Fieberkurve Inzidenz

Wo stehen wir in der Pandemiebekämpfung? Zur Zeit exakt hier:

Die 4. Welle beginnt sich erst so richtig in den Todesstatistiken abzubilden, gestern am 11.12 wurden 598 Todesfälle gemeldet. Der Höhepunkt wird um Weihnachten erwartet, dann dürften wir auch in Bezug zur Pandemiebekämpfung die Schwelle zur 3. Welt deutlich durchbrechen.

Kommen wir zu einem weiteren vermeidbaren Corona-Fail: Joshua Kimmich. Ich selbst bin gegen eine allgemeine Impfpflicht, ich befürworte stattdessen eine verpflichtende Impfberatung. Hätte Kimmich daher gesagt, er vertraue auf seine Gesundheit, hätte ich seine Entscheidung sogar nachvollziehen können. Das hat er aber nicht gemacht, er begründete seine Verweigerung mit den Risiken einer Corona-Impfung. Das ist aber faktisch Unsinn.
Aufgrund einer Corona-Infektion hat Kimmich nun echte Spätfolgen und fällt für dieses Jahr komplett aus. Es gibt bei seinem Arbeitgeber, dem 1.FC Bayern München, trotz zahlreicher geimpfter Spieler keinen Fall von Impfschäden, aber einen weiteren Fall von Corona Spätfolgen: Choupo-Moting. Die gravierend unterschiedlichen Risiken einer Impfung und einer Corona-Erkrankung sind in seinem Umfeld direkt erlebbar. Leider verharmlost Kimmich die Folgen seiner Corona-Infektion weiterhin.
Daher wünsche ich Kimmich neben einer vollständigen Genesung einen Funken Einsicht. Er hat aufgrund seiner Popularität und seiner offensichtlich faktisch falschen Impfkritik einen nicht unerheblichen Schaden angerichtet , eine Korrektur wäre überfällig und dies auch korrigiert.

Korrigieren wir eine weiteren Mythos. Diese Corona-Pandemie sei eine saisonale Urgewalt, da kann man ja nichts machen. Betrachten wir die aktuelle 4. Welle für Deutschland, Österreich und die Schweiz.

Schaut man auf diese lehrbuchhafte Grafik, bietet sich ein kleines Ratespiel an. Eines der Länder hat einen mehrwöchigen Lockdown, ein anderes die „Wir-bremsen-so-spät-und-so-sanft-wie-möglich“ Strategie und das dritte setzt auf Eigenverantwortung. Welche Strategie gehört zu welcher Kurve? Klar, das ist ein rhetorisches Ratespiel, denn es gibt einen direkten Zusammenhang zwischen Pandemiemaßnahmen und Pandemieverlauf. Diese Erkenntnis gibt es bereits seit dem Mittelalter, galt schon lange vor Corona, gilt jetzt weiterhin und wird auch danach seine Gültigkeit nicht verlieren.

Anhand des Diagramms möchte ich noch ein wenig beachtetes Merkmal der Pandemiebekämpfung zeigen. Die Abhängigkeit der Maßnahmen von der Inzidenzentwicklung.
Hätten wir am 10. Oktober bei einer Inzidenz von 98,66 die Kontakte in der Bevölkerung um 3% reduziert, indem wir z.B. flächendeckend Massenveranstaltungen verboten hätten, dann wäre die Inzidenz statt am nächsten Tag auf 99,34 leicht zu steigen, auf 96,36 leicht gesunken. Eine relativ geringer Eingriff hätte die  Welle gebrochen.
Dieselbe Maßnahme nur einen Monat später reicht bei einer Inzidenz von 381,58 und einer starken Steigerung auf 400,60 am nächsten Tag nur zu einer Dämpfung auf 388,58. Die bestehende Aufwärtsdynamik wäre nicht gebrochen, die Wirkung der Maßnahme wäre in diesem Fall einfach Maßnahme verpufft.
Niederschwellige Maßnahmen verlieren bei einem starken Wachstum der Inzidenz ihre Wirksamkeit. NoCovid- oder Niedriginzidenz-Strategien retten somit nicht nur Leben, vermeiden gesellschaftliche und wirtschaftliche Schäden, schonen lebenswichtige Ressourcen des Gesundheitssystems, sondern vereinfachen die Pandemiebekämpfung enorm. Niedriginzidenz-Strategie heißt nicht Dauerlockdown, sondern Bekämpfung der Pandemie mit niederschwelligen Maßnahmen, indem sie rechtzeitig erfolgen, um beständig vor die Welle zu kommen. Der umgekehrte Fall trifft ebenfalls zu. Öffnungen zum falschen Zeitpunkt richten große Schäden an.
Nicht die Härte der Maßnahmen ist für den Erfolg entscheidend, sondern vielmehr der Zeitpunkt. Wird der optimale Zeitpunkt der Maßnahmen verpasst, dann versagen niederschwellige Maßnahmen und nur noch harte Eingriffe können helfen. Ob diese Maßnahmen wie im ĺetzten Jahr verordnet werden oder wie in diesem Jahr mehr auf die Eigenverantwortung abgewälzt werden, ist egal. In beiden Fällen erfolgen schmerzhafte Einschränkungen, die vollkommen vermeidbar sind.
Die Entwicklung der Inzidenz ist in einem hohen Maße steuerbar. Es wäre ohne Probleme möglich gewesen, im Spätherbst härtere Maßnahmen zu beschließen, um in der Vorweihnachtszeit möglichst weit öffnen zu können, um dann mit einer Verschärfung zwischen den Jahren die Pandemie weiterhin unter Kontrolle zu halten. Das Wissen, die Methoden und der gesetzliche Rahmen sind für eine solch strategische Pandemiebekämpfung vorhanden. Im Jahr zwei der Pandemie hätte ein nahezu normales Weihnachten mit nur geringen Einschränkungen stattfinden können. Für mich ist es unakzeptabel, dass es anders gekommen ist.

Die Gefährlichkeit unserer derzeitigen Hochinzidenz-Strategie möchte ich noch anhand eines einfachen Beispiels verdeutlichen.
Eines morgens wacht man mit hohem Fieber auf, das immer weiter steigt. Es bleibt keine Wahl und vor allem keine Zeit mehr, ab ins Krankenhaus. Nachdem die Diagnose gestellt wurde, eröffnet der Arzt:
„Keine Sorge, die Krankheit ist bekannt, wir haben wirksame Medikamente dagegen, aber wir wenden folgende Therapie an: Wir geben ihnen nur eine geringe Dosis, um das Fieber bei 42,5° zu stabilisieren, da es ja bekanntlich ab 42,6° lebensbedrohlich wird. Und dann warten bis zum Sommer, der wird sie gesund machen.“
Kein vernunftbegabter Mensch würde in diesem Krankenhaus bleiben. Das ist jedoch exakt die Strategie, die wir derzeit in der Pandemiebekämpfung anwenden. Man stelle sich mal den Wahnsinn vor, man würde diese grenzwertige Pandemiebekämpfung machen, die sämtliche Ressourcen bis zum Äußersten ausreizen und dann käme eine neue, weitaus gefährlichere Variante des Viruses.

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  • CitizenK 12. Dezember 2021, 18:57

    Hat eigentlich schon jemand Strafantrag gegen die Verantwortlichen von Köln gestellt?

    • Marc Schanz 12. Dezember 2021, 20:05

      Belangen könnte man nur diejenigen, welche die Veranstaltung genehmigt haben. Das sind aber nach meiner Meinung nicht die tatsächlich Verantwortlichen.

  • Stefan Pietsch 12. Dezember 2021, 19:40

    Wie so oft picken Sie sich raus, was Ihnen gefällt und haben eine Ein-Ziel-Strategie, die für eine offene, freie Gesellschaft nicht anwendbar ist. Ihr Faible für NoCovid ist Ihnen trotz der enormen gesellschaftlichen Schäden in Australien nicht auszutreiben, woraus sich schließen lässt, dass Sie kein Problem mit diktatorischen Maßnahmen wie Ausreiseverbote, Überwachung von Quarantäine mittels Militar, gezückte Waffen in Großstädten haben. Das sollte für andere Debatten festgehalten werden.

    Seit Wochen sinkt die Inzidenz in Deutschland ohne allgemeinen Lockdown. In Schweden haben wir immer noch niedrige Inzidenzen ohne jeden Lockdown. Auch wenn es Ihnen nicht passt: die Eigenverantwortung funktioniert.

    Welche Inzidenzwerte sind das Ziel? Offensichtlich kann man in vielen Ländern inzwischen mit Werten von 200 und mehr problemlos leben, also Werte, die auch in Deutschland nur in wenigen Regionen überschritten werden. Deutschland ist so unterschiedlich wie Europa. Es ist eine Dummheit, dann eine einheitliche Maßnahmenpolitik für alle überzuziehen.

    Und wo wir bei Dummheiten sind: Welchen Sinn ergibt es, Weihnachtsmärkte und andere Outdoorveranstaltungen zu schließen und die Menschen in die Wohnungen zu treiben? Wir wissen doch längst, dass die Infektionsgefahr in Innenräumen über 10mal höher als im Außenbereich ist. Sie ausgerechnet dorthin zu treiben, wo sie sich leichter anstecken, ist eins nicht: klug.

    Und worin liegt noch die Motivation für Impfungen, wenn die Menschen doch nach Willen der Politik beliebig eingesperrt werden können?

    Joschua Kimmich hat bekannt, sehr viel Angst vor einer Impfung gehabt zu haben. Irrationale Ängste finden sich nunmal in einer vielfältigen Gesellschaft. Ärzte berichten, dass Patienten vor ihnen sitzen, die mit heftigen Tränenausbrüchen zu kämpfen haben.

    Dessen ungeachtet sind nach Auskunft der Deutschen Fußballliga (DFL) über 90 Prozent der deutschen Fußballprofis geimpft. Auf der anderen Seite sind sie anscheinend besonders anfällig. 20% der Profispieler haben bereits eine Corona-Infektion durchlebt, die ihr Leistungsvermögen für ein halbes Jahr eingeschränkt hat.

    Warum schreiben Sie seit Jahren nur über einen Aspekt der Pandemie, nicht aber über die gesellschaftlichen Kosten, die Sie bei anderen Themen interessieren, nicht über die Nebenwirkungen der Impfung? Nach einer Impfung treten Symptome oft in einer Heftigkeit auf, die von anderen Impfungen her unbekannt sind. Vor allem sind sie unberechenbar. Über all das könnte man mal schreiben, wenn man ein Thema umfangreich beleuchten will. Wenn nicht, dann nicht.

    • Marc Schanz 12. Dezember 2021, 20:48

      Der Spruch „Eigenverantwortung funktioniert“ ist für mich so hohles Geschwätz wie „Corona ist reine Identitätspolitik“. Das interessiert mich überhaupt nicht. Ich möchte um Fakten diskutieren. Daher meine Frage: Welche Anzahl an Toten pro 100.000 sind sie bei der Corona-Pandemie bereit zu akzeptieren und was ist zu tun, wenn das Limit durchbrochen wird?

      • Stefan Pietsch 12. Dezember 2021, 22:17

        Nein, wollen Sie nicht. Ich gebe Ihnen einige Punkte, stattdessen stellen Sie eine an Häme und Dämlichkeit nicht zu überbietende Frage. Wieviele vergewaltigte Frauen und Ehrenmorde akzeptieren Sie, bis Sie gegen Migration sind?

        Danke, keine Fragen mehr.

        • Stefan R. 13. Dezember 2021, 19:41

          Nur für den Fall, dass es Ihrer Aufmerksamkeit entgangen sein sollte: Vergewaltigungen und sog. ‚Ehrenmorde‘ sind schwere Straftaten, die entsprechend verfolgt und im besten Fall auch entsprechend geahndet werden. An einer Covid-19-Infektion zu sterben hingegen ist…
          Ne ziemlich dumme Sache, für die man evtl. nicht mal was kann.
          Beklagen Sie sich also vielleicht etwas weniger laut über Zynismus, vielen Dank!

          • Stefan Pietsch 13. Dezember 2021, 19:58

            Wofür ist das relevant, mit welcher Strafe ein bestimmtes Tun bewehrt ist? Offensichtlich geht es in dieser Debatte darum, jede Gefahr im Rahmen von Covid-19 auszuschließen.

            Nun ist es so, dass Ehrenmorde ausschließlich und Vergewaltigungen zu einem sehr hohen Prozentsatz von Menschen begangen werden, die in den vergangenen Jahren zugewandert sind. Macht man sich die Argumentation von einigen zu eigen, ließen sich die Gefahren ausschließen bzw. ein Stück minimieren, würde man Migration weitgehend unterbinden. Das wäre ein sehr effektives Mittel. Warum erwägt das niemand?

            Aus einem einfachen Grund, den die NoCovid-Befürworter für ihr Anliegen vergessen (ignorieren): Weil Freiheit und das Nutzen der Grundrechte mit Risiken verbunden ist, manchmal sogar für das eigene Leben. Wer die Härte mitbringt, Eltern eines toten Kindes zu sagen, solche schrecklichen Taten ließen sich nunmal nie völlig verhindern, der muss auch Erkrankten Covid-Patienten gegenüber die Härte aufbringen ihnen zu sagen, Infektionen und schwere Krankheitsverläufe ließen sich nie völlig verhindern – mithin der eigene Tod.

            • Stefan R. 13. Dezember 2021, 21:43

              Ich werde mich hier jetzt nicht mit Ihnen rumstreiten, keine Sorge. Wollt’s halt mal erwähnt haben.

      • Martin 13. Dezember 2021, 07:14

        Stellen wir doch die Frage einfach mal anders: Wieso schaffen wir eigentlich Bundeswehr und Grenzschutz nicht komplett ab?
        Wer soll denn bitte einem Land, das wegen ein paar zehntausend Toten -zum allergrößten Teil deutlich über 70- einen Großteil seiner Grundrechte, seiner Freiheit und seines Wohlstandes abschafft, glauben das es willens wäre, diese im Ernstfall zu verteidigen?

        • Marc 13. Dezember 2021, 09:27

          Warum schaffen wir nicht die Kommunikation ab? Ein paar Smileys und ein paar Grunzlaute sind doch ausreichend.

          • Erwin Gabriel 14. Dezember 2021, 02:32

            @ Marc 13. Dezember 2021, 09:27

            Warum schaffen wir nicht die Kommunikation ab? Ein paar Smileys und ein paar Grunzlaute sind doch ausreichend.

            Sorry – Deine Antwort ist deutlich dümmer als die Frage

      • Thorsten Haupts 13. Dezember 2021, 19:27

        Erstens muss die Masse der Toten (bei 25% Ungeimpften und einem vielfach höheren Risiko – sagt die Wissenschaft) unter den Ungeimpften anfallen und die wollten das so.

        Zweitens ist das „Argument“ im Kern Bullshit, es sei denn, der Absender lässt es bei jeder politischen Diskussion zu. Ansonsten nehmen wir Massen an Toten jedes Jahr ohne drüber nachzudenken in kauf, denn das Leben ist lebensgefährlich und endet sicher mit dem Tod. Nein, ich meine das nicht zynisch. Gefahren- und Beeinträchtigungsabwägungen gehören zum täglichen Leben, inklusive des Risikos von Verletzten und Toten.

        Weil ich als alter Reaktionär solche Diskussionen nicht wollte, hätte ICH ja nach ausreichender Impstoffbevorratung eine Impfpflicht verhängt.

        Gruss,
        Thorsten Haupts

        • Erwin Gabriel 14. Dezember 2021, 02:34

          @ Thorsten Haupts 13. Dezember 2021, 19:27

          Zustimmung komplett

    • CitizenK 13. Dezember 2021, 08:03

      „Deutschland ist so unterschiedlich wie Europa“

      Ja: Warum gibt es Reisewarnungen Grenzkontrollen für Österreich, nicht aber für Bayern und Sachsen?

      • Stefan Pietsch 13. Dezember 2021, 08:56

        Ich hoffe die Frage können Sie selbst beantworten.

        • CitizenK 13. Dezember 2021, 15:34

          Die Frage stellte ein Amerikaner beim phoenix-„Frühschoppen“. Rhetorisch-sarkastisch, klar. Wie auch anders bei dem ganzen Gemurkse.

          Die Israelis machen die Grenzen dicht, die Deutschen „empfehlen“ Reisenden aus Südafrika die freiwillige Isolation.

          In der Projektgruppe meines Filius in der Schule ein C-Fall. Weder die Schule noch das Gesundheitsamt hat reagiert. Von dort kommt, so habe ich gehört, in den nächsten Wochen vielleicht ein Brief. Zwei weitere Verwandte bangen, weil direkte Arbeitskollegen positiv sind. Das Gesundheitsamt ist nicht erreichbar.

          Australien ist nach Auffassung „freiheitlich denkender Menschen “ eine Militärdiktatur. Aber was ist mit meiner „Freiheit“?

          • Stefan Pietsch 13. Dezember 2021, 15:47

            Welche Freiheit? Ich sehe nicht, dass Ihre Freiheit eingeschränkt wäre. Machen Sie so ein Aufhebens bei Verkehrsunfällen? Als ich vor ein paar Jahren das Thema der Totraser anführte, waren Sie meiner Erinnerung nach still. Ich kann mich auch nicht erinnern, dass Sie das Problem von Ausländerkriminalität besonders diskutiert hätten, außer: Pech gehabt, solche Risiken gehören dazu. Ich bis Anfang 2020 waren Vireninfektionen keines der Themen, über die sich breit zu debattieren lohnte.

            Wenn Sie Freiheit wollen, müssen Sie sich gewissen Lebensrisiken aussetzen. Und dabei können Sie sterben. Wenn Sie also von Freiheit sprechen im herkömmlichen Sinne, müssen Sie das immer im Kopf haben. Denken Sie es nicht mit, reden Sie bitte nicht von Freiheit.

            Ich kenne Australien aus einer anderen Zeit. Das heutige Australien hat mit dieser Zeit wenig gemein. In den Achtziger- und Neunzigerjahren bangten wir, wenn beim Sex etwas schief gegangen war. Denn im Gegensatz zu Covid-19 bedeutete AIDS einen schleichenden, aber bestimmten Tod – immer. Eine Corona-Infektion hat in den meisten Fällen keine Konsequenzen in in sehr wenigen ganz schlimme. Geimpften droht hier kein sonderliches Übel. Es liegt also an jedem einzelnen, welche Risiken er eingehen mag. Zero Risk gibt es in einer freien, liberalen Gesellschaft nicht. Und Sie wollen doch in einer freien, liberalen Gesellschaft leben, oder nicht?

            • CitizenK 14. Dezember 2021, 07:14

              Wenn Gesellschaften mit einer stärkeren Freiheits-Tradition wie Deutschland zum Schutz ihrer Bürger deutlich konsequenter agieren, muss ich mir diesen Schuh nicht anziehen.

              Hätte unsere Regierung früher und konsequenter reagiert, können wir (könnte ich) heute freier leben. Müsste keine Sorge haben, im Falle eines Unfalls oder einer Akut-Erkrankung auf ausgebranntes und de-motiviertes Klinik-Personal zu treffen oder stundenlang im Krankenwagen auf Suchfahrt zu gehen oder im Extremfall von der Bundeswehr weggeflogen zu werden.

              Diese freedom of fear (auch für meine Angehörigen) bewerte ich einfach höher als die, durch eine Ferienreise nach Südafrika Omicron einzuschleppen und dann zu sagen – und staatlicherseits sagen zu dürfen – Quarantäne, ach nö, mach ich nich.

              • Stefan Pietsch 14. Dezember 2021, 09:16

                Auch die USA oder das Vereinigte Königreich hat eine längere Freiheitstradition. In Australien und Neuseeland paart sich die Freiheit noch mit einem Gemeinschaftsbedürfnis. Das gibt es in den USA praktisch kaum. Deswegen dürfte Ihnen Down Under auch mehr liegen. Allerdings waren sie auch nicht Fan der harten Abschottungspolitik, was eben auch zu solchen Ländern gehört.

                Viele haben – absichtlich oder nicht – die NoCovid-Strategie missverstanden. Sie ist eben eine Strategie, keine Ad hoc-Maßnahme und zielt darauf, das Virus auszurotten und zumindest vom eigenen Land fernzuhalten. Die Strategie ist gescheitert. Der Nebeneffekt war, dass man auf dem Weg die Todeszahlen drastisch nach unten drückte, das war aber eben nicht das Ziel von NoCovid. Und es wurde mit Maßnahmen erreicht, die nicht zu freiheitlichen Gesellschaften passen. Da das Ziel verfehlt wurde, sinkt eben auch die Popularität der Politiker, die es durchsetzten und erzwingen Anpassung und Umkehr.

                Sehen Sie, Sie stellen wieder (alleine) aus, was Ihnen aufgrund der Pandemie im schlimmsten Falle droht, wenn Sie mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit infiziert werden und mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit trotz Impfung schwer erkranken (sehr geringes Risiko). Oder wenn Sie einen Unfall erleiden, der eine unmittelbare Operation und einen Aufenthalt auf der Intensivstation erforderlich machen würde. Jetzt und nicht zufällig irgendwann im Laufe Ihres Lebens. Sie betrachten das Leben aus der Warte des ständigen Worst Case-Szenarios.

                So kann man weder ein Unternehmen führen noch eine Beziehung. So lässt sich nichts aufbauen. Risikobereitschaft ist die Triebfeder von Entwicklung. Viele Menschen gehen ja heute schon keine tiefere Liebesbeziehung mehr ein, weil, die könnte ja scheitern – die Zahlen sind eindeutig – und dann der ganze Schmerz, der Streit, das braucht man nicht.

                Ich kann diese Ängstlichkeit der Gesellschaft nicht ab. Sie verbrämen ja schon das Wort „Freiheit“ und verkehren es mit Ihrer Formulierung in das glatte Gegenteil, was das Wort ausdrückt. Es gibt kein „Freedom of Fear“. Es ist einfach Angst und Angst ist irrational.

                • CitizenK 14. Dezember 2021, 22:44

                  Freedom from Fear war eine der 4 Grundfreiheiten, die Roosevelt mit der Atlantic Charter zur Grundlage des Freien Westens erklärte.

                  • Stefan Sasse 15. Dezember 2021, 06:21

                    Und nicht zu vergessen „the only thing we have to fear is fear itself“

              • Stefan Pietsch 14. Dezember 2021, 10:07

                Was machen wir jetzt mit einer solchen Meldung:
                14 Infizierte bei 2G-plus-Tanzfest – wohl drei mit Omikron
                https://www.welt.de/vermischtes/article235645106/Corona-14-Infizierte-bei-2G-plus-Tanzfest-in-Muenster-wohl-drei-mit-Omikron.html

                Menschen infizieren sich, trotzdem sie geimpft und getestet waren. Es gibt keinen absoluten Schutz, außer dem Verzicht auf das Leben. Deswegen sagen Liberale: wir müssen lernen, mit dem Virus und der Gefahr, die damit verbunden ist, zu leben.

                • CitizenK 14. Dezember 2021, 14:19

                  Weiß ich. Geht ja auch gar nicht anders. Trotzdem halte ich ein Leben mit einem möglichst geringen Ansteckungsrisiko und möglichst niedrigen Fallzahlen für schöner und lebenswerter.

                • Marc 14. Dezember 2021, 14:36

                  14 Infizierte bei 2G-plus-Tanzfest – wohl drei mit Omikron.

                  1. Impfen und Testen bieten keinen 100% Schutz. Daher war ihre propagierte Strategie, Risikogruppen zu schützen, schon immer schwachsinnig.

                  2. Zwischen Restrisiko und ungebremster Durchseuchung gibt es noch zwei, drei kleinere Abstufungen. Die Unterschiede sind dann in den Todesstatistiken zu bestaunen.

                  3. Daher nochmal: Wie teuer an vermeidbaren Toten soll ihrer Meinung nach die Risiken (siehe 2) justiert werden? Gibt es für sie eine Grenze oder nicht? Akzeptieren sie jede Todeszahl?

              • Stefan Sasse 14. Dezember 2021, 17:15

                Genau das ist auch mein Argument. Ich hasse es, dass meine Freiheit eingeschränkt wird und hätte sie gerne wieder.

          • Stefan Pietsch 13. Dezember 2021, 15:50

            Bitte drehen Sie dringend den sarkastischen, ironischen, herabsetzenden Ton zurück. Bei Ihnen formuliere ich das noch als Bitte.

            • CitizenK 14. Dezember 2021, 08:33

              Dosierte Ironie und ggf. Sarkasmus sollten als Stilmittel akzeptiert werden. Herabsetzen ist nicht mein Ding. Eher empfinde ich das so, wenn ich als nicht-freiheitlich-denkender Mensch tituliert werde.

              • Stefan Pietsch 14. Dezember 2021, 08:59

                Ironie ja, was ich dabei jedoch mehr schätze, wenn man es paart mit dem Wort „Selbst“. Das können die meisten nicht. Sie lachen und verspotten nur andere, nicht sich selbst. Sarkasmus ist ein Stilmittel andere gezielt zu verletzen. Deswegen setze ich es selbst praktisch nie ein.

                Wer völlige Sicherheit will – oder dies allein betont – billigt der Freiheit keinen (sonderlichen) Wert zu. An der Stelle hätten Sie z.B. anführen können, dass Sie sehr wohl Risiken akzeptieren, um Freiheiten genießen zu können. Haben Sie nicht getan.

                • CitizenK 14. Dezember 2021, 14:26

                  „…gezielt verletzen“ – das DWDS definiert es tatsächlich so, aber auch als „bittere Ironie“.

                  So möchte ich das nicht verstanden wissen. Für mich ist Sarkasmus eher ein Ausdruck von Machtlosigkeit.

                  • Stefan Pietsch 14. Dezember 2021, 16:27

                    So kommt es aber an. Das habe ich übrigens schon vor Jahren einer ehemaligen Kommentatorin gesagt, die das für ihren Stil hielt. Wie gesagt, ich benutze Sarkasmus aus den genannten Gründen nicht und deswegen akzeptiere ich genauso wenig, wenn man es gegen mich wendet.

                    • CitizenK 15. Dezember 2021, 18:18

                      Ein Gegenstand für Sarkasmus ist für mich zum Beispiel, dass Deutschland Österreich zum Risikogebiet erklärt hat. Wen würde das verletzen?

                      Aber gut, ich werde Ihre Wahrnehmung respektieren, im Sinne der Diskussionskultur.

                    • Stefan Pietsch 15. Dezember 2021, 19:24

                      Das ist kein Sarkasmus.

                      Diskussionen sind manchmal hart und manchmal persönlich. Das ist Teil des Engagements. Aber ich halte es für eine gute Selbstverpflichtung, zumindest auf die Waffen zu verzichten, die allein die Verletzung einer Person zum Ziel haben.

  • Detlef Schulze 13. Dezember 2021, 17:55

    Es wurde am Anfang der Pandemie schnell klar, dass man das Virus nicht ausrotten kann, da hierfür solche Massnahmen wie in China oder Neuseeland auf der ganzen Welt nötig gewesen wären. Somit kann man Normalität nur dann erreichen wenn eine Grundimmunität in der Bevölkerung erreicht wird, durch Impfen oder durch Ansteckung mit der Krankheit. Jetzt kann man sich mit der Impfung recht gut schützen und den Rest der Grundimmunität wird dann durch Infektionen aufgebaut.

    Die grösste Gefahr durch die Pandemie war immer die Überlastung des Gesundeheitssystems. Daher sollten Massnahmen so gestaltet werden, dass Infektionen zugelassen werden ohne das Gesundheitssystem zu überlasten. Solange das Gesundheitssystem nicht überlastet wird, sind bei einer langen flachen Pandemie wahrscheinlich genauso viele Tote zu beklagen, wie bei einer kurzen steilen.

  • Marc 13. Dezember 2021, 18:39

    Solange das Gesundheitssystem nicht überlastet wird, sind bei einer langen flachen Pandemie wahrscheinlich genauso viele Tote zu beklagen, wie bei einer kurzen steilen.

    Bei einem flachen Verlauf infizieren sich während einer Welle wesentlich weniger Menschen. Geht man davon aus, dass zwischen den Wellen der Impfschutz steigt und die medizinische Versorgung sich verbessert – Stichwort Antikörper-Therapie – dann rettet ein flacher Verlauf Leben.

    • Ariane 13. Dezember 2021, 23:03

      Nicht zu vergessen, dass bei einem überlasteten Gesundheitssystem erstmal generell die Qualität sinkt und es noch weitere Opfer gibt, die überhaupt nichts mit Corona zu tun haben. Das potenziert sich ja.

  • Ariane 13. Dezember 2021, 23:02

    Danke für den Artikel. Ärgert mich übrigens immer noch, dass man nicht bei der Inzidenz geblieben ist, sondern mit Hospitalisierungsrate (die ungenau und nicht mal gleich berechnet wird (!)) da noch ein weiteres unklares und untaugliches Zeugs eingebaut hat.

    Übrigens ein kurzes Update aus dem Trümmerland NDS. Das zum Glück ne relativ hohe Impfquote und nicht ganz so krasse Inzidenzen hat wie andere, sonst wären wir vollkommen verloren. Immerhin: Inzidenzen müssen uns nicht mehr kümmern, weil das System wohl so gecrasht ist, dass keine Zahlen mehr gemeldet werden. Wahrscheinlich Faxgerät kaputt.

    Aktuell sind wir wieder in einer Situation, bei der dreimal wöchentlich neue Verordnungen kommen, die keiner mehr blickt. Die haben im Radio heute schon 5 Minuten gebraucht, um die 2G-Plus Regeln mit allen Ausnahmen vorzulesen. Immerhin haben wir eine Weihnachtsruhe, was ich eigentlich ganz gut finde (mit den erwartbaren Unlogisch-Keiten, wie äh Tanzverbot und private Kontaktbeschränkungen für Ungeimpfte mit zig Ausnahmen ist ja auch langsam witzlos.)
    https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/Neue-Corona-Verordnung-Diese-Regeln-gelten-in-Niedersachsen,corona9538.html

    Das alles wäre gar nicht so ein Problem, wenn wir denn die Infrastruktur hätten, dummerweise haben wir weder genügend Impfstoff noch Tests. Selbst die Erzählungen über die Saisonalität helfen da ja nicht weiter, wenn der Winter dann doch wieder überraschend kommt.

    • Marc 14. Dezember 2021, 09:41

      Die Kita unseres Kleinen hatte ein tolles Superspreading Event. Einfach bewundernswert, wie danach jede Maßnahme immer schön einen Schritt zu spät kam. Das Virus hat dann Ping Pong mit anderen Kitas und den Schulen gespielt und irgendwann hat man das dann doch noch in den Griff bekommen.
      Unser Kleiner war positiv, aber er hat niemanden in der Familie angesteckt. Dafür durfte sein Bruder in Quarantäne. Eines ist sicher: Hochinzidenz und offene Schulen führt zu normalem Schulbetrieb – nicht!

      • Ariane 14. Dezember 2021, 13:10

        Hier springt das auch munter durch Schulen und KiTas, das ist auch eine Chimäre zu sagen, der Schulbetrieb läuft ganz normal, nur weil die nicht komplett dichtgemacht sind. Das funktioniert bei den Inzidenzen halt nicht, da sitzen dann halt nur Lehrer oder Schüler zwischendurch in Quarantäne.

        • Stefan Sasse 14. Dezember 2021, 17:19

          Aus direkter Erfahrung: Jein. Wir haben natürlich „normaleren“ Betrieb als bei Fernunterricht, aber er ist definitiv nicht normal.

  • cimourdain 14. Dezember 2021, 09:58

    Ein Punkt ist sicher etwas worauf wir uns einigen können: Wir müssen raus aus diesem ‚Schweinezyklus‘, bei dem (staatlich verordnete) Kontaktbeschränkungen erst dann kommen, wenn die Inzidenzen schon wegen (privaten) Verhaltensänderungen sinken. (Insofern solltest du den Artikel auf Halde legen für Februar/März)

    Leider klingt so vieles, wie aus dem vorigen Jahr. Immer noch schreibst du einfach von ’strengeren‘ und ‚lockereren‘ Maßnahmen anstatt die Frage zu stellen, was wirklich wirksam ist.

    Hier wäre es interessant gewesen, wenn du in den Zeilen, die du dem FC Bayern gewidmet hast (der eh niemanden interessiert) lieber den Freistaat Bayern betrachtet hättest. An sich ist dort ja alles in deinem Sinne geschehen (wie schon letztes Jahr). Die niederschwelligen Maßnahmen (FFP2-Maskenpflicht) wurden nie ganz aufgehoben und relativ frühzeitig (19.11.21) gab es neue Kontaktbeschränkungen (Ausdünnen von Veranstaltungen auf 25%, eingeschränkte Personenzahl in Geschäften, private Kontaktbeschränkungen). Aber trotzdem haben wir die höchsten Inzidenzen und die größten Probleme mit Krankenhausüberlastung.

    • Marc 14. Dezember 2021, 10:49

      Hier wäre es interessant gewesen, wenn du in den Zeilen, die du dem FC Bayern gewidmet hast (der eh niemanden interessiert) lieber den Freistaat Bayern betrachtet hättest.

      Bayern hat das Problem, dass sie mit Österreich und Tschechien Hochinzidenz-Nachbarn haben. Das ist eine völlig andere Situation als sie vor kurzem noch der ruhige Norden hatte.

      An sich ist dort ja alles in deinem Sinne geschehen (wie schon letztes Jahr).

      Die notwendigen Maßnahmen bestimmt weder die Wissenschaft, das Parlament oder ich. Es ist das Virus, das es bestimmt.
      Ich bin ein Kritiker des Vorgehens des Herantasten an das Limit, das wir hier praktizieren. Das ist zäh, dauert unheimlich lange und richtet enorme Schäden an.
      Sehr viele Experten befürworten daher den Hammer und den Tanz. NoCovid oder Niedriginzidenz heißt daher nicht dauerhaft harte Maßnahmen, sondern eine Welle mit niederschwelligen Maßnahmen möglichst dauerhaft unterdrücken. Wenn das nicht gelingt, dann hart zuschlagen. Es geht um diese Strategie:

      https://tomaspueyo.medium.com/coronavirus-the-hammer-and-the-dance-be9337092b56

      Bitte das Datum beachten: 19.03.2020. Das war während der 1. Welle!

      Über NoCivid oder Niedrig-Inzidenz-Strategie werden bewusst falsche Behauptungen aufgestallt, um sie zu diskreditieren. Es soll quasi eine Träumerei sein. Das Gegenteil ist richtig. Sie wird umgesetzt und das erfolgreich. Und siehe da, sie erlauben ein offeneres Leben:

      https://www.volksverpetzer.de/kommentar/laender-nocovid-umgesetzt/

      • cimourdain 15. Dezember 2021, 08:30

        All das habeen wir schon auch hier diskutiert… im Mai/Juni 2020. Aber das Problem mit Hammer and Dance ist, dass sich bei uns an vielen Punkten Verzögerungen bilden: Ein Ansteigen der Inzidenz muss bemerkt werden (Meldeverzug), der Öffentlichkeit als Problem bewusst werden, die Exekutive Maßnahmen vorschlagen, diese durch das Parlament peitschen und irgendwann treten diese in Kraft. Damit ist dein Tanz außer Takt und es bleibt nur hämmern… wie vor einem Jahr.

        Außerdem ist ohne unmittelbare Bedrohung jede EInschränkung nur schwer mit dem demokratisch-rechtsstaatlichen Freiheitsbegriff vereinbar.

        • Marc 15. Dezember 2021, 09:32

          Das Bundesverfassungsgericht hat keinerlei Einwände gegen das Hämmern geäußert. Wenn die Maßnahmen begründet und befristet sind, ist es verhältnismäßig. Das ist geklärt.

          Dass die Maßnahmen außerhalb des Taktes erfolgen ist doch kein Gegenargument, sondern muss doch zur Frage führen, wie schaffen wir es im Takt.

    • Stefan Sasse 14. Dezember 2021, 17:15

      Dank der politischen Dynamiken leider praktisch aussichtslos 🙁

  • Marc 14. Dezember 2021, 11:12

    Nur für starke Nerven. Die Omicron Modellierung unseres Nachbarn Dänemark:

    https://twitter.com/kakape/status/1470437771852537856

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