Wie der Staat Bürgern und Unternehmern die Mittel zur freien Entfaltung raubt

Die Essenzen jeder dynamischen Wirtschaft sind innovative Unternehmer und freies Kapital. Das ist nicht einfach ein alt-kapitalistischer Ansatz, vor allem reiben sich viele heute an dem Wort „Kapital“. Aber jeder Fußballfan weiß, das Kapital seines Herzensclubs läuft auf zwei Beinen, schießt Tore und bringt beim Verkauf viel Geld. Oder zumindest einen Top-Marktwert bei Transfermarkt.de. Gerade Start-ups mit viel Potential haben kaum Sachanlagen und außer Forderungen kein Vermögen und die Kapitalseite sieht ohnehin aus, dass es jedem ambitionierten Buchhalter die Tränen in die Augen treibt. Aber sie beschäftigen kluge (und teure) Köpfe, ihre Mitarbeiter sind hochmotiviert. Es ist Kapital, das nicht bilanziert und dennoch entscheidend ist. Die deutsche Politik verhält sich zum wichtigsten Aktivposten wie der dümmste Bauerntölpel. Es verachtet, was wichtig ist und verschleudert das wenige, das da ist. Mit seinen hohen Steuern raubt der Staat Bürgern und Unternehmen Lebenschancen.

Deutsche Unternehmen besitzen im internationalen Vergleich wenig Eigenkapital. Investoren, die Start-ups stützen und entwickeln wollen, tun dies nicht durch Kapitaleinlagen, sondern in dem sie Darlehen („Shareholder Loans“) geben und selbst dann an solchen eigentlich widersinnigen Konstruktionen festhalten, wenn das junge Unternehmen so ins Minus kippt, dass die bilanzielle Überschuldung eintritt – eine extreme Belastung für jede unternehmerische Tätigkeit.

Seit zwanzig Jahren erlebt Deutschland einen stillen Brain Drain. Über eine Million Deutsche haben in dieser Zeit das Land dauerhaft verlassen, drei von vier besitzen eine akademische Ausbildung, insbesondere mit gefragten Qualifikationen in MINT-Fächern. 2024 wechselten 23 Prozent ihren Job und gingen ins Ausland. Der große Teil, die einen Job besitzen, denken darüber nach zu gehen. Und diejenigen, die zurückkommen, sind weniger gebildet. Dagegen sind über 8,7 Millionen Ausländer eingewandert, die im Schnitt ein weit geringeres Ausbildungs- und Qualifikationsniveau aufweisen und deswegen überdurchschnittlich im Transferbezug landen oder im Niedriglohnsektor arbeiten. Das ist die Grundlage für die populäre These der AfD vom Bevölkerungsaustausch.

Inzwischen wagen fast 300.000 Deutsche zumindest den Versuch, sich im Ausland eine neue Existenz aufzubauen. Meist ist auswandern mit dem Job verbunden, aber auch der Lebensstil ist einer der wichtigsten Gründe das Land zu verlassen. Vor allem geben Auswanderer an, dass sich ihr Nettoeinkommen deutlich durch ihre Entscheidung verbessert hat.

Gegenläufig ist übrigens die Entwicklung im unternehmerischen Bereich. Immer weniger amerikanische und asiatische Unternehmen unterhalten in Deutschland eine Europa-Holding um darüber den EU-Markt zu bearbeiten. Deutsche Unternehmen sind heute so national wie seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr.

Warum ist das so wichtig? Weil es mit der Besteuerung von Bürgern und Unternehmen zu tun hat. Es ist die entscheidende Stellschraube, an der ein Land seine Attraktivität auf wichtige Gruppen steigern kann – oder sie abstößt. Deutschland belastet seine Leistungsträger – und das sind immer jene, die überdurchschnittlich bezahlt werden und Beschäftigungschancen haben – so hoch wie kein anderes OECD-Land, Belgien mal außen vor und mehr als die ohnehin hoch besteuernden skandinavischen Länder. Es gibt keine Aussicht auf Linderung, zumindest die Einkommensbelastung mit Sozialabgaben wird nach allen Erwartungen um weitere 5-7 Prozentpunkte allein bis 2030 steigen. Der Unterschied zwischen dem nur theoretischen Bruttogehalt und der kümmerlichen monatlichen Auszahlung aufs eigene Konto wächst immer weiter.

Im Bereich der Unternehmensbesteuerung sieht es nicht anders aus. Deutschland melkt seine Kapital- wie Personengesellschaften in den nominalen wie effektiven Steuersätzen wie kein anderes entwickeltes Land. Die Konkurrenz spielt eher in Kolumbien und Costa Rica als in den USA.

Quelle: Wirtschaftsdienst

Wenn der Staat seinen Bürgern weniger Einkommen lässt, nimmt er ihnen Chancen, sich Lebensträume vom eigenen Haus über Kinder bis Wohlstand im Alter weniger verwirklichen. Der deutsche Staat raubt Lebenschancen. Erfolgreiche Unternehmen, die mehr vom Gewinn abgeben müssen, können weniger Eigenkapital bilden, aus dem Investitionen in Forschung und Entwicklung bezahlt werden und die generell für mehr Resilienz gegen Krisen sorgen. Investoren kennen jede Statistik. Es gibt wenig Gründe, Kapital in ein Land zu schieben, das wenig Rendite abwirft und wo am Ende die Gefahr der Wegnahme besteht.

Der britische Economist zeigt es in all seiner Nüchternheit auf: Deutschland wird 2027 ein verlorenes Jahrzehnt vollenden. Ein Land, das nicht wächst, ist nicht attraktiv, schon gar nicht für jene Menschen, die den ausufernden Sozialstaat bezahlen sollen. Die Bundesrepublik befindet sich in einer Todesspirale, immer mehr für den Staat abzweigen zu müssen und die Leistungsträger zu vergraulen.

Quelle: The Economist

Nicht einmal Handelsabkommen können wir

Deutschland hat in den vergangenen vierzig Jahren besonders von der Globalisierung profitiert. Ihre wichtigsten Industrien – Automobil, Maschinen- und Anlagenbau, Luxusgüter – fanden weltweit neue Absatzmärkte. Die Liberalisierung der Handelsmärkte durch die WTO tat ihr Übriges. Was meist vergessen wird: Das Spiel funktioniert auch hervorragend in die Gegenrichtung. Nicht nur die EU, Deutschland im Besonderen ist auf den Import von Energie, Nahrungsmitteln und billigen Konsumgütern angewiesen. Und auf die Zufuhr von technischem Wissen der Premiummarke und Know-how. Der Kontinent vergreist und seine Bevölkerung ist geistig zu unbeweglich, seine Strukturen verkalkt als dass Neues entstehen könnte.

Unter solchen Bedingungen sind Handelsabkommen mit den wichtigsten Weltregionen essentiell. Wie entscheidend, das zeigt sich, seitdem im Weißen Haus Donald Trump regiert. Der frühere Immobilientycoon hält nämlich so gar nichts von Freihandel. Ziemlich dumm nur, dass gerade die deutsche Politik traditionell Handelsabkommen mit Verve torpediert. Völlig in Vergessenheit geraten ist die vor zehn Jahren weitgehend fertig ausgehandelte Vereinbarung zwischen den USA und der EU, das insbesondere in Deutschland unter der Kurzfassung TTIP von den linken Unterstützermilieus der Grünen heftigst bekämpft wurde. An Kurzsichtigkeit hat es den moraltriefenden Deutschen mit ihrer Angst vor Chlorhühnchen noch selten gemangelt.

Auch das Abkommen mit den südamerikanischen Ländern Mercosur Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay liegt seit Ewigkeiten auf Eis. Gerade wurde die finale Verabschiedung auf das nächste Jahr verschoben, dann aber wirklich! Der Brasilianer Lula nimmt gerne Unterstützungsgelder von der EU, handelt aber lieber mit China. Und zum libertären Präsidenten Argentiniens, Javier Milei, haben weder Brüssel noch Berlin echten diplomatischen Kontakt. Während die linken Regierungen Lateinamerikas umgarnt werden, bekommen die natürlichen Partner des Westens, die Konservativen und Rechten, die kalte Schulter. Da kann man von Glück sagen, dass mit Chile seit über zwanzig Jahren bereits ein Freihandelsabkommen besteht. Denn auch zum neuen Präsidenten des Landes, dem deutschstämmigen Rechtspopulisten José Kast, haben europäische Top-Diplomaten keine Connections. Was man so eben im diplomatischen Dienst macht.

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  • Lemmy Caution 29. Dezember 2025, 13:07

    In der Statistik fuer Mint-Absolventen belegt Deutschland den 4. Platz… hinter Tunesien, Iran und Südkorea. https://statranker.org/education-level/top-10-countries-by-stem-graduates-per-100000-population-2025

    Es stimmt nicht, dass Europaer in Argentinien Mileis nicht mitmischen wuerden. Das einzige Projekt im Abbau von Rohstoffen, das bereits spuerbare Ergebnisse zeigt, wird von der italienischen ENI realisiert: Der Transport von Fluessiggas aus dem riesigen Fracking Gas Gebiet Vaca Muerta. Such mal nach: „vaca muerta eni“ in google.
    Chilenische Grossprojekte sind interessanter für europäische als fuer US-Unternehmen, weil viel Ökostrom, Kupferabbau, Verkehrsinfrastruktur und Sozialer Wohnungsbau: https://www.youtube.com/watch?v=V1BGOqgkwRw
    Hat einen englischen Audio-Kanal und ist für eine Übersicht hochinteressant.

    • Stefan Pietsch 29. Dezember 2025, 18:14

      Deutsche Unis sind gut. Nur, das ist die Schattenseite, wir können die Leute nicht halten. Und das ist schlecht.

      Zu den eigentlichen Punkten hast Du ja nichts zu sagen: Steuerlast als Wirtschaftshemmnis. Die Idee fand ich immer putzig, dass unzählige Topleute nach Deutschland kommen, um mit ihren hohen Gehältern den Sozialstaat am Laufen zu halten. Grob gezeichnet ist es doch so: Es kommen viele mit Anspruch auf Bürgergeld und es gehen viele mit hohem Gehalt.

      Warum hat die EU / Deutschland TTIP versemmelt und warum schafft man Mercosur in Jahrzehnten nicht? Ich vertrete die Ansicht, dass wir diese Freihandelsabkommen schon vor 25 Jahren gebraucht hätten und sehe einen kaum zu bezifferbaren Schaden dadurch, dass deutsche Parteien es boykottieren.

      • Lemmy Caution 30. Dezember 2025, 09:23

        Unternehmenssteuern sind ja in Deutschland nicht sooo gewaltig. Hoch besteuert werden Einkommen durch Arbeit. Die USA hat die Staatsverschuldung immer weiter steigen lassen, bis sie heute dazu gezwungen sind, eine andere Rolle zu spielen. Hans-Werner Sinn hat hier wirklich etwas interessantes rausgehauen: https://www.youtube.com/watch?v=oUPXM8KiwG4
        Es gibt eher einen Austausch. Viele gut Ausgebildete wanderten auch ein. Meine Schwester hat sich eine Eigentumswohnung in Berlin Weissensee gekauft. Dort haben sich viele Leute aus Indien, Brasilien, arabischen Ländern, etc eingekauft, die in Deutschland Karriere gemacht haben. Gerade in der IT habe ich mit Ausländeranteil von ca. 35% gearbeitet, wobei viele von denen gehen. Viel Russische Welt, Polen, Nordafrikaner, Rumänen, Spanier und einige aus Venezuela, Benin, Kamerun und den USA. Die hatten in aller Regel ein Informatik-Diplom. Ich bin ja für eine härtere Asylpolitik und auch Schulen, die mehr verlangen.
        Die 25 Jahre Mercosur-Verhandlungen waren beidseitig. Solche Handelspakte werden oft überschätzt. Europäische Unternehmen sind in Argentinien und Brasilien gut vertreten. Deutsche Maschinen und Autos, spanische Banken, italienische/spanische Versorgungsunternehmen (Energie, Telefonie). Boykotiert wurde das Mercosur-Abkommen ja nun von Frankreich und Belgien (Landwirtschaft) sowie Italien vermutlich auf Druck von Trump. Deutschland war da immer sehr konstruktiv. Gegen China und andere ostasiatische Mitbewerber wurde es in den letzten Jahrzehnten schwieriger. Dagegen helfen auch Kast und Milei nichts. Die Importe aus China sind dieses Jahr weiter sehr stark angestiegen, obwohl nun 80 Jahre alte Stahlwerke dicht machen mussten, weil sie nicht gegen China bestehen konnten.

        • Stefan Pietsch 30. Dezember 2025, 10:36

          Definiere „nicht sooo gewaltig“.

          Deutschland liegt mit 30 Prozent im absoluten Spitzenbereich der unternationalen Unternehmensbesteuerung. Dabei sind die 30 Prozent eben nur die Belastung auf Ebene der Kapitalgesellschaft, dazu kommt die Ausschüttungsbelastung. Das ergibt eine Gesamtbelastung der Gewinne von knapp unter fünfzig Prozent (bei Anteilseignern mit relevanter Beteiligung von >5% gilt keine Abgeltungsteuer), was eben auch absolute Weltspitze ist. Im negativen Sinne.

          Dazu kommt, dass die meisten Unternehmen in der Rechtsform einer Personengesellschaft geführt werden, wodurch die Eigentümer ohne juristische Trennung mit ihrem persönlichen Einkommensteuersatz belastet werden. Die Steuerbelastung von Gewerbebetrieben, Kapitalanteilen und Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit werden nach dem gleichen Gesetzbuch und den gleichen Einkommensteuertabellen hergestellt. Wie Du richtig sagst ist die besonders hoch in Deutschland. Die Wegnahme persönlichen Einkommens ist also exorbitant in Deutschland.

          Deutschland hat nicht so viele brasilianische Fachkräfte. Das wäre auch verwunderlich. Du findest selbst auf dem Land unzählige türkische Restaurants, inzwischen auch afghanische und arabische Küche. Aber selbst in einer Metropole wie Frankfurt findest Du kaum einen Brasilianer. Nicht in den falschen Hals bekommen: Gastronomie ist ein Indiz (kein Beweis), wie verbreitet Erwerbsarbeit in einer Gesellschaft ist. Du arbeitest in einem Bereich, der sich durch exzellente Fachkräfte auszeichnet. Ein Bereich, in dem es prinzipiell keine Rolle spielt, wo jemand seinen regelmäßigen Wohnsitz hat und welche Sprache er spricht. Ich habe auch in solchen Bereichen gearbeitet. Eins zeichnet sie aus: Sie sind in keiner Weise repräsentativ für die Situation in einem Land. In der Finanzkrise sind hunderttausende Spanier und Griechen nach Deutschland, vorzugsweise Berlin, Frankfurt und München gekommen. Als die Krise abflaute, waren sie wieder weg, auf jeden Fall sind sie nicht in Deutschland geblieben. Nochmal, Lemmy, die Frage aus dem Artikel: Was hat Deutschland denn top ausgebildeten Fachkräften dieser Welt zu bieten? Nichts.

          Du sparst TTIP aus. Ein Fall ist Zufall, zwei schon eine Reihe. Auf meinen Reisen in Südamerika ist mir eins aufgefallen: Importprodukte sind besonders teuer. Eine Kiste Rocher Kugeln, die hier derzeit 4,79 Euro kostet, ist in Quito nur für den doppelten Preis zu haben. Ich bin da kein Fachmann (also für Rocher Kugeln schon, die selbst auf griechischen Inseln wesentlich günstiger sind), aber ich führe das auf fehlende handelsrechtliche Regeln zurück. Umgekehrt verhält es sich sicher genauso.

          • Lemmy Caution 31. Dezember 2025, 08:56

            Such mal „Brasilian tech workers in germany“ auf google. Da gibt es einige Intiativen und Zusammenarbeit. Solche Leute werden nicht unbedingt ein Restaurant eröffnen. Ausserdem gibt es in Frankfurt gute peruanische Restaurants. Die anderen Latinos können grillen, aber nicht kochen. Das wissen Brasilianer auch.
            Deutsche Schokolade kostet in chilenischen Supermärkten 200% zu Deutschland. Da werden aber sicher keine Zoelle erhoben. Der Markt in diesen Ländern ist einfach klein. Ecuador hat mit der EU ein Freihandelsabkommen. chatGpt: „Zoll in Ecuador auf EU waren“. -> Zollfreiheit fuer viele verarbeitete Lebensmittel.

  • Lemmy Caution 29. Dezember 2025, 17:56

    Gib mal „migration von us amerikanern nach Deutschland zahlen“ in google ein.
    Seit 2017 ziehen mehr US-Amerikaner nach Deutschland als umgekehrt. Oft handelt es sich bei den Amerikanern um Wissensarbeiter, ganz sicher kommen die nicht „straight out of Compton“ https://www.youtube.com/watch?v=TMZi25Pq3T8

    Ich werde gut bezahlt, nehme aber meine Arbeitsrealitaet eher verwundert als veraergert oft so wahr: https://www.reddit.com/r/ProgrammerHumor/comments/120ktem/we_all_need_a_herbert_in_our_life/?tl=de
    Inzwischen schauen viele der dudes ausserhalb der Baugrube nius, apollo news und die Welt. Die führen das grosse Wort von Innovation und lebenslangen Lernen, sind davon aber sehr weit entfernt. Richtig ernst nehmen kann ich das nicht.

    • Stefan Pietsch 29. Dezember 2025, 18:33

      Wieviel Amerikaner gibt es? Über 330 Millionen. Wieviele Deutsche abzüglich der gerade eingebürgerten unter 80 Millionen. Wieviele US-Soldaten sind hier stationiert? Eine fünfstellige Zahl. Wieviele Deutsche sind in den USA stationiert? Keine.

      Nach Deutschland wandern im Top-Ranking Ukrainer, Rumänen, Polen, Türken zu. Frage: Warum nicht Franzosen, Schweizer, Spanier? Hast Du darauf eine logische Antwort?

      • Lemmy Caution 30. Dezember 2025, 19:27

        Vergleichbare gute Fachkräfte aus Osteuropa haben beim Einkommen ein höheres Diff gegenüber ihrem Heimatland als Franzosen, Schweizer oder Spanier. Es entstanden viele neue gutbezahlte Jobs in der IT. Da sind Polen, Ukrainer und Rumänen oft sehr gut. Du sitzt da echt Stereotypen auf. Ich gehe viel Tutorials zu advanced Zeug in IT durch. Ich höre neben viel Englisch mit indischen Akzent auch viel mit polnischen oder rumänischen Akzent. Mehr als US-amerikanisches, englisches Englisch oder westeuropäisches Englisch.

        • Stefan Pietsch 30. Dezember 2025, 20:01

          Ja, Lemmy. Nur sowohl die gesamten Erwerbsquoten nach Nationalitäten wie die geringe Größe des IT-Sektors stützen Deine Begeisterung nicht. Das sind keine Stereotypen, sondern harte Fakten. Rumänen beispielsweise sind I.d.R. Keine IT-Experten, sondern Bürgergeldempfänger oder prekär beschäftigt.

      • Lemmy Caution 30. Dezember 2025, 19:56

        Die von dir so geschaetzten US Technologie-Giganten haben offenbar kein Problem mit Rumänen und Polen.
        chatgpt:
        „Polish IT experts at management positions in top US IT companies“
        „Romanian IT experts at management positions in top US IT companies“
        Ausserdem boomt die polnische Wirtschaft. Laut Chatgpt wird 2030 polnisches BIP/Einwohner gegenüber Frankreich 36 zu 54 Tsd USD erreicht haben.
        2020: 16 zu 45. D.h.
        1/3 auf 2/3 in nur 10 Jahren. Der Hammer.

        • Stefan Pietsch 30. Dezember 2025, 20:03

          Ich habe auch kein Problem mit Rumänen und Polen. Ich hätte nur die gerne hier, die sich für lächerlichen Lohn im Silicon Valley verdingen. Wir haben hier doch viel höhere Steuern zu bieten. 🙂

          • Lemmy Caution 31. Dezember 2025, 08:38

            Tech ist momentan vor allem unübersichtlich in alle möglichen Richtungen.

            • Stefan Pietsch 31. Dezember 2025, 08:55

              Da gebe ich Dir ja recht, nur geht es darum ja nicht. Ich habe Dich so gelesen, dass ich ein Problem mit Osteuropäern hätte. Habe ich nicht. Ich halte Polen, Ukrainer und eine Reihe anderer für die besseren Deutschen.

              Nur der Punkt aus dem Artikel war, dass dieser Staat, dieses Gemeinwesen wegen der großen Belastungen des persönlichen Einkommens und der trüben Aussichten wenig Attraktivität besitzen. Alle statistischen Zahlen zeigen das.

              Die Ignoranz dieses Landes ist echt erschreckend: Wir meinen uns alles leisten zu können und selbst etwas zu erbringen.

              • Lemmy Caution 31. Dezember 2025, 09:04

                chatGpt: „wie viel Polnische IT Experten arbeiten in Deutschland“

                • Stefan Pietsch 31. Dezember 2025, 10:51

                  Es gibt keine exakte Zahl, wie viele polnische IT-Experten direkt in Deutschland arbeiten, aber Polen stellt eine große Quelle für IT-Talente dar, wobei viele Experten in Polen selbst hochqualifiziert sind (oft mit Hochschulabschluss) und auch für deutsche Unternehmen interessant sind, die Polen für IT-Outsourcing nutzen. Zahlen zeigen, dass es in Polen eine große Anzahl an IT-Fachkräften gibt, etwa 295.300 allein im Jahr 2020, und polnische Entwickler zu den besten weltweit zählen. Viele Polen arbeiten zudem als Pendler oder Zuzügler in Deutschland, wobei die Gesamtzahl polnischer Staatsbürger in Deutschland bei etwa 880.000 liegt (Stand 2024), viele davon mit IT-Bezug.

                  Obwohl Rumänien eine hohe Anzahl von IT-Experten hervorbringt, leben hier 8 Prozent der 930.000 Rumänen vom Bürgergeld. Und das, Lemmy, ist die Einwanderung über die EU.

          • CitizenK 31. Dezember 2025, 09:53

            Hab eure Diskussion mit Interesse verfolgt. Bin kein Experte, aber ein paar Google-Klicks zeigen doch ein nicht ganz so düsteres Bild:
            Google: Kündigte im November 2025 Investitionen in Höhe von 5,5 Milliarden Euro bis 2029 an.
            Amazon (AWS): Plant bis 2026 rund 8,8 Milliarden Euro in die deutsche Cloud-Infrastruktur zu investieren.
            Microsoft: Investiert bis Ende 2025 rund 3,2 Milliarden Euro. Ziel ist die Verdoppelung der KI-Infrastruktur und Cloud-Kapazitäten, wobei ein Schwerpunkt auf dem Bundesland Nordrhein-Westfalen liegt. Zudem sollen bis zu 1,2 Millionen Menschen in digitalen Fähigkeiten geschult werden.
            Oracle: Gab im Juli 2025 bekannt, über die nächsten fünf Jahre 2 Milliarden US-Dollar in seine Cloud-Region im Raum Frankfurt zu investieren, um die Nachfrage nach KI-Services zu bedienen.

            Trotz der Steuerlast investieren US-Konzerne massiv, da andere Faktoren im Jahr 2025 wichtiger sind: Souveränität und Datenschutz, Marktnähe und Fachkräfte.

            Was sagt ihr dazu?

            • Stefan Pietsch 31. Dezember 2025, 10:46

              Leider nein. Seit 20 Jahren steigt der negative Saldo der Direktinvestitionen. Seit 2022 erreicht er neue Tiefpunkte, was ein Zeichen für die Deindustrialisierung des Landes ist. Es es tragisch, dass das die Mehrheit immer noch nicht sehen will, was sich da abspielt. Ich habe die Graphik des Wirtschaftsdienstes in den Artikel eingefügt und den Link beigegeben.

              Angesichts der Entscheidung der Bundesregierung, sich bis 2029 so viele kreditfinanzierte Infrastrukturinvestitionen tätigen zu wollen wie kaum ein anderes OECD-Land, ist die Investitionsbereitschaft der Magnificant Seven in Deutschland bescheiden. Allein die Investitionspläne von Nvidia, Oracle, Microsoft und Alphabet addieren sich in Billionen Euro. Das sind hier Peanuts.

              Marktnähe? Welche? Fachkräfte? Welche?

            • Lemmy Caution 1. Januar 2026, 11:13

              Was haben wir davon, wenn US Techkonzerne Rechenzentren in Deutschland bauen? Weniger als viele denken.
              Das sind ein paar Brotscheiben. Was wir aber brauchen sind Bäckereien, d.h. eigene clouds und KIs: https://www.youtube.com/watch?v=AV1lQYQrEKo , v.a. ab 8:52. Wir haben da auch mehr als viele denken. Die US clouds haben märchenhafte Gewinnmargen. Wir könnten da kräftig abbeißen. Frankreich hat frühzeitig intelligent in KI investiert. Zu cloud Themen haben wir auch eine Menge. https://euro-stack.com/ . Azure und AWS machen letztlich nichts anderes als Open Source bereitgestellten Lösungen zusammenzustöpseln.

            • Erwin Gabriel 1. Januar 2026, 15:33

              @ CitizenK 31. Dezember 2025, 09:53

              … ein paar Google-Klicks zeigen doch ein nicht ganz so düsteres Bild …

              Das ist die richtige Formulierung:“Ein nicht ganz so düsteres Bild“ – ist weit weg von „ein gutes Bild“.

              Du (oder Ariane, oder Stefan Sasse) seit nicht so dicht an Wirtschaftsthemen, wie ich es bin; ich bin nicht so dicht dran, wie Stefan Pietsch das ist. Vieles seht Ihr mit teilweise erheblichem zeitlichen Verzug, da Ihr Euch oft auf andere (etwa soziale oder gesellschaftliche) Themen konzentriert.

              Ich will hier nicht ganz das düstere Vokabular bemühen, dass Stefan Pietsch auffährt, aber die Situation für die deutsche Wirtschaft ist wirklich nicht gut. Sicherlich hat die Industrie sich den einen oder anderen Fehler selbst zuzuschreiben (in der Regel basierend auf Aus- und Zusagen bzw. Entscheidungen und Verhaltensweisen der deutschen Politik, etwa in Sachen Auto, Energie etc.), ist „fett“ und zu unbeweglich geworden. Aber die Politik lässt in Deutschland nicht viel Spielraum für Bewegungen, und engt ihn derzeit immer weiter ein.

              Alle Maßnahmen, sich dem zu entziehen, führen auf die eine oder andere Art zu Arbeitsplatzverlusten – entweder bei den großen Unternehmen durch Umstrukturierungen und einhergehenden Kündigungswellen (habe ich hier vor jurzem gelistet), oder im Kleinen durch Geschäftsaufgaben.

              Nimm Bäckereien: Alles wird teurer – Zutaten, Mitarbeiter, Mieten, besonders die Energie. Also steigt der Brot- und Brötchenpreis, also kaufen weniger Leute frisches Brot, also sinken verkaufte Mengen und Umsatz … Ist eine fiese Spirale, und bei uns gibt es nur noch eine „eigenständige“ (und teure!) Bäckerei; der Rest hat geschlossen, und man geht in Ketten und Flilialen von Edeka, Famila etc. Wenn Du schaust, wie vieles günstiger im Online-Handel angeboten wird, verstehst Du, warum so viele Einzelhandelsgeschäfte den Bach runtergehen.

              Es verändert sich gerade sehr viel. Die Jobs, die boomen, sind Dienstleistungen – Essen ausfahren, Pakete liefern etc. Bei Veränderungen hilft Flexibilität, aber genau die wird vom Staat nicht gerade gefördert. Und jeder, der sich in die Selbstständigkeit traut, hat sofort einen Haufen Bürokratie an der Hacke, dazu IHK, Krankenkassen etc., die ihren nicht gerade kleinen Anteil wollen. Nimm dazu die nachrückende Jugend, die nur sehr eingeschränkt bereit ist, job-technisch die Lücken zu füllen, die aus gesellschaftlicher Sicht gefüllt werden müssten.

              Und wenn Du halbwegs diese gerade vorherrschende wirtschaftliche Situation verstehst und wenn Du Dir dann ausrechnest, wann frühestens der vor 20 Jahren eingeschlagene falsche Kurs wieder erfolgreich korrigiert ist (nachdem man der Gesellschaft 15, 20 Jahre lang erzählt hat, dass alles gut ist und nur „die anderen“ betroffen sind), müsste Dir klarwerden, dass es derzeit wirklich nicht gut aussieht. Und die Gefahr besteht in der Tat, dass man dann den französischen Weg einschlägt und statt Reformen Schulden macht (bzw. ist man gerade schon dabei).

              • Stefan Pietsch 1. Januar 2026, 18:53

                Ende der Neunzigerjahre habe ich eine Profession aus der Verbindung von Finanzen und Change Management gemacht. Für solche Profile gibt es in mittelständischen Unternehmen zwischen 20 und 200 Millionen Euro Umsatz einen großen Markt. Als ich mein Profil entwickelte, gab es viele interessierte Investoren mit US-amerikanischen und südostasiatischem Hintergrund. Start-ups, operative Einheiten in Holdingstrukturen, M&As waren die typischen Konstruktionen. Viele Gespräche fanden naturgemäß auf Englisch statt.

                Der Markt hat sich in den letzten zwanzig Jahren völlig gewandelt, beschleunigt seit Anfang der Zwanzigerjahre. Die Anfragen wie Angebote von Interessenten mit internationalem Background sind äußerst rar geworden. Ich habe am eigenen Leib gespürt, wie sich internationale Investoren aus Deutschland zurückziehen. Das ist nicht im statistischen Sinne repräsentativ, das ist tiefe Markterfahrung. Unter der statistischen Oberschicht sieht es viel dramatischer aus.

                Die entscheidende Frage ist nicht, welche Managementfehler irgendwo gemacht wurden. Eine Volkswirtschaft zeichnet sich nicht durch ein Dutzend Top-Manager aus. Sie besteht aus Millionen Unternehmern, Führungskräften und Experten (Human Capital, CitizenK). Zu behaupten, Millionen ambitionierte Menschen hätten systematisch Fehler gemacht, ist absurd. Die Rahmenbedingungen werden durch den Staat gesetzt. Wenn eine Volkswirtschaft ein Jahrzehnt stagniert, Investoren vertreibt und keine neuen Unternehmer hervorbringt, dann, weil die Rahmenbedingungen nicht stimmen.

                Warum zum Teufel entstehen in den USA jährlich dutzende neue Börsenstars, warum bringen Singapur, China, Südkorea, Indien und Dubai ständig neue Top-Unternehmen und Technologien hervor und warum passiert in Europa nicht das Gleiche? Die Dynamik einer Volkswirtschaft entsteht nicht durch die tradierten Unternehmen und ihre Manager, sondern durch neue Unternehmer. Das gilt universell. Wenn es kein Wachstum gibt, dann nicht, weil Volkswagen schrumpft, sondern weil es keine neuen SAPs gibt.

                Das Drama ist, dass weder Politik noch Gesellschaft diese Grundlagen des Wohlstandes verstehen.

                • CitizenK 2. Januar 2026, 07:46

                  Ein Vergleich mit Ölländern wie Dubai scheint mir wenig sinnvoll, eher dagegen mit Südkorea.
                  Wenn Steuern ein so dominanter Faktor sind, dann irritiert mich folgender Befund:
                  „Zusätzlich zur nationalen Einkommensteuer fällt eine lokale Einkommensteuer von 10 % der nationalen Steuerschuld an. Der effektive Spitzensteuersatz liegt damit bei 49,5 %.“ Zwar greift der erst bei einem hohen Einkommen (umgerechnet 667k Euro), die SV-Beiträge seien deutlich niedriger.
                  Gesundheits- und Rentensystem kenne ich nicht.
                  Aber ist das für Unternehmens-Neugründungen von Bedeutung?
                  https://auswandern-info.com/mit-kindern/sudkorea/steuersystem/
                  Für Einwanderer gibt es – befristet – eine Flat Tax (19 %). Ein Modell?
                  In Ihrer Liste ist auch Singapur. Ganz problematisch für Markt-Puristen 🙂

                  • Stefan Pietsch 2. Januar 2026, 11:10

                    Dubai ein Ölland? Das ist so als würden Sie Bayern als Agrarstaat definieren. Fragen wir doch mal die KI:
                    Dubais Wirtschaft ist stark diversifiziert und wächst dynamisch, getrieben von Sektoren wie Handel, Logistik, Tourismus, Finanzdienstleistungen und Immobilien, während der Ölsektor an Bedeutung verliert. Das Emirat positioniert sich als globale Handelsdrehscheibe mit einer modernen Infrastruktur, günstigen Steuern (kaum Einkommensteuer) und einem Fokus auf Innovation und Technologie, was viele internationale Fachkräfte und Unternehmen anzieht und den Immobilienmarkt beflügelt.

                    Ich hatte in den letzten Jahren Gelegenheit, mich mit einigen Leuten unterhalten zu können, die im Emirat leben, so z.B. einem Briten, den ich vor Jahresfrist auf meiner Hochzeitsreise zum zwanzigsten Jahrestag auf Mauritius getroffen habe. In Dubai behält man fast sein gesamtes Einkommen, da Steuern kaum anfallen. Wer im Taxi sein Portemonnaie verliert, bekommt es mit Sicherheit zurück, da die Strafen für Diebstahl extrem sind. In Deutschland liegt die Wahrscheinlichkeit knapp über Null.

                    Da kommt mir der Bankraub in Gelsenkirchen in den Sinn. Die Bestohlenen werden ihr Vermögen sicher nicht wiedersehen. Was jedoch wahrscheinlich ist, dass einige ein Verfahren wegen Steuerhinterziehung bekommen werden. Damit wären sie dann zweimal geschädigt. Nicht falsch verstehen: Steuerhinterziehung ist eine Straftat. Aber es stört das Gerechtigkeitsempfinden der Menschen, wenn das Initialdelikt nicht geahndet und der materielle Schaden nicht geheilt wird, man selbst aber bestraft wird. Solche Konstellationen haben wir in Deutschland vermehrt.

                    Ich habe nicht speziell auf die Steuersätze geschaut, weil wir in einem sicher sein können: Kein anderes Land nimmt dem Bürger so viel vom eigenen Einkommen weg wie Deutschland. Das ist auch im Falle Südkorea so. Jemand mit 50.000 Euro Jahreseinkommen wird ähnlich wie in Deutschland besteuert. Allerdings liegen die Sozialabgaben mit 9,4 Prozent für abhängig Beschäftigte weit unter dem deutschen Niveau. Der Unterschied von so 12 Prozentpunkten bedeutet, dass der Mittelverdiener jährlich 6.000 Euro mehr von seinem Einkommen behält. Auf ein Erwerbsleben bedeutet das den Unterschied von einem Einfamilienhaus (ohne Zinseszinseffekt).

                    Das ist der Punkt des Artikels: Der deutsche Staat raubt seinen Bürgern ganz wesentliche Lebens- und Wohlstandschancen. Deswegen sind die Deutschen relativ arm und besitzen wenig Vermögen, insbesondere Immobilienvermögen. Ich verstehe nicht, dass es über diesen unbestreitbaren Fakt noch Streit gibt. An dieser Stelle kommt regelmäßig das Argument, dass die Bürger für ihre Vermögensabgaben viel bekommen. Ach ja? Ein Unternehmen, das Premiumpreise verlangt, muss herausragende Premiumleistungen bieten, sonst verliert es seine Kunden. Doch der Staat arbeitet ja mit Zwang.

                    Altersvorsorge: unterdurchschnittlich bis indiskutabel
                    Gesundheitsleistungen: durchschnittlich
                    Infrastruktur: durchschnittlich
                    Bildung: durchschnittlich bis unterdurchschnittlich mit starker Tendenz ins Prekariat
                    Mobilität: unterdurchschnittlich bis indiskutabel (Bahn und Flugverkehr)

                    Würden Sie ernsthaft für solch miserable staatliche Leistungen einen hohen Anteil Ihres Einkommens hergeben? Ein Anwalt würde das rein rhetorisch formulieren, weil der Sachverhalt so eindeutig ist.

                • Lemmy Caution 2. Januar 2026, 21:21

                  Hast Du dir mal überlegt, dass du und ich vielleicht für manche Jobs einfach aus Altersgründen einfach nicht die richtige Besetzung sind, auch weil die Teams jünger sind? Ich bin vor ca 3 Jahren nach 3 Monaten aus einem technisch interessanten Projekt rausgegangen, weil mir die Teamdynamik nicht passte. Vor 20 Jahren wäre ich dabeigeblieben. Gab 2 Leute, die sich aus meiner Sicht gegenseitig beweihräucherten, einen Aussenseiter und mich.
                  Aber für google Deutschland oder viele startup bin ich einfach nicht vermittelbar. Ich habe noch ein sich interessant anhhörendes Projekt mit modernen Technologien gefunden.

                  Wobei ich jetzt eigentlich mit KI alles vibe-coden kann. Falls jemand eine gute Idee hat, einfach in die Kommentare posten. Wäre dann aber open source, weil meine Lizenz nur dafür ist. Meine Motivation ist Portfolio für Bewerbungen. Das Brot und Butter Projekt hat natürlich Vorrang.

                  • Stefan Pietsch 2. Januar 2026, 23:33

                    Lemmy, was hast Du für Vorstellungen von mir? Ich bin schon aus Altersgründen aus der Start-up-Branche raus. Andererseits scheinst Du doch etwas schräge Vorstellungen zu haben: Wenn das Medianalter sich der Fünfzig nähert, gibt es nicht genügend qualifizierte Fach- und Führungskräfte, um die Wirtschaft am Laufen zu halten, wenn man sich auf die Fraktion U40 konzentriert. Das lässt sich nicht malen. Ich selbst muss mich regelmäßig neu erfinden. Ich lebe seit 35 Jahren in permanenter Unsicherheit.

                    Ich kenne meinen Markt sehr genau. Das unterscheidet mich von der Mehrheit.

              • CitizenK 2. Januar 2026, 10:52

                Vielem kann ich zustimmen. Ich denke auch, dass Mentalität eine Rolle spielt. Aber Du sprichst von 15 – 20 Jahren Fehlentwicklung. Die positive Entwicklung des GDP (wenn man das als Maßstab nimmt) nach der Pandemie bricht lt. der Grafik von StefanP in 2022 ab, also vor der China-Auto-Krise und den Trump-Zöllen, im Jahr des Ukraine-Kriegs. Zufall?

                • Stefan Pietsch 2. Januar 2026, 11:21

                  Deutschland konnte anders als die Weltkonjunktur nicht mehr an den früheren Wachstumspfad anknüpfen. Tatsächlich gärte aber vieles schon vorher unter der Oberfläche, wie Sie ja an der Entwicklung des Investitionssaldos sehen können. Und dann hat die deutsche Politik den fatalen, in der Wirtschaft unverzeihlichen Fehler gemacht, die Verhältnisse konservieren zu wollen. Dafür stehen die Kurzarbeitergeldregelung, die hohen Subventionen für darbende Unternehmen und die langen Rückzahlungsverpflichtungen.

                  Nur zu klagen, Deutschland sei besonders getroffen, ist absurd. Und die Probleme der Energiepreise haben wir uns selbstmörderisch selbst zugefügt. Erinnert sei an die Abschaltung der Atommeiler in einer Zeit, wo die weitere Energieversorgung ohnehin höchst unsicher war. Kein verantwortungsbewusster Mensch tut so etwas. Ich bin sicher, die Grünen werden für ihre Torheiten in der Regierung mit einer sehr, sehr langen Zeit in der Opposition bezahlen.

                  • Lemmy Caution 2. Januar 2026, 21:33

                    Ich kann dieses teutonische doomscrolling echt nicht mehr hören. Vor allem, weil es *immer* von den Leuten ausserhalb der Grube kommt.
                    https://www.reddit.com/r/ProgrammerHumor/comments/120ktem/we_all_need_a_herbert_in_our_life/?tl=de
                    Es gibt in Deutschland eine Menge Leute, die ihre Zeit damit verbringen, sich mit innovativen Technologien auseinandersetzen. Die gucken in aller Regel kein Nius oder Apollo TV.

                    • Stefan Pietsch 2. Januar 2026, 23:28

                      Mit Mitte dreißig erlebte ich die schlimmste Rezession, die Deutschland in der Nachkriegsgeschichte erlebt hatte. Anfang des Jahrtausends befand sich die Wirtschaft in einer depressiven Stimmung, die 2006 plötzlich endete. Aber Das Ende dieser dunklen Wirtschaftsphase war kein Zufall, sondern Ergebnis von Politikänderung. Heute ist die Stimmung außerhalb der wirtschaftlich Verantwortlichen immer noch gut im Unterschied zu 2002. Aber die Lage in den Unternehmen ist dramatischer als damals. Doch während mit Gerhard Schröder ein charismatischer Politiker regierte, der den Willen zu notwendigen Reformen hatte, ist das heute völlig anders.

                      Um etwas zu ändern, müssen die Menschen erst begreifen, wie schlimm die Lage ist. Diese Einsicht fehlt nach sechs Jahren wirtschaftlichem Niedergang immer noch. Das ist völlig erstaunlich und nur mit der Alterung der Gesellschaft zu erklären. Der Bundeskanzler spricht in seiner Neujahrsansprache von mehr Optimismus. Doch das erste, was seine Regierung im neuen Jahr macht, ist, den Bürgern noch mehr Geld abzuknöpfen. Die Beiträge zu den Krankenversicherungen sind gestiegen und während die Preise für Rohöl an den Börsen fallen, steigen in Deutschland die Preise für Benzin. Wie lange kann eine solche Entwicklung gutgehen?

                    • Lemmy Caution 3. Januar 2026, 11:24

                      Ich stimme mit dir überein, dass es bestimmte Einschnitte im Sozialsystem geben sollte, dabei aber nicht unbedingt Deutsche sondern Immigranten in Sozialsysteme aus Rumänien/Bulgarien und Nordafrika/Nahost. Bezüglich Deutsche auch schnell darüber nachdenken, Freiberufler und Beamte irgendwie teilweise in die Umlagerente bringen sowie mehr Erbschaftssteuer (das ginge in 2 Punkten voll gegen meine persönlichen Interessen).
                      Geopolitisch und im Hinblick auf Handelspolitik ist die Lage heute sehr anders und dramatischer. Was folgt mag in mancher Hinsicht ein wenig verrückt klingen.
                      Ich bin für eine entschlossene Industriepolitik der EU in Cloud, KI und Sozialen Netzwerken. Vorbild wäre die Politik der Volksrepublik China. Wir sind in unseren Stärken im traditionellen Engineering nicht gegen China konkurrenzfähig, also bräuchten wir eine Importsubstitution in Bereichen, in denen US-Konzerne große Gewinne machen.
                      Eine aggressivere Geopolitik Europas: Trumps tweet zur Unterstützung der iranischen Unruhen und den Luftangriff auf militärische Einrichtungen der Armee des narcoterroristischen Staates im Süden der Karibik fand ich jetzt gut.
                      Zur Kritik der europäischen Partnerschaft mit dem Mullah-Regime: https://www.youtube.com/watch?v=NijZAxAX_GQ

                      Ich habe heute morgen 1o Minuten nach dem Angriff verstanden, dass die gemeldeten Bomben rund um Caracas eine ernste Sache sind. Twitter ist manchmal schon irre. Zu dem Zeitpunkt gabs nur Meldungen von obskuren Accounts in und rund um Caracas, aber man konnte ahnen, dass es Sinn macht. Bin dann zu Fuß statt mit dem Fahrrad zum Rewe, um twitter zu refreshen.
                      Nun behauptet Trump, dass die Amis Nicolas Maduro und dessen Frau Cilia Flores eingefangen haben.
                      Wenn das stimmt:

                      ******************* GOD BLESS AMERICA *******************

                    • Stefan Pietsch 3. Januar 2026, 11:53

                      GOD BLESS AMERICA

                      Einschnitte im Sozialsystem? Welche sollten das sein? Tatsächlich ist die Sache total verfahren.

                      Rente: Das Niveau der Haltelinie von 48 Prozent ist, wie hinter vorgehaltener Hand eingeräumt wird, die Untergrenze von Artikel 14 GG, die wegen des Äquivalenzprinzips der Beiträge gilt. Und das trifft vor allem auf die höheren Renten zu. Die Stellschrauben sind nur noch länger Arbeiten (Streichung der Rente mit 63), Steuerfreiheit für Erwerbseinkommen jenseits des Renteneintrittsalters und Puffern der Renten durch das „Sondervermögen“. Alles andere wurde verbaut.

                      Gesundheit und Pflege: Hier gibt es noch den meisten Spielraum. Streichung von Pflegestufe I, Zusammenstreichen des Leistungskatalogs, Wiedereinführung der Praxisgebühr (von der FDP (!) abgeschafft), Zusammenlegung von Krankenhäusern.

                      Arbeitsmarkt & Migration: Pauschale für Miete im Bürgergeld, Ausweitung der 1-Euro-Jobs, weitere Begrenzung des Familiennachzugs, Neuaufsatz von Dublin, Einstieg in die Verhandlungen über Konkretisierung der Flüchtlingskonvention.

                      Familie: Einzige Pauschale im Steuer- und Sozialrecht pro Kind.

                      Wir müssen ran, die Attraktivität von Investitionen, Risikokapitalvergabe zu steigern und die Steuern auf Unternehmensgewinne, Kapitalerträge und Einkommen zu senken. Genauso muss der Einstieg für Langzeitarbeitslose zwischen Abgabenhöhe und Transferentzugsrate geglättet und abgeflacht werden. Sinnvoll könnte eine Negative Einkommensteuer sein.

                      Freiberufler in die Rente einzubeziehen bringt gar nichts. Es entstehen damit neue, im Zweifel hohe Ansprüche, die in 20 Jahren zusätzlich bedient werden müssen. Bei Beamten verhält es sich anders, da der Staat bereits für sie aufkommt und das dramatisch überproportional. Auch die Erhöhung der Erbschaftsteuer ist abzulehnen, so sie nicht mit einer deutlichen Reduzierung der Einkommensteuersätze und der Abschaffung des Solis einhergeht. Der Staat hat nicht zu wenige Einnahmen, sondern zu hohe Ausgaben.

                    • Lemmy Caution 3. Januar 2026, 12:49

                      God Bless America bezog sich ausschließlich darauf, dass Maduro in Caracas von der „DEA“ verhaftet wurde oder sich vielleicht stellte.
                      Mehr Verwirrung als viele in Deutschland denken. Das narkoterroristische Regime ist leider noch nicht am Ende.

                      Alles andere ist heute für mich Nebenthema.

                    • Stefan Pietsch 3. Januar 2026, 12:51

                      Das hatte ich schon so verstanden.

                    • Lemmy Caution 3. Januar 2026, 16:41

                      Ich fasse mal das offizielle Narativ zusammen:

                      Die DEA fliegt mit Chinook Hubschraubern bei nur teilweise bedeckten Himmel in die karibische Nacht der 5 Mio Region Caracas, bombardieren den Militärhafen in La Guaira, den Militärflughafen in Carlotta. Dann fliegen sie zum großen Militärstützpunkt Fuerte Tiuna im Süden von Caracas. Maduro schläft dort, weil er Angst hat.
                      Es gibt NULL Flugabwehr.

                      Sie parken ihren Chinook auf dem riesigen Militärstützpunkt Fuerte Tiuna. Sie gehen zu Maduros Schlafzimmer, wecken ihn, verhaften ihn und fliegen zurück nach Hause.

                      Das chavistische Venezuela ist verrückt. Das 21. Jahrhundert ist verrückt.

                      Aber DAS ist einfach zu viel. Selbst für Indiana Jones oder Rambo wäre das einfach zu unrealistisch.

                    • Lemmy Caution 3. Januar 2026, 18:49

                      Karte: https://x.com/FT/status/2007427975776538837/photo/1
                      La Guira statt La Guaira und La Carlota statt La Carlotta in meinem Text oben.
                      Maiquetia nach Caracas sind 27 km auf der Autobahn. Gebiet ist also echt klein.

                    • Lemmy Caution 3. Januar 2026, 21:00

                      Testen meiner Venezuela Analyse Muskeln Teil 2:
                      Gibt jetzt neues Gericht das die sich aktuell in Moskau befindende Vizepräsidentin Delcy Rodriguez als eine Art Leiterin des Übergangs von „Donroe-Doktrin“(*) USA-Gnaden installiert wird. Die Frau hat offiziell einen Knall und gilt eigentlich eine hardcore Chavista. Viele Venezolaner flippten aus, als sie das hörten.
                      Mir erscheint das aber als sehr gut möglich und vielleicht ist das gar keine schlechte Wahl.

                      (*) Trump hat das tatsächlich gesagt.

                • Erwin Gabriel 2. Januar 2026, 15:08

                  @ CitizenK 2. Januar 2026, 10:52

                  Vielem kann ich zustimmen. Ich denke auch, dass Mentalität eine Rolle spielt. Aber Du sprichst von 15 – 20 Jahren Fehlentwicklung.

                  Bundeskanzler Helmut Kohl hat sich nicht sonderlich für das Thema Wirtschaft interessiert und viel schleifen lassen. Damals titelten viele Zeitungen und Zeitschriften in dem Sinne „Deutschland – Der kranke Mann Europas“ .

                  Ergebnis dieser Situation war, dass Gerhard Schröder an die Macht kam und begann, mit der Agenda 2010 Reformen einzuleiten. Merkel hat diese Reformen in Abstimmung mit der SPD wieder zurückgenommen, Stück für Stück.

                  Solche Sachen laufen ja nicht auf Knopfdruck, sondern entwickeln sich über lange Zeiträume. Genauso lange dauert es, wieder auf Kurs zu kommen.

                  Problem ist, dass die Fehler der Merkel’schen Politik sich nun nach 10 bis 20 Jahren derart zeigen, dass inzwischen eine große Zahl Unternehmen betroffen sind, und dass eine große Zahl Wähler beginnen, erst jetzt die Situation zu erahnen. Und die erwarten nun eine Lösung, die so „plötzlich“ funktioniert wie ihre Erkenntnis (Problem erst gestern erkannt, musss also morgen gelöst sein). Wird nicht gehen.Vielleichtliegt dasKind noch nicht im Brunnen, aber es fällt bereits.

  • CitizenK 30. Dezember 2025, 09:23

    „Kapital, das nicht bilanziert und dennoch entscheidend ist“

    Für die Verwendung des Kapital-Begriffs in diesem Sinne wurde ich vom Verfasser dieses Beitrags als wirtschaftlich ahnungslos geziehen.

    • Stefan Pietsch 30. Dezember 2025, 10:41

      Sicher nicht. Ich habe den Vorgang nicht mehr im Kopf, aber ich gehe davon aus, Sie meinten generell die Beschäftigten von Unternehmen.

      Ich habe schon in meinem wirtschaftswissenschaftlichen Studium vor 35 Jahren gelernt, dass modernes Kapital auch aus humanen Bestandteilen besteht. Damit ist aber mitnichten die Umdefinition des Faktors Arbeit gemeint. Arbeit war und ist für Ökonomen einfache Arbeitskräfte, deren Tätigkeit leicht automatisiert oder durch andere angelernte Kräfte ersetzt werden kann. Rondic vom 1. FC Köln ist zwar Spieler des Clubs, aber mit Sicherheit kein Kapitalposten. Im Gegenteil, er kostet Gehalt, schießt aber keine Tore und ist nicht einmal mit einer relevanten Ablöse veräußerbar.

      Die Küchenhilfe ist kein Kapitalposten des Gastronomen.

  • Sören Schmitz 1. Januar 2026, 22:38

    Vielen Dank für den launigen Artikel.
    Die Steuerlast ist in meinen Augen nur ein Teil des Problems: wäre die Bildung besser, die Bürokratie Leistungsfähiger und weniger ausschweifend, die Infrastruktur besser dann kann man auch mit vergleichsweise hoher Steuerlast erfolgreich sein.
    Die Politik schaut beim Thema Wirtschaft zu sehr auf die Großkonzerne und blendet den KMU Bereich viel zu häufig aus. Was für Siemens, BASF oder Daimler gut ist, davon profitiert noch lange nicht der örtliche Sanitärbetrieb mit 50 Mitarbeitenden oder der kleine Einzelhändler. Es bräuchte Initiativen, die staatliche Forschung mit Unternehmertum viel besser verdrahtet. So ist schon lange von eine deutschen DARPA die Rede doch die Bundesangentur für Sprunginnovation oder die Cyberagentur sind finanziell viel zu gering ausgestattet um echte Innovationsschübe zu bedienen.

    • Stefan Pietsch 2. Januar 2026, 11:14

      Danke.

      Widerspruch. Weder die Abgabenhöhe noch die Leistungen des Staates sind hier konkurrenzfähig. Wir müssen ja nicht in Steueroasen schauen, aber warum reicht uns nicht die Einkommensbelastung der Niederlande oder von Norwegen? Ich bin ja bescheiden, ich nehme ja auch die meisten EU-Staaten aus, die Osteuropäer, die Südeuropäer, Luxemburg. Bescheidener geht es nun wirklich nicht.

      Großkonzerne schaffen keine Arbeitsplätze und keine wegweisenden Innovationen. Punkt. Warum erwarten wir das? Ich begreif’s nicht.

  • Rainer Bielefeld 2. Januar 2026, 08:22

    ISt mir zu öde hier – Bye!

    • Erwin Gabriel 2. Januar 2026, 15:09

      Bielefeld? Gibt es das wirklich?

      Viele Grüße 🙂

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