher etwas über die Filmindustrie oder die heutige Kundschaft aus?

        Warum regt Dich das langsame Tempo auf? Du kannst durch das Rheintal mit 100 fahren oder langsam mit Stopps. Im ersten Fall kommst Du wahnsinnig schnell an Deinem Zielort an. Nur gesehen hast Du nichts. Du hast keine Erfahrung gemacht, Dich nicht mit Details auseinandergesetzt. Und damit, Ariane, repräsentierst Du genau das, was der große Mangel Deiner Generation ist. William Wylers Ein Herz und eine Krone ist eine relativ einfache Liebesgeschichte. Sie lebt vom Spiel der großartigen Audrey Hepburn und den tollen Aufnahmen Roms in den Fünfzigerjahren.

        Du irrst, um verschiedene Zeitebenen zu verstehen, benötigt es Intelligenz. Immer wieder wurden Geschichten so erzählt, z.B. bei Once Upon A Time in America. Genial war hierzu Inception von Christopher Nolan. Nur wurde der nicht von 20jährigen gesehen.

        Du schönst, wie Kinder lernen – und vor allem nicht lernen. Glaubst Du wirklich, 10jährige wissen heute, was man mit Weizen und Mehl anstellt? Wow!

        • Kning 27. Dezember 2017, 08:51

          Ich finde dieses Defizit allein auf die Schule abzuwälzen ist aber ein wenig zu einfach. Das Kinder heute eine geringe Aufmerksamkeitsspanne haben, ist sicherlich auch ein wenig in Ihren Vorbildern begründet. Wenn die Eltern ständig aufs Handy schauen, bzw. Ihren Kindern zu Beschäftigung häufig vor Fernseher und Tablet setzen, dann wirkt sicht das eben aus.
          Ich will keine Medienkritik üben, wie fast immer macht hier die Dosis das Gift.
          Ferner sorgt das Überangebot an Möglichkeiten in meinen Augen auch für eine ständige Überforderung. Ganztagsschule, Musikunterricht, Sportverein, Kreativgruppe, TV on Demand, Smartphone und Spielkonsole, die Möglichkeiten für Kinder sind heute grenzenlos. Leider kommt freies Spielen mit Freunden viel zu kurz. Meiner einer ist Nachmittags noch auf die Straße gegangen (in Ermangelung anderer Möglichkeiten) und hat auf dem Spielplatz mit den anderen Kindern gebolzt. Das gibt es heute so nicht mehr. Netterweise hat das noch weitere wichtige Dinge geschult (Sozialverhalten, Frustationstoleranz, etc.) was heute auch von anderen Stellen: Elternhaus, Schule kompensiert werden muss. Ich glaube aber, eine adäquaten Ersatz hat man noch nicht gefunden und so doktert sich jeder seinen Weg zurecht. Im Grunde genommen erleben wir ein riesiges Verhaltensexperiment an unseren Kindern: Ende offen.

          • Stefan Pietsch 27. Dezember 2017, 10:10

            Ich finde dieses Defizit allein auf die Schule abzuwälzen ist aber ein wenig zu einfach.

            Das tue ich ja nicht. Ich betone ja regelmäßig die Bedeutung des Elternhauses. Sehr aufschlussreich ist der Besuch eines beliebigen Starbucks in der nächstgelegenen Großstadt. Da findet man selbst Familien: Kinder Smartphone vor der Nase, Eltern kommen mit den Getränken dazu, Smartphone aus, Facebook und WhatsApp-Nachrichten gecheckt. Kommunikation? Null. Dabei sollte man in den neuen Knigge schauen: Während eines Gesprächs wird das Handy weggepackt.

            Mit wem sollen denn Kinder heute bolzen? Wenn ein Knirps auf die Straße geht, dann trifft er meilenweit kein anderes Kind. Ich hatte es vor einiger Zeit aufgezeigt: in den Siebzigerjahren gab es fünfmal mehr Spielkameraden für ein Kind als heute.

        • Ariane 27. Dezember 2017, 09:19

          Wofür Du dagegen plädierst, ist Eindimensionalität. Wer von den Jüngeren kann denn mit den Hitlisten der besten Filme überhaupt etwas anfangen, wenn man nur ein Jahrzehnt Kinogeschichte im Blick hat?

          Oh nein, ganz im Gegenteil. Ich werfe dir Eindimensionalität vor, wenn du nur Uraltfilme zur Hochkultur erklärst und moderne nicht mehr. Oder – Gott bewahre – andere Formen wie Serien oder Videospiele. Und niemand kann Experte für alles sein, ich hab auch keine Film- oder Musikbibliothek im Kopf, weil ich eher mit Büchern und Serien beschäftigt war. Deswegen ist aber das eine auch nicht wichtiger als das andere. Es ist außerdem mehr verteilt, deswegen hab ich ja Potter und GoT genommen, das kennt die große Mehrheit (meiner Generation)

          Glaubst Du wirklich, 10jährige wissen heute, was man mit Weizen und Mehl anstellt? Wow!
          Der Klassikerleser vielleicht nicht, aber sonst ja. Kommt ständig in Spielen vor, sowas weiß mittlerweile wieder jedes Kind. Mein Stiefbruder hat auch die Himmelsrichtungen mit Siedler 2 gelernt. Und ne Weile war er ganz versessen auf Age of Empires und hat mich immer ausgequetscht, was die ganzen Herrscher in echt getan haben. War nicht immer alles ganz richtig, sehr beliebt war zb die Jungfrau von Oreo mit ihren Muskeltieren. *gg* Aber ist nicht so, dass Spiele automatisch zu Verdummung führen und wie erwähnt, gibt es da meist den Vorteil, dass man das Wissen direkt anwenden kann oder so nebenbei aufschnappt, dass Elisabeth I aus England kommt und dann interessiert man sich auch für echte Fakten mehr. Und weiß, dass Bogenschützen Englands stärkste Waffe waren oder sowas.

          Und damit, Ariane, repräsentierst Du genau das, was der große Mangel Deiner Generation ist. William Wylers Ein Herz und eine Krone ist eine relativ einfache Liebesgeschichte. Sie lebt vom Spiel der großartigen Audrey Hepburn und den tollen Aufnahmen Roms in den Fünfzigerjahren.
          Ach so ein Quatsch, ich kann nun mal mit Liebesgeschichten und Rom in den 50ern nichts anfangen, deswegen hab ich nicht gleich die Aufmerksamkeitsspanne einer Stubenfliege. Mehrere Staffeln einer Serie oder 5 bzw 10 Bände Game of Thrones brauchen auch mehr Zeit^^

          • Stefan Pietsch 27. Dezember 2017, 09:58

            Ich werfe dir Eindimensionalität vor, wenn du nur Uraltfilme zur Hochkultur erklärst und moderne nicht mehr.

            Hatte ich nicht Inception erwähnt oder The Artist? Aktuell habe ich Dunkirk in meine private Videothek aufgenommen. Dagegen kommt von Euch Verachtung für den klassischen Film. Das ist das, was ich mit Eindimensionalität meinte.

            Der Klassikerleser vielleicht nicht, aber sonst ja. Kommt ständig in Spielen vor, sowas weiß mittlerweile wieder jedes Kind. Mein Stiefbruder hat auch die Himmelsrichtungen mit Siedler 2 gelernt.

            Mag sein. Was Du tust, ist, das Nebenprodukt zur Hauptsache zu erklären. Ich früher mit den Matchbox-Autos wenig übers Autofahren gelernt und mit Lego wenig über die Statik von Bauwerken. Wissen habe ich mir über die Was ist Was-Bücher angeeignet. Spielen dient hauptsächlich der Zerstreuung, häufig der Vermeidung von Konzentration. Wenn ein Kind stundenlang an einem Computerspiel hängt und dann erklärt, dabei auch etwas über das britische Empire gelernt zu haben, erscheint mir das eher strange.

            Vor einigen Monaten war ein Erlebnisbericht einer Lehrerin auf (glaube ich) SPIEGEL Online. Die Abschlussfahrt der Klasse ging nach Rom, was die Lehrer spektakulär empfanden. Nicht jedoch die Schüler. Schlampig durchgehend in Leggins gekleidet (wer Italiener kennt und welchen Wert sie auf modischen Stil legen, ein No Go), waren die Schüler vor allem mit ihren Handys beschäftigt. Wahrscheinlich haben sie dort einen virtuellen Rundgang durch die Ewige Stadt gemacht. Die Frustration der Lehrer war groß, so groß, dass sie fest entschlossen waren, solche Abschlussfahrten aus dem Programm zu nehmen. Bis sie am Ende der Reise noch drei hoffnungsvolle Fälle erlebten, die sich von einen Museumsbesuch interessierten.

            Ach so ein Quatsch, ich kann nun mal mit Liebesgeschichten und Rom in den 50ern nichts anfangen

            Dann verstehe ich nicht, dass Du Dir einen Liebesfilm ansiehst.

            • Ariane 27. Dezember 2017, 15:54

              Dagegen kommt von Euch Verachtung für den klassischen Film. Das ist das, was ich mit Eindimensionalität meinte.

              Die Verachtung interpretierst du da einfach nur rein. Ich verachte klassische Filme nicht, ich bin nur nicht so der große Filmfan und mag halt lieber Serien. Aber die verachtest du ja wieder.^^

              Was Du tust, ist, das Nebenprodukt zur Hauptsache zu erklären.

              Nein, darum gehts mir nicht. Ich halte nur nichts davon, frühere Generationen zu bildungsbürgerlichen Intelligenzbestien zu verklären und die heutige Jugend zu Dummbratzen, die sich nicht mehr die Schuhe zubinden können. Alleine schon, weil Wissensschwerpunkte sich verlagern, in der Schule, im Elternhaus, im Alltag. Ich glaube Stefan hatte sogar hier mal einen Artikel, bei dem es darum ging, dass zwar mehr Rechtschreibfehler passieren, die Kinder aber viel mehr Wörter kennen.
              Genauso wusste vor 100 Jahren vermutlich jeder 5jährige, wann und wie man Erbsen und Kohl anpflanzt, pflegt und erntet. Und heute wissen 5jährige halt eher, wie man technische Geräte anschließt und in Betrieb nimmt, das ist im Alltag mittlerweile nämlich viel nützlicher als Landwirtschaft. Und natürlich wusste mein Stiefbruder nicht alles über das britische Empire. Aber er wusste, wo England liegt, dass London die Hauptstadt ist, dass da Elisabeth I eine wichtige Herrscherin war und englische Bogenschützen irgendwie besonders gut. Und das irgendwie für ganz Europa, ohne Pauken sondern nebenbei. Und da du ja so gerne auf die Allgemeinheit und die Massen abhebst: vermutlich hat er allein damit schon so das allgemeine Grundwissen, was die Mehrheit der Bevölkerung über England weiß – und das immerhin mit 10^^

              Dann verstehe ich nicht, dass Du Dir einen Liebesfilm ansiehst.
              Weil ich Weihnachten mit meiner Mama und meiner Oma gefeiert habe und mich dem Mehrheitswillen gebeugt habe^^

              • Stefan Pietsch 27. Dezember 2017, 16:45

                Die Verachtung interpretierst du da einfach nur rein. Ich verachte klassische Filme nicht, ich bin nur nicht so der große Filmfan und mag halt lieber Serien. Aber die verachtest du ja wieder.

                Deswegen hat sich ja mein Sehverhalten binnen zwei Jahren völlig verändert. Heute sehe ich vor allem Serien, weil Kino so wenig Neues bietet. Und wenn doch, dann in einem Minisaal um 23 Uhr. Aber: als ich Kind war, habe ich Samstag abends nach 22 Uhr noch die Klassiker gesehen (vorher gab’s leider oft die großen Fernsehshows). Monumentalfilme, Hitchcock, Humphrey Bogart. Seit Mitte der Achzigerjahre habe ich immer 25-40 Filme pro Jahr im Kino gesehen – bis vor zwei Jahren. Das heißt, ich kenne eine ganze Menge Kinogeschichte. Bei Filmen wie Spiel mir das Lied vom Tod oder Casablanca entdecke ich noch heute immer Neues. Und solche Meisterwerke wie Lawrence von Arabien sind spannender als jedes Geschichtsbuch mit unerreichter visueller Kraft.

                Deine Haltung ist – zumindest kommt sie mir so rüber – wir lernen nur noch spielend. Und was wir nicht spielend lernen, das brauchen wir nicht. Ich habe den Faust erst nach meiner Schulzeit lieben gelernt. Aber ich hatte die Möglichkeit dazu, weil ich ihn bereits in der Schule gelesen hatte. Meine Entdeckungslust auf Südamerika begann mit dem Erdkunde- oder Sachkundeunterricht über den Amazonas. Mein Englisch in der Schule war unter zwei Lehrerinnen grottenschlecht, auf einer Englandfahrt bin ich regelrecht vereinsamt. Und trotzdem habe ich später aus Liebe zu der Sprache meine Kenntnisse professionalisiert, ich lese Bücher fast nur in Englisch und habe das TIME Magazine abonniert. Ich war unzählige Male in London, weil ich die Sprache lieben gelernt habe – wegen der Schule. Die Schule hat mir so viel vermittelt, was ich damals als unnütz empfand. Und so ist das oft im Leben: den Wert einer Sache erkennt man erst mit den Jahren.

                Weil ich Weihnachten mit meiner Mama und meiner Oma gefeiert habe und mich dem Mehrheitswillen gebeugt habe.

                Respekt vor Deiner Demut! 😉

      • Stefan Sasse 27. Dezember 2017, 10:16

        Sag ich ja. Die übliche, ausgelutschte, immer falsche „Früher war alles noch besser“-Leier.

        • Stefan Pietsch 27. Dezember 2017, 10:39

          Hitchcocks Filme waren Renner im Kino. Filme wie Pretty Woman, Ghost, Vier Hochzeiten und ein Todesfall, Ein Fisch namens Wanda oder Forrest Gump waren kommerziell außerordentlich erfolgreich. Heute sind solche Filme unmöglich. Sie sind deswegen unmöglich, weil sie nicht mehr genügend Zuschauer finden würden.

          Die letzten Star Wars (der aktuelle ausgenommen) waren Mist. Und wer sieht eigentlich noch, wie die Geschichten zusammenpassen? Ohne Wikipedia wird es schwer.

          • Stefan Sasse 27. Dezember 2017, 10:49

            Forrest Gump ist vor allem deswegen unmöglich, weil es ein Film von und für Babyboomer ist, voller Referenzen für diese Generation. Selbstverliebt und selbstreferenziell. Klar geht das heute nicht mehr. Stattdessen referenzieren neue Filme die aktuelle Generation, die du halt nicht verstehst. Das macht es nicht schlecht.
            Und du verstehst Star Wars nicht ohne Wikipedia? Mein Sohn versteht die Dinger, und der ist 5.

            • Stefan Pietsch 27. Dezember 2017, 15:59

              Forrest Gump ist vor allem deswegen unmöglich, weil es ein Film von und für Babyboomer ist, voller Referenzen für diese Generation.

              Das ist doch Unsinn, Stefan. Ein wesentliches Genre von Kino ist die Erzählung historischer Geschichten. Das geht zu jeder Zeit. Darüber hinaus ist Forrest Gump viel mehr, es gibt unzählige Zitate zu dem Film. Und in den USA gibt es darauf aufbauend eine ganze Kette Bubba Gump mit Devotionalien aus dem Film. Die Restaurants finden sich in den besten Lagen, ich persönlich habe schon am Pier 39 in San Francisco mit Blick auf die Bay, in New York am Time Square und in Miami bei Bubba Gump gegessen.
              http://www.bubbagump.com/

              Und du verstehst Star Wars nicht ohne Wikipedia? Mein Sohn versteht die Dinger, und der ist 5.

              Hat natürlich auch damit zu tun, dass ich nie ein großer Star Wars Fan war. Ich sprach aber die Einordnung der Prequel- und Sequel-Triologien an. Könntest Du ernsthaft sagen, worin sie sich unterscheiden, außer dass es immer um den Kampf gegen die Dunkle Macht geht und im Prequel die komplexe Vater-Sohn-Beziehung erklärt wird?

              • Stefan Sasse 28. Dezember 2017, 08:23

                Forrest Gump ist die Geschichte der Babyboomer. Wenn man sich für Geschichte interessiert ist der natürlich auch danach spannend. Aber der ganze Referenzrahmen ist sehr spezifisch für eine Generation. Dass das Ding super-erfolgreich war bezweifle ich ja nicht ^^ Aber du wirst sicher die Existenz von Star Wars Merchandise als Ausweis für die überragende Qualität dieser Filme sehen 😉

                Prequel- und Sequeltrilogien unterscheiden sich tatsächlich massiv. In Stil, in Story, in Ambition und thematischer Zielrichtung. Ich hab mit meinem Kollegen einen Podcast dazu gemacht wenn es dich interessiert. ^^

            • Ariane 27. Dezember 2017, 16:08

              Gnihi stimmt, ich glaube bei Forrest Gump hab ich die Hälfte der Witze nicht so richtig verstanden, bzw nicht so lustig gefunden wie die Älteren. Gibt etliches, was nur mit einer einzigen Generation wirklich gut funktioniert.
              Ich guck zb gerne mal nebenbei eine oder zwei Folgen Supernatural – und nein keine Angst, ich erkläre es jetzt nicht zur hohen Kunst – aber da sind unheimlich viele Referenzen drin, die vermutlich weder Ältere noch Jüngere durchblicken und dann ist das Anschauen natürlich viel spaßiger.

    • Logos 29. Dezember 2017, 17:11

      ursächlich die blinkenden Smartphones und Tablets.
      Das Postulat einer monokausalen Ursache, wo jeder Halbgebildete weiß, dass komplexe Phänomene nur multifaktoriell angemessen zu beschreiben sind?

      Ganz großes Kino, sie *hüstel, räusper* „intellektueller Leuchtturm“!

  • CitizenK 26. Dezember 2017, 14:03

    „das in der Schule gelernte sei anrüchig und dürfe keinesfalls in die Freizeit vordringen“

    Das schockiert mich am meisten. Schon die Zumutung, den Computer für Schulisches zu verwenden, bedarf einiger Überzeugungsarbeit. Und dafür ist der von Dir beschriebene Umgang mit Literatur in der Schule mit verantwortlich.

    StarWars (das ja angeblich Parallelen zu klassischen Epen aufweist) exemplarisch zu behandeln mag ein Weg sein. Serien zu gucken (und gar mehrere zum Zwecke des Qualitätsvergleichs) verschlingt unheimlich viel Zeit. Wie kann das in der Schule funktionieren? (Echte) Medienkompetenz, (wirkliche) Gesundheitskompetenz, die Fähigkeit zum Verständnis der aktuellen Politik, soziales Lernen, Defizite in der sprachlichen Ausdrucksfähigkeit ausgleichen usw.: ein gewaltiger Ansturm auf die Lehrplan-Inhalte.

    Aber grundsätzlich stimme ich Dir zu: Die reale Lebenswelt der Schüler und die Schule – das sind getrennte Welten. Und das ist nicht gut.

    • Stefan Sasse 26. Dezember 2017, 15:33

      Meine Schüler lesen Dantons Tod, Agens und Homo Faber auch nicht im Unterricht. Die Idee, man müsse Filme, Games und Serien ausschließlich im Unterricht rezipieren ist ein Denkfehler.

  • Ariane 26. Dezember 2017, 17:57

    Ich stimme dir zu und dieses Beschränken auf Klassiker hat mich früher immer extrem gestört. Und unterschiedliche Erzählweisen erkennen und einordnen zu können ist ja ein ganz elementarer Bestandteil für quasi jedwede Kunst, weil es darin immer irgendwie um bestimmte Geschichten geht. Ob das nun Klassiker sind, Filme, Serien oder meinetwegen kann da sowas wie Ballett oder Oper auch noch mit rein.

    Ich könnte mir für den Unterricht allerdings vorstellen, dass es dahingehend schon wieder einfacher ist, weil niemand Goethes Faust in der Freizeit liest und alle auf demselben Stand anfangen, während es bei alltäglichen Dingen wie Serien oder Spielen sicher sehr durcheinander geht und dann große Unterschiede entstehen, zwischen armen und reichen Kindern, Jungs und Mädchen, Serienjunkies vs Profispielern etc.
    Und es stellt sich natürlich die Frage nach der Verfügbarkeit: Breaking Bad kann man schlecht mal eben im Unterricht durchgucken und auch nicht als „Hausaufgabe“ aufgeben, weil man dafür ein Abo braucht, bei Spielen sicherlich noch komplizierter. Das ist mit einzelnen Filmen oder auch bei Verfilmungen (Hunger Games) vermutlich leichter zu bewerkstelligen und eignet sich meiner Meinung nach auch nicht weniger als einige grausame Sachen, die wir zu meiner Zeit unter dem Stichwort „Moderne“ hatten (war nach meiner Erinnerung viel viel schrecklicher als Goethe oder Schiller)^^

    • Stefan Pietsch 26. Dezember 2017, 18:50

      (..) weil niemand Goethes Faust in der Freizeit liest (..).

      Ich habe ein privates Exemplar in meinem Schrank, dazu noch eins auf meinem Tablet. Leute, die Faust mögen, lieben Sprache. Sahra Wagenknecht (48) konnte den Faust auswendig.

      Ich kenne keinen der sprachlich gewandt ist und nicht eine ganze Reihe der Klassiker gelesen hat. Zufall?

      • Ariane 27. Dezember 2017, 09:22

        Ja, du bist natürlich die rühmliche Ausnahme.

        Und ich gelte eigentlich überall als sprachlich gewandt, hab aber noch nie freiwillig einen deutschen Klassiker gelesen und mit 15 schon gar nicht. Jedes Kind, das mit 16 Faust nahezu auswendig kann, würde ich doch eher merkwürdig finden.

        • Stefan Pietsch 27. Dezember 2017, 09:42

          Wir sollten uns nicht selbst als Mastermind sehen, das wäre eine Überhöhung des eigenen Ichs. Nehmen wir jedoch gesellschaftliche Repräsentanten aus Politik, Kultur und Wirtschaft, finde ich eher Beispiele für meine Behauptung.

        • Stefan Sasse 27. Dezember 2017, 10:24

          Ich bilde mir auch ein, sprachlich nicht ganz unterstes Niveau zu sein, und ich les die Dinger auch nicht freiwillig.

          • Stefan Pietsch 27. Dezember 2017, 10:32

            Meines Wissens nach bist Du Profi…

            • Stefan Sasse 27. Dezember 2017, 10:48

              Jupp. Ich denke, du rechnest in deiner Freizeit auch nicht spaßeshalber irgendwelche Kostenpunkte aus.

              • Stefan Pietsch 27. Dezember 2017, 16:02

                Ganz schlechter Punkt, Stefan, ganz schlechter Punkt. 🙂

                Ich habe noch immer dokumentiert, was wir für die einzelnen Urlaube ausgegeben haben. Ich kann aufzeigen, was 2000 an Kosten für Frühstück und Abendessen, für Trinkgeld und Benzin sowie Geschenke angefallen ist und wann. Und hier rechne ich ja in Artikeln auch immer wieder rum. Ganz schlechter Punkt, Stefan, ganz schlechter Punkt.

                • Erwin Gabriel 27. Dezember 2017, 17:57

                  @ Stefan Pietsch 27. Dezember 2017, 16:02

                  Ich habe noch immer dokumentiert, was wir für die einzelnen Urlaube ausgegeben haben. Ich kann aufzeigen, was 2000 an Kosten für Frühstück und Abendessen, für Trinkgeld und Benzin sowie Geschenke angefallen ist und wann.

                  Ich lese zugegebenermaßen gerne, was Sie schreiben; teils, weil wir oft in der gleichen richtung unterwegs sind, zweitens, weil Sie meist ganz ansehnlich formulieren.

                  Aber mit dem Kommentar machen Sie mir ein bisschen Angst 🙂

                  Guten Rutsch
                  E.G.

                  • Stefan Pietsch 27. Dezember 2017, 21:52

                    Es ist viel schlimmer: wenn Sie die Aufstellung der EM-Siegerelf von 1980 wissen, wollen, fragen Sie mich. Ich kann Ihnen den Weg ins Finale beschreiben, genauso, wie bei den folgenden Turnieren oder Italiens Weg zum Titel 1982. Vielleicht sind Sie ja auch in taktischen Details vom Gewinn des HSV im Landesmeister-Pokal-Finale von 1983 interessiert, als Ernst Happel das Star-Ensemble mit dem Trainer Giovanni Trapattoni aushebelte. Oder wie sich der HSV im Halbfinale zu einem 2:1 im Rückspiel zitterte.

                    Meine Urlaubsaufzeichnungen helfen mir, Urlaube finanziell besser zu planen, da ein wesentlicher Teil von so Abenteuerreisen aus variablen Kosten besteht. Und ich mag keine Überraschungen.

                • Stefan Sasse 28. Dezember 2017, 08:24

                  Das meine ich doch nicht. Ich meine das was du normalerweise im Beruf machst einfach so.

                  • Stefan Pietsch 28. Dezember 2017, 14:42

                    Ein Teil meines Jobs besteht darin, Menschen zu führen, sie zu unterrichten und auf ein Ziel hin auszurichten. Das ändert sich nicht im Privaten, ich bin kein Mitläufer.

                    • Logos 30. Dezember 2017, 20:49

                      „Auf ein Ziel ausrichten“ ist doch kein Wert an sich: Selbst die allerübelsten Diktatoren und Tyrannen wollten „die Menschen führen und auf ein Ziel ausrichten“!

                      Die Frage lautet doch:
                      WELCHES ZIEL und WOHIN führen?

                      Ohne eine Konkretisierung ist das doch nur nebulöses und substanzloses Wischiwaschi, welches nur dazu dient, Menschen zu täuschen, hinters Licht und dorthin zu führen, wo diese gar nicht wollen!

                      Neoliberale „Führer“ sind Wegbereiter gesellschaftlicher Zerstörung! Diese sind der Feind der Gesellschaft und der Demokratie!

                    • Logos 30. Dezember 2017, 22:54

                      Mit was sind sie den „kein Mitläufer“? Werden sie doch mal konkret, anstatt sich in ominösen Andeutungen zu ergehen!

                      Jeder geistig und moralisch hinreichend gesunde Mensch ist gut beraten, sich von einem Neoliberalen weder führen noch auf dessen Ziel ausrichten zu lassen. Solchen Ansinnen ist härtester Widerstand entegegen zu bringen.

                    • Stefan Pietsch 31. Dezember 2017, 10:49

                      Ich frage mich gerade, wie einsam Sie als Mensch sein müssen, dass Sie es nicht mal in einer so besinnlichen Zeit zu positiven Gedanken und Gefühlen schaffen. Ich habe zwar eine Idee, was Ihnen alles widerfahren ist, mein Mitgefühl hält sich aber wegen Ihres permanenten Auftretens in engen Grenzen.

                      Richtig, Ziele sind an sich neutral. Ihre Bewertung ergibt sich erst, wenn sie in eine Strategie eingebunden werden, die der eine so, der andere so werten kann. Und manchmal folgen sie gar keine, zumindest politischen Bewertung. Sie bleiben neutral. Die Ausrichtung des Finanzbereichs eines Unternehmens auf akkurate, termingerechte, gesetzeskonforme Abschlüsse ist z.B. etwas, was sich nicht von selbst ergibt. Menschen sind häufig nicht von sich aus pünktlich, sie sind nicht genau und manche nehmen es mit der Gesetzestreue ebenso. Die Aufgabe des Vertriebs ist es, Kunden zu gewinnen und zu begeistern für die Produkte des Unternehmens, aber auch, den Kunden nach seinen Bedürfnissen anzusprechen. Und egal, ob wir Alkopops oder Mikrokredite verkaufen – die Wertung der Ziele des Vertriebs bleiben politisch neutral. Ich habe kein Interesse, meine beruflichen Ziele und Aufgaben mit Ihnen zu diskutieren. Woraus wollen Sie da ein legitimes Interesse ableiten?

                      Übrigens ging es in diesem Thread und auch nicht in Stefan Sasses Frage um ein ausführliches Memorandum zu dem, was ich (persönlich) tue.

                    • Logos 1. Januar 2018, 10:19

                      Geändert und mit Wünschen fürs neue Jahr am Ende!
                      Ich frage mich schon lange nicht mehr, wieso sie, anstatt Antworten zu liefern, die diesen Namen auch verdienen, nur ihre Substanzlosigkeiten und ad hominem-Angriffe ergießen.

                      Was soll denn an ihrem
                      „Menschen .. führen …auf ein Ziel hin auszurichten“ sowie „kein Mitläufer“
                      besinnlich sein? Eben: GAR NICHTS! Warum also verlangen sie wieder einmal von anderen, was sie selbst nicht liefern?
                      BTW: Ausgerechnet ein Materialist ihres Schlages, dem es fast ausschießlich ums Geld geht, kommt mir mit Besinnlichkeit? Das taugt ja nicht einmal als Treppenwitz.

                      Und warum machen sie mir aufgrund ihrer Unfähigkeit, sich so klar zu äußern, dass keine klärenden Rückfragen erforderlich sind, Vorwürfe? Hören sie doch ENDLICH einmal mit dem absurden Irrsinn auf, sich über das selbst verursachte Echo zu beschweren!

                      Ansonsten, was ihre Ideen in Bezug auf mich anbetrifft: eine Fliege an der Wand besitzt für mich mehr Relevanz.
                      Wenn Sie aber tatsächlich diesbzgl. Ursachen finden wollen: sehen sie in den Spiegel! Genau da erblicken Sie den Grund für meinen Ärger! Was mir ihr „Mitgefühl“ bedeutet lässt sich nicht angemessen in Worten artikulieren.

                      Ersparen sie mir ihre Küchenphilosophie über Ziele und Strategien! Es geht doch GANZ KONKRET darum, von welchem Ziel SIE schwadronieren! Anstatt banale Allgemeinplätzchen zu backen waren KONKRETE Antworten ihrerseits gefragt. Die sie – wie nahezu immer – schuldig geblieben sind:

                      Was ihr Ziel ist? UNBEANTWORTET
                      Wohin sie führen wollen? UNBEANTWORTET
                      Womit wollen sie nicht mitlaufen? UNBEANTWORTET

                      Mit anderen Worten: sie haben in denkbar schlechtestem Sinne Politikerwischiwaschi von sich gegeben:
                      viel geredet/geschrieben, aber nichts gesagt.
                      Oder in zwei Worten:
                      komplett substanzlos!

                      Ich habe kein Interesse, meine beruflichen Ziele und Aufgaben mit Ihnen zu diskutieren.
                      SIE waren es doch, der
                      „ Das ändert sich nicht im Privaten, “
                      geschrieben hat! Schon vergessen? Ergo:
                      1) ihr Einwand taugt überhaupt nicht als Erwiderung!
                      2) Wenn sie nicht über ihre nebulösen Ziele und ihre angestrebte Führerschaft Auskunft geben wollen, warum haben sie dann die Leser mit ihren Substanzlosigkeiten belästigt?

                      Übrigens: SIE waren es doch, der IHRE Sicht in Form von
                      „ Teil meines Jobs besteht darin, Menschen zu führen, sie zu unterrichten und auf ein Ziel hin auszurichten. Das ändert sich nicht im Privaten, ich bin kein Mitläufer.“
                      thematisierte! Wenn sie nun feststellen, dass es darum nicht ging, dann trifft das doch SIE und nicht mich!
                      In sofern: wieder einmal „grandios“ ins Knie geschossen, Pietsch!

                      Den allermeisten wünsche ich ein gutes neues Jahr …
                      … aber bei Pietsch will ich mal ne Ausnahme machen.

        • Erwin Gabriel 27. Dezember 2017, 18:06

          @ Ariane 27. Dezember 2017, 09:22

          ich … hab aber noch nie freiwillig einen deutschen Klassiker gelesen und mit 15 schon gar nicht.

          Kommt mit dem Alter 🙂

          Gerne der Zeiten gedenk‘ ich,
          als alle Glieder gelenkig
          bis auf eins.

          Doch die Zeiten sind vorüber,
          steif geworden alle Glieder
          bis auf eins.

          Hat der alte Zausel Johann Wolfgang von Goethe in ziemlich fortgeschrittenem Alter verfasst. Er hatte sich in ein Mädel verschaut, dass seine Enkelin hätte sein können und bereits vergeben und „unter der Haube“ war; die Vergeblichkeit seines Strebens in vielerlei Hinsicht war ihm offenbar klar.

          Viele Grüße
          E.G.

          • Ariane 27. Dezember 2017, 21:09

            Kommt mit dem Alter

            Hach ich fürchte nicht. Ich mag einiges an deutscher Lyrik aber sonst ist mir alles zu bedeutungsschwanger und schwermütig, zuviel Brimborium bei zuwenig Story. Wenn ich etwas für meinen intellektuellen Snobismus tun möchte, gucke ich lieber bei den Engländern oder Franzosen vorbei, da gehören unter anderem auch Kindergeschichten, Horror, Science Fiction und Abenteuerromane zu hochkulturellen Klassikern 😉

      • Stefan Sasse 27. Dezember 2017, 10:18

        Wie ich ja schrieb, anwesende Leser immer ausgenommen.

    • Stefan Sasse 27. Dezember 2017, 10:15

      Ja, ich denke im Unterricht kannst du es nur an abgeschlossenen Mini-Serien machen, oder halt „erste Staffel“. Mehr geht natürlich nicht. Aber das ist ja kein grundsätzliches Hindernis.
      Und die Grundregeln seriellen Erzählens kommen halt überhaupt nicht vor.

  • Martin 26. Dezember 2017, 21:16

    Wenn ich mir die Beispiele für Film- und Serieninterpretationen in den beiden hier veröffentlichten toxischen Artikel ansehe, scheint es mit der Kompetenz auf diesem Gebiet nicht weit her zu sein. Da wird z.B. nicht zwischen Eskapismus oder Dokumentation unterschieden.

    Ich vermute deswegen, dass die Schüler nach der Betrachtung eines Marvel- oder StarWars Film davon ausgehen werden, dass es Superhelden und Jedi wirklich gibt und das die Gesellschaft von einem verlangt, Großstädte regelmäßig in Schutt und Asche zu legen.

    Und der chauvinistische Artikel hat mir außerdem gezeigt, dass die Fähigkeit zur Abstraktion und zur Übertragung eines Beispiels auf andere Sachverhalte überhaupt nicht vorhanden zu sein scheint.

    • Stefan Sasse 27. Dezember 2017, 10:19

      Genau. Schüler glauben, dass es Jedi und Superhelden wirklich gibt. *augenroll*
      Leute, hört ihr euch eigentlich reden?

      • Martin 29. Dezember 2017, 11:04

        Ich stelle Deine Kompetenzen zur Filmanalyse und zum Lehren massiv in Frage und erwarte dieser Unverschämtheit wegen einen kolossalen Einlauf von Dir. Stattdessen antwortest Du mit einer Demonstration mangelhaften Textverständnisses? Faszinierende Strategie.

  • Kning 27. Dezember 2017, 08:39

    Ich meine, dass man auch Kinder und Jugendliche mit den alten Klassikern versöhnen kann, wenn man a) den richtigen Aussucht und b) den entsprechenden Kontext zu modernen Werken herstellt.
    Ich kann mich gut daran erinnern Effi Briest lesen zu müssen – mein damaliger Lehrer und hat leider kaum Bezüge zum heute hergestellt und daher war es eine sehr zähe Angelegenheit, dabei sind die Inhalte, um die es geht noch heute aktuell. Die Kunst ist es eben das zu transportieren und da könnte eine Referenz an heutige Serien und Filme durchaus helfen.
    Goethe hat sicherlich mehr sprachliche Eloquenz, jedoch finden sich Motive des Faust in späteren Werken anderer kreativ schaffender wieder.

    Was das mangelnde Qualitätsoutcome von Hollywood angeht: In erster Linie wollen die Studios mit wenigen Risken Geld verdienen. Da ist es einfacher entweder: a) etwas altbewährtes neu aufzukochen, b) eine Buch / Comicvorlage zu verfilmen, c) ein erfolgreiches Produkt fortzusetzen.
    Die Masse des Publikums verlangt nach wenig Innovation, sondern Unterhaltung: Die Studios liefern entsprechend.

    • Stefan Sasse 27. Dezember 2017, 10:23

      Selbst mit allen Bezügen zu heute wird das Zeug nicht spannender. Nimm gerade Effi Briest (war bei uns Abistoff): was um Gottes Willen machst du an diesem Liebesbrief an die ostelbische Adelselite aktuell? Der Versuch, Effi in eine Proto-Feministin zu verwandeln (wie in der grauenhaften Verfilmung) ist einfach nur albern, und Fontane ist jetzt wahrlich nicht ein Autor, den man kennen muss. Warum nimmt man nicht einfach aktuelle Autoren, die auch anspruchsvoll schreiben können, aber wenigstens halbwegs aktuelle Referenzrahmen verwenden?

  • Erwin Gabriel 27. Dezember 2017, 17:51

    Lieber Herr Sasse,

    mit dem Thema haben Sie mich kalt erwischt. Ich muss gestehen, dass ich nach der ersten Hälfte in innerlichem Widerspruch war. Ich mag Goethe und Schiller, Wilhelm Busch, Heinz Erhard, und Loriot allein wegen ihrer genialen Beherrschung der deutschen Sprache, und ich gehöre (es sei meinetwegen m einem fortgeschrittenem Alter geschuldet) zu den Leuten, die auch bei What’sApp mit vollständigen Sätzen und korrekter Grammatik (Stand nicht ganz aktuell, eher so vorletzte Duden-Generation 🙂 ) ausdrücken.

    Doch nach hinten raus haben Sie mich „gefangen“. Mit Spielen habe ich nicht so viel am Hut, aber die Filmbeispiele finde ich packend. Vor dem Lesen Ihres Artikels hätte ich auf Goethe und Schiller im Schulunterricht bestanden, und sei es, um zu zeigen, was die deutsche Sprache so hergibt. Jetzt denke ich, dass es wichtig ist, auch bzw gerade die „Gegenwartskultur“ dahingehend zu „entschlüsseln“, dass Schüler / Jugendliche auch erkennen, wenn sie hinter das Licht geführt oder einfach nur abgefüttert werden. Großes Kino, Ihr Beitrag.

    Also vielen Dank für den Augenöffner!

    es grüßt
    E.G.

    PS: Ich bin eigentlich nicht so der Fan der „Star Wars“-Reihe, aber jetzt juckt es mich, „The Last Yedi“ zu schauen. Haben Sie da einen Tip? Muss ich mir die ganze Serie noch mal durchziehen (wenn ja, in welcher Reihenfolge), oder ist der Film auch ohne die Voraussetzugen der anderen Teile sehenswert?

    • Stefan Sasse 28. Dezember 2017, 08:28

      Freut mich dass es anregend war! Für „The Last Jedi“ würde ich vorher „The Force Awakens“ schauen, den Rest braucht es nicht.

      • Erwin Gabriel 28. Dezember 2017, 12:35

        Merci!

  • schejtan 27. Dezember 2017, 19:07

    Als kleiner Beitrag zur Diskussion, hier mal die Top 10 Kinofilme im Jahr 1970 in Deutschland:

    1.) Schulmaedchen-Report – Was Eltern nicht fuer moeglich halten
    2.) Asterix und Kleopatra
    3.) Oswalt Kolle – Dein Mann, das unbekannte Wesen
    4.) Flesh
    5.) Die Nonne von Monza
    6.) Wenn die tollen Tanten kommen
    7.) Wir haun die Pauker in die Pfanner – Die Luemmel von der ersten Bank – 5. Teil
    8.) Liebesmarkt in Daenemark
    9.) Nicht fummeln, Liebling
    10.) Unsere Pauker gehen in die Luft

    http://www.insidekino.com/DJahr/D1970.htm

    • Stefan Pietsch 27. Dezember 2017, 21:56

      Danke, bei genauerer Betrachtung bewirken Sie gerade das Gegenteil des Gemeinten:

      Auf einzelne Jahre bezogen gab es auch früher nicht nur Top-Filme. Es ist also wenig verwunderlich, dass dies heute auch nicht gelingt. Ich begeistere mich daher für Filme aus vielen Jahrzehnten. Wer nur einen kleinen Ausschnitt von beispielsweise 10 Jahren nimmt, sieht dabei außerordentlich viel Schund, statt sich die Zeit für Qualität aus den Fünfziger-, Sechziger- und Siebzigerjahren zu gönnen.

      Übrigens sah das Jahr 1971 in den USA schon besser aus.

      • schejtan 27. Dezember 2017, 23:44

        Ich habe dieses Jahr auch ausgewaehlt, weil es wirklich exquisit ist 😉

        Wenn man Ihre bisherigen Posts gelesen hat, bekommt man jedoch den Eindruck, das die Menschen frueher scharenweise in hochanspruchsvolle Filme gerannt sind und diese heutzutage komplett ignoriert werden. Diese Wahrnehmung liegt ja aber eher daran, dass Filme ala Schuelmaedchenreport mittlerweile vergessen wurden, als dass es frueher tatsaechlich mehr bessere Filme gegeben haette oder diese durchweg so viel beliebter waren als heute. In ein paar Jahrzehnten werden sich vermutlich auch mehr Leute an, sagen wir mal, „There Will Be Blood“ (weil ichs grad zufaellig in meinem Regal gesehen habe) als an die Fast and Furious Reihe erinnern. Falls die nicht in alle Ewigkeit fortgesetzt wird…

        • Stefan Sasse 28. Dezember 2017, 08:42

          Sag ich ja, dieser ausgelutschte Kulturpessimismus ist so alt wie die Menschheit.

        • Stefan Pietsch 28. Dezember 2017, 14:47

          Ohne Frage war das eine gute Auswahl und ein gutes Beispiel. 🙂

          Wenn man Ihre bisherigen Posts gelesen hat, bekommt man jedoch den Eindruck, das die Menschen früher scharenweise in hochanspruchsvolle Filme gerannt sind und diese heutzutage komplett ignoriert werden.

          Das ist nicht meine Sichtweise. <Die Horrorspinnen ist auch keine Perle der Lichtspielindustrie. Aber streichen Sie vorab jeden Mist, der im Jahr produziert wurde, dann können Sie Jahrzehnte zurückgehen und sind dennoch nur für kurze Zeit bestens unterhalten. Und ich denke schon, dass es sinnvoller ist, Vom Winde verweht gesehen (und begriffen) zu haben, als <Pacific Rim 2.

          • schejtan 28. Dezember 2017, 15:54

            Pacific Rim 2 ist noch gar nicht raus und der erste Teil war ein wunderbar unterhaltsamer Film 😉

            „Aber streichen Sie vorab jeden Mist, der im Jahr produziert wurde, dann können Sie Jahrzehnte zurückgehen und sind dennoch nur für kurze Zeit bestens unterhalten.“

            Eben das gilt heute auch noch.

            • Stefan Pietsch 28. Dezember 2017, 16:12

              Sie meinen das doch hoffentlich nicht ernst?! Ich habe den ersten Teil auf DVD gesehen und nach einer halben Stunde nebenher Soccer auf dem Tablet gespielt. Ich erkenne keinen Sinn darin, mir anzuschauen, wie Riesenroboter aufeinander einprügeln. Die einzige Ausnahme war für mich Terminator 2, okay, auch ich bin schuldig.

              Ich meinte, wenn wir auf den visuellen Müll verzichten, verbleibt uns weit genug Lebenszeit, sie mit guten, unterhaltsamen Sachen zu füllen. Und es ist dann immer noch so viel Leben übrig.

              • Stefan Sasse 28. Dezember 2017, 19:04

                Das ist doch eine reine Geschmacksfrage.

              • schejtan 28. Dezember 2017, 21:09

                Wer live and let die als einen seiner Lieblingsbondfilme nennt, sollte andere nicht ueber Filmgeschmack belehren 😉 Das einzig gute an dem Film ist der Titeltrack von Wings. Und Jane Seymour.

                • Stefan Pietsch 28. Dezember 2017, 21:25

                  Nun, ich habe diesen Bond auch erst mit den Jahren lieben gelernt. Aber es ist der lustigste der Reihe und hat zahlreiche gute Szenen, neben der erwähnten Bootsjagd der Moment, wo Bond den Krokotaschen entkommt oder die Fahrt in dem Hochbus. Von Fans wird der Streifen auf Platz 11 oder 12 von 22 gewertet, also nicht die schlechteste Platzierung. Inflationsbereinigt ist Leben und sterben lassen einer der kommerziell erfolgreichsten Ausgaben der Serie.

                  Jane Seymour ist nicht gerade mein Frauentyp, obwohl sie lecker aussieht (sorry für den chauvenistischen Anfall 🙂 ).

    • Stefan Sasse 28. Dezember 2017, 08:29

      Hach ja, damals, als nur Qualität geguckt wurde. 😀

  • Ralf 27. Dezember 2017, 22:20

    Hmmm … also ich hab diesen Artikel ehrlich gesagt nur mit einem gewissen Kopfschuetteln zur Kenntnis genommen. Ist es wirklich ein anzustrebendes Ziel des Deutschunterrichts (und der Schule im Allgemeinen) den Menschen beizubringen „gute“ von „schlechten“ TV-Serien oder „gute“ von „schlechten“ Buechern zu unterscheiden? Ich musste im Gymnasium von „Effi Briest“ ueber „Die Verwirrungen des Zöglings Törleß“ ueber „Iphigenie auf Tauris“ ueber „die verlorene Ehre der Katharina Blum“ einen „Klassiker“ nach dem anderen lesen und was mir im Nachhinein dazu einfaellt, ist in erster Linie das Wort „Zeitverschwendung“. Ich habe mich Seiten ueber Seiten gelangweilt und haette gerne die vielen Stunden Lebenszeit zurueck, die mich das Lesen dieses Bloedsinns gekostet hat. Der persoenliche Nutzen war fuer mich absolut Null. Gleiches gilt uebrigens fuer den Musikunterricht, in dem man mich jahrelang mit Mozart und Beethoven und Haydn belaestigt hat. Heutzutage wuerde ich mir eher die Hand abhacken, als ein klassisches Konzert in meinen CD-Player zu legen.

    Der einzige Grund, dass mir als Schueler dieser ganze Quatsch aufoktroyiert wurde war doch, dass sich da irgendwer berufen sah fuer mich Unerfahrenen zu definieren, was „Qualitaet“ und was „Kultur“ ist. Und was nicht. Der naechsten Generation wurde so aufgezwungen, was die vorherige Generation aus welchem subjektiven Grund auch immer als „gut“ erachtet hatte. Dass diese naechste Generation fast ausschliesslich an Musik und Literatur interessiert war, die laut dieser Definition „schlecht“ waren, fiel nicht weiter ins Gewicht. „Werd Du mal erwachsen“, hiess es immer. „Dann wirst Du diese wichtigen Werke zu schaetzen wissen“. Blablabla. Wenig ueberraschend war dieser Versuch einer „Umerziehung“ nicht sonderlich effektiv. Bei den meisten meiner Freunde droehnt nach wie vor auch heute Guns ’n Roses aus der Stereoanlage und nicht Mozarts Kleine Nachtmusik. Und A Song of Ice and Fire ist ein Megabestseller, der Millionen Menschen Freude macht, waehrend Heinrich Heine bestenfalls noch in der Generation meiner Oma gelesen wird. Warum schenkt sich die Schule nicht einfach diese Zeit und laesst die jungen Menschen selber ihren Geschmack finden (was sie ohnehin tun!). Und weshalb muss man ueberhaupt begruenden koennen, weshalb einem ein Stueck Musik imponiert oder weshalb man ein tolles Buch spannend findet? Ist mir da wirklich fuer’s Leben geholfen, wenn ich eindeutig die Tonart Fis Moll oder die Ich-Perspektive des Erzaehlers identifizieren kann? Und wenn dann – im Worst Case Szenario – wirklich nur noch Serien geschaut und Buecher gelesen wuerden, die Du persoenlich aus Deinem subjektiven Blickwinkel heraus „schlecht“ findest (was ich im uebrigen bezweifele), waere das wirklich ein immenses Problem, dessen sich der Steuerzahler im gesamtgesellschaftlichen Interesse annehmen muss? Haben wir keine bedeutenderen Herausforderungen?

    Und das fuehrt dann zur Frage, was Deutschunterricht eigentlich stattdessen lehren sollte. Und da faellt mir ein Gespraech mit einem Freund letztens ein, der fuer seine Firma verzweifelt einen Ingenieur sucht, der der deutschen Sprache maechtig ist. Beim letzten (ein Muttersprachler uebrigens!) musste der Chef ausnahmslos jeden geschriebenen Text zunaechst von einer Armada von Rechtschreib- und Grammatikfehlern bereinigen, bevor man ihn guten Gewissens an die Kunden weitergeben konnte. Und zahlreiche Kandidaten, die sich anschliessend vorstellten, wiesen die exakt gleichen Defizite auf. Alles Universitaetsabsolventen natuerlich, mit Diplom. Ich selbst bekam vor einigen Wochen ein ausdrucksmaessig ziemlich mangelhaftes und in seiner sprachlichen Unprofessionalitaet peinliches Schreiben von meiner Bank, dass mir unerklaerlich war, dass sowas tatsaechlich an mich herausgeschickt wurde. Was fuer einen Eindruck macht das denn? Oder man setzt sich einfach mal in eine Bahn und hoert den Mitfahrenden so zu. Teilweise greift man sich einfach nur noch an den Kopf. Manche sprechen in Saetzen die keinerlei Verben mehr enthalten. Wie soll so jemand spaeter mal einen Job bekommen, wenn er nicht in der Lage ist eine vernuenftige Bewerbung zu formulieren? Wie soll sich so jemand spaeter mal einem Job etablieren, wenn er wegen mangelnder Sprachkenntnisse vor den Kunden versteckt werden muss, damit er das Unternehmen nicht blamiert?

    Und anstatt irgendwelche alten Schinken zu analysieren und zu interpretieren, koennte man vielleicht mal daran arbeiten, die Reden unserer Politiker zu analysieren und zu interpretieren. Aus dem Verstehen der gesellschaftlichen Noete des fruehen 19. Jahrhunderts, das mir die Lektuere der Effi Briest vermitteln mag, entsteht ein gesellschaftlicher Nutzen fuer die aktuelle Gegenwart von nahe Null. Aber das Verstehen dessen, was unsere Politiker „wirklich“ sagen (oder nicht sagen), haette uns vermutlich einen Praesidenten Trump erspart, oder bei uns zuhause die AfD. Und wuerden den Waehlern all die leeren Sprechblasen und Nullsaetze auffallen, wuerde im Wahlkampf vielleicht ausnahmsweise mal eine Auseinandersetzung mit konkreten wichtigen Inhalten verlangt, anstelle solcher Trauerspiele wie beim letzten „TV-Duell“.

    Mit gutem Ausdruck deutsch zu sprechen oder meinetwegen vernuenftig rechnen zu koennen oder grundlegende IT-Kenntnisse zu haben, ist auf jeden Fall deutlich wichtiger als Star Wars analysiert zu haben. Oder die Lindenstrasse. Oder „Vom Winde Verweht“ …

    • Stefan Sasse 28. Dezember 2017, 08:40

      Mit deiner Argumentation rennst du bei mir offene Türen ein. Ich plädiere ja dafür, diese Medien AUCH zu besprechen, nicht ausschließlich! Ich sollte glaube ich mal meinen persönlichen Traum-Bildungsplan beschreiben. Aber ja, wenn es nach mir ginge: weniger Klassiker, dafür mehr anwendungsorientierte Dinge wie Debattieren, Comics/Graphic Novels/Manga, Rhetorikanalyse, Geschäftskommunikation (das ist GAR NICHT im Bildungsplan für Gymnasiasten).

      Was Rechtschreibung, Grammatik etc. angeht – das wird in der Unterstufe bis zum Erbrechen gemacht, mit den bekannten Ergebnissen. In der Oberstufe brauche ich damit nicht mehr zu kommen, da lernen die Leute das nicht mehr. Es hängt stark mit Lesen zusammen: je mehr die Schüler lesen, desto besser sind ihre Rechtschreibung, Satzbau und Grammatik. Aber das ist nichts, was die Schule leisten kann, rein aus Zeitgründen. Kannst die Leute nicht zum Lesen zwingen. Aber dafür brauchen die Leute halt auch entsprechende Literaturvorbilder, und wie du schon so richtig bemerkst ist das Lesen von Goethe wenig dazu angetan, die Schüler für Literatur zu begeistern.

      • Ralf 28. Dezember 2017, 10:34

        dafür mehr anwendungsorientierte Dinge wie Debattieren, Comics/Graphic Novels/Manga, Rhetorikanalyse, Geschäftskommunikation (das ist GAR NICHT im Bildungsplan für Gymnasiasten)

        Mir leuchtet einfach nicht ein, welche Schluesselqualifikation fuer’s Leben ich durch die Analyse von Comics, Graphic Novels und Mangas erwerbe. Es beschweren sich doch staendig alle, wie schwierig es sei, das Gymnasium in acht statt neun Jahren zu bewaeltigen. Und selbst bei neun Jahren kamen die meisten Abiturienten bereits mit nicht besonders eindrucksvollen Kenntnissen in Mathematik und Naturwissenschaften aus der Schule. Defizite, die dann im Studium mit hohen Kosten fuer den Steuerzahler ausgebuegelt werden mussten. Um es in Zahlen auszudruecken: Bei mir im Studium damals eine Abbruchquote von ueber 50% vor Ende des Grundstudiums und Durchfallquoten von ueber 90% im ersten Anlauf in den Mathematik- und Chemieklausuren. Gleichzeitig verschaerfen sich – zumindest ist das mein persoenlicher Eindruck – die Defizite in der deutschen Sprache. Ich arbeite hobbymaessig als Redakteur bei einer Webseite mit, die auch ueber ein gut besuchtes Forum verfuegt, hauptsaechlich mit jungen Teilnehmern. Was Du da zu lesen kriegst, zieht Dir oft die Schuhe aus: Voellig willkuerliche Gross- und Kleinschreibung, massenhaft Rechtschreibfehler, gerade bei Fremdwoertern erschreckend, und oft die totale Unfaehigkeit einen Sachverhalt oder Gedanken klar und praezise zu beschreiben. Da kann man doch nicht sagen, dass wir diese jungen Menschen jetzt einfach aufgeben, weil sie es in der Grundschule halt verpasst haben ausreichend zu lesen. Wo soll denn jemand, der nicht schreiben und sich nicht ausdruecken kann spaeter mal einen Arbeitsplatz finden? Und dazu kommen noch die Dinge, die Du oben ja auch noch ansprichst. Teilweise Felder, die – wie Du ja selber sagst – bisher garnicht im Lehrplan stehen. Von Basis-Computerkenntnissen wie etwa Office, was heutzutage absolut jeder braucht, fange ich garnicht erst an. Oder eben mal die simple Faehigkeit Informationen im Internet zu finden. Das ist etwas, was ich jetzt immer wieder bei Studenten festgestellt habe, dass viele einfach keine Ahnung haben, wie man an eine bestimmte Information ueber Google herankommt (z.B. eine Anleitung fuer einen Versuchsaufbau oder aehnliches). Die sitzen dann vor dem Computer und wissen nicht, was sie in das Google-Fenster tippen sollen. Sich mit sowas auszukennen, ist heutzutage absolut essentiell. Und und und. Es gibt so viele Herausforderungen. Alte und neue. Und so wenig Zeit. Und so knappe Ressourcen. Welchen sinnvollen Beitrag leistet da die Analyse von Mangas und Star Wars zu besseren Berufschancen der naechsten Generation?

        • schejtan 28. Dezember 2017, 11:00

          Mit der Argumentation kommst du in Teufels Kueche. So argumentieren im Grunde auch die Leute, die sagen, dass man sich beispielsweise in Mathe die Kurvendiskussion sparen kann, weil der Grossteil der Schueler sie spaeter nicht mehr benoetigt.

          • Ralf 28. Dezember 2017, 11:11

            Die Kurvendiskussion speziell ist auch ziemlich irrelevant, es sei denn man studiert im Anschluss an das Abitur etwas Naturwissenschaftliches oder eben Mathematik. Was die Lehre von Mathematik fuer den Rest der Schueler rechtfertigt, ist die Aneignung mathematischen Denkens. Also die Faehigkeit eine grosse, unloesbar scheinende Aufgabe in kleine loesbare Einheiten zu verpacken und eine Gesamtstrategie zu entwickeln, die das Problem am Ende bewaeltigen kann. Solches Koennen ist am Ende in vielen Bereichen nuetzlich, auch ausserhalb der Naturwissenschaften. Im Grunde ueberall wo Probleme geloest werden muessen.

            • popper 28. Dezember 2017, 13:59

              …die Lehre von Mathematik… ist die Aneignung mathematischen Denkens. Solches Koennen ist am Ende in vielen Bereichen nuetzlich, auch ausserhalb der Naturwissenschaften. Im Grunde ueberall wo Probleme geloest werden muessen…

              Zunächst möchte ich darauf hinweisen, dass ich Ihre Kommentare wegen ihrer Differenziertheit sehr schätze. Und sie mit gewinn lese. Wenn ich aber dann solche Sätze lese wie oben, frage ich mich, ob Ihr methodologischer Ansatz nicht in eine, wenn nicht rund heraus falsche, aber doch defizitäre Richtung führt.

              Man kann nämlich nicht oft genug betonen, dass die Verwendung von Mathematik nicht automatisch zu wahren Ergebnissen führt. Zahlen sind keine Fakten. Schon ihre Weiterverwendung mündet in eine Interpretation, die theoriebedingt ist und dadurch ganz unmittelbar seine Neutralität verliert. Ergo, sind Zahlen nicht theorielos interpretierbar. Das ist etwas, was auch immer in der Argumentation von Pietsch auftaucht, wenn er mit der Attitüde des selbsternannten Zahlenkünstlers, es heroisch ablehnt, über Theorien überhaupt erst zu diskutieren, sondern nach empirischen Beweisen verlangt, die er allein aus seinen Zahlenkolonnen destilliert haben will. Doch dieses empirische Argument für die Evaluierung von Theorien bleibt so gut wie nutzlos. Da die erste Frage immer lauten sollte, wie Realitäten überhaupt gedacht werden oder anders formuliert, welche Realität/Theorie ist in einem bestimmten Zeitpunkt die allgemein akzeptierte. Insoweit kann erkenntnistheoretisch die Empirie überhaupt kein Gradmesser für die Qualität einer Theorie sein. Zumal niemand weiß, ob nicht eine andere Theorie mit denselben Daten zu total anderen Ergebnissen führt. Eines der größten Missverständnisse liegt ja auch darin, dass oft so getan wird als sei irgendeine Theorie gleichzusetzen mit der Beschreibung von Wirklichkeit oder Realität. Stimmt aber nicht. Sie ist vielmehr die Beschreibung einer Vorstellung von Realität. Und nur diese kann anhand mathematischer Gesetzmäßigkeiten überprüft werden.

              Allerdings besteht immer noch ein Rest an Skepsis, was die Mathematik und die auf ihr begründete Beweisführung angeht. Als Beispiel möchte ich Gödels Gottesbeweis anführen, der, wie alle ontologischen Gottesbeweise, nicht nur unzureichend, sondern in seinen Schlussfolgerungen irreführend ist. Er beruht lediglich auf einer mathematischen Konstruktion, die nicht die faktische Existenz Gottes beweist, sondern die Konsistenz seiner mathematischen Gleichungen. Wobei man unbedingt sehen muss, dass Gödel keine Formel der Aussagelogik, sondern der Modallogik verwendet, und diese bekanntermaßen spekulativen Charakter hat. Dass man einen Computer Gödels „Gottesbeweis“ hat nachrechnen lassen, ändert in der Sache nichts, denn Gödel sagt ja selbst: „Logische Systeme sind entweder nicht hinreichend einfach, nicht vollständig oder widersprüchlich.“ Nichts anderes als ein unvollständiges, logisches System ist daher nicht nur sein „Gottesbeweis“, sondern jedes logische System. Und ein logisches System lässt sich natürlich von einem Computer überprüfen, erhebt dabei aber nicht den Anspruch, irgendetwas Reales abzubilden. Deshalb empfehle ich Vorsicht beim Lösen von Problemen via Mathematik. In der Ökonomie, bezogen auf die Neoklassik ist das Problem signifikant.

              Ich hoffe, meine Ausführungen sind, bezogen auf das o.g. Thema, wenigstens im Ansatz anschlussfähig

              Beste Grüße popper

            • schejtan 28. Dezember 2017, 15:52

              „Was die Lehre von Mathematik fuer den Rest der Schueler rechtfertigt, ist die Aneignung mathematischen Denkens. Also die Faehigkeit eine grosse, unloesbar scheinende Aufgabe in kleine loesbare Einheiten zu verpacken und eine Gesamtstrategie zu entwickeln, die das Problem am Ende bewaeltigen kann.“

              Exakt. Genauso wie Textanalyse auch fuer viele andere Bereiche ausser dem konkret besprochenen Texten nuetzlich ist. Ich bin ja eh dafuer, den Lehrern da mehr Freiheiten zu lassen anstatt ein starres Curriculum vorzugeben, damit sie Texte besprechen koennen, mit denen sie sich selber auch auskennen. Bringt vermutlich mehr, als wenn jeder Lehrer teilweise lustlos den Standardkanon durchwaelzt. Leider geht die Entwicklung ja eher in die andere Richtung.

            • Stefan Sasse 28. Dezember 2017, 19:00

              Was im Übrigen auch nicht einfach magisch passiert nur weil du 4 Stunden pro Woche in den Stundenplan haust. Das Aneignen mathematischen Denkens meine ich.

        • Stefan Pietsch 28. Dezember 2017, 14:18

          Selten meinen Punkt so getroffen.

        • Stefan Sasse 28. Dezember 2017, 19:01

          Welchen Beitrag leistet die Lektüre dreier Ganzschriften und Dramen dazu? Mein Punkt ist der: Schüler sollen sich mit Literatur und Sprache beschäftigen. Die Idee, dass das nur in Form des Romans oder Dramas passieren kann ist von vorgestern.

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